GORTER, DIE KOMMUNISTISCHE LINKE UND DIE GRÜNDUNG DER KOMMUNISTISCHEN ARBEITERINTERNATIONALE (KAI)

5. KAPITEL

GORTER, DIE KOMMUNISTISCHE LINKE UND DIE GRÜNDUNG DER KOMMUNI­STISCHEN ARBEITERINTERNATIONALE (KAI)

<<>>EIN GESCHEITERTES UNTERFANGEN (1921-1927)>

Die Anerkennung der KAPD als „sympathisierende Par­tei“ der 3. Internationale, die einen ständigen Vertreter bei der Exekutive hatte (1), erschien im Januar 1921 als ein Sieg der Oppositionspolitik, die von Gorter und Pan­nekoek betrieben worden war. Eine Arbeitsgemeinschaft zwischen der Komintern und den Linkskommunisten war möglich geworden. Dies schien zumindest aus den Aussa­gen Sinowjews hervorzugehen, der im Namen des Exeku­tivkomitees schrieb: „Der Kern der KAPD umfasst wirklich revolutionäre Arbeiter. Diese Partei hat in der letzten Zeit einen großen Schritt hin zum Kommunismus gemacht, als sie Laufenberg, Wolffheim und Otto Rühle ausschloss. Die KAPD kritisiert unsere deutschen Genossen. Auch das ist noch kein Unglück. Die KPD ist gewiss nicht fehlerfrei: wir brauchen nur an ihre Haltung während des Kapp-Putsches und während des letzten Aufstandes der Berliner Elektriker zu erinnern...“ (Brief des Zentralkomitees der KI vom 15.01.1921, in Die Aktion, Nr. 13-14, Ap. 1921).

Die Arbeitsgemeinschaft zwischen Linkskommunisten und der Komintern war nur von kurzer Dauer. Sie überlebte die Märzaktion 1921 in Mitteldeutschland nicht. Das in­ternationale Umfeld wurde immer ungünstiger, nicht nur mit dem deutlichen Rückfluss der Weltrevolution, sondern vor allem infolge der von russischen Staat betriebenen Politik. Die Außenpolitik dieses Staates, die Ereignisse um Kronstadt und schließlich die Politik der Komintern in Deutschland waren alles wichtige Elemente bei dem end­gültigen Bruch, der auf dem 3. Kongress der Komintern vollzogen wurde. Dem voraus ging der Ausschluss der Minderheit der KPN vor dem 3. Kongress; im Sept. 1921 folgte dann der der KAPD, der das Ende einer internatio­nalen Opposition innerhalb der Komintern einläutete. Von da an übernahm die holländische kommunistische Linke die Führung der internationalen Opposition außerhalb der Internationale. Aufgrund der Initiative Gorters aber nicht Pannekoeks wurde eine Kommunistische Ar­beiterinternationale (KAI) gegründet, die ein aussichtslo­ses Abenteuer war. Diese sollte den Niedergang der Linkskommunisten in den Niederlanden, aber auch in Deutschland beschleunigen, bevor Ende der 20er Jahre die Gruppe der Internationalistischen Kommunisten (GIK) entstand.

Während das Zentrum der holländischen Linke sich nach Deutschland hin verlagert hatte und selbst nach Großbritannien und Bulgarien, wurden die Niederlande zum theo­retischen und politischen Zentrum der internationalen linkskommunistischen Bewegung.

1) DER RÜCKFLUSS DER WELTREVOLUTION

Die NEP (Neue Ökonomische Politik), die nach dem März 1921 in Russland in der Wirtschaft praktiziert wurde, war durch den russischen Staat durch eine wahre NEP im diplomatischen Bereich eingeleitet worden. Die­ser versuchte, alte Allianzen mit verschiedenen Staaten der kapitalistischen Welt wieder aufzubauen. Durch die Vermittlung des in Deutschland im Gefängnis in Russland sitzenden Radeks wurden Kontakte schon im Herbst 1919 mit der Reichswehr und den Liberalen aufgenommen, aber auch mit dem Millionär Rathenau, mit dem Ziel, die Möglichkeit militärischer und wirtschaftlicher Allianzen zwischen Deutschland und Russland zu erörtern. Schon vom Oktober 1919 an meinte Radek offen: Die Möglich­keit eines Friedens zwischen kapitalistischen und proletari­schen Staaten ist keine Utopie“ (2). Faktisch entstand solch ein Bündnis im Jahre 1920, das sich gegen den Versailler Vertrag und die Alliierten richtete, während des russisch-polnischen Krieges. Deutschland gab eine Neutralitätser­klärung ab, die den Transport von Munition der Alliierten nach Polen durch deutsches Territorium untersagte. Mit den alliierten Ländern versuchte Russland Handelsbezie­hungen herzustellen, und diese wurden auch aufgebaut. Ein Handelsabschluss wurde zwischen Großbritannien und Russland am 16. März 1921 während der Ereignisse in Kronstadt unterzeichnet. Ein Modus vivendi zwischen der kapitalistischen Welt und dem Sowjetstaat, der zuvor von Pannekoek heftig verworfen worden war, wurde langsam zu einer Wirklichkeit. Der Vertrag von Rapallo 1922 sollte dies untermauern. Aber der am meisten besorgniserre­gende Faktor war die schrittweise Unterwerfung der Komintern unter die nationalen Ziele des russischen Staates. Dieser sorgte dafür, dass seine eigenen Interessen denen der revolutionären Interessen der Internationale vorangestellt wurden. Die Türkei ist ein klares Beispiel für diesen Widerspruch. Schon von 1919 an waren in Berlin auch durch die Vermittlung Radeks zwischen der russi­schen Regierung und dem türkischen Nationalistenführer Enver, der später am Kongress von Baku teilnehmen sollte, Kontakte hergestellt worden. Freundschaftliche Be­ziehungen wurden mit Mustapha Kemal von 1920 an auf­gebaut, die zu einem Abschluss mit der Türkei am 16. März 1921 führten. Mustapha Kemal war nicht nur der Verantwortliche für die Niederschlagung der Bauernbe­wegung, welche von der Komintern unterstützt worden war, sondern er ließ die ganze Führung - die in Deutsch­land durch die Spartakisten politisch gebildet worden war und jedem Nationalismus feindlich gegenüberstand - der kommunistischen Partei der Türkei umbringen. Dieses Massaker tat den guten Beziehungen zwischen dem russi­schen Staat und der Türkei keinen Abbruch. Zum ersten Mal wurde deutlich, dass Regierungen, die gute diplomati­sche Beziehungen mit Russland unterhielten, ungestraft revolutionäre Militanten, Mitglieder der Kommunisti­schen Internationale ermorden oder außerhalb des Geset­zes stellen konnten, ohne dadurch die Gunst des russi­schen Staates zu verlieren, dessen Politik ja eigentlich der der Komintern hätte unterworfen werden müssen. Diese Ereignisse, die sich im Januar 1921 abspielten, waren die direkte Folge der Politik der Komintern, die vom 2. Kon­gress unterstützt worden war, der Unterstützung der sog. Befreiungsbewegungen.

a) DIE KRONSTÄDTER EREIGNISSE (MÄRZ 1921)

Mehr als der Bereich der Außenpolitik sollten die Kron­städter Ereignisse den Graben aufzeigen, der sich zwi­schen dem russischen Staat und dem Proletariat aufgetan hatte. Im Februar 1921 waren Streiks in Petrograd ausge­brochen, das zuvor das Zentrum der russischen Revolu­tion gewesen war. Sie waren sowohl gegen die Lebens­mittelrationierung gerichtet, als auch gegen die Wirt­schafts- und Gesellschaftspolitik des Staates und der Bol­schewistischen Partei. Trotz der Beschuldigungen, dass die Streiks von Menschewiki, Sozialrevolutionären oder Anar­chisten - die meisten von ihnen befanden sich im Gefäng­nis - „geschürt“ worden waren, trug die Bewegung einen spontanen und organisationslosen, ja führerlosen Cha­rakter. Sie hatte sich auf alle großen Fabriken ausgedehnt, auch auf Putilov, die Hauptbastion der Revolution 1917. Demgegenüber reagierten Sinowjew und die Bolschewiki Petrograds mit repressiven Maßnahmen. Die Demonstra­tionen wurden durch die Kadetten gewaltsam aufgelöst, Aussperrung der streikenden Arbeiter, Entzug der Le­bensmittelmarken für die Streikenden, Verhängung des Kriegsrechtes, umfangreiche Verhaftungen, sofortiges Erschießen bei Bildung von Versammlungen, Überwachung der Arbeiter in den Fabriken durch bewaffnete Truppen der Bolschewiki (4). Diese Maßnahmen führten aber zu einem Ausbruch der Unzufriedenheit der Arbeiter, die sich seit Monaten angehäuft hatte, und zu deren Politisie­rung. Die politischen Forderungen: Abschaffung des Kriegsrechtes, Befreiung aller Gefangenen, Versamm­lungs-, Presse- und Redefreiheit für die Arbeiter, freie Wahlen für die Fabrikkomitees, für die Räte, all diese Forderungen waren gegen „die Diktatur der Partei und die Tscheka“ gerichtet und bewiesen den Widerspruch zwi­schen Proletariat und Staat, ein Staat, mit dem sich mitt­lerweile die Bolschewiki verbunden fühlten, weil sie sich mit ihm identifizierten. Sie stellten einen Aufruf zur Ar­beiterdemokratie und zur Wiederbelebung der Arbeiter­räte dar, die zuvor vom Staat und der bolschewistischen Partei aufgesaugt worden waren.

Als sie von den Ereignissen erfuhren, schickten die Ma­trosen und Arbeiter Kronstadts Delegationen zu den Fa­briken in Petrograd. Danach griffen die Matrosen und Arbeiter Kronstadts die Forderungen der Arbeiter Petro­grads auf und erweiterten sie: Neuwahl der Arbeiterräte in geheimer Wahlabstimmung, Organisation außerhalb der bolschewistischen Partei einer Konferenz der Arbei­ter, Soldaten und Matrosen der Provinz, Presse- und Or­ganisationsfreiheit für die Anarchisten und Linkssoziali­sten. Die Ankunft Kalinins und Kuzmins in Kronstadt, die eine provozierende Haltung einnahmen, überstürzte alles. Es wurde ein provisorisches revolutionäres Komitee (PRK) gegründet, das die ganze Bevölkerung der Insel repräsentierte, all das zu einem Zeitpunkt, als die Arbei­ter Petrograds unter den Folgen des Terrors die Arbeit wieder aufnahmen.

Die gewaltsamen Zusammenstösse zwischen den Bolsche­wiki, den Matrosen und den Arbeitern Kronstadts wurden unvermeidbar. Diese wurden als „weiße Garden“, als Konterrevolutionäre bezeichnet, die im Dienste der „französischen Kapitalisten“ standen (1), ihre Familien wurden als Geiseln genommen, ihnen selbst wurde ge­droht, wie Wildenten abgeschossen zu werden. Trotzki, den die Aufständischen den Junker, den Bluthund Trotzki nannten (2), gab am 7. März den Befehl zur Niederschla­gung Kronstadts, wodurch viele Matrosen und Arbeiter abgeschlachtet wurden. „Ich gebe jetzt den Befehl zur Vor­bereitung der Niederschlagung der Revolte. Die Aufständi­schen werden erschossen werden“ (3). Mit dem Schlachtruf „Siegen oder sterben“ kämpften die Matrosen und Arbei­ter, die alle bewaffnet waren, mit einer Energie der Ver­zweifelten. Die Regierung hatte Tausende von Soldaten mobilisiert, von denen ein großer Teil aus Zentralasien kam, und die damit der offiziellen Propaganda leichter zugänglich waren. Auch Mitglieder der Bolschewistischen Partei, darunter auch der Arbeiteropposition (4) schlossen sich ihnen an. Hinter ihnen standen die Tschekisten, die viele Deserteure erschossen, oder auf die Truppenteile schossen, die sich den Aufständischen in Kronstadt ange­schlossen hatte. Die Truppen Tukatschewskis (5) schlugen den Aufstand nieder. Tausende von Matrosen und Arbei­ter wurden erschossen, die überlebenden ins Gefängnis gesteckt oder in Lager, wo sie starben (6).

Das Programm der Aufständischen von Kronstadt war nicht ausreichend klar, um die Unterstützung der Links­kommunisten zu gewinnen. Es verwarf sicher jegliche Be­jahung einer Nationalversammlung und einer Rückkehr in die Vergangenheit. Sie wünschten einfach auf konfuse Weise eine Diktatur der Räte, ohne irgendeine Partei, und keine Diktatur, die von nur einer Partei ausgeübt wurde. Diese Idee der Diktatur der Klasse, die der Parteidiktatur gegenübergestellt wurde, wurde jedoch Ende des Jahres 1920 von den holländischen und deutschen Linkskommu­nisten, insbesondere von der KAPD, entwickelt. Aber der Aufruf zu einer „3. Revolution“ seitens der Kronstädter blieb sehr unklar und eröffnete keine Perspektive. Auch die Auffassung, derzufolge man den Bauern auf ihrem Boden eine vollständige Handlungsfreiheit einräumen müsste, ohne „die Lohnarbeit zu benutzen“ (1) - konnte nur auf die Ablehnung Gorters und der KAPD stoßen. Diese verwarfen jede Konzession an die Bauernschaft, die sie mit den Kulaken gleichstellten. Anfänglich unterstützte die KAPD die offizielle Version eines Komplottes gegen Sowjetrussland. Unter dem Vorwand, dass französische Boote sich in Reval befanden, um den Aufstand in Russ­land zu unterstützen (was falsch war), behauptete die KAPD:

"Die russischen konterrevolutionären Emigranten, die nach Russland zurückkehren, und der Graf Wangel bereiten sich in Ungarn auf eine militärische Unterstützung vor“ (2).

Die Handlungen der Aufständischen wurden als konterre­volutionär und antikommunistisch verurteilt. „Die genauen Kenntnisse der Bedingungen in Russland ermöglichten es den Konterrevolutionären, einen Aufstand auszulösen, der in seiner ersten Phase wie eine 3. Revolution erschien. Im Laufe des Kampfes trat jedoch durch die Forderung nach einer Nationalversammlung deutlich das Wesen dieses Auf­standes hervor, dass er nämlich gegen den Kommunismus gerichtet ist“. Aber das Organ der KAPD wies auf den Hintergrund hin: Hunger und „die Unzufriedenheit mit der Diktatur der Partei und der sowjetischen Bürokratie“. (3)

Erst nachdem die Delegierten der KAPD aus Moskau und insbesondere Arthur Goldstein (4), der die Partei bei Exekutivkomitee der Komintern vertrat, einen detaillier­ten Bericht gegeben hatten, änderte sich die Haltung der Linkskommunisten. Goldstein gab eine genauere Ein­schätzung der Bedeutung Kronstadts aus der Sicht der Arbeiterklasse:

"Die Gegensätze zwischen Proletariat und Sowjetregierung traten dann noch schärfer hervor bei dem Ausbruch der Le­bensmittelunruhen in Moskau und Petersburg, bei denen die Sowjetregierung sehr scharfe Maßregeln, die auch nicht an­ders sind als in einem kapitalistischen Staate, und ich möchte sagen, dass auch der Kronstädter Aufstand als ein Symptom anzusprechen ist für den Gegensatz zwischen Proletariat und Sowjetregierung. Die Geschichte über den Kronstädter Aufstand ist heute noch nicht abgeschlossen, und wir wollen heute noch kein endgültiges Urteil darüber abgeben. Aber sicher ist heute soviel, dass beim Kronstädter Aufstand nicht nur ausländisches Kapital als Faktor gegen die Sowjetregierung auftrat, sondern dass große Teile des russischen Proletariats innerlich auf Seiten der Kronstädter Aufständischen sich befanden“ (Goldstein auf dem „Außerordentlichen Parteitag der KAPD, vom 11.-14.9.1921 in Berlin, aus Protokoll S. 58-59).

Diese Haltung der KAPD war viel klarer und fundierter als die, welche Gorter bezogen hatte. Gorter war auf dem 3. Kongress der Komintern (6) von Radek und Sinowjew beschuldigt worden, Kronstadt unterstützt zu haben. Wäh­rend er betonte, dass das russische Proletariat sich gegen die kommunistische Partei erhoben hatte, und dass es bes­ser sei, „eine Diktatur der Klasse anstatt eine Diktatur der Partei zu haben“, fand Gorter die von den Bolschewiki ge­genüber Kronstadt ergriffenen Maßnahmen, als „notwendig“. Mittels dieser Maßnahmen war die Konter­revolution niedergeschlagen worden, und Gorter ging da­von aus, dass die Linkskommunisten auch in Westeuropa zu solchen Maßnahmen gezwungen sein konnten, wo ein Teil des Proletariats sich auch noch konterrevolutionärer verhalten würde.

"Bei euch konntet ihr, als ein Teil des Proletariats sich gegen euch in Kronstadt und Petersburg erhob, die Gegenrevolu­tion noch unterdrücken. Weil sie bei euch schwach ist. Bei uns aber würde sie, wenn ein Teil des Proletariats sich gegen uns erhöbe, siegen. Denn die Gegenrevolution ist bei uns sehr mächtig“ (H. Gorter, „Die Klassenkampf-Organisation des Proletariats“, ebenda S. 245).

Diese seltsame Auffassung seitens eines Militanten, der eine Klassendiktatur in Gestalt der Arbeiterräte befür­wortete - eine Forderung, die zum Teil in Kronstadt erho­ben worden war -, hat vor allem ihre Wurzeln in der Ein­führung der NEP am 15. März, dem Tag, als Kronstadt gestürmt wurde. Wie es Riasanow richtig unterstrich, handelte es sich um ein wahres Brest-Litovsk für die Bau­ern. Die den Bauern zugestandene Freiheit, über den Überschuss zu verfügen, die Handelsfreiheit, all dies be­deutete ein Zurückweichen gegenüber den kleinbürgerli­chen Kräften. Während diese Politik der Konzessionen aus Lenins Sicht ein vorübergehender Rückzug war, kün­dete dies dennoch die berühmt gewordene, von Bukarin an die Kulaken gerichtete Losung an „Bereichert Euch“. Es ist symptomatisch, dass diese Maßnahmen mehr als die Repression jeden Aufstandsversuch der Soldaten zugun­sten der Meuternden in Kronstadt entschärften.

Im Gegensatz zur KAPD, die enge Beziehungen mit den Linkskommunisten Russlands geknüpft hatte und besser informiert war (1), meinte Gorter, dass Kronstadt und die NEP den Triumph einer bäuerlichen Konterrevolution darstellten. Aus seiner Sicht war eine „kleine Aktion einer Gruppe von Bauern - man behauptete dass die Mannschaf­ten der Kriegsschiffe zum größten Teil aus Bauernsöhnen zusammengesetzt waren, um den Kommunismus niederzu­werfen“. Die Bolschewistische Partei erschien aus seiner Sicht als die Partei der Bauernschaft, und „das Proletariat stand im Dienste der Bauernschaft“. Aber alle Linkskom­munisten, Gorter, Pannekoek und die KAPD stimmten darin überein, um den konterrevolutionäre Inhalt der wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen zu verurtei­len. Vom April 1921 an verurteilte die KAPD durch ihre Delegierten in Moskau die „gegenwärtigen Formen, die sich stark auf eine Art Staatskapitalismus hinentwickeln“. Ande­rerseits war nach dem 10. Kongress der Russischen Partei, auf dem die Arbeiteropposition als organisierte Fraktion wie jede Fraktion im allgemeinen, verboten worden war, die Arbeiterdemokratie in der Bolschewistischen Partei gestorben.

"Nach dem letzten Kongress der Russischen Sowjetrepublik kann es keine Zweifel mehr daran geben, dass es in Russland keine Klassendiktatur, sondern eine Parteidiktatur gibt“ (3). Diese Position Gorters, die von der KAPD geteilt wurde, kündete den Bruch mit der Komintern an. Die russische Frage und damit auch die weitere Entwicklung der Komintern rückte in den Vordergrund der Auseinander­setzungen der deutschen und holländischen kommunisti­schen Linke. Von nun an sollte sich der Ausgang der rus­sischen Revolution und die weitere Entwicklung der Komintern in Deutschland abspielen.

b) DIE MÄRZAKTION 1921

Obgleich sie auf Mitteldeutschland beschränkt blieb, stellte die Märzaktion eine schwere Niederlage der Re­volution in Deutschland dar.

Diese Aktion fand auf dem Hintergrund einer allgemei­nen Passivität des deutschen Proletariats und einer Reihe von Niederlagen statt. Der sozialdemokratische Innenmi­nister Severing, der 1920 im Ruhrgebiet durch seine Ta­lente als „Befrieder“ berühmt geworden war, als er die Reichswehr einsetzte, hatte beschlossen, Mitteldeutsch­land zu „befrieden“, wo die Arbeiter noch ihre Waffen be­halten hatten. Am 18. März, dem Tag, als Kronstadt fiel, ließ die Sozialdemokratie Mitteldeutschland militärisch besetzen. Diese Gegend war eine der stärksten Bastionen der beiden rivalisierenden Parteien VKPD und KAPD. Trotz der Spaltung der sächsischen Tendenz um Rühle gab es eine sehr starke, der KAPD nahe stehende AAU in den Leuna-Werken, von denen 2.000 von den 20.000 Ar­beitern den AAU angehörten. Anderseits waren Leute wie Max Hölz und Karl Plättner Mitglieder der KAPD - ob­gleich auf eher informelle Weise (4). Aufgrund ihrer Ent­eignungsaktionen waren sie in Mitteldeutschland sehr be­liebt. Sie waren in dieser Gegend die militärischen Orga­nisatoren der Partei.

Als sich auf diesem Hintergrund das deutsche Proletariat in der Defensive befand, fing das Exekutivkomitee der Komintern - oder ein Teil desselben- an, die Theorie „die Revolution forcieren“ zu entwickeln. Männer wie Bela Kun wurden nach Deutschland geschickt, um die VKPD zur Offensive zu drängen, auch mittels bewaffneter Aktio­nen. In Windeseile hatte die Komintern die opportunisti­sche Taktik des „offenen Briefs“ an die Gewerkschaften durch eine „Einheitsfront“-Taktik eingetauscht, die ihrer­seits abenteuerlich, putschistisch war.

Der von der VKPD verbreitete Aufruf zur Bewaffnung der Arbeiter und zum Generalstreik im Bezirk Halle, wo es die Leuna-Werke gab, stieß auf ein geringes Echo. Ge­genüber dieser Passivität schlug Eberlein - der frühere Delegierte der KAPD auf dem ersten Kongress der Komintern - vor, falsche Attentate gegen die VKPD zu verüben, um die Empörung der Massen zu provozieren. Mit Unterstützung des Exekutivkomitees trat er für den bewaffneten Aufstand um jeden Preis in Mitteldeutsch­land ein (1).

Die KAPD ihrerseits verfiel auch dem Abenteurertum. Während die Arbeiter in Mitteldeutschland und auch die der Chemiewerke von Leuna noch zögerten, einen be­waffneten Kampf gegen die sozialdemokratische Partei zu führen, rief sie zum Aufstand auf. Erregte Aufrufe an die Arbeiter in Deutschland wurden veröffentlicht: „Setzt Euch in Bewegung, ob mit Messern oder Gewehren, mit Euren Zähnen oder mit Euren Fäusten; unser Schicksal steht auf dem Spiel“. Da sie nicht das Manöver des Put­sches der VKPD erkannt hatte, glaubte die KAPD, dass „die Massen der VKPD reagieren, indem sie ihren Losun­gen folgen. Sie haben ihre Führer dazu gezwungen“ (2). Auch gründete die KAPD ein Kampfkomitee mit der VKPD, um die Aktionen mit ihr sowohl hinsichtlich der Streiks als auch auf „militärischer Ebene“ zu koordinieren.

Aber in Anbetracht der Regierungsoffensive wurde der von der KAPD und VKPD verkündete Aufruf in Deutschland insgesamt kaum befolgt.

In ganz Deutschland reagierten ungefähr 300.000 Arbei­ter. In Berlin beteiligten sich sehr wenige am Streik, trotz der Versuche, mit Überraschungsaktionen die Fabriken zu besetzen und die Arbeiter daran zu hindern, zur Arbeit zu gehen. Die gemeinsamen Demonstrationen der beiden rivalisierenden Parteien KAPD und VKPD brachten nur etwa 4.000 Teilnehmer auf die Beine. Meistens blieben die Arbeiter sehr misstrauisch, wenn nicht gar feindlich ge­genüber solchen Aktionen. Trotz des sehr großen kämpfe­rischen Verhaltens bei den Märzaktionen war die KAPD insbesondere in Mitteldeutschland gespalten. Einerseits versuchten zwei Führer der KAPD - Franz Jung und Fritz Rasch - die von der Zentrale vor Ort geschickt worden waren, Streiks und bewaffnete Aktionen mit der VKPD zu koordinieren. Auf der anderen Seite organisierte Max Hölz, der aus Berlin gekommen war, in Mitteldeutschland ohne irgendeine Verbindung mit der KAPD, seine Kom­mandoaktionen, die eine Guerilla gegen die Polizei im Bergarbeiterbezirk Eislebens betrieb. Das Gleiche gilt für Karl Plättner und eine Reihe anderer anonymen Führer der KAPD, die ihre eigenen Milizen aufstellten, obgleich dies auf weniger spektakuläre Weise als bei Max Hölz ge­schah. Solche Aktionen wurden übrigens von den Arbei­tern der riesigen Leuna-Werke verworfen, von denen mindestens die Hälfte mit der AAU und der KAPD sym­pathisierten. Die Führer der KAPD und der AAU in Leuna, Peter Utzelmann (3) und Max Prenzlow, die zum Streik aufgerufen und ein gemeinsames Aktionskomitee mit der VKPD gegründet hatten, was zur Bildung von 17 bewaffneten Hundertschaften geführt hatte, verwarfen je­den bewaffneten Kampf mit der Polizei. In Anbetracht des ungünstigen Kräfteverhältnisses wäre jeder Zusammen­stoss ein sinnloses und kriminelles Verbrechen. Sie wussten nicht, dass sich Max Hölz mit seinen Truppen nur einige Kilometer weiter entfernt befand und Jung und Rasch vor Ort waren. Am 28. März befahlen sie einem großen Teil der Aufständischen, den Rückzug anzutreten, um das Massaker zu vermeiden. Sie verließen die Fabrik. Am darauf folgenden Tag wurde die Fabrik von der Polizei bombardiert, die 34 Arbeiter tötete und 1.500 gefangen nahm. Die Wut bei den Mitgliedern der KAPD in Leuna war groß, die nicht mit ihrer Partei und der Taktik Max Hölzens übereinstimmten (5). Max Hölz, der mit seinen Partisanen - 2.000 an der Zahl - umzingelt war, musste nach einem 10 Tage dauernden Kampf am ersten April aufgeben. Am 31. März gab die VKPD den bewaffneten Kampf auf. Das war das Ende der Märzaktionen, die zu einer Niederlage geführt hatten.

Die Bilanz der Märzaktion war verheerend: ca. 100 Ar­beiter getötet, Tausende verhaftet, Tausende mit Zucht­haus bestraft. Hölz, Plättner, Utzelmann wurden auch ins Zuchthaus gesteckt. Die Konsequenzen für die VKPD wa­ren noch schlimmer als für die KAPD. Die Mitgliederzahl bei der VKPD sank von 350.000 auf 150.000 innerhalb we­niger Wochen. Aber die Mitgliederzahl der KAPD blieb stabil: von 38.000 im April 1920 zum Zeitpunkt ihrer Gründung stieg sie gar auf 41.000 im Sept. 1921; dies sind Zahlen, die auf ihrem außergewöhnlichen Kongress bekannt gegeben wurden. Aus der Sicht vieler Arbeiter blieb die KAPD die Partei Max Hölzens, der im Gefängnis im­mer noch eine große Popularität genoss, die genauso groß war wie die Demoralisierung in den Reihen der Arbeiter selbst. Der individualistische Aktivismus eines Max Hölz war das direkte Gegenstück der kollektiven Passivität der Arbeitermassen. Die von der KAPD auf Max Hölz ge­richtete Aufmerksamkeit dauerte jedoch nicht lange. Hölz verließ im Nov. 1921 die KAPD, um in die VKPD einzu­treten (1).

Mehr noch als die Kronstädter Ereignisse sollte die Mär­zaktion die Spaltung innerhalb der KAPD beschleunigen, und auch die zwischen den Linkskommunisten in Holland auf der einen und der VKPD und der Komintern auf der anderen Seite. Die KAPD begann eine lebhafte Polemik - unterstützt von Gorter - gegen die Haltung der VKPD und der Komintern während der Märzaktion von 1921. Eine teilweise von Gorter verfasste Broschüre (2) wurde eigens zu diesem Zweck veröffentlicht: „Der Weg des Dr. Levi - der Weg der VKPD“. Levi hatte in einer Broschüre mit dem Titel „Gegen den Putschismus“ die Haltung der Exekutive der Komintern und der Führung der VKPD während der Märzaktion infrage gestellt. Aus Levis Sicht handelte es sich um den „größten bakunistischen Putsch in der Geschichte“. Weil er seine Partei und die Komintern kritisiert und ohne Absprache seine Broschüre veröffent­licht hatte, war Levi aus der Partei ausgeschlossen wor­den. Aber viele teilten seine Kritik innerhalb der VKPD, insbesondere der rechte Flügel um Clara Zetkin und schließlich auch Lenin in der Komintern. Aus Gorters Sicht wie auch aus Sicht der KAPD war die Broschüre Levis umso gefährlicher, da die Grundlage der Kritik am Putschismus zutraf. Diese Kritik konnte nur zur alten so­zialdemokratischen Taktik, pazifistisch und parlamenta­risch vorzugehen, zurückkehren, indem sie sich nicht nur gegen die Führung der VKPD und der Komintern rich­tete, sondern - und das war der wirkliche Hintergrund des Problems - gegen jede Aufstandsbewegung der Klasse zum Zwecke ihrer Verteidigung, auch wenn sie nur von einer Minderheit durchgeführt wurde. Levi gab jede grundlegende Solidarität mit den revolutionären Minderheit des Proletariats auf, die zur Zielscheibe der Offensive des Kapitalismus geworden waren. Sein Weg konnte ihn nur zurück in die Arme der Sozialdemokratie führen (3).

Die Broschüre der KAPD und Gorters war keine Selbst­kritik der Handlungen der Partei während der Märzaktio­nen. Diese Kritik ist eigentlich nie verfasst worden (4). Es handelte sich um eine Verteidigung der Minderheitsbewe­gung der Arbeiter Mitteldeutschlands, die in die Defensive gedrängt worden waren. Die KAPD bewies, dass diese Bewegung eine Verteidigungsbewegung war, und dass es sich nicht um eine offensive Taktik, so wie sie von der Komintern und der Führung der VKPD befürwortet wor­den war, handelte. Der gemeinsame Aufruf der beiden Parteien zum Streik diente „ausschließlich der Verteidigung und der Solidarität gegenüber einem konterrevolutionären Angriff“ (ebenda, S. 5).

Gorter und die KAPD stellten die Führung der VKPD und Levi auf eine Ebene. Es handelte um die „Dummheit der VKPD, die Dummheit des Exekutivkomitees Moskaus, die größte Dummheit der 3. Internationale“. Der Putschismus der VKPD, unterstrich zu Recht Gorter, konnte nur das Gegenstück der parlamentarischen Politik Levis und der Komintern sein. „Die beiden Methoden widersprechen sich nicht. Sie wachsen notwendigerweise auf dem Boden des Opportunismus“ (S. 11) (5).

Die Broschüre der KAPD und Gorters litt unter einer Reihe von Interpretationsschwächen. Sie überschätzte stark das Ausmaß der Märzaktionen und den historischen Kurs. Auf widersprüchliche Weise behauptete sie, dass die Märzaktion einerseits eine defensive gewesen sei, andererseits sei sie der „erste bewusste Angriff der revolutionären Proletarier Deutschlands gegen die Staatsmacht der Bourgeoisie gewesen“ (S. 21). Während Rühle ziemlich klar erkannte, dass „die Revolution in Deutschland für eine lange Zeit verloren sei“, meinten Gorter und die KAPD, dass es noch einen Kurs hin zur Revolution gäbe. „Die deutschen Arbeiter haben endlich ihre Passivität hinter sich gelassen, die so lange die deutsche Revolution in ihrem Griff gehalten hatte“ (ebenda, S. 22). Dies war eine naive Schlussfolgerung, denn in der gleichen Broschüre wird mit Bitterkeit festgestellt, dass „selbst die großen Arbeitermassen Mitteldeutschlands neutral blieben, wenn sie nicht gar feindlich gegenüber der kämpfenden Avantgarde eingestellt waren“ (ebenda, S. 24). Schließlich hatte die Märzaktion nur einen „pädagogischen Effekt für das Klassenbewusstsein“ gehabt. „Der offene Kampf gegen den bürgerlichen kapitalistischen Staat deckt das wahre Gesicht der Demokratie auf“ (ebenda, S. 25). Aber sollte das deutsche Proletariat wirklich die Märzereignisse 1921 abgewartet haben, um seit 1919 dieses „wahre Gesicht der Demokratie“ zu entdecken? Auf diese Frage gab es keine Antwort.

Gorter und die KAPD verstanden nicht, dass der revolu­tionäre Kurs in Deutschland und in der ganzen Welt dabei war zu kippen. Sie merkten dies erst viel zu spät (2). 1921 setzten sie auf die Weltwirtschaftskrise, während der Ka­pitalismus anfing, sich bis 1928 unter den Auswirkungen des Wiederaufbaus zu stabilisieren, was in Deutschland nur auf den Zeitraum zwischen 1924-28 zutraf. Die Welt­krise sollte fast automatisch einen revolutionären Sieg er­möglichen: „Die Weltkrise, welche 2 Jahre lang durch die Beendigung des Krieges eingegrenzt worden war, fängt jetzt erst richtig an. Sie wird schrecklich sein und kann und wird uns unseren Sieg ermöglichen“ (ebenda, S. 19). Diese Ver­wechslung zwischen historischer Krise des Kapitalismus (Dekadenz), die sich über einen ganzen Zeitraum hin entfaltet, und der offenen Krise, liefert die Erklärung für das Abenteuer der Bildung einer kommunistischen Ar­beiterinternationale, die ein Mittel zur Beschleunigung des tatsächlichen Kurses der Geschichte sein sollte.

Auf ihrem 2. Kongress äußerte sich die Komintern durch eine Stellungnahme Trotzkis (3) viel klarer als Gorter, wobei sie die Idee verfolgte, die Taktik der „Einheitsfronten“ und des Parlamentarismus fortzusetzen:

"Die Lage wird für uns immer günstiger, aber auch immer komplexer. Wir werden den Sieg nicht automatisch erringen. Der Boden ist von unserem Feind vermint worden, und der Feind ist stark; er sieht sehr wohl unsere Schwächen, er weiß, welche Manöver er kaltblütig durchführen muss... Je größer die Gefahr ist, desto mehr schmeißt eine Klasse ihre ganzen Kräfte genauso wie jeder Einzelne in den Kampf zur Selbstbehauptung“. Und Trotzki schlussfolgerte: „1919 sagten wir „Es ist alles eine Sache von ein paar Monaten. Heute sagen wir, es ist vielleicht eine Frage von Jahren“.

Praktisch war die kommunistische Strömung der deut­schen und holländischen Linken innerhalb der Komintern vollständig isoliert, bevor sie auf einem Kongress der In­ternationale (dem 3.) zum letzten Mal ihre Stimme erhe­ben konnte. Innerhalb der Internationale hatte es schließlich kaum Reaktionen gegen die Politik des russischen Staates und die Taktik der Komintern gegeben. Und die Haltung Clara Zetkins, die den Standpunkt Levis vertrat, wurde von Lenin vor dem Kongress unterstützt. Aber für die Holländer wie für die Deutschen kam es darauf an, bis zum Ende für die Rettung der russischen Revolution und die Weltrevolution zu kämpfen, indem die 3. Internatio­nale aus den Händen des russischen Staates gerissen wer­den sollte: „

Wir müssen mit allen Mitteln durch Handeln versuchen, dass Russland eine Arbeitermacht bleibt. Aber wir müssen uns trotzdem das Ziel setzen, dass die 3. Internationale sich politisch und organisatorisch vom politischen System des russischen Staates löst, um die Bedingungen der Revolution in Westeuropa zu berücksichtigen. Die nächste Etappe auf dem Weg zu diesem Ziel scheint uns der Aufbau einer poli­tischen Kraft in Westeuropa zu sein, die im engeren Kontakt mit Moskau es ermöglicht, eine ständige Unabhängigkeit in allen politischen und taktischen Fragen hinsichtlich Westeu­ropas zu gewinnen“ (KAZ, 1. Mai 1921).

Dieser Vorschlag, der 1926 von Bordiga aufgegriffen wurde, ließ jedoch die Frage der Kontrolle der Politik des russischen Staates und der bolschewistischen Partei durch die 3. Internationale ungeklärt. Dieser Vorschlag erschien wie ein frommer Wunsch, der auch von Pannekoek geteilt wurde. Aus seiner Sicht war mit der „Märzaktion die gei­stige Führung der westeuropäischen Revolution von Russland auf Westeuropa selber übergegangen“. Für die Arbeiter Europas sollte das russische Proletariat und „vor allem seine Führer einfache Kampfgefährten und ein Verbündeter sein“ (1).

Obgleich sie zur Isolierung verurteilt waren und als Anar­chisten und linke Sozialrevolutionäre von den russischen Führern der Komintern bezeichnet wurden, beabsichtig­ten die Linkskommunisten damals noch nicht die Grün­dung einer Internationale und noch weniger die Errich­tung eines Bundes der Unzufriedenen. Die deutsch-hol­ländische Strömung verwarf jedes Bündnis oder eine Front mit anarchistischen Elementen, selbst wenn sie aus der Komintern ausgeschlossen werden sollte. In einer Antwort an den Anarchisten Erich Mühsam, der eine Zeitlang Mitglied der VKPD gewesen war, bevor er aus dieser ausgeschlossen wurde, und der im Anschluss daran eine „Front aller Ausgeschlossenen“ errichten wollte, brachte Pannekoek im Namen der Linken ein kategori­sches Nein zum Ausdruck. Selbst als sie vom 3. Kongress ausgeschlossen worden waren, blieben die deutsche und holländische Linken solidarisch mit den Bolschewiki: „Sie wollen einen Bund aller von Moskau ausgeschlossenen re­volutionären Gruppen bilden. Wir wollen das nicht, weil ein solcher Bund von selbst eine Spitze gegen Moskau bekom­men würde. Wir fühlen uns, trotzdem der Moskauer Kongress unsere Richtung ausschloss, völlig solidarisch mit den russi­schen Bolschewiki... Wir bleiben daher solidarisch, nicht nur mit dem russischen Proletariat, sondern auch mit seinen bolschewistischen Führern, trotzdem wir ihr Auftreten inner­halb des internationalen Kommunismus aufs schärfste kriti­sieren müssen. (Die Aktion, Nr. 11-12, 19.03.1921).

Die Antwort Pannekoeks war schon eine gewisse War­nung. Nach Kronstadt und der Märzaktion stand der Aus­schluss der Linkskommunisten aus der Komintern vor der Tür. Die holländische Linke sollte dies als erste zu spüren bekommen.

2. DER AUSSCHLUSS DER KOMMUNISTISCHEN LINKE

a) DIE LINKE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI HOLLANDS

Nachdem Wijnkoop die Thesen des 2. Kongresses der Komintern unterstützt hatte, wurden die Angriffe gegen die Opposition der KPN seitens der Führung um Wijn­koop immer heftiger. Obgleich die Opposition sich um ihr Organ „De Roode Vaan“ zusammengeschlossen hatte, blieb sie isoliert. Nur ein Drittel der Mitglieder der Partei sympathisierte mit ihr, aber sie hatte ein großes Echo un­ter den Arbeitern der KPN. Die Sektionen in den Indu­striestädten wie Enschede und Zwolle standen auf ihrer Seite. Intellektuelle wie Pannekoek selber und vor allem Roland-Holst - immer zum Zentrismus geneigt - zögerten sehr, den Kampf auf der Seite Luteraans und Gorters zu führen. Pannekoek fiel es leichter, sich aus der Ferne an der Seite der KAPD gegen den Opportunismus der Komintern zu engagieren, als den praktischen Kampf ge­gen diesen gleichen Opportunismus innerhalb seiner ei­genen Partei zu führen (3).

Nach dem 2. Kongress der Komintern hatte die Opposition keinen Zweifel daran, dass Wijnkoop, den sie den hollän­dischen Levi nannten, durch „völlig despotische und per­sönliche Methoden sich anschickte, die Oppositionsströ­mung auszuschließen (4)“. Sie konnte auf keinen Fall mit der Unterstützung der anarchistischen, syndikalistischen NAS rechnen, die Hand in Hand mit der KPN arbeitete. Wie für die KAPD und Pannekoek stand es außer Frage, eine Oppositionsfront mit den revolutionären Syndikali­sten zu bilden, die die Politik Moskaus kritisierten. Deut­lich stellte „De Roode Vaan“ die NAS und Wijnkoop auf die gleiche Ebene: „Von einigen Ausnahmen abgesehen be­gehen die Syndikalisten in allen Ländern einen Verrat. Sie sind Gegner des Rätesystems, der Diktatur. Sie treten ein für einen zerstörerischen Pazifismus im Bereich der Innen- und Außenpolitik“ (5). Die Zusammenarbeit mit der sozialde­mokratischen Gewerkschaft Troelstras, der NVV, kün­digte einen Zusammenschluss mit dieser an, was ein weite­rer Grund war dafür, dass die Opposition die NAS be­kämpfte.

Die Ankündigung eines Zusammenschlusses zwischen der NAS und NVV sollte die Opposition jedoch einige Zeit verschonen. Auf dem Oktoberkongress der KPN im Jahre 1920 hatte die Führung der Partei eine Resolution vorge­schlagen, die die Auflösung der NAS in der NVV gemäß den Richtlinien des 2. Kongresses der Komintern beab­sichtigte. Aber nicht nur in der NAS, sondern auch in der KPN regte sich dagegen großer Widerstand. Die große Mehrheit sprach sich gegen die Gewerkschaftspolitik Moskaus aus und auch gegen van Ravesteyn, der dessen entschlossenster Anhänger war. Wijnkoop tat so, als ob er die Beschlüsse des 2. Kongresses anwenden wollte, aber in Wirklichkeit unterstützte er all jene, die aus unterschiedli­chen Gründen die russische Politik kritisierten. Deshalb ließ er es auch zu, dass ein Artikel Luteraans gegen die Politik der Komintern veröffentlicht wurde, was ganz un­gewöhnlich war, denn er verfügte über eine absolute und despotische Kontrolle über „De Tribune“. Luteraan hob den „Hauptfehler der 3. Internationale hervor, der darin besteht, alle Länder der Linie Russlands zu unterwerfen“ (1). Sowohl von der Mehrheit als auch von der Opposition angegriffen, wurde die Resolution als „verfrüht“ vom Kon­gress erklärt und auf den nächsten Kongress verschoben.

Diese von Wijnkoop verfolgte Taktik der Opposition war jedoch nur von kurzer Dauer. Weniger Monate später verfügte er im April 1921 die Auflösung der Sektion in Enschede. Diese hatte einen Antrag verfasst, in dem gefordert wurde, dass die beiden Strömungen der Partei auf dem im Juni des Jahres stattfindenden 3. Kongress der Komintern vertreten sein sollten. Die Opposition forderte nur, dass die elementarsten Regeln der Arbeiterdemokra­tie angewandt werden sollten. Durch die Auflösung der Sektion in Enschede und ihre Ersetzung durch eine neue, „löste“ die Führung um Wijnkoop den Antrag der Sektion auf ihre Art. Diese Angelegenheit war der Beginn einer wahren Hexenjagd gegen all diejenigen, die sich mit der aufgelösten Sektion von Enschede solidarisierten. Lu­teraan wurde im Mai 1921 aus der KPN ausgeschlossen. Aber Wijnkoop begnügte sich nicht damit. Er zögerte nicht vor Verleumdungen gegen einen Genossen aus En­schede, G. J. Geers (2), der mit 40 anderen Mitgliedern der Sektion ausgeschlossen wurde. Ihm wurde vorgewor­fen, ein deutscher Spion zu sein, obgleich er sich zum ent­sprechenden Zeitpunkt in Spanien befand. Aber seine ein­zige „Schuld“ bestand darin, dass er einer der Hauptre­dakteure der „Roode Vaan“ war. Alle, die sich mit Lu­teraan und Geers solidarisierten, wurden ausgeschlossen. Dies geschah auch mit den Genossen aus Zwolle im Juni. Man muss beachten, dass all diese Ausschlüsse gegen die Statuten verstießen, da sie nicht von einem Kongress der Partei, sondern von den Führungsgremien der KPN be­schlossen worden waren. Alle Anträge der Ausgeschlosse­nen, ihren Ausschluss bis zum nächsten Kongress der KPN aufzuheben, welcher im November stattfinden sollte, wur­den verworfen. Die letzte Handlung Wijnkoops gegen die Opposition bestand darin, die Nieuwe Tijd aus den Hän­den der Opposition zu reißen. Es gelang ihm nicht, denn die Mehrheit der Redaktion, die die alte marxistische Zeitung in ihren Händen hielt, weigerte sich. Sie wollte auch nicht die Führung Roland Holst anvertrauen, der die Opposition auf eine sentimentale Art und Weise unter­stützte, der aber aufgrund seiner ihm typischen Schwäche der Mehrheit folgte (3). Schließlich erschien die letzte Nummer im Dez. 1921. In der Zwischenzeit hatte Panne­koek die KPN verlassen, obgleich er bei der Redaktion der Nieuwe Tijd weiter mitarbeitete, ohne gleichzeitig je­doch in die KAPN eingetreten zu sein, die mittlerweile gegründet worden war.

Nach all dieser Welle von Ausschlüssen, deren letzter der der Sektion in Deventer war - eine Ironie der Geschichte, denn Deventer war das glorreiche Symbol der tribunisti­schen Strömung, denn sie wurde hier zu Grabe getragen, - organisierte sich die Opposition aktiv. Von den 2.000 Mi­litanten der KPN waren ungefähr 200 ausgeschlossen worden. Sie gründeten am 4. Sept. 1921 die Kommunisti­sche Arbeiterpartei der Niederlande in Amersfort. Sie war in 10 Orten vertreten, darunter Amsterdam und Rotter­dam. In der KPN gab es weitere Spaltungen (4).

b) DER AUSSCHLUSS DER KOMMUNISTISCHEN LINKE BULGARIENS AUS DER KOMINTERN

Seit Mai 1919 hatte sich innerhalb der bulgarischen kom­munistischen Partei eine Opposition herausgebildet. Die Bulgarische Kommunistische Partei zählte ungefähr 25.000 Mitglieder, von denen 2.000 Industriearbeiter wa­ren. Von ihrem Gründungskongress an vertrat die Oppo­sition eine linkskommunistische Linie: Verwerfung des Parlamentarismus, Verwerfung jeder Allianz mit der Bau­ernschaft, deren politischer Repräsentant die Partei Stambuliskis war, der an der Spitze der Regierung stand (1). Dies war einer der Gründe für den Ausschluss der Opposition aus der Partei. Sie agierte somit sowohl außerhalb als auch innerhalb der Partei. Im Sept. 1920 wur­den „in fast allen Industriezentren“ linkskommunistische Gruppen gegründet, die unter der Führung des Journali­sten Ivan Gantschew eine Zeitung Iskra (Der Funke) her­ausgaben. Diese Gruppen wählten damals ein provisori­sches Zentralexekutivkomitee. Ihr Kampf gegen die Poli­tik der Zentrale der bulgarischen KP wurde verschärft geführt, als die KP im Nov. 1920 - der Politik der Komin­tern folgend, Bündnisse mit der linken Sozialdemokratie zu schließen - sich mit der Mehrheit der Sozialdemokratie zusammenschloss. Dieser Zusammenschluss ergab eine große Massenpartei mit 40.000 Mitgliedern, was in Anbe­tracht einer 150.000 starken Arbeiterklasse eine sehr große Zahl war. Weil sie sich einer Politik des Bündnisses und damit auch der Führung der Partei entgegenstellten, wurde eine Reihe von Arbeitern in den Industriezentren ausgeschlossen. Im Frühjahr 1923 wuchs die Opposition von 1.000 auf 2.000 Mitglieder innerhalb und außerhalb der Partei.

Die Opposition wollte keinesfalls aus der Partei und der Komintern austreten. Zu diesem Zweck schickten „linkskommunistische Gruppen der bulgarischen KP Dele­gierte nach Moskau, um ein Mandat zu haben, das ihnen ermöglichte, zumindest mit beratender Stimme am 3. Kon­gress der Komintern teilzunehmen“. Vom März 1921 an hielten sich bulgarische Delegierte in Moskau auf und ver­suchten mehrfach ein Mandat zu erhalten - wie das im Falle der Opposition der VKPD der Fall gewesen war, um sich voll am Kongress der Internationale zu beteiligen, der sie angehörten (4). Dies wurde von Radek verweigert, aus dessen Sicht es keine „bulgarische Frage“ gab. Nach dieser Ablehnung nahmen die Linkskommunisten Kontakt mit den Delegierten der KAPD im Moskau im Juni-Juli auf, und schickten gar Delegierte nach Berlin, um mit der Führung der KAPD Kontakt aufzunehmen und auch an ihrem nächsten Kongress teilzunehmen.

Nachdem sie praktisch aus der Komintern ausgeschlossen waren, blieb ihnen nichts anderes übrig als eine eigene Partei zu gründen. Dies taten sie nach dem Kongress der KAPD. In der Industriestadt Slivnu - ein bedeutendes Textilzentrum - wurde auf einer Konferenz vom 7-10. Jan. 1922 die Kommunistische Arbeiterpartei Bulgariens ge­gründet, deren Exekutivkomitee sich in Varna (5) befand. Die Statuten der Partei sahen vor, dass 2/3 des zentralen Exekutivkomitees Arbeiter sein sollten, und dass dies alle 3 Monate ersetzt werden sollten. Dies geschah aus Angst vor einer Bürokratisierung und der Intellektuellen. Ihr Organ war die „Rabotniceska Iskra“ (Arbeiterfunke), die von „einem Arbeiter herausgegeben“ wurde. Eine sehr „ouvrieristische“ Richtung einschlagend, hatte diese Partei, die mehr als 1.000 Mitglieder umfasste und hauptsächlich aus Arbeitern zusammengesetzt war, ein großes Miss­trauen gegenüber den Intellektuellen der Partei.

C) DER AUSSCHLUSS DER DEUTSCHEN KOMMU­NISTISCHEN LINKEN

All diese Ausschlüsse waren mit der Zustimmung des Exekutivkomitees vollzogen worden, auch in Holland, wo Wijnkoop zur Rechtfertigung des Ausschlusses der Oppo­sition sich auf die Delegierten der VKPD beim Exekutiv­komitee der Komintern gestützt hatte (6).

Die KAPD, die nach Moskau mit der Hoffnung gekom­men war, die Politik der Komintern ändern zu können, und auch ein eigenständiges Mitglied zu werden, nachdem die 21 Beitrittsbedingungen aufgehoben worden wären, musste sehr schnell eine Enttäuschung erleben. Nachdem die Delegierten Kontakt mit den verschiedenen Delegier­ten aufgenommen hatten, mussten sie erkennen, dass es keine Möglichkeit gab, eine internationale Opposition in­nerhalb der Komintern zu schaffen. Die fruchtbarsten Kontakte waren mit den Bulgaren, der Arbeiteropposition (1), den Delegierten Mexikos, Luxemburgs, Belgiens, (van Overstraeten), Englands und Glasgows (2) oder auch mit den Syndikalisten der spanischen CNT und den amerika­nischen IWW hergestellt worden. Aber abgesehen von den Bulgaren weigerten sich alle anderen, aus Angst vor dem Ausschluss der Internationale, eine organisierte Op­position zu bilden. Die 5 Delegierten der KAPD (3) mussten sehr schnell erkennen: sie standen allein auf wei­ter Flur, aber sie blieben bis zum Ende des Kongresses. Dies war ein großer Unterschied im Vergleich zu der un­verantwortlichen Haltung Rühles auf dem 2. Kongress.

"Wir standen allein da. Wir mussten unsere Aufgabe der Gründung einer Opposition fallen lassen. Aber wir konnten daraus nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass die Arbeit der KAPD auf dem Kongress in Moskau nicht gerechtfertigt ge­wesen wäre, und dass wir uns etwa so hätten verhalten sollen wie O. Rühle auf dem 2. Kongress“ (4).

Mit großem Mut bemühte sich die KAPD, ihre Positionen auf dem Kongress zu verteidigen. Zu allen Tagesord­nungspunkten meldete sie sich zu Wort (Wirtschaftskrise und historischer Kurs, Gewerkschaften, russische Frage, Märzaktion). Die Interventionen ihrer Delegierten, deren Redezeit auf nur 10 Minuten beschränkt worden war, stießen auf Reaktionen wie Lachen, Unterbrechungen oder gar Indifferenz. Die Tagesordnung wurde zu ihren Ungunsten umgeschmissen. Ihre Thesen konnten auf dem Kongress nicht diskutiert werden. Ihnen wurde verweigert - im Gegensatz zu einer Tradition in der revolutionären Bewegung -, für die Opposition Gegenberichte zu den Einleitungsberichten vorzutragen. Schließlich wurde ihr ein Ultimatum gestellt, sich innerhalb der nächsten drei Monate mit der VKPD zusammenzuschließen, sonst würde sie aus der Komintern ausgeschlossen. Die Dele­gierten der KAPD verwarfen das Ultimatum. Obgleich das Zentralkomitee der Partei ihnen die „Vollmacht“ er­teilt hatte, um „sofort aus der 3. Internationale auszutre­ten“, verhielten sich die Delegierten der KAPD sehr ver­antwortlich. Sie verkündeten nicht den Austritt aus der Komintern, weil sie wollten, dass sich die Gesamtheit der Partei ohne Vorurteile und ganz überlegt eine Entschei­dung treffen sollte (5).

"Die Delegation verwirft einstimmig das Fusionsultimatum der VKPD. Trotz unserer Vollmacht dazu erklärten wir nicht den Austritt der KAPD aus der 3. Internationale. Unsere Genossen werden selber Stellung beziehen. Sie werden ihre Antwort auf den Entschluss geben, den Weg des Reformis­mus, des Opportunismus eingeschlagen zu haben. Das in­ternationale Proletariat wird diese Antwort hören. Wir haben unsere Entscheidung getroffen und sind uns voll der Trag­weite und Schwere bewusst. Wir sind uns über unsere Ver­antwortung gegenüber den deutschen Arbeitern, gegenüber Sowjetrussland, gegenüber der Weltrevolution klar. Die Re­volution wird durch keine Resolution dieses Kongresses an irgendetwas gebunden sein. Sie wird leben. Sie wird ihren Weg fortsetzen. Wir gehen mit ihr, begleiten sie. Wir setzen unseren Weg in ihren Diensten fort“.

Als revolutionäre Strömung stand die KAPD vor einer schweren und schmerzhaften Wahl, auch deshalb, weil sie sich auf die gesamte linkskommunistische Strömung aus­wirken würde:

- entweder mit der VKPD zusammengehen, wodurch man schnell als unabhängige Strömung untergehen werde, denn die Führung dieser Partei würde entsprechende Ma­növer gegen sie einleiten. Die Möglichkeit der Bildung ei­ner Fraktion erwies sich praktisch als nicht gegeben, dies hatte jedenfalls das Beispiel der holländischen KP gezeigt.

- oder sie würde zu einer externen Fraktion der Interna­tionale werden, wie es später die Bordigisten taten, mit der Absicht, die Komintern wieder zu erobern und auch die deutsche VKPD, wobei sich andere größere Fraktionen gleichzeitig bilden müssten,

- oder sie könnte als Gründungsteil einer organisierten linkskommunistischen Strömung auftreten, die internatio­nal und zentralisiert handelte, und dass man auf die Be­dingungen der Gründung einer neuen kommunistischen Internationale hinarbeiten würde,

- oder sie würde sich ganz künstlich und ohne Berücksich­tigung der subjektiven Bedingungen für die Bildung und Gründung einer neuen 4. Internationale entscheiden.

Die zu treffende Entscheidung hing von einer klaren Analyse der internationalen Lage und des historischen Kurses ab, sowie von einer theoretisch untermauerten Einschätzung des Wesens der russischen Revolution und der Komintern. In Anbetracht des anstehenden außerordentlichen Kongresses der KAPD, der 2 Monate nach dem 3. Kongress der Komintern stattfinden sollte, war eine Klärung innerhalb der deutsch-holländischen Strömung dringend erforderlich, die aber nicht überstürzt sein dürfte.

Aber die Führung der KAPD - die stark von Gorter be­einflusst war - ließ sich vom Juli 1921 an in überstürzte Entscheidungen treiben. Trotz des Widerstands der Ver­treter aus Hannover und Ostsachsen, trotz der Enthaltung des größten Parteibezirks - des „Großberlins“ - entschied sich die Führung der Partei unter Schröders Einfluss für die Annahme einer Resolution, die den Bruch mit der 3. Internationale verkündete. Schwerer wiegend als diese außerhalb des Rahmens eines Kongresses getroffene Ent­scheidung war der Beschluss, auf die „Errichtung einer Kommunistischen Arbeiterinternationale“ hinzuarbeiten. Die Resolution wurde als ein „Votum“ der Führung der KAPD hingestellt:

"Der Zentralausschuss ist der Auffassung, dass durch den Verlauf des 3. Weltkongresses im Prinzip der Bruch mit der Moskauer Internationale vollzogen ist.

Der Zentralausschuss erblickt mit Rücksicht auf die Not­wendigkeit des internationalen Klassenkampfes den Aufbau einer kommunistischen Arbeiter-Internationale für die drin­gendste Aufgabe des revolutionären Welt-Proletariats. Der Zentralausschuss ist weiterhin der Auffassung, dass Grund­sätze, Taktik und Organisationsform dieser kommunisti­schen Arbeiter-Internationale angepasst sein müssen den Kampfbedingungen der proletarischen Revolution.

2. Der Zentralausschuss erklärt, dass unsere Politik gegenüber der russischen Sowjetregierung bestimmt wird durch deren jeweilige Haltung. Wenn die Sowjetregierung auftritt als Kampffaktor der proletarischen Revolution, muss die KAPD sie durch aktive Solidarität unterstützen. Dort, wo sie diesen Boden verlässt und als Sachwalterin der bürgerlichen Revo­lution erscheint, muss sie von der KAPD ebenso entschieden bekämpft werden“

Die russische Frage - proletarische Revolution oder Dop­pelrevolution - stand sehr wohl im Mittelpunkt der De­batten innerhalb der KAPD.

3. GORTER, DIE KAPD UND DIE BILDUNG DER KAI

Gorter und die Holländer - mit Ausnahme von Panne­koek, der sich aus wenig ersichtlichen Gründen 1927 aus der Politik zurückzog (2) - beteiligten sich sehr aktiv an den Debatten der KAPD. Aber im Gegensatz zu den Jah­ren 1919 und 1920 erwies sich diese Aktivität als eher ne­gativ für die KAPD, denn sie brachte viele Verwirrungen in ihren Reihen hervor.

a) DIE RUSSISCHE FRAGE: STAATSKAPITALISMUS, PARTEI UND INTERNATIONALE

Erst spät machten die holländischen Theoretiker eine kri­tische Einschätzung des Verlaufs der russischen Revolu­tion. Bis 1920 meinten sie, die russische Revolution orien­tiere sich hin zum Kommunismus. Sie unterschieden ge­nau die Politik der bolschewistischen Partei in der Inter­nationale von der Wirtschaftspolitik, die sie und der Staat betrieben. Pannekoek meinte, in Russland „gibt es in der Industrie in Anbetracht einer sehr stark zentralisierten Wirt­schaft keine Form der Ausbeutung“ - obwohl die Bolsche­wiki dies aufgrund des vorübergehenden Charakters der NEP nicht behaupteten. Und er zog daraus die Schlussfol­gerung, Russland würde die Dekadenz des Kapitalismus „aushalten“ können. Im Gegensatz, es war dabei, in eine neue Zivilisationsstufe einzutreten, die es „zu einem Zen­trum der neuen weltkommunistischen Ordnung“ werden ließ (1). Während Pannekoek die Gefahr einer „neuen Büro­kratie“ hervorhob, fasste er diese jedoch nicht als den Trä­ger der Konterrevolution auf. Aus seiner Sicht kam die Gefahr der Konterrevolution hauptsächlich von Außen: Abfinden des Sowjetstaates in einem Modus vivendi mit dem Weltkapitalismus und gegenseitigen übereinkommen mittels Diplomatie. Von Staatskapitalismus ist bei ihm noch nicht die Rede. Aus der Sicht Gorters und Panneko­eks war die russische Revolution proletarisch gewesen, genauso wie es die bolschewistische Partei war.

Gorter wiederum meinte schon ab 1918, dass die Todes­gefahr für die Russische Revolution in Gestalt der Bau­ernschaft auftrete. In einem Brief an Pannekoek schrieb er: „Die größte Gefahr für das Sowjetrussland besteht nicht in der Konterrevolution und auch vielleicht nicht in der En­tente, sondern sie kommt von den Bauern“ (2). Diese Zwangsvorstellung von den Bauern als einzigem konterre­volutionären Faktor tauchte auch 1921 wieder auf nach der Niederschlagung des Aufstands der Arbeiter und Ma­trosen von Kronstadt und nach Einführung der NEP. Eine Broschüre der KAPD griff dies eingehend auf: „Die Mos­kauer Internationale“ (3). Gorters Untersuchung des We­sens des russischen Staates und der Komintern war rein phänomenologisch. Aus seiner Sicht war der russische Staat „kleinbürgerlich“ geworden, genauso wie auch die 3. Internationale. Die russische Revolution wurde zu einer Doppelrevolution: „zu einem kleinen Teil proletarisch kommunistisch, zum großen Teil demokratisch-bäuerlich“. Solch eine zumindest überstürzte Analyse stand im Ge­gensatz zu den Aussagen und Methoden des Marxismus. Die Bauernschaft genauso wenig wie das Kleinbürgertum im Allgemeinen sind keine wirkliche Klasse, sondern eine Gesamtheit von heterogenen Schichten, die zwischen Proletariat und Bourgeoisie hin- und herschwanken. Wäh­rend es zwar in der Geschichte unzählige Bauernrevolten gegeben hat, ist daraus nie eine Bauernrevolution mit ei­nem eigenen Staat hervorgegangen. Aus marxistischer Sicht gibt es nur zwei Staatsformen im Kapitalismus, den bürgerlichen Staat und den Übergangsstaat, der unter der Kontrolle der Arbeiterklasse steht. Die proletarische Re­volution kann entarten, bis sie gar verschwindet, aber kei­nesfalls kann sie sich in eine bürgerliche Revolution um­wandeln. Alle Marxisten der damaligen Zeit, auch Gorter und Pannekoek, hatten übrigens mit Rosa Luxemburg betont, dass der Zeitraum der bürgerlichen Revolutionen abgeschlossen war. Aber keinesfalls hielten sie eine „kleinbürgerliche Revolution“ für möglich. Hinsichtlich des Vorwurfs des kleinbürgerlichen Charakters der Komintern, kann man sich kaum vorstellen, dass das Kleinbürgertum, zusammen mit der Heerschar der an die Nation gebundenen Schichten, eine Internationale auf die Beine stellen kann. Es stimmt zwar, dass die Komintern dieser, im revolutionären Lager „neuen“ Idee Vorschub leisten konnte, als sie eine „Bauerninternationale“ schuf (4).

Eine ernsthaftere Diskussion entwickelte sich innerhalb der KAPD im Hinblick auf den außerordentlichen Kon­gress der Partei zur russischen Frage. Auf dessen Grund­lage wurde eine Broschüre veröffentlicht, die von einem Mitglied des Zentralausschusses, Adolf Dethmann (2), verfasst worden war, der für die Wissenschaftsschule der Partei verantwortlich war und der Fraktion um Schröder und Gorter verbunden war: „Die sowjetische Regierung und die 3. Internationale im Schlepptau der internationa­len Bourgeoisie“. Die Broschüre, die im August gedruckt wurde, womit wenig Zeit vorhanden war für den Kongress, der im September stattfand, wurde von Gorter ins hollän­dische übersetzt. Sie diente als Bezugspunkt für die ganze linkskommunistische Bewegung, von den Holländern bis zu den Bulgaren. Gorter stützte sich später in großem Masse auf diese Thesen, um sie zu den Grundlagen der KAI zu machen (6).

Um den konterrevolutionären Kurs zu erklären, der vom Staat eingeschlagen und von der bolschewistischen Partei verfolgt wurde, definierte die KAPD die russische Revo­lution als eine Doppelrevolution: sie sei gleichzeitig sowohl eine bürgerliche als auch eine proletarische Re­volution gewesen. Diese Auffassung, die von der bordigi­stischen Strömung nach 1945 (7) weitgehend wieder auf­gegriffen und weiterentwickelt wurde, konnte sich zum Teil auf Texte Lenins und der Bolschewiki stützen, die implizit von einem doppelten Charakter der Revolution sprachen: „demokratisch-bürgerlich“ und „proletarisch“ (8). Die Revolution sei eine Doppelrevolution gewesen, weil sie einerseits den Feudalismus abschaffe, um den Ka­pitalismus auf dem Lande einzuführen; andererseits schuf das Proletariat in den Städten den Kapitalismus ab: „In den Großstädten war es der Übergang zum Sozialismus, auf dem flachen Land der Übergang vom Feudalismus in den Kapitalismus. In den Großstädten vollzog sich die proletari­sche, auf dem Lande die bürgerliche Revolution“ (S. 7).

Aus der Sicht der KAPD war die russische Revolution ein „Kompromiss zwischen zwei Revolutionen“ (S. 17). Die Leibeigenen auf dem Lande schlossen sich mit dem Pro­letariat gegen die „Feudaladligen“ zusammen. Und indem diese gleichen Leibeigenen das Land besetzten, stellten sie die „bürgerliche Klasse“ dar. Diese Auffassung stand außerhalb der historischen Wirklichkeit, da die Leibeigen­schaft seit dem Ende des 19. Jahrhunderts abgeschafft worden war, und das Land seit Stolipine vom Kapitalismus durchdrungen war. Darüber hinaus konnte man den Grossteil der Bauernschaft, die wirtschaftlich zu rückstän­dig war, kaum als eine Bourgeoisie betrachten. Die KAPD suchte die Bourgeoisie dort, wo es sie nicht zu finden gab. Die Bürokratie wurde aufgrund ihrer gesellschaftlichen Zusammensetzung untersucht und nicht aufgrund ihrer Funktion in den Produktionsverhältnissen: der Bürokra­tismus sei ein Ausdruck des Kleinbürgertums auf der Grundlage einer Mangelwirtschaft und nicht aufgrund ei­ner bürgerlichen Funktion.

Im Unterschied zu den Rätekommunisten der 30er Jahre meinten die KAPD und Gorter keineswegs, die russische Revolution sei eine bürgerliche Revolution gewesen. Dies konnte nur einen Rückschritt darstellen. Die Phase der proletarischen Revolution stand in Russland auf der Ta­gesordnung, aber sie sei zugunsten des bürgerlichen Staates ausgelöscht worden, womit sei der unteren Stufe der bürgerlichen Revolution entsprach (1): „Aus dem pro­letarischen Sowjetrussland des roten Oktobers beginnt ein bürgerlicher Staat zu werden“ (ebenda, S. 15).

"Das russische Proletariat hat damit bereits seinen Staat aus den Händen verloren“ (S.22)

Folglich wurde Sowjetrussland zu einem Stützpunkt der internationalen Konterrevolution. Diese Position stellte die Verteidigung Sowjetrusslands infrage. Denn „von Fall zu Fall“ müsste die Möglichkeit seiner Verteidigung über­prüft werden; seine Regierung sollte durch das Weltpro­letariat verteidigt werden, wenn sie „zusammen mit dem russischen Industrieproletariat gegen den gemeinsamen re­aktionären Feind, den Feudaladel, kämpft. (Das Proleta­riat) hat ihr aber jede Hilfe zu versagen, wo sie als Vertrete­rin des inzwischen zur herrschenden Klasse gewordenen Bürger- und Bauerntum im Gegensatz zum russischen Pro­letariat gerät“ (S. 25).

Trotz der Konterrevolution betonte die KAPD, dass die Lehren der russischen proletarischen Revolution für die ganze Welt gültig blieben. Sie würden in einer zukünftigen russischen Revolution, in der man den Kapitalismus über Bord werfe, angewendet und gültig bleiben.

"Das revolutionäre Proletariat der ganzen Welt verdankt dem russischen Proletariat Unendliches. Das russische Pro­letariat hat ihm die Wege und Methoden (Massenstreik und Aufstand) gewiesen, die zur politischen Macht führen; es hat ihm zugleich die Form des proletarischen Staates, die Ar­beiterräte, aufgezeigt. Das ist die große Tat, der alles überra­gende Erfolg der russischen Revolution“ (ebenda, S. 28).

Der zweite Punkt, der von der Broschüre Dethmanns auf­gegriffen wurde, war die Haltung, die die KAPD gegen­über der Russischen Kommunistischen Partei haben sollte. Dies war bislang ungewiss. Einerseits ging man im­plizit davon aus, dass, obgleich die bolschewistische Partei in ih­rem Niedergang steckte, sie noch fähig war, proletarische Fraktionen hervorzubringen. Die KAPD rechnete stark mit der russischen Arbeiteropposition, damit es zu einer Abspaltung einer zweiten proletarischen Partei komme. Andererseits erschien die russische Partei so, als ob sie endgültig in das Lager der Bourgeoisie übergewechselt war. Aber auf seltsame Weise erschien Lenin der KAPD - und hier kann man den ganzen Einfluss Gorters merken - als der „Repräsentant der russischen Bauern, mit anderen Worten der internationalen Bourgeoisie“ (S. 29).

Das gleiche Unverständnis des schrittweisen Prozesses des Niedergangs fand man bei der Analyse der 3. Internatio­nale. Sie wurde endgültig für tot erklärt, weil sie sich voll­ständig dem russischen bürgerlichen Staat unterworfen habe „Die 3. Internationale ist für die proletarische Weltre­volution verloren. Sie befindet sich ebenso wie die 2. Inter­nationale in den Händen des Bürgertums. Der ganze Unter­schied zwischen beiden besteht nur darin, dass die 2. Inter­nationale in ihren einzelnen nationalen Parteien abhängig ist von den einzelnen bürgerlichen Staaten, während die 3. Internationale in ihrer Gesamtheit abhängig ist von einem einzigen bürgerlichen Staat“ (ebenda, S. 30).

Am schlimmsten war, dass die KAPD alle Sektionen der Komintern als verloren betrachtete. Dies bedeutete dem­zufolge, dass aus ihren Reihen keine revolutionären Frak­tionen hervorgehen könnten, auch nicht aus ihren natio­nalen Sektionen. Wenn die „einzelnen Sektionen“ der Komintern nur als „politische Hilfsgruppen in den Händen der bürgerlichen sowjetischen Regierung sind“ (S. 32), dann fiel die ganze Politik der KAPD, Oppositionsgrup­pen zu bilden, in sich zusammen. Im Gegensatz zur Wirk­lichkeit stellten sie die belgische, mexikanische und italie­nische Partei als „Hilfstruppen“ im Dienste des Aufbaus des russischen Kapitals dar. Tatsächlich wollten sie damit eine theoretische Rechtfertigung für die Aufbau einer 4. Internationale liefern.

b) DER AUSSERORDENTLICHE KONGRESS DER KAPD (11-14 Sept. 1921) UND DIE FRAGE DER BIL­DUNG EINER KAI

Der Kongress der KAPD verwarf einstimmig - die Dele­gierten Großberlins, die der Führung der Partei ableh­nend gegenüberstanden eingeschlossen - das Ultimatum des 3. Kongresses der Komintern und beschloss den sofor­tigen Austritt aus der Komintern als sympathisierende Partei. Er unterstützte die Haltung der Delegierten und beschloss, ein Manifest an die Arbeiter der ganzen Welt zu verfassen. Schließlich stimmte er prinzipiell einer an Be­dingungen geknüpften Solidarität mit dem russischen Staat zu (1).

Aber die Frage der schnellen Gründung einer kommuni­stischen Arbeiterinternationale war aufgeworfen worden, ohne gelöst geworden zu sein. Gorter hielt sich seit Juli in Berlin auf, wo er mindestens bis zum Kongress blieb, um sein ganzes Gewicht in die Waagschale zu werfen. Er ver­suchte (2), die Opposition Berlins und das Zögern Schrö­ders, der pessimistisch geblieben war, zu überwinden(3). Am 16. Aug. sprach Gorter auf einer Sitzung des erwei­terten Zentralausschusses in Berlin energisch zugunsten einer neuen kommunistischen Internationale. Berlin blieb unerschütterlich und sprach sich dagegen aus, während die anderen Bezirke zögerten und einige deren Gründung als „wünschenswert“ betrachteten (4). Die Berliner leugneten nicht deren Notwendigkeit, aber sie wollten den Moment abwarten, wenn die KAI „von unten“ entstehe. Auf keinen Fall sollte solch eine Organisation „von oben“ aufgezwun­gen werden.

Der außergewöhnliche Kongress konnte in der Partei nicht für ausreichend Klarheit sorgen. Gorter, der mit drei an­deren Delegierten aus Holland (5) gekommen war, äußerte sich als erster in einer langen Intervention (6). Er meinte, dass „die Situation noch so revolutionär war wie vor einigen Jahren“, und dass andererseits der Kampf für die KAI „wesentlich schwieriger“ geworden sei. Während man nur versuchen könnte „erneut gegen den Strom zu schwimmen“, blieb noch ungeklärt, welchen Daseinsgrund und welche Glaubwürdigkeit dann eine KAI, die in einer Zeit konterrevolutionärer Entwicklung gegründet worden war, hätte? Was sollte heißen, wenn Dethmann davon sprach, dass die KAI in den Ländern gegründet werden sollte, die mit dem bürgerlichen deutschen Staat verbün­det waren? Die Delegierten der Opposition vermochten keine klare Antwort zu geben. Einige behaupteten, dass KAPs nur in den unterentwickelten Ländern gegründet werden könnten, in denen der Parlamentarismus der Phase der bürgerlichen Revolution entsprach und als sol­cher als Mittel benutzt werden könnte. Andere meinten, dass die Bedingungen für die Bildung einer KAI darin be­stünden, dass die russische Regierung sich aus der Staats­macht zurückziehe (7). Eine Minderheit meinte, eine Op­position mit den revolutionären Syndikalisten sei auch möglich. Viel klarer war der Repräsentant Berlins, Adam Scharrer (8), der von Jan Appel unterstützt wurde, und der im Zentralausschuss in der Minderheit war. Wohl überlegt meinte er, es sei notwendig, die Sachen reifen zu lassen, keine Internationale zu gründen, bevor die links­kommunistischen Gruppen die Komintern verlassen hät­ten, keine neue Internationale künstlich seitens der KAPD zu gründen.

Aber trotz der Opposition Berlins und Bremerhavens be­schlossen die Delegierten des Kongresses - insbesondere die aus Rheinland - Westfalen - dem Prinzip der Grün­dung einer KAI zuzustimmen. Schröders, Dethmanns und Goldsteins Vorschlag, ein Büro der Information und der internationalen Organisation zu gründen, wurde von der Mehrheit angenommen. Die Führung um Schröder, der Gorter bei diesem Abenteuer auf Schritt und Tritt folgte, ging weit über ihr Mandat hinaus. Sie handelte, als ob die KAI schon gegründet worden wäre: „PROLETARIER“, die theoretische Zeitschrift der KAPD wurde zu der Zeit­schrift der KAI.

Am überraschendsten war, dass die KAI faktisch verkün­det wurde, bevor sie offiziell gegründet worden war. Die Gruppe um Sylvia Pankhurst - die im Sept. 1921 aus der KP GB's ausgeschlossen worden war - hatte angekündigt, dass ca. 500 ihrer Mitglieder in die KAI am 8. Okt. eintre­ten würden. Neben den Bulgaren stellte die Gruppe um Pankhurst den Grossteil einer liliputanischen internatio­nalen Armee dar. 200 Genossen in Holland, dann ein kleiner Kern in Jugoslawien (1) unterstützten die „großen Sektionen“ der KAI. Die Oppositionsgruppen in Belgien, Italien, Frankreich, Österreich, den USA, die bereit wa­ren, der KAI beizutreten, hatten kaum eine wirkliche Exi­stenz.

c) DIE VERWERFUNG DER WIRTSCHAFTSKÄMPFE

Die Unterschiede zwischen dem Berliner Bezirk und der Fraktion um Schröder, der den Exekutivausschuss der Partei und das Internationale Büro kontrollierte, waren so groß, dass die Spaltung zwischen der „Spitze“ und der „Basis“ der KAPD immer näher rückte. Aber die Spaltung vollzog sich dann nicht um die Frage der Gründung der KAI. Sie wurde herbeigeführt aufgrund von Divergenzen hinsichtlich der Intervention in den unmittelbaren Wirt­schaftskämpfen, aber auch wegen bürokratischer Manöver um die Schröder-Gruppe.

Anfang Januar des Jahres 1922 veröffentlichte das „Theoretikertriumvirat“ der KAI - Schröder, Goldstein und Dethmann - im „Kampfruf“, dem Organ der AAU in Berlin, eine Artikelreihe (2) über die Rolle der Unionen (AAU) im Klassenkampf. Darin stand, dass „zur Zeit der Todeskrise des Kapitalismus“ die Lohnkämpfe „opportunistisch“ seien und keinen Sinn mehr machten. Die in der AAU organisierten Arbeiter sollten gemeinsam für die Revolution kämpfen. Die Lohnkämpfe seien zu ei­ner „privaten“ Angelegenheit eines jeden einzeln Arbeiters geworden.

"Reformismus ist der Kampf innerhalb des Kapitalismus um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen, m.a.W. der Kampf um einen größeren Anteil am Privateigentum. Diesen Kampf führt der einzelne Proletarier in Konkurrenz mit den anderen Einzelmenschen in seinem Interesse als Einzelmensch. Die Gewerkschaften sind die Interessenvertretung des einzelnen Arbeiters innerhalb des Kapitalismus.

Die Allgemeine Arbeiter-Union organisiert die proletarische Klasse zu dem alleinigen Zwecke der direkten Beseitigung des Kapitalismus als System; die persönliche Interessens­vertretungen des einzelnen Arbeiters innerhalb des Kapita­lismus geht sie gar nichts an. Die Tatsache, dass sie (die Ar­beiter) in diesem Augenblick und mit diesem Schritt die organisatorische Vertretung ihrer persönlichen Einzelinteressen innerhalb des Kapitalismus aufgeben, diese in Zukunft al­lein ohne eine Organisation für diesen Zweck wahren müs­sen. Mögen die Gewerkschaften ihren Daseinszweck darin sehen, dem einzelnen Bourgeois für den einzelnen Proleta­rier mehr Privateigentum abzugewinnen und das persönliche Interesse jedes einzelnen Proletariers und Kleinbürgers an der Verteilung des bürgerlichen Privateigentums zu vertreten.

Wird ein Unionist in einen kapitalistischen Betrieb einge­stellt, so schließt er als einzelner Arbeiter mit dem Unter­nehmer einen Privatvertrag, in welchem die Lohn- und Ar­beitsbedingungen vereinbart werden. Befindet er sich in ei­nem Betrieb und reicht der Lohn infolge der steten Steige­rung der Preise zur Erhaltung seiner nackten Existenz nicht mehr aus, so geht er erneut als einzelner Arbeiter zu dem Unternehmer mit dem Verlangen einer Änderung seines Pri­vatvertrages in Form der Verbesserung seiner Lohn- und Ar­beitsbedingungen...

Gewährt der Unternehmer diese nicht, so stehen dem Unio­nisten als einzelnem Arbeiter im Betriebe eine Reihe von Mitteln zur Verfügung, um sein Verlangen durchzusetzen, wie z.B. Streik und passive Resistenz“ ("Die Kommunisti­sche Arbeiterinternationale“, 1922, S. 8).

Diese, dem Marxismus fremde Auffassung, war nicht neu. Sie wurde schon von den Proudhonisten vertreten, die die Notwendigkeit von wirtschaftlichen Lohnkämpfen leug­neten, wie auch von den einzelnen Anarchisten, die für den Streik und den Einzelwiderstand gegen die kapitalisti­sche Ausbeutung eintraten. Die Tendenz um Schröder-Dethmann-Goldstein - mit einer eingeschränkten Unter­stützung der Holländer und Gorters (1) - verfiel ihrer ei­genen Ungeduld. Sie wollten eine theoretische Rechtferti­gung für die Existenz der KAI liefern, als sie behaupteten, nur revolutionäre Kämpfe für die Eroberung der Macht stünden auf der Tagesordnung. Wie oft in der Geschichte der revolutionären Bewegung entstand diese Ungeduld in einer Zeit des Rückflusses des Klassenkampfes. Und sie stützte sich auf intellektuelle Elemente, die dazu neigten, wenn sie nicht gar Verachtung hatten, die sehr materielle Wirklichkeit des alltäglichen Forderungskampfes zu un­terschätzen. Nachdem sie anfänglich die Arbeiter verherr­licht hatten, als der revolutionäre Klassenkampf gut sichtbar war, waren diese Elemente nun enttäuscht, und sie meinten, dass die Arbeiter „egoistisch“ seien, wenn sie für ihre materiellen Forderungen kämpfen, weil sie somit nur einen „größeren Teil des Privateigentums“ für sich be­anspruchen. Sie seien irgendwie eine „Klasse für das Ka­pital“ (2), wenn sie sich auf das Niveau der Lohnkämpfe herabsinken ließen, die als „opportunistisch und reformi­stisch“ bezeichnet wurden.

Die Verwerfung der Wirtschaftskämpfe und der Theorie des „Einzelarbeiters“ durch diesen Teil der KAPD, der die Führung innehielt, hatte sehr schädliche Folgen, die gar zerstörerisch auf das Leben der Partei und der Revolution wirkten:

- Die Trennung zwischen Wirtschaftskämpfen und revolu­tionären Kämpfen verurteilte die KAPD dazu, als Partei nur in der Zeit offener revolutionärer Kämpfe zu beste­hen. In einer Zeit des Rückflusses hätte sie nur eine Funktion der Propaganda, und sie würde sich in einen einfachen Kreis umwandeln, der nicht in den Klassen­kämpfen als Organisation intervenierte, die den Kämpfen eine Führung zu verleihen suchte. Auch die AAU selber hatte nur noch eine Propagandafunktion für die Revolu­tion, da - der Auffassung der zukünftigen Essener Ten­denz zufolge - die Unionsanhänger nur individuell in den Wirtschaftskämpfen intervenierten. Daraus folgte, dass die AAU nichts anderes als nur eine zweite Partei war, und als solche war sie unnütz. Darin bestand die ganze Zwei­deutigkeit und Verwirrung bei der Existenz von Unionen, die sowohl politische Organe als auch Organisationen des Wirtschaftskampfes waren (3).

- Aber wenn die KAPD und die AAU eine Politik der „Neutralität“ und Gleichgültigkeit gegenüber den Forde­rungskämpfen vertraten, dann liefen sie Gefahr, objektiv eine „Streikbrecherrolle“ zu spielen. Die „Neutralität“ ge­genüber dem Ausbruch von Forderungsstreiks wurde zu einer „Neutralität“ und Gleichgültigkeit gegenüber dem Klassenfeind (4). Wenn die Arbeiter der Meinung der Tendenz um Schröder folgten und den Forderungskämp­fen fernblieben, würde das mit Sicherheit zu einer Nie­derlage der Arbeiterklasse und zum Sieg der Konterrevo­lution führen. Der Geschäftsführende Hauptausschuss (GHA), der von der Berliner Opposition angeführt wurde, unterstrich dies mit Nachdruck: „Arbeiter, die unfähig sind, solche Kämpfe zu führen, und die in den Konflikten mit dem Kapital feige sind, sind natürlich nicht dazu in der Lage, einen Kampf um die Macht zu führen“ (5).

- Schließlich nahm die Tendenz um Schröder eine unklare Haltung gegenüber dem Wesen der Gewerkschaften an, die von den Linkskommunisten als konterrevolutionär be­zeichnet wurden. Wenn die Gewerkschaften wirklich die „Interessen des Einzelarbeiters“ vertreten, dann würden sie weiter ein proletarisches Wesen haben. Dies stand im Widerspruch zur Theorie der KAPD und der Holländer, die den Kampf gegen die Gewerkschaften durch die Tat­sache rechtfertigt hatten, dass selbst in der Zeit des Nie­dergangs des Kapitalismus seit 1914 die gewerkschaftliche Organisationsform nicht mehr dazu in der Lage ist, die grundlegendsten Wirtschaftsinteressen der Arbeiter zu verteidigen. Diese Sorge des GHA und des Berliner Be­zirks, sozialdemokratische Auffassungen wieder durchs Seitenfenster sich einschleichen zu sehen, nachdem sie ge­rade durch die Vordertür rausgeschmissen worden waren, war nicht unbegründet. Viele Führer der zukünftigen Es­sener Tendenz schlossen sich später der SPD oder der KPD an (siehe weiter unten).

4) DIE SPALTUNG DER KAPD UND IHRE INTERNA­TIONALEN KONSEQUENZEN

a) DIE SPALTUNG IM MÄRZ 1922

Innerhalb weniger Monate hatten es die Mehrheit der Berliner Sektion und der GHA geschafft, die Mehrheit der Partei auf ihre Seite zu ziehen. Viele Mitglieder ver­warfen die besorgniserregenden Folgen der Theorie des „Einzelarbeiters“. Stattdessen standen sie dem Projekt der Bildung einer KAI viel offener gegenüber. Die Politik der Gruppe um Schröder war folgenreich gewesen für die KAPD. Ihre Mitgliederzahl war von ungefähr 40.000 auf 5.000 gesunken (1). Viele Arbeiter hatten die Partei ver­lassen, um sich entweder aus politischen Aktivitäten ganz zurückzuziehen, oder um sich der KPD anzuschließen, oder um ausschließlich im Rahmen der AAU aktiv zu sein, oder um der neu gegründeten, von Rühle beeinfluss­ten rivalisierenden AAU (Einheit) beizutreten.

Aber obgleich die Tendenz um Schröder sich in der Min­derheit befand, verfügte sie in den höchsten Organen der KAPD über die Mehrheit: im Zentralausschuss, das aus Stellvertretern verschiedener Wirtschaftsbezirke der Par­tei zusammengesetzt war. Aufgrund eines unsinnigen Ab­satzes der Statuten verfügte jeder Bezirk unabhängig von seiner Größe über ein Mandat. Somit waren die vielen kleineren Bezirke im Zentralkomitee überrepräsentiert.

Berlin, wo es fast die Hälfte aller Mitglieder der KAPD gab, verfügte so nur über ein Mandat von insgesamt 12. Der Zentralausschuss sowie der GHA (9 Mitglieder) bil­dete den erweiterten Zentralausschuss, das höchste Organ der KAPD (2). Die Gruppe um Schröder, die an dessen sowie auch an der Spitze des Internationalen Büros stand, verfügte über eine Mehrheit, die sich auf die kleineren Bezirke stützte, die sie geschickt auf ihre Linie einge­schwenkt hatte. Deshalb schlugen Berlin und der GHA auf der Sitzung des erweiterten Zentralausschusses vom 5. März eine Änderung des Delegiertenschlüssels vor: für jeweils 100 Mitglieder ein Mandat anstatt ein Mandat für jeweils einen Bezirk. Dieser Vorschlag wurde mit 7 zu 5 Stimmen verworfen. Nur die Bezirke hatten darüber abge­stimmt. Der GHA hatte sich der Stimme enthalten; um nicht die Prinzipien einer „proletarischen Demokratie“ zu verletzen. Die Führung um Schröder erhielt dadurch eine künstliche Mehrheit. Dadurch konnte diese aufgrund der Mehrheitsverhältnisse zu einer Konferenz im April 1921 aufrufen, um dort sofort die KAI zu gründen. Dabei stimmten 14 Delegierte dafür, 5 dagegen, ohne dass vorher ein Kongress der Partei einberufen worden wäre. Als sehr schwerwiegend erwies sich die Verwerfung der Lohn­kämpfe als „konterrevolutionär“ durch den erweiterten Zentralausschuss.

In Anbetracht dieser Lage setzte der Berliner Bezirk die Berliner Zentrale ab und schloss Schröder, Goldstein, Rei­chenbach, E. Sachs, Gottberg und Dethmann aus. Karl Schröder und seiner Anhänger bildeten sofort einen neuen GHA, der sich in Essen niederließ (4). Dieser be­schloss wiederum, dass der Berliner Bezirk „wegen Refor­mismus aus der Partei ausgeschlossen“ werden sollte. Eine Minderheit von 450 Mitgliedern meinte, eine Mehrheit von 1.000 Mitgliedern der KAPD ausschließen zu können. Damit war die Spaltung zwischen der Berliner Tendenz, die in ganz Deutschland ca. 2.000 Mitglieder besaß, und der Essener Tendenz, die zahlenmäßig schwächer war, aber vor allem im Rheinland und Ruhrgebiet und in Mit­teldeutschland vertreten war, vollzogen. Von den 12.000 Mitgliedern der AAU schlossen sich nur 600 der Essener Tendenz an. Die Spaltung hatte für die KAPD katastro­phale Folgen: die Zahl ihrer Mitglieder war noch weiter gesunken. Aber am schlimmsten war, dass es gleichzeitig zwei Zeitungen mit dem gleichen Namen gab, zwei AAUs, die den „Kampfruf“ veröffentlichten. Damit waren politi­sche Verhaltensweisen eingeführt worden, die später in der bordigistischen Strömung (1) weit verbreitet wurden.

Auf einer Konferenz vom 2.-6. April 1922 gründete die Essener Tendenz die Kommunistische Arbeiterinternatio­nale (KAI). Als „ausländische“ Gruppe beteiligte sich nur die KAP aus den Niederlanden. Die KAI stellte sich als eine zentralisierte Organisation dar, die sich in ihrer Or­ganisationsform an die KI anlehnte. Ihr Exekutivkomitee setzte sich aus einem engeren Büro zusammen, das als internationales Sekretariat wirkte und gegenüber dem in­ternationalen Kongress verantwortlich war, und einem er­weiterten Büro, das aus Stellvertretern der nationalen Sektionen zusammengesetzt war, die von diesen bestimmt und ggf. abgewählt wurden (2). Das Bestreben, die KAI nicht an die Essener Tendenz anzuhängen, wurde durch die Entscheidung verdeutlicht, auf jedem internationalen Kongress den Sitz des Exekutivkomitees neu festzulegen (3). Da sie den Kritiken aus Berlin gegenüber nicht ver­schlossen war, entschied die Essener Tendenz, dass die Zahl der von den verschiedenen „Gründungsparteien“ der KAI erhaltenen Mandate vom internationalen Kongress festgelegt werden sollte. Ein außergewöhnlicher Kongress könnte durch die Hälfte aller nationalen Sektionen einbe­rufen werden. Diese Statutenbestimmungen hätten ihren Wert gehabt, wenn die KAI wirklich eine echte Interna­tionale mit nationalen Mitgliedsparteien gehabt hätte. Aber das war bei weitem nicht der Fall gewesen. Die KAI war tatsächlich ein provisorisches Büro mit einigen natio­nalen Gruppen gewesen (4).

b) GORTER UND DIE ESSENER STRÖMUNG

Mit Gorter hatte die KAI ihren einzigen wirklichen Theo­retiker. Schröder und seine Genossen hatten bei weitem nicht das Profil Gorters (5). Gorter verfasste 1923 das Programm der Essener Tendenz in Form einer Broschüre „Die Kommunistische Arbeiterinternationale“ (6). Die Broschüre fasst - auf eine zwar oft konfuse Weise - das Programm der KAI zusammen. Obgleich Gorter die Theorie der „Doppelrevolution“ aufgriff, stützte er sich klar auf die russische Erfahrung. Im Unterschied zu den Rätekommunisten betonte er nachdrücklich die revolutio­näre Rolle der Bolschewiki im Jahre 1917 als „bewussteste und entschlossenste Organisation“. Die Kritik, die man an ihnen üben muss, soll nicht von einem menschewistischen, sondern von einem Klassenstandpunkt aus formuliert werden.

"Wir sind die schärfsten Gegner - und die KAP aller Län­der ist dies immer gewesen - der Auffassung der Menschewi­sten, Kautskyaner, Unabhängigen, Pazifisten usw., dass die Russen bei der bürgerlichen Revolution hätten stehen blei­ben müssen“. (Die Kommunistische Arbeiter-Internationale, S. 2, verfasst von H. Gorter).

Er verwarf zu Recht die Diktatur der Bolschewistischen Partei, die er aber zu Unrecht einer Partei der bürgerli­chen Revolution gleichstellte. Er stellte eine Bilanz der russischen Revolution auf, die mit Vorsicht zu genießen ist. Ihm zufolge hätten die Bolschewiki die Bildung von Bauernräten und die Rekrutierung von Bauern in der Roten Armee verhindern sollen. Seine Position zu Brest-Litowsk erneut verteidigend, meinte er, dass es sich dabei um einen „kapitalistisch-demokratischen“ Schritt gehan­delt habe. Dann äußerte er sich widersprüchlich, dass die russische Revolution „proletarisch-kommunistische“ Maßnahmen ergriffen hätte - wie z.B. die Bildung von Räten, die Eingliederung von Arbeitern in die Rote Armee (ebenda S. 38).

Im Gegensatz zu Rühle und den Rätekommunisten be­zeichnete Gorter die 3. Internationale nicht als ein „machiavellistisches“ Werk des russischen Staa­tes. "Kommunistische Proletarier folgten den Aufrufen Russ­lands und der 3. Internationale zur Revolution, zum Bürger­krieg, zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten und einer Roten Armee“ (S. 45).

Der wirkliche Beitrag Gorters, der eine Entwicklung nach seiner Broschüre „Antwort an den Genossen Lenin“ durchlaufen hatte, besteht darin aufzuzeigen, dass selbst in den rückständigen Ländern die proletarische Revolution auf der Tagesordnung steht. Losungen wie „das Recht der Völker auf Selbstbestimmung“ und der „nationalen Be­freiung“ verwerfend, hob Gorter hervor, dass die „Taktik der Kommunisten nicht mehr die gleiche ist wie früher, als das Kommunistische Manifest geschrieben wurde“ (ebenda S. 48). Insbesondere in Asien sollte eine wirkliche Internationale das Proletariat dazu aufrufen „sich so früh wie möglich von all den bürgerlichen Parteien zu trennen und eine Position der völligen Unabhängigkeit einneh­men“. Obgleich Gorter nicht vollständig die Möglichkeit von bürgerlichen Revolutionen im Zeitalter der „Todeskrise des Kapitalismus“ ausschloss, schloss er aus, dass eine proletarische Revolution aus einer „bürgerlichen Revolution“ hervorginge. Die Arbeiter Asiens könnten nur auf ihre eigenen Kräfte bauen, und sie können sich nur mit dem Proletariat der Industrieländer verbinden. Die Rolle einer Internationale besteht darin, die gleichen Prinzipien und die gleiche Taktik in allen Ländern anzu­wenden. Im Gegensatz zu der Berliner Tendenz, die die Bildung einer Kommunistischen Arbeiterpartei in den unterentwickelten Ländern für unmöglich hielt, und gar im Gegensatz zu der Essener Tendenz, die diese Möglich­keit nur in den Ländern für gegeben hielt, die Deutsch­land verbunden waren, meinte Gorter nachdrücklich, dass die revolutionären Parteien in allen Ländern der Erde entstehen sollten, natürlich mit den gleichen kommunisti­schen Prinzipien: „Sie will alle Proletarier Europas, Ameri­kas, Asiens, Afrikas und Australiens zu bewussten Kommu­nisten machen durch diese neuen Organisationen“ (S.19).

Aber das Programm der KAI, das von Gorter verfasst worden war, litt an einem großen Pessimismus, die die Existenz einer neuen Internationale noch mehr in Zweifel zog. Gorter ging davon aus, dass die große Mehrheit der Arbeiter der Welt der Revolution gegenüber feindlich eingestellt war: „Zu den Feinden der Weltrevolution gehö­ren jetzt nicht nur die europäischen, es gehören zu ihr auch die von der 3. Internationale geführten Arbeiter Asiens...(S.11)... dann kann man ruhig sagen, dass das ganze Weltproletariat bis jetzt dem Kommunismus feindlich ist“ (ebenda, S. 14)

Dies hieß, dass die Schlacht verloren war, bevor sie über­haupt bis zum Ende ausgetragen worden war. Anderer­seits wenn die wahren Kommunisten nur eine Minderheit wären, wäre die Weltrevolution verloren und die Existenz einer Internationale in konterrevolutionären Zeiten ein Unsinn. Auch wenn es ihm an Kampfbereitschaft nicht fehlte, war Gorter pessimistisch.

Wie also konnte man glauben, dass Gorter und die Esse­ner Tendenz mit Sicherheit ein „schnelles Anwachsen der Revolution“ insbesondere in Deutschland erwarteten? Es war schwierig, hier Gorter auf theoretischer Ebene zu fol­gen, denn er behauptete auf die widersprüchlichste Art und Weise, dass die KAI gleichzeitig ein kleiner Kern wie die KAPD sei, und dass sie Hunderttausende Arbeiter zu­sammenfasste; während die Unionen Millionen hinter sich scharten (1).

Schließlich verging nicht viel Zeit, bevor sich Gorter von der Essener Tendenz löste und sich als außerhalb der „Richtungen“ stehend bezeichnete. In einer seiner letzten Broschüren, die 1923 erschien, hob er - während er gleich­zeitig die Essener Tendenz theoretisch unterstützte - sei­nen Willen hervor, sich für die Wiedervereinigung der beiden feindlich gesinnten KAPDs einzutreten. Aber er meinte, dies sei erst realistisch, wenn „revolutionäre Kämpfe entstehen“ (2).

c) DER ZERFALL DER ESSENER STRÖMUNG

Die Spaltung der KAPD im März 1922 hatte auch inner­halb der Gruppen, die die KAI bildeten, schlimme Aus­wirkungen. Manche überlebten zwar die Spaltung oder sie verschwanden so schnell, wie sie entstanden waren

- in der bulgarischen KP, die zahlenmäßig am stärksten in der KAI war, entfaltete sich ein gnadenloser Kampf zwi­schen der Tendenz von Sofia, die Essen näher stand, und einer Tendenz aus Varna, die mehr ouvrieristisch war und Berlin bei den Wirtschaftsfragen näher stand. Anfänglich war die bulgarische KAP gegenüber der KAI sehr zögernd gewesen: die Organisation aus Sofia hatte in einem Brief vom 25. Jan. 1922 (1) geschrieben, dass sie sich weigere, einen Delegierten zu einem möglichen zukünftigen Kon­gress einer KAI zu schicken. Später scheint sich die KAPB - im Gegensatz zu den Behauptungen Berlins, denen zu­folge es wie in Deutschland zwei KAPBs mit jeweils zwei Zeitungen Rabotchnik Iskra gab - nicht in zwei Teile ge­spalten zu haben, sondern in zwei innerhalb der gleichen Partei bestehenden Gruppen (2). Beide Gruppen schlos­sen sich tatsächlich der KAI an, aber bei der Tendenz aus Varna gab es eine größere Minderheit, die in Verbindung stand mit der KAPD aus Berlin (3) und auch mit den Nie­derlanden. Daraus ergab sich eine noch größere Verwir­rung der KAPD, bei der die durch die Gründung der KAI hervorgerufenen Spaltung die lokalistische Krankheit und die persönlichen Spannungen noch verstärkt hatte. Ob­gleich sie aus den blutigen Zusammenstössen des Sept. 1923 unbeschädigt herauskam, scheint die KAPB die blu­tige Repression nach den terroristischen Aktionen, die von der bulgarischen KP im April 1925 betrieben wurden, nicht überlebt zu haben (4).

- die „Communist Workers' Party“ (CWP) Pankhursts, die aus den Sektionen bestand, welche aus der britischen KP ausgeschlossen worden waren und der KAI nahe standen, versuchte die KAPD nachzuahmen, indem sie künstlich Unionen ("All Workers' Union“) schuf. Die CWP scheint Kontakt in Indien und Südafrika gehabt zu haben. Dies wurde jedenfalls von der KAI in Berlin berichtet. Aber die theoretische Schwäche dieser Organisation und ihr Loka­lismus, der leicht vom Anarchismus gefärbt war, wurden schließlich 1924 vorherrschend und brachten ihr Aus. Nur noch die Gruppe „The Commune“ aus Glasgow bestand weiterhin, die sich irgendwo zwischen Bakunin und „dem Rätekommunismus“ ansiedelte.

- in Russland erschien die Existenz einer KAP, die mit viel Aufheben von der Essener Tendenz verkündet worden war, schnell als ein Bluff. Es handelte sich um zwei Rus­sen, die in Berlin lebten und Dokumente der KAI über­setzten (5). Mit Ironie stellte die KAPD aus Berlin fest, dass die KAI eine starke Neigung besaß, potemkinsche Dörfer zu errichten (6). Dagegen gab es die Arbeiter­gruppe um Miasnikow, die im Feb. 1923 gebildet worden war. Sie betrieb eine strenge Geheimarbeit und fasste sich als eine äußere Fraktion der Bolschewistischen Partei auf, um „einen entscheidenden Druck auf die führende Gruppe der Partei selber auszuüben“ (7). Auch war sie mit der KAI verbunden. Unter den Schlägen der Tscheka verschwand sie jedoch schnell.

- in Österreich war die Verkündung einer neuen KAP im Jahre 1924 ein neues potemkinsches Dorf. Diese „Partei“, deren Zeitung in Berlin hergestellt wurde, umfasste nicht mehr als eine Handvoll Mitglieder (1). Sie verschwand wieder sehr schnell.

- in Deutschland selber wurde die Essener Tendenz von dem Virus der Spaltungen erfasst. Ihre theoretischen Füh­rer verließen sie: Goldstein 1922, Schröder 1924, die beide der SPD beitraten. Sie bildeten dort eine Oppositions­gruppe mit ihrem Feind von gestern P. Levi (2). Deth­mann trat 1925 der KPD bei. Das Exekutivkomitee der KAI war sehr stark geschwächt worden. Nach einiger Zeit traten Konflikte in ihren Reihen auf, die zu Ausschlüssen führten. Die entscheidendsten Spaltungen fanden von 1923 an statt. In jenem Jahr verließen die Sektionen Mittel­deutschlands die KAI, um eine örtliche Gruppe zu bilden „KOMMUNISTISCHER RÄTEBUND“, der intellektu­ellenfeindlich und ouvrieristisch eingestellt war. Als diese Gruppe die Notwendigkeit der Liquidierung der KAP vertrat und die Lohnkämpfe verwarf, gleichzeitig für eine „Union der revolutionären Betriebsorganisationen“ ein­trat, brachte sie deutliche rätistische Tendenzen zum Aus­druck. 1929 existierte der „KOMMUNISTISCHE RÄTE­BUND“ weiterhin als eine kleine örtliche Gruppe in Leipzig. Schließlich spaltete sich auch Emil Sachs, ein sehr aktiver Arbeiter, der einer der wenigen Theoretiker der Essener Strömung war, wiederum ab und brachte eine Zeitung, Vulkan, heraus, die er in Berlin als Organ der KAI darstellte. So gab es in Berlin zwei KAIs, von denen die eine die KAZ der Essener Strömung herausgab, die andere Vulkan! Was von der Essener Richtung übrig blieb, bestand nach 1929 nur noch in Gestalt von Sekten (3).

Die KAI war eine totgeborene Scheininternationale gewe­sen, die bei ihrem Scheitern Genossen mit hinabriss, welch schnell entmutigt wurden. Der Versuch Gorters des Auf­baus einer KAI war für den Linkskommunismus in Deutschland und in anderen Ländern eine Katastrophe gewesen.

d) DIE ENTSTEHUNG EINER BERLINER STRÖ­MUNG IN DER KAP DER NIEDERLANDE

Gorters Partei blieb von den inneren Kämpfen in Deutschland nicht verschont. Die KAPN, die sich der Es­sener Strömung angeschlossen hatte, wurde durch den gleichen Virus der Spaltungen wie in Deutschland erfasst, jedoch in einem geringeren Masse. Die KAPN war sehr skeptisch gegenüber der Berliner Tendenz, die im April 1922 zu ihrem Utrechter Kongress Delegierte schicken wollte: sie weigerte sich, den Standpunkt der Berliner KAPD zur Kenntnis zu nehmen. Aber die KAPN war weit davon entfernt, die Weigerung der Essener Tendenz, in den Wirtschaftskämpfen zu intervenieren, zu teilen. Sie betätigte sich aktiv an den Klassenkämpfen und hatte Kampforganisationen geschaffen, die sich nach dem deut­schen Beispiel (AAU) AAB nannten. Vor allem der Bei­tritt der KAPN zur KAI führte zu einer heftigen Reaktion in der Organisation. Der Ausschluss der Sektion Utrecht 1922, dann 1923 der eines Teils der Rotterdamer Sektion reichten jedoch nicht, um die Berlin-freundliche Tendenz einzuschränken. Diese stützte sich auf die Jugend der Partei (KAJ) und eine starke Opposition in Amsterdam und in anderen Sektionen. Diese Ausschlüsse hatten zu einer zahlenmäßigen Schwächung der KAPN geführt. Aber vor allem die Rivalitäten zwischen Clans erwiesen sich als folgenreich für die letzteren. Auf der einen Seite stand Luteraan, auf der anderen die „Korporatie“, die von der Familie Korper gebildet wurde, die um die Kontrolle in der Partei kämpfte. Und dieser Kampf verschiedener Gruppierungen sollte eine große Verwirrung stiften: die Familie Korper trat 1924 aus der KAPN aus, um bald wieder einzutreten und die Führung der Organisation zu übernehmen. Luteraan wiederum machte sich bald „selbständig“ und brachte 1927 seine eigene Zeitung „De Roode Vaan“ heraus.

Viele Militanten, die auch nur ein bisschen ernsthaftes po­litisches Interesse und Engagement zeigten, weigerten sich, sich an diesen Richtungskämpfen zu beteiligen und wollten eine revolutionäre Arbeit auf besseren Grundla­gen fortsetzen. Das war der Fall bei Henk Canne-Meijer, der im Okt. 1924 aus der Partei austrat, weil er die Nase voll hatte von einer „Organisation, die zu einem politischen Sportverein geworden“ war (4). Um ihn und um Jan Appel herum schickten sich Genossen an, die Gruppe der Inter­nationalistischen Kommunisten (GIK) zu bilden, die die einzige Gruppe war, die wirklich den Geist der holländi­schen Linke aufrechterhielt. Mit der GIK griff die hollän­dische Linke das Banner des internationalen Linkskom­munismus wieder auf, der stark durch die Spaltung in Deutschland 1922 erschüttert worden war. Und mit der Fortsetzung dieser Arbeit hatte sich auch die Berliner Strömung der KAPD durchgesetzt.

Der Fehler Gorters und seiner Anhänger, künstlich eine KAI gegründet zu haben, während es innerhalb der KOMINTERN noch Linksfraktionen gab, die innerhalb einer gleichen linkskommunistischen Strömung zusam­mengefasst hätten werden können, war sehr schwerwie­gend und folgenreich für die revolutionäre Bewegung. Während es noch ein revolutionäres Leben innerhalb der niedergehenden 3. Internationale gab, entstand anstelle einer neuen Internationalen eine Umgruppierung der linkskommunistischen Fraktionen außerhalb der Komin­tern. Diese stand nunmehr auf der Tagesordnung. Nur solch eine Umgruppierung hätte es ermöglicht, den Kampf innerhalb der Komintern bis an sein Ende zu füh­ren. Das Abebben der Weltrevolution, das von 1921 an in Europa sehr deutlich zu sehen war, erlaubte nicht die Gründung einer neuen Internationale. Weil die Essener Strömung und Gorter glaubten, dass der Kurs immer noch hin zur Revolution sei - sie stützten sich auf die Theorie der Todeskrise des Kapitalismus - folgten diese einer be­stimmten Logik bei der Gründung der KAI. Aber ihre Grundlagen und Ausgangsbedingungen waren falsch ge­wesen. Trotzki beging den gleichen Fehler bei der Grün­dung der sog. 4. Internationale 1938, nachdem er selbst sich 1921 lustig gemacht hatte über die mögliche Grün­dung einer solchen Internationale. Am Vorabend des Weltkrieges und nachdem jede revolutionäre Bewegung durch die Konterrevolution zerschlagen worden war, ver­kündete er die Gründung einer 4. Internationale. Gorter und die KAI hatten zumindest die Ausrede, dass die revo­lutionäre Welle zwar zurückwich, aber noch nicht zer­schlagen war, denn sie sollte sich bis zu den Ereignissen 1927 in China fortsetzen.

Kurz bevor er 1927 starb, hatte sich Gorter beträchtlich der KAPD Berlins genähert. Die letzten Jahre seines Le­bens hatte er persönlich versucht, die linkskommunisti­schen Kräfte zusammenzubringen, die zersplittert waren. Aber ihm war kein Erfolg beschieden. Seine letzte politi­sche Handlung war, die KAPD Berlins gegen eine Eupho­rie zu warnen, die sich breit gemach hatte, nachdem sich ihr 2000 Mitglieder der „Entschiedenen Linken“ ange­schlossen hatten, die aus der KPD kamen.

"Während wir das Anwachsen der revolutionären Kräfte, die von der Entschiedenen Linke zur KAP überwechseln, begrüßen, bleiben wir dennoch wachsam. Die KAP ist etwas Grosses. Sie blieb solange groß, wie sie es schaffte, den Ver­suchungen der unmittelbaren Erfolge zu widerstehen. Sie ist das Fanal im reinen, kompromisslosen Klassenkampf. Be­wahrt diese Reinheit, dann werdet ihr die Revolution retten“ (1).

Damit wollte er unterstreichen, dass die Berliner Tendenz der einzige revolutionäre Pol in der damaligen Zeit war, und dass diese mehr noch als die Essener Tendenz jetzt das revolutionäre Erbe der KAPD trug. Es war eine klare Botschaft für die neuen Generationen von Revolutio­nären: die revolutionäre Organisation ist sehr schwierig aufrechtzuerhalten, zu schützen, da sie ständig in ihrer Existenz bedroht ist. Ihre Aufrechterhaltung als Leitbild im Klassenkampf erfordert eine ständige Wachsamkeit. überstürzte, voreilige Zusammenschlüsse können sich als fatal erweisen. Diese politische Testament Gorters hat auch 60 Jahre nach seiner Abfassung nichts an seiner Gültigkeit verloren.

(Im Buch folgt jetzt ein 3. Teil über „Die „Gruppe Inter­nationalistischer Kommunisten" GIK) von 1927-1940 - Vom Linkskommunismus zum Rätekommunismus. Die­ser Teil wird hier nicht veröffentlicht).