Dekadenz des Kapitalismus (Teil 13): Ablehnung und Rückschritte

In dem vorherigen Artikel dieser Serie haben wir festgestellt, dass unter den neuen revolutionären Gruppen, die aus dem weltweiten Wiedererstarken des Klassenkampfes Ende der 1960er Jahre hervorgegangen waren, die „Dekadenztheorie”,  die trotz des scheinbaren Triumpfes des Kapitalismus in Gestalt des Nachkriegsbooms kompromisslos von einer Minderheit verteidigt worden war, eine Reihe von neuen Anhängern gewann. Sie lieferte nämlich einen kohärenten historischen Rahmen für In dem vorherigen Artikel dieser Serie haben wir festgestellt, dass unter den neuen revolutionären Gruppen, die aus dem weltweiten Wiedererstarken des Klassenkampfes Ende der 1960er Jahre hervorgegangen waren, die „Dekadenztheorie",  die trotz des scheinbaren Triumpfes des Kapitalismus in Gestalt des Nachkriegsbooms kompromisslos von einer Minderheit verteidigt worden war, eine Reihe von neuen Anhängern gewann. Sie lieferte nämlich einen kohärenten historischen Rahmen für die revolutionären Positionen, die die neue Generation anfangs mehr oder mehr intuitiv entwickelt hatte: den Widerstand gegen die Gewerkschaften und den Reformismus, die Ablehnung der nationalen Befreiungskämpfe und der Bündnisse mit der Bourgeoisie, die Anerkennung der so genannten „sozialistischen" Staaten als eine Form des Staatskapitalismus und so weiter.

 Angesichts dessen, dass die offene Wirtschaftskrise des Kapitalismus Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre erst begonnen hatte und in den letzten vier Jahrzehnten seither immer unübersehbarer geworden ist, dass die Krise unüberwindbar ist, könnte man erwarten, dass eine Mehrheit derjenigen, die sich während dieser Jahrzehnte vom Internationalismus angezogen fühlten, eigentlich ziemlich leicht davon überzeugt worden wäre, dass der Kapitalismus überholt  und ein verfallendes Gesellschaftssystem ist. Aber dies ist nicht der Fall. Im Gegenteil, man kann sogar von einer hartnäckigen Ablehnung  der Dekadenztheorie sprechen; besonders stark spürbar ist diese Ablehnung unter der neuen Generation von Revolutionären, die im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts auf der Bühne erschien. Gleichzeitig zeigt sich eine Tendenz unter den Vielen, die zuvor von dem Konzept überzeugt waren, es nun in Frage zu stellen oder gar über Bord zu werfen. 

Die Anziehungskraft des Anarchismus

Was die Ablehnung der Theorie durch die neueren Generationen von Revolutionären angeht, so sprechen wir hier zu einem großen Teil über internationalistische Elemente, die von verschiedenen Formen des Anarchismus beeinflusst werden. Der Anarchismus hat vor allem während der Nullerjahre einen großen Aufschwung erlebt. Es ist unschwer zu erkennen, warum er solch einen Reiz auf junge Genossen ausübt, die begierig darauf sind, gegen den Kapitalismus zu kämpfen, die aber gegenüber der offiziellen Linken zutiefst misstrauisch sind, von denen ein beträchtlicher Teil den Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus" im Ostblock als ein echtes Debakel erlebt hatte. So wendet sich die neue Generation oft an den Anarchismus  als eine Strömung, die die Arbeiterklasse im Gegensatz zur Sozialdemokratie, den Stalinisten oder Trotzkisten, nicht verraten zu haben scheint.

Es bedürfte eines eigenen Artikels, um zu untersuchen, warum es insbesondere in den zentralen kapitalistischen Ländern eine derart große Zahl von jüngeren Menschen zu den verschiedenen Strömungen des Anarchismus hinzieht und nicht zur Kommunistischen Linken, die sicherlich die kohärenteste unter den politischen Strömungen ist, welche den proletarischen Prinzipien nach der schreckliche Reihe von Niederlagen zwischen den 1920er und 1960er Jahren treu geblieben ist. Ein Schlüsselaspekt ist sicherlich die Frage der Organisation der Revolutionäre, die „Parteifrage", die immer ein Zankapfel zwischen den Marxisten und dem revolutionären Flügel des Anarchismus war. Doch unser Hauptaugenmerk gilt der spezifischen Frage der Dekadenz des Kapitalismus. Warum stemmt sich die Mehrheit der Anarchisten, auch jene, die sich aufrichtig gegen jede reformistische Praxis stellen und durchaus die Notwendigkeit einer internationalen Revolution sehen, so vehement gegen diese Idee?

Es stimmt zwar, dass einige der klarsten Elemente in der anarchistischen Strömung sich nicht immer so verhalten haben. In einem früheren Artikel dieser Serie haben wir gesehen, dass anarchistische Genossen wie Maximoff in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise und des Kurses zu einem zweiten imperialistischen Weltkrieg keine Probleme damit hatten, dieses Phänomen als einen Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse zu verstehen, die zu einer Fessel für den menschlichen Fortschritt geworden waren, als den Ausdruck einer im Niedergang befindlichen Produktionsweise.

Aber diese Ansichten stellten innerhalb der anarchistischen Bewegung immer eine Minderheit dar. Grundsätzlich kann man sagen, dass viele Anarchisten zwar Marx‘ einzigartigen Beitrag zu unserem Verständnis der politischen Ökonomie anstandslos anerkennen, aber Bauchschmerzen bekommen, wenn es um die historische Methode geht, die die Grundlage der Marxschen Kritik des Kapitals ist. Spätestens seit Bakunin gibt es eine starke Neigung unter Anarchisten, den „historischen Materialismus" (oder - wie einige es zu nennen belieben - die materialistische Annäherung an die Geschichte) als eine Art rigiden Determinismus aufzufassen, der die subjektiven Faktoren der Revolution unterschätzt und entwertet. Besonders Bakunin meinte, dies sei nur ein Vorwand für eine im Wesentlichen reformistische Praxis seitens der „Marx-Partei". Diese vertrat damals die Auffassung, dass die kommunistische Revolution noch nicht unmittelbar auf der Tagesordnung stehe, da der Kapitalismus seinen historischen Nutzen für die Menschheit noch nicht ausgeschöpft habe. Die Arbeiterklasse müsse sich noch auf den Aufbau ihrer Kräfte und ihres Selbstvertrauens innerhalb des Rahmens der bürgerlichen Gesellschaft konzentrieren. Dies war die Grundlage für ihre Befürwortung der Gewerkschaften und für die Bildung von Arbeiterparteien, die sich, neben anderen Aktivitäten, bürgerlichen Wahlen stellten. Aus der Sicht Bakunins war der Kapitalismus immer reif für die Revolution. Und wenn die Marxisten der jetzigen historischen Epoche schlussfolgern, dass die alten Taktiken nicht mehr gültig seien, wird dies von den heutigen Anarchisten oft als eine nachträgliche Rechtfertigung für die Fehler von Marx verspottet, eine Art Vermeidung der unliebsamen Schlussfolgerung, dass die Anarchisten die ganze Zeit über Recht hatten.

Hier haben wir nur die Oberfläche berührt. Wir werden später auf die eher spitzfindigere Version dieses Argumentes zurückkommen, wie sie von der Gruppe Aufheben vertreten wird, deren Artikelserie, in der sie sich kritisch mit dem Begriff der Dekadenz auseinandersetzt, von vielen Leuten aus dem libertären kommunistischen Milieu als Nonplusultra angesehen wird. Aber man muss auch andere Aspekte bei der Ablehnung dessen, was für uns der theoretische Grundpfeiler einer revolutionären Plattform heute ist, durch die heutige Generation berücksichtigen - Aspekte, die weniger der spezifisch anarchistischen Tradition entsprechen.

Wir stehen vor dem folgenden Paradoxon: Während aus unserer Sicht der Kapitalismus immer mehr verfault, so dass man von der Endphase seines Niedergangs sprechen kann, liefert aus der Sicht vieler Anderer die erfolgreiche Verlängerung des Niedergangs des Kapitalismus den Beweis, dass das eigentliche Konzept des Niedergangs widerlegt worden sei.  Mit anderen Worten: je mehr sich ein seit langem altersschwacher Kapitalismus seinem katastrophalen Ende nähert, desto mehr meinen einige Revolutionäre, der Kapitalismus sei dazu in der Lage, fast endlos lange am Leben zu bleiben.

Man ist versucht, hier ein wenig Psychologie zu betreiben. Wir haben schon angemerkt, dass die Aussicht auf den eigenen Untergang ein Grund für die bürgerliche Ablehnung nicht nur des Marxismus ist, sondern auch der eigenen Bemühungen um ein wissenschaftliches Verständnis des Wertproblems, sobald klar wurde, dass solch ein Verständnis bedeutete, anzuerkennen, dass der Kapitalismus nur ein vorübergehendes System sein kann, das dazu verurteilt ist, an seinen inneren Widersprüchen zu zerbrechen. Es wäre überraschend, wenn diese Ideologie der Ablehnung nicht auch jene beeinflussen würde, die versuchen, mit der bürgerlichen Weltsicht zu brechen. In der Tat, da die Flucht der Herrschenden vor der Wirklichkeit immer verzweifeltere Züge annimmt, je mehr sie sich ihrem Untergang nähern, kann man davon ausgehen, dass dieser Verteidigungsmechanismus alle gesellschaftlichen Schichten durchdringt, einschließlich die Arbeiterklasse und ihre revolutionären Minderheiten. Was könnte schließlich furchteinflößender und der Reaktion, wegzurennen oder den Kopf in den Sand zu stecken, förderlicher sein als die reelle Möglichkeit, dass ein sterbender Kapitalismus uns alle in seine endgültige Agonie reißt?

Aber das Problem ist viel komplexer.  Zum einen hängt es mit der Art und Weise zusammen, in der sich die Krise während der letzten 40 Jahre entwickelt hat und die die Diagnose der wirklichen Tragweite der fatalen Erkrankung des Kapitalismus wesentlich erschwert hat.

Wie wir festgestellt haben, lieferten die ersten Jahrzehnte nach 1914 überzeugende Hinweise darauf, dass sich das System im Niedergang befand. Erst nach dem Nachkriegsboom während der 1950er 1960er Jahre fingen einige Elemente aus der politischen Bewegung des Proletariats an, umfassende politische Zweifel an der Auffassung zu äußern, dass der Kapitalismus in seinen Niedergang eingetreten war. Die Rückkehr der Krise - und des Klassenkampfes - Ende der 1960er Jahre ermöglichten es aber, die zeitliche Beschränkung des Booms zu erkennen und die Grundlagen der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie wieder zu entdecken. Aber auch wenn diese Sicht durch den „permanenten" Charakter der Krise seit dem Ende der 1960er Jahre und vor allem durch die jüngste Explosion all der Widersprüche bestätigt wurde, die sich im Laufe dieser Jahre aufgestaut haben (Schuldenkrise), ist die Dauer der Krise auch Zeugnis für die außerordentliche Anpassungs- und Überlebensfähigkeit des Kapitalismus, selbst wenn das bedeutet hat, die eigenen Gesetze zu missachten und langfristig noch verheerendere Probleme auf sich zu laden.

Gewiss hat die IKS diese Fähigkeit gelegentlich unterschätzt. In einigen unserer Artikel aus den 1980er Jahren zur Krise - in einem Jahrzehnt, als die Massenarbeitslosigkeit wieder zum Alltag geworden war -, hatten wir die Möglichkeit eines „Booms" (oder besser: mehrerer Booms, da es auch eine Reihe von Rezessionen gab) in den 1990er und 2000er Jahren nicht berücksichtigt. Auch hatten wir sicher nicht die rasend schnelle Industrialisierung Chinas während der Nullerjahre für möglich gehalten. Für eine Generation, die unter diesen Bedingungen eines zügellosen, grenzenlosen Konsumrausches in den fortgeschrittenen Ländern, der die Konsumgesellschaft der 1950er und 1960er Jahre als vergleichsweise idyllisch erscheinen lässt, aufgewachsen war, mag die Rede vom Niedergang des Kapitalismus verständlicherweise wie ein alter Hut wirken. Die offizielle Ideologie der 1990er Jahre und auch noch Anfang der Nullerjahre lautete: Der Kapitalismus hat überall triumphiert, Neoliberalismus und Globalisierung ebnen den Weg zu einer neuen und beispiellosen Ära des Wohlstands. In Großbritannien zum Beispiel verkündete das wirtschaftspolitische Sprachrohr der Labour-Regierung, Gordon Brown, in seiner Haushaltsrede im Jahr 2005, dass das Vereinigte Königreich die höchsten langfristigen Wachstumszahlen seit Einführung der Statistik im Jahre 1701 erlebte. Es war also wenig überraschend, dass „radikalere" Versionen dieser Ideen von jenen aufgegriffen wurden, die für eine Revolution stritten. Immerhin stritt selbst die herrschende Klasse weiter darüber, ob man den Zyklus des Auf- und Abschwungs endlich überwunden habe. Diese Problematik hat unter etlichen „Pro-Revolutionären" Anklang gefunden, die Marx über die periodischen Krisen im 19. Jahrhundert zitieren können und erklären, dass es zwar noch zyklische Krisen geben mag, diese jedoch dazu dienen würden, das Totholz der Wirtschaft beiseite zu räumen und einen neuen Wachstumsschub zu ermöglichen.

Ein Rückschritt hinter die Kohärenz der Italienischen Linken

Dies ist alles durchaus verständlich, aber vielleicht weniger verzeihlich in den Reihen der Kommunistischen Linken, die sich schon einige Kenntnisse über die krankhaften Grundlagen des kapitalistischen Wachstums in der Niedergangsepoche angeeignet hatten. Und trotzdem konnte man seit den 1970er Jahren immer wieder beobachten, dass Linkskommunisten sich von der Dekadenztheorie abwandten, und in der IKS ging dies oft einher mit ziemlich ernsthaften organisatorischen Krisen.

Wir wollen an dieser Stelle nicht näher auf die Ursprünge dieser Krisen eingehen. Eigentlich sind Krisen ein unvermeidbarer Bestandteil im Leben der politischen Organisationen des Proletariats, wie ein Blick auf die Geschichte der bolschewistischen Partei oder der deutschen oder italienischen Linken schnell bestätigen wird. Revolutionäre Organisationen sind ein Teil der Arbeiterklasse. Und die Arbeiterklasse ist ständig dem enormen Druck der herrschenden Ideologie ausgesetzt. Die „Avantgarde" kann diesem Druck nicht entkommen und ist gezwungen, einen ständigen Kampf dagegen zu führen. Organisationskrisen treten im Allgemeinen dann auf, wenn ein Teil oder die Gesamtheit der Organisation einer besonders starken Dosis der herrschenden Ideologie ausgesetzt wird oder vor dieser sogar in die Knie geht. Sehr oft werden diese Erschütterungen durch die Notwendigkeit ausgelöst oder verstärkt, dass man mit neuen Situationen oder größeren Gesellschaftskrisen fertig werden muss.

Die Krisen in der IKS drehten sich nahezu alle um Organisationsfragen und Fragen politischen Verhaltens. Doch es ist ebenfalls bemerkenswert, dass nahezu alle größeren Abspaltungen in unseren Reihen zu einer Infragestellung unserer Auffassung über die historische Epoche geführt haben.

Die GCI: Ist der Fortschritt ein bürgerlicher Mythos?

1987 begannen wir mit der Veröffentlichung einer neuen Artikelserie mit dem Titel "Die Dekadenz des Kapitalismus verstehen" (http://de.internationalism.org/ir10/1988_poldekadenz). Sie war die Antwort darauf, dass in oder um die revolutionäre Bewegung herum zunehmend Zweifel am Konzept der Dekadenz aufgekommen waren. Die ersten drei Artikel dieser Serie [2] waren eine Antwort auf die Positionen der Groupe Communiste Internationaliste, die sich nach einer Abspaltung von der IKS Ende der 1970er Jahre gebildet hatte. Zumindest einige der Elemente, die zu den Gründern der GCI gehörten, meinten das Werk der italienischen Fraktion der Kommunistischen Linken fortzusetzen, indem sie sich dem widersetzten, was sie als die rätekommunistischen Verirrungen der IKS betrachteten. Doch nach einigen weiteren Spaltungen innerhalb der GCI selbst entwickelte sich die Gruppe in Richtung eines „Anarcho-Punk-Bordigismus" (so beschrieben wir dies in der Internationalen Revue): eine seltsame Kombination aus von den Bordigisten entlehnten Auffassungen, wie die „Invarianz" des Marxismus, und einen Rückfall in die voluntaristischen Anschauungen eines Bakunin. Beide diese Elemente verleiteten die GCI dazu, sich vehement gegen die Auffassung zu stellen, dass der Kapitalismus eine aufsteigende und absteigende Phase durchlaufe, vor allem im Artikel „Theorien der Dekadenz oder Dekadenz der Theorie?" (Le Communiste, Nr. 23, 1985).

In diesen Artikeln unserer Internationalen Revue wiesen wir die von der GCI erhobenen Vorwürfe zurück. Wir  prangerten das groteske Sektierertum der GCI an, die proletarische Gruppen, die von der Dekadenz des Kapitalismus sprechen, in den gleichen Sack stecken wie die Zeugen Jehovas, die Moon-Sekte und Neonazis. Sie zeigten ihre ganze Ignoranz, als sie behaupteten, dass das Konzept der Dekadenz nach der Niederlage in der revolutionären Welle von 1917-23 entwickelt worden sei, als „bestimmte Früchte des Sieges der Konterrevolution anfingen, eine ‚lange Phase‘ der Stagnation und des ‚Niedergangs‘ zu theoretisieren." Vor allem zeigen die Artikel auf, dass das, was dem „Anti-Dekadentismus" der GCI zugrundeliegt, eine Preisgabe der marxistischen Geschichtsanalyse zugunsten des anarchistischen Idealismus ist.

Was die GCI tatsächlich am Dekadenzkonzept ablehnt, ist die Auffassung, dass der Kapitalismus einst ein aufstrebendes System war, dass er einst in der Lage war, eine fortschrittliche Rolle im Sinne der Menschheit zu spielen; in der Tat lehnt die GCI den Begriff des historischen Fortschritts an sich ab. Aus ihrer Sicht ist dies reine Ideologie, die der Rechtfertigung der „zivilisatorischen Mission" des Kapitalismus diene. "Die Bourgeoisie stellte alle vorherigen Produktionsformen als ‚barbarisch‘ und ‚primitiv‘ dar, die mit der historischen Weiterentwicklung fortschreitend ‚zivilisiert‘ werden. Die kapitalistische Produktionsweise ist selbstverständlich die endgültige und höchste Verkörperung der Zivilisation und des Fortschritts. So entspricht die evolutionäre Auffassung durchaus dem ‚kapitalistischen Gesellschaftswesen‘, und deshalb ist es kein Zufall, dass diese Auffassung auf alle Wissenschaften angewendet wird (d.h. auf alle Teilinterpretationen der Wirtschaft vom bürgerlichen Standpunkt aus): die Naturwissenschaften (Darwin), die Demographie (Malthus), die logische Geschichte, Philosophie (Hegel)..." (ebenda S. 8). http://de.internationalism.org/ir10/1988_poldekadenz[3]

Doch nur weil die Bourgeoisie eine gewisse Vorstellung von Fortschritt hat, in der alles in der Herrschaft des Kapitals gipfelt, geht daraus noch lange nicht hervor, dass alle Auffassungen über den Fortschritt falsch sind. Gerade deshalb lehnte Marx die Entdeckungen Darwins nicht ab, sondern sah in ihnen - wenn sie richtig interpretiert wurden, mit einer dialektischen und nicht linearen Sichtweise - ein zusätzliches Argument im Sinne seiner Geschichtsauffassung.

Und auch die marxistische Vorstellung über den historischen Fortschritt bedeutet nicht, dass ihre Anhänger sich mit der herrschenden Klasse verbünden, wie die GCI behauptet: „Die Dekadenzvertreter sind also bis zu einem bestimmten Datum für die Sklavengesellschaft, bis zu einem anderen Datum für den Feudalismus.... bis 1914 für den Kapitalismus. So sind sie wegen ihrer Fortschrittsverehrung auf Schritt und Tritt gegen den Klassenkrieg, den die Ausgebeuteten führen, gegen die kommunistischen Bewegungen, die das Pech hatten, in der ‚falschen‘ Periode ausgebrochen zu sein" (ebenda, S. 19).[4] Die marxistische Bewegung des 19. Jahrhunderts, die allgemein anerkannte, dass der Kapitalismus noch nicht die Bedingungen einer kommunistischen Revolution geschaffen hatte, sah ihre Rolle noch in einer kompromisslosen Vertretung der Klasseninteressen des Proletariats innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft, und „rückblickend" erkannte sie die absolut entscheidende Bedeutung der Revolten der Ausgebeuteten in früheren Klassengesellschaften, auch wenn sie wusste, dass diese Revolten nicht in einer kommunistischen Gesellschaft münden konnten.

Der oberflächliche Radikalismus der GCI ist auch oft unter jenen anzutreffen, die offen den Anarchismus befürworten, und hat sie in der Tat gelegentlich mit einer „niveauvolleren" und semi-marxistischen Rechtfertigung für ihr Festhalten an ihren alten Vorurteilen ausgestattet. Zwar erkannten sie einige der theoretischen Beiträge von Marx an (Kritik der politischen Ökonomie, Konzept der Entfremdung usw.), jedoch konnten sie seine politische Praxis schlicht nicht aushalten, die darauf abzielte, Arbeiterparteien aufzubauen, die sich an Parlamentswahlen beteiligten, Gewerkschaften auszubauen und in manchen Fällen gar bürgerliche nationale Bewegungen zu unterstützen. All diese Praktiken (mit der möglichen Ausnahme des Aufbaus von Gewerkschaften) waren damals bürgerlich (oder autoritär) und sind es heute noch.

Aber die bloße Ablehnung eines ganzen Bestandteils der früheren Arbeiterbewegung ist keine Garantie für eine wirklich radikale Position heute. Wie der zweite Artikel dieser Serie schlussfolgerte: „Jedoch wollen wir hier unterstreichen, dass für die Marxisten die Formen des proletarischen Kampfes von den objektiven Bedingungen abhängen, unter denen dieser stattfindet, und daß sie sich nicht auf abstrakte Prinzipien der ewigen Revolte stützen. Nur indem man sich auf die objektive Analyse des Kräfteverhältnisses zwischen den Klassen stützt, das in seiner historischen Dynamik begriffen werden muß, kann man die Richtigkeit einer Strategie, einer Kampfform überprüfen. Außerhalb dieser materiellen Basis bewegt sich jede Stellungnahme zu den Mitteln des proletarischen Kampfes nur auf Treibsand. Man gerät in Verwirrung, sobald die oberflächlichen Formen der ‚ewigen Revolte‘ - die Gewalt, die ‚Anti-Legalität‘ - in Erscheinung treten" (http://de.internationalism.org/ir11/1989_poldekadenz). [5] Als Beweis wird der Flirt der GCI mit dem „Leuchtenden Pfad" in Peru und mit der Gewalt der Dschihadisten im Irak angeführt.

IP (Internationalist Perspectives): Der Vorwurf des "Produktivismus"

Die in den 1980er Jahren veröffentlichte Serie enthielt auch eine Antwort auf eine andere Gruppe, die 1985 aus einer Abspaltung von der IKS  hervorgegangen war: die sog. Externe Fraktion der IKS (EFIKS), die die Zeitschrift "Internationalist Perspectives" herausbrachte. Die EFIKS, die fälschlicherweise behauptete, aus der IKS ausgeschlossen worden zu sein, und einen Großteil ihrer frühen Polemiken darauf verwendete, die Degeneration und den Stalinismus der IKS aufzuzeigen, hatte ihr Dasein mit der erklärten Absicht begonnen, die IKS-Plattform vor der IKS zu beschützen - daher der Name ihrer Gruppe. Doch bald darauf begann sie, den politischen Grundsatzrahmen der IKS immer mehr in Frage zu stellen; im Mittelpunkt stand dabei die Frage der Dekadenz. Der Name "EFIKS" wurde schließlich fallengelassen, und die Gruppe übernahm den Namen ihrer Publikation. Im Gegensatz zur GCI jedoch hat IP niemals behauptet, dass sie die Idee des Aufstiegs und Niedergangs des Kapitalismus ablehnt. Erklärtes Ziel war die Vertiefung und Klärung dieser Konzepte. Dies ist sicherlich ein begrüßenswertes Ansinnen. Aber aus unserer Sicht besteht das Problem darin, dass ihre theoretischen Grundlagen wenig Tiefschürfendes beitragen und hauptsächlich dazu dienen, die grundlegende Analyse zu verwässern.

Einerseits ging IP mehr und mehr dazu über, die Existenz zweier "paralleler" Perioden des Kapitalismus zu entwickeln, die sich auf das stützte, was sie als den Übergang von der formellen Herrschaft zur realen Herrschaft des Kapitals bezeichnete, die gemäß der Auffassung von IP mehr oder weniger den gleichen Zeiträumen entspricht wie der "traditionelle" Eintritt in den Zeitraum der Dekadenz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus der Sicht von IP stellt die zunehmende globale Durchdringung aller Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens durch das Wertgesetz die wahre Herrschaft des Kapitals dar. Dies liefere den Schlüssel zum Verständnis der Klassengrenzen, die die IKS bislang immer auf den Begriff der Dekadenz gestützt hatte: der Bankrott der Gewerkschaftsarbeit, des Parlamentarismus, der Unterstützung der nationalen Befreiung usw.

Es stimmt sicherlich, dass die faktische Umwandlung des Kapitalismus in eine Weltwirtschaft, seine effektive "Herrschaft" über den Planeten dem Zeitpunkt des Beginns der Dekadenz entspricht und dass, wie IP ebenfalls hervorhebt, in diesem Zeitraum in der Tat im Grunde jede erdenkliche menschliche Aktivität zunehmend vom Wertgesetz durchdrungen wurde. Aber wie wir in unserem Artikel in der Internationalen Revue Nr. 60 (engl., franz., span. Ausgabe)[6] argumentierten, greift die IP-Definition des Übergangs von der formellen zur wahren Dominanz ein Konzept auf, das von Marx erarbeitet wurde, und dehnt es über die spezifische Bedeutung aus, die Marx ihm verliehen hatte. Für Marx wurzelte dieser Übergang im Übergang von der Manufakturperiode - als die Arbeitskraft der Handwerker von einzelnen Kapitalisten zusammengefasst wurde, ohne die alten Produktionsmethoden wirklich zu ändern - zum eigentlichen Fabriksystem, das sich auf die kollektive Arbeit stützt. Im Wesentlichen hatte dieser Wandel aber auch schon zu Marx' Zeiten stattgefunden, auch wenn die Kapitalisten damals nur einen kleinen Teil des Planeten „beherrschten". Die spätere Ausdehnung fußte direkt auf der „realen Herrschaft" des Produktionsprozesses. In unserem Artikel meinten wir, dass die Bordigisten von Communisme ou Civilisation konsequenter seien, wenn sie behaupten, dass der Kommunismus seit 1848 möglich sei, denn aus ihrer Sicht markierte dies den faktischen Übergang zur realen Herrschaft.

Aber es gab noch einen weiteren Haken bei der Infragestellung des Konzeptes der Dekadenz, das IP von der IKS geerbt hatte: der Vorwurf des "Produktivismus". In einer seiner ersten Salven behauptete MacIntosh, dass alle Gruppen der Kommunistischen Linken, von BILAN bis zu den bestehenden Gruppen wie die IKS und das IBRP, unter dieser Krankheit litten: Sie seien „hoffnungslos und untrennbar einem Produktivismus verfallen, der das Trojanische Pferd der Kapitalisten innerhalb des marxistischen Lagers ist. Dieser Produktivismus macht die Entwicklung der Technologie und der Produktivkräfte zum eigentlichen Standard des geschichtlichen und gesellschaftlichen Fortschritts. Innerhalb dieses theoretischen Bereichs muss eine Produktionsweise, solange sie den technologischen Fortschritt sicherstellt, als historisch fortschrittlich eingestuft werden." [7]. Die Broschüre der IKS „Die Dekadenz des Kapitalismus" [8] wurde besonders heftig kritisiert. In dieser Broschüre wiesen wir die Auffassung Trotzkis zurück, die dieser im programmatischen Text „Die Todesagonie des Kapitalismus und die Aufgaben der Vierten Internationale" (1938) entwickelt hatte, wonach die Produktivkräfte der Menschheit faktisch zu wachsen aufgehört hätten. In unserer Broschüre bezeichnen wir die Dekadenz als einen Zeitraum, in dem die Produktionsverhältnisse als eine Fessel für die Entwicklung der Produktivkräfte wirken, jedoch nicht als absolute Schranke. Wir stellten dort ein Gedankenexperiment an, um aufzuzeigen, in welchem Maße sich der Kapitalismus entwickelt hätte, wenn er nicht von seinen ihm inhärenten Grenzen zurückgehalten worden wäre.

MacIntosh richtete seine ganze Aufmerksamkeit auf diesen Abschnitt und konterte mit etlichen Zahlen, die aus seiner Sicht solch furchterregende Wachstumsraten in der Epoche der Dekadenz andeuten, dass der Begriff der Dekadenz als Verlangsamung in der Entwicklung der Produktivkräfte von einer Vorstellung abgelöst werden müsste, derzufolge gerade das Wachstum des Systems zutiefst inhuman ist - wie zum Beispiel die sich verschärfende ökologische Krise beweise.

Artikel anderer IP-Mitglieder schlugen in dieselbe Kerbe, so zum Beispiel "Für ein nicht-produktivistisches Verständnis der Dekadenz" von E.R. in IP 44. [9] Eine ziemlich eindringliche Antwort auf MacIntosh‘ Text war jedoch schon von M. Lazare (im Weiteren: M.L.) in IP 29 verfasst worden [10]. Wenn man von den gelegentlichen Karikaturen der angeblichen IKS-Karikaturen einmal absieht, zeigt dieser Artikel ziemlich gut, wie stark MacIntosh' Kritik am Produktivismus selbst einer produktivistischen Logik unterworfen war. [11] Zunächst stellte M.L. die von Macintosh angeführten Zahlen in Frage, die besagen, dass der Kapitalismus in den 80 Jahren seit 1900 um das 30-fache gewachsen sei. Er hob hervor, dass diese Zahlen viel weniger eindrucksvoll sind, wenn man sie auf das einzelne Jahr hinunterbricht (4,36 Prozent pro Jahr). Aber was noch wichtiger ist: er meinte, dass, quantitativ gesehen, all die eindrucksvollen Wachstumszahlen des Kapitalismus in seiner Niedergangsphase in Anbetracht der gigantischen Verschwendung der Produktivkräfte, wie sie die Bürokratie, die Waffenproduktion, Kriege, Werbung, der Finanzsektor, eine Reihe von nutzlosen „Dienstleistungen" und immer wiederkehrende oder quasi-permanente Wirtschaftskrise beinhalten,  tatsächlich viel, viel  größer gewesen wären. In diesem Sinn bleibt der Begriff des Kapitals als Fessel, die die Entwicklung der Produktivkräfte zurückhält, aber nicht völlig blockiert, selbst in kapitalistischen Begriffen im Wesentlichen gültig. Wie Marx meinte, ist das Kapital der lebendige Widerspruch, und die „wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst". [12]

Aber M.L. belässt es zu Recht nicht bei diesem Argument. Die Frage der „Qualität" der Entwicklung der Produktivkräfte in der Dekadenz stellt sich sofort, wenn Faktoren wie Verschwendung oder Krieg ins Spiel gebracht werden. Im Gegensatz zu einigen Andeutungen von M.L. war die IKS-Auffassung von der Dekadenz nie rein quantitativ ausgerichtet, sondern hat stets die gesellschaftlichen und menschlichen „Kosten" des verlängerten Überlebens des Systems berücksichtigt. Vor allem schließt unsere Auffassung von der Dekadenz keineswegs den ebenfalls von M.L. geäußerten Gedanken aus,  dass man die Frage der Entwicklung der Produktivkräfte viel eingehender beleuchten muss. Die Produktivkräfte sind nicht von Haus aus Kapital, ein Irrglauben, der sowohl von den Primitivisten, die die technologische Entwicklung als solche als die Wurzel allen Übels ansehen, als auch von den Stalinisten gepflegt wird, die den Fortschritt in Richtung Kommunismus an den Tonnen von Zement und Stahl messen, die produziert werden. Im Grunde sind die „Produktivkräfte" der Menschheit ihre schöpferische Kraft, und die Bewegung hin zum Kommunismus kann nur an dem Maß gemessen werden, in dem die schöpferischen Fähigkeiten der Menschheit freigesetzt werden. Die Akkumulation von Kapital - „Produktion um der Produktion willen" - war einst ein Schritt in diese Richtung, doch sobald die Grundlagen für die Schaffung einer kommunistischen Weltgesellschaft gelegt waren, spielte sie keine fortschrittliche Rolle mehr. In diesem Sinn gehörte die italienische Kommunistische Linke, weit entfernt davon, von einer produktivistischen Sichtweise beherrscht zu sein, zu den Ersten, die dies offen kritisierten, da sie Trotzkis Hymnen über die Wunder der sozialistischen Produktion in Stalins UdSSR ablehnten und darauf bestanden, dass die Interessen der Arbeiterklasse (selbst in einem „proletarischen Staat") notwendigerweise in einem unüberbrückbaren Gegensatz zu den Bedürfnissen der Akkumulation stehen (M.L. stellte dies ebenfalls fest, im Gegensatz zu den Beschuldigungen MaIntoshs gegen die linkskommunistische Tradition).

Für Marx und für uns kann die „fortschrittliche Mission" des Kapitals an dem Grad abgelesen werden, in dem es zur Befreiung der schöpferischen Kräfte des Menschen in einer Gesellschaft beiträgt, in der das Maß für den Wohlstand nicht mehr die Arbeitszeit, sondern die Freizeit ist. Der Kapitalismus stellte einen unvermeidbaren Schritt in diese Richtung dar, aber sein Niedergang wird gerade durch die Tatsache deutlich, dass heute dieses Potenzial nur durch die Abschaffung des Wertgesetzes realisiert werden kann.

Es ist äußerst wichtig, dieses Problem in seiner ganzen historischen Dimension zu berücksichtigen, in einer Dimension, die sowohl die Zukunft wie auch die Vergangenheit umfasst. Die Versuche des Kapitals, die Akkumulation in der Zwangsjacke aufrechtzuerhalten, die ihm durch seine globalen Grenzen aufgezwungen wird, schafft eine Situation, in der nicht nur das Potenzial der Menschheit zurückgehalten wird - ihr eigentliches Überleben wird in dem Maße bedroht, wie die kapitalistischen Produktionsverhältnisse immer gewaltsameren Erschütterungen ausgesetzt sind und die Gesellschaft in den Ruin treiben. Darauf deutete Marx schon in den Grundrissen hin, als er von Entwicklung als Niedergang sprach. [13]

Ein aktuelles Beispiel ist China, dessen schwindelerregende Wachstumszahlen so viele ehemals treue Anhänger der Dekadenztheorie betört haben. Hat das chinesische Kapital die Produktivkräfte weiterentwickelt? Hinsichtlich seiner eigenen Interessen ja, aber in welchem globalen und historischen Kontext hat diese Entwicklung stattgefunden? Sicherlich hat die Entfaltung des chinesischen Kapitals das globale industrielle Proletariat zahlenmäßig anschwellen lassen, aber dies geschah nur dank eines umfangreichen Deindustrialisierungsprozesses in den westlichen Industrieländern, was den massiven Verlust von Arbeitsplätzen in vielen Schlüsselbereichen der Arbeiterklasse in den Ursprungsländern des Kapitalismus und auch den Verlust von Kampftraditionen bedeutete. Gleichzeitig sind die ökologischen Kosten des chinesischen „Wirtschaftswunders" gigantisch. Der Bedarf an Rohstoffen für das chinesische Industriewachstum ist mitverantwortlich für die  verstärkte Plünderung der globalen Ressourcen; die vermehrte Produktion bringt eine massive Steigerung der Umweltverschmutzung mit sich. Auf wirtschaftlicher Ebene ist China völlig abhängig von den Absatzmärkten für Konsumgüter im Westen. Sowohl hinsichtlich des Binnenmarktes als auch der Exporte sind die längerfristigen Aussichten für die chinesische Wirtschaft keineswegs positiv, genauso wenig wie die Europas und der USA. Der einzige Unterschied besteht darin, dass China von einem höheren Niveau aus beginnt.[14]. Doch seine Vorteile, oder zumindest einige von ihnen, könnten dahinschwinden, wenn es zu einer Reihe von Bankrotten kommt [15]. Früher oder später kann China nur Bestandteil der Rezessionsdynamik der Weltwirtschaft werden.

Am Ende des 19. Jahrhunderts sah Marx Anlass zur Hoffnung, dass eine kapitalistische Entwicklung in Russland nicht unbedingt erforderlich sei, weil er erkannt hatte, dass auf Weltebene die Bedingungen für den Kommunismus schon heranreiften. Um wie viel mehr trifft dies heute zu...

Bedenken im IBRP?

2003-2004 begannen wir eine neue Artikelserie zur Dekadenz - als Antwort auf eine Reihe neuer Angriffe gegen das Konzept, aber insbesondere auch als Reaktion auf besorgniserregende Signale, die darauf hindeuteten, dass das Internationale Büro für die Revolutionäre Partei (nunmehr die Internationale Kommunistische Tendenz), das im Allgemeinen seine politischen Positionen auf das Konzept der Dekadenz gestützt hatte, ebenfalls von dem vorherrschenden „anti-dekadentistischen" Druck beeinflusst wurde.

In einer Erklärung („Kommentare zur jüngsten Krise in der IKS") im Februar 2002, die in Internationalist Communist Review Nr. 21 veröffentlicht wurde, wird das Konzept der Dekadenz kritisiert als "so universell wie verwirrend [...] der Kritik der politischen Ökonomie fremd [...] den Methoden und dem Arsenal der Kritik der politischen Ökonomie  unbekannt." Wir wurden auch gefragt: "Welche Rolle spielt das Konzept der Dekadenz in puncto militanter Kritik der politischen Ökonomie, i.e. für eine tiefergehende Analyse der Charakteristiken und Dynamik des Kapitalismus in der heutigen Zeit? Keine. Weil der Begriff selbst niemals in den drei Bänden des Kapitals auftaucht." [16]

Auch in einem auf Italienisch veröffentlichten Beitrag in Prometeo Nr. 8, Serie VI (Dezember 2003) und auf Englisch in Revolutionary Perspectives Nr. 32, 3. Serie, Sommer 2004 [17] („Für eine Definition des Konzeptes der Dekadenz")gab es eine Reihe von besorgniserregenden Aussagen.

Die Theorie der Dekadenz wird offensichtlich so aufgefasst, als führe sie zu einer fatalistischen Vorstellung über den Werdegang des Kapitalismus und die Rolle der Revolutionäre: "Die Unklarheit liegt darin begründet, dass die Dekadenz oder der schrittweise Niedergang der kapitalistischen Produktionsform aus einer Art unvermeidbarem Prozess der Selbstzerstörung entsteht, dessen Ursachen auf den wesentlichen Aspekt seiner eigenen Existenz zurückzuführen sind. [...] das Verschwinden und die Zerstörung der kapitalistischen Wirtschaftsform ist eine historisch bedingte Tatsache, wirtschaftlich unausweichlich und gesellschaftlich vorbestimmt. Abgesehen davon, dass dies eine kindische und idealistische Herangehensweise ist, führt dies zu negativen politischen Auswirkungen und der Hypothese, dass, um den Tod des Kapitalismus zu erleben, es ausreichte, dies sozusagen von der Seitenlinie aus zu beobachten oder  dass es allenfalls in Krisensituationen (und nur dann) erforderlich sei, die subjektiven Instrumente des Klassenkampfes als einen letzten Impuls für eine Prozess zu liefern, der ansonsten irreversibel ist."

Die Dekadenz wird allem Anschein nach nicht mehr in der Alternative zwischen Sozialismus und Barbarei münden, da der Kapitalismus sich grenzenlos erneuern kann. „Der widersprüchliche Aspekt der kapitalistischen Produktion, die Krisen, die daraus hervorgehen, die Wiederholung des Akkumulationsprozesses, der vorübergehend unterbrochen ist, aber durch die Zerstörung von überflüssigem Kapital und Produktionsmitteln neue Nahrung erhält, führen nicht automatisch zu seiner Zerstörung. Entweder kommt der subjektive Faktor zum Tragen, der im Klassenkampf seinen materiellen Dreh- und Angelpunkt und in der Krise seine ökonomisch bestimmende Kraft hat, oder das Wirtschaftssystem reproduziert sich selbst, wodurch all seine Widersprüche erneut und auf einer höheren Ebene ausbrechen, ohne dabei aber gleichzeitig die Voraussetzungen für seine eigene Selbstzerstörung zu schaffen."

Wie in der Erklärung von 2002 wurde im neuen Artikel argumentiert, dass das Konzept der Dekadenz keineseriöse Kritik an der politischen Ökonomie sei. Es wäre nur nützlich, wenn man es auf ökonomischer Ebene „beweisen" könne, indem man die Tendenzen bei der Entwicklung der Profitrate untersucht.

"Ebenso wenig ist die evolutionäre Theorie gültig, derzufolge der Kapitalismus historisch durch eine fortschrittliche und eine dekadente Phase gekennzeichnet ist, wenn man keine kohärente wirtschaftliche Erklärung liefern kann (...). Die Untersuchung der Dekadenz differenziert diese Mechanismen, die die Verlangsamung des Verwertungsprozesses des Kapitals steuern, mit all den damit verbundenen Konsequenzen, oder sie bleibt gefangen in einer falschen Perspektive, die vergeblich Prophezeiungen macht. (...) Aber die Auflistung dieser ökonomischen und gesellschaftlichen Phänomene kann, sobald diese identifiziert und beschrieben worden sind, als solche nicht als ein Beleg für die Niedergangsphase des Kapitalismus angesehen werden. Dies sind lediglich Symptome, und der Ausgangspunkt für deren Entstehung liegt in den Gesetzen der Profitkrise."

Die beiden Artikel in unserer Internationalen Revue[18], die als Antwort auf das IBRP geschrieben wurden, zeigten, dass, auch wenn die Internationalistische Kommunistische Partei - Battaglia Comunista, die Sektion der IKT in Italien, von der dieser Beitrag verfasst wurde - den Begriff der Dekadenz schon immer relativ inkonsequent vertreten hatte, dieser Artikel ein wirklicher Rückschritt in Richtung jener „bordigistischen" Auffassung war, die 1952 maßgeblich zum Bruch in der Internationalistischen Kommunistischen Partei beigetragen hatte. Bordiga, dessen Position von Damen heftig bekämpft wurde (wie wir in einem früheren Artikel dieser Reihe sahen [19]), behauptete, die „Theorie der abfallenden Kurve" sei fatalistisch; gleichzeitig leugnete er jegliche objektiven Grenzen für das wirtschaftliche Wachstum. Was das Ansinnen anbelangt, die Dekadenz ökonomisch zu „beweisen", war die Erkenntnis, dass der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 eine qualitativ neue Phase im Leben des Kapitals eröffnet hatte, von Marxisten wie Lenin, Luxemburg und der Kommunistischen Linken vor allem auf der Grundlage der gesellschaftlichen, politischen und militärischen Faktoren bestätigt worden. Wie jeder gute Arzt hatten sie die Krankheit anhand ihrer offensichtlichsten Symptome, insbesondere den Weltkrieg und die Weltrevolution, diagnostiziert. [20]

Wir wissen nicht, wie die Diskussion innerhalb der IKT nach der Veröffentlichung des Artikels von Battaglia verlaufen ist [21]. Es bleibt jedoch die Tatsache, dass diese beiden hier erwähnten Artikel eine allgemeine Flucht vor der Kohärenz der Italienischen Linken widerspiegeln und ein Ausdruck dieses Trends innerhalb einer der solidesten Gruppen dieser Tradition sind.

Dieser Rückschritt von Elementen in der Kommunistischen Linken hinter die Dekadenztheorie wird von Einigen als eine Befreiung von einem rigiden Dogmatismus und als Öffnung zu einer theoretischen Bereicherung verstanden. Doch während wir die Letzten sind, die die Notwendigkeit leugnen, die ganze Frage des Auf- und Abstiegs des Kapitalismus zu erläutern und zu vertiefen [22], haben wir den Eindruck, dass es sich hier hauptsächlich um einen Rückzug von der Klarheit der marxistischen Tradition und um eine Konzession an das enorme Gewicht der bürgerlichen Ideologie handelt, die sich notwendigerweise auf den Glauben an das ewige, sich selbst verjüngende Wesen dieser Gesellschaftsordnung stützt.

Aufheben: Das Kapital ist „objektivistisch", nicht der Marxismus

Wie wir eingangs schrieben, ist dieses Problem - die Unfähigkeit, den Kapitalismus als eine vorübergehende Gesellschaftsform zu erkennen, die sich bereits jetzt als obsolet erwiesen hat - besonders deutlich unter der neuen Generation von politisierten Minderheiten verbreitet, die vom Anarchismus stark beeinflusst sind. Aber der Anarchismus hat auf theoretischer Ebene wenig anzubieten, vor allem wenn es um die Kritik der politischen Ökonomie geht; er ist normalerweise gezwungen, sich beim Marxismus zu „bedienen", um den Eindruck einer wirklichen Tiefe zu vermitteln. In einem gewissen Maße war dies die Rolle der Gruppe Aufheben im libertär-kommunistischen Milieu in Großbritannien sowie international gewesen. Ihre einmal im Jahr erscheinende Zeitschrift Aufheben  wurde jeweils mit großer Spannung erwartet, weil man sich davon gewichtige Analysen von Fragen der Aktualität erhofft, verfasst vom Standpunkt eines „autonomen Marxismus". Insbesondere die Dekadenzserie [23] war von Vielen als die endgültige Widerlegung dieses Konzeptes des kapitalistischen Niedergangs betrachtet worden, das als ein Erbe des mechanischen Marxismus der Zweiten Internationale, als eine „objektivistische" Sicht der Dynamik des Kapitalismus gesehen wurde, die die subjektive Dimension des Klassenkampfes völlig unterschätze.

„Aus der Sicht der linken Sozialdemokraten ist es wichtig, darauf zu bestehen, dass der Kapitalismus sich im Niedergang befindet - und sich seinem Zusammenbruch nähert. ‚Marxismus' heißt für sie, der Kapitalismus sei  bankrott und die revolutionäre Aktion damit notwendig. Sie beteiligen sich zwar an revolutionären Aktionen, aber, wie wir gesehen haben, weil sie ihren Schwerpunkt auf die objektiven Widersprüche des Systems legen, mit der revolutionären subjektiven Aktion als Reaktion darauf, verknüpfen sie dies nicht mit der wirklich notwendigen Vorbedingung für das Ende des Kapitalismus - die konkrete Entwicklung des revolutionären Subjektes. Für die revolutionäreren Mitglieder der Bewegung wie Lenin und Luxemburg schien eine revolutionäre Position eine Position des Glaubens an den Zusammenbruch zu sein, obwohl die Zusammenbruchstheorie faktisch dazu geführt hatte, dass sich zu Beginn der 2. Internationale eine reformistische Position herausgebildet hatte. Der Punkt war, dass die Theorie des kapitalistischen Niedergangs als eine Zusammenbruchstheorie des Kapitalismus aufgrund seiner eigenen objektiven Widersprüche eine im Wesentlichen kontemplative Haltung gegenüber der Objektivität des Kapitalismus beinhaltete, während die wirklichen Erfordernisse der Revolution im Bruch mit dieser kontemplativen Haltung bestehen." [24]

Aufheben geht davon aus, dass sowohl die Trotzkisten als auch die heutigen Linkskommunisten die Erben dieser (linken) sozialdemokratischen Tradition seien: "Unsere Kritik lautet, dass ihre Theorie die Entwicklung des Kapitalismus schildert; die praktische Folge daraus ist, dass die Trotzkisten hinter allem herlaufen, was sich bewegt, um für den endgültigen Show-down zu rekrutieren, während die Linkskommunisten sich fernhalten und auf eine exemplarische revolutionäre Aktion der Arbeiter warten. Hinter diesem offensichtlichen Gegensatz in der Art und Weise, sich auf den Kampf zu beziehen, steckt eine gemeinsame Auffassung über den Zusammenbruch des Kapitalismus, was bedeutet, dass sie nichts aus der realen Klassenbewegung gelernt haben. Obgleich es eine Neigung gibt, sich zu Aussagen hinreißen zu lassen, dass der Sozialismus unvermeidbar ist, gilt im Allgemeinen für die Anhänger der Dekadenztheorie, dass der Sozialismus nicht unaufhaltsam kommen wird - wir sollten nicht alle einfach abwarten und Tee trinken -,  aber der Kapitalismus wird zusammenbrechen. Diese Theorie kann schließlich mit dem leninistischen Konstrukt einer Organisation heute einhergehen, oder - wie bei  Mattick - man wartet auf den Moment des Zusammenbruchs, weil es dann möglich sei, eine richtige revolutionäre Organisation zu errichten. Die Theorie des Niedergangs und der Krise wird von der Partei hochgehalten und verstanden, die Arbeiterklasse muss ihrer Fahne hinterherlaufen. Das heißt: ‚Wir begreifen Geschichte, folgt uns!‘ Die Niedergangstheorie passt sehr gut zur leninistischen Theorie vom Bewusstsein, die natürlich viel von Kautsky übernommen hat, der seinen Kommentar zum Erfurter Programm mit der Vorhersage beendete, dass ‚... die Mitglieder der nichtproletarischen Klassen der Sozialdemokratie zuströmen und Hand in Hand mit dem unwiderstehlich vordringenden Proletariat ihrer Fahne folgen zu Sieg und Triumph‘." (http://www.marxists.org/deutsch/archiv/kautsky/1892/erfurter/5-klassenkampf.htm#t14).

Wie aus der Behauptung, die Dekadenztheorie führe logischerweise zu einer „leninistischen" Theorie des Klassenbewusstseins, ersichtlich wird, ist die allgemeine Auffassung von Aufheben von Socialisme ou Barbarie (deren Aufgabe der marxistischen Krisentheorie in den 1960er Jahren wir in einem früheren Artikel dieser Serie behandelt haben  [25]) und insbesondere von den italienischen Autonomen [26]beeinflusst worden. Diese beiden Strömungen teilen die Kritik an der „objektivistischen" Interpretation Marx‘, derzufolge der Schwerpunkt auf der unerbittlichen Ausarbeitung der ökonomischen Gesetze des Kapitals den Einfluss des Klassenkampfes auf die Organisierung der kapitalistischen Gesellschaft minimiert und ein Verständnis der Bedeutung der subjektiven Erfahrung der Arbeiterklasse mit ihrer Ausbeutung unmöglich macht. Gleichzeitig war sich Aufheben dessen bewusst, dass Marx‘ Entfremdungstheorie sich genau auf diese Subjektivität des Proletariats stützt, und sie kritisierte Cardan (den Haupttheoretiker von Socialisme ou Barbarie) für dessen Kritik an Marx, weil er nicht diesen Hauptbestandteil seines Denken berücksichtigt habe. „Socialisme ou Barbarie's grundlegender Widerspruch verkennt die völlige Radikalität der Kritik von Marx an der Entfremdung. Mit anderen Worten, sie stellten als Innovation dar, was in Wirklichkeit eine Verarmung der Marxschen Kritik war." [27]

Die Autonomen gingen über Cardans oberflächliche Sicht, wonach Marx ein "monumentales Werk - Das Kapital - geschrieben hat, in dem der Klassenkampf buchstäblich abwesend ist", noch hinaus. [28] Harry Cleavers 1979 veröffentlichte Buch „Reading Capital Politically", das sich ausdrücklich mit der Tradition des „autonomen Marxismus" identifiziert, zeigt sehr gut auf, dass bei der Vorgehensweise von Marx das Kapital als ein gesellschaftliches Verhältnis definiert wird und als solches notwendigerweise den Widerstand des Proletariats gegen die Ausbeutung umfasst, der umgekehrt die Organisierungsweise des Kapitals modifiziert. Das wurde zum Beispiel am Kampf für die Verkürzung des Arbeitstages und am Übergang zur Extraktion des relativen statt des absoluten Mehrwertes (der sich im 19. Jahrhundert vollzog) sowie an den wachsenden Bedürfnissen des Systems nach staatlicher Planung deutlich, um mit der proletarischen Gefahr (im 20. Jahrhundert) fertig zu werden.

Dies ist eine richtige Korrektur an der mechanistischen "Kautskyschen" Auffassung, die zurzeit der Zweiten Internationale verbreitet war und derzufolge die unerbittlichen Gesetze der kapitalistischen Wirtschaft mehr oder weniger sicherstellten, dass die Macht wie „eine reife Frucht" in die Hände einer gut organisierten sozialdemokratischen Partei fallen werde. Wie Cleaver ferner hervorhebt, wird diese Herangehensweise, die die subjektive Entwicklung des Klassenbewusstseins tatsächlich unterschätzt, nicht durch eine Art Ultra-Leninismus vermieden, der die Partei als das einzig wahre Element der Subjektivität zwischenschaltet, wie in Trotzkis berühmten Ausspruch, dass die „Krise der Menschheit sich auf die Krise der revolutionären Führung reduzieren lässt." [29] Die Partei ist in der Tat ein subjektiver Faktor, aber ihre Fähigkeit, zu wachsen und die Klassenbewegung zu beeinflussen, hängt von einer viel breiteren Entwicklung des proletarischen Kampfes und Bewusstseins ab.

Es trifft ebenso zu, dass die Bourgeoisie gezwungen ist, mit dem Kampf der Arbeiterklasse bei der Aufrechterhaltung ihrer Klassenschaft zu rechnen - nicht nur auf ökonomischer, sondern auch auf politischer und militärischer Ebene. Und die Analysen der IKS zur Weltlage haben diese Aspekte selbstverständlich berücksichtigt. Einige Beispiele: wenn wir die Wahl zwischen verschiedenen politischen Mannschaften zur Lenkung des „demokratischen" Staates betrachten, gehen wir immer vom Klassenkampf als einem zentralen Element aus. Deshalb sprachen wir während der 1980er Jahre von der Präferenz der Bourgeoisie für eine oppositionelle Rolle der linken Parteien, weil sie so besser mit den Reaktionen der Arbeiter auf die Sparmaßnahmen umgehen konnten. Andererseits hat die die Strategie der Privatisierung nicht nur eine wirtschaftliche Funktion, die von den abstrakten Gesetzen der Wirtschaft diktiert wird (die Anwendung der Marktgesetze auf jeder Stufe des Arbeitsprozesses), sondern auch eine gesellschaftliche Funktion, die dazu dient, die Reaktion der Arbeiter gegen die Angriffe auf ihre Lebensbedingungen zu fragmentieren, da diese Angriffe infolge der Privatisierungen nicht mehr als das Werk eines einzigen Arbeitgebers, des kapitalistischen Staates, gesehen werden. Auf einer eher historischen Ebene haben wir stets den Standpunkt vertreten, dass das Gewicht des Klassenkampfes, ob offen oder potenziell, eine entscheidende Rolle bei der Einschätzung des „historischen Kurses" zum Krieg oder zur Revolution spielt. Wir zitieren diese Beispiele, um zu zeigen, dass es keine logische Verknüpfung zwischen einer Theorie des kapitalistischen Niedergangs und der Leugnung des subjektiven Faktors der Klasse bei der Einschätzung der allgemeinen Dynamik der kapitalistischen Gesellschaft gibt.

Indes verloren die Autonomen sämtlichst die Orientierung, als sie die Schlussfolgerung zogen, dass die Ende der 1960er ans Tageslicht tretende Wirtschaftskrise ein Ergebnis des Klassenkampfes sei. Auch wenn Arbeiterkämpfe in bestimmten Phasen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Herrschenden vergrößern und deren „Lösungen" blockieren können, wissen wir nur zu gut, dass die Wirtschaftskrise katastrophale Auswirkungen erreichen kann, wenn der Klassenkampf sich auf breiter Front auf dem Rückzug befindet. Die Depression der 1930er Jahre liefert dafür den klarsten Beweis. Die Ansicht, dass Arbeiterkämpfe die Wirtschaftskrise ausgelöst hätten, hatte in den 1970er Jahren einen gewissen Anschein von Plausibilität, als beide Ereignisse zeitgleich auftraten. Doch Aufheben selbst erkennt die Grenzen dieser Argumentation in dem Abschnitt der Artikelserie zur Dekadenz, in dem auf die Autonomen eingegangen wird: „In den 1980er Jahren kam die Klassenkampftheorie von der Krise ein Stück weit vom Pfad ab. Denn während in den 1970er Jahren der Bruch der objektiven kapitalistischen Gesetze ziemlich offensichtlich war, wurde das aufstrebende Subjekt durch den teilweisen Erfolg des Kapitalismus zurückgeworfen. Es hat den Anschein, dass die objektiven Gesetze des Kapitals in den 1980er Jahren unbegrenzten Spielraum erhielten und in unserem Leben gewissermaßen Amok laufen konnten. Eine Theorie, die die Erscheinungsweisen der Krise mit dem konkreten Verhalten der Klasse in Verbindung brachte, konnte sich nur auf wenige offensive Kämpfe stützen, und dennoch wurde die die Krise nicht überwunden. Unter diesen Umständen eignete sich die Theorie immer weniger." [30]

Was bleibt also von der Gleichsetzung zwischen Dekadenztheorie und "Objektivismus"? Wir haben bereits erwähnt, dass Aufheben Cardan richtigerweise dafür kritisierte, dass er die eigentlichen Folgen der Marxschen Theorie der Entfremdung außer Acht lässt. Leider begeht Aufheben den gleichen Fehler, wenn es die Theorie des kapitalistischen Niedergangs mit der „objektivistischen" Theorie des Kapitals verquickt, die dieses als eine durch ein Uhrwerk gesteuerte Maschine mit unmenschlichen Gesetzen darstellt. Doch aus der Sicht des Marxismus schwebt das Kapital nicht gottgleich über der Menschheit; es ist vielmehr wie Gott von den menschlichen Handlungen erzeugt worden. Es ist jedoch eine entfremdete Handlungsweise, was bedeutet, dass sie eine Existenzweise annimmt, die unabhängig von ihren Schöpfern ist - am Ende sowohl von der Bourgeoisie als auch vom Proletariat, da beide von den abstrakten Gesetzen des Marktes in den Abgrund eines ökonomischen und gesellschaftlichen Desasters getrieben werden. Dieser Objektivismus des Kapitals ist genau das, was die proletarische Revolution abzuschaffen anstrebt, nicht indem diese Gesetze menschlicher gestaltet werden, sondern indem sie durch die bewusste Unterordnung der Produktion unter die Bedürfnisse des Menschen ersetzt werden.

In World Revolution, Nr. 168 (Oktober 1993) [31]veröffentlichten wir eine erste Antwort auf den Artikel von Aufheben zur Dekadenz. Das zentrale Argument in diesem Artikel lautet: Indem Aufheben die Dekadenztheorie angreift, lehnt es die ganze Marxsche Vorgehensweise gegenüber der Geschichte ab. Insbesondere mit dem Vorwurf des "Objektivismus" lässt Aufheben den vom Marxismus ermöglichten kritischen Durchbruch, die Ablehnung sowohl des vulgärmaterialistischen Ansatzes als auch der idealistischen Methoden, wie auch den Zwiespalt zwischen dem Objektiven und dem Subjektiven, zwischen Freiheit und Notwendigkeit, außer Acht. [32]

Bemerkenswerterweise haben die ursprünglichen Artikel von Aufheben über die Dekadenz die Unzulänglichkeit der Krisenerklärungen der Autonomen erkannt: In einer höchst kritischen Einleitung zu der Reihe, die die Online-Version der Serie auf libcom.org begleitet (33), gesteht Aufheben ein, dass es ihnen nicht gelungen war, gerade dieses Verhältnis zwischen den objektiven und subjektiven Faktoren bei einer Reihe von marxistischen Denkern (einschließlich Rosa Luxemburg, die selbstverständlich den Begriff des kapitalistischen Niedergangs vertrat) zu erkennen, und akzeptierte, dass unsere Kritik an ihnen in diesem wichtigen Punkt ganz richtig war. Diese Selbstkritik ist nicht besonders gut bekannt, während die ursprüngliche Serie weiterhin als endgültiger K.O.-Schlag gegen die Dekadenztheorie herangezogen wird.

Solche selbstkritischen Überprüfungen kann man nur begrüßen, aber aus unserer Sicht sind die Konsequenzen nicht unbedingt überzeugend. Dies wird dadurch offensichtlich, dass die jüngsten Ausgaben von Aufheben gerade jetzt, wo die wirtschaftliche Sackgasse dieses Systems immer deutlicher wird, trotz großer Anstrengungen nur ein sehr enttäuschendes Ergebnis zustande gebracht haben. Aus ihrer Sicht ist die 2007 ausgebrochene "Schuldenkrise" nicht im Geringsten Ausdruck eines tieferliegenden Problems im Akkumulationsprozess, sondern sie ist vor allem auf Fehler im Finanzsektor zurückzuführen. Auch könnte es ziemlich leicht zu einem neuen und ausdehnten „Aufschwung" kommen, wie jener, der angeblich in den 1990er Jahren und Anfang der Nullerjahre stattgefunden hatte. [34] Aus Platzgründen können wir nicht weiter auf diesen Artikel eingehen, aber es scheint, als habe der Anti-Dekadentismus das finale Stadium seines Niedergangs erreicht.

Eine sehr provisorische Schlussfolgerung

Wir werden diese Polemik hier abschließen, doch die Debatte über dieses Thema wird sicherlich weitergehen. Sie ist umso dringender geworden, da immer mehr Menschen, vor allem aus der jungen Generation, sich bewusst werden, dass der Kapitalismus keine Zukunft hat  und die Krise sich in ihrem Endstadium befindet. Diese Frage wird in den Klassenkämpfen und Sozialrevolten, die überall durch die Krise ausgelöst werden, immer mehr diskutiert werden. Sie ist mehr als je zuvor lebenswichtig, um einen klaren theoretischen Rahmen für das Verständnis der historischen Sackgasse zu entwickeln, in der das kapitalistische System steckt, um zu betonen, dass der Kapitalismus eine außer Kontrolle geratene Produktionsweise ist, die auf immer mehr Zerstörung zutreibt, und um auf die Unmöglichkeit jeglicher reformistischer Lösungen hinzuweisen, die darauf abzielen, das Kapital menschlicher oder demokratischer zu machen.

Kurzum, es geht darum zu verdeutlichen, dass die Alternative Sozialismus oder Barbarei, die von den Revolutionären 1914 laut und deutlich verkündet wurde, heute mehr denn je relevant ist. Solch ein Aufruf ist alles andere als ein Plädoyer für eine passive Hinnahme der gesellschaftlichen Funktionsweise. Im Gegenteil, es ist eine Aufforderung an das Proletariat, zu handeln, das Bewusstsein voranzutreiben und die Tür zu einer kommunistischen Zukunft aufzustoßen, die möglich und notwendig, aber alles andere als garantiert ist.

Gerrard 5/12

 

 

[1] http://en.internationalism.org/ir/134/what-method-to-understand-decadence

[2] http://en.internationalism.org/ir/048_decadence_part01.htmlhttp://en.internationalism.org/ir/049_decadence_part02.html; http://en.internationalism.org/ri/050_decadence_part03.htm

[3] ebenda

[4] ebenda,

[5] http://en.internationalism.org/icconline/2006/groupe-communiste-internationaliste

[6] http://en.internationalism.org/ir/060_decadence_part08.html

[7] Internationalist Perspective n° 28, Herbst 1995

[8] http://en.internationalism.org/pamphlets/decadence

[9] http://internationalist-perspective.org/IP/ip-archive/ip_44_decadence-2.html.

[10] http://internationalist-perspective.org/IP/ip-archive/ip_29_decadence.html

[11] MacIntosh war nicht das erste und letzte unserer frühen Mitglieder, die sich derart von den Wachstumsraten des Kapitalismus blenden ließen, dass sie das Konzept der Dekadenz in Frage zu stellen oder abzulehnen begannen. Gegen Ende der 1990er Jahre bildeten im Zuge einer ernsten Krise um die Organisationsfrage eine Reihe von früheren Mitgliedern der IKS den Pariser Diskussionszirkel, unter ihnen RV, der seinerzeit die Broschüre "Die Dekadenz des Kapitalismus" und die Antwort auf die Kritiken der GCI am "Dekadentismus" verfasst hatte. Obgleich die Frage der Dekadenz niemals im Fokus der Debatten über die interne Krise stand, veröffentlichte der Zirkel sehr schnell einen wichtigen Text, der das Konzept der Dekadenz insgesamt verwarf. Dabei verwies er hauptsächlich auf die beträchtliche Entwicklung der Produktivkräfte seit 1914 und vor allem seit 1945. (http://cercledeparis.free.fr/indexORIGINAL.html). 

[12] Band 3, Drittes Buch, Erster Teil, Dritter Abschnitt, Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate, 15.Kapitel, Entfaltung der inneren Widersprüche des Gesetzes, II. Konflikt zwischen Ausdehnung der Produktion und Verwertung, S. 261, MEW Bd 25) 

[13] Zu diesem letzten Punkt siehe unseren Artikel „Die Untersuchung des Kapitals und die Grundrisse des Kommunismus" aus der Serie "Der Kommunismus ist keine schöne Idee, sondern eine materielle Notwendigkeit". http://en.internationalism.org/ir/075_commy_07.html

[14] Der IWF schätzt, dass die "chinesische Wirtschaft einen Rückgang ihres Wachstums um die Hälfte erleben könnte, falls die Krise der Eurozone sich verschlimmern sollte." (Les Echos. http://www.lesechos.fr/entreprises-secteurs/finance-marches/actu/0201894521951-les-banques-chinoises-invitees-a-reechelonner-les-prets-aux-provinces-288265.php).

[15] Um das Wachstum trotz einer Verlangsamung der Weltwirtschaft aufrechtzuerhalten, hat China mehr auf seinen Binnenmarkt gesetzt, indem z.B. die Kommunen massiv Schulden aufnehmen. Aber selbst hier ist kein Wunder möglich. Man kann nicht endlos Schulden anhäufen; das trifft natürlich auch auf die chinesischen Banken zu. "Um eine Reihe von Insolvenzen oder Zahlungsunfähigkeiten zu vermeiden, haben die Banken viele  Schulden der Kommunen gestundet bzw. schicken sich an, es zu tun." (Les Echos).

[16] http://www.leftcom.org/en/articles/2002-08-01/comments-on-the-latest-crisis-of-the-icc

[17] http://www.leftcom.org/en/articles/2003-12-01/for-a-definition-of-the-concept-of-decadence

[18] http://en.internationalism.org/ir/119_decadence_ii.html  und  http://en.internationalism.org/ir/120_decadence_iii.html

[19] http://en.internationalism.org/internationalreview/201111/4596/post-war-boom-did-not-reverse-decline-capitalism

[20] Der Artikel in Internationale Revue, Nr. 120 (engl., franz., span. Ausgabe) deckt auch die heuchlerischen Behauptungen einer Gruppe von Elementen auf, die aus der IKS wegen ihres inakzeptablen Verhaltens ausgeschlossen worden waren: die "Interne Fraktion der IKS", die einen kriecherischen Artikel zu Battaglias Beitrag veröffentlichten. Nachdem sie der IKS vorgeworfen hatte, das Konzept der Dekadenz mittels der Theorie vom Zerfall (die außerhalb des Konzeptes der Dekadenz keinen Sinn macht) aufzugeben, wurde das politische Ziel dieser „Fraktion" - nämlich die IKS anzugreifen, während man gleichzeitig das IBRP umschmeichelt - in diesem Artikel entlarvt.

[21] Dem Vernehmen nach war der Artikel in Prometeo Nr. 8 ein Diskussionspapier und keine Stellungnahme des IBRP oder einer ihrer zugehörigen Gruppen, wodurch der Titel unserer Antwort ("Battaglia Comunista gibt das marxistische Dekadenzkonzept auf") ziemlich ungeeignet war.

[22] Zum Beispiel die Debatte über die ökonomischen Grundlagen des Nachkriegsbooms (siehe http://en.internationalism.org/ir/133/economic_debate_decadence sowie Artikel in nachfolgenden Nummern) und die Erkenntnis, dass die Dekadenz eine Geschichte hat, die zum Konzept des Zerfalls als der Endphase des kapitalistischen Niedergangs führt.

[23] „Dekadenz: Die Theorie des Niedergangs oder Niedergang der Theorie", die im Sommer 1993 begann.

[24] http://libcom.org/library/decadence-aufheben-2.

[25] http://en.internationalism.org/internationalreview/201111/4596/post-war-boom-did-not-reverse-decline-capitalism.

[26] "The rise and fall of Autonomia Operaia", IR 16: http://en.internationalism.org/specialtexts/IR016_auto_operaia.htm.

[27] http://libcom.org/library/decadence-aufheben-3.

[28] Cardan, "Moderner Kapitalismus und Revolution", aus dem Kapitel "Politische Implikationen aus der ‘klassischen' Theorie".

[29] Der Todeskampf des Kapitalismus. Siehe den Artikel aus dieser Serie in Internationale Revue Nr. 146: „Die Dekadenz des Kapitalismus: Für die Revolutionäre bestätigt die Große Depression die Überalterung des Kapitalismus" (engl., franz., span. Ausgabe) http://en.internationalism.org/ir/146/great-depression).

[30]. http://libcom.org/library/decadence-aufheben-3.

[31]http://en.internationalism.org/wr/168_polemic_with_aufheben.

[32] Siehe ebenso den Artikel aus dieser Serie in der Internationalen Revue, Nr. 141 (engl., franz., span. Ausgabe): „Die Theorie des kapitalistischen Niedergangs und der Kampf gegen den Revisionismus", in dem wir die die Auffassung von Aufheben kritisieren, derzufolge die Dekadenztheorie in der II. Internationale begonnen habe  (http://en.internationalism.org/ir/141/capitalist-decline-revisionism).

[33]. http://libcom.org/aufheben/decadence. In dieser Einleitung schreibt Aufheben, dass in der Anfangsphase der Gruppe die IKS für sie ein wichtiger Bezugspunkt war. Aber sie meinen, dass unsere dogmatische und sektiererische Haltung (zum Beispiel auf einem Treffen in London über die Zukunft der Europäischen Union) sie zu der Schlussfolgerung führte, es sei nicht möglich, mit uns zu diskutieren. Es stimmt, dass die IKS zum Teil eine sektiererische Haltung gegenüber Aufheben vertrat; dies spiegelte sich auch in unserem Artikel aus dem Jahre 1993 wider, zum Beispiel am Ende des Artikels, als wir schrieben, es wäre besser, dass die Gruppe verschwinden würde.

[34] Im Schlussteil des Artikels von 2011 liest man: "Es gibt wenig Anhaltspunkte dafür, dass wir in einen langen Abschwung eingetreten sind oder dass der Kapitalismus jetzt in der Stagnation steckengeblieben ist, wenn man von der Finanzkrise selbst einmal absieht. In der Tat scheinen der schnelle, erneute Anstieg der Profite und das Vertrauen großer Teile der Bourgeoisie in die langfristigen Aussichten einer erneuten Kapitalakkumulation das Gegenteil zu belegen. Aber wenn der globale Kapitalismus noch mitten in einem langen Aufschwung steckt, mit historischen hohen Profitraten, wie kann man dann die unvorhergesehene Finanzkrise von 2007-2008 erklären?"

Wie wir lange Zeit gegen die Orthodoxie der „Stagnation" argumentiert haben, war die „Aufschwung"-Theorie richtig gewesen, da sie begriff, dass die Reorganisation der globalen Kapitalakkumulation, die im vergangenen Jahrzehnt vonstattenging, insbesondere die Integration von China und Asien in die Weltwirtschaft, zur Wiederherstellung der Profitraten und, als eine Konsequenz daraus, zu einem nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung geführt hat. Doch wie wir nun erkennen, besteht das Problem darin, dass die Aufschwungstheorie darin versagt hat, die Bedeutung des Auftauchens des globalen Kredit- und Finanzwesens und die Rolle zu begreifen, die es bei der Bewerkstelligung dieser Reorganisation gespielt hat.

Um die Beschränkungen sowohl der „Stagnations"- als auch der „Aufschwung"-Theorie zu überwinden, war es also notwendig, das Verhältnis zwischen dem Auftauchen und der Entwicklung des Kredit- und Finanzwesens einerseits und der globalen Reorganisation der realen Kapitalakkumulation andererseits zu untersuchen, die in den letzten 30 Jahren stattfand. Auf der Grundlage dieser Untersuchung waren wir in der Lage gewesen, den Schluss zu ziehen, dass die Finanzkrise von 2007-08 weder durch den Unfall einer fehlgeleiteten Politik noch durch eine Krise im Finanzsystem, die nur eine tiefer liegende Krise der Stagnation der Realakkumulation des Kapitals widerspiegelte, verursacht worden war. Stattdessen war die der Finanzkrise zugrundeliegende Ursache ein Überangebot von verleihbarem Geldkapital im globalen Kreditwesen und Finanzsystem, das seit den späten 90er Jahren aufgelaufen war. Dies war wiederum das Resultat der Weiterentwicklungen in der Realakkumulation gewesen - wie der Aufstieg Chinas, das Abheben der „new economy" und die fortgesetzte Liquidierung der „old economy" -, die wesentlich für den lang anhaltenden Aufschwung gewesen war.

"Deshalb könnte man zu der Schlussfolgerung neigen, dass das Wesen und die Bedeutung der Finanzkrise nicht in einem entscheidenden Wendepunkt besteht, der zu einem wirtschaftlichen Abschwung oder dem Ende des Neoliberalismus, wie viele vermutet hatten, führt, sondern eher einen leichten Rückgang bewirkt, der auf eine neue Phase eines langen Aufschwungs hinweist. Die Bedeutung dieser neuen Phase und die Konsequenzen für die Zukunft des globalen Kapitalismus und den Kampf gegen ihn können wir aus Platzgründen nicht weiter aufgreifen." (Aufheben Nr. 19; http://libcom.org/library/return-crisis-part-2).