Die Freunde Durrutis: Lehren aus einem unvollständigen Bruch mit dem Anarchismus

Die
anarchistische Gruppe Freunde Durrutis ist immer wieder als ein Beispiel
für die Lebendigkeit des Anarchismus während der Ereignisse in Spanien nach
1936 ins Feld geführt worden. Ihre Mitglieder spielten während den Kämpfen im
Mai 1937 eine herausragende Rolle, indem sie die Kollaboration der CNT mit der
republikanischen Regierung Kataloniens und der Generalität  anprangerten und sich dagegen stellten. Die
CNT bezieht sich heute auf die Errungenschaften dieser Gruppe, verkauft deren
bekannteste Publikationen

[1]


und nimmt deren Positionen in Beschlag.

Unserer
Ansicht nach besteht die wichtigste Lehre aus den Erfahrungen dieser Gruppe
nicht im Beweis für die ”Lebendigkeit” des Anarchismus, sondern im Gegenteil in
der Unmöglichkeit in seinem Rahmen eine revolutionäre Alternative zu
verteidigen

[2]

. Auch wenn
die Freunde Durrutis sich der ”Kollaboration” der CNT entgegenstellten,
verstanden sie deren Rolle als aktiver Faktor bei der Niederschlagung der
Arbeiterklasse; ihre Teilnahme im bürgerlichen Lager nicht. Aus diesem Grund
denunzierten sie die CNT nicht als Instrument des Klassenfeindes, sondern sie
betonten immer wieder ihre Mitgliedschaft in der CNT und die Möglichkeit, diese
Organisation zur Verteidigung der Interessen der Arbeiterklasse zu gewinnen.

Der
wirkliche Grund für diese Schwierigkeiten lag in der Unfähigkeit der Freunde
Durrutis
mit dem Anarchismus zu brechen. Es erklärt auch, weshalb alle
Anstrengungen und der revolutionäre Wille der Mitglieder dieser Gruppe zu
keiner Klärung über die Ereignisse in Spanien von 1936 führte.

1936:
Proletarische Revolution oder imperialistischer Krieg?

In den Geschichtsbüchern werden die Ereignisse in Spanien
von 1936 als ein ”Bürgerkrieg” beschrieben. In den Augen der Trotzkisten und
Anarchisten handelte es sich gar um eine ”Spanische Revolution”. Für die IKS
ist es weder ein ”Bürgerkrieg” noch eine ”Revolution”, sondern ein
imperialistischer Krieg. Ein Krieg zwischen zwei Fraktionen der spanischen
Bourgeoisie: auf der einen Seite Franco mit dem deutschen und italienischen
Imperialismus im Rücken und auf der anderen Seite, vor allem in Katalonien, die
Volksfront-Republik inklusive Stalinisten, POUM und die CNT, mit der
Unterstützung der UdSSR und der demokratischen Imperialisten. Die
Arbeiterklasse wehrte sich im Juli 1936 gegen den Putschversuch Francos und im
Mai 1937 in Barcelona gegen den Versuch der herrschenden Klasse, den Widerstand
der Arbeiterklasse zu brechen.

[3]


In beiden Ereignissen jedoch war die Volksfront das Mittel, die Arbeiterklasse
zu schlagen, aufzuspalten und unter dem Banner des ”Antifaschismus” in die
militärischen Auseinandersetzungen zu führen.

Dies war auch die Analyse von BILAN, der Zeitschrift
der Italienischen Kommunistischen Linken im Exil. Für BILAN war der
internationale Rahmen, in dem sich die Ereignisse in Spanien abspielten,
entscheidend. Die internationale revolutionäre Welle, die dem Erstem Weltkrieg
ein Ende gesetzt und sich über fünf Kontinente ausgebreitet hatte, war
niedergeschlagen, auch wenn es in China 1926, mit dem Generalstreik in England
und in Spanien im selben Jahr nochmals ein Aufflackern gab. Die 30er Jahre
waren geprägt von der Vorbereitung aller grossen imperialistischen Mächte auf
einen neuen weltweiten Konflikt. Dies war der internationale Rahmen für die
Ereignisse in Spanien: eine geschlagene Arbeiterklasse und freie Bahn zu einem
zweiten Weltkrieg. Andere proletarische Gruppen wie die GIK

[4]


verteidigten ähnliche Positionen, auch wenn gerade in der Zeitschrift der GIK
Positionen Platz fanden, die dem Trotzkismus nahe standen und davon ausgingen,
dass das Proletariat durch die Beteiligung an einer Bewegung für die
”bürgerliche Revolution” in eine revolutionäre Richtung voranschreiten könne. BILAN
führte mit diesen Gruppen beharrlich eine Diskussion, selbst mit der eigenen Minderheit,
welche daran glaubte, die Revolution werde aus dem Krieg herauswachsen, und für
die Beteiligung in der ”Lenin-Brigade” in Spanien mobilisierte.

[5]

Trotz aller Konfusionen liess sich keine dieser Gruppen dazu
herab, die republikanische Regierung zu unterstützen. Im Gegensatz zur POUM und
CNT beteiligten sie sich nicht an der Unterwerfung der Arbeiter unter die
Republik, sie stellten sich nicht auf die Seite der herrschenden Klasse!

[6]


Heute benutzt die Bourgeoisie diese Irrtümer der
Arbeiterklasse, um den politischen Verrat und die konterrevolutionäre Rolle der
POUM und der CNT in Spanien im Jahre 1936 zu vertuschen, indem sie diese
Ereignisse als eine ”proletarische Revolution” darstellen, die von diesen
Organisationen angeführt worden sei.

[7]


In Wirklichkeit jedoch waren CNT und POUM die letzte Verteidigungslinie der
herrschenden Klasse gegen den Kampf der Arbeiterklasse: ”Doch es waren vor
allem die POUM und die CNT, welche eine entscheidende Rolle zur Anheuerung der
Arbeiter an die Front spielten. Diese zwei Organisationen erwirkten den Abbruch
des Generalstreiks, ohne dass sie in dessen Entfaltung eine entscheidende Rolle
gespielt hätten. Die Kraft der Bourgeoisie drückte sich nicht so sehr in Franco
aus, sondern im Bestehen einer extremen Linken, welche fähig war das
Proletariat zu demobilisieren.”
(aus unserem Buch: Die Italienische
Kommunistische Linke 1926-1945
)

Die anarchistische Grundlage für den Verrat der CNT 1936

Für viele Arbeiter ist es schwierig zu verstehen, dass die
CNT, welche die kämpferischsten und entschlossensten Arbeiter anzog und die
radikalsten Positionen vertrat, Verrat an der Arbeiterklasse begehen konnte,
indem sie die Arbeiter in die Arme des republikanischen Staates und in den
antifaschistischen Kampf trieb.

Verwirrt vom Durcheinander und der Heterogenität, die das
anarchistische Milieu auszeichnet, ziehen viele den Schluss, das Problem habe
nicht bei der CNT gelegen, sondern beim ”Verrat” von vier Ministern (die
Montseny, Garcia Oliver, etc.) oder dem Einfluss vom Strömungen wie der
Trentisten.

[8]

Es ist wahr, dass während der internationalen revolutionären
Welle, die auf die Russische Revolution folgte, sich die Mehrheit des
spanischen Proletariates der CNT anschloss (die Sozialistische Partei war den
Sozialpatrioten gefolgt, die das Weltproletariat in einen imperialistischen
Weltkrieg geführt hatten, und die Kommunistische Partei stellte nur eine sehr
kleine Minderheit dar). Grundsätzlich war dies Ausdruck einer Schwäche der
Arbeiterklasse in Spanien aufgrund der dortigen Wesenszüge des Kapitalismus
(ein schwacher nationaler Zusammenhalt und ein Übergewicht der
Grossgrundbesitzer und der Aristokratie innerhalb der herrschenden Klasse).

Diese Voraussetzungen bildeten einen idealen Nährboden für
die anarchistische Ideologie, welche das Denken des radikalen Kleinbürgertums
und dessen Einfluss in die Arbeiterklasse verkörpert. Dieses Gewicht wurde
zusätzlich verstärkt durch den Einfluss, den die Kreise um Bakunin in der
Ersten Internationale in Spanien ausgeübt hatten. Wie Engels in seinem Buch Die
Bakunisten an der Arbeit
aufgezeigt hatte, führte er durch die
Mobilisierung des Proletariats hinter die abenteurerische, radikale Bourgeoisie
in der kantonistischen Bewegung von 1873 in Spanien zu fatalen Konsequenzen.
Als der Anarchismus damals zwischen der Machtübernahme durch die Arbeiterklasse
und der bürgerlichen Regierung zu wählen hatte, entschied er sich für Letztere:”...dieselben
Leute, die sich autonome, anarchistische Revolutionäre usw. nennen, haben sich
bei dieser Gelegenheit mit Eifer darauf geworfen, in Politik zu  machen, aber in der allerschlimmsten, in der
Bourgeoispolitik. Sie haben nicht dafür gearbeitet, der Arbeiterklasse die
politische Macht zu verschaffen – diese Idee verabscheuen sie im Gegenteil -,
sondern einem Bruchteil der Bourgeoisie ans Ruder zu verhelfen, der aus
Abenteurern, Ehrgeizigen und Stellenjägern besteht, und sich intransingente
(unversöhnliche) Republikaner nennt.”
(”Bericht der neuen Madrider
Föderation der Ersten Internationale”
in Die Bakunisten an der Arbeit,
Denkschrift über den Aufstand in Spanien im Sommer 1873
, MEW, Bd.18, S.
477)

Während der revolutionären Welle, die auf den Ersten
Weltkrieg folgte, wurde die CNT von der Russischen Revolution und der Dritten
Internationale beeinflusst. 1919 bejahte der Kongress der CNT klar den
proletarischen Charakter der Russischen Revolution und den revolutionären
Charakter der Kommunistischen Internationale, in welcher sie zu arbeiten
gedachte. Doch mit der Niederlage der weltrevolutionären Welle und dem offenen
Kurs hin zur Konterrevolution fand die CNT in ihren anarchistischen und
syndikalistischen Grundlagen nicht die theoretische und politische Kraft, um
die Lehren aus der Niederlage in Deutschland, Russland usw. zu ziehen und der
enormen Kampfbereitschaft des spanischen Proletariates eine revolutionäre
Führung zu geben.

Nach ihrem Kongress von 1931 zog sie ihren ”Hass auf die
Diktatur des Proletariates”
ihren vorangegangenen Auffassungen über die
Russische Revolution vor und sah trotz ihrer formalen Ablehnung des
bürgerlichen Parlamentes  in der Konstituierenden
Versammlung eine ”Frucht der revolutionäre Aktion” (Kongressbericht: ”Position
der CNT über die Konstituierende Versammlung”
) Damit begann sie die
herrschende Klasse zu unterstützen, am deutlichsten durch Fraktionen wie
diejenige der Trentisten; und dies trotz der Tatsache, dass sie Militante in
ihren Reihen hatte, die dem revolutionären Kampf des Proletariates treu
blieben.

Im Februar 1936 warf sie ihre abstentionistischen Prinzipien
durch einen indirekten Aufruf zur Wahl der Volksfront über den Haufen: ”Natürlich
hat die spanische Arbeiterklasse, der die CNT während Jahren geraten hat nicht
wählen zu gehen,  unsere Propaganda in
dem Sinne verstanden, wie wir es uns wünschten, das heisst, dass sie wählen
gehen soll, weil damit erreicht wird, dass den rechten Faschisten leichter die
Stirn geboten werden kann, wenn diese revoltieren, nachdem sie eine Niederlage
erlitten haben und nicht mehr in der Regierung sind.”

[9]

Damit zeigte die CNT deutlich ihre Entwicklung hin zur
Unterstützung des bürgerlichen Staates, ihre Anteilnahme an der Politik zur
Niederschlagung und Isolierung des Proletariates und zur Vorbereitung des
imperialistischen Krieges.

Was sich danach im Juli 1936 abspielte, überrascht nicht
mehr. Als die Generalität in den Händen der bewaffneten Arbeiter war, gab die
CNT die Macht der Regierung Luis Companys zurück, rief die Arbeiter zur
Wiederaufnahme der Arbeit auf und schickte sie ins Massaker an der
Aragon-Front. Noch weniger überraschend war, was sich im Mai 1937 ereignete,
als die Arbeiter auf die Provokation der Bourgeoisie in Barcelona spontan
Barrikaden errichteten und in den Strassen die Kontrolle übernahmen: Die CNT
rief erneut zum Abbruch des Kampfes auf und hinderte Arbeiter, die ihre
Kameraden in Barcelona unterstützen wollten, an der Rückkehr von der Front.

[10]

Die Ereignisse in Spanien zeigen, dass in Zeiten des Krieges
oder der Revolution Teile der Anarchisten für den revolutionären Kampf des
Proletariates gewonnen werden können, der Anarchismus als ideologische Strömung
jedoch unfähig ist, der Konterrevolution zu widerstehen und ihr eine
revolutionäre Alternative entgegenzustellen; er lässt sich sogar zur
Verteidigung des bürgerlichen Staates einspannen. BILAN hatte dies verstanden
und formulierte es auf treffende Art und Weise: ”Es muss offen gesagt werden:
In Spanien existierten die Bedingungen nicht, um die Aktionen des iberischen
Proletariates in ein Signal für das weltweite Wiedererwachen des Proletariates
umzuwandeln, auch wenn dort tiefere und schlimmere ökonomische, soziale und
politische Gegensätze herrschten als in anderen Ländern. (...) Die
Gewalttätigkeit dieser Ereignisse sollte uns nicht zu einem Irrtum über ihre Natur
verleiten. Sie verkörpern den Kampf auf Leben und Tod, in den das Proletariat
gegen die Bourgeoisie eingetreten ist, doch sie zeigen ebenfalls die
Unmöglichkeit auf, einzig durch Gewalt – die nur ein Kampfmittel, und nicht
Programm des Kampfes ist – eine historische Vision zu ersetzen, welche durch
die Mechanismen des Klassenkampfes nicht mehr befruchtet werden kann. Da die
sozialen Bewegungen nicht die Kraft haben, eine klare Vision der Ziele des
Proletariats zu befruchten, und da sie sich nicht mit einer kommunistischen
Intervention treffen, die in diese Richtung zeigt, kehren sie schlussendlich
auf das Geleise der kapitalistischen Entwicklung zurück und reissen in ihrer
Niederlage diejenigen sozialen und politischen Kräfte mit sich, welche bis
anhin in einer klassischen Form die Trittbrettfahrer der Arbeiterklasse
darstellten: die Anarchisten.”

[11]

Die Freunde Durrutis, ein Versuch, sich dem Verrat
der CNT entgegenzustellen

Die Freunde Durrutis waren anarchistische Elemente,
welche sich trotz der bürgerlichen Ausrichtung der CNT, in der sie während der
ganzen Zeit mitwirkten, mit der Revolution verbunden fühlten, und in diesem
Sinne sind sie Zeugnis des Widerstandes proletarischer Teile, die nicht in
dieselbe Richtung gehen wollten, wie die anarchistischen Hauptquartiere.

Aus diesem Grund versucht die CNT und die gesamte
herrschende Klasse diese Gruppe als Beispiel der revolutionären Flamme
darzustellen, die auch während der schlimmsten Zeiten von 1936-37 in der CNT
noch existiert habe.

Eine solche Darstellung ist komplett falsch. Was das
revolutionäre Wesen der Freunde Durrutis ausmachte, war eben genau ihr
Kampf gegen die Positionen der CNT. Sie schöpften ihre Kraft aus dem Proletariat,
von dem sie ein Teil waren und für das sie sich in den vordersten Reihen
befanden.

Die Freunde Durrutis bewegten sich auf dem Terrain
der Arbeiterklasse, und dies nicht als Militante der CNT sondern als militante
Arbeiter, welche die Kraft ihrer Klasse vom 19. Juli spürten und sich seither
gegen die Positionen der CNT auflehnten.

Ihr Versuch, den eigenen proletarischen Impuls mit ihrer
Verbindung zur CNT und deren anarchistischen Orientierungen unter einen Hut
bringen zu wollen, verunmöglichte es ihnen, eine revolutionäre Alternative
aufzugreifen oder klare Lehren aus diesen Ereignissen zu ziehen.

Die Freunde Durrutis waren eine dem Anarchismus
zugeneigte Gruppe, welche sich im März 1937 formell konstituierte. Sie
formierte sich aus einer Strömung, die in der CNT-Presse gegen deren
Kollaboration mit der Regierung auftrat, und aus einer anderen Strömung, welche
nach Barcelona zurückkehrte, um gegen die Militarisierung der Milizen zu
kämpfen.

Die Freunde Durrutis standen in direktem Zusammenhang
mit der Entfaltung von Arbeiterkämpfen, in die sie ihre Überlegungen und
Aktivitäten stellten. Es war keine Gruppe von Theoretikern, sondern von
kampfbereiten Arbeitern. Deshalb bezogen sie sich grundsätzlich auf die Kämpfe
vom Juli 1936 und deren ”Errungenschaften”, Kämpfe, die sich vor allem durch
die Kontrolle von Arbeitergarden in den Quartieren und die Bewaffnung der
Arbeiterklasse ausgezeichnet hatten. In ihren Augen lagen die Fundamente der
Bewegung im Geist der Julitage und der spontanen Kraft des Arbeiterkampfes, als
dieser den Angriff Francos bewaffnet zurückschlug und in Barcelona die
Kontrolle in den Strassen ausübte.

Vor den Maitagen schrieben einige wichtige Mitglieder dieser
Gruppe auch in der Zeitschrift der CNT LA NOCHE, und ihre grundlegende Aktivität
bestand in Treffen, auf denen der Gang dieser Ereignisse diskutiert wurde.

Während der Maitage 1937 kämpften die Freunde Durrutis
auf den Barrikaden und veröffentlichten das Flugblatt, das sie berühmt machte,
da sie die Bildung einer ”revolutionären Junta”, die Vergesellschaftung der
Wirtschaft und die Hinrichtung der Schuldigen forderten. Ihre Positionen
glichen denen der trotzkistischen Gruppe der Bolschewiki-Leninisten (in
der Munis mitwirkte), mit denen sie Diskussionen führten, die ihr Nachdenken
befruchtete. Doch es war nicht möglich, die Freunde Durrutis zum Bruch
mit dem Anarchismus zu bewegen.

Nach den Maitagen brachten sie die Zeitschrift EL AMIGO
DEL PUEBLO
heraus (insgesamt 15 Nummern), die ihren Willen ausdrückte, im
Kampf aufgetauchte Fragen zu klären. Der bekannteste Theoretiker der Gruppe war
Jaime Balius, der 1938 eine Broschüre mit dem Titel Hin zu einer neuen
Revolution
schrieb, die eine ausgereiftere Verteidigung der Positionen von EL
AMIGO DEL PUEBLO
darstellte.

Doch die Gruppe war direkt vom Leben des Arbeiterkampfes
abhängig und als dieser vom republikanischen Staat besiegt war, kehrte sie in
den Schoss der CNT zurück.

Auch wenn die Freunde Durrutis eine proletarische
Antwort auf den Verrat der CNT darstellten, so war ihre Entwicklung dennoch von
der Unfähigkeit gezeichnet, mit dem Anarchismus und Syndikalismus zu brechen.
Und auch wenn der Kampf und die Stärke der Klasse sie am Leben erhielt, die Freunde
Durrutis
waren nicht fähig, weiter zu gehen.

Ein unvollständiger Bruch mit dem Anarchismus

In den zwei zentralen Fragen, die sich im Klassenkampf
zwischen Juli und Mai stellten: derjenigen des Verhältnisses zwischen dem Krieg
an der antifaschistischen Front und dem Klassenkampf und der Frage der
Kollaboration mit der republikanischen Regierung oder deren Überwindung,
widersetzten sich die Freunde Durrutis der Politik der CNT und nahmen
den Kampf auf.

Die Natur des Krieges in Spanien

Im Gegensatz zur CNT, welche den Aktionen der Arbeiter vom
18. Juli offen gegenübertrat, verteidigten die Freunde Durrutis die
revolutionäre Natur dieser Ereignisse: ”Man hat behauptet, die Julitage
seien eine Antwort auf die faschistische Provokation gewesen, doch wir, die
Freunde
Durrutis haben offen die Meinung vertreten, dass die Essenz dieser erinnerungswürdigen
Tage im Juli ihre Wurzeln im Durst des Proletariates nach Befreiung hatten.”

[12]

Sie kämpften auch gegen die Politik der Unterordnung der
Revolution unter die Bedürfnisse des antifaschistischen Krieges, eine Frage,
die eine wichtige Rolle bei der Gründung dieser Gruppe gespielt hatte

[13]

:

”Die konterrevolutionäre Arbeit wird erleichtert durch die
fehlende Solidarität unter vielen Revolutionären. Wir sind uns der zahlreichen
Individuen bewusst die glauben, um den Krieg gewinnen zu können, müsse man auf
die Revolution verzichten. Damit lässt sich auch der seit dem 19. Juli
eingetretene Rückschritt erklären (...) Um die Massen an die Front zu führen,
müssen ihre revolutionären Wünsche zum Schweigen gebracht werden. Das Gegenteil
sollte der Fall sein. Die Revolution noch mehr sichern, damit die Arbeiter sich
mit einer aussergewöhnlichen Energie in den Kampf um die Eroberung der neuen
Welt stürzen, die in diesen Momenten der Unentschlossenheit nichts als ein
Versprechen ist.”

[14]

Im Mai 1937 widersetzten sich die Freunde Durrutis
der Weisung der CNT an ihre Mitglieder an der Front, den Marsch auf Barcelona
(zur Unterstützung der in den Strassen kämpfenden Arbeiter) zu stoppen, und
stattdessen den Krieg an der Front fortzuführen.

Diese im Kampf eingeschlagene Richtung stimmte jedoch nicht
mit den theoretischen Errungenschaften der Freunde Durrutis über die
Frage von Krieg und Revolution überein. Sie hatten nie wirklich mit der
Auffassung gebrochen, dass der Krieg mit der proletarischen Revolution verbunden
sei und es sich deshalb um einen ”revolutionären” Krieg handle, der den
imperialistischen Kriegen entgegengesetzt sei. Dies machte sie von Beginn weg
zu einem Opfer der Politik der Niederschlagung und Isolierung des Proletariats.

”Seit den ersten Zusammenstössen mit dem Militär war es
nicht mehr möglich, Krieg und Revolution voneinander zu trennen (...) Je mehr
Wochen und Monate vergingen, desto klarer wurde, dass der Krieg gegen die
Faschisten, den wir unterstützten, nichts gemein hatte mit Kriegen, die von
Staaten geführt werden (...) Wir Anarchisten können nicht das Spiel derer
führen, die vorgeben, unser Krieg sei nur ein Unabhängigkeitskrieg mit
demokratischen Zielen. Gegenüber diesen Ideen antworten wir, die
Freunde Durrutis, dass unser
Krieg ein Bürgerkrieg ist.”

[15]


Damit begaben sie sich in den Rahmen der CNT, deren
”radikale” Version bürgerlicher Positionen über den Kampf zwischen Diktatur und
Demokratie die kämpferischsten Arbeiter ins Schlachthaus des antifaschistischen
Krieges führte.

Die Überlegungen der Freunde Durrutis über den Krieg
basierten in Wirklichkeit auf den Irrtümern des Anarchismus und seinem
ahistorischen und nationalistischen Gedankengut. Dies führte sie zur
Auffassung, die Ereignisse in Spanien seien eine Fortführung der lächerlichen
bürgerlichen Revolutionsbemühungen gegen die Invasion Napoleons von 1808.

[16]


Während sich die internationale Arbeiterbewegung mit der Niederlage des
Weltproletariates und der Perspektive eines zweiten Weltkrieges auseinander
setzte, dachten die Anarchisten in Spanien an Fernando VII. und Napoleon:

”Was sich heute abspielt, ist eine Wiederholung der Zeit
Fernandos VII. Erneut fand in Wien eine Konferenz faschistischer Diktatoren
statt, um ihren Einfall in Spanien zu organisieren. Und heute nehmen die
bewaffneten Arbeiter die Rolle von El Empacinado ein. Deutschland und Italien
brauchen Rohstoffe. Diese beiden Länder benötigen Eisen, Kupfer, Blei und
Quecksilber. Doch diese spanischen Bodenschätze sind in den Händen von
Frankreich und England. Heute, wo sie Spanien zu erobern versuchen, wehrt sich
England nicht dagegen. Im Gegenteil versucht es, hinter den Kulissen mit Franco
gemeinsame Sache zu machen (...) Die Arbeiterklasse hat die Pflicht, Spaniens
Unabhängigkeit aufrecht zu erhalten. Das nationale Kapital erledigt dies nicht
mehr, seit das internationale Kapital alle Grenzen überwunden hat. Dies ist das
Drama des heutigen Spaniens. Den Arbeitern fällt die Aufgabe zu, die fremden
Kapitalisten zu verjagen. Dies ist keine Frage des Patriotismus. Es ist eine
Frage der Klasseninteressen.”

[17]

Wie wir sehen sind alle Mittel recht, um einen imperialistischen
Krieg zwischen patriotischen Staaten in einen ”Klassenkrieg” zu verwandeln.
Dies ist ein Ausdruck der politischen Entwaffnung, die der Anarchismus gegen
solch ehrliche militante Arbeiter wie die Freunde Durrutis betrieb.
Diese Genossen, die versuchten, gegen den Krieg und für die Revolution zu
kämpfen, waren unfähig, für ihren Kampf einen wirklichen Ausgangspunkt zu
finden: den Aufruf an die Arbeiter und Bauern (entweder im republikanischen
oder franqistischen Lager eingebunden) zu desertieren, die Waffen gegen ihre
eigenen Offiziere zu richten, von denen sie unterdrückt wurden, von der Front
zurückzukehren und mit Streiks und Demonstrationen auf ihrem eigenen
Klassenterrain gegen den Kapitalismus als ganzes zu kämpfen.

Für die internationale Arbeiterbewegung war die Frage des
Charakters des Krieges in Spanien entscheidend und polarisierte die Debatten
zwischen der Kommunistischen Linken und den Trotzkisten, sowie auch innerhalb
der Kommunistischen Linken:

”Der Krieg in Spanien war für alle entscheidend: Für den
Kapitalismus stellte er ein Mittel dar, um die Front seiner Kräfte, die auf den
Krieg hinarbeiteten, auszudehnen, mit dem Antifaschismus die Trotzkisten und
die sogenannten linken Kommunisten einzuverleiben und das Erwachen der Arbeiter
von 1936 zu ersticken. Für die linken Fraktionen war es die entscheidende
Prüfung, die Selektion der Köpfe und Ideen, die Notwendigkeit, sich der Frage
des Krieges zu stellen. Wir haben standgehalten gegen den Strom und werden es
weiterhin tun.”
(BILAN,
Nr. 44, zitiert aus Die Italienische Kommunistische Linke)

Die Kollaboration der CNT mit der Regierung

Viel klarer als bei der Frage des Krieges setzten sich die Freunde
Durrutis
der Kollaborationspolitik der CNT gegenüber der republikanischen
Regierung entgegen.

Sie denunzierten den Verrat der CNT vom Juli: ”Im Juli bot
sich eine gute Gelegenheit. Wer widersetzte sich der CNT und der FAI in
Katalonien? Statt ein Bündnisdenken zu entwickeln, das sich auf die Sympathien
zu den rot-schwarzen Flaggen und die Kraft der Massen stützt, machten unsere
Komitees einen Rundgang durch die verschiedenen offiziellen Stellen, doch ohne
eine Haltung, die derjenigen entsprach, die wir auf der Strasse hatten. Im
Laufe einiger Wochen des Zweifels beteiligten sie sich an der Macht. Wir
erinnern uns gut, wie auf regionaler Ebene die Bildung eines revolutionären
Organs vertreten wurde, welches auf nationaler Ebene Nationale
Verteidigungsjunta und auf regionaler Ebene Regionale Junta  genannt wurde. Wie auch immer, sie führten
die gefällten Entschlüsse nicht aus. Sie übergingen oder verstiessen sogar
gegen die von den Vollversammlungen gefällten Beschlüsse. Erst beteiligte man
sich an der Regierung der Generalität und später an der Madrider Regierung.”

[18]


... Und noch offener im Flugblatt, das sie auf den
Barrikaden im Mai verteilten: ”Die Generalität repräsentiert nichts. Ihre
Aufrechterhaltung der Macht fördert die Konterrevolution. Wir Arbeiter haben
den Kampf gewonnen. Es ist unbegreiflich, wie die CNT-Komitees mit solcher
Ängstlichkeit vorgingen, eine Waffenruhe anordneten und zur Rückkehr zur Arbeit
aufriefen, als wir den Sieg beinahe in der Hand hatten. Man hat nicht gesehen,
woher die Provokation und Aggression kam, man hat die tatsächliche Bedeutung
dieser Tage nicht erkannt. Diese Politik muss als Verrat an der Revolution
bezeichnet werden, eine Politik, die einem nicht zu überzeugen vermag. Und wir
wissen auch, wie man die unselige Arbeit der Solidaridad Obrera und der
führenden CNT-Mitglieder zu bezeichnen hat.”

Diese Erklärung trug ihnen die Missgunst der CNT und einen
drohenden Ausschluss ein, der jedoch nicht zustande kam. Die Freunde Durrutis
widerriefen ihre Anschuldigung über einen Verrat, den sie in  der Nr. 3 von EL AMIGO DEL PUEBLO
veröffentlicht hatten, in der Nr. 4: ”Im Namen der anarchistischen und
revolutionären Einheit nehmen wir, die Freunde Durrutis, die Analyse über einen
Verrat zurück.” (EL AMIGO DEL PUEBLO Nr. 4) Dies taten sie nicht aus mangelnder
Courage, die sie zur Genüge bewiesen hatten, sondern weil ihr Horizont nicht
über die CNT hinausreichte, die sie als einen Ausdruck der Arbeiterklasse und
nicht als Agenten der Bourgeoisie betrachteten.

In diesem Sinne waren ihre theoretischen Schranken dieselben
wie die der CNT und des Anarchismus. Und deshalb beschränkte sich auch ihre
Kritik an der CNT, als sie weitab der Barrikaden in ruhigerem Nachdenken
zustande kam, darauf, dass diese über keine revolutionäre Plattform verfüge:
”Die grosse Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung stand zur CNT. Die CNT war die
grösste Organisation in Katalonien. Weshalb hat die CNT ihre  Revolution, die Revolution des Volkes, die
Revolution der Mehrheit der Bevölkerung nicht gemacht?

Es geschah, was geschehen musste. Die CNT war ein Waisenkind
bezüglich revolutionärer Theorie. Wir hatten kein richtiges Programm. Wir
wussten nicht, wohin wir gehen sollten. Ein Haufen Lyrik, doch als alles gesagt
war, wussten wir nicht, was mit diesen enormen Arbeitermassen zu tun war, oder
wie wir den enormen Elan, der aus ihnen in unsere Organisationen strömte, auf
den Punkt bringen konnten. Als wir nicht wussten, was zu tun war, begannen wir
die Revolution unter die Fahnen der Bourgeoisie und der Marxisten (d.h. der
Sozialdemokratie und der Stalinisten) zu stellen, welche die Ordnung von
Gestern unterstützten. Noch schlimmer, wir gaben der Bourgeoisie einen immer
breiteren Spielraum, um zurückzukehren, sich zu formieren und als Sieger
aufzutreten.

Die CNT war nicht fähig, ihre Rolle wirklich zu spielen. Wir
waren nicht fähig, die Revolution mit all ihren Konsequenzen voranzutreiben.”
(aus Balius‘
Broschüre: Hin zu einer neuen Revolution)

Doch die CNT hatte zur damaligen Zeit eine klar formulierte
Theorie: die Verteidigung des bürgerlichen Staates. Die Behauptung von Balius
trifft für das Proletariat als ganzes zu (im selben Sinne wie auch BILAN die
Abwesenheit einer Orientierung und einer revolutionären Vorhut feststellte),
nicht jedoch für die CNT. Spätestens ab Februar 1936 arbeitete die CNT
unzweifelhaft mit der bürgerlichen Volksfront-Regierung zusammen: ”Im Februar
1936 stellten sich alle Kräfte aus der Arbeiterklasse hinter dieselbe Front:
die Notwendigkeit, einen Sieg der Volksfront herbeizuführen, um sich von der
Herrschaft der Rechten zu befreien und Amnestie zu erhalten. Von der
Sozialdemokratie über den Zentrismus bis zu den Trotzkisten, der CNT und dem
POUM, inklusive die Parteien der republikanischen Linken, waren sich alle
einig, die Explosion der Klassenwidersprüche in die parlamentarische Arena zu
lenken. Und schon hier ist in flammenden Lettern die Niederlage der Anarchisten
und des POUM geschrieben, so wie die wirkliche Funktion all der demokratischen
Kräfte des Kapitalismus.” (BILAN ”Die Lehren aus den Ereignissen in Spanien”)

Entgegen der Auffassung der Freunde Durrutis, die CNT wisse
nicht, wie die Revolution zu vollbringen sei, wusste diese nach dem Juli genau,
was sie wollte:

”Wir, und dies war die Sicht der CNT-FAI, hatten verstanden,
dass es richtig war, Companys an die Front der Generalität zu folgen, vor
allem, dass wir nicht auf die Strassen gingen, um für die soziale Revolution zu
kämpfen, sondern um uns gegen die faschistischen Schergen zu verteidigen.”
(Garcia Oliver in einer Antwort auf Bolloten, zitiert aus Agustin Guillamon,
Die Freunde Durrutis)

Wenn die Freunde Durrutis während der Maitage 1937 im
Gegensatz zur CNT zu einer ”revolutionäre Junta” gegen die Regierung der
Generalität und zur ”Hinrichtung der Schuldigen” aufriefen, war dies nicht das
Produkt eines Bruchs mit dem Anarchismus oder einer Entwicklung weg vom
Anarchismus hin zu einer revolutionären Perspektive (wie Guillamon meint),
sondern Resultat des Widerstandes der Arbeiterklasse. Es war mehr eine
Feststellung, und kein ein Wegweiser für die Machtübernahme, eine Frage, die
sich in dieser Situation gar nicht stellte, in der die Initiative in den Händen
der Bourgeoisie lag, die eine Provokation gestartet hatte, um den Widerstand
der Arbeiter zu brechen. Doch wie Munis bemerkte, waren sie nicht fähig, einen
Schritt weiter zu tun: ”Munis machte in Nr. 2 von LA VOZ LENINISTA (23. August
1937) eine Kritik am Konzept der ”revolutionären Junta”, wie es in Nr. 6 von EL
AMIGO DEL PUEBLO  (12. August 1937) formuliert
worden war. In den Augen von Munis litten die Freunde Durrutis an einem
zunehmenden theoretischen Niedergang und einer Unfähigkeit, in der Praxis die
CNT zu beeinflussen, was sie dazu führe, einige aus den Maitagen gelernte  theoretische Positionen wieder zu verlieren.
Munis schrieb, dass die Freunde Durrutis 
im Mai 1937 die Losung der ”revolutionären Junta” gleichzeitig mit ”Alle
Macht dem Proletariat” aufgestellt hatten; während EL AMIGO DEL PUEBLO in
seiner Nr. 6 vom 12. August die Losung der ”revolutionären Junta” als eine
Alternative zum ”Scheitern jeglicher Form von staatlicher Macht” vertrat. Laut
Munis war dies ein theoretischer Rückschritt der Freunde Durrutis gegenüber
ihren aus der Erfahrung des Mai gewonnenen Erkenntnissen, ein Rückschritt, der
sie weiter von der marxistischen Auffassung der Diktatur des Proletariates
entfernte und sie in die Unklarheiten der anarchistischen Theorie über den
Staat zurückwarf.”

[19]

Als der Nährboden des Arbeiterkampfes verschwunden und dessen
Niederlage besiegelt war, kehrten die Überlegungen und Vorschläge der Freunde
Durrutis ohne Aufhebens in den Schoss der CNT zurück, und die ”revolutionäre
Junta” wurde in ein Komitee der antifaschistischen Milizen ungewandelt, das sie
zuvor noch als ein Organ der herrschenden Klasse blossgestellt hatten: ”Die
Gruppe hat die Auflösung der Verteidigungskomitees, der Kontrollpatrouillen und
des Milizkomitees scharf kritisiert, sowie auch das Dekret der
Militarisierung. Sie verstanden, dass diese aus den Julitagen hervorgegangen
Organe die Basis – zusammen mit den Gewerkschaften und den
Gemeindenverwaltungen – für eine neue Strukturierung sein müssen, also Modell
einer neuen Ordnung der Dinge. Dies schloss auch durch den Gang der Ereignisse
und die revolutionäre Erfahrung gemachte Änderungen ein.”

[20]

Es lohnt sich, folgende Aussage desselben Autors aus seiner
Broschüre Hin zu einer neuen Revolution von 1938 mit dem Vorangegangenen zu
vergleichen: ”Im Juli wurde ein Komitee der antifaschistischen Milizen
gegründet. Dies war kein Klassenorgan. Es befanden sich darin Vertreter der
Bourgeoisie und der Konterrevolutionäre.”

Schlussfolgerungen

Die Freunde Durrutis waren kein Ausdruck
revolutionärer Lebenskraft der CNT oder des Anarchismus, sondern einer
Anstrengung militanter Arbeiter; und dies trotz des Gewichts des Anarchismus,
der nie das revolutionäre Programm der Arbeiterklasse war und es auch nie sein
wird.

Der Anarchismus kann Teile der Arbeiterklasse anziehen,
welche, wie heute zahlreiche junge Arbeiter, einen Mangel an Erfahrung und
Orientierung haben, aber aus seinen Positionen kann keine revolutionäre
Alternative wachsen. In den meisten Fällen, so wie bei den Freunden Durrutis,
sind dies Zeichen von Mut und proletarischem Kampfwillen. Doch wie die
Geschichte in Spanien zweimal gezeigt hat, stellen seine ideologischen
Irrfahrten den Anarchismus in den Dienst des bürgerlichen Staates.

Einzelne Arbeiter mögen davon ausgehen, dass sie sich an der
Revolution auf der Grundlage des Anarchismus beteiligen können, doch um sich
ein revolutionäres Programm anzueignen, muss man mit dem Anarchismus brechen.

Ronsesvalles 31.3.2000


[1]

Ein Beispiel dazu ist die Broschüre von Balius Hin
zu einer neuen Revolution.
 

[2]

Bezüglich dieser zentralen Frage sind wir nicht
derselben Meinung wie Agustin Guillamon, der über diese Gruppe die Broschüre Die
Freunde Durrutis, 1937-1939
veröffentlicht hat. Seine Arbeit ist die bisher
wichtigste und gewissenhafteste Anstrengung zur Dokumentation der Erfahrungen
und Publikationen dieser Gruppe, die uns bisher begegnet ist. Deshalb beziehen
wir uns in diesem Artikel mehrmals auf diese Quelle. Doch auch wenn der Autor
hervorhebt, dass die Ereignisse in Spanien von 1936 den Tod des Anarchismus
bedeuteten, so behauptet er gleichzeitig, dass eine revolutionäre Alternative
aus dem Anarchismus herauswachsen kann.        

[3]

Zur genaueren Analyse über den Juli 1936 und Mai 1937
siehe die Broschüre Spanien 1936 unserer IKS-Sektion in Spanien.

[4]

Gruppe Internationaler Kommunisten, die
Hauptvertreter des Rätekommunismus in Holland. Ein Text dieser Gruppe ”Revolution
und Konterrevolution in Spanien”
ist in unserer Broschüre Spanien 1936
veröffentlicht.

[5]

Zu den Positionen dieser Strömung siehe unsere
Broschüre Spanien 1936.

[6]

Anders also als die Trotzkisten, welche später im
Zweiten Weltkrieg die UdSSR unterstützten. 

[7]

Die Kino-Version dieser Behauptungen ist in Filmen wie
”Erde und Freiheit” des englischen Regisseurs Ken Loach zu sehen, welche einen
großen kommerziellen Erfolg hatten.     

[8]

Eine Strömung innerhalb der CNT, angeführt von Angel
Pestaña, der eine ”syndikalistische Partei” gründen wollte.

[9]

Auszug aus einer Antwort von Garcia Oliver, eines
Führers der CNT 1936, an den amerikanischen Forscher Bolloten 1950. Zitiert aus
dem Buch von Guillamon. 

[10]

Als Ausgeburt des Zynismus rief eine der Führerinnen
der CNT, Federica Montseny, die Arbeiter dazu auf, ”die Gendarmen zu küssen”,
von denen sie massakriert wurden.

[11]

BILAN  Nr.36,
”Die Lehren aus den Ereignissen in Spanien”, Oktober-November 1936

[12]

”Die gegenwärtige Bewegung” in EL AMIGO DEL
PUEBLO
Nr. 5, Seite 3, zitiert aus dem Buch von Frank Mintz und M. Peciña: Die
Freunde Durrutis, die Trotzkisten und die Mai-Ereignisse
 

[13]

Guillamon beschreibt in seinem Buch die Verwandtschaft
dieser Gruppe mit den Ideen von Buenaventura Durruti, die er vor allem in einer
seiner letzten Reden am 5. November 1936 vertrat.

[14]

Jaime Balius in LA NOCHE, ”Achtung Arbeiter!
Kein Schritt zurück!”
, 2. März 1937, zitiert nach Mintz/Peciña, S. 14-15.

[15]

EL AMIGO DEL PUEBLO, Nr. 1, zitiert nach
Mintz/Peciña, S.  68-69.

[16]

Aus diesem Grund geht Guillamon über diese
Überlegungen (wie überhaupt über die Frage von Krieg und Revolution) hinweg,
wenn er versucht aufzuzeigen, dass die Freunde Durrutis eine
revolutionäre Alternative zum Anarchismus dargestellt hätten.  

[17]

Jaime Balius, Hin
zu einer neuen Revolution
, Historisches Dokumentationszentrum, S. 32-33

[18]

EL AMIGO DEL PUEBLO, Nr. 1, zitiert nach
Mintz/Peciña, S. 63

[19]

Agustin Guillamon, Die Freunde Durrutis 1937-1939,
Seite 70

[20]

Brief von Balius an Bolloten, 1946, zitiert aus
Guillamon, Seite 89, Hervorhebung im Original.

Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: