6. Octobre Monatzseitung des Internationalen Büros der Fraktionen der Kommunistischen Linke Nr. 3 (April 1938)

Gegen den imperialistischen Krieg

Für den revolutionären Defätismus

Für die Weltrevolution

PROLETARIER SPANIENS!

PROLETARIER FRANKREICHS!

PROLETARIER DER GANZEN WELT!

 

"Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagt gegen dies Gespenst verbündet". (Manifest der Kommunistischen Partei, 1848).

PROLETARIER!

Der Krieg von 1914-18 stellte den Höhepunkt der Ausdehnungsphase des kapitalistischen Regimes dar. Der Verfall der bürgerlichen Gesellschaft stellte in Versailles die "Siegerstaaten" vor die Notwendigkeit, den "besiegten" Staaten wirtschaftliche Mittel zur Verfügung zu stellen, sowie ebenso politische und militärische, um das revolutionäre Proletariat zu schlagen, das in dem Auseinanderbrechen des kapitalistischen Apparates dieser Länder einen Weg zur Entwicklung seiner aufständischen Bewegung finden konnte.

 

So öffneten die sozialdemokratischen Henkersknechte auf dem Leichnam der Spartakisten und der deutschen Revolution von 1923 dem Faschismus Tür und Tor. Auf diplomatischer Ebene spielte man die pazifistische Komödie der Abrüstung im Völkerbund. Die einen behaupteten, die Abrüstung würde durch die Sicherheit und Schiedssprüche erfolgen, unterdessen rüsteten sie weiter auf, um zu "warten", bis die Sicherheit hergestellt sein würde. Die anderen täuschten vor, es sei unmöglich, die Sicherheit ohne Rüstung zu gewährleisten, und damit hatten sie ihren "Beweis" für die Unvermeidbarkeit ihrer eigenen Rüstung zur Hand. Aber die Gesetze, welche die Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaft beherrschen, sollten in Anbetracht der Zuspitzung der Wirtschaftskrise die Absurdität dieser Argumente aufzeigen. Schritt für Schritt zerfielen alle interimperialistischen Kompromisse, so daß die Rüstung wiederum eine vorherrschende Stellung im gesellschaftlichen Leben einnehmen mußte.

Als die Stunde des Massakers in Spanien und China schlug, stürzte sich der Kapitalismus wie ein Bienenschwarm auf diese Kriegsmärkte, sei es um hier seine Waffen und sein Kanonenfutter loszuwerden (Italien, Deutschland, UdSSR), oder um hier Rohstoffe und Kapital zu verkaufen (GB, Frankreich, USA). Auch war dies für die Weltbourgeoisie eine gute Gelegenheit, ihre Klassensolidarität zu verdeutlichen.

Als im August 1936 der "Sozialist" Blum die Initiative zur Schaffung eines sog. Nichtinterventionskomitees ergriff, handelte es sich um eine Maßnahme im Sinne der Klasseninteressen des Kapitalismus. Der "Interessenverein" der Weltbourgeoisie überwachte die Verteidigung des Regimes und all die widersprüchlichen Schwankungen seiner Arbeit, all diese sog. Kontrollmaßnahmen hatten letzendlich nur einen Zweck: es den verschiedenen Kapitalien zu ermöglichen, die Proletarier abzulenken und sie zu betrügen. Die wahre Lage, in die die Arbeiter hereingeraten waren, sollte vertuscht werden: nämlich, ihre Massaker in Spanien und China, ihre Unterwerfung unter die volle Entwicklung der Kriegswirtschaft in allen Ländern.

In Deutschland und Italien, wo die Kriegswirtschaft der Konsumindustrie nur einen kleinen Raum übrig ließ, schafften es Hitler und Mussolini mit dem Schlachtruf des "Krieges gegen den Bolschewismus in Spanien", der "Heimzahlung der Ungerechtigkeiten von Versailles", Butter durch die Kanonen zu ersetzen.

In Frankreich war es der Ruf nach "Waffen und Flugzeuge für Spanien", der die Niederschlagung der Streiks ermöglichte. Die Proletarier unterstützten nunmehr die Idee, daß ihr Schicksal von dem Massaker an ihren Klassenbrüdern abhängt, die als "Faschisten" bezeichnet wurden. In Rußland war die Stunde gekommen, wo die wirtschaftliche Lage ein Massaker an denjenigen erforderlich machte, die an der Oktoberrevolution teilgenommen hatten und für die Massen ein Symbol des Widerstandes gegen ihre ekelhafte Ausbeutung darstellten sowie einen Weg zur Verteidigung der unmittelbaren Klasseninteressen der russischen und Weltrevolution hätten aufzeigen können. Mit dem Schlachtruf des "No pasaran" der aktiven Intervention in Spanien hat Stalin die Beteiligten an der Revolution von 1917 nacheinander massakrieren können. In Spanien vollzieht sich ergänzend zu den Massakern an der militärischen Front auf beiden Seiten der Barrikaden ein Niedermetzeln der Arbeiter, die sich nicht den Forderungen der Heiligen Allianz unterwerfen.

 

PROLETARIER!

Zur gleichen Zeit, als die imperialistischen Räuberbanden den Völkerbund schufen, gründeten die russischen Proletarier, die im Oktober 1917 den Herrschaftsapparat des Kapitalismus, den Staat, zerstört hatten, zusammen mit proletarischen Minderheiten verschiedener Länder die Kommunistische Internationale, das zur Leitung der Weltrevolution bestimmte Instrument.

Der Kurs, der zur Gründung der Komintern führte, stand im krassen Gegensatz zu dem der Versailler Richtung. Dieser Gegensatz, der die Polarisierung der späteren Situation wiederrspiegelte, hätte zum weltweiten Sieg des Proletariats führen können: die revolutionären Schlachten von 1923 in Deutschland, von 1927 in China, gewaltige Kämpfe, die den Nachkriegszeitraum erschütterten.

Aber es verlief nicht so. Unmittelbar nach ihrer Gründung schlug die Komintern eine Politik ein, die nicht mehr auf der Linie lag, welche die russischen Arbeiter im Oktober 1917 zum Sieg geführt hatte; stattdessen begann sie politische Konzessionen in zweifacher Hinsicht zu machen: Kompromisse innerhalb eines jeden Landes mit den Verrätern von gestern, alles jeweils unter dem Vorwand der Verbesserung der materiellen Möglichkeiten der Revolution Auf internationaler Ebene hoffte der proletarische Staat nunmehr auf dem Hintergrund des revolutionären Rückflusses in den anderen Ländern seine Verteidigung stützen zu können auf die Ausnützung der inter-imperialistischen Gegensätze.

Aber die revolutionären Schlachten, die man schon der Vergangenheit zugehörig zu glauben schien, als der Kompromiß als eine Notwendigkeit erachtet wurde, erhoben sich von neuem. Gleichzeitig forderte in Deutschland und China, wo es nicht zur Bildung einer proletarischen Front für die Eroberung der Macht unter der ausschließlichen Führung der Klassenpartei kam, die Internationale des Anti-Versailler-Bündnisses die Koalition mit der Sozialdemokratie, den anti-imperialistischen Kampf und die Einheit mit der Kuomintang. Daher gab es diesen Gegensatz: weil die russischen Arbeiter auf ihrem Klassenterrain geblieben waren, gewannen sie die Schlacht von 1917; die chinesischen und deutschen Arbeiter dagegen verloren ihre Schlacht, und aus dieser Niederlage gingen siegreich Hitler und Tschiang Kai-Tschek hervor, weil sie ihr Klasseninteressen verlassen hatten.

Ein inneres Band in der Geschichte verbindet alle Niederlagen des Proletariats untereinander. Der Ausgangsfehler der Komintern, welcher fatale Folgen haben sollte, zog eine ganze Kette anderer Fehler nach sich, die wiederum den Tod von unzähligen Proletariern mit sich brachten.

Der Gegensatz zwischen Okt. 1917 und der gegenwärtigen Lage spiegelt sich in dem Gegensatz wider zwischen den internationalistischen Bolschewisten und den gegenwärtigen Agenten des Kapitalismus: Faschisten, Demokraten, Zentristen, Anarchisten, Trotzkisten und linken Kommunisten. Die Proletarier, die heute gegen den imperialistischen Krieg ankämpfen, sich für die Verbrüderung einsetzen, für den Defätismus, stellen als einzige die Verbindung her zu den Internationalisten von 1917. Dagegen schließen sich diejenigen, die grundsätzliche Irrtümer übertünchen oder außer acht lassen, sei es bewußt oder unbewußt, dem Feindeslager an, werden zu seinen Agenten und zu Instrumenten der ideologischen Verwirrung, wodurch es dem Faschismus und der Volksfront möglich wurde, der falschen blutigen Wahl des Krieges die Bewegung hin zur Revolution entgegenzustellen.

 

PROLETARIER!

Der Kapitalismus hat es geschafft, euer Bewußtsein zu trüben und es euch unmöglich zu machen, vor lauter bürgerlicher Ideologie des herauszufinden, was wirklich euren Interessen dient. Euer Bewußtsein muß euer eigenes Werk sein, das durch die Linksfraktionen verkörpert wird.

Die in euren Demonstrationen und Kämpfen mitgetragenen Fahnen wurden von den Agenten des Kapitalismus eingeschleust, welche eure Kämpfe von den wirklichen Klasseninteressen ablenken.

Wenn der entsprechende Zeitpunkt gekommen ist, um zum vollständigen Verrat wie jetzt in Spanien überzugehen, wiederholen sie die Gesten von 1914 und rufen euch dazu auf, eure Klassenbrüder zu töten.

Die Sozialisten betäuben euch mit ihren Aufrufen zur Hilfe an die Republikaner Spaniens, nutzen eure berechtigte Empörung gegen die Bombardierung von Frauen und Kindern aus, um gleichzeitig eure Zustimmung zu erheischen für das Massaker an den marokkanischen, deutschen und italienischen Arbeitern, um besser die Opfer der Unterdrückung durch die Volksfront in Barcelona zu verdecken, damit ihr euch mit einer einfachen Verwerfung der Mörder in Moskau zufrieden gebt, die in den Reihen der Einheitsfront gegen den "antifaschistischen Krieg" bleiben müssen. "Schweigen in den eigenen Reihen", so lautet die Parole, welche die Zentristen vorbringen, um ihr mörderisches Werk in Rußland in aller Ruhe fortzusetzen.

Die Trotzkisten bieten ihr Opfer auf dem Altar des kapitalistischen Vaterlandes dar. "Erfüllt eure Pflicht im Kampf gegen Japan" sagten sie den chinesischen Arbeitern, weil aus "der NIEDERLAGE Japans der Sieg der Revolution in China" hervorgehen werde.

Die Anarchisten trachten erneut nach neuen Ministerposten in der Heiligen Allianz Barcelonas, ungeachtet der Massaker an zahlreichen Arbeitern und Bauern, die die Opfer einer konterrevolutionären Ideologie wurden.

Die linken Kommunisten, denen die Lage noch keine günstige "Aufstiegsmöglichkeit" bietet, sind in die Reihen der Verräter eingetreten. Dort, wo der Krieg noch nicht seinen Einzug gehalten hat, treten sie gegen die nationale Verteidigung auf; aber da, wo der Krieg Hunderttausende Arbeiter wegrafft, treten sie ganz rasend für militärische Aktionen auf, denn aus ihrer Sicht bedeutet die Revolution nicht die Verwerfung des antifaschistischen Krieges, sondern sei das legitime Ergebnis des Krieges gegen die Faschisten.

 

PROLETARIER!

Weil die Linksfraktionen auf dem Boden der Verteidigung und Befruchtung von Klassenpositionen handeln, ware sie die einzigen Organe, die das spanische Proletariat vom Juli 1936 an vor der wirklichen Bedeutung des antifaschistischen Krieges warnten. Indem sie sich durch die entscheidenden Kriterien der russischen Revolution inspirieren ließen, um besser die unerbittliche Kritik an den unvermeidbaren Fehlern der Bolschewiki zu formulieren, welche von den Ereignissen herbeigeführt wurden, konnten die Linksfraktionen besser das imperialistische Wesen des spanischen Krieges brandmarken. Dieser Krieg bewegte sich nicht auf die Zerstörung des kapitalistischen Staates hin, sondern auf seine Konsolidierung mittels einer Anpassung an eine Situation, die durch die "Vergesellschaftung" und vorübergehende "Eingriffe in das Privateigentum" gekennzeichnet war.

Es ist kein Zufall, daß die Linksfraktionen die einzigen waren, die inmitten des Zusammenbruchs all der Organisationen standfest blieben, die nach vormaliger Zugehörigkeit zum Proletariat zu einem Teil des Räderwerks des kapitalistischen Systems geworden waren. Nur sie liefern heute die Kontinuität des Lebens des Proletariats und werden ihre Aufgabe nicht fallen lassen, die Positionen des revolutionären Proletariats zu verteidigen, wenn die Bedingungen wieder herangereift sein werden für den Aufstand der Massen zur Zerstörung des kapitalistischen Staates.

 

PROLETARIER SPANIENS!

Seit fast 2 Jahren fordert jede Schlacht eine Unzahl euer Leben. Jedes Zentrum Spaniens ist mit eurem Blut übergossen. Um Teruel zu erobern, wurden die opferbereitesten Teile eurer Klasse geopfert.

Seit fast 2 Jahren sind das Land und die Städte Spaniens mit euren Körpern übersät, die mit dem Schlachtruf "Tötet die Faschisten" oder "Tötet die Roten" fielen. Tausende von Euch sind gefallen, während die Generäle, Minister, Faschisten, Gestalten der Volksfront sich an euren Opfer gesundstoßen.

Der internationale Kapitalismus schlägt aus euren Leichnamen Kapital durch die Intensivierung seiner Kriegsproduktion und die Verfestigung der Heiligen Allianz in allen Ländern.

Nachdem euch der Krieg aufgesaugt hatte, mangelte es euch an einer wirklichen Solidarität des internationalen Proletariats, weil dieses auch Gefangener des Kapitalismus wurde, als es glaubte, daß euer Schicksal nicht von seinem Kampf gegen jede nationale Bourgeoisie abhängt, sondern von dem Bündnis mit dem einen oder anderen Block, um so den militärischen Sieg der einen oder anderen kapitalistischen Diktatur durchzusetzen.

Die Fraktionen der kommunistischen Linke, die den Prinzipien des Internationalismus treu geblieben sind, und die von den Agenten des Kapitalismus eine Zeitlang zur Machtlosigkeit verurteilt wurden, grüßen in euren Reihen, Arbeiter Spaniens, diejenigen, die die schlimmsten Erfahrungen beim Kampf um die Verteidigung der Interessen des internationalen Proletariats gemacht haben, und die daraus entscheidende Lehren für die Revolution ziehen werden.

 

PROLETARIER FRANKREICHS!

In Spanien konnten die Arbeiter nicht lange in einer Klassenfront kämpfen. Das imperialistische Abschlachten, das heute noch andauert, brach schnell vom Zaun. Nur durch die Verbrüderung kann das Proletariat diesem Abschlachten entgegentreten.

Die besonderen Umstände der Entwicklung des französischen Kapitalismus lassen ihn in einem weniger brutalen Licht erscheinen. Deshalb kann man gegenwärtig zwei widersprüchliche Entwicklungen beobachten: die einer unmittelbarer Forderung und den Kampf um die Durchsetzung derselben; diese Entwicklung richtet sich gegen den Staat und seinen Regierungsapparat, egal wie er sich nennt. Und die andere Entwicklung, welche dieselben Forderungen von ihrem Klassenziel ablenken und sie für eine Unterstützung des imperialistischen Krieges in Spanien und der Kriegsproduktion gewinnen will. Von eurer politischen Klarheit hängt es ab, ob eure Schlachten zu eurer Befreiung oder eher zu eurer Auslöschung führen.

Seit 1936 will euch der Kapitalismus glauben machen, die Volksfront sei zu eurem Schutze da, die Grenzen der bürgerlichen Republik seien eure eigenen Grenzen, die Marseillaise sei das Lied eurer Befreiung, die "Kanonen Spaniens" trügen nicht zum Massaker eurer Klassenbrüder, sondern zur Befreiung der spanischen Arbeiter bei.

Diese furchtbare Mystifizierung scheint wohl ihr Ziel erreicht zu haben. Bei jeder Gelegenheit werdet ihr zum Opfer der Erpressung des Kapitalismus: um "eure" Regierung an der Macht zu halten, verlangt man von euch, eure Forderungen abzuändern, eure Gewerkschaft dem Staat zu unterwerfen, die Polizeibeamten zu dulden, die eure Streikabstimmungen überwachen und die Streikführer ausfindig machen, eure Handlungen gegenüber dem Privateigenzum zu unterlassen, auf die Fabrikbesetzungen zu verzichten und die Rüstungswirtschaft enthusiastisch zu unterstützen. Und jedesmal, wenn ihr unter dem Druck der Verräter der Erpressung nachgebt und Kompromisse akzeptiert, indem ihr den Schutz der Volksfrontregierung höherstellt als die Verteidigung eures Lebensstandards, fällt es dem Kapitalismus leichter, entweder einen offenen Angriff gegen eure Klasse zu führen (wobei er sich hinter der Volksfront versteckt oder er gar in ihrem Namen durchgeführt wird), oder er spannt die Volksfront noch mehr in die Heilige Allianz unter dem Namen der Regierung der "nationalen Einheit" oder des "öffentlichen Wohls" ein.

Die Ereignisse der letzten beiden Jahre beweisen, daß eure Kampffähigkeit groß ist, und daß er sie nur schwer in Griff bekäme, wenn er eine Diktatur unter der Maske der Volksfront errichtete. Aber hütet euch! Der Feind lauert auf euch! Was woanders passiert ist, zeigt daß eure Kampfkraft, wenn sie durch perspektivlose Bewegungen erschüttert wird, sich zersetzen kann, wenn die Entmutigung zu stark wird und ihr euch damit den direkten Angriffen des Kapitalismus gegenüber entblößt.

Ein wichtiger Punkt: eure ökonomischen Verteidigungskämpfe können nicht außerhalb des gesellschaftlichen Rahmens gesehen werden, innerhalb dessen sie stattfinden. M.a.w. um eine Klassenfunktion zu erfüllen, müssen sie mit dem Kampf gegen den Krieg verbunden werden; ein Krieg, der schon sein Unwesen in Spanien und China treibt, wie auch mit dem Kampf gegen den Kriegsmchanismus, zu dessen Unterstützung euch der Kapitalismus anreizen will, um euch später vollständig aufzureiben.

Wenn ihr dies nicht tut, wird euch die "vereinte Nation" in ihre Kriegsmaschinerie aufsaugen, und dann werdet ihr als Arbeiterklasse nicht mehr existieren.

 

PROLETARIER ALLER LÄNDER!

Man könnte viele möglichen Hypothesen zur gegenwärtigen Lage aufstellen, aber für den Kapitalismus gibt es nur einen einzigen Feind, nur eine, die Menschheit befreiende Kraft: das Proletariat!

- Entweder kommt es zur Tendenz der Eingrenzung auf örtliche Konflikte der imperialistischen Auseinandersetzungen und zur Generalisierung der inter-imperialistischen Kompromisse auf der Grundlage einer Solidarität der "reichen" Staaten zugunsten der "armen" Staaten,

- oder wir sind seit dem italienisch-äthiopischen Krieg in eine internationale Abschlachterei eingetreten, wo die faschistischen Staaten gegenwärtig als Sieger erscheinen, obwohl alle wahrscheinlich eine endgültige Niederlage hinnehmen müssen wie 1914-18,

- oder es handelt sich heute um eine große Generalprobe des nächsten Weltkriegs,

- oder es gibt eine Entwicklung des Weltkapitalismus - auf nationaler und internationaler Ebene zusammengesteuert - hin zur Errichtung von faschistischen Terrorregimes in allen Ländern.

Aber bei jeder dieser Hypothesen beweisen alle Ereignisse auf die blutigste Art, daß das Proletariat und sein Kampf für den Kommunismus im Zentrum dieser Entscheidungen steht.

Die Gewalt selbst, die der Feind bei seinen Angriffen einsetzen muß, beweist eindeutig, daß die objektiven Grundlagen für den Sieg des Sozialismus heute innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft bestehen, und man kann heute keinen Vergleich ziehen zwischen den gewalttätigen Reaktionen von damals und jenen, die nunmehr die Welt seit ca. 20 Jahren mit Blut überströmen.

Der Kapitalismus, der die Lage nun nur noch mit Hilfe des Sog des Krieges "klären" kann, kann nicht mehr zurück!

Um das österreichische Proletariat niederzumetzeln, fehlten Schusschnigg die Kräfte, und Hitler, der ihm zu Hilfe eilte, hat nicht nur das inter-imperialistische Gefüge ganz durcheinandergebracht, sondern auch das soziale Klima aller Länder.

Um das spanische Proletariat zu massakrieren, waren gleichzeitig Angriffe des Kapitalismus aller Länder nötig.

Innerhalb eines jeden nationalen Bereiches mangelt es dem Kapitalismus an Möglichkeiten der Ablenkung der Klasse von ihrem Weg, und er muß aus Spanien die Betäubungsmittel einführen, mit Hilfe derer er den Ausbruch der revolutionären Bewegung verzögern kann.

 

1848 verkündete das Kommunistische Manifest von Marx:

"Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!".

80 Jahre später greifen die Fraktionen der Kommunistischen Linke erneut die Erklärungen aus dem Kommunistischen Manifest auf. Sie messen die gegenwärtige revolutionäre Temperatur mit dem umfehlbaren Thermometer der Gewalt der gegenwärtigen Ereignisse. Sie verschärfen ihre revolutionäre Leidenschaft aufgrund einer vertieften Kenntnis der Lage und bestätigen erneut mit unerschütterlicher Überzeugung, daß dem gegenwärtigen Schlachtruf "Proletarier, tötet euch untereinander", kein weiterer dieser Art folgen darf, sondern jetzt unbedingt die Verbrüderung aller Arbeiter um das Ziel der Weltrevolution geboten ist.

 

PROLETARIER!

Die militärische, politische und ökonomische Niederlage eures Feindes dient euch zum Vorteil!

Die Klassenpartei ist euer Gehirn, euer Werk, das Instrument des Sieges. Die Linkskommunistischen Fraktionen sind die unabdingbaren Vorläufer dafür!

Es leben die Verbrüderung der Ausgebeuteten aller Länder!

Es lebe der revolutionäre Defätismus!

Es lebe die Weltrevolution!

 

INTERNATIONALE BÜRO DER FRAKTIONEN DER KOMMUNISTISCHEN LINKE

 

1848 verbündete sich das alte Europa, um das Gespenst des Kommunismus zu verjagen. 1938 schließt sich das alte Europa erneut gegen diese weiterhin bestehende Gefahr zusammen. Eine vergebliche Hoffnung, denn der Kommunismus taucht immer wieder bedrohlicher auf, und die Kriegsproduktion, der einzige dem Kapitalismus offenstehende Markt, wird selbst wiederum von den widersprüchlichen Gesetzen des Regimes erfaßt: einerseits nehmen die Zerstörungsmittel immer mehr zu, andererseits erhalten die von den Verrätern der Kriegsproduktion unterjochten Millionen von Proletariern nur einen unbedeutenden Teil des Werts der Arbeit, die sie darauf verwenden, die Instrumente ihrer Zerstörung zu produzieren. Gleichzeitig wird die Konsumgüterindustrie, die als einzige Industrie den Bedürfnissen der Menschheit entspricht, tatsächlich zu einem Anhängsel der Rüstungsindustrie und verschlechtert ihre Produktion in zunahmendem Maße durch die Einführung von Ersatzprodukten.

Zuvor fanden die Kontraste des Regimes in den zyklischen Krisen und Ausdehnungskriegen in den Kolonien entsprechende regulierende Elemente, welche der Bourgeoisie neue und umfangreiche Ausbeutungs- und Herrschaftsperspektiven eröffneten. Heute erscheinen die Kriege in Spanien, China und Äthiopien nur als ein Notbehelf mit dem einzigen Vorteil, immer mehr Sprengstoff anzuhäufen. Der Krieg, ob örtlich begrenzt oder weltweit, kann heute nicht mehr die Widersprüche lösen, die ihren Ursprung in einer Produktion haben, welche mit der kapitalistischen Produktionsweise unvereinbare Dimensionen erreicht hat. Jeder Augenblick im Leben des Kapitalismus läßt durch den tag- täglichen Kriegstod von Tausenden von Arbeitern das Gespenst des Kommunismus neu auftauchen: jeder Teil der Kriegswirtschaft ruft dieses Gespenst hervor, gegen das sich alle Kräfte des Weltkapitalismus verbünden.

Historische Ereignisse: 

Theoretische Fragen: