span. Ausgabe). Obwohl die Internationale Revue in deutscher Sprache bis jetzt noch nicht so häufig erscheint, wie die vierteljährliche englische, französische und spanische Ausgabe, sind die Aussagen über die Bedeutung der Revue auch im deutschen Sprachraum gültig. Darüber hinaus gibt der Artikel gerade für diejenigen, die nicht regelmäßig die vierteljährliche Revue lesen oder dies erst seit kurzem tun, einen guten Überblick über die Artikel und Serien, die schon vor längerer Zeit publiziert wurden und teilweise bis jetzt auf Deutsch nicht zu lesen waren.
franz./span. Ausgabe[i]) mit dem Beginn des Jahres 2000 zusammenfällt, ist nicht rein zufällig. Die IKS war früh im Jahr 1975 offiziell gegründet worden, und die erste Ausgabe der Review erschien kurz darauf als ein Ausdruck der internationalen Einheit der Strömung. Von Beginn an war sie als theoretisches Organ gedacht, das vierteljährlich in den drei Hauptsprachen der IKS – Englisch, Französisch und Spanisch – und weniger häufig in einer Anzahl weiterer Sprachen – Italienisch, Deutsch, Holländisch, Schwedisch – erschien. Vier Ausgaben im Jahr mal 25 Jahre ergeben 100 Ausgaben. Dies ist an sich schon von einiger politischer Tragweite. In dem Artikel, den wir anlässlich des 20. Geburtstages der IKS veröffentlicht haben (International Review Nr. 80), bemerkten wir, dass nur wenige internationale proletarische Organisationen über so lange Zeit existiert haben. Und diese „Dauer“ muss angesichts einer Periode, in der so viele Gruppen, die aus der Wiederbelebung des Klassenkampfes Ende der 60er Jahre entstanden waren, sich seitdem im Nichts aufgelöst haben, als eine besondere Leistung gewürdigt werden. Wir haben keinen Hehl aus unserer Zustimmung zu Lenins Sichtweise gemacht, dass die Verpflichtung zu einer regelmäßigen Presse das sine qua non einer ernsthaften revolutionären Organisation ist; dass die Presse für jede Gruppe, die vom Parteigeist und nicht vom Zirkelgeist beseelt ist, der Haupt„organisator“ ist. Die International Review ist nicht die einzige regelmäßige Publikation der IKS; letztere veröffentlicht 12 territoriale Zeitungen oder Revuen in sieben verschiedenen Sprachen, desgleichen Bücher, Broschüren und viele Beilagen. Auch die territorialen Zeitungen erscheinen beständig und regelmäßig. Die Review ist jedoch unsere zentrale Publikation, das Organ, durch das die IKS klar und deutlich und mit einer Stimme spricht und das die eher lokalen Publikationen mit den grundsätzlichen Orientierungen versorgt.
Letztlich ist jedoch das Wichtigste an der International Review nicht so sehr ihre Regelmäßigkeit noch ihr internationaler, zentralisierter Charakter, sondern ihre Fähigkeit, als ein Instrument der theoretischen Klärung zu agieren. „Die Review wird vor allem der Ausdruck der theoretischen Bemühungen unserer Strömung sein, da nur diese theoretischen Bemühungen, basierend auf einer Kohärenz der politischen Positionen und Orientierungen, die Grundlage für die Umgruppierung und die reale Intervention der Revolutionäre schaffen kann.“ (Vorwort zur ersten Ausgabe der International
Der Marxismus ist als der theoretische Standpunkt der revolutionären Klasse im Nachdenken des Menschen über die gesellschaftliche Realität am weitesten vorangeschritten. Doch Marx bestand in den Thesen über Feuerbach darauf, dass die Richtigkeit einer Denkweise nur in der Praxis getestet werden kann. Der Marxismus hat seine Überlegenheit über alle anderen gesellschaftlichen Theorien demonstriert, weil er fähig ist, ein globales Verständnis der Wendungen der menschlichen Geschichte anzubieten und die Linien ihrer weiteren Entwicklung vorauszusagen. Aber es reicht nicht zu behaupten, Marxist zu sein, um sich diese Methoden wirklich anzueignen, sie zum Leben zu erwecken und richtig anzuwenden. Wenn wir meinen, dass uns dies während der letzten drei Jahrzehnte einer sich beschleunigenden Geschichte gelungen ist, dann nicht deshalb, weil wir denken, dass uns dies vom Himmel gefallen war, sondern weil wir meinen, dass wir unsere Anregungen während dieser Periode aus den besten Traditionen der internationalen Linkskommunisten gewonnen haben. Zumindest war dies eines unserer ständigen Ziele gewesen. Und um diese Behauptung zu untermauern, können wir keinen besseren Beweis dafür anführen als unseren Fundus von etwas mehr als 600 Artikeln aus 100 Ausgaben der International Review.
Der Marxismus ist eine lebendige historische Tradition. Einerseits bedeutet dies, dass er sich vollkommen über die Notwendigkeit im Klaren ist, sich allen Problemen, mit denen er konfrontiert ist, von einem historischen Ausgangspunkt anzunähern, sie nicht als völlig „neu“ hinzustellen, sondern als Produkt eines langen historischen Prozesses. Vor allem erkennt er die wesentliche Kontinuität des revolutionären Denkens an, die Notwendigkeit, auf den soliden Fundamenten der früheren revolutionären Minderheiten aufzubauen. Zum Beispiel sah sich in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die italienische Linksfraktion, die während der 30er Jahre die Zeitschrift Bilan herausgab, der absoluten Notwendigkeit gegenüber, den Charakter des konterrevolutionären Regimes zu begreifen, das in Russland entstanden war. Doch sie lehnte jede voreilige Schlussfolgerung ab und kritisierte besonders jene, die zwar früher als die Italienische Linke eine korrekte Charakterisierung der stalinistischen Macht (eine Form des Staatskapitalismus) entwickelt hatten, dies aber um den Preis der Deklassierung der gesamten Erfahrung des Bolschewismus und der Oktobererhebung als von vornherein „bürgerlich“ taten. Bilan dachte gar nicht daran, die Kontinuität, in der sie mit der revolutionären Energie stand, die die bolschewistische Partei, die Rätemacht und die Kommunistische Internationale einst verkörpert hatte, in Frage zu stellen.
Die Fähigkeit, die Verbindungen mit der vergangenen revolutionären Bewegung aufrechtzuerhalten bzw. zu erneuern, war besonders in dem proletarischen Milieu wichtig, das aus dem Wiedererwachen des Klassenkampfes Ende der 60 Jahre entstanden war, ein Milieu, das sich größtenteils aus neuen Gruppen zusammensetzte, die ohne organisatorische oder gar politische Bindungen zu früheren Generationen von Revolutionären waren. Viele dieser Gruppen fielen der Illusion zum Opfer, dass sie aus dem Nirgends kommen, und blieben in völliger Unkenntnis der Beiträge der vergangenen Generation, welche fast vollständig durch die Konterrevolution ausgelöscht worden war. Im Falle derjenigen, die von rätekommunistischen oder modernistischen Ideen beeinflusst waren, war die „alte Arbeiterbewegung“ in der Tat etwas, was mit allen Mitteln zurückgelassen werden musste. Tatsächlich war dies eine theoretische Rechtfertigung für einen Bruch, der vom Klassenfeind durchgesetzt worden war. In Ermangelung eines Ankers in der Vergangenheit hatte die große Mehrheit dieser Gruppen bald auch keine Zukunft mehr und verschwand. Es ist daher nicht überraschend, dass das heutige revolutionäre Milieu sich fast vollständig aus Gruppen zusammensetzt, die auf der einen oder anderen Weise von der linken Strömung abstammen, die am klarsten diese Frage der historischen Kontinuität begriffen hat – die italienische Fraktion. Wir sollten hinzufügen, dass dieser historische Anker heute wichtiger denn je ist, angesichts der Kultur des kapitalistischen Zerfalls, eine Kultur, die mehr denn je danach trachtet, das historische Gedächtnis der Arbeiterklasse auszuradieren, und die ohne jegliche eigene Zukunftsperspektive nur versuchen kann, das Bewusstsein auf das Nächstliegende zu verengen, in der das Neue die einzige Tugend ist.
Andererseits ist der Marxismus nicht die bloße Verewigung einer Tradition; er ist auf die Zukunft gerichtet, auf das endgültige Ziel des Kommunismus, und muss daher ständig seine Fähigkeit erneuern, die Richtung der realen Bewegung, der ewig schwankenden Gegenwart zu erfassen. In den 50er Jahren versuchte der bordigistische Sprössling der Italienischen Linken, in der Erfindung der Idee einer „Invarianz“ Zuflucht vor der Konterrevolution zu finden, und widersetzte sich jedem Versuch, das kommunistische Programm zu bereichern. Aber diese Herangehensweise unterschied sich vollkommen vom Geist Bilans, die, auch wenn sie nie die Verbindung zur revolutionären Vergangenheit abgebrochen hatte, auf der Notwendigkeit bestanden hatte, neue Situationen „ohne Tabus und Verfemung“, ohne Furcht davor, programmatisches Neuland zu betreten, zu prüfen. Vor allem hatte sich die Fraktion nicht davor gefürchtet, selbst die Thesen des II. Kongresses der Kommunistischen Internationale in Frage zu stellen, etwas, wozu der „Bordigismus“ der späteren Jahre nicht fähig war. In den 30er Jahren hatte Bilan einer neuen Situation gegenüber gestanden, die aus der Niederlage der Weltrevolution hervorgegangen war; auch die IKS war dazu gezwungen, ihre Analysen den neuen Bedingungen anzupassen, die durch das Ende der Konterrevolution in den späten 60ern und erst jüngst durch die Periode geschaffen wurden, die dem Zusammenbruch des Ostblocks folgte. Angesichts solch wechselnder Umstände können sich Marxisten nicht auf die Wiederholung erprobter und vertrauter Formeln beschränken, sondern müssen ihre Hypothesen einer ständigen praktischen Verifizierung unterziehen. Dies bedeutet, dass sich der Marxismus wie jeder andere wissenschaftliche Zweig tatsächlich ständig neu bereichert.
Gleichzeitig ist der Marxismus keine Form des akademischen Wissens, des Lernens um des Lernens willen; er kämpft unerbittlich gegen die vorherrschende Ideologie an. Die kommunistische Theorie ist per Definition eine polemische und kämpferische Form des Wissens; ihr Ziel ist es, das proletarische Klassenbewusstsein durch die Entlarvung und Verbannung der Einflüsse bürgerlicher Mystifikationen voran zu bringen, ob diese Mystifikationen nun in ihrer gröbsten Form innerhalb der Massen der Arbeiter oder in ihrer subtileren Verkleidung in den Reihen der proletarischen Avantgarde selbst auftreten. Es ist daher eine zentrale Aufgabe für jede gewissenhafte revolutionäre Organisation, eine ständige Kritik an den Konfusionen zu üben, die sich in anderen revolutionären Gruppen oder in den eigenen Reihen breit machen. Es kann keine Klarheit erreicht werden, wenn man der Debatte und der Konfrontation ausweicht, wie dies leider zu oft der Fall ist innerhalb des heutigen politischen Milieus des Proletariats, das den Kontakt zu den Traditionen der Vergangenheit verloren hat – den Traditionen, die von Lenin verteidigt worden waren, der nie vor einer Polemik, ob mit der Bourgeoisie, mit konfusen Gruppen innerhalb der Arbeiterbewegung oder mit seinen eigenen Genossen, zurückgescheut war; Traditionen, die auch Bilan vertreten hatte, welche in ihrem Streben, das kommunistische Programm im Gefolge der vergangenen Niederlagen zu vervollkommnen, sich in Debatten mit all den verschiedenen Strömungen innerhalb der damaligen internationalen Arbeiterbewegung (die aus der internationalen Linksopposition, aus der Holländischen und Deutschen Linken stammenden Gruppen, etc.) engagiert hatte.
In diesem Artikel können wir nicht einen kompletten Überblick über all die Texte geben, die in der International Review erschienen sind, obwohl wir beabsichtigen, eine vollständige Liste der Inhaltsangaben auf unserer Web Site zu veröffentlichen. Was wir versuchen werden, ist, zu zeigen, wie die International Review im Mittelpunkt unserer Bemühungen stand und steht, diese drei Schlüsselaspekte der theoretischen Auseinandersetzung des Marxismus zu erfüllen.
In Anbetracht der endlosen Diffamierungskampagnen gegen die Erinnerung an die Russische Revolution und der Bemühungen bürgerlicher Historiker, das internationale Ausmaß der von der Oktobererhebung ausgelösten revolutionären Welle zu verschleiern, hat sich ein großer Teil der Review notwendigerweise der Rekonstruktion der wahren Geschichte dieser Ereignisse gewidmet, um die proletarische Erfahrung gegen die offenen Lügen und Auslassungen der Bourgeoisie zu bekräftigen und zu verteidigen und sowohl gegen die Verzerrungen durch den linken Flügel des Kapitals als auch gegen die irrigen Schlussfolgerungen innerhalb der heutigen revolutionären Bewegung ihre authentischen Lehren zu ziehen.
Um die wichtigsten Beispiele zu zitieren: Die International Review Nr. 3 enthält einen Artikel, der einen Rahmen zum Verständnis der Degeneration der Russischen Revolution ausgearbeitet hat; eine Antwort auf die Konfusionen innerhalb des damaligen revolutionären Milieus (in diesem Fall die Revolutionary Workers Group aus den USA); sie enthält außerdem eine lange Studie der Lehren aus dem Kronstädter Aufstand, jenem Schlüsselmoment im Zerfall der Revolution. Die International Review Nr. 12 und 13 enthalten Artikel, die den proletarischen Charakter der bolschewistischen Partei und der Oktobererhebung gegen die semi-menschewistischen Auffassungen des Rätekommunismus neu bekräftigten; diese Artikel hatten ihren Ursprung in einer Debatte innerhalb jener Gruppe, die der direkteste Vorläufer der IKS war – der Gruppe Internacionalismo aus Venezuela in den 60er Jahren - und wurden in der Form einer Broschüre mit dem Titel 1917, start of the world revolution (1917 – der Beginn der Weltrevolution) wiederveröffentlicht. Infolge des Zusammenbruchs der stalinistischen Regimes veröffentlichten wir in der International Review Nr. 71, 72 und 75 eine Reihe von Artikeln als Antwort auf das propagandistische Sperrfeuer über den Tod des Kommunismus, in denen vor allem die Fabel zurückgewiesen wurde, dass der Oktober 1917 nichts anderes als ein Staatsstreich durch die Bolschewiki gewesen war, und detailliert aufgezeigt wurde, dass es vor allen Dingen die Isolation der russischen Bastion gewesen war, die zu ihrem Ableben geführt hatte. Wir setzten 1997 dieses Thema mit einer weiteren Reihe von Artikeln fort, die einen näheren Blick auf den entscheidenden Zeitraum zwischen Februar und Oktober 1917 warf (s. International Review
Nr. 89, 90, 91). Von Anfang an bestand die Position der IKS in einer militanten Verteidigung der Russischen Revolution, doch gibt es keinen Zweifel darüber, dass mit der Reifung der IKS schrittweise die rätekommunistischen Einflüsse über Bord geworfen wurden, die zum Zeitpunkt ihrer Gründung noch sehr stark waren, und die Schüchternheit in der Frage der Partei oder solch bedeutender historischer Persönlichkeiten wie Lenin oder Trotzki abgelegt wurde.
Die International Review enthält in einer ihrer ersten Ausgaben (Nr. 2) auch eine Untersuchung der Lehren aus der Deutschen Revolution, und zwei weitere Artikel erschienen anlässlich des 70. Jahrestages dieses äußerst wichtigen Ereignisses, das von der bürgerlichen
Geschichtsschreibung so sorgsam verdeckt worden war (International Review Nr. 55 und 56). Aber wir kehrten noch ausgiebiger zur Deutschen Revolution in einer Reihe von Artikeln zurück, die in der International Review Nr. 81-83, 85, 88–90, 93, 95, 97–99 veröffentlicht wurde. Einmal mehr sehen wir hier eine deutliche Reifung in der Herangehensweise der IKS an ihr Thema, auch hier kritisch gegenüber den politischen und organisatorischen Mängeln der deutschen kommunistischen Bewegung und auf ein tieferes Verständnis in der Frage des Aufbaus einer revolutionären Partei fußend. Eine Reihe von Artikeln befasste sich etwas allgemeiner auch mit der revolutionären Welle von 1917–23, besonders die Artikel über Zimmerwald in der International Review Nr. 44, über die Gründung der Kommunistischen Internationale in Nummer 57, über das Ausmaß und die Bedeutung der revolutionären Welle in Nummer 80, über die Beendigung des Krieges durch das Proletariat in Nummer 96.
Auch anderen Schlüsselereignissen in der Geschichte der Arbeiterbewegung wurde Platz in eigenen Artikeln in der International Review eingeräumt: die Revolution in Italien (Nr. 2); Spanien 1936, insbesondere die Rolle des Anarchismus und der „Kollektive“ (Nr. 15, 22, 47, etc.); die Kämpfe in Italien 1943 (Nr. 75) und, allgemeiner; Artikel, die die Verbrechen der „Demokratien“ während des Zweiten Weltkrieges an den Tag gelegt hatten (Nr. 66, 79, 83); eine Reihe von Artikeln über den Klassenkampf im Ostblock, die sich mit den massiven Klassenbewegungen 1953, 1956 und 1970 befassten (Nr. 27 - 29); eine Reihe über China, die den Mythos des Maoismus entlarvte (Nr. 81, 84, 94, 96); Reflexionen über die Bedeutung der Ereignisse in Frankreich im Mai 1968 (Nr. 14, 53, 74, 93, etc.).
Eng verknüpft mit diesen Studien, hat es ständige Bemühungen darum gegeben, die fast verloren geglaubte Geschichte des Linkskommunismus in diesen gewaltigen Ereignissen wiederzuentdecken, was unser Verständnis widerspiegelt, dass es uns ohne diese Geschichte nicht geben würde. Dieses Bemühen hat sowohl in Form von Veröffentlichungen seltener Texte, oft zum ersten Mal in andere Sprachen übersetzt, als auch in Form eigener Nachforschungen der Positionen und der Entwicklung linker Strömungen stattgefunden. Wir wollen folgende Studien erwähnen, obwohl auch hier die Liste nicht vollständig ist: über die russischen Linkskommunisten, deren Geschichte natürlich direkt mit dem Problem der Degeneration der Russischen Revolution verknüpft ist (International Review Nr. 8 und 9); über die Deutsche Linke (Artikelreihen über die Deutsche Revolution, s.o.; Wiederveröffentlichung von KAPD-Texten – „Thesen über die Partei“ in der International Review Nr. 41 – und ihres Programms in der International Review
Nr. 94); über die Holländische Linke, mit einer langen Artikelserie (Nr. 45–50, 52), die die Grundlage für das Buch bildete, das auf Französisch, Spanisch und Italienisch veröffentlicht wurde und demnächst auf Englisch erscheint; über die italienische Linksfraktion, insbesondere durch die Veröffentlichung von Texten über den spanischen Bürgerkrieg (International Review Nr. 4, 6, 7), über den Faschismus (Nr. 71) und über die Volksfront (Nr. 47); über die französischen Linkskommunisten in den 40er Jahren durch die Wiederveröffentlichung ihrer Artikel und Manifeste gegen den Zweiten Weltkrieg (Nr. 79 und 88), ihrer zahllosen Polemiken mit der Partito Comunista Internazionalista (Nr. 33, 34, 36), ihrer Texte über den Staatskapitalismus und die Organisation des Kapitalismus in seiner dekadenten Phase (Nr. 21, 61) und ihrer Kritik an Pannekoeks Buch „Lenin als Philosoph“ (Nr. 27, 28, 30); über die mexikanische Linke (Texte aus den 30er Jahren über Spanien, China, Nationalisierungen in der International Review Nr. 19 und 20); über die griechische Linke um Stinas (Nr. 72).
Ebenfalls untrennbar verbunden mit diesem historischen Rekonstruktionswerk war die Energie gewesen, die wir in die Texte gesteckt hatten, mit denen wir versuchten, unsere Positionen zu fundamentalen Klassenpositionen zu erarbeiten, die sowohl aus der praktischen Erfahrung des Klassenkampfes selbst als auch aus der theoretischen Interpretation dieser Erfahrungen durch kommunistische Organisationen herstammen. In diesem Zusammenhang sei auf solche Fragen hingewiesen wie:
– die Übergangsperiode, insbesondere die Lehren, die aus der russischen Erfahrung über das Verhältnis zwischen dem Proletariat und dem Übergangsstaat gezogen werden müssen. Dies war eine wichtige Debatte im proletarischen Milieu, als die IKS gegründet wurde, eine Tatsache, die durch die Veröffentlichung zahlreicher Diskussionstexte verschiedener Gruppen in der allerersten Ausgabe der International Review zum Ausdruck kam. Diese Debatte wurde in der IKS fortgesetzt und eine Reihe von Texten für oder gegen die Mehrheitsposition innerhalb der IKS veröffentlicht (Nr. 6, 11, 15, 18);
– die nationale Frage: Eine Artikelfolge, welche die Art und Weise untersucht, wie sich diese Frage in der Arbeiterbewegung der ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gestellt hatte, wurde in der International Review Nr. 37 und 42 veröffentlicht. Eine zweite Artikelserie erschien in den Nummern 66, 68 und 69, die den weiten Bereich von der revolutionären Welle bis zum Los der „nationalen Befreiungskämpfe“ in der Phase des kapitalistischen Zerfalls abdeckte;
– die ökonomischen Fundamente des Imperialismus und der kapitalistischen Dekadenz: In einer Anzahl von Texten haben wir in unserer Entgegnung auf die Kritik anderer proletarischer Gruppen für die Kontinuität gestritten, die im wesentlichen zwischen der Krisentheorie von Marx und der von Rosa Luxemburg in „Die Akkumulation des Kapitals“ und anderen Texten entwickelten Analyse besteht (siehe z.B. Nr. 13, 16, 19, 22, 29, 30). Parallel dazu haben wir eine ganze Artikelreihe der Verteidigung des fundamentalen Konzeptes der kapitalistischen Dekadenz gegen seine „radikalen“ Verunglimpfer aus dem parasitären Lager oder sonstwoher gewidmet (Nr. 48, 49, 54, 55, 56, 58, 60)..
– auch mit anderen allgemeinen Fragen haben wir uns beschäftigt, einschließlich der Gewerkschaftsfrage in der Kommunistischen Internationale (Nr. 24 und 25), der Bauernfrage (Nr. 24), der Theorie der Arbeiteraristokratie (Nr. 25), der kapitalistischen Umweltbedrohung, d.h. die „Ökologie“ (Nr. 63), des Terrors, Terrorismus und der Klassengewalt, letzteres ebenfalls das Produkt einer wichtigen Debatte in der IKS, insbesondere darüber, ob das Kleinbürgertum irgendwelche politischen Ausdrücke in der Periode der Dekadenz hat. Die Unterscheidung zwischen dem Staatsterror und dem kleinbürgerlichen Terrorismus und zwischen beiden und der proletarischen Klassengewalt durch die IKS beantwortete diese Frage voll und ganz (Nr. 14 und 15).
Dies ist vielleicht der geeignetste Moment, um auf die Artikelserie über den Kommunismus hinzuweisen, die seit 1992 regelmäßig in der International Review erscheint und uns noch eine Weile erhalten bleibt. Ursprünglich war dieses Projekt als eine Reihe von vier oder fünf Artikeln vorgesehen, in denen die wahre Bedeutung des Kommunismus entgegen der bürgerlichen Lügen von der Gleichsetzung des Kommunismus mit dem Stalinismus geklärt werden sollte. Aber bei dem Versuch, die historische Methode so rigoros wie möglich anzuwenden, wuchs sich diese Serie aus zu einer tieferen Untersuchung der Biografie des sich ständig weiter entwickelnden kommunistischen Programms, das durch die Schlüsselerfahrungen der Klasse im allgemeinen und durch die Beiträge und Debatten der revolutionären Minderheiten im besonderen immer weiter bereichert wurde. Obgleich die Mehrheit der Artikel dieser Reihe sich notwendigerweise mit den fundamentalen politischen Fragen befasst, da der erste Schritt zur Schaffung des Kommunismus die Errichtung der Diktatur des Proletariats ist, ist es ebenfalls Prämisse dieser Reihe, darzustellen, dass der Kommunismus die Menschheit aus dem Reich der Politik führen und ihre wahre soziale Natur befreien wird. Diese Reihe stellt somit das Problem der marxistischen Anthropologie aufs Trapez. Die Verflechtung der „politischen“ und „anthropologischen“ Dimensionen in dieser Reihe war tatsächlich eines ihrer Leitmotive. Der erste Teil dieser Reihe begann (ab International Review Nr. 68) mit den Vorläufern des Marxismus und mit der grandiosen Vision des jungen Marx von den endgültigen Zielen des Kommunismus; er endete auf dem Höhepunkt der Massenstreiks von 1905, die signalisiert hatten, dass der Kapitalismus sich auf eine neue Epoche zu bewegte, wo sich die kommunistische Revolution von einer globalen Perspektive der Arbeiterbewegung zu einer dringenden Notwendigkeit auf der historischen Tagesordnung entwickelte (International Review Nr. 88). Der zweite Teil hat sich größtenteils auf die Debatten und programmatischen Dokumente konzentriert, die aus der großen revolutionären Welle von 1917- 23 entstanden waren; noch muss er sich durch die Jahre der Konterrevolution und der darauffolgenden Wiederbelebung der Debatten über den Kommunismus in der Periode nach 1968 durcharbeiten und den Diskussionsrahmen über die Bedingungen der Revolution von morgen klären. Am Ende jedoch wird diese Reihe zur Frage zurückkehren, wie es mit unserer Spezies im künftigen Reich der Freiheit aussehen wird.
Eine weitere wichtige Komponente in den Bemühungen der Review, den von den Revolutionären vertretenen Klassenpositionen eine größeres historisches Gewicht zu verleihen, war ihre konstante Verpflichtung zur Klärung der Organisationsfrage gewesen. Dies war sicherlich die schwierigste aller Fragen für jene Generation von Revolutionären, die den späten 60ern entstammten, vor allem aufgrund des Traumas der stalinistischen Konterrevolution und des mächtigen Einflusses des individualistischen, anarchistischen und rätekommunistischen Verhaltens auf diese Generation. Weiter unten werden wir einige der zahlreichen Polemiken erwähnen, die die IKS mit anderen Gruppen des proletarischen Milieus über diese Frage geführt hatte. Doch es trifft ebenso zu, dass einige der wichtigsten Texte in der Review über Fragen der Organisation das direkte Produkt von Debatten innerhalb der IKS selbst und oft schmerzvoller Auseinandersetzungen waren, die die IKS in ihren eigenen Reihen führen musste, um sich die marxistische Auffassung von einer revolutionären Organisation wieder anzueignen. Seit dem Beginn der 80er Jahre hat die IKS drei ernste innere Krisen durchlaufen, von denen jede in Spaltungen und Austritten endete, aus denen aber die IKS politisch wie organisatorisch gestärkt hervorging. Um diese Schlussfolgerung zu stützen, verweisen wir auf die Qualität der Artikel, die aus diesen Kämpfen entstanden und das verbesserte Verständnis der IKS für die Organisationsfrage zusammenfassten. So veröffentlichten wir in Antwort auf die Spaltung mit der Chenier-Tendenz in den frühen 80ern zwei wichtige Texte – einen über die Rolle der revolutionären Organisation innerhalb der Klasse (Nr. 29), den anderen über ihre interne Funktionsweise (Nr. 33). Insbesondere der letztere war und bleibt ein Schlüsseltext, denn die Chenier-Tendenz drohte, alle fundamentalen Auffassungen in unseren Statuten, unsere Funktions“regeln“, über Bord zu werfen. Der Text in der International Review Nr. 33 war eine klare Darstellung und Ausarbeitung jener Auffassungen (hier sollten wir auch auf einen weit früheren Text in der International Review Nr. 5 über die Statuten verweisen). Mitte der 80er Jahre machte die IKS einen weiteren Schritt in der Abrechnung mit den verbliebenen anti-organisatorischen und rätekommunistischen Einflüssen in ihrer Mitte, und zwar durch die Debatte mit der Tendenz, die dazu übergegangen war, eine „Externe Fraktion der IKS“ zu bilden, jetzt „Internationalist Perspective“ genannt, ein typisches Element des parasitären Milieus. Die Haupttexte, die in der International Review im Rahmen dieser Debatte veröffentlicht wurden, veranschaulichen diese eminent wichtigen Streitpunkte: die Einschätzung der Gefahr, die von den rätekommunistischen Ideen für das revolutionäre Lager von heute ausgeht (Nr. 40 – 43); die Frage des Opportunismus und Zentrismus in der Arbeiterbewegung (Nr. 43 und 44). Durch diese Debatte – und durch die Ausarbeitung ihrer indirekten Folgen für unsere Intervention im Klassenkampf – nahm die IKS endgültig das Verständnis einer revolutionären Kampforganisation an, einer militanten politischen Führung innerhalb der Klasse. Die dritte Debatte Mitte der 90er Jahre kehrte, auf einer höheren Ebene, zur Frage der Funktionsweise zurück und spiegelte die Bestimmtheit wider, mit der die IKS alle Überbleibsel des Zirkelgeistes anging, der während ihrer Anfangsphase geherrscht hatte, um die offene und zentralisierte Funktionsweise zu stärken, die auf den von allen akzeptierten Statuten basieren, gegen anarchistische Praktiken, die auf freundschaftlichen Netzwerken und sippenhaften Intrigen gegründet sind. Auch hier drückt eine Anzahl von Texten von echter Qualität unsere Bemühungen aus, die marxistische Position zur innerorganisatorischen Funktionsweise wieder zu etablieren und zu vertiefen: insbesondere die Reihe von Texten, die sich mit dem Kampf zwischen dem Marxismus und dem Bakuninismus in der Ersten Internationale befassten (Nr. 84, 85, 87, 88) und die beiden Artikel „Sind wir Leninisten geworden?“ in den Nummern 96 und 97.
Die zweite Schlüsselaufgabe, die zu Beginn dieses Artikels hervorgehoben wurde – die ständige Einschätzung einer sich konstant ändernden Weltlage–, war immer auch ein zentrales Element in der International Review.
Fast ausnahmslos jede Ausgabe beginnt mit einem Editorial über die wichtigsten Ereignisse des internationalen Geschehens. Diese Artikel stellen die allgemeine Orientierung der IKS hinsichtlich dieser Ereignisse dar, indem sie die Positionen lenken und zentralisieren, die von unseren territorialen Publikationen angenommen wurden. Wenn man durch diese Editorials blättert, kann man sich ein prägnantes Bild von der Antwort der IKS auf alle wichtigen Ereignisse der 70er, 80er und 90er Jahre machen: die zweite und dritte Welle des internationalen Klassenkampfes; die Offensive des US-Imperialismus in den 80er Jahren; die Kriege im Nahen Osten, im Golf von Persien, in Afrika, auf dem Balkan; der Zusammenbruch des Ostblocks und die Eröffnung der Periode des kapitalistischen Zerfalls; die Schwierigkeiten des Klassenkampfes angesichts dieser neuen Periode und so weiter. Parallel dazu machte auch der regelmäßige Bericht zur Frage: „Welchen Punkt hat die Krise erreicht?“ es möglich, die wichtigsten Trends und Momente im langen Abstieg des Kapitalismus in den Morast seiner eigenen Widersprüche zu erkennen. Zusätzlich zu diesen vierteljährlichen Einschätzungen veröffentlichten wir auch Texte, die die Entwicklung der Krise aus längerfristigem Blickwinkel betrachten, seitdem sie Ende der 60er Jahre ans Tageslicht trat; hierzu besonders erwähnenswert unsere aktuelle Artikelserie „30 Jahre offene Krise“ (International Review Nr. 96 – 98). Längerfristige Analysen aller Aspekte der internationalen Lage sind auch in den Berichten und Resolutionen unserer alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Kongresse enthalten, die immer so vollständig wie möglich in der International Review veröffentlicht werden (s. Nr. 8, 11, 18, 26, 35, 44, 51, 59, 67, 74, 82, 90, 92, 97, 98).
Im Grunde ist es nicht möglich, einen strikten Trennungsstrich zwischen Texten, die die gegenwärtige Situation analysieren, und historisch-theoretischen Artikeln zu ziehen. Die analytischen Bemühungen stimulieren unvermeidlich die Reflexion und Debatte, welche ihrerseits den Anlass zu wichtigen Orientierungstexten liefern, die die allgegenwärtige Dynamik der Periode feststellen und bestimmte grundsätzliche Konzepte klären. Diese Texte sind häufig das Produkt der internationalen Kongresse oder der Treffen des Zentralorgans der IKS.
Zum Beispiel nahm der III. Kongress der IKS 1979 solche Orientierungstexte über den historischen Kurs und den Wechsel der linken Parteien des Kapitals in die Opposition an, womit der grundsätzliche Rahmen zum Verständnis des Kräfteverhältnisses zwischen den Klassen in der Periode, die durch das Wiedererwachen des Klassenkampfes 1968 eröffnet wurde, und zum Verständnis der überwiegend politischen Antwort der Bourgeoisie auf den Klassenkampf der 70er und 80er Jahre abgesteckt wurde (s. International Review Nr. 18). Weitere Aufklärung darüber, wie die herrschende Klasse den Wahlprozess manipuliert, bis er ihren eigenen Bedürfnissen entspricht, verschaffte der Artikel über den „Machiavellismus“ der Bourgeoisie in der International Review Nr. 31 und die internationalen Korrespondenz über dieselbe Frage in Nr 39. Ebenso ist die erst kürzlich erfolgte Rückkehr der Bourgeoisie zu ihrer Strategie, die linken Parteien in der Regierung zu installieren, in einem Text des XIII. Kongresses der IKS analysiert und in der International Review Nr. 98 veröffentlicht worden.
Der IV. Kongress – 1981, im Gefolge des Massenstreiks in Polen, abgehalten – nahm einen Text über die Bedingungen für die Generalisierung des Klassenkampfes an, in dem besonders betont wurde, dass die Ausbreitung der Massenstreiks auf die Zentren des Weltkapitals eine Antwort auf die Wirtschaftskrise des Kapitalismus sein wird, und nicht auf einen kapitalistischen Weltkrieg; einen weiteren Beitrag, der den Versuch eines historischen Überblicks über die Entwicklung des Klassenkampfes seit 1968 unternahm (International Review Nr. 26). Debatten über die gesamte zweite internationale Welle von Kämpfen, in der die Kämpfe der polnischen Arbeiterklasse den Höhepunkt darstellten, haben zu einer Reihe von anderen wichtigen Texten über die Charakteristiken des Massenstreiks (Nr. 27), über die Theorie des schwächsten Glieds (Nr. 31, 37), über die Bedeutung der Kämpfe der französischen Stahlarbeiter 1979 und die Intervention der IKS (Nr. 17, 20), über Arbeiterkampfgruppen (Nr. 21), die Arbeitslosenkämpfe (Nr. 14) u.s.w. geführt. Besonders wichtig war der Text „Der proletarische Kampf im dekadenten Kapitalismus“(International Review Nr. 23), der aufzuzeigen beabsichtigte, warum die Kampfmethoden, die in der aufsteigenden Periode des Kapitalismus (gewerkschaftliche Streiks in einzelnen Bereichen, finanzielle Solidarität, etc.) angewendet worden waren, in der dekadenten Epoche durch die Methoden des Massenstreiks ersetzt werden mussten. Die stetigen Bemühungen um eine Perspektive der internationalen Klassenbewegung setzte sich in zahlreichen Artikeln fort, die während der dritten Welle von Kämpfen zwischen 1983 und 1988 geschrieben wurden.
1989 fand eine weitere wichtige historische Änderung in der internationalen Lage statt: der Zusammenbruch des Ostblocks und der endgültige Beginn der Zerfallsphase des Kapitalismus, eine Verschlimmerung all der Ausgeburten eines dekadenten Systems, das vor allem durch den wachsenden Krieg jeder gegen jeden auf imperialistischer Ebene gekennzeichnet war. Obwohl die IKS diesen „friedlichen“ Zusammenbruch des russischen Blocks im Vorfeld nicht erwartet hatte, stellte sie schnell fest, aus welcher Richtung der Wind blies, denn sie war bereits mit dem theoretischen Rahmen ausgerüstet, um zu erklären, warum der Stalinismus sich nicht selbst reformieren konnte (s. die Artikel über die Wirtschaftskrise im russischen Block in der International Review Nr. 22, 23, 43 und insbesondere die Thesen über „Die internationale Dimension des Arbeiterkampfes in Polen“ in der International Review Nr. 24). Dieser Rahmen bildete die Grundlage für den Orientierungstext „Über die ökonomische und politische Krise in den osteuropäischen Ländern“ in der International Review Nr. 60, der lange, bevor dies mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Auseinanderbrechen der UdSSR eintrat, das Ableben des russischen Blocks vorausgesagt hatte. Gleichermaßen wichtig als Hilfe zum Verständnis der Charakteristiken der neuen Periode waren die Thesen mit dem Titel „Der Zerfall – die letzte Phase in der Dekadenz des Kapitalismus“ in der International Review Nr. 62 und der Artikel „Militarismus und Zerfall“ in der International Review Nr. 64. Letzterer ging noch weiter und präzisierte unsere Artikel „Krieg, Militarismus und imperialistische Blöcke“, die wir in der International Review Nr. 52 und 53 veröffentlicht hatten, also vor dem Zusammenbruch des russischen Blocks, und die den Begriff der Irrationalität des Krieges in der kapitalistischen Dekadenz erläuterten. Durch diese Beiträge wurde es möglich, den Rahmen zum Verständnis der Verschärfung der imperialistischen Spannungen in einer Welt ohne Blockdisziplin zu erweitern. Die ganz offensichtliche Verschärfung der interimperialistischen Konflikte, des chaotischen Kampfes jeder gegen jeden während dieses Jahrzehnts hat den in diesen Texten entwickelten Rahmen vollauf bestätigt.
Auf einem erst kürzlich stattgefundenen öffentlichen Forum, das von der Communist Workers‘ Organisation in London organisiert wurde und sich auf den Appell der IKS für gemeinsame Aktionen revolutionärer Gruppen angesichts des Balkankrieges bezog, stellte ein Genosse der CWO die Frage: „Was führt die IKS im Schilde?“. Er äußerte die Ansicht, dass „die IKS mehr Wendungen vollzogen hat als die stalinistische Komintern“ und dass ihre „freundschaftliche“ Haltung gegenüber dem Milieu nur die letzte dieser Wendungen sei. Die bordigistische Gruppe Le Prolétaire beschrieb den Appell der IKS mit ähnlichen Worten und denunzierte ihn als ein „Manöver“ (s. Révolution Internationale Nr. 294).
Solche Anschuldigungen lassen einen ernsthaft daran zweifeln, ob diese Genossen die IKS-Presse über die letzten 25 Jahre verfolgt haben. Ein kurzes Durchblättern der 100 Ausgaben der International Review reicht aus, um den Gedanken zurückzuweisen, dass der Aufruf zur Einheit zwischen den Revolutionären eine „neue Wendung“ der IKS ist. Wie wir bereits gesagt haben, war für uns der Geist der Linkskommunisten, insbesondere der der italienischen Fraktion, ein Geist der ernsthaften Debatte und Konfrontation zwischen allen verschiedenen Kräften innerhalb des kommunistischen Lagers und natürlich auch zwischen den Kommunisten und denjenigen, die sich darum bemühen, das proletarisch-politische Terrain zu betreten. Von ihrer Gründung an – und im Gegensatz zum weitverbreiteten Sektierertum, das als ein direktes Resultat des konterrevolutionären Drucks in dem Milieu vorherrschte – hat die IKS auf:
– die Existenz eines proletarisch-politischen Lagers, das sich aus verschiedenen Tendenzen zusammensetzt, die auf der einen oder anderen Weise Ausdrücke des Klassenbewusstseins des Proletariats sind;
– auf die zentrale Bedeutung jener Gruppen innerhalb dieses Lagers, die aus den historischen Strömungen des Linkskommunismus stammen;
– die Notwendigkeit einer Einheit und Solidarität zwischen den revolutionären Gruppen angesichts des Klassenfeindes – seiner antikommunistischen Kampagnen, seiner Repression, seiner Kriege;
– die Notwendigkeit einer ernsthaften und verantwortungsbewussten Debatte über die realen Divergenzen zwischen diesen revolutionären Gruppierungen;
– die ultimative Notwendigkeit der Umgruppierung der revolutionären Kräfte als Teil des Prozesses, der zur Bildung der Weltpartei führt,
bestanden.
Bei der Verteidigung dieser Prinzipien hat es Zeiten gegeben, in denen es notwendiger war, die Differenzen herauszustellen, und andere Zeiten, in denen die Aktionseinheit übergeordnet war, doch dies hat nie auch nur eines der fundamentalen Prinzipien in Frage gestellt. Wir erkennen auch an, dass das Gewicht des Sektierertums das ganze Milieu betrifft und auch wir nicht behaupten, völlig immun dagegen zu sein – selbst wenn wir aufgrund der bloßen Tatsache, dass wir im Gegensatz zu anderen Gruppen seine Existenz erkennen, bessere Ausgangsbedingungen haben. Auf jeden Fall passierte es da und dort, dass unsere Argumente von sektiererischen Übertreibungen geschwächt wurden: zum Beispiel trug ein sowohl in der World Revolution als auch in der Révolution Internationale veröffentlichter Artikel den Titel „Die CWO fällt dem politischen Parasitismus zum Opfer“, aus dem sich ergeben konnte, dass die CWO tatsächlich ins parasitäre Lager übergewechselt sei und somit sich außerhalb des proletarischen Milieus befände, wohingegen der Artikel in Wahrheit im Wesentlichen durch die Notwendigkeit, eine nahestehende kommunistische Gruppe vor den Gefahren des Parasitismus zu warnen, motiviert war. Auf ähnliche Weise konnte der Titel des Artikels über die Gründung des IBRP 1985 – „Die Gründung des IBRP – ein opportunistischer Bluff“ -, den wir in der International Review Nr. 40 und 41 veröffentlicht hatten, den Eindruck erwecken, dass diese Organisation vollständig vom Virus des Opportunismus angesteckt sei, wohingegen wir tatsächlich die einzelnen Gruppen des IBRP stets als integralen Bestandteil des kommunistischen Lagers anerkannten, auch wenn wir immer offen und heftig ihre opportunistischen Irrtümer kritisierten.
Schon aus den frühesten Ausgaben der International Review ist leicht ersichtlich, wie unser tatsächliches Verhalten ausgesehen hat.
Die erste Ausgabe enthält Diskussionsartikel über die Übergangsperiode, welche die Diskussion zwischen den Gruppen, die die IKS bildeten, und anderen, die draußen blieben, widerspiegelten; dieselbe International Review hob gleichfalls hervor, dass einige dieser Gruppen eingeladen worden waren, an der Gründungskonferenz der IKS teilzunehmen. Ferner wurde die Praxis, Beiträge anderer Gruppen und Elemente in der International Review zu veröffentlichen, seither ständig fortgeführt (u.a. Texte von der CWO, von der mexikanischen GPI, der argentinischen Gruppe Emancipacion Obrera, von individuellen Elementen aus Hongkong, Russland, etc.)
In der International Review Nr. 11 veröffentlichten wir einen Text, den unser zweiter Kongress 1977 verabschiedet hatte. Er definierte die wesentlichen Konturen des proletarisch-politischen Milieus einerseits sowie des „Sumpfes“ andererseits und unterstrich unsere allgemeine Politik gegenüber anderen proletarischen Organisationen und Individuen.
In den späten 70ern unterstützten wir mit ganzem Herzen den Vorschlag von Battaglia Comunista, eine internationale Konferenz der linkskommunistischen Gruppen abzuhalten, nahmen aktiv an allen folgenden Konferenzen teil, veröffentlichten ihre Sitzungsberichte und Artikel über sie in der International Review und vertraten im Zusammenhang mit diesen Konferenzen die Notwendigkeit der beteiligten Gruppen, gemeinsame Stellungnahmen zu zentralen Tagesthemen abzugeben (wie im Fall der russischen Invasion in Afghanistan). Aus dem gleichen Grund kritisierten wir heftig die Entscheidung von Battaglia, diese Konferenzen abzubrechen (s. dazu die International Review Nr. 10, 16, 17, 22 und auch die beiden Pamphlete „Texte und Sitzungsberichte der Internationalen Konferenzen der Linkskommunisten“).
In den frühen 80ern veröffentlichten wir eine Artikelserie, welche die Krise analysierte, von der eine Reihe von Gruppen aus dem proletarischen Milieu betroffen war (International Review Nr. 29, 31).
Die International Review Nr. 35 enthält einen Appell an proletarische Gruppen, der von unserem V. Internationalen Kongress 1983 verabschiedet worden war. In diesem Appell schlugen wir nicht die sofortige Wiedereinberufung der internationalen Konferenzen vor, sondern strebten danach, „bescheidenere“ Praktiken zu etablieren, wie unsere Anwesenheit auf den öffentlichen Veranstaltungen anderer Gruppen, umfassendere Polemiken in unserer Presse, etc.
In der International Review Nr. 46 Ende 1986 drückten wir unsere Zustimmung zum „internationalen Vorschlag“ aus, der von der argentinischen Gruppe Emancipacion Obrera zugunsten einer größeren Kooperation und der Organisation von Diskussionen zwischen den Revolutionären angeregt worden war.
In der International Review Nr. 67 veröffentlichten wir einen weiteren Appell an das proletarische Milieu, diesmal von unserem IX. Kongress 1991 verabschiedet.
Somit stellt die Politik der IKS seit 1996, zu einer gemeinsamen Antwort auf solche Ereignisse wie die Kampagnen der Bourgeoisie gegen die Linkskommunisten oder den Balkankrieg aufzurufen, keineswegs eine neue Wendung oder irgendein verstecktes Manöver dar, sondern stimmt völlig mit unserer gesamten Haltung seit jeher gegenüber dem proletarische Milieu überein.
Die zahlreichen Polemiken, die wir in der International Review veröffentlicht haben, sind gleichfalls Teil dieser Orientierung. Wir können sie hier nicht alle auflisten, aber wir können sagen, dass wir durch die International Review praktisch über jeden Aspekt des revolutionären Programms eine ständige Debatte mit all den Strömungen des proletarischen Milieus und einigen an seinen Rändern geführt haben.
Die Debatten mit dem IBRP (Battaglia und CWO) waren sicherlich die zahlreichsten und zeigten, wie ernst wir diese Strömung stets genommen haben. Einige Beispiele:
– über die Partei: das Problem des Substitutionismus (International Review Nr. 17), die unterirdische Reifung des Klassenbewusstseins (International Review Nr. 43), das Verhältnis zwischen Fraktion und Partei (Nr. 60, 61, 64, 65);
– über die Geschichte der Italienischen Linken und die Ursprünge der Partito Comunista Internazionalista (Nr. 8, 34, 39, 90, 91);
– über die Aufgaben der Revolutionäre in den Peripherien des Kapitalismus (Nr. 46 und 100);
– über die Gewerkschaftsfrage (Nr. 51);
– über den historischen Kurs (Nr. 36, 50, 89);
über die Krisentheorie und den Imperialismus (Nr. 13, 19, 86, etc.);
– über die Natur der Kriege in der Dekadenz (Nr. 79, 82);
– über die Übergangsperiode (Nr. 47);
– über den Idealismus und die marxistische Methode (Nr. 99).
Nicht zu erwähnen die zahllosen Artikel, die sich mit der Position des IBRP zu den unmittelbareren Ereignissen oder Interventionen befassten (z.B. über unsere Intervention im Klassenkampf in Frankreich 1979 oder 1995, über die Streiks in Polen oder den Zusammenbruch des Ostblocks, die Ursachen des Golfkrieges, etc., etc.)
Mit den Bordigisten haben wir über alle Fragen der Partei debattiert (z.B. Nr. 14, 23), aber auch über die nationale Frage (Nr. 32), die Dekadenz (Nr. 77 und 78), den Mystizismus (Nr. 94), etc.
Wir sollten auch die Polemiken mit den Spätabkömmlingen des Rätekommunismus (z.B. die holländische Gruppe Spartakusbond und Daad en Gedachte in der International Review Nr. 2, die dänische Gruppe Rätekommunismus in der International Review Nr. 25) und mit der von Munis initiierten Strömung (Nr. 25, 29, 52) erwähnen. Parallel zu diesen Debatten innerhalb des proletarischen Milieus haben wir eine Anzahl von Kritiken über die Gruppen des Sumpfes verfasst (Autonomia in Nr. 16, Modernismus in Nr. 34, Situationismus in Nr. 80), so wie wir die Auseinandersetzung mit dem politischen Parasitismus geführt haben, der in unseren Augen eine ernste Gefahr für das proletarische Lager darstellt, weil er von Elementen verkörpert wird, die behaupten, ein Teil von ihm zu sein, die jedoch eine völlig destruktive Rolle spielen (s. z.B. die Thesen über den Parasitismus in der International Review Nr. 94, Artikel über die EFICC (Nr. 46, 60, 70, 92), über die CGB (Nr. 83, etc.).
Selbst wenn wir sehr scharf gegen andere proletarische Gruppen polemisiert haben, so haben wir stets versucht, fair zu bleiben, indem wir unsere Argumentation nicht auf den Boden von Spekulationen und Verzerrungen stellten, sondern von den wahren Positionen anderer Gruppen ausgehen ließen. Heute versuchen wir angesichts der riesigen Verantwortung, die schwer auf den Schultern einer schmalen revolutionären Minderheit lastet, noch größere Anstrengungen zu unternehmen, um noch akkurater und grundsätzlich brüderlich zu argumentieren. Unsere Leser können durch unsere polemischen Artikel in der International Review schweifen und sich ihr eigenes Urteil darüber bilden, wie erfolgreich wir in dieser Hinsicht sind. Unglücklicherweise müssen wir jedoch feststellen, dass es nur wenige ernsthafte Antworten auf die meisten dieser Polemiken oder auf die vielen Orientierungstexte gab, die wir dem proletarischen Milieu ausdrücklich als Diskussionsbeiträge angeboten haben. Viel zu häufig wurden unsere Artikel ignoriert oder als das jüngste Steckenpferd der IKS abgetan, ohne jeden ernsthaften Versuch, sich mit den vorgebrachten Argumenten auseinanderzusetzen. Im Geiste unserer früheren Appelle an das proletarische Milieu können wir die anderen Gruppen nur dazu aufrufen, die sektiererischen Barrieren, die eine wirkliche Debatte zwischen den Revolutionären verhindern – eine Schwäche, von der letztendlich nur die Bourgeoisie profitiert -, zu erkennen und damit zu überwinden.
Wir können eigentlich ganz stolz auf die International Review sein und sind davon überzeugt, dass sie eine Publikation ist, die auch die Zukunft meistern wird. Obwohl sich die Lage seit dem Beginn der International Review gründlich geändert hat, obwohl die Analysen der IKS reifer geworfen sind, denken wir nicht, dass die 100 Ausgaben der International Review, die wir bis jetzt veröffentlicht haben, obsolet geworden sind, genausowenig wie das für die künftigen Ausgaben gilt. Es ist zum Beispiel kein Zufall, dass viele unserer neuen Kontakte, sobald sie einmal richtiges Interesse an unseren Positionen gefunden haben, anfangen, eine Sammlung der früheren Ausgaben der International Review zusammenzustellen. Doch wir sind uns nur zu bewusst, dass unsere Presse im allgemeinen und die International Review im Besonderen immer noch nur eine verschwindende Minderheit erreicht. Wir wissen, dass es objektive historische Gründe für die numerische Schwäche der kommunistischen Kräfte von heute, für ihre Isolation in der Klasse als Ganzes gibt. Die Kenntnisnahme dieser Gründe erfordert zwar einen gewissen Realitätssinn unsererseits, ist aber keine Entschuldigung für eine Passivität unsererseits. Die Verkaufszahlen der revolutionären Presse und somit der International Review können, wenn auch in bescheidenem Maße, durch eine Anstrengung des revolutionären Willens auf Seiten der IKS und ihrer Leser und Sympathisanten durchaus erhöht werden. Daher wollen wir diesen Artikel mit einem Appell an unsere Leser schließen, aktiv an den Bemühungen zur Steigerung der Verteilung und des Verkaufs der International Review teilzunehmen – indem sie ältere Exemplare oder komplette Sammlungen (die wir zu einem Preis von £ 50 oder entsprechend in anderer Währung, alles inklusive, verkaufen) bestellen, indem sie Exemplare für den Weiterverkauf ordern, indem sie mithelfen, Buchläden und Vertriebssagenturen ausfindig zu machen und zu beliefern und so weiter. Die theoretische Übereinstimmung mit der Auffassung von der Wichtigkeit der revolutionären Presse beinhaltet auch eine praktische Verpflichtung, sie zu verkaufen, da wir keine Anarchisten sind, die die Einbeziehung in das schmutzige Geschäft von Verkauf und Abrechnung verachten, sondern Kommunisten, die ihre Klasse so weit wie möglich erreichen wollen, aber verstehen, dass dies nur auf organisierte und kollektive Art gelingen kann.
Zu Beginn dieses Artikels unterstrichen wir die Fähigkeit unserer Organisation, seit 25 Jahren vierteljährlich eine Zeitschrift zu veröffentlichen, ohne Unterbrechung, während viele andere Gruppen nur unregelmäßig oder wechselhaft veröffentlicht haben oder einfach verschwanden. Man könnte natürlich einwenden, dass die IKS nach einem Vierteljahrhundert ihrer Existenz immer noch nicht die Häufigkeit ihrer theoretischen Organe gesteigert hat. Dies ist offensichtlich ein Zeichen einer gewissen Schwäche, unserer Meinung nach jedoch nicht eine Schwäche in unseren politischen Positionen und Analysen. Es ist eine Schwäche, die dem gesamten Linkskommunismus eigen ist, in dem die IKS trotz ihrer geringen numerischen Stärke die bei weitem größte und am weitesten verbreitete Organisation ist. Es ist eine Schwäche der gesamten Arbeiterklasse, die, obwohl sie sich Ende der 60er Jahre als fähig erwiesen hatte, aus dem Schatten der Konterrevolution hervorzutreten, auf einige gewaltige Hindernisse auf ihrem Weg gestoßen ist, last not least in Gestalt des Zusammenbruchs der stalinistischen Regimes und des allgemeinen Zerfalls der bürgerlichen Gesellschaft. Ein besonderes Kennzeichen des Zerfalls, das wir in unserer Presse hervorgehoben haben, ist die Entwicklung von allerlei Arten seichter, irrationaler oder mystischer Sichtweisen in der ganzen Gesellschaft einschließlich der Arbeiterklasse, zum Nachteil einer tiefen, zusammenhängenden und materialistischen Herangehensweise, deren bester Ausdruck allein der Marxismus ist. Heute finden Bücher über die Esoterik ein weitaus größeres Interesse als die Werke des Marxismus. Selbst wenn wir die Kapazität besäßen, die International Review häufiger zu veröffentlichen, ihr gegenwärtiger Verbreitungsgrad würde solche Mühen nicht rechtfertigen. Deshalb rufen wir unsere Leser dazu auf, uns in den Bemühungen, unsere Presse weiter zu verbreiten, zu helfen. Indem sie sich diesen Bemühungen anschließen, werden sie am Kampf gegen die Ansteckung durch bürgerliche Ideologie und Zerfall teilnehmen, die das Proletariat überwinden muss, um den Weg zur kommunistischen Revolution freizumachen.
Amos, Dezember 1999
[i] Immer wenn in diesem Artikel von International Review die Rede ist, sprechen wir von der englischen, französischen (Revue Internationale) und spanischen (Revista Internacional) Ausgabe. Die Revue ist in diesen drei Sprachen identisch. Mit Internationale Revue umgekehrt ist die Ausgabe in deutscher Sprache gemeint, die einen anderen Erscheinungsrhythmus und somit auch eine andere Numerierung hat.
Ziel dieses Berichts ist es vor allem, die verbreiteten bürgerlichen Kampagnen über das „Ende des Klassenkampfes“ und das Verschwinden der Arbeiterklasse zu bekämpfen und den Standpunkt zu verteidigen, dass das Proletariat trotz aller aktuellen Schwierigkeiten sein revolutionäres Potenzial nicht verloren hat. Wie wir in den einleitenden Abschnitten, die wir hier aus Platzmangel weglassen müssen, betont hatten, gründet sich die bürgerliche Geringschätzung seines Potenzials auf eine rein immediatistische Konzeption, die den Stand des Klassenkampfes zu irgendeinem Zeitpunkt mit der wahren Dynamik des Proletariats in einem längeren Zeitraum verwechselt. Dieser seichten und empirischen Herangehensweise setzen wir die marxistische Methode entgegen, die feststellt, dass „das Proletariat... nur weltgeschichtlich existieren (kann), wie der Kommunismus, seine Aktion, nur als ‚weltgeschichtliche' Existenz überhaupt vorhanden sein kann“ (Marx, Die deutsche Ideologie). Der Bericht über den Klassenkampf war also eingebettet in den Gesamtzusammenhang der historischen Klassenbewegung seit ihren ersten heroischen Versuchen zwischen 1917 und 1923, den Kapitalismus zu überwinden, und den darauffolgenden Jahrzehnten der Konterrevolution. Wir geben hier den Bericht ab der Stelle wieder, wo er sich insbesondere auf die Entwicklung der Klassenbewegung seit dem Wiederaufflammen der Klassenauseinandersetzungen Ende der 60er Jahre konzentriert. Einige Passagen, die sich mit aktuelleren und kurzzeitigen Entwicklungen befassen, haben wir hier ebenfalls weggelassen bzw. komprimiert.
Und hier liegt die ganze Bedeutung der Ereignisse vom Mai bis Juni 1968 in Frankreich verborgen: das Auftreten einer neuen Generation von Arbeitern, die durch das Elend und die Niederlagen der vergangenen Jahrzehnte nicht gebrochen und demoralisiert waren, die sich an einen verhältnismäßig höheren Lebensstandard in den „Boomjahren“ nach dem Krieg gewöhnt hatten und die nicht bereit waren, sich den Forderungen einer erneut in die Krise schlitternden nationalen Wirtschaft zu beugen. Der zehn Millionen Arbeiter umfassende Generalstreik in Frankreich, der von einer riesigen politischen Gärung begleitet wurde, in der Begriffe wie Revolution oder die Veränderung der Welt wieder Gegenstand ernsthafter Diskussionen wurden, markierte den Wiederauftritt der Arbeiterklasse auf der historischen Bühne und das Ende des konterrevolutionären Albtraums, der so lange auf ihrer Brust gelastet hatte. Die Bedeutung des „wilden Mai“ in Italien und des „heißen Herbstes“ im darauffolgenden Jahr besteht darin, dass sie der Beweis für die Richtigkeit dieser Interpretation waren, entgegen jener Stimmen, die versuchten, den Mai 1968 als nicht mehr als eine kleine Studentenrevolte darzustellen. Der Ausbruch von Kämpfen unter den italienischen Arbeitern, damals mit ihrer mächtigen antigewerkschaftlichen Dynamik politisch die fortgeschrittenste Arbeiterklasse auf der Welt, zeigte ganz deutlich, dass der Mai 68 kein Tropfen auf dem heißen Stein, sondern die Ouvertüre einer ganzen Periode weltweit wachsender Klassenkämpfe war. Die folgenden Massenbewegungen (Argentinien 69, Polen 70, Spanien und Großbritannien 72) sind nur weitere Bestätigungen dieser Interpretation.
Nicht alle existierenden revolutionären Organisationen waren imstande, dies zu erkennen: Die älteren, besonders die bordigistische Strömung, wurden mit den Jahren immer kurzsichtiger und waren unfähig, den tiefgehenden Wandel im Kräfteverhältnis zwischen den Klassen zu sehen. Doch diejenigen, die fähig waren, sowohl die Dynamik dieser neuen Bewegung zu erfassen als auch sich die „alten“ Methoden der Italienischen Linken wiederanzueignen, welche in den finstersten Zeiten der Konterrevolution ein bewundernswertes Maß an Klarheit besaß, hatten sich in die Lage versetzt, die Eröffnung einer neuen historischen Periode zu erklären, die sich markant unterscheidet von jener, die unter dem Gewicht der Konterrevolution vorgeherrscht und in der der Kurs zum Krieg dominiert hatte. Der erneute Ausbruch der Weltwirtschaftskrise hätte sicherlich zu einer Verschärfung der imperialistischen Antagonismen geführt, die wiederum, wenn sie ihrer eigenen Dynamik überlassen worden wären, die Menschheit in einen dritten und höchstwahrscheinlich endgültigen Weltkrieg gestoßen hätte. Doch indem das Proletariat begonnen hatte, der Krise auf eigenem Klassenterrain entgegenzutreten, wirkte es als fundamentales Hindernis gegenüber dieser Dynamik. Und nicht nur das; es entwickelte zudem durch die Aufnahme seiner Abwehrkämpfe eine eigene Dynamik hin zu einem zweiten weltrevolutionären Ansturm gegen das kapitalistische System.
Der massive und offene Charakter dieser ersten Welle von Kämpfen und die Tatsache, dass sie es endlich wieder ermöglicht hatten, über die Revolution zu sprechen, führte viele der ungeduldigen Abkömmlinge der Bewegung dazu, „ihre Träume für bare Münze zu nehmen“ und zu denken, dass die Welt sich Anfang der 70er Jahre bereits am Rande einer revolutionären Krise befände. Dieser Art von Immediatismus fehlte das Verständnis dafür, dass:
– die Wirtschaftskrise, welche die Triebkraft für den Kampf geschaffen hatte, sich noch ziemlich in der Anfangsphase befand, und im Gegensatz zu den 30er Jahren dieser Krise eine Bourgeoisie gegenüberstand, die ausgerüstet war mit den Lehren ihrer eigenen Erfahrungen und mit Instrumenten, die sie in die Lage versetzten, den Abstieg in den Abgrund zu ‚managen‘, wie der Gebrauch blockweiter Organe, die Fähigkeit, die schlimmsten Auswirkungen der Krise durch die Flucht in die Verschuldung und durch ihre Abwälzung in die Peripherien des Systems hinauszuzögern;
– die politischen Folgen der Konterrevolution immer noch ein beträchtliches Gewicht innerhalb der Arbeiterklasse besaßen: der beinahe völlige Bruch in der organischen Kontinuität mit den politischen Organisationen der Vergangenheit, der niedrige Grad an politischer Kultur im Proletariat als Ganzes, sein abgrundtiefes Misstrauen gegenüber der „Politik“, Resultat seiner traumatischen Erfahrung mit dem Stalinismus und der Sozialdemokratie.
Diese Faktoren sind ausschlaggebend dafür, dass die Periode des proletarischen Kampfes, die im Mai 68 eröffnet wurde, sich sehr lange hinziehen wird. Im Gegensatz zur ersten revolutionären Welle, die als Antwort auf den Krieg auftrat und so sehr schnell auf die politische Ebene katapultiert wurde – in vielerlei Hinsicht zu schnell, wie Rosa Luxemburg bezüglich der Novemberrevolution in Deutschland bemerkte –, können die revolutionären Schlachten der Zukunft nur durch eine Reihe von defensiven ökonomischen Auseinandersetzungen vorbereitet werden, welche – und dies ist in jedem Fall ein wesentlicher Zug in den allgemeinen Klassenkämpfen – dazu gezwungen sind, nach dem schwierigen und unregelmäßigen Muster von Fortschritt und Rückzug zu verlaufen.
Die Antwort der französischen Bourgeoisie auf den Mai 68 gab den Ton an für die Gegenattacke der Weltbourgeoisie: der Wahltrick wurde benutzt, um den Klassenkampf zu zerstreuen (sobald die Gewerkschaften letzteren erst einmal eingepfercht hatten); die Versprechungen einer linken Regierung, die den Arbeitern in Aussicht gestellt wurde, indem die blendende Illusion vermittelt wurde, dass sie all die Probleme erledigen werde, die den Ausbruch bewirkt hatten, und eine neue Herrschaft von Wohlstand und Gerechtigkeit, ja sogar ein bisschen „Arbeiterkontrolle“, installieren werde. Die 70er Jahre können also insofern als „Jahre der Illusion“ bezeichnet werden, als dass sich die Bourgeoisie angesichts eines relativ eingeschränkten Ausmaßes der Wirtschaftskrise noch in der angenehmen Lage befand, diese Illusion der Arbeiterklasse auch verkaufen zu können. Diese Gegenoffensive nahm der ersten internationalen Welle von Kämpfen die Spitze.
Die Unfähigkeit der Bourgeoisie, auch nur eine ihrer falschen Versprechungen zu verwirklichen, bedeutete, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Kämpfe wieder zurückkehrten. Die Jahre 1978 bis 1980 waren eine Zeit sehr konzentrierter Ausbrüche wichtiger Klassenkämpfe: Longwy-Denain in Frankreich mit den Bemühungen, den Kampf über den Stahlsektor hinaus auszudehnen und die Autorität der Gewerkschaft herauszufordern; der Rotterdamer Hafenarbeiterstreik, der das Auftauchen eines unabhängigen Streikkomitees erblickte; die Massenbewegung im Iran, die zum Sturz des Schah-Regimes führte; in England der „Winter des Unfriedens“, in dem es in einer Reihe von Bereichen gleichzeitig zum Ausbruch von Kämpfen kam, und der Stahlarbeiterstreik von 1980; und schließlich Polen 1980, der Höhepunkt dieser Welle und, in vielerlei Hinsicht, der gesamten Periode der wiederauflebenden Klassenkämpfe bis dahin.
Am Ende dieser turbulenten Dekade hatte die IKS bereits angekündigt, dass die 80er Jahre die „Jahre der Wahrheit“ werden, womit wir nicht meinten, wie häufig missgedeutet, dass dies das Jahrzehnt der Revolution sei, sondern ein Jahrzehnt, in dem die Illusionen der 70er Jahre durch die brutale Beschleunigung der Krise und dem daraus resultierenden Anschlag auf die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse ausgetrieben werden. Ein Jahrzehnt, in dem die Bourgeoisie selbst die Sprache der Wahrheit spricht, „des Blutes, des Schweißes und der Tränen“, des „Es-gibt-keine-Alternative“ à la Thatcher – ein Wechsel in der Sprache, der auch dem Wechsel in der politischen Aufstellung der herrschenden Klasse entsprach, mit einer kaltschnäuzigen Rechten an der Macht, die offen die notwendigen Angriffe ausführte, und einer scheinbar radikalisierten Linken in der Opposition, damit beauftragt, die Antwort der Arbeiter von innen zunichte zu machen. Und schließlich waren die 80er Jahre „Jahre der Wahrheit“, weil die historische Alternative, der die Menschheit gegenübersteht – Weltkrieg oder Weltrevolution –, nicht nur deutlicher zutage trat, sondern in einem gewissen Sinn auch von den Ereignissen der folgenden Dekade entschieden wurde. Und in der Tat verdeutlichten dies die Ereignisse zu Anfang dieser Dekade: Auf der einen Seite warf die sowjetische Invasion in Afghanistan ein deutliches Schlaglicht auf die „Antwort“ der Bourgeoisie auf die Krise und eröffnete eine Periode der weiteren Verschärfung von Spannungen zwischen den Blöcken, was versinnbildlicht wurde durch Reagans Warnungen vor dem Reich des Bösen und den gigantischen Militärbudgets, die für Waffensysteme wie das „Star-Wars“-Projekt aufgewendet wurden. Auf der anderen Seite veranschaulichten die Massenstreiks in Polen die Antwort des Proletariats klar und deutlich.
Die IKS hat stets die enorme Bedeutung dieser Bewegung anerkannt, die die „Antwort“ auf all die in den vorherigen Schlachten gestellten Fragen lieferte: „Der Kampf in Polen hat Antworten auf eine ganze Reihe von Fragen geliefert, die in den früheren Kämpfen gestellt worden waren, ohne je klar beantwortet zu werden:
– die Notwendigkeit einer Ausweitung des Kampfes (Rotterdam);
– die Notwendigkeit der Selbstorganisation (Stahlarbeiterstreik in England);
– das Verhalten gegenüber der Repression (Longwy-Denain).
In all diesen Punkten stellten die Kämpfe in Polen einen großen Schritt vorwärts dar im weltweiten Kampf des Proletariats, weswegen diese Kämpfe die wichtigsten seit über einem halben Jahrhundert sind.“ („Resolution über den Klassenkampf“, 4. Kongress der IKS, 1980, veröffentlicht in International Review, Nr. 26)
Zusammengefasst zeigte die polnische Bewegung, wie das Proletariat selbst als eine einheitliche soziale Kraft auftreten kann, die nicht nur imstande ist, sich dem Angriff des Kapitals zu widersetzen, sondern auch in der Lage ist, die Perspektive der Arbeitermacht aufzustellen (eine Gefahr, die von der Bourgeoisie sehr wohl gewürdigt wurde, als sie zeitweise die imperialistischen Rivalitäten zurückstellte, um die Bewegung, insbesondere durch die Konstruktion der Solidarnosc, zu ersticken).
Indem der polnische Massenstreik die Frage beantwortete, wie der Kampf ausgeweitet und organisiert werden soll – nämlich durch seine Vereinigung –, stellte er eine neue Frage: Wie kann der Massenstreik über die nationalen Grenzen hinaus generalisiert werden – eine Vorbedingung für die Entwicklung einer revolutionären Situation? Doch wie unsere Resolution es damals ausdrückte, stand dies nicht in unmittelbarer Aussicht. Die Frage der Generalisierung konnte in Polen nur gestellt werden, doch es lag am Weltproletariat und insbesondere am Proletariat Westeuropas, darauf zu antworten. Bei dem Versuch, einen klaren Kopf über die Bedeutung der Ereignisse in Polen zu behalten, mussten wir zwei verschiedene Verirrungen bekämpfen: einerseits eine ernsthafte Unterschätzung der Wichtigkeit des Kampfes (z.B. in unserer Sektion in Großbritannien, unter den Kampfgenossen der gewerkschaftlichen Streikkomitees im britischen Stahlarbeiterstreik, welche die Bewegung in Polen als weniger wichtig einschätzten als das, was in Großbritannien geschah), und andererseits ein gefährlicher Immediatismus, der das kurzfristige revolutionäre Potenzial dieser Bewegung überschätzte. Um diese sich diametral gegenüberstehenden Irrtümer zu kritisieren, waren wir dazu gezwungen, die Kritik der Theorie des „schwächsten Gliedes“ weiterzuentwickeln.
Das zentrale Element dieser Kritik besteht in der Erkenntnis, dass der revolutionäre Durchbruch ein konzentriertes und vor allem ein politisch erfahrenes bzw. „kultiviertes“ Proletariat erfordert. Das Proletariat der osteuropäischen Länder besitzt eine ruhmreiche revolutionäre Vergangenheit, doch dies alles ist vom Schrecken des Stalinismus ausradiert worden, was die riesige Lücke zwischen dem Grad der Selbstorganisation und der Ausweitung der Bewegung in Polen einerseits und ihrem politischen Bewusstsein (die Vorherrschaft der Religion, aber vor allem der demokratischen und gewerkschaftlichen Ideologie) andererseits erklärt. Der politische Bewusstseinsgrad des Proletariats in Westeuropa, das jahrzehntelange Erfahrungen mit den demokratischen Ergötzlichkeiten hat, ist beträchtlich höher (eine Tatsache, die unter anderem durch das Phänomen ausgedrückt wird, dass die Mehrheit der revolutionären Organisationen der Welt in Westeuropa konzentriert ist). Es ist also zuallererst Westeuropa, auf das wir Acht geben müssen, wenn wir die Reifung der Bedingungen für die nächste revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse beurteilen wollen.
Einerlei, die tiefe Konterrevolution, die in den 20er Jahren über die Arbeiterklasse hergefallen war, hat ihren Tribut vom gesamten Proletariat erfordert. Man könnte sagen, dass das Proletariat von heute einen Vorteil gegenüber der revolutionären Generation von 1917 hat: Heute gibt es keine große Arbeiterorganisation, die, gerade erst zur herrschenden Klasse übergelaufen, noch fähig wäre, die grenzenlose Loyalität einer Klasse einzufordern, die noch nicht in der Lage war, die historischen Konsequenzen ihres Betruges wahrzunehmen. Dies war der Hauptgrund für die Niederlage der deutschen Revolution durch die Hände der Sozialdemokratie 1918/19. Doch die Sache hat auch eine Kehrseite. Die systematische Zerstörung der revolutionären Traditionen des Proletariats, das vom Proletariat entwickelte Misstrauen gegenüber allen politischen Organisationen, sein wachsender Gedächtnisverlust gegenüber seiner eigenen Geschichte (ein Faktor, der sich seit ungefähr einem Jahrzehnt beschleunigt) bilden eine große Schwäche der Arbeiterklasse auf dem gesamten Globus.
In keinem der nachfolgenden Ereignisse war das westeuropäische Proletariat bereit, die Herausforderung, die vom polnischen Massenstreik aufgestellt worden war, anzunehmen. Die zweite Welle von Kämpfen brach die Bourgeoisie durch die neue Strategie der Platzierung der Linken in der Opposition, und die polnischen Arbeiter fanden sich selbst genau zu jener Zeit in der Isolation wieder, in der sie den Ausbruch des Kampfes an anderer Stelle am dringendsten benötigten. Diese Isolation (bewusst von der Weltbourgeoisie erzwungen) öffnete die Tore für Jaruzelskis Panzer. Die Repression in Polen 1981 markierte das Ende der zweiten Welle von Kämpfen.
Historische Ereignisse von dieser Tragweite haben langfristige Konsequenzen. Der Massenstreik in Polen lieferte den endgültigen Beweis, dass der Klassenkampf die einzige Kraft ist, die die Bourgeoisie dazu nötigen kann, ihre imperialistischen Rivalitäten hintanzustellen. Er zeigte insbesondere, dass der russische Block – historisch durch seine schwache Position dazu verdammt, der „Aggressor“ in jedwedem Krieg zu sein – unfähig war, auf seine wachsende wirtschaftliche Krise mit einer Politik der militärischen Expansion zu antworten. Es war klar, dass die Arbeiter des Ostblocks (und selbst Russlands) als Kanonenfutter in irgendeinem künftigen Krieg für den Ruhm des „Sozialismus“ total ungeeignet waren. So war der Massenstreik in Polen ein wichtiger Faktor bei der kommenden Implosion des imperialistischen russischen Blocks.
Auch wenn sie nicht in der Lage war, die Frage der Generalisierung zu beantworten, blieb die Arbeiterklasse des Westens nicht lange auf dem Rückzug. Mit der ersten Serie von Streiks im öffentlichen Sektor Belgiens 1983 startete sie eine sehr lange „dritte Welle“, die, auch wenn sie nicht von der Ebene des Massenstreiks ausging, eine allgegenwärtige Dynamik in diese Richtung entwickelte.
In unserer oben zitierten Resolution von 1980 verglichen wir die Situation der Klasse von heute mit jener von 1917. Die Bedingungen des Weltkrieges garantierten, dass jeder Klassenwiderstand sofort mit der ganzen Macht des Staates konfrontiert war und somit die Frage der Revolution stellen musste. Gleichzeitig brachten die Kriegsbedingungen zahllose Nachteile mit sich – u.a. die Fähigkeit der Bourgeoisie, einen Keil zwischen die Arbeiter der „Sieger“ und der „besiegten“ Nationen zu treiben und durch die Beendigung des Krieges der Revolution den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eine lang hingezogene und weltweite Wirtschaftskrise jedoch tendiert nicht nur dazu, einheitliche Bedingungen für die gesamte Klasse zu schaffen, sondern verschafft dem Proletariat auch mehr Zeit, seine Kräfte, sein Klassenbewusstsein durch eine ganze Reihe von Teilkämpfen gegen die kapitalistischen Angriffe zu entwickeln. Die internationale Welle der 80er Jahre besaß definitiv diese Charakteristik. Auch wenn keiner der Kämpfe eine ähnlich spektakuläre Gestalt annahm wie in Frankreich 1968 oder in Polen 1980, so vereinigten sie in sich wichtige Klärungen über Ziel und Zweck des Kampfes. Zum Beispiel zeigten die weitverbreiteten Solidaritätsappelle über sektorale Grenzen hinaus in Belgien 1983 und 1986 oder in Dänemark 1985 konkret, wie das Problem der Ausdehnung gelöst werden konnte; die Bemühungen, die Kontrolle über den Kampf zu erlangen (Eisenbahnarbeiterversammlungen in Frankreich 1986, Versammlungen von Schulbediensteten in Italien 1987) zeigten, wie man sich außerhalb der Gewerkschaften organisiert. Es gab auch erste, noch zaghafte Versuche, Lehren aus den Niederlagen zu ziehen: In Großbritannien z.B. deuteten Kämpfe gegen Ende des Jahrzehnts darauf hin, dass die Arbeiter nach der Niederlage der militanten, aber lange hingezogenen und isolierten Kämpfe der Bergarbeiter und Drucker Mitte der 80er Jahre nicht gewillt waren, in dieselben Fußstapfen zu treten (so die britischen Telecom-Arbeiter, die schnell zuschlugen und dann zur Arbeit zurückkehrten, bevor sie ins Leere liefen, oder die gleichzeitigen Streiks in etlichen Branchen im Sommer 1988). Zur gleichen Zeit lieferte das Auftreten von aus dem Arbeiterkampf entstandenen Gruppen in etlichen Ländern die Antwort auf die Frage, wie sich die militantesten Arbeiter gegenüber den Kämpfen in ihrer Gesamtheit verhalten sollen. All diese scheinbar voneinander getrennten Strömungen mündeten in einen gemeinsamen Lauf, welcher eine qualitative Vertiefung des weltweiten Klassenkampfes darstellte.
Nichtsdestotrotz begann ab einem gewissen Punkt der Zeitfaktor immer weniger eine für das Proletariat günstige Rolle zu spielen. Angesichts der Vertiefung der Krise der gesamten Produktionsweise, einer geschichtlichen Gesellschaftsformation, hielt der Arbeiterkampf trotz seines allmählichen Fortschritts nicht mehr Schritt mit den sich allerorten überschlagenden Ereignissen, erreichte er nicht mehr die Qualität, die erforderlich war, um das Proletariat in seiner Rolle als positive revolutionäre Kraft zu bestätigen, auch wenn er immer noch den Weg zum Weltkrieg blockierte. So blieb die Existenz der dritten Welle von Arbeiterkämpfen der weiten Mehrheit der Menschheit und auch des Proletariats mehr oder weniger verborgen – sicherlich auch durch die Unterdrückung dieser Wahrheit durch die Bourgeoisie, aber vor allem durch die langsame, unspektakuläre Natur dieser Kämpfe. Die dritte Welle war selbst proletarischen politischen Organisationen „verborgen“ geblieben, die dazu neigten, nur die oberflächlichen Ausdrücke zu sehen und dies auch nur als getrennte und nicht miteinander verbundene Phänomene.
Diese Situation, in der es trotz der sich immer weiter vertiefenden Krise keiner der Hauptklassen gelang, ihre Lösung durchzusetzen, rief das Phänomen des Zerfalls hervor, das den 80er Jahren auf mannigfaltigen, miteinander verbundenen Ebenen seinen Stempel aufdrückte: auf der sozialen Ebene (wachsende Atomisierung der Individuen, Banditentum, Drogenmissbrauch etc.), auf ideologischer Ebene (Verbreitung irrationaler und fundamentalistischer Heilslehren), auf ökologischer Ebene usw. usf. Entstanden aus der Sackgasse im Klassenkampf, sorgte der Zerfall seinerseits dafür, dass die Fähigkeit des Proletariats geschwächt wurde, eine einheitliche Kraft zu schmieden. Zum Ende dieses Jahrzehnts hin rückte der Zerfall mehr und mehr in den Mittelpunkt und kulminierte in den gigantischen Ereignissen von 1989, die die endgültige Eröffnung einer neuen Phase im langen Abstieg des überflüssig gewordenen Kapitalismus markierte, eine Phase, in der das gesamte gesellschaftliche Gefüge zu krachen, zu wanken und zusammenzufallen beginnt.
Der Zusammenbruch des Ostblocks fand also in einem Augenblick statt, in dem das Proletariat zwar immer noch kämpferisch war und langsam sein Bewusstsein entwickelte, aber noch nicht den Punkt erreicht hatte, an dem es imstande gewesen wäre, eine Antwort auf solch ein enormes historisches Ereignis auf seinem eigenen Klassenterrain parat zu haben. Der Kollaps des „Kommunismus“ stoppte die dritte Welle abrupt und hatte (bis auf eine sehr begrenzte politisierte Minderheit) einen äußerst negativen Einfluss auf das Schlüsselelement des Klassenbewusstseins – die Fähigkeit, eine Perspektive, ein allgemeingültiges Ziel für den Kampf zu entwickeln, was in einer Epoche, in der die defensiven Kämpfe je länger je weniger von den offensiven, revolutionären Kämpfen der Klasse getrennt werden können, notwendiger denn je ist. Der Kollaps des Ostblocks griff die Klasse auf zweierlei Weise an:
– Er ermöglichte der Bourgeoisie, eine ganze Reihe von Kampagnen rund um das Thema „Das Ende des Kommunismus“, „Das Ende des Klassenkampfes“ zu entwickeln, was tiefe Spuren in der Fähigkeit der Klasse hinterließ, ihrem Kampf die Perspektive des Aufbaus einer neuen Gesellschaft zu verleihen, sich selbst als eine unabhängige, dem Kapital feindlich gesonnene Kraft zu positionieren und ihre eigenen Interessen zu verteidigen.
– Gleichzeitig löste der Zusammenbruch des Ostblocks all die Kräfte des Zerfalls aus, die bereits im Verborgenen gelauert hatten, was die Klasse der korrupten Atmosphäre des Jeder-für-sich, der schlimmsten Einflüsse des Banditentums, Fundamentalismus etc. aussetzte. Darüber hinaus war die Bourgeoisie imstande, die Manifestationen des Zerfalls gegen die Arbeiterklasse zu nutzen, obwohl dies ihr System noch weiter in Mitleidenschaft zog. Ein klassisches Beispiel war die Dutroux-Affäre in Belgien, wo die schmutzigen Praktiken bürgerlicher Cliquen als Vorwand benutzt wurden, um die Arbeiterklasse in einer breiten demokratischen Kampagne für eine „saubere Regierung“ zu ertränken. Tatsächlich wurde die demokratische Mystifikation immer systematischer genutzt, war sie doch sowohl die logische „Schlussfolgerung“ aus dem „Scheitern des Kommunismus“ als auch das ideale Instrument, um die Klasse noch mehr zu atomisieren und sie mit Händen und Füßen an den kapitalistischen Staat zu fesseln. Auch die vom Zerfall verursachten Kriege – der Golfkrieg 1991, Ex-Jugoslawien etc. – hatten, auch wenn sie einer Minderheit erlaubten, die militaristische Natur des Kapitalismus noch deutlicher zu erkennen, den allgemeinen Effekt, dass das Gefühl der Machtlosigkeit, des Lebens in einer grausamen und irrationalen Welt, in der es keine andere Lösung gibt, als den Kopf in den Sand zu stecken, im Proletariat noch verstärkt wurde.
Die Lage der Arbeitslosen wirft ein deutliches Licht auf die Probleme, denen sich die Klasse hier gegenübersieht. In den späten 70er und den frühen 80er Jahren identifizierte die IKS die arbeitslosen Arbeiter als potenzielle Quelle der Radikalisierung der Klassenbewegung insgesamt, vergleichbar mit der Rolle, die die Soldaten in der ersten weltrevolutionären Welle gespielt hatten. Doch unter dem Gewicht des Zerfalls hat es sich für die Arbeitslosen als immer schwieriger erwiesen, ihre eigenen kollektiven Kampf- und Organisationsformen zu entwickeln, da sie für die zerstörerischsten sozialen Auswirkungen (Atomisierung, Kriminalität, etc.) besonders verwundbar sind. Dies trifft vor allem auf die Generation junger arbeitsloser Proletarier zu, die nie die kollektive Disziplin und Arbeitersolidarität erfahren haben. Gleichzeitig jedoch ist dieses negative Gewicht nicht von der Tendenz des Kapitals erleichtert worden, jene „traditionellen“ Bereiche zu „de-industrialisieren“, in denen die Arbeiter eine alte Erfahrung mit der Klassensolidarität besitzen – Bergbau, Schiffbau, Stahl etc. Statt ihre kollektiven Traditionen unter die Arbeitslosen zu bringen, neigten diese Proletarier dazu, in der anonymen Masse unterzugehen. Die Dezimierung dieser Bereiche hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Kämpfe der Beschäftigten selbst, da sie mit dazu beitrug, wichtige Quellen der Klassenidentität und –erfahrung zuzuschütten.
Die Gefahren der neuen Periode für die Arbeiterklasse und für die Zukunft ihrer Kämpfe darf nicht unterschätzt werden. Während der Klassenkampf in den 70er und 80er Jahren definitiv eine Barriere gegen den Krieg darstellte, wird der Prozess des Zerfalls von den Tageskämpfen weder gestoppt noch verlangsamt. Um einen Weltkrieg auszulösen, müsste die Bourgeoisie eine Reihe wichtiger Siege über die zentralen Bataillone der Arbeiterklasse erringen. Heute sieht sich das Proletariat einer längerfristigen, aber nicht minder gefährlichen Bedrohung des „Todes auf Raten“ gegenüber, wo die Arbeiterklasse in wachsendem Maße durch den ganzen Prozess bis zu dem Punkt niedergerungen werden kann, an dem sie die Fähigkeit verliert, sich selbst als Klasse zu behaupten, während der Kapitalismus von einer Katastrophe in die nächste stürzt (lokale Kriege, Umweltkatastrophen, Hungersnöte, Seuchen, etc.), bis jener Punkt erreicht ist, an dem die Aussicht auf eine kommunistische Gesellschaft auf Generationen hinaus zerstört würde – ganz zu schweigen von der eigentlichen Vernichtung der Menschheit selbst.
Für uns jedoch ist die Fähigkeit des Proletariats, auf die Auflösung des kapitalistischen Systems zu antworten, trotz der vom gesellschaftlichen Zerfall aufgekommenen Probleme, trotz des Rückflusses des Klassenkampfes, den wir in den letzten paar Jahren erlebt hatten, nicht verschwunden, und die Tür zu massiven Klassenkonfrontationen bleibt geöffnet. Um dies zu belegen, ist es notwendig, sich aufs Neue der breiten Dynamik des Klassenkampfes seit dem Beginn der Zerfallsphase zu vergewissern.
Wie die IKS zu jener Zeit vorhergesagt hat, war der Rückgang sowohl auf der Ebene des Bewusstseins als auch auf der des Kampfgeistes sehr markant. Die Arbeiterklasse stand voll und ganz im Bann der Kampagnen über den Tod des „Kommunismus“.
Ab 1992 begannen die Auswirkungen dieser Kampagnen, wenn nicht zu verschleißen, so doch zumindest sich abzuschwächen, und die ersten Anzeichen einer Rückkehr der Klassenmilitanz machten sich bemerkbar, insbesondere mit der Mobilisierung der italienischen Arbeiter gegen das Austeritätsprogramm der Regierung D'Amato im September 1992. Dem folgten die Bergarbeiterdemonstrationen gegen Zechenschließungen in Großbritannien im Oktober desselben Jahres. Das Ende des Jahres 1993 sah weitere Bewegungen in Italien, Belgien, Spanien und besonders in Deutschland, wo in einer Reihe von Branchen, besonders aber im Maschinenbau und in der Automobilindustrie, Streiks und Demonstrationen stattfanden. Die IKS erklärte im Editorial der International Review Nr.76 („The difficult resurgence of the class struggle“), dass „die Ruhe, die fast vier Jahre lang geherrscht hat, endgültig durchbrochen worden ist“. Zwar begrüßte die IKS die Wiederbelebung des Kampfgeistes in der Klasse, doch betonte sie auch die Schwierigkeiten, die ihr gegenüberstanden: die wiedergenesene Stärke der Gewerkschaften, die Manövrierfähigkeit der Bourgeoisie gegenüber der Arbeiterklasse, die es ihr vor allem erlaubte, Zeitpunkt und Umfang einer jeder größeren Bewegung, die auszubrechen droht, zu bestimmen, und die ähnlich geartete Fähigkeit der herrschenden Klasse, vollen Gebrauch von den Phänomenen des Zerfalls zu machen, um die Atomisierung der Arbeiterklasse weiter voranzutreiben (die Aufdeckung von Skandalen wie z.B. die „Saubere-Hände“-Kampagne in Italien wurde in den letzten Jahren besonders stark ins Rampenlicht gerückt).
Im Dezember 1995 sahen sich die IKS im besonderen und das revolutionäre Milieu im allgemeinen einer harten Prüfung ausgesetzt. Im Zusammenhang mit den Kontroversen über die Eisenbahn und einer höchst provokanten Attacke auf den Mindestlohn aller Arbeiter schien es, als ob Frankreich sich an der Spitze der wichtigsten Klassenbewegungen befand, nachdem Streiks und Massenversammlungen viele Branchen ergriffen und Arbeiter skandiert hatten, dass der einzige Weg, Forderungen durchzusetzen, im gemeinsamen Kampf aller bestünde. Eine Reihe von revolutionären Gruppen, die dem Klassenkampf im allgemeinen skeptisch gegenüberstanden, brach angesichts dieser Bewegung in große Begeisterung aus. Die IKS jedoch warnte die Arbeiter, dass diese „Bewegung“ vor allem das Produkt eines gigantischen Manövers der herrschenden Klasse war, die sich der sich zuspitzenden Unzufriedenheit innerhalb der Klasse bewusst war und danach trachtete, mit einem Präventivschlag zu verhindern, dass die gärende Wut in wirkliche Militanz, in einen tatsächlichen Willen zur Aktion umschlägt. Indem die Bourgeoisie besonders die Gewerkschaften als Helden des Arbeiterkampfes, als Spezialisten der proletarischen Kampfmethoden (Versammlungen, das Entsenden von Massendelegationen in andere Sektoren etc.) darstellte, versuchte die Bourgeoisie in Vorbereitung auf weitaus wichtigere Konfrontationen in der Zukunft, die Glaubwürdigkeit ihres Gewerkschaftsapparates aufzupolieren. Obgleich die IKS wegen ihrer „konspirativen“ Ansicht über den Kampf heftig kritisiert worden war, wurde diese Analyse in der folgenden Periode bestätigt. Die deutsche und belgische Bourgeoisie kopierten die französischen Streiks bis aufs i-Tüpfelchen, und auch in Großbritannien (die Liverpooler Hafenarbeiter-Kampagne) sowie den USA (der Streik bei UPS) wurden weitere Versuche unternommen, um das Image der Gewerkschaften zu stärken.
Die wichtigste Bestätigung unserer Analyse wurde vom riesigen Streik in Dänemark im Sommer 1998 geliefert. Auf den ersten Blick wies diese Bewegung viele Ähnlichkeiten mit den Dezember-Ereignissen 1995 in Frankreich auf, doch wie wir im Editorial der International Review Nr.94 sagten, entsprach dies nicht der Realität: „Trotz des Scheiterns des Streiks und der Manöver der Bourgeoisie hat diese Bewegung eine andere Bedeutung als jene vom Dezember 1995 in Frankreich. Während besonders in Frankreich die Rückkehr zur Arbeit mit einer gewissen Euphorie einherging, die keinen Platz für die Infragestellung der Gewerkschaften ließ, brachte das Ende des dänischen Streiks ein Gefühl der Niederlage und weniger gewerkschaftliche Illusionen mit sich. Diesmal war das Ziel der Bourgeoisie nicht, eine riesige Operation durchzuführen, um die Glaubwürdigkeit der Gewerkschaften international wiederherzustellen wie 1995, sondern ‚Dampf abzulassen', um der Unzufriedenheit und der wachsenden Kampfbereitschaft zuvorzukommen, die sich Stück für Stück in Dänemark wie auch in anderen europäischen Ländern und anderswo angehäuft hatte.“
Das Editorial hebt auch andere wichtige Aspekte des Streiks hervor: sein bedeutender Umfang (ein Viertel der Arbeitskräfte zwei Wochen lang im Streik), was ein wahres Zeugnis vom wachsenden Ausmaß der Wut und der Kampfbereitschaft ablegt, die sich in der Klasse angesammelt haben, und der intensive Gebrauch der Basisgewerkschaften, um diese Militanz und Unzufriedenheit der Arbeiter mit dem offiziellen Gewerkschaftsapparat wegzuwischen.
Vor allem hatte sich der internationale Kontext geändert: eine wachsende Kampfbereitschaft, die in zahlreichen Ländern zum Ausdruck kam und sich seitdem fortgesetzt hat:
– im Sommer 1998 in den USA mit dem Streik von nahezu 10.000 Arbeitern bei General Motors, von 70.000 Arbeitern bei Bell Atlantic, der Krankenhausangestellten in New York und mit den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und 40.000 Maschinenbauern in New York;
– in Großbritannien mit den inoffiziellen Streiks von Sozialarbeitern in Schottland, von Postangestellten in London und mit den beiden Streiks der Elektriker in London, welche einen entschlossenen Willen offenbarten, gegen die Opposition der Gewerkschaftsführung zu kämpfen;
– im Sommer in Griechenland, wo Kämpfe rund um den Erziehungssektor in Auseinandersetzungen mit der Polizei mündeten;
– in Norwegen, wo im Herbst ein Streik stattfand, der in seinem Umfang mit jenem in Dänemark vergleichbar war;
– in Frankreich, wo es eine ganze Reihe von Kämpfen in verschiedenen Bereichen gab, einschließlich Erziehung, Gesundheit, Post und Transport, wobei am bemerkenswertesten der Streik von Busfahrern im herbstlichen Paris war, als die Arbeiter gegen eine der Konsequenzen des Zerfalls – die steigende Zahl von Angriffen auf Transportarbeiter – auf eigenem Terrain reagierten, indem sie mehr Jobs statt mehr Polizei forderten;
– in Belgien, wo die langsame, aber unaufhaltsame Steigerung der Kampfbereitschaft, ausgedrückt durch Streiks in der Automobilindustrie, im Transportwesen und in der Kommunikationsindustrie, von einer riesigen Kampagne der Bourgeoisie rund um das Thema „kämpferische Gewerkschaften“ eingehüllt wurde. Diese Kampagne hat mit der Förderung einer „Bewegung für die gewerkschaftliche Erneuerung“, die eine sehr radikale, „einheitliche“ Sprache benutzte und deren Führer, D'Orazio, den Nimbus der Radikalität erhalten hat, weil er wegen „Gewalttätigkeit“ vor Gericht gestellt worden war, eine ausgesprochen deutliche Gestalt angenommen;
– in der Dritten Welt mit Streiks in Südkorea, mit dem Rumoren massiver gesellschaftlicher Unzufriedenheit in China und erst kürzlich in Simbabwe, wo ein Generalstreik ausgerufen wurde, um die Wut der Arbeiter nicht nur über die Regierung, sondern auch über die Opfer, die der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo erfordert hatte, zu kanalisieren; dieser Streik fiel mit Desertionen und Protesten in den Truppen zusammen.
Es könnten noch weitere Beispiele gegeben werden, obgleich es schwierig ist, Informationen zu erhalten, da – im Gegensatz zu den großen, in der Öffentlichkeit breit getretenen Manövern von 1995/96 – die Bourgeoisie auf die meisten dieser Bewegungen mit der Taktik des Verschweigens geantwortet hat, was ein zusätzlicher Beweis dafür ist, dass diese Bewegungen eine reelle und wachsende Kampfbereitschaft ausdrückten, die die Bourgeoisie natürlich nicht ermutigen wollte.
Angesichts der wachsenden Kampfbereitschaft wird die Bourgeoisie nicht untätig bleiben. Sie hat bereits eine ganze Reihe von Kampagnen lanciert oder intensiviert, sowohl auf dem direkten Kampfterrain als auch im allgemeineren politischen Spektrum, um die Militanz der Klasse zu untergraben und die Entwicklung ihres Bewusstseins zu behindern: eine Wiederbelebung der „kämpferischen“ Gewerkschaften (z.B. in Belgien, in Griechenland, im britischen Elektrikerstreik); das propagandistische Sperrfeuer der „Demokratie“ (Sieg der linken Regierungen, Pinochet-Affäre, etc.); Mystifikationen der Krise („Globalisierungskritik“, der Ruf nach einem „dritten Weg“, welcher den Staat benutzen möchte, um die zügellose „Marktwirtschaft“ zu kontrollieren); Fortsetzung der Verleumdungen gegen den Oktober 1917, gegen den Bolschewismus und die Linkskommunisten und so weiter.
Zusätzlich zu diesen Kampagnen wird das Kapital einen maximalen Nutzen aus all den Manifestationen des gesellschaftlichen Zerfalls ziehen, um all die Probleme, denen die Arbeiterklasse gegenübersteht, weiter zu erschweren. Es ist noch ein weiter Weg zurückzulegen von der Art von Bewegung, wie wir sie in Dänemark gesehen haben, bis zur Entwicklung massiver Klassenkonfrontationen in den Hauptländern des Kapitals, Konfrontationen, die die Perspektive der Revolution aller Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Welt wieder eröffnen werden.
Nichtsdestotrotz hat die Entwicklung der Kämpfe in der gegenwärtigen Periode gezeigt, dass trotz aller Schwierigkeiten, denen sie sich gegenübersah, die Arbeiterklasse immer noch ungeschlagen ist und ein riesiges Kampfpotenzial gegen das hinfällige System bewahrt hat. In der Tat gibt es etliche wichtige Faktoren, die dazu dienen können, die aktuelle Klassenbewegung zu radikalisieren und sie auf eine höhere Ebene zu heben:
– die immer offenere Entwicklung der Weltwirtschaftskrise. Trotz aller bürgerlicher Versuche, ihr Ausmaß zu minimalisieren und ihre Ursachen zu verzerren, bleibt die Krise insofern der „Verbündete des Proletariats“, als dass sie dahin tendiert, die wahren Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise bloßzulegen. Während des letzten Jahres haben wir bereits eine große Vertiefung der Wirtschaftskrise gesehen, und wir wissen, dass das Schlimmste noch vor uns liegt. Vor allem die großen kapitalistischen Zentren beginnen jetzt, die Auswirkungen des letzten Sturzes am eigenen Leib zu verspüren.
– Die Beschleunigung der Krise bedeutet auch die Beschleunigung der bürgerlichen Angriffe auf die Arbeiterklasse. Und sie bedeutet ebenfalls, dass die Bourgeoisie sich immer weniger in der Position befindet, wo sie diese Angriffe staffeln, strecken, auf einzelne Bereiche richten kann. Die gesamte Arbeiterklasse wird immer mehr unter die Knute geraten, und alle Aspekte ihres Lebensstandards werden bedroht werden. So wird die Notwendigkeit massiver Angriffe durch die Bourgeoisie in wachsendem Maße die Notwendigkeit einer massiven Antwort durch die Arbeiterklasse unumgänglich machen.
– Gleichzeitig werden die wichtigsten kapitalistischen Zentren auch dazu gezwungen sein, sich immer mehr in militärischen Abenteuern zu engagieren. Die Gesellschaft wird in wachsendem Maße von einer Atmosphäre des Krieges durchdrungen werden. Wir haben bemerkt, dass unter gewissen Umständen (wie unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Ostblocks) die Entwicklung des Militarismus das Gefühl der Machtlosigkeit im Proletariat steigern kann. Gleichzeitig bemerkten wir selbst während des Golfkrieges, dass solche Ereignisse durchaus auch einen positiven Effekt auf das Klassenbewusstsein ausüben können, besonders in einer politisierteren und militanteren Minderheit. Und es trifft weiterhin zu, dass die Bourgeoisie nicht in der Lage ist, das Proletariat en masse für seine militärischen Abenteuer zu mobilisieren. Einer der Faktoren, die die breite „Opposition“ in der herrschenden Klasse gegen die jüngsten Überfälle auf den Irak erklären, bestand in dem Problem, der Bevölkerung im allgemeinen und der Arbeiterklasse im besonderen diese Kriegspolitik zu verkaufen. Diese Schwierigkeiten der herrschenden Klasse werden noch weiter wachsen, so wie sie gezwungen sein wird, immer offener ihre (militärischen) Zähne zu zeigen.
Das Kommunistische Manifest beschreibt den Klassenkampf als einen „mehr oder minder versteckten Bürgerkrieg“. Bei allen Versuchen, die Illusion einer gesellschaftlichen Ordnung zu schaffen, in der Klassenkonflikte der Vergangenheit angehören, ist die Bourgeoisie nichtsdestotrotz dazu gezwungen, die eigentlichen Bedingungen, die die Gesellschaft in zwei Lager polarisieren und durch unversöhnliche Antagonismen spalten, noch weiter zu verschärfen. Je mehr die bürgerliche Gesellschaft in Agonie versinkt, desto mehr werden die Schleier, die diesen „Bürgerkrieg“ verhüllen, weggerissen. Angesichts immer weiter wachsender ökonomischer, sozialer und militärischer Widersprüche ist die Bourgeoisie dazu gezwungen, ihren totalitären politischen Griff auf die Gesellschaft zu verstärken, jede Herausforderung ihrer Ordnung für außergesetzlich zu erklären, immer mehr Opfer für immer weniger Belohnung zu fordern. Mit der Geburt des Kapitalismus, als das Manifest verfasst worden war, neigte der Arbeiterkampf mehr als einmal zu einem Kampf einer „außergesetzlichen Klasse“, einer Klasse, die nichts in dem herrschenden System zu verlieren hatte und deren Rebellionen und Proteste samt und sonders per Gesetz verboten waren. Hier liegt die Bedeutung dreier fundamentaler Aspekte im heutigen Klassenkampf:
– der Kampf zur Schaffung eines Kräfteverhältnisses zugunsten der Arbeiter: dies ist der Schlüssel, der die Arbeiterklasse in die Lage versetzt, sich gegen alle korporatistischen Spaltungen, die von der bürgerlichen Ideologie im allgemeinen und von den Gewerkschaften im besonderen erzwungen wurden, und gegen die Atomisierung, die sich durch den kapitalistischen Zerfall verschlimmert, wieder ihrer Klassenidentität zu besinnen. Es ist insbesondere ein praktischer Schlüssel, weil er sich in jedem Kampf als zwingende Notwendigkeit aufdrängt: Die Arbeiter können sich nur selbst verteidigen, wenn sie die Front ihres Kampfes so weit wie möglich verbreitern.
– der Kampf, um aus dem gewerkschaftlichen Gefängnis auszubrechen: es sind die Gewerkschaften, die überall die kapitalistische „Legalität“ und die korporatistischen Spaltungen im Kampf verstärken, die danach trachten, die Arbeiter an der Schaffung eines Kräfteverhältnisses zu ihren Gunsten zu hindern. Die Fähigkeit der Arbeiter, den Gewerkschaften entgegenzutreten und ihre eigenen Organisationsformen zu entwickeln, werden somit ein Meilenstein bei der wirklichen Reifung des Kampfes in der vor uns liegenden Periode sein, gleichgültig, wie ungleichmäßig und schwierig dieser Prozess sein mag.
– die Konfrontation mit den Gewerkschaften bedeutet gleichzeitig die Konfrontation mit dem kapitalistischen Staat, und die Konfrontation mit dem kapitalistischen Staat ist
– unter der Teilnahme der fortgeschritteneren Minderheit – der Katalysator bei der Politisierung des Klassenkampfes. In vielerlei Hinsicht ist es die Bourgeoisie, welche die Initiative ergreift, um aus „jedem Klassenkampf einen politischen Kampf“ (Kommunistisches Manifest) zu machen, weil sie letztendlich den Klassenkampf nicht in ihr System integrieren kann. Die herrschende Klasse hat die „konfrontative“ Herangehensweise gewählt und wird auch in Zukunft nicht davon abweichen. Doch die Arbeiterklasse darf nicht nur auf dem Gebiet der unmittelbaren Selbstverteidigung reagieren, sondern muss vor allem mit der Entwicklung einer allgemeingültigen Perspektive ihres Kampfes antworten, indem sie jeden Teilkampf in den breiteren Zusammenhang des Kampfes gegen das gesamte System stellt. Für lange Zeit wird dieses Bewusstsein notwendigerweise auf eine Minderheit beschränkt bleiben. Aber diese Minderheit wird wachsen, und dieses Wachstum wird durch den steigenden Einfluss der revolutionären politischen Organisationen auf eine breitere Schicht von radikalisierten Arbeitern seinen Ausdruck finden. Fortan wird es für diese Organisationen überlebenswichtig, sehr aufmerksam der wirklichen Klassenbewegung zu folgen und in der Lage zu sein, so effektiv, wie es ihre Mittel erlauben, in ihr zu intervenieren.
Die Bourgeoisie mag uns die Lüge verkaufen, dass der Klassenkampf tot ist. Dabei ist sie schon längst dabei, den „unverhüllten Bürgerkrieg“ vorzubereiten, auf den die Zukunft dieser Ordnung unvermeidlich hinausläuft, sobald sie mit dem Rücken zur Wand steht. Die Arbeiterklasse und ihre revolutionären Minderheiten müssen ebenfalls vorbereitet sein.
28.12.1998
Im vorigen Artikel zum Kapp-Putsch 1920 haben wir herausgestellt, dass die Arbeiterklasse nach den Niederlagen von 1919 wieder auf dem Vormarsch war. Aber weltweit war die revolutionäre Welle, auch wenn die Kampfkraft der Arbeiterklasse noch nicht erloschen war, doch absteigend.
Die Beendigung des Krieges hatte in vielen Ländern den revolutionären Elan gebrochen und es vor allem der Bourgeoisie ermöglicht, die Spaltung der Arbeiterklasse in Arbeiter der „Siegermächte“ und der besiegten Staaten auszunutzen. Zudem schaffte es das Kapital, die revolutionäre Bewegung in Russland immer weiter zu isolieren. Die Siege der Roten Armee über die Weißen Truppen, die von den westlichen bürgerlichen Demokratien mächtig unterstützt wurden, hinderte die herrschende Klasse nicht daran, ihre Konteroffensive international fortzusetzen.
In Russland selber forderten die Isolierung der Revolution und die wachsende Integration der Bolschewistischen Partei in den russischen Staat ihren Preis. Im März 1921 erhoben sich in Kronstadt revoltierende Arbeiter und Matrosen.
Auf diesem Hintergrund sollte in Deutschland die Arbeiterklasse noch immer eine stärkere Kampfbereitschaft zeigen als in den anderen Staaten. Überall standen die Revolutionäre vor der Frage: nachdem der Höhepunkt der internationalen Welle revolutionärer Kämpfe überschritten war und die Bourgeoisie weiter in der Offensive blieb, wie auf diese Situation reagieren?
Innerhalb der Komintern setzte sich eine politische Kehrtwende durch. Die auf dem 2. Kongress im Sommer 1920 verabschiedeten 21 Aufnahmebedingungen verdeutlichten dies klar. Hierin wurde die Arbeit in den Gewerkschaften wie die Beteiligung an den Parlamentswahlen bindend vorgeschrieben. Damit hatte die Komintern einen Rückschritt zu den alten Methoden aus der Zeit des aufsteigenden Kapitalismus gemacht, in der Hoffnung, dass man damit größere Kreise von Arbeitern erreichen würde.
Diese opportunistische Kehrtwende äußerte sich in Deutschland darin, dass die Kommunistische Partei im Januar 1921 einen „Offenen Brief“ an die Gewerkschaften und SPD wie auch an die Freie Arbeiterunion (Syndikalisten), USPD und KAPD richtete, in dem „sämtlichen sozialistischen Parteien und
Gewerkschaftsorganisationen vorgeschlagen (wurde), gemeinsame Aktionen zur Durchsetzung der dringendsten wirtschaftlichen und politischen Forderungen der Arbeiter zu führen“. Durch diesen Aufruf insbesondere an die Gewerkschaften und SPD sollte die „Einheitsfront der Arbeiter in den Betrieben“ hergestellt werden. Die VKPD betonte, „sie wollte zurückstellen die Erinnerung an die Blutschuld der mehrheitssozialdemokratischen Führer. Sie wollte für den Augenblick zurückstellen die Erinnerungen an die Dienste, die die Gewerkschaftsbürokratie den Kapitalisten im Krieg und in der Revolution geleistet hat.“ (aus „Offener Brief“, Rote Fahne, 8.1.1921). Während man mit opportunistischen Schmeicheleien Teile der Sozialdemokratie auf die Seite der Kommunisten ziehen wollte, wurde gleichzeitig in den Reihen der Partei zum ersten Mal die Notwendigkeit einer proletarischen Offensive theoretisiert. Und „sollten die Parteien und Gewerkschaften, an die wir uns wenden, nicht gewillt sein, den Kampf aufzunehmen, so würde die VKPD sich verpflichtet erachten, diesen Kampf allein zu führen, und sie ist überzeugt, dass ihr die Arbeitermassen folgen werden“. (ebenda).
Gleichzeitig hatte der im Dezember 1920 vollzogene Zusammenschluss zwischen KPD und USPD, der zur Gründung der VKPD führte, in der Partei die Auffassungen einer Massenpartei erstarken lassen. Dies wurde dadurch verstärkt, dass die Partei jetzt über 500000 Mitglieder verfügte. So ließ sich die VKPD selbst blenden durch den Stimmenanteil bei den Wahlen zum Preußischen Landtag, wo sie im Februar nahezu 30% aller Stimmen erzielte.[i]
Die Idee machte sich breit, man könne die Lage in Deutschland „aufheizen“. Vielen schwebte die Idee eines Rechtsputsches vor, der wie ein Jahr zuvor im Kapp-Putsch eine mächtige Reaktion der gesamten Arbeiterklasse mit Aussichten auf die Machtergreifung auslösen würde. Diese irrigen Auffassungen sind im wesentlichen auf den verstärkten Einfluss des Kleinbürgertums in der Partei seit dem Zusammenschluss zwischen KPD und USPD zurückzuführen. Die USPD war wie jede zentristische Richtung in der Arbeiterbewegung stark von den Auffassungen und Verhaltensweisen des Kleinbürgertums beeinflusst. Das zahlenmäßige Wachstum der Partei neigte zugleich dazu, das Gewicht des Opportunismus, Immediatismus und der kleinbürgerlichen Ungeduld zu vergrößern.
Auf diesem Hintergrund – Rückgang der revolutionären Welle international, tiefgreifende Verwirrung innerhalb der revolutionären Bewegung in Deutschland – leitete die Bourgeoisie im März 1921 eine neue Offensive gegen das Proletariat ein. Hauptzielscheibe ihres Angriffs sollten die Arbeiter in Mitteldeutschland sein. Im Krieg war dort im Industriegebiet um Leuna, Bitterfeld und das Mansfelder Becken eine große Konzentration von Proletariern entstanden, die überwiegend relativ jung und kämpferisch waren, aber über keine große Organisationserfahrung verfügten. So zählte die VKPD dort allein über 66000 Mitglieder, die KAPD brachte es auf 3200 Mitglieder. In den Leuna-Werken gehörten von 20000 Beschäftigten ca. 2000 den Arbeiterunionen an.
Da nach den Auseinandersetzungen von 1919 und nach dem Kapp-Putsch viele Arbeiter bewaffnet geblieben waren, wollte die Bourgeoisie den Arbeitern weiter an den Kragen.
Am 19. März 1921 zogen starke Polizeitruppen in Mansfeld ein, um die Arbeiter zu entwaffnen.
Der Befehl ging nicht vom „rechten“ Flügel der Herrschenden (innerhalb der Militärs oder der rechten Parteien) aus, sondern von der demokratisch gewählten Regierung. Es war die bürgerliche Demokratie, die die Henkersrolle der Arbeiterklasse spielte und darauf abzielte, diese mit allen Mitteln zu Boden zu werfen.
Es ging der Bourgeoisie darum, durch die Entwaffnung und Niederlage eines sehr kämpferischen, relativ jungen Teils des deutschen Proletariats die Arbeiterklasse insgesamt zu schwächen und zu demoralisieren. Vor allem aber verfolgte die Bourgeoisie das Ziel, der Vorhut der Arbeiterklasse, den revolutionären Organisationen einen fürchterlichen Schlag zu versetzen. Das Aufzwingen eines vorzeitigen Entscheidungskampfes in Mitteldeutschland sollte dem Staat vor allem die Gelegenheit geben, die Kommunisten gegenüber der gesamten Klasse zu isolieren, um diese Parteien dann in Verruf zu bringen und der Repression auszusetzen. Es ging darum, der frisch gegründeten VKPD die Möglichkeit zu rauben, sich zu konsolidieren, sowie die sich anbahnende Annäherung zwischen KAPD und VKPD zunichte zu machen. Schließlich wollte das deutsche Kapital stellvertretend für die Weltbourgeoisie die Russische Revolution und die Kommunistische Internationale weltweit weiter isolieren.
Die Komintern hatte gleichzeitig jedoch verzweifelt nach Möglichkeiten einer Hilfe von Außen für die Revolution in Russland gesucht. Man hatte gewissermaßen auf die Offensive der Bourgeoisie gewartet, damit die Arbeiter weiter in Zugzwang gerieten und endlich losschlagen würden. Anschläge wie der gegen die Siegessäule in Berlin am 13. März, der von der KAPD initiiert wurde, hatten dazu dienen sollen, die Kampfbereitschaft weiter anzustacheln.
Levi berichtete von einer Sitzung der Zentrale, wo der Moskauer Gesandte Rakosi meinte: „Russland befinde sich in einer außerordentlich schwierigen Situation. Es sei unbedingt erforderlich, dass Russland durch Bewegungen im Westen entlastet würde, und aus diesem Grunde müsse die deutsche Partei sofort in Aktion treten. Die VKPD zähle jetzt 500000 Mitglieder, mit diesen könne man 1500000 Proletarier auf die Beine bringen, was genügt, um die Regierung zu stürzen. Er sei also für sofortigen Beginn des Kampfes mit der Parole: Sturz der Regierung“. (P. Levi, „Brief an Lenin“, 27.03.1921)
„Am 17. März fand die Zentralausschusssitzung der KPD statt, in der die Anregungen oder Weisungen des aus Moskau gesandten Genossen zur Richtlinie gemacht wurden.
Am 18. März stellte sich die Rote Fahne auf diesen neuen Beschluss um und forderte zum bewaffneten Kampf auf, ohne zunächst zu sagen, für welche Ziele, und hielt diesen Ton einige Tage fest.“ (Levi, ebenda)
Die erwartete Offensive der Regierung im März 1921 war mit dem Vorrücken der Polizeitruppen nach Mitteldeutschland eingetreten.
Die vom sozialdemokratischen Polizeiminister Hörsing am 19. März nach Mitteldeutschland beorderten Polizeikräfte sollten Hausdurchsuchungen vornehmen und die Arbeiter um jeden Preis entwaffnen. Die Erfahrung aus dem Kapp-Putsch vor Augen, hatte die Regierung davor zurückgeschreckt, Soldaten der Reichswehr einzusetzen.
In derselben Nacht wurde vor Ort der Entschluss zum Generalstreik ab dem 21. März gefasst. Am 23. März kam es zu ersten Kämpfen zwischen Truppen der Sicherheits-Polizei und Arbeitern. Am gleichen Tag erklärten die Arbeiter der Leuna-Werke bei Merseburg den Generalstreik. Am 24. März riefen die VKPD und KAPD gemeinsam zum Generalstreik in ganz Deutschland auf. Nach diesem Aufruf kam es sporadisch in mehren Städten des Reichs zu Demonstrationen und Schießereien zwischen Streikenden und Polizei. Etwa 300000 Arbeiter beteiligten sich landesweit an den Streiks.
Der Hauptkampfplatz blieb jedoch das mitteldeutsche Industriegebiet, wo sich ca. 40000 Arbeiter und 17000 Mann Polizei- und Reichswehrtruppen gegenüberstanden. In den Leuna-Werken waren insgesamt 17 bewaffnete proletarische Hundertschaften aufgestellt worden. Die Polizeitruppen setzten alles daran, die Leuna-Werke zu stürmen. Erst nach mehreren Tagen gelang es ihnen, die Fabrik zu erobern. Dazu schickte die Regierung kurzerhand Flugzeuge und bombardierte die Leuna-Werke. Gegen die Arbeiterklasse waren ihr alle Mittel recht.
Auf Initiative der KAPD und VKPD wurden Dynamit-Attentate in Dresden, Freiberg, Leipzig, Plauen und anderswo verübt. Die besonders hetzerisch gegen die Arbeiter vorgehende Hallische – und Saale-Zeitung sollten am 26. März mit Sprengstoff zum Schweigen gebracht werden.
Während die Repression in Mitteldeutschland spontan die Arbeiter zu bewaffnetem Widerstand trieb, gelang es diesen jedoch wiederum nicht, den Häschern der Regierung einen koordinierten Widerstand entgegenzusetzen. Die von der VKPD aufgestellten Kampforganisationen, die von Hugo Eberlein geleitet wurden, waren militärisch und organisatorisch völlig unzureichend vorbereitet. Max Hoelz, der eine ca. 2500 starke Arbeiter-Kampftruppe aufgestellt und es geschafft hatte, bis einige Kilometer vor die von Regierungstruppen belagerten Leuna-Werke zu gelangen, versuchte vor Ort eine Zentralisierung aufzubauen. Aber seine Truppen wurden ebenso am 1. April aufgerieben, nachdem die Leuna-Werke zwei Tage zuvor schon erstürmt worden waren.
Obwohl in anderen Städten die Kampfbereitschaft nicht im Ansteigen begriffen war, hatten VKPD und KAPD zu einem sofortigen militärischen Zurückschlagen gegen die eingerückten Polizeikräfte aufgerufen.
„Die Arbeiterschaft wird aufgefordert, den aktiven Kampf aufzunehmen mit folgenden Zielen:
1. Sturz der Regierung...
2. Entwaffnung der Konterrevolution und Bewaffnung der Arbeiter“
(Aufruf vom 17. März).
In einem weiteren Aufruf der Zentrale der VKPD schrieb sie am 24. März:
„Denkt daran, dass ihr im Vorjahr in fünf Tagen mit Generalstreik und bewaffnetem Aufstand die Weißgardisten und Baltikumstrolche besiegt habt. Kämpft mit uns wie im Vorjahr Schulter an Schulter die Gegenrevolution nieder!
Tretet überall in den Generalstreik! Brecht mit Gewalt die Gewalt der Konterrevolution, Entwaffnung der Konterrevolution, Bewaffnung, Bildung von Ortswehren aus den Kreisen der organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten!
Bildet sofort proletarische Ortswehren! Sichert Euch die Macht in den Betrieben! Organisiert die Produktion durch Betriebsräte und Gewerkschaften! Schafft Arbeit für die Arbeitslosen!“
Vor Ort jedoch waren die Kampforganisationen der VKPD und die spontan bewaffneten Arbeiter nicht nur schlecht organisatorisch und militärisch gerüstet; die örtlichen Parteileitungen selber hatten keinen Kontakt zu ihren Parteizentralen. Verschiedene Truppenverbände (die von Max Hoelz und Karl Plättner waren die bekanntesten) kämpften an mehreren Orten im Aufstandsgebiet unabhängig voneinander. Nirgendwo gab es Arbeiterräte, die ihre Aktionen hätten koordinieren können. Dagegen standen die Repressionstruppen der Bürgerlichen natürlich im engsten Kontakt mit ihrem Generalstab und koordinierten ihre Taktik!
Nachdem die Leuna-Werke gefallen waren, zog die VKPD am 31. März 1921 den Aufruf zum Generalstreik zurück. Am 1. April lösten sich die letzten bewaffneten Arbeitertruppen in Mitteldeutschland auf.
Wieder herrschten Ruhe und Ordnung! Wieder schlug die Repression zu. Wieder wurden viele Arbeiter ermordet und misshandelt. Hunderte waren erschossen worden, über 6000 wurden verhaftet.
Die Hoffnung großer Teile der VKPD und KAPD, ein provokatives Vorgehen des staatlichen Repressionsapparates würde eine Spirale des Widerstandes in den Reihen der Arbeiter auslösen, war enttäuscht worden. Die Arbeiter in Mitteldeutschland waren relativ isoliert geblieben.
In dieser Situation hatten die VKPD und die KAPD derart auf ein Losschlagen gebrannt, ohne die Gesamtlage im Auge zu behalten, dass sie sich durch die Devise „Wer nicht für uns ist, der ist wider uns“ (Editorial der Roten Fahne, 20. März), von den unentschlossenen und nicht-kampfbereiten Arbeitern völlig isolierten und einen Graben der Spaltung innerhalb der Arbeiterklasse aushoben.
Anstatt zu erkennen, dass die Lage nicht günstig war, schrieb die Rote Fahne am 30. März: „Nicht nur auf das Haupt eurer Führer, auf das Haupt jedes einzelnen von euch kommt die Blutschuld, wenn ihr stillschweigend oder auch nur unter lahmen Protesten duldet, dass die Ebert, Severing, Hörsing den weißen Schrecken und die weiße Justiz gegen die Arbeiter loslassen (...)
Schmach und Schande über den Arbeiter, der jetzt noch beiseite steht, Schmach und Schaden über den Arbeiter, der jetzt noch nicht weiß, wo sein Platz ist.“
Um die Kampfbereitschaft weiter anzustacheln, hatte man die Arbeitslosen als Speerspitze einsetzen wollen.
„Die Arbeitslosen wurden als Sturmkolonnen vorangeschickt. Sie besetzten die Tore der Fabriken. Sie drangen in die Betriebe ein, löschten hier und da die Feuer und versuchten, die Arbeiter aus den Betrieben herauszuprügeln... Es war ein entsetzlicher Anblick, wie die Arbeitslosen, laut weinend über die Prügel, die sie empfangen, aus den Betrieben hinausgeworfen wurden, und wie sie denen fluchten, die sie dahin gesandt.“
Dass die VKPD-Zentrale vor dem Beginn der Kämpfe das Kräfteverhältnis falsch eingeschätzt hatte und nach Auslösung der Kämpfe ihre Einschätzung nicht revidierte, war schon tragisch genug. Es kam noch schlimmer, denn statt dessen verbreitete sie die Parole: „Leben oder Tod“. Nach dem falschen Motto: „Kommunisten weichen nie zurück“!
„Unter keinen Umständen darf ein Kommunist, auch wenn er in Minderheit ist, zur Arbeit schreiten. Die Kommunisten gingen hinaus aus den Betrieben. In Trupps von 200, 300 Mann, oft mehr, oft weniger, gingen sie aus den Betrieben: der Betrieb ging weiter. Sie sind heute arbeitslos, die Unternehmer haben die Gelegenheit benutzt, die Betriebe ‘kommunistenrein’ zu machen in einem Falle, in dem sie selbst ein groß Teil der Arbeiter auf ihrer Seite hatten.“ (Die Rote Fahne)
Während dieser Kampf der Arbeiterklasse von der Bourgeoisie aufgezwungen wurde und sie ihm nicht ausweichen konnte, hatte die VKPD den Fehler begangen, dass sie „den defensiven Charakter des Kampfes nicht klar genug hervorhob, sondern durch den Ruf von der Offensive den gewissenlosen Feinden des Proletariats, der Bourgeoisie, der SPD und der USPD Anlass gab, die VKPD als Anzettlerin von Putschen dem Proletariat zu denunzieren. Dieser Fehler wurde von einer Anzahl von Parteigenossen gesteigert, indem sie die Offensive als die hauptsächlichste Methode des Kampfes der VKPD in der jetzigen Situation darstellten“ („Thesen und Resolutionen des 3. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale“, S. 52/53, Juni 1921).
Dass die Kommunisten weiter für eine Verstärkung der Kampfbereitschaft eintraten, war ihre erste Pflicht. Aber Kommunisten sind nicht einfach Aufpeitscher der Kampfbereitschaft. Die „Kommunisten sind (...) praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegungen voraus.“ (Kommunistisches Manifest) Deshalb müssen sie sich gegenüber der Klasse insgesamt durch ihre Fähigkeit auszeichnen, das Kräfteverhältnis richtig einzuschätzen, die Strategie des Klassengegners zu durchschauen, denn eine für entscheidende Kämpfe noch zu schwache Arbeiterklasse in eine sichere Niederlage zu führen, oder sie in die von der Bourgeoisie gestellten Fallen zu treiben, ist das Unverantwortlichste, was Revolutionäre tun können. Insbesondere erfordert dies vor allem auch die Fähigkeit zu entwickeln, den jeweiligen Bewusstseinsstand und die Kampfbereitschaft innerhalb der Arbeiterklasse einschätzen zu können, und die Vorgehensweise der Herrschenden zu durchschauen. Nur so können revolutionäre Organisationen ihre wirkliche Führungsrolle in der Klasse übernehmen.
Sofort nach dem Ende der März-Aktion kam es zu heftigen Debatten innerhalb der VKPD und der KAPD.
In einem Leitartikel vom 4.–6. April verkündete die Rote Fahne, dass die „VKPD eine revolutionäre Offensive eingeleitet“ habe und die März-Aktion „der Beginn, der erste Abschnitt der entscheidenden Kämpfe um die Macht“ sei.
Am 7./8. April tagte der Zentralausschuss der VKPD. Anstatt eine kritische Einschätzung der Intervention zu liefern, versuchte Heinrich Brandler vor allem die Politik der VKPD-Zentrale zu rechtfertigen. Er begründete die Hauptschwäche in einer mangelnden Disziplin der VKPD-Mitglieder vor Ort und im Versagen der sogenannten Militärorganisation. Brandler meinte gar, „Wir haben keine Niederlage erlitten, wir hatten eine Offensive“.
Gegenüber dieser Einschätzung sollte Paul Levi innerhalb der VKPD zum heftigsten Kritiker der Vorgehensweise der Partei in der März-Aktion werden.
Nachdem er neben Clara Zetkin im Februar 1921 schon aus dem Zentralausschuss ausgeschieden war, weil es unter anderem zu Divergenzen um die Gründung der KP in Italien gekommen war, sollte er sich erneut als unfähig erweisen, die Organisation durch Kritik nach vorne zu treiben. Das Tragische war, dass er „mit seiner Kritik an der März-Aktion 1921 in Deutschland in vielem dem Wesen der Sache nach recht“ hatte (Lenin, „Brief an die deutschen Kommunisten“, Werke Bd. 32, S. 541). Aber anstatt seine Kritik innerhalb des Rahmens der Organisation den Regeln und Prinzipien derselben folgend vorzubringen, verfasste er am 3./4. April eine Broschüre, die am 12. April veröffentlicht wurde, ohne dass die Partei ihren Inhalt kannte.[ii]
In dieser Broschüre brach er nicht nur die Organisationsdisziplin, sondern er veröffentliche Details aus dem internen Leben der Partei. Somit brach er ein proletarisches Prinzip, gefährdete gar die Organisation, indem er in aller Öffentlichkeit die Funktionsweise der Organisation preisgab. Dafür wurde er am 15. April aus der Partei wegen parteischädigenden Verhaltens ausgeschlossen.[iii]
Levi, der wie wir in einem früheren Artikel zum Oktoberparteitag der KPD 1919 festgestellt haben, dazu neigte, jede Kritik als Angriff auf die Organisation, als Infragestellung einer ganzen Linie und somit als Bedrohung der Organisation, aber auch seiner Person aufzufassen, sabotierte jeden Versuch einer kollektiven Funktionsweise. Seine Einstellung offenbart dies: „Ist die März-Aktion richtig, dann gehöre ich hinausgeworfen (aus der Partei). Oder ist die März-Aktion ein Fehler, dann ist meine Broschüre gerechtfertigt“ (Levi, „Brief an die Zentrale der VKPD“). Diese organisationsschädigende Haltung war von Lenin wiederholt kritisiert worden. Nach Bekanntwerden seines Austritts aus der Zentrale der VKPD im Februar schrieb Lenin dazu: „Aber Austritt aus der Zentrale!!?? Das jedenfalls der größte Fehler! Wenn wir solche Gepflogenheiten dulden werden, dass verantwortliche Mitglieder der Zentrale austreten, wenn sie in der Minderheit geblieben sind, dann wird die Entwicklung und Gesundung der kommunistischen Parteien niemals glatt gehen. Statt auszutreten – die strittige Frage mehrere Male besser mit der Exekutive ventilieren (...). Alles mögliche und etwas unmögliches dazu zu tun – aber, es koste was es wolle, Austritt vermeiden und Gegensätze nicht verschärfen.“ (Lenin an Clara Zetkin und Paul Levi, 16.4.1921).
Levis zum Teil maßlose und überspitzte Beschuldigungen (dass er die Verantwortung der Bourgeoisie für die Kämpfe im März in den Hintergrund geraten ließ und der VKPD praktisch die Alleinschuld aufbürdete) verzerrten die Wirklichkeit.
Nachdem er aus der Partei ausgeschlossen war, gab er eine kurze Zeit die Zeitschrift Sowjet heraus, die zum Sprachrohr der Gegner dieses Kurses der VKPD wurden. Levi wollte seine Kritik an der Taktik der VKPD dem Zentralausschuss vortragen, wurde aber zur Tagung nicht mehr zugelassen. Statt dessen trug Clara Zetkin eine Reihe seiner Kritiken vor. „Die Kommunisten haben nicht die Möglichkeit (...) die Aktion an Stelle des Proletariats, ohne das Proletariat, am Ende gar gegen das Proletariat zu machen“ (Levi). Zetkin schlug eine Gegenresolution zur Stellungnahme der Partei vor. Mehrheitlich verwarf die Sitzung des Zentralausschusses jedoch die Kritik und hob hervor, dass ein „Ausweichen vor der Aktion (...