Internationale Revue Nr. 3

Eine Karikatur der Partei : die bordigistische Partei -Antwort an ”Kommunistisches Programm”

 

 

Eine Karikatur der Partei :  die bordigistische Partei -Antwort an ”Kommunistisches Programm”

 

 

(erschienen in Internationale Revue Nr. 3 – 1979)

 

Die für die Befreiung der Arbeiter­klasse unabdingbare Entwicklung des Klassenbewußtseins ist ein fortdauernder und unaufhörlicher Prozeß. Er wird be­stimmt durch das soziale Wesen des Pro­letariats als eine historische Klasse, die als einzige Klasse die Lösung der un­überwindbaren Gegensätze des Kapitalis­mus in sich birgt, wobei der Kapitalis­mus selbst die letzte der in Klassen ge­teilten Gesellschaften ist. Sowie die historische Aufgabe, die die menschliche Gesellschaft zerreißenden Klassengegen­sätze aufzulösen, nur das Werk der Arbei­ter selbst sein kann, kann das Bewußtsein über diese Aufgabe dem Proletariat keines­wegs von außen 'importiert' oder einge­trichtert werden, sondern es ist das Pro­dukt seines wahren Seins, seiner eigenen Existenz. Es ist die wirtschaftliche, so­ziale und politische Stellung in der Ge­sellschaft, die die praktischenHandlun­gen und den historischen Kampf des Prole­tariats bestimmen.

 

Diese unaufhörliche Bewegung hin zu einem Bewußtwerdungsprozeß drückt sich in den Versuchen des Proletariats, sich selber zu organisieren und in der Bil­dung politischer Gruppen innerhalb der Arbeiterklasse, die in der Bildung der Partei gipfelt, aus.

 

Gerade dieser Frage, der Bildung der Partei, wird in der Nr. 76 von "Programme Communiste" (März '78), dem theoretischen Organ der IKP (Internationale Kommununis­tische Partei), ein sehr langer Artikel gewidmet: "Auf dem Wege zur 'kompakten und starken' Partei von Morgen"(1). Es muß erst festgestellt werden, daß man mit dem üblichen Schwulst der bordigis­tischen Sprache, den auf vielen Seiten zu findenden Drehungen und Wendungen- nach denen man sich schließlich auf dem Ausgangspunkt wiederfindet -, dem Einrennen offener Türe und den sich wiederholenden Bestätigungen, die eine Argumentation er­setzen sollen, die wirklich zur Diskussion stehenden Probleme viel schwerer und um­ständlicher begreifen kann. Die darin be­stehende Vorgehensweise, ein Bestätigung dadurch zu beweisen, indem man die frühe­ren Bestätigungen zitiert, welche selbst wieder auf vorherigen Bestätigungen auf­gebaut - sodaß es einem fast schwindelig wird - kann nötigenfalls eine Kontinui­tät der Bestätigungen beweisen, sie kann aber nie eine schlüssige Beweisführung sein. Unter diesen Umständen und trotz unserer festen Absicht, uns nur mit den Bestätigungen auseinanderzusetzen, die die bordigistischen Positionen hinsicht­lich der Partei ausdrücken, welche wir für falsch und als zu bekämpfen betrach­ten, können wir es nicht vollständig ver­meiden, auf eine Anzahl anderer Punkte, welche mit diesen Bestätigungen zusammen­hängen, zu sprechen zu kommen.

 

 

Über die Italienische Fraktion der Kommunistischen Linke

 

Es wäre sicherlich keine kleine Überraschung für die Mehrzahl der Leser des "Kommunistischen Programms" und wahr­scheinlich auch für die Mehrzahl der Mit­glieder der IKP plötzlich zu erfahren, daß "trotz ihrer objektiven (7) Grenzen, die 'Linke Fraktion im Ausland' ein Teil der Geschichte"(2) der Italienischen Lin­ke ist und als solche selbst "unsere Fraktion im Ausland zwischen 1928 und 1940" wurde. In diesem Punkt hatte uns "Kommu­nistisches Programm" eher an eine große Zurückhaltung, ein lastendes Schweigen, wenn nicht gar einfach an ein Mißbilligung der Fraktion gewöhnt. Wie sollte man sonst verstehen, daß innerhalb 30 Jahre Beste­hens der IKP sie keine Mühe gescheut hat, in ihren Zeitungen, theoretischen Zeit­schriften, Broschüren und Büchern die Texte der Linke von 1920-1926 wiederauf­zulegen und erneut zu veröffentlichen, aber gleichzeitig nie weder die Zeit, noch die Mittel, noch den Platz gefunden hat, auch nur einen einzigen Text der Fraktion zu veröffentlichen, die das "Bulletin d'Information", die Zeitschrift "Bilan", die Zeitung "Prometeo", die Bulletins "Il Seme" und soviel andere Texte veröffentlichte ? Es ist dennoch kein reiner Zufall, wenn man in "Kommu­nistisches Programm" nie weder irgendeine Bezugnahme, noch eine Erwähnung der poli­tischen Positionen, die "unsere" Fraktion verteidigt hat, und auch nie ein Zitat von "Bilan" vorfindet. Einige Genossen der IKP, die einmal davon etwas vage ge­hört hatten, behaupteten, daß die Partei sich weder auf die politische Aktivität noch auf die Schriften "Bilans" berufe, und andere Genossen der gleichen Partei wußten noch nicht einmal etwas von der Existenz und von dem Namen.

 

Heute entdeckt man das "Verdienst unserer Fraktion", ein Verdienst, welches - das stimmt - ziemlich begrenzt ist, aber immer noch groß genug, um davor den Hut abzunehmen. Warum heute ? Ist es deshalb, weil die Lücke in der organischen Konti­nuität (ein von der IKP so geschätztes Wort), die von 1926 bis...1952 dauert, etwas störend geworden ist und weil man diese Lücke so recht und schlecht stopfen mußte, oder ist es deshalb, weil die IKS so lange schon davon gesprochen hat, so daß man jetzt nicht mehr länger das Schwei­gen aufrechterhalten kann ? Und warum die Fraktion zwischen 1928 und 1940 ein­ordnen, zumal sie sich - zu Unrecht -erst im Juli 1945 aufgelöst hat, um sich dann in die "Partei" zu integrieren, die endlich in Italien rekonstituiert worden war, nachdem sie in der Zwischenzeit das italienische antifaschistische Komitee in Brüssel verurteilt hatte und seinen Vorkämpfer Vercesi ausgeschlossen hatte.

 

Es war der gleiche Vercesi, der später ohne Diskussion wieder in die IKP und sogar noch in die Führung aufgenommen wurde. Geschieht all dies aus Unwissen­heit, oder weil während des Krieges die Fraktion noch viel weiter in der Richtung gegangen war, die"Bilan" schon vor dem Kriege eingeschlagen hatte, ins­besondere in der Frage Rußlands, in der Frage des Staates und der Partei -was die Differenzen zwischen den von "Kommu­nistisches Programm" verteidigten Posi­tionen und denen "Bilans" noch verstär­ken sollte. Jedenfalls werden die "Bilan" zugestandenen"Verdienste" schnell durch umso schärfere Kritik zurückgenommen.

 

"Die Unmöglichkeit - schreibt 'Kommunis­tisches Programm' - den sozusagen sub­jektiven (?!) Kreis der Konterrevolution zu zerschlagen, führte bei der Fraktion zu bestimmten Abweichungen, wie z.B. in der nationalen und kolonialen Frage oder in Bezug auf Rußland, nicht so sehr in der Einschätzung, was aus Rußland geworden war, als vielmehr in der Suche nach einem unterschiedlichen Weg gegenüber dem der Bolschewisten in der Ausübung ihrer Dik­tatur..., ein Weg der in der Zukunft eine Wiederholung der Katastrophe der Jahre 1926-27 verhindern sollte; und auch in einem gewissen Sinne in Bezug auf die Partei oder die Internationala—erwar­tete die Fraktion auch den Wiederaufbau (der Partei) von der Rückkehr der großen Massen auf den Boden der direkten Ausein­andersetzung mit dem Feind."(Programme Communiste, Nr.76, 8.8) (1).

 

Wenn es stimmt, daß die Treue zu den revolutionären Grundlagen des Marxismus in Zeiten der Niederlagen zweifelsohne ein großes Verdienst ist, so liegt das große Verdienst der Fraktion, wodurch sie sich besonders von den damaligen Gruppen unterscheidet, gerade in dem, was der Ar­tikel des "Kommunistischen Programms" "Abweichungen" nennt. Die Fraktion meinte: "Der Rahmen für die zukünftigen Parteien des Proletariats kann nur aus dem tief­greifenden Verständnis der Ursachen der Niederlagen hervorgehen. Und dieses Ver­ständnis darf weder durch Verbote noch  durch Verfemung beeinträchtigt werden.”(3)

 

Leute, für welche das Programm etwas "Vollendetes und Unveränderbares" ist, die den Marxismus in ein Dogma verwan­delt und Lenin zu einem unantastbaren Propheten gemacht haben, müssen es als unhaltbar annehmen, daß die Fraktion es gewagt hat, (da läuft es einem kalt den Rücken runter !) im Lichte der Realität nicht die Grundlagen des Marxismus, son­dern die politischen und programmatischen Positionen der bolschewistischen Partei und der Komintern zu überprüfen. Wenn man innerhalb des theoretischen Rahmens und der kommunistischen Bewegung eine Über­prüfung der politischen Positionen, die eine Rolle in Niederlagen gespielt haben, verlangt, die "weder durch Verbote noch durch Verfemung beeinträchtigt werden darf", dann ist das die wildeste Ketzerei; eine "Abschweifung" würde "Kommunistisches' Programm" dazu sagen.

 

Das große Verdienst der Fraktion -neben ihrem Festhalten am Marxismus und ihren Stellungnahmen zu den großen, wich­tigen Fragen, gegen die von Trotzki ver­langte Einheitsfront, gegen die Volksfront, gegen die Kollaboration und die Unter­stützung des Spanienkrieges, gegen die niederträchtigen Verschleierungsmethoden des Antifaschismus - lag darin, es gewagt zu haben, mit der Methode zu brechen, die damals in der revolutionären Bewegung überhand genommen hatte. Durch diese Me­thode war nämlich die Theorie zu einem Dogma, die Prinzipien in Tabus verwan­delt worden und jedes politische Leben erstickt worden. Ihr Verdienst war es, die Revolutionäre zu Debatten aufgeru­fen zu haben, was sie nicht zu "Abschwei­fungen" geführt hat, sondern in die Lage versetzt hat, reiche und wertvolle Bei­träge zu dem revolutionären Werk zu leisten.

 

Bei all ihrer Standhaftigkeit zu ihren Überzeugungen hatte die Fraktion die Bescheidenheit, nicht vorzutäuschen, alle Probleme gelöst zu haben und auf alle Fragen Antworten zu haben: "Wenn wir jetzt mit der Veröffentlichung die­ses Bulletins anfangen, glaubt unsere Fraktion nicht, endgültige Lösungen für die schrecklichen Probleme gefunden zu haben, vor denen die Proletarier aller Länder stehen."(4) Und selbst dann, wenn sie überzeugt war, Antworten geliefert

 

zu haben, verlangte sie nicht von anderen die einfache Anerkennung, die Übernahme dieser Antworten, sondern die kritische Überprüfung, die Konfrontation in den Diskussionen:  "Sie (die Fraktion) beabsichtigt nicht, die politisch 'Nahestehenden' dazu zu drängen, mit den von ihnen vorgeschlage­nen Lösungen für die augenblickliche La­ge einverstanden zu sein. Im Gegenteil, sie ruft alle Revolutionäre dazu auf, die von ihr verteidigten Positionen und grundlegenden politischen Dokumente im Lichte der Ereignisse zu überprüfen." Und im gleichen Sinne schrieb sie: "Unsere Fraktion hätte es vorgezogen, daß solch eine Arbeit (die Veröffentli­chung von "Bilan") von einem internatio­nalen Organismus getragen würde, weil wir von der Notwendigkeit der politischen Konfrontation zwischen den Gruppen, die die Arbeiterklasse in den verschiedenen Ländern repräsentieren, überzeugt sind," (Bilan, Nr.1)

 

Um die bestehenden Unterschiede zwischen den Vorstellungen der Fraktion und den der bordigistischen Partei hin­sichtlich der Art und Weise, wie die Be­ziehungen zwischen den kommunistischen Gruppen aussehen sollen, voll zum Vorschein treten zu lassen, genügt es, das oben aufgeführte Zitat von "Bilan" mit dem nach­folgenden Zitat aus "Kommunistisches Pro­gramm" zu vergleichen. So schreibt "Kommu­nistiches Programm" in Bezug auf ihre eigene sich"Partei" nennende Gruppe "'Parteikern' ? Im Vergleich zur 'kompak­ten und starken Partei von morgen', ganz gewiß. Aber Partei; eine Partei, die nur auf ihren eigenen Grundlagen wachsen kann, nicht durch die 'Konfrontation' verschie­dener Standpunkte, sondern durch den Kampf selbst gegen diejenigen, die ihr'nahezu­stehen' scheinen." (Kommunistisches Programm, Nr.18, S. 20). Wie kürzlich ein Sprecher der IKP in einer öffentlichen Veranstaltung von "Révolution Internatio­nale" (Sektion der IKS in Frankreich) in Paris sagte: "Wir kommen nicht, um zu d­iskutieren, auch nicht um unsere Standpunkte mit Euren zu konfrontieren, sondern nur um hier unseren Standpunkt kundzutun. Wir kommen zu eurer Veranstaltung, so wie wir zu den Veranstaltungen der stalinistischen Partei hingehen." Solch eine Einstellung beruht nicht auf der Standhaftigkeit von Überzeugungen, sondern sie beruht auf Selbstgefälligkeit und Arroganz. Das vor­getäuschte "vollendete und unveränderliche" Programm - als dessen Erben und Beschützer die Bordigisten sich ausgeben - verdeckt nichts anderes als einen enormen Größen­wahn.

 

Je mehr ein Bordigist von Zweifeln und Unverständnis erschüttert wird, desto mehr schwanken seine Überzeugungen; und so fühlt er immer stärker das Bedürfnis, morgens nach dem Aufstehen sich auf die Erde zu knien, den Kopf auf die Erde zu beugen, sich auf die Brust zu schlagen und die Litanei der Mohammedaner aufzu­sagen: "Gott, mein Gott ist der einzige Gott und Mohammed ist sein Prophet". Oder wie doch irgendwo Bordiga sagte: "Um Mit­glied der Partei zu sein, braucht man nicht alles zu verstehen und von allem überzeugt zu sein; es genügt, laß man glaubt und der Partei gehorcht."

 

Es handelt sich hier nicht darum, ausführlich auf die Geschichte der Frak­tion einzugehen, ihre Verdienste und Feh­ler, die Gültigkeit ihrer Positionen dar­zustellen. Wie sie selbst sagte, oft habe sie nur herumtasten können, aber ihr Bei­trag war umso größer, da sie ein politisch lebendiger Körper war, der es wagte, die Debatte zu eröffnen, ihre Positionen mit anderen zu konfrontieren, sie anderen ge­genüberzustellen, denn sie war nicht so verkalkt und größenwahnsinnig wie die bordigistische "Partei". Daher kann man verstehen, daß die Fraktion sich auf die Italienische Linke berufen konnte, wohin­gegen dies ein großer Mißbrauch ist, wenn die bordigistische Partei von "unserer Fraktion im Ausland" spricht.

 

 

Die Konstituierung der Partei

 

Die für das Proletariat unabdingbare Partei wird auf den soliden Fundamenten eines kohärenten Programms, auf klaren Prinzipien aufgebaut. Diese geben ihr eine allgemeine Orientierung, die möglichst klare Antworten auf die im Klassenkampf entstehenden politischen Probleme beinhal­ten. Dies hat überhaupt nichts gemein mit dem mythischen "vollendeten und unverän­derbaren" Programm der Bordigisten.

 

"In jeder Periode sehen wir, daß die Mö­glichkeit der Bildung der Partei bestimmt wird durch die Grundlage der vorherigen Erfahrung und der neuen Probleme, vor denen das Proletariat steht."(Bilan, Nr.1, S.15)

 

Was für das Programm zutrifft, trifft ebenfalls für die lebendigen politischen Kräfte, die die Partei physisch darstellen, zu. Die Partei ist sicher keine Ansammlung aller möglichen Gruppen und heterogenen politischen Tendenzen. Aber sie ist auch nicht der "monolithische Block", von dem die Bordigisten sprechen, und der übri­gens nie außer in ihrer Einbildung bestan­den hat. "In jeder Periode, in der die Bedingungen vorhanden sind für die Bil­dung der Partei, in der sich die Arbeiter­klasse als Klasse organisieren kann, wird die Partei auf folgende Punkte gegründet:

 

auf ein Bewußtsein der am meisten fort­geschrittenen Positionen, welche das Pro­letariat vertreten muß;

 

auf die wachsende Kristallisierung der Kräfte, die für die proletarische Revolution handeln können."(Bilan,Nr.1).

 

Nur sich selbst und niemand anderen aus Prinzip und a priori als einzige für die Revolution handelnde Kraft anzuer­kennen, zeugt nicht von revolutionärer Standhaftigkeit, sondern von Sektierergeist.

 

Als Engels die Bedingungen, unter denen die Erste Internationale gegründet wurde, ausführlich beschrieb, schrieb er: "Die Ereignisse und Wechselfälle im Kampf gegen das Kapital, die Niederlagen noch mehr als die Siege, konnten nicht verfeh­len, den Menschen die Unzulänglichkeit ihrer diversen Lieblingsquacksalbereien zum Bewußtsein zu bringen und den Weg zu vollkommener Einsicht in die wirkli­chen Voraussetzungen der Emanzipation der Arbeiterklasse zu bahnen." (MEW,Bd. 21, "Vorrede zum 'Manifest der Kommunis­tischen Partei'", englische Ausgabe von 1888, S. 353).

 

Die Wirklichkeit hat überhaupt nichts zu tun mit diesem Spiegel, vor dem die bordigistische "Partei" die meiste Zeit verbringt, und der ihr nichts anderes zeigt als ihr eigenes Bild. In der ganzen Geschichte der Arbeiterbewe­gung, d.h. in der Wirklichkeit, zeichne­te sich die Bildung der Parteien durch einen Zusammenschluß mit gleichzeitigem Herausschälen der Kräfte, die für die Revolution handeln können, aus. Andern­falls müßte man schlußfolgern, daß nie­mals eine andere Partei als die bordigis­tische existiert hat. Einige Beispiele: Der Bund der Kommunisten, dem sich Marx und Engels sowie ihre Freunde anschlossen, war der ehemalige Bund der Gerechten, der aus mehreren Gruppen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich, Belgien und Eng­land entstand, wobei sich die Strömung Weitlings aufgelöst hatte. Die Erste Internationale beinhaltete gleichzeitig die Auflösung der Sozialisten ä la Louis Blanc und Mazzini und den Zusammenschluß anderer Strömungen. Die Zweite Internatio­nale bedeutete die Auflösung der Anarchis­ten und den Zusammenschluß der marxisti­schen sozialdemokratischen Parteien. Die Dritte Internationale kam nach der Auf­lösung der Sozialdemokraten und faßte die revolutionären kommunistischen Strö­mungen zusammen. Das Gleiche finden wir wieder mit der Bildung der sozialdemokra­tischen Partei in Deutschland, die aus der Eisenacher und der Lassaller Partei hervorgegangen ist. Das Gleiche trifft für die sozialistische Partei Frankreichs zu, die ihren Ursprung in der Partei Gues­des und Lafargue und in der Jaures hat. Wiederum das Gleiche mit der Bildung der sozialdemokratischen Partei in Rußland, die aus isolierten über alle Städte und Gebiete Rußlands zerstreuten Gruppen her­vorgegangen war, wobei die Tendenz Stru­ves eliminiert wurde.

 

Man könnte hier weitere Beispiele aus der Geschichte der Parteigründungen aufführen; man findet immer diese gleiche Bewegung, die sich gleichzeitig durch Auflösung und Zusammenschluß vollzieht. Die kommunistische Partei Italiens selbst konstituierte sich auf der Grundlage der abstentionistischen Fraktion Bordigas und der Gruppe Gramscis nach der Auflö­sung der Maximalisten Seratis.

 

Es gibt keine gültigen Kriterien, die absolut und gleich für alle Zeiten währen. Es kommt darauf an, in jeder Epo­che klar zu definieren, welche die Krite­rien des Zusammenschlusses der Kräfte, und welche die Kriterien der Abgrenzung sind. Und genau das weiß die bordigisti­sche "Partei"nicht, die sich ohne Kri­terien mittels einer Zusammenwürfelung von Kräften konstituiert hat: der im Norden gegründeten Partei, Gruppen aus dem Süden mit einem Beigeschmack von Par­tisanen, der Tendenz Vercesis im antifa­schistischen Komitee Brüssels, der aus der Fraktion ausgeschlossenen Minderheit, die 1936 an den republikanischen Milizen im Spanienkrieg teilnahm, und schließlich der 1945 vorzeitig aufgelösten Fraktion. Wie man sehen kann, hat das "Kommunisti­sche Programm" allen Grund dazu, von Un­nachgiebigkeit, organischer Kontinuität zu sprechen und Lehren über Standhaftig­keit und revolutionärer Reinheit zu er­teilen. In der Verleumdung eines jeden Versuchs der Konfrontation und der De­batten zwischen revolutionären Gruppen handelt es sich hier keineswegs um Prin­zipienfestigkeit, auch nicht um politi­sche Kurzsichtigkeit, sondern ganz ein­fach um die Sorge für den Schutz und den Wohlerhalt der eigenen, kleinen Kapelle.

 

Im Übrigen variiert (entschuldigt die Invarianz) diese unheimliche - nur verbale - Unnachgiebigkeit der Bordigis­ten gegen jede "Konfrontation" und um so mehr noch gegen jede Umgruppierung, die von vornherein und ohne jedes Kriterium als ein konfuses Unterfangen abgestempelt wird je nach dem Augenblick und nach dem Geschmack. So haben sie 1949 einen "Auf­ruf zur internationalen Reorganisierung der revolutionären marxistischen Bewe­gung" veröffentlicht, den sie 1952 und 1957 wiederholten, in dem man lesen kann: "In Übereinstimmung mit der marxisti­schen Position...richten heute die Kommu­nisten der Italienischen Linke einen Auf­ruf an die revolutionären Arbeitergruppen aller Länder. Sie fordern sie dazu auf, einen langen und schwierigen Weg zu be­gehen, einen gewaltigen Versuch zu unter­nehmen, um sich auf internationaler Ebe­ne auf einer strengen Klassenbasis zu sammeln."(Programme Communiste, Nr.18/19 der franz. Ausgabe).

 

Aber es ist unbedingt notwendig, zwischen der bordigistischen Partei und jeder anderen Organisation unterscheiden zu wissen; man würde den schwersten Feh­ler begehen, wenn man glaubte, daß das, was der Partei erlaubt ist,- welch als Einzige ein "vollendetes und unveränder­bares" Programm besitzt - ebenfalls für eine einfache sterbliche Organisation der Revolutionäre zulässig sein dürfte. Die Partei hat Gründe, die die Vernunft nicht kennt und auch nicht kennen kann. Wenn die Bordigisten zu einer "interna­tionalen Sammlung" aufrufen, dann ist das reines, pures Gold, aber wenn andere revolutionäre Organisationen zu einer ein­fachen Konferenz zur Kontaktaufnahme und Diskussion aufrufen, dann ist das selbst­verständlich die größte Scheiße, "Prin­zipienhandel" und ein konfuses Unterfan­gen...Aber kommt das nicht wirklich daher, daß die Bordigisten sich heute mehr denn je in ihrer Verkalkung verrannt haben und daß sie fürchten, ihre schwankenden Positionen mit den lebendigen, revolu­tionären Strömungen zu konfrontieren, welche existieren und sich entwickeln ? Oder ziehen sie nicht vielmehr vor, sich zu verschließen und zu isolieren ?

 

Es ist interessant, die in diesem Sammlungsaufruf vorgebrachten Kriterien in Erinnerung zu rufen, die ja auch in dem kürzlich erschienenen Artikel wieder­holt wurden:

 

"Die Internationale Kommunistische Partei schlägt den Genossen aller Länder die fol­genden Prinzipien und Richtlinien vor:

 

1) Bejahung der Waffen der proletarischen Revolution: Gewalt, Diktatur, Terror;

 

2) Vollständiger Bruch mit der Tradition der Kriegsbündnisse, den Partisanenfron­ten und den 'nationalen Befreiungen',...

 

3)Historische Negation des Pazifismus, des Föderalismus zwischen den Staaten und der 'nationalen Verteidigung';

 

Verurteilung der gemeinsamen Sozial­programme und der politischen Bündnisse mit den nichtlohnabhängigen Klassen;

 

Ächtung des kapitalistischen Charak­ters der Sozialstruktur Rußlands;("Die Macht - der Staat in Rußland - wird von einer hybriden und komplexen Koalition ausgeübt, welche die internen Interessen der klein- und halbbürgerlichen Klassen, der versteckten Unternehmer und der  internationalen Kapitalistenklasse vertritt': (Schlußfolgerung: Mißbilligung jeder Unterstützung des russischen Militär Im­perialismus, kategorischen Defätismus gegen den Amerika)s."

 

Wir haben somit die sechs Überschrif­ten der Kapitel genannt, die alle durch Kommentare näher erläutert werden; sie hier wiederzugeben wäre allerdings zu lang. Es handelt sich auch nicht darum, im einzelnen diese Punkte hier zu behan­deln, obgleich ihre Formulierung zu wün­schen übrig lassen, insbesondere was die Frage des Terrors angeht, der als Prinzip und grundsätzliche Waffe der Revolution ausgegeben wird (5) oder weiterhin der subtile Unterschied in der Schlußfolge­rung zwischen der einzunehmenden Haltung gegenüber den USA Defätismus) und gegen­über Rußland (Mißbilligung). Oder noch ein anderer Punkt, nämlich diese seltsa­me (es ist das mindeste, was man sagen kann) Definition der Macht in Rußland, die nicht ganz einfach Staatskapitalismus sei, sondern eine "hybride Koalition der kleinbürgerlichen Klassen... und der in­ternationalen kapitalistischen Interessen". Man könnte ebenso auf die ausdrückliche Abwesenheit anderer Kriterien hinweisen, insbesondere auf die Forderung nach der Anerkennung des proletarischen Charak­ters der Oktoberrevolution oder weiter­hin die Notwendigkeit der Klassenpartei. Uns kommt es hier darauf an zu betonen, daß diese Kriterien in der Tat eine ernst­hafte Grundlage darstellen, wenn auch nicht für eine unmittelbare Sammlung, so doch mindestens für eine Kontaktaufnahme und Diskussion zwischen den bestehenden revo­lutionären Gruppen. Es ist die damals von der Fraktion benutzte Vorgehensweise, die wir auch heute fortsetzen: sie war die Grundlage des internationalen Treffens in Mailand im letzten Jahr. In der Dunkel­kammer ihrer Invarianz aber bräuchen die Bordigisten sowas heute nicht mehr..., weil sie ja schon die Partei konstituiert haben (mikroskopisch, aber immerhin eine Partei).

 

Doch ist dieser Aufruf damals schon von der IKP unterzeichnet worden, werden sich naive Leser fragen ? Ja,... aber es war damals nur die Internationa­listische Kommunistische Partei und noch nicht die Internationale Kommunistische Partei, - eine Nuance. Aber diese Inter­nationale Kommunistische Partei war Bestandteil der damaligen Internationalis­tischen Kommunistischen Partei, und sie gibt sogar vor, in der Mehrheit gewesen zu sein 1 "Ja aber", wird uns geantwortet, damals war sie dabei, ihre Konstitution zu vollenden, -eine Nuance 1 Aber heute beruft sie sich auf den Auf­ruf als ein Text der heutigen Partei 7

 

"Ja aber,    aber   aber....".

 

 

Da wir gerade bei diesem Punkt sind: kann man ein für allemal erfahren, seit wann diese "tapfere, mikroskopische Par­tei" besteht ? Es ist heute Mode - warum eigentlich? - zu bestätigen, daß die Partei erst im Jahre 1952 konstituiert wurde, und der oben zitierte Artikel be­steht auf diesem Datum.(6) Jedoch zitiert man in dem oben erwähnten Artikel grund­legende Texte aus dem Jahre 1946, eine Plattform stammt aus dem Jahre 1945, an­dere ebenso grundlegende Texte aus den Jahren 1948-49-51. Diese erwähnten Texte, der eine so grundlegend wie der andere, von wem stammen sie genau ? Von einer Partei, von einer Gruppe, von einer Frak­tion, von einem Kern, von einem Embryo ?

 

In Wirklichkeit konstituierte sich die IKP im Jahre 1943 im Norden Italiens nach dem Sturz Mussolinis. Dann rekonsti­tuierte sie sich ein zweites Mal nach der "Befreiung" des Nordens von der deutschen Besatzung; dies erlaubte den Gruppen, die sich in der Zwischenzeit im Süden gebil­det hatten, sich in die im Norden beste­hende Organisation zu integrieren und zu vereinigen. Um sich in diese Partei zu integrieren, spricht sich die Italieni­sche Fraktion der Linken Kommunisten fast einstimmig für die eigene Auflösung aus. Diese Selbstauflösung und die Konstituie­rungserklärung der Partei rufen in der GCI (Internationalen Kommunistischen Linken) Diskussionen und erbitterte Polemiken her­vor, was in Frankreich zu einer Spaltung in der Französischen Fraktion der Linken Kommunisten führt, von der nur die Min­derheit dieser Politik zustimmt und sich von der Mehrheit trennt. Diese spricht sich gegen die vorschnelle Auflösung der Italienischen Fraktion aus, verurteilt die Proklamation in Italien kategorisch und öffentlich als künstlich und volunta­ristisch; Sie stellt klar den Opportunis­mus heraus, der als politische Basis die­ser neuen Partei gedient hat.(7) Ende 1945 wird der erste Kongreß dieser Par­tei (IKP) abgehalten, der eine politische Plattform veröffentlicht und eine Zentral­direktion der Partei sowie ein interna­tionales Büro ernennt, das aus Vertretern der IKP, der französischen und belgischen Sektion zusammengesetzt ist. Der Artikel des "Kommunistischen Programms" bezieht sich auf "Elemente einer marxistischen Orientierung, unser Text aus dem Jahr 1946". 1948 gibt es von neuem programma­tische Texte der Partei usw. 1951 bricht die erste Krise innerhalb dieser Partei aus, die mit einer Spaltung zwischen 2 IKPs endet, von denen jede beansprucht, die Kontinuität der alten Partei zu sein, worauf "Kommunistisches Programm" nie verzichtet hat.

 

Heute erfindet man ein neues Datum der Bildung der Bordigistischen Partei. Warum ? Kommt es daher, daß erst im Jahre 1951 "unsere Strömung dieses kritische Bewußtsein hat erreichen können, dank der Kontinuität ihres Kampfes zur Vertei­digung einer wirklich allgemeinen und nicht zufällig linken Linie", so daß sie sich "zum organisierten kritischen Be­wußtsein, zum handelnden militanten Or­ganismus, zur Partei konstituieren konn­te."(Kommunistisches Programm, Nr.18, S. 15)     Aber wo waren doch die Bordigisten mit Bordiga zwischen 1943/45 und 1951 ? Was wird bei alle dem aus dem Programm, das seit 1848 immer unverändert geblieben ist: war es während dieser Jahre abhanden gekommen und konnten sie damals "dieses kritische Bewußtsein (noch nicht) errei­chen", welches ihnen ermöglichte, 1951 die Partei zu gründen ? Aber waren sie nicht seit 1943/45 als Mitglieder und führende Mitglieder organisiert ? Es ist schwierig, sehr schwierig über solch eine schwerwiegende Frage mit Leuten zu disku­tieren, die alle Begriffe verwechseln, die keine Unterscheidungen treffen können und nicht zwischen dem Augenblick der Schwangerschaft und dem der Geburt un­terscheiden können. Das sind Leute, die nicht wissen, was sie selber sind, und in welchem Stadium sie sich befinden, die sich "Partei" nennen und gleichzeitig die Notwendigkeit der Konstituierung der Partei herausschreien. Wie kann man Leute ernst nehmen, die nach der Angemessenheit des Tages den Zeitpunkt der Geburt 1943, 1945 oder gar 1952 festlegen, oder gar noch an einem weniger bestimmten Datum, in der Zukunft.

 

 

Mit dem Datum der Gründung der IKP verhält es sich genauso wie mit der Links-"Fraktion" im Ausland. Entweder beruft man sich darauf oder man verwirft sie, je nachdem, ob es ihnen paßt. Wie immer das auch mit dem Datum sein mag, was die Bildung der Partei angeht, "können (wir) aber auf Anhieb sagen, daß die Erlangung dieses kritischen Bewußtseins nicht von einer aufsteigenden Bewegung getragen wurde, sondern ganz im Gegenteil ihr weit vorausging."(Kommunistisches Programm, Nr.18, 5.15). Hier haben wir also wieder etwas Eindeutiges. Die Konstituierung der Partei wird keineswegs durch eine aufsteigende, wachsende Bewegung im Klassenkampf bestimmt, "sondern sie geht ihr im Gegen­teil weit voraus." Aber warum dann diesen Eifer, gleich hinzufügen, daß es darauf ankomme, "die wahre Partei,...die kompakte und starke Partei aufzubauen, die wir noch nicht sind" ? Im Grunde eine Partei,...die die Partei aufbaut. Mit anderen Worten, eine Partei, die keine ist. Aber warum ist diese Partei, die ein "vollendetes und unveränderbares" Programm besitzt, die ebenso das notwendige kritische und organisatorische Bewußtsein erreicht hat, warum ist sie nicht die "wahre Partei" ? Was fehlt ihr also, um es zu sein ? Sicher ist es keine Frage der Anzahl der Militan­ten, aber indem sie schreibt:"...die Par­tei (befand sich)'im Aufbau', und sie wuß­te, daß sie 'in ihrem Entstehungsprozeß begriffen' und nicht etwa ‚vollendet' war, ... Die Klassenpartei befindet sich immer im ‚Aufbau‘ von ihrer Entstehung bis zu ihrem Verschwinden..."(Kommunistisches Programm, S. 20, Nr.18), betreibt sie nur ein Wortspiel, um besser der erfragten Antwort auszuweichen und gleichzeitig geht sie über die Frage selbst hinweg. Es ist eine Sache zu sagen, daß der Eisprung eine Bedingung einer späteren Geburt ist, es ist allerdings eine andere Sache vorzu­täuschen, daß der Eisprung die eigentliche Geburt darstellt, das eigentliche Entstehen eines Lebewesens. Die geniale Originali­tät des "Kommunistisches Programms" besteht darin zu behaupten, daß beide ein und das­selbe sind. Mit solch einer Scheinargumen­tation kann man alles Mögliche beweisen. Die Notwendigkeit der Entwicklung und der andauernden Verstärkung einer wirklich existierenden Partei beweist nicht, daß sie schon existiert, genauso wenig wie die Notwendigkeit der Entwicklung und des Wachs­tums des Kindes nicht beweist, daß das Ei schon ein Kind ist, sondern nur zeigt, daß unter bestimmten Umständen das Ei ein Kind werden kann. Die dem einen gestellten Pro­bleme unterscheiden sich stark von jenen, die dem anderen gestellt werden.

 

Diese ganze Spitzfindigkeit der durch den dauernden Aufbau existierenden Partei und des durch die schon existierende Partei dauernden Aufbaus dient dazu, auf Schleichwegen die andere bordigistische Theorie der wirklichen Partei und der for­malen Partei einzuführen. Eine weitere Spitzfindigkeit ist die, nach der die wirk­liche Partei ein reines "historisches"

 

nicht notwendigerweise in der Realität exis­tierendes Phantom ist, und schließlich die formale Partei, die tatsächlich in der Wirklichkeit existiert, dies aber nicht unbedingt ausdrückt. In der bordigisti­schen Dialektik ist die Bewegung kein Zustand der Materie und somit etwas Mate­rielles, sondern eine metaphysische Kraft, welche die Materie schafft. So wird die Wendung aus dem Kommunistischen Manifest "diese Organisation der Proletarier zur Klasse, und damit zur politischen Partei" in der bordigistischen Vorgehensweise zu "mittels der Konstituierung der Partei wird das Proletariat zu einer Klasse". Das führt zu widersprüchlichen Schlußfolgerun­gen, die gleichzeitig auf die Scholastik hinweisen: entweder bestätigt man entgegen jeder Gewißheit der Partei, daß sie seit ihrem Erscheinen nie zu existieren aufge­hört hat (sagen wir seit Babeuf und seit den Chartisten) oder man geht von der offensichtlichen Tatsache aus, daß die Par­tei während längerer Zeiträume in der Ge­schichte nicht existiert hat, und man ge­langt zu der Schlußfolgerung, daß die Klasse dauernd oder nur zeitweilig verschwunden ist (Vercesi, Camatte). Die einzige Bestän­digkeit des Bordigismus liegt darin, sioh dauernd zwischen beiden Polen in dem Rah­men dieser scholastischen Vorgehensweise hin und herzubewegen.

 

Um mehr Klarheit zu erzielen, könnte man vielleicht die Frage auf eine andere Art stellen. Die Bordigisten definieren die Partei als eine Doktrin, als ein Pro­gramm und als eine Fähigkeit zur prakti­schen Intervention, als einen Willen zur Handlung. Diese etwas kurzgefaßte Defini­tion der Partei wird heute durch das ande­re Postulat vervollständigt: das Bestehen der Partei hängt nicht ab und muß im Gegen­teil absolut unabhängig sein von einem ge­gebenen Zeitraum. Nun sagt man uns, daß eine der beiden Grundlagen, das Programm und der Willen zur Handlung, auf die sich die Partei stützt, die erste Grundlage - das Programm - seit dem Kommunistischen Manifest 1848 vollendet und unveränderbar ist. Hier stehen wir vor einem offensicht­lichen Widerspruch: das Programm, als Essenz der Partei, ist vollendet, aber die Partei als Umsetzung des Programms befindet sich im unaufhörlichen Aufbau 1 Mehr noch: sie verschwindet sogar ganz und gar. Wie ist das möglich und warum

 

1852 löst sich der Bund der Kommunis­ten auf und verschwindet. Warum 7 Haben die Gründer des Programms, Marx und Engels, das Programm verloren 7 Man könnte vielleicht gegen sie vorgeben, daß sie den Willen zur Handlung verloren hätten, indem man sich auf die von ihnen vorgenommene Spaltung gegen die Minderheit (Willich-Schapper) des Bundes bezieht und auf ihre Zurückwei­sung des voluntaristischen Aktionismus dieser Minderheit verweist. Aber wäre das nicht ein Wandern von einer Absurdität zu einer anderen, noch größeren Absurdität 7 Was bleibt uns also anders übrig als die Auflösung - ob es den Bordigisten paßt oder nicht - durch eine damals eingetretene tiefgreifende Änderung der Situation zu erklären 7 Engels, der darüber Bescheid weiß, erklärt in diesen Begriffen das Ver­schwinden des Bundes: "Die Niederschlagung der Pariser Juni-Insurrektion von 1848 - dieser ersten großen Schlacht zwischen  Proletariat und Bourgeoisie - drängte die sozialen und politischen Bestrebungen der Ar­beiterklasse Europas zeitweilig wieder in den Hintergrund... Die Arbeiterklasse wurde beschränkt auf einen Kampf um po­litische Ellbogenfreiheit und auf die Position eines äußerlichen linkes Flü­gels der radikalen Bourgeoisie. Wo selbständige proletarische Bewegungen fortführen, Lebenszeichen von sich zu geben, wurden sie erbarmungslos nieder­geschlagen...-Sofort nach dem Urteilsspruch (des Prozesses der Kölner Kommunisten im Oktober 1852) wurde der Bund durch die noch verbliebenen Mitglieder formell aufgelöst."(MEW, Bd. 21, S. 353).

 

Diese Erklärung scheint unsere Bordi­gisten nicht zu überzeugen. Sie müssen sie im Übrigen vollkommen unnütz finden, denn für sie hat sich die Partei nie wirklich aufgelöst, da sie in der Person von Marx und Engels fortbestand. Um dies zu bejahen, zitieren sie als Stellenangabe einen witzi­gen Einfall aus einem Brief von Marx an En­gels, und wie jedesmal, wenn das ihnen in den Reim paßt, machen sie aus einem Wort, aus einem Satzteil und selbst aus einem witzigen Einfall in einem Brief eine Ab­solutheit, ein unveränderbares und unwan­delbares Prinzip.(8) Was die Existenz der Partei angeht: was war zwischen der Auflö­sung des Bundes der Kommunisten im Jahre 1852 und der Geburt der Internationalen 1864 geschehen ? Gemäß den Bordigisten überhaupt nichts, das Programm blieb unver­änderbar, der Willen zur Handlung war vor­handen, Marx und Engels waren da und die Partei mit ihnen. Nichts, überhaupt nichts Wichtiges schien passiert zu sein. Das scheint aber nicht die Meinung Engels ge­wesen zu sein, der schrieb: "Als die euro­päische Arbeiterklasse wieder genügend Kraft zu einem neuen Angriff auf die herr­schende Klasse gesammelt hatte, entstand die Internationale Arbeiterassoziation." (MEW,Bd, 21, S.353)

 

Wenn "Kommunistisches Programm" in sei­nem Artikel schreibt: ",..die revolutionäre marxistische Partei (ist) nicht das Produkt  der unmittelbaren Bewegung, d.h. der Auf­stiegs- und Rückflußphasen..."(S.20), ver­fälscht es entweder aus Unverständnis oder aus Absicht die Debatte, indem dieses klei­ne Wort "Produkt" - im franz. Text unter­strichen - eingeführt wird. Selbstverständ­lich, die Notwendigkeit einer Partei resul­tiert nicht aus besonderen Situationen, son­dern aus der allgemeinen historischen Lage der Klasse (dies lernt man im Grundkurs des Marxismus und das ist kein Grund, sich wegen solcher Sachen eines großen Wissens zu rühmen). Die Kontroverse bezieht sich nicht darauf, sondern ob wirklich die Exis­tenz der Partei an die Schwankungen dem Klassenkampfes gebunden ist oder nicht, ob spezifische Bedingungen noch notwendig sind, damit die Revolutionäre tatsächlich - und nicht nur in Worten - die Rolle er­füllen können, die der Partei auszuüben zukommt. Es reicht nicht aus zu sagen, daß ein Kind ein menschliches Produkt ist, um aus dieser Tatsache schlußzufolgern, daß die notwendigen Lebensbedingungen - Luft zum Atmen, Lebensmittel zur Ernährung, Pflege im Allgemeinen - ihm damit gleich­zeitig gegeben sind und ohne die Erfüllung dieser Bedingungen ist das Kind unwiderruf­lich verloren. Die Partei ist eine wirkungs­volle Intervention, eine treibende Kraft, ein tatsächlicher Einfluß im Klassenkampf und dies ist nur möglich, wenn der Klassen­kampf in einer aufsteigenden Entwicklung verläuft. Darin liegt der Unterschied zwischen der Partei und ihrer wirklichen Existenz gegenüber der Fraktion oder der Gruppe. Das hat die IKP noch nicht ver­standen und will es auch nicht verstehen.

 

Der Bund der Kommunisten konstituier­te sich mit dem Erstarken des Klassen­kampfes, der die Welle revolutionärer Kämpfe des Jahres 1848 ankündigte; eben­so löst sich derselbe Bund - wie wir ge­rade mit Engels festgestellt haben - mit den Niederlagen und dem Zurückweichen des Klassenkampfes auf. Dies ist keine vorüber­gehende, sondern eine allgemeine Tatsache, welche entlang der ganzen Arbeiterbewegung überprüfbar ist, und nicht anders sein konnte. Die Erste Internationale entstand, als die europäische Arbeiterklasse wieder genügend Kraft zu einem neuen Angriff auf die herrschende Klasse gesammelt hatte." Und wir können uns vollständig den Worten des Berichterstatters des Generalrates auf dem ersten Kongreß der Internationale anschließen, der damals auf die Angriffe der bürgerlichen Presse antwortete: "Nicht die Internationale hat die Streiks der Arbeiter ausgelöst, sondern es sind die Arbeiterstreiks, die der Internationa­le solche Stärke verleihen."

 

Die Internationale wiederum, wie beim Bund der Kommunisten, überlebte nicht lan­ge die blutige Niederlage der Pariser Kommu­ne und brach kurz darauf zusammen, trotz der Anwesenheit Marxens und Engels und des "vollendeten und unveränderbaren" Programms in ihrer Mitte.

 

Um das Gegenteil dessen zu beweisen, was wir gerade festgestellt haben, versucht der Artikel vergeblich zurückzugreifen auf "Konkrete Belege... Es gibt sogar Gebiete, wo ausgesprochen heftige Kämpfe stattge­funden haben (so in England und Nordameri­ka), wo...die Partei nicht einmal existiert  hat."("Kommunistisches Programm", S. 20). Hier handelt es sich um ein Argument, das überhaupt nichts beweist, außer die Tatsa­che, daß es keine mechanische Verbindung zwischen den Klassenkämpfen und dem Ent­stehen einer Partei gibt, und daß andere Faktoren bestehen, die dem Prozeß der Kon­stituierung der Partei entgegenwirken; daß im allgemeinen ein Abstand zwischen den objektiven Bedingungen und den subjektiven, zwischen dem Sein und der Bewußtwerdung be­steht. Wenn das Argument Gültigkeit haben soll, dann hätte uns das Gegenteil bewie­sen werden müssen, d.h. Beispiele aufge­zeigt werden müssen, wo die Partei sich außerhalb Zeiträume und Länder mit stei­gendem Klassenkampf des Proletariats ge­gründet hat. Es gibt keine Beispiele. Es sei denn, das einzige Beispiel würde auf­geführt (ganz zu schweigen von der IV. Trotzkistischen Internationale), das Bei­spiel der IKP. Aber es ist eine ganz ande­re Geschichte, nämlich die der Maus, die so groß sein wollte wie der Elefant. Die IKP war niemals eine Partei, außer dem Na­men nach.

 

Die Beispiele des Bundes der Kommunis­ten und der Ersten Internationale, die Bei­spiele der Geburt der Zweiten Internationa­le und ihr niederträchtiger Tod, und mehr noch die Bildung der III. Internationale und ihr schändliches Ende - sie ist stali­nistisch geworden - lassen uns zu der end- gültigen Überzeugung gelangen, daß die von der Italienischen Fraktion verteidigten Thesen, auf die wir uns auch vollständig berufen, Gültigkeit besitzen. Es handelt sich um die Unmöglichkeit der Bildung der Partei in einer Periode des zurückweichen­den Klassenkampfes.(9) Ganz anders lautet natürlich die Vorstellung des "Kommunisti­schen Programms": die Rekonstituierung der Partei sollte stattfinden, "bevor das Pro­letariat aus dem Abgrund, in dem es hinab­gestürzt war, wiederaufsteigt. Mehr noch: sie muß diesem Wiederaufschwung der prole­tarischen Klassenbewegung notwendigerweise  vorausgehen."(S.17)

 

Man versteht, daß der Artikel sich mit Nachdruck auf Lenins "Was Tun ?" bezieht, vor allem auf den Teil, der von dem trade­-unionistischen Bewußtsein der Arbeiter­klasse handelt. Denn wenn man genau hin­sieht, ist das die Grundlage der Argumen­tationsweise des Artikels der IKP, nicht mal so sehr die Überschätzung der Rolle der Partei und ihre Tendenz zum Größenwahn, sondern ihm liegt vor allem eine himmel­schreiende Unterschätzung der Fähigkeit der Bewußtwerdung der Klasse zugrunde ; ein tiefes Mißtrauen der Klasse gegenüber, und um alles zu sagen, eine kaum verdeckte Verachtung der Arbeiterklasse und ihrer Fähigkeit, die Welt zu begreifen.

 

"Und wenn diese Zukunft für uns Materia­listen sicher und unausweichlich ist, so nicht, weil innerhalb der Arbeiterklasse ein 'Reifungsprozeß des Bewußtseins' über ihre historische Mission stattfinden würde. Sie ist unausweichlich, weil die Arbeiter­klasse bevor sie es weiß und ohne daß sie es weiß, durch die objektiven Bedingungen dazu getrieben wird, für den Kommunismus zu kämpfen."(S.21, Nr.18, Kommunistisches Programm). Durch den ganzen Artikel hin­durch findet man diese verachtenden Kom­plimente für die Arbeiterklasse: eine rohe und abgestumpfte Masse, die ohne zu wissen und ohne zu verstehen handelt, die aber glücklicherweise von einer Partei geführt wird, die alles versteht, und die das Ver­ständnis an sich ist. Man gestatte uns dieser erdrückenden Verachtung die Meinung des alternden, aber frischen Engels gegen­überzustellen: "Für den schließlichen Sieg der im 'Manifest' aufgestellten Sätze ver­ließ sich Marx einzig und allein auf die intellektuelle Entwicklung der Arbeiter­klasse, wie sie aus der vereinigten Aktion und der Diskussion notwendig hervorgehen mußte."(Vorrede für "das Kommunistische Manifest", vierte deutsche Ausgabe, London, I. Mai 1890).

 

Jeder Kommentar erübrigt sich. Fahren wir fort. Gemäß der bordigistischen Vorstellung erfordert die Rekonstituierung der Partei - die vollständig von den konkreten Bedin­gungen getrennt ist - die theoretische Rei­fe und den Willen zum Handeln. Weiterhin wird in dem Artikel die folgende Ansicht vertreten, derzufolge die Fraktion "noch nicht die Partei, sondern erst ihr Vorspiel war, so nicht mangels praktischer Arbeit, sondern eher infolge der Unzulänglichkeit ihrer theoretischen Arbeit."(S.25) Das ist eine Ansicht und sie taugt, was sie taugt. Aber was versteht der Artikel gerade unter ausreichender theoretischer Arbeit ? Die Wiederherstellung, die Wieder­aneignung, die Aufrechterhaltung des "voll­endeten und unveränderbaren" Programms ? Vor allem ohne Überprüfung der Positionen der Vergangenheit, ohne Suche nach einer Antwort auf die neuen Probleme. Es ist vor allem diese Arbeit, die der Artikel der Fraktion zum Vorwurf macht, und die er als schwerwiegende Abweichungen betrachtet. Diese Museumskonservatoren, die ihre eige­ne Sterilität zum Ideal erhoben haben, wür­den gern glauben lassen, daß Lenin genau wie sie niemals etwas anderes gemacht hat als die vollendete Theorie Marxens "wieder­herzustellen". Vielleicht könnten sie mal darüber nachdenken , was Lenin zu der Fra­ge der Theorie gesagt hat :

 

"Wir betrachten die Theorie von Marx keineswegs als etwas Abgeschlossenes und Unantastbares: wir sind im Gegenteil davon überzeugt, daß sie nur das Fundament der Wissenschaft gelegt hat, die die Sozia­listen nach allen Richtungen weiterent­wickeln müssen (von Lenin unterstrichen), wenn sie nicht hinter dem Leben zurück­bleiben wollen."(Lenin, "Unser Programm", zweite Hälfte, 1899).

 

Der Artikel, aus dem dieses Zitat stammt, nennt sich gerade "unser Programm".

 

Und wie messen unsere Päpste des Marx­ismus den Grad der theoretischen Reife ? Gibt es solche festgelegten Maßstäbe ? Um nicht willkürlich vorzugehen, müssen die Maßstäbe auch nicht genau festgelegt werden, und es gibt keine bessere Art vor­zugehen als die theoretische Reife zu über­prüfen in ihrer Umsetzung in politischen Positionen, die man verteidigt.

 

Wenn man durch dieses Mittel die Rei­fe messen kann, und wenn dies der Haupt­maßstab für die Bildung der Partei ist, dann können wir ruhig aber mit der ganzen notwendigen Überzeugung sagen, daß die Bordigisten nicht im Jahre 1943, auch nicht 1945 und vor allem nicht 1952 die Partei hätten konstituieren sollen, sondern daß sie besser bis zum Jahre 2000 gewartet hätten. Jeder hätte dabei gewonnen, sie als erste.

 

Wir können noch nicht sagen, wie sich die kompakte und starke Partei von morgen bilden wird, aber, was heute feststeht, ist daß die IKP es nicht ist. Das Drama des Bordigismus ist, das sein zu wollen, was er nicht ist: die Partei, und das nicht sein zu wollen, was er ist: eine politische Gruppe. So erfüllt die IKP nicht - außer in Worten - die Funktionen der Partei, weil sie sie nicht erfüllen kann, und verwirk­licht auch nicht die Aufgaben einer poli­tischen Gruppe - die in ihren Augen schä­big sind. Wenn man ihre politische Reife nach ihren Positionen mißt und dabei ihre Entwicklung beobachtet, dann sieht es ganz danach aus, daß sie niemals ihr Ziel errei­chen wird, denn bei jedem Schritt vorwärts macht sie gleichzeitig 2 oder 3 Schritte zurück.

 

M.C.

 

 

FUSSNOTEN :

 

(1): Dieser Artikel ist auch zu finden in deutscher Sprache in "Kommunistisches Programm", Nr.18, Mai 1978.

 

Soweit die deutsche Übersetzung der IKP mit dem Originaltext übereinstimm­te, haben wir diese Übersetzung ver­wendet. Andernfalls haben wir selbst den Originaltext übersetzt.

 

(2): Programme Communiste, Nr.76, 5.5. Dieser Satz ist in der deutschen Über­setzung nicht zu finden.

 

(3) : Bilan, Nr.1, Vorwort, S.3

 

(4) : idem

 

(5) : Siehe unseren Artikel "Terror, Terro­rismus und Klassengewalt" in dieser Nummer, in dem dieses Thema ausführ­lich behandelt  wird.

 

(6) : Der Proletarier (franz. Ausgabe "Le Proléaire" vom 8/21 April 1978, Nr. 264) drückt sich noch deutlicher aus: "...die charakteristischen Thesen aus dem Jahre 1951, die den Geburtsakt und die Zugehörigkeitsgrundlagen dar­stellen."

 

(7)) : Siehe "L'Etincelle" und "Internatio­nalisme", Veröffentlichungen der linken Kommunisten Frankreichs bis 1952.

 

(8) : Es ist höchste Zeit, diesem unglaub­lichen Mißbrauch ein Ende zu setzen, den manche mit Zitaten betreiben, in­dem sie mit den Zitaten alles mögli­che ausdrücken wollen. Dies trifft besonders für die Bordigisten zu, hin‑

 

sichtlich der Vorstellung Marxens von der Partei. Vielleicht ist es nicht unnütz, den folgenden, etwas überra­schenden und rätselhaften Satz aus dem "Kommunistischen Manifest" zu ih­rer Aufmerksamkeit zu bringen, und sie darüber zum Nachdenken anzuregen und zu erklären zu versuchen: "Die Kommunisten sind keine besondere Par­tei gegenüber den anderen Arbeiter­parteien."(Kapitel II, "Proletarier und Kommunisten").

 

(9) : Es ist übrigens bekannt, daß Bordiga mehr als widerwillig der Erklärung der Konstituierung der Partei gegen­überstand und daß er widerwillig dem ihm gegenüber von allen Seiten ausgeübten Druck nachgegeben hat, um sich ihr anzuschließen. Vercesi sei­nerseits wartete nicht lange, bevor er die Bildung der Partei öffentlich in Frage stellte. Aber wer A sagt, muß auch B sagen. Man kann das Echo dieser Zurückhaltung in dem "Vorent­wurf der Prinzipienerklärung für das Internationale Büro der (neuen) inter­nationalen Kommunistischen Linke" fin­den, den er entworfen hat und in Bel­gien am Ende des Jahres 1946 veröffent­licht hat. Darin kann man lesen: "Der Prozeß der Umwandlung der Frak­tionen in eine Partei wurde von der kommunistischen Linke in seinen großen Linien nach einem Schema festgelegt, das besagt, daß die Partei erst dann in Erscheinung treten kann, wenn die Arbeiter Kampfbewegungen begonnen ha­ben, welche den Rohstoff zur Machtero­berung liefern."(Kommunistisches Pro­gramm, S. 24)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Terror, Terrorismus und Klassengewalt

Die Rolle der Revolutionäre lag so­mit darin, diese Kampagnen als das zu entlarven, was sie sind, und ebenso die stupide Unterwürfigkeit der linken Gruppen klar herauszustellen, die, wie z.B. einige trotzkistische Gruppen, ihre Zeit damit verbringen, die "Roten Brigaden" zu verwerfen, weil diese Aldo Moro "ohne ausreichende Beweise" und "ohne Zustimmung der Arbeiterklasse" verurteilt hätten,. Wenn die Revolutionäre den bürgerlichen Terror verurteilen und die Notwendigkeit der Gewaltanwendung für die Zerstörung den Kapitalismus durch die Arbeiterklasse bejahen, müssen sie sich gleichzeitig besonders klar sein über:

 

  • die wahre Bedeutung den Terrorismus
  • die zukünftige Form der von der Arbeiterklasse ausgeübten Klassenge­walt in ihrem Kampf gegen die Bourgeoisie.

     

    Und hier muss man auf das Bestehen verschiedener falscher Auffassungen selbst innerhalb solcher Organisationen, die die Klassenpositionen vertreten, hinweisen, die Gewalt, Terror und Terrorismus als synonym betrachten und davon ausgehen:

     

    • - dass ein "Arbeiterterrorismus" bestehen kann;
    • -dass gegenüber dem weißen Terror der Bourgeoisie die Arbeiterklasse diesem ihren eigenen revolutionären Terror gegenüberstellen muss, der gewissermaßen das Gegenstück sei.

       

      Wahrscheinlich ist es die bordigistische Internationale Kommunistische Partei (IKP "Kommunistisches Programm"), die sich am ausdrücklichsten zum Sprachrohr dieser Art Verwirrung gemacht hat, indem sie z.B. schreibt:

       

      "Vom Stalinismus verwerfen die Marchais und Pelikan nur die revolutionären Aspekte - die Einheitspartei, die Diktatur, den Terror -, welche sie von der proletarischen Revolution geerbt hatten." (Aus: "Programme Communiste" franz. Ausgabe, Nr.76, s. 87).

       

      So ist für diese Organisation der Terror, selbst wenn er vom Stalinismus verwendet wurde, dem Wesen nach revolutionär und es bestünde demnach eine Gleichheit zwischen den Methoden der proletarischen Revolution und den Methoden der schlimmsten Konterrevolution, die jemals die Arbeiterklasse getroffen hat.

       

      Außerdem neigte die IKP zur Zeit der Baader-Affäre dazu, die terroristischen Akte Baaders und seiner Gefährten als Ankündigung und als Beispiel der zu­künftigen Gewalt der Arbeiterklasse dar­zustellen- trotz der Vorbehalte gegenüber diesen, in die Sackgasse führenden Aktionen. So kann man in der Nr. 254 des "Le Prolétaire" lesen: "In dieser Gesinnung haben wir mit Unruhe den tragischen Epos Andreas Baaders und seiner Gefährten verfolgt, die an dieser Bewegung teilgenommen haben, der Bewegung der langsamen Akkumulation der Voraussetzungen des proletarischen Aufschwungs." Und etwas weiter: "der proletarische Kampf wird weitere Märtyrer kennen." Und schließlich erscheint die Idee eines "Arbeiterterrorismus" klar in Passagen wie: "Kurzum, um revolutionär zu sein, genügt es nicht, die Gewalt und den Terror der bürgerlichen Staaten zu verurteilen, man muss auch die Gewalt und den Terrorismus als unabdingbare Waffen der Befreiung des Proletariats beanspruchen"(Le Proletaire, Nr. 253).

       

      Gegenüber solchen Verwirrungen versucht der nachfolgende Text über die ein­fachen Definitionen der Lexika und des Sprachmissbrauchs, welche manche Revolutionäre in der Vergangenheit zufällig begangen haben, hinauszugehen und die bestehenden Unterschiede - von einem Stand­punkt des Klasseninhalts aus betrachtet - zwischen Terrorismus, Terror und Gewalt aufzudecken; insbesondere hinsichtlich der Gewalt, die die Arbeiterklasse für die Verwirklichung ihrer Befreiung gebrauchen wird.

       

      KLASSENGEWALT UND PAZIFISMUS

      Wenn man den Klassenkampf anerkennt, bedeutet das, dass man die Gewalt sofort als eines seiner grundlegenden und ihm innewohnenden Elemente akzeptiert. Das Bestehen von Klassen heißt, dass die Gesellschaft durch Interessengegensätze, durch unversöhnliche Interessen zerrissen wird. Die Klassen gründen sich auf der Basis dieser Antagonismen. Die zwischen den Klassen bestehenden gesellschaftlichen Beziehungen sind deshalb notwendigerweise die der Opposition und der Gegensätze, d.h. die Beziehungen des Kamp­fes.

       

      Das Gegenteil vorzutäuschen, d.h. zu behaupten, dass man diese Tatsachen durch den guten Willen der einen oder anderen bzw. durch die Zusammenarbeit und die Harmonie zwischen den Klassen überwinden könnte, hieße sich außerhalb der Realität zu stellen und wäre voll­kommen utopisch.

       

      Dass die ausbeutenden Klassen sich zu solchen Illusionen bekennen und sie verbreiten, ist nichts Überraschendes: Sie sind "von Natur aus" davon überzeugt, dass gar keine andere Gesellschaft, keine bessere Gesellschaft existieren kann als die Gesellschaft, in der sie die herrschende Klasse sind. Diese absolute und blinde Überzeugung wird ihnen durch ihre Interessen und Privilegien diktiert. Ihre Klasseninteressen und Klassenprivilegien stimmen mit dem Typ der Gesellschaft überein, die sie beherrschen; sie haben also ein Interesse daran, den beherrsch­ten und ausgebeuteten Klassen zu predigen, auf ihren Kampf zu verzichten, die bestehende Ordnung zu akzeptieren, sich den "historischen Gesetzen" zu unterwerfen, die die Herrschenden als unveränderlich ausgeben. Diese herrschenden Klassen sind somit gleichzeitig einerseits objektiv borniert, beschränkt und unfähig, die Dynamik des Klassenkampfes der unter­drückten Klassen zu verstehen. Andererseits sind sie subjektiv im höchsten Grade daran interessiert, die beherrsch­ten Klassen zur Aufgabe jeder Kampfbereitschaft zu bewegen, indem sie ihren Willen durch alle möglichen Mystifikationen zunichte machen.

       

      Aber die ausbeutenden Klassen sind nicht die einzigen, die solch eine Einstellung gegenüber dem Klassenkampf haben. Bestimmte Strömungen haben es für möglich gehalten, den Klassenkampf zu vermeiden, indem sie an die Intelligenz, an das bessere Verständnis, an die Menschen mit gutem Willen appellierten, um eine harmonische, brüderliche und gleichartige Gesellschaft zu schaffen. Dies waren z.B. die Utopisten zu Anfang des Kapitalismus. Im Gegensatz zur Bourgeoisie und ihren Ideologen waren die Utopisten keineswegs daran interessiert, den Klassenkampf zu vertuschen, um die Privilegien der herrschen­den Klassen aufrechtzuerhalten. Wenn sie den Klassenkampf vollständig umgingen, dann nur deshalb, weil sie die historischen Gründe des Bestehens von Klassen nicht verstanden. Hierin drückte sich die Unreife des Verstehens der Realität aus, in der das Bestehen des Klassenkampfes des Proletariats gegen die Bourgeoisie schon zur Tatsache geworden war. Obwohl sie das unvermeidliche Hinterherhinken des Bewusstseins gegenüber der Realität aus­drücken, sind sie ein Ausdruck dieses Versuches zum Bewusstsein zu gelangen, sind sie Elemente des theoretischen "Umhertastens" der Klasse. Deshalb wer­den sie mit vollem Recht als die Vorläufer der sozialistischen Bewegung angesehen, als ein bedeutender Beitrag zu der Bewegung, die in ihrer späteren Entwicklung mit dem Marxismus eine wissenschaftliche und historische Grundlage findet.

       

      Mit den humanistischen, pazifistischen und ähnlichen Bewegungen, die seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts aufgeblüht sind und die vorgeben, den Klassenkampf nicht zur Kenntnis zu nehmen, verhält es sich ganz anders. Diese leisten überhaupt keinen Beitrag zur Befreiung der Menschheit. Sie sind nur der Ausdruck der kleinbürgerlichen Klassen und Schichten, die historisch anachronistisch und machtlos sind. In der modernen Gesellschaft sind werden sie auf­gerieben, eingefangen in dem Kampf zwischen dem Kapital und dem Proletariat. Ihre Klassenübergreifende, gegen den Klassenkampf gerichtete Ideologie ist das Jammern einer unfähigen, verurteil­ten Klasse, die weder eine Zukunft im Kapitalismus und  noch weniger im Sozialismus, den das Proletariat ein­richten muss, hat. Sie sind erbärmlich und lächerlich, ihre Ideen und ihre politischen Verhaltensweisen, ihre Wehklagen, ihre Gebete und absurden Illusionen können nur den Weg und den Willen des Proletariats behindern. Aus dem gleichen Grunde sind sie jedoch im großen Maße vom Kapitalismus verwendbar, und sie werden tatsächlich vom Kapitalismus verwendet, der daran interessiert ist, alle Waffen für die Mystifizierung des Proletariats zu benutzen.

       

      Die Existenz der Klassen, des Klassenkampfes beinhaltet notwendigerweise Klassengewalt. Nur jämmerliche Heuler und ausgemachte Schwindler (d.h. Sozialdemokraten) können dies leugnen. Auf einer allgemeinen Ebene ist die Gewalt ein Charakteristikum des Lebens und man findet sie während der ganzen Entwicklung des Lebens vor. Jede Handlung beinhaltet einen gewissen Grad von Gewalt, da sie das Erzeugnis einer dauernden Störung des Gleichgewichts ist, welche aus dem Aufeinandertreffen entgegen gesetzter Kräfte resultiert. Die Gewalt ist in den Beziehungen zwischen den ersten Menschengruppen vorhanden; sie drückt sich übrigens nicht notwendigerweise in der Form von offener, physischer Gewalt aus. Gewalt bedeutet alles, was ein Aufzwingen, Zwang, Herstellen eines Kräfteverhältnisses, Drohung ist. Gewalttätig ist weiterhin all das, was zur physischen oder physiologischen Aggression gegen andere aufruft, aber ebenso wenn diese oder jene Situation oder Entscheidung aufgezwungen wird aufgrund der Tatsache, dass man im Besitz der Mittel dieser Aggression ist - ohne sie tatsächlich zu beanspruchen, aber obgleich Gewalt in dieser oder jener Form sich manifestiert, sobald Besitz oder Leben existiert, bewirkt  die Spaltung der Gesellschaft in Klassen, dass die Gewalt eine der prinzipiellen Grund­lagen der gesellschaftlichen Beziehungen ist, die im Kapitalismus fürchterliche Ausmaße annimmt.

       

      Jedes System der Ausbeutung von Klassen gründet seine Macht auf Gewalt, eine ständig wachsende Gewalt, die solche Ausmaße annimmt, dass sie zur Hauptinstitution der Gesellschaft wird. Die Ge­walt dient als Hauptstütze, die jegliche gesellschaftliche Gebilde abstützt und aufrechterhält, ohne welchen die Gesellschaft sofort zusammenbrechen würde. Als ein notwendiges Produkt der Ausbeutung einer Klasse durch eine andere wird die organisierte, konzentrierte Gewalt unter der höchst entwickelten Form den Staates, dialektisch zu einer grundsätzlichen Vorbedingung für die Existenz und die Aufrechterhaltung der Ausbeutungsgesellschaft. Dieser immer mehr bluttriefenden und mörderischen Gewalt der ausbeutenden Klassen können die ausgebeuteten und unterdrückten Klassen nur ihre eigene Ge­walt gegenüberstellen, wenn sie sich befreien wollen. An die "humanitären" Ge­fühle der ausbeutenden Klassen zu appellieren, wie es die Religiösen à la Tolstoi und Gandhi getan haben, oder die Sozialisten im Kaninchenfell, heißt an Wunder zu glauben, hieße von Wölfen zu er­warten, nicht mehr Wölfe zu sein, um sich in Lämmer zu verwandeln, hieße die Kapitalistenklasse zu bitten, nicht mehr Kapitalistenklasse zu sein, um sich zur Arbeiterklasse zu verwandeln.

       

      Der Gewalt der ausbeutenden Klasse, die dem Wesen dieser Klasse immanent ist, kann nur durch die revolutionäre Gewalt der unterdrückten Klassen ein Ende gesetzt werden. Dies zu verstehen, es vor­herzusehen, sich darauf vorzubereiten, sie zu organisieren, ist nicht nur eine entscheidende Vorbedingung für den Sieg der unterdrückten Klassen, sondern es garantiert auch den Sieg mit dem geringsten Leiden und in kürzester Zeit. Jemand der daran die geringsten Zweifel hat, der deswegen zögert, ist kein Revolutionär.

       

      DIE GEWALT DER AUSBEUTENDEN UND HERRSCHENDEN KLASSEN : DER TERROR

      Wir haben gesehen, dass Ausbeutung ohne Gewalt undenkbar ist, dass beide organisch untrennbar miteinander verbunden sind. Obgleich man sich Gewalt außerhalb von Ausbeutungsverhältnissen vorstellen kann, ist Ausbeutung nur mit und durch Gewalt zu verwirklichen. Das eine verhält sich zum anderen wie die Lungen zur Luft, die Lungen können nicht ohne Sauerstoff funktionieren.

       

      Genau wie beim Übergang des Kapitalismus zum Imperialismus erreicht auch die Gewalt verbunden mit der Ausbeutung eine neue und besondere Qualität. Sie ist nicht mehr eine zufällige oder zweitrangige Tatsache, sondern sie wird zu einem andauernden Zustand in allen Bereichen des sozialen Lebens. Sie durchsetzt alle Beziehungen, dringt in alle Poren der Gesellschaft ein, sowohl auf allgemeiner Ebene als auch in sog. persönlichen Beziehungen. Ausgehend von der Ausbeutung und ihren Bedürfnissen der Unterwerfung der produzierenden Klasse penetriert die Gewalt alle Beziehungen zwischen den Klassen und Schichten der Gesellschaft, zwischen den industrialisierten und unterentwickelten Ländern, zwischen den industrialisierten Ländern selber, zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Lehrern und Schülern, zwischen den Individuen, zwischen Regierenden und Regierten. Sie spezialisiert, strukturiert, organisiert und konzentriert sich in einem abgehobenen Organismus: dem Staat, mit seinen Armeen, seiner Polizei, seinen Gefängnissen, seinen Gesetzen, seinen Beamten und Folter­knechten, und dieser Organismus neigt dazu, sich über die Gesellschaft zu erheben und sie zu dominieren.

       

      Um die Ausbeutung den Menschen durch den Menschen sicherzustellen, wird die Gewalt zur ersten Aktivität der Gesellschaft, für welche diese einen ständig steigenden Teil ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Mittel ausgibt. Die Gewalt erlangt den Status der Kultur, der Kunst, der Wissenschaft. Eine angewandte Wissenschaft, nicht nur in Bezug auf die militärische "Kunst", auf die Waffentechnik, sondern in Bezug auf alle Bereiche, auf allen Ebenen, in der Organisierung von Konzentrationslagern, in den Einrichtungen von Gaskammern, in der "Kunst" der schnellen und massiven Auslöschung ganzer Bevölkerungen, in der Schaffung von richtigen Universitäten wissenschaftlicher und psychologischer Folter, in denen eine Unzahl diplomierter und anerkannter Folterer ausgebildet wird. Eine Gesellschaft, die nicht nur wie Marx feststellte "Kot und Blut aus allen Poren schwitzt", sondern die keinen Augenblick weder leben noch atmen kann außer­halb einer vergifteten und ansteckenden Atmosphäre von Kadavern, Tod, Zerstörung, Massakern, Leiden und Folter. In solch einer Gesellschaft, in der die Gewalt sich unendlich potenziert hat, ändert diese ihre Qualität - Gewalt wird zu Terror.

       

      Von der Gewalt im allgemeinen zu sprechen, ohne sich auf die konkreten Bedingungen zu beziehen, auf die historischen Epochen, auf die Klassen, welche sie ausüben, heißt, nichts von dem wahren Gehalt der Gewalt zu verstehen, der aus ihr eine unterschiedliche Qualität in auf Ausbeutung beruhenden Gesellschaf­ten macht. Auch versteht man nicht den Grund dieser grundlegenden Umwandlung der Gewalt zu Terror, die nicht auf eine einfache Frage der Quantität reduziert werden kann. Wenn man diesen qualitativen Unterschied zwischen Gewalt und Terror nicht begreift, begeht man den gleichen Fehler wie derjenige, der von der Ware sprechend, zwischen der Antike und dem Kapitalismus nur einen quantitativen Unterschied sieht, ohne auch nur den grundlegend qualitativen Unterschied zwischen den beiden Produktionsformen zu erfassen.

       

      In dem Maße wie die in antagonistische Klassen gespaltene Gesellschaft sich weiterentwickelt, wird die Gewalt in den Händen der ausbeutenden und herrschenden Klasse einen neuen Charakter annehmen: den des Terrors. Der Terror ist keine Eigenschaft und auch kein Mittel der revolutionären Klassen zur Durchführung ihrer Revolution. Hier haben wir eine rein formale und sehr oberflächliche Vorstellung, die darauf hinausläuft, den Terror als die revolutionäre Aktion par excellence zu glorifizieren. Denn dieser Vorstellung zufolge kommt man zum folgenden Axiom: "Je stärker der Terror, desto tief greifender und radikaler ist die Revolution." Aber dies wird durch die Geschichte voll­ständig widerlegt. Die Bourgeoisie hat ihn während ihres ganzen Bestehens und nicht nur in Zeiten ihrer Revolution (1848 und die Pariser Commune 1871) gebraucht und perfektioniert. Der Terror erreicht aber genau dann seinen Höhepunkt, wenn der Kapitalismus dekadent wird. Der Terror ist nicht der Ausdruck den revolutionären Wesens und der Aktion der Bourgeoisie während des Augenblicks ihrer Revolution, selbst wenn er in Zeiten der Revolution spektakuläre Erscheinungsweisen annahm. Er ist vielmehr ein Ausdruck des Klassencharakters der Ausbeutung. Wie jede ausbeutende Klasse kann auch die Bourgeoisie ihre Macht nur auf Terror stützen. Die Revolutionen, die die Machtübernahme der verschiedenen ausbeutenden Klassen sichergestellt haben, waren keineswegs die Vorfahren des Terrors, sondern sie übertrugen den Terror nur von einer Klasse auf die nächste ausbeuten­de Klasse. Die Bourgeoisie perfektioniert und verstärkt ihren Terror nicht so sehr, um ihn gegen die alte herrschende Klasse zu richten und mit ihr Schluss zu machen, sondern vielmehr um ihre Herrschaft über die Gesellschaft im allgemeinen und gegen die Arbeiterklasse im besonderen zu behaupten. Somit ist der Terror in der bürgerlichen Revolution kein Ziel, sondern eine Kontinuität, weil die neue Gesellschaft eine Fortsetzung der Gesellschaften der Ausbeutung den Menschen durch den Menschen ist. Die Gewalt in den bürgerlichen Revolutionen ist kein Ziel der Unterdrückung, sondern eine Kontinuität der Unterdrückung. Deshalb konnte die Gewalt nur die Form des Terrors annehmen.

       

      Zusammenfassend können wir den Terror als eine besondere Gewalt der ausbeuten­den und herrschenden Klassen bezeichnen. Der Terror wird nur verschwinden mit dem Verschwinden der ausbeutenden Klassen. Seine besonderen Kennzeichen sind:

       

      1.- organisch an Ausbeutung gebunden zu sein, und zu ihrer Ausübung gebraucht zu werden;

       

      • die Handlung einer privilegierten Klasse zu sein;
      • die Handlung einer Klasse zu sein, die gesellschaftlich in der Minderheit ist;

         

        2.- die Handlung eines spezialisierten Organismus zu sein, der sorgfältig ausgewählt wurde, in sich selbst ab­geschlossen ist und dazu neigt, sich jeder Kontrolle der Gesellschaft zu entziehen;

         

        • sich endlos zu reproduzieren und zu perfektionieren, sich auf alle Be­reiche, auf alle in der Gesellschaft bestehenden Beziehungen auszudehnen;

           

          3.- keine andere Daseinsberechtigung zu haben als die Unterwerfung und Niederschlagung der menschlichen Gemeinschaft;

           

          • feindliche Gefühle und Gewalt zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu entwickeln: Chauvinismus, Nationalismus, Rassismus und andere Monstrositäten;
          • egoistische Gefühle und Verhaltens­weisen zu entwickeln, sadistische Aggressivität, Rachegefühle,
          • einen endlosen, tagtäglichen Krieg von je­dem gegen jeden zu entfachen, was die ganze Gesellschaft in einen Zu­stand des Terrors ohne Ende stürzt.

             

            DER TERRORISMUS DER KLEINBÜRGERLICHEN KLASSEN UND SCHICHTEN

            Die kleinbürgerlichen Klassen (Bauern, Handwerker, kleine Geschäftsleute, freiberuflich Tätige, Intellektuelle) bilden in der Gesellschaft keine grundlegenden Klassen. Sie weisen weder eine spezifische Produktionsweise auf, noch bieten sie ein Gesellschaftsprojekt an. In marxistischen Begriffen betrachtet sind sie keine historischen Klassen. Selbst wenn ihre oberen Schichten ihre Einkommen aus der Ausbeutung fremder Arbeitskraft beziehen und somit zu den Privilegierten gehören, sind sie in ihrer Gesamtheit der Herrschaft der Kapitalistenklasse unterworfen, welche ihre Gesetze und ihre Unterdrückung auch über sie ausübt. Für sie gibt es keine Zukunft als Klassen. In den oberen Schichten besteht das Größte, wonach sie streben, darin, einzeln in die Kapitalistenklasse aufsteigen zu können. Die unteren Schichten sind unersättlich dazu verurteilt, ihr ganzes Eigentum und ihre "Unabhängigkeit" zu verlieren und sich zu proletarisieren. Die große Masse von ihnen ist zum Vegetieren, Dahinsiechen verurteilt, ökonomisch und politisch durch die Herrschaft der Kapitalistenklasse aufgerieben. Ihr politisches Verhalten wird durch das Kräfteverhältnis zwischen den beiden grundlegenden Klassen bestimmt; zwischen den Kapitalisten und dem Proletariat. Ihr aussichtsloser Widerstand gegen die erbarmungslosen Gesetze des Kapitals führt sie zu einer fatalistischen und passiven Verhaltens- und Denkweise. Ihre Ideologie ist die des individualistischen "Rette sich wer kann"; auf allgemeiner Ebene besteht diese aus den verschiedenen Arten jämmerlicher Klagen, der Suche nach Trost über das Elend, den unfähigen und lächerlichen pazifistischen Predigten aller Art sowie im Humanismus.

             

            Materiell niedergeschlagen, ohne irgendeine Zukunft, in einem fortdauern­den Vegetieren verfangen, sind sie in ihrer Verzweiflung ein leichtes Opfer für all die Mystifikationen, angefangen von den pazifistischen (religiösen Sekten, Naturalisten, Gewaltlosen, Atombombengegnern, Hippies, Umweltschützern, Kernkraftwerkgegnern) bis hin zu den blutrünstigen (Schwarzen Pogrom-Anfachern, Rassisten, Ku-Klux-Klan, faschistischen Banden, Gangstern und Söldnern aller Art usw.). Es ist der Heldenmut der Feigen, der Mut der Angsthasen, der Ruhm der gemeinen Mittelmäßigkeit. Nachdem der Kapitalismus sie in die größte Misere gestürzt hat, findet er in ihnen eine unerschöpfliche Reserve für das Anwerben der Helden des Terrors.

             

            Wenn es auch manchmal in der Geschichte zu Wut- und Gewaltausbrüchen seitens dieser Klassen gekommen ist, blieben diese Explosionen sporadisch und sie sind nie über die Bauernaufstände und Revolten hinausgegangen, denn ihnen öffnete sich nie eine andere Perspektive als niedergemetzelt zu werden. Unter dem Kapitalismus verlieren diese Klassen vollständig ihre Unabhängigkeit und sie dienen nur als Kanonenfutter und als Schachfiguren für die Zusammenstöße, in denen die verschiedenen Fraktionen der herrschenden Klasse sowohl innerhalb als auch außerhalb der nationalen Grenzen aufeinander treffen. In den Augenblicken der revolutionären Bewegung und unter bestimmten günstigen Umständen kann die gewaltige Unzufriedenheit eines Teils dieser Klassen als zusätzlich wirkende Kraft dem Kampf des Proletariats dienen.

             

            Der unvermeidliche Prozess der Verarmung und der Proletarisierung der unteren Schichten dieser Klassen ist ein extrem schwieriger und schmerzvoller Prozess, der eine Bewegung zuge­spitzter Revolte hervorbringt. Die Kampf­bereitschaft dieser Kreise, die vor­wiegend aus Handwerker- und sozial deklassierten ­Intellektuellenkreisen stammen, beruht eher auf ihrer zur Verzweiflung treibenden Lage als Individuen als auf dem Kampf des Proletariats, dem sie sich nur schwer anschließen können. Was die­se Kreise vorwiegend auszeichnet, ist ihr Individualismus, ihre Ungeduld, ihr Skeptizismus und ihre Demoralisierung. Ihre Handlungen zielen eher auf spektakulären Selbstmord ab als auf ein besonderes Ziel. Nachdem sie ihre ehemalige "sichere Position" in der Gesellschaft verloren und jetzt keine Zukunft mehr vor sich haben, erleben sie einen Zu­stand der Misere und der erbitterten Revolte gegen diese unmittelbar erfahrene Misere. Selbst wenn sie durch einen Kontakt mit der Arbeiterklasse und mit ihrer historischen Aufgaben angeregt werden, so erreichen sie auch nur eine entstellte, deformierte Vorstellung und diese geht selten  über die Ebene der Fantasie und der Träume hinaus. Ihr wahres Wirklichkeitsbild bleibt beschränkt und borniert, dem Zufall überlassen.

             

            Die politische Ausdrucksweise dieser Bewegung nimmt extrem verschiedene Formen an, welche reichen von der streng individuellen Haltung bis hin zu den verschiedenen geschlossenen Sekten, Verschwörungen, Komplotten, Putschismus, exemplarischem Handeln bis hin zum Extrem: dem Terrorismus.

             

            Das, was in dieser Vielfalt ihre Einheit darstellt, ist ihre Unkenntnis der objektiven und historischen Bestimmungsgründe der Bewegung des Klassenkampfes, ihr mangelndes Verständnis der historischen Subjekte der modernen Gesellschaft, das alleine die soziale Umwälzung garantieren kann, nämlich das Proletariat.

             

            Die Erklärung für das anhaltende Auftreten dieser Strömung liegt in dem unaufhörlichen Prozess der Proletarisierung dieser Schichten während der ganzen Geschichte des Kapitalismus. Ihre Viel­falt und Unterschiede sind das Produkt ihrer lokalen und beschränkten Situationen. Dieses soziale Phänomen hat die Geschichte der Herausbildung der Arbeiterklasse „begleitet“, und es befindet sich somit in unterschiedlichem Maße mit der Arbeiterbewegung verwickelt. Dabei war es diesem sozialen Phänomen gelungen, Ideen in die Arbeiterbewegung einzubringen und Verhaltensweisen zu verbreiten, die der Arbeiterklasse fremd sind. Dies trifft besonders auf den Terrorismus zu.

             

            Wir müssen unbedingt auf diesem Hauptpunkt bestehen, wir dürfen bei diesem Thema keine Zweideutigkeit dulden. Es stimmt, dass zu Beginn der Bildung der Arbeiterklasse das Proletariat in seinem Bestreben sich zu organisieren, noch nicht die passende Form fand und mit Organisationsformen der geheimen, verschwörerischen Gesellschaften arbeitete, die das Erbe der bürgerlichen Revolution waren. Aber das ändert überhaupt nichts an dem Klassencharakter dieser Formen und an der Unzulänglichkeit gegenüber dem neuen Inhalt, dem Klassenkampf des Proletariats. Das Proletariat wurde schnell davon über­zeugt, sich von diesen Organisationsformen und Handlungsweisen loszulösen und sie endgültig zu verwerfen.

             

            So wie die theoretische Ausarbeitung unvermeidlich ein utopisches Stadium durchlaufen musste, musste auch die politische Organisationsbildung der Klasse unvermeidlich die Stufe der verschwörerischen Sekten durchmachen. Aber es ist wichtig, nicht noch die Verwirrungen zu verstärken, aus der Not keine Tugend zu machen, nicht die verschiedenen Stufen der Bewegung zu verwechseln und unter­scheiden zu wissen zwischen der unter­schiedlichen und gegensätzlichen Bedeutung ihrer Ausdrucksformen in den verschiedenen Stadien.

             

            So wie sich der utopische Sozialismus bei dem Erreichen eines gewissen Stadiums der Arbeiterbewegung von einem großen, positiven Beitrag in eine Fessel für ihre spätere Entwicklung verwandelt, sind auch auf der gleichen Weise und im gleichen Stadium die verschwörerischen Sekten zu negativen Zeichen einer drohenden Sterilisierung der Bewegung geworden.

             

            Von nun an leistet die Strömung, die jene in einem schwierigen Proletarisierungsprozess befindenden Schichten repräsentiert, keinen Beitrag mehr zu der sich schon entwickelnden Klassenbewegung. Diese Strömung fordert nicht nur die Organisationsform der Sekten und verschwörerische Methoden, sondern bei einer immer größeren Diskrepanz zur realen Bewegung wird sie dazu geführt, diese Forderung bis ins Äußerste zu treiben, daraus eine Karikatur zu machen, die ihren extremen Ausdruck in der Befürwortung der terroristischen Aktionen findet.

             

            Der Terrorismus ist nicht nur die Aktion des Terrors. Es dabei zu belassen, hieße auf einer terminologischen Ebene zu bleiben. Was wir herausstellen und unterstreichen wollen, sind die soziale Bedeutung und der Unterschied, der hinter diesen Begriffen steckt. Der Terror ist ein strukturiertes, permanentes von den ausbeutenden Klassen ausgeübtes Herrschaftssystem. Der Terrorismus dagegen ist eine Reaktion der unterdrückten Klassen. Es handelt sich um eine vorübergehende Reaktion, um Racheaktionen, die ohne Kontinuität und Zukunft sind.

             

            Wir finden eine anregende Beschreibung dieser Art Bewegung im Falle Panait Istratis und seiner Heiducken in der Geschichte Rumäniens am Ende des 19. Jahrhunderts. Das Gleiche findet sich wie­der im Terrorismus der russischen Narodniki und ebenfalls, selbst wenn sie als verschieden erscheinen, bei den Anarchisten und der "Bonnot-Gang". Sie zeigen alle das gleiche Wesen auf: die Rache der Machtlosen, weil sie machtlos sind. Sie sind nie die Ankündigung von etwas Neuem, sondern der verzweifelte Ausdruck eines Endes, nämlich des eigenen Endes.

             

            Als ein gewaltsames Aufmucken der Machtlosen kann der Terrorismus nicht den Terror der herrschenden Klasse erschüttern. Es ist wie ein Mückenstich in die Haut eines Elefanten. Dagegen kann  und wird er oft vom Staat zur Rechtfertigung und Verstärkung dessen Terrors benutzt.

             

            Wir müssen unbedingt den Mythos verurteilen, demzufolge der Terrorismus als Sprengkapsel dazu diene oder dazu dienen könne, den Kampf des Proletariats in Gang zu setzen. Es wäre zumindest recht einzigartig, dass eine Klasse mit historischer Zukunft als Sprengkapsel ihres eigenen Kampfes eine zukunftslose Klasse suchen müsste. Es ist vollkommen absurd vorzutäuschen, dass der Terrorismus der radikalisierten Schichten der Kleinbourgeoisie das Verdienst habe, in der Arbeiterklasse die Auswirkungen der demokratischen Verschleierungen der bürgerlichen Legalität zu zerstören und ihr den unvermeidlichen Weg zur Gewalt klarzumachen. Das Proletariat hat von dem radikalen Terrorismus keine Lehren zu ziehen, ab­gesehen davon, dass es von ihm abrücken und ihn zurückweisen soll, denn die im Terrorismus beinhaltete Gewalt befindet sich grundsätzlich auf bürgerlichem Bo­den. Zu einem Verständnis der Notwendigkeit und Unabdingbarkeit der Gewalt kommt das Proletariat aufgrund seiner eigenen Existenz, mittels seines eigenen Kampfes, seiner eigenen Erfahrung, der Konfrontationen mit der herrschenden Klasse. Es ist eine Klassengewalt, die sich dem Wesen, dem Inhalt, der Form und den Methoden nach sowohl vom kleinbürgerlichen Terrorismus als auch vom Terror der herrschenden ausbeutenden Klasse unterscheidet.

             

            Es stimmt, dass die Arbeiterklasse im allgemeinen eine Haltung der Solidarität und der Sympathie einnimmt, zwar nicht gegenüber dem Terrorismus, den sie als Ideologie, als Organisationsform und als Methode verurteilt, sondern gegenüber den Kreisen, die vom Terrorismus in die Sackgasse geführt werden. Dies aus den folgenden Gründen:

             

            1.- weil diese Elemente gegen die bestehende Ordnung des Terrors revoltieren, auf dessen grundlegende Zerstörung das Proletariat hinarbeitet ;

             

            2.- weil diese Leute genau wie die Arbeiterklasse ebenso die Opfer der schrecklichen Ausbeutung und Unterdrückung durch die Todfeinde des Proletariats sind - die Kapitalistenklasse und ihr Staat. Die einzige Art für das Proletariat seine Solidarität mit diesen Opfern zu zeigen, liegt darin, zu versuchen, sie aus der tödlichen Sackgasse - dem Terrorismus -, in die sie sich verrannt haben - vor den Henkern des staatlichen Terrors zu retten.

             

            DIE KLASSENGEWALT DES PROLETARIATS

             

            Wir brauchen hier nicht auf der no­twendigen Gewalt des Klassenkampfes des Proletariats zu bestehen. Wir würden da­mit offene Türen einrennen, denn seit fast zwei Jahrhunderten, seit den "Gleichen" Babeufs, verfügen wir über die theoretische Erklärung und über die praktische Erfahrung ihrer Notwendigkeit und Unvermeidbarkeit. Es ist ebenso eine Zeitverschwendung zu wiederholen, als ob dies eine neue Erkenntnis sei, dass alle Klassen Gewalt anwenden müssen, das Proletariat eingeschlossen. Wenn man sich mit diesem mittlerweile zu Banalitäten gewordenen Allgemeinplätzen zufrieden gibt, dann kommt man schließlich dazu, eine Art Gleichung ohne jeglichen Inhalt aufzustellen "Gewalt und Gewalt". Damit wird eine vereinfachende und absurde Gleichheit zwischen der Gewalt den Kapitals und der des Proletariats hergestellt, und man versteht nicht die grundlegenden Unter­schiede: die eine ist unterdrückend und die andere ist befreiend.

             

            Endlos diese Tautologie ‚Gewalt ist Gewalt’ zu wiederholen und sich damit zufrieden zugeben, aufzuzeigen, dass alle Klassen Gewalt gebrauchen, um die Ge­walt als gleich darzustellen, ist ebenso intelligent und genial, wie die Handlung des Chirurgen, der einen Kaiserschnitt vornimmt, um einem Neugeborenen das Leben zu schenken, gleichzusetzen mit der Handlung des Mörders, der seinem Opfer den Bauch aufschlitzt, um es umzubringen; eine Gleichheit aufgrund der Tatsache, dass beide sich ähnelnde Instrumente benutzen: das Messer, das eine Handlung am gleichen Objekt aus­übt: dem Unterleib, und wobei eine sich ähnelnde Technik verwendet wird: das Öffnen des Unterleibes.

             

            Das, worauf es am meisten ankommt, ist nicht zu wiederholen: "Gewalt, Gewalt", sondern die grundlegenden Unterschiede deutlich herauszustellen und klar festzulegen, worin, warum und wie die Gewalt des Proletariats sich von dem Terror und dem Terrorismus der anderen Klassen ab­hebt und unterscheidet.

             

            Wir stellen keinen Unterschied her zwischen Terror und Klassengewalt aus terminologischen Gründen, aus Streit­gründen oder weil wir eine