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Manifest der IKS 1975Submitted by IKS on Sam, 25/03/2006 - 23:09.
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Das Gespenst der kommunistischen Revolution geht aufs Neue in der Welt um. Jahrzehntelang glaubten die herrschenden Klassen die Geister, die das Proletariat im letzten Jahrhundert und zu Beginn des jetzigen in Bewegung gerufen hatte, für immer ausgetrieben zu haben. Tatsächlich hat die Arbeiterklasse niemals eine schrecklichere und längere Niederlage erlebt. Die Konterrevolution, die nach den Kämpfen von 1848 über die Arbeiterklasse hereingebrochen war, die Konterrevolution, die dem heroischen Versuch der Pariser Kommune folgte, wie auch die Demoralisierung und der Rückzug, welche den Schlussakkord nach dem Scheitern der russischen Revolution von 1905 setzten – sie alle sind nichts gegenüber der erdrückenden Last, die während eines halben Jahrhunderts auf allen Ausdrücken des Klassenkampfes lastete. Diese Konterrevolution entsprach in ihrem Ausmaß dem Schrecken, den die Bourgeoisie angesichts der großen revolutionären Welle verspürte, die dem I. Weltkrieg folgte und der es bisher als einzige gelang, das kapitalistische System bis in seine Grundfeste zu erschüttern. Niemals, nachdem es solche Höhen erreicht hatte, hatte das Proletariat eine derartige Katastrophe, eine solche Schmach erlitten. Und niemals zuvor hatte die Bourgeoisie ihm gegenüber solch eine Arroganz an den Tag gelegt, welche soweit ging, die schwersten Niederlagen der Klasse als „Siege“ zu verklären, die Idee der Revolution dagegen als Anachronismus, als überholten Mythos vergangener Epochen hinzustellen. Doch heute lodert die revolutionäre Flamme wieder in der ganzen Welt auf. Oft noch konfus, zögernd, aber mit plötzlichen Vorstößen, die manchmal selbst die Revolutionäre in Erstaunen versetzen, hat sich der proletarische Riese erhoben, um aufs Neue das alte kapitalistische Gemäuer zu erschüttern. Von Paris bis Cordoba, von Turin bis Danzig, von Lissabon bis Schanghai, von Kairo bis Barcelona sind die Kämpfe der Arbeiter wieder zum Albtraum der Kapitalisten geworden[1] Zur gleichen Zeit und zusammen mit dem allgemeinen Wiederaufleben der Klasse sind wieder Gruppen und revolutionäre Strömungen aufgetaucht, die die gewaltige Aufgabe der theoretischen und praktischen Rekonstruktion eines der wichtigsten Werkzeuge des Proletariats, seiner Klassenpartei, in Angriff genommen haben. Es ist daher Zeit für die Revolutionäre, ihrer Klasse die Perspektiven des bereits begonnenen Kampfes aufzuzeigen und die Lehren der Vergangenheit ins Gedächtnis zurückzurufen, damit sie den Grundstein für ihre Zukunft legen kann, und auch die Aufgaben zu bestimmen, die die Revolutionäre selbst als Ergebnis und aktiver Faktor des Kampfes des Proletariats zu bewältigen haben werden. Eben dies sind die Ziele des vorliegenden Manifestes. DIE ARBEITERKLASSE: SUBJEKT DER REVOLUTIONDas Proletariat ist die einzige revolutionäre Klasse unserer Epoche. Nur das Proletariat kann durch die Übernahme der politischen Macht auf Weltebene und die radikale Umwälzung der Bedingungen und Ziele der Produktion die Menschheit aus der Barbarei führen, in der sie haust. Die Auffassung, derzufolge die Arbeiterklasse jene Klasse ist, die den Kommunismus aufbaut, und derzufolge ihre Stellung im Kapitalismus sie als einzige Klasse dazu qualifiziert, diesen zu stürzen, wurde bereits vor mehr als einem Jahrhundert entwickelt. Schon im ersten klaren programmatischen Ausdruck der Arbeiterbewegung, dem Kommunistischen Manifest von 1848, tauchte sie auf. Anschließend wurde sie von der I. Internationale klar zum Ausdruck gebracht, die schrieb: „Die Befreiung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiter selbst sein“. Seitdem haben Generationen von Proletariern sie in ihren zahllosen Kämpfen gegen das Kapital auf ihre Fahnen geschrieben. Doch das furchtbare Schweigen, in das die Klasse ein halbes Jahrhundert lang gehüllt war, ermöglichte das Auftauchen aller Arten von Theorien über die „endgültige Integration der Arbeiterklasse in den Kapitalismus“, über das Proletariat als „Klasse für das Kapital“, über die „universelle Klasse“ oder über die Randschichten, welche die neuen Träger der Revolution seien. Diese und andere, als neue Theorien präsentierten alten Kamellen erweiterten das Arsenal der Lügen der Bourgeoisie, die die Demoralisierung und ideologische Unterwerfung der Arbeiter unter das Kapital aufrechterhalten sollen. Die IKS unterstreicht daher vor allem mit Nachdruck, dass heute nur die Arbeiterklasse und keine andere Klasse die revolutionäre Klasse ist. Doch die Tatsache, dass diese Klasse, im Gegensatz zu den revolutionären Klassen der Vergangenheit, in der Gesellschaft, die sie umwälzen soll, über keine ökonomische Macht als Sprungbrett zur politischen Machteroberung verfügt, zwingt sie dazu, die politische Macht zu erobern, bevor sie diese Umwälzung in Angriff nehmen kann. So wird die proletarische Revolution anders als die der Bourgeoisie, die von einem Erfolg zum anderen eilte, notwendigerweise die Krönung einer Reihe von partiellen, aber tragischen Niederlagen der Klasse darstellen. Und je mächtiger die Kämpfe der Klasse, desto furchtbarer werden die Niederlagen sein. Die große revolutionäre Welle, die den I. Weltkrieg zu Ende brachte und ein Jahrzehnt lang andauerte, bestätigt diese Aussage eindeutig: Damals trat die Arbeiterklasse als einzige Kämpferin für die Revolution auf, und sie erlitt eine Niederlage - das unverkennbare Merkmal der Kämpfe bis zum endgültigen Sieg. Diese gewaltige revolutionäre Bewegung, welche den bürgerlichen Staat in Russland stürzte und die anderen europäischen Staaten ebenfalls erzittern ließ, ja sich als gedämpftes Echo gar bis nach China fortpflanzte, zeigte an, dass das Proletariat bereit war, einem System den Gnadenstoß zu versetzen, welches in die Phase seines Todeskampfes eingetreten ist, und somit das Urteil zu vollstrecken, welches von der Geschichte über den Kapitalismus gefällt worden war. Da jedoch die Arbeiterklasse ihren anfänglichen Erfolg von 1917 nicht auf die ganze Welt ausdehnen konnte, wurde sie schließlich besiegt und blutig niedergeschlagen. Deshalb war diese revolutionären Welle der Arbeiterklasse zum Scheitern verurteilt, was aber nichts daran ändert, dass keine andere gesellschaftliche Kraft die Revolution an ihrer Stelle ausführen kann. Bis zu dieser Revolution jedoch wird die Menschheit immer weiter in eine endlose Barbarei versinken. DIE DEKADENZ DES KAPITALISMUSDie Niedergangsphase des Kapitalismus, welche mit dem I. Weltkrieg begann und der die Gesellschaft solange nicht entkommen kann, wie die proletarische Revolution nicht stattfindet, erweist sich jetzt schon als die grauenhafteste Epoche in der Geschichte der Menschheit. Auch in der Vergangenheit hatte die Menschheit Niedergangsphasen mit all dem damit verbundenen Elend und dem unbeschreiblichen Leid erlebt. Doch im Vergleich zu dem, was die Menschheit seit 60 Jahren erfährt, hielten sie sich in Grenzen. Verfallsperioden früherer Gesellschaften waren von Hungersnöten und Mangel begleitet. Doch nie ging das menschliche Elend Hand in Hand mit einer derartigen Verschwendung von Reichtümern, wie dies heute geschieht. Heute, wo der Mensch phantastische Technologien meistert, die es ihm ermöglichen könnten, sich die Natur zu Diensten zu machen, bleibt er weiter den Launen von „Naturkatastrophen“ klimatischer und landwirtschaftlicher Art ausgesetzt, und dies unter noch tragischeren Umständen als in der Vergangenheit. Schlimmer noch: die kapitalistische Gesellschaft ist die erste der Geschichte, die in ihrer Untergangsphase nur mittels massiver zyklischer Zerstörungen immer größerer Teile ihrer selbst überleben kann. Gewiss waren die anderen Niedergangsepochen voller Auseinandersetzungen zwischen Fraktionen der herrschenden Klasse. Doch die Periode, in der wir leben, ist in einem unerbittlichen und blutigen Kreislauf von Krise, generalisiertem Krieg und Wiederaufbau gefangen, der die Menschheit zu einem furchtbaren Tribut an Tod und Schrecken zwingt. Heute werden Waffen von einem bislang unerreichten technischen Entwicklungsstand aufgeboten, um das Vernichtungs- und Tötungspotenzial der kapitalistische Staaten zu vergrößern. Die Zahl der Opfer imperialistischer Kriege muss auf Dutzende Millionen beziffert werden. Hinzu kommen die systematischen fabrikmäßigen Massenmorde, mit denen sich Faschismus und Stalinismus in der Vergangenheit hervorgetan haben - und welche uns weiterhin bedrohen. Es scheint in gewisser Weise, als müsse die Menschheit das Reich der Freiheit, zu dem ihr die Beherrschung der modernen Technologie Zugang verschaffen soll, mit der Herrschaft der größten Grausamkeiten, die diese Technologien ermöglicht, bezahlen. Inmitten dieser Welt der Zerstörungen und Verwerfungen hat sich wie ein Krebsgeschwür jenes Organ entwickelt, welches die Stabilität und die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Gesellschaft garantieren soll: der Staat. Dieser greift bis in die innersten Räderwerke der Gesellschaft ein, insbesondere in ihre ökonomischen Grundlagen. Wie Moloch, ein Gott der Antike, hat die monströse Staatsmaschinerie, die kalt und anonym ist, die Substanz der bürgerlichen und menschlichen Gesellschaft verschlungen. Weit davon entfernt, irgendeinen „Fortschritt“ zu verkörpern, hat sich der Staatskapitalismus in allen möglichen juristischen und ideologischen Formen sowie mit den barbarischsten Herrschaftsmethoden auf die ganze Erde ausgedehnt. Er ist einer der brutalsten Ausdrücke des Verwesungsprozesses der kapitalistischen Gesellschaft. DIE KONTERREVOLUTIONAber das wirksamste Instrument, welches der Kapitalismus in seiner Niedergangsphase entwickelt hat, um sein Überleben zu sichern, ist die systematische Ausnutzung und Verwendung all der Kampf- und Organisationsformen, die die Arbeiterklasse von der Vergangenheit geerbt hatte, die jedoch durch die Veränderung der historischen Perspektive für ihre Zwecke unbrauchbar geworden sind. Alle Taktiken gewerkschaftlicher und parlamentarischer Art sowie die Einheitsfrontpolitik, die für die Arbeiterklasse im 19. Jahrhundert durchaus nützlich waren, sind zu Mitteln der Lähmung ihrer Kämpfe verkommen und bilden die Hauptwaffe der Konterrevolution. Gerade weil alle Niederlagen der Arbeiterklasse als „Siege“ dargestellt wurden, musste die Arbeiterklasse die schlimmste Konterrevolution erleiden, die sie je erlebt hat. Die Hauptwaffe sowohl für die Mobilisierung als auch für die Demoralisierung des Proletariats war zweifellos der Mythos, dass die Revolution in Russland einen „sozialistischen Staat“ hervorgebracht habe, der zu einer Hochburg des Proletariats geworden sei. (In Wirklichkeit ist dieser Staat nicht anderes als ein Vertreter des russischen Kapitals). Die Oktoberrevolution von 1917 weckte weltweit gewaltige Hoffnungen in der Arbeiterklasse. Später wurden die Arbeiter aufgefordert, ihre Kämpfe bedingungslos der Verteidigung des „sozialistischen Vaterlandes“ unterzuordnen. Damals begann auch die bürgerliche Ideologie, jenen, die den arbeiterfeindlichen Charakter des „sozialistischen Vaterlandes“ zu durchblicken begannen, die Idee einzuimpfen, dass alle Revolutionen wie die Russische Revolution enden, nämlich mit der Entstehung einer neuen ausbeutenden, unterdrückenden Klasse. Durch die Niederlagen in den 1920er Jahren und noch mehr durch die Spaltungen in ihren Reihen demoralisiert, konnte die Arbeiterklasse die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre nicht nutzen, um eine neue Offensive gegen das Kapital zu eröffnen. Sie wurde in zwei Lager gespalten: Auf der einen Seite gab es die, welche, durch die Oktoberrevolution verblendet, nicht erkennen wollten, dass sich mit der Degeneration und dem Verrat der Parteien die ursprüngliche Lage geändert hat. Auf der anderen Seite standen jene, welche jede Hoffnung und den Glauben an die Revolution aufgegeben hatten. Unfähig, ihre eigenen Angriffe zu starten, wurde die Arbeiterklasse durch weitere Pyrrhussiege geschwächt und an Händen und Füßen gefesselt in den II. Weltkrieg geführt. Im Gegensatz zum I. Weltkrieg sollte es der II. Weltkrieg dem Proletariat nicht erlauben, in revolutionäre Manier auf die Bühne der Geschichte zurückzukehren. Im Gegenteil: er machte es möglich, die Arbeiterklasse für den Triumph der Résistance, des Antifaschismus oder der nationalen „Befreiungsbewegungen“ in den Kolonien zu mobilisieren. Die Hauptetappen in der Rückentwicklung und Unterwerfung des Proletariats sowie der Parteien der Komintern unter das bürgerliche Regime hinterließen tiefe Wunden in der Arbeiterbewegung. 1920-21: Kampf der Kommunistischen Internationale gegen ihren linken Flügel anlässlich der Parlamentarismus- und Gewerkschaftsfrage; 1922-23: Annahme der Taktiken der „Einheitsfront“ und der Beteiligung an sog. „Arbeiterregierungen“ durch die Kommunistische Internationale, was in Sachsen und Thüringen zu Koalitionsregierungen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten, den Henkern des Proletariats in Deutschland, führte, obwohl das Proletariat zu dem Zeitpunkt noch auf den Straßen kämpfte; 1924-26: Aufkommen der Theorie vom „Aufbau des Sozialismus in einem Lande“ - die Aufgabe des Internationalismus führte das Ende der Kommunistischen Internationale und den Übergang ihrer Parteien in das bürgerliche Lager herbei; 1927: politische und militärische Unterstützung Tschiang Kai-Tscheks durch die Komintern, was zum Massaker am chinesischen Proletariat und an den Kommunisten in China durch dessen Truppen führte; 1933: Triumph Hitlers; 1934: Eintritt Russlands in den Völkerbund, was seine Anerkennung durch die dort organisierten Räuber als einen der Ihren bedeutete. Dieser „große Sieg“ war in Wirklichkeit Symbol einer großen Niederlage des Proletariats. 1936: Bildung von „Volksfronten“ und Praktizierung der Politik der „nationalen Verteidigung“, welche die „kommunistischen“ Parteien mit Zustimmung Stalins dazu veranlasste, für die Kriegskredite zu stimmen; 1936-39: der antifaschistische Schwindel - in Spanien wurden die Arbeiter im Namen der Demokratie und der Republik niedergemetzelt. 1939- 45: II. Weltkrieg und Mobilisierung des Proletariats für die Résistance. In diesem Krieg erstickte die Bourgeoisie - aus früheren Erfahrungen klug geworden - durch die militärische Besetzung der besiegten Länder jede Regung des Proletariats schon im Keim. Unfähig, durch ihre eigene Bewegung das Ende des Krieges zu erzwingen, wie dies 1917-18 der Fall war, ging die Klasse um so besiegter aus diesem Krieg hervor. 1945-65: Wiederaufbau und nationale „Befreiung“: Das Proletariat wurde dazu gezwungen, eine vom Krieg zerstörte, in Trümmern liegende Welt wiederaufzubauen. Dafür erhielt es einige Krümel von der Bourgeoisie, die diese aufgrund der Entwicklung der Produktion verteilen konnte. In den rückständigen Ländern wurde das Proletariat von der nationalen Bourgeoisie für den Kampf um die „Unabhängigkeit“ und für den „Antiimperialismus“ umworben. DIE FRAKTIONEN DER KOMMUNISTISCHEN LINKENVor dem Hintergrund dieser Entwicklung der Klasse und des völligen Triumphes der Konterrevolution nahmen die linken Fraktionen - die sich von den degenerierenden kommunistischen Parteien gelöst hatten - die schwierige Aufgabe in Angriff, die revolutionären Prinzipien zu verteidigen. Sie mussten sich den vereinten Kräften aller Fraktionen der Bourgeoisie entgegenstemmen und den tausend Fallen ausweichen, die diese ihnen stellten. Sie mussten sich dem ungeheuren Gewicht der herrschenden Ideologie in ihrer eigenen Klasse entgegenstellen, der Isolierung wie auch der physischen Verfolgung, der Demoralisierung, der Erschöpfung, des Lichtens ihrer Reihen trotzen. Mit ihrem Versuch, zwischen den alten, mittlerweile zur Bourgeoisie übergelaufenen Parteien des Proletariats und jenen Parteien, die es zum Zeitpunkt seines künftigen Wiederauflebens hervorbringen wird, eine Verbindung herzustellen, vollbrachten die linkskommunistischen Fraktionen eine Herkulesarbeit, um die proletarischen Prinzipien am Leben zu erhalten, die Erstere aufgegeben hatten, und um auf diesem Wege eine Bilanz aus den vergangenen Niederlagen zu erstellen, mit dem Ziel, die entsprechenden Lehren für die künftigen Kämpfe des Proletariats zu ziehen. Über mehrere Jahre hinweg setzten die verschiedenen Fraktionen, insbesondere die deutsche, holländische und vor allem die italienische Linke, unerschütterlich ihre Aktivitäten im Bereich der theoretischen Vertiefung und der Anprangerung des Verrats jener Parteien fort, die sich weiterhin als Arbeiterparteien ausgaben. Doch die Konterrevolution war zu stark und dauerte zu lange, als dass diese linkskommunistischen Fraktionen hätten überleben können. Vom II. Weltkrieg stark geschwächt und durch die Tatsache angeschlagen, dass dieser Krieg kein Wiederaufflammen des Klassenkampfes mit sich brachte, verschwanden allmählich die letzten Fraktionen, die bis zu dem Zeitpunkt noch überlebt hatten, oder traten in einen Prozess der Degenerierung, des Zerfalls oder der politischen Regression ein. Damit riss zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert das Band der organischen Kontinuität, das die verschiedenen politischen Organisationen des Proletariats - wie den Bund der Kommunisten, die I., II. und III. Internationale sowie die aus Letzterer hervorgegangenen Fraktionen - miteinander verbunden hatte. Die Bourgeoisie hatte für einen Moment ihr Ziel erreicht: jeglichen politischen Ausdruck der Klasse zum Schweigen zu bringen, die Revolution ohne jede Möglichkeit der Anfechtung als einen verstaubten Anachronismus darzustellen, als ein Überbleibsel aus einer anderen Epoche, eine exotische Spezialität, die für die rückständigen Länder bestimmt sei, oder aber ihren Inhalt gegenüber den Arbeitern vollkommen zu verfälschen. DIE KRISE DES KAPITALISMUSDoch seit einem Jahrzehnt haben sich die Aussichten gründlich geändert. Der wirtschaftliche „Wohlstand“, der den Wiederaufbau der Nachkriegszeit begleitet hat und der nicht nur von den Bewunderern des Kapitalismus, sondern auch von jenen, die sich als seine Gegner ausgaben, wie selbstverständlich als ewig betrachtet worden war, fand mit dem Abschluss des Wiederaufbaus ein Ende. Seit Mitte der 60er Jahre, nach zwei Jahrzehnten gewaltigen Wachstums, sieht sich das kapitalistische System aufs Neue mit einem Albtraum konfrontiert, den es längst als Relikt der Vorkriegszeit betrachtet hat: die Krise. Diese Krise, die sich seither unaufhaltsam verschärft hat, bedeutet einen glänzenden Triumph der marxistischen Theorie, deren „Überlebtheit“, „Gegenstandslosigkeit“ und „Versagen“ die von der Bourgeoisie ausgehaltenen Fälscher aller Art, die nach „Neuheiten“ lechzenden Akademiker, die Pseudorevolutionäre aus den Universitäten, die Nobelpreisträger, „Experten“, „Kapazitäten“ sowie alle Arten von „Skeptikern“ und Verbitterten unaufhörlich verkündet hatten. DIE WIEDERAUFNAHME DES PROLETARISCHEN KAMPFESMit der Vertiefung des wirtschaftlichen Chaos wird die Gesellschaft aufs Neue mit der unvermeidlichen Alternative konfrontiert, die die offene Krise in der Niedergangsperiode mit sich bringt: Weltkrieg oder proletarische Revolution[2]. Doch unterscheidet sich die heutige Perspektive vollkommen von jener, die die große Wirtschaftskatastrophe der 30er Jahre offenbart hatte. Damals hatte das geschlagene Proletariat nicht die Kraft, den Bankrott des Systems auszunutzen, um zum Angriff überzugehen. Im Gegenteil: es kam zu einer Verstärkung seiner Niederlage. Heute ist die Lage des Proletariats jedoch eine andere als in den 30er Jahren. Einerseits sind die Mystifizierungen, welche in der Vergangenheit das Bewusstsein der Arbeiter erdrückten, wie alle anderen Pfeiler der bürgerlichen Ideologie mittlerweile zum Teil verschlissen. Der Nationalismus, die demokratischen Illusionen, der Antifaschismus - sie alle haben nicht mehr den gleichen Einfluss wie vor 50 Jahren. Auch haben die neuen Arbeitergenerationen nicht derartige Niederlagen erlitten wie ihre Väter. Zwar verfügen die Arbeiter heute nicht über die gleiche Erfahrung wie die vorherigen Generationen, doch gleichzeitig sind sie bei ihren Konfrontationen mit der Krise nicht durch die Demoralisierung ihrer Väter und Vorväter belastet. Die gewaltige Reaktion, die die Arbeiterklasse gegenüber den ersten Zeichen der Krise 1968/69 an den Tag gelegt hat, bedeutet, dass die Bourgeoisie heute nicht in der Lage ist, die einzige Lösung durchzusetzen, die sie gegen die Krise anzubieten hat: einen erneuten weltweiten Holocaust. Denn zuvor muss sie die Arbeiterklasse besiegen – die heutige Perspektive indessen ist nicht der imperialistische Krieg, sondern ein allgemeiner Krieg der Klassen. Auch wenn die Bourgeoisie weiterhin alle Vorbereitungen für den Weltkrieg trifft, so ist es doch der Klassenkampf, der sie vorrangig beansprucht. Die gewaltige Absatzsteigerung im Rüstungssektor, dem einzigen Sektor, der nicht unter der Krise leidet, kaschiert im Augenblick die von allen Staaten durchgeführte, allgemeine und nicht weniger systematische Aufrüstung des Repressionsapparates zum Zwecke des Kampfes gegen die „Subversion“. Aber das Kapital bereitet sich nicht nur mit Hilfe der Repression auf den Klassenkrieg vor, sondern stützt sich zudem auf eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten, um das Proletariat zu kontrollieren, seinen Kampf in die Sackgasse zu lenken und den Sinn seiner Kämpfe zu entstellen. In der Tat kann die Bourgeoisie der ungebrochenen Kampfbereitschaft der Arbeiter immer weniger nur die nackte Repression entgegensetzen, droht diese doch eher die Kämpfe zu verschärfen, statt sie zu ersticken. DIE WAFFEN DER BOURGEOISIEBevor die Bourgeoisie zur offenen Repression greift, wird sie wie in der Vergangenheit zunächst versuchen, die Arbeiter zu demoralisieren, indem sie ihre Kämpfe vom Weg abbringt und in die Sackgasse führt. Zu diesem Zweck wird sie hauptsächlich drei Mystifikationen wiederbeleben, die alle dazu dienen, die Klasse an das nationale Kapital und den Staat zu binden: den Antifaschismus, die Selbstverwaltung und die nationale Unabhängigkeit. Heute, wo unter völlig anders gearteten Bedingungen keine konkrete Gefahr eines Faschismus à la Mussolini oder Hitler droht, ist es nicht die unmittelbare Aufgabe des Antifaschismus, für einen imperialistischen Krieg zu mobilisieren. Daher umfasst die antifaschistische Mystifikation ein breiteres Spektrum als in der Vergangenheit. Im Osten wie im Westen attackieren die „linken“, „progressiven“, „demokratischen“ oder „liberalen“ Fraktionen des Kapitals die Arbeiterklasse unter dem Deckmantel der Verteidigung der „demokratischen Errungenschaften“, der „Freiheit“, etc. gegen die Bedrohung durch die „Reaktion“, den „Totalitarismus“, die „Repression“, den „Faschismus" oder gar den „Stalinismus“. In dem Maße jedoch, wie die Arbeiter für die Verteidigung ihrer eigenen Interessen zu kämpfen anfangen, sind sie es, die zu hören bekommen, dass sie die schlimmsten Agenten der Reaktion und der Konterrevolution seien[3]. Die Selbstverwaltung, deren Anziehungskraft angesichts der zahllosen, durch die Krise verursachten Pleiten noch wachsen wird und die – auf dem ersten Blick - als Gegenreaktion zur bürokratischen Kontrolle der gesamten Gesellschaft durch den Staat verständlich erscheint, zählt gleichfalls zu den bevorzugten Waffen der Linken des Kapitals gegen die Arbeiterklasse. Die Arbeiter müssen den Lockrufen aller bürgerlichen Kräfte widerstehen, die nur darauf abzielen, unter dem Vorwand einer „Demokratisierung der Wirtschaft“, der „Enteignung der Unternehmer“ oder gar der Etablierung „kommunistischer“, „menschlicherer Verhältnisse“ die Arbeiter zur Mitarbeit bei ihrer eigenen Ausbeutung zu bewegen. Die Selbstverwaltung richtet sich gegen die Vereinigung der Klasse, da die Arbeiter durch sie in eine Vielzahl von Betrieben oder Stadtvierteln aufgespalten werden würden (siehe Fußnote 3 der Plattform). Schließlich wird auch die nationale Unabhängigkeit - als moderne Version der „nationalen Verteidigung“ mit dunklen Erinnerungen verknüpft - einen Aufschwung erleben, insbesondere in den unterentwickelten Ländern, wo sie am absurdesten ist. Im Namen der „nationalen Unabhängigkeit“ werden die Arbeiter zu einem Schulterschluss mit den anderen Klassen im Kampf gegen diesen oder jenen Imperialismus aufgerufen. Die Verantwortung für die Krise und die Verschärfung der Ausbeutung soll so auf die „hegemonialen Bestrebungen“ dieses oder jenes Landes, der Multis oder anderen „staatenlosen“ Kapitals abgewälzt werden[4] Unter Aufbietung all dieser Mystifikationen wird das Kapital überall die Arbeiter dazu aufrufen, auf ihre Forderungen zu verzichten und Opfer für die Überwindung der Krise zu bringen. Wie in der Vergangenheit werden sich auch jetzt die Linken und die „Arbeiterparteien“ bei der Durchführung dieser schmutzigen Arbeit hervortun. Dabei werden sie auf die „kritische“ Unterstützung durch die linksextremistischen Strömungen rechnen können, die die gleichen Verschleierungen und Lügen, jedoch mit einer radikaleren Sprache und radikaleren Methoden verbreiten. Bereits vor 50 Jahren warnte das Manifest der Kommunistischen Internationalen die Arbeiterklasse vor diesen Gefahren: "Die Opportunisten, die vor dem Krieg die Arbeiter unter dem Vorwand des allmählichen Übergangs zum Sozialismus dazu aufriefen, ihre Forderungen zu mäßigen, und während des Krieges im Namen der heiligen Nation und der Vaterlandsverteidigung die Erniedrigung und die Unterordnung der Klasse des Proletariats forderten, verlangen nun vom Proletariat erneut Opfer- und Hingabebereitschaft, um die schrecklichen Folgen des Krieges zu überwinden. Wenn solche Predigten innerhalb der Arbeiterklasse Gehör fänden, würde das Kapital seine Sanierung und Weiterentwicklung auf den Leichen weiterer Arbeitergenerationen in neuen, noch konzentrierteren, scheußlicheren Formen fortführen, mit der unvermeidlichen Aussicht auf einen neuen Weltkrieg." Die Geschichte bewies mit der Tragödie des II. Weltkriegs, wie hellsichtig die Warnung der Revolutionäre von 1919 vor den Lügen der Bourgeoisie war. Jetzt, wo die Bourgeoisie wieder ihr gewaltiges Arsenal aufbietet, welches ihr in der Vergangenheit erlaubt hat, das Proletariat unter Kontrolle zu halten und zu besiegen, unterstützt die Internationale Kommunistische Strömung mit Nachdruck die Worte der Kommunistischen Internationalen und richtet diese aufs Neue an ihre Klasse. „Proletarier, erinnert euch an den imperialistischen Krieg!“, rief die Internationale. Proletarier von heute, erinnert euch des verflossenen halben Jahrhunderts Barbarei und stellt euch vor, was die Menschheit erwartet, wenn Ihr diesmal aufs Neue nicht entschlossen genug die Sonntagsreden der Bourgeoisie und ihrer Lakaien zurückweist! DIE ENTWICKLUNG DES KAMPFES UND DES BEWUSSTSEINS DES PROLETARIATSObgleich die Kapitalistenklasse ihre Waffen systematisch verbessert, stößt sie nicht auf ein hilfloses Proletariat, so wie sie es gerne hätte. Ungeachtet einiger ihm zum Nachteil gereichender Aspekte sind die Bedingungen, unter denen das Proletariat seinen Kampf wieder aufgenommen hat, günstig. So entsteht zum ersten Mal in der Geschichte die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse nicht am Ende eines Krieges, sondern aus der Wirtschaftskrise des gesamten Systems. Sicher ist es für das Proletariat im Krieg einfacher, die Notwendigkeit des politischen Kampfes zu verstehen und die Unterstützung eines Großteils jener Schichten für sich zu gewinnen, die weder zum Proletariat noch zur Bourgeoisie gehören. Doch fördert der Krieg die Entwicklung des Klassenbewusstseins nur unter den Arbeitern jener Ländern, die Schauplatz eines solchen Krieges sind, und insbesondere der Verliererländer. Dagegen verschont die heutige Krise kein Land der Welt. Und je mehr die Bourgeoisie versucht, die Krise zu bremsen, desto mehr verschärft sie diese. Aus diesem Grund hat der Klassenkampf bislang noch nie solche Ausmaße angenommen wie heute. Zwar entwickelt er sich langsam und unstet, aber seine Ausdehnung hat schon jetzt all jene Untergangsphilosophen verwirrt, die ständig davon schwatzen, dass das revolutionäre Weltproletariat eine Fiktion sei. Da die Arbeiterklasse heute vor enormen Aufgaben steht, die nur sie verwirklichen kann, muss sie die langsame Entwicklung der Krise (deren Verlauf ihre Reaktion beeinflusst) dazu nutzen, um ihre verlorengegangenen Kampftraditionen und Klassenorganisationen wiederzubeleben und zu stärken. Durch ihren täglichen Kampf wird sie allmählich das Bewusstsein über den politischen Charakter ihres Kampfes wiedererlangen, und durch die Ausweitung und Häufung ihrer Teilkämpfe schmiedet sie ihre Waffen für den Generalangriff gegen die herrschende Klasse. Angesichts dieser Kämpfe wird das Kapital Zeter und Mordio schreien und die Arbeiter zur „Mäßigung“ und zum „Verzicht“ auffordern Letztere werden dagegen begreifen, dass, auch wenn die Kämpfe ergebnislos und damit in streng wirtschaftlicher Hinsicht verloren sind, sie die Voraussetzung für den endgültigen Sieg bilden, da jeder von ihnen zum Verständnis des totalen Bankrotts des Systems und damit der Notwendigkeit seiner Zerstörung beitragen kann. Anders als die Prediger der Mäßigung und des „Realismus“ werden die Arbeiter begreifen müssen, dass der wirkliche Erfolg eines Kampfes nicht in seinem unmittelbaren Ergebnis beruht, das stets durch die Vertiefung der Krise bedroht ist. Nein, der wahre Erfolg drückt sich im Kampf selbst, in den Organisationen, in der Solidarität und im Bewusstsein aus, welche dieser hervorbringt. Im Gegensatz also zu den Kämpfen, die sich zur Zeit der großen Krise zwischen den beiden Weltkriegen ereigneten und deren Niederlagen nur zur weiteren Demoralisierung und Entkräftung der Klasse führten, stellen die heutigen Kämpfe Meilensteine auf dem Weg zum Endsieg dar. Die vorübergehende Entmutigung nach einer Teilniederlage wird sich in einen Ausbruch von Wut, Entschlossenheit und Bewusstsein verwandeln, die die kommenden Kämpfe befruchten werden. Mit der Verschärfung der Krise wird die herrschende Klasse die wenigen, kümmerlichen Zugeständnisse zurücknehmen, die sie in der Wiederaufbauperiode den Arbeitern für eine immer systematischere und wissenschaftlichere Ausbeutung hat zugestehen können. Immer mehr Arbeiter werden durch die Arbeitslosigkeit und durch die Senkung der Reallöhne in ein immer tieferes Elend gestürzt. Doch mit den Leiden, die die Krise verursacht, enthüllt sie gleichzeitig den barbarischen Charakter der Produktionsverhältnisse, die die Gesellschaft in Fesseln halten. Im Gegensatz zu den bürgerlichen und kleinbürgerlichen Klassen, die in der Krise nichts anderes als ein großes Unglück sehen und in Wehklagen ausbrechen, können die Proletarier die Krise in dem Sinne begrüßen, als sie den belebenden Wind darstellt, der die Fesseln, mit denen sie an der alten Welt gebunden sind, wegfegt und damit die Voraussetzung ihrer Befreiung schafft. DIE ORGANISATION DER REVOLUTIONÄREDoch wie intensiv auch immer ihre Kämpfe sein mögen, ihre Befreiung wird nur erreicht werden können, wenn die Arbeiterklasse in der Lage ist, eines ihrer kostbarsten Güter zu pflegen, dessen Abwesenheit in der Vergangenheit ihr so teuer zu stehen gekommen ist: die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse. Das Proletariat ist aufgrund seiner Stellung im Produktionssystem die revolutionäre Klasse. Grundvoraussetzung seines Handelns ist die Fäulnis und die sich weiter verschärfende Krise dieses Systems. Jedoch lehrt die historische Erfahrung, dass dies nicht genügt, wenn es ihm nicht gleichzeitig gelingt, ein entsprechendes Bewusstsein zu erlangen, um jenes Werkzeug zu schmieden, das gleichzeitig Produkt und aktiver Faktor dieser Bewusstwerdung ist: seine kommunistische Avantgarde. Diese Avantgarde ist nicht das mechanische Produkt der Klassenkämpfe. Selbst wenn die gegenwärtigen und zukünftigen Auseinandersetzungen den notwendigen Nährboden für die Entwicklung dieser Avantgarde bieten, so kann sich Letztere nur bilden und ihre Aufgaben erfüllen, wenn die Revolutionäre, die aus der Klasse hervorgehen, sich vollständig ihrer Verantwortung bewusst und vom Willen durchdrungen sind, diesen Aufgaben gerecht zu werden. So können insbesondere die Aufgaben der theoretischen Reflexion, der systematischen Anprangerung der bürgerlichen Lügen und der aktiven Intervention in den Klassenkämpfen nur dann von den heutigen Revolutionären erfolgreich erfüllt werden, wenn sie die politische Einheit anstreben, die sie geographisch und historisch miteinander verbindet und die die Grundvoraussetzung ihres Handelns ist. Mit anderen Worten: um die Aufgabe zu erfüllen, für die die Klasse sie in die Welt gesetzt hat, müssen sich die Revolutionäre die Errungenschaften der Klassenkämpfe und der kommunistischen Strömungen der Vergangenheit aneignen sowie ihre Kräfte auf der Ebene ihrer Klasse, auf Weltebene, bündeln. Jedoch werden ihre Bemühungen in diese beiden Richtungen noch stark durch den totalen Bruch der organischen Kontinuität mit den vergangenen Fraktionen behindert. Die Wiederherstellung dieser unentbehrlichen politischen Kontinuität mit jenen Fraktionen, die die grundsätzlichen Lehren aus den vergangenen Erfahrungen der Klasse gesammelt und weiterentwickelt hatten, hat sich verzögert und als schwieriges Unterfangen für die revolutionären Strömungen der Arbeiterklasse erwiesen. Diese haben vor allem Schwierigkeiten, wenn es um das Verständnis ihrer besonderen Funktion innerhalb der Klasse und um die Gesamtheit der Organisationsfragen geht, da sie in diesem Bereich praktisch über keine Erfahrung verfügen. Außerdem vergrößert die Fragmentierung und Proletarisierung der kleinbürgerlichen Schichten, die von Anfang an ein Klotz am Bein der Arbeiterbewegung waren, diese Schwierigkeiten. So trübt besonders der Schund der „Studentenbewegung“, typischer Ausdruck der Krise der kleinbürgerlichen Intellektuellen, die ihren Höhepunkt erreichte, als die Klasse wieder den Weg des Kampfes beschritt, das Bewusstsein der revolutionären Organisationen. Mit der Kultivierung des „Neuen“, „Besonderen“, mit den Phrasen über das Individuum, über den „Kampf gegen die Entfremdung“, ja sogar über das „Schauspiel“ - mit jener Art von Kultivierung also, die eine besondere Spielart des Kleinbürgertums ausmacht, ist es häufig gelungen, Gruppen, die mit dem Wiederaufleben der Klasse entstanden waren, in von bornierten Standpunkten und persönlichen Ambitionen beherrschte Sekten umzuwandeln. Anfangs noch positive Faktoren, werden diese schließlich zu Hindernissen für die Bewusstseinsbildung des Proletariats. Falls sie sich auch weiterhin aufgrund von erfundenen oder nebensächlichen Divergenzen der Aufgabe der Umgruppierung der revolutionären Kräfte widersetzen, werden sie von den Bewegungen der Arbeiterklasse gnadenlos weggefegt werden. Mit ihren geringen Mitteln hat die Internationale Kommunistische Strömung die langwierige und schwere Arbeit der weltweiten Umgruppierung der Revolutionäre für ein klares und kohärentes Programm aufgenommen. Den Monolithismus der Sekten verwerfend, ruft sie die Kommunisten aller Länder auf, sich der ungeheuren Verantwortung bewusst zu werden, die auf ihnen lastet, die falschen Streitereien aufzugeben und die künstlichen Spaltungen zu überwinden, die die alte Gesellschaft ihnen aufgehalst hat. Die IKS ruft sie auf, sich für diese Aufgabe zusammenzuschließen, um noch vor Beginn der entscheidenden Klassenkämpfe eine internationale, vereinte Organisation der Avantgarde zu bilden. Als bewussteste Fraktion der Klasse müssen die Kommunisten ihr den Weg zeigen, indem sie sich die Losung: „Revolutionäre aller Länder, vereinigt euch!“ zu eigen machen. PROLETARIER! PROLETARIER DER GANZEN WELT!Die Kämpfe, die ihr austragt, sind die bedeutendsten der Menschheit. 0hne euren Klassenkampf wäre die Menschheit dazu verurteilt, einen III. Weltkrieg zu erleiden, dessen Folgen man nur ahnen kann, die aber die Menschheit um Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende zurückwerfen und in einen unumkehrbaren Verwesungsprozess stoßen könnten, der jede Hoffnung auf den Sozialismus zunichte macht oder gar zu vollständigen Auslöschung der Menschheit führt. Noch nie ist eine Klasse Träger einer solchen Verantwortung und Hoffnung gewesen. Die furchtbaren Opfer, die die Arbeiterklasse bereits in den vergangenen Kämpfen erbracht hat, und jene vielleicht noch furchtbareren Opfer, die eine zum Äußersten. getriebene Bourgeoisie ihr noch abverlangen wird, werden nicht vergeblich sein. Ihr Triumph wird für die Menschheit die endgültige Befreiung von den Ketten, die sie den blinden Gesetzen der Natur und der Ökonomie unterworfen haben, bedeuten. Er wird das Ende der Vorgeschichte der Menschheit und den Beginn ihrer wirklichen Geschichte beinhalten. Er wird die Herrschaft der Freiheit auf den Trümmern der Herrschaft der Notwendigkeit errichten. PROLETARIER, MACHT EUCH FÜR DIE GEWALTIGEN KÄMPFE, DIE EUCH ERWARTEN, UM EUCH AUF DEN LETZTEN ANSTURM GEGEN DIE KAPITALISTISCHE WELT, AUF DIE ABSCHAFFUNG DER AUSBEUTUNG UND FÜR DEN KOMMUNISMUS VORZUBEREITEN, DEN ALTEN KRIEGSRUF EURER KLASSE WIEDER ZU EIGEN:PROLETARIER ALLER LÄNDER, VEREINIGT EUCH!Internationale Kommunistische Strömung, 1975[1] Dieser Abschnitt bezieht sich auf das Wiedererwachen des Weltproletariats Ende der 1960er Jahre nach einem halben Jahrhundert der Konterrevolution. Die dort erwähnten Arbeiterkämpfe erscheinen im Vergleich mit dem gegenwärtigen Niveau des Klassenkampfes als von einer anderen Welt. Der Zusammenbruch der so genannten realsozialistischen Länder Ende der 1980er Jahre hat einen weitreichenden Rückfluss des Bewusstseins und der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse bewirkt. Das Gewicht dieses Rückflusses wird auch heute noch angesichts der Schwierigkeiten des Proletariats deutlich, seinen Klassenkampf zu entwickeln und zu einer revolutionären Perspektive zurückzufinden, eine Perspektive, die durch die Heftigkeit der bürgerlichen Kampagne rund um den „Tod des Kommunismus“ vernebelt wurde. Doch diese Schwächung des Weltproletariats hat keinesfalls den historischen Kurs auf eine Zuspitzung der Klassenkämpfe in Frage gestellt, der durch die erste Welle von Kämpfen Ende der 1960er Jahre eröffnet worden war. Trotz eines nur allmählichen Wiedererstarkens des Klassenkampfes wird unsere Zukunft weiterhin von der Arbeiterklasse verkörpert. Gerade weil der Klassenkampf ein ständiger Albtraum für die Herrschenden ist, entfesseln sie ideologische Kampagnen und hinterlistige Manöver, um die Arbeiterklasse daran zu hindern, kraftvoll in Erscheinung zu treten. [2] Mit dem Verschwinden der beiden imperialistischen Blöcke, die durch das Abkommen von Jalta entstanden waren, ist das Gespenst eines dritten Weltkriegs im Augenblick gebannt. Auch wenn der Militarismus und der Krieg immer noch den niedergehenden Kapitalismus bestimmen, hat es die imperialistische Politik aller Staaten, ob groß oder klein, mit einer historischen Weltlage zu tun, die von Chaos und dem „Jeder für sich“ beherrscht ist. Da die Arbeiterklasse der großen Industriezentren nicht für einen dritten Weltkrieg mobilisiert werden kann, lautet die historische Alternative nunmehr: die proletarische Revolution oder der Sturz der Menschheit in die Barbarei und in das allgemeine Chaos. [3] Auch wenn in einigen zentralen Ländern Europas wie in Frankreich, Österreich oder Belgien die rechtsextremen Fraktionen Auftrieb erhalten, kann man diese Phänomen keineswegs mit der Lage in den 1920er und 1930er Jahren vergleichen, als die Bedingungen für eine Machtübernahme durch die Faschisten und die Nazis gegeben waren. Das Wiedererstarken der rechtsextremen Parteien ist vor allem ein Ausdruck des Zerfalls des Systems, des „Jeder für sich“, von dem zunehmend der gesamte politische Apparat der Bourgeoisie ergriffen wird. Dieser Aufstieg ist nicht das Ergebnis einer historischen Niederlage des Proletariats wie in den Jahren nach der Niederschlagung der revolutionären Welle von 1917-23. Darüber hinaus kann man die gegenwärtigen antifaschistischen Kampagnen nicht mit den Kampagnen und der massiven Mobilisierung des Proletariats für die Demokratie vergleichen, welche in den 1930er Jahren die Mobilisierung der Arbeiterklasse für den II. Weltkrieg ermöglicht hatten. [4] Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks Ende der 1980er Jahre und der ihm folgenden Auflösung des westlichen Blocks sind die Befreiungskämpfe kein Mythos mehr, mittels dessen die linken und linksextremistischen Fraktionen des Kapitals bis dahin versucht hatten, Teile der Arbeiterklasse für das eine oder andere imperialistische Lager zu mobilisieren. Doch während der Mythos der “nationalen Befreiung” in den großen Zentren des Kapitalismus mit dem Zusammenbruch des russischen imperialistischen Blocks geplatzt ist, behält er in einigen peripheren Gebieten der Welt weiterhin seine Anziehungskraft bei und erweist sich immer noch als nützlich, um die Arbeiter dieser Länder in Massaker zu treiben (wie z.B. im Kaukasus oder in den von Israel besetzten Gebieten). Antworten |
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