19. Kongress der IKS: Bereiten wir uns auf die Klassenkonfrontationen vor

Im vergangenen Mai
hat die IKS ihren 19. Kongress abgehalten. Ein Kongress stellt im Leben
revolutionärer Organisationen einen Höhepunkt dar. Da diese ein integraler
Bestandteil der Arbeiterklasse sind, ist es ihre Aufgabe, die Ergebnisse eines
Kongresses an die Klasse weiterzugeben. Dies ist das Ziel dieses Artikels.
Zuerst wollen wir herausstreichen, dass der 19. Kongress den Willen der IKS,
sich gegen außen zu öffnen, in die Praxis umgesetzt hat, denn neben
Delegationen der Sektionen der IKS waren nicht nur Sympathisanten von uns oder
Leute von Diskussionszirkeln, an denen wir uns beteiligen, präsent, sondern
auch Delegationen von Gruppen, mit denen die IKS in Diskussion und Kontakt
steht: zwei Gruppen aus Südkorea und OPOP aus Brasilien[1]. Andere Gruppen wurden
eingeladen und nahmen die Einladung an, konnten aber wegen der Hindernisse,
welche die herrschende Klasse der europäischen Staaten Leuten außerhalb Europas
immer mehr in den Weg legt, nicht teilnehmen.

In unseren Statuten steht:

„Der internationale Kongress ist das
souveräne Organ der IKS. Deshalb hat er folgende Aufgaben:

  Ausarbeitung
von Analysen und generellen Orientierungen für die Organisation, vor allem
bezüglich der internationalen Situation;

  Untersuchen
und Bilanzieren der Aktivitäten der Organisation seit dem letzten Kongress;

  Formulieren
unserer Arbeitsperspektiven für die Zukunft.“

Auf dieser Grundlage wollen wir den
19. Kongress bilanzieren und betrachten.

Die internationale
Lage

Als ersten Punkt wollen wir unsere Analysen
und Diskussionen über die internationale Situation erwähnen. Wenn die Organisation
nicht in der Lage ist, sich ein klares Verständnis darüber zu erarbeiten, läuft
sie Gefahr, nicht in angemessener Weise politisch auftreten zu können. Die
Geschichte hat uns gelehrt, wie katastrophal eine falsche Analyse der
internationalen Situation durch revolutionäre Organisationen sein kann. Nur die
dramatischsten Fälle seien hier erwähnt: Die Unterschätzung der Kriegsgefahr
durch die Mehrheit der 2. Internationale am Vorabend der imperialistischen
Schlächterei des Ersten Weltkrieges 1914–18, auch wenn in der Zeit zuvor (durch
den Anstoß des linken Flügels in der Internationale) deren Kongresse die Gefahr
korrekt erkannt hatten und zur Mobilisierung der Arbeiterklasse gegen sie
aufgerufen hatten.

Ein anders Beispiel
ist die von Trotzki vertretende Analyse während der 1930er Jahre, als er 1936
in den Arbeiterkämpfen in Frankreich und im Krieg in Spanien die Vorboten einer
neuen internationalen revolutionären Welle sah. Diese Analyse brachte Trotzki
1938 dazu, eine „4. Internationale“ zu gründen, welche angesichts der
„konservativen Politik der kommunistischen und sozialistischen Parteien“ deren
Platz an der Spitze der „Massen von Millionen von Leuten, welche sich für den
Weg zur Revolution einsetzen“, einnehmen sollte. Dieser Irrtum hat im Verlauf
des Zweiten Weltkrieges wesentlich zum Übertritt der Sektionen der 4.
Internationale ins Lager der herrschenden Klasse beigetragen. Sie wollten sich
um jeden Preis „an die Massen heften“, sie wurden von der Politik der
„Résistance“ verschlungen, welche von den sozialistischen und sogenannten
„kommunistischen“ Parteien geführt wurde – mit anderen Worten: zur
Unterstützung des imperialistischen Lagers der Alliierten.

Etwas mehr in unserer
politischen Nachbarschaft haben wir erlebt, wie sich Gruppen, die sich auf die
Kommunistische Linke berufen, am ausgedehnten Streik vom Mai 1968 und an der
darauf folgenden internationalen Bewegung von Arbeiterkämpfen vorbei lebten, indem
sie diese als „lediglich Studentenbewegungen“ bezeichneten. Wir konnten auch
das tragische Schicksal anderer Gruppen erleben, die den Mai 1968 als eine
„Revolution“ bezeichneten, dann in die Enttäuschung stürzen und schlussendlich
verschwanden, weil die Bewegung nicht das brachte, was sie sich davon erhofft
hatten.

Heute ist es für
revolutionäre Organisationen überaus wichtig, eine richtige Analyse der
internationalen Situation zu erstellen, nur schon deshalb, weil die
Herausforderungen der Geschichte, die sich in der letzten Zeit beschleunigt,
bedeutend sind.

Wir haben in der
letzten Nummer der Internationalen Revue die vom Kongress angenommene
Resolution über die internationale Lage veröffentlicht, und es ist nicht
notwendig, auf alle darin enthaltenen Aspekte zurückzukommen. Wir wollen
lediglich die wichtigsten noch einmal unterstreichen.

Der erste und
grundlegendste Aspekt ist der Weg, den die Krise des Kapitalismus durch die
Staatsverschuldungen europäischer Staaten wie Griechenland eingeschlagen hat.

„In der Tat stellt
diese potentielle Pleite einer wachsenden Reihe von Staaten eine neue Phase im
Versinken des Kapitalismus in der unüberwindbaren Krise dar. Sie verdeutlicht
die Grenzen der Maßnahmen, mit denen es der Bourgeoisie gelungen ist, den Fortgang
der kapitalistischen Krise seit mehreren Jahrzehnten zu bremsen. (…) Die
Maßnahmen, die von der G20 im März 2009 zur Vermeidung einer neuen „Großen
Depression“ ergriffen wurden, zeigen die Politik auf, welche die herrschende
Klasse seit einigen Jahrzehnten anwendet: Sie lässt sich zusammenfassen als
Einschießung von beträchtlichen Kreditmassen in die Wirtschaft. Solche
Maßnahmen sind nicht neu. Tatsächlich stellen sie seit 35 Jahren den Kern der
Wirtschaftspolitik der herrschenden Klasse dar beim Versuch, dem großen
Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise zu entgehen: der Unfähigkeit,
zahlungsfähige Märkte zu finden, die ihre Produktion aufnehmen. (…) Der
mögliche Zusammenbruch des Bankensystems und die Rezession zwangen alle
Staaten, beträchtliche Summen in ihre Wirtschaft einzuschießen, während
umgekehrt die Einnahmen sich im freien Fall befinden, weil die Produktion
zurückgeht. Aus diesem Grund nahmen die Staatsdefizite in den meisten Ländern
beträchtlich zu. Für die am meisten gefährdeten unter ihnen wie Irland,
Griechenland oder Portugal bedeutete dies der potentielle Bankrott, die
Unfähigkeit, die Staatsangestellten zu bezahlen und die Schulden zu begleichen.
(…) Die „Rettungspläne“, welche die Europäische Bank und der Weltwährungsfond
für sie ausarbeiteten, stellen lediglich neue Schulden dar, die ebenso wie die
früheren zurück bezahlt werden müssen. Es ist mehr als ein Teufelskreis, es ist
eine Höllenspirale. (…) Die Krise der Staatsschulden in den PIIGS (Portugal,
Island, Irland, Griechenland, Spanien) ist nur ein kleiner Teil des Erdbebens,
das die Weltwirtschaft bedroht. Nur weil die großen Industriemächte gegenwärtig
noch über die Note AAA auf der Bewertungsskala der Rating–Agenturen verfügen
(die gleichen Agenturen, die am Vorabend des Banken–Debakels von 2008 diesen
ebenfalls die Bestnote erteilt hatten) heißt nicht, dass sich jene besser aus
der Affäre ziehen würden. (…) Mit anderen Worten läuft die größte Weltmacht
Gefahr, dass ihr das „offizielle“ Vertrauen in ihre Fähigkeit zur Bezahlung der
Schulden entzogen wird – mindestens mit Dollars, die noch etwas wert sind. (…)
Und seither hat sich die Lage in allen Ländern mit den verschiedenen
Aufschwungsplänen nur noch verschlimmert. So stellt der Bankrott der PIIGS nur
die Spitze des Eisbergs des Bankrotts einer Weltwirtschaft dar, die ihr
Überleben seit Jahrzehnten nur der verzweifelten Flucht nach vorn in die
Verschuldung verdankt. (…) Die Krise der Verschuldung verschob sich von der
Bankensphäre in diejenige der Staatskassen, wodurch die kapitalistische
Produktionsweise in eine neue Phase ihrer zugespitzten Krise eingetreten ist,
in der sich die Gewalt und die Ausdehnung ihrer Erschütterungen noch einmal beträchtlich
verschärfen werden. Es gibt für den Kapitalismus keinen „Ausgang aus dem
Tunnel“. Dieses System kann die Gesellschaft nur noch in eine ständig wachsende
Barbarei ziehen.“

Die Zeit unmittelbar
nach dem Kongress hat diese Analyse bestätigt. Einerseits hat sich die
Verschuldungskrise der europäischen Länder, die sichtbar nicht mehr nur die
„PIIGS“ betrifft, sondern die gesamte Eurozone erfasst hat, mehr und mehr
zugespitzt. Der angebliche „Erfolg“ des Europäischen Gipfels vom 22. Juli zu
Griechenland hat kaum etwas verändert. Schon alle vorangegangenen Gipfeltreffen
hatten sich vorgenommen, die Schwierigkeiten in diesem Land dauerhaft in den
Griff zu bekommen, doch mit geringstem Erfolg!

Andererseits haben
zur selben Zeit als Obama größte Schwierigkeiten hatte, seine Budgetpolitik
durchzusetzen, die Medien „entdeckt“, dass die USA auch mit einer gigantischen
Staatsverschuldung konfrontiert sind, deren Niveau (130% des Bruttoinlandproduktes)
den PIIGS in nichts nachsteht. Die Bestätigung der Analysen, die am Kongress
gemacht worden sind, ist nicht etwa ein besonderes Verdienst unserer
Organisation. Das „Verdienst“, das wir für uns beanspruchen können, ist die
Treue gegenüber den klassischen Analysen der Arbeiterbewegung, welche immer,
seit der Entwicklung der marxistischen Theorie, unterstrichen haben, dass die
kapitalistische Produktionsweise, gleich wie die früheren, vergänglich ist und
ihre Widersprüche nicht überwinden kann. Die Diskussion am Kongress hat sich in
diesem marxistischen Rahmen entfaltet. Es wurden verschiedene Standpunkte
ausgetauscht, vor allem bezüglich der fundamentalen Gründe der kapitalistischen
Widersprüche (welche im Wesentlichen in unserer Debatte über die 30 glorreichen
Jahre dargelegt sind[2]) und über
die Möglichkeit, dass die Weltwirtschaft durch die hemmungslose Ankurbelung der
Geldpresse in eine Hyperinflation stürzt, vor allem in den USA. Eine große
Einigkeit bestand hinsichtlich der Dramatik der aktuellen Lage. Die Resolution
zur internationalen Lage wurde einstimmig angenommen.

Der Kongress nahm
sich ebenfalls der Entwicklung der imperialistischen Konflikte an, wie man der
Resolution entnehmen kann. Diesbezüglich gab es in den zwei Jahren seit dem
letzten Kongress keine grundlegenden Veränderungen, sondern im Wesentlichen
eine Bestätigung dessen, dass die größte Weltmacht USA trotz all ihrer
militärischen Bemühungen unfähig ist, ihre „Leadership“ wieder herzustellen,
die seit dem Ende des „Kalten Krieges“ bestanden hatte. Das Engagement der USA
im Irak und in Afghanistan konnte der Welt keine „Pax Americana“ aufzwingen, im
Gegenteil: „Die „neue Weltordnung“, die Vater George Bush vor 20 Jahren
prognostizierte und die er sich unter der Vorherrschaft der USA erträumte, entlarven
sich je länger je mehr als ein „Weltchaos“ – ein Chaos, das die Konvulsionen
der kapitalistischen Wirtschaft nur noch verschlimmern wird.“ (Punkt 8 der
Resolution)

Es war wichtig, dass
sich der Kongress ganz besonders der heutigen Entwicklung im Klassenkampf
gewidmet hat, denn neben der Wichtigkeit, welche diese Frage für Revolutionäre
immer hat, steht heute die Arbeiterklasse wie selten zuvor in allen Ländern
Angriffen auf ihre Existenzbedingungen gegenüber. Diese Angriffe sind besonders
brutal in den Ländern, die der Europäischen Zentralbank und dem IWF unterworfen
sind, wie das Beispiel Griechenlands zeigt. Doch sie breiten sich auch auf alle
anderen Länder aus, durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit und die
Notwendigkeit für die Regierungen, die Staatsschulden zu reduzieren.

Schon die Resolution
des 18. Kongresses hatte deshalb hervorgehoben: „Doch die wichtigste Form, in
der diese Angriffe stattfinden – Massenentlassungen, läuft der Entwicklung
solcher Kämpfe (Massenkämpfe) zunächst zuwider. (…) Erst in einer zweiten
Phase, wenn sie in der Lage sein wird, den Erpressungen der Bourgeoisie zu
widerstehen, wenn sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass nur der vereinte und
solidarische Kampf die brutalen Angriffe der herrschenden Klasse bremsen kann –
namentlich wenn diese versuchen wird, die gewaltigen Budgetdefizite, die
gegenwärtig durch die Rettungspläne zugunsten der Banken und durch die
„Konjunkturprogramme“ angehäuft werden, von allen ArbeiterInnen bezahlen
zulassen –, erst dann werden sich Arbeiterkämpfe in größerem Ausmaß entwickeln
können.“

Der 19. Kongress hat
nun festgestellt: „Die zwei Jahre, die uns vom letzten Kongress trennen, haben
dies vollauf bestätigt. Diese Periode war nicht gezeichnet von verbreiteten
Kämpfen gegen die massiven Entlassungen oder gegen die steigende
Arbeitslosigkeit, welche die Arbeiterklasse in den am meisten fortgeschrittenen
Ländern über sich ergehen lassen muss. Gleichzeitig gibt es aber bedeutende
Kämpfe gegen die „notwendigen Kürzungen der Sozialausgaben“.“ Dennoch hält der
Kongress fest: „Doch diese Antwort ist immer noch schüchtern, vor allem dort,
wo die Sparmaßnahmen die brutalsten Formen angenommen haben, in Ländern wie
z.B. Griechenland oder Spanien, auch wenn die Arbeiterklasse dort in letzter
Zeit ein bedeutendes Niveau an Kampfbereitschaft gezeigt hat. In gewisser Weise
scheint die Brutalität der Angriffe in den Reihen der Arbeiterklasse ein Gefühl
der Machtlosigkeit ausgelöst zu haben, vor allem auch, weil sie durch „linke“
Regierungen durchgesetzt wurden.“ Seither hat die Arbeiterklasse in diesen
Ländern aber bewiesen, dass sie nicht resigniert. So vor allem in Spanien, wo
die Bewegung der „Empörten“ während mehrerer Monate zu einem Orientierungspunkt
für die anderen Länder in Europa und in anderen Kontinenten geworden ist.  

Diese Bewegung in
Spanien begann just im Moment, als der Kongress stattfand, deshalb konnten
diese Ereignisse auf dem Kongress nicht diskutiert werden. Somit war der
Kongress vor allem geprägt vom Nachdenken über die sozialen Bewegungen, welche
die arabischen Länder seit Ende 2010 erfasst haben. In den Diskussionen zeigte
sich keine absolute Einigkeit darüber, vor allem nicht über die Frage ihres
neuartigen Charakters. Doch der gesamte Kongress sammelte sich um die Analyse
welche in der Resolution enthalten ist:

Die
massivsten Bewegungen, die wir in der letzten Zeit erlebt haben, entfalteten
sich nicht in den am höchsten industrialisierten Ländern, sondern in Ländern
der Peripherie des Kapitalismus, vor allem in einigen Ländern der arabischen
Welt wie in Tunesien und Ägypten. Dort war die herrschende Klasse, nachdem sie
erst mit einer brutalen Repression geantwortete hatte, gezwungen, die
Diktatoren abzusetzen. Diese Bewegungen waren nicht klassische Arbeiterkämpfe,
wie sie sich in diesen Ländern kurz zuvor ereignet hatten (z.B. die
Arbeitskämpfe in Gafsa in Tunesien 2009 oder die massiven Streiks in der
ägyptischen Textilindustrie während des Sommers 2007, die eine große
Solidarität von anderen Sektoren erhielten). Sie haben oft die Form sozialer
Revolten angenommen, in denen sich verschiedenste Teile der Gesellschaft
wiederfanden: Beschäftigte des Staates und der Privatwirtschaft, Arbeitslose,
aber auch Kleinhändler und Bauern und Freiberufliche, die Jugend usw. Aus
diesem Grund ist die Arbeiterklasse über die meiste Zeit hinweg nicht direkt
als solche erkennbar aufgetreten (wie zum Beispiel in den Streiks in Ägypten in
der Endphase der Revolte) und konnte noch weniger eine führende Rolle einnehmen.
Dennoch ist der Ursprung dieser Revolten (was sich in vielen Forderungen widerspiegelte)
derselbe wie derjenige von Arbeiterkämpfen in anderen Ländern: die dramatische
Zuspitzung der Krise und die zunehmende Misere, welche innerhalb der gesamten nichtausbeutenden
Bevölkerung um sich greift. Wenn die Arbeiterklasse in diesen Kämpfen im
arabischen Raum im Allgemeinen nicht als Klasse aufgetreten ist, so war ihr
Einfluss in den Ländern, in denen sie ein stärkeres Gewicht hat, dennoch
spürbar. Dies vor allem durch die Atmosphäre einer großen Solidarität in den
Revolten und die Fähigkeit, Fallen von blinder und verzweifelter Gewalt zu
vermeiden, auch dann, wenn sie mit einer starken Repression konfrontiert waren.
Wenn schlussendlich die herrschende Klasse in Tunesien und Ägypten auf den
Ratschlag der USA hin die alten Diktatoren über die Klinge springen ließ, so
geschah dies weitgehend wegen der starken Präsenz der Arbeiterklasse in diesen
Bewegungen.“

Das Erwachen der
Arbeiterklasse in peripheren Ländern des Kapitalismus hat den Kongress
gedrängt, auf unsere Analyse, die wir 1980 während der Massenstreiks in Polen
gemacht hatten, zurück zu kommen: „Damals argumentierte die IKS auf der Basis
der Positionen, die von Marx und Engels entwickelt wurden, dass der Funke zur
proletarischen Revolution vor allem in den zentralen Ländern des Kapitalismus
entspringen wird. Dies aufgrund der großen Konzentration der Arbeiterklasse in
diesen Ländern und vor allem aufgrund ihrer historischen Erfahrung, welche sie
eher in die Lage versetzt, von der herrschenden Klasse gestellte ideologische
Fallen zu durchschauen. Einer der wichtigsten Schritte für die weltweite
Arbeiterklasse in der Zukunft wird nicht nur die Entfaltung massiver Kämpfe in
den zentralen Ländern Westeuropas sein, sondern auch die Fähigkeit, die
demokratischen und gewerkschaftlichen Fallen zu vermeiden, indem sie den Kampf
in die eigenen Hände nimmt. Diese Bewegungen werden für die weltweite
Arbeiterklasse ein Orientierungspunkt sein, einschließlich für die Arbeiterklasse
im mächtigsten kapitalistischen Land, den USA, wo das Abgleiten in die
zunehmende Armut, das schon heute Millionen von Beschäftigten betrifft, den
„amerikanischen Traum“ in einen Albtraum verwandelt hat.“

Diese Analyse erhält
eine erste Bestätigung durch die jüngste Bewegung der „Empörten“ in Spanien.
Während die Demonstranten in Tunis und Kairo die nationalen Flaggen für ein
Zeichen ihres Kampfes hielten, so fehlten diese seit Ende des letzten Frühlings
in den meisten großen Städten Europas (vor allem in Spanien). Zweifelsohne ist
die Bewegung der „Empörten“ noch mit starken Illusionen in die Demokratie
behaftet, doch sie hatte die Qualität, aufzuzeigen, dass alle Staaten, selbst
die „demokratischsten“ und damit auch die von Linken regierten, ein Feind der
Arbeiterklasse sind.

Die
Intervention der IKS in den sich entfaltenden Kämpfen

Wie wir bereits festgestellt haben, besteht
die Fähigkeit revolutionärere Organisationen darin, die aktuelle historische
Situation zu analysieren und mitunter auch in der Ehrlichkeit, sich von
Analysen, welche durch die Realität in Frage gestellt werden, zu lösen. Dies
ist eine Bedingung für die Qualität ihrer Intervention innerhalb der
Arbeiterklasse, nicht nur was die Form angeht, sondern auch den Inhalt. Das
heißt für eine revolutionäre Organisation schlussendlich, auf der Höhe der
Verantwortung zu sein, deretwegen sie die Arbeiterklasse hervorgebracht hat.

Auf der Grundlage
einer Einschätzung der Wirtschaftskrise, der furchtbaren Angriffe, die diese
für die Arbeiterklasse nach sich zieht, und auf der Grundlage der ersten
Antworten derselben auf diese Angriffe, ging der 19. Kongress der IKS davon
aus, dass wir in eine neue Phase der Entwicklung des Klassenkampfes eintreten,
die deutlich intensiver und massenhafter sein werden als in der Zeitspanne
zwischen 2003 und heute. In dieser Hinsicht ist es aber vielleicht noch
schwieriger als beim Verlauf der Krise, der diese Entwicklung im Großen und
Ganzen bestimmt, kurzfristige Voraussagen zu treffen. Es gilt hingegen, eine allgemeine
Tendenz auszumachen und angesichts der Entwicklung der Lage besonders wachsam
zu sein, um schnell und angemessen reagieren zu können, wenn sie es erfordert,
sei es mittels Stellungnahmen oder der direkten Intervention in den Kämpfen.

Der 19. Kongress
schätzte die Bilanz der Intervention der IKS seit dem letzten Kongress als
unbestreitbar positiv ein. Immer wenn es nötig war, und oft sehr schnell,
wurden Stellungnahmen in zahlreichen Sprachen auf unserer Webseite und in den
territorialen Zeitungen veröffentlicht. Im Rahmen dessen, was wir mit unseren
bescheidenen Kräften leisten können, verbreiteten wir unsere Presse anlässlich
der Demonstrationen, welche die sozialen Bewegungen begleiteten. Solche
Bewegungen waren in der letzten Zeit insbesondere die Bewegung gegen die
Rentenreform im Herbst 2010 in Frankreich oder die Mobilisierungen der
Schülerinnen und Schüler gegen die Angriffe, die vor allem die zukünftigen Studentinnen
und Studenten aus der Arbeiterklasse betrafen. Gleichzeitig hielt die IKS
öffentliche Diskussionsveranstaltungen in zahlreichen Ländern verschiedener
Kontinente ab, welche die sozialen Bewegungen zum Thema hatten. Gleichzeitig
intervenierten die Mitglieder der IKS, wenn immer es möglich war, in den Versammlungen,
Kampfkomitees, Diskussionszirkeln, Internetforen, um die Positionen und Analysen
der Organisation zu verbreiten und an der internationalen Debatte teilzunehmen,
die diese Bewegungen ausgelöst hatten.

Diese positive Bilanz
dient in keiner Weise dazu, die Militanten der IKS „bei der Stange zu halten“
oder gegenüber den Lesern des Artikels zu bluffen. Sie kann von Allen, welche
die Aktivitäten unserer Organisation kennen, überprüft und bestätigt werden, da
es sich um unsere öffentlichen Aktivitäten handelt.

Weiter zog der
Kongress eine positive Bilanz über unsere Intervention gegenüber Leuten und
Gruppen, die kommunistische Positionen verteidigen oder sich solchen Positionen
annähern.

Die Perspektive einer
starken Entfaltung der Klassenkämpfe bringt auch ein Heranwachsen von
revolutionären Minderheiten mit sich. Auch wenn die Arbeiterklasse noch nicht
in massive Kämpfe eingetreten ist, so haben wir festgestellt (wie schon in der
Resolution zur internationalen Lage vom 17. Kongress festgehalten[3]), dass ein
solches Heranwachsen vor allem deshalb entsteht, weil seit 2003 die
Arbeiterklasse den Rückschlag, den sie ab 1989 nach dem Zusammenbruch des
sogenannten „sozialistischen“ Blocks durch die Kampagnen über das „Ende des
Kommunismus“ und somit das „Ende des Klassenkampfes“ erlitt, wieder zu
überwinden beginnt. Seither, auch wenn noch schüchtern, hat sich diese Tendenz
durch regelmäßige Kontakte und Diskussionen mit Einzelpersonen und Gruppen in
verschiedenen Ländern bestätigt. „Dieses Phänomen der Herausbildung von
Kontakten betrifft nicht nur die Länder, in denen die IKS schon präsent ist.
Und die Zunahme von Kontakten ist auch nicht sofort in allen Ländern spürbar,
in denen die IKS aktiv ist – weit entfernt davon. Wir können sogar sagen, dass
diese Erscheinungen nur einer Minderheit der Sektionen der IKS vorbehalten
bleibt.“ (mündliche Präsentation des Berichts über die Kontakte auf dem
Kongress)

In der Tat sind oft
Kontakte in Ländern aufgetaucht, in denen die IKS nicht (oder noch nicht) mit
Sektionen präsent ist. Dies hatten wir auch an der „panamerikanischen“
Konferenz festgestellt, welche im November 2010 abgehalten wurde und auf der
unter anderen OPOP, Genossen aus Brasilien, Peru, der Dominikanischen Republik
und Ecuador teilnahmen[4].
Wegen der Entwicklung
dieses Umfeldes von Kontakten „hat unsere Arbeit ihnen gegenüber stark
zugenommen, was auch einen arbeitsmäßigen und finanziellen Aufwand mit sich
bringt, so wie ihn unsere Organisation noch nie für die Kontaktarbeit leistete,
aber auch die zahlreichsten und spannendsten Diskussionen seit unserer
Gründung erlaubte
“ (Bericht über die Kontakte).

Dieser Bericht
„schenkte den neuen Entwicklungen hinsichtlich unserer Kontakte besondere
Aufmerksamkeit, namentlich der Zusammenarbeit mit Anarchisten. Es gelang uns
bei gewissen Gelegenheiten, in Kämpfen gemeinsame Sache mit Leuten und Gruppen
zu machen, die sich im gleichen Lager wie wir befinden – in demjenigen des
Internationalismus.“ (Einführung des Berichts am Kongress) Diese Zusammenarbeit
mit Leuten und Gruppen, die sich auf den Anarchismus berufen, stieß in der
Organisation zahlreiche und fruchtbare Diskussionen an, die es uns erlaubten,
die verschiedenen Facetten dieser Strömung besser kennen zu lernen und
insbesondere die ganze Vielfältigkeit, die es in diesem Milieu gibt, besser zu
verstehen (von simplen Linken, die bereit sind, alle möglichen bürgerlichen
Bewegungen und Ideologien wie den Nationalismus zu unterstützen, bis hin zu
eindeutig proletarischen Leuten mit einem standfesten Internationalismus).

„Eine andere
Veränderung ist unsere Zusammenarbeit in Paris mit Leuten, die sich zum
Trotzkismus bekennen (…) Grundsätzlich waren diese Leute (während den
Mobilisierungen gegen die Rentenreform) sehr aktiv in der Hinsicht, dass die
Arbeiterklasse ihren Kampf außerhalb des gewerkschaftlichen Rahmens in die
eigenen Hände nehmen soll, und sie haben auch die Diskussionen in der
Arbeiterklasse gefördert, so wie es die IKS tut. Aus diesen Gründen haben wir
uns ihren Anstrengungen angeschlossen. Dass sich ihre Haltung auf
Konfrontationskurs mit der klassischen Praxis des Trotzkismus befindet, ist
umso besser.“ (mündliche Einführung zum Bericht)   

Der Kongress konnte
auch eine positive Bilanz unserer Aktivitäten gegenüber Leuten ziehen, die
revolutionäre Positionen verteidigen oder sich ihnen annähern. Dies ist eine
sehr wichtige Arbeit gegenüber der Arbeiterklasse, da sie zur Bildung der zukünftigen
revolutionären Partei beiträgt, welche für eine proletarische Revolution
unabdingbar ist[5]. 

Organisationsfragen

Jede Diskussion über
die Tätigkeit einer revolutionären Organisation muss sich auch der Bilanz ihrer
Funktionsweise widmen. Gerade hier stellte der Kongress auf der Grundlage der
verschiedenen Berichte große Schwächen in unserer Organisation fest. Wir haben
bereits in unserer Presse und auch auf öffentlichen Veranstaltungen
organisatorische Schwierigkeiten thematisiert, mit denen die IKS in ihrer
Vergangenheit konfrontiert war. Dies nicht aus Exhibitionismus, sondern weil es
einer traditionellen Vorgehensweise innerhalb der Arbeiterbewegung entspricht.
Der Kongress diskutierte lange über diese Schwierigkeiten, im Besonderen über
den Zustand des oft angeschlagenen Organisationsgewebes und die Schwierigkeit,
wirklich kollektiv zu arbeiten, ein Problem, von dem einige Sektionen betroffen
sind. Die IKS hat aber keine Krise wie 1981, 1993 und 2001. 1981 hatten wir
erlebt, wie ein beträchtlicher Teil der Organisation die politischen und
organisatorischen Prinzipien, auf deren Grundlage wir uns zusammengeschlossen
hatten, in Frage stellte, was zu gravierenden Spannungen und zum Verlust der
Hälfte unserer Sektion in Großbritannien führte. 1993 und 2001 war die IKS mit
dem Problem des Clangeistes konfrontiert, der zu einem Loyalitätsverlust
gegenüber der Organisation und zu erneuten Austritten führte (1995 vor allem
von Mitgliedern der Sektion in Paris und 2001 von solchen des Zentralorgans)[6]. Einer der
Gründe der letzten zwei Krisen ist für die IKS das Gewicht der Konsequenzen aus
dem Zusammenbruch des so genannten „sozialistischen“ Blocks, denn dieses
Ereignis hat zu einem enormen Rückfluss im Bewusstsein der Arbeiterklasse
geführt. Dazu kommt noch ein verstärkter sozialer Zerfall, der in der maroden
kapitalistischen Gesellschaft um sich greift. Die heutigen Probleme haben
teilweise dieselben Gründe, doch es ist kein Verlust der Überzeugung und der
Loyalität zur Organisation sichtbar.     
  

Alle Genossinnen und
Genossen der Sektionen in denen sich diese Schwierigkeiten zeigen, sind voll
überzeugt von der Richtigkeit des Kampfes, den die IKS führt, sind absolut
loyal und beweisen ihren selbstlosen Einsatz. Auch wenn die IKS mit der
schwierigsten Periode seit dem Ende der Konterrevolution, das durch den
Ausbruch der Bewegung im Mai 1968 markiert wurde, konfrontiert war, eine
Periode gekennzeichnet von einem generellen Rückfluss des Bewusstseins und der
Kampfbereitschaft vom Beginn der 1990er Jahre an, so blieben die Mitglieder der
IKS „standfest auf ihrem Posten“. Oft kennen sich diese Genossen und
Genossinnen seit mehr als dreißig Jahren und arbeiten so lange politisch zusammen.
Häufig gibt es aus diesem Grund zwischen ihnen freundschaftliche und von
Vertrauen geprägte Beziehungen. Aber kleine Fehler, kleine Schwächen, Verschiedenheiten
im Charakter, die jeder und jede bei den anderen akzeptieren muss, führen
manchmal zu Spannungen oder zur wachsenden Schwierigkeit, nach Jahrzehnten
überhaupt noch zusammen arbeiten zu können, gerade in kleinen Sektionen, die
insbesondere wegen des allgemeinen Zurückweichens der Arbeiterklasse in den
1990er Jahren keine „Blutauffrischung“ mit neuen Mitgliedern erfahren haben.
Heute beginnt diese „Blutauffrischung“ einige IKS–Sektionen wieder zu beleben,
aber es ist klar, dass die neuen Mitglieder sich nur dann gut in die
Organisation werden integrieren können, wenn sich das Organisationsgewebe als
Ganzes verbessert. Der Kongress diskutierte offen über diese Schwierigkeiten,
was einige der eingeladenen Gruppen dazu verleitete, auch über ihre Organisationsschwierigkeiten
zu berichten. Natürlich fand der Kongress keine „Zauberlösung“ für diese
Probleme, die auch schon an früheren Kongressen festgestellt worden waren. Die
Aktivitätenresolution, welche die Organisation angenommen hat, erinnert deshalb
an die auch schon früher vertretene Herangehensweise und ruft alle Genossinnen
und Genossen und Sektionen dazu auf, sie systematisch in die Tat umzusetzen:

„Seit 2001 hat die
IKS eine sehr anspruchsvolle theoretische Arbeit zur Vertiefung der Frage, was
die Militanz in einer kommunistischen Organisation (und auch der Parteigeist)
ist, aufgenommen. Wir mussten eine kreative Anstrengung leisten, um auf
möglichst hohem Niveau folgende Aspekte zu verstehen:

  die
Ursprünge der proletarischen Solidarität und des Vertrauens,

  die
moralische und ethische Dimension des Marxismus,

  die
Demokratie und der Demokratismus und ihre Feindschaft gegenüber dem
kommunistischen Engagement,

  die
Psychologie und Anthropologie und ihr Verhältnis zum Ziel des Kommunismus,

  die
Zentralisierung und die kollektive Arbeit,

  die
proletarische Debattenkultur,

  der
Marxismus und die Wissenschaften.

Kurzum, die IKS hat
sich dafür eingesetzt, ein besseres Verständnis über die menschliche Dimension
des kommunistischen Ziels und der kommunistischen Organisation zu erarbeiten.
Dies um die Tragweite der Vision über ein kommunistisches Engagement neu zu
entdecken, welche im Verlauf der Konterrevolution fast gänzlich
verlorengegangen war, und auch um sie gegen die Angriffe von Zirkeln und Clans
zu schützen, welche sich in einer Atmosphäre der Ignoranz und Leugnung
gegenüber Fragen der Organisation und des Engagements entwickelt hatten“ (Punkt
10).

„Die Verwirklichung
einheitlicher Prinzipien für die Organisation – die kollektive Arbeit –
erfordern die Entfaltung aller menschlichen Qualitäten in Verbindung mit einer
theoretischen Anstrengung zur Erfassung des kommunistischen Engagements als etwas
Positives, so wie es im Punkt 10 formuliert ist. Dies erfordert, dass sich der
gegenseitige Respekt, die Solidarität, die Reflexe der Zusammenarbeit, ein
herzlicher Geist des Verständnisses und der Sympathie für die Anderen, soziale
Beziehungen und die Großzügigkeit entwickeln müssen“ (Punkt 15).

Die
Diskussion über „Marxismus und Wissenschaft“

Eines der Anliegen in den Diskussionen und in
der vom Kongress angenommenen Aktivitätenresolution drehte sich um die
Notwendigkeit, auch die theoretischen Aspekte der vor uns stehenden Fragen zu
vertiefen. Aus diesem Grund widmete dieser Kongress – wie auch schon die
früheren – einen Punkt der Tagesordnung einer theoretischen Frage: „Marxismus
und Wissenschaft“, welche wir, wie die Mehrheit der anderen theoretischen
Fragen, innerhalb der Organisation vorgängig diskutiert hatten, und zu der wir
auch Texte veröffentlichten. Wir gehen hier nicht ausführlich auf dieses Thema
ein, dem schon im Vorfeld des Kongresses zahlreiche Diskussionen in den
Sektionen vorangegangen waren. Aber es gilt trotzdem darauf hinzuweisen, dass
die Delegationen ob dieser Diskussion sehr zufrieden waren, was insbesondere
auch den Beiträgen eines Wissenschafters, Chris Knights[7], zu verdanken war, den wir
eingeladen hatten, an einem Teil des Kongresses teilzunehmen. Es war nicht das
erste Mal, dass die IKS einen Wissenschafter zu ihrem Kongress einlud. Vor zwei
Jahren war
Jean–Louis Dessalles gekommen, um uns seine
Überlegungen zur Entwicklung der Sprache darzulegen, was zu sehr interessanten
und spannenden Diskussionen geführt hatte[8].
Wir möchten uns
herzlich dafür bedanken, dass Chris die Einladung angenommen hat, und die
Qualität seiner Interventionen wie auch deren Lebendigkeit und Verständlichkeit
für wissenschaftliche Laien, die wir zum größten Teil sind, begrüßen. Chris
Knight hat sich dreimal zu Wort gemeldet[9]. Er hat in der allgemeinen
Debatte das Wort ergriffen und alle Anwesenden waren nicht nur von der Qualität
seiner Argumente beeindruckt, sondern auch von seinem Verhalten, strikte die
Redezeit und den Rahmen der Debatte zu respektieren (etwas, das den Mitgliedern
der IKS oftmals schwer fällt). Danach präsentierte er in sehr bildlicher Art
und Weise eine Zusammenfassung seine Theorie über die Ursprünge der
Zivilisation und der menschlichen Sprache und erläuterte die ersten
„Revolutionen“, welche die Menschheit kannte, in denen die Frau eine führende
Rolle spielte (eine Idee, die er von Engels aufnimmt), Umwälzungen, auf die
mehrere andere folgten und die der Menschheit jedes Mal einen Fortschritt
erlaubten. Er sieht die kommunistische Revolution als Kulminationspunkt dieser
Serie von Revolutionen und geht davon aus, dass die Menschheit die Fähigkeit
besitzt, dorthin zu gelangen.

Die dritte
Intervention von Chris Knight war ein sehr herzlicher Dank an unseren Kongress.

Nach dem Kongress
haben alle Delegationen die Diskussion über „Marxismus und Wissenschaft“ und
die Beteiligung von Chris Knight daran als einen der interessantesten und
anregendsten Momente des Kongresses hervorgehoben – als etwas, das das
Interesse der Gesamtheit der Sektionen für solche theoretischen Fragen stärkt.

Bevor wir zur
Schlussfolgerung in diesem Artikel kommen, müssen wir noch erwähnen, dass die
Teilnehmer an diesem IKS–Kongress, der fast exakt 140 Jahre nach der blutigen
Niederschlagung der Pariser Kommune abgehalten wurde, den Kämpfern dieser
ersten revolutionären Anstrengung des Proletariates gedachten.[10]         

Wir ziehen keine
triumphalistische Bilanz über den 19. Kongress des IKS, vor allem weil er die
Organisationsschwierigkeiten abstecken musste, mit denen wir kämpfen.
Schwierigkeiten, die wir überwinden müssen, wenn die Organisation weiterhin an
den Rendezvous teilnehmen will, zu denen die Geschichte die revolutionären
Organisationen einlädt. Vor uns steht deshalb ein langer und schwieriger Kampf.
Doch soll uns diese Perspektive nicht entmutigen. Denn schließlich ist der
Kampf der ganzen Arbeiterklasse auch lang und schwierig, voller Hinterhalte und
Niederlagen. Diese Perspektive soll die Organisationsmitglieder vielmehr in
ihrem Willen bestärken, diesen Kampf zu führen. Ein grundlegender Wesenszug
eines/r jeden kommunistischen Militanten ist es, ein/e Kämpfer/in zu sein.

IKS 31.07.2011


[1]
OPOP war schon auf dem letzten Kongress der IKS anwesend. Siehe zu dieser
Gruppe mehr in den Artikeln über den 17. und 18. Kongress in
Internationale
Revue
Nr. 40 und 44.

[2]Siehe dazu: Internationale Revue Nr. 42,43,44, 45,46

[3]„Wie
1968 geht heute die Zunahme der Arbeiterkämpfe mit einem vertieften Nachdenken
einher. Dabei stellt das Auftauchen neuer Leute, die sich den Positionen der
Kommunistischen Linken zuwenden, lediglich die Spitze des Eisbergs dar.“
(Internationale
Revue
Nr. 40)   

[4]Siehe dazu unseren Artikel: “5ª Conferencia Panamericana de la Corriente Comunista
Internacional – Un paso importante hacia la unidad de la clase obrera”
. http://es.internationalism.org/RM120–panamericana.

[5]Der
Kongress hat eine Kritik aufgenommen und diskutiert, welche im Bericht über die
Kontakte an einer Formulierung in der Resolution über die internationale
Situation vom 16. Kongress geübt wurde:
„Die IKS
bildet bereits das Skelett der zukünftigen Partei“
.
Die Kritik lautet: „Es ist nicht möglich, schon heute zu formulieren, welchen
organisatorischen Anteil die IKS an der künftigen Partei haben wird, denn dies
hängt vom allgemeinen Zustand und der Entwicklung des neuen Milieus und auch
unserer Organisation ab“. Das heißt, die IKS hat die Verantwortung, das Erbe
der Kommunistischen Linken lebendig zu halten und zu bereichern, damit die
jetzigen und kommenden Generationen von Revolutionären und auch die künftige
Partei davon profitieren können. Mit anderen Worten: Sie hat die Aufgabe, eine
Brücke zwischen den Revolutionären von 1917–23 und der zukünftigen revolutionären
Welle zu bilden.  

[6]Die
Leute, welche ihre Loyalität gegenüber der Organisation aufgaben, verfielen oft
einer Dynamik, welche wir als „parasitär“ bezeichnen: Unter dem Anschein, die
„wirklichen“ Positionen der Organisation zu verteidigen, unternahmen sie alles
Mögliche, um die Organisation zu verunglimpfen und zu diskreditieren. Wir haben
zu dieser Frage einen Texte verfasst („
Aufbau der revolutionären
Organisation: Thesen über den Parasitismus“
, in Internationale
Revue
Nr. 22). Es soll hier erwähnt werden, dass einige Genossen
der IKS, die keineswegs solche Verhaltensweisen bestreiten und im besten
Willen, die Organisation zu verteidigen, diese Analyse über den Parasitismus
nicht teilen. Diese Meinungsverschiedenheiten kamen auch auf dem Kongress zur
Sprache.        

[7]
Chris Knight ist ein britischer Akademiker, der bis 2009 am London East College
Anthropologie unterrichtete. Er ist insbesondere Autor des Buches
Blood
Relations, Menstruation and the Origins of Culture
,
worüber wir Beiträge auf unserer englischsprachigen Webseite veröffentlichten (
http://en.internationalism.org/2008/10/Chris–Knight)
und das sich treu auf die Evolutionstheorie von Darwin und auch auf die Arbeiten
von Marx und vor allem Engels abstützt (namentlich auf
Der
Ursprung der Familie, des Eigentums und des Staats).

Er bezeichnet sich als „100%igen“ Marxisten und Anthropologen. Er ist überdies
Mitglied der Radical Anthropology Group und anderer Zusammenschlüsse, welche
meist durch Straßentheater die kapitalistischen Institutionen denunzieren und
lächerlich machen. Er wurde von der Universität entlassen, weil er eine
Veranstaltung organisierte, die mit den Protesten gegen den G20–Gipfel im März
2009 in London in Zusammenhang stand. Chris Knight wurde des „Aufrufs zum Mord“
angeklagt, weil er eine Puppe, die einen Banker darstellte, aufgehängt hatte,
die mit der Aufschrift „Eat the bankers!“ versehen war. Wir sind nicht mit
allen Positionen und Aktionsformen von Chris Knight einverstanden. Doch
aufgrund der Diskussionen, die wir mit ihm seit einiger Zeit führen, sind wir
von seiner Aufrichtigkeit, seiner Treue zur Emanzipation der Arbeiterklasse und
seiner Haltung, dass die Wissenschaften und eine Kenntnis darüber ein
Instrument zur Emanzipation sind, überzeugt. In diesem Rahmen wollen wir Chris
Knight unsere volle Solidarität gegenüber den repressiven Maßnahmen (Entlassung
und Gefängnis), unter denen er zu leiden hat, ausdrücken.     

[8]Siehe
den Artikel über den 18. Kongress der IKS in
Internationale
Revue
Nr. 44 

[9]Wir
haben auf unserer Website Auszüge aus den Redebeiträgen von Chris Knight
publiziert. 

[10]Die
angenommene Erklärung ist auf der Website in französischer Sprache zu finden.