Die schlimmste Wirtschaftskrise der Geschichte des Kapitalismus

Die herrschende Klasse ist in Angst und Schrecken versetzt worden. Von
August bis Oktober gab es eine richtige Panik in der Weltwirtschaft. Die
Aufsehen erregenden Erklärungen von Politikern und Ökonomen verdeutlichen dies:
„Die Welt am Rand des Abgrunds". „Ein ökonomisches Pearl Harbour", ein „auf uns
zurollender Tsunami", „ein 11. September der Finanzen"[1] Nur
die Anspielung auf die Titanic fehlte noch.

Es stimmt, die größten Banken der Welt gerieten eine nach der anderen
in Konkurs, die Börse stürzte in den Keller. Seit Januar 2008 wurden 32.000
Milliarden Dollar verbraten, d.h. soviel wie zwei Jahre Gesamtproduktion der
USA. Die Börse Islands fiel um 94%, die Moskaus um 71%.

Schließlich ist es den Herrschenden gelungen, mit Hilfe eines
„Rettungsplans" und eines „Ankurbelungsplans" nach dem anderen die totale
Erstarrung der Wirtschaft zu vermeiden. Heißt dies aber, das Schlimmste sei
jetzt hinter uns? Sicher nicht! Die Rezession, die gerade erst angefangen hat,
wird wohl die zerstörerischste sein seit der Großen Depression von 1929.

Die Ökonomen gestehen es offen ein: „die gegenwärtige
Konjunktur ist seit Jahrzehnten nicht mehr so angeschlagen", meldet die HSBC,
„die größte Bank der Welt" am 4. August 2008.[2]
« Wir befinden uns in einem ökonomischen und politisch-monetären Umfeld, das
noch nie so schwierig war », legte der Präsident der US-FED am 22.8. noch einen
drauf.[3]

Die internationale Presse täuschte sich nicht, als sie die
gegenwärtige Zeit mit der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre verglich, wie z.B.
das Titelblatt von Time ankündigte: „The New Hard Times" (neue harte Zeiten)
mit einem Photo von Arbeitern, die 1929 für eine kostenlose Suppe in einer
Armenküche anstanden. Tatsächlich sieht man solche Bilder heute immer mehr. Die
Wohltätigkeitsorganisationen, die Essen verteilen, sind völlig überfordert,
während gleichzeitig die Warteschlagen Hunderttausender neuer Arbeitsloser vor
den Arbeitsämtern jeden Tag länger werden.

Am 24. September verkündete der damalige US-Präsident George
W. Bush noch : „Wir stecken mitten in einer schweren Finanzkrise (...) Unsere
ganze Wirtschaft ist in Gefahr. (...) Schlüsselbereiche des Finanzsystems
stehen vor der Gefahr des Zusammenbruchs. (...) Amerika könnte einer
Finanzpanik verfallen, und das würde uns in ein eine furchtbare Lage treiben.
Weitere Banken würden Pleite machen (...) Die Börse würde noch mehr
zusammenbrechen, wodurch Ihre Anlagen noch mehr schrumpfen würden. Der Wert
Ihrer Häuser würde sinken, noch mehr Zwangsversteigerungen. (...) Zahlreiche
Betriebe müssten schließen, und Millionen Amerikaner würden ihre Stelle
verlieren. (...) Schlussendlich würde unser Land in einer langen und
schmerzhaften Rezession versinken."

Nun wird die „lange und schmerzhafte Rezession"
Wirklichkeit; nicht nur « das amerikanische Volk », sondern die Arbeiter auf
der ganzen Welt sind nun betroffen.

Eine brutale Rezession...

Seit der nunmehr berühmt gewordenen ‘subprime' Krise vom
Sommer 2007 hört man jeden Tag mehr schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft.

Allein das ‚Blutbad' im Bankensektor im Jahre 2008 war
beeindruckend. Entweder wurden durch einen Konkurrenten aufgekauft oder durch
eine Zentralbank gestützt oder einfach verstaatlicht: Northern Rock (die
achtgrößte englische Bank), Bear Stearns (die fünfte Bank an der Wall Street),
Freddie Mac und Fannie Mae (zwei Finanzinstitute zur Finanzierung von
US-Hypotheken mit einem Geschäftsvolumen von ca. 850 Milliarden Dollar),
Merrill Lynch (eine einstige weitere US-Großbank), HBOS (zweitgrößte Bank
Schottlands), AIG (American International Group, einer der größten Versicherer
der Welt) und Dexia (Finanzinstitut aus Luxemburg, Belgien und Frankreich). Des
Weiteren kam es auch zu historischen und Aufsehen erregenden Pleiten. Im Juni
wurde Indymac, einer der größten US-Hypothekenfinanzierer unter
US-Staatsaufsicht gestellt. Dies war der größte Bankrott im US-Bankenwesen seit
24 Jahren. Aber dieser Rekord hielt nicht lange. Nur wenige Tage später musste
die viertgrößte US-Bank, Lehman Brothers, Bankrott anmelden. Die Gesamtsumme
ihrer Schulden betrug 613 Milliarden Dollar. Ein weiterer Rekord gebrochen. Bei
dem größten Bankenbankrott bis zum damaligen Zeitpunkt war 1984 die Continental
Illinois mit 40 Milliarden Dollar Pleite gegangen (d.h. eine 16 mal geringere
Summe). Aber nur zwei Wochen später ein neuer Rekord. Die Washington Mutual
(WaMu), die größte Sparkasse der USA, meldete ihrerseits Insolvenz an.

Nach dieser Art Infarkt des Herzens des kapitalistischen
Systems, dem Bankenwesen, ist jetzt der gesamte Körper in Mitleidenschaft
gezogen und geht danieder. „Die reale Wirtschaft" wird nun brutal erfasst. Dem
NBER (National Bureau of Economic Research) stecken die USA seit Dezember 2007
offiziell in einer Rezession. Der am meisten anerkannte Ökonom an der Wall
Street, Nouriel Roubini, geht gar davon aus, dass eine Schrumpfung der
US-Wirtschaft um 5% im Jahre 2009 und erneut um 5% in 2010 wahrscheinlich sei![4]
Wir können nicht wissen, ob dies tatsächlich der Fall sein wird, aber die
Tatsache, dass einer der berühmtesten Ökonomen der Welt solch ein
katastrophales Szenario ins Auge fassen kann, zeigt die wirkliche Besorgnis der
Herrschenden. Die OECD erwartet eine Rezession für die gesamte Europäische
Union in 2009. Die Deutsche Bank erwartet für Deutschland ein Schrumpfen des
BIP um bis zu 4%![5]
Um sich ein Bild davon zu machen, wie weitreichend solch eine Rezession sein
könnte, muss man wissen, dass das schlimmste Jahr seit dem 2. Weltkrieg bislang
1975 war, als das deutsche BIP „nur" um 0.9% geschrumpft war. Kein Kontinent
bleibt ausgespart. Japan steckt schon in der Rezession, und selbst in China,
diesem ‚kapitalistischen Wunderland', verlangsamt sich das Wachstum brutal. Die
Folge: Die Nachfrage ist dermaßen zusammengebrochen, dass alle Preise, auch die
Ölpreise, sinken. Kurzum - der Weltwirtschaft geht es sehr schlecht.

... und eine seit den 1930er Jahren nicht mehr da gewesene
Verarmung

Das erste Opfer dieser Krise ist natürlich die
Arbeiterklasse. In den USA ist die Verschlechterung der Lebensbedingungen
besonders spektakulär. Seit dem Sommer 2007 sind ca. 2.8 Mio. Arbeiter auf der
Straße gelandet, weil sie nicht mehr ihre Schulden zurückzahlen können. Dem
Verband der Hypothekenbanken MBA zufolge ist heute jeder Zehnte Schuldner in
den USA von Zwangsräumung bedroht. Und dieser Trend erfasst nunmehr auch
Europa, insbesondere Spanien und Großbritannien.

Auch die Massenentlassungen nehmen zu. In Japan hat Sony
einen Plan bislang nie da gewesenen Ausmaßes verkündet: 16.000 Stellen sollen
gestrichen werden, darunter 8.000 Beschäftigte der Stammbelegschaft. Dieser
japanische Standartenträger hatte zuvor nie Beschäftigten der Stammbelegschaft
gekündigt. In Anbetracht der Immobilienkrise leidet die Bauwirtschaft schwer.
In Spanien wird bis 2010 mit einer Zunahme der Zahl der Arbeitslosen um 900.000
gerechnet. In den Banken brechen die Arbeitsplätze reihenweise weg. Citigroup,
eine der größten Banken der Welt, wird ca. 50.000 Stellen streichen, nachdem
die Gruppe seit Anfang 2008 schon 23.000 Stellen gestrichen hatte. 2008 sind
alleine 260.000 Jobs im Bankensektor in den USA und in Großbritannien
weggefallen. Dabei sollen an einer Stelle im Bankenwesen im Durchschnitt vier
weitere Stellen hängen. Der Zusammenbruch der Finanzinstitutionen wird somit
Arbeitslosigkeit für Hunderttausende Arbeiterfamilien mit sich bringen. Auch
der Automobilsektor ist besonders hart getroffen. Um mehr als 30% sind die
Autoverkäufe seit dem letzten Herbst zurückgegangen. Seit Mitte November hat
z.B. Renault, der größte Autohersteller Frankreichs, seine Automobilproduktion
eingestellt. Kein Auto ist mehr vom Band gelaufen; dabei betrug die
Kapazitätsauslastung seit Monaten nur ca. 54%. Toyota wird ca. 3.000
Zeitarbeiter von 6.000 (d.h. 50%) in seinen japanischen Werken entlassen. Aber
erneut kommen die besorgniserregendsten Zahlen aus den USA: die berühmten
großen Drei aus Detroit (General Motors, Ford und Chrysler) stehen am Rande des
Bankrotts. Das erste Rettungspaket des US-Staates von 15 Mrd. Dollar wird ihnen
nicht dauerhaft weiterhelfen[6]
(die Big Three forderten übrigens mindestens 34 Mrd. Dollar). In den nächsten
Monaten ist mit großen Umstrukturierungen zu rechnen. Zwischen 2.3 und 3
Millionen Jobs stehen auf der Abschussliste. Und damit werden die entlassenen Arbeiter
nicht nur ihre Arbeit verlieren, sondern auch ihre Krankenversicherung und ihre
Rente!

Die unvermeidbare Konsequenz dieses massiven
Arbeitsplatzverlustes ist natürlich die explosive Zunahme der Arbeitslosigkeit.
In Irland, dem „Wirtschaftsmodell des letzten Jahrzehnts" hat sich die Zahl der
Arbeitslosen innerhalb eines Jahres verdoppelt; dies ist der stärkste je
registrierte Anstieg. In Spanien gab es Ende 2008 mehr als 3.13 Mio.
Arbeitslose, d.h. ca. eine Million mehr als 2007.[7]
In den USA wurden 2008 2.6 Mio. Stellen gestrichen - ein Rekord seit 1945.[8]
Das Jahresende war besonders verheerend, da allein im November und Dezember
mehr als 1.1 Millionen Beschäftigte ihre Stelle verloren. Wenn die Dinge so
weitergehen, könnte es noch mehr als 3-4 Millionen zusätzliche Arbeitslose bis
zum Sommeranfang 2009 geben.

Und diejenigen, die noch ihren Job behalten haben, werden
damit konfrontiert, „viel mehr arbeiten zu müssen, um viel weniger zu
verdienen".[9]
So berichtete das Bureau international du Travail (BIT) in seinem « Bericht
über die Löhne auf der Welt 2008/09", „Auf die 1.5 Milliarden Beschäftigten auf
der Welt kommen schwierige Zeiten zu", „die Weltwirtschaftskrise wird zu
schwerwiegenden und schmerzhaften Lohneinbußen führen".

Natürlich wird es infolge all dieser Angriffe zu einer
enormen Zunahme der Verarmung kommen. Von Europa bis zu den USA haben alle
karitativen Organisationen in den letzten Monaten mindestens 10% mehr Empfänger
von Armensuppen registriert. Diese Welle von Verarmung bedeutet, dass es immer
schwieriger sein wird, eine Wohnung zu finden, medizinische Versorgung zu
erhalten und sich zu ernähren. Und für die Jugend von heute heißt dies auch,
dass der Kapitalismus ihnen keine Zukunft mehr anzubieten hat.

Wie die Bourgeoisie diese Krise erklärt

Die wirtschaftlichen Mechanismen, welche die gegenwärtige
Rezession hervorgerufen haben, sind mittlerweile gut bekannt. In
Fernsehsendungen wurde immer wieder über die so genannten Hintergründe der
Entwicklung berichtet. Vereinfacht gesagt, wurden die Ausgaben der
„amerikanischen Haushalte"
(m.a. W. die Arbeiterfamilien) künstlich durch alle
möglichen Kreditformen aufrechterhalten, insbesondere durch einen Kredit mit
tollem Erfolg: risikobehaftete oder „subprime" Immobilienkredite. Die Banken,
Finanzinstitute, Pensionsfonds ...sie alle bewilligten Kredite ohne auf die
wirkliche Zahlungsfähigkeit dieser Beschäftigten zu achten (daher
‚risikobehaftet'), da man ihnen unbedingt eine Immobilie verkaufen wollte. Im
schlimmsten Fall, meinten sie, würden sie entschädigt durch den Verkauf der
Häuser, welche die Schuldner ihnen bei Zahlungsunfähigkeit als Pfand
hinterlassen müssten. Dies sorgte für einen Schneeballeffekt: Je mehr die
Beschäftigten Schulden machten, insbesondere zum Erwerb einer Immobilie, umso mehr
stieg der Wert einer Immobilie. Je teurer eine Immobilie wurde, desto mehr
konnten die Beschäftigten sich verschulden. Alle Spekulanten auf der Erde haben
sich an diesem Treiben beteiligt: Auch sie haben Immobilien erworben, um sie
wieder teurer zu verkaufen; und vor allem haben sie sich gegenseitig diese
berühmten subprimes mittels Finanztiteln verkauft (d.h. die Umwandlung von
Schuldscheinen in Immobilienwerte, die auf dem Weltmarkt wie jede andere Aktie
oder Obligation veräußert werden konnte). Innerhalb eines Jahrzehnts ist die
Spekulationsblase enorm angewachsen. Alle Finanzinstitute der Welt haben sich
an diesen Transaktionen in Milliardenumfang beteiligt. Mit anderen Worten,
Haushalte, von denen man wusste, dass sie nicht zahlungsfähig waren, wurde zu
Hühnern, die für die Weltwirtschaft goldene Eier legten.

Natürlich hat die ‘wirkliche Wirtschaft' diese Traumwelt auf
den harten Boden der Realität zurückgeholt. Im ‚wahren Leben' mussten all diese
hoch verschuldeten Beschäftigten auch die Folgen der Preisseigerungen und der
Lohnstops, der Entlassungen, der Kürzungen der Arbeitslosengelder usw. erleben.
Kurzum, auf der einen Seite kam es zu einer beträchtlichen Verarmung, auf der
anderen Seite konnten immer weniger ihre Schulden begleichen. Die Kapitalisten
haben daraufhin die zahlungsunfähigen Immobilienbesitzer vor die Tür gesetzt,
aber die Zahl der so auf die Verkaufsliste gesetzten Häuser war so groß,[10]
dass die Preise purzelten und ...bums... schmolz im Sommer 2007 der größte
Schneeball der Welt schnell dahin. Die Banken standen vor Hunderttausenden
zahlungsunfähiger Schuldner; der Wertverfall der Häuser war ungeheuerlich. Es
kam zum Krach.

All das mag absurd erscheinen. Leuten Geld zu leihen, die
nicht dazu in der Lage sind, zurückzuzahlen, richtet sich eigentlich gegen den
kapitalistischen ‚Menschenverstand'. Und dennoch hat sich der größte Anteil des
Wachstums der Weltwirtschaft während des letzten Jahrzehnts auf solch einen
Schwindel gestützt. Die Frage steht im Raum, warum dies geschah? Warum solch
ein Wahnsinn? Die Antwort der Journalisten, Politiker, Ökonomen ist einfach und
einstimmig: „Die Spekulanten sind schuld". „Die Habsucht der Abzocker", die
„unverantwortlichen Banker". Heute stimmen alle in den Chor der traditionellen
Beschuldigung der Linken und der extremen Linken hinsichtlich der Auswirkungen
der „Deregulierung" und des „Neoliberalismus" (eine Art grenzenloser
Liberalismus), und rufen zu einer Rückkehr des Staates auf, was übrigens das
wahre Wesen der „antikapitalistischen" Forderungen der Linken und extremen
Linken offenbart. So forderte der französische Präsident Sarkozy „der
Kapitalismus muss auf ethischen Grundlagen neu gegründet werden". Frau Merkel
beschimpfte Spekulanten. Der spanische Premier Zapatero wiederum klagte die „Fundamentalisten
des Marktes" an. Und Chavez, der illustre Paladin des « Sozialismus des 21.
Jahrhunderts » kommentierte die in Windeseile beschlossenen Verstaatlichungen
durch die Bush-Regierung: „Genosse Bush ist dabei, einige Maßnahmen zu
ergreifen, die für den Genossen Lenin typisch waren".[11]
Alle versichern uns, unsere Hoffnung müsse sich auf einen « anderen
Kapitalismus » richten, welcher menschlicher, moralischer sein müsse und ...
mehr Staat bedeute. All das sind Lügen! All das, was diese Politiker sagen, ist
falsch; angefangen mit ihrer angeblichen Erklärung der Rezession.

Die gegenwärtige wirtschaftliche Katastrophe ist die Folge von
100 Jahren Dekadenz

In Wirklichkeit hat der Staat selbst als allererster diese
generalisierte Verschuldung der Haushalte organisiert. Um die Wirtschaft
künstlich zu stützen, haben die Staaten überall die Kredithähne geöffnet, indem
sie die Leitzinsen der Zentralbanken senkten. Indem die-se Staatsbanken Kredite
zu Niedrigstzinsen, manchmal zu weniger als 1% Zinsen, anboten, wurde
massenhaft Geld in Umlauf gebracht. Die weltweite Verschuldung war also das
Ergebnis einer freien Entscheidung der Herrschenden und nicht das Ergebnis
irgendeiner „Deregulierung". Wie kann man sonst die Erklärung von G.W. Bush
nach dem 11. September 2001 verstehen, der damals zu Beginn der Rezession die
Beschäftigten dazu aufrief: „Seid gute Patrioten, konsumiert, kauft!" Der
amerikanische Präsident lieferte somit der ganzen Finanzwelt eine klare
Botschaft: multipliziert die Verbraucherkredite, sonst wird die Wirtschaft
zusammenbrechen![12]

Tatsächlich überlebt der Kapitalismus seit Jahrzehnten mit
Hilfe des Kredites. Die nachfolgende Grafik (Grafik 1),[13]
stellt die Entwicklung der gesamten US-Verschuldung seit 1920 dar (d.h. der
Staatsverschuldung, Verschuldung der Unternehmen und Haushalte). Sie ist
selbstredend. Um die Wurzel dieses Phänomens zu begreifen und die
vereinfachende und verfälschende Idee des „Wahnsinns der Banker, Spekulanten
und Unternehmer" zu entblößen, muss man das „große Geheimnis der modernen
Gesellschaft, die Mehrwertproduktion",[14]
so Marx, gelüftet werden.

 

Grafik 1: Entwicklung der US-Gesamtverschuldung seit 1920

 

Der Kapitalismus leidet seit seiner Entstehung an einer
angeborenen Krankheit. Er bringt ständig einen Giftstoff hervor, den sein
Körper nicht eliminieren kann - die „Überproduktion". Er stellt mehr Waren her
als sein Markt aufnehmen kann. Warum? Nehmen wir ein theoretisches Beispiel:
ein Fließbandarbeiter oder ein Beschäftigter, der mit einem Computer arbeitet,
erhält am Ende des Monats einen Lohn von 800 Euro. Er hat aber nicht für den
Wert von 800 Euro produziert (sein Lohn), sondern für den Wert von 1.200 Euro.
Er hat unbezahlte Arbeit geleistet, mit anderen Worten einen Mehrwert
geschaffen. Was macht der Kapitalist mit den 400 Euro, die er dem Arbeiter
gestohlen hat (vorausgesetzt, es gelingt ihm die Waren abzusetzen)? Er steckt
davon einen Teil in seine Tasche, nehmen wir an 150 Euro, und die verbleibenden
250 Euro investiert er wiederum in das Kapital seines Unternehmens, meistens
indem er neue, modernere Maschinen kauft usw. Aber warum macht der Kapitalist
dies? Weil er keine andere Wahl hat. Der Kapitalismus ist ein Konkurrenzsystem.
Die Kapitalisten müssen die Waren billiger verkaufen als die Konkurrenten,
welche die gleichen Waren anbieten. Deshalb muss der Unternehmer nicht nur
seine Herstellungskosten senken, d.h. die Löhne,[15]
sondern er muss auch einen wachsenden Teil der unbezahlten Arbeit dazu
verwenden, prioritär in leistungsfähigere Maschinen zu investieren, um die
Produktivität zu erhöhen.[16]
Wenn er dies nicht tut, kann er nicht modernisieren, und früher oder später
wird sein Konkurrent günstiger verkaufen und den Markt beherrschen können.
Somit wird das kapitalistische System durch ein widersprüchliches Phänomen
beherrscht: Indem die Arbeiter nicht für das entlohnt werden, was sie
tatsächlich hergestellt haben, und indem die Unternehmer gezwungen werden,
darauf zu verzichten, einen größeren Teil des so erzielten Profites zu
verbrauchen, stellt das System mehr her als es absetzen kann. Niemals können
Arbeiter und Kapitalisten zusammengenommen allein alle hergestellten Waren
konsumieren. Wer wird aber den Warenüberschuss verbrauchen? Dazu muss das
System zwangsweise neue Märkte außerhalb des Rahmens der kapitalistischen
Produktionsweise finden. Diese nennt man außerkapitalistische Märkte (d.h.
außerhalb des Kapitalismus, wo nicht nach kapitalistischen Prinzipien
produziert wird).

Deshalb trat der Kapitalismus im 18. und 19. Jahrhundert die
Eroberung der Welt an. Er musste ständig neue Märkte in Asien, Afrika,
Südamerika finden, um dort seine überschüssigen Waren profitabel abzusetzen,
wenn er nicht der Gefahr ausgesetzt sein wollte, gelähmt zu werden. Aber dies
trat übrigens regelmäßig ein, als es ihm nicht gelang, möglichst schnell neue
Märkte zu erobern. Das Kommunistische Manifest von 1848 beschrieb diesen
Krisentyp sehr anschaulich und bestechend. „In den Krisen bricht eine
gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn
erschienen wäre - die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich
plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot,
ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten
zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie
zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel
besitzt." [Marx/Engels: Manifest der kommunistischen Partei, S. 50. Digitale
Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 2628 (vgl. MEW Bd. 4, S. 468)]

Weil der Kapitalismus noch in seiner Wachstumsphase steckte,
konnte dieser damals jedoch noch neue Territorien erobern; jede Krise mündete
danach in eine neue Phase des blühenden Wachstums. „Das Bedürfnis nach einem
stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die
ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall
Verbindungen herstellen...Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere
Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der
sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie
zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen,
wenn sie nicht zugrunde gehn wollen; sie zwingt sie, die sogenannte
Zivilisation bei sich selbsteinzuführen, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem
Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde." [Marx/Engels:
Manifest der kommunistischen Partei, S. 47. Digitale Bibliothek Band 11:
Marx/Engels, S. 2625 (vgl. MEW Bd. 4, S. 466)]

Aber damals schon erkannte Marx in diesen periodischen Krisen
etwas mehr als nur einen einfach ewigen Zyklus, der immer wieder zu einer neuen
Blütephase führen würde. Er entdeckte viel mehr die tiefgreifenden Widersprüche
des Kapitalismus. „...durch die Eroberung neuer Märkte [und] dadurch, daß sie
allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen
vorzubeugen, vermindert." [Marx/Engels: Manifest der kommunistischen Partei, S.
50. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 2628 (vgl. MEW Bd. 4, S. 468)]
Und zu den Krisen meinte Marx in „Lohnarbeit und Kapital": „Sie werden häufiger
und heftiger schon deswegen, weil in demselben Maß, worin die Produktenmasse,
also das Bedürfnis nach ausgedehnten Märkten wächst, der Weltmarkt immer mehr
sich zusammenzieht, immer weniger Märkte zur Exploitation übrigbleiben, da jede
vorhergehende Krise einen bisher uneroberten oder vom Handel nur oberflächlich
ausgebeuteten Markt dem Welthandel unterworfen hat." [Marx: Lohnarbeit und
Kapital, S. 52. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 2739 (vgl. MEW Bd.
6, S. 423)]

Im 18. und 19. Jahrhundert lieferten sich die größten
kapitalistischen Mächte einen wahren Wettlauf bei der Eroberung der Welt. Sie
teilten schrittweise den Erdball untereinander auf und bildeten richtige
Reiche. Von Zeit zu Zeit traten sie sich gegenüber und schielten gemeinsam auf
dasselbe Territorium; ein kurzer Krieg wurde ausgelöst, und der Unterlegene
begab sich schnell auf die Suche nach einem anderen zu erobernden Teil der
Erde. Aber nachdem sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Großmächte die
Herrschaft über die Welt aufgeteilt hatten, ging es nun nicht mehr darum, in
Afrika, Asien oder Amerika auf Jagd nach Kolonien zu gehen, sondern in einen
unnachgiebigen Krieg zur Verteidigung ihrer Einflussgebiete einzutreten und
sich mit Waffengewalt der Einflussgebiete der imperialistischen Konkurrenten zu
bemächtigen. Dabei handelte sich es um einen wahren Überlebenskampf für die
kapitalistischen Nationen. Sie mussten unbedingt ihre Überproduktion auf den
nicht-kapitalistischen Märkten absetzen. Es war also kein Zufall, dass
Deutschland, das über sehr wenig Kolonien verfügte und von der Zustimmung des
britischen Reiches zum Handel auf seinen Territorien abhing (für eine nationale
Bourgeoisie eine unhaltbare Situation), am aggressivsten vorging und 1914 den
Ersten Weltkrieg auslöste. In diesem Krieg kamen mehr als 11 Millionen Menschen
um; er rief ungeheure Leiden hervor sowie ein moralisches und psychologisches
Trauma für ganze Generationen. Dieser Horror kündigte den Anbruch einer neuen
Epoche an, die die barbarischste Epoche in der Geschichte wurde. Der
Kapitalismus hatte seinen Höhepunkt überschritten; er trat in seine
Niedergangsphase ein. Der Krach von 1929 war ein schlagender Beweis dafür.

Und dennoch, nach mehr als einhundert Jahren langsamer Agonie
hält sich das System noch immer aufrecht, schwankend, angeschlagen, aber immer
noch aufrecht. Wie konnte es überleben? Warum ist sein Körper noch nicht völlig
durch das Gift der Überproduktion gelähmt? Hier kommt der Rückgriff auf die
Verschuldung ins Spiel. Der Weltwirtschaft ist es gelungen, einen spektakulären
Zusammenbruch zu vermeiden, indem immer massiver auf die Verschuldung
zurückgegriffen wurde.

Wie die Grafik 1 zeigt, nahm die US-Gesamtverschuldung seit
Anfang des 20. Jahrhunderts enorm zu, um förmlich in den 1920er Jahren zu
explodieren. Die Haushalte, Unternehmen und Banken erstickten geradezu unter
dem Gewicht der Schulden. Und der rapide Rückgang der Verschuldungskurve in den
1930er und 1940er Jahren war in Wirklichkeit irreführend. Die große Depression
der 1930er Jahre stellte die erste große Wirtschaftskrise in der Dekadenz dar.
Die herrschende Klasse war damals noch nicht auf einen solchen Schock
vorbereitet. Zunächst reagierte sie nicht oder schlecht. Indem die Grenzen
dicht gemacht wurden (Protektionismus), wurde die Überproduktion nur noch
verschärft. Das Gift wirkte verheerend. Zwischen 1929-1933 sank die
US-amerikanische Industrieproduktion um die Hälfte;[17]
13 Millionen Arbeitslose wurden registriert. Zwei Millionen Amerikaner waren
obdachlos, eine gewaltige Verarmung breitete sich aus.[18]
Anfangs eilte die herrschende Klasse dem Finanzsektor nicht zu Hilfe: von den
29.000 Banken, die 1921 gezählt worden waren, blieben Ende März 1933 nur 12.000
übrig. Und dieses ‚Bankengemetzel' ging noch bis 1939 weiter.[19]
All diese Bankrotte bedeuteten einfach das Verschwinden eines gigantischen
Schuldenberges.[20]
Aber in der Grafik erscheint nicht das Wachstum der öffentlichen Verschuldung.
Nach vier Jahren des Abwartens ergriff der US-amerikanische Staat schließlich
Maßnahmen: Roosevelts New Deal wurde beschlossen. Aber woraus bestand dieser
Plan, von dem man heute so viel spricht? Es handelt sich um eine Politik der
Großprojekte, die sich auf eine massive und nie da gewesene Verschuldung des
Staates stützte (1929 betrug die öffentliche Verschuldung 17 Milliarden Dollar,
1939 erreichte sie 40 Milliarden Dollar).[21]

Später hat die bürgerliche Klasse die Lehren aus diesem
gescheiterten Erlebnis gezogen. Am Ende des 2. Weltkriegs schuft sie auf
internationale Ebene Währungs- und Finanzinstanzen (mit Hilfe des Bretton Wood
Abkommens), und vor allem erfolgte nunmehr systematisch der Rückgriff auf
Kredite. Nachdem ein Tiefstand 1953-54 erreicht wurde und trotz der kurzen
Beruhigung in den 1950er und 1960er Jahren,[22]
nahm die US-Gesamtverschuldung langsam aber unwiderruflich von Mitte der 1950er
Jahre an zu. Und als die Krise 1967 wieder ausbrach, wartete die herrschende
Klasse dieses mal keine vier Jahre um zu reagieren. Sie griff sofort wieder zu
Krediten. Die letzten 40 Jahre können in der Tat zusammengefasst werden als
eine einzige Abfolge von Krisen und eine unglaubliche Steigerung des weltweiten
Schuldenbergs. In den USA gab es offiziell in den Jahren 1969, 1973, 1980,
1981, 1990 und 2001 eine Rezession.[23]
Der von der bürgerlichen Klasse in den USA eingeschlagene Weg zur Überwindung
dieser Schwierigkeiten wird anhand der Grafik ersichtlich: Die Verschuldung
stieg stark ab 1973 und erhöhte sich über alle Maßen in den 1990er Jahren. Die
ganze bürgerliche Klasse hat überall auf der Welt so reagiert.

Aber die Verschuldung ist keine magische Lösung. Die 2.
Statistik[24]
zeigt, dass seit 1966 die Verschuldung immer weniger wirksam ist, um das
Wachstum anzukurbeln.[25]
Es handelt sich hier um einen Teufelskreis. Die Kapitalisten produzieren mehr
Waren als der Markt normalerweise aufsaugen kann. Dann schafft der Kredit einen
künstlichen Markt. Die Kapitalisten verkaufen somit ihre Waren und investieren
ihren Profit in der Produktion .... Womit wir wieder beim Ausgangspunkt sind,
denn neue Kredite werden benötigt, um die neuen Waren zu verkaufen. Nicht nur
häufen sich jeweils die Schuldenberge, sondern bei jedem neuen Zyklus müssen
die Schuldenberge weit höher sein, um die gleiche Wachstumsrate zu erhalten (da
die Produktion erweitert werden muss). Zudem wird ein immer größerer Teil der
Kredite nie dem Produktionsprozess zugeführt, sondern er verschwindet alsbald
im Abgrund der Defizite. Überschuldete Haushalte nehmen oft neue Kredite auf,
um ihre Altschulden zu begleichen. Die Staaten, Unternehmen und Banken
funktionieren auf die gleiche Art und Weise. Schließlich haben während der
letzten 20 Jahre, als die ‚reelle Wirtschaft' ständig in der Krise steckte,
große, wachsende Mengen von Geld, das in dieser Form geschaffen wurde, nur die
Spekulationsblasen mit angefacht (Internet, Telekom, Immobilienblase usw.).[26]
Es war in der Tat rentabler und schließlich weniger risikoreich an der Börse zu
spekulieren als in die Produktion von Waren zu investieren, die auf große
Absatzschwierigkeiten stoßen. Heute gibt es 50 mal mehr Geld im Umlauf an den
Börsen als in der Produktion.[27]

Aber diese Flucht nach vorn in die Verschuldung ist nicht
nur immer weniger wirksam, sie verschärft vor allem unausweichlich und
systematisch die verheerende Wirtschaftskrise. Das Kapital kann nicht endlos
lange Geld aus seinem Hut zaubern. Das ABC der Wirtschaft besagt, dass jede
Schuld eines Tages zurückgezahlt werden muss, weil sonst für den Gläubiger
große Schwierigkeiten entstehen können, die bis hin zum Bankrott reichen. Wir
kommen also gewissermaßen zum Ausgangspunkt zurück. Eigentlich hat das Kapital
gegenüber seiner historischen Krise nur Zeit gewonnen. Schlimmer noch. Indem so
die Auswirkungen der Krise auf morgen verschoben werden, werden dadurch nur
noch heftigere wirtschaftliche Erschütterungen vorbereitet. Und genau das
passiert im Kapitalismus heute!

Kann der Staat die kapitalistische Wirtschaft retten?

Wenn ein Einzelner Pleite geht, verliert er alles und fliegt
auf die Straße. Ein Unternehmer muss Konkurs anmelden. Aber ein Staat? Kann ein
Staat bankrott gehen? Bislang haben wir noch nie gesehen, dass ein Staat «
Konkurs anmeldet ». Aber das stimmt nicht genau. Zahlungsunfähig werden, ja das
kann er!

1982 mussten 14 hochverschuldete afrikanische Staaten offiziell
Zahlungsunfähigkeit anmelden. In den 1990er Jahren wurden südamerikanische
Staaten und Russland zahlungsunfähig. Und neulich ist Argentinien 2001 unter
dem Schuldenberg zusammengebrochen. Konkret haben diese Staaten nicht zu
existieren aufgehört, und die jeweilige Volkswirtschaft ist nicht zum
Stillstand gekommen. Aber jedes Mal ist eine Art ökonomisches Beben
eingetreten: Der Wert der Landeswährung ist gesunken, die Geldgeber (in der
Regel andere Staaten) haben alles oder einen Teil ihrer Investitionen verloren,
und vor allem hat der Staat seine Ausgaben drastisch gekürzt, indem ein
Großteil seiner Beamten entlassen wurde und eine Zeitlang den verbliebenen
Beschäftigen kein Gehalt gezahlt wurde.

Heute steht eine Vielzahl von Ländern am Rand des Abgrundes:
Ecuador, Island, Ukraine, Serbien, Estland... Aber wie steht es um die
Großmächte? Der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, erklärte
Ende Dezember, sein Bundesstaat müsse den „finanziellen Notstand" ausrufen. Der
reichste US-Bundessstaat, der „Golden State", schickt sich an, einen großen
Teil seiner 235.000 Beschäftigten (die Verbleibenden müssen ab dem 1. Februar
2009 pro Monat zwei Tage unbezahlten ‚Urlaub' nehmen) zu entlassen! Bei der
Vorstellung des neuen Jahreshaushaltes warnte der ehemalige Hollywood-Star,
„jeder müsse Zugeständnisse machen". Dies ist ein klares Symbol der
tiefgreifenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten der ersten Weltmacht. Wir sind
noch weit von einer Zahlungsunfähigkeit des US-Staates entfernt, aber das
Beispiel zeigt deutlich, dass die finanziellen Spielräume gegenwärtig bei allen
Großmächten sehr eng geworden sind. Die weltweite Verschuldung scheint an ihre
Grenzen zu stoßen (sie betrug 2007 60.000 Milliarden Dollar und ist seitdem um
mehrere Tausende Milliarden Dollar weiter angewachsen). Weil sie gezwungen ist,
diesen Weg weiter zu beschreiten, wird die bürgerliche Klasse nur noch weitere
verheerende wirtschaftliche Erschütterungen verursachen. Die amerikanische FED
hat zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahre 1913 ihre Leitzinsen für das
Jahr 2009 auf 0.25% gesenkt. Der amerikanische Staat verleiht also nahezu
kostenlos Geld (und dies geschieht eigentlich sogar mit Verlust, wenn man die
Inflation mit berücksichtigt). Alle Ökonomen der Welt rufen nach einem „neuen
New Deal". Sie träumen davon, in Obama einen neuen Roosevelt zu sehen, der dazu
in der Lage wäre, die Wirtschaft wie 1933 durch einen gewaltigen Plan
öffentlicher Arbeiten, die durch ... Schulden finanziert wurden, wieder
anzukurbeln.[28]
Aber die Herrschenden haben seit 1967 regelmäßig die Staatsverschuldung in
einem noch viel größeren Umfang als zur Zeit des New Deal erhöht, bislang
jedoch ohne wirklichen Erfolg. Das Problem ist, dass solch eine Politik der
Flucht nach vorn den Zusammenbruch des Dollars herbeiführen kann. Immer mehr
Länder zweifeln mittlerweile die Fähigkeit der USA an, ihre Schulden
zurückzuzahlen und sie sind deshalb geneigt, ihre Investitionen zurückzuziehen.
Das trifft z.B. auf China zu, das Ende 2008 in diplomatischer Sprache Uncle Sam
drohte, die Unterstützung der US-Wirtschaft durch den Kauf von Staatsanleihen
einzustellen: „Jeder Fehler hinsichtlich der Tragweite der Krise wird sowohl
für die Gläubiger als auch für die Schuldner Schwierigkeiten verursachen. Der
scheinbar wachsende Appetit des Landes für US-amerikanische Staatsanleihen
bedeutet nicht, dass diese langfristig eine rentable Investitionen bleiben
werden oder dass die amerikanische Regierung weiterhin von ausländischem
Kapital abhängig sein wird." So droht also China dem amerikanischen Staat, die
seit Jahren betriebene Unterstützung der US-Wirtschaft einzustellen. Wenn China
seine Drohung wahr machen würde,[29]
würde das daraus entstehende internationale währungspolitische Chaos
apokalyptische Ausmaße annehmen und die Auswirkungen für die Arbeiterklasse
wären gewaltig. Aber nicht nur das Reich der Mitte hat angefangen, Zweifel zu
äußern. Am Mittwoch, den 10. Dezember 2008, hatte der US-Staat zum ersten Mal
in der Geschichte große Schwierigkeiten, für eine Staatsanleihe von 28
Milliarden Dollar Käufer zu finden. Und weil bei allen Großmächten die Kassen
leer sind, und sich überall die Rechnungen für die riesigen Schuldenberge
anhäufen und die Wirtschaft sich in einem schlechteren Zustand befindet, musste
der deutsche Staat am gleichen Tag das gleiche erleben: Auch er hatte zum
ersten Mal seit den 1920er Jahren Schwierigkeiten Käufer für seine
Staatsanleihen im Umfang von 7 Milliarden Euro zu finden.

Grafik 2: Immer schwächere Wirkungen der zusätzlichen Verschuldung auf das BIP.

 

Offensichtlich ist die Verschuldung, ob die der
Privathaushalte, der Unternehmen oder der Staaten, nur ein ‚Schmerzmittel'. Sie
kann die Krankheit des Kapitalismus - die Überproduktion - nicht heilen.
Dadurch kann allerhöchstens nur vorübergehend eine Erleichterung verschafft
werden, aber gleichzeitig werden dadurch nur noch größere Beben vorbereitet.
Und dennoch muss die herrschende Klasse diese verzweifelte Politik fortführen,
denn sie hat keine andere Wahl, wie die Erklärung Angela Merkels am 8. November
2008 auf der Internationalen Konferenz in Paris belegt: „Es gibt keine andere
Möglichkeit des Kampfes gegen die Krise als die Anhäufung von Schuldenbergen",
oder auch die Wortmeldung des Chefökonomen des IWF, Olivier Blanchard: „Wir
stehen vor einer Krise mit einem außergewöhnlichen Ausmaß, deren
Hauptcharakteristik ein Zusammenbruch der Nachfrage ist (...) Wir müssen
unbedingt die private Nachfrage wieder ankurbeln, wenn wir vermeiden wollen,
dass die Rezession in eine große Depression mündet. Wie? - Durch die Erhöhung
der öffentlichen Ausgaben".

Aber abgesehen von den Konjunkturprogrammen kann der Staat
nicht wenigsten DER Retter sein, indem er einen Großteil der Wirtschaft
verstaatlicht, insbesondere die Banken und die Automobilbranche? Nein, auch das
wirkt nicht! Im Gegensatz zu den traditionellen Lügen der Linken und der Extremen
Linken brachten die Verstaatlichungen nie eine Verbesserung für die
Arbeiterklasse. Nach dem 2. Weltkrieg diente die große Verstaatlichungswelle
dazu, einen zerstörten Produktionsapparat wieder auf die Beine zu stellen,
indem der Arbeitsrhythmus intensiviert wurde. Wir dürfen nicht vergessen, was
damals Thorez, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Frankreichs und
damals Vizepräsident der von De Gaulle geführten Regierung war, insbesondere an
die Adresse der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sagte: „Wenn ein
Arbeiter bei der Arbeit stirbt, müssen die Frauen ihn ersetzen", oder „Krempelt
die Ärmel auf für den nationalen Wiederaufbau" oder „Streiks sind die Waffen
der Trusts". Willkommen in der wunderbaren Welt der verstaatlichten Betriebe.
Das verwundert alles nicht. Die revolutionären Kommunisten haben immer seit der
Gründung der Pariser Kommune 1871 die arbeiterfeindliche Rolle des Staates
aufgezeigt: „Der moderne Staat, was auch seine Form, ist eine wesentlich
kapitalistische Maschine, Staat der Kapitalisten, der Ideelle Gesamtkapitalist.
Je mehr Produktivkräfte er in sein Eigentum übernimmt, desto mehr wird er
wirklicher Gesamtkapitalist, desto mehr Staatsbürger beutet er aus. Die
Arbeiter bleiben Lohnarbeiter, Proletarier. Das Kapitalverhältnis wird nicht
aufgehoben, es wird vielmehr auf die Spitze getrieben."[Engels: Herrn Eugen
Dührings Umwälzung der Wissenschaft, S. 506. Digitale Bibliothek Band 11:
Marx/Engels, S. 8142 (vgl. MEW Bd. 20, S. 260)][30]

Die neue Welle von Verstaatlichungen wird also der
Arbeiterklasse nichts Gutes bringen. Und sie wird es den Herrschenden auch
nicht ermöglichen, ein dauerhaftes Wachstum anzustoßen. Im Gegenteil! Diese
Verstaatlichungen kündigen noch gewalttätigere wirtschaftliche Stürme an. 1929
haben die pleite gegangenen US-Banken die Guthaben eines Großteils der
US-Bevölkerung mit vernichtet und damit Millionen Arbeiter in die Armut
gestürzt. Um die Wiederholung solch eines Debakels zu verhindern, war das
Bankensystem in zwei Teile aufgeteilt worden: einerseits die Geschäftsbanken,
die Unternehmen finanzieren und in allen möglichen Finanzbereichen tätig sind;
anderseits Gläubigerbanken, die das Geld von den Einlegern bekommen und es für
relativ sichere Anlagen benutzen. Aber von der Pleitewelle im Jahre 2008
weggespült, gibt es nun diese amerikanischen Geschäftsbanken nicht mehr. Das
amerikanische Finanzsystem befindet sich jetzt wieder in dem gleichen Zustand
wie vor dem 24. Oktober 1929. Beim nächsten Sturm laufen alle bislang dank der
völligen oder teilweisen Verstaatlichung „geretteten" Banken ihrerseits Gefahr
zu verschwinden, aber dabei werden sie die knappen Ersparnisse und die Löhne
von zahlreichen Arbeiterfamilien mit zerstören. Wenn die Herrschenden heute
Verstaatlichungen vornehmen, wollen sie damit nicht irgendein
Konjunkturprogramm anleiern, sondern es geht darum, die unmittelbare
Zahlungsunfähigkeit der großen Finanzhäuser oder Industriekonzerne zu
vermeiden. Es geht darum, das Schlimmste zu vermeiden.[31]

Der in den letzten vier Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg
ist zu einem wahren Mount Everest geworden, und niemand kann heute den
Bergrutsch verhindern. Der Zustand der Wirtschaft ist wirklich katastrophal.
Aber man darf deshalb nicht glauben, dass der Kapitalismus durch einen Schlag
verschwinden wird. Die Bürgerlichen werden IHRE Welt nicht untergehen lassen
ohne zu reagieren. Sie werden verzweifelt und mit allen Mitteln versuchen, die
Agonie ihres Systems zu verlängern, ohne dabei auf die furchtbaren
Konsequenzen, die sich dabei für die Menschheit ergeben, zu achten. Ihre
wahnsinnige Flucht nach vorne in noch mehr Verschuldung wird weitergehen.
Selbst wenn es in Zukunft hier und da kurze Augenblicke von Wachstum geben
wird, steht fest, dass die historische Krise des Kapitalismus jetzt ihren Rhythmus
geändert hat. Nach 40 Jahren langsamen Abstiegs in die Hölle, stehen wir jetzt
vor gewalttätigen Erschütterungen, mit immer wieder auftretenden ökonomischen
Beben, die nicht nur die Staaten der Dritten Welt sondern auch die USA, Europa,
Asien erfassen werden.[32]

 

Die Devise der Kommunistischen Internationale 1919 «Damit
die Menschheit überleben kann, muss der Kapitalismus überwunden werden» ist
mehr denn je aktuell.

 

Mehdi,
10.01.2009

 


[1] Jeweils
: Paul Krugman (letzter Nobelpreis für Wirtschaft), Warren Buffet (US-Investor,
genannt das ‘Orakel von Omaha', so stark wird die Meinung des Milliardärs der
kleinen US-Stadt in Nebraska in der Finanzwelt geachtet), Jacques Attali
(Ökonom und Berater von Mitterrand und Sarkozy) und Laurence Parisot
(Präsidentin des französischen Unternehmerverbandes).

 

[2] Libération, 4.08.08

 

[3] Le Monde, 22.08.08.

 

[4] Quelle :
http://contreinfo.info/article.php3?id_article=2351

 

[5]Les
Echos
, 05.12.08

 

[6] Dieses
Geld wurde in den Kassen des Paulson Plans gefunden, welcher schon nicht für
den Bankensektor ausreicht. Die herrschende Klasse in den USA muss „Paul
ausziehen, um Jack anzuziehen", was ein entsprechendes Licht auf den
desaströsen Zustand der Finanzen der ersten Macht der Erde wirft.

 

[7]Les
Echos
, 08.01.09

 

[8] nach
dem Bericht, der am 9.01.09 vom US-Arbeitsministerium veröffentlicht wurde (Les
Echos
, 09.01.09)

 

[9] In
Frankreich hatte Präsident Nicolas Sarkozy gar 2007 eine Kampagne 2007 mit dem
Hauptslogan „Mehr arbeiten, um mehr zu verdienen" (sic !) betrieben.

 

[10] 2007
waren mehr als drei Millionen US-Haushalte zahlungsunfähig (in Subprime
Mortgage Foreclosures by the Numbers).
http://www.americanprogress.org/issues/2007/03/foreclosures_numbers.html).

 

[11] In
diesem Fall stimmen wir mit Chavez überein. Bush ist in der Tat sein Genosse.
Auch wenn sie sich bei dem Kampf zwischen zwei imperialistischen Nationen
gegenüberstehen, sind sie dennoch Kampfgefährten bei der Verteidigung des
Kapitalismus und der Privilegien ihrer Klasse ... die Bourgeoisie.

 

[12] Heute
wird Alan Greenspan, der ehemalige Präsident der FED und der Orchesterchef
dieser Schuldenwirtschaft wird heute von allen Ökonomen und anderen Doktoren
der Ökonomie gelyncht. All diese Leute haben ein kurzes Gedächtnis, sie
vergessen, dass sie ihn vor kurzem noch in den Himmel lobten. Er wurde gar als
der « Finanzguru » gepriesen.

 

[13] Quelle:
http://eco.rue89.com/explicateur/2008/10/09/lendettement-peut-il-finance...

 

[14]Le Capital, Livre 1, p725, La
Pléiade.

 

[15] oder
anders gesagt das variable Kapital

 

[16] das
fixe Kapital.

 

[17] A.
Kaspi, Franklin
Roosevelt, Paris, Fayard,
1988, S.20

 

[18] Diese
Zahlen sind umso wichtiger, da die US-Bevölkerung damals nur 120 Mio. betrug. Quelle : Lester V. Chandler, America's Greatest Depression 1929-1941, New York, Harper and Row, 1970, p.24. et
sq.

 

[19] Gemäß Frédéric Valloire, in Valeurs Actuelles 15.02.2008.

 

[20] Der
Vollständigkeit halber soll ergänz werden, dass dieser Rückgang der
Gesamtschuld auch durch einen komplexen ökonomischen Mechanismus erklärt wird:
die Geldschöpfung. Der New Deal wurde nicht ganz durch Schulden finanziert,
sondern auch durch reine Geldschöpfung. So wurde am 12. Mai 1933 der
US-Präsident dazu ermächtigt, die Schulden der Zentralbank um 3 Milliarden
Dollar zu erhöhen und Geldnoten im Umfang von 3 Milliarden $ ohne Gegenwert zu
drucken Am 22. Oktober desselben Jahres wurde der Dollar gegenüber dem Gold um
50% abgewertet. All dies erklärt die relative Beschränkung der
Verschuldungsquoten.

 

[21] Quelle:
http://www.treasurydirect.gov/govt/reports/pd/histdebt/histdebt_histo3.htm

 

[22] Von
1950 bis 1967 durchlief der Kapitalismus eine Wachstumsphase, die « 30
glorreiche Jahre » oder « goldene Jahre » genannt wurden. Das Ziel dieses
Artikels besteht nicht darin, die Ursachen dieses kurzen Zeitraums innerhalb
der wirtschaftlichen Flaute des 20. Jahrhunderts zu untersuchen. In der IKS
findet gegenwärtig eine Debatte statt, um besser den Hintergrund dieses kurzen
Zeitraums zu begreifen. Wir haben angefangen, diese Debatte in unserer Presse
zu veröffentlichen (siehe dazu « Interne Debatte der IKS : Die Ursachen der
Blütephase nach dem 2. Weltkrieg", Internationale Revue Nr. 42). Wir ermuntern
alle unsere Leser/Innen sich an diesen Debatten in unseren Veranstaltungen oder
auch per Post oder per E-mail zu beteiligen

 

[23] Quelle:
http://www.nber.org/cycles.html.

 

[24] Quelle:
:
http://eco.rue89.com/explicateur/2008/10/09/lendettement-peut-il-finance....

 

[25] 1996
schuft ein Dollar zusätzlicher Verschuldung 0.80 Dollar zusätzlichen Reichtum,
während 2007 ein Dollar zusätzlicher Verschuldung lediglich 0.20 Dollar BIP
schuf.

 

[26] Aktiva
und Immobilien werden im BIP nicht aufgeführt.

 

[27] Im
Gegensatz zu all dem, was uns Journalisten, Ökonomen und andere Lügenverbreiter
sagen, ist dieser „spekulative Wahnsinn" doch das Ergebnis der Krise und nicht
umgekehrt.

 

[28] Nach
Beendigung dieses Artikels hat Obama seinen lang erwarteten Ankurbelungsplan
vorgestellt, der selbst den Ökonomen zufolge « ziemlich enttäuschend » ist. 775
Milliarden Dollar werden locker gemacht, um den US-Haushalten 1000 Dollar
zusätzliche Kaufkraft « zur Anregung des Konsums » zur Verfügung zu stellen (in
diesen Genuss werden 75% der Haushalte kommen). Gleichzeitig soll ein Programm
öffentlicher Ausgaben im Bereich Energie, Infrastruktur und Bildung erfolgen.
Dieser Plan sollte Obama zufolge drei Millionen Arbeitsplätze « in den nächsten
Jahren » schaffen. Gegenwärtig verlieren monatlich ca. 500.000 Beschäftigte
ihren Job ; dieser neue New Deal (selbst wenn er die erhoffte Wirkung zeigen
würde, was wenig wahrscheinlich ist) wird also bei weitem nicht reichen.

 

[29] Diese
Bedrohung zeigt gleichzeitig die Sackgasse und die Widersprüche, in welcher die
US-Wirtschaft steckt. Wenn China massiv Dollars verkaufen würde, hieße dies,
sich den Ast abzusägen, auf dem es selbst sitzt, da die USA Hauptabsatzmarkt
seiner Waren sind. Deshalb hat China bislang meist die US-Wirtschaft
unterstützt. Aber gleichzeitig weiß China, dass dieser Ast morsch, von Würmern
zerfressen ist, und es will dann nicht mehr auf dem Ast sitzen, wenn er
abbricht.

 

[30] In
«Anti-Dühring»,
Ed.Sociales 1963, p.318.

 

[31] Damit
schafft er aber einen günstigeren Boden für die Entwicklung der Kämpfe. Indem
der Staat wieder ihr offizieller Arbeitgeber werden wird, werden die
Beschäftigten bei ihren Kämpfen alle direkt dem Staat gegenüberstehen. In den
1980er Jahren hatte die große Privatisierungswelle (z.B. unter Thatcher in
England) eine zusätzliche Schwierigkeit im Klassenkampf bedeutet. Nicht nur
wurden die Arbeiter durch die Gewerkschaften dazu aufgerufen, um die Betriebe
des öffentlichen Dienstes zu retten, oder um anders gesagt, eher durch einen
Arbeitgeber (den Staat) als durch einen anderen (privaten) ausgebeutet zu
werden. So standen sie nicht mehr lediglich dem gleichen Arbeitgeber (dem
Staat), sondern eine Reihe verschiedener privater Arbeitgeber gegenüber. Ihre
Kämpfe wurden dadurch oft zerstreut und somit machtlos. In der Zukunft werden
dagegen günstigere Bedingungen für einen einheitlichen Kampf gegen den Staat
vorhanden sein.

 

[32] Die
Wirtschaft ist sozusagen ein „besonders stark vermintes Gelände", deshalb ist
es schwierig vorherzusagen, welche Mine als nächstes hochgehen wird. Aber in
den Publikationen der Wirtschaftswissenschaftlicher taucht immer mehr ein Name
auf, der den Experten Angst macht: die CDS. Ein CDS (credit default swap) ist
eine Art Versicherung, mit Hilfe dessen ein Finanzinstitut sich gegen
Zahlungsausfälle durch die Zahlung einer Prämie versichert. Der Gesamtumfang
der CDS wurde für das Jahr 2008 auf 60'000 Milliarden Dollars hochgerechnet.
D.h. wenn eine Krise der CDS ähnlich verlaufen würde wie die Krise der
subprimes wäre dies unglaublich verheerend. Damit würden die ganzen
amerikanischen Rentenfonds und damit die Renten der US-Arbeitnehmer überhaupt
dahinschmelzen.

 

Aktuelles und Laufendes: 

Theoretische Fragen: