Debatte mit dem IBRP

Die marxistische und die opportunistische Sichtweise
in der Politik des Parteiaufbaus

In den letzten Monaten veröffentlichte das IBRP

[1]


in seiner Presse Artikel über die Notwendigkeit der Umgruppierung unter den
revolutionären Kräften im Hinblick auf den Aufbau der zukünftigen
internationalen kommunistischen Partei. Einer dieser Artikel, ”Revolutionäre,
Internationalisten gegenüber der Kriegsperspektive und die Lage des
Proletariats”

[2]

, ist ein
Dokument, das in der Zeit unmittelbar nach dem letztjährigen Krieg im Kosovo
geschrieben wurde:

”Die jüngsten kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan
stellen, gerade weil sie in Europa stattfanden, (....) einen bedeutsamen
Schritt vorwärts zum generalisierten imperialistischen Krieg dar. (...)

Der Krieg selber und die Art, wie ihm entgegengewirkt wurde,
bilden die Grundlage für eine Formierung und Auswahl der revolutionären Kräfte,
die fähig sind, am Parteiaufbau teilzunehmen.

Sie werden durch die folgenden grundlegenden Punkte
eingegrenzt, die unabdingbare Voraussetzung für jede politische Initiative
bilden, welche die revolutionäre Front gegen das Kapital und seine Kriege zu
stärken versucht.”

Anschließend folgen ”21 grundlegende Punkte”

[3]

,
die das IBRP als fundamental bezeichnet.

Es sind gerade die ”kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan”
gewesen, die unsere Organisation dazu bewegt haben, zu Beginn des Krieges einen
Aufruf an die verschiedenen revolutionären Organisationen, die es auf
internationaler Ebene gibt, zu richten, damit sich der proletarische
Internationalismus mit einer einheitlichen und starken Stimme vernehmen lasse.
Und parallel zu diesem Aufruf haben wir präzisiert:

”Natürlich gibt es auch Divergenzen, die in einer
unterschiedlichen Herangehensweise in der Analyse des Imperialismus in der
gegenwärtigen Phase und des Kräfteverhältnisses zwischen den Klassen liegen.
Aber ohne diese Divergenzen zu unterschätzen betrachten wir die gemeinsamen
Aspekte als viel wichtiger und bedeutsamer als diejenigen, welche bezüglich der
momentanen Begebenheiten unterschiedlich sind. Auf dieser Grundlage haben wir
am 29. März 1999 an alle diese Gruppen einen Appell für eine gemeinsame
Initiative gegen den Krieg gerichtet.”

[4]

Da dieser Aufruf, den wir vor mehr als einem Jahr lanciert
haben, auf vollkommen taube Ohren gestoßen ist

[5]

,
muss man sich fragen, warum nun das IBRP plötzlich und erst jetzt mit seinen
”21 Bedingungen” kommt - mit denen wir, abgesehen von gewissen Vorbehalten bei gerade
zwei Punkten

[6]

, völlig
einverstanden sind -, statt seinerzeit auf unseren Appell zu antworten. Die
Antwort darauf findet man fast am Schluss des Textes des IBRP, wo es in einem
Abschnitt ganz offensichtlich um die IKS geht (doch selbstverständlich ohne
diese beim Namen zu nennen): ”23 Jahre nach der 1. Internationalen
Konferenz, die durch Battaglia Comunista

[7]


einberufen wurde, um eine erste Konfrontation unter den politischen Gruppen
herbeizuführen, die sich auf die allgemeinen durch die Kommunistische Linke
seit Mitte der 20er Jahre vertretenen Klassen- und internationalistischen
Prinzipien beriefen, ist es möglich - und deshalb auch notwendig - eine Bilanz
über diese Konfrontation zu ziehen.”

Eine Bilanz? Nach 23 Jahren? Und weshalb erst jetzt? Gemäss
IBRP fand in den letzten beiden Jahrzehnten ”eine Beschleunigung im Prozess der
Klärung innerhalb des ‚proletarischen politischen Lagers‘ (statt), der all jene
Organisationen ausschloss, die aus irgendeinem Grund über die Kriegsfrage
stolperten, indem sie das unverzichtbare Prinzip des revolutionären Defätismus
verrieten.”

Doch der Abschnitt, den sie uns (und den bordigistischen
Gruppierungen) widmen, schließt gleich daran an:

”Andere Gruppen in diesem Lager, die zwar nicht in den
tragischen Fehler der Unterstützung einer Kriegsfront verfielen (...), stehen
der Methode und den Arbeitsperspektiven, die zur Bildung der zukünftigen
revolutionären Partei beitragen, ebenfalls fern. Sie sind endgültig
verlorene Opfer idealistischer oder mechanistischer Positionen (...)”
(Hervorhebung durch uns).

Da wir denken, dass die durch das IBRP gegen uns erhobenen
Vorwürfe nicht begründet sind - und wir darüber hinaus befürchten, dass sie
lediglich der Bemäntelung einer opportunistischen politischen Praxis dienen -,
werden wir versuchen, darauf im Folgenden zu antworten, indem wir aufzeigen,
was die Haltung der marxistischen Strömung der Arbeiterbewegung hinsichtlich ”der
Methode und der Perspektiven der Arbeit, die zum Beitritt zur künftigen
revolutionären Partei führen wird”
, gewesen ist. Dabei werden wir konkret
untersuchen, ob und inwieweit das IBRP und die Gruppen, die es geschaffen
haben, mit dieser Orientierung übereinstimmen. Wir werden zu diesem Zweck zwei
Fragen genauer betrachten, die in ihrem gegenseitigen Verhältnis Ausdruck der
beiden Ebenen sind, auf denen sich das Problem der revolutionären Organisation
heute stellt:

1.
Wie soll die zukünftige Internationale aufgefasst werden?

2.
Welche Politik soll für den Organisationsaufbau und die Umgruppierung der
Revolutionäre verfolgt werden?

1. Wie soll die zukünftige Internationale aufgefasst
werden? Als internationale kommunistische Partei oder als Internationale der kommunistischen
Parteien?

Was wird die zukünftige Internationale sein? Eine
Organisation, die von allem Anfang an einheitlich begriffen wird, d.h. eine
internationale kommunistische Partei ist, oder eine Internationale der
kommunistischen Parteien in den verschiedenen Ländern? Diesbezüglich sind die
Auffassungen und der Kampf von Amadeo Bordiga und der Kommunistischen Linken
ein unverzichtbarer Bezugspunkt. Für Bordiga hätte die Kommunistische
Internationale schon das sein sollen, was er die Weltpartei nannte.
Folgerichtig ging Bordiga so weit, dass er gewisse von ihm vertretene
”taktische” Punkte (Abstentionismus bei den Wahlen; eine Umgruppierung, die die
Zentristen ausschloss) aufgab, um dem Vorrang der Internationale gegenüber den
einzelnen nationalen Parteien Nachachtung zu verschaffen, um zu gewährleisten,
dass die Kommunistische Internationale eine einheitliche Organisation ist, und
nicht eine Föderation von Parteien, eine Organisation mit einer einheitlichen
Politik überall, und nicht verschieden von Land zu Land.

”So behaupten wir, dass die höchste internationale
Versammlung nicht nur das Recht hat, diese Regeln aufzustellen, die ausnahmslos
in allen Ländern gültig sind und gültig sein müssen, sondern dass sie auch das
Recht hat, sich in die Situation eines einzelnen Landes einzumischen und somit
zu sagen, dass die Internationale meint, dass man - zum Beispiel - in England
in dieser bestimmten Art vorgehen soll.”
(Amadeo Bordiga, Rede auf dem
Kongress von Livorno 1921, in ”La Sinistra Comunista nel cammino della
rivoluzione” Edizioni Sociali, 1976)

Diese Auffassung vertrat Bordiga im Namen der Italienischen
Linken, und er tat dies insbesondere im Kampf gegen die Degenerierung der
Internationale selber mit vollem Recht, als die Politik derselben immer mehr
mit der Politik und den Interessen des russischen Staates vermischt wurde.

”Die Schwesterparteien müssen der russischen Partei bei der
Lösung ihrer Probleme helfen, auch wenn sie nicht die unmittelbare Erfahrung
der Probleme der Regierungsführung haben; trotzdem können sie zu ihrer Lösung
beitragen, indem sie eine revolutionäre Klassenorientierung einbringen, die
direkt aus der Realität des Klassenkampfes in ihren jeweiligen Ländern
abgeleitet ist.”

[8]

Schließlich kommt noch deutlicher in Bordigas Antwort an
Karl Korsch zum Ausdruck, was die Internationale sein sollte und was ihr nicht
gelungen ist zu sein:

”Ich glaube, dass einer der Mängel der gegenwärtigen
Internationale derjenige gewesen ist, ein ”Block lokaler und nationaler
Oppositionen” zu bilden. Wir müssen darüber nachdenken, ohne uns zu
Übertreibungen hinreißen zu lassen, mit dem Ziel, alle Lehren zu ziehen. Lenin
machte einen großen Teil der Arbeit von der ‚spontanen‘ Ausarbeitung abhängig,
als er damit rechnete, die verschiedenen Gruppen materiell zusammenzubringen
und sie dann in der Hitze der Russischen Revolution einheitlich zu schmieden.
Insgesamt ist ihm dies aber nicht gelungen.” (Auszüge aus dem Brief von Bordiga
an Korsch, veröffentlicht in Programme Communiste Nr. 68)

Mit anderen Worten bedauerte also Bordiga, dass die
Internationale auf der Grundlage der ”Oppositionen” der alten
sozialdemokratischen Parteien gebildet worden war - diese ”Oppositionen” waren
untereinander politisch alles andere als kohärent - und dass Lenins Vorhaben,
diese unterschiedlichen Bestandteile zu vereinen, im Grunde genommen
gescheitert war.

Von dieser Sichtweise ausgehend haben sich die
revolutionären Organisationen in den Jahren der Konterrevolution trotz den
widrigen politischen Umständen immer nicht nur als internationalistische,
sondern auch als internationale Organisationen aufgefasst. Und es ist kein
Zufall, dass eine der Machenschaften der Internationalen Linksopposition um
Trotzki gegen die Italienische Fraktion gerade darin bestand, ihr die
Verfolgung einer ”nationalen” Politik vorzuwerfen.

[9]

Stellen wir dem umgekehrt die Auffassung des IBRP zu dieser
Frage gegenüber:

”Das IBRP hat sich als einzig mögliche Form der Organisation
und der Koordination konstituiert, auf dem Mittelweg zwischen der isolierten
Arbeit der Avantgarde in den verschiedenen Ländern und der Präsenz einer
wirklichen Internationalen Partei (...). Neue Avantgarden - die sich von den
alten, für das Verständnis der Gegenwart und somit für die Voraussage der
Zukunft nutzlosen Schemata befreit haben - haben den Parteiaufbau in Angriff
genommen (...). Diese Avantgarden haben die Aufgabe - die sie auch erfüllen -
sich zu konsolidieren und auf der Grundlage einer Sammlung von Thesen, einer
Plattform und eines organisatorischen Rahmens zu wachsen. Diese Grundlagen sind
untereinander und mit dem Bureau kohärent, das so die Rolle eines Bezugspunkts
für die notwendige Homogenisierung der Kräfte der zukünftigen Partei übernimmt
(...).”

Bis hierher scheint der Diskurs des IBRP, abgesehen von
einigen überflüssigen Floskeln, in seinen groben Zügen mit der oben zitierten
Position in Einklang zu stehen. Doch der folgende Abschnitt stellt ein Problem
dar:

”Bezugspunkt heißt nicht aufgezwungene Struktur. Das IBRP
hat nicht im Sinn, die Frist, die es für die internationale Umgruppierung der
revolutionären Kräfte braucht, unter die ”natürliche” Zeitspanne für das
politische Wachstum der kommunistischen Avantgarde in den verschiedenen Ländern
zu verkürzen.”

[10]

Das heißt, dass das IBRP, oder besser gesagt: die beiden
Organisationen, aus denen es besteht, nicht von der Möglichkeit ausgehen, vor
der Gründung der internationalen Partei eine einheitliche internationale
Organisation aufzubauen. Darüber hinaus nimmt es bezug auf eine seltsame ”natürliche
Zeitspanne für das politische Wachstum der kommunistischen Avantgarde in den
verschiedenen Ländern”
, welche Formulierung klarer wird, wenn man sieht,
von welcher Auffassung sich das IBRP abzugrenzen versucht, d.h. von derjenigen
der IKS und der Italienischen Kommunistischen Linken:

”Wir weisen grundsätzlich und auf der Grundlage
verschiedener Resolutionen unserer Kongresse die Idee zurück, wonach nationale Sektionen
durch das Aufpfropfen auf eine vor-existierende Organisation gegründet
werden sollen, selbst wenn diese Organisation unsere wäre. Man baut eine
nationale Sektion einer internationalen Partei des Proletariats nicht dadurch
auf, dass man in einem Land mehr oder weniger künstlich ein Redaktionszentrum
für Publikationen schafft, die anderswo und in jedem Fall ohne Bezug zu
den wirklichen politischen und sozialen Kämpfen im Land selber redigiert worden
sind.” (Hervorhebungen durch uns)

[11]

Dieser Abschnitt verdient in jedem Fall eine genaue Antwort,
denn in ihm ist der strategische Unterschied zwischen der internationalen
Umgruppierungspolitik des IBRP einerseits und der IKS andererseits enthalten.
Das IBRP versucht hier natürlich, unsere Strategie lächerlich zu machen, indem
es sie darstellt als das ”Aufpfropfen auf eine vor-existierende
Organisation”
, als eine ”mehr oder weniger künstliche” Gründung ”eines
Redaktionszentrums für Publikationen, die anderswo redigiert worden sind”

mit der Absicht, beim Leser automatisch eine Abneigung gegen die Strategie der
IKS hervorzurufen.

Aber sehen wir konkreter hin und überprüfen den
Wahrheitsgehalt solcher Behauptungen. Das IBRP meint, wenn eine neue Gruppe von
Genossen entsteht (wie z.B. in Kanada), die sich internationalistischen
Positionen nähert, können brüderlich-kritische, ja, polemische Beiträge dieser
Gruppe nur nutzen, doch Letztere muss innerhalb des politischen Umfeldes des
Landes, wo sie wohnt, wachsen und sich entfalten, “indem sie in Verbindung
mit den wirklichen politischen und sozialen Kämpfen im Land selber steht
”.
Aus der Sicht des IBRP soll dies heißen, dass das gegenwärtige und lokale
Umfeld in einem gegebenen Land wichtiger ist als der internationale und
historische Rahmen, der durch die Erfahrung der Arbeiterbewegung gestellt wird.
Worin besteht dagegen die Strategie der IKS beim Aufbau der Organisation auf
internationaler Ebene, welche das IBRP absichtlich in ein schlechtes Licht
stellen will, wenn es von der “Schaffung von nationalen Sektionen durch die
Fortentwicklung einer vorher bestehenden Organisation” spricht? Egal, ob es
einen oder hundert Kandidaten in einem neuen Land gibt, die der IKS beitreten
wollen, unsere Strategie besteht nicht darin, eine lokale Gruppe zu schaffen,
die sich in “Verbindung mit den wirklichen politischen und sozialen Kämpfen im
Land selber” unter den dortigen Verhältnissen entwickelt. Stattdessen zielen
wir darauf ab, diese neuen Militanten schnell in die internationale Arbeit
unserer Organisation zu integrieren, damit diese auf zentralisierte Art und
Weise in dem Land intervenieren kann, wo die Genossen wohnen. Deshalb versuchen
wir auch bei zahlenmäßig geringen Kräften, mit einer Publikation in diesem Land
präsent zu sein, die unter der Verantwortung der neuen Gruppe von Genossen
herausgebracht wird, weil wir meinen, dass dies die direktere und wirksamere
Methode ist, um unseren Einfluss zu vergrößern und direkt zum Aufbau der
revolutionären Organisation beizutragen. Was ist dabei künstlich, und warum
soll man von der Fortentwicklung von schon bestehenden Organisationen sprechen?
Das sollte vom IBRP geklärt werden.

In Wirklichkeit sind die Verwirrungen von BC und der CWO
hinsichtlich der Organisationsfrage dem mangelnden Verständnis des
Unterschiedes zwischen der 2. und 3. Internationale aufgrund des grundlegenden
Wechsels der historischen Periode geschuldet:

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte einen
günstigen Zeitraum für die Kämpfe um Reformen dar; der Kapitalismus befand sich
in voller Expansion, und die Internationale war in dieser Zeit eine
Internationale von nationalen Parteien, die in den jeweiligen Ländern mit
unterschiedlichen Programmen kämpften (in einigen Fällen um demokratische
Errungenschaften, in anderen Fällen um die nationale Frage, hier gegen den
Zarismus in Russland, dort für die “Sozialgesetzgebung” usw.).

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs zeigte, dass das Potenzial
der kapitalistischen Produktionsform, der Menschheit noch eine Zukunft zu
bieten, erschöpft war. Eine Epoche von Kriegen und Revolutionen wurde eröffnet,
in der die Menschheit objektiv vor der Alternative “Kommunismus oder Barbarei”
steht. Auf diesem Hintergrund ist es nicht mehr möglich, nationale Parteien mit
spezifisch nationalen Aufgaben zu gründen, sondern es geht darum, eine einzige
Weltpartei mit einem einzigen Programm und einheitlichen Aktionen zur
gemeinsamen und synchronen Führung des Weltproletariats zur Revolution zu
schaffen

[12]

.

Die föderalistischen Reste, die in der Komintern weiterhin
bestanden, waren Überreste der vorhergehenden Perioden (wie z.B. im Fall des
Parlamentarismus), die auf den Schultern der Komintern lasteten (“die
Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der
Lebenden”
, wie Marx im 18. Brumaire schrieb). 

Man kann hinzufügen, dass die marxistische Linke während
ihrer Geschichte immer gegen den Föderalismus gekämpft hat. Erinnern wir uns an
die wichtigsten Episoden:

Marx und der Generalrat der I. Internationale (AIT) kämpften
gegen den Föderalismus der Anarchisten 
und gegen ihren Versuch, eine Geheimorganisation innerhalb der AIT
aufzubauen.

In der 2. Internationale kämpfte Rosa Luxemburg darum, dass
die Beschlüsse ihrer Kongresse in den Mitgliedsländern auch tatsächlich
umgesetzt wurden.

In der 3. Internationale (Komintern) kämpfte nicht nur die
Linke für die Zentralisierung, sondern trat in Gestalt Lenins und Trotzkis auch
von Anfang an gegen die “Besonderheiten” einiger Parteien an, die so ihre
opportunistische Politik vertuschen wollten (z.B. bekämpfte sie die Freimaurer
in der Kommunistischen Partei Frankreichs).

Man kann ferner hinzufügen, dass der Entstehungsprozess der
Weltpartei nicht wartet, bis sie ihre Präsenz in jedem einzelnen Land
konsolidiert bzw. geschaffen hat.

[13]


Es ist bekannt, dass zwischen Lenin und Luxemburg in dieser Frage
Meinungsverschiedenheiten bestanden. Rosa Luxemburg war gegen die unmittelbare
Gründung der Komintern – und deshalb trat sie dafür ein, dass der deutsche
Delegierte Eberlein gegen ihre Gründung stimmen sollte –, weil sie meinte, dass
die Zeit noch nicht reif sei, da die meisten Parteien noch nicht einmal
gebildet worden waren und die russische Partei innerhalb der Komintern folglich
ein zu großes Gewicht haben würde. Zwar haben sich leider ihre
Befürchtungen  hinsichtlich des
Übergewichtes der russischen Partei nach dem Rückfluss der revolutionären Phase
und dem Niedergang der Komintern als richtig herausgestellt. Dennoch erfolgte
die Gründung der Komintern angesichts der Bedürfnisse der Klasse zu spät, auch
wenn die Kommunisten aufgrund des Krieges, der erst einige Monate zuvor zu Ende
gegangen war, nicht anders handeln konnten.

Es wäre interessant zu wissen, was das IBRP von dieser
historischen Kontroverse denkt. Meint es etwa, dass Rosa Luxemburg gegenüber
Lenin Recht hatte, als sie sagte, die Zeit sei noch nicht reif für die Gründung
der Komintern?

Diese föderalistische Orientierung auf theoretischer Ebene
spiegelt sich natürlich in der Alltagspraxis wider. Die beiden Bestandteile des
IBRP hatten 13 Jahre lang, von der Gründung des IBRP bis 1997, zwei
unterschiedliche Plattformen. Es gibt keine Vollversammlungen der gesamten
Organisation (sondern nur der jeweiligen Einzelorganisationen, an der sich eine
Delegation der anderen Organisation beteiligt, was etwas ganz anderes ist). Es
gibt keine erkennbaren Debatten untereinander, und sie scheinen auch nicht das
Bedürfnis danach zu verspüren, auch wenn es während der letzten 16 Jahre seit
der Gründung des IBRP oft himmelschreiende Differenzen in der
Aktualitätsanalyse, in der Haltung zur internationalen Arbeit usw. gegeben hat.
In Wirklichkeit ist dieses Organisationsmodell, das das IBRP als die jetzt
“einzig mögliche Organisations- und Koordinierungsform” darstellt, die
klassisch opportunistische Organisationsform. Mit dieser Organisationsform
können neue Organisationen in den Kreis des IBRP gezogen werden, indem man
ihnen das Etikett “linkskommunistisch” verleiht, ohne ihre Vergangenheit auch
nur zu hinterfragen. Wenn das IBRP davon spricht, dass man “die ‚natürliche‘
Zeitspanne für das politische Wachstum der kommunistischen Avantgarde in den
verschiedenen Ländern”
abwarten müsse, bringt es damit in Wirklichkeit nur
seine opportunistische Auffassung zum Ausdruck, weil es die Kritik an den
Gruppen, mit denen es in Kontakt steht, nicht zu stark vorantreiben will, um
deren Vertrauen nicht zu verlieren.

[14]


Wir haben all das nicht erfunden; es handelt sich schlicht
und einfach um die Bilanz der letzten 16 Jahre IBRP, das trotz der Jubelarien,
die in seiner Presse verbreitet werden, bislang keine bedeutsamen Erfolge
erzielen konnte: Als das IBRP 1984 gebildet wurde, gehörten ihm zwei Gruppen
an, und das ist auch heute noch so. Es wäre für BC und die CWO angebracht,
einen Blick auf die verschiedenen Gruppen zu werfen, die sich einst dem IBRP
angenähert  oder  ihm gar – wenn nur vorübergehend – angehört
hatten, und zu überprüfen, wo diese gelandet sind, oder warum sie nicht im IBRP
geblieben sind. Was ist z.B. aus den Iranern der SUCM-Komala geworden? Und die
indischen Genossen von Lal Pataka? Oder die französischen Genossen, die eine
Zeitlang sogar den dritten Teil des IBRP gebildet hatten?

Eine opportunistische Umgruppierungspolitik ist nicht nur
politisch falsch, sondern sie ist als Politik auch zum Scheitern verurteilt.

[15]

2. Die Umgruppierungspolitik und der Aufbau der Organisation

In dieser Frage kann man natürlich nur bei Lenin beginnen,
der einen großen Beitrag zum Aufbau der Partei und Pionierarbeit bei der
Gründung der Komintern geleistet hat. Sein erfolgreicher Kampf auf dem 2.
Kongress der SDAPR 1903 um den Artikel 1 der Statuten, in dem strenge
Zugehörigkeitskriterien zur Partei festgelegt wurden, war wahrscheinlich einer
der wichtigsten Beiträge Lenins überhaupt. “Es würde bedeuten, nur sich
selbst zu betrügen, die Augen vor der gewaltigen Größe unserer Aufgaben zu
verschließen, diese Aufgaben einzuengen, wollte man den Unterschied zwischen
dem Vortrupp und all den Massen, die sich zu ihm hingezogen fühlen, vergessen,
wollte man die ständige Pflicht des Vortrupps vergessen, immer breitere
Schichten auf das Niveau dieses Vortrupps zu heben. Ja, es bedeutet, die Augen
zu verschließen und all dies zu vergessen, wenn man den Unterschied verwischt
zwischen denen, die der Partei angehören, und denen, die sich ihr anschließen,
zwischen den bewussten und aktiven Mitgliedern und den Helfern.”
(Lenin, Ein
Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück
, LW Bd. 7, S. 258)

Dieser Kampf Lenins, der zur Spaltung innerhalb der SDAPR
zwischen der Bolschewiki (der Mehrheit) und den Menschewiki (der Minderheit)
geführt hat, ist von besonderer historischer Bedeutung, da er das vorwegnahm,
was einige Jahre später die neue Partei werden sollte; eine Kaderpartei, die
zahlenmäßig eng begrenzt war, aber an die Bedürfnisse der neuen historischen
Periode der “Kriege und Revolutionen” besser als das alte Modell der
Massenpartei angepasst war, da Letztere zahlenmäßig größer war und bei den Zugehörigkeitskriterien
weniger streng vorging, was in der historischen Phase des aufsteigenden
Kapitalismus noch vertretbar gewesen war.

Dann stellt sich die Frage, wie sich die Partei (bzw. die
Fraktion oder irgendeine politische Gruppe) 
in den Auseinandersetzungen mit anderen proletarischen Organisationen
verhalten soll. Anders ausgedrückt: wie kann man am wirksamsten auf das
richtige Bedürfnis der Umgruppierung der revolutionären Kräfte eingehen? Hier
können wir uns nur auf die Erfahrung der Arbeiterbewegung stützen, besonders
auf die von der Italienischen Linken in der Komintern initiierte Debatte
hinsichtlich der Eingliederung von Zentristen bei der Bildung der
kommunistischen Parteien. Die Position Bordigas ist sehr eindeutig, und sein
Beitrag zur Verabschiedung einer 21. Aufnahmebedingung durch die Komintern war
grundlegend. Darin heißt es: “Diejenigen Parteiangehörigen, welche die von
der Kommunistischen Internationale aufgestellten Bedingungen und Leitsätze
grundsätzlich ablehnen, sind aus der Partei auszuschließen. Dasselbe gilt
namentlich von Delegierten zum außerordentlichen Parteitage.”

[16]


1920 äußerte sich Bordiga besorgt darüber, dass einige zentristische
Elemente, die sich 1914 nicht besonders schmutzig gemacht hatten, in den neuen
kommunistischen Parteien statt in den diskreditierten sozialdemokratischen
Parteien mitwirken könnten.

“Heute ist es einfach zu behaupten, dass man in einem neuen
Krieg nicht mehr die gleiche Fehler – den Burgfrieden und die Verteidigung des
Vaterlandes - begehen würde. Die Revolution ist noch weit weg, werden die
Zentristen behaupten, das ist kein unmittelbares Problem. Und sie werden die
Thesen der Kommunistischen Internationale akzeptieren: die Macht der
Arbeiterräte, die Diktatur des Proletariats, roter Terror (...). Der rechte
Flügel akzeptiert unsere Thesen, sie tun dies jedoch unzureichend und unter
Vorbehalt. Als Kommunisten müssen wir fordern, dass diese Thesen voll und ohne
Einschränkung akzeptiert werden – sowohl auf der Ebene der Theorie als auch auf
praktischer Ebene (...). Gegenüber den Reformisten müssen wir eine
unüberwindbare Schranke aufbauen (...) Beim Programm gibt es keine Alternative:
Entweder akzeptiert man es, oder man tut es nicht, und in diesem Fall muss man
aus der Partei austreten.”

[17]

Bordiga und die Italienische Linke leisteten zu dieser Frage
einen Schlüsselbeitrag. Ausgehend von dieser Position, geriet Bordiga später
mit einer in der Regression befindlichen Komintern in Konflikt, als er gegen
die Politik der Aufnahme von Zentristen in die kommunistischen Parteien
kämpfte, genauso wie er sich dagegen wehrte, dass die Verteidigung des
russischen Staates gegenüber allen anderen Problemen in den Vordergrund gestellt
wurde

[18]

.
Es ist auch bekannt, dass die Komintern die KP Italiens dazu zwang, den
maximalistischen (linken) Flügel der PSI, die sogenannten
“Terzinternationalisti” oder “Terzini Serratis”, wiederaufzunehmen, von dem
sich die KPI 1921, im Jahre ihrer Gründung, getrennt hatte.

Diese Strenge im Umgang mit den gemäßigten und
zentristischen Strömungen hat jedoch nie sektiererische Verschlossenheit,
Dialogverweigerung, Diskussionsverbot bedeutet – ganz im Gegenteil! So hat die
Italienische Linke schon seit ihren Anfängen als abstentionistische Fraktion
der PSI immer darauf hingewirkt, die sich in zentristischen Positionen
vergeudenden revolutionären Energien zu erobern, um sowohl ihre eigenen Kräfte
zu verstärken als auch dem Feindeslager Kräfte zu entreißen.

“Obgleich als eigenständige Fraktion mit ihrer eigenen
Zeitung innerhalb der PSI organisiert, versuchte die abstentionistische
Fraktion vor allem die Mehrheit der Partei für ihr Programm zu gewinnen. Sie
meinte noch, dass dies möglich sei, trotz des überwältigenden Sieges der
parlamentarischen Tendenz, die das Bündnis zwischen Lazzari und Serrati
darstellte. Die Fraktion konnte nur zu einer Partei werden, wenn sie sich mit
allen Kräften für die Eroberung mindestens einer bedeutenden Minderheit
einsetzte. Sich nicht zurückzuziehen, ohne den Kampf zu Ende geführt zu haben,
war immer das Anliegen der ‚bordigistischen‘ Bewegung, und in dieser Hinsicht
war sie nie eine Sekte, wie es ihr ihre Gegner vorwarfen.”

[19]

Wir können zusammenfassend sagen, dass es zwei grundlegende
Aspekte in der Politik der Italienischen Linken gibt, die der Tradition der
Bolschewiki folgten:

Strenge bei den Zugehörigkeitskriterien zur Partei, die sich
stützen auf:

+ das militante Engagement (Artikel 1 der Statuten der
SDAPR),

+ die Klarheit in den programmatischen Grundlagen und der
Auswahl der Militanten;

Offenheit in den Diskussionen mit anderen politischen
Strömungen der Arbeiterbewegung (siehe z.B. die Beteiligung der Italienischen
Linken an den Konferenzen in Frankreich zwischen 1928 und 1933 oder die
fortgesetzten Diskussionen mit der Ligue des Communistes Internationalistes
Belgiens [LCIB] mit der Veröffentlichung von Artikeln, die von Mitgliedern der
LCIB verfasst wurden, in der Zeitschrift Bilan).

Es ist an dieser Stelle notwendig zu unterstreichen, dass es
eine Verbindung zwischen der programmatischen und organisatorischen Strenge der
Italienischen Linken und ihrer Bereitschaft zur Diskussion gibt: In Tradition
mit den linken Strömungen verfolgte die Italienische Linke eine langfristige
Arbeit, die sich auf politische Klarheit und Solidität stützte und dubiose
“unmittelbare Erfolge” ablehnte, da diese den Weg zum Opportunismus
erleichterten und Vorbedingung für zukünftige Niederlagen waren (“Die Ungeduld
ist die Mutter des Opportunismus” so Trotzki). Die Italienische Linke hatte
keine Angst, mit anderen politischen Strömungen zu diskutieren, da sie
Vertrauen in die Solidität ihrer Positionen hatte.

Auch zwischen der Verwirrung und den Unklarheiten der
Opportunisten sowie ihrem ‚Sektierertum‘, das im allgemeinen eher gegen die
Linke als gegen die Rechte gerichtet ist, gibt es eine Verbindung.

Wenn man weiß, dass die eigenen Positionen wenig solide
sind, hat man natürlich Angst, sich mit den Positionen der Linken
auseinanderzusetzen, wie im Falle der Komintern nach dem 2. Weltkongress, die
sich dem Zentrum gegenüber öffnete, sich aber in den Debatten mit den Linken
‚sektiererisch‘ verhielt, als sie z.B. die KAPD ausschloss. Dasselbe galt auch
für Trotzkis Politik gegenüber der Italienischen Linken, die er unter
bürokratischen Vorwänden aus der Internationalen Opposition ausschloss, um
innerhalb der Sozialdemokratie Entrismus zu betreiben. Und für die Politik der
PCInt nach 1945, als diese die Kommunistische Linke Frankreichs (GCF)
ausschloss, um dann ungestört alle möglichen Leute zusammenzuführen, die noch
schlimmer als opportunistisch waren und sich weigerten, ihre Fehler in der
Vergangenheit zu kritisieren.

Unter den Linksoppositionen bietet uns die Italienische
Fraktion eine ausgezeichnete Lektion in revolutionärer Verantwortung und
Methode, indem sie sich für die Umgruppierung der Revolutionäre einsetzte, aber
auch und vor allem für die Klarheit der politischen Positionen kämpfte. Die Italienische
Linke hat immer auf der Notwendigkeit eines programmatischen Dokumentes gegen
die Manöver bestanden, die die Linksopposition untergraben haben. Wenn es
nämlich zu einem Bruch kommen sollte, sollte dieser auf der Grundlage von
Texten geschehen.

Seit ihrer Gründung im 1. Weltkrieg in den Reihen der II.
Internationale hat die Italienische Linke diese Methode angewandt. Auch
gegenüber der niedergehenden Komintern von 1924 bis 1928 hat sie diese Methode
benutzt, bis sie sich 1928 in Pantin (Frankreich) als Fraktion bildete. Trotzki
selbst hat diese politische Ehrlichkeit gewürdigt, als er in seinem letzten
Brief an die Fraktion im Dezember 1932 schrieb: “Die Spaltung von einer
ehrlichen revolutionären Gruppe (von der IKS unterstrichen) wie der eurigen muss
nicht notwendigerweise durch Feindseligkeiten, persönliche Angriffe oder
boshafte Kritiken geprägt sein”.

Dagegen hatte die Methode Trotzkis innerhalb der Opposition
nichts mit denen der Arbeiterbewegung zu tun. Der Ausschluss der Italienischen
Linken verlief nach dem gleichen Schema wie in der stalinisierten Komintern,
d.h. ohne offene Debatte, die diesen Ausschluss hätte rechtfertigen können.
Solch ein Verhalten wurde von Trotzki nicht nur einmal  an den Tag gelegt, denn er hat oft
Abenteurer unterstützt, die sein Vertrauen erschlichen hatten. Aber all die
revolutionären Gruppen wie die belgische, deutsche und spanische Linke und all
die ehrenhaften revolutionären Militanten wie Rosmer, Nin, Landau und Hennaut
wurden einer nach dem anderen ausgeschlossen oder beiseite gedrängt, bis die
Internationale Opposition eine rein “trotzkistische “ Strömung geworden war.

[20]

Auf diesem Dornen reichen Weg der Verteidigung des Erbes des
Marxismus und ihrer politischen Identität ist die Italienische Linke
international zu jener politischen Strömung geworden, die die Notwendigkeit
einer kohärenten Partei am besten ausgedrückt hat, einer Partei, aus der die
Unentschiedenen und Zentristen ausgeschlossen bleiben, die aber gleichzeitig
die große Fertigkeiten darin entwickelt, eine Umgruppierungspolitik der
revolutionären Kräfte voranzutreiben, weil sie sich stets auf die Klarheit der
Positionen und der Arbeitsmethoden gestützt hat.

Wird das IBRP (und vor ihm die PCInt seit 1943) – das sich
als der einzig wirkliche politische Erbe der Italienischen Linken darstellt –
wirklich den Ansprüchen seiner politischen Vorfahren gerecht? Sind seine
Eintrittsbedingungen wirklich so streng, wie sie von Lenin seinerzeit verlangt
wurden? Ehrlich gesagt, scheint uns das nicht der Fall zu sein. Die ganze
Geschichte dieser Gruppe wird von verschiedenen Episoden des “Opportunismus in
Organisationsfragen” geprägt, und statt vielmehr die Orientierungen umzusetzen,
die man zu unterstützen vorgibt, betreibt das IBRP in Wirklichkeit eine
Politik, die der niedergehenden Komintern und der Trotzkisten viel näher steht.
Wir wollen hier nur einige symptomatische historische Beispiele zur
Verdeutlichung desselben aufgreifen.

1943-1946

1943 wurde in Norditalien die Internationalistische Kommunistische Partei
(PCInt) gegründet. Diese Nachricht weckte große Hoffnungen, und die Führung der
neuen Partei wurde auf breiter Front vom Opportunismus übermannt. Dies fing
damit an, dass Elemente in Massen dem PCInt beitraten, die aus dem
Partisanenmilieu

[21]

oder aus
verschiedenen Gruppen aus dem Süden stammten, unter ihnen etliche aus der SP
oder der KP, andere gar aus den Reihen der Trotzkisten, ganz zu schweigen von
einer Reihe von Militanten, die zuvor offen mit dem programmatischen und
organisatorischen Rahmen der Italienischen Linken gebrochen hatten, um sich in
konterrevolutionäre Abenteuer zu stürzen, wie im Falle der Minderheit der
Auslandsfraktion des PCI, die sich 1936 am Spanienkrieg beteiligte, oder wie
Vercesi, der 1943 in der ‚Antifaschistischen Koalition” in Brüssel mitgewirkt
hatte.

[22]

Natürlich wurde keiner dieser Genossen, die der neuen Partei
beigetreten waren, um Rechenschaft über seine frühere politische Aktivität
gebeten. Und was soll man davon halten, dass Bordiga selbst, entgegen dem Geist
und den Worten Lenins, sich an den Aktivitäten der Partei bis 1952

[23]


beteiligte, ihre politische Linie mit inspirierte, sogar eine politische
Plattform verfasste und die Partei anerkannte - ohne Mitglied der Partei zu
sein?

Es war die französische Fraktion der kommunistischen Linken
(Fraction française de la  Gauche  Communiste
– FFGC, Internationalisme),
die in dieser Phase das Erbe der kommunistischen Linken fortsetzte, als sie die
politischen Lehren der italienischen Fraktion (Bilan) aufgriff und weiter
verfeinerte. Es war die FFGC, die gegenüber dem PCInt das Problem des Beitritts
von Vercesi und der Minderheit von Bilan aufwarf, weil von ihnen niemals
Rechenschaft über ihre früheren politischen Fehler verlangt worden war; sie
brachte  auch das Problem der
Parteigründung in Italien zur Sprache, die stattfand, ohne die während der zehn
vorausgegangenen Jahre erarbeitete Bilanz der Fraktion zu berücksichtigen.

1945 wurde ein internationales Büro unter Beteiligung des PCInt, der
belgischen Fraktion und einer “parallelen” französischen Fraktion der FFCG, die
“FFCGbis”, gegründet. In Wirklichkeit hatte sich diese “FFGCbis” aus einer
Abspaltung zweier Individuen gebildet, die, der Exekutivkommission der FFGC
angehörend, Kontakt zu  Vercesi in
Brüssel aufgenommen hatten und sich wahrscheinlich von seinen Argumenten hatten
überzeugen lassen, nachdem sie selbst zuvor, Anfang 1945, dessen sofortigen
Ausschluss ohne Diskussion unterstützt hatten.

[24]

Das eine Mitglied, Suzanne, war sehr jung und unerfahren,
während das andere aus der spanischen POUM stammte (später trat er Socialisme
ou Barbarie
bei). Die “FFGCbis” “verstärkte” sich später durch den Eintritt
von Mitgliedern der Minderheit von Bilan und der alten Union Communiste (Chazé,
etc), die von der Fraktion wegen ihrer Konzessionen an den Antifaschismus
während des Spanienkrieges kritisiert worden waren.

In Wirklichkeit diente die Gründung dieser “parallelen”
Fraktion dazu, die Glaubwürdigkeit von Internationalisme zu untergraben.
Wir sehen, die Geschichte wiederholt sich, da die PCInt das gleiche Manöver
vollzog wie 1930, als sie innerhalb der Opposition gegen die italienische
Fraktion die “Neue Italienische Opposition” (NOI) bildete, eine aus ehemaligen
Stalinisten bestehende Gruppe, die nur zwei Monate vorher die Finger mit im
Spiel hatte, als Bordiga aus der KPI ausgeschlossen wurde, und deren politische
Funktion nur in ihrer  provozierenden
Konkurrenz zur Fraktion bestand.

Am 28. November 1946 richtete die GCF einen Brief an die
PCInt, der mit einem Anhang versehen war, in dem sie eine Liste aller zu
diskutierenden Fragen aufführte und eine Reihe von Verfehlungen aufzählt, für
die verschiedene Teile der italienischen Linkskommunisten während des Krieges
verantwortlich waren (Internationalisme Nr. 16).

Diesem zehn Seiten langen Brief antwortet die PCInt sehr
lapidar mit folgenden Worten: “Sitzung des Internationalen Büro in Paris: Euer
Brief, der erneut die ständige Verdrehung der Tatsachen und politischen
Positionen sowohl des PC Italiens als auch der belgischen und französischen
Fraktionen  zum Inhalt hat, zeigt,  dass ihr keine revolutionäre politische
Organisation seid und dass eure Aktivitäten sich darauf beschränken, Verwirrung
zu stiften und unsere Genossen zu besudeln. Daher haben wir einstimmig eure
Bitte um Beteiligung am internationalen Treffen der Organisationen der GCI
abgelehnt.”

Es stimmt, die Geschichte wiederholt sich als Farce. Auf
dieselbe bürokratische Weise, mit der sie 1926 aus der Komintern ausgeschlossen
worden war, wurde die GCI 1933 auch aus der Linksoppposition ausgeschlossen
(siehe unsere Broschüre zur Italienischen Linken); schließlich schloss die GCI
ihrerseits unter bürokratischen Vorwänden die französische Fraktion aus ihren
Reihen aus, um der politischen Konfrontation auszuweichen.

Die 50er Jahre

Der Eklektizismus in den Positionen bedeutet, dass auf
internationaler Ebene die Methode des ‚Herr im eigenen Haus‘ herrschte. Mit der
Spaltung von 1952 nahmen die Bordigisten eine Position der “Unnachgiebigkeit”
ein – allerdings nur in der Form einer Karikatur. Einerseits verweigerte man
jede Diskussion ; andererseits öffnete man sich nach allen Seiten, wie im
Herbst 1956, als die PCInt (Battaglia Comunista) mit den GAAP

[25]

,
den Trotzkisten der Groupes Communistes Révolutionnaires und Action Communiste

[26]


eine “Bewegung für die Kommunistische Linke” gründeten, deren markanteste
Merkmale Heterogenität und Verwirrung waren. Diese vier Gruppen wurden von
Bordiga ironisch das “Vierblättrige Kleeblatt” genannt.

Die 70er Jahre

Anfang 1976 haben die Genossen von Battaglia Comunista den
“internationalen Gruppen der kommunistischen Linken” einen “Initiativvorschlag”
unterbreitet, in dem sie dazu einluden:

- eine internationale Konkurrenz abzuhalten, um zu sehen, wo
die Gruppen stehen, die sich auf den 
internationalen Linkskommunismus berufen;

- ein internationales Kontakt- und Diskussionszentrum zu
schaffen.

Die IKS hat sich voller Überzeugung an der Konferenz
beteiligt. Dabei haben wir jedoch die Festlegung von politischen
Minimalkriterien für die Beteiligung verlangt. Die Genossen von Battaglia
Comunista, die offensichtlich eine andere Art von Konferenzen gewohnt sind
(siehe oben), zögerten bei der Festlegung von aus ihrer Sicht zu strengen
Abgrenzungen: Sie befürchteten offenbar, einige Gruppen dadurch die Tür zu
verschließen.

Die erste Konferenz fand im Mai 1977 in Mailand statt, wobei
sich nur zwei Gruppen beteiligten – BC und die IKS. Aber BC verweigerte jede
öffentliche Erklärung und wollte auch jene Gruppen nicht kritisieren, die sich
trotz Einladung nicht an der Konferenz beteiligen wollten.

Ende 1978 fand die zweite Konferenz, diesmal in Paris,
statt, an der sich mehrere Gruppen beteiligten. Am Ende der Konferenz kam die
Frage der Teilnahmekriterien zur Sprache, aber diesmal schlug BC strengere
Kriterien vor: “Die Kriterien müssen ermöglichen, die Rätekommunisten von
diesen Konferenzen auszuschließen, und wir müssen deshalb auf der Anerkennung
der historischen Notwendigkeit der Partei als wesentliches Kriterium bestehen.”

Darauf antworteten wir, indem wir  an “unsere
Betonung der Notwendigkeit von Kriterien auf der ersten Konferenz
(erinnerten).
Wir meinen heute, dass die Hinzufügung von zusätzlichen Kriterien nicht
angebracht ist. Wir sagen das nicht, weil es an Klarheit mangelte, und auch
nicht hinsichtlich der Frage der Kriterien bezüglich der nationalen oder der
Gewerkschaftsfrage, sondern weil dies verfrüht ist. In der gesamten
revolutionären Bewegung gibt es in diesen Fragen noch sehr viel Verwirrung; und
die NCI besteht zu Recht auf die dynamische Entwicklung der politischen
Gruppen, die wir verfrüht ausschließen würden.”

[27]

In der ersten Hälfte des Jahres 1980 tagte die dritte und
letzte internationale Konferenz

[28]

,
deren Atmosphäre von Anfang an ihren späteren Ausgang vorweg nahm. Abgesehen
vom Interesse am Diskussionsthema war auf dieser Konferenz die deutliche
Absicht seitens BC zu spüren, die IKS von weiteren Konferenzen
auszuschließen.  BC war jedes Mittel
recht, einen Vorwand zu finden, um die Konferenz zur Annahme eines noch
strengeren und noch selektiveren Kriteriums zu bewegen, mit dem Ziel, die IKS
definitiv auszuschließen. Der Hintergrund war, dass BC die IKS immer weniger
als eine Gruppe des gleichen Lagers betrachtete, mit der sie zu einer Klärung
gelangen könnte, die für alle Genossen und die neuen, in der Entstehung
befindlichen Gruppen vorteilhaft wäre, sondern als einen gefährlichen
Konkurrenten, der Letztere für sich vereinnahmen könnte.

So gelangte man also von der Gleichgültigkeit gegenüber den
politischen Teilnahmekriterien auf der ersten Konferenz zur Erzwingung von
Kriterien auf der dritten Konferenz, die absichtlich für den Ausschluss der
IKS, d.h. des linken Flügels innerhalb der Konferenz, geschaffen wurden. Die
dritte Konferenz war eine Wiederauflage des Ausschlusses der GCF von 1945 und
damit die Fortsetzung früherer Episoden des Ausschlusses der Italienischen
Linkskommunisten aus der Komintern (1926) und der Opposition (1933).

Die politische Verantwortung, die BC (und die CWO) dabei
übernahm, ist gewaltig: Nur einige Monate später, im August 1980, brach der
Massenstreik in Polen aus, doch diese einmalige Gelegenheit verstrich, ohne
dass die Gesamtheit der linkskommunistischen Gruppen sich zu einer abgestimmten
Intervention aufraffen konnte, von der das Weltproletariat hätte profitieren
können.  

Aber die Geschichte geht noch weiter. Einige Zeit
später  haben BC und die CWO, die zeigen
wollten, dass sie die Konferenzserie und vier Jahre internationaler Arbeit
nicht grundlos abgebrochen hatten, eine vierte Konferenz organisiert, an der
neben ihnen eine sogenannte Revolutionäre Gruppe aus dem Iran teilnahm, vor der
wir im übrigen BC gewarnt hatten. Nur einige Jahre später gestand das IBRP ein,
dass diese iranische Gruppe alles andere als revolutionär war.

Die 90er Jahre

So kommen wir nun zu den letzten Jahren, wo wir von einer
gewissen, sicher noch schwachen, aber ermutigenden Öffnung hin zum Dialog und
zur Auseinandersetzung innerhalb des proletarischen politischen Lagers sprechen
konnten

[29]

.
Der in gewisser Hinsicht sicherlich interessanteste Aspekt war der Anfang  gemeinsamer Interventionen von IKS und IBRP
(insbesondere unter Beteiligung ihres Bestandteils in England – der CWO). Es
wurden gemeinsam abgesprochene Interventionen in Debatten durchgeführt (wenn
sie nicht gar gemeinsam stattfanden), wie z.B. auf den Konferenzen über
Trotzki, die in Russland stattfanden, auf einer öffentlichen
Diskussionsveranstaltung zur Russischen Revolution von 1917 in London oder bei
der gemeinsamen Verteidigung gegen die Angriffe bestimmter parasitärer
Gruppierungen usw. Wir haben diese Interventionen immer ohne Hintergedanken
durchgeführt, ohne die Absicht, irgend jemanden zu vereinnahmen oder innerhalb
des IBRP, zwischen die CWO und BC, einen Keil zu treiben. Dabei waren wir immer
besorgt wegen der Diskrepanz zwischen der größeren Offenheit der CWO und der
“schweigenden Abwesenheit” von BC. Schließlich beschloss BC, dass das Maß voll
sei, zog  die Zügel an und rief seine
Partner zur Einhaltung der Partei- pardon, Bürodisziplin auf. Nun vollzog die
CWO eine Kehrtwendung, denn alles, was sie zuvor für vernünftig und normal
hielt, wurde nunmehr als inakzeptabel angesehen. Vorbei die Abstimmung bei der
Arbeit gegenüber Russland, vorbei die gemeinsamen öffentlichen Veranstaltungen
usw. Das IBRP übernimmt damit erneut eine schwere Verantwortung, denn aufgrund
seines kleinkrämerischen Opportunismus musste das Weltproletariat in einem der
schwierigsten Momente der gegenwärtigen Zeit, dem Kosovokrieg, reagieren, ohne
dass seine Avantgarde es geschafft hätte, eine gemeinsame Stellungnahme
abzugeben.

Um das ganze Ausmaß des Opportunismus des IBRP bei seiner
Verweigerung gegenüber dem Vorschlag der IKS, einen gemeinsamer Aufruf gegen
den Krieg zu verfassen, zu erkennen, ist es aufschlussreich, einen Artikel von
BC, der im November 1995 unter der Überschrift “Irrtümer gegenüber dem Balkankrieg
geschrieben wurde, zu zitieren. BC berichtete darin, dass es von der OCI (Organizzazione
Comunista Internazionale /Che Fare
) eine(n) Brief/Einladung zu einer
nationalen Versammlung in Mailand gegen den Krieg erhalten habe. BC meinte,
dass “der Inhalt des Briefes interessant und wesentlich verbessert worden
ist im Vergleich zu den Positionen der OCI gegenüber dem Golfkrieg, ihrer
‚Unterstützung für das vom Imperialismus angegriffene irakische Volk‘ und ihrer
sehr polemischen Haltung in der Diskussion unserer angeblichen Indifferenz.”

Der Artikel führt dann weiter aus. “Es fehlt der Bezug auf die Krise des
Akkumulationszyklus (...) und die wesentliche Analyse ihrer Auswirkungen in der
jugoslawischen Föderation. (...) Aber dies scheint kein Hindernis zu sein
für eine mögliche gemeinsame Initiative derjenigen, die sich auf dem
Klassenterrain gegen den Krieg stellen.”
(Hervorhebung von uns) Vor
gerade einmal vier Jahren wollte BC in einer Lage, die weniger ernst war als
zur Zeit des Kosovokrieges, eine gemeinsame Initiative mit einer mittlerweile
völlig konterrevolutionär gewordenen Gruppe

[30]


ergreifen, um ihre aktivistischen Bestrebungen auszutoben, schreckte aber nicht
davor zurück, Nein zur IKS zu sagen - unter dem Vorwand, dass unsere Positionen
zu weit von ihren entfernt seien. Das nennt man Opportunismus.

Schlussfolgerungen

In diesem Artikel wollten wir auf die These des IBRP
antworten, wonach Organisationen wie unsere “der Methode und den
Arbeitsperspektiven, die zur Bildung der zukünftigen revolutionären Partei
beitragen”,
fern stehen. Zu diesem Zweck haben wir zwei Ebenen aufgegriffen,
auf denen sich die Organisationsfrage stellt. Auf diesen beiden Ebenen haben
wir gezeigt, dass das IBRP (und nicht die IKS) von der Tradition der
italienischen und internationalen Linkskommunisten abweicht. Der Eklektizismus
des IBRP bei seiner Umgruppierungspolitik ähnelt eher jener Trotzkis, der sich
besessen um den Aufbau seiner IV. Internationale bemüht hatte. Die Methode der
IKS stützt sich dagegen auf die der Italienischen Fraktion, die immer für einen
Umgruppierungsprozess auf klarer Grundlage eingetreten ist, da diese Klarheit
die Bedingung ist, um die zögernden und zaudernden Elemente aus dem Zentrum zu
gewinnen.

Auch wenn es den verschiedenen selbsternannten Erben nicht
gefällt, die wirkliche Kontinuität der Italienischen Fraktion wird heute von
der IKS verkörpert, weil unsere Organisation sich auf all die Schlachten der
20er, 30er und 40er Jahre beruft, die Lehren daraus übernommen und fortgesetzt
hat.  

31.8.2000    
Ezechiele


[1]

IBRP:
Internationales Büro für die Revolutionäre Partei, eine internationale
Organisation, welche die beiden Organisationen Communist Workers
Organisation
(CWO) und den Partito internazionalista in Italien
vereinigt.

[2]


Veröffentlicht in Battaglia Comunista Nr. 1, Januar 2000, und in Internationalist
Communist
Nr. 18, Winter 2000.

[3]

Die
Kommunistische Internationale hatte seinerzeit auch 21 Aufnahmebedingungen.

[4]

Vgl. unseren
Artikel ӆber den Aufruf der IKS zu einer Stellungnahme gegen den Krieg in
Serbien. Die kriegerische Offensive der Bourgeoisie erfordert eine gemeinsame
Antwort der Revolutionäre”
, Internationale Revue Nr. 24

[5]

Vgl. auch ”Polemik
mit dem IBRP. Die marxistische Methode und der Aufruf der IKS gegenüber dem
Krieg in Ex-Jugoslawien”
, Internationale Revue Nr. 25

[6]

Es geht
dabei um die Punkte 13 und 16, wo es Divergenzen gibt, die aber nicht
grundlegend sind, sondern nur die Analyse der gegenwärtigen Lage betreffen.

[7]

Die Berichte
und kritische Einschätzungen über diese Konferenzen können in verschiedenen
Artikeln der Internationalen Revue und in Broschüren nachgelesen werden,
die auf Bestellung erhältlich sind.

[8]

Thesen der
Linken für den 3. Kongress der Kommunistischen Partei Italiens, Lyon, Januar
1926

[9]

”Während
dieser ganzen Zeit (1930), wurde Trotzki durch die Briefe von Rosmer
informiert. Dieser ist gegen die Italienische Linke und
‚blockiert alle
Diskussionen‘. Er kritisierte Prometeo, der zunächst vor der Gründung der
Internationale nationale Sektionen bilden wollte, und er nannte das Beispiel
von Marx und Engels, die”
1847 die kommunistische Bewegung mit einem
internationalen Dokument zum Leben erweckt und die erste Internationale
gegründet haben. “Diese Argumentation ist zu unterstreichen, da sie in der
Folge immer wieder zu Unrecht gegen die Italienische Fraktion ins Feld geführt
wird.”
(IKS, Rapports entre
la fraction de gauche du PC d’Italie et l’Opposition de la Gauche
Internationale, 1929-1933
, im Buch La Gauche Communiste d’Italie, in
frz., engl., span. oder ital.
Sprache erhältlich)

[10]

IBRP, ”Hin
zur neuen Internationalen”
, Prometeo Nr. 1, Serie VI, Juni 2000

[11]

IBRP, a.a.O.

[12]

Vgl. auch
unsere allgemeine Stellungnahme zu dieser Frage im Artikel Über die Partei
und ihre Beziehung zur Klasse
, ein Text des 5. Kongresses der IKS, Internationale
Revue
Nr. 9

[13]

“Viele (Delegierte
am Gründungskongress der KI) waren tatsächlich bolschewistische Militante:
Die Kommunistische Partei Polens in vielerlei Hinsicht, diejenige Lettlands,
der Ukraine, Litauens, Weißrusslands, Armeniens, die vereinigte Gruppe der
Völker Ostrusslands, die Sektionen des Zentralbüros der Völker des Ostens waren
unter verschiedenen Titeln letztlich Schöpfungen der Bolschewistischen Partei
selber. (...) Aus dem Ausland kamen eigentlich nur die beiden Schweizer
Delegierten, Fritz Platten und Kascher, der Deutsche Eberlein (...), der
Norweger Stange und der Schwede Grimlund, der Franzose Guilbeaux. Doch auch bei
ihnen konnte über die Repräsentanz diskutiert werden. (...) Es blieben
letztlich nur die beiden Delegierten, die ein unbestreitbares Mandat hatten,
der Schwede Grimlund und Eberlein.”
(Der Erste Kongress der
Kommunistischen Internationale
, Pierre Broué: Einführung, die Ursprünge
der Kommunistischen Internationale
. EDI, Paris, S. 35-36)

[14]

Diese Kritik
haben wir schon kürzlich gegenüber BC im Zusammenhang mit deren
opportunistischen Methode geübt, mit der sie Beziehungen zu Elementen der GLP
pflegt. Die GLP sind eine politische Gruppierung, deren Teile daran sind, mit
der autonomen Bewegung zu brechen, und auf halbem Weg der Klärung angelangt
sind, wobei sie immer noch eine gute Dosis ihrer ursprünglichen Verwirrung
beibehalten haben: “Diese Intervention ist aber weit davon entfernt, die
Klärung dieser Gruppe und die Aneignung einer revolutionären Kohärenz
voranzubringen, im Gegenteil ihre mögliche Entwicklung wurde blockiert.”

(aus “Die ‚Gruppen proletarischer Kampf‘: ein unvollständiger Versuch des
Erreichens einer revolutionären Kohärenz”
, Weltrevolution Nr. 89)

[15]

Das IBRP
wird uns wahrscheinlich widersprechen, indem es auf das Beispiel von Gruppen
verweist, die sich in den letzten Jahren dazu entschlossen haben, mit ihm zu
“arbeiten”, bzw. auf eine neue Präsenz in Frankreich mit einer Publikation (Bilan
et perspectives
). Wir hoffen, dass sich diese neuen Kräfte anders als ihre
Vorläufer halten können, doch das IBRP wird besonders wachsam sein müssen, wenn
es nicht dieselben Enttäuschungen erleben will wie zuvor.

[16]

Der
zweite Kongress der Kommunistischen Internationale, Protokoll der Verhandlungen
vom 19. Juli in Petrograd und vom 23. Juli bis 7. August 1920 in Moskau
,
Hamburg 1921, S. 395

[17]

Rede von Amadeo Bordiga über die Die
Aufnahmebedingungen der KI
, 1920, veröffentlicht in La Sinistra
Comunista nel cammino della rivoluzione
, Edizioni sociali, 1976

[18]

Diese
Politik der degenerierenden Komintern führte zur Isolierung der revolutionären
Kräfte in den Parteien und hat sie der Repression und dem Massaker
ausgeliefert, wie dies insbesondere in China der Fall war.

[19]

IKS: Die
Italienische Kommunistische Linke 1927-52
(frz./engl./span./ital.)

[20]

aus dem
Buch der IKS: Die Beziehungen zwischen der Linksfraktion der KP Italiens und
der Internationalen Linksopposition, 1923-1952
, das demnächst auf
Französisch erscheint

[21]

“Die
Unklarheiten über die ‚Partisanen” bei der Gründung der Internationalistischen
Kommunistischen Partei in Italien”
, 
Antwort der IKS in Revue Internationale (frz./engl./span.
Ausgabe) Nr. 8 auf einen Brief von Battaglia Comunista

[22]


s. die Artikel “Die Wurzeln der IKS und des IBRP” in Internationale Revue Nr.
22/23 und den Artikel “Die Schatten des Bordigismus und seiner Epigonen” in
Revue Internationale (frz./engl./span. Ausgabe) Nr. 95

[23]


das Jahr der Spaltung zwischen der heutigen Gruppe Battaglia Comunista und den
‚bordigistischen” Bestandteilen der IKP

[24]

IKS: Die
Italienische Kommunistische Linke 1927-52

[25]

Einige
ehemalige Partisanen, unter ihnen Crevetto, Massimi und Parodi, traten der
anarchistischen Bewegung bei und versuchten in ihren Reihen als Klassentendenz
tätig zu sein, als sie im Februar 1951 mit der Herausgabe der Zeitung L‘impulso
die “Gruppi Anarchici di Azione Proletaria” (GAAP) gründeten.

[26]

AC entstand
1954 als eine Tendenz der IKP, die von Seniga, Raimondi, einem ehemaligen
Partisanen, und Fortichiari, einem der Gründer der KP Italiens 1921, der der
IKP nach seinem Ausschluss aus der KP beigetreten war, gebildet wurde. Seniga
war ein Mitarbeiter Pietro Secchias, welcher die Gruppen links von der KP
Italiens während der Resistance als “Marionetten der Gestapo” bezeichnet und
dazu aufgefordert hatte, diese physisch zu eliminieren. Es handelte sich um den
Zusammenschluss eines Teils von AC und den GAAP, die 1965 die Gruppe Lotta
Comunista gründeten.

[27]

Das
Protokoll der Konferenz wurde in “Vorbereitungstexte (Fortsetzung),
Berichte, Korrespondenz der 2. Konferenz der Gruppen der Kommunistischen
Linken”
, Paris, November 1978, veröffentlicht.

[28]


Revue Internationale (frz./engl./span. Ausgabe) Nr. 22, 3. Quartal 1980, “3.
Internationale Konferenz der Gruppen der Kommunistischen Linken” Paris, Mai
1980, “Das Sektierertum, ein Erbe der Konterrevolution, das überwunden werden
muss”; s. auch das Protokoll der 3. Konferenz, das von der IKS auf Französisch
als Broschüre und von BC als Sonderausgabe von Prometeo auf Italienisch
herausgebracht wurde.

[29]

Internationale Revue Nr. 21, “6. Kongress des Partito Comunista
Internazionalista - Ein Schritt vorwärts für die Kommunistische Linke”
, Revue
Internationale
(frz./engl./span. Ausgabe) Nr. 93, “Debatten unter
bordigistischen Gruppen: eine bedeutsame Entwicklung des proletarischen
politischen Milieus”
, Internationale Revue Nr. 95: Die
Kommunistische Linke Italiens, “Zur Broschüre ‘Die Schatten des Bordigismus
und seiner Epigonen‘ (Battaglia Comunista)”
.

[30]

Es ist
typisch für den Opportunismus der Genossen von BC, dass sie im Herbst 1995
erneut Verbindung zu einer Organisation aufgenommen haben, die seit mindestens
fünf Jahren, seit dem Golfkrieg, nichts anderes tut, als eine imperialistische
Front gegen die andere zu unterstützen, und sich direkt an der Mobilisierung
des Proletariats für die imperialistischen Massaker beteiligt. Siehe dazu unsere Artikel in Rivoluzione
Internazionale
: “L’OCI – la calunnia è un venticello” Nr. 76, Juni
92, “Le farnetticazioni dell’OCI”, Nr. 69, April 91, außerdem: “Les
poissons-chats du Golfe”
in Revue Internationale (frz./engl./span.
Ausgabe)
Nr. 67, Dez. 90.

Politische Strömungen und Verweise: