Neuer Rhythmus der IKS-Presse

Wir
veröffentlichen nachfolgend einen Artikel zu den Publikationen der IKS, der
bereits im Januar 2013 in unserer französischsprachigen Presse erschienen ist.
Der Artikel gilt sinngemäß auch für die deutschsprachigen Publikationen, was
unter anderem darin zum Ausdruck kommt, dass die Nummer 177 der Weltrevolution nicht
wie sonst üblich im April/Mai 2013 herausgekommen ist, sondern voraussichtlich
erst im Juni erscheinen wird.

Neuer
Rhythmus der IKS-Presse

"Von
Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend. Das eigentliche
Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer
weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter. Sie wird befördert durch die
wachsenden Kommunikationsmittel, die von der großen Industrie erzeugt werden
und die Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten miteinander in Verbindung
setzen. (…) Und die Vereinigung, zu der die Bürger des Mittelalters mit ihren
Vizinalwegen Jahrhunderte bedurften, bringen die modernen Proletarier mit
den Eisenbahnen in wenigen Jahren zustande."

So drückte
sich Marx 1848 im Kommunistischen Manifest aus. Der Kapitalismus hat schließlich
länger überlebt, als Marx dies voraussah, aber der Klassenkampf ist mehr denn
je auf der ganzen Welt ebenso eine Tatsache. Da, wo die Arbeiter_innen von 1848
auf Eisenbahnen zählten, die natürlich nicht dazu geschaffen worden waren, um
ihnen das Leben zu erleichtern, setzen die Arbeiter_innen und Revolutionäre von
2013 je länger je mehr auf das Internet, um ihre Ideen zu verbreiten und – so
hoffen wir – nach und nach diese „immer weiter um sich greifende Vereinigung“
zu schmieden, von der Marx sprach. Das Internet hat unsere Arbeitsweise und vor
allem unsere Kommunikationsweise von Grund auf verändert.

Als die IKS
1975 gegründet wurde, gab es das Internet natürlich noch nicht. Die Ideen
wurden mit dem Mittel der gedruckten Presse weiter verbreitet, in Hunderten von
kleinen radikalen Buchläden aufgelegt, die damals in der Dynamik nach dem Mai
68 und den folgenden Kämpfen auf der ganzen Welt aus dem Boden sprossen. Und
die Korrespondenz wurde gepflegt auf dem Weg des (oft von Hand) geschriebenen Briefes,
den die Post beförderte.

Heute sind
die Verhältnisse ganz anders: Das Papier ist durch die elektronischen Medien
ersetzt worden, und während die Buchläden ein günstiger Ort des Vertriebs
unserer gedruckten Presse in der Welt waren, so verkaufen wir sie heute im
Wesentlichen an Demonstrationen und bei Kämpfen am Arbeitsplatz.

Darüber
hinaus haben wir uns mit der Presse seit der Gründung der IKS darum bemüht, zur
Entwicklung einer internationalistischen Perspektive in der Arbeiterklasse
beizutragen, indem wir uns auf Artikel stützten, die in verschiedenen Ländern
Gültigkeit hatten. Heutzutage verfolgen wir immer noch dasselbe Ziel, aber die
elektronischen Medien mit ihrer hohen Geschwindigkeit der Datenübertragung
erlaubt es den Sektionen der IKS, enger zusammen zu arbeiten (vor allem dort,
wo die Sprache die gleiche ist), und wir nutzen die neuen Möglichkeiten, um
unsere weltweite Einheit in der Presse noch zu verstärken.

Diese
Faktoren haben es uns nahe gelegt, über unsere Presse und über den Stellenwert
der digitalen Publikationen beziehungsweise der gedruckten Presse im Rahmen
unserer internationalen Intervention nachzudenken. Wir sind davon überzeugt,
dass die gedruckte Presse ein wesentlicher Teil unserer Interventionsmittel
bleibt. Mit ihr können wir direkt in laufende Kämpfe eingreifen. Aber die
gedruckte Presse spielt nicht mehr die genau gleiche Rolle wie in der
Vergangenheit und muss deshalb flexibler werden, sich an eine veränderte Lage
anpassen können.

Da wir nur
begrenzte Kräfte haben, sind wir zum Schluss gelangt, dass eine Verstärkung und
Anpassung unserer Webseite eine Verringerung der Arbeit im Zusammenhang mit der
gedruckten Presse voraussetzt: Eine der ersten Folgen dieser Neuorientierung
der Pressearbeit wird deshalb sein, dass die gedruckten Publikationen weniger
häufig erscheinen, insbesondere einige unserer Zeitungen. So werden unsere
Zeitungen in Großbritannien (World Revolution) und in Frankreich (Révolution
internationale) in Zukunft nur noch alle zwei Monate heraus kommen.

Abgesehen
davon werden unsere Leser_innen sicher bemerkt haben, dass 2012 die
Sommerausgabe der International Review (in englischer, französischer und
spanischer Sprache) nicht erschienen ist. Wir möchten uns dafür entschuldigen.
Wie ist dies zu erklären, wenn doch – wie wir sonst sagen – die geschichtlichen
Notwendigkeiten des Kampfes der Arbeiterklasse von den Revolutionären eine
erhöhte Anstrengung der Intervention auf theoretischer und historischer Ebene
verlangen? Es hat sich in der Tat herausgestellt, dass unsere begrenzten Kräfte
es uns nicht erlauben, gleichzeitig alle Aufgaben im Zusammenhang mit den
Publikationen zu erfüllen, die nebst der Internationalen Revue auch noch die
Broschüren und Bücher umfassen, deren Herausgabe uns eine bedeutende Arbeit
abverlangt. Wir stehen erst am Anfang unserer Diskussion über die Pressearbeit,
und wir wissen noch nicht genau, wie wir uns hinsichtlich des Rhythmus der
Herausgabe der Internationalen Revue schließlich entscheiden werden.    

Wir gehen
davon aus, dass im laufenden Jahr neue Änderungen sich ergeben werden,
insbesondere was die Struktur der Webseite betrifft. Wir möchten unsere
Leser_innen in diese Aufgabe einbeziehen, weshalb wir bald einen Fragebogen auf
die Webseite stellen werden, damit ihr eure Meinung dazu abgeben könnt. In der
Zwischenzeit sind wir offen für eure Vorschläge, die ihr schon auf den
Diskussionsforen einbringen könnt.

Das hier
Gesagte bezieht sich natürlich nur auf die geographischen Gebiete, wo der
Zugang zum Internet selbstverständlich geworden ist. Es gibt aber Regionen, wo
der fehlende oder erschwerte Zugang bedeutet, dass die gedruckte Presse
weiterhin die gleiche Rolle spielen muss wie bisher. Dies ist insbesondere in
Indien und in Lateinamerika der Fall, wo wir mit unseren Sektionen in Indien,
Mexiko, Venezuela, Peru und Ecuador schauen werden, wie wir am besten unsere
Presse an die jeweiligen Bedingungen anpassen können.

IKS, 18.
Januar 2013