II. DIE INTERNATIONALE KOMMUNISTISCHE LINKE 1937-52

In
dem ersten Teil dieses Artikels haben wir aufgezeigt, wie in den entscheidenden
Jahren von 1935-37 die Fraktion der Italienischen Linken im Ausland in der Lage
war, den roten Faden der marxistischen Kontinuität auch ungeachtet einer
schrecklichen politischen Isolierung gegenüber den anderen linken Strömungen
aufrechtzuerhalten, insbesondere der trotzkistischen Strömung (2), die im
demokratischen Antifaschismus versanken. Diese dramatische historische
Abgrenzung hat die politischen und programmatischen Grundlagen gelegt, auf die
sich heute noch die Kräfte der Internationalen Kommunistischen Linken stützen.
Wir haben ebenfalls aufgezeigt, daß aus der Sicht der Genossen von Battaglia
Comunista all dies nur bis zu einem bestimmten Punkt wertvoll war, da aus ihrer
Sicht 1935 die zentrale Frage darin bestand, daß man gegenüber dem Wechsel der
alten Parteien zur Konterrevolution reagieren müsse, indem die Fraktion in eine
neue kommunistische Partei umgewandelt werden müsse. Diese Position, die 1935
durch eine aktivistische Minderheit verteidigt wurde (welche im darauf
folgenden Jahr mit der Kommunistischen Linke brach, um den 'antifaschistischen'
Krieg in Spanien zu unterstützen) wurde durch die Mehrheit der Fraktion
verworfen, die den Positionen der Linken treu blieb, und die die Umwandlung der
Fraktion zur Partei von dem Wiederaufschwung des Klassenkampfes abhängig machte.
Den Genossen von Battaglia zufolge hätte die 'abwartende' Mehrheit, die 1935
diese Haltung vertreten hätte, diese Meinung 1936 korrigiert, um sich 1937
wieder darauf zu stützen, mit verheerenden Auswirkungen versteht sich.

Insbesondere
ihr berühmtester Sprecher, Vercesi, meinte, "um die Kontroverse zwischen
dem abwartenden Bianco und Pero-Tito (Parteianhänger)  zu entscheiden,
hätte dieser mehr auf der Seite der letztgenannten gestanden: "Obgleich
wir in dieser jetzigen Situation noch keinen Einfluß auf die Massen haben und
haben können, stehen wir in der jetzigen Situation vor der Notwendigkeit, nicht
mehr als eine Fraktion einer Partei zu handeln, die verraten hat, sondern als
eine Miniaturpartei" (Bilan, Nr. 28). In der Praxis scheint sich Vercesi
mehr einer dialektischeren Auffassung zu nähern, derzufolge man gegenüber dem
Verrat der zentristischen Parteien mit der Gründung neuer Parteien reagieren
sollte, nicht um einfach nach Gutdünken die Massen hin zur Eroberung der Macht
zu leiten,..., sondern um die Kontinuität der Klasse darzustellen, die
unterbrochen worden, und um die politische Leere zu füllen, die entstanden war.
Somit sollte die Klasse diesen unabdingbaren politischen Bezugspunkt haben -
selbst in den Phasen des Rückflusses, der eingetreten war, obgleich dieser
wiederum noch in der Anfangsphase steckte- ,um schrittweise mit dem Verlauf der
Ereignisse zu wachsen, anstatt auf sie zu warten, wie man auf den Messias
warten kann. Aber 1937 machten sie einen Rückschritt, indem  in dem
"Bericht zur Internationalen Situation" die Fraktion als der einzig
mögliche politische Ausdruck vorgeschlagen wurde, wodurch implizit irgendeine
Umwandlung verworfen wurde... Abgesehen von der persönlichen Rückentwicklung
Vercesis wurde die Fraktion mit dem Ausbruch des Kriegs fast handlungsunfähig.
Alle Publikationen wurden eingestellt (interne Bulletins, Prometeo, Bilan und
Octobre), die Kontakte zwischen den französischen und belgischen Sektionen
entweder unterbrochen oder abgebrochen. 1945 löste sich die Fraktion auf, ohne
in der Praxis eines der wichtigsten Probleme gelöst zu haben, daß 1928 ihre
Gründung herbeigeführt hatte. Die Partei entstand dennoch Ende 1942 unter den
Anregungen der Genossen, die in Italien geblieben waren (Partito Comunista
Internazionalista), und der sich nach dem Ende des Krieges viele Mitglieder der
aufgelösten Fraktion anschlossen.

Wie
gewöhnlich schreiben die Genossen von BC unsere Geschichte auf ihre Art.
Zunächst war V

[1]

ercesi nicht
der Sprecher der 'abwartenden' Mehrheit (wie sie von BC genannt wird), sondern
der Initiator des Versuches eines wenn auch nicht klaren Kompromisses zwischen
den beiden Positionen am Ende des Kongresses 1935. Anfang 1936 griff Vercesi
noch auf einen Ausdruck zurück, der in der Tat all die Zweideutigkeiten
enthält, die von der Mehrheit bekämpft wurden, und der oben erwähnt wird. Das
genaue Zitat spricht von der Notwendigkeit "nicht mehr als Teil einer
Partei, die verraten hat, sondern - wenn man es so sagen kann - als eine
Miniaturpartei" zu handeln. Aber selbst in der Konditionalform, die die
Genossen von BC einfach listigerweise weggelassen haben, bleibt diese
Formulierung absolut zweideutig, denn sie stellt die Fraktion als eine Partei
dar, die wenig Mitglieder hätte, während es sich um eine Organisationsform
handelt, die typisch ist für die Phasen eines Klassenkampfes, in der die
Existenz einer Partei, ob groß oder klein, nicht möglich ist. Die wirklichen
Sprecher der Mehrheit protestierten zu Recht gegen diese widersprüchlichen
Formulierungen, die diese heimliche Idee verbreiteten, derzufolge man sich auf
die Aktivität einer Partei hin hätte orientieren können, obgleich die
Bedingungen dafür überhaupt nicht vorhanden waren. Es ist kein Zufall, daß der
Artikel Biancos in BILAN Nr. 28, der den Auffassungen Vercesis entgegentritt,
unter der Überschrift erschien "Ein wenig Klarheit bitte". Die
Klarheit über die Tatsache, daß es unter diesen Bedingungen nur eine Fraktion
geben konnte, wurde in der Tat hergestellt, aber nicht im Jahre 1937, wie es
der Artikel von BC behauptet. Es war die Minderheit, die die Angelegenheit
geklärt hat, als sie nämlich gegenüber den Ereignissen in Spanien für klare
Verhältnisse sorgte, indem sie im Antifaschismus versank und in der Praxis
verdeutlichte, wohin die Reden von der Notwendigkeit eines "Bruchs mit dem
Abwarten" führten. Mit dieser Klärung konfrontiert faßte Vercesi wieder
Fuß und gab vorübergehend (leider nur für eine kurze Dauer) das Gerede von
"neuen Phasen" auf. Indem sie fest an ihren Positionen in der
entscheidenden Zeit von Juli 1936 bis Mai 1937  festhielt zurzeit des
Massakers an den Arbeitern von Barcelona), war die Fraktion dazu in der Lage,
die Grundlagen für die gegenwärtige Internationale Kommunistische Linke zu
legen. Gleichwohl war der Preis dafür eine vollständige Isolierung gegenüber
dem politischen Milieu, das voll in die Fangnetze der Demokratie geraten war.
Dieser furchtbare Druck mußte notwendigerweise seine Spuren auch innerhalb der
Italienischen Fraktion und in der neuen Belgischen Fraktion  hinterlassen.
Einige Genossen fingen an, mit der Idee zu spielen, da der Krieg sich näherte,
käme auch der Zeitpunkt eines Widerstands der Arbeiterklasse und um auf diese
zukünftigen Reaktionen vorbereitet zu sein, müßte man sofort eine
"andere" Aktivität entfalten. Gegen Ende 1937 fing Vercesi an, die
Theorie zu vertreten, daß es anstelle eines Weltkrieges eine Reihe von 'lokalen
Kriegen' geben werde, deren Wesen darin bestünde, vor allem präventive Massaker
gegen eine Bedrohung zu sein, die irgendwie von den Arbeitern ausgehen werde.
Um auf diese Erschütterungen vorbereitet zu sein, müsse "man mehr
machen", und so tauchte in einer anderen Form die Theorie auf, daß die
Fraktion wie eine Miniaturpartei handeln müsse. Damit die Partei eine
"Aktivität" habe, fing die Fraktion im Sept. 1937 ein absurdes
Unterfangen an: Geld für die Opfer des Spanienkriegs zu sammeln, um in
Konkurrenz  mit der "Massenarbeit" der sozialdemokratisch-stalinistischen
Organismen wie der "Roten Hilfe" zu treten, wobei man sich aber auf
'deren Terrain' herabgeben mußte. Während BILAN Nr. 38 im Dez. 1936 das Projekt
aus dem Jahre 1933 eines Internationalen Informationsbüro wiederveröffentlichte
und dabei bitter feststellte, daß es noch keine Möglichkeit gebe, diesen
Minimalvorschlag zu akzeptieren, erklärte Vercesi im Sept. 1937 in BILAN Nr.
43, daß ein einfaches Informationsbüro nunmehr "überholt sei und man nun
in eine andere Arbeitsphase treten müsse" - die Gründung des Internationalen
Büros der Fraktion der Linken. Als solche war die Forderung, ein
Koordinationsorgan zwischen den beiden vorhandenen Fraktionen zu gründen,
vollkommen richtig. Das Problem lag darin, daß dieses Büro nicht die Klärung
und Bildung der Kader koordinieren sollte, die ja die einzig mögliche Arbeit
der Fraktion unter jenen Bedingungen war, sondern mehr aufgefaßt wurde als ein
Organ, das sofort bei einer Verstärkung des Klassenkampfes bereit stehen
sollte, um die "Gründung neuer Parteien und einer neuen Internationale"
zu koordinieren. Indem man das Pferd von hinten aufzäumte, wurde im Jan. 1938
die Veröffentlichung von BILAN eingestellt und ersetzt durch eine Zeitschrift,
mit deren Namen OCTOBRE man sich auf die erwarteten revolutionären Umwälzungen
einzustellen versuchte,  die allerdings nirgendwo auftraten. Es waren
zudem Ausgaben in französisch, englisch und deutsch vorgesehen. Das Ergebnis
dieses Wahnsinns, als 'eine Miniaturpartei' handeln zu wollen, war
vorhersehbar: die Revue, die in drei Sprachen veröffentlicht werden sollte, kam
nicht mal regelmäßig auf französisch heraus, das Büro hörte praktisch auf zu
existieren und die Austritte nahmen unter den total verwirrten Mitgliedern zu.

Mit
dem Ausbruch des Kriegs im Aug. 1939 erreichte die Verwirrung ihren Höhepunkt,
was zudem alles noch erschwert wurde durch die geheime Arbeit, den Mord an
einigen der besten Mitglieder und der Verhaftung vieler anderer. So war die
Fraktion in Wirklichkeit total desorganisiert. Dazu trug noch die Haltung
Vercesis bei, der bis zu dem Zeitpunkt behauptet hatte, die Arbeit der Fraktion
nütze überhaupt nichts, sondern man brauche eine Mini-Partei, und der mit dem
Ausbruch des Kriegs die Theorie entwickelte, daß infolge des Nichtreagierens
des Proletariats dieses "gesellschaftlich nicht mehr existiere und unter
diesen Umständen die Fraktionsarbeit überhaupt nichts mehr nütze".

Wie
man sieht, taucht die Infragestellung der Fraktion als Organ der revolutionären
Aktivität in den historisch ungünstigen Phasen immer wieder auf. Aus all dem versucht
Battaglia die Schlußfolgerung zu ziehen, daß diejenigen, die während des Kriegs
eine Fraktionsarbeit betrieben haben, damit nichts bewirkt haben. Aber
diejenigen, die während des Krieges nichts bewirkt haben - wie Vercesi- waren
gerade jene, die die Arbeit als Fraktion nicht machen wollten. Im Gegensatz zu
dem, was Battaglia meint, stellte die Fraktion nicht alle Aktivitäten ein,
sondern sie reorganisierte sich schon von Anfang 1940 an - aufgrund der
Initiative der Sektion in Marseille, die an der Spitze der Opposition zu
Vercesi stand -, hielt geheime Jahrestreffen ab, stellte Sektionen in Lyon,
Toulouse und Paris auf, knüpfte wieder Kontakt zu den Genossen in Belgien.
Trotz unvorstellbarer materieller Schwierigkeiten fingen sie wieder mit einer
regelmäßigen Publikationsarbeit an, das als Werkzeug der Bildung von Kadern und
zur Verbreitung von Orientierungstexten der Exekutivkommission diente, die
wiederum als Grundlagen für die Diskussion mit anderen Gruppen dienten, mit
denen man Kontakt aufgenommen hatte. Diese geheime Arbeit zwischen 1942-44
ermöglichte die Gründung einer neuen Fraktion, der französischen, und die
Annäherung der Positionen der Italienischen Linken durch einen Großteil
deutscher und österreichischer Kommunisten, die mit dem Trotzkismus gebrochen
hatten, welcher ja zu dem Zeitpunkt schon ins Lager der Konterrevolution
übergewechselt war.

Man
versteht nicht wirklich, wie  unter diesen äußerst schwierigen Bedingungen
dies all von den Genossen geschafft wurde, die aus der Sicht Battaglias in
'sicherer Ecke' hocken blieben und sich in ihre "Theoretisierungen"
flüchteten und auf 'messianische Weise' warteten, bis die Massen dazu fähig
würden, sie als die richtige Führung anzuerkennen.

Hier
kommen wir auf einen der Kernaspekte der Frage zu sprechen. Battaglia stellt
die Fraktion als ein Organ dar (besser würde man sagen ein Kulturzirkel), das
sich in den Zeiten, in denen die Arbeiterklasse nicht in der Offensive ist, auf
theoretische Studien beschränkt, da eine Intervention in der Klasse zu nichts
führe. Aus unserer Sicht ist dagegen die Fraktion das Organ, das die
Kontinuität der kommunistischen Intervention in der Klasse aufrechthält, selbst
in den dunkelsten Phasen der Geschichte, in denen diese Intervention kein
unmittelbares Echo findet. Und die ganze Geschichte der Fraktionen der
Kommunistischen Linken beweist dies. Neben der theoretischen Revue BILAN
veröffentlichte die Italienische Fraktion eine Zeitung auf Italienisch
PROMETEO, die in Frankreich mehr verbreitet war als die Zeitung der französischen
Trotzkisten, die Meister des Aktivismus waren. Die Mitglieder der Fraktion
waren so gut bekannt für ihr Engagement in der Klasse, daß die nationalen
Gewerkschaftsführungen brutal eingreifen mußten, um die Genossen aus den
Basisstrukturen zu schmeißen, in denen sie wirkten und die sie verteidigten.
Diese Genossen verbreiteten die Presse, obgleich sie von der Polizei und den
nationalistischen Gewerkschaften verfolgt wurden. Selbst nachdem sie blutig
Prügel bezogen hatten, kehrten sie zurück, um Flugblätter zu verteilen. Dabei
hatten sie oft Pistolen gut sichtbar bei sich, um keinen Zweifel an ihrer
Entschlossenheit zu lassen, eher vor Ort umgebracht zu werden, als auf ihre
Intervention in der Klasse zu verzichten. Ein Arbeiter wie Piccino, der von den
Stalinisten beim Verkauf der Presse festgehalten und der französischen Polizei
übergeben wurde, wurde derart verprügelt, daß er sein ganzes Leben lang
teilgelähmt blieb; aber trotzdem kehrte er zurück, um die Presse zu verkaufen.
In einem Brief vom April 1929 forderte Togliatti die Hilfe des
Repressionsapparates Stalins an, um gegen den "bordigistischen Mist"
vorzugehen, wobei er eingestehen mußte, daß deren Aufopferung ihm dort Probleme
bereitete, wo es italienische Arbeiter gab. Diese Einschätzung durch den
Klassenfeind  war durchaus eine zutreffende Anerkenntnis des Einflusses
der Genossen.

Man
muß schon sehr mutig sein, wenn man diejenigen Militanten als Theoretiker in
Pantoffeln darstellt, die in den KZs umgebracht wurden, beim geheimen
Überqueren der Grenze nach Belgien bei der Aufrechterhaltung des Kontakts mit
den dortigen Genossen in die Hände der Gestapo  fielen, die von der
Polizei gejagt wurden und sich dennoch an illegalen Streiks beteiligten,
denen  an den Fabriktoren von den stalinistischen 'Killern' aufgelauert
wurde, und die sich oft nur durch einen Sprung über Mauern vor diesen 'Killern'
retten konnten. Battaglia schreibt, daß die Genossen im Ausland für die
Umwandlung des imperialistischen Kriegs in einen Bürgerkrieg hätten kämpfen 
sollen, und daß "die Lehren Lenins ... von ihnen hätten höher angesehen
werden müssen", insbesondere bei "Genossen, die in der leninistischen
Tradition aufgewachsen waren". Aber was anderes als das haben die Genossen
der italienischen und französischen Fraktion gemacht, als sie Aufrufe zum
revolutionären Defätismus, die in französisch und deutsch verfaßt waren, bis
gar in den deutschen Militärzügen verteilten, und als sie inmitten der
patriotischen Orgie der "Befreiung" in Paris ihr Leben riskierten und
die Arbeiter dazu aufriefen, aus den Partisanenverbänden auszutreten?

Wie
man sieht, ist es eine völlige Verzerrung zu behaupten, "die einzige
Möglichkeit, irgendeine Opposition gegenüber den Versuchen des Imperialismus,
seine Widersprüche im Krieg zu lösen, habe in der Gründung neuer Parteien
bestanden". Wenn der imperialistische Krieg nicht in einen Bürgerkrieg
umgewandelt wurde, dann liegt das nicht am dem Fehlen 'irgendeiner Opposition'
seitens der Fraktionen, sondern an der Tatsache, daß es der Weltkapitalismus
geschafft hatte, die ersten Bestrebungen in diese Richtung zunächst in Italien,
dann in Deutschland zu zerschlagen, wodurch so jede revolutionäre Perspektive
zerschmettert wurde. Hätte sich die Fraktion jedoch in eine Partei umgewandelt,
hätte deren Anwesenheit den Lauf der Dinge geändert, so behauptet Battaglia.
Aber in welche Richtung hätten sich die Dinge geändert?

Um
darauf zu antworten, muß man die Aktion der Internationalistischen
Kommunistischen Partei, die Ende 1942 von Genossen um Onorato Damen in Italien
gegründet wurde, untersuchen. Im Unterschied zu der Fraktion, die jede
Verbindung zur KP Italiens 1928 abbrach, blieb dieser Genosse bis Mitte der
30er Jahre in der KP, wobei er gar 1933 noch den Gefangenenaufstand der
Parteimitglieder im Gefängnis von Civitavecchia anführte. Battaglia Comunista
(Damen war einer seiner Führer bis zu seinem Tod) äußerte sich zynisch über den
Aufruf der Fraktion auf ihrem Kongreß von 1935, aus den Parteien auszutreten,
die zur Konterrevolution übergewechselt waren. BC fragt sich in dem zitierten
Artikel, wenn es keine Umwandlung zur Partei hätte geben können, weil die
Massen zu dem Zeitpunkt taub gegenüber den Aufrufen der Fraktion blieben, ja an
wen zum Teufel hätte sich dieser Aufruf denn richten können? "Man kann
nicht umhin sich zu fragen, ob dieser Aufruf nicht mit einer letzten Hoffnung
gemacht wurde, daß die Arbeiter ihn doch nicht zur Kenntnis nehmen würden,
damit keine Probleme entstünden und das abstrakte Schema des Berichterstatters
nicht durcheinander gebracht würde". Die Ironie Battaglias ist hier
wirklich sehr fehl am Platze: dieser Aufruf richtete sich an Genossen, die wie
Damen noch in den Reihen der KP mitwirkten und die Hoffnung hatten, dort
Klassenpositionen verteidigen zu können, und der somit an O. Damen selber
gerichtet war, wenn nicht die Stalinisten dem Problem nicht schon zuvorgekommen
wären, als sie ihn Ende 1934 ausschlossen. Oder glaubt etwa Battaglia, daß
BILAN diesen Aufruf nicht hätte verfassen und sich an die Genossen wenden
sollen, damit diese aus den Parteien austreten, die zur Bourgeoisie
übergewechselt waren und sich der Fraktion anschlossen, weil nur dort der Kampf
um die Neugründung der Klassenpartei fortgesetzt wurde?

Battaglia
behauptet, 1935 sei es für jeden Marxisten eindeutig gewesen, daß der
endgültige Austritt aus der KP Italiens automatisch die Gründung der neuen
Partei bedeutete. Aber wenn dies so offensichtlich war, warum hat dann Damen
diese Partei nicht 1935 gegründet? Warum hat er eine geduldige Geheimarbeit
betrieben mit dem Ziel, neue Kader auszuwählen und zu bilden, genau wie
die Fraktion es im Ausland tat? Wenn es stimmt, daß nur die Gründung neuer
Parteien die "Möglichkeit eröffnete, irgendeine Opposition (gegen den
Krieg) zu organisieren", warum wurde dann diese Partei nicht zumindest
1939 gegründet, als der Krieg ausbrach, denn man wartete ja bis 1942 ab, d.h.
dreieinhalb Jahre nach Beginn der imperialistischen Massaker. Der Analyse BCs
zufolge müßten diese 7 Jahre Verspätung als ein Wahnsinn oder ein Verrat angesehen
werden. Unseren Analyse zufolge ist das die beste Verdeutlichung, wie falsch
die These ist, derzufolge für die Gründung einer neuen Partei es hinreichend
sei, daß die alte Verrat begangen habe.

Die
Internationalistische KP wurde Ende 1942 gegründet, weil es  zu dem
Zeitpunkt eine starke Tendenz zum  Aufschwung des Klassenkampfes gegen den
Faschismus und den imperialistischen Krieg gegeben hatte; eine Tendenz, die
innerhalb weniger Monate zu den Streiks im März 1943 und zum Bestreben der italienischen
Bourgeoisie nach einem Separatfrieden führte. Obgleich es die Weltbourgeoisie
schaffte, diese Reaktion der Arbeiterklasse in Italien schnell einzudämmen und
in Sackgassen zu leiten, bleibt es eine Tatsache, daß nur auf der Grundlage
dieser Reaktion der Klasse die Genossen in Italien die Zeit für gekommen
hielten, die  Partei zu gründen. Es ist kein Zufall, daß die Genossen im
Ausland - übrigens völlig unabhängig von einander -  die gleiche
Einschätzung hatten, sobald diese von den Streiks im März 1943 erfuhren: die
Augustkonferenz des gleichen Jahres erklärte, "eine Phase der Rückkehr der
Fraktion nach Italien und ihre Umwandlung in eine Partei" sei eröffnet.
Jedoch erwies sich diese organisierte Rückkehr als unmöglich, zum Teil aufgrund
der praktisch unlösbaren  materiellen Schwierigkeiten (es sei daran
erinnert, daß die Internationalistische KP, die in Italien gegründet wurde,
erst 1945 ihre Existenz im Ausland bekannt machen konnte), die noch durch die
Ermordung und Verhaftung vieler Genossen verschärft wurden.

Aber
die grundlegende Schwäche war politischer Art: die Minderheit der Italienischen
Fraktion, die hinter Vercesi stand und ein großer Teil der Belgischen Fraktion
sprachen den Streiks des Jahres 1943 jeden Klassencharakter ab und sprachen
sich gegen jede organisierte Aktivität aus, da sie 'voluntaristisch' sei. Die
Konferenz des Jahres 1944 verurteilte die Positionen der Tendenz Vercesi, und
Anfang 1945 wurde Vercesi aus der Fraktion ausgeschlossen, weil er an dem
Komitee der antifaschistischen Koalition in Brüssel teilgenommen hatte. Diese
lange Auseinandersetzung hatte aber die Energien der Fraktion und ihre
Fähigkeit, nach Italien zurückzukehren, geschwächt. Dagegen kehrten viele
Mitglieder individuell nach Italien zurück, und sobald sie in Italien eintrafen,
erfuhren sie von der Existenz der Partei, und sie traten jeweils individuell in
sie ein. Diese Politik sollte ziemlich hart von einem Teil der Fraktion
kritisiert werden, insbesondere von der Fraktion, die sich in Frankreich
gebildet hatte, und die in zunehmendem Maße eine geheime Arbeit gegen den Krieg
entwickelte und das mangelnde Entschlußvermögen der Italienischen Fraktion, um
eine organisierte Rückkehr nach Italien durchzusetzen. Deshalb schlug im
Frühjahr 1945 wie eine Bombe die Nachricht ein, daß es seit Jahren in Italien
eine Partei gebe, die 'schon Tausende von Mitgliedern' habe und in der Genossen
wie Damen und Bordiga mitwirkten. Die Mehrheit der Fraktion wurde
enthusiastisch und entschloß in einer eiligst einberufenen Konferenz im Mai 1945,
die eigene Fraktion aufzulösen und daß ihre Mitglieder dieser Partei beitreten
sollten, ohne jedoch ihre programmatischen Positionen überhaupt zu kennen. Da
die Fraktion in Frankreich die Minderheit unterstützte, welche sich gegen
diesen politischen Selbstmord stellte, brach die Mehrheit der Konferenz jeden
organisatorischen Kontakt mit der französischen Gruppe ab, wobei der Vorwand in
den Vordergrund geschoben wurde, daß die französischen Genossen den
revolutionären Defätismus mit deutschen und österreichischen Internationalisten
betrieben hätten, die nicht den Fraktionen der Kommunistischen Linke
angehörten.

Die
Entscheidung der Selbstauflösung hatte sehr schwerwiegende Konsequenzen für die
spätere Entwicklung der Kommunistischen Linken. Die Fraktion kannte die
grundlegenden politischen Lehren, die von den wenigen kommunistischen Kräften
zwischen 1935-37 gezogen worden waren, und sie hatte die historische Aufgabe,
die Grundlagen für die neue Partei zu garantieren, damit diese sich auf die
Grundlage dieser Lehren stützen könne, und die in dem vorherigen Artikel
folgendermaßen zusammengefaßt wurden:

1) die Partei wird durch individuellen Beitritt zu den
programmatischen Positionen der Linken gebildet, die zuvor von den Fraktionen
ausgearbeitet wurden, und die jeden Beitritt von Gruppen von Genossen unmöglich
machen, die auf halbem Weg zwischen der Linken und dem Trotzkismus stehen,

2) die Garantie des revolutionären Defätismus der
Partei wird die frontale Denunzierung jeder Form der 'Partisanenmilizen' sein,
die dazu dienen, die Arbeiter für den Krieg zu gewinnen, wie z.B. die
spanischen 'Arbeitermilizen' es 1936 taten. Da es keine organisierte Rückkehr
der Fraktion gab und es 1945 gar zu ihrer Auflösung kam, konnte die Fraktion
diese Funktion nicht erfüllen, und wir müssen nun untersuchen, ob die in
Italien gegründete Partei dazu in der Lage war, sich dennoch auf diesen
Grundlagen zu bilden. Wir wollen dabei nicht sehen, welche Einschätzung wir zu
dieser Partei insbesondere haben, sondern wir wollen dabei überprüfen, ob die
Arbeit einer Fraktion eine unabdingbare Vorbedingung für die Bildung der
Klassenpartei ist oder nicht.

Gehen
wir systematisch vor, indem wir uns mit den politischen Positionen und mit den
Methoden des Eintritts der Mitglieder befassen. Der I. Kongreß der
Internationalistischen KP (28. Dez. 1945 - 1.1.1946), der nach der Integration
der Militanten der Fraktion in die Partei stattfand, erklärte, die
Internationalistische KP sei 1942 gegründet worden "auf der Grundlage
dieser genauen politischen Tradition"

[2]

,
den die Fraktion im Ausland seit 1927 dargestellt habe. Die ersten Kerne
bezogen sich auf "eine Plattform, die aus einem kurzen Dokument bestand,
in dem die Direktiven festgelegt waren, welche die Partei zu verfolgen habe,
und die sie im wesentlichen noch heute verfolgt". Es ist schwierig zu
wissen, bis zu welchem Punkt dieses Dokument den Positionen der Fraktion
entsprach, ganz einfach weil Battaglia - soviel wir wissen - nie Wert darauf
gelegt hat, es zu veröffentlichen (obgleich es 'kurz' war), und in der
Broschüre Battaglias von 1974 über die Plattformen der Internationalistischen
KP wird gar nicht mal dessen Existenz erwähnt. Welch seltsames Schicksal für
die Gründungsplattform der Partei... Wir müssen uns deshalb auf die Plattform
beziehen, die von Bordiga 1945 verfaßt und vom I. Kongreß Anfang 1946
verabschiedet wurde.

Ohne
in eine detaillierte Untersuchung einzutreten, ist klar, daß dieser Text die
Möglichkeit der Beteiligung an Wahlen einräumt (diese Position war von den
Linken seit der Zeit der 'Abstentionistischen Fraktion' der PSI verteidigt
worden), und daß als Grundsatzprinzipien der Partei die "Grundlagentexte
der Moskauer Internationale" genommen wurden (wobei damit die Kritiken
verworfen wurden, die die Fraktion von 1927 an gemacht hatte). Auch gibt es keine
Bloßstellung der nationalen Befreiungskämpfe (eine Position, die die Linke seit
1935 eingenommen hatte), und als krönender Abschluß eine "historische
Tatsache von erstrangiger Bedeutung", der Eintritt der Arbeiter in die
bewaffneten Partisanenbanden. Die Plattform muß ebenso in vielen anderen Fragen
verworfen werden (bei der Gewerkschaftsfrage insbesondere), aber wir haben uns
nur auf die Punkte beschränkt, bei denen die Plattform außerhalb der
Klassengrenzen steht, die zuvor schon durch die programmatische Arbeit der
Kommunistischen Linken gezogen worden waren.

Die
Methode der Mitgliedergewinnung der Partei steht im Einklang mit diesem
ideologischen Sammelsurium. Ja dieses ideologische Mischmasch ist zwangsläufig
das Ergebnis der praktizierten Methode der Mitgliedergewinnung, die auf der
Eingliederung von Gruppen von Genossen beruht, welche die verschiedensten, gar
entgegengesetzte Positionen vertraten. So gab es zum Schluß im Zentralkomitee
die ersten Genossen von 1942, die Führer der Fraktion, die 1944 Vercesi ausgeschlossen
hatten und Vercesi selber, der zur gleichen Zeit aufgenommen worden war wie die
1936 aus der Fraktion ausgeschlossenen Mitglieder infolge ihrer Beteiligung am
antifaschistischen Krieg in Spanien. Es wurden Gruppen aufgenommen wie die
"Fraktion der linken Kommunisten und Sozialisten" des Südens, die
1944 noch daran glaubten, es sei möglich, die stalinistische Partei
"wieder aufzurichten" und auch die sozialistische Partei (!), und
die, nachdem sie 1945 aufgelöst worden war, sich direkt der Partei anschlossen.
Ihr Haupttheoretiker und Verfasser der Plattform von 1945, Amedeo Bordiga,
selber war kein eingeschriebenes Mitglied (es scheint, daß er erst 1949
offiziell beigetreten ist).

Bei
der 2. Frage, die in der Zeit zwischen 1935-37 geklärt worden war, die der
Gefahr durch die Partisanenmilizen, ging die Entartung der
Internationalistischen KP einher mit ihrer zahlenmäßigen Erweiterung auf Kosten
der Prinzipien. 1943 ergriff die Internationalistische KP eine mutige Position,
als sie unzweideutig die imperialistische Rolle der Partisanenbewegung
denunzierte. 1944 machte man aber schon Konzessionen gegenüber den Illusionen
des 'demokratischen' Krieges:

"Die
kommunistischen Elemente glauben ernsthaft an die Notwendigkeit des Kampfes
gegen den Nazifaschismus und meinen, sobald dieses Hindernis umgeworfen sei,
können sie zum Sturm auf die Macht ansetzen, indem der Kapitalismus besiegt
wird" (Prometeo, Nr. 15, August 1944).

1945
wurde der Kreis mit der Teilnahme ganzer Föderationen (wie der Turins) an dem patriotischen
Aufstand vom 25. April und der Verabschiedung einer Plattform geschlossen, die
die Partisanenbewegung als eine "Tendenz lokaler proletarischer Gruppen
auffaßte, sich zu organisieren und zu bewaffnen, um die Kontrolle über die
örtlichen Verhältnisse zu gewinnen und zu behalten", wobei nur bedauert
wurde, daß diese Bewegungen "keine ausreichende politische
Orientierung" (!) haben. Es handelt sich um die gleiche Position, die 1936
von der Minderheit gegenüber dem Spanienkrieg vertreten wurde, und aufgrund
derer sie damals aus der Kommunistischen Linke ausgeschlossen worden war.

Soweit
ist klar, daß die von der Internationalistischen KP vertretenen globalen
Positionen hinter dem Klärungsniveau der Fraktion und den Grundlagen
zurückhängen, die für die Gründung der neuen Partei als unantastbar galten. Die
Genossen Battaglias jedoch betrachten die "Ende 1942 gegründete
Partei" als das Höchstmaß an Klarheit, das zum damaligen Zeitpunkt
existierte. Wie können sie diese Behauptung mit dem Vorhandensein dieser
Verwirrungen und Zweideutigkeiten vereinbaren? Ganz einfach: indem sie leugnen,
daß es sich um Verwirrungen der Partei handelte, und indem sie einfach den
Anhängern Bordigas zugeordnet werden, die 1952 aus der Partei austraten, um das
"Kommunistisches Programm" zu gründen. Wir haben darauf schon in der
Internationalen Revue geantwortet: "mit anderen Worten: sie und wir haben
bei der Gründung der Partei mitgewirkt; die Guten, das waren wir, die
Schlechten, das waren sie. Indem man dies so schildert, bleibt die Tatsache
nicht zu leugnen, daß es diese "Schlechten" gab, und ein
grundlegendes und einheitliches Element zur Zeit der Gründung der Partei
darstellten und an denen  NIEMAND etwas auszusetzen hatte."

Jetzt
wollen wir zeigen, daß dies Schwächen der Partei in ihrer Gesamtheit waren und
nicht die eines Teils  der Partei. BC hat immer geleugnet, daß die Türen
der Partei jedem offenstanden, der die Absicht hatte, ihr beizutreten. Aber BC
selber behauptet an anderer Stelle, daß die Mitgliedschaft Vercesis, der aus
dem Komitee der antifaschistischen Koalition übergewechselt war, durch die
Tatsache erklärt werden kann, daß er "meinte der Partei angehören zu
müssen"

[3]

. Aber was
ist denn diese Partei, ein Golfclub (obwohl man selbst in diesen Clubs von den
anderen Mitgliedern akzeptiert werden muß, bevor man aufgenommen wird)? Auch
muß man sich daran erinnern, daß Vercesi "meinte", direkt dem
Zentralkomitee der Internationalistischen KP "angehören zu müssen",
womit er einer der Hauptführer wurde. BC sagt, daß Vercesi im ZK gewesen sei,
aber die Partei sei nicht dafür verantwortlich gewesen, was er tat oder sagte:

"Die
von dem Genossen Perrone (Vercesi) in der Turiner Konferenz (1946) geäußerten
Positionen ... waren die freien Äußerungen einer ganz persönlichen Erfahrung
und mit einer fantasierenden politischen Perspektive, und es ist nicht
statthaft, sich darauf zu beziehen, um Kritiken an der Gründung der
Internationalistischen KP vorzubringen"

[4]

.

Gut
gesagt. Aber trotzdem schade, wenn man den Bericht der ersten nationalen
Konferenz der Internationalistischen KP liest und dort  auf der Seite 13
geschrieben steht, daß diese "freien fantasierenden
Meinungsäußerungen"  nichts anderes waren als der Bericht der
"Partei und die internationalen Probleme", den das Zentralkomitee auf
dieser Konferenz vorlegte, deren offizieller Berichterstatter Vercesi war. Aber
die Überraschungen hören da nicht auf, denn auf S. 16 ergreift Damen am Ende
des Berichtes von Vercesi selbst das Wort und meint, bis dahin "gebe es
eigentlich keine Divergenzen, sondern nur besondere Sensibilisierungen, die
eine organische Klärung der Probleme ermöglichen".  Wenn Damen
meinte, der Bericht Vercesis sei eine politische Fantasie, warum leugnete er
dann, daß es Divergenzen gab? Vielleicht weil die prinzipienlose Allianz mit
Vercesi damals nützlich war?

Aber
halten wir uns nicht länger damit auf und gehen direkt zur Plattform über, die
von Bordiga 1945 geschrieben wurde. Battaglia hat sie 1974 gleichzeitig mit
einem Projekt eines Programms wiederveröffentlicht, das 1944 von Genossen um O.
Damen verbreitet wurde. In der Einleitung dazu steht, daß das Projekt von 1944
viel klarer ist als die Plattform von 1945. In der Tat stimmt dies bei einigen
Punkten (z.B. Bilanz der russischen Revolution), aber bei vielen anderen
Punkten ist das Abgleiten VIEL STÄRKER als in dem Dokument von 1945.
Insbesondere bei dem Punkt der Taktik wird gesagt, "unsere Partei, die den
Einfluß anderer Massenparteien nicht unterschätzt, ist der Verteidiger der
'Einheitsfront'". Wenn man jedoch zum Bericht der Turiner Konferenz
zurückkehrt, findet man dort den Bericht Leccis (Tullio), der die Bilanz der
Arbeit der Fraktion im Ausland zieht und auch ihrer Abgrenzung gegenüber dem
Trotzkismus: "diese Abgrenzung setzte an erster Stelle die Verwerfung der
Taktik der Einheitsfront der Blockparteien voraus" (S. 8). Auf der
Konferenz von 1946 jedoch wurden einige Schlüsselpunkte des Projekts als
unvereinbar mit den Positionen der Kommunistischen Linke betrachtet. Aber
kommen wir darauf zu sprechen, was in der 1974er Einleitung zur Plattform von
1945 steht:

"1945
erhielt das ZK ein Projekt einer politischen Plattform des Genossen Bordiga,
der - wir betonen es - nicht Mitglied der Partei war. Das Dokument, dessen
Annahme ultimativ gefordert wurde, wird als unvereinbar mit den festen
Stellungnahmen der Partei angesehen, die diese gegenüber den wichtigsten
Problemen verfaßte, und trotz der eingebrachten Veränderungen wird das Dokument
noch immer als ein Beitrag zur Debatte und nicht als faktische Plattform
aufgefaßt ... Das ZK konnte das Dokument nur als einen ganz persönlichen
Beitrag zur Debatte des zukünftigen Kongresses auffassen, der bis 1948
hinausgeschoben, ganz andere Positionen zutage brachte (siehe Bericht des
Kongresses von Florenz)"

[5]

.

Das
ist die Schilderung der Tatsachen, wie sie Battaglia 1974 darstellte. Um zu
sehen, ob sie der Wirklichkeit entsprechen, müssen wir zur Konferenz von 1946
zurückkehren, die sich 'zur ultimativen Aufforderung der Annahme' der von
Bordiga vorgelegten Plattform hätte äußern müssen. Auf der S. 17 des Berichtes
liest man: "Da am Ende der Debatte keine wesentliche Divergenz
aufgetreten war, wurde die 'Plattform der Partei' verabschiedet und man verwies
auf die Diskussion auf dem nächsten Kongreß über das "Schema des
Programms" und auf andere, in der Vorbereitung befindliche
Dokumente".

[6]

Wie man
sieht, ist genau das Gegenteil passiert von dem, was BC heute erzählt:
auf der Konferenz von 1946 haben die Genossen Battaglias selber einstimmig
für die Annahme der von Bordiga verfaßten Plattform gestimmt, und die ja zur
offiziellen Grundlage des Beitritts zur Partei seit diesem Zeitpunkt geworden
ist (und die als solche nach Außen veröffentlicht wurde). Die französischen
Delegierten selber stimmten auf der Konferenz der Plattform zu (S. 6) und die
Resolution zur Gründung eines Internationalen Büros der Kommunistischen Linke
fängt mit den Worten an: "Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die
Plattform der Internationalistischen KP das einzige Dokument ist, welches eine
marxistische Antwort auf die Probleme liefert, die mit der Niederlage der russischen
Revolution und dem 2. Weltkrieg entstanden sind, geht das Zentralkomitee davon
aus, daß auf deren Grundlage und auf der Erbschaft der Italienischen Linken das
Internationale Büro der Kommunistischen Linken gegründet werden kann und
muß".

[7]

Abschließend
wollen wir sagen, daß es in der Tat ein Dokument gab, das als ein einfacher
Beitrag zur Debatte verfaßt und dessen Besprechung auf den nächsten Kongreß
vertagt wurde, aber das war nicht die Plattform Bordigas...sondern das
"Schema des Programms", das von der Gruppe um Damen 1944 verfaßt
worden war, und das Battaglia heute als die tatsächliche Plattform der
Internationalistischen KP der 40er Jahre darzustellen versucht.

Es
fehlen einem die Worte, um die totalen Verfälschungen der Geschichte der
Internationalistischen KP zu verurteilen, die von den Genossen Battaglias
nunmehr jahrelang begangen wird. Es handelt sich um den gleichen Stil der
stalinistischen Verfälschungen, die die Geschichte der bolschewistischen Partei
nach ihrem Gutdünken neu schreiben, indem die Namen der erschossenen Genossen
Lenins verschwinden, oder indem Trotzki die von Stalin begangenen Fehler
angehängt werden. Damit die Sachen irgendwie als richtig dargestellt werden,
hat Battaglia aus der Geschichte seiner Partei die eigene Plattform
weggestrichen und in anderen Dokumenten wurde nicht gezögert, den "Vätern
der IKS", nämlich die Kommunistische Linke Frankreichs, die
Meinungsänderungen Vercesis zuzuschreiben, mit dem ja gerade SEINE Väter 1945
eine opportunistische Allianz geschlossen hatten, indem er in das ZK der Partei
aufgenommen wurde. Wir sind uns bewußt, daß es sich um ein hartes Urteil
handelt, aber wir stützen uns auf die offiziellen Dokumente der Internationalistischen
KP, den Bericht über die Konferenz vom Jan. 1946, die Battaglia sehr wohl zu
verheimlichen sucht, während der Bericht vom Kongreß des Jahres 1948
veröffentlicht wurde, weil zu jenem Zeitpunkt die Allianz mit Vercesi
aufgekündigt worden war. Wir unterbreiten unsere Schlußfolgerungen und
Einschätzungen dem kritischen Urteilsvermögen allen Genossen des
internationalen Milieus der Kommunistischen Linke. Wenn die Dokumente, die wir
zitiert haben, nicht existieren, soll Battaglia das sagen und beweisen. Sollte
das Gegenteil der Fall sein, wissen wir einmal mehr, woher die Verfälschungen
kommen.

Ein
Problem muß jedenfalls noch geklärt werden: wie ist es möglich, daß wertvolle
Genossen wie Onorato Damen, Genossen, die die Flamme des Internationalismus in
den härtesten Zeiten unserer Klasse aufrechterhalten haben, sich auf solch ein
Niveau der Verfälschung dieser Periode ihrer Geschichte haben herabsacken
lassen? Wie ist es möglich, daß die Genossen von Kommunistisches Programme (das
sich 1952 von Battaglia Comunista trennte), dazu kamen, aus ihrer Geschichte
die Zeit zwischen 1926  und 1952 ganz einfach verschwinden zu lassen?
Ausgehend von all dem, was in diesem Artikel erwähnt wurde, ist die Antwort
eindeutig: weder die einen noch die anderen waren während der entscheidenden
Jahre des 2. Weltkriegs dazu in der Lage, die grundlegende historische
Kontinuität der Fraktion der Linken, die die einzig mögliche Grundlage für die
zukünftige Partei ist, aufrechtzuerhalten. Man kann ihnen sicherlich nicht
vorwerfen, 1943 geglaubt zu haben, daß die Bedingungen des Wiedererstehens der
Partei reif gewesen seien, wenn man berücksichtigt, daß selbst die Fraktionen
im Ausland diese Illusion teilten, wobei sie sich auf den Anfang einer
proletarischen Antwort gegen den Krieg, die mit den Streiks in Italien 1943
begann, stützten. Aber im Jan. 1946, als der Kongreß von Turin stattfand, war
es klar, daß der Kapitalismus es geschafft hatte, jede proletarische Reaktion
zu zerschlagen und sie zugunsten des imperialistischen Krieges durch die
Eingliederung in Partisanenbanden auszunutzen. In dieser Lage war es notwendig
zu begreifen, daß die unabdingbaren Bedingungen für die Bildung der Partei
überhaupt nicht vorhanden waren und man hätte seine Kräfte für die Arbeit einer
Fraktion verwenden sollen, d.h. eine Arbeit der Bilanz und der Bildung von
Kadern auf der Grundlage dieser Bilanz. Weder die einen noch der anderen waren
dazu fähig, diesen Weg konsequent zu begehen und dies liefert die Erklärung für
ihre nachfolgenden Kehrtwendungen. Die Tendenz um Damen fing an, die Bildung
der Partei zu theoretisieren, daß zur Bildung der Partei keine Erstärkung des
Klassenkampfes notwendig sei, wodurch die eigene Erfahrung von 1943 dementiert
wurde. Die Tendenz um Vercesi (die der Bordigas nahe stand) fing an, einen
Zickzackkurs zu fahren zwischen dem, was noch nicht die Partei, aber auch nicht
mehr die Fraktion sei (die alte 'Miniaturpartei' von 1936 wurde 1948 in
"erweiterte Fraktion" umgetauft), womit auf die späteren Wortspiele
von Programme Communiste der 'historischen/formellen Partei' vorgegriffen
wurde. Nur die Kommunistische Linke Frankreichs (Internationalisme), auf die
sich die IKS heute beruft, war dazu in der Lage, offen die Fehler zu erkennen,
die begangen worden waren, als man 1943 geglaubt hatte, die Bindungen für die
Umwandlung der Fraktion zur Partei seien vorhanden gewesen, und die sich der
Arbeit der historischen Bilanz widmeten, die das damalige Erfordernis der Zeit
war. So begrenzt und beschränkt diese Arbeit auch war, diese Bilanz bleibt die
unabdingbare Grundlage, von der man heute ausgehen muß, um die Partei von
morgen zu gründen.

In
den nächsten Artikeln werden wir den Beitrag untersuchen, den diese Bilanz bei
dem Prozeß der Umgruppierung der Revolutionäre darstellt, der heute weltweit
stattfindet.

[8]

Beyle

(erschienen
in Internationale Revue Nr. 61, 2. Quartal 1990)


[1]

Internationale Revue, Nr. 59, 4/1989,
engl.
Ausgabe

[2]


Siehe die Broschüre "Die Kommunistische Linke Italiens, 1917-52", und
die Beilage zu den Beziehungen zwischen der Italienischen Linke und der
Internationalen Linksopposition, die von der IKS veröffentlicht wurde.

[3]

"Frazione-Partito
nell'esperienza della Sinistra Italiana", Prometeo, Nr. 2, März 1979

[4]

Bericht der
I. nationalen Konferenz der Internationalistischen Kommunistischen Partei
Italiens", Veröffentlichung der Internationalen Kommunistischen Linke,
1946

[5]

Brief BC an
die IKS, in Internationale Revue, Nr. 8, Dez. 1976, engl. Ausgabe

[6]


Prometeo, Nr. 18, alte Serie, 1972

[7]

Dokumente
der Italienischen Linke, Nr. 1, Ed. Prometeo, Jan. 1974

[8]

Battaglia
Comunista, Nr. 3, Feb. 1983, der Artikel wurde in der Internationale Revue Nr.
34, 3/1983 (engl. Ausgabe) der IKS mit unserer Antwort veröffentlicht.