- Home
- wer ist die IKS?
- artikelfolgen
- presse der IKS
- publikationen
- kontaktiere uns
- pressebestellung
NavigationAktuelles und LaufendesInternationale Revue - 1980s |
DER ZERFALL DER KAPITALISTISCHEN GESELLSCHAFTSubmitted by InternationaleRevue on Don, 01/03/2007 - 13:23.
Neuen Kommentar hinzufügen | 
Der Kapitalismus steckt in einer Sackgasse. Jeden Tag erleben wir erneut das Bild einer Gesellschaft, die auf ihre eigene Zerstörung zurast. Seit dem Holocaust des 2. Weltkriegs hat es ununterbrochen Kriege und Massaker in der kapitalistischen Peripherie gegeben. Die Barbarei dieses kapitalistischen Systems, dessen fortgesetzter Todeskampf nur eine Welle von Zerstörungen hervorrufen kann, wird jeden Tag offensichtlicher. Die jüngste Serie von 'natürlichen" Katastrophen und Unfällen, die Zunahme der Gewalttaten, des Terrorismus, des Drogenkonsums und Drogenhandels sind alles Ausdrücke dieses allgemeinen Geschwürs, das sich weltweit immer tiefer in den Körper des Kapitalismus einfrißt.
Obgleich der Eintritt des Kapitalismus in den Zeitraum seiner Dekadenz die Vorbedingung für seine Zerstörung durch die proletarische Revolution war, stellt die bisher ungebrochene Fortsetzung der Dekadenz eine Reihe von Gefahren für die Arbeiterklasse dar. Die Ausbreitung dieser Verfaulung des Kapitalismus auf alle Teile der Gesellschaft droht auch die einzige Klasse anzufallen, die die Zukunft der Menschen in ihren Händen hält. Während der Kapitalismus also auf der Stelle verfault, ist es jetzt die Aufgabe der Revolutionäre, nicht die Arbeiterklasse in Anbetracht ihrer Verarmung und ihrer Leiden zu trösten, und all die Schrecken dieser Verfaulung zu verdecken, nein, im Gegenteil: sie müssen das ganze Ausmaß aufdecken und die Arbeiter vor diesem Befall warnen, der sie jeden Tag bedroht.
Die Nachricht von Katastrophen, hervorgerufen durch "Naturerscheinungen" oder durch Unfälle, welche eine Anzahl von Menschen töten oder verstümmeln, ist zu einer Alltagserscheinung geworden. In den letzten Monaten ist kaum eine Woche vergangen, in der nicht die Medien apokalyptische Bilder von Katastrophen veröffentlichten, die an einem Tag die unterentwickelten Länder treffen und am nächsten die großen Industriemetropolen der westlichen Welt. Solche Ereignisse werden mittlerweile als Banalitäten betrachtet, sie betreffen den ganzen Erdball. Nicht nur verschlimmern sie die allgemeine Unsicherheit der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse und der Bevölkerung insgesamt, sie werden mehr und mehr als eine Bedrohung empfunden, die die ganze Welt genauso wie ein Nuklearkrieg zu zerstören droht.
DER KAPITALISMUS VERSINKT IN DER DEKADENZ, ER KANN NUR NOCH MEHR ZERSTÖRUNG HERVORBRINGEN
Wolkenbruchartige Regenfälle in Bangladesch trafen im Sept. 1988 mehr als 30 Mio. Opfer, Dürrekatastrophen im Sahel, die in den letzten Jahren bislang nie gekannte Hungersnöte hervorgerufen haben, Hurrikane in der Karibik oder auf der Insel La Reunion, die die Häuser der örtlichen Bevölkerung platt walzten, Erdbeben in Armenien, ganze Städte werden innerhalb weniger Minuten niedergerissen, Zehntausende von Menschen in den Ruinen lebendig begraben... All diese gigantischen Katastrophen, die in den letzten Monaten unterentwickelte Länder erfaßt haben, beschränkten sich jedoch nicht auf die 3. Welt oder auf den Ostblock. Sie neigen auch dazu, sich auf die höchst industrialisiertesten Gegenden der Welt auszudehnen, wie uns die furchtbare Reihe von Zug- und Flugzeugunfällen zeigt, die Hunderte von Opfern im Zentrum der großen städtischen Konzentrationen in Westeuropa hinterlassen haben.
Im Gegensatz zu dem, was die Bourgeoisie uns glauben machen möchte, ist keine dieser Zerstörungen, dieser Verluste an Menschenleben auf irgendein "Gesetz der Serie" oder auf die "unkontrollierbaren Kräfte" der Natur zurückzuführen. Das einzige Ziel dieser Erklärungen, die der herrschenden Klasse so gut in den Kram passen, ist die Verantwortung von diesem System abzuwälzen, seine ganze Fäulnis und Barbarei zu übertünchen. Denn der wirkliche Verantwortliche all dieser Tragödien, dieser unbeschreiblichen menschlichen Leiden ist der Kapitalismus selber, und diese erschreckende Reihe von "natürlichen" oder "zufälligen" Katastrophen ist nur der spektakulärste Ausdruck einer morschen, in sich zerfallenden Gesellschaft.
Diese Tragödien bringen den vollständigen Zusammenbruch einer Produktionsweise - des Kapitalismus - an den Tag, der seit dem 1. Weltkrieg in den Zeitraum seiner Dekadenz eingetreten ist. Diese Dekadenz bedeutet, daß nach einer Blütezeit, in der er einen gewaltigen Fortschritt der Produktivkräfte und ein Anschwellen der Reichtümer der Gesellschaft durch die Schaffung des Weltmarktes ermöglichte, indem seine Produktionsweise auf den ganzen Erdball ausgedehnt wurde, dieses System seit dem Anfang des Jahrhunderts seine eigenen historischen Grenzen erreicht hat. Dieser Niedergang des Kapitalismus äußert sich heute dadurch, daß er heute nur noch mehr Zerstörungen und Barbarei, noch mehr Hungersnöte und Massaker auf der ganzen Welt hervorrufen kann.
Insbesondere diese Dekadenz ist die Ursache dafür, daß die Länder der "3. Welt" sich nicht haben entwickeln können: sie sind zu spät auf einem Weltmarkt aufgetaucht, der schon gebildet, aufgeteilt und gesättigt war (siehe unsere Broschüre "Die Dekadenz des Kapitalismus") . Diese Dekadenz ist trotz all der heuchlerischen Reden über ihre angebliche "Entwicklung" in ihr dafür verantwortlich, daß diese Länder die ersten Opfer einer- furchtbaren -Barbarei des verfaulenden Kapitalismus geworden sind. Sie sind gewissermaßen zum Schauplatz des absoluten Horrors geworden.
Je länger dieser Todeskampf des Kapitalismus dauert, desto deutlicher treten die Hauptmerkmale des Kapitalismus in Erscheinung, weil die unlösbaren inneren Widersprüche des Systems offen zutage treten.
Sicher kann man dem Kapitalismus nicht vorwerfen, für ein Erdbeben oder für einen Zyklon verantwortlich zu sein. Jedoch kann man ihn dafür verantwortlich machen, daß all diese Phänomene zu einer gewaltigen gesellschaftlichen Katastrophe, zu einer unvorstellbaren menschlichen Tragödie werden.
So verfügt der Kapitalismus über die technischen Mittel, Menschen auf den Mond zu schicken, er hat Waffen entwickelt, die die Menschheit mehrfach vernichten können, aber gleichzeitig stellt er nicht die Mittel bereit, um die Bevölkerung gegen diese eben genannten Naturphänomene zu schützen, um Deiche zu bauen, Wasserläufe zu ändern, erdbeben- oder sturmsichere Häuser zu bauen.
Schlimmer noch, nicht nur kann der Kapitalismus nichts unternehmen, um diese Katastrophen zu verhindern, er ist auch unfähig, dessen zerstörerischen Auswirkungen abzuschwächen. Was die herrschende Klasse "internationale Hilfe" für die betroffenen Bevölkerungen nennt, ist eine ekelhafte Lüge. Jeder Staat und jede Regierung der herrschenden Klasse ist direkt verantwortlich für die Leiden von Hunderten von Millionen von Menschen, die jeden Tag wie Fliegen sterben, sei es als Opfer von Cholera, Ruhr oder Hunger usw.
Während Millionen Kinder von Hungertod bedroht sind, werden in den Industriezentren des Kapitalismus Millionen Tonnen von Milch jedes Jahr vernichtet, um den Zusammenbruch der Preise zu verhindern. In den von Monsunen oder Hurrikanen betroffenen Ländern kämpft die Bevölkerung um eine magere Ration Getreide, während die Regierungen der EG-Länder planen, 20% des nutzbaren Bodens brach zu legen, um die Überproduktion zu bekämpfen!
Aber diese schreckliche Barbarei des dekadenten Kapitalismus spiegelt sich nicht nur in seiner Unfähigkeit wider, die Leiden der Zivilbevölkerungen gegenüber diesen Phänomenen zu erleichtern. Die permanente, unüberwindbare Krise dieses Systems ist selbst eine gewaltige Katastrophe für die ganze Menschheit, wie es insbesondere das Phänomen der zunehmenden Verarmung von Millionen von Menschen zeigt, die in die schlimmste Misere gestürzt werden. Die Unfähigkeit des Kapitalismus, die gewaltigen Massen der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß einzugliedern, beschränkt sich nicht nur auf die Länder der "3. Welt". Im Zentrum der höchstindustrialisierten Nationen selber deckt die Verarmung, in die Millionen von Proletarier hinabgedrückt wurden, den ganzen Fäulnisprozeß dieses Systems auf. Das wird deutlich nicht nur die Entwicklung der Massenarbeitslosigkeit, die keine "Wirtschaftspolitik" überwinden kann, sondern auch bei der Ausbreitung der Verarmung, die immer mehr Arbeiter trifft, die noch eine Arbeit haben. Im reichsten Land der Welt, den USA, sind nun Millionen Arbeiter, die zumeist noch eine Vollzeitbeschäftigung haben (15% der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze), zu Obdachlosen geworden und gezwungen, auf den Bürgersteigen, in den Pornokinos (die als einzige Kinos die ganze Nacht aufbleiben) oder in Autos zu schlafen, weil sie sich keine Wohnung leisten können.
Je mehr der Kapitalismus durch seine generalisierte Überproduktionskrise erstickt, desto weniger ist er der Lage, seinen Ausgebeuteten das Lebensnotwendige sicherzustellen oder die Hungersnöte einzustellen, die heute in Ländern wie Äthiopien oder im Sudan die Form eines Völkermordes annehmen. Je mehr in der Kontrolle der Technik voranschreitet, desto weniger benutzt er sie im Dienste der Sicherheit der Bevölkerung.
Was nützen da auf dem Hintergrund dieser erschrecke den Wirklichkeit all die "humanitären" Kampagnen für die "Hilfe der Opfer und Hungernden", die von den großen westlichen "Demokratien" organisiert werde all die Aufrufe zur "Solidarität" der viel "Persönlichkeiten" auf der Welt. Was ist die tatsächliche "Wirksamkeit" all dieser karitativen Unternehmen, die in den fortgeschrittenen Ländern den Ärmsten Essen austeilen und sie für einige Nächte unterbringen? Welche Bedeutung haben all die jämmerlichen Unterstützungen, die bestimmte Staaten jenen zukommen lassen, die überhaupt nichts mehr haben. Bestenfalls sind all diese Hilfen zusammen genommen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn sie in die Länder der "3.Welt" fließen, verzögern sich die tragischen Konsequenzen für die betroffen Bevölkerungen nur um einige Wochen. Und wenn sie die fortgeschrittenen Länder gehen, ist es klar, dass sie gerade ausreichen, damit diese Länder nicht allzu sehr den unterentwickelten gleichen. Tatsächlich sind diese "Hilfen" und "Solidaritätskampagnen" nichts anderes als entsetzliche Heucheleien, ein schmutzig und zynisches Geschäft, dessen einzige "Wirksamkeit darin. besteht, "gute Gewissen" zu kaufen, die Absurdität und Barbarei dieser Welt vergessen machen zu lassen.
Aber die lobenswertesten Gefühle und der bürgerliche Humanismus haben Grenzen. Trotz der Krokodilstränen der Pfaffen und anderer Wohltätigkeitsapostel, trotz des "guten Willens", den die Regierungen zur Schau tragen, werden diese Grenzen durch die Tatsache bestimmt, daß die Bourgeoisie nicht die Gesetze ihres Systems außer Kraft setzen kann. Und dies um so weniger als nach mehr als 70 Jahren Dekadenz diese Gesetze ihrer Kontrolle vollständig entgleiten, wie heute eine Reihe von Katastrophen und Unfälle beweisen, die die Bevölkerung der Industrieländer trifft.
In den letzten Monaten hat die Zunahme der Zugunglücke, insbesondere in den Ballungsgebieten in großen Städten der höchstentwickelten Länder wie Frankreich oder in GB gezeigt, daß diese Unsicherheit nicht nur die Bevölkerung der unterentwickelten Länder bedroht, sondern zu jedem Zeitpunkt die ganze Welt: Und im Gegensatz zu den gemeinen, tückischen Lügen der Bourgeoisie war es nicht das Versagen dieses oder jenes Lokführers, das für die Eisenbahnunglücke wie Lyoner Bahnhof von Paris im Juni 1988 oder von Clapham Junction in London im Dez. 1988 verantwortlich war. Der heruntergekommene Zustand der Produktions- und Verkehrsmittel, in denen Hunderte von Menschen in den höchstentwickelten Ländern getötet oder verstümmelt werden, ist nicht auf eine schlechte Verwaltung der Wirtschaft zurückzuführen.
Diese Reihe von Unfällen ist nichts anderes als das verheerende Ergebnis der Politik eines jeden Staats der "Rationalisierung" der Produktion. Bei der unersättlichen Jagd nach Profit und Konkurrenzfähigkeit gegenüber einer sich zuspitzenden Weltwirtschaftskrise werden überall Einsparungen vorgenommen, wobei für die Sicherheit der Arbeiter und der Bevölkerung im allgemeinen nicht viel gegeben wird, egal wie "teuer" die Kosten des menschlichen Lebens sind. Diese "Rationalisierung", die im Namen der Produktivität eine immer größere Zerstörung der Produktivkräfte bewirkt, ist tatsächlich vollkommen irrational. Arbeitskraft wird zerstört, nicht nur durch Arbeitslosigkeit, sondern auch durch den Tod und die Verletzungen, welche durch die Katastrophen und Arbeitsunfälle verursacht werden, die alle durch die gleichen "Rationalisierungen" hervorgerufen werden. Technische Ressourcen werden durch das Schließen von Fabriken zerstört, aber auch durch den materiellen Schaden, der durch all diese "Unfälle" bewirkt wird.
So sind die Zerstörungen, die die Ökologiebewegung auf den "technischen Fortschritt" zurückführen, - die zunehmende Verpestung von Luft und Wasser, "Unfälle" in Chemiefabriken wie in Seveso (Italien) oder Bophal (Indien), die mehr als 2.500 Tote hinterließen, Atomunfälle wie in Three Miles Island oder Tschernobyl, die Ölpesten, die regelmäßig Küstengebiete verseuchen und Tierleben zerstören und damit die Nahrungsreserven der Meere über Jahrzehnte hinaus bedrohen (siehe neuester Fall in der Arktis), die Zerstörung der Ozonschicht durch FCKW, wodurch die Schutzschicht vor der ultravioletten Strahlung aufgebrochen wird, der Raubbau an dem Regenwald des Amazonas, der Hauptsauerstoffquelle für die Erde, all dies sind Ausdrücke der irrationalen, selbstmörderischen Logik des dekadenten Kapitalismus, seiner vollkommenen Unfähigkeit, die Produktivkräfte zu beherrschen, die er in Bewegung gesetzt hat, und die jetzt für die nächsten Jahrhunderte, wenn nicht für immer das Gleichgewicht auf der Erde bedrohen, das für das Überleben der menschlichen Gattung erforderlich ist.
Und diese selbstmörderische Logik, diese tödliche Maschinerie des Kapitalismus, nimmt noch verheerendere Ausmaße an mit der Herstellung von immer zerstörerischeren Waffensystemen. Die gesamte heutige Hochtechnologie richtet sich heute auf die Rüstungsproduktion mit der Perspektive noch größerer, umfassenderer Massaker als die, die heute schon in der Welt - in sog. Friedenszeiten - in den sog. unterentwickelten Ländern stattfinden. Das blutige Monster des dekadenten Kapitalismus kennt keine Grenzen.
Aber all die Zerstörungen, die dieses dahinsiechende System hervorbringt, sind nur der sichtbare Teil des Eisbergs. Sie sind nur die karikaturalen Ausdrücke eines allgemeineren Phänomens, das auf die Teile der kapitalistischen Gesellschaft einwirkt. Sie spiegeln
nichts anderes wider als die Wirklichkeit einer vollständig im Zerfall begriffenen Welt.
DER IDEOLOGISCHE ZERFALL DER KAPITALISTISCHEN GESELLSCHAFT
Dieser Zerfall beschränkt sich nicht nur auf die Tatsache, daß der Kapitalismus ungeachtet all der Entwicklungen der Technologie immer mehr den Gesetzen der Natur unterworfen ist, daß er unfähig ist, die Mittel zu kontrollieren, die er selbst durch seine eigene Entwicklung in Bewegung gesetzt hat. Der Zerfall nagt nicht nur an den wirtschaftlichen Grundlagen des Systems. Er äußert sich auch in all den Aspekten des gesellschaftlichen Lebens in Form eines ideologischen Zerfalls der Werte der herrschenden Klasse, die bei ihrem Zerfall ebenso einen Zusammenbruch all der Werte herbeiführen, die das Leben in der Gesellschaft "möglich" machen, insbesondere durch eine Tendenz zur wachsenden Atomisierung des Einzelnen.
Dieser Zerfall der bürgerlichen Werte ist keine neue Etscheinung. Er trat schon Ende der 60er Jahre mit dem Auftauchen der "marginalen Bewegungen" auf, die noch die Illusion verbreiten konnten, daß es möglich sei, kleine Inseln innerhalb einer anderen Gesellschaft zu schaffen, die auf anderen gesellschaftlichen Verhältnissen inmitten des Kapitalismus selber beruhten.
Dieser Zerfall der Werte der herrschenden Klasse äußerte sich schon in dem Auftauchen von Ideologien wie die der "Kommune"-Typen - den Ergebnis der Revolte der kleinbürgerlichen Schichten, die schon von der Krise getroffen waren, und insbesondere von dem Zerfall der Gesellschaft - und der Hippiebewegung in den 60er und frühen 70er Jahren, sowie durch eine ganze Reihe von Strömungen, die "eine Rückkehr zur Natur", zum "Leben in der Natur" usw. propagierten. Sie begründeten ihre Existenz mit einer angeblich "radikalen Kritik", einer Infragestellung der Lohnarbeit, der Warenwirtschaft, des Geldes, des Privateigentums, der Familie, der "Konsumgesellschaft" usw. Und diese Gemeinschaften_ stellten sich alle als "alternative, revolutionäre Lösungen" gegenüber dem Zusammenbruch der bürgerlichen Werte und der Atomisierung des Einzelnen dar. Alle lebten von und nährten die Illusion, daß es ausreiche, die "Mentalität zu ändern", indem man überall Kommunen aufzöge und so eine bessere Welt geschaffen werden könne. Jedoch beschränkten sich diese auf Sand gebauten Minderheitsideologien - da sie alle ihre Wurzeln in gesellschaftlichen Schichten hatten, die im Gegensatz zum Proletariat keine historische Zukunft haben - nicht darauf, diese Illusionen zu verbreiten. Ihre Projekte waren in Wirklichkeit nur eine groteske Parodie des primitiven Kommunismus. Diese Nostalgie der Rückkehr zu einen archaischen und seit Jahrtausenden überholten Gesellschaftstyp spiegelte nichts anderes als eine vollkommen reaktionäre Ideologie wider, deren religiöses Wesen durch die Tatsache deutlich geworden ist, daß all diese "Reinigungsthemen" weitgehend von mystischen Sekten wie der Moon-Sekte, Krishna und anderen "Kindern Gottes" aufgegriffen worden, und denen, die sich seitdem aus den Überresten dieser Kommunen entwickelt haben.
Heute sind die Kommunen der 60er und 70er Jahre entweder durch religiöse Sekten - von denen die meisten durch den kapitalistischen Staat und die Geheimdienste der Großmächte ausgenutzt und gar manipuliert werden -oder durch viel vorübergehendere Phänomene verdrängt worden, wie z.B. die großen Massenversammlungen im Stile der Rockkonzerte, die von den bürgerlichen Institutionen wie SOS Rassismus in Frankreich oder von Amnesty International organisiert werden, und die im Namen der großen humanitären Fragen - dem Hunger in der Welt oder dem Kampf gegen die Apartheid - den neuen Generationen nur einen Ersatz der Gemeinschaft und der menschlichen Solidarität anbieten können.
Aber dieser ideologische Zerfall der kapitalistischen Gesellschaft spiegelt sich vor allem seit einigen Jahren durch die Entwicklung nihilistischer Ideologien in den großen Industrieländern selber wider - wie der Ideologie der Punks z.B. -, d.h. ein Ausdruck einer Gesellschaft, die immer mehr durch Leere, Inhalts- und Sinnlosigkeit gekennzeichnet ist.
Heute ruft die wirtschaftliche Sackgasse, in die das kapitalistische System geraten ist, solch eine Misere und Barbarei hervor, daß man das Bild von einer Welt ohne Zukunft, am Rande des Zusammenbruchs bekommt. Und dieser Eindruck scheint sich überall niederzulassen. Seitdem es seit Anfang der 80er Jahre offensichtlich geworden ist, daß die Menschheit in einer Sackgasse steckt, sind all die "alternativen Lösungen" des letzten Jahrzehnts hinweggeschwemmt worden. Die Utopie des "Peace and Love" der Hippie-Gemeinschaften ist ersetzt worden durch das "NO Future" der Punk-Gruppen, der "Hooligans", oder der "Skinheads", die in den Zentren der Großstädte die Bevölkerung terrorisieren. Nicht die Liebe, der Pazifismus, die naive Gewaltlosigkeit dieser Ideologien der damaligen Zeit, sondern der Haß, die Gewalt, die Lust, alles kleinschlagen zu wollen, treibt jetzt diesen Teil der Jugendlichen an; d.h. diese Jugendliche, die in dieser hoffnungslosen Welt leben, die ihnen nichts anderes als mehr Arbeitslosigkeit, mehr Misere und eine wachsende Barbarei anzubieten hat.
Das gesamte gesellschaftliche Leben erstickt heute an dem ekelhaften Verwesungsgeruch dieses Zerfalls der bürgerlichen Werte. Überall regiert das Prinzip der Gewalt, des "sich allein Durchschlagens", des "Jeder für sich". Insbesondere sind davon die ärmsten Schichten mit ihrem Alltagsdasein der Hoffnungslosigkeit und der Zerstörung betroffen: Arbeitslose, die Selbstmord begehen, um der Misere zu entkommen; Kinder, die vergewaltigt und getötet werden; Rentner, die gefoltert und umgebracht werden, nur wegen ein paar Mark... Überall blühen die Unsicherheit, das Gesetz des Dschungels, der Terrorismus in den großen Industriezentren und zeigen, wie stark diese Gesellschaft schon verfault ist.
Die Medien spiegeln diesen Zerfall wider und machen sich zu seinem Verbreiter. Im Fernsehen, im Kino, überall ist die Gewalt ständig präsent, Blut und Schrecken beflecken tagtäglich die Bildschirme, selbst in den sog. Kinderfilmen. Fast schon versessen darauf, beteiligt sich systematisch der ganze Medienapparat bei diesen Versuch, die Bevölkerung abzubrühen, zu verrohen, und dies zielt insbesondere auf die Arbeiter. Alle Mittel sind recht: auf den Bildschirm werden ständig Sportereignisse übertragen, in denen sich mit Anabolika vollgestopfte "Helden" gegenübertreten, bis hin zu den Aufrufen, an allen möglichen Lotterien und anderen Glücksspielen teilzunehmen, mit Hilfe derer man jenen Menschen Woche für Woche oder gar Tag für Tag Geld aus der Tasche zieht, denen von der Misere die Kehle zugeschnürt wird. Und Hintergrund dessen ist nur die illusionäre Hoffnung, sich ein besseres Leben erkaufen zu können. Die gesamte "Kulturproduktion" spiegelt heute die ganze Verfaulung der Gesellschaft wider. Nicht nur das Fernsehen und das Kino, sondern auch die Literatur, die Musik, die Malerei und die Architektur können heute nur noch diese Angst, die Verzweiflung, das Auseinanderbrechen der Ideen, die Leere zum Ausdruck bringen und selbst produzieren.
Eine der deutlichsten Erscheinungen dieses Zerfalls ist heute die immer größere Ausbreitung der Drogen. Ihr Konsum hat heute ein ganz neues Ausmaß angenommen. Er spiegelt heute nicht mehr die Flucht in irgendeine Illusion wider, wie das in den 60er und 70er Jahren der Fall war, sondern er stellt heute eine wilde Flucht nach vorne in den Wahnsinn, in den Selbstmord dar. Jugendliche nehmen keine Drogen mehr zusammen, um gemeinsam "high" zu werden, indem sie einen Marihuanajoint herumgehen lassen, sondern sie greifen zu immer härteren Drogen, um "sich auszutoben", "einen draufzumachen".
Und jetzt ist die ganze Gesellschaft von diesem Krebs erfaßt, nicht nur die Drogenkonsumenten selber. Insbesondere die Staatsapparate selber sind heute von Innen her von diesem Phänomen zerfressen. Nicht nur die der "3.Welt" wie Bolivien, Kolumbien, Peru, wo der Drogenexport heute zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden ist, sondern auch in den USA, die heute einer der Hauptproduzenten von Cannabis geworden sind, wobei der Cannabisanbau die drittgrößte Erntequelle wertmäßig nach Mais und Soja darstellt.
Hier stößt der Kapitalismus wieder auf einen unüberwindbaren Widerspruch. Einerseits kann das System den massiven Konsum von Drogen nicht tolerieren (allein der Verbrauch in den USA beträgt ca. 100 Mrd. $ - doppelt soviel wie die Ausgaben der Amerikaner für Öl), da dadurch die Kriminalität, Geisteskrankheiten und Epidemien wie Aids leichter weiterverbreitet werden, und selbst von rein ökonomischen Standpunkt aus handelt es sich um ein Übel, aber andererseits ist der Drogenhandel eine der Hauptstützen des Staats nicht nur in den unterentwickelten Ländern wie Paraguay oder Surinam, sondern im Zentrum der größten Demokratie der Welt, den USA, selber.
So werden die amerikanischen Geheimdienste zum Teil aus den Drogenexporten (Cannabis) finanziert, und G. Bush, der heute "den Kampf gegen den Drogenmißbrauch anführt", war als ehemaliger CIA-Chef direkt darin verwickelt. Aber all diese Korruption im Zusammenhang mit dem Drogenhandel, diese Fäulnis, von der heute der kapitalistische Staat mittels der Gangstermethoden seiner Staatsführer lebt, ist keine Besonderheit der drogenproduzierenden Länder. Alle Staaten sind heute direkt darin verwickelt, wie ein neuestes Beispiel des "Geldwaschskandals der Narco-Dollars" zeigt, an dem der Ehemann der vormaligen Justizministerin eines sonst so "sauberen" Landes wie der Schweiz beteiligt war.
Aber die Korruption des politischen Apparates der Bourgeoisie entwickelt sich nicht nur um das Drogengeschäft: überall frißt sich diese Fäulnis voran. Heute vergeht überall auf der Welt kein Tag, keine Woche, kein Monat, an dem nicht ein neuer "Skandal" aufgedeckt wird, an dem die höchsten Staatsführer beteiligt sind (und wie üblich zeigen diese Skandale nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit). Beispielsweise sind in Japan jetzt alle Mitglieder der Regierung, der Premierminister eingeschlossen, an einer riesengroßen Bestechungsaffäre beteiligt. Die Fäulnis ist schon soweit vorangeschritten, daß die Bourgeoisie Schwierigkeiten hat, "präsentierfähige" Politiker zu finden, um die zurückgetretenen Minister zu ersetzen, und wenn sie glaubt, solch "seltenen Vogel" gefunden zu haben, "einen wirklich unbestechlichen", dann nur um kurze Zeit später festzustellen, daß er sich ebenfalls Geld hat zustecken lassen.
Und natürlich ist Japan nicht das einzige hochentwickelte Land, wo man solche Ereignisse feststellen kann. In Frankreich steht die Sozialistische Partei, deren Wahlkampfthemen traditionell die "großen Geldgeber" angreifen, im Mittelpunkt eines Finanzskandals (Verwendung geheimer Informationen aus der Umgebung der Minister, um sich innerhalb weniger Stunden zu bereichern), und es ist ein enger Freund des Präsidenten, der für seine Kritik an "Bestechungsgeldern" berühmt ist, der zu denen gehört, die am meisten Geld gescheffelt haben. Die Börsenspekulation, derer man sich hier für die Bereicherung bediente, ist selbst ziemlich aufschlußreich über den Zerfallsprozeß, denn sie nimmt ungeheure Ausmaße an. Heute steckt die Bourgeoisie den Großteil ihres Kapitals nicht in produktive Investitionen, sondern in Glücksspiele, bei denen man auf einen Schlag gewaltige Summen verdienen kann. Mähr und mehr gleichen die Börsen den Spielhallen von Las Vegas.
Während der Kapitalismus bislang die extremsten Auswirkungen seiner eigenen Dekadenz auf die Länder der Peripherie (die am stärksten unterentwickelten Länder) abwälzen konnte, schlägt dieser Zerfall jetzt wie ein Bumerang in das Herz des Kapitalismus selber ein. Und dieser Zerfall, der heute in den großen Industriezentren seinen Einzug hält, spart keine gesellschaftliche Klasse aus, keine Altersgruppe, selbst die Kinder nicht.
Bislang war vor allen die Kriminalität (Jugendlicher und Kinder) in den "3.Welt-Ländern", in denen die miserable wirtschaftliche Lage seit Jahrzehnten die Bevölkerung in eine schreckliche Verarmung und ein generalisiertes Chaos gestürzt hat, am weitesten verbreitet. Heute sind die Kinderprostitution der Straßen von Manila oder die Gangstermethoden der Kinder von Bogota keine ausschließliche Erscheinung mehr der weit entfernten und "exotischen" Länder. Im Herzen der ersten Weltmacht, im höchst entwickelten Bundesstaat der USA, in Kalifornien, tritt auch im Silicon Valley (Zentrum der High-Tech, Computerbranche) jetzt dieses Phänomen in Erscheinung.
Kein anderes Bild kann die unlösbaren Widersprüche des dekadenten Kapitalismus besser verdeutlichen. Einerseits eine gigantische Anhäufung von Reichtümern, andererseits eine gewaltige Verarmung, durch die heute Kinderbanden zu selbstmörderischem Verhalten und Kriminalität getrieben werden: junge Mädchen, die gerade die Pubertät überwunden haben, flüchten sich in die Prostitution oder werden Mütter, um mehr Geld zu bekommen, Flucht in den Drogenhandel und -konsum, bei dem mittlerweile 8-10 Jahre alte Kinder in diesem Teufelskreis des Bandenwesens, des organisierten Verbrechens und Tötens mitwirken (allein in der Stadt Los Angeles beteiligen. sich nicht weniger als 100.000 Kinder daran und betreiben den Einzelhandel mit den Drogen - Mitglieder dieser Gangs sind für 387 Morde 1987 verantwortlich).
Aber nicht nur in den USA verbreitet der Kapitalismus jeden Tag mehr Verzweiflung und den Tod unter der jungen Generation. In den großen Industriezentren Europas konnte man während der letzten 10 Jahre neben dem ungeheuren Anschwellen der Jugendkriminalität und der Drogenabhängigkeit bei Jugendlichen ein gewaltiges Ansteigen der Selbstmordrate unter Jugendlichen feststellen. So liegt gegenwärtig die Selbstmordrate bei Jugendlichen zwischen 15-20 Jahren in Frankreich neben Belgien und der BRD am höchsten. Mit einen offiziellen Durchschnitt von 1.000 Selbstmorden pro Jahr (das sind 13% der Todesursachen in dieser Altersgruppe, während sie bei der Gesamtbevölkerung nur 2.5% ausmacht) haben sich diese Zahlen zwischen 1960 und 1985 verdreifacht. Ohne dabei überhaupt die "fehlgeschlagenen" Selbstmordversuche zu zählen, die in dieser Altersgruppe 10 mal höher sind .
Eine Gesellschaft, die ihre Kinder abschlachtet und in der Korruption verkamen läßt, zeigt, daß sie voll in ihr Verderben läuft, in ihrer Zerstörung versinkt.
NUR DAS PROLETARIAT KANN DIE GESELLSCHAFT AUS DIESER SACKGASSE FÜHREN
Der allgemeine Zerfall der Gesellschaft ist kein neues Phänomen. Alle dekadenten Gesellschaften der Vergangenheit haben dies gekannt. Aber verglichen mit denen der früheren Produktionsweisen nehmen die Formen der Fäulnis dieser Gesellschaft das Ausmaß einer in der Geschichte der Menschheit nie dagewesenen Barbarei an. Im Gegensatz zu den früheren Gesellschaften, in denen mehrere •Produktionsformen gleichzeitig nebeneinander in den verschiedensten Teilen der Welt bestehen konnten, ist der Kapitalismus darüber hinaus ein weltweit bestehendes System geworden, das die ganze Welt seinen eigenen Gesetzen unterworfen hat. So schwappen heute verschiedene Katastrophen, die in unterschiedlichen Teilen der Welt auftreten, auf die anderen über, wie z.B. die Ausdehnung einer Krankheit wie AIDS auf alle Kontinente zeigt. So ist zum ersten Mal in der Geschichte die gesamte Menschheit durch diese Zerfallserscheinungen bedroht. Darüber hinaus ist diese Barbarei mit der Tatsache verbunden, daß innerhalb des Kapitalismus keine Grundlagen einer neuen Gesellschaft entstehen können, denn die Klasse, die die Zukunft in sich trägt - das Proletariat - verfügt im Gegensatz zu allen revolutionären Klassen der Vergangenheit über keine ökopanische Macht, mit der sie der heutigen, im Niedergang begriffenen Gesellschaft ihren Stempel aufdrücken kann. Während in der Vergangenheit die gesellschaftlichen Beziehungen sowie die entstehenden Produktionsverhältnisse einer neuen Gesellschaft schon innerhalb der alten, zusammenbrechenden Gesellschaft aufblühen konnten, (wie dies beim Kapitalismus selbst der Fall war, der sich innerhalb der zerfallenden feudalen Gesellschaft einrichten konnte, bevor er sie überwand), ist dies heute nicht möglich. Die einzig mögliche Alternative ist heute die Errichtung einer neuen, kommunistischen Gesellschaft AUF DEN RUINEN DER ALTEN GESELLSCHAFT. Nur der Kommunismus kann die Bedürfnisse der Menschheit aufgrund der Entwicklung der Produktivkräfte voll befriedigen, weil das Aufblühen und die Kontrolle der Produktivkräfte durch die Gesetze des Kapitalismus selber unmöglich geworden sind. Und die erste Etappe dieser Erneuerung des gesellschaftlichen Lebens kann nur der Umsturz der Macht der Bourgeoisie durch die einzige Klasse sein, die heute der Menschheit eine Zukunft anbieten kann, nämlich die Weltarbeiterklasse:
"Weil die Abstraktion von aller Menschlichkeit, selbst von dem Schein der Menschlichkeit, im ausgebildeten Proletariat praktisch vollendet ist, weil in den Lebensbedingungen des Proletariats alle Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft in ihrer unmenschlichsten Spitze zusammengefaßt sind, weil der Mensch in ihm sich selbst verloren, aber zugleich nicht nur das theoretische Bewußtsein dieses Verlustes gewonnen hat, sondern auch Unmittelbar durch die nicht mehr abzuweisende, nicht mehr zu beschönigende, absolut gebieterische Not - den praktischen Ausdruck der Notwendigkeit - zur Empörung gegen diese Unmenschlichkeit gezwungen ist, darum kann und muß das Proletariat sich selbst befreien. Es kann sich aber nicht selbst befreien, ohne seine eigenen Lebensbedingungen aufzuheben. Es kann seine eigenen Lebensbedingungen nicht aufheben, ohne alle unmenschlichen Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft, die sich in seiner Situation zusammenfassen, aufzuheben" (K.Marx, „Die heilige Familie“, IV. Kapitel, MEW Bd. S. 389).
Was Marx schon im vorigen Jahrhundert schrieb, als der Kapitalismus noch ein blühendes System war, trifft heute noch mehr zu. Gegenüber diesem, das Überleben der Menschheit bedrohenden Zerfall, kann nur die Arbeiterklasse aufgrund ihrer Stellung in der kapitalistischen Gesellschaft die Menschheit aus ihrer Vorgeschichte herausführen, eine wirklich menschliche Gemeinschaft aufbauen.
Bislang haben sich die Klassenkämpfe seit den letzten 20 Jahren auf allen Kontinenten stark entwickelt und den dekadenten Kapitalismus daran gehindert, seine Antwort auf die Sackgasse seiner Wirtschaft durchzusetzen: die Auslösung der höchsten Stufe seiner Barbarei, einen neuen Weltkrieg. Dennoch ist die Arbeiterklasse noch nicht in der Lage, durch revolutionäre Kämpfe ihre eigene Perspektive durchzusetzen, und auch kann sie noch nicht dem Rest der Menschheit diese Zukunft verdeutlichen, die sie in sich trägt.
Gerade diese gegenwärtige Pattsituation, wo im Augenblick weder die bürgerliche noch die proletarische Alternative sich offen durchsetzen können, liegt an der Wurzel dieses Phänomens des Zerfalls der kapitalistischen Gesellschaft, und erklärt das besondere Ausmaß und die Schärfe der Barbarei der Dekadenz dieses Systems. Und je mehr sich die Wirtschaftskrise zuspitzt, desto stärker wird auch dieser Fäulnisprozeß zunehmen.
Je stärker der Kapitalismus in seiner eigenen Dekadenz versinkt, desto heftiger wird sein Todeskampf, und umso stärker wird auch die Arbeiterklasse der zentralen Länder des Kapitalismus von all den zerstörerischen Auswirkungen der Verfaulung betroffen werden.
Insbesondere die neuen Arbeitergenerationen sind heute direkt durch die Zerfallserscheinungen der gesamten Gesellschaft bedroht. Die Verzweiflung, die zum Selbstmord führt, die Atomisierung und das "Jeder-fürsich", die Drogen, die Kriminalität und all die anderen Erscheinungsweisen der Marginalisierung - wie die Lumpenisierung junger Arbeiter, die nie in den Produktionsprozeß integriert waren, sind große Gefahrenquellen, wirken als Kräfte hin zur Auflösung und zur Fäulnis innerhalb der Arbeiterklasse, und können ihre Fähigkeit, ihre historische Aufgabe der Zerstörung des Kapitalismus abschwächen oder gar infragestellen.
All dieser Zerfall, der immer mehr die jungen Generationen befällt, kann deshalb sehr schädlich wirken auf die gesamte Arbeiterklasse, die die Zukunft der Menschheit in ihren Händen hält. Ebenso wie die Auslösung des ersten imperialistischen Weltkriegs im Herzen der "zivilisierten" Welt, wie es Rosa Luxemburg 1915 in ihrer Junius-Broschüre schrieb, innerhalb einiger Wochen "die Frucht jahrzehntelanger Opfer und leihen von Generationen in wenigen Wochen vernichtete, die Kerntruppen des internationalen Proletariats an der Lebenswurzel ergriffen wurden' (Ges. Werke, Bd. 4, S. 163), so kann der zerfaulende Kapitalismus in den nächsten Jahren die "junge Blume" des Proletariats, die unsere einzige Stärke, unsere einzige Hoffnung darstellt, niedermachen.
In Anbetracht der Tragweite der Lage, dessen, was auf den Spiel steht, müssen die Revolutionäre heute das Proletariat vor den zerstörerischen Gefahren warnen, die aus diesem Zerfall herrühren. Sie müssen in ihrer Intervention die Arbeiterklasse dazu aufrufen, daß sie hinter all diesem Zerfall, den sie tagtäglich neben all den &omanischen Angriffen gegen ihre Lebensbedingungen erlebt, einen zusätzlichen Antrieb für ihre Entschlossenheit findet, ihre Kämpfe zu entwickeln und die Einheit ihrer Klasse herzustellen. Ebenso wie sie verstehen muß, daß ihre Kämpfe gegen die Verarmung und die Ausbeutung die Wurzel für die Abschaffung der kriegerischen Barbarei in sich tragen, muß sie sich bewußt werden, daß die Entwicklung, die Vereinigung ihrer Kämpfe der einzige Weg sind, um die Mesnchheit aus der kapitalistischen Hölle zu befreien, aus diesem kollektiven Selbstnord, in den der Zerfall dieser alten Welt die ganze Gesellschaft zerrt.
Die gegenwärtigen Kämpfe des Weltproletariats um seine Einheit und seine Klassensolidarität, insbesondere in den großen Industriekonzentrationen Westeuropas, sind der pin7ige.Funken Hoffnung in Anbetracht dieser verfaulenden Welt. Nur sie können den Weg zeigen hin zu einer neuen Gesellschaft Die internationale Generalisierung dieser Kämpfe ist die Voraussetzung für das Schaffen einer neuen Welt, mit neuen Werten. Und diese Werte werden erst dann auf die ganze Gesellschaft übergreifen, wenn die Arbeiterklasse eine Welt ohne Krisen, Kriege, Ausbeutung und all die Zerfallserscheinungen geschaffen hat. Die Verzweiflung, in die immer stärker all die nicht-ausbeutenden Teile der Gesellschaft verfallen, kann nur dann überwunden werden, wenn die Arbeiterklasse BEWUßT für diese Perspektive kämpft.
Deshalb ist es die historische Verantwortung des Proletariats des konzentriertesten, erfahrensten Teils der Welt - Westeuropas -, die Vorreiterrolle innerhalb der Weltarbeiterklasse bei diesem Kampf zu übernehmen. Nur der Funke, der aus diesen Kämpfen hervorgehen wird, kann die Flamme der proletarischen Revolution entfachen.
Avril, 22.2.89
|
Suchen
Umfasse die Sätze in doppelte Anführungszeichen ("").
IKS newsletterUm unsere neuesten Stellungnahmen zu erhalten Neueste Anmerkungen |
Neue Kommentare abschicken