Deutsche Revolution VII

Die Gründung der KAPD

Im vorherigen Artikel in der Internationalen Revue Nr. 22 haben
wir gesehen, wie die KPD, deren besten Mitglieder ermordet wurden und der
Repression ausgesetzt waren, es nicht schaffte, die Rolle zu erfüllen, die sie
zu spielen gehabt hätte, und wie falsche Organisationsauffassungen zu einem
Fiasko führten, bis hin zum Ausschluß der Mehrheit der Mitglieder der Partei!
Auf dem Hintergrund politischer Konfusionen und der aufflammenden Kampfbereitschaft
sollte die KAPD gegründet werden.

Am 4./5.
April 1920 trafen sich drei Wochen nach dem Beginn des Kapp-Putsches und der
Welle von Abwehrkämpfen, die dieser in ganz Deutschland hervorgerufen
hatte,  in Berlin Delegierte der
Opposition, um  eine neue Partei aus der
Taufe zu heben: die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD).

Es ging
darum, endlich eine Partei der ”revolutionären Aktion” zu gründen und eine
Kraft haben, die dem opportunistischen Kurs der KPD entgegentrat. 

So
schwerwiegend die Fehler der KPD während des Kapp-Putsches auch waren – dies
war jedoch noch kein Anlaß, damit eine neue Partei aus der Taufe zu heben. Ohne
vorher alle Möglichkeiten der Fraktionsarbeit ausgeschöpft zu haben, gründete
man völlig überstürzt – zum Teil aus ”Frust”, fast aus Verärgerung auf die
Schnelle eine neue Partei. Hauptsächlich kamen die Delegierten aus Berlin und
einigen anderen Städten. Sie beanspruchten, ca.  20.000 Mitglieder zu vertreten.

Ähnlich
dem Gründungskongreß der KPD war die neu gegründete KAPD sehr heterogen
zusammengesetzt. Sie war wiederum eher ein 
Sammelbecken der Opposition und Ausgeschlossenen (1).

Es gab:

– Die Berliner
Tendenz: sie wurde von Intellektuellen wie Schröder, Schwab und Reichenbach
angeführt, die alle aus dem Milieu sozialistischer Studenten kamen, und
Arbeitern, die ausgezeichnete Organisatoren waren wie Emil Sachs, Adam Scharrer
und Jan Appel, geprägt. Aus ihrer Sicht waren die Unionen nur ein Ableger der
Partei, deswegen verwarfen sie jede Form des revolutionären Syndikalismus und
den anarchisierenden Föderalismus. Sie stellten den marxistischen Flügel
innerhalb der KAPD  dar.

– Die ”Parteigegner”,
deren prominentester Sprecher Rühle war und die als solche eher eine lose
Gruppierung waren. All ihre Kräfte auf die Unionen zu konzentrieren, darin
bestand die einzige Orientierung, die sie verband. Es handelte sich um eine
syndikalistisch-revolutionäre Tendenz.

– Die nationalbolschewistische
Tendenz um Wolffheim und Laufenberg, die in Hamburg die Mehrheit
darstellte; auch wenn Wolffheim und Laufenberg nicht direkt an der Gründung der
KAPD mitwirkten, traten sie ihr bei und versuchten sie zu infiltrieren.

Gleichzeitig
erhielt die KAPD schnell Zulauf von jungen, radikalisierten, unzufriedenen Arbeitern,
die aber über wenig organisatorische Erfahrung, aber großen revolutionären Enthusiasmus
verfügten. Selbst viele Mitglieder der Berliner Sektion waren nicht sehr stark
in der Arbeiterbewegung vor dem Krieg verwurzelt gewesen. Zudem hatte der 1.
Weltkrieg eine Radikalisierung vieler Künstler und Intellektueller mit sich
gebracht (F. Jung, Dichter; H. Vogeler, Anhänger einer Kommune; Pfemfert und O.
Kanehl, Künstler; usw.), die sich massenhaft zur KPD und später zur KAPD
hingezogen fühlten. Die meisten von ihnen sollten eine verheerende Rolle
spielen. Denn ähnlich dem Einfluß der bürgerlichen Intellektuellen nach 1968
haben sie sehr stark die Saat der Organisationsfeindlichkeit verbreitet und den
Individualismus, die Zentralisierungsfeindlichkeit, den Föderalismus usw.
propagiert. Dieses Milieu von Leuten ist leicht infizierbar durch die
kleinbürgerliche Ideologie und deren Verhaltensweisen und macht sich zu deren
Träger. Ohne damit von vornherein ein negatives Gesamtimage der KAPD zu
zeichnen, denn die KAPD wurde später leichtfertig und pauschalisierend als
”kleinbürgerlich” beschimpft, weil der Einfluß dieser Strömung spürbar war,
sollte die KAPD dennoch stark darunter leiden. Diese Intellektuellen-Kreise
halfen auch bei dem Aufkommen des bis dahin in der Arbeiterbewegung nicht
verbreiteten ”Proletenkults”, was sie nicht daran hinderte, selbst Feinde einer
theoretischen Vertiefung zu sein. So mußte der marxistische Flügel innerhalb
der KAPD von Anfang an eine Abgrenzung von den organisationsfeindlich

Wie die Schwächen bei der Organisationsfrage zum Verschwinden der Organisation führen

en
Elementen vollziehen.

Es ist
nicht das Ziel dieses Artikels, die programmatischen Positionen der KAPD näher
zu untersuchen. Wir haben dies im Detail in unserem Buch Die holländische Linke getan. Die KAPD sollte trotz aller
theoretischer Schwächen einen historisch wertvollen Beitrag hinsichtlich der
Gewerkschafts- und Parlamentsfrage liefern. Sie leistete Pionierarbeit bei der
Vertiefung des Verständnisses, warum im dekadenten Kapitalismus eine Arbeit in
den Gewerkschaften nicht mehr möglich ist, warum die Gewerkschaften selber zu
Staatsorganen geworden sind und warum sich das Parlament nicht mehr zugunsten
der Arbeiterklasse benutzen läßt, sondern zu einer gefährlichen Waffe gegen das
Proletariat geworden ist. Auch bezüglich der Rolle der Partei sollte die KAPD
als erste Partei einen klaren Standpunkt zur Frage des Substitutionismus
entwickeln. Sie hatte im Gegensatz zu den Parteien der Komintern erkannt, daß
im neuen Zeitraum der Dekadenz keine Massenparteien mehr möglich sind. ”Die historisch gegebene Organisationsform
zur Zusammenfassung der bewußtesten, klarsten, tatbereitesten proletarischen
Kämpfer ist die Partei (...) Die kommunistische Partei  muß ein programmatisch durchgearbeitetes, in
einheitlichem Wollen organisiertes und diszipliniertes Ganzes sein. Sie muß der
Kopf und die Waffe der Revolution sein (....) insbesondere darf sie ihren
Mitgliederbestand nie rascher erweitern, als es die Angliederungskraft des
festen kommunistischen Kerns gestattet.” (Leitsätze über die Rolle der Partei
in der proletarischen Revolution, Thesen der KAPD, Proletarier
Nr. 7, Juli
1921).

Wir heben
diese programmatischen Errungenschaften der KAPD an erster Stelle hervor, um zu
betonen, daß die Kommunistische Linke sich ungeachtet der fatalen Schwächen der
KAPD, auf die wir jetzt eingehen,  auf
diese Errungenschaften berufen muß. Gerade die KAPD sollte verdeutlichen, daß
es nicht reicht, ”programmatisch zu Schlüsselfragen” klar zu sein, denn solange
man kein ausreichend klares Verständnis der Organisationsfrage hat, stellt die
programmatische Klarheit zu obengenannten Fragen keine Garantie für ein
Überleben der Organisation dar. Ausschlaggebend ist nämlich die Fähigkeit, eine
revolutionäre Organisation nicht nur programmatisch auf solide Füße zu stellen,
sondern die Organisation auch aufzubauen, sie zu verteidigen,  und sicherzustellen, daß die Organisation
ihre historische Rolle erfüllt, und nicht zerfressen wird von falschen Organisationsauffassungen,
und den Höhen und Tiefen des Klassenkampfes standhält. 

Als einer
der ersten Tagesordnungspunkte auf dem Gründungskongreß hatte die KAPD beschlossen,
sofort der Kommunistischen Internationale beizutreten, ohne vorher die Mitgliedschaft
bei ihr zu beantragen. Während sie sich so von Anfang an der internationalen
Bewegung zugehörig fühlte, lief die Ausrichtung ihrer Diskussion zu diesem
Tagesordnungspunkt darauf hinaus, als Schwerpunkt ”innerhalb der 3. Internationale den Kampf gegen den Spartakusbund”
zu führen. In einer Diskussion mit Vertretern des KPD  hatte man vorher erklärt, daß wir ”die reformistische Taktik des Spartakusbundes als nicht im Einklang mit
den Prinzipien der 3. Internationale stehend betrachten und daß wir den
Ausschluß des Spartakusbundes aus der 3. Internationale betreiben würden”

(Protokoll des Gründungsparteitages, zit. bei Bock, S. 207). Als Leitmotiv bei
dieser Diskussion tauchte immer wieder die Idee auf: ”Wir lehnen ein Zusammengehen mit dem Spartakusbund ab und werden ihn
scharf bekämpfen... Unsere Stellung zum Spartakusbund ist klar und einfach zu
präzisieren: Wir glauben, daß einzelne kompromittierte Führer aus der proletarischen
Kampffront ausgeschlossen werden müssen, und wir haben die Bahn frei für das Zusammengehen
der Massen gemäß dem maximalistischen Programm..... Eine Delegation von 2
Genossen, die dem Exekutiv-Komitee der 3. Internationale mündlichen Bericht
erstatten sollen, wird beschlossen. Die Delegation wird von Berlin und Hamburg
gestellt, da besonderes Gewicht darauf gelegt wird, die Hamburger Entwicklung
klarlegen zu lassen” (ebenda S. 211).

Während
ein politischer Kampf gegen die opportunistischen Positionen des Spartakusbundes
in der Tat unerläßlich war, spiegelte diese dermaßen  feindliche Haltung gegenüber der KPD jedoch ein völliges
Verdrehen der Prioritäten wider. Anstatt Klärung gegenüber der KPD mit dem Ziel
der Festlegung für die Bedingungen der Einheit, Vereinigung zu betreiben,
überwog eine sektiererische, unverantwortliche, jede Organisation
zerstörerische  Haltung.  Haupttriebkraft dieser Haltung waren vor allem die Hamburger
Nationalbolschewisten.

Zunächst
war es ein Fiasko, daß die KAPD bei ihrer Gründung die Hamburger Nationalbolschewisten
in ihre Reihen aufgenommen hatte. Diese Strömung war antiproletarisch. Allein
ihre Anwesenheit ließ das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der KAPD in den Augen
der Komintern von vornherein schwerwiegend absinken (2).

Als
Delegierte zum im Juli tagenden 2. Kongreß der Komintern wurden Jan Appel und
Franz Jung benannt (3).

In
Diskussionen mit dem Exekutivkomitee der Komintern stellten sie den Standpunkt
der KAPD dar. Im Anschluß an diese Diskussionen versicherten sie dem EKKI, daß
sowohl die nationalbolschewistische Strömung um Laufenberg und Wolffheim als
auch die parteifeindliche Strömung um Rühle aus der KAPD ausgeschlossen werden
würde. Bei der Gewerkschafts- und Parlamentarismusfrage prallten die
Standpunkte der KAPD und des EKKI heftig aufeinander. Lenin hatte kurz zuvor
seine Schrift Der linke Radikalismus -
die Kinderkrankheit im Kommunismus
fertiggestellt. Nachdem die KAPD aufgrund
der kriegsbedingten Blockade keine Nachricht von ihren Delegierten erhalten
hatte, schickte man eine 2. Delegation, Otto Rühle und Merges. Das war das
Schlimmste, das sie machen konnte. 

Vor allem
Rühle war Repräsentant der föderalistischen Minderheit, die die kommunistische
Partei auflösen und in ein System von Unionen überführen wollte. Jegliche
Zentralisierung ablehnend, verwarfen sie deshalb auch implizit die Existenz
einer Internationale überhaupt. Nach einer Reise durch Rußland, wo sie von den
Auswirkungen des Bürgerkrieges, den die 21 Armeen gegen Rußland angezettelt
hatten, geschockt  waren und ein
”belagertes Regime” sahen, wollten die beiden Delegierten ohne Absprache mit
der KAPD wieder abreisen, überzeugt davon, daß ”die Diktatur der Bolschewistischen Partei der Nährboden für das
Erscheinen einer neuen sowjetischen Bourgeoisie war”
. Obwohl Lenin,
Sinowjew, Radek und Bucharin ihnen eine beratende Stimme auf dem 2. Kongreß
1920 einräumen wollten, sie zur Teilnahme am Kongreß drängten, wollten sie auf
die Teilnahme verzichten. Vor ihrer Abreise gestand das Exekutivkomitee der
Komintern ihnen gar eine beschließende und nicht mehr nur eine beratende Stimme
zu. ”Während wir uns schon in Petrograd
auf dem Rückweg befanden, schickte uns das Exekutivkommission eine neue
Einladung zum Kongreß, mit der Erklärung, daß die KAPD auf diesem Kongreß auch
das Stimmrecht erhalte, obgleich sie keine der drakonischen Bedingungen des
Offenen Briefes an die KAPD erfüllt oder auch nur versprochen hätte, sie zu
erfüllen.”

Resultat
war: Der 2. Kongreß der Komintern fand ohne die kritische Stimme der
KAPD-Delegierten statt. Die verhängnisvolle opportunistische Entwicklung in der
Komintern konnte leichter vonstatten gehen, die Arbeit in den Gewerkschaften
wurde in den 21 Aufnahmebedingungen als bindend beschlossen. Der Widerstand der
KAPD gegen diese opportunistische Kehrtwende war auf diesem Kongreß nicht zu
spüren.

Auch war
es infolgedessen nicht möglich, daß sich die kritischen Stimmen gegenüber
dieser Entwicklung in der Komintern auf dem Kongreß selber zusammenfanden.
Durch dieses schädliche Verhalten der KAPD-Delegierten kam es zu keinen
internationalen Absprachen und keinem gemeinsamen Vorgehen. Die Ansätze einer
internationalen Fraktionsarbeit wurden verpaßt.

Nach
ihrer Rückkehr wurde die Strömung um Rühle aus der KAPD wegen organisationsfeindlichem
Verhalten und Auffassungen ausgeschlossen. Nicht nur verwarfen die Rätekommunisten
die politische Organisation des Proletariats, und leugneten damit die besondere
Rolle der Partei, die diese bei der Bewußtseinsentwicklung des Proletariats zu
spielen hatte (siehe dazu die Thesen zur
Partei
der KAPD). Sie reihten sich ein in die bürgerlichen Propagandastimmen,
die die Erfahrung der Russischen Revolution verzerrten. Anstatt die Lehren aus
dem Scheitern der Russischen Revolution zu ziehen,  fingen sie an, die Revolution als eine doppelte (proletarisch und
bürgerlich, bzw. kleinbürgerlich) zu bezeichnen. Damit gaben sie sich selbst
den politischen Todesstoß. Die ”Rätisten” wirkten nicht nur schädlich, indem
sie die Rolle der Revolutionäre bei der Bewußtseinsentwicklung verneinten,
sondern sie wirkten auch auf die Auflösung des revolutionären Lagers hin und
verstärkten die allgemeine Organisationsfeindlichkeit. Nach ihrer Auflösung und
Verstreuung konnten sie keinen politischen Beitrag mehr leisten. Diese Strömung
besteht heute noch und hält sich hauptsächlich in den Niederlanden am Leben
(obwohl ihre Ideologie weit über dieses Land hinaus verbreitet ist).

Der
Zentralausschuß der KAPD beschloß auf dem 1. Ordentlichen Parteitag der KAPD im
August 1920, daß es nicht darum ging, die 3. Internationale zu bekämpfen,
sondern in ihren Reihen solange zu kämpfen, bis der Standpunkt der KAPD gesiegt
habe. Diese Einstellung unterschied sich kaum von der Haltung der Italienischen
Linken, allerdings änderte sich das später. Aber die Auffassung, daß man nur
eine ”Opposition” und keine Internationale Fraktion innerhalb der Komintern
bilden sollte, verhinderte es, daß eine internationale Plattform der
Kommunistischen Linken entwickelt wurde.

Im
November 1920 fuhr eine 3. Delegation nach dem 2. Kongreß der KAPD nach Moskau
(ihr gehörten Gorter, Schröder und Rasch an). Die Komintern wies gegenüber der
KAPD zurecht darauf hin, daß die Existenz zweier Organisationen (KPD und KAPD)
in einem Land eine Anomalie sei und beendet werden müsse. Aus der Sicht der
Komintern sollte der Ausschluß der Parteigegner um Rühle und der Nationalbolschewisten
um Laufenberg und Wolffheim der Vereinigung der beiden Strömungen den Weg
freimachen und den Zusammenschluß mit dem linken Flügel der USPD ermöglichen.
Während die KAPD und die KPD sich jeweils wiederum vehement gegen den
Zusammenschluß beider Parteien stellten, verwarf die KAPD prinzipiell jeden
Zusammenschluß mit dem linken Flügel der USPD. Trotz dieser Ablehnung der
Position der Komintern erhielt die KAPD den Status einer sympathisierenden
Partei der 3. Internationale mit beratender Stimme.

Auf dem
3. Kongreß der Komintern (22.6.-13.7.1921) äußerte die Delegation der KAPD  erneut ihre Kritik an den Positionen der
Komintern. Sie trat mutig und entschlossen der opportunistischen Entwicklung
der Komintern in zahlreichen Redebeiträgen entgegen. Der Versuch, eine linke
Fraktion auf dem Kongreß zu errichten, schlug fehl, denn von den anderen
kritischen Stimmen aus Mexiko, England, Belgien, Italien und den USA, war
niemand zu einer internationalen Fraktionsarbeit bereit. Nur die
niederländische KAP und Genossen aus Bulgarien schlossen sich ihnen an.
Schließlich wurde die Delegation mit einem Ultimatum der Komintern
konfrontiert: Innerhalb von 2-3 Monaten sollte die KAPD ihre Verschmelzung mit
der VKPD vollziehen. Ansonsten werde die KAPD aus der Komintern ausgeschlossen.

Damit
beging die Komintern einen schwerwiegenden Fehler, denn durch ihr Ultimatum
brachte sie wie die KPD zwei Jahre zuvor auf dem Oktober-Parteitag in
Heidelberg eine kritische Stimme in ihren eigenen Reihen zum Schweigen. Die
opportunistische Entwicklung der Komintern stieß auf eine Hürde weniger.

Die
Delegation der KAPD in Moskau wollte diese Entscheidung nicht vor Ort im Namen
der Partei treffen, sondern dazu die Instanzen der Partei anhören.

Als
revolutionäre Strömung stand die KAPD vor einer schweren und schmerzhaften
Wahl, auch deshalb, weil sie sich auf die gesamte linkskommunistische Strömung
auswirken würde:


entweder mit der VKPD zusammengehen, damit der opportunistischen Entwicklung Vorschub
leisten;

– oder zu
einer externen Fraktion der Internationale werden, mit der Absicht, die Komintern
wiederzuerobern und auch die deutsche VKPD, wobei sich gleichzeitig andere
größere Fraktionen bilden müßten;

– oder
auf die Bedingungen der Gründung einer neuen kommunistischen Internationale
hinarbeiten;

– oder
sich künstlich und ohne Berücksichtigung der subjektiven Bedingungen für die Bildung
einer neuen 4. Internationale entscheiden.

Die
Führung der KAPD ließ sich vom Juli 1921 an in überstürzte Entscheidungen
treiben. Trotz des Widerstands der Vertreter aus Hannover und Ostsachsen, trotz
der Enthaltung des größten Parteibezirks – Großberlin – entschied sich die
Führung der Partei für die Annahme einer Resolution, die den Bruch mit der 3.
Internationale verkündete. Schwererwiegend als diese außerhalb des Rahmens
eines Kongresses getroffene Entscheidung war der Beschluß, auf die ”Errichtung einer Kommunistischen Arbeiter-Internationale”
hinzuarbeiten. Auf einem Außerordentlichen Kongreß der KAPD vom 11.-14. Sept.
1921 wurde dann einstimmig der sofortige Austritt aus der Komintern als sympathisierende
Partei verkündet. 

Gleichzeitig
betrachtete die KAPD alle Sektionen der Komintern als verloren. Ihr zufolge
könnten aus deren Reihen keine revolutionären Fraktionen mehr hervorgehen. Die
Wirklichkeit verzerrend, stellten sie die verschiedene Parteien als ”Hilfstruppen” im Dienste des Aufbaus
des ”russischen Kapitals” dar. Vor
lauter revolutionärem Eifer hatte die KAPD nicht nur das Potential des
Widerstandes gegen die opportunistischen Entwicklung der Komintern unterschätzt,
sondern auch die Prinzipien im Umgang unter revolutionären Gruppen verletzt.
Diese sektiererische Haltung sollte einen Vorgeschmack auf die spätere
sektiererische Haltung anderer revolutionärer Organisationen liefern. Der Feind
schien nicht mehr das Kapital sondern die anderen Gruppen zu sein, denen man
absprach revolutionär zu sein.

 

Das Drama der Selbstverstümmelung

Einmal
aus der Komintern ausgeschlossen, sollte in der KAPD eine weitere Schwäche voll
zum Tragen kommen.

Nicht nur
gab es auf ihren Konferenzen kaum umfassende Einschätzungen des Kräfteverhältnisses
zwischen den Klassen auf internationaler Ebene, man beschränkte sich mehr oder
weniger auf die Analyse der Lage in Deutschland und die Hervorhebung  der besonderen Verantwortung der
Arbeiterklasse dort. Man war nicht bereit sich einzugestehen, daß die revolutionäre
Welle international im Rückfluß begriffen war. Anstatt aus diesem Rückfluß die
Lehren zu ziehen und die Aufgaben der Stunde neu zu definieren, meinte man, daß
die ”Situation überreif war für die
Revolution”
. Und dennoch fiel sehr schnell ein Großteil der Mitglieder, vor
allem jüngere, die nach dem Krieg zur Bewegung gestoßen waren, ab, als sie
merkten, daß der Gipfel der revolutionären Kampfwelle überschritten war. Als
Reaktion darauf versuchte man, wie wir in einem weiteren Artikel sehen werden,
der Lage künstlich entgegenzutreten, indem eine Tendenz zu Einzelaktionen und
Putschismus sich breit machte.

Anstatt
den Rückfluß des Klassenkampfes anzuerkennen, anstatt eine zähe Fraktionsarbeit
außerhalb der Komintern zu betreiben, strebte man die Gründung einer
Kommunistischen Arbeiter-Internationale an. Die Sektionen der KAPD in Berlin
und in Bremerhaven wandten sich gegen diese Haltung, blieben aber in der
Minderheit.

Gleichzeitig
fing im Winter 1921/22 ein Flügel der KAPD um Schröder an, die Notwendigkeit
von Lohnkämpfen  zu verwerfen. Diese
seien zur Zeit der ”Todeskrise des
Kapitalismus”
opportunistisch; nur politische Kämpfe, die die Frage der
Macht stellen, sollten unterstützt werden. Mit andern Worten: Die Partei könne
ihre Funktion nur in Zeiten revolutionärer Kämpfe ausüben; eine andere Spielart
rätekommunistischer Auffassungen!

Im März
1922 gewann Schröder durch Manipulation des Abstimmungsmodus eine Mehrheit für
seinen Flügel, die nicht den tatsächlichen Mehrheitsverhältnissen in der Partei
entsprach. Der Bezirk Groß-Berlin, der zahlenmäßig der stärkste war, schloß
daraufhin Schröder, Sachs, Goldstein aus der Partei wegen ”parteischädigenden Verhaltens und wegen ihres maßlosen persönlichen
Ehrgeizes”
aus. Als Folge schloß der offiziell die Mehrheit vertretende
Schröder den Berliner Bezirk aus, ließ sich in Essen nieder und rief eine
”Essener Strömung” ins Leben. Es gab nunmehr zwei KAPDs, zwei Zeitungen mit dem
gleichen Namen. Die Zeit der persönlichen Inkrimierungen und Verleumdungen
begann.

Anstatt
die Lehren aus dem Ausschluß auf dem Oktober-Parteitag der KPD 1919 gezogen,
anstatt die Erkenntnis aus dem Ausschluß aus der Komintern gewonnen zu haben,
war es so, als wollte man die Kontinuität dieser Reihe von Fiaskos bewahren!
Der Begriff der Partei wurde eine einfache Etikette für jede sich abspaltende
Organisation, die auf einige wenige Hundert Mitglieder zusammenschrumpfte, wenn
nicht weniger.

Um den
Gipfel des organisatorischen Selbstmordes zu besteigen, gründete die Essener
Strömung um Schröder dann am 2.- 6. April 
1922 die Kommunistische Arbeiter-Internationale.

Nachdem
die KAPD selber im April 1920 mehr oder weniger auf die Schnelle aus dem Boden
gestampft worden war, ohne vorher die Möglichkeit einer Fraktionsarbeit
außerhalb der KPD ausgeschöpft zu haben, beschloß man jetzt – sobald man aus
der Komintern ausgeschlossen war und die unverantwortliche Spaltung der KAPD in
eine Essener und Berliner Strömung selber herbeigeführt hatte – überstürzt eine
neue Internationale aus dem Boden zu stampfen! Eine rein künstliche Gründung,
als ob die Gründung einer Organisation 
nur eine Frage des Willens sei! 
Ein vollkommen unverantwortliches Verhalten – das ein weiteres Fiasko bedeutete.

Die
Essener Strömung spaltete sich im November 1923 erneut, es löste sich ein ”Kommunistischer
Rätebund” ab, Teile der Essener Richtung (Schröder, Reichenbach) kehrten 1925
wieder in die SPD zurück, ein anderer Teil zog sich aus der Politik ganz
zurück. Die Berliner Richtung schaffte es noch, eine längere Zeit am Leben zu
bleiben. Ab 1926 wandte sie sich dem linken Flügel innerhalb der KPD zu.
Nachdem die Berliner Richtung der KAPD 1926 noch ca. 1.500-2.000 Mitglieder
umfaßte, während ein Großteil der Ortsgruppen – vor allem im Ruhrgebiet –
zusammengebrochen war, gab es noch einmal einen zahlenmäßigen Auftrieb (man
zählte ca. 6.000 Mitglieder) durch den Zusammenschluß mit der ”Entschiedenen
Linken”, die aus der KPD ausgeschlossen worden war.

Nach
einer weiteren Spaltung 1928 versank die KAPD immer mehr in Bedeutungslosigkeit.

Die
Entwicklung zeigt: Die Linkskommunisten in Deutschland hatten verhängnisvoll
falsche Auffassungen in Sachen Organisationsfrage. Ihr organisatorisches
Vorgehen war nichts anderes als eine Katastrophe für die Arbeiterklasse.

Zwar
schwankten sie nicht hinsichtlich der Frage der Gewerkschaften und des
Parlamentarismus, zur Aufarbeitung der Erfahrung der Russischen Revolution
leisteten sie jedoch keinen Beitrag. Zu stark lastete der rätekommunistische
Einfluß, der ja die Russische Revolution vollständig zu verwerfen begonnen
hatte, in ihren Reihen. Nachdem sie von der Komintern ausgeschlossen worden
waren und die Farce der Kommunistischen Arbeiter-Internationale in die Welt
gesetzt hatten, konnten sie nicht einmal eine konsequente internationale
Fraktionsarbeit leisten. Diese Aufgabe sollte die Italienische Linke wahrnehmen.

Die
Verteidigung der Lehren der Kämpfe aus der revolutionären Welle konnte nur
erfolgreich durchgeführt werden, wenn sie als Organisation selber am Leben
blieben. Jedoch hatten ihre Schwächen und fehlerhaften Auffassungen zur
Organisationsfrage dazu geführt, daß sie es nicht schafften, ihre Organisation
– als Fraktion – am Leben zu erhalten. Zwar versuchte die Bourgeoisie von
Anfang an, mit ihren Repressionskräfte (anfänglich die Sozialdemokratie, später
die Stalinisten und Faschisten) die linkskommunistischen Kräfte physisch zu
vernichten, aber ihre Unfähigkeit, die Organisation zu verteidigen, hatte mit
zu ihrem politischen Todesurteil, zu ihrer Verstümmelung beigetragen. Das revolutionäre
Erbe in Deutschland sollte – von einigen sporadischen Ausnahmen abgesehen –
ausgelöscht werden. Die Konterrevolution hatte vollständig gesiegt. Die
vermachten Lehren aus der Organisationserfahrung der ”Deutschen Linken”
aufzuarbeiten und sich anzueignen, ist deshalb heute für die Revolutionäre eine
dringende Aufgabe, um eine Wiederholung des Fiaskos von damals zu verhindern.

Die falschen Organisationsauffassun­gen der KPD beschleunigen
ihren Weg zum Opportunismus

Die KPD
selber sollte nach 1919, nachdem sie die ”Opposition” ausgeschlossen hatte, in
einen verheerenden opportunistischen Strudel geraten.

Vor allem
begann die KPD, die Arbeit in den Gewerkschaften und dem Parlament zu propagieren.
Von der ”rein taktischen” Frage auf dem 2. Kongreß im Oktober 1919 war der Weg
nicht weit zu einer ausgesprochenen Verteidigung und Hauptausrichtung auf diese
”Strategien”.

Weil man
sah, daß die revolutionäre Welle von Kämpfen sich nicht weiter ausdehnte und
radikalisierte, wollte man ”an die rückständigen” und noch ”mit Illusionen
behafteten” Arbeiter in den Gewerkschaften ”rankommen”, indem man mit der
Sozialdemokratie ”Einheitsfronten” in den Unternehmen aufbaute. Zunächst wurde
im Dezember 1920 der Zusammenschluß mit der zentristischen USPD vollzogen in
der Hoffnung, durch die Bildung einer Massenpartei mehr Einfluß zu bekommen.
Vor allem nach Wahlerfolgen bei den Parlamentswahlen geriet die KPD selber
unter die Räder ihrer eigenen Illusionen, indem sie glaubte, je mehr Stimmen
sie bei den Wahlen gewinne, desto größer werde ihr Einfluß in der Arbeiterklasse.
Schließlich wurde es für die Mitglieder Pflicht, in den Gewerkschaften
mitzuarbeiten.

Beschleunigt
wurde ihre opportunistische Entwicklung noch dadurch, als sie ihre Türen dem
Nationalismus öffnete. Hatte sie 1919 die Nationalbolschewisten
berechtigterweise rausschmeißen wollen, ließ sie ab 1920/21 selbst die
nationalistischen Element durch die Hintertür rein.

Gegenüber
der KAPD nahm sie eine sehr ablehnende Haltung ein. Nachdem die Komintern im
November 1920 die KAPD als beratende Partei zugelassen hatte, drängte die KPD
auf deren Hinauswurf aus der Komintern.

Vor allem
nach den Kämpfen von 1923, und nachdem der Stalinismus in Rußland immer mehr
triumphiert hatte, wurde die KPD zum Sprachrohr des russischen Staates. In den
20er Jahren wurde die KPD eines der treuesten Anhängsel Moskaus. Während große
Teile der KAPD die russische Erfahrung ganz verwarfen, war die KPD völlig
unkritisch geworden! Die falschen Organisationsauffassungen hatten damit selbst
die Kräfte des Widerstandes innerhalb der KPD gegen den Opportunismus
entscheidend geschwächt.

”Die Deutsche Revolution”: Geschichte
der Schwäche der Partei

Blicken
wir zurück auf die Kämpfe und die Rolle der Kommunisten, sticht sofort ins
Auge, daß der Arbeiterklasse in Deutschland eine ausreichend starke Partei an
ihrer Seite fehlte. War das Gewicht der Spartakisten in den Kämpfen in der
Anfangsphase im November und Dezember 1918 verständlicherweise noch relativ
gering gewesen, gab es ein wahres Fiasko im Januar 1919, als die frisch
gegründete KPD die Provokation der Bourgeoisie nicht verhindern konnte. Das
ganze Jahr 1919 über zahlte die Arbeiterklasse dann den Preis für die Schwächen
der Partei. In der Welle von Kämpfen in den verschiedenen Orten hatte die KPD
keinen entscheidenden Einfluß. Dieser Einfluß sank nochmehr ab, als es ab
Oktober 1919 zu einer Spaltung der KPD kam. Als sich dann im März 1920 eine
geballte Reaktion der Arbeiter gegen den Kapp-Putsch erhob, war wiederum die
KPD nicht auf der Höhe. 

Nachdem
wir aufgezeigt haben, welche Tragöde die Schwächen der Partei für die Arbeiterklasse
bedeutete, und betont haben, wie die Parteiarbeit hätte aussehen sollen, könnte
man meinen, damit sei das Rätsel für die Niederalge der Revolution in
Deutschland entschlüsselt.

Es
stimmt, daß diese Schwäche der Partei, die Fehler der Revolutionäre vor allem
zu den Organisationsfragen sich nicht wiederholen dürfen.

Jedoch
liefern die Fehler und Schwächen der Partei nicht die ganze Erklärung dafür,
daß die Revolution in Deutschland gescheitert ist.

Oft wird
hervorgehoben, die Bolschewistische Partei um Lenin habe ein Modell dafür
geliefert, wie eine Revolution ”erfolgreich” durchgeführt werden könne. Und
Deutschland liefere nur das Gegenbeispiel für die Schwächen der Revolutionäre.
Aber damit macht man es sich zu einfach. Lenin und die Bolschewiki waren die
ersten, die dies hervorhoben: ”Wenn es so
leicht war, mit der Bande solcher kläglichen, schwachsinnigen Kreaturen wie
Romanow und Rasputin fertig zu werden, so ist es unendlich schwieriger, gegen
die organisierte und starke Clique der deutschen gekrönten und ungekrönten
Imperialisten zu kämpfen”
(W. Lenin,
Auf dem Ersten Gesamtrussischen Kongreß der Kriegsflotte,
in Werke Bd. 26,
S. 342, 25. November 1917).

”Für uns war es leichter, die Revolution anzufangen,
aber es ist für uns außerordentlich schwer, sie fortzusetzen und zu vollenden.
Furchtbar schwer kommt die Revolution in einem so hochentwickelten Lande wie
Deutschland, in einem Lande mit einer so ausgezeichnet organisierten
Bourgeoisie, zustande (...)”
(Lenin, Referat auf der Moskauer
Gouvernementskonferenz der Betriebskomitees
, 23. Juli 1918, Werke Bd. 27,
S. 547).

Vor allem
indem die Bourgeoisie durch den Druck der Arbeiter den Krieg zu Ende brachte,
nahm sie eine wichtige Triebkraft aus den Kämpfen weg. Als dann nach Kriegsende
ein Massenkampf der Arbeiter, mit zunehmendem Druck aus den Betrieben, mit
verstärkter Initiative in den Arbeiterräten selbst zustande kam, prallte die
Arbeiterklasse auf die ausgefeilte Sabotagetaktik der konterrevolutionären
Kräfte mit der SPD und den Gewerkschaften an zentraler Stelle.

Die Lehre
für heute liegt auf der Hand: Gegenüber solch einer cleveren Bourgeoisie wie
sie die deutsche damals war – und in einer zukünftigen Revolution wird die
ganze Bourgeoisie vereint mit allen Mitteln gegen die Arbeiterklasse ankämpfen
– können die Revolutionäre nur ihre Aufgabe erfüllen, wenn sie selber solide
und international organisiert sind.

Die
Partei kann nur aufgebaut werden, indem sie sich auf langwierige vorherige programmatische
Klärung und vor allem die Ausarbeitung fester organisatorischer Prinzipien
stützt. Die Erfahrung in Deutschland zeigt: Ohne die Klarheit über eine
marxistische organisatorische Funktionsweise wird jede Organisation auseinanderbrechen.

Das
Versagen der Revolutionäre in Deutschland in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg
beim wirklichen Parteiaufbau hat 
katastrophale Auswirkungen gehabt. Nicht nur zerstümmelte und
verkrüppelte die Partei sich damit selbst. Im Laufe der Konterrevolution wurden
schon bis Ende der 20er Jahre die Stimmen der organisierten Revolutionäre
weitestgehend zum Schweigen gebracht. In Deutschland sollte dann ein mehr als
50jährige Friedhofsruhe herrschen. Als das Proletariat dann nach 1968 auch in
Deutschland wieder seine Stirn zeigte, fehlte natürlich diese revolutionäre
Stimme des Proletariats. Es gehört somit zu den wichtigsten Aufgaben der Vorbereitung
der zukünftigen proletarischen Revolution, den Organisationsaufbau erfolgreich
in Angriff zu nehmen. Sonst wird es nicht nur zu keiner Revolution kommen,
sondern ihr Scheitern wäre jetzt schon vorprogrammiert.

Deshalb
steht der Kampf für den Aufbau der Organisation im Mittelpunkt der Vorbereitung
der Revolution von morgen.

DV

(1) Siehe unser Buch La
gauche hollandaise
(Die holländische Linke) und unsere Broschüre Die deutsch-holländische Linke, in
welchen Publikationen wir auf die Frage der KAPD und ihre Entwicklung
detailliert eingehen, insbesondere den Teil ”Linkskommunismus
und die Revolution – 1919-1927”
.

(2) Erst nach der Rückkehr der Delegation am Ende des Sommers
1920 wurden sie aus der KAPD ausgeschlossen. Ihre Mitgliedschaft in der KAPD
zeigt, wie heterogen die KAPD zum Zeitpunkt ihrer Gründung war, und daß sie
eher ein Sammelbecken als eine Partei war, die auf soliden programmatischen und
organisatorischen Grundlagen aufgebaut war.

(3) Über Land konnte man damals Moskau infolge der Belagerung
durch die ”Armeen der Demokratie” und des Bürgerkriegs nicht erreichen. Erst
nachdem Jan Appel und F. Jung ein Schiff gekapert hatten und die Matrosen zur
Absetzung des Kapitäns überreden konnten, nahm das Schiff Kurs auf Rußland.
Unter abenteuerlichen Umständen gelang es ihnen, die Blockade der russischen
Häfen, die die konterrevolutionären Armeen gegen Rußland im Bürgerkrieg
errichtet hatten, zu unterlaufen und Ende April Murmansk zu erreichen, von wo
aus sie nach Moskau weiterfuhren.

 

 

 

 

 

Theorie und Praxis: