Der Kommunismus - Kein schönes Ideal, sondern eine Notwendigkeit [Serie I - Teil 5]

1848: Der Kommunismus als politisches Programm

Die zwei vorausgegangenen Artikel dieser Reihe (1) haben
sich weitgehend auf die Öko­nomisch- und Philosophischen Manu­skripte (ÖPM) von
1844 konzentriert, weil letztere eine rei­che Ader mit Material zum Problem der
ent­fremdeten Arbeit und zu den höchsten Zie­len des Kommunismus waren, wie sie
von Marx ins Auge gefaßt wurden, als er sich erstmalig einer proleta­rischen
Bewe­gung an­schloß. Aber auch wenn Marx schon 1843 das moderne Pro­letariat
als den Träger der kom­munistischen 
Umwälzung identifi­zierte, entwickelten die ÖPM hinsichtlich der
praktischen so­zialen Bewegung, die von der Gesellschaft der Entfremdung in die
echte menschliche Ge­meinschaft führt, noch nicht ein so genaues Bild. Diese
fun­damentale Weiterentwicklung in Marx' Denken sollte durch das
Zusammentreffen zweier vitaler Elemente eintreten: die Erar­beitung der Methode
des historischen Mate­rialismus und die offenkundige Politi­sierung des kommuni­stischen
Projekts 

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Die
wirkliche Entwicklung der
Geschichte

Die ÖPM enthalten bereits etliche Reflexio­nen über die
Unterschiede zwi­schen euda­lismus und Kapitalismus, aber teilweise ver­mitteln
sie ein irgendwie stati­sches Bild von der kapitali­stischen Gesell­schaft. Das
Kapital und die mit ihm ver­knüpfte Entfremdung er­scheinen im Text manchmal
als einfach exi­stierend, ohne wirkliche Erklärung ihres Entstehens. Infolge­dessen
bleibt auch der aktuelle Pro­zeß des Niedergangs des Kapita­lismus eher
verschwommen. Nur ein Jahr später je­doch hatten Marx und Engels in der Deut­schen
Ideologie einen zusammenhän­genden Überblick über die praktischen und objektiven
Grundlagen der geschichtlichen Entwicklung (und damit der mannigfaltigen Ebenen
in der Entfremdung der Mensch­heit) entworfen. Die Geschichte war nun deutlich
als eine Abfolge von Pro­duktionsweisen, vom Stammeskommunis­mus über die
antike Gesellschaft bis hin zu Feuda­lismus und Ka­pitalismus, dargestellt; und
das dynamische Element in dieser Entwicklung war nicht mehr irgendeine Idee,
irgendeine Überzeu­gung der Men­schen, sondern die ma­terielle Produktion von
Lebensbedürfnissen.
"Wir müssen .... damit
anfangen, daß wir die erste Voraussetzung aller menschlichen Exi­stenz, also
auch aller Geschichte konsta­tieren, nämlich die Voraussetzung, daß die
Menschen imstande sein müssen zu leben, um 'Geschichte machen' zu können. Zum
Leben aber gehört vor allem Essen und Trinken, Wohnung, Kleidung und noch eini­ges
Andere. Die erste geschichtliche Tat ist also die Erzeu­gung der Mittel zur
Befriedi­gung dieser Be­dürfnisse, die Pro­duktion des materiellen Le­bens selbst".(MEW
3 S.28)

Diese einfache Wahrheit war die Grund­lage für das
Verständnis, daß beim Wandel von ei­ner Gesellschaftsform zur anderen ".... eine bestimmte Produktionsweise
oder indu­strielle Stufe stets mit einer bestimmten Weise des Zusammenwirkens
oder gesell­schaftlichen Stufe vereinigt ist, und diese Weise des
Zusammenwirkens ist selbst eine 'Produktivkraft', daß die Menge den Men­schen
zugänglichen Produktivkräfte den ge­sellschaftlichen Zustand bedingt und also
die 'Geschichte der Menschheit' stets im Zusam­menhange mit der Geschichte der
Industrie und des Austausches studiert und bearbeitet werden muß".(MEW 3
S.30)

Von diesem Standpunkt aus hörten die Ideen und Kämpfe
zwischen den Ideen, in der Poli­tik, für Moral und Religion auf, die bestim­menden
Faktoren in der historischen Ent­wicklung zu sein:

"D.h., es wird nicht
ausgegangen von dem, was die Menschen sagen, sich einbil­den, sich vorstellen,
auch nicht von den gesagten, ge­dachten, eingebildeten, vorge­stellten Men­schen,
um davon aus bei den leibhaftigen Menschen anzukommen; es wird von den wirklich
tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die
Entwicklung der ideologischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses
darstellt .... Nicht das Bewußtsein bestimmt das Leben, sondern das Leben
bestimmt das Bewußt­sein" (alle Zitate aus Die Deutsche Ideolo­gie, I. Feu­erbach
MEW 3 S.26f).

Am Schlußpunkt dieser unermeßlichen histori­schen
Entwicklung, so hob die Deut­sche Ideologie hervor, ist der Kapitalismus so wie
die vorausgegangenen Produktions­weisen dazu verdammt zu verschwinden, nicht
wegen seiner moralischen Verfehlun­gen, sondern weil seine inneren Widersprü­che
ihn in die Selbstzerstörung treiben und weil er einer Klasse zur Ent­stehung verhalf,
die in der Lage ist, ihn durch eine höhere Form der sozialen Or­ganisation
abzulösen:

"... In der Entwicklung
der Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktions­kräfte und
Verkehrsmittel her­vorgerufen wer­den, welche unter den be­stehenden Verhältnis­sen
nur Unheil an­richten, welche keine Pro­duktionskräfte mehr sind, sondern
Destrukti­onskräfte (Maschinerie und Geld) - und was damit zusammenhängt, daß
eine Klasse her­vorgerufen wird, welche alle La­sten der Ge­sellschaft zu
tragen hat, ohne ihre Vor­teile zu genießen, welche aus der Gesell­schaft
heraus­gedrängt, in den ent­schiedensten Gegensatz zu allen andern Klassen
forciert wird; eine Klasse, die die Majorität aller Gesellschafts­mitglieder
bil­det und von der das Bewußtsein über die Not­wendigkeit einer gründlichen Re­volution,
das kommunistische Bewußtsein, ausgeht ...." (ebenda MEW 3 S.69).

Im Endeffekt ist "der Kommunismus für uns", in
schroffem Gegensatz zu all den uto­pischen Visionen, die den Kommunis­mus als
statisches Ideal ohne jeden Bezug zum tatsächlichen Prozeß der historischen Evolu­tion
ansahen, "nicht ein Zustand, der
herge­stellt werden muß, wonach die Wirk­lichkeit sich zu richten haben (wird).
Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewe­gung, wel­che den jetzigen Zu­stand
auf­hebt".(ebenda S.35)

Nachdem sie den allgemeinen Weg und Rah­men festgelegt
hatten, konnten Marx und En­gels zu einer detaillierteren Prüfung der be­sonderen
Widersprüche der kapitali­stischen Gesellschaft schreiten. Auch hier trug die
in den ÖPM enthaltene Kritik an der bürgerli­chen Ökonomie viel zum Fun­dament
bei, auf das Marx immer und im­mer wieder zurück­griff. Aber mit der Entwicklung
des Kon­zeptes des Mehrwer­tes war ein entscheiden­der Schritt getan, der es
möglich machte, die Entlarvung der kapitalistischen Entfremdung mit den trif­tigsten
ökonomischen Tatsachen, mit dem Einmaleins der täglichen Ausbeu­tung zu un­termauern.
Dieses Konzept be­schäftigte Marx natürlich in vielen seiner späteren Werke
(Grundrisse, Das Kapital,  Theo­rien
über  Mehrwert), welche wich­tige Klärungen
zum Thema beinhalteten - ins­besondere die Unter­scheidung zwischen Arbeit und
Arbeitskraft. Nichtsdestotrotz waren die wesentlichen Punkte des Konzep­tes
bereits in "Das Elend der Philo­sophie" und in "Lohnarbeit und
Kapital" 1847 geschrie­ben, umrissen worden.
Die späteren Schriften sollten auch das Ver­hältnis zwischen
der Gewinnung und Realisie­rung von Mehrwert und den periodi­schen
Überproduktionskrisen, die die kapi­talistische Gesellschaft von ihrer Gründung
an alle zehn Jahre durchschüt­telten, gründli­cher studieren. Aber Engels hatte
bereits 1844 in seiner Kritik der poli­tischen Ökono­mie die Bedeutung der
"kommerziellen Kri­sen" begriffen und Marx sogleich von der
Notwendigkeit überzeugt, sie als Vorboten des kapitalisti­schen Untergangs zu
begreifen - als kon­krete Manifestationen der unlösba­ren Wi­dersprüche des
Kapitalis­mus.

 Das
Programm in Arbeit: Die Gründung des Bundes der Kommunisten

Nachdem der Kommunismus nun als eine Be­wegung -
insbesondere als Bewegung des proletarischen Klassenkampfes - und nicht mehr
nur als ein Ziel begriffen wurde, konnte er sich nur noch als prakti­sches Pro­gramm
zur Befreiung der Arbeit, als ein re­volutionäres politisches Pro­gramm entfalten.
Schon bevor er sich for­mell eine kommuni­stische Position an­eignete, hatte
Marx all jene hochgeistigen "Kritiker" abgelehnt, die sich
weigerten,   ihre Hände an den schmud­deligen
Realitä­ten des politischen Kampfes schmutzig zu machen. Wie er in seinem Brief
an Ruge im September 1843 erklärte: "Es
hindert uns also nichts, unsre Kritik an die Kritik der Politik, an die Parteinahme
in der Po­litik, also an wirkliche Kämpfe anzuknüp­fen und mit ihnen zu
identifizieren." (MEW 1 S.345)

Und tatsächlich war die Notwendigkeit, sich an den politischen
Kämpfen zu betei­ligen, um eine durchgreifende soziale Umwälzung zu errei­chen,
in der eigentli­chen Natur der proletari­schen Revolution eingebettet. "Man sage nicht, daß die ge­sellschaftliche
Bewe­gung die politische ausschließt",
schrieb Marx in seiner Pole­mik
gegen den "anti-po­litischen" Proud­hon.

"Es gibt keine
politische Bewegung, die nicht gleichzeitig auch eine gesellschaftli­che wäre.
Nur bei einer Ordnung der Dinge, wo es keine Klassen und keinen Klassengegensatz
gibt, werden die gesell­schaftlichen Evolutio­nen aufhören, politi­sche
Revolutionen zu sein".(Das Elend der Philosophie MEW 4 S.182)

Anders ausgedrückt, unterschied sich das Proletariat von der
Bourgeoisie darin, daß es als besitzlose, ausgebeutete Klasse nicht die
ökonomische Basis einer neuen Gesell­schaft innerhalb der Schale der alten
bilden konnte. Die Revolution, die allen Formen der Klas­senherrschaft ein Ende
bereiten würde, konnte also nur als politischer An­griff gegen die alte Ordnung
begonnen werden; ihr er­ster Akt würde die Erlan­gung der politischen Macht
durch die be­sitzlose Klasse sein, wel­che auf dieser Ba­sis die ökonomischen
und sozialen Um­wälzungen fortsetzen wird, die zu einer klassenlosen
Gesellschaft führen.
Aber das genau definierte politische Pro­gramm der
kommunistischen Revolution fiel nicht vom Himmel: Es mußte von den fort­schrittlichsten
Elementen des Proletari­ats erar­beitet werden, von jenen, die sich selbst in
verschiedenen kommunistischen Gruppen or­ganisiert hatten. So waren in den
Jahren 1845-48 Marx und Engels in steigendem Maße am Aufbau einer solchen
Organisation beteiligt. Auch hier war ihre Vorgehens­weise von ihrer
Anerkennung der Notwen­digkeit diktiert, sich selbst ei­ner bereits exi­stierenden
"realen Be­wegung" anzuschlie­ßen. Statt eine Organisa­tion "aus
dem Nichts" zu kon­struieren, trach­teten sie da­nach, sich mit den fortschrittlich­sten
proleta­rischen Strö­mungen zu verbinden, mit dem Ziel, sie für eine
wissenschaftlichere Kon­zeption des kommunistischen Projekts zu gewin­nen. Dies
führte sie konkret zu einer vor­nehmlich aus emigrierten deutschen Ar­beitern
zusammengesetzten Gruppe, der Bund der Gerechten. Für Marx und Engels lag die
Bedeutung dieser Gruppe in der Tatsache begründet, daß der Bund der Ge­rechten
im Gegensatz zu den vielfältigen Sorten des kleinbürgerlichen
"Sozialismus" ein wirklicher Ausdruck des kämpfenden Proletariats
war. Gegründet in Paris 1836, hatte sie sich mit Blanquis "Société des
Saisons" ("Vereinigung der Jahreszeiten") verbunden und mit ihr
am erfolglosen Auf­stand von 1839 teilgenom­men. Sie war also eine Organisa­tion,
die die Realität des Klassenkrieges und die Notwen­digkeit ei­nes gewaltsamen
revo­lutionären Macht­kampfes anerkannte. Si­cherlich neigte sie wie Blanqui
dazu, die Re­volution in einem verschwörerischen Rah­men zu sehen, als den Akt
einer kleinen Minderheit, und auch ihr ei­gener Charakter als Geheimge­sellschaft
spie­gelte solche Auf­fassungen wider. Auch war sie, besonders in den frühen
1840ern, von den halb-messiani­schen Konzepten Wilhelm Weit­lings beein­flußt.
Aber der Bund hatte auch die Fähigkeit an den Tag gelegt,
sich theoretisch weiterzuentwic­keln. Eine der Auswirkun­gen ihres
"Emigrantenstatus" war ihre Bekräfti­gung als, in Engels Worten,
"erste internationale
Arbeiterbewegung über­haupt
" (MEW, 21, "Zur Geschichte des Bundes
der Kommunisten", S. 207, 1885). Dies bedeutete, daß sie für die wichtig­sten
internationalen Entwicklungen im Klas­senkampf offen war. In den 1840er Jahren
hatte sich  das Hauptzentrum der Liga nach
London verlagert. Und durch ih­ren Kontakt mit der Bewegung der Charti­sten
begannen sich ihre führenden Mitglieder von den alten verschwörerischen Auffassun­gen
weg- und zu einer Betrach­tungsweise hinzubewegen, die den proleta­rischen
Kampf als eine massive, selbstbe­wußte und organi­sierte Bewegung an­erkannte,
in der die Schlüsselrolle von den In­dustriearbeitern ge­spielt werden würde.
Die Konzepte von Marx und Engels fielen somit auf
fruchtbarem Boden, jedoch nicht ohne harte Auseinandersetzungen mit den Ein­flüssen
Blanquis und Weitlings. 1847 war aus dem Bund der Gerechten der Bund der
Kommunisten geworden. Sie hatte ihre Organisati­onsstruktur von der einer konspirativen
Sekte in die einer na­hezu zen­tralisierten Organisa­tion mit klar definierten
Statuten und gewähl­ten Komi­tees umgewan­delt. Und sie hatte Marx mit der Aufgabe
betraut, eine Stellung­nahme zu den politi­schen Prinzipien ihrer Or­ganisation
zu ent­werfen - ein Dokument, das besser bekannt ist als "Das Manifest der
Kom­munistischen Partei" (2), zuerst in Deutschland veröffent­licht, 1848
in Lon­don, kurz vor dem Aus­bruch der Februar-Revolution in Frankreich.

Das
Manifest der Kommunistischen
Partei Aufstieg
und Fall der Bourgeoisie

Das Manifest der Kommunistischen Partei stellt zusammen mit
seiner "ersten Skizze", die Grundsätze des Kommunismus, die er­ste
zusammenhängende Stellungnahme des wis­senschaftlichen Kommunismus dar.
Obwohl  es für ein Massenpublikum und in
einem auf­wühlenden, leidenschaftlichen Stil geschrie­ben worden ist, ist es an
kei­ner Stelle vulgär oder oberflächlich. Tatsächlich eignet es sich als
ständiges Nachschlagewerk, weil es auf ver­hältnismäßig wenigen Seiten die
allge­meinen Aussagen der marxistischen Idee in einer gan­zen Reihe von
miteinander ver­knüpften Fra­gen kristallisiert.
Der erste Teil des Textes befaßt sich mit der neuen
Geschichtstheorie, eingeleitet mit dem berühmten Satz "Die Geschichte
aller bisheri­gen Gesellschaft ist die von Klassen­kämpfen" (3). Es
umreißt kurz den vielfälti­gen Wandel in den Klassenverhält­nissen, die
Entwicklung von der antiken über die feu­dale zur kapitali­stischen Ge­sellschaft,
um darauf hinzuweisen, daß "die
moderne Bour­geoisie selbst das Pro­dukt eines langen Ent­wicklungsganges, ei­ner
Reihe von Umwäl­zungen in der Pro­duktions- und Verkehrs­weise ist".

(MEW 4 S.464). Der Text vermeidet jede ab­strakte, moralische Verurteilung der
Aus­wüchse kapitalistischer Ausbeutung und be­tont die eminent revolutionäre
Rolle der Bour­geoisie, die all die beschränkten, engstir­nigen Gesellschaftsformen
hinweg­fegte und sie durch eine bisher unerreichte dy­namische und expansive
Produktionsweise ersetzte; eine Produktionsweise, die durch ihre derart
schnelle Eroberung und Verein­heitlichung des Globus und durch die Entfes­selung
solch im­menser Produktiv­kräfte das Fundament für eine Gesellschaft legte, die
endgültig die Klas­senantagonismen überwin­den wird. Einer­seits gilt für die
ökonomische Krise:

"... die mo­derne
bürgerliche Gesellschaft, die so gewal­tige Produktions- und Verkehrs­mittel
hervor­gezaubert hat, gleicht dem He­xenmeister, der die unterirdischen
Gewalten nicht mehr zu be­herrschen ver­mag, die er heraufbeschwor. Seit Dezen­nien
ist die Ge­schichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Empö­rung
der modernen Produktivkräfte gegen die mo­dernen Pro­duktionsverhältnisse, ge­gen
die Ei­gentumsverhältnisse, welche die Lebensbedin­gungen der Bourgeoisie und
ih­rer Herrschaft sind. Es genügt, die Han­delskrisen zu nennen, welche in
ihrer peri­odischen Wiederkehr im­mer drohender die Existenz der ganzen bür­gerlichen
Gesell­schaft in Frage stellen. In den Handelskri­sen wird ein großer Teil
nicht nur der er­zeugten Produkte, sondern der bereits ge­schaffenen Produktivkräfte
regelmäßig ver­nichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaft­liche Epi­demie
aus, welche al­len früheren Epochen als ein Widersinn er­schienen wäre - die
Epi­demie der Über­produktion. Die Gesell­schaft findet sich plötzlich in einen
Zustand mo­mentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner
Vernichtungs­krieg schei­nen ihr alle Lebensmittel abge­schnitten zu haben; die
Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum ? Weil sie zu­viel Zi­vilisation,
zuviel Lebensmittel, zuviel Indu­strie, zuviel Handel besitzt".
(MEW
4 S.467f). In den Grundsätzen des Kommu­nismus wird gesagt, daß die dem Kapita­lismus
innewoh­nende Tendenz zur Über­produktionskrise nicht allein die Richtung zu
seiner Zerstö­rung angibt, sondern auch erklärt, warum sie die Bedingungen für
den Kommunismus schafft, in dem die Überproduktion, "statt Elend her­beizuführen, ... über die nächsten Bedürf­nisse
hinaus die Befriedigung der Be­dürfnisse aller sicherstellen
(wird)".(Grundsätze MEW 4 S.375)

Im Manifest sind die Überproduktionskri­sen natürlich  zyklische Krisen, die die ge­samte Periode
des Aufstiegs den Kapita­lismus be­gleiten. Aber obgleich der Text feststellt,
daß diese Krisen immer noch "durch die Erobe­rung neuer Märkte und die
gründlichere Aus­beutung alter Märkte" überwunden wer­den konnten, neigt
er zu der Schlußfolge­rung, daß die bürgerlichen Verhältnisse be­reits zu einer
dauerhaften Fessel in der Ent­wicklung der Produktiv­kräfte geworden wa­ren -
mit anderen Worten, daß der Kapita­lismus seine histori­sche Mission bereits er­füllt
hatte und in die Epoche seines Zerfalls eingetreten war. Un­mittelbar nach den
Zei­len, die die periodi­schen Krisen beschreiben, fährt der Text fort: "Die Produktivkräfte, die ihr zur
Verfügung stehen,  dienen nicht mehr zur
Beförderung der bürgerlichen Eigen­tumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu
gewaltig für diese Ver­hältnisse geworden, sie werden von ihnen ge­hemmt ...
Die bürgerli­chen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten
Reichtum zu fas­sen".(Manifest MEW 4 S.468)

Diese Einschätzung des Zustands der bürger­lichen
Gesellschaft steht nicht in Einklang mit anderen Formulierungen im Manifest,
insbe­sondere nicht mit den takti­schen Ausführun­gen, die zum Schluß des
Textes erscheinen. Aber sie sollten einen wichtigen Einfluß auf die Erwartungen
und Interven­tionen der kom­munistischen Min­derheit wäh­rend der großen
Aufstände 1848 ausüben, die als Vorboten der nahe bevorstehenden proletarischen
Revolu­tion angesehen wur­den. Nur wenig später soll­ten Marx und En­gels bei
dem Entwurf ei­ner Bilanz dieser Aufstände die Idee revidie­ren, der Kapita­lismus
hätte bereits die Gren­zen seines Auf­stiegs erreicht. Wir werden auf diesen
Punkt in einem nachfol­genden Artikel zurückkom­men. 

 Die
Totengräber des Kapitalismus

"Aber die Bourgeoisie
hat nicht nur die Waf­fen geschmiedet, die ihr den Tod brin­gen; sie hat auch
die Männer gezeugt, die diese Waf­fen führen - die modernen Ar­beiter, die Pro­letarier".(Manifest
MEW 4 S.468)

Hier wird in knapper Form auf den zwei­ten grundsätzlichen
Widerspruch hinge­wiesen, der zur Überwindung der kapitali­stischen Gesell­schaft
führt: der Wider­spruch zwi­schen Arbeit und Kapital. Und getreu der
materialistischen Analyse der Antriebskräfte der bürgerlichen Gesell­schaft
fährt das Mani­fest fort, die histo­rische Entwicklung des proletarischen Klas­senkampfes
von seinen ersten unvoll­ständigen Anfängen über die Gegenwart bis hin zur Zu­kunft
zu umreißen.
Es führt Buch über alle Hauptebenen die­ses Prozesses: die
anfänglichen "Maschinenstürmer" als Antwort auf die em­porstrebende
moderne Industrie, als Arbeiter noch hauptsächlich in kleinen Werkstätten tä­tig
waren und noch häufig "ihre Angriffe
nicht gegen die bürgerlichen Produktionsverhält­nisse (richten), sie richten
sie gegen die Pro­duktionsinstrumente selbst"
; (Manifest MEW S.470)die
Entwicklung von Klassenorgani­sationen zur Verteidigung der unmittelbaren
Arbeiterinteressen (Gewerkschaften) und als Mittel zur Homoge­nisierung und
Vereini­gung der Klasse; die Teilnahme der Arbeiter an den bürgerlichen Kämpfen
gegen den Ab­solutismus, was für eine politische Erzie­hung des Proletariats
und somit für "Waffen gegen sie selbst (die Bour­geoisie)"  sorgte; die Entwicklung eines spezi­fisch
proletarischen politischen Kampfes, der zunächst um das Behelfs­mittel der Reformen
wie die der Zehnstun­denbill gefochten wurde, aber all­mählich die Form einer
politischen Heraus­forderung der eigentlichen Fundamente der bürgerlichen Gesellschaft
annahm.
Das Manifest stellt die Behauptung auf, daß die
revolutionäre Situation eintreten wird, so­bald die ökonomischen Wider­sprüche
des Ka­pitalismus einen Zustand der Lähmung er­reicht haben, wo die Bourgeoisie
nicht ein­mal mehr fähig ist, "ihrem
Sklaven die Exi­stenz selbst inner­halb seiner Sklaverei zu si­chern, weil sie
gezwungen ist, ihn in eine Lage her­absinken zu lassen, wo sie ihn er­nähren
muß, statt von ihm ernährt zu wer­den".
(ebenda S.473)Gleichzeitig
faßt der Text eine wach­sende Polarisierung der Gesell­schaft ins Auge,
zwischen einer kleinen Minderheit von Ausbeutern und einer zu­nehmend ver­armenden
proletarischen Mehrheit: "Die ganze
Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindli­che Lager, in
zwei große, einander direkt gegenüber stehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat."
(ebenda S.463)
, da die Entwicklung des Kapitalismus in stei­gendem Maße das
Kleinbürgertum, die Bau­ernschaft und selbst Teile der Bour­geoisie in die
Reihen des Proletariats treibt. Die Re­volution ist daher das Resul­tat dieser
Kombi­nation von Wirtschaftse­lend und sozialer Pola­risierung.
Noch einmal, das Manifest erweckt manchmal den Anschein, als
ob diese große Vereinfa­chung der Gesellschaft be­reits vollzogen ge­wesen sei;
als ob das Proletariat bereits die überwiegende Mehr­heit der Be­völkerung sei.
Tatsächlich war dies lediglich für ein Land (Großbritannien) der Fall, als
dieser Text ge­schrieben wurde. Und da der Text, wie wir gesehen haben, Anlaß
zu dem Ein­druck gibt, der Kapitalismus hätte bereits seinen Scheitel­punkt
erreicht, neigt er dazu, den Eindruck zu erwecken, daß die ent­scheidende
Konfronta­tion zwischen den "beiden großen Klassen" tatsächlich sehr
nahe sei. Betrachtet man die tatsächliche Evolution des Kapitalismus, so war
dies alles andere als der Fall. Aber trotz­dem ist das Manifest ein
außergewöhnlich "prophetisches" Werk. Nur einige Monate nach seiner
Veröffentlichung hatte die Ent­wicklung der Weltwirtschaftskrise eine Reihe von
revolutionären Aufständen überall in Eu­ropa hervorgerufen. Und ob­wohl viele
dieser Bewegungen eher der letzte Atemzug im Kampf der Bourgeoisie gegen den
Feudalab­solutismus als die er­sten 
Gefechte der proleta­rischen Revolu­tion waren, demon­strierte das Proletariat
von Paris mit seinem eigenen poli­tischen Aufstand gegen die Bourgeoisie prak­tisch
alle Argumente des Manifestes über die revolutionäre Natur der Arbeiterklasse
als le­bendige Verneinung der kapitalistischen Ge­sellschaft. Der
"prophetische" Charak­ter des Manifestes ist Zeuge für die grund­sätzliche
Folgerichtigkeit nicht so sehr der unmittelba­ren Prognosen von Marx und
Engels, sondern der allgemei­nen histori­schen Methode, mit der sie die soziale
Wirklichkeit analysierten. Und des­halb ist das Kommunistische Manifest ent­gegen
all der arroganten Behauptungen der Bour­geoisie, wonach die Geschichte Marx
als falsch überführt hätte, in seinem Kern nicht überholt.

Von
der Diktatur des Proletariats zum Absterben des Staates

Das Manifest erwartete somit, daß das Prole­tariat durch die
Peitsche der wach­senden wirt­schaftlichen Verelendung zur Revolution ge­drängt
wird. Wie wir er­wähnt haben, ist der erste Akt der Revolu­tion die Ergreifung
der politischen Macht durch das Proletariat. Das Proletariat muß sich selbst
als herr­schende Klasse konsti­tuieren, um seine so­zialen und ökonomi­schen Programme
durch­zuführen.
Das Manifest faßt diese Revolution aus­schließlich als
"gewaltsamen Sturz der Bour­geoisie" auf, als den Höhepunkt eines
"mehr oder minder verdeckten Bürger­kriegs". Es war unvermeidbar, daß
die Details des We­ges, auf dem die Arbeiter­klasse die Bour­geoisie überwinden
wird, relativ vage blie­ben, wurde der Text doch vor dem ersten of­fenen Auftre­ten
der Klasse als unabhängige Kraft geschrie­ben. Der Text spricht tatsäch­lich
von einem Proletariat, das "die Erkämp­fung der Demo­kratie" anstreben
wird; die Grund­sätze sagen, daß die Revolution "eine de­mokratische Staatsverfassung
und damit direkt oder indi­rekt die politische Herr­schaft des Proletariats herstellen"
wird. Wenn wir einige von Marx' Schriften über die Charti­sten oder über die
bürgerliche Republik be­trachten, erfahren 
wir, daß er selbst nach  der Erfahrung
von 1848 immer noch die Möglichkeit einer pro­letarischen Mach­tergreifung
durch das allge­meine Wahlrecht und den parlamenta­rischen Prozeß in Erwä­gung
zog (z.B. in seinem Arti­kel über die Chartisten in The New York Daily Tribune
vom 25.August 1852, in dem Marx die Be­hauptung auf­stellte, daß die Ge­währung
des Wahlrechts in England  die politische
Vorherrschaft des Proletariats bedeuten würde. Dies öff­nete seinerzeit
zumindest in einigen Län­dern Tür und Tor für Spekulationen über eine ins­gesamt
fried­liche Machtergreifung . Wie wir sehen wer­den, wurden diese Spekulationen
später von den Pazifisten und Reformisten in der Ar­beiterbewegung in der
zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts aufgegriffen, um sämtli­che Arten der
ideologischen Freiheit zu recht­fertigen. Nichtsdestotrotz gingen Marx' we­sentliche
Gedanken nach der Erfahrung von 1848 und vor allem nach der Erfahrung der Pa­riser
Kommune 1871 in eine andere Rich­tung, die die Notwendigkeit für das Proleta­riat
aufzeigte, seine eigenen politi­schen Machtor­gane zu bilden und den bür­gerlichen
Staat zu zerstören statt ihn zu übernehmen, ob 
"demokratisch" oder ge­waltsam. Tatsächlich war dies in
Engels' späteren Ein­führungen zum Manifest die wichtigste Än­derung, die hi­storische
Er­fahrung in das kommunistische Programm eingebracht hat: "... gegenüber den prakti­schen Erfahrungen, zuerst der Februarre­volution
und noch weit mehr der Pariser Kommune, wo das Proleta­riat zum ersten­mal zwei
Monate lang die poli­tische Ge­walt innehatte, ist heute dies Pro­gramm
stellenweise veraltet. Namentlich hat die Kommune den Beweis geliefert, daß
'die Arbeiterklasse nicht die fertige Staats­maschine einfach in Besitz nehmen
und sie für ihre ei­genen Zwecke in Bewegung set­zen kann'".(Vorwort zum
Manifest von 1872 MEW 18 S.95)

Was aber gültig bleibt vom Manifest, ist die Bestätigung der
gewalttätigen Natur der Machtergreifung und der Notwendig­keit für die
Arbeiterklasse, ihre eigene po­litische Herrschaft auszuüben - die
"Diktatur des Pro­letariats", worauf sich andere Schriften aus
derselben Periode be­zogen.
Von gleicher Gültigkeit bis zum heutigen Tag ist die
Aussicht auf das Absterben des Staates. Von seinen ersten kommunisti­schen
Schriften an  hat Marx betont, daß sich
die wirkliche Befreiung der Mensch­heit nicht nur auf den politischen Bereich
beschränken kann. "Politische Befreiung" war die höchste Errun­genschaft
der bür­gerlichen Revolution, aber für das Proleta­riat konnte diese
"Befreiung" nur eine neue Form der Unter­drückung be­deuten. Für die
ausgebeutete Klasse war die Politik nur Mittel zum Zweck - die kompro­mißlose
soziale Befreiung. Staat und politi­sche Macht waren nur in einer Klassenge­sellschaft
notwendig; da das Pro­letariat kein Interesse daran hat, sich selbst in eine
neue ausbeutende Klasse zu verwan­deln, sondern gezwungen ist, für die Ab­schaffung
aller Klassentrennungen zu kämp­fen, folgt daraus, daß die Machter­greifung des
Kommunismus das Ende der Po­litik als abgesonderter Bereich und das Ende des
Staates bedeutet. Oder mit den Worten des Manifestes:

"Sind im Laufe der
Entwicklung die Klassen­unterschiede verschwunden und ist alle Pro­duktion in
den Händen der assozi­ierten Indi­viduen konzentriert, so verliert die öffent­liche
Gewalt den politischen Cha­rakter. Die politi­sche Gewalt im eigentli­chen Sinn
ist die or­ganisierte Gewalt einer Klasse zur Unter­drückung einer andern. Wenn
das Proleta­riat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich not­wendig zur Klasse
vereint, durch eine Revo­lution sich zur herrschenden Klasse macht und als herr­schende
Klasse gewaltsam die alten Pro­duktionsverhältnisse aufhebt, so hebt es mit
diesen Produktionsverhältnissen die Exi­stenzbedingungen des Klassengegen­satzes,
die Klassen überhaupt, und damit seine ei­gene Herrschaft als Klasse
auf".(Manifest MEW 4 S.482) 

Der
internationale Charakter der proletarischen Revolution

Die Formulierung "assoziierte Individuen"  wirft eine Frage auf: Hielt das Manifest eine
Revolution oder gar den Kommunis­mus in ei­nem einzelnen Land für möglich ? Es
trifft si­cherlich zu, daß es hier und da im Text dop­peldeutige Formulierungen
gibt, zum Beispiel wenn er sagt:  "Indem das Proleta­riat zunächst sich
die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich
selbst als Na­tion kon­stituieren muß, ist es selbst noch na­tional, wenn auch
keines­wegs im Sinne der Bour­geoisie"
.(Manifest MEW 4 S.479) Tatsächlich
hat aber die bittere historische Wahrheit gezeigt, daß es nur eine bürgerli­che
Bedeutung für den Begriff "national" gibt und das Proletariat
seinerseits die Verneinung aller Nationen ist. Dies ist je­doch vor allem die
Erfahrung der dekaden­ten Epoche des Kapitalismus, in der Nationalis­mus und
die Kriege um die Klein­staaterei ih­ren fortschrittlichen Cha­rakter verloren
haben, den sie zu Marx' Lebzeiten noch besaßen, als das Proletariat  bestimmte nationale Bewegun­gen als Teil des
Kampfes gegen den Feudalab­solutismus und andere reaktionäre Überbleib­sel aus
der Vergangen­heit unter­stützen konnte. Im allgemeinen wa­ren sich Marx und
Engels klar darüber, daß solche Bewegungen bürger­lich in ihrer Natur wa­ren.
Dennoch schlichen sich unvermeid­lich Zweideutigkeiten in ihre Sprache und in ihr
Denken , da dies eine Peri­ode war,  in
der die Unvereinbarkeit der na­tionalen mit den 
Klasseninteressen noch nicht in den Köpfen eingegangen war.
Nachdem dies gesagt ist, sollte
auch er­wähnt werden, daß das Wesen des Mani­festes nicht im o.g. Zitat
enthalten ist, son­dern in den Sät­zen unmittelbar zuvor: "Die Arbeiter ha­ben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht neh­men,
was sie nicht haben"
, (MEW 4 S.479) und in den letzten Worten des
Textes "Proletarier aller Länder,
ver­einigt euch!".
(MEW 4 S.493) Gleicher­maßen be­steht das Manifest
darauf, daß die "vereinigte Aktion,
wenigstens der zivilisier­ten Länder,... eine der ersten Be­dingungen seiner
Befreiung" (MEW 4 S.479) ist.

Die Grundsätze äußern sich weit ausdrückli­cher dazu:
"F(rage): Wird diese
Revolution in einem ein­zigen Lande allein vor sich gehen kön­nen?
A(ntwort): Nein. Die große
Industrie hat schon dadurch, daß sie den Weltmarkt ge­schaffen hat, alle Völker
der Erde, und na­mentlich die zivilisierten, in eine solche Ver­bindung miteinander
gebracht, daß je­des ein­zelne Volk davon abhängig ist, was bei einem andern
geschieht. Sie hat ferner in allen zivili­sierten Ländern die gesellschaftli­che
Ent­wicklung so weit gleich gemacht, daß in allen diesen Län­dern Bourgeoisie
und Proletariat die bei­den entscheidenden Klas­sen der Gesell­schaft, der
Kampf zwischen beiden der Hauptkampf des Tages geworden. Die kom­munistische
Revolution wird daher keine bloße nationale, sie wird eine in al­len
zivilisierten Ländern, d.h. wenigstens in England, Ame­rika, Frankreich und
Deutschland gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein .... Sie ist eine
universelle Revolution und wird daher auch ein univer­selles Terrain
haben".(MEW 4 S.374f)

Von Beginn wurde die proletarische Revolu­tion als eine
internationale Revolu­tion angese­hen. Der Gedanke, daß der Kommu­nismus oder
selbst die revolutio­näre Mach­tergreifung innerhalb der Gren­zen eines ein­zelnen
Landes Wirklichkeit wird, lag Marx und Engels so fern wie den Bolschewiki, die
die Oktoberre­volution 1917 anführten, und den internatio­nalistischen
Fraktionen, die den Wider­stand gegen die stalinistische Konterrevo­lution lei­teten,
welche sich genau in jener monströsen Theorie des "Sozialismus in einem
Land" einigelten.

Kommunismus
und der Weg dahin

Wie wir in früheren Artikeln gesehen ha­ben, war sich die
marxistische Strömung von An­beginn klar über die Gestalt einer völlig ent­wickelten
kommunistischen Ge­sellschaft, für die sie kämpfte. Das Mani­fest definierte
sie knapp aber deutlich in dem Abschnitt, der dem über das Abster­ben des
Staates folgt: "An die Stelle der
alten bürgerlichen Gesell­schaft mit ihren Klassen und Klassengegen­sätzen
tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung
für die freie Ent­wicklung aller ist"
. (MEW 4 S.482) Der Kom­munismus
wird also nicht nur eine Gesell­schaft ohne Klassen und Staat sein: er wird
auch eine Gesellschaft sein (und dies ist bei­spiellos in der gesamten Menschheitsge­schichte
bis heute), in der der Konflikt zwi­schen sozialen Bedürfnis­sen und den Be­dürfnissen
des Individuums überwun­den sein wird, und die 
ihre Reichtümer be­wußt der unbegrenzten Ent­faltung aller ihrer Mitglie­der
widmen wird - all dies deutlich ein Echo, das von den Überlegungen über das
Wesen wirklich freien Handelns in den Schriften von 1844 und 1845 ausging. Die
Textpassa­gen im Manifest, die sich mit den bürgerli­chen Ein­wänden gegen den
Kommunismus be­fassen, machen auch deutlich, daß der Kommunismus   das Ende nicht nur der Lohnarbeit, sondern aller
Formen des Kau­fens und Verkaufens be­deutet. Der gleiche Abschnitt beharrt darauf,
daß die bürgerliche Familie, die als eine Form le­galisierter Pro­stitution
charakterisiert wird, ebenfalls dazu verdammt ist zu verschwin­den.
Die Grundsätze des Kommunismus räumen weiteren Aspekten der
neuen Gesellschaft mehr Platz ein als das Manifest. Zum Bei­spiel heben sie
hervor, daß der Kommunis­mus die Anarchie der Marktkräfte durch das Manage­ment
der Produktivkräfte der Menschheit "nach
einem aus den vorhan­denen Mitteln und den Bedürfnissen der ganzen Gesellschaft
sich ergebenden Plan
" ersetzen wird. Gleichzeitig greift der Text das
Thema auf, daß die Ab­schaffung der Klassen in Zukunft möglich sein wird, da
der Kommunismus eine Gesellschaft des Über­flusses ist: "... wird der Ackerbau, der auch durch den Druck des Privateigen­tums
und der Parzellierung daran verhin­dert wird, sich die schon gemachten Verbesserun­gen
und wissenschaftlichen Entwicklungen an­zueignen, einen ganz neuen Aufschwung
nehmen und der Gesell­schaft eine vollständig hinreichende Menge von Produkten
zur Ver­fügung stellen. Auf diese Weise wird die Ge­sellschaft Produkte genug
hervorbringen, um die Verteilung so einrichten zu können, daß die Bedürfnisse
aller Mitglieder befriedigt werden. Die Trennung der Gesellschaft in
verschiedene, einander entgegengesetzte Klas­sen wird hiermit überflüssig".(MEW
4 S.375)

Noch einmal: Wenn der Kommunismus der "freien Entwicklung aller" gewidmet
ist, dann muß es sich um eine Gesellschaft han­deln, die sich der
Arbeitsteilung, wie wir sie heute ken­nen, entledigt hat: "Der gemein­same Betrieb der Produktion kann nicht durch Menschen
geschehen wie die heutigen, deren jeder einem einzigen Pro­duktionszweig
untergeordnet, an ihn ge­kettet, von ihm aus­gebeutet ist, deren jeder nur eine
seiner An­lagen auf Kosten aller anderen entwickelt hat, ... Die gemeinsam und
planmäßig von der ganzen Gesell­schaft betrie­bene Industrie setzt vollends Menschen
vor­aus, deren Anla­gen nach al­len Seiten hin ent­wickelt sind, die imstande
sind, das gesamte System der Pro­duktion zu überschauen" (Grundsätze des
Kommu­nismus MEW 4 S.376).

Eine andere entbehrliche Trennung ist die zwischen Stadt und
Land: "Die Zersplitte­rung der
ackerbauenden Bevölkerung auf dem Lande, neben der Zusammendrängung der in­dustriellen
in den großen Städten, ist ein Zu­stand, der nur einer noch unterentwic­kelten
Stufe des Ackerbaues und der Indu­strie ent­spricht, ein Hindernis aller weiteren
Entwick­lung, das schon jetzt sehr fühlbar wird".(ebenda S.376f)

Dieser Punkt wurde als so wichtig erach­tet, daß die
Aufhebung der Trennung zwi­schen Stadt und Land faktisch zu den "Übergangs"maßnahmen
zum Kommunis­mus gezählt wurde, sowohl in den Grundsät­zen als auch im
Manifest. Und sie bleibt auch in der heutigen Welt der aufge­blähten Megastädte
und sich immer mehr verschärfender Umweltver­schmutzung eine Frage von größter
Wichtigkeit. (Wir wer­den in einem späteren Artikel auf diese Frage de­taillierter
zurück­kommen, wenn wir darauf zu sprechen kom­men, wie sich die kommu­nistische
Revolution gegenüber der "ökologischen Krise" verhalten wird).
Diese allgemeinen Beschreibungen der zu­künftigen
kommunistischen Gesellschaft ste­hen in Kontinuität mit denen, die in Marx'
frühen Schriften enthalten sind, und sie bedür­fen heute nur wenig oder keiner­lei
Modifizie­rung. Im Gegenteil dazu wa­ren - wie Marx und Engels selbst zu ihren
Leb­zeiten erkann­ten - die spezifischen so­zialen und ökonomi­schen Maßnahmen,
die im Ma­nifest als Maß­nahmen zur Erlan­gung dieser Ziele befürwor­tet
werden,  aus zwei funda­mentalen und mit­einander
ver­knüpften Gründen sehr viel zeit­gebundener:
-  die Tatsache, daß
der Kapitalismus zu je­ner Zeit, als das Manifest geschrieben wurde, noch im
Aufstieg begriffen war und noch nicht alle objektiven Bedingun­gen für die
kommuni­stische Revolution ge­schaffen hatte;
-  die Tatsache, daß
die Arbeiterklasse noch keine konkreten Erfahrungen mit ei­ner revo­lutionären
Situation und somit we­der mit den Mitteln, mit denen sie die po­litische Macht
er­ringen konnte, noch mit den ersten sozia­len und ökonomischen Maßnahmen
gemacht hatte, die sie, einmal an der Macht, ergreifen muß.
Dies sind die Maßnahmen, die das Mani­fest als "ziemlich allgemein in Anwendung kom­men(d)"
erachtete, wenn das Proleta­riat die Macht übernommen hat:
"1. Expropriation des
Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staats­ausgaben.
2.  Starke Progressivsteuer.
3.  Abschaffung des Erbrechts.
4.  Konfiskation des Eigentums aller Emi­granten
und Rebellen.
5.  Zentralisation des Kredits in den Hän­den des
Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Mono­pol.
6.  Zentralisation des Transportwe­sens in den
Händen des Staats.
7.  Vermehrung der Nationalfabriken, Pro­duktionsinstrumente,
Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem ge­meinschaftlichen
Plan.
8.  Gleicher Arbeitszwang für alle, Errich­tung
industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau.
9.  Vereinigung des Betriebs von Ac­kerbau und
Industrie, Hinwirken auf die all­mähliche Beseitigung des Unterschieds von
Stadt und Land.
10.  Öffentliche und unentgeltliche Er­ziehung
aller Kinder. Beseitigung der Fabrik­arbeit der Kinder in ihrer heutigen Form.
Ver­einigung der Erziehung mit der materiellen Produktion usw." (MEW 4
S.481f)
Es ist offensichtlich , daß die Mehrheit die­ser Maßnahmen
sich in der dekadenten Peri­ode  als mit
dem überlebten Kapitalis­mus ver­einbar erwiesen haben - ja daß viele von ihnen
vom Kapital angewendet worden sind, genau um in dieser Epoche zu überleben. Die
deka­dente Periode ist die Periode des allgegenwär­tigen Staatska­pitalismus:
die Zentralisierung der verfüg­baren Gelder, der Budgets in den Händen des
Staates, die Bil­dung von hochtechni­sierten Armeen, die Nationalisierung von
Transport und Kom­munikation, unentgelt­liche Erziehung an staatlichen Schulen
.... in einem größeren oder kleineren Umfang haben alle Staaten, je­der zu
seiner Zeit, diese Maßnahmen seit 1914 ergriffen, und die stalinistischen Regi­mes,
die für sich die Ausführung des Pro­gramms des Kommu­nistischen Manifestes
beanspruchten, ha­ben praktisch alle angewen­det.
Die Stalinisten begründeten ihre "marxistischen"
Referenzen zum Teil mit der Tatsache, daß sie viele der im Manifest be­fürworteten
Maßnahmen in die Praxis umge­setzt haben. Auch die Anarchisten betonen ih­rerseits
diese Kontinuität, wenn auch in ei­nem völlig negativen Sinn natür­lich, und
sie greifen gern auf einige "prophetische" Schmähschrif­ten Bakunins
zurück, um zu beweisen, daß Stalin der logische Erbe von Marx ist.

Tatsächlich ist diese Blickweise jedoch voll­kommen
oberflächlich und dient ledig­lich dazu, besondere bourgeoise Verhaltenswei­sen
zu rechtfertigen. Bevor wir nun erklären, warum die sozialen und ökonomischen
Maß­nahmen, die im Mani­fest vorgestellt wurden, im allgemeinen nicht mehr
anwendbar sind, sollten wir die Gültigkeit der Methode, die da­hinter steht,
betonen.

Die
Notwendigkeit einer Übergangsperi­ode

Solche tief in der kapitalistischen Gesell­schaft
verwurzelten Elemente wie Lohnar­beit, Klas­senspaltung und Staat können nicht
über Nacht abgeschafft wer­den, wie die An­archisten aus den Tagen Marx' vorgaben
und wie ihre spä­teren Nachfolger (die vielen Sorten von Räte­kommunisten und
Moderni­sten) immer noch vorgeben. Der Kapitalis­mus hat das Potential für den
Reichtum ge­schaffen, aber das bedeu­tet nicht, daß der Reichtum wie  durch ein Wunder einen Tag nach der
Revolution da ist. Im Gegen­teil, die Re­volution ist eine Antwort auf die
tiefge­hende Desorganisation in der Ge­sellschaft, und sie wird zumindest
anfangs da­hin ten­dieren, diese Desorganisation wei­ter zu verschärfen. Eine
immense Arbeit des Wie­deraufbaus, der Erziehung und Reorga­nisation wartet auf
das siegreiche Proletariat. Hun­derte, tausende von tief verwurzelten Ge­wohnheiten,
der ganze ideologische Schutt der alten Welt müssen ausgemerzt werden. Die Aufgabe
ist un­ermeßlich und unvorhersehbar, und die Gaukler von So­fortlösungen sind
Gaukler von Illusionen. Daher hat das Mani­fest recht, wenn es über die Notwendigkeit
für das siegreiche Proleta­riat spricht, "die Masse der Produktions­kräfte möglichst rasch zu ver­mehren",
und dies anfangs mit den Mitteln "despotischer
Eingriffe in das Eigentumsrecht und in die bürgerlichen Produktionsverhält­nisse,
durch Maßregeln also, die ökonomisch unzurei­chend und unhaltbar erscheinen,
die aber im Lauf der Bewegung über sich selbst hinaus­treiben und als Mittel
zur Umwälzung der ganzen Produktionsweise unvermeidlich sind".

(Manifest MEW 4 S.481) Diese allgemeine Vision von einem Proletariat, das eine
Dy­namik zum Kommu­nismus in Gang setzt, statt ihn per Dekret ein­zuführen,
trifft vollkommen zu, auch wenn wir heute mit dem Vorteil der nach­träglichen
Einsicht feststellen können, daß diese Dyna­mik nicht aus der Übereignung der
Kapitalak­kumulation in staatliche Hand herrührt, son­dern aus dem
selbst-organisier­ten Pro­letariat, das die eigentlichen Prinzi­pien der
Kapitalak­kumulation aufhebt (z.B. durch die Unterord­nung der Produktion un­ter
die Konsumption; durch "despotische Ein­griffe" in die Waren­wirtschaft
und in die Form der Lohnarbeit; durch die direkte Kontrolle des Produktions­apparates
durch das Proletariat, etc.).

Das
Prinzip der Zentralisierung

Im Gegen­satz zu den Anarchisten, deren Ein­treten für den
"Förderalismus" den klein­bürgerlichen Loka­lismus und Individualis­mus
dieser Strömung widerspiegelte, hat der Marxismus immer dar­auf bestanden, daß
das kapitalisti­sche Chaos und die Kon­kurrenz nur durch die strikteste Zentrali­sierung
auf globaler Ebene überwun­den werden kann - die Zen­tralisierung der Pro­duktivkräfte
durch das Proletariat, die Zentralisierung der ureigen­sten
politisch-ökonmischen Organe des Pro­letariats. Die Er­fahrung hat deutlich
gezeigt, daß sich diese Zentralisierung sehr stark von der bürokrati­schen
Zentralisierung des kapi­talistischen Staates unterscheiden muß; auch dem
Zentra­lismus des nachrevolutio­nären Staates muß das Proletariat gegen­über mißtrauisch
sein. Der kapitalistische Staatsapparat kann nicht ge­stürzt werden, und auch
die konterrevolutio­nären Ten­denzen können nicht aufgehalten werden, solange
das Proletariat  seine eige­nen Kräfte
nicht zentrali­siert hat. Hier erneut bleibt die allgemeine Annäherung des Mani­festes
auch heute gültig.

Die
Grenzen der Geschichte

Während, wie Engels in seiner Einführung in die Ausgabe von
1872 sagte, nichtsde­stotrotz "die
in diesem 'Manifest' entwic­kelten allge­meinen Grundsätze ... im gan­zen und
großen auch heute noch ihre volle Richtigkeit (behalten) ...., (wird) die prak­tische
Anwen­dung dieser Grundsätze, er­klärt das 'Manifest' selbst, ... überall und
jederzeit von den ge­schichtlich vorliegen­den Umstän­den abhän­gen, und wird
des­halb durchaus kein beson­deres Gewicht auf die am Ende von Abschnitt II
vorge­schlagenen revolutio­nären Maßregeln ge­legt. Dieser Passus würde heute
in vieler Beziehung anders lau­ten". (MEW 18 S.95)

Er erwähnt dabei die "immense
Fortent­wicklung der großen In­dustrie"
und, wie wir schon gesehen
haben, die revolutio­näre Er­fahrung der Arbeiterklasse 1848 und 1871.
Der Hinweis auf die Entwicklung der moder­nen Industrie ist
besonders wichtig hier, weil er darauf hindeutet, daß für Marx und En­gels ein
primäres Ziel der im Manifest vorgeschla­genen, ökonomischen Maßnah­men es war,
den Kapitalismus zu einer Zeit zu entwickeln, als eine Reihe von Ländern ihre
bürgerliche Revolution noch nicht ver­vollständigt hatten. Durch einen Blick in
die "Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland", das der
Bund der Kommunisten als ein Flugblatt während der revolutionären Auf­stände in
Deutschland 1848 verteilt hatte, kann man sich davon überzeugen. Wir wis­sen,
daß Marx sich zu dieser Zeit sehr nach­drücklich zur Not­wendigkeit für die
Bour­geoisie in Deutsch­land an die Macht zu ge­langen,  als Vorbedin­gung für die proletari­sche
Revolution äußerte. Die in diesem Flugblatt vorgeschlagenen Maß­nahmen hat­ten
daher das Ziel, Deutsch­land aus seiner feudalen Rückständigkeit zu stoßen und
die bürgerlichen Produktionsver­hältnisse so schnell wie möglich auszuweiten:  Viele die­ser Maß­nahmen - hohe progressive
Ein­kommenssteuern, eine staatliche Bank, Na­tionalisierung von Grund und Boden
sowie Transport, unentgeltliche Erziehung - wur­den auch im Manifest befürwortet.
Wir wer­den in einem folgenden Artikel darüber dis­kutieren, inwieweit Marx'
Perspektiven für die Revolu­tion in Deutschland von den Er­eignissen be­stätigt
oder widerlegt wur­den; aber Tatsache bleibt, daß wenn  Marx und Engels schon zu ihren Lebzeiten die
im Ma­nifest vorgeschlage­nen Maßnahmen als überholt ansahen, umso weniger Rele­vanz
besitzen sie in der Periode der Deka­denz, wo der Kapitalismus schon lange
seine weltweite Herrschaft etabliert hat und länger geblieben ist, als er für
den Fort­schritt überall auf der Welt willkommen gewe­sen wäre.
Das soll nicht heißen, daß in den Tagen von Marx und Engels
oder in der revolu­tionären Bewegung nach ihnen Klarheit über die Art der
Maßnahmen bestand, die ein siegreiches Proletariat ergreifen müßte, um eine
Dyna­mik in Richtung Kommunis­mus in Gang zu setzen. Im Gegenteil, es herrschte
während des 19.Jahrhunderts hindurch Verwirrung über die Möglichkeit für das
Proletariat, Nationalisie­rungen, Staatsschulden und an­dere staatskapi­talistische
Maßnahmen als Sprungbretter zum Kommunismus zu nutzen. Dies spielte eine sehr
negative Rolle im Laufe der Re­volution in Rußland. Es be­durfte der Nie­derlage
dieser Revolution, der Verwand­lung von einer pro­letarischen Ba­stion in eine
fürchterliche staats­kapitalistische Ty­rannei und der darauffolgen­den
Reflexion und Debatte unter den Revolu­tionären, um jede Zweideutigkeit
wegzuschie­ben. Aber auch darauf wird in einem zukünf­tigen Ar­tikel näher
eingegan­gen.

Probe
aufs Exempel

Der letzte Teil des Manifestes beschäftigt sich mit den
Taktiken, die von den Kommu­nisten in den verschiedenen Län­dern befolgt werden
sollten, besonders in jenen, wo die Hauptlo­sung des Tages der Kampf gegen den
Feudal­absolutismus war oder als das er­schien. Im nächsten Artikel dieser
Reihe werden wir prü­fen, wie die praktische Inter­vention der Kom­munisten in
den paneuropäi­schen Aufständen von 1848 die Perspektiven der proletarischen
Revolution klärte, und ob sie die taktischen Betrachtungen im Manifest
bestätigte oder wi­derlegte.    CDW

Fußnoten

(1)  siehe "The
Alienation of Labour is the Pre­mise for its Emancipation" in Interna­tional
Re­view No.70 und "Communism, the real begin­ning of human society"
in International Re­view No.71;
(2)  Der Begriff  "Partei" bezieht sich hier nicht
auf den Bund der Kommunisten selbst: Obwohl das Manifest die kollektive Arbeit
je­ner Organisation war, erschien sein Name hauptsächlich aus Sicher­heitsgründen
nicht in den ersten Ausgaben des Textes. Der Begriff  "Partei" bezog sich in diesem
Zusammenhang nicht auf eine spezifische Organi­sation, son­dern auf eine
allgemeine Richtung oder Bewe­gung.
(3)  In späteren
Ausgaben des Textes mußte En­gels diese Stellungnahme verbes­sern, indem er
feststellte, daß dies auf die "gesamte ge­schriebene Geschichte"
zutraf, aber nicht auf die Gemein­schaftsformen der Gesellschaft, die der
Klassen­teilung vorausgegangen war.

 

Theorie und Praxis: 

Geschichte der Arbeiterbewegung: 

Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: 

Theoretische Fragen: