Kapitel 3: Die Geburt der Linken Fraktionen der KPI (1927 - 1933)

DIE GEBURT DER LINKEN FRAKTION DER KPI (1927- 1933)

Die Spaltung im Juli 1927, bei der sich die Minderheit an den Positionen der Deutschen Linken orientierte, führte zum eigentlichen Entstehen der linken Fraktion der KPI. Sie hatte nun kein Organ mehr, um darin ihre Positionen zu entwickeln und existierte von nun an auch nicht mehr als offizielle Organisation. Aus der KPI ausgeschlossen, gingen ihre Mitglieder ins Exil nach Frankreich, Belgien, Luxemburg, in die Schweiz, selbst nach Russland und in die USA. Da sie nach den Ausnahmegesetzen, die 1926 von Mussolini eingeführt worden waren, nicht mehr in der Lage waren, in Italien aktiv zu sein, hatten sie sich bis in die entlegensten Länder zerstreut. Diese heikle Situation konnte den Willen der Fraktion jedoch nicht brechen. Da sie sich als Teil eines einheitlichen internationalen Körpers, der Internationalen der Arbeiter, fühlte, erlag sie der demoralisierenden Wirkung des Exils nicht. Im Gegenteil, sie holte neue Reichtümer aus dem politischen Leben jener Länder heraus, in denen sie sich wiederfand. Obwohl die Fraktion die Situation in Italien stets aufmerksam verfolgte, beteiligte sie sich selbstverständlich auch an den politischen Auseinandersetzungen, die sich zurzeit des Ausschlusses Trotzkis aus der Internationale und der Entstehung von Oppositionsgruppen in der Komintern zu entwickeln begannen. Die Linke nahm erhobenen Hauptes die Bedingungen der „Emigration" an; dies kam auch in einer Intervention Bordigas auf der VI. Erweiterten Exekutive der Komintern 1926 zum Ausdruck, als er die Italiener mit dem auserwählten Volk der Juden verglich:

„Auf eine gewisse Weise spielen wir eine internationale Rolle, weil das italienische Volk ein Volk von Emigranten ist, in der ökonomischen und gesellschaftlichen Bedeutung des Wortes und seit der Ankunft des Faschismus auch im politischen Sinne (...) es ist fast so wie mit den Hebräern: Wenn wir in Italien geschlagen sind, so können wir uns wenigstens mit dem Gedanken trösten, dass auch die Hebräer nicht in Palästina stark waren, sondern außerhalb Palästinas."

Um zu überleben, mussten sich die Mitglieder der "Italienischen Linken im Ausland", wie sie sich nun nannten, selbst organisieren, um die politische Arbeit fortzusetzen, die in Italien völlig eingestellt worden war. Sie ließen sich vor allem in Frankreich und Belgien nieder. Diese zwei Länder hatten während des Krieges erlebt, wie ihre Jugend dem weltweiten Holocaust geopfert wurde und als Versehrte sowie in verschwindender Anzahl aus dem Krieg zurückkehrte. Die Regierungen Belgiens und Frankreichs riefen nach italienischen Arbeitskräften, die bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auf ihrem Grund und Boden präsent waren und als äußerst anpassungsfähig galten. Italienische Arbeiter versorgten die belgischen und französischen Kapitalisten mit unterbezahlter, aber ausgebildeter Arbeitskraft in den wichtigsten Wirtschaftsbereichen (Metallurgie, Bergbau, Bauwirtschaft).

Die Mitglieder: Arbeiterimmigranten

Die überwältigende Mehrheit der italienischen Fraktion bestand aus Arbeitern. Dies sollte uns nicht verwundern. Unter der Führung von Bordiga hatte die Kommunistische Partei eine ganze Generation von jungen Arbeitern angezogen, die von der Russischen Revolution und der revolutionären Bewegungen im Italien der Nachkriegszeit elektrisiert worden war. Sie hatten sich in diesen revolutionären Kämpfen formiert

Geübt in einer großen revolutionären Tradition, erzogen durch den Klassenkampf, befruchtet durch den kompromisslosen Marxismus, der von Bordiga vertreten wurde, setzten sich diese italienischen Arbeiter mit dem langen Atem ihrer politischen Kultur im revolutionären Milieu durch. Mit ihrem rigorosen Urteilsvermögen durchschnitten sie die allgemeinen Konfusionen, die sich vor allem im oppositionellen Milieu Frankreichs entwickelt hatten. In Frankreich, wo die politische und theoretische Tradition der kommunistischen Bewegung sehr schwach war, blieb ihre Stimme lange Zeit, bis zum Krieg, isoliert. Ganz anders in Belgien, wo sich diese revolutionären italienischen Arbeiter mit ihren Ansichten innerhalb der Opposition, die sich auf der Grundlage des Antiparlamentarismus und in Kontakt mit der holländischen Linken entwickelt hatte, besser Gehör verschaffen konnten.

Es wäre reine Zeitverschwendung, alle Mitglieder der Fraktion zu benennen. Nicht weil sie sehr zahlreich gewesen wären (es waren nach 1926 nie mehr als 100): Die anfangs noch 1.000 Mitglieder verringerten sich binnen einiger Monate beträchtlich. Sondern vor allem, weil die Italienische Linke es stets zurückwies, ihr politisches Leben zu personifizieren. Von Bordiga hatten sie gelernt, dass die Mitglieder anonym bleiben müssen und nur in der Kollektivität der Partei existieren können, die über Individualitäten und Persönlichkeiten hinausging. Was über allem stand, war die Organisation, und die Fraktion drückte sich nicht durch Individuen aus, sondern stets durch ihre Organe (Exekutivkomitee, Föderationen, etc.).

Die Bildung von Zentralorganen und besonders der Kampf der verschiedenen Tendenzen innerhalb der Fraktion stellten dennoch einige Mitglieder in den Vordergrund. Enrico Russo (bekannt als Candini), ein Mechaniker aus Neapel, der 1926 aus Italien floh; Piero Corradi (Piero), Metallarbeiter, schließlich Taxifahrer; Otello Ricceri (Piccino), ein Goldschmied aus Florenz, der 1925 emigriert war; Bruno Bibbi (Alfredo Bianco), der an den kommunistischen Aktionskommandos (Squadre d`azione) gegen die Faschisten teilgenommen hatte und 1924 nach Frankreich gekommen war; Ferdinando Borsacchi (Pieri), ein in Florenz geborener Automechaniker; Bruno Zecchini (il Rosso) aus Venedig, der Mitglied der Verteidigungskommandos (Squadre di defensa) der KPI in Mailand war und 1931 auf die Liparischen Inseln flüchtete, um nach Frankreich zu gelangen.

Alle diese Genossen waren 1927 kaum 25 Jahre alt. Fast alle waren junge Arbeiter, die sich schon früh, zumeist auf dem Kongress von Livorno, der KPI angeschlossen hatten. Sie hatten bereits eine lange Kampferfahrung hinter sich und waren durch die faschistische Repression und den Kampf gegen die Rechte in der Partei gestählt worden. Diese Namen von jungen Arbeitern, ausgewählt unter vielen anderen, spiegeln die gemeinsame Geschichte der Mitglieder der Fraktion wider, stehen sozusagen für das „durchschnittliche" Mitglied, wenn man diesen Begriff für diese Organisation, in der fast jeder bis zu seinem Tode ein aktives Mitglied blieb, überhaupt verwenden darf.

Auch andere Mitglieder, „Intellektuelle" von Beruf und nicht Arbeiter, befanden sich in den ersten Reihen der italienischen Fraktion. Sie waren in der Regel etwas älter (über 30 oder manchmal um die 40 Jahre alt), und einzelne von ihnen waren schon vor dem Krieg Mitglieder der PSI gewesen. Auch hatten sie meist eine sehr lange militante Vergangenheit und waren häufig Mitglieder der PCI gewesen. Ersilio Ambrogi (Massimo), von dem wir noch hören werden, vertrat die Linke im rechten Zentralkomitee, das 1926 gewählt worden war. Er war Anwalt und musste für viele Jahre ins Exil gehen, nach Russland, Deutschland und schließlich wieder nach Russland zurück, von wo aus er mit der Fraktion in Kontakt blieb. Virgilio Verdardo (Gatto Mammone) war schon über 40, als er sich 1927 in Russland mit Ambrogi zusammenfand. Er reiste 1931 nach Frankreich aus. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Italiens seit 1901 und als Geschichtslehrer am Gymnasium von Florenz war er stets Teil der Linken gewesen; 1920 war er zusammen mit Bordiga und G. Boero Sekretär im Exekutivkomitee der Abstentionistischen Fraktion gewesen. Beide blieben mit den italienischen und russischen Verhältnissen vertraut und hielten verantwortungsvolle Positionen in der Organisation inne.

Auch zwei andere Mitglieder, die beide keine Lohnarbeiter waren, gehörten zu den Haupttriebfedern der Organisation: Giovanni Tornielli (Nero), ein Geschäftsmann aus Vincenza und ehemaliger Stadtrat in Turin, war Schatzmeister der Organisation. Mario di Leone, geboren in Neapel, war ein enger Vertrauter Bordigas in den 20er Jahren, der nach Frankreich ins Exil gegangen war und sich in Annemasse nahe der Schweizer Grenze als Lebensmittelhändler niedergelassen hatte. Dort wurde er zum Repräsentanten einer Minderheit, die während der Ereignisse in Spanien entstand und zu einer ernsten Krise in der Fraktion führte.

Einzelne Genossen fanden ein tragisches Ende. So zum Beispiel Fausto Atti, ein Mitglied der Partei seit dem Kongress von Livorno, der nach Brüssel emigriert war. Er war 1943 einer der Gründer der Internationalistischen Kommunistischen Partei Italiens und wurde deshalb von den Stalinisten Togliattis in Bologna ermordet. Andere, die bis zu ihrer Auflösung 1945 Teil der Fraktion gewesen waren, erlitten angesichts des Auftauchens der neuen Partei nicht solch ein tragisches Schicksal und spielten ebenfalls eine führende Rolle: Aldo Lecci (Mario Marini/Tullio) und Giovanni Bottaioli (Butta).

und nicht die demoralisierende Erfahrung einer ruhmlosen Niederlage gemacht. Im Gegenteil hatten sie der Offensive der italienischen Bourgeoisie, die sich hinter Mussolini geschart hatte, mit Feuereifer und oft mit der Waffe in der Hand Widerstand geleistet. Ideologisch waren sie dem "unveränderlichen Marxismus", so wie ihn Bordiga vertrat, treu. Selbst als dieser seiner Ämter in den führenden Gremien beraubt wurde, blieb ihm die Arbeiterbasis der Partei treu. Nur wenige unter ihnen waren der Gramsci-Togliatti-Führung gefolgt, die von der Komintern in autoritärer Manier an die Spitze der italienischen Partei gehievt worden war. Auch in Frankreich 1926 waren Tausende von italienischen Kommunisten innerhalb der "Zellen" den Positionen der Italienischen Linken treu geblieben.

Ottorino Perrone

Der bekannteste Repräsentant der Fraktion war unbestreitbar Ottorino Perrone (Vercesi). Er war so gut bekannt, dass seine politischen Gegner die Mitglieder von "Prometeo" und "Bilan" "Perronisten" nannten. 1897 in Aquila geboren, absolvierte er seinen Militärdienst während des Krieges in der Artillerie. 1920 trat er der Sozialdemokratischen Partei Italiens bei und wurde zum Sekretär der "Camera del lavoro" von Venedig ernannt. 1922 wurde er mit der Organisierung der Propaganda in Padua betraut und begann in Triest mit der Arbeit als Redakteur der kommunistischen Zeitschrift "Il Lavoratore". Perrone reorganisierte 1923 die Vereinigungen von Venedig und Aquila, und er unterstützte Bordiga während des Kongresses von Rom. Der für sein Organisationstalent bekannte Genosse bereitete auch die geheime Konferenz der KP im Mai 1924 in Como vor. Die Polizei, die um seine Rolle wusste, setzte ihn in Aquila unter Hausarrest, doch dies hinderte ihn nicht daran, zusammen mit Bordiga im Juni desselben Jahres am V. Kongress der Kommunistischen Internationale teilzunehmen. Er wurde bei der Rückkehr aus Russland an der schweizerischen Grenze verhaftet und wieder nach Aquila überführt. Im Jahre 1925 wurde er Mitglied des „Komitees der Entspannung", das von Damen, Fortichiari und Repossi gegründet worden war. Nachdem er nach Mailand gegangen war, kümmerte er sich um eine Verbindung zwischen den linkskommunistischen Genossen im Ausland und der Tendenz von Bordiga. Perrone war zu diesem Zeitpunkt auch Sekretär der kommunistischen Gewerkschaftszentrale. Auf dem Kongress von Lyon machte er durch seine Verteidigung der Positionen Bordigas einen starken Eindruck. Als er wieder nach Mailand zurückkehrte, fand er sein Haus von Faschisten geplündert vor, wurde selbst verhaftet, später wieder auf freien Fuß gesetzt und übernahm in der Zeit, als Bordiga in Haft war, die Rolle des eigentlichen Organisators der Linken. Im November 1926 für zwei Jahre unter Hausarrest gesetzt, flüchtete er über die Schweiz nach Frankreich. In Paris war er der offizielle Repräsentant der Partei und reorganisierte die Mitglieder der Linken. Im Gegensatz zu Pappalardi befürwortete er im Juli 1927 die Bildung einer linken Fraktion. Doch im August wurde Perrone aus Frankreich ausgewiesen. Von nun an wohnte er in Belgien, Brüssel, und fand Arbeit als Angestellter bei sozialistischen Gewerkschaften, wobei ihm seine juristischen und buchhalterischen Qualifikationen (er war Doktor de jure) sowie seine langjährige gewerkschaftliche Erfahrung zugute kamen. Er war in ständigem Kontakt mit der Welt der Gewerkschaften und Mitglied der Gewerkschaft der Büroangestellten. Mit seinen großen politischen Erfahrungen, seinen hervorragenden schriftstellerischen und rednerischen Fähigkeiten und seiner grenzenlosen Leidenschaft für theoretische und politische Fragen war Vercesi lange Zeit die treibende Kraft einer kleinen Organisation, die ihm die politische Hauptverantwortung anvertraute. Sein Einfluss, den er auf die anderen Mitglieder ausübte, erklärte zweifellos eine Reihe von politischen Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten, die später aufkamen. Es war kein Zufall, dass sich bei wesentlichen Divergenzen die Minderheiten und Mehrheiten an seiner Person festmachten.

Wie viele Mitglieder hat die Fraktion gehabt? Zur Zeit der Konferenz von Pantin 1928 war es schwierig, eine genaue Antwort zu geben. Vielleicht 200 im Ganzen. Doch damals, als die Reorganisation der "Prometeoisten" nur langsam und ohne wirkliche Zentralisation voranging, blieb die Grenze zwischen Mitglied und Sympathisant verschwommen. Es blieb vielmehr den einzelnen Sektionen vorbehalten, zu bestimmen, wer nun wirklich Mitglied der Organisation war. Ein Rundschreiben des Zentralkomitees der Fraktion mit Datum vom 25. Januar 1931 forderte die Sektionen ausdrücklich dazu auf, eine genaue Liste der Mitglieder zu erstellen, so dass die Mitgliedsbeiträge geregelt werden konnten. Von jetzt an wurde zwischen Mitgliedern und engen Sympathisanten unterschieden. 1931 stellte ein interner Brief von Bianco fest, dass es in Frankreich, Belgien und den USA ca. 60 Mitglieder gebe, dass es aber "unmöglich ist, für Deutschland, die Schweiz, Russland und Italien eine genaue Zahl zu nennen" – und dies trotz der Tatsache, dass es absolut notwendig war, die Mitgliedschaft zu zählen, um Mandate an die Gruppen zu vergeben, die der Internationalen Linken Opposition angehörten, welche – im Prinzip – eine Konferenz in diesem Jahr abhalten wollte.

Die Organisation der Fraktion:

Frankreich, die USA, Belgien

Die Italienische Linke verwandelte sich ab 1928 von einer informell organisierten Opposition in eine zentralisierte, von der KP unabhängigen Organisation. Ihre zentralen Organe (Zentralkomitee, Exekutivkomitee) glichen denen von kommunistischen Parteien. Es gab "nationale" Föderationen (Belgien, Frankreich) sowie städtische (Paris, Lyon, Brüssel, New York), die sich aus lokalen Sektionen zusammensetzten, welche ein föderales Komitee wählten. Die Fraktion lehnte das System der "Zellen" am Arbeitsplatz ab, das im Zuge der Bolschewisierung eingeführt worden war und welches von der Linken stets kritisiert worden war, weil es das Leben innerhalb der kommunistischen Parteien erstickt hatte. Die Linke versuchte durch die territoriale und nicht "fabrikmäßige" Organisierung außerhalb des einengenden und korporatistischen Rahmens der Fabrik, ein wirkliches politisches Leben zu entwickeln.

Als die Fraktion im April 1928 in Pantin formell gegründet wurde, bestand sie aus vier einzelnen Zusammenschlüssen: eine in Brüssel, eine in New York, eine in Paris und die letzte in Lyon, die gleichzeitig die Arbeit in Marseille und Italien zentralisierte. Isolierte Genossen wie Mario di Leone in Annemasse und Ambrogi in Berlin schlossen sich nicht einer dieser Gruppen an, sondern standen in engem Kontakt mit dem Zentralkomitee. Es existierte eine Gruppe in Luxemburg und, vor der Abreise Verdardos und Ambrogis, auch eine in Moskau. Zu dieser Zeit war die Pariser Föderation in drei verschiedene Gruppen (oder Sektionen) aufgeteilt: eine in Paris mit 20 Mitgliedern und zwei andere in den Vororten Bezons (sieben Mitglieder) und Fontenay (acht Mitglieder). Die Gruppe in Lyon, die von Aldo Lecci geleitet wurde, zählte 20 Genossen, die New Yorker Gruppe, die keine Zeitschrift in Englisch veröffentlichte, sondern "Prometeo" verbreitete, hatte neun Genossen, und die Gruppe in Philadelphia, die mit der Föderation in Amerika in Verbindung stand, hatte Sympathisantenstatus. Schließlich hatte die Brüsseler Föderation, der Vercesi angehörte, neun Mitglieder und überwachte die Arbeit der Luxemburger Gruppe.

Am Ende des Jahres 1928 wurde das provisorische Zentralkomitee durch ein Zentralkomitee von sieben Mitgliedern, ersetzt: drei aus Brüssel (Candiani, Pieri, Vercesi), drei aus Paris (Peri, Bianco, Neri) und einer aus Lyon (Tullio). Innerhalb des Zentralkomitees wurde ein Exekutivkomitee, bestehend aus drei Pariser Genossen und mit Bianco als Sekretär, gebildet. Als Verdaro 1931 aus Russland zurückgekehrt war und ins Zentralkomitee gewählt wurde, verlegte man das Exekutivkomitee nach Brüssel. Verdaro wurde sein Sekretär. Er war arbeitslos und das einzige Mitglied der Fraktion, das von der Organisation als Vollzeitbeschäftigter bezahlt wurde. Er wurde erst ersetzt, als er sich 1939 in die Schweiz zurückzog. An der Spitze der Pariser Föderation wurde Luigi Danielis (bekannt als Gigi) bestellter Sekretär anstelle des aus der Fraktion ausgeschlossenen Bianco. Danielis übernahm auch die Verantwortung für die Verwaltung.

Die Gründungskonferenz in Pantin

Auf welche politischen Grundsätze stützte sich die in Pantin gegründete Fraktion? Es war der Ausschluss Trotzkis und der durch den 15. Kongress der Kommunistischen Partei Russlands eingeschlagene Kurs des "Aufbaus des Sozialismus in einem Land" (9), der die Konferenz von Pantin erforderlich machte, um die Lage zu sondieren, die durch diesen "opportunistischen" Kurs entstanden war. Die Konferenz von Pantin erklärte, dass "es der Kommunistischen Internationale nicht gelungen ist, den Opportunismus aus ihren Reihen zu eliminieren". Es war nicht ihr Ziel, eine neue Partei zu gründen, sondern die Internationale durch die Eliminierung des "Zentrismus" wieder zu vereinigen. Sie rief daher zu einem 6. Weltkongress mit Trotzki als Präsidenten auf. Mit der Absicht, so wie 1919 die Rechte aus der Partei zu treiben, konstituierte sich die Italienische Linke als Fraktion mit ihren Organen und ihrer Disziplin. Sie überwand damit die Zweifel, die sie noch 1925 hinsichtlich ihrer Konstituierung als Fraktion gehabt hatte: damals dachte sie, dass es notwendig sei, sich strikt an der Disziplin der Internationale zu halten. Neben ihrer Solidaritätserklärung für Trotzki vertrat die Fraktion auch ihren eigenen Standpunkt: die Thesen von Bordiga und vom 2. Kongress der Komintern. Sie lehnte somit den 3. und 4. Kongress ab, die von der russischen Oppositionsströmung um Trotzki verteidigt wurden. Schließlich ist festzuhalten, dass sich die Fraktion nicht als "italienische Fraktion" bildete, sondern als "eine linke Fraktion der Kommunistischen Internationalen".

Diese Positionen finden sich in gebündelter Form in der einstimmig angenommenen Schlussresolution wieder:

RESOLUTION DER KONFERENZ

„1. Konstituierung als linke Fraktion der Kommunistischen Internationalen.

2. Wahl eines provisorischen Zentralkomitees.

3. zweimonatliche Veröffentlichung einer Zeitschrift mit dem Namen ‚Prometeo‘.

4. Gründung von Gruppen der Linken, deren Aufgabe der bedingungslose Kampf gegen den Opportunismus und die Opportunisten ist. In diesem Kampf berufen wir uns auf das Kommunistische Manifest, die Thesen des zweiten Kongresses der dritten Internationalen, die Thesen von Rom, die Thesen der nationalen Konferenz der Kommunistischen Partei Italiens, die von Bordiga auf dem Vierten Weltkongress dargelegten Thesen, die Thesen, die von der Linken auf dem Kongress der SFIC von Lille vorgestellt wurden, und auf alle Schriften des Genossen Bordiga.

5. Inangriffnahme der unmittelbaren Ziele:

- die Reintegration aller aus der Kommunistischen Internationale Ausgeschlossenen, welche sich auf das Kommunistische Manifest und die Thesen des Zweiten Weltkongresses berufen;

- die Einberufung des 6. Weltkongresses unter der Präsidentschaft von Leo Trotzki;

- den Ausschluss all jener auf die Tagesordnung des 6. Weltkongresses stellen, die sich selbst mit den Resolutionen des 15. Russischen Kongresses solidarisch erklären." (Prometeo, Nr. 1, Mai 1928)

Wie man sieht, wuchsen die Oppositionsgruppen in dem Maße, wie sich die Ausschlüsse häuften. Aus verschiedenen Richtungen kommend, sowohl von der KP-Basis als auch von der Bürokratie, war diese Opposition nicht homogen. Zwei Flügel traten in ihr auf: ein rechter Flügel, dessen bekannteste Vertreter Souvarine und der "demokratische Zirkel" waren, der 1925 in Frankreich gebildet wurde, und in Deutschland die KP-O von Brandler und Thalheimer, die 1928 gegründet wurde. Dabei grenzte sich die Linke der Opposition häufig nicht deutlich genug von der Rechten ab. Ihr gemeinsames Banner war ihre Ablehnung des Stalinismus.

In Frankreich, wo die internationale linke Opposition am zahlreichsten war und in gewisser Hinsicht als Bezugspunkt für die gesamten oppositionellen Gruppen diente, wurde Ende 1927 und 1928 versucht, alle Strömungen von links und von rechts zu sammeln. Am 20. November 1927 erschien "Contre le courant", "Organ der kommunistischen Opposition", das die nächsten zwei Jahre (um Paz, Loriot, Jan Barrué, Lucie Colliard, Delfosse) versuchte, als wirklicher Repräsentant der gesamten Opposition zu agieren. Diese Gruppe, die zwischen links und rechts schwankte, befürwortete die Vereinigung vor jeder Auseinandersetzung, sogar vor der Annahme einer gemeinsamen Plattform. Mehr einen Verein als eine organisierte Fraktion verkörpernd, wollte "Contre le courant" zuerst vereinigen und dann diskutieren.

Dieser Gründungsakt, der faktisch eine Organisation der Italienischen Linken ins Leben rief, erlaubte es, von nun an öffentlich ins Milieu der internationalen Opposition zu intervenieren. Die ersten Gruppen, die für den Widerstand gegen die stalinistische Politik eintraten, kamen 1928, nach den Wellen von Ausschlüssen, zum Vorschein. Mit der Enthauptung der russischen Opposition rückten nun die europäischen und amerikanischen Gruppen in den Vordergrund. In Deutschland, wo sich die wichtigste kommunistische Bewegung außerhalb Russlands befand, entstand 1928 der "Leninbund" Urbahns, dem für eine kurze Zeit Ruth Fischer und Maslow angehörten. Er vereinigte mehrere Tausend Mitglieder; das Verschwinden der Gruppe von Korsch hatte Raum für ihre Gründung gelassen. Schon viel früher war die griechische Opposition, bekannt als „Archeomarxists", aus der Partei ausgeschlossen worden und hatte eine Gruppe von über 2.000 Mitgliedern gebildet. In Belgien tauchte die Opposition 1928 auf, als das Zentralkomitee der belgischen Kommunistischen Partei die Repressalien gegen Trotzki in Russland scharf verurteilte. Van Overstraeten (ein Gründer der Partei) und Adhemar Hennaut, beide Sekretäre der belgischen Partei, gründeten nach ihrem Ausschluss eine Opposition, die sich "für eine zweite Partei" aussprach. Im gleichen Jahr formierte sich auch die amerikanische Opposition um James Cannon, Max Shachtmann und Martin Abern. Ihr Zusammenschluss mit der "Trotzkistischen" Gruppe aus Boston verhalf der Communist league of America zum Leben, die 500 Mitglieder, sowohl US-Amerikaner als auch Kanadier, umfasste (unter ihnen auch die Gründer der KP Kanadas: Maurice Spector und Jack McDonald). Die Niederlage der chinesischen Revolution von 1927 führte zur Bildung von Oppositionsgruppen um Chen Du-xiu und Peng Shu-zi. Aber es war vor allem in Frankreich, wo die Opposition zu ihrer größten Stärke fand. Der Ausschluss Treints aus der Leitung der KPF brachte die Unité léniniste (und später das Redressement communiste) hervor, die kleine Arbeitergruppen in Bagnolet und Courbevoie beeinflussten (deren führendes Mitglied Gaston Davoust war). Im März 1928 brachte Pierre Naville Lutte Ouvriere heraus, die Trotzkis Position vertrat. Am Ende jenes Jahres war eine Opposition von Arbeitern, die aus der Partei ausgeschlossen worden waren, im „15. Rayon" gebildet (Puteau, Suresnes, Nanterre, Courbevoie, La Garenne). (2)

Erste Kontakte mit der Linksopposition

Im Juni 1928 schlug "Contre le courant" eine nationale Konferenz der Opposition vor, die am 14. und 15. Juli in Paris stattfinden sollte. Die Einladung war an alle oppositionellen Gruppen gerichtet: an die Opposition von Lyon und Limoges, an Rosmers Révolution prolétarienne, an Souvarines Marx-Lenin-Zirkel, an die Gruppe von Barré-Treint, und schließlich an die beiden Gruppen der italienischen Linken: "Réveil communiste" und "Prometeo". Die meisten Antworten waren negativ.

"Viele Oppositionsgruppen glauben sich auf einen Verein beschränken zu müssen, der die Fortschritte der Degeneration wahrnimmt und dann dem Proletariat nicht mehr als eine Reihe von Banalitäten präsentiert."

Vor allem warf Vercesi der Opposition im Allgemeinen und "Contre le courant" im Besonderen vor, dass sie als gemeinsamen Nenner den Antistalinismus genommen haben, und nicht die revolutionäre Erfahrung der KI in ihren Anfängen:

 

"Es ist unbegreiflich, dass alle Ereignisse die wir durchlebt haben, auf die Frage des Antistalinismus reduziert werden können, und ganz sicher liefert diese Basis - der Antistalinismus - keine Garantie für die Regeneration der revolutionären Bewegung."

Für die Italienische Linke war die Vervielfältigung von Oppositionsgruppen kein Zeichen der Stärke, sondern der Schwäche, gegen die nur die Diskussion ohne Diplomatie und Nachlässigkeit Abhilfe leisten konnte.

"Es gibt viele Oppositionsgruppen. Dies ist schlecht, aber es gibt kein anderes Gegenmittel als die Konfrontation zwischen ihren jeweiligen Ideologien, eine Polemik, um dahin zu kommen, was ihr uns vorschlagt (...) Unsere Losung ist, in die Tiefe zu gehen mit unseren Anstrengungen, ohne uns vom Köder eines Resultates leiten zu lassen, das in Wirklichkeit eine Niederlage wäre. Wir denken, dass es unabdingbar ist, sich sorgfältig einander kennenzulernen, ehe man sich vergewissern kann, ob diese oder jene Gruppe eine wahrhaft linke Kritik macht."

"... die Kommunistischen Parteien (...) sind Organe, in denen wir gegen den Opportunismus arbeiten müssen und, dies sollte nicht ausgeschlossen werden, dafür, dass aus ihnen Führer der Revolution werden.

Es mag sein, dass die Opportunisten uns alle ausschließen; wir sind aber überzeugt, dass die Entwicklung die Führer zwingen wird, uns wieder als organisierte Fraktion zu reintegrieren, es sei denn, sie führen die Kommunistischen Parteien in den völligen Niedergang. Auch in diesem Falle, den wir für sehr unwahrscheinlich halten, sind wir in der Lage, unsere kommunistische Pflicht zu erfüllen." (Antwort der Linken Fraktion an die Kommunistische Opposition, in: „Contre le Courant", Nr. 13, 8. Juli 1928)

Diese Antwort ist bezeichnend für die Italienische Linke. Sie war stets sehr vorsichtig in ihren internationalen Kontakten. Abgehärtet von ihren Erfahrungen in Italien, wo sie durch die Vereinigung mit heterogenen Gruppen wie Ordine Nuovo und den Terzini geschwächt worden war, suchte sie zuallererst die größtmögliche Klarheit in der Konfrontation der Positionen, um die Grundlagen der Divergenzen festzustellen und sie durch eine Klärung zu beseitigen. Der Kurs der stalinistischen Konterrevolution, der die linken oppositionellen Gruppen oft in Verwirrung versetzte, stärkte ihre Überzeugung, dass, um gegen den Strom zu schwimmen und die eigenen schwachen Kräfte zu erhalten, es notwendig sei, sich auf feste Prinzipien zu stellen, statt auf konfuse Weise zu expandieren. Es handelte sich keinesfalls um einen "sektiererischen" Rückzug, wie die Trotzkisten behaupteten. Ihre mehr als dreijährige Zusammenarbeit mit Trotzkis Linksopposition bewies dies klar.

Im Februar 1929 wurde Trotzki aus Russland ausgewiesen und exilierte nach Prinkipo, wo er unmittelbar Kontakt mit den verschiedenen Kräften der Opposition aufnahm, die in den Sektionen der Komintern entstanden waren. Sein Ansehen als Chef der Russischen Revolution, sein kompromissloser Kampf, den er gegen Stalin und die schwankende Haltung von Sinowjew geführt hatte, machten ihn zum unumstrittenen Symbol der internationalen linken Opposition. Diese Opposition hatte durch die schriftliche Korrespondenz mit Trotzki und die regelmäßigen Reisen in die Türkei Mut geschöpft. In vielen Ländern, einschließlich lateinamerikanischer Länder wie Argentinien, Kuba und Chile, entwickelte sich eine Opposition, die Trotzki als ihren Wortführer betrachtete. Bis 1932, als die trotzkistische Opposition sich definitiv formierte, bezeichneten sich zahllose kleine Gruppen, von Polen bis Spanien, als "bolschewistisch-leninistisch". Doch es herrschte eine enorme Heterogenität in diesen kleinen Zirkeln. Viele, die aus den alten Parteien kamen, sind von den Funktionen, die sie in der Periode der Bolschewisierung unter Sinowjew innehatten, deformiert worden; andere waren sehr jung und waren nicht durch die Schule der Russischen Revolution oder der damaligen großen Debatten in der Komintern gegangen. Ungeduld und Aktivismus waren häufig die bestimmenden Merkmale dieser Organisationen junger Genossen. Ferner traten sehr schnell tiefe Divergenzen auf: über die Frage der „Regeneration" der Parteien, die einige wie Urbahn und Van Overstraeten als unmöglich einschätzten und die stattdessen für die Gründung neuer Parteien aufriefen; über das Wesen des russischen Staates, den einige als staatskapitalistisch bezeichneten; über den imperialistischen Charakter der Außenpolitik Russlands, der sich gezeigt hatte, als die Rote Armee China angriff, um die Eisenbahn der Mandschurei an sich zu reißen; schließlich über die Frage der Einheitsfront mit der Sozialdemokratie in Deutschland angesichts der Entwicklung der Nazibewegung.

In der zweiten Hälfte von 1929 konstituierte sich faktisch die internationale linke Opposition. Am 15. August erschien in Frankreich die erste Nummer von "La Verité", herausgegeben von Rosmer, Naville Molinier, Gourget, Lucie Colliard, alle mit unterschiedlichem Hintergrund. Die Kommunistische Liga (Linksopposition) wurde gegründet; sie strebte an, als faktisches Sprachrohr der ganzen französischen Opposition aufzutreten.

Obwohl sie durchaus der internationalen Opposition angehören wollte, versteckte die Italienische Fraktion ihre Divergenzen mit Trotzki nicht. Das Treffen des provisorischen Zentralkomitees Ende 1928 (siehe „Prometeo", Nr. 10) bekundete seine „Solidarität mit dieser (Trotzkis) Gruppe im Oktober 1928 bei der Verteidigung der Prinzipien der siegreichen proletarischen und kommunistischen Oktoberrevolution 1917", aber betonte, dass "dass die politischen Unterschiede in den Positionen zwischen der linken Fraktion und der Oppositionsgruppe, die von Trotzki geführt wird, weiter bestehen".

"Prometeo" meinte, dass die kommunistischen Parteien und die Internationale das Hauptterrain für revolutionäre Aktivitäten seien, auch wenn sie selbst aus Letzteren ausgeschlossen worden waren. Die Rolle einer Fraktion sei nicht, den degenerierenden Kurs passiv festzustellen, sondern zu versuchen, aktiv zu intervenieren, um einen Kurs umzukehren, der nicht vorbestimmt war. Trotzdem schloss Vercesi die schlimmste Hypothese nicht aus – den definitiven Fall der KP‘s. Die Ablehnung von "Prometeo" war besonders deutlich. Sie war nicht von „sektiererischen" Gründen motiviert, von dem Wunsch, ihre eigene kleine Kapelle zu beschützen, sondern von zutiefst politischen Gründen und einer großen Behutsamkeit in der Methode, die angewandt werden musste, um zu einer Minimalbasis an Übereinstimmung zu gelangen. In einem Brief vom 8. Juli kritisierte Vercesi, der für das politische Büro der Fraktion schrieb, die angewendete Methode: (3)

„Prometeo" und Trotzki

1929 veröffentlichte die Italienische Linke, die immer noch darauf bedacht war, sich in die Opposition einzugliedern, in „Prometeo" Nr. 20 einen offenen Brief an Trotzki. Trotzki, der Bordiga persönlich gekannt hatte und seine Qualitäten anerkannte, antwortete in einem Brief, der das Datum vom 25. September trug. Obwohl er die Opposition auf rein "bolschewistisch-leninistischer" Basis gründen wollte, beabsichtigte der alte Führer nicht, die italienische Fraktion auszugrenzen. Letztere hatte in Frankreich einen beachtlichen Einfluss; ihre Zeitung verkaufte sich besser als die der anderen Oppositionsgruppen. Für die italienischen Stalinisten waren sie mehr als der Trotzkismus der „Feind Nr. 1", was soweit ging, dass Togliatti in einem Brief an Iaroslawsky vom 19. April 1929 von allen kommunistischen Parteien verlangte, "größte Strenge walten zu lassen" und dass „in diesem schon sehr schwierige Kampfe (sie) die Trümmer der bordigistischen Opposition" bekämpfen müssen, „die versucht, all die Unzufriedenen in einer Fraktion zusammenzufassen." (4)

Aufgrund des Ansehens und des politischen Gewichtes, das die Italienische Linke in der Emigration hatte, war die Antwort von Trotzki sehr herzlich und erweckte den Anschein, dass er die Fraktion als einzige Vertreterin der ganzen italienischen Linken anerkannte. Er schrieb: "Die Plattform (1926) der Linken hat mich außerordentlich beeindruckt. Ich glaube, dass dies eines der besten Dokumente ist, die von der internationalen Opposition kommen." Indem er die Fraktion der Verwirrung von "Révolution prolétarienne" und der Gruppe von Souvarine gegenüberstellte, pries er "das lebendige, überquellende, kraftvolle revolutionäre Denken des Amadeo Bordiga" und fügte hinzu: "Ich stelle erfreut fest (und berufe mich dabei auf euren in
‚Prometeo‘ veröffentlichten Brief), dass ihr in der Frage der Definition des gesellschaftlichen Charakters des russischen Staates absolut mit der russischen Opposition übereinstimmt." In seiner Schlussfolgerung wies er auf den Unterschied zwischen der Fraktion und der ultralinken "Réveil communiste" hin, die er als "verwirrt" bezeichnete:

"Zwischen einerseits den Zentristen wie Ercoli und andererseits den ultralinken Verwirrten seid ihr, Genossen, dazu aufgerufen, unter den harten Bedingungen einer faschistischen Diktatur die historischen Interessen des italienischen und des internationalen Proletariats zu verteidigen. Aus ganzem Herzen wünsche ich euch viel Glück und Erfolg." (Brief von Trotzki an die Fraktion, 25. September 1929, veröffentlicht im internen Bulletin der Fraktion, Nr. 2, Sept. 1931)

.Jedoch fügte Trotzki noch hinzu, dass "der Zeit und den Ereignissen die Möglichkeit gelassen werden soll, die ideologische Nähe und das gegenseitige Verständnis zu verifizieren. Ich hoffe, dass sie sich als vollständig und dauerhaft erweisen."

In der Praxis blieb das Verhalten der "Trotzkisten" gegenüber der Italienischen Linken zwiespältig. Von der Ligue Communiste einberufen, wurde im April 1930 in Paris eine internationale Konferenz der Opposition abgehalten. Heraus kam ein internationales Büro, das aus Kurt Landau für Deutschland, Alfred Rosmer für Frankreich und Markin (Leon Sedow, Sohn von Trotzki) für Russland zusammengesetzt war; zwei andere Mitglieder kamen später hinzu, um es zu vervollständigen: Andres Nin für Spanien und Schachtmann für die USA. Es scheint, dass die Fraktion nicht zu dieser Konferenz eingeladen worden war, obwohl sie in "Prometeo" einen Entwurf für die Konferenz veröffentlicht hatte.

Darüber informiert, dass "Prometeo" nicht an der Konferenz teilgenommen hatte, sendete Trotzki am 22. April einen Brief in Form eines Ultimatums, in dem die Fraktion aufgefordert wurde, sich entweder als „national-kommunistisch" oder als eine internationale Tendenz zu definieren:

"1. Gebt ihr zu, dass der Kommunismus einen nationalen Charakter haben könnte (...) Versteht ihr euch als nationale Bewegung oder als Teil einer internationalen Tendenz?

2. (...) ich zweifle nicht daran, dass ihr euch als Internationalisten versteht. In diesem Falle folgt daraus eine andere Frage: Zu welcher internationalen Tendenz genau gehört ihr?

3. Eure Abwesenheit bei der vorbereitenden internationalen Konferenz könnte als Konsequenz aus der Meinungsverschiedenheit, die euch von der Linksopposition in Prinzipienfragen trennen, interpretiert werden. Wenn es so ist, stellt sich eine dritte Frage: Warum organisiert ihr nicht eine internationale Fraktion eurer eigenen Tendenz?" (Trotzki, Offener Brief an die Redaktion der italienischen kommunistischen Zeitschrift "Prometeo", 22. April 1920, in: „Bolletino Interno", Nr. 2)

Die Antwort der Fraktion ließ nicht lange auf sich warten. In einem am 3. Juni datierten Brief wies sie darauf hin, dass sie "nur infolge eines Fehlers bei der Übermittlung des Briefes der Versammlung an die leitenden Organe der Fraktion" nicht in der Lage gewesen sei, die Konferenz zu besuchen. Sie drückte ihre Übereinstimmung „mit der Konstituierung dieses Sekretariats", das am Ende der Konferenz nominiert wurde, aber auch ihre "Uneinigkeit gegenüber den Methoden und den fehlenden ideologischen Grundlagen aus." Sie antworteten insbesondere auf die drei Fragen von Trotzki und beharrten darauf, keine künstlichen internationalen Organismen zu schaffen, selbst nicht auf der Grundlage der eigenen Plattform:

"1. Wir verstehen uns als ein Teil der internationalen Bewegung;

2. Seit der Gründung der Komintern haben wir der linken Tendenz angehört;

3. Wir wollen keine internationale Fraktion unserer Tendenz aufbauen, weil wir glauben, vom Marxismus gelernt zu haben, dass die internationale Organisation nicht eine willkürliche Zusammenführung von Gruppen oder Persönlichkeiten aus allen Ländern und um eine Gruppe ist."

In ihrer Antwort zeigte sich die Fraktion äußerst schockiert über die Etikettierung als "Nationalkommunisten" gewesen sei, die Trotzki ihr zuwies, da sie den "ersten Kern des marxistischen Widerstandes gegen das Voranschreiten des Opportunismus darstellte". Sie strebte nicht danach, die Unterschiede gegenüber der Opposition über die Losungen der „Arbeiter- und Bauernregierung", der „Einheitsfront" und der „proletarischen und antifaschistischen Komitees" zu verbergen, die sie absolut ablehnte, weil diese bereits zur Niederlage geführt hatten. Doch vor allem verlangte sie eine Klärung der Kontakte zwischen dem "Internationalen Sekretariat" und ehemaligen stalinistischen Führern des PCI, die vor kurzem ausgeschlossen worden waren. Diese Elemente (Pietro Tresso, Alfonso Leonetti, Ravazzoli) waren 1926 die entschiedensten Gegner der "bordigistischen" Tendenz gewesen und hatten bis zu ihrem Ausschluss die stalinistische Politik des "Sozialismus in einem Land" unterstützt. Sie hatten also an den Kampagnen teilgenommen, die die Linksopposition und den "Trotzkismus" anprangerten. Dieselben Elemente hatten nun die Neue Internationale Opposition (NIO) gegründet und wurden zur Internationalen Opposition zugelassen, bis hinein ins Sekretariat. Es war also verständlich, dass die Fraktion sich in diesem Brief weigerte, "an der Leitung dieses Sekretariates teilzunehmen". Auf der Grundlage des 2. Kongresses der Komintern konnte es nur eine Organisation geben, die den Kommunismus in jedem Land repräsentiert, auf einer Basis, die „die proletarische Bewegung vor den Manövern (schützt), die zum Triumph des Opportunismus in der Komintern führte".

Ein dritter Brief von Trotzki - unserer Kenntnis nach der letzte und datiert vom 19. Juni 1930 - hatte den Graben zwischen der Italienischen Linken und der trotzkistischen Bewegung noch weiter vergrößert. Der in ihm angeschlagene Ton klang misstrauisch gegenüber den guten Absichten von "Prometeo". Er schrieb:

- dass "aus eurem Brief ersichtlich wird, dass es hier um mehr geht als um einen Zustellungsfehler";

-

- dass folglich "ihr aktiv an der Arbeit der internationalen Opposition teilnehmen müsst, d. h. dass ihr in deren Reihen eintreten müsst".

Trotzki antwortete energisch auf die Fragen der Fraktion und beharrte darauf, dass die Konferenz ideologisch perfekt vorbereitet gewesen sei, dass es „monströs" sei, anderes zu behaupten. Was die NIO anging, behauptete er, dass es keine Manöver bei deren Anerkennung durch das Internationale Sekretariat gegeben habe, das „in aller Herzlichkeit auf die von diesen Genossen aufgeworfenen Fragen" geantwortet habe. Aber vor allem die Methode, die Trotzki anwendete, um eine Opposition aufzubauen, stand im Gegensatz zu jener der Italienischen Linken. Trotzki bestätigte im Endeffekt, dass die Frage der politischen Plattform zweitrangig sei, dass die Plattform von 1926 "nur ein nebensächliches Dokument ist, das keinerlei Antworten auf die aktuellen Fragen gibt"; dass, "wenn die kommunistische Linke nur fünf Mitglieder zählen würde, diese ihre internationale Organisation gleichzeitig mit der nationalen aufbauen müsse".

Ein letzter Brief von "Prometeo" an Trotzki ließ, ohne auf dem politischen Terrain Zugeständnisse zu machen, die Tür zu einer aktiven Teilnahme in den Reihen der Opposition noch offen. Er sagte, dass "die Fraktion jedes Interesse hat, die Missverständnisse auszuräumen und polemische Spielereien zu verhindern, die damit beginnen, dass unsere Auffassungen verfälscht werden". Auch die Plattform war für die Fraktion kein Fetisch:

„Als wir über die Plattform gesprochen haben, taten wir dies im Geiste ihrer Anwendung und nicht im Sinne eines Orakels, dem man eine heilige Treue schwört und das uns freispricht von den Pflichten, die wir gegenüber dem proletarischen Kampf haben.

Ihre ‚Isolierung‘ ist nicht das Resultat ihres eigenen Willens, sondern der allgemeinen Schwäche der gesamten linkskommunistischen Bewegung:

Was unsere angebliche internationale Isolierung angeht, so muss man unsere relativ schwachen Kräfte und die Tatsache berücksichtigen, dass wir nicht gewohnt sind, zu bluffen und zu übertreiben." (Antwort der Fraktion, "Prometeo", Nr. 36, 1930)

"Prometeo" erklärt, dass "ihre Vorsicht in den internationalen Beziehungen" sie in die Lage versetzt habe, "den unvermeidlichen Rückschlägen, die aus der vorherrschenden Politik der Konfusion resultierten", zu widerstehen. Ihre Methode sei jener der russischen Opposition diametral entgegengesetzt, die "darauf hingearbeitet hat, keine Plattformen auszuarbeiten. Hier besteht unsere Meinungsverschiedenheit und keinesfalls in unserer (nicht-existierenden) Behauptung, ein komplettes und ausgearbeitetes Dokument zu besitzen". Die "bordigistische" Strömung nahm an, dass die Vorbedingung für eine internationale Umgruppierung eine "kritische Überarbeitung der Kongresse der Internationale ist, auf der Basis der Statuten und der Prinzipien, auf der die KI gegründet worden war." Die Komintern, Bezugspunkt jeder linkskommunistischen Gruppierung, sollte nicht in einen Götzen, in das Objekt eines Kults der Unterwürfigkeit umgewandelt werden, wie das die russische Linke mit ihrer quasi-religiösen Zuneigung gegenüber den ersten vier Kongressen tat. Im Gegenteil, sie musste sich dem Feuer der Kritik aussetzen:

"Die Kommunistische Internationale stellte den ersten Versuch in der Epoche des Imperialismus dar. Ihre Arbeit bestand seit ihrer Gründung in der mechanischen Verallgemeinerung des russischen Programms und der Taktik der russischen Partei für alle Länder. Die kommunistischen Parteien wurden zu Parasiten der russischen Partei und Revolution, und eine nach der anderen wurde zur Hauptstütze des Opportunismus, der die Grundlagen der Diktatur des Proletariats untergraben hat."

Was die NIO betrifft, wiederholte "Prometeo" seine Anschuldigungen gegen die Manöver von Seiten des Internationalen Sekretariats:

"1. Eine Gruppe der feindlichen Fraktion, die ihre Solidarität mit der Internationalen Opposition erklärt hat, stieß in der Presse der französischen Opposition sofort auf Gastfreundschaft.

2. All dies fand statt, ohne dass unsere Fraktion irgendwie informiert würde. Es ist nun anzunehmen, dass zum Beispiel eure Gruppe die Militanten und die Fragen der russischen Bewegung viel besser kennt. Wenn es hier nicht um den Versuch eines ‚Manövers‘ gehandelt hätte, so wäre es die erste Pflicht gewesen, unsere Fraktion zu konsultieren.

3. Auf die wiederholten Anfragen unserer Fraktion hat es nie eine Antwort gegeben (...) Man hat nicht nur die Meinung einer dem Sekretariat angeschlossenen Gruppe nicht konsultiert, sondern man hat auch die Fragen dieser Gruppe über die Neue Opposition nicht beantwortet."

Trotz der Frage der NIO nahm die Italienische Linke loyal an der Arbeit des Internationalen Sekretariats Teil (auch wenn sie sich wegen der Abwesenheit programmatischer Dokumente weigerte, eine führende Rolle zu übernehmen) und zeigte ihren Willen, sich an allen Diskussionen der Opposition zu beteiligen und gar im Leben aller ihrer Sektionen zu intervenieren.

Bezüglich der NIO führte die Fraktion fast zwei Jahre lang eine ständige Diskussion, und dies ohne Sektierertum und Kompromisse. Sie publizierte die Texte und Resolutionen dieser Gruppe in "Prometeo". Gemeinsame Treffen wurden ab Ende 1930 organisiert; die Fraktion schlug sogar ein gemeinsames Diskussionsbulletin vor, für das sie die Verantwortung übernommen wollte. (6)

dass "eine Strömung, die jahrelang verschlossen bleibt auf nationaler Ebene, unweigerlich zur Degeneration verdammt ist";- dass die Divergenzen von "Prometeo" Vorwände seien, die "eine rein formalistische, nicht-politische und nicht-revolutionäre Vorgehensweise" aufzeigten;

(12)

Beziehungen mit der Neuen Italienischen Opposition, der deutschen und französischen Opposition

Für die "Bordigisten" ging es nicht darum, ein "Bündnis" oder eine "Einheitsfront" aufzubauen, sondern grundsätzlich darum, die NIO dazu zu bringen, ihre Vergangenheit zu kritisieren und sich zu bemühen, ihre "antifaschistischen" Positionen, ihre Unterstützung der "demokratischen" Losungen aufzugeben, damit sie sich wirklich zu einer Linksfraktion formieren kann, deren Ziel nicht die „Kritik" der PCI, sondern der Triumph der Fraktion durch den Ausschluss der stalinistischen Fraktion aus der kommunistischen Bewegung ist. Die Diskussionen führten zu keinem Resultat, und beide Seiten blieben bei ihrer Position. "Prometeo" gelang es nicht, Mitglieder der NOI für sich zu gewinnen. Das Gegenteil war der Fall, da Letztere erfolgreich Nicola di Bartolomeo (Fosco), der die programmatischen Grundlagen der Konferenz von Pantin in Frage stellte, aus der Fraktion zogen: Trotzkis Position unterstützend, rief er die Fraktion zur Teilnahme an der "antifaschistischen Koalition" auf, die sich aus den italienischen Linksparteien gebildet hatte. Er war der Auffassung, dass die Fraktion kein autonomes Leben führen dürfe, sondern eine entristische Taktik praktizieren sollte, "indem sie in der Partei arbeitet (...) in die Organe der Partei eindringt, um ihr unseliges Werk der Zersetzung zu bekämpfen und zu verhindern." ("Prometeo" Nr. 42 und 43, "Il convegno della regione parigina").

1931/32 trat die Italienische Linke über Ersilio Ambrogi in direkten Kontakt mit der deutschen Opposition. Diese war das Resultat einer Spaltung des "Leninbunds" wegen der Frage des Klassencharakters des Sowjetstaates, den Urbahns als bürgerlich definierte. Die neue Organisation, die in Berlin durch Kurt Landau angeführt wurde, vereinte die "Weddinger Opposition" und eine Gruppe aus Sachsen. Laut Ambrogi waren die Beziehungen gut: Er nahm nicht nur an den Sitzungen im Wedding Teil, sondern war auch zur nationalen Konferenz dieser Gruppe und schließlich zu einer internationalen Vorkonferenz eingeladen worden. Er hatte ebenfalls Gelegenheit, mit der spanischen Opposition zu diskutieren, deren Vertreter Andres Nin in Berlin lebte. Die Kritik, die Ambrogi an der deutschen Opposition übte, war nicht "individueller" Art, sondern gab vollkommen die Meinung der Italienischen Fraktion wieder. Die deutsche trotzkistische Gruppe, die "Die permanente Revolution" herausgab, hatte einige lokale Gruppen ohne vorherige Diskussion und ohne Etablierung einer Plattform zusammengeschlossen:

"... eure Vereinigung ist gemäß einer Methode zustande gekommen, die in der Opposition angewandt wird, nämlich auf der Grundlage von mehr oder weniger persönlichen Übereinstimmungen, ohne dass die grundsätzlichen Prinzipienfragen diskutiert worden wären (...) Kurz: Ihr habt keine Plattform, auf die ihr euch beziehen könntet. Es ist deshalb die Pflicht der Berliner und der Leipziger Gruppe, so schnell wie möglich diese Plattform vorzubereiten (...) Darauf wird eine Konferenz folgen, die eine richtige Vereinigungskonferenz sein wird; wenn dies nicht möglich ist, wird es zu einer Spaltung kommen, die nur nützlich sein kann." (Brief von Ambrogi an das ZK der Fraktion, 1.2.1931, Perrone-Archiv)

Die Beziehungen blieben trotz der harten Kritik gut. Als Trotzkis Sohn (Markin), der sich heimlich in Berlin aufhielt und Mitglied des Internationalen Büros der Opposition war, den Bruch mit der Italienischen Linken verlangte, weigerte sich die Gruppe von Landau (in einer Resolution vom 24. März 1931) und erhob "ernsthaftesten Protest gegen das Vorgehen des Genossen Markin" (s. Perrone-Archiv), denn "die deutsche Führung (...) hat Dokumente erhalten, aus denen hervorgeht, dass die Italienische Linke Mitglied der Opposition ist." (7)

Auch die Beziehungen zur belgischen Opposition waren sehr eng, zumindest zur Gruppe von Hennaut in Brüssel. Letztere umfasste eine bedeutende Anzahl Arbeiter; sie war auch die einzige Gruppe, die aus einer KP kam und die Mehrheit des Zentralkomitees mit sich genommen hatte. Sie existierte vor allem in der Hauptstadt und in Charleroi, wo die Vereinigung von Lesoil angeführt wurde. Dieser schloss sich 1929 Trotzkis Positionen an, indem er für die Beteiligung an den Wahlen eintrat und den Einmarsch der Roten Armee in China unterstützte. Im Unterschied zu Hennaut, der eine zweite Partei gründen wollte, beabsichtigte Lesoil, die PCB (Parti Communiste de Belgique) durch ihr Verbleiben in der Opposition „neu zu beleben". Die Gruppe von Charleroi spaltete sich, gedrängt von Trotzki, ab und bildete eine offizielle Sektion der Internationalen Opposition. Trotz ihres Wunsches, sich der Opposition anzuschließen, stieß sich die Gruppe um Hennaut an der kategorischen Weigerung Trotzkis, eine Diskussion abzuhalten:

"Auf das erste Schreiben, das die Führung der Opposition dem Genossen Trotzki sandte, um ihm unsere abweichenden Positionen darzulegen, antwortete er mit einer kategorischen Weigerung zu diskutieren, indem er erklärte, dass er die Führung nicht mehr zur gleichen Fraktion wie seine zählte. Das Internationale Büro brach jede Verbindung mit der belgischen Opposition ab, ohne auch nur die geringste Begründung zu liefern." (8)

Es war diese Gruppe, mit der die Italienische Linke die herzlichsten und tiefsten Beziehungen unterhielt. Angesichts der Politik Trotzkis gab es sogar eine Übereinstimmung in den Ideen und gemeinsame Aktivitäten (siehe unten). Hingegen widersetzte sich die Italienische Fraktion hartnäckig der Idee, eine "zweite Partei" zu gründen, die ihr nicht nur verfrüht erschien, sondern auch in Widerspruch zu ihrer Methode stand, die das Auftreten der Partei in einer besonderen Konjunktur, die dem Triumph der Fraktion gleich kommt, vorsah.

Hinsichtlich der Ligue Communiste von Naville, Frank, Molinier und Rosmer bestand die Politik der Fraktion ebenfalls darin, in ihr zu intervenieren, um eine Klärung der Unstimmigkeiten herbeizuführen. Sie hatte ihre Dokumente im Internationalen Bulletin der Opposition veröffentlicht und gab Ende 1931 auf Französisch ein "Bulletin d'Information de la Gauche Italienne" heraus. Bis Februar 1933 erschienen sechs Ausgaben. Das Ziel war nicht, sich zurückzuziehen, sondern die eigenen Positionen so breit wie möglich bekannt zu machen.

1931 erlitt die Ligue Communiste eine ernsthafte Krise. Es kam zu persönlichen Streitigkeiten zwischen Frank und Molinier auf der einen Seite sowie Naville und Rosmer auf der anderen. Diese Krise, die durch die Unterstützung Trotzkis für Molinier ("Frieden von Prinkipo") gelöst wurde, endete mit dem Austritt Rosmers und der Gründung der "Kommunistischen Linken" unter der Führung von Collinet und Navilles Bruder. Sie veröffentlichte ein Bulletin: "Le Communiste". Die Entwicklung der Ligue ging nicht in Richtung Opposition, sondern nahm die Politik des Entrismus vorweg, die sie in der Folge praktizieren sollte. Im Oktober und November 1931 schlug die Ligue dem PCF ihre Reintegration vor und akzeptierte im Voraus die Einstellung ihrer Presse und die Auflösung ihrer Gruppen; sie unterschrieb sogar ein Unterstützungsabonnement für "L'Humanité". Trotz des Beitritts von Treint und seiner Gruppe war die Krise der Ligue komplett, und ihre Reihen lichteten sich.

In dieser Situation nahm im Oktober eine Delegation der Fraktion, die sich aus Gatto Mammone, Vercesi, Bianco und Toto (mit richtigem Namen Gabassi) zusammensetzte, an der nationalen Konferenz der Ligue Teil. Gegen Moinier, der die Rückkehr der Opposition in den PCF verlangte, hielt die Fraktion fest, dass, "um die Parteien zu regenerieren, du die Opposition auflösen willst." Sie schloss zwar "überhaupt nicht aus, dass sie einen Antrag auf Wiederaufnahme in die Partei stellt", aber dies "unter exakt den entgegengesetzten Bedingungen, die die Ligue gestellt hat, d.h. unter der Bedingung der Einhaltung des Rechts auf eine Fraktion mit ihrer eigenen Organisation und Presse." In der Tat: "Das Verschwinden der Fraktion kann nur zusammenfallen mit der Lösung der kommunistischen Krise; sie verschwindet in der regenerierten Partei oder sie wird die Partei." Im Unterschied zur Ligue hielt die italienische Delegation es nicht für möglich, die Parteien zu regenerieren, da diese den feindlichen Kräften zum Opfer gefallen seien, die "die eigentlichen Grundlagen der proletarischen Organisation bedrohen." Unter diesen Bedingungen sei die Alternative nicht zwischen "Regeneration" oder "Opposition" innerhalb eines gesunden Organismus, sondern der "unausweichliche Fall der Partei" oder "ihre Rettung einzig durch den Sieg der Fraktion". ("Bulletin d'Information", Nr. 3, November 1931, und Nr. 4, Februar 1932). Trotz dieser sehr tiefen Differenzen wurde, da beide, die Italienische Fraktion und die Ligue, dem Internationalen Sekretariat angehörten, beschlossen, ihre gemeinsame Arbeit in Frankreich offiziell zu machen: Jede Gruppe der Italienischen Linken sollte ein Mitglied ernennen, das sie in der nächstgelegenen Gruppe der Ligue vertreten sollte; der Delegierte würde allerdings nicht an den Abstimmungen teilnehmen und müsste sich der Disziplin der von der trotzkistischen Organisation gefällten Entscheide unterwerfen. Diese Zusammenarbeit war wegen der immer offeneren Feindschaft Trotzkis gegenüber der Fraktion nur von kurzer Dauer, so dass Letztere immer mehr von der Arbeit des Internationalen Sekretariats ferngehalten wurde.

Die Konferenz der Internationalen Opposition, die im Januar 1931 stattfinden sollte, wurde von Trotzki abgesagt, der verlangte, dass sie besser vorbereitet werden müsse. Angesichts der Krise in der französischen Sektion der Opposition, in Wahrheit aber, um die Italienische Linke fernzuhalten, schlug Trotzki vor, das "administrative Sekretariat", das im Februar 1931 geschaffen wurde, von Paris nach Berlin zu verlegen, wo es unter der Kontrolle seines Sohnes Markin gestanden hätte. Dieser willkürliche Beschluss wurde gefällt, ohne nach der Meinung der zum "Internationalen Sekretariat" gehörenden Sektionen zu fragen. Als Antwort darauf unterbreitete die Fraktion in einem Rundbrief an alle Sektionen folgenden Vorschlag:

„... es sollte rasch eine Vorkonferenz stattfinden, aus der hervorgehen sollte:

a) ein internationales Büro mit der Rolle der Vorbereitung;

b) eine wirklich internationale Konferenz." (Resolution des Exekutivkomitees der Linksfraktion in Beantwortung des Briefes von Trotzki vom 22. Dezember 1931)

Trotz der Weigerung Trotzkis, die Beziehungen zur Fraktion aufrechtzuerhalten (9), zeigte Letztere im Laufe des Jahres 1932 ihren Willen, nicht in Isolation zu handeln, indem sie vorschlug, eine gemeinsame Zeitschrift unter der Verantwortung der französischen und deutschen Opposition sowie von „Prometeo" herauszugeben. ("Projet de constitution d'un Bureau international d'information", in "Bilan" Nr. 1, November 1933)

("Comment l'Opposition s'est-elle scindée?" in "Le Communiste" Nr. 9, 1. November 1932)

Gründe und Konsequenzen des Ausschlusses der Fraktion aus der trotzkistischen Opposition

 

All diese Vorschläge stießen auf kategorische Ablehnung. In Kopenhagen, wohin Trotzki sich im November 1932 auf Einladung der dänischen sozialdemokratischen Studenten begeben hatte, schloss er sich zwar der Idee einer "Vorkonferenz" im Februar 1933 in Paris an, aber nur, um die Italienische Fraktion auszuschließen. Seither war diese nicht mehr Teil der Internationalen Opposition. In einem langen Text, den er zum Abschluss dieser "Vorkonferenz" veröffentlichte, behauptete Trotzki, dass "die Bordigisten nie wirklich einen organischen Bestandteil der Linksopposition dargestellt haben", und er schloss, dass "die Gruppe ‚Prometeo‘ nicht zur Internationalen Linksopposition gehört. Die einzige Sektion der Bolschewiki-Leninisten für Italien ist die Neue Italienische Opposition". (10)

Der wahre Grund für den Bruch war nicht die formale Zugehörigkeit der Fraktion zur Opposition, noch weniger „ihr Charakter als eine rein nationale Sekte" (die Fraktion war schließlich in etlichen Ländern präsent...), sondern tiefe politische Divergenzen, die von Beginn an zwischen dem „Trotzkismus" auf der einen Seite und dem „Bordigismus" auf der anderen Seite existierten. Trotzki gestand sich selbst ein, dass die wahre Divergenz war: „... die Weigerung, für demokratische Forderungen unter allen Umständen und für eine jegliche Politik der Einheitsfront mit der Sozialdemokratie heute, im Jahre 1933, zu kämpfen." (10)

Die Spaltung war unausweichlich, und 1933 warf sich die Fraktion vor, so viel Kräfte in eine gemeinsame Arbeit gesteckt zu haben, die zum Scheitern verurteilt war, und so lange versucht zu haben, im Rahmen der Internationalen Opposition zu bleiben. (11)

Tatsächlich aber ging die Italienische Linke ideologisch gestärkt aus dieser Konfrontation hervor. Angesichts der äußerst ernsten Ereignissen, die zwischen 1931 und 1933 stattfanden, bewahrte sie die politische Kontinuität mit ihren alten Positionen, denselben, die sie auch schon innerhalb der PCI vertreten hatte. Der Bruch mit dem Trotzkismus wurde mit großer Klarheit vollzogen und markierte den eigentlichen Anfang ihrer Existenz als "bordigistische" Strömung. Welches waren die grundsätzlichen Punkte hinter dem Bruch, abgesehen von den organisatorischen?

- die Frage Spaniens und der "demokratischen" Losungen. In

1931 wurde der König davongejagt und die Republik errichtet, die unter der Autorität von Leroux nicht zögerte, zu furchtbarer Repression gegen die spanischen Arbeiter zu greifen. Doch Trotzki gab nicht nur die These der KI über die Diktatur der Proletariats auf; im Namen der "demokratischen Losungen" unterstützte er das Recht der katalanischen und baskischen Bourgeoisie auf Loslösung von Spanien, indem er erklärte, dass

"Es ist klar, dass wir ihn nicht auf diesem Weg folgen können, und wir antworten ihm (Trotzki) ebenso wie den anarcho-syndikalistischen Führern der CNT, indem wir ganz ausdrücklich bestreiten, dass die Kommunisten sich zuvorderst bei der Verteidigung der Republik - und schon gar nicht der spanischen Republik - einreihen müssen."

Für die Fraktion konnte es in der imperialistischen Periode der "Kriege und Revolutionen" nur eine einzige Losung geben, die von der Komintern zu Beginn des Jahrhunderts definiert worden war: die Diktatur des Proletariats und die Zerstörung des bürgerlichen Staats samt seinen rechten und linken Parteien. Ganz natürlich verknüpft mit dieser wichtigen Frage des bürgerlichen Charakters der sozialdemokratischen Linksparteien, deren Bankrott Lenin verkündet hatte, war die Frage der Einheitsfront in Deutschland gegen den Faschismus.

- die Frage Deutschlands und der Einheitsfront.

"Die Spanische Revolution und die Aufgaben der Kommunisten" schrieb Trotzki, dass "die Losung der Republik natürlich auch eine Losung des Proletariats" sei. (12)"die separatistischen Tendenzen der Revolution die demokratische Aufgabe der nationalen Selbstbestimmung stellen." Und er schloss daraus, dass die "spanische Revolution" begonnen habe. Doch um welche "Revolution" handelte es sich, wenn die Macht lediglich von der monarchistischen Bourgeoisie in die Hände der republikanischen übergegangen war? Deshalb antwortete "Prometeo":Angesicht der Entwicklung des Nazismus, der Ausdruck einer Offensive der Bourgeoisie gegen die Arbeiter in einem für die internationale Situation maßgeblichen Land war, wandte Trotzki die gleiche "Taktik" wie 1923 an und rief zur Einheitsfront zwischen KPD und SPD auf. In einem Brief vom 28. Juli 1931 schrieb er, dass "in bestimmten Fällen der Sieg sogar mit einer sehr schlechten Politik möglich ist (...) der Sieg der deutschen Kommunistischen Partei ist selbst mit einer Politik unter der Führung Thälmanns nicht ausgeschlossen." Für die Fraktion hingegen - und das bestätigte die Realität - "ist die zentristische Revolution unvorstellbar, und um die Revolution zu machen, braucht es eine Partei, die in der Lage ist, die Politik des Zentrismus zu liquidieren." (Resolution des EK der Linksfraktion des PCI über die Aufgaben der Linksfraktion der KPD). (13)

Gegenüber der Sozialdemokratie wiederholte und entwickelte die Fraktion ihre Position weiter, dass die SPD "dem Faschismus das Bett" gemacht hat, nachdem sie das deutsche Proletariat 1919 niedergeschlagen und Rosa Luxemburg sowie Karl Liebknecht ermordet hatte. Sie übernahm nicht, wie es ihr die Trotzkisten vorwarfen, die Theorie des "Sozialfaschismus". Sie erkannte, dass Sozialdemokratie und Faschismus zwei unterschiedliche, aber sich gegenseitig ergänzende Methoden zur Vernichtung des Proletariats waren. Beide waren Kräfte der Bourgeoisie, doch spielten sie unterschiedliche Rollen insofern, als die erste die revolutionäre proletarische Bewegung ausmerzte, während die zweite in der Weltkrise des Kapitalismus dieses Werk durch die Ersetzung der demokratischen Methode durch die diktatorische vollendete. Deshalb weigerte sich die Italienische Linke, der Politik der Sozialdemokratie durch die "Taktik" der Einheitsfront Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die Fraktion beharrte darauf, dass die einzige Lösung in der "Entwicklung von Klassenbewegungen" auf wirtschaftlichem Terrain bestehe. Der Faschismus könne nicht durch die Unterstützung der "feindlichen Kräfte" überwunden werden, sondern nur durch den Sieg der proletarischen Revolution.

- die Frage der Fraktion und der Partei. In der internationalen Situation von 1931/32, die durch die wachsende und fast vollendete Unterordnung der KP‘s unter die Politik des russischen Staates geprägt war, sah die Fraktion keine Möglichkeit, eine "Opposition" zu gründen, da dies bedeuten würde, in die KP‘s zurückzukehren, um sie zu "regenerieren". Die Italienische Linke definierte eine "Opposition" als "die Strömung, die die Ansicht vertritt, dass die Parteien die Fähigkeit wiedererlangen werden, das Proletariat durch die spezifischen Formen des Organisationslebens der Partei (Versammlungen, Konferenzen, Kongresse etc.) zur Revolution zu führen." Umgekehrt sei die Fraktion "der Organismus, der behauptet, dass nur über ihre Kanäle die Partei die Fähigkeit wiedererlangen kann, das Proletariat zum Sieg zu führen."

Jedoch war die Fraktion nur formell eine Fraktion der KP: "... praktisch bilden wir nicht die Linksfraktionen der Kommunistischen Parteien, da wir aus diesen Parteien ausgeschlossen wurden." Ihre Aufgabe sei es, "die Kontinuität der kommunistischen Bewegung zu sichern." Die Linksfraktion definierte sich daher eher durch eine ideologische Kontinuität mit den früheren revolutionären Parteien. Man sieht, dass es die Sorge der Italienischen Linken war, sich an die programmatischen Grundlagen der Komintern zu halten und nicht vorzugeben, wieder bei Null anzufangen. Es handelte sich dabei keinesfalls um ein sentimentales Festhalten an der Vergangenheit, sondern um die wesentliche Methode der Italienischen Linken, die erkannte, dass eine revolutionäre Partei nur aus einer kritischen Bilanz der alten kommunistischen Bewegung und nicht aus Spekulationen über die Zukunft hervorgehen kann. Hier lag der ganze Unterschied zum Trotzkismus: Trotzki verkündete 1933 den Tod der Komintern und die unmittelbare Notwendigkeit, neue Parteien aufzubauen; die "Bordigisten" behaupteten, dass die Bedingung für die Entstehung neuer Parteien und der neuen Internationalen von der Arbeit und Entwicklung der Linksfraktionen abhängt, aber auch von der Entwicklung einer revolutionären Situation, die die Umwandlung der Fraktion in eine Partei auf die Tagesordnung stellen wird. Die Italienische Linke konnte daher nicht die Bildung einer internationalen Fraktion verkünden; dies hing grundsätzlich von der Entwicklung der Linksfraktionen in allen Ländern und nicht von der willkürlichen Verkündung einer Internationalen ab, die nur in einer revolutionären Situation existieren kann.

In den Jahren von 1931 bis 1932 fanden Diskussionen über die Perspektiven der Fraktion statt. Massimo (Ambrogi) (14) vertrat die Ansicht, dass der Verrat der KP‘s und ihre Verwandlung in konterrevolutionäre Organe bedeute, dass die Fraktion die Bildung der Partei proklamieren müsse. Vercesi, der sich dieser Auffassung widersetzte, errang eine Mehrheit auf der belgischen und der französischen Konferenz. In der Realität hatte die Fraktion seit 1930, im Anschluss an die Konferenz der belgischen Föderation, als autonome Organisation gegenüber den KP‘s agiert und ihre Kräfte gestärkt "durch die Rekrutierung von Parteimitgliedern und solchen, die sich von der Partei aus politischen Gründen entfernt haben", sowie durch Elemente, die nicht durch die Schule der Kommunistischen Parteien gegangen waren.

Fraktion oder Partei? "Zentristische" Parteien oder Parteien, die dem "Verrat anheimgefallen" waren? Revolutionäre oder konterrevolutionäre Situation? Dies waren die impliziten Fragen, die vor dem Erscheinen von „Bilan" beantwortet werden mussten. Andere theoretische Fragen – und brennend wichtige insofern, als sie das politische Verhalten der Fraktion bestimmten - waren vor dem „furchtbaren Jahr 1933" kaum angegangen worden.

- der Charakter des russischen Staates, der immer noch als "proletarischer Staat" definiert wurde;

- der Charakter der "nationalen Befreiungskämpfe", eine wichtige Frage in einer Periode sich entfaltender interimperialistischer Rivalitäten ab 1931, die mit dem chinesisch-japanischen Krieg begann;

- die Rolle der revolutionären Partei in der Periode der Diktatur des Proletariats und der Charakter der Übergangsperiode zum Sozialismus;

- die Form der Arbeiterkämpfe seit 1914 und der wirtschaftlichen Organe des Proletariats, die Arbeit der Fraktion in den Gewerkschaften.

All diese Fragen, die durch die neue Epoche aufkamen, welche die Niederlage des deutschen Proletariats und die zunehmende Integration Russlands auf der internationalen Bühne eröffnet hatten, konnten nicht allein in der Theorie gelöst werden. Es waren "Situationen", um eine Formulierung Vercesis zu gebrauchen, die all diese Fragen aufwarfen, auf der Grundlage einer Bilanz („Bilan" auf Französisch) der ganzen revolutionären Erfahrung der Nachkriegszeit und vor allem der russischen Erfahrung.

 

  • Fußnoten:

  • (1) „Wir wollten der Fraktion erst zum Leben verhelfen, als keine andere Lösung der Krise möglich war und als jeder andere Kurs es unmöglich gemacht hätte, wirksam in den revolutionären Kampf zu intervenieren." („Prometeo", Nr. 1, Mai 1928, Brüssel).
  • (2) Zur Geschichte der „Opposition" siehe das Buch von Rabaut (oben zitiert) und das Vorwort von P. Dreyfus in Band 1 der Gesammelten Werke von Trotzki (März - Juli 1933).
  • (3) „Gegen die Strömung", Maspero-Faksimile, 1971.
  • (4) Das PCI-Zentralorgan nahm an, dass die Italienische Linke mehr Mitglieder hatte als die stalinisierten Parteien (s. Perrone-Archive).
  • (5) Dieser Entwurf unterstrich die Bedeutung der Konferenz mit den Worten: „Die Wichtigkeit dieses Ereignisses rührt nicht aus der Zahl und der Stärke der hier zusammengekommenen und vertretenen Gruppen, sondern aus der Tatsache, dass die Konstituierung eines Sekretariats, um die Oppositionsgruppen zu vereinen, einen wichtigen Schritt im Prozess der kommunistischen Krise markiert." Doch es gab Vorbehalte: „Die Bedingungen für eine internationale Umgruppierung existieren, doch innerhalb der Länder selbst existieren keine Formationen, die in Lage wären, wirksame Aktivitäten für ein Zentrum der internationalen Opposition auszuüben." Das Dokument forderte:
  • ein Zentrum;

    one based on programatic foundations;

    individuelle Mitgliedschaft der Fraktionen unter der Kontrolle des Internationalen Sekretariats. Falls diese Regeln fehlten, „würde die Fraktion dem Sekretariat zwar angehören, sich aber nicht direkt an seiner Arbeit beteiligen."

  • (6) s. All’Opposizione nel PCI con Trotsky e Gramsci, „Bolletino dell’Opposizione comunista italiana" (1931-33), vorgestellt von A. Leonetti, Rom, 1977. In Nr. 3 dieses Bulletins lesen wir: „‘Prometeo‘ hat seine Spalten für uns geöffnet; es sind Dokumente veröffentlicht worden, die die offizielle Presse noch immer vor den Genossen der Partei versteckt; es wurden viele Treffen organisiert, auf denen die Divergenzen ohne Beleidigungen oder Personalisierungen ausgetragen wurden." („Bolletino", August 1931)
  • (7) Die Fraktion protestierte heftig in ihrer Presse und prangerte Trotzkis Manöver an: „Heute sehen wir Trotzki dieselbe Methode anwenden, die darin besteht, die Internationale Linksopposition in ‚Jünger‘ und ‚Verdammte‘ zu spalten, in ‚Bolschewismus-Leninismus‘, der ihn und seine Anhänger auszeichnet, und ‚Bordigismus‘, der als eine falsche Taktik, dogmatisch und sektiererisch, als der gewöhnliche Infantilismus der Ultralinken dargestellt wird..." („Genosse Trotzki übertreibt" von Gatto Mammone in „Prometeo", Nr. 56, 19. Juli 1931)
  • (8) „Während des chinesisch-japanischen Konfliktes, der zum Krieg zu führen drohte, konnten wir uns nicht in Diskussionen verlieren (...) auch heute können wir nicht eine indirekte Verantwortung für den sektiererischen und semi-bakunistischen Aberglauben bestimmter Gruppen übernehmen." („Bulletin d’Opposition", Nr. 1, ein Artikel von Trotzki)
  • (9) In einem Brief vom 30. Mai 1932, adressiert an Ambrogi, äußerte Perrone die Überlegung, dass es notwendig sei, seinen Genossen zu Prinkipo zu schicken, um die Situation zu klären.
  • (10) „Les Congres de la Quatrieme Internationale", La Breche (Hrs.), 1978: „L’Opposition de Gauche Internationale, ses taches, ses methods" (s. 68f.)
  • (11) Ab 1931 bewegte sich Ambriogi auf einen Bruchs mit Trotzki zu; seine Meinung schien von vielen Mitgliedern der Fraktion geteilt zu werden.
  • (12) Artikel von 24. Januar 1931 in „La Revolution Espagnole", Texte von Trotzki, eingeführt von P. Broue, 1975.
  • (13) „Bulletin d’Information", Nr. 5 März 1932.
  • (14) „... d) da die Partei zu einer konterrevolutionären Partei geworden ist, wird sich die Fraktion i
  • nicht ausgeschlossen m schärfsten Kampf gegen die Partei engagieren und erklärt sich selbst zur Partei des Proletariats" (BI, Nr. 4, Januar 1932, „Differences de tactique et unite de perspectives de l’Opposition International", von Maxime (E. Ambriogi).

    Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: