Zum 125. Todestag von Karl Marx

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In den Jahren nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion gab es einen gemeinsamen Tenor in den Medien, der Wissenschaft und sogar in Teilen der arbeitenden Bevölkerung: „Der Kommunismus ist tot!“ und „Marx hatte unrecht – der Kapitalismus ist das beste Gesellschaftssystem!“ Wer damals auch nur die Begriffe „Marx“ oder „klassenlose Gesellschaft“ in den Mund nahm, erntete bestensfalls ein müdes Lächeln.

Nun, 19 Jahre nach dem Fall der Mauer, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Am 14. März 2008 jährte sich der Todestag von Karl Marx, dem – neben Friedrich Engels –  Begründer des wissenschaftlichen Sozialismu, zum 125. Mal. Ob im Radio oder im Fernsehen, überall erscheinen aus diesem Anlass Interviews und Berichte über Marx und seine Bedeutung für heute. Eine interessante Entwicklung... Interessant ist auch, wie man über ihn spricht - jetzt, wo sich die Abgründe der Finanzkrise immer mehr auftun, wo die Beschäftigten länger und für weniger Geld arbeiten müssen, wo so getan wird, als sei es unverschämt, wenn ArbeiterInnen für Gehaltserhöhungen streiken, obwohl selbst die paar Prozent mehr Lohn nicht einmal die allgemeinen Preissteigerungen und die Inflation ausgleichen. Wie sprechen die Medien heute also über Marx? Marx habe wie kein anderer die kapitalistische Funktionsweise untersucht und offengelegt. Er habe Stärken wie Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise verstanden und erklärt. Vermutlich sei er der größte Ökonom des 19. Jahrhunderts, wenn nicht gar der Geschichte insgesamt gewesen. So weit, so gut. Dann jedoch folgt das große ABER. Karl Marx habe zwei Seelen in seiner Brust gehabt. Neben der Kapitalismuskritik, die begrüßenswert sei, sei er auch noch für eine Art „radikale Demokratie“ gewesen. Er habe allen Ernstes die Selbstbestimmung jedes Einzelnen im Einklang mit sich, allen Mitmenschen und der Natur gefordert. Dies aber sei eine Utopie. Was wollen uns die bürgerlichen „Marxologen“ damit also sagen? Marx habe zwar Recht damit, den Kapitalismus zu kritisieren, aber der Kampf für die Überwindung eben dieses Systems, sprich: der revolutionäre Klassenkampf, sei eine Utopie, die man lieber bleiben lassen solle. Marx‘ Leben war ein permanentes Ringen – theoretisch wie praktisch – gegen die bestehenden Verhältnisse und für die klassenlose Gesellschaft, ob in der I. Internationale, in seinen Schriften oder auf den Barrikaden 1848. Nicht von ungefähr schrieb Marx: „Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“

Interessant ist auch, dass immer öfter zu vernehmen ist, dass das Regime im Ostblock kein Kommunismus gewesen sei, da es ja weiterhin Klassen (Staat vs. ArbeiterInnen), Lohnarbeit und (verstaatlichtes) Kapital gegeben habe. Daher habe das Modell des so genannten Realsozialismus mit den Zielen von Marx und des Marxismus nichts zu tun gehabt. Die Tatsache, dass nach Jahren der totalen Diffamierung von Marx derselbe in Ansätzen wieder positiver dargestellt wird, ist kein Zufall. Es hat sehr viel damit zu tun, dass die Krise des Kapitalismus immer mehr eskaliert und mit den Händen zu greifen ist. Einerseits macht sich diese Erkenntnis in Perspektivlosigkeit und Depression bemerkbar. Andererseits sieht man eine Entwicklung in der Arbeiterklasse, die sich in einem Verlust an Illusionen und in einer Suche nach ehrlichen Antworten, echter Veränderung ausdrückt. Diese Antwort gaben Marx und Engels bereits 1847 im Kommunistischen Manifest, Antworten, die gerade heute nicht richtiger sein könnten: „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ In diesem Sinn ist Karl Marx heute für die weltweite Arbeiterklasse überaus wichtig. Und in diesem Sinne gedenken wir, entgegen dem Tenor in den bürgerlichen Medien, Marx eben nicht nur wegen seiner Verdienste in der Kapitalismus-Kritik, sondern auch und gerade als einen großartigen Mitstreiter für die Befreiung der ganzen Menschheit, für die Sache des Kommunismus.