Genosse Robert ist tot

Die Gruppe Proletarische Revolution
GPR aus Österreich hat uns gebeten den folgenden Nachruf auf ihren am 7.
Dezember verstorbenen Genossen Robert zu veröffentlichen. Die IKS hat mit
grösster Betroffenheit vom überraschenden Tod Roberts erfahren. Wir möchten
seinen Nächsten, und im Besonderen seiner Lebensparternerin, unsere tiefste
Solidarität ausdrücken.

Mit dem Tod von Robert hat auch die
IKS einen langjährigen engen Freund verloren. Mit seiner Offenheit, seinem
Drang nach politischer Klärung und seiner grossen Geduld spielte er eine
wichtige Rolle in der Entstehung eines Pols von Genossen, der sich Ende der
1980er Jahre im deutschsprachigen Raum linkskommunistischen Positionen
annäherte. Dies besonders in der Schweiz, wo später eine Sektion der IKS
daraus entstand.

Robert hatte nicht denselben Weg
eingeschlagen. Doch Robert und die anderen Genossen der GPR blieben der IKS
immer nächste politische Begleiter und Freunde in die wir vollstes Vertrauen
haben.

Eine der grössten Qualitäten Roberts
war sein solidarisches Auftreten und seine konsequente Haltung gegen jegliche
Konkurrenzgefühle unter den verschiedenen Organisationen der Kommunistischen Linken.

Die IKS vermisst Robert.

Nachruf der Gruppe Proletarische
Revolution auf den Tod unseres Genossen Robert

Unser
Genosse Robert ist in der Nacht vom 6. auf den 7. 12. 09 tragisch aus dem Leben
geschieden. Er war einer der Gründungsmitglieder der Gruppe, die sich damals
1983 Gruppe Internationalistische Kommunisten nannte und die politische und
theoretische Tradition der Autonome Gruppe Kommunistische Politik, die durch
Selbstauflösung endete, fortsetzte. Die Gründungsmitglieder fanden sich in der
Gemeinsamkeit zusammen, dass die politischen und theoretischen Errungenschaften
der AGKP, die sich aus dem linkskapitalistischen Wirrwarr der ausklingenden
68er-Bewegung gelöst und sich linkskommunistische politische Positionen
erarbeitet hatte. Den Gründungsmitgliedern schien das theoretisch-politische
Rüstzeug des Linkskommunismus als die einzig mögliche politische Orientierung, wenn
man sich auf den politischen Klassenboden des Proletariats stellen und die
Sache des Proletariats, seine unabkömmliche politische und organisatorische
Autonomie als Bedingung für zukünftig Erfolge fördern und voranbringen wollte.
Nur die linkskommunistische Strömung hatte der horriblen Konterrevolution, die
sich in der fast lückenlosen politischen Kontrolle über die Arbeiterklasse
durch Sozialdemokratie, Stalinismus, Maoismus und der Hauptströmung des
Trotzkismus ausdrückt, politisch erfolgreich getrotzt und uns die aus dieser
gigantischen Konterrevolution gezogenen
politischen Lehren überliefert. Genosse Ro. und Mitstreiter fühlten die
Verantwortung auf ihren Schultern liegen, dass sie dafür sorgen müssten, die
gegen die an vorderster Stelle stalinistische Konterrevolution von den
Linkskommunisten verteidigte revolutionäre Theorie vor der Arbeiterklasse in
Österreich zu vertreten und gegenüber den Arbeiterinnen und Arbeitern nach
Kräften die Möglichkeit zu bieten, wieder an ihre revolutionäre Tradition
anzuknüpfen. Da wir alle bloss aus dem Sympathisantenkreis der AGKP kamen,
stellte sich uns die Aufgabe das ganze theoretische Rüstzeug der AGKP kritisch
prüfend anzueignen und soweit es uns unzureichend schien, es mit dem aus dem
Studium des Linkskommunismus gezogenen Erkenntnissen weiterzuentwickeln, um die
Gruppe auf eine möglichst gefestigte politische Grundlage zu stellen. Da in den
80er Jahren massive Angriffe auf die Arbeiterklasse im Zuge der
Restrukturierung der Industrie (Stichwort VÖST) stattfanden, sah sich die
Gruppe vor die Aufgabe gestellt, durch politische Einmischung mittels Flugblätter usw. die dort und da
aufkeimenden Kampfansätze der Arbeiterinnen und Arbeiter zu unterstützen. Die
mühsame theoretische Arbeit, die Diskussionen mit dem revolutionären Milieu,
die allmähliche für die Formulierung in einer Plattform herangereiften
politischen Positionen betrieb Genosse Robert in vorderster Reihe. Seiner
Akribie des Fragens, Nachfragens und Hinterfragens und der unnachgiebigen Suche
nach Klarheit ist es zu verdanken, dass die GIK, die wegen der späteren
Umbenennung heute Gruppe Proletarische Revolution heisst, eine kohärente klar
auf den Errungenschaften des Marxismus und der historischen Erfahrungen des Klassenkampfes
und deren Analyse beruhende Plattform hat, die wir unsere Leitlinien nennen. Robert
hinterlässt die GPR, die er durch seinen unermüdlichen Einsatz massgeblich
geprägt hat und deren politisches Rüstzeug er massgebend erarbeitet hat im
Zustand theoretischer Festigkeit. Der Verlust durch Roberts Tod ist gewaltig.
Die Gruppe verliert einen ihrer besessensten Mitarbeiter, der durch sein
geschultes politisches Urteilsvermögen, seine politische Weitsicht, seine
politische Erfahrung und seine unermüdlichen Untersuchungen und Analysen der
politischen Ereignisse die Gruppe und ihre politische Arbeit bereichert hat.
Wir hofften alle auf seine Wiederkehr nach seiner überstandenen Krankheit und
freuten uns auf seine wiedergewonnene geistige Präsenz. Wir bedauern den für
unsere politische Praxis folgenschweren Verlust des Genossen Robert.

Wir
ersuchen die Gruppen des revolutionären Milieus der Arbeiterklasse, die Trauer
über den Weggang des Genossen Robert mit uns zu teilen und uns bei der
Fortsetzung unserer politischen Arbeit für die vielleicht noch in weiter Ferne
liegende Befreiung der Arbeiterklasse aus ihrer ökonomischen Ausquetschung und
politischen Niederhaltung durch die Bourgeoisie solidarisch zu unterstützen.
Wir danken.

GPR

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