2. Der Beginn der Revolution

Im letzten Artikel haben wir aufgezeigt, daß der Widerstand der Arbeiterklasse gegen den Krieg immer stärker wurde. Anfang 1917 - nach zweieinhalb Jahren Krieg, hatte die Arbeiterklasse international ein Kräfteverhältnis entwickeln können, wodurch die herrschende Klasse immer mehr unter Druck geriet. Im Februar 1917 erhoben sich die Arbeiter in Rußland gegen den Krieg und stürzten den Zar. Um aber den Krieg zu beenden, hatten sie im Oktober 1917 die bürgerliche Regierung absetzen und die Macht ergreifen müssen. Rußland hatte gezeigt: die Herbeiführung des Friedens war nicht möglich ohne den Sturz der herrschenden Klasse. Die siegreiche Machtübernahme sollte eine gewaltige Ausstrahlung auf die Arbeiter in den anderen Ländern haben. Zum ersten Mal in der Geschichte hatte es die Arbeiterklasse in einem Land geschafft, die Macht an sich zu reißen. Dies sollte ein Fanal für die Arbeiter in den anderen Ländern, vor allem in Österreich, Ungarn, ganz Mitteleuropa, hauptsächlich aber in Deutschland sein.

Auch in Deutschland hatten die Arbeiter nach anfänglichem Hurrapatriotismus zunehmend gegen den Krieg angekämpft. Angespornt durch die revolutionäre Entwicklung in Rußland war nach mehreren vorausgegangenen Kämpfen im April 1917 ein Massenstreik entbrannt. Im Januar 1918 stürzten sich ca. 1 Million Arbeiter in eine neue Streikbewegung, gründeten einen Arbeiterrat in Berlin. Unter dem Einfluß der Ereignisse in Rußland zerbröckelte im Sommer 1918 die Kampfbereitschaft an den Fronten immer mehr. In den Fabriken brodelte es, auf den Straßen sammelten sich immer mehr Arbeiter, um den Widerstand gegen den Krieg zu intensivieren. Die herrschende Klasse in Deutschland spürte die Ausstrahlung der russischen Revolution und wollte - um ihre eigene Haut zu retten - unbedingt ein Bollwerk gegen die Ausdehnung der Revolution errichten.

Aus der Entwicklung in Rußland „schlau" geworden, zwang das Militär den Kaiser Ende September 1918 zum Abdanken und setzte eine neue Regierung ein. Aber die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse blieb weiter im Auftrieb. Es gärte weiterhin unaufhörlich.

Am 28. Oktober begann in Österreich, in den tschechischen und slowakischen Gebieten sowie in Budapest eine Welle von Streiks, die jeweils zum Sturz der Monarchie führten. Überall entstanden wie in Rußland Arbeiter- und Soldatenräte.

Die herrschende Klasse aber auch die Revolutionäre bereiteten sich jetzt auch in Deutschland auf eine entscheidende Phase der Auseinandersetzungen vor...

 

Die Revolutionäre bereiten den Aufstand vor

Auch wenn nahezu die gesamte Führungsspitze der Spartakisten (Liebknecht, Luxemburg, Jogiches) im Gefängnis saß, auch wenn durch einen Polizeischlag die illegale Druckerei der Partei für eine kurze Zeit lahmgelegt wurde, bereiteten die Revolutionäre um die Gruppe der Spartakisten weiter den Aufstand vor.

Anfang Oktober hielten die Spartakisten mit den Linksradikalen aus Bremen und anderen Städten eine Konferenz ab.

Auf dieser Konferenz wurde der Beginn der offenen revolutionären Auseinandersetzungen signalisiert und folgender Aufruf beschlossen, der in Deutschland wie an der Front in zahlreichen Exemplaren verbreitet wurde. Seine Hauptideen waren:

Die Soldaten haben begonnen, ihr Joch abzuwerfen, die Armee zerbricht, aber diese erste Regung der Revolution findet schon die Konterrevolution auf ihrem Posten. Indem sie scheinbare „demokratische" Rechte einräumt, versucht die Konterrevolution, da die Gewaltmittel versagen, die Bewegung einzudämmen. Parlamentarisierung und ein neues Wahlrecht sollen das Proletariat dazu bewegen, weiter seine Lage zu erdulden.

„In der Diskussion über die internationale Lage wurde der Tatsache Ausdruck gegeben, daß die Bewegung in Deutschland eine wesentliche moralische Unterstützung durch die russische Revolution gefunden hat. Es wurde beschlossen, den Genossen in Rußland den Ausdruck des Dankes, der Solidarität und brüderlicher Sympathie zu übermitteln mit dem Versprechen, diese Solidarität nicht durch Worte, sondern durch Aktionen, entsprechend dem russischen Vorbild, zu bestätigen (…). Die spontanen Meuterungen unter den Soldaten gilt es mit allen Mitteln zu unterstützen, zum bewaffneten Aufstand überzuleiten, den bewaffneten Aufstand zum Kampf um die ganze Macht für die Arbeiter und Soldaten auszuweiten und durch Massenstreiks der Arbeiter für uns siegreich zu machen. Das ist die Arbeit der allernächsten Tage und Wochen."

Vom Anfang dieser revolutionären Auseinandersetzungen an können wir feststellen, daß die Spartakisten sofort die politischen Manöver der herrschenden Klasse durchschauten, den trügerischen Charakter der bürgerlichen Demokratie bloßlegten und die erforderlichen Schritte zum Vorantreiben der Bewegung ohne Verzögerung erkannt hatten: den Aufstand vorbereiten und die Arbeiterklasse in Rußland nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten unterstützen. Sie hatten verstanden: die Solidarität der Arbeiterklasse in dieser neuen Situation konnte sich nicht auf Worte beschränken, sondern die Arbeiter müssen selber in den Kampf treten. Diese Lehre zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch die Erfahrung der Arbeiterkämpfe!

Aber die Bourgeoisie stand Gewehr bei Fuß. Sie hatte den Kaiser abgesetzt und ihn durch einen neuen Prinzen, Max von Baden, am 3. Oktober ersetzt. Und die SPD war schon im Oktober 1918 an der Regierung beteiligt.

Die SPD, die im vorigen Jahrhundert von der Arbeiterklasse selbst gegründet worden war, deren Führung 1914 verraten hatte, die die Internationalisten um die Spartakisten und die Linksradikalen sowie auch die Zentristen herausgeschmissen hatte, und seitdem kein proletarisches Leben mehr in sich barg, die jetzt schon seit Kriegsbeginn die imperialistische Politik unterstützte, sollte nun auch im revolutionären Ansturm des Proletariats gegen das kapitalistische Gebilde der revolutionären Erhebung der Arbeiterklasse entgegentreten.

Zum ersten Mal konnte das Kapital eine frühere, mittlerweile in das Lager des Kapitals übergewechselte „linke" Partei an die Regierung holen - um in dieser revolutionären Situation den kapitalistischen Staat gegen die Arbeiterklasse zu schützen. Während sich viele Arbeiter dadurch Sand in die Augen streuen lassen sollten, erkannten die Revolutionäre sofort die neue Rolle der Sozialdemokratie. Rosa Luxemburg schrieb: „Der Regierungssozialismus stellt sich mit seinem jetzigen Eintritt in die Regierung als Retter des Kapitalismus der kommenden proletarischen Revolution in den Weg" (Oktober 1918).

Seit Januar 1918, als der erste Arbeiterrat in den Massenstreiks in Berlin entstanden war, trafen sich regelmäßig geheim revolutionäre Obleute und führende Spartakisten. Die revolutionären Obleute standen der USPD sehr nahe. Auf dem Hintergrund der weiter ansteigenden Kampfbereitschaft, der zusammenbröckelnden Front, dem Drang der Arbeiter nach Taten fingen sie Ende Oktober nach der oben erwähnten Konferenz der Revolutionäre an, in einem Aktionsausschuß konkrete Pläne für einen Aufstand zu erörtern.

Am 23. Oktober war Liebknecht aus dem Gefängnis entlassen worden. Mehr als 20.000 Arbeiter begrüßten ihn bei seiner Ankunft in Berlin.

Nachdem die Regierung auf Drängen der SPD die Angehörigen der russischen Botschaft aus Berlin ausgewiesen hatte und von den Revolutionären anläßlich der russischen Revolution Versammlungen organisiert werden sollten, diskutierte der Aktionsausschuß über die Lage. Liebknecht drängte auf einen Generalstreik, auf Massendemonstrationen, die sich anschließend bewaffnen sollten. In einer Sitzung der revolutionären Obleute am 2. November schlug Liebknecht den 5 November vor, die Parolen sollten sein: „Sofortiger Frieden und Aufhebung des Belagerungszustandes, Deutschland sozialistische Republik, Bildung einer Regierung der Arbeiter- und Soldatenräte." (Drabkin S. 104)

Die revolutionären Obleute, die meinten, die Lage sei noch nicht reif, plädierten für weiteres Abwarten. Unterdessen warteten die Mitglieder der USPD in den Städten auf weitere Instruktionen, denn man wollte nicht vor Berlin losschlagen. Die Nachricht über einen bevorstehenden Aufstand wurde jedoch bis in andere Städte des Reichs verbreitet. Dies sollte die Ereignisse in Kiel fördern.

Als am 3. November in Kiel die Flotte zu weiteren Gefechten auslaufen sollte, erhoben sich die Matrosen und meuterten. Sofort wurden Soldatenräte gegründet, denen im gleichen Atemzug die Gründung von Arbeiterräten folgte. Die Führung des Militärs erwog, Kiel zu bombardieren. Aber nachdem sie erkannt hatte, daß die Meuterei sich nicht mehr gewaltsam unterdrücken ließ, schickten sie ihr trojanisches Pferd - den SPD-Führer Noske. Er schaffte es nach seiner Ankunft in Kiel, sich in den Arbeiterrat reinzuschmuggeln.

Aber gleichzeitig hatten die Kieler Arbeiter- und Soldatenräte ein Signal gesetzt. Sie bildeten massive Delegationen von Arbeitern und Soldaten, die sich in andere Städte begaben. Riesige Delegationen wurden nach Hamburg, Bremen, Flensburg, ins Ruhrgebiet, gar bis nach Köln geschickt, die dort vor Versammlungen der Arbeiter sprachen und zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten aufriefen. So zogen Tausende von Arbeiter und Matrosen von den norddeutschen Städten auch nach Berlin und in andere Städte in die Provinz. Dort wurden viele von ihnen zunächst von regierungstreuen Soldaten verhaftet (über 1300 alleine am 6.November in Berlin), in Kasernen gesteckt - von wo sie allerdings ihre Agitation fortsetzten.

Innerhalb von einer Woche waren in den Großstädten Deutschlands überall Arbeiter- und Soldaten-Räte gegründet worden.

Die Arbeiter hatten die Ausdehnung ihrer Bewegung selber in die Hände genommen. Nicht Gewerkschaften oder parlamentarischen Vertretern hatten sie ihr Schicksal überlassen, sondern sie hatten ihren Kampf selbst in die Hand genommen. Nicht mehr nach Branchen, isoliert voneinander, kämpften die Arbeiter, mit jeweils branchenspezifischen Forderungen, sondern die Arbeiter einer ganzen Stadt schlossen sich zusammen und stellten gemeinsame Forderungen auf. Sie handelten selbst und suchten den Anschluß an die Arbeiter der anderen Städte! (1)

Weniger als 2 Jahre später als ihre Klassenbrüder in Rußland stellten die Arbeiter in Deutschland ihre Fähigkeit unter Beweis, ihren Kampf selbst in die Hand zu nehmen.

Bis zum 8. November wurden in nahezu allen Städten - mit Ausnahme Berlins - Arbeiter- und Soldatenräte (A/S-Räte) errichtet.

Am 8. November meldeten SPD-Vertrauensleute:

„Die revolutionäre Bewegung sei nicht mehr aufzuhalten, wenn die SPD sich der Bewegung entgegenstellen wollte, würde sie einfach überrannt."

Nachdem die ersten Nachrichten aus Kiel am 4. November in Berlin eintrafen, schlug Liebknecht im Vollzugsausschuß den Aufstand für den 8. November vor. Es war klar, während die Bewegung sich mittlerweile spontan im ganzen Land ausgedehnt hatte, erforderte der Aufstand in Berlin, dem Sitz der Regierung, ein zielgerichtetes, planmäßiges, die ganze Kraft bündelndes Vorgehen der Arbeiterklasse. Der Vollzugsrat zögerte weiter. Erst nachdem zwei Mitglieder des Vollzugsrates, die im Besitz der Aufstandspläne waren, am 8.November verhaftet worden waren, entschloß man sich, am nächsten Tag loszuschlagen. Die Spartakisten erließen am 8. November 1918 folgenden Aufruf:

„Jetzt, da die Stunde des Handelns gekommen ist, darf es kein Zurück mehr geben. Die gleichen „Sozialisten", die 4 Jahre lang der Regierung Zuhälterdienste geleistet haben, ... setzen alles daran, um Euren Kampf zu schwächen, um die Bewegung abzuwiegeln.

Arbeiter und Soldaten! Was Euren Genossen und Kameraden in Kiel, Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Flensburg, Hannover, Magdeburg, Braunschweig, München und Stuttgart gelungen ist: Das muß auch Euch gelingen. Denn von dem was Ihr erringt, von der Zähigkeit und dem Erfolge Eures Kampfes, hängt auch der Sieg Eurer dortigen Brüder ab, hängt der Erfolg des Proletariats der ganzen Welt ab. Soldaten! Handelt wie Eure Kameraden von der Flotte, vereinigt Euch mit Euren Brüdern im Arbeitskittel. Laßt Euch nicht gegen Eure Brüder gebrauchen, folgt nicht den Befehlen der Offiziere, schießt nicht auf die Freiheitskämpfer. Arbeiter und Soldaten! Die nächsten Ziele Eures Kampfes müssen sein:

  • 1. Befreiung aller zivilen und militärischen Gefangenen
  • 2. Aufhebung aller Einzelstaaten und Beseitigung aller Dynastien
  • 3. Wahl von Arbeiter- und Soldatenräten, Wahl von Delegierten hierzu in allen Fabriken und Truppenteilen.
  • 4. Sofortige Aufnahme der Beziehungen zu den übrigen deutschen Arbeiter- und Soldatenräten.
  • 5. Übernahme der Regierung durch die Beauftragten der Arbeiter- und Soldatenräte.
  • 6. Sofortige Verbindung mit dem internationalen Proletariat, insbesondere mit der russischen Arbeiterrepublik.
  • Hoch die sozialistische Republik!
  • Es lebe die Internationale!
  • Die Gruppe Internationale (Spartakusgruppe ) (8. November).

 

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DIE EREIGNISSE DES 9. NOVEMBER

In den Morgenstunden des 9. November begann in Berlin der revolutionäre Aufstand.

  • „Arbeiter, Soldaten, Genossen!
  • Die Entscheidungsstunde ist da! Es gilt, der historischen Aufgabe gerecht zu werden...
  • Wir fordern nicht Abdankung einer Person, sondern Republik!
  • Die sozialistische Republik mit all ihren Konsequenzen. Auf zum Kampf für Friede, Freiheit und Brot.
  • Heraus aus den Betrieben! Heraus aus den Kasernen! Reicht Euch die Hände! Es lebe die sozialistische Republik."

Hunderttausende Arbeiter folgten den Aufrufen der Spartakusgrupppe und des Vollzugsausschusses, legten die Arbeit nieder und strömten in riesigen Demonstrationszügen in das Zentrum der Stadt. An der Spitze marschierten bewaffnet Arbeitergruppen. Die große Mehrheit der Truppen schloß sich den demonstrierenden Arbeitern an, verbrüderten sich mit ihnen. Am Mittag war Berlin in den Händen der revolutionären Arbeiter und Soldaten. Wichtige Punkte wurden von den Arbeitern besetzt. Eine Kolonne demonstrierender Arbeiter und Soldaten zog vor das Schloß. Dort sprach Liebknecht:

„Die Herrschaft des Kapitalismus, der Europa in ein Leichenfeld verwandelt hat, ist gebrochen.... Wenn auch das Alte niedergerissen ist, dürfen wir doch nicht glauben, daß unsere Aufgabe getan sei. Wir müssen alle Kräfte anspannen, um die Regierung der Arbeiter und Soldaten aufzubauen... Wir reichen (den Arbeitern der anderen Länder) die Hände und rufen sie zur Vollendung der Weltrevolution auf..."

„Ich proklamiere die freie sozialistische Republik Deutschland."

Liebknecht warnte die Arbeiter davor, bei dem Erreichten stehenzubleiben, er rief sie zur Übernahme der Macht und zum internationalen Zusammenschluß der Arbeiterklasse auf.

Am 9. November hatte das alte Regime das Schlachtfeld ohne Anwendung von Gewalt geräumt. Allerdings geschah das nicht, weil es vor Blutvergießen zurückscheute - es hatte schließlich Millionen Menschenleben auf dem Gewissen, sondern weil ihm die Revolution die Soldaten genommen hatte, die auf das Volk schießen konnten. Ähnlich wie in Rußland im Februar 1917, als sich die Soldaten auf die Seite der kämpfenden Arbeiter schlugen, sollte auch in Berlin die Reaktion der Soldaten im Kräfteverhältnis ein wichtiger Faktor sein. Aber erst indem sich die Arbeiter selbst organisierten, aus den Fabriken rauszogen und „die Straße besetzten", sich massiv zusammenschloßen, konnte der „Knoten" der Soldaten gelöst werden. Sie ließen sich von den Arbeitern überzeugen, anstecken, um sich dann mit ihnen zu verbrüdern. Das zeigt die führende Rolle der Arbeiterklasse auf!

Am Nachmittag des 9. Novembers kamen Tausende Delegierte im Zirkus Busch zusammen. R. Müller, ein führendes Mitglied der revolutionären Obleute rief dazu auf, daß „am 10. November in allen Betrieben und Truppenteilen Berlins die Wahl der Arbeiter- und Soldatenräte durchgeführt werden sollte. Die gewählten Räte sollten sich um 17.00 h im Zirkus Busch versammeln, um die provisorische Regierung zu wählen. Je 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen hatten ein Mitglied des Arbeiterrates zu wählen, ebenso alle Soldaten je Bataillon ein Mitglied des Soldatenrates. Kleinere Betriebe (unter 500 Beschäftigte) wählten je einen Delegierten. Die Versammlung bestand auf Berufung der Machtorgane durch eine Räteversammlung." (Antrag R. Müller)

Die Arbeiterklasse hatte die ersten Schritte unternommen, um eine Doppelmacht aufzubauen. Würden sie soweit kommen können wie ihre russischen Klassenbrüder? Die Spartakisten bestanden darauf, daß der Druck und die Initiative aus den örtlichen Räten verstärkt werden müsse. Die lebendige Demokratie der Arbeiterklasse, aktive Selbstbeteiligung der Arbeiter, Vollversammlung in den Fabriken, Ernennung von Delegierten, die vor diesen Vollversammlungen verantwortlich und von ihnen abwählbar waren ! Das sollte die Praxis der Arbeiterklasse sein.

Revolutionäre Arbeiter und Soldaten besetzten am Abend des 9. November die Druckerei des „Berliner-Lokal-Anzeigers" und druckten die erste Nummer der „Rote Fahne". Diese erste Nummer warnte: „Es gibt keine Gemeinschaft mit denen, die euch vier Jahre verraten haben. Nieder mit dem Kapitalismus und seinen Agenten! Es lebe die Revolution. Es lebe die Internationale".

 

 

(Liebknecht am 9. November).
  • (Flugblatt der Spartakisten)
  • Die Arbeiter griffen nach der Macht - die Kräfte der Bourgeoisie standen Gewehr bei Fuß

    Der 1. Berliner Arbeiter- und Soldatenrat (genannt Vollzugsausschuß) verstand sich schnell als Organ der Macht. In seiner ersten Bekanntmachung vom 11. November hatte er sich als oberste Kontrollinstanz aller Kommunal-, Landes-, Reichs- und Militärbehörden konstituiert.

    Aber die herrschende Klasse überläßt natürlich der Arbeiterklasse nicht freiwillig und ohne erbittertsten Widerstand das Feld.

    Denn während Liebknecht vor dem Schloß die sozialistische Republik verkündet hatte, hatte gleichzeitig Prinz Max von Baden abgedankt; er übertrug die Regierungsgeschäfte an Ebert, den er zum Reichskanzler ernannte. Die SPD proklamierte „die freie deutsche Republik".

    Während die SPD offiziell die Regierungsgeschäfte übernahm und sofort zu „Ruhe und Ordnung" aufrief, „freie Wahlen" ankündigte, hatte sie gespürt, daß sie am besten der Bewegung entgegentreten könnte, indem sie sie von innen her untergrub.

    Sie proklamierte einen eigenen Arbeiter- und Soldatenrat, der nur aus SPD-Funktionären bestand und von niemanden eine Legitimation besaß.

    Nachdem dieser sich als A/S-Rat ausgab, behauptete die SPD dann, daß die Bewegung, die schon längst in Gang gekommen war, von der SPD und der USPD gemeinschaftlich geleitet wurde.

    Diese Taktik, die Bewegung einzukreisen und von Innen her zu zerstören, ist seitdem immer wieder von den Linken mit ihren selbsternannten Räten, selbsternannten Streikkomitees, Koordinationen usw. angewandt worden. Die Sozialdemokratie und ihre späteren Nachfolger, die linkskapitalistischen Gruppierungen der sogenannten extremen Linken sind mittlerweile darauf spezialisiert, sich sofort an die Spitze einer Bewegung zu stellen, so zu tun, als seien sie deren Vertreter.

    Während sie so im Vollzugsrat selber den Wind aus den Segeln nehmen wollten, griffen sie die Arbeiterklasse jedoch auch von der Regierung aus an, an deren Spitze sie sich schnell stellten. Die SPD verkündete, sie werde eine gemeinsame Regierung mit der USPD bilden. Die USPD willigte in die Regierungsbildung mit der SPD ein, wogegen die Spartakisten sie ablehnten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Spartakisten noch Mitglieder der USPD. In den Augen der meisten Arbeiter war der Unterschied zwischen USPD und Spartakisten hier verwischt. Die Spartakisten hatten jedoch eine klare Haltung zur Regierungsbildung. Sie hatten die Falle gerochen! Man setzt sich nicht mit dem Klassenfeind in ein Boot. Das beste Mittel, um Illusionen der Arbeiter über eine linkskapitalistische Partei zu bekämpfen, ist nicht, wie seitdem immer wieder die Trotzkisten und andere linke Gruppierungen behaupten, sie erst an die Regierung zu bringen, um ihr dort den Schleier der Lügen abzuziehen. Um das Bewußtsein voranzubringen, ist die schärfste Abgrenzung erforderlich und nichts anderes.

    Am Abend des 9. November ließen sich die SPD und die USPD-Führung als Volksbeauftragte, als vom Vollzugsrat getragene Regierung proklamieren.

    Die SPD hatte ihre ganze Cleverness gezeigt. Sowohl von der Regierungsbank aus wie auch im Namen des Vollzugsrates konnte sie gegen die Arbeiter vorgehen. Ebert war Reichskanzler wie auch Volksbeauftragter (d.h. vom Vollzugsrat gewählt), konnte so den Anschein erwecken, auf Seite der Revolution zu stehen. Daß er das Vertrauen des Kapitals besaß, stand fest; aber mit soviel Cleverness das Vertrauen des Vollzugsrat erschlichen zu haben, zeigt, wie betrügerisch die linken Kräfte des Kapitals vorgehen können.

    Schauen wir an, wie geschickt die SPD auf der Versammlung des Berliner A/S-Rates am 10. November vorging. Ca. 3000 Menschen waren anwesend, es gab keine Kontrolle der Mandate, die Soldatenvertreter waren in der Mehrheit. Ebert sprach als erster. Der „alte Bruderstreit" sei beendet, SPD und USPD hätten eine gemeinsame Regierung gebildet, jetzt ginge es darum, „gemeinsam den Aufbau der Wirtschaft auf den Grundsätzen des Sozialismus vorzunehmen. Es lebe die Einigkeit der deutschen Arbeiterklasse und der deutschen Soldaten". Im Namen der USPD sprach Haase von der „Einheit". „Wir wollen die Errungenschaften der großen sozialistischen Revolution befestigen... Die Regierung wird eine sozialistische sein. (E. Barth, 10. November 1918) „Es soll alles getan werden, damit sich die Konterrevolution nicht erhebe."

    Während die SPD schon alle Register zog, um die Arbeiter zu täuschen, trug die USPD das Ihre zur Deckung dieses Manövers bei. Die Spartakisten hatten die Gefahren erkannt: Liebknecht sprach auf dieser Versammlung:

    „Ich muß Wasser in den Wein Eurer Begeisterung schütten. Die Gegenrevolution ist bereits auf dem Marsche, sie ist bereits in Aktion... Ich sage Euch: Feinde ringsum!

    (er nennt die konterrevolutionären Absichten der Sozialdemokratie.) Ich weiß, wie unangenehm Ihnen diese Störung ist, aber wenn Sie mich erschießen, ich werde das aussprechen, was ich für notwendig halte"

    Die Spartakisten warnten vor den Feinden und bestanden auf der Notwendigkeit des Sturzes des Systems. Nicht Auswechslung von Personen sei angesagt, sondern Überwindung des Systems selber.

    Während die SPD und in deren Schlepptau die USPD so taten, als ob es mit der Auswechslung der Führer, mit dem Einsetzen einer neuen Regierung getan sei, nur um die alten Machtstrukturen, um das System intakt zu lassen, riefen die Revolutionäre zur Fortführung des Kampfes auf.

    Auch hier lieferte die SPD eine Lehrstunde für die Vorgehensweise der Verteidiger des Kapitals. Diese Vorgehensweise haben sie immer wieder praktiziert, sie lenken die Wut auf Führerpersönlichkeiten, um das System unangetastet zu lassen. (2)

    Die SPD trommelte auf die Arbeiter in ihrer Zeitung „Vorwärts" ein. Am 10. November schrieb er unter dem Titel: „Einigkeit: Kein Bruderkampf"

    „Der gestrige Tag (9. November) hat in der Arbeiterschaft das Gefühl für die Notwendigkeit innerer Einheit hoch emporlodern lassen. Aus fast allen Städten, aus ganzen Ländern, aus ganzen Bundesstaaten hören wir, daß alte Partei und Unabhängige sich am Tage der Revolution wieder zusammengefunden und zu der alten geschlossenen Partei geeint haben... Das Versöhnungswerk darf nicht an einigen Verbitterten scheitern, deren Charakter nicht stark genug ist, um alten Groll überwinden und vergessen zu können. Soll nun der Welt nach solchem herrlichen Triumph (über das alte Regime) das Schauspiel der Selbstzerfleischung der Arbeiterschaft in sinnlosem Bruderkampf geboten werden?" (Vorwärts, 10.11.1918).

     

     

     

    „Die bis vorgestern noch gegen die Revolution gearbeitet haben, sind nun nicht mehr dagegen."

    DIE ZWEI WAFFEN DES KAPITALS :POLITISCHE SABOTAGE …

    Die SPD brachte ein ganzes Arsenal von Waffen gegen die Arbeiterklasse ins Feld. Neben dem Ruf nach „Einheit" spritzte sie vor allem das Gift der bürgerlichen Demokratie. Die Einführung des „allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts aller erwachsenen Männer und Frauen wurde als die wichtigste politische Errungenschaft der Revolution und zugleich als das Mittel dargestellt, die kapitalistische Gesellschaftsordnung nach dem Willen des Volkes in planmäßiger Arbeit zur sozialistischen umzuwandeln". Mit der Ausrufung der Republik, dadurch, daß SPD-Minister an der Macht seien, sei das Ziel, der Republik erreicht, und mit der Abdankung des Kaisers und der Ernennung Eberts zum Reichskanzler sei „der freie Volksstaat" da. Dabei war in Deutschland nur ein Anachronismus (an der Staatsspitze hatte noch ein Kaiser gestanden, obwohl die politische Herrschaft längst in den Händen der bürgerlichen Klasse lag) abgeschafft worden. An der Staatsspitze stand jetzt kein Monarch mehr, sondern ein „Bürgerlicher".

    Der Ruf nach „demokratischen Wahlen" war direkt gegen die Arbeiterräte gerichtet. Die SPD bombardierte die Arbeiter mit einer verlogenen Propaganda: „Wer Brot will, muß den Frieden wollen. Wer den Frieden will, muß die Konstituante wollen, die freigewählte Vertretung des ganzen deutschen Volkes. Wer die Konstituante verhindert oder hinauszögert, bringt sie um Frieden, Freiheit und Brot, raubt ihnen die unmittelbaren Früchte des Revolutionssieges, ist ein Konterrevolutionär. (Flugblatt der SPD)

    Die Sozialisierung wird und muß kommen... durch den Willen des arbeitenden Volkes, das grundsätzlich die Wirtschaft beseitigen will, die vom Streben des einzelnen nach Profit bewegt wird. Aber sie wird tausendmal leichter durchzusetzen sein, wenn die Konsitutante sie beschließt, als wenn die Diktatur irgendeines Revolutionsausschusses sie verordnet...

    Der Schrei nach der Konstituante ist der Schrei nach dem aufbauenden, schaffenden Sozialismus, nach jenem Sozialismus, der den Volkswohlstand mehrt, Volksglück und Volksfreiheit erhöht und für den allein sich zu kämpfen lohnt.

    Die deutsche Einheit erfordert die Nationalversammlung. Nur unter ihrem Schutz kann sich die neue deutsche Kultur entfalten, die stets unser Ziel und der Kern unseres nationalen Wollens gewesen ist.

    Die Errungenschaften der Revolution sind im Willen des ganzen Volkes so fest verankert, daß nur Angsthasen vor der Konterrevolution Alpdrücken bekommen könnten."

    Wenn wir hier so ausführlich die SPD zitieren, dann damit man ein wirkliches Bild von der Spitzfindigkeit und Verschlagenheit der Linken bekommt.

    Wir haben hier ein seitdem klassisches Merkmal des Klassenkampfes in den hochindustrialisierten Ländern. Wenn die Arbeiterklasse ihren Zusammenschluß anstrebt, sind es immer wieder die Kräfte der Linken gewesen, die mit cleverster Demagogie auftreten, vorgeben, im Namen der Arbeiter zu handeln; die die Kämpfe von innen her zu sabotieren versuchen und die Bewegung daran hindern, einen entscheidenden Schritt voranzugehen. Es stand hier der revolutionären Arbeiterklasse in Deutschland ein ungleich stärkerer Gegner gegenüber als den Arbeitern in Rußland. Mit einer radikalen Sprache bezichtigte die SPD im Namen der Revolution die Spartakisten als Konterrevolutionäre. Um die Arbeiterklasse zu täuschen, sind die Linken gezwungen, eine radikale Sprache zu sprechen und sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Gleichzeitig war damals schon deutlich, wie stark die SPD in den Staat integriert war, daß sie nicht als außerhalb des Staates stehende Partei gegen die Arbeiter vorging, sondern gar von dessen Spitze aus.

    Die ersten Tage revolutionärer Auseinandersetzungen zeigten damals schon ein allgemeines Merkmal des Klassenkampfes in den hochindustrialisierten Ländern auf. Eine mit allen Wassern gewaschene Bourgeoisie prallt mit einer starken Arbeiterklasse zusammen. Es war eine Illusion zu glauben, der Arbeiterklasse könnte der Sieg leicht in die Hände fallen.

    Wie wir später sehen werden, traten als zweiter Stützpfeiler des Kapitals die Gewerkschaften auf, die sofort nach Ausbruch der Bewegung eine Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern eingingen. Nachdem sie im Krieg die Produktion für den Krieg organisiert hatten, sollten sie nun mit der SPD für die Niederschlagung der Bewegung eintreten. Einige Konzessionen wie unter anderem der 8-Stunden-Tag wurden gemacht, um durch das Zugestehen von ökonomischen Verbesserungen die Arbeiter von einer weiteren Radikalisierung abzuhalten.

     

    Aber selbst die politische Sabotage, die Untergrabung des Bewußtseins der Arbeiter durch die SPD reichte nicht aus, denn - gleichzeitig schlug die SPD in Absprache mit den Militärs eine militärische Vorgehensweise ein.

     

    … REPRESSION

    Der Oberbefehlshaber des Militärs, General Groener, der im Krieg tagtäglich mit SPD und Gewerkschaften zusammenarbeitete, denn er war für Rüstungsvorhaben verantwortlich, erklärte:

    „Wir haben uns verbündet zum Kampf gegen den Bolschewismus. An eine Wiedereinführung der Monarchie war nicht zu denken… Ich habe dem Feldmarschall den Rat gegeben, nicht mit der Waffe die Revolution zu bekämpfen, weil zu befürchten sei, daß bei der Verfassung der Truppen eine solche Bekämpfung scheitern würde. Ich habe ihm vorgeschlagen, die Oberste Heeresleitung möge sich mit der SPD verbünden, da es zurzeit keine Partei gebe, die Einfluß genug habe im Volke, besonders bei den Massen, um eine Regierungsgewalt mit der Obersten Heeresleitung wieder herzustellen. Die Rechtsparteien waren vollkommen verschwunden, mit den äußersten Radikalen zusammenzugehen, war ausgeschlossen. Zunächst handelte es sich darum, in Berlin den Arbeiter- und Soldatenräten die Gewalt zu entreißen. Zu diesem Zwecke wurde ein Unternehmen geplant. 10 Divisionen sollten in Berlin einmarschieren. Ebert war damit einverstanden.... Wir haben ein Programm ausgearbeitet, das nach dem Einmarsch eine Säuberung Berlins und die Entwaffnung der Spartakisten vorsah. Das war auch mit Ebert besprochen, dem ich dafür besonders dankbar bin wegen seiner absoluten Vaterlandsliebe... Dieses Bündnis war geschlossen gegen die Gefahr der Bolschewiken und gegen das Rätesystem" (Groener, Oktober- November 1925, Zeugenaussage).

    Zu diesem Zweck telefonierte Groener täglich abends mit Ebert und seinen Konsorten auf geheimen Leitungen zwischen 23.00 und 1.00 Uhr nachts und traf Absprachen.

    Im Gegensatz zu Rußland, wo die Macht im Oktober in die Hände der Arbeiter nahezu unblutig fiel, schickte sich die Bourgeoisie in Deutschland sofort an, neben der politischen Sabotage einen Bürgerkrieg auszulösen. Vom ersten Tag an traf sie alle Vorbereitungen für eine militärische Niederschlagung.

     

    DIE INTERVENTION DER REVOLUTIONÄRE

    Um die Intervention der Revolutionäre zu bewerten, müssen wir jeweils ihre Fähigkeit überprüfen, die Bewegung der Klasse, das Kräfteverhältnis, das „Erreichte", die weiteren Perspektiven richtig einzuschätzen. Was sagten die Spartakisten?

    „Die Revolution hat begonnen. Nicht Jubel über das Vollbrachte, nicht Triumph über den niedergeworfenen Feind ist am Platz, sondern strengste Selbstkritik und eiserne Zusammenhaltung der Energie, um das begonnene Werk weiterzuführen. Denn das Vollbrachte ist gering, und der Feind ist NICHT niedergeworfen. Was ist erreicht? Die Monarchie ist hinweggefegt, die oberste Regierungsgewalt ist in die Hände von Arbeiter- und Soldatenvertretern übergegangen. Aber die Monarchie war nie der eigentliche Feind, sie war nur Fassade, sie war das Aushängeschild des Imperialismus.... Die Abschaffung der Kapitalsherrschaft, die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung- dies und nichts Geringeres ist das geschichtliche Thema der gegenwärtigen Revolution. Ein gewaltiges Werk, das nicht im Handumdrehen durch ein paar Dekrete von oben herab vollbracht, das nur durch die eigene bewußte Aktion der Masse der Arbeitenden in Stadt und Land ins Leben gerufen, das nur durch höchste geistige Reife und unerschöpflichen Idealismus der Volksmassen durch alle Stürme glücklich in den Hafen gebracht werden kann.

    Die ganze Macht in die Hände der arbeitenden Masse, in die Hände der Arbeiter- und Soldatenräte, Sicherung des Revolutionswerkes vor seinen lauernden Feinden: dies die Richtlinie für alle Maßnahmen der revolutionären Regierung…

     

    Ausbau und Wiederwahl der lokalen Arbeiter- und Soldatenräte, damit die erste chaotische und impulsive Geste ihrer Entstehung durch bewußten Prozeß der Selbstverständigung über Ziele, Aufgaben und Wege der Revolution ersetzt wird;

    s

    tändige Tagung dieser Vertretungen der Masse und Übertragung der eigentlichen politischen Macht aus dem kleinen Komitee des Vollzugsrates in die breitere Basis des Arbeiter- und Soldatenrats;

     

    schleunigste Einberufung des Reichsparlamentes der Arbeiter und Soldaten, um die Proletarier ganz Deutschlands als Klasse, als kompakte politische Macht zu konstituieren und hinter das Werk der Revolution als ihre Schutzwehr und ihre Stoßkraft zu stellen;

     

    unverzügliche Organisierung nicht der „Bauern", sondern der ländlichen Proletarier und Kleinbauern, die als Schicht bisher noch außerhalb der Revolution stehen;

     

    Bildung einer proletarischen Roten Garde zum ständigen Schutz der Revolution und Heranbildung der Arbeitermiliz, um das gesamte Proletariat zur jeder Zeit bereiten Wacht zu gestalten;

     

    ...

    sofortige Einberufung des Arbeiter-Weltkongresses nach Deutschland, um den sozialistischen und internationalen Charakter der Revolution scharf und klar hervorzukehren, denn in der Internationale, in der Weltrevolution des Proletariats allein ist die Zukunft der deutschen Revolution verankert"

    Verdrängung der übernommenen Organe des absolutistischen militärischen Polizeistaats von der Verwaltung, Justiz und Armee,

    DIE ARBEITERRÄTE – SPEERSPITZE DER REVOLUTION …

    Wie weiter oben beschrieben, waren in den ersten Novembertagen überall in den Großstädten Arbeiter- und Soldatenräte entstanden. Auch wenn die Räte „plötzlich" auftauchten, kam ihr Entstehen für die Revolutionäre alles andere als unerwartet. In Rußland waren sie ebenfalls in den revolutionären Kämpfen aufgetaucht, genauso wie in Österreich-Ungarn. Denn die Arbeiterräte sind, wie es die Kommunistische Internationale im März 1919 durch die Stimme Lenins ausdrückte: „die praktische Form, die das Proletariat in den Stand setzt, seine Herrschaft zu verwirklichen. Diese Form ist das Sowjetsystem mit der Diktatur des Proletariats. Diktatur des Proletariats! Das war bisher Latein für die Massen. Mit der Ausbreitung des Sowjetsystems in der ganzen Welt ist dieses Latein in alle modernen Sprachen übersetzt worden: die praktische Form der Diktatur ist durch die Arbeitermassen gefunden..."

    Das Entstehen von Arbeiterräten spiegelt den Willen der Arbeiterklasse wider, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen.

    Als solches können die Arbeiterräte erst entstehen, wenn in der Klasse insgesamt eine Massenaktivität und tiefgreifende Bewußtseinsentwicklung in Gang gekommen ist. Die Arbeiterräte sind insofern nur die Speerspitze einer allumfassenden Bewegung der Klasse, und sie stehen und fallen mit der Gesamtaktivität der Klasse. Wenn die Aktivität der Arbeiterklasse in den Betrieben nachläßt, wenn die Kampfbereitschaft insgesamt abflaut, wenn das Bewußtsein der Klasse zurückweicht, haben auch die Arbeiterräte keine Überlebenschance.

    Sie sind das Mittel, die Kämpfe der Klasse zu zentralisieren und stellen den Hebel dar, mit dem die Arbeiterklasse ihren Kampf zur Zerschlagung des bürgerlichen Staats führt.

    In vielen Städten ergriffen die Arbeiterräte entschlossen Maßnahmen, um die Staatsgewalt unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Arbeiter versuchten vom ersten Tag der Existenz der Arbeiterräte an, den bürgerlichen Staatsapparat lahmzulegen und ihre eigenen Entscheidungen an Stelle der bürgerlichen Regierung zu treffen und durchzuführen. Es war der Beginn einer Doppelherrschaft, genau wie in Rußland nach der Februarrevolution 1917. Diese Entwicklung gab es überall, aber in Berlin, wo die Regierung des Kapitals saß, kam sie am deutlichsten zum Vorschein.

     

    …UND DIE SABOTAGE DER BOURGEOISIE

    Weil die Arbeiterräte der Dreh- und Angelpunkt der Zentralisierung der Arbeiterkämpfe sind, weil in ihnen die Initiative der Massen zusammenfließt, ist es für die Arbeiterklasse lebenswichtig, die Kontrolle über die Arbeiterräte zu behalten.

    In Deutschland sollte die Kapitalistenklasse ein trojanisches Pferd - die SPD - gegen die Arbeiterräte einsetzen. Die SPD war bis 1914 eine Arbeiterpartei gewesen, aber jetzt bekämpfte sie die Räte von Innen und versuchte sie von ihren wirklichen Zielen abzulenken - all das geschah „im Namen der Arbeiterklasse".

    Schon bei der Zusammensetzung der Räte wandte sie alle Tricks an, damit ihre Delegierte in die Räte einziehen konnten. Der Vollzugsrat war anfänglich aus jeweils 6 Vertretern der SPD und USPD sowie 12 Soldatenvertretern zusammengesetzt. Jedoch hatte es die SPD in Berlin geschafft, unter dem Vorwand der notwendigen Stimmenparität und der Einigkeit der Arbeiterklasse eine gleichgroße Anzahl von Vertretern in den Vollzugsrat zu schleusen. So entstand die gleichmäßige Verteilung der Mandate zwischen USPD und SPD - ohne durch irgendeine Versammlung in dieser Form legitimiert zu sein. Mit der Taktik des Parteienproporzes erhielt die SPD in vielen Räten mehr Stimmen als es der tatsächlichen Gewichtung entsprach. In der Provinz sah es nicht viel anders aus. In etwa 40 Großstädten standen fast 30 Arbeiter- und Soldatenräte unter dem beherrschenden Einfluß der SPD- und USPD-Führer. Nur in den Städten, wo die Spartakisten einen größeren Einfluß hatten, konnten die Arbeiterräte eine radikale Richtung einschlagen.

    Was die Aufgaben der Arbeiterräte angeht, versuchte die SPD ihnen die Spitze zu brechen. Während die Räte von ihrem Wesen her danach streben, als Gegenpol zum bürgerlichen Staatsapparat zu wirken, diesen zu zerschlagen, versuchte die SPD, die Räte dem bürgerlichen Staatsapparat unterzuordnen. Einmal dadurch, daß die Räte sich nur als Übergangsorgan bis zur Einberufung der bürgerlichen Nationalversammlung auffassen sollten, dann indem sich die Räte für alle Volksschichten öffnen sollten. Die SPD inszenierte in vielen Städten sog. „Wohlfahrtsausschüsse", in der alle Teile der Bevölkerung, vom kleinen Geschäftsmann und Bauern bis zum Arbeiter, alle „gleichberechtigt" integriert wurden. Dadurch sollte das Entstehen von Arbeiterräten, die dem bürgerlichen Staat entgegenwirken, vereitelt werden.

    Während die Spartakisten von Anfang an auf die Bildung von Roten Garden drängten, um so die Maßnahmen der Arbeiterräte notfalls mit Waffengewalt durchzusetzen, torpedierte die SPD dies in den Soldatenräten mit dem Vorwand, daß „damit ein Mißtrauen gegenüber den Soldaten zum Ausdruck käme."

    Im Berliner Vollzugsrat wie auch in allen anderen Räten kam es ständig zu heftigen Auseinandersetzungen über die zu treffenden Maßnahmen. Zwar kann man nicht davon ausgehen, daß die gewählten Vertreter alle über ausreichend Klarheit und Entschlossenheit zu allen Fragen verfügten, aber die SPD unternahm alles, um sowohl aus dem Innern der Räte selbst wie auch von „offizieller Regierungsseite" aus, die Autorität der Räte und die getroffenen Entscheidungen zu unterlaufen.

    Einige Beispiele:

    - Ordnete der Vollzugsrat etwas an, erließ der Rat der Volksbeauftragten (von der SPD geführt) entsprechende Gegenmaßnahmen.

    - Der Vollzugsrat besaß nie ein eigene Presse, er mußte bei der bürgerlichen Presse um Platz für die Veröffentlichung seiner Beschlüsse betteln. Daran hatten die SPD-Vertreter kräftig mitgewirkt.

    - Als im November und Dezember Streiks in Berliner Betrieben ausbrachen, sprach sich der Vollzugsrat unter dem Einfluß der SPD gegen diese Streiks aus, obwohl sie gerade die Stärke der Arbeiterklasse zum Ausdruck bringen konnten und die Fehlentscheidungen des Vollzugsrat selbst hätten korrigieren können.

    - Schließlich drohte die SPD von Regierungsseite aus, die Alliierten würden in Deutschland militärisch einmarschieren, um eine Bolschewisierung Deutschlands zu verhindern. Und wenn die Arbeiter- und Soldatenräte zu weit gingen, würden keine Lebensmittel von den USA an die hungernde Bevölkerung geliefert.

    Von direkter Einschüchterung von Außen, Sabotage vom Innern her, der Entartung des Wesens der Räte selber bis zu physischen Angriffen gegen die Räte - die SPD ließ keine Mittel aus.

    Von Anfang an aber versuchte die SPD die Räte von der Basis in den Betrieben selbst abzukoppeln.

    Die Räte setzen sich zusammen aus Delegierten. Diese Delegierte sind von den Vollversammlungen in den Betrieben zu wählen. Sie müssen sich gegenüber ihnen verantworten - denn wenn die Arbeiter in den jeweiligen Vollversammlungen nicht mehr selber entscheiden können, die Räte sich von der Aktivität „der Basis" lösen, dann wird ihnen selber die Luft ausgehen, und sie werden selber zum Opfer der Konteroffensive der Bourgeoisie. Deshalb drängte die SPD z.B. sofort auf die Zusammensetzung gemäß Parteienproporz - anstatt auf der Verantwortbarkeit und Rechenschaftspflicht der Delegierten gegenüber ihren jeweiligen Vollversammlungen in den Betrieben. Die Rechenschaft gegenüber den sie wählenden Versammlungen ist kein förmliches Prinzip der Arbeiterdemokratie, sondern der Hebel, mit der die Arbeiterklasse von der kleinsten Zelle aus ihren Kampf selber mitsteuern und lenken kann. Die Erfahrung in Rußland hatte schon gezeigt, wie elementar die Aktivität in den Fabriken, die Aktivität der Fabrikkommitees war. Wenn sich die Arbeiterräte nicht gegenüber den Vollversammlungen verantworten müssen, sich von ihnen loslösen, müssen die Arbeiter in den Betrieben neue Delegierte wählen, ihren Druck erhöhen, ihren Kampf „von unten" intensivieren.

    Schon in Rußland hatte Lenin erkannt:

    „Um kontrollieren zu können, muß man die Macht haben. Wenn ich aber diese Grundbedingung durch die Kontrolle verdecke, dann sage ich die Unwahrheit und arbeite den Kapitalisten und Imperialisten in die Hände… Ohne Macht ist die Kontrolle eine kleinbürgerliche Phrase, die den Gang und die Entwicklung der Revolution hemmt"

    Während in Rußland in den ersten Wochen nach Februar die Räte, die sich auf die bewaffneten Arbeiter und Soldaten stützten, über reale Macht verfügten, besaß sie der Berliner Vollzugsrat nicht. Rosa Luxemburg stellte zurecht fest:

    „Der Vollzugsrat der vereinigten Räte Rußlands ist - mag man gegen ihn schreiben was man will - freilich ein ander Ding als der Berliner Vollzugsrat. Jener ist Haupt und Hirn einer gewaltigen revolutionär-proletarischen Organisation, dieser das
    5. Rad am Wagen einer krypto-kapitalistischen Regierungsclique, jener ist die unerschöpfliche Quelle proletarischer Allmacht, dieser kraft und orientierungslos, jener ist der lebendige Geist der Revolution und dieser ihr Sakropharg."

     

    (Rosa Luxemburg, 12. Dezember1918).
    (Lenin, Aprilkonferenz, Referat zur politischen Lage, 7. Mai, Werke Bd. 24, S. 220)

    DER REICHSRÄTEKONGRESS:

    Am 23. November rief der Berliner Vollzugsrat zur Abhaltung eines Reichsrätekongresses in Berlin für den 16. Dezember auf. Weil die Bewegung in den Fabriken jedoch noch nicht wirklich voll zu pulsieren angefangen hatte, sollte dieser Versuch der Zusammenballung der Kräfte der Arbeiterklasse in Wirklichkeit zu einem Hebel gegen sie werden. Die SPD setzte durch, daß in den einzelnen Gebieten des Reiches auf je 200.000 Einwohner ein „Arbeiterdelegierter", auf je 100.000 Soldaten jedoch ein Soldatenvertreter gewählt werden sollte, wodurch die Soldatenvertreter ein übergroßes Gewicht einnehmen konnten. Anstatt die Aktivität der Klasse in den Fabriken entsprechend widerzuspiegeln, lief die Taktik der SPD darauf hinaus, den Reichsrätekongreß von der Initiative der Klasse abzuschotten.

    Den Saboteuren des Klassenkampfes zufolge sollten als „Arbeiterdelegierte" nur „Hand- und Kopfarbeiter" zugelassen werden. Nachdem alle Gewerkschafts- und SPD- Parteifunktionäre plötzlich mit ihrer „Berufsangabe" auftraten, blieben die Vertreter des Spartakusbundes Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ausgeschlossen. Wir können sehen, während die bürgerlichen Kräfte mit dem Einsatz aller möglichen Tricks immer Zugang zu finden suchen, werden die Revolutionäre, die als solche offen auftreten, am Reden gehindert.

    Als der Rätekongreß am 16. Dezember zusammentrat, verwarf er zuvor eine Beteiligung russischer Delegierter.

    „Bei der Vollversammlung handelt es sich aber nicht um die Beratung internationaler, sonderlich lediglich um deutsche Angelegenheiten, bei deren Beratung natürlich Ausländer nicht mitreden können... Es handelt sich bei der Delegation um nichts anderes als um bolschewistische Diktaturvertreter."

    Um die Sabotage des Kongresses fortzusetzen, brachte die SPD den Kongreß dazu, die Nationalversammlung für den 19. Januar 1919 einzuberufen.

    Die Spartakisten, die die Gefahren erkannt hatten, riefen zu einer Großdemo vor dem Kongreß auf. Mehr als 250.000 demonstrierten unter der Losung: „Für die Arbeiter- und Soldatenräte, gegen die Nationalversammlung"!

    Während der Kongreß dabei war, den Interessen der Arbeiterklasse entgegenzuarbeiten, sprach Liebknecht vor der Kongreßhalle. „Wir verlangen von dem Kongreß, daß er die volle politische Macht zwecks Durchführung des Sozialismus in die Hand nimmt und die Macht nicht einer Nationalversammlung überträgt, die nicht ein Organ der Revolution sein würde. Wir fordern von dem Rätekongreß, daß er die Hand nach unseren russischen Brüdern ausstreckt und die Delegierten der Russen herüberruft. Wir wollen die Weltrevolution und die Vereinigung der Proletarier aller Länder unter Arbeiter- und Soldatenräten." (17. Dezember 1918) D.h. die Revolutionäre erkannten die Notwendigkeit der Mobilisierung der Massen selber! Druck ausüben auf die Delegierten, Initiative der Versammlungen in den Betrieben, die Selbständigkeit der Räte gegen die bürgerliche Nationalversammlung verteidigen, die Verbrüderung mit der internationalen Arbeiterklasse herbeiführen. Aber auch nach der Massendemo verwarf der Kongreß weiterhin die Beteiligung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, unter dem Vorwand, sie seien keine Arbeiter, während unterdessen die Bourgeoisie ihre Leute in den Kongreß eingeschleust hatte. Auf dem Kongreß stellten sich die SPD-Vertreter schützend vor die Armee, um sie vor weiterem Zerfall durch die Soldatenräte zu bewahren.

    Der Kongreß beschloß alsbald, keine Arbeiter- und Soldatendelegationen mehr zu empfangen, um sich dem Druck der Arbeiter nicht mehr zu beugen.

    Zum Abschluß verbreitete der Kongreß noch eine Rauchwolke, indem er über erste Sozialisierungsmaßnahmen palaverte, obwohl die Arbeiter noch nicht einmal die Macht ergriffen hatten. „Sozialpolitische Maßnahmen in einzelnen Betrieben durchzuführen ist eine Illusion, solange die Bourgeoisie die politische Macht in den Händen hat. Mit diesem Gerede soll vom Endkampf abgelenkt werden" (IKD, Der Kommunist). Die zentrale Frage, Entwaffnung der Konterrevolution, Sturz der bürgerlichen Regierung, wurde dadurch beiseite gedrängt.

    Was hätten die Revolutionäre gegen solch eine Entwicklung tun sollen? Otto Rühle, mittlerweile zum ausgesprochenen Rätekommunist geworden, hatte am 16. Dezember in Dresden gegenüber dem örtlichen Arbeiter- und Soldatenrat das Handtuch geschmissen, als dort starke sozialdemokratische Kräfte die Überhand hatten. Die Spartakisten dagegen überließen nicht dem Feind das Feld.

    Nach der Verurteilung der Ergebnisse dieses Reichsrätekongresses, pochten sie auf die Initiative der Arbeiter. „Der Rätekongreß hat seine Vollmachten überschritten, hat das Mandat verraten, das ihm von den Arbeiter- und Soldatenräten eingehändigt war, hat den Boden aufgehoben, auf dem seine Existenz und seine Autorität fußte. Die Arbeiter- und Soldatenräte werden nunmehr mit verzehnfachter Energie ihre Macht ausbauen und ihr Daseinsrecht... zu verteidigen haben. Sie werden das gegenrevolutionäre Werk ihrer ungetreuen Vertrauensmänner für null und nichtig erklären…"(Rosa Luxemburg, 20. Dezember 1918)

    (so rechtfertige der Vorwärts das SPD-Blatt am 11. Dezember 1918 die Entscheidung) Indem dieser Beschluß durchgesetzt wurde, verwarf die SPD sofort den grundlegendsten Charakter der Arbeiterräte: daß sie ein Ausdruck der weltweiten proletarischen Revolution sind, die in Rußland begonnen hatte.

    DAS LEBENSELIXIER DER REVOLUTION - DIE MASSENAKTIVITÄT

    Die Orientierung der Spartakisten bestand dann auch darin, die Masseninitiative vor Ort zu intensivieren. Diese Ausrichtung haben die Spartakisten auf dem Gründungskongreß der KPD, der nur 10 Tage nach dem Ende des Reichsrätekongresses stattfand, hervorgehoben.

    Die Spartakisten hatten verstanden: Der Puls der Revolution schlägt in den Räten; die proletarische Revolution ist die erste Revolution, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung, von der ausgebeuteten Klasse gemacht wird. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Revolutionen, die von Minderheiten durchgeführt werden konnten, kann die proletarische nur siegreich sein, wenn sie ständig gespeist, unaufhörlich vorangetrieben wird durch die Aktivität der ganzen Arbeiterklasse. Die Räte und ihre Delegierte sind kein vom Rest der Klasse isolierter Teil, der sich von diesem abschotten und isolieren muß, oder die den Rest der Klasse in Passivität hält. Nein - die Revolution kann nur vorankommen durch die bewußte, wachsame, aktive und kritische Selbstbeteiligung der Klasse.

    Für die Arbeiterklasse hieß dies, daß eine neue Stufe im Kampf eintreten mußte, wo der Druck aus den Betrieben verstärkt werden mußte. Die verstärkte Agitation der Kommunisten in den lokalen A/S-Räten stand für sie als oberste Priorität an. Sie folgten damit der gleichen Politik, wie sie Lenin schon im April 1917 vertrat, als in Rußland eine ähnliche Situation vorhanden war:

    „Aufklärung darüber, daß die Sowjets der Arbeiterdeputierten die einzig mögliche Form der revolutionären Regierung sind und daß daher unsere Aufgabe, solange sich diese Regierung von der Bourgeoisie beeinflussen läßt, nur in geduldiger, systematischer, beharrlicher, besonders den praktischen Bedürfnissen der Massen angepaßter Aufklärung über die Fehler ihrer Taktik bestehen kann. Solange wir in der Minderheit sind, besteht unsere Arbeit in der Kritik und Klarstellung der Fehler, wobei wir gleichzeitig die Notwendigkeit des Übergangs der gesamten Staatsmacht an die Sowjets der Arbeiterdeputierten propagieren, damit die Massen sich durch die Erfahrung von ihren Irrtümern befreien."

    Wir können aber die Dynamik in den Räten nicht wirklich verstehen, wenn wir nicht die Rolle der Soldaten näher beleuchten.

    Die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse war vorangetrieben worden durch den Kampf gegen den Krieg. Dabei hatte der Widerstand der Arbeiter „zu Hause" die Soldaten „an der Front" infiziert (der Anteil der Arbeiter unter den Soldaten war in Deutschland viel größer als in Rußland). Die Meutereien der Soldaten wie die Erhebungen der Arbeiter hatten schließlich die Bourgeoisie gezwungen, den Krieg zu beenden. Solange der Krieg dauerte, waren die kriegsmüden Soldaten die besten Verbündeten der Arbeiter. Dank dieses wachsenden Widerstandes entstand auch ein günstiges Kräfteverhältnis an der Front „zu Hause". Wie Liebknecht schrieb, destabilisierte das die Armee. Sobald der Krieg jedoch von der Bourgeoisie beendet worden war, kam es zu einer Spaltung innerhalb der Soldaten selbst. „Die Masse der Soldaten ist revolutionär gegen den Militarismus, gegen den Krieg und die offenkundigen Repräsentanten des Imperialismus; im Verhältnis zum Sozialismus ist sie noch zwiespältig, schwankend, unausgegoren." (Liebknecht, 19. November 1918)

    Solange der Krieg fortdauerte und die Truppen noch mobilisiert blieben, hatten sich an vielen Orten Soldatenräte gebildet. „Die Soldatenräte sind der Ausdruck einer aus allen Klassen der Gesellschaft zusammengesetzten Masse, in der zwar das Proletariat bei weitem überwiegt, aber keineswegs das zielbewußte, klassenkampfbereite Proletariat; sie sind oft geradewegs von oben herab, durch das Eingreifen der Offiziere, auch hochfeudaler Kreise gebildet, die so in schlauer Anpassung ihren Einfluß auf die Soldaten zu bewahren suchten und sich zu ihren Vertretern haben wählen lassen." (Liebknecht, 21. November 1918).

    Die Armee als solches ist natürlich ein klassisches Instrument, kontrolliert und dirigiert von dem Staat ergebenen Offizieren. In einer revolutionären Situation jedoch, wo es unter Tausenden von Arbeitern in Uniform brodelt, wo die alten hierarchischen Strukturen nicht mehr respektiert werden und Arbeiter in Uniform gemeinsam Beschlüsse fassen, kann dies eine Armee zum Auseinanderbrechen, zur Spaltung bringen, insbesondere wenn die Soldaten bewaffnet sind. Dazu muß die Arbeiterklasse aber einen ausreichend starken Bezugspol darstellen - auf den sich die Arbeiter in Uniform zubewegen und mit ihnen verbrüdern können. Während des Krieges gab es diese Dynamik.

    Deshalb beendete die Bourgeoisie den Krieg, um eine weitere Radikalisierung der Arbeiter in Uniform zu verhindern.

    Aufgrund dieses Schrittes hatte es die herrschende Klasse geschafft, die Arbeiter „zu beruhigen" und sie von der Revolution „abzuschotten", während die Bewegung der Arbeiterklasse noch nicht stark genug war, um die Soldaten stärker auf die Seite der Arbeiter zu ziehen. Dadurch konnten die Manipulationen der Bourgeoisie in den Reihen der Soldaten um so besser wirken.

    Das Gewicht der Soldaten war bedeutsam während der aufsteigenden Phase der Bewegung - und es trug entscheidend zur Beendigung des Krieges bei. Aber ihre Rolle änderte sich, als die Bourgeoisie ihre Gegenoffensive begann.

    (Lenin, Aprilthesen, 4. These, April 1917. Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution)

    DIE AUFGABE KANN NUR INTERNATIONAL GELÖST WERDEN

    Während die Kapitalisten sich im Krieg vier Jahre lang bekämpft, Millionen von Toten als Kanonenfutter geopfert hatten, war das Kapital sofort nach dem Ausbruch der Revolution in Rußland und vor allem, als das Proletariat in Deutschland zum Sturmlauf ansetzte, bereit, sich zusammenzuschließen. Die Spartakisten hatten von Anfang an verstanden, welche Gefahr aus der Isolierung der Arbeiterklasse in Rußland und Deutschland entstehen würde. Am 25. November richteten sie folgenden Aufruf: „An die Proletarier aller Länder" ... die Stunde der Abrechnung mit der kapitalistischen Herrschaft hat geschlagen. Dies große Werk aber kann das deutsche Proletariat allein nicht vollbringen, es kann nur kämpfen und siegen, indem es die Solidarität der Proletarier der ganzen Welt anruft. Genossen der kriegführenden Länder, wir kennen Eure Lage. Wohl wissen wir, daß Eure Regierungen nun, da sie den Sieg errungen haben, manche Volksschichten durch den äußern Glanz des Sieges blenden.... Eure siegreichen Kapitalisten stehen bereit, unsere Revolution, die sie wie die eigene fürchten, blutig zu unterdrücken. Ihr selbst seid durch den „Sieg" nicht freier, Ihr seid nur noch versklavter geworden. Gelingt es Euren herrschenden Klassen, die proletarische Revolution in Deutschland wie in Rußland abzuwürgen, dann werden sie sich mit doppelter Wucht gegen Euch wenden.... Deutschland ist schwanger mit der sozialen Revolution, aber den Sozialismus kann nur das Weltproletariat verwirklichen." (Spartakusbund, 25. November 1918, in Rosa Luxemburg, Ges. Werke, Bd 4, S. 418)

    Während die SPD alles daran setzte, die Arbeiter in Deutschland von Rußland abzukoppeln, setzten sich die Revolutionäre mit aller Kraft für den Zusammenschluß der Arbeiterklasse ein.

    Dabei waren sich die Spartakisten bewußt: „Jetzt herrscht bei den Völkern der Entente begreiflicherweise ein mächtiger Siegestaumel, und die Freude über die Zertrümmerung des deutschen Militarismus, über die Befreiung Belgiens und Frankreich ist so laut, daß wir ein revolutionäres Echo von Seiten der Arbeiterschaft unser bisherigen Feinde in diesem Augenblick nicht erwarten." (Liebknecht, 23. Dezember 1918.

    Sie wußten, daß die Revolution eine gefährliche Spaltung in den Reihen der Arbeiter hinterlassen hatte. Und die Verteidiger des Kapitals, die SPD, gingen jetzt daran, die Arbeiterklasse in Deutschland gegen die Arbeiter anderer Länder auszuspielen. Drohung mit ausländischen Interventionen, all dies hat die herrschende Klasse seitdem mehrfach praktiziert.

    DIE BOURGEOISIE HATTE DIE LEHREN AUS RUSSLAND GEZOGEN

    Nachdem die Bourgeoisie und die Militärs unter Führung der SPD am 11. November aus Angst, die Arbeiterklasse könnte sich weiter radikalisieren und den „russischen Weg einschlagen", den Waffenstillstand geschlossen hatten, der Krieg damit zu Ende gebracht war, war eine neue Situation eingetreten.

    Wie R. Müller, ein führendes Mitglied der Obleute meinte;

    „Die ganze Kriegspolitik mit ihren Wirkungen auf die Lage der Arbeiter, der Burgfrieden mit der Bourgeoisie, alles was die Arbeiter bis aufs Blut gereizt hatte, war vergessen."

    Die Bourgeoisie hatte die Lehren aus Rußland gezogen. Hätte die Bourgeoisie in Rußland beispielsweise im März, April 1917 den Krieg beendet, wäre die Revolution im Oktober auch nicht möglich, auf jeden Fall viel schwerer gewesen. Der Krieg läßt sich zwar abstellen, um einer Bewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auch hier stand die Arbeiterklasse in Deutschland vor einer anderen Situation als ihre Klassenbrüder in Rußland.

    „Man kann nicht erwarten, wenn man auf dem Boden historischer Entwicklung steht, daß man in dem Deutschland, das das furchtbare Bild des 4. August und der vier Jahre darauf geboten hat, plötzlich am 9. November 1918 eine großartige, klassen- und zielbewußte Revolution erlebt; und was wir am 9. November erlebt haben, war zu drei Vierteln mehr Zusammenbruch des bestehenden Imperialismus als Sieg eines neuen Prinzips. Es war einfach der Moment gekommen, wo der Imperialismus wie ein Koloß auf tönernen Füßen, innerlich morsch, zusammenbrechen mußte, und was darauf folgte, war eine mehr oder weniger chaotische, planlose, sehr wenig bewußte Bewegung, in der das einigende Band und das bleibende, das rettende Prinzip nur in der Losung zusammengefaßt war: die Bildung der Arbeiter- und Soldatenräte... Es waren eben die ersten Kinderschritte der Revolution, die noch Gewaltiges zu leisten hat und einen weiten Weg zu gehen hat, um heranzuwachsen zur völligen Verwirklichung ihrer ersten Losung."

    Deswegen konnte man nicht den Anfang der Bewegung mit dem Ende verwechseln, denn

    „Kein Proletariat der Welt, auch nicht das deutsche, kann die Spuren einer jahrtausendelangen Knechtung von heute auf morgen... beseitigen. Sowenig die politische hat die geistige Verfassung des Proletariats am ERSTEN Tag der Revolution ihren höchsten Stand. Erst die Kämpfe der Revolution werden in jedem Sinne das Proletariat zur vollen Reife erheben".

    (Rosa Luxemburg, 3. Dezember 1918).

     

    (Rosa Luxemburg, Gründungsparteitag KPD)
    (R. Müller, S. 35)

    DIE LASTER DER VERGANGENHEIT

    Den Spartakisten hatten recht zu sagen, daß die Ursachen dieser großen Schwierigkeiten in den Lastern der Vergangenheit lagen. Denn das Vertrauen, das viele noch in die Politik der SPD hatten, war ein gefährliches Überbleibsel. Viele hielten zu einem guten Teil die Kriegspolitik der SPD für eine vorübergehende Verirrung. Sie hielten den ganzen Krieg für eine schändliche Mache der eben gestürzten Regierungsclique. Sie erinnerten sich an die einigermaßen erträgliche Lage vor dem Kriege und hofften, über das gegenwärtige Elend bald wieder und endgültig hinweg zu sein. Gegen neue Kriege schienen ihnen die Versprechungen Wilsons, der angekündigte Völkerbund, die Demokratie Sicherheit zu bieten, die demokratische Republik schien ihnen nicht als Bourgeoisrepublik, sondern tatsächlich als der Boden, aus dem der Sozialismus sprießen könnte. Kurzum: der Druck der demokratischen Illusionen, die mangelnde Erfahrung im Zusammenprall mit den Saboteuren der SPD und der Gewerkschaften waren ausschlaggebend. „In allen früheren Revolutionen traten Kämpfer mit offenem Visier in die Schranken: Klasse gegen Klasse, Programm gegen Programm, Schild gegen Schild... Es waren (früher) stets Anhänger des gestürzten oder bedrohten Systems, die im Namen und zur Rettung dieses Systems gegenrevolutionäre Maßnahmen ergriffen… In der heutigen Revolution treten die Schutztruppen der alten Ordnung nicht unter eigenen Schildern und Wappen der herrschenden Klasse, sondern unter der Fahne einer sozialdemokratischen Partei in die Schranken… Die bürgerliche Klassenherrschaft kämpft heute ihren letzten weltgeschichtlichen Kampf unter fremder Flagge, unter der Flagge der Revolution selbst. Es ist eine sozialistische Partei, es ist das ureigenste Geschöpf der Arbeiterbewegung und des Klassenkampfes, das sich in das wuchtigste Instrument der bürgerlichen Gegenrevolution verwandelt hat. Kern, Tendenz, Politik, Psychologie, Methoden - alles ist gut kapitalistisch. Nur Schilder, Apparat und Phraseologie sind vom Sozialismus übrig geblieben." (Rosa Luxemburg, 21. Dezember 1918)

    Eine deutlichere Entblößung des Charakters der Konterrevolution in Gestalt der SPD konnte nicht formuliert werden.

    Deshalb zeigten die Spartakisten die nächste, jetzt erforderliche Etappe auf:

    „Der Umschlag der vorwiegend soldatischen Revolution des 9. November in eine ausgesprochene Arbeiterrevolution, der oberflächlichen, rein politischen Umwälzung in den langatmigen Prozeß der wirtschaftlichen Generalauseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital erfordert von der revolutionären Arbeiterklasse einen ganz anderen Grad der politischen Reife, Schulung, Zähigkeit, als wie sie der ersten anfänglichen Phase genügten." (Rosa Luxemburg, 3. Januar 1919

    Zwar war die Bewegung Anfang November nicht nur eine „Soldatenrevolution" gewesen, denn ohne die Arbeiter in den Fabriken hätten die Soldaten sich nie soweit radikalisieren können. Die Spartakisten sahen die Perspektive eines wirklichen Schrittes voran, als in der zweiten Novemberhälfte und im Dezember im Ruhrgebiet und in Oberschlesien eine Welle von Streiks ausbrach. Das bedeutete eine Aktivierung der Arbeiterklasse in den Fabriken selbst, ein Zurückdrängen des Gewichtes der Soldaten. Denn nach dem Ende des Krieges kam es zum wirtschaftlichen Zusammenbruch und zu einer noch größeren Verschlechterung der Lebensbedingungen der Arbeiter. Im Ruhrgebiet legten viele Bergarbeiter die Arbeit nieder. Um ihre Forderungen durchzusetzen, zogen sie oft zu den anderen Bergwerken, damit mehr Bergleute sich ihnen anschlossen und sie ein größeres Gewicht hatten. Bald klangen die Streiks etwas ab, bald entfalteten sie sich mit neuer Kraft.

    „In der heutigen Revolution sind die eben ausgebrochenen Streiks… der erste Anfang einer Generalauseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit, sie läuten den Beginn des gewaltigen direkten Klassenkampfes ein, dessen Ausgang kein anderer sein kann als die Beseitigung des Lohnverhältnisses und Einführung der sozialistischen Wirtschaft. Sie lösen die lebendige soziale Kraft der gegenwärtigen Revolution aus: die revolutionäre Klassenenergie der proletarischen Massen. Sie eröffnen die Periode der unmittelbaren Aktivität der breitesten Massen."

     

    Deshalb betonte Rosa Luxemburg zurecht,

    „Nach der ersten Phase der Revolution, der des vorwiegend politischen Kampfes, kommt eine Phase des verstärkten, gesteigerten, in der Hauptsache ökonomischen Kampfes…

    In der kommenden Phase der Revolution werden sich die Streiks nicht nur immer mehr ausdehnen, sondern sie werden im Mittelpunkt, im entscheidenden Punkt der Revolution stehen, zurückdrängend die rein politischen Fragen."

    Nachdem der Krieg durch die Bourgeoisie unter dem Druck der Arbeiter beendet, die Bourgeoisie eine politische Offensive eingeleitet, die ersten Versuche der Arbeiterklasse nach der Macht zu greifen abgewehrt worden waren, mußte die Bewegung in eine neue Stufe eintreten. Entweder würde die Arbeiterklasse neue Schubkraft durch die Initiative der Arbeiter in den Fabriken entwickeln können, den „Umschlag in eine ausgesprochene Arbeiterrevolution" schaffen, oder aber die Bourgeoisie würde ihre Offensive fortsetzen können. DV

    • (1) In Köln war die revolutionäre Bewegung besonders stark. Innerhalb von 24 Stunden hatten am 9. November allein 45.000 Soldaten den Militaristen den Gehorsam verweigert und waren „auseinander gelaufen". Schon am 7. November waren revolutionäre Matrosen aus Kiel auf dem Weg nach Köln. Der spätere Bundeskanzler Adenauer, damals Bürgermeister von Köln, und die Führung der SPD trafen sofort Maßnahmen, um die „Lage zu beruhigen".
    • (2) Seitdem geht das Kapital immer mit der gleichen Taktik vor: 1980, als Polen von einem Massenstreik der Arbeiter erfaßt wurde, wechselte das Kapital auch die Regierung aus. Die Liste der Beispiele ist endlos lange. Personen austauschen, um die Kapitalsherrschaft nicht anzutasten
    (Rosa Luxemburg auf dem Gründungsparteitag der KPD)

     

    (Rote Fahne, 18. November 1918)

    Zerstörung der Machtposition der Gegenrevolution, Aufbau und Festigung der proletarischen Macht - das waren die beiden Aufgaben, die die Spartakisten mit bemerkenswerter Klarheit in den Vordergrund stellten.

    „Das Fazit der ersten Woche der Revolution heißt: Im Staate der Hohenzollern hat sich im wesentlich nichts verändert, die Arbeiter- und Soldatenregierung fungiert als Stellvertreterin der imperialistischen Regierung, die bankrott geworden ist. All ihr Tun und Lassen ist von der Furcht vor der Arbeitermasse getragen. ..

    Der reaktionäre Staat der zivilisierten Welt wird nicht in 24 Stunden zum revolutionären Volksstaat. Soldaten, die gestern in Finnland, Rußland, der Ukraine, im Baltikum als Gendarmen der Reaktion revolutionäre Proletarier mordeten, und Arbeiter, die dies ruhig geschehen ließen, sind nicht in 24 Stunden zu zielklaren Trägern des Sozialismus geworden."

    Die Einschätzung der Spartakisten, daß es sich nicht um eine bürgerliche Revolution, sondern um die bürgerliche Konterrevolution handelte, die da auf dem Vormarsch war, ihre Fähigkeit, die Lage mit Überblick, Weitblick einzuschätzen, ist ein schlagender Beweis für die Notwendigkeit revolutionärer Organisationen.

    (Rote Fahne, 18. November 1918)