Funktion der revolutionären Organisation

Submitted by InternationaleRevue on Sam, 25/02/2006 - 13:53.

DIE FUNKTION DER REVOLUTIONÄREN ORGANISATION 1) Seit ihrer Gründung hat die IKS die entscheidende Bedeu­tung einer internationalen Organisation der Revolutionäre bei dem Wiedererstarken eines neuen Kurses der Klassenkämpfe auf Weltebene unterstrichen. Durch unsere Inter­vention in dem Kampfe, selbst wenn dies nur auf einem bescheidenen Maßstab durchgeführt werden kann, durch unsere ausdauernden Versuche, auf die Schaffung eines wirklichen Diskussionszentrums zwischen revolutionären Gruppen hinzuarbeiten, haben wir in der Praxis bewie­sen, daß unsere Existenz weder überflüssig, noch eine Phantasie war. Überzeugt davon, daß unsere Funktion einem grundlegenden Bedürfnis der Klasse entspricht, haben wir sowohl den Dilettantismus als auch den Grössenwahnsinn des revolutionären Milieus bekämpft, das noch von den Spuren des mangelnden Verantwortungsbewußtseins und der Unreife gekennzeichnet ist. Diese Überzeugung ruht nicht auf einem religiösen Glauben, son­dern auf einer Methode der Analyse: die marxistische Theorie. Die Gründe für das Entstehen der revolutionären Organisation können nicht außerhalb dieser Theorie ver­standen werden, denn ohne sie könnte es keine wirkliche revolutionäre Bewegung geben. 2) Die neulich in der IKS stattgefundenen Spaltungen sind keine fatale Krise. Sie drücken hauptsächlich ein Unverständnis der Bedingungen und der Bewegung der Klas­se aus, die revolutionäre Organisationen hervorbringt, nämlich, daß - der Kurs zur Revolution nicht ein örtlich bedingtes, sondern ein weltweit bestimmtes Phänomen ist; 

 

 

 

 

- die Tiefe der Krise und das Ausmaß der Kämpfe nicht mechanisch eine unmittelbar revolutionäre Periode eröff­nen; - die Notwendigkeit der Organisation nicht vorübergehen­der Natur ist, sondern einem historischen Zeitraum ent­spricht, und sie bis zum weltweiten Sieg des Kommunismus  erforderlich ist;

 

- die Arbeit der Organisation nur als langfristig aufge­faßt werden kann und daher alle künstlichen Abkürzungen ver­mieden werden müssen, die durch die immediatistische  Un­geduld entstehen könnten und die Organisation in Gefahr brächten.

3) Das Unverständnis der Funktion der Organisation der Revolutionäre hat immer zur Verwerfung der Notwendigkeit derselben geführt:

 

- der anarchistischen und rätekommunistischen Auffas­sung zufolge wird die Organisation als eine Vergewalti­gung der Person eines jeden Arbeiters verstanden, die Organisation ist auch nur eine Zusammenfassung von Indi­viduen, deren Vereinigung mehr oder weniger zufällig ist; - der klassische Bordigismus, für den die Partei gleich der Klasse ist, verwirft diese Notwendigkeit indirekt, indem er die Funktion der Organisation der Revolutionäre mit der Funktion der allgemeinen Organisation der Klasse verwechselt. 4) Die Notwendigkeit einer revolutionären Organisation besteht nach wie vor, weder die Konterrevolution noch der Ausbruch gewaltiger Kämpfe heben diese Tatsache auf. Seit der Entstehung des Proletariats als Klasse im 19. Jahrhundert ist der Zusammenschluß der Revolutionäre eine lebenswichtige Notwendigkeit. Jede historische Klasse, die Trägerin einer sozialen Umwälzung ist, entwickelt eine klare Vorstellung von dem Ziel und den Mitteln des Kamp­fes, der sie zur Verwirklichung ihrer historischen Zie­le führt;   

 

 

 

- die kommunistischen Ziele des Proletariats bringen eine politische Organisation hervor, die auf der Ebene der Theorie (Programm) und der Praxis (ihrer Aktivitä­ten) die allgemeinen Ziele des gesamten Proletariats vertritt; - in der Klasse entstehend und aus ihr hervorgehend, überspringt die Organisation der Revolutionäre jede "natürliche" (geographische und historische) und künstliche (Berufsbranchen, Arbeitsstätten) Spaltung. So drückt sie die ständige Tendenz des Entstehens eines einheitlichen Klassenbewußtseins aus, das sich gegen jegliche unmittelbare Spaltung wendet; - in Anbetracht der systematischen Bemühungen der Bour­geoisie, das Klassenbewußtsein des Proletariats in Sackgassen zu lenken und es zu zerschlagen, ist die Organisation der Revolutionäre eine entscheidende Waffe des Kampfes gegen die heimtückischen Auswirkungen der bürgerlichen Ideologie. Ihre Theorie (das kommunistische Programm) und ihre militanten Aktionen in der Klasse sind ein starkes Gegengift gegen die Venebelungstaktik der Bourgeoisie. ) Das kommunistische Programm, aus dem das Prinzip der militanten Aktivitäten abgeleitet wird, ist die Grund­lage jeder revolutionären Organisation, die sich dieses Namens würdig erweist. Ohne revolutionäre Theorie wäre eine revolutionäre Funktion nicht zu erfüllen, d.h. eine Organisation für die Verwirklichung dieses Programm unmöglich. Aus diesem Grunde hat der Marxismus immer jegliche immediatistischen und ökonomistischen Abwei­chungen verworfen, die die historische Rolle der kommunistischen Organisation auf den Kopf stellen und verleug­nen.

 

 

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6) Die revolutionäre Organisation ist ein Organ der Klasse. Organ, das bedeutet lebendiges Mitglied eines le­bendigen Körpers. Ohne dieses Organ würde dem Leben der Klasse eine vitale Funktion fehlen; es wäre vorübergehend geschwächt und gefesselt. Deshalb taucht diese Funktion immer wieder auf, wächst an, dehnt sich aus, und schafft notwendigerweise die Organe, die sie braucht.  7) Dieses Organ ist kein einfaches physiologisches An­hängsel der Klasse, die sich damit zufriedengäbe, den unmittelbaren Bestrebungen der Klasse zu folgen. Die re­volutionäre Organisation ist ein Teil der Klasse. Sie ist weder von ihr getrennt, noch mit ihr verschmolzen (mit ihr identisch). Sie ist auch keine Vermittlung zwi­schen dem Sein und dem Bewußtsein der Klasse. Sie stellt eine besondere Form der Klasse dar, der bewußteste Teil. Sie umfaßt daher nicht die gesamte Klasse, sondern ihren bewußtesten und aktivsten Teil. Ebensowenig wie die Par­tei die Klasse ist, ist die Klasse auch nicht die Partei. 

8) Als Teil der Klasse ist die Organisation der Revolutionäre nicht die Summe ihrer Teile (die Militanten), sie ist auch keine Ansammlung  soziologischer Schichten (Arbeiter, Angestellte, Intellektuelle). Sie entwickelt sich als eine lebendige Totalität, deren verschiedenen Zellen zur Aufgabe haben, ihre beste Funktionsweise sicherzustellen. Sie bevorzugt weder Individuen, noch besondere Kategorien. Wie die Klasse entsteht die Orga­nisation als ein kollektiver Körper. 9) Die Bedingungen der vollen Entfaltung der Organisa­tion der Revolutionäre sind die gleichen, die den Auf­stieg der proletarischen Klasse ermöglichten:

- ihre internationale Dimension; genau wie die Klasse entsteht, lebt die Organisation, indem sie den na­tionalen Rahmen, der von der Bourgeoisie aufgezwungen wurde, zerschlägt, indem sie dem Nationalismus des Kapitals die Internationalisierung des Klassenkampfes in allen Ländern entgegenstellt.  

 

- ihre historische Dimension. Die Organisation trägt als am meisten fortgeschrittener Teil der Klasse eine geschichtliche Verantwortung gegenüber der Klasse. Als Gedächtnis der unersetzbaren Erfahrung der Arbeiterbe­wegung der Vergangenheit ist sie der bewußteste Aus­druck der allgemeinen und historischen Ziele des Weltproletariats.

Diese Bedingungen vermitteln der Klasse sowie ihrer po­litischen Organisation ihren Einheitscharakter.  10) Die Aktivitäten der Organisation der Revolutionäre dürfen nur als ein einheitliches Ganzes aufgefaßt wer­den, deren Komponenten nicht voneinander getrennt, son­dern abhängig sind: - ihre theoretischen Aktivitäten sind niemals ein für allemal abgeschlossen, im Gegenteil, ihre Ausarbeitung ist ständig weiterzuführen. Diese theoretische Arbeit ist notwendig und unersetzbar.  

 

- Intervention in den ökonomischen und politischen Kämpfen der Klasse. Dies ist die Praxis par excellence der Organisation, wo die Theorie sich in eine Waffe des Kampfes durch die Propaganda und Agitation verwandelt.

- organisatorische Aktivität, die auf die Entwicklung, der Stärkung ihrer Organe hinausläuft, sowie auf die Auf­rechterhaltung der organisatorischen Errungenschaften, ohne die die quantitative Entwicklung (Eintritte in eine Organisation) nicht in einen qualitativen Sprung umschla­gen könnte. 

 11) Viele der politischen und organisatorischen Unver­ständnisse, die in unserer Strömung aufgetaucht sind, können auf das Vergessen des theoretischen Rahmens zurückgeführt werden, den die IKS seit ihrer Gründung ge­schaffen hat. Sie haben ihren Ursprung in einer unzurei­chenden Assimilierung der Theorie der Dekadenz des Kapi­talismus und der praktischen Auswirkungen dieser Theorie in unserer Intervention.

 12) Obgleich die Organisation der Revolutionäre grund­sätzlich nicht ihr Wesen geändert hat, haben sich die Merkmale ihrer Funktion zwischen der aufsteigenden und dekadenten Phase des Kapitalismus qualitativ verändert. Die revolutionären Umwälzungen der Welle nach dem Ersten Weltkrieg haben die Existenz bestimmter revolutionärer Organisationsformen überholt werden lassen und neue ent­wickelt, die im 19. Jahrhundert nur in ihrem Anfangssta­dium vorhanden waren. 13) Der aufsteigende Zyklus des Kapitalismus hat den po­litischen revolutionären Organisationen eine einzigar­tige und damit auch vorübergehende Form verliehen: - eine hybride Form: sowohl die Kooperativen, als auch die Gewerkschaften wie die Parteien konnten in der glei­chen Organisation koexistieren. Trotz der Bemühungen von Marx wurde die politische Funktion der Organisation in den Hintergrund geschoben, der gewerkschaftliche Kampf nahm den ersten Platz ein.  

 

- die Bildung von Massenorganisationen, die umfassende Teile besonderer gesellschaftlicher Gruppen zusammen­faßte (Jugendliche, Frauen, Kooperativenmitglieder), d.h. die Mehrheit der Arbeiterklasse bestimmter Länder - dies ließ eine lockere Organisation der sozialistischen Or­ganisation zu, die zu einer Abschwächung ihrer ursprünglichen Funktion als revolutionäre Organisation führte.

Die Möglichkeit unmittelbarer Reformen - sowohl politi­scher als auch ökonomischer - verlagerte das Handlungs­feld der sozialistischen Organisationen. Der unmittel­bare, gradualistische Kampf bestimmte und beherrschte die große Perspektive des Kommunismus, die in dem Kommu­nistischen Manifest aufgezeigt worden war.

14) Die Unreife der objektiven Bedingungen der Revolu­tion hat zu einer Spezialisierung der organisch eng ver­bundenen Aufgaben geführt, ja zu einer Atomisierung der Funktion der Organisation. - theoretische Aufgaben blieben Spezialisten vorbehal­ten (Marxismusschulen, professionelle Theoretiker);  

 

- Propaganda- und Agitationsaufgaben, die von Funktio­nären (professionellen Revolutionären) der Gewerkschaf­ten und der Parlamentsabgeordneten durchgeführt wurden; 

- organisatorische Aufgaben, die von Funktionären, wel­che die Partei auserwählt hat, ausgeübt werden. 

 15) Die Unreife des Proletariats, bei dem große Massen vom Land oder aus Handwerksstätten stammten, sowie die Entwicklung des Kapitalismus in dem Rahmen kaum gebil­deter Nationen haben die wirkliche Funktion der Or­ganisation der Revolutionäre verdunkelt.  

 

Das gewaltige Anwachsen der proletarischen Massen, die keine politische und organisatorische Tradition hatten und den religiösen Mystifikationen unterworfen waren, sowie noch von der Nostalgie ihres alten Status als unabhängige Produzenten gefangengehalten wurden, all dies ließ die Organisationsarbeit und die Erziehung des Proletariats einen unverhältnismäßig großen Platz einnehmen. Die Funktion der Organisation wurde so aufge­faßt: diese sollte das Bewußtsein und die "Wissen­schaft" in eine noch ungebildete und gerade aus den Illu­sionen der frühen Kindheit entkommenen Klasse eingeben.  

 

Das Anwachsen des Proletariats im Rahmen der industriel­len Nationen hat das internationale Wesen des Sozialis­mus verzerrt (man spricht mehr vom "deutschen Sozialismus", oder vom "englischen Sozialismus" anstatt vom internationalen Sozialismus). Die I. und II. Internationale funktionierte eher als eine Föderation nationaler Sek­tionen als eine weltweit zentralisierte Organi­sation.  

 

Die Funktion der Organisation wurde national aufgefaßt; 

- der Aufbau des Sozialismus in jedem Land, der durch eine Föderation assoziierter "sozialistischer" Staaten (Kautsky) abgeschlossen würde; 

- die Organisation verstand man als dem "demokratischen" Volk zugehörig, das dazu gebracht werden müßte, sich schrittweise durch Wahlen dem sozialistischen Programm anzuschließen. 16) a) Diese vorübergehend bestehenden Charakte­ristiken dieser historischen Periode verfälschten die Beziehungen zwischen Partei und Klasse. Die Rolle der Revolutionäre wurde als eine dirigistische aufge­faßt (die Bildung eines Führungsstabs). Von der Klasse wurden Tugenden wie militärische Disziplin, Unterwerfung unter die Chefs verlangt. Wie jede Armee konnte sie nicht ohne Chefs bestehen, auf die sie sich bei der Verwirklichung ihrer substitutionistischen Ziele ver­lassen würde. Die Partei war die Partei des ganzen Volkes, das für die "sozialistische Demokratie" gewon­nen werden würde. Der Klassencharakter der Partei ver­schwand im Sumpf des Demokratismus.  

 

Gegen die Entartung der Funktion der Partei kämpfte die Linke der II. Internationalen und die der III. Internationalen in den Anfangsjahren an. Daß die Komintern gewisse Auffassungen der alten, gescheiter­ten Internationale übernommen hat (die der Massenpartei, Einheitsfront, Substitutionismus usw.) ist eine Tatsache, die aber heute nicht als Beispiel für die Revolutionäre dienen darf. Der Bruch mit den Entar­tungen der Funktion der Organisation ist eine vitale Notwendigkeit, die mit dem Zeitraum der Dekadenz des Kapitalismus nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist.  16) b) Die aus dem Krieg hervorgegangene revolutio­näre Periode bedeutete eine tiefgreifende, nicht wieder rückgängig zu machende Umwälzung der Funktion der Revolutionäre:

- die Organisation "bereitet" unabhängig davon, ob sie eine zahlenmäßig kleine Organisation oder eine entfaltete Partei ist, weder die Klasse vor, noch organisiert sie sie. Genausowenig organisiert sie die Revolution, die von der Arbeiterklasse insgesamt durchgeführt wer­den muß.  

 

- Sie ist weder die Erzieherin noch der Stabschef der Klasse, der die Militanten der Klasse vorbereitet und dirigiert. Die Klasse erzieht sich selbst im revolutio­nären Kampf, und die "Erzieher" selber müssen durch die Klasse "lernen" und von ihr "erzogen" werden. 

- sie darf nicht mehr besondere Gruppen bilden (Ju­gend, Frauen, Kooperationsmitglieder, Rentner usw.). 17) Die Organisation der Revolutionäre ist also sofort eine Einheitsorganisation, obwohl sie nicht die Ein­heitsorganisation der Klasse ist, die nur die Arbeiterklasse selbst sein kann. Sie ist eine Einheit einer größeren Einheit, des Weltproletariats, das sie her­vorgebracht hat. 

 

Sie entsteht nicht mehr auf nationaler Ebene, sondern gleich weltweit, wobei sie als Gesamtheit die verschie­denen "nationalen" Sektionen gründet. Ihr Programm ist in allen Ländern das gleiche, im Osten wie im Westen, in der entwickelten wie in der unterent­wickelten Welt. Die heute bestehenden "nationalen" Be­sonderheiten, die aus der Ungleichheit der kapitalisti­schen Entwicklung hervorgegangen sind und das Fortbe­stehen anachronistischer vorkapitalistischer Elemente verdeutlichen, dürfen auf keinen Fall zur Verwerfung der Einheit des Programms führen, denn das Programm ist weltweit gültig oder es ist nichts. 

 18) Die Reifung der objektiven Bedingungen der Revolu­tion (Konzentration des Proletariats, größere Homogeni­sierung des Bewußtseins einer vereinigten Klasse, die qualifizierter ist und über einen höheren Bildungs­stand und eine größere Reife als die Arbeiter des letz­ten Jahrhunderts verfügt) hat die Form und die Vorgehens­weise der Organisation der Revolutionäre grundlegend geändert. 

 a) Ihre Form:  

 

- sie ist eine kleinere Minderheit als in der Vergan­genheit, aber bewußter, geschärfter aufgrund ihres Pro­gramms und ihrer politischen Aktivitäten.  

 

-          sie ist nicht so sehr wie im 19. Jahrhundert auf Per­sonen bezogen und erscheint nicht mehr als eine Organi­sation, wo die Chefs die Masse der Militanten führen. Die Periode der weitsichtigen Chefs und der großen Theoretiker ist vorüber. Die theoretische Ausarbeitung und Weiterentwicklung wird eine kollektive Aufgabe. Ge­nau wie bei Millionen "unbekannten" proletarischen Kämp­fern entwickelt sich das Bewußtsein der Organisation durch eine Integration und Überwindung des individuellen Bewußtsein, das in ein kollektives Bewußtsein mündet;  

 

- hinsichtlich ihrer Funktionsweise ist sie im Gegensatz zu der I. und II. Internationale zentralisierter, weil diese zum Großteil durch ein Nebeneinanderbestehen von "nationalen" Sektionen charakterisiert waren. In der geschichtlichen Epoche, in der die Revolution nur eine Weltrevolution sein kann, ist sie der Ausdruck einer weltweiten Tendenz der Umgruppierung der Revolutionäre. Im Gegensatz zu der degenerierenden Auffassung der Kom­intern nach 1921 bedeutet diese Zentralisierung nicht die Aufsaugung der weltweiten Aktivitäten der Revolutio­näre durch eine bestimmte nationale Partei. Die Aktivi­täten eines gleichen Körpers funktionieren in mehreren Ländern selbsttätig, ohne daß dabei ein Teil die anderen beherrschen könnte. Diese Vorherrschaft des Ganzen über die Teile ist eine Vorbedingung für das Leben dieser Teile selber. b) durch ihre Vorgehensweise:  

 

- in der historischen Phase der Kriege und Revolutionen rückt der wirkliche Endzweck, der Kampf für den Kommu­nismus, der jetzt nicht mehr durch eine einfache Propaganda für ein fernes Siel stattfindet, sondern durch die direkte Eingliederung in den großen Kampf für die Welt­revolution, in den Vordergrund.  

 

- wie die Russische Revolution bewies, entstehen und be­stehen die Revolutionäre nur durch und in der Klasse, gegenüber der sie keine Rechte oder Privilegien zu erwarten haben. Sie substituieren sich nicht gegenüber der Klasse, von der sie keine Machtbefugnisse noch irgendwel­che Staatsmacht zu bekommen haben.  

 

- ihre Rolle besteht hauptsächlich darin, in allen Kämp­fen der Klasse zu intervenieren und ihre unabdingbare Funktion bis nach der Revolution zu erfüllen - den Prozeß der Reifung des proletarischen Bewußtseins zu beschleuni­gen. 19) Der Triumph der Konterrevolution, der totalitären Herrschaft des Staates haben die Existenz der revolutio­nären Organisationen erschwert und den Umfang ihrer Intervention eingegrenzt. In diesem Zeitraum des tiefgrei­fenden Rückflusses lag das Schwergewicht vor allem auf ihrer theoretischen Funktion im Vergleich zu der Interventionsfunktion - aber dies hat sich als lebensnotwen­dig für die Aufrechterhaltung der revolutionären Prinzi­pien erwiesen. Der Zeitraum der Konterrevolution hat bewiesen, daß kleine Zirkel, Kerne, winzige, isolierte Minderheiten der Klasse die revolutionären Organisationen sich nur entwickeln können, wenn ein neuer historischer Kurs zur Revolution eröffnet wird;

 

- unter allen Umständen um neue Mitglieder zu werben ("Re­krutierung") zur Aufgabe der Funktion und der Prinzipien führt, so daß man durch die Zahl der Mitglieder geblendet wird. Jeder Eintritt ist freiwillig, er ist eine be­wußte Unterstützung dieses Programms. 

 

- die Existenz der Organisation nur durch das unnachgie­bige Festhalten ihres marxistischen theoretischen Rah­mens gewährleistet ist. Was sie an Quantität verliert, gewinnt sie an Qualität durch eine strenge theoretische, politische und militante Auswahl;  

 

- sie mehr als in der Vergangenheit das Zentrum des Wi­derstandes der schwachen proletarischen Kräfte gegenüber dem gigantischen Druck des Kapitalismus ist, der über 50 Jahre seine konterrevolutionäre Herrschaft ohne viel Widerstand ausüben konnte. 

 

Obgleich die Organisation nicht für sich selbst existiert, ist es für sie lebenswichtig, das Organ entschlossen fest aufrecht zu erhalten, das ihr die Klasse übertragen hat, dazu muß sie es verstärken, zur Umgruppierung der Revolu­tionäre auf Weltebene beitragen.  20) Das Ende des Zeitraums der Konterrevolution hat die Existenzbedingungen der revolutionären Gruppierungen ver­ändert. Ein neuer Zeitraum brach an, der für das Voranschreiten der Umgruppierung der Revolutionäre günstiger war. Jedoch bleibt diese Blütezeit, die Zeit des Auftauchens noch ein Schlüsselzeitraum, wo die notwendigen Be­dingungen für das Entstehen der Partei noch nicht aus­reichend genug entwickelt sind, weil der qualitative Sprung noch nicht stattgefunden hat. Deshalb werden sich noch eine gewisse Zeit lang revolu­tionäre Gruppen entwickeln, die durch die Konfrontation in Diskussionen, gemeinsame Aktionen und schließlich durch ihren Zusammenschluß die Tendenz zur Gründung der Weltpartei zum Ausdruck bringen. Die Verwirklichung die­ser Tendenz hängt sowohl von der Eröffnung des Kurses zur Revolution als auch von dem Bewußtsein der Revolu­tionäre selber ab.

21) In der Tat hat sich das revolutionäre Milieu nach dem historischen Wiedererstarken des Proletariats seit 1968 als zu schwach und unreif erwiesen, um die Herausforderung der neuen Periode aufzunehmen. Das Verschwin­den oder der Zerfall der alten Gruppen der Kommunistischen Linken, die während der gesamten Konterrevolution gegen den Strom gekämpft hatten, war ein negativer Fak­tor bei der Reifung der revolutionären Organisationen. Mehr noch als die theoretischen Errungenschaften der Linken - die langsam wieder entdeckt und aufge­griffen werden, mangelte es an den organisatori­schen Errungenschaften (die organische Kontinuität), denn ohne sie bleibt die Theorie fruchtlos. Die Funktion der Organisation, ihre Notwendigkeit sel­ber wurden oft nicht verstanden, wenn sie nicht gar lächerlich gemacht wurden. 

 

Mangels dieser organischen Kontinuität litten die nach 1968 entstandenen Elemente unter dem furchtbaren Druck der Studentenbewegung und der von ihr eingenommen Haltung des Alles in Frage stellen, Alles verwerfen.

- diese vertrat die individualistische Theorie des All­tagslebens und der Selbstverwirklichung,  

 

- den Akademismus der Zirkel, wo die marxistische Theo­rie entweder als "Wissenschaft" oder als "persönliche Ethik" aufgefaßt wird, 

- Aktivismus und Immediatismus, wo der Proletenkult kaum die vollständige Unterwerfung unter den Druck der Extremen Linke verdeckte.

Der Zerfall der Studentenbewegung, die Verachtung der langsamen und schwierigen Entwicklung des Klassenkampfes wurden in Gestalt des Modernismus theoretisiert. Aber das wirkliche revolutionäre Milieu hat sich dieser am wenigsten überzeugten und wenigsten ernsthaften Teile entledigt, denn für sie war die militante Arbeit entweder eine Sonntagsbeschäftigung oder die höchste Stufe der Entfremdung.

 22) Trotz des erdrückenden Beweises - vor allem seit den Massenstreiks in Polen - daß die Krise einen Kurs zu im­mer größeren Klassenauseinandersetzungen eröffnet, sind die revolutionären Organisationen - die IKS eingeschlos­sen - gegenüber einer anderen Gefahr, die nicht weniger heimtückisch ist, nicht immun. Es handelt sich um den Immediatismus, dessen beiden Erscheinungsweisen der Di­lettantismus und der Individualismus sind. Diese Gefah­ren muß die revolutionäre Organisation abwenden können, wenn sie ihre Existenz aufrechterhalten will. 

23) Die IKS hat in den letzten Jahren die furchtbaren Auswirkungen des Immediatismus erleben können, dieser typischen kleinbürgerlichen Ungeduld und Merkmal des Mai 68. Die offensichtlichsten Formen dieses Immediatismus waren: a) der Aktivismus, der in der Intervention auftauchte und in der voluntaristischen Auffassung des "Rekrutierens" auftrat. Es war vergessen worden, daß die Organi­sation nicht künstlich entwickelt werden kann, sondern sich nur durch eine strenge Auswahl auf der Grundlage einer Plattform verstärken kann. Die zahlenmäßige Ver­größerung ist keine einfache Frage des Willens, sondern das Ergebnis einer Reifung der Klasse und der Elemente, die sie hervorbringt. 

b) der Lokalismus trat in einigen Interventionen in Er­scheinung. Einige Genossen der IKS stellten "ihre" lo­kale Sektion als einen persönlichen Besitz dar, als ein selbständiges Ganzes, obwohl jede lokale Sektion nur Teil eines Ganzes sein kann. Die Notwendigkeit einer internationalen Organisation wurde geleugnet und lächerlich gemacht, manche betrachteten dies nur als Bluff oder als "formale" Bindung zwischen den Sektionen.  c) der Ökonomismus - der schon von Lenin bekämpft wurde - zeigte sich in der Haltung der Bejubelung eines jeden Streiks, wobei jeder Streik isoliert, als solcher betrachtet wurde und nicht in dem weltweiten Rahmen des Klassenkampf analysiert wurde. Oft wurde die politische Funktion unserer Organisation in den Hinter­grund geschoben. Indem man sich manchmal als "Wasser­träger" oder "Techniker" des Kampfes und damit im Dienst der Arbeiterklasse stehend auffaßte, betonte man vor allem die materielle Vorbereitung der zukünftigen Streiks. 

e) der Ouvrierisnus (Proletenkult) schließlich wurde der abschließende, alles zusammenfassende Ausdruck dieser Verirrungen. Wie bei den Linken haben einige Genossen demagogisch behaup­tet, es gebe "Arbeiter" und "Intellektuelle", "Basis" und "Führung" innerhalb der Organisation. Der Austritt einer gewissen Anzahl von Genossen beweist, daß der Immediatismus eine Krankheit ist, die tiefe Wunden hinter­läßt, und daß sie unvermeidbar zur Verneinung der politi­schen Funktion der Organisation als theoretischer und programmatischer Körper führt.  24) All diese typisch linken Abweichungen sind nicht auf die theoretischen Unzulänglichkeiten der Plattform der Organisation zurückzuführen. Im Gegenteil, sie spiegeln eine mangelnde Anwendung des theoretischen Rahmens und insbesondere der Dekadenz des Kapitalismus wider.

 

 

25) Deshalb muß die IKS jede Aufgabe des programmatischen Rahmens energisch bekämpfen, weil diese Aufgabe unvermeidbar zum Immediatismus in den politischen Analysen führt. Sie muß entschlossen gegen folgende Gefahren kämpfen: - den Empirismus, wo die Fixierung auf die Ereignisse, die vorübergehenden Phänomene unausweichlich zur alten Auffassung der "besonderen Fälle" führt, die die Grundlage jeden Opportunismus ist.  

 

- jede Tendenz zur Oberflächlichkeit, die sich in die­ser Haltung der Routine und einer intellektuellen Faul­heit ausdrückt.  

 

- gegen ein bestimmtes Mißtrauen oder Zögerungen gegen­über der theoretischen Arbeit. Den lebendigen "Farben" der Intervention darf nicht die "graue Theorie" gegenübergestelllt werden. Die Theorie ist kein den "Spezia­listen des Marxismus" vorbehaltener Bereich. Sie ist das Ergebnis kollektiver  Vertiefung und der Teilnahme aller an diesen Diskussionen. 

 26) Um die theoretischen und organisatorischen Errun­genschaften zu bewahren, ist es erforderlich, die Reste des Dilettantismus, diese infantile Form des Individua­lismus, aus der Welt zu schaffen. Dieser zeichnet sich aus durch:

- individuelle Arbeit als Ausdruck des "handwerklichen Di­lettantismus",

- politische Verantwortungslosigkeit bei der Gründung von verfrühten oder künstlichen Tendenzen,  

 

- Aufgabe oder Flucht vor seiner Verantwortung.  

 

Die Organisation steht nicht im Dienst der Militanten in deren Alltagsleben, im Gegenteil, die Militanten be­mühen sich jeden Tag, zu der umfassenden Arbeit der Organisation beizutragen. 

 27) Das klare Verständnis der Funktion der Organisation in der Epoche der Dekadenz ist die notwendige Vorbedin­gung für unsere eigene Verstärkung in der entscheidenden Phase der 80er Jahre. Obgleich die Revolution keine Fra­ge der Organisation ist, muß sie Organisationsfragen lö­sen, mangelnde Verständnisse ausräumen, damit die Minderheit der Revolutionäre als Organismus der Klasse funktio­nieren kann. 

28) Die Existenz der IKS fußt auf einer Wiederaneignung der marxistischen Methode, die ihren sichersten Kompaß für das Verständnis der Ereignisse und ihrer Interven­tion darstellt. Die gesamte Arbeit der Organisation kann nur auf langfristiger Basis gesehen und entwickelt werden.  

 

Ohne Methode, ohne kollektiven Geist, ohne die ständigen Bemühungen aller Militanten, ohne Ausdauer, die jegliche immediatistische Ungeduld ausschließt, kann es keine wirkliche revolutionäre Organisation geben. Das Welt­proletariat hat der IKS ein Organ übertragen, dessen Existenz für die zukünftigen Kämpfe ein notwendiger Faktor ist. 

 29) Im Vergleich zum vorigen Jahrhundert gestalten sich heute die Aufgaben der revolutionären Organisationen als viel schwieriger. Sie erfordern mehr von jedem, sie lei­den noch unter den letzten Auswirkungen der Konterrevo­lution und den Nachwirkungen eines Klassenkampfes, der noch von Höhen und Tiefen, Vorwärtsstürmen und Rückflüs­sen gekennzeichnet ist.

Obgleich sie nicht mehr unter der erdrückenden und zer­störerischen Atmosphäre der langen und tiefen Konterrevolution leidet, obgleich sie heute ihre Aktivitäten in einer Periode durchführt, die für die Entfaltung des Klassenkampfes und die Eröffnung eines Kurses hin zu Klassenzusammenstößen auf Weltebene günstiger ist, muß die Organisation dann, wenn der Kampf sich abschwächt, wissen, wie man sich entsprechend zurückzieht, wenn die Klasse vorübergehend zurückweicht.  Deshalb muß die revolutionäre Organisation bis zur Revolution entschlossen gegen die unsicheren Tendenzen und eine Demoralisierung in der Klasse kämpfen. Die Verteidigung der Integrität der Organisation und ihrer Disziplin sowie ihrer Funktion ist absolut lebensnotwendig. Dem Druck widerstehen zu können, ohne sich aus Schwäche auf sich selbst zurückzuziehen, bedeutet für Revolutionäre die Bedingungen der zukünftigen Revolution vorzubereiten. Deshalb muß der entschlossene Kampf gegen die immediatistischen Abweichungen geführt werden, damit die revolutionäre Theorie die Massen ergreift.

 

Indem die Reste des Dilettantismus über Bord geworfen und die lebendige Tradition des Marxismus, die durch die Kommunistische Linke aufrechterhalten und bereichert wurde, wiederangeeignet wird, kann die Organisation in der Praxis zeigen, daß sie wohl das unersetzbare Instrument für das Proletariat ist, damit dieses seine geschichtlichen Aufgaben erfüllen kann. 

 

AN H A N G In den Zeiträumen generalisierter Kämpfe und revolutionärer Bewegungen wird die Aktivität der Revolutionäre indirekt, gar entscheidenden Einfluß haben, 

 

- denn die Arbeiterklasse wird dann in eine entscheidende Konfrontation mit ihrem Todesfeind eingetreten sein; 

 

Es wird darum gehen, die proletarische Alternative durchzusetzen oder den Mystifikationen und Provokationen der Bourgeoisie nachzugeben und von ihr niedergeschlagen zu werden.

- Bis in ihre Reihen hinein (Versammlungen und Räte) wird die Sabotage und Bremserrolle der Agenten der Bourgeoisie zu spüren sein, weil sie alle Mittel bes­itzen, um den Kampf zu verlangsamen und in Sackgassen führen.  Um klare politische Orientierungen in der Bewegung zu vertreten und um den Prozeß der Homogenisierung des Klassenbewußtseins voranzutreiben, wird - wie die Erfahrung der Revolution in Rußland und Deutschland zeigt - die Existenz der Revolutionäre ein entscheidender Faktor sein, um die Wage hin zur einen oder anderen Seite ausschlagen kann. Insbesondere muß man die Hauptrolle in Erinnerung rufen, die von den Revolutionären gespielt wurde, wie Lenin es in seinen Aprilthesen definierte.“Anerkennung der Tatsache, daß unsere Partei in den meisten Sowjets der Arbeiterdeputierten in der Minderheit, vorläufig sogar in einer schwachen Minderheit ist gegenüber dem Block aller kleinbürgerlichen opportunistischen Elemente, die dem Einfluß der Bourgeoisie erlegen sind und diesen Einfluß in das Proletariat hineintragen... Aufklärung der Massen über, daß die Sowjets der Arbeiterdeputierten die einzig mögliche Form der revolutionären Regierung sind und daß daher unsere Aufgabe, solange sich diese Regierung von der Bourgeoisie beeinflussen lässt, nur in geduldiger, systematischer, Beharrlichkeit, besonders den praktischen Bedürfnissen der Massen angepaßter Aufklärung über die Fehler ihrer Kritik bestehen kann" (Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution, These Nr. 4).

Heute schon stellen die Existenz der IKS und die Verwirklichung dieser gegenwärtigen Aufgaben eine unabdingbare Vorbereitungsarbeit dar, um die zukünftige Rolle erfüllen. Die Fähigkeit der Revolutionäre, ihre Funktion in den Zeiträumen generalisierter Kämpfe zu verwirklichen, hängt von ihrer gegenwärtigen Aktivität ab. 1) Diese Fähigkeit entsteht nicht spontan, sondern ent­wickelt sich durch einen ganzen Prozeß politischen und organisatorischen Lernens. Kohärente und klar formulier­te Positionen sowie die organisatorischen Fähigkeiten, um sie verteidigen, zu verbreiten und zu vertiefen, fallen nicht vom Himmel, sondern erfordern eine Vorbe­reitung von heute an. So zeigt uns die Geschichte, wie die Fähigkeit der Bolschewiki, ihre Position entspre­chend der Erfahrung der Klasse (1905, dem Krieg) weiter­zubilden und ihre Organisation zu verstärken, es ihnen im Gegensatz zu den Revolutionären in Deutschland er­möglichte, eine entscheidende Rolle bei den revolutio­nären Kämpfen der Klasse zu spielen.

 

 In diesem Rahmen besteht eines der Hauptziele der kommunistischen Gruppen in der Überwindung des handwerklichen Niveaus ihrer Aktivitäten und ihrer Organisation. Die Entfaltung, Systematisierung, regelmäßige und nicht stoßweise Erfüllung der Interventionsaufgaben, der Publikationsarbeit, des Vertriebs, der Diskussionen und Korrespondenz mit nahestehenden Leuten muß im Mittel­punkt ihrer Arbeit stehen. Dies setzt Funktionsregeln und spezifische Organe voraus, die es ermöglichen, nicht wie eine Summe zerstreuter Zellen zu handeln, sondern als ein einziger Körper, der mit einem ausgeglichenen Stoffwechsel funktioniert.2) Schon heute stellt die Organisation der Revolutionäre gleichfalls einen kohärenten, internationalen politi­schen Umgruppierungspol gegenüber den politischen Grup­pen, den Diskussionskreisen und zerstreuten Arbeitergrup­pen dar, die mit dem Voranschreiten des Klassenkampfes überall in der Welt entstehen. Die Existenz einer internationalen kommunistischen Organisation mit einer Presse und einer Intervention, schafft für diese Grup­pen die Möglichkeit, durch die Konfrontation der Positionen und der Erfahrung sich selbst besser einzuschät­zen, die revolutionäre Kohärenz ihrer Positionen zu ver­stärken und gegebenenfalls der internationalen kommunistischen Organisation beizutreten. Fehlt solch ein Pol, sind die Gefahren des Verschwindens dieser Gruppen, ihrer Entmutigung, der politischen Degeneration (z.B. durch Lokalismus, Aktivismus, Korporatismus usw.) um so größer. Mit der Entwicklung des Klassenkampfes und dem Heranreifen des Zeitraums revolutionärer Zusammenstöße wird dieser Pol noch an Bedeutung gegenüber den Elementen, die direkt aus den Klassenkämpfen hervorgehen, gewinnen.

 

Mehr und mehr wird die Arbeiterklasse dazu gezwungen, ihrem Todfeind mit voller Wucht entgegenzutreten. Selbst wenn der Umsturz der Macht der Bourgeoisie nicht sofort verwirklicht werden kann, werden die Zusammenstöße gewalttätig sein und entscheidend für den weiteren Verlauf des Klassenkampfes.  Deshalb müssen die Revolutionäre heute schon ent­sprechend ihrer Möglichkeiten in den Kämpfen inter­venieren,

 

- um sicherzustellen, daß alle Probleme klar ge­stellt werden, und die größtmögliche Zahl Lehren in deren Rahmen der allgemeinen politischen Perspektiven gezogen werden.  I.K.S. Januar 1982 (Erstveröffentlichung in Internationale Revue Nr. 9, engl. Ausgabe: International Review Nr. 29, Frühjahr 1982)

 

 

 

 

 

 

 

- um die Arbeiterkämpfe soweit wie möglich nach vom zu drängen, damit alle darin enthaltenen Potentialitäten voll ausgeschöpft werden, 

- schubweises Arbeiten, ohne Methode, kurzfristig,

d) das Nachläufertum (Suivismus), Widerspiegelung des mangelnden Verständnisses der Rolle und Funktion der Organisation verdeutlichte sich durch eine Tendenz, den Streiks 'nachzulaufen' und dabei hielt man mit der eige­nen Meinung zurück, versteckte gar unsere Presse. Zöge­rungen wurden offensichtlich bei der klaren und unnachgiebigen Denunzierung jeder Form gewerkschaftlicher Ar­beit. Die Prinzipien wurden beiseite geschoben, um bes­ser in Kontakt mit der Bewegung zu stehen und um unbe­dingt eine unmittelbare Resonanz in der Klasse zu fin­den, um von ihr anerkannt zu werden.

Während bestimme Schritte seit 1968 zurückgelegt wur­den, und während im revolutionären Milieu eine Auswahl stattgefunden hat, steht fest, daß das Entstehen der Partei weder automatisch vollzogen wird, noch aus­schließlich ein Ergebnis des Willens ist, weil der Klassenkampf sich nur langsam entwickelt und das revo­lutionäre Milieu selbst noch unreif und oft verantwor­tungslos handelt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Theoretische Fragen

Erbe der kommunistischen Linke

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