Der Arabisch/Jüdische-Konflikt: Die Positionen der Internationalisten in den 30er Jahren: Bilan Nr. 30 und 31

Die folgenden Artikel sind 1936 in der Revue Bilan, Organ der Italienischen Linkskommunistischen Fraktion, Nr. 30 und 31 veröffentlicht worden. Es war bitter nötig, dass die Fraktion die marxistische Position gegenüber dem Arabisch/Jüdischen-Konflikt entwickelte, da der Generalstreik gegen die jüdische Einwanderung zu einer Reihe von blutigen Pogromen eskaliert war. Auch wenn einige spezifische Aspekte der aktuellen Situation sich geändert haben, fällt auf, in welchem Ausmass in diesen Artikeln viele Analysen bis auf die heutige Zeit noch Gültigkeit haben. Insbesondere zeigen die Artikel mit grosser Genauigkeit auf, wie die “nationalistischen” Bewegungen, sowohl die jüdische wie auch die arabische, auch wenn beide aufgrund von Verfolgung und Unterdrückung entstanden sind, sich mit den rivalisierenden imperialistischen Mächten unentwirrbar verstrickten. Mehr noch, diese Artikel zeigen auf, wie diese Bewegungen benutzt wurden, um die gemeinsamen Interessen der arabischen und jüdischen Arbeiterklasse zu verdunkeln und dies zu einem gegenseitigen Massaker, im Interesse ihrer Unterdrücker führte. Die Artikel zeigen also auf:
– Die zionistische Bewegung ist erst ein realistisches Projekt geworden, nachdem sie vom britischen Imperialismus unterstützt wurde, weil dieser versuchte, wie er es nannte, “ein kleines Irland” im Nahen Osten zu erschaffen, da diese Zone mit der Entwicklung der Erdöl-Industrie strategisch immer wichtiger wurde.
– Grossbritannien unterstützte zwar das zionistische Projekt, spielte aber gleichzeitig ein doppeltes Spiel: Sie musste auf den wichtigen arabisch-moslemischen Bevölkerungsanteil in ihrem kolonialen Reich Rücksicht nehmen. Grossbritannien benutzte im Ersten Weltkrieg die nationalen arabischen Aspirationen  zynisch für sich aus, währenddem sie aber beabsichtigten dem osmanischen Reich ein Ende zu setzen, das in Auflösung begriffen war. Sie haben also der arabischen Bevölkerung von Palästina und der restlichen Region alle Arten von leeren Versprechungen gemacht. Diese klassische Politik des “Teilen und Herrschen” hatte zwei Ziele: Das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen imperialistischen nationalistischen Ansprüchen die sich in ihrem Reich gegenüberstanden aufrechtzuerhalten, gleichzeitig zu verhindern, dass die ausgebeuteten Massen in der Region ihre gemeinsamen Interessen erkannten.
– die arabische “Befreiungs”-Bewegung, die sich gegen die britische Unterstützung des Zionismus wandte, war genau so wenig antiimperialistisch wie die Elemente in der zionistischen Bewegung, die die Waffen gegen Grossbritannien erheben wollten. Die zwei nationalistischen Bewegungen stellten sich also vollständig in den Rahmen des globalen imperialistischen Spiels. Wenn sich eine nationalistische Fraktion gegen seinen alten Unterstützer wandte, musste er Hilfe bei einem anderen Imperialisten suchen. Zur Zeit des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948 war praktisch die ganze zionistische Bewegung offen anti-britisch geworden. Indem sie dies tat, wurde sie ein Instrument des neuen aufsteigenden Imperialismus, der USA, die alles was sie gegen die alten kolonialen Mächte zu ihrer Beseitigung ins Spiel bringen konnten auch einsetzten. Ebenso zeigt Bilan auf, dass der Konflikt zwischen dem arabischen Nationalismus und Grossbritannien zur Folge hatte, dass die Türen für den italienischen (und deutschen) Imperialismus aufgestossen wurde. Danach haben wir gesehen, wie die palästinensische Bourgeoisie wegen seinem Konflikt mit den USA sich dem russischen Block, später Frankreich und anderen europäischen Mächten zuwandte.
Was sich hauptsächlich geändert hat, seit die Artikel geschrieben wurden, ist, dass es dem Zionismus gelungen ist, einen Staat zu errichten, der grundlegend die Kräfteverhältnisse in der Region verändert hat und dass der dominierende Imperialismus nicht mehr Grossbritannien ist, sondern die USA. Aber die Grundlage des Problems bleibt selbst in diesem Fall dieselbe. Die Bildung des Staates Israel, hatte die Vertreibung von zehntausenden von Palästinensern zur Folge, und trieb die Enteignung der palästinensischen Bauern zu ihrem Höhepunkt. Bilan stellt fest,  dass diese Entwicklung dem zionistischen Plan innewohnend war. Die Vereinigten Staaten ihrerseits müssen versuchen, ein widersprüchliches Gleichgewicht zwischen der Unterstützung des zionistischen Staates einerseits und andererseits der Notwendigkeit soweit als möglich die “arabische Welt” unter ihrem Einfluss zu halten. In der Zwischenzeit versuchen die Rivalen der USA jeden Antagonismus, der zwischen letzterem und den Ländern dieser Region auftaucht, für sich auszunützen.  
Was am meisten auffällt, ist die klare Anprangerung seitens Bilan der beiden Chauvinismen, den arabischen und den jüdischen, die benutzt wurden um die Konflikte in der Arbeiterklasse aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grunde hat die italienische Fraktion jeglichen Kompromiss gegenüber dem wirklichen Internationalismus verworfen. „Für die wirklichen Revolutionäre gibt es natürlich keine ‚palästinensische’ Frage, sondern nur den Kampf aller Unterdrückten des Nahen Ostens, Araber oder Juden, der ein Teil des allgemeinen weltweiten Kampfes der Unterdrückten für die kommunistische Revolte ist.” Sie verwarf also total die stalinistische Politik der Unterstützung des arabischen Nationalismus, unter dem Vorwand den Imperialismus zu bekämpfen. Die seinerzeitige stalinistische Politik wird heute von den trotzkistischen Parteien und anderen Linksextremen aufgenommen, die sich zum Sprachrohr des „palästinensischen Widerstandes“ machen. Diese Positionen sind heute genau so konterrevolutionär wie sie es schon 1936 waren.

Heute werden die Massen beider Seiten zu einem gegenseitigen rasenden Hass ermutigt und der Preis der Massaker ist viel höher als in den 30er-Jahren. Der unnachgiebige Internationalismus bleibt das einzige Gegenmittel gegen das nationalistische Gift.
IKS, Juni 2002

Bilan Nr. 30 (Mai/Juni 1936)

Die Verschärfung des Arabisch-Jüdischen-Konflikts, die Verstärkung der anti-britischen Orientierung der arabischen Welt, die während des Ersten Weltkriegs eine Bauernfigur des englischen Imperialismus war, hat uns veranlasst, das jüdische Problem und die panarabische Bewegung zu untersuchen. Wir werden dieses Mal versuchen, das erste der beiden Probleme zu behandeln.
Man weiss, dass nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer und der Zerstreuung  des jüdischen Volkes, die verschiedenen Länder in die sie geflüchtet waren, wenn sie sie nicht gleich von ihren Territorien verwiesen, (weniger aus religiösen Gründen wie von den katholischen Autoritäten behauptet wurde, sondern aus ökonomischen Gründen, namentlich der Enteignung ihrer Güter und der Annullierung ihrer Kredite), sie gemäss einer päpstlichen Bulle aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die in allen Ländern zum Massstab wurde, die Lebensbedingungen der Juden reglementierten. Sie wurden gezwungen, in geschlossenen Quartieren (Ghettos) und mit einem erniedrigenden Zeichen versehen, zu leben.
1290 aus England, 1394 aus Frankreich ausgewiesen, emigrierten sie nach Deutschland, Italien und Polen. 1492 aus Spanien und 1498 aus Portugal ausgewiesen, flüchteten sie nach Holland, nach Italien und vor allem ins osmanische Reich, das Nordafrika und den grössten Teil von Südost-Europa besetzt hielt. Dort stellten sie und stellen bis heute eine Gemeinschaft dar, die einen jüdisch-spanischen Dialekt spricht, währenddem die, die nach Polen, Russland und Ungarn emigrierten, einen jüdisch-deutschen Dialekt (jiddisch) sprechen. Die hebräische Sprache, die während dieser Zeit die Sprache der Rabbiner blieb, wurde aus der Domäne der toten Sprachen reaktiviert, um die Sprache der Juden in Palästina mit der aktuellen nationalistischen Bewegung zu werden.
Während die Juden im Westen, die zahlenmässig am Schwächsten waren, und teilweise die der USA, sich durch ihre Präsenz an der Börse und ihren intellektuellen Einfluss durch ihre Anzahl in den liberalen Berufen einen gewissen ökonomischen und politischen Einfluss erworben hatten, konzentrierten sich die grossen Massen der Juden in Osteuropa, wo sich schon Ende des 18. Jahrhunderts 80% der Juden Europas aufhielten. Bei der ersten Teilung Polens und der Annexion von Bessarabien kamen sie unter die Herrschaft der Zaren, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts 2/3 der Juden auf ihrem Territorium hatten. Die russische Regierung nahm von Anfang an eine repressive Haltung ein, die von Katherina II. ausging und ihren schärfsten Ausdruck bei Alexander III. fand, der das Judenproblem folgendermassen lösen wollte: “Ein Drittel muss konvertiert werden, ein Drittel muss auswandern und ein Drittel muss ausgelöscht werden.” Die Juden wurden in einer bestimmten Anzahl Distrikte der Provinzen im Nordosten (Weissrussland), im Südosten (Ukraine und Bessarabien)  und in Polen festgehalten. Dort war ihre Siedlungszone. Sie durften nicht ausserhalb der Städte und vor allem nicht in den industrialisierten Gebieten (Bergwerks- und Eisenhütten-Regionen) wohnen. Aber bei genau diesen Juden trat die kapitalistische Durchdringung im 19. Jahrhundert zu Tage und leitete die Klassendifferenzierung ein.
Es war der terroristische Druck der russischen Regierung, der die ersten Impulse für die Kolonisierung Palästinas gab. Jedoch waren die ersten Juden schon während der Vertreibung aus Spanien Ende des 15. Jahrhunderts wieder nach Palästina zurückgekehrt und die erste Landwirtschaftskolonie war 1870 in der Nähe von Jaffa gegründet worden. Aber die erste wirkliche Emigration begann erst nach 1880, als die polizeiliche Verfolgung und die ersten Pogrome die Emigration nach den USA und Richtung Palästina auslösten.
Diese erste “Alya” (jüdische Immigration) von 1882, die sogenannte “Biluimes”, war mehrheitlich aus russischen Studenten zusammengesetzt, die man als Pioniere der jüdischen Kolonisierung von Palästina sehen kann. Die zweite „Alya“ setzte 1904–05 infolge der Unterdrückung der ersten Revolution in Russland ein. Die Anzahl der Juden, die sich in Palästina niederliessen, stieg von 12’000 um 1850 auf 35’000 1882 und auf 90’000 1914.
Das waren alles Juden aus Russland und Rumänien, Intellektuelle und Proletarier, währenddem die Juden aus dem Westen, wie die Rothschilds und die Hirschs, sich darauf beschränkten, sich finanziell zu beteiligen, was ihnen einen guten Namen als Philanthropen einbrachte, ohne dass sie ihre wertvolle Persönlichkeit einsetzen mussten.
Bei den “Biluimes” von 1882 waren die Sozialisten noch nicht zahlreich vertreten. Sie setzten bei der damaligen Kontroverse, ob man nach Palästina oder die USA emigrieren sollte, auf letztere. Bei der ersten jüdischen Emigration nach den USA waren die Sozialisten also sehr zahlreich vertreten und bestritten einen guten Teil der Organisationen, der Zeitungen und selbst der kommunistischen Kolonisierungsversuche.
Das zweite Mal tauchte die Frage nach der Richtung der Emigration auf, wie wir bereits gesagt haben, nach der Niederlage der ersten Russischen Revolution und infolge der Verschärfung der Pogrome, die von Kitchinew charakterisiert worden waren. Der Zionismus, der dem jüdischen Volk einen Wohnsitz in Palästina geben wollte und der einen Nationalfond für den Kauf von Land gegründet hatte, spaltete sich am 7. zionistischen Kongress von Baie in eine traditionalistische Strömung, die die Bildung eines jüdischen Staats in Palästina befürwortete und in eine territorialistische, die sich eine Kolonisierung auch anderswo vorstellen konnte, im konkreten Fall in Uganda, das von England angeboten worden war.
Nur eine Minderheit der sozialistischen Juden, die zionistischen  Poalés von Ber Borochov, blieben den Traditionalisten treu. Alle anderen sozialistischen Parteien der Juden zu dieser Zeit, wie die Partei der sozialistischen Zionisten (S. S.) und die Serpistes – eine Art Reproduktion im jüdischen Milieu der russischen Sozialrevolutionäre – sprachen sich für den Territorialismus aus. Die älteste und mächtigste jüdische Organisation, der Bund, war, wie man weiss, negativ gegenüber der nationalen Frage eingestellt, wenigstens zu dieser Zeit.
Ein entscheidender Moment für die Bewegung der nationalen Wiedergeburt war der Weltkrieg 1914, und die Besetzung von Palästina durch die englischen Truppen, denen sich die jüdische Legion von Jabotinsky angeschlossen hatte, als die Deklaration von Balfour 1917 veröffentlicht wurde, in der den Juden in Palästina eine Heimstätte versprochen wurde.
Dieses Versprechen wurde während der Konferenz in San Remo 1920 sanktioniert, die Palästina einem britischen Mandat unterstellte.
Die Balfour-Deklaration löste eine dritte “Alya” aus, aber vor allem die vierte, die zahlenmässig die stärkste war, fiel mit der Übergabe des palästinensischen Mandats an die Briten zusammen. Schon diese “Alya” wies einen guten Anteil von Schichten des Kleinbürgertums auf. Man weiss, dass die letzte Immigration nach Palästina die wichtigste und eine Folge der Machtübernahme Hitlers war, schon einen starken Anteil an Kapitalisten aufwies.
Die erste Volkszählung, die 1922 in Hinsicht auf die Zerstörungen des Weltkrieges durchgeführt wurde, ergab nur 84’000 Juden, was 11 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte, diejenige von 1931 schon 175’000 auf. 1934 wiesen die Statistiken schon 307’000 Juden auf eine Gesamtbevölkerung von 1’171’000 auf. Zurzeit wird eine Zahl von 400’000 angegeben.
80 Prozent der Juden wohnen in Städten. Die schnelle pilzartige Entstehung der Stadt Tel Aviv ist ein Ausdruck davon. Die Entwicklung der jüdischen Industrie schreitet schnell voran. 1928 zählte man 3505 Unternehmen, davon 782, die mehr als vier Arbeiter hatten, d. h. insgesamt 18’000 Arbeiter mit einem investierten Kapital von 3,5 Millionen Pfund Sterling.
Die Juden, die auf dem Land wohnen, machen nur 20 Prozent aus. Im Vergleich  dazu lebt 65 Prozent der arabischen Bevölkerung auf dem Land. Aber die Fellahs bearbeiten ihre Landgüter mit primitiven Mitteln, im Gegensatz dazu wenden die Juden in ihren Kolonien und Plantagen die intensive kapitalistische Methode unter Ausnutzung der sehr billigen arabischen Arbeitskraft an.
Die Zahlen die wir gegeben haben, zeigen schon eine Seite des aktuellen Konflikts auf. Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben die Juden Palästina verlassen und andere Völker richteten sich an den Ufern des Jordans ein. Auch wenn die Balfour-Deklaration und die Entscheidungen des Völkerbundes vorgaben die Respektierung der Rechte der Besetzer zu schützen, bedeutete die Zunahme der jüdischen Einwanderung die  Vertreibung der arabischen Bevölkerung von ihren Ländereien, auch wenn diese vom jüdischen Nationalfonds zu tiefen Preisen gekauft werden.
Es ist nicht aus Humanismus “dem verfolgten und ohne Land lebenden Volk” gegenüber, dass Grossbritannien eine pro-jüdische Politik verfolgt. Es sind die Interessen der englischen Hochfinanz, in der die Juden einen überwiegenden Einfluss haben, die diese Politik bestimmt. Andererseits stellt man seit dem Beginn der jüdischen Einwanderung einen Kontrast zwischen dem arabischen und jüdischen Proletariat fest. Zu Beginn stellten die jüdischen Kolonisatoren jüdische Arbeitskräfte ein, um ihren nationalen Eifer gegen die Angriffe der Araber auszunutzen. Kurze Zeit später mit der Verfestigung der Situation zogen die jüdischen Industriellen und Grundstückbesitzer die arabische der anspruchsvolleren jüdischen Arbeitskraft vor.
Die jüdischen Arbeiter, die sich in Gewerkschaften organisieren, sind mehr darauf bedacht, die tiefen Löhne der konkurrierenden arabischen Arbeiter zu bekämpfen anstatt den Klassenkampf zu führen. Das erklärt den chauvinistischen Charakter der jüdischen Arbeiterbewegung, der sich vom Nationalismus und britischen Imperialismus ausnutzen lässt.
Die Basis des aktuellen Konflikts hat natürlich auch Gründe politischer Natur. Der britische Imperialismus möchte trotz der Feindseligkeit der beiden Völker zwei Staaten unter einem gemeinsamen Dach vereinen, sogar einen Bi-Parlamentarismus aufbauen, der je ein jüdisches und ein arabisches Parlament vorsieht.
Im jüdischen Lager stehen auf der  Seite der abwartenden Direktive von Weissmann, die Revisionisten des Jabotinsky, welche den offiziellen Zionismus bekämpfen und Grossbritannien beschuldigen, entweder abwesend zu sein  oder sich seinen Pflichten zu entziehen. Sie möchten die jüdische Emigration auch auf  Transjordanien, Syrien und auf die Halbinsel Sinai erweitern.
Die ersten Konflikte, die 1929 auftauchten und sich rund um die Klagemauer abspielten, provozierten laut offiziellen Statistiken 200 Tote auf der arabischen und 130 Tote auf der jüdischen Seite. Zahlen, die in Wirklichkeit sicher untertrieben sind, da die Juden zwar in den modernen Gebieten die Angriffe zurückschlagen konnten, in Hebron, in Safit und in einigen  Vororten die Araber zu handfesten Pogromen übergegangen sind.
Diese Ereignisse stoppten die pro-jüdische Politik von Grossbritannien, da das britische Kolonialreich zu viele Moslems umfasst, eingeschlossen Indien, was genügend Grund ist, eine vorsichtige Politik zu betreiben.
Aufgrund dieses Verhaltens der britischen Regierung gegenüber dem Heimstätte, nehmen die Mehrzahl der jüdischen Parteien, die orthodoxen Zionisten, die generellen Zionisten und die Revisionisten eine oppositionelle Haltung ein. Die sicherste Unterstützung der britischen Politik, die zu dieser Zeit unter einer Labour-Regierung stand, waren die jüdischen Arbeiterorganisationen, die ein Ausdruck der Allgemeinen-  Arbeiter-Konföderation  darstellte, in der  fast die Gesamtheit der jüdischen Arbeiter in Palästina organisiert waren.
Kürzlich hat sich, zwar nur an der Oberfläche, ein gemeinsamer Kampf der jüdischen und arabischen Bewegung gegen die Mandatsmacht entfacht. Das Feuer schwelte, die Explosion brach dann in den Ereignissen vom Mai aus.


Die faschistische italienische Presse hat Sturm gegen die Vorwürfe der  “sanktionistischen” Presse geblasen, die behauptete, dass faschistische Agenten die Aufstände in Palästina angefacht hätten. Dieser Vorwurf wurde schon vor kurzem während den Ereignissen in Ägypten erhoben. Niemand kann verneinen, dass der Faschismus ein grosses Interesse daran hat, ins Feuer zu blasen. Der italienische Imperialismus hat nie seine Absichten gegenüber dem Nahen Osten verheimlicht, d. h. sich an die Stelle der mandatierten Mächte in Palästina und Syrien zu setzen. Er besitzt übrigens auch eine mächtige Kriegsschiffbasis im Mittelmeer, auf Rhodos und den anderen Inseln des Dodekanes.  Der britische Imperialismus zieht aber auch Nutzen vom Konflikt zwischen Arabern und Juden, da nach der alten römischen Formel “divide et impera” man teilen muss, um herrschen zu können. Er muss gleichzeitig der jüdischen Finanzmacht und der Gefahr der nationalistischen arabischen Bewegung Rechnung tragen.
Letztgenannte Bewegung über die wir ein anderes Mal länger reden werden, ist eine Konsequenz des Weltkriegs, der die Industrialisierung in Indien, Palästina und Syrien vorangetrieben hat. Diese Entwicklung stärkte die einheimische Bourgeoisie, die sich darum auf die Ausbeutung der einheimischen Massen vorbereitete.
Die Araber beschuldigen Grossbritannien, aus Palästina ein jüdisches Heimstätte machen zu wollen. Dies würde bedeuten, dass man der einheimischen Bevölkerung den Grund und Boden stiehlt. Sie haben noch einmal Emissäre nach Ägypten, nach Syrien und nach Marokko geschickt, damit diese sich für die Sache der palästinensischen Araber einsetzen mit dem Ziel, eine panislamische nationale Vereinigung voranzutreiben. Von den vor kurzer Zeit stattgefundenen Ereignissen in Syrien ermutigt, wo die Mandatsmacht Frankreich vor dem Generalstreik kapitulieren musste und auch von den Ereignissen in Ägypten, wo die Agitation und Bildung einer nationalen Front London gezwungen hat, mit der Regierung in Kairo gleichberechtigt zu verhandeln. Wir wissen nicht ob der Generalstreik der Araber in Palästina die gleichen Ergebnisse bringt. Wir werden diese Bewegung zusammen mit dem arabischen Problem in einem weiteren Artikel erörtern.

Gatto Mammone


Bilan Nr. 31 (Juni/Juli 1936)

Wie wir im vorangehenden Teil dieses Artikels  feststellten, haben die “Biluimes” einen sandigen Streifen im Süden von Jaffa gekauft. Dabei trafen sie auf andere Völkerschaften, die Araber, die sich an ihrer Stelle in Palästina  angesiedelt hatten. Es waren aber nur einige  Hunderttausende, seien es  Fellah-Araber (Bauern) oder Beduinen (Nomaden). Die Bauern bearbeiteten mit sehr primitiven Arbeitsgeräten den Boden der Grundstückbesitzer (Effendis). Der britische  Imperialismus wie man sehen konnte, drängte die Grundstückbesitzer und die arabische Bourgeoisie während des Weltkriegs auf seine Seite und versprach ihnen im Gegenzug die Bildung eines arabischen Nationalstaats. Die arabische Revolte hatte eine entscheidende Wirkung auf den Zerfall der türkisch-deutschen Front im Nahen Osten, da es den Aufruf zum heiligen Krieg des osmanischen Kalifen zunichte machte, was zu Niederlage zahlreicher türkischer Truppen in Syrien führte, ohne jetzt noch die Zerstörung der türkischen Armeen in Mesopotamien zu erörtern.
Aber wenn der britische Imperialismus den arabischen Aufstand gegen die Türkei dank dem Versprechen der Gründung eines arabischen Nationalstaats, der alle Provinzen des alten osmanischen Reichs (einschliesslich Palästina) umfasste, hat er zu Schutz seiner eigenen Interessen den Gegenpart, die zionistischen Juden, ebenfalls unterstützt, indem er diesen versprach, auf der administrativen Ebene und bei der Kolonisierung ihnen Palästina zu überlassen.
Gleichzeitig fanden sie eine Übereinkunft mit dem französischen Imperialismus, um ihm Syrien zu überlassen. So trennten sie die Region, die zusammen mit Palästina eine unauflösbare historische und ökonomische Einheit bildet.

Im Brief vom 2. November 1917 von Lord Balfour an Rothschild, Präsident der Zionistischen Föderation in England, in dem er ihm die zustimmende Haltung der britischen Regierung zur Bildung eines Heimstättes für die jüdische Bevölkerung in Palästina mitteilte, und versprach, dass er all seine Anstrengungen für die Realisierung dieses Ziels einsetzen wolle. Zudem ergänzte Lord Balfour noch, dass nichts unternommen werde, was die zivilen Rechte und die Religion der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina beinträchtige und auch nichts gegen die Rechte und den politischen Status der Juden, den sie in anderen Ländern genossen.
Trotz der Zweideutigkeit dieser Deklaration, die einem neuen Volk erlaubte, sich auf seinem Boden niederzulassen, nahm die gesamte arabische Bevölkerung anfänglich eine neutrale ja sogar befürwortende Haltung gegenüber einem jüdischen Heimstätte ein. Die arabischen Besitzer mit der Furcht vor einem neuen Landwirtschaftgesetz zeigten sich offen für einen Verkauf von Land. Die zionistischen Chefs profitierten nur aus politischen Überlegungen nicht von diesen Angeboten, und gingen soweit, die Albany Regierung zu verteidigen die Grundstücke zu verkaufen.
Bald äusserten sich bei der Bourgeoisie Tendenzen, Palästina territorial und politisch zu besetzen, somit die autochthone Bevölkerung zu enteignen und in die Wüste zurückzuschicken. Diese Tendenz kam vor allem bei den revisionistischen Zionisten zum Vorschein, d. h. in der philofaschistischen Strömung innerhalb der nationalen jüdischen Bewegung.
Die Oberfläche des bestellbaren Bodens in Palästina beträgt ca. 12 Millionen “dounnams”-meter (1 Dounnam = 1/10 Hektare), von denen 5 bis 6 Millionen zurzeit landwirtschaftlich genutzt werden.
So sahen die Niederlassungen der Juden in der landwirtschaftlich genutzten Fläche von Palästina seit 1899 aus:


1899: 22 Kolonien, 5000 Einwohner, 300’000 dounnams
1914: 43 Kolonien, 12’000 Einwohner, 400’010 dounnams
1922: 73 Kolonien, 15’000 Einwohner, 600’000 dounnams
1931: 160 Kolonien, 70’000 Einwohner, 1’120’000 dounnams.

Um den realen Wert dieser Zunahme und des daraus resultierenden steigenden Einflusses zu bewerten, darf man nicht vergessen, dass die Araber immer noch in einer primitiven Art und Weise den Boden bewirtschaften, während die jüdischen Kolonisatoren die modernsten Methoden verwenden.
Das in die Landwirtschaftsbetriebe investierte jüdische Kapital beläuft sich auf mehrere Millionen Dollars, wovon 65 Prozent in die Plantagen einfliesst. Obwohl die Juden nicht mehr als 14 Prozent des zu bewirtschaftenden Bodens besitzen, beträgt der Wert ihrer Produkte ein Viertel der Gesamtproduktion.
Was die der Orangenplantagen anbetrifft beträgt der Anteil der jüdischen Ernte 55 Prozent des Gesamtertrags.

Die ersten arabischen Reaktionen beginnen im April 1920 in Jerusalem und im Mai 1921 in Jaffa und nehmen die Form von Pogromen an. Sir Herbert Samuel, bis 1925 Hochkommissar in Palästina versuchte die Araber zu beruhigen, indem er die jüdische Immigration stoppte. Gleichzeitig versprach er den Arabern eine repräsentative Regierung und übergab ihnen die besten Teile des staatlichen Bodens.
Nach der grossen Einwanderungswelle von 1925, welche ihren Höhepunkt mit 33’000 Einwanderern erreichte, verschlechterte sich die Situation und es entstanden die Bewegungen vom August  1929. Zu diesem Zeitpunkt schlossen sich die beduinischen Stämme von Transjordanien, aufgerufen von der moslemischen Agitation, der palästinensisch arabischen Bevölkerung an.
Infolge dieser Ereignisse hat die parlamentarische Untersuchungskommission, die nach Palästina geschickt wurde, bekannt unter dem Namen Shaw-Kommission, festgestellt, dass diese Ereignisse aufgrund der jüdischen Arbeiter-Immigration und dem “Heisshunger” nach Boden entstanden waren. Die Kommission empfahl der Regierung den Kauf von Boden, um die Fellahs zu entschädigen, denen man den Boden entrissen hatte.
Als nach dem Mai 1930 die gesamte britische Regierung den Schlussfolgerungen der Shaw-Kommission folgte und erneut die jüdische Arbeiter-Einwanderung nach Palästina unterband, reagierte die jüdische Arbeiterbewegung – welche nicht einmal von der Shaw-Kommission angehört wurde – mit einem 24-stündigen Proteststreik, während gleichzeitig die Poalézion in allen Ländern und auch die grossen jüdischen amerikanischen Gewerkschaften gegen diese Massnahmen mit zahlreichen Versammlungen dagegen protestierten.
Im Oktober 1930 definierte eine neue Deklaration, bekannt unter dem Namen Weissbuch, die britische Politik in Palästina. Diese war der zionistischen These auch nicht sehr zugetan. Aber auf die  immer grösseren Proteste der Juden antwortete die Labour-Regierung im Februar 1931 mit einem Brief von Mac Donald, welcher das Recht auf Arbeit, die Einwanderung und die Kolonisierung durch die Juden bestätigte und darüber hinaus den jüdischen Unternehmen erlaubte, jüdische Arbeitskräfte einzustellen – wenn diese den letzteren gegenüber den arabischen den Vorrang gaben – ohne über die eventuelle Arbeitslosigkeit bei den Arabern Rechenschaft abzulegen.
Die palästinensische Arbeiterbewegung beeilte sich, der britischen Arbeiterregierung Vertrauen zu schenken, währenddem alle anderen zionistischen Parteien in einer misstrauischen Oppositionshaltung verblieben.
Wir haben im vorhergehenden Artikel die Gründe des chauvinistischen Charakters der palästinensischen Arbeiterbewegung aufgezeigt.
 Die Histadruth – die wichtigste palästinensische gewerkschaftliche Zentrale hat nur Juden als Mitglieder (80 Prozent der jüdischen Arbeiter sind organisiert). Es ist nur die Notwendigkeit der Hebung des Lebensstandards der arabischen  Massen, um die hohen Löhne der jüdischen Arbeitskraft zu schützen, die sie zum Versuch einer Organisierung der Araber veranlasste.
Der Generalstreik der Araber in Palästina kommt nun in seinen vierten Monat. Die Guerilla geht weiter, trotz dem kürzlich erlassenen Dekret, welches die Todesstrafe für Attentäter vorsieht: Jeden Tag finden Überfälle und Handstreiche gegen Züge und Autos statt, ohne die Zerstörungen und Brandanschläge auf jüdische Güter zu zählen.
Diese Vorkommnisse haben der Mandatsmacht schon fast eine halbe Million Pfund Sterling für das Stellen einer Armee und in der Folge der Verminderung von Steuereinnahmen aufgrund des ökonomischen Boykotts der arabischen Massen gekostet. Erst kürzlich hat der Minister der Kolonien den Gemeinden eine Opferbilanz bekannt gegeben: 400 Moslems, 200 Juden und 100 Polizisten. Bis jetzt sind 1800 Araber und Juden vor dem Richter gestanden, davon wurden 1200 verurteilt, davon waren 300 Juden. Dem Minister zufolge sind ca. 100 arabische Nationalisten in Konzentrationslager deportiert worden. Vier Kommunistenführer (zwei jüdische und zwei armenische) sind gefangen und 60 Kommunisten sind der polizeilichen Überwachung unterstellt. Das sind die offiziellen Zahlen.
Es ist offensichtlich, dass die imperialistische britische Politik in Palästina sich natürlich an einer kolonialen Politik, die allen Imperialisten zu Eigen ist, inspiriert. Diese besteht im Wesentlichen darin, sich auf gewisse Schichten der kolonialen Bevölkerung zu stützen (indem sie die verschiedenen Völker oder die verschiedenen Religionsanhänger gegeneinander aufhetzen, aber auch indem sie gewisse Missgunst zwischen den verschiedenen Clans und Chefs säen), was dem Imperialismus erlaubt, seine Super-Unterdrückung auf die kolonialen Massen auszuüben, ohne Unterschied von Volks- und Religionszugehörigkeit.
In Marokko und in Zentralafrika sind diese Manöver zwar gelungen, der arabische Nationalismus in Palästina und Syrien stellt jedoch einen sehr kompakten Widerstand dar. Er stützt sich auf die mehr oder weniger unabhängigen Länder, die ihn umgeben ab: auf die Türkei, auf Persien und Ägypten, auf den Irak und Arabische Staaten. Er verbindet sich auch noch mit der Gesamtheit der moslemischen Welt, die mehrere Millionen Menschen zählt.
Trotz den Gegensätzen, die unter den verschiedenen moslemischen Staaten bestehen und trotz der britischfreundlichen Politik einiger von ihnen, wäre die Bildung eines östlichen Blocks, der sich dem Imperialismus entgegenstellte, die wirkliche Gefahr für ihn. Das wäre möglich, wenn das Erwachen und das Nationalgefühl der einheimischen Bourgeoisien das Erwachen der Klassenrevolte der kolonial Ausgebeuteten verhindern, die sowohl mit ihren Ausbeutern wie mit dem europäischen Imperialismus fertig werden müssen. Der Sammlungspunkt eines solchen Blocks wäre die Türkei, die wieder ihre Ansprüche auf die Dardanellen erhebt und ihre Panislamische Politik wiederaufnimmt.
Nun, Palästina ist lebenswichtig für den britischen Imperialismus. Wenn die Zionisten glaubten, sie bekämen ein “jüdisches” Palästina, werden sie in Wirklichkeit nichts anderes als ein “britisches” Palästina erhalten, eine palästinensische Transitverbindung auf dem Landweg zwischen  Europa und Indien. Diese Verbindung könnte die maritime des Suezkanals ersetzen, da die Sicherheit dieses Weges von der Etablierung des italienischen Imperialismus in Äthiopien geschwächt wird. Man sollte nicht vergessen, dass die Pipeline von Mossoul (Ölförderungsgebiet) im palästinensischen Hafen von Haïfa endet.
Schliesslich muss die britische Politik immer in Rechnung tragen, dass 100 Millionen Moslems das britische Empire bevölkern. Bis jetzt konnte der britische Imperialismus in Palästina die Gefahr der arabischen nationalen Unabgängigkeitsbewegung in Schach halten. Er stellte letzterem den Zionismus entgegen, der, indem er die jüdischen Massen drängte, nach Palästina auszuwandern, sie von ihren Stammländern, wo sie ihren Platz gefunden hätten, wegholte, und schliesslich sich eine solide Unterstützung für seine Politik im Nahen Osten sicherte.
Die Enteignung der Ländereien zu lächerlichen Preisen hat die arabischen Proletarier in eine rabenschwarze Armut gestürzt und hat sie in die Arme der arabischen Nationalisten, der Grundstückbesitzer und der aufkommenden Bourgeoisie gestossen. Letztere profitieren offensichtlich davon und um seine Ausbeutungspläne auszuweiten, richten sie die Unzufriedenheit der Fellahs und der Proletarier auf die jüdischen Arbeiter in der gleichen Weise, wie die zionistischen Kapitalisten die Unzufriedenheit der jüdischen Arbeiten gegen die Araber richten. Aus diesen Gegensätzen der jüdischen und arabischen Ausgebeuteten, können der britische Imperialismus und die arabische und jüdische herrschende Klasse nur gestärkt hervorgehen.
Der offizielle Kommunismus hilft den Arabern in ihrem Kampf gegen die Zionisten, der als Instrument des britischen Imperialismus qualifiziert wird.
Schon 1929 hat die nationalistische jüdische Presse eine schwarze Liste der Polizei herausgegeben, auf der die kommunistischen Agitatoren neben dem Grossmufti und den nationalen arabischen Führern standen. Zurzeit sind viele kommunistische Militante verhaftet worden.
Nachdem die Losung der „Arabisierung“ der Partei herausgegeben wurde – diese war wie die KPs von Syrien oder von Ägypten von einer Gruppe jüdischer Intellektueller gegründet, die als opportunistisch bekämpft wurden – haben die Zentristen heute die Losung „Arabien den Arabern“ herausgegeben, was nur eine Kopie der Losung „Föderation aller arabischen Völker“ ist. Diese Devise der arabischen Nationalisten, d. h. der Grundstückbesitzer (Effendis) und der Intellektuellen, dient dazu, mit der Unterstützung des moslemischen Klerus, den arabischen Kongress im Namen ihrer Interessen zu beherrschen und die Reaktionen der arabischen Ausgebeuteten zu kanalisieren.
Für den wirklichen Revolutionär gibt es natürlich keine palästinensische Frage, sondern einzig der Kampf aller Ausgebeuteten einschliesslich Araber und Juden. Dieser Kampf ist Teil eines allgemeineren Kampfes aller Ausgebeuteten auf der Welt für die kommunistische Revolte.

Gatto Mammone