Der Ostblock
Der Stalinismus
entstand in den 20er Jahren aus der Niederlage der Revolution in Russland. Er
ist keine Fortsetzung, sondern ein Todfeind der Arbeiterklasse und ein ausgesprochener
Henker der Kommunisten. Während die kapitalistischen Medien in Ost und West
nun anlässlich des Zusammenbruchs des Ostblocks vom Scheitern des Kommunismus
sprechen, wollen sie darüber hinwegtäuschen, dass tatsächlich der Stalinismus zu Boden gegangen ist. Nachfolgend wollen wir anhand von 3 Grundsatzfragen aufzeigen, was
tatsächlich hinter den Regierungen des ehemaligen Ostblocks steckte. 22-Nov-2005
Als
diesen Sommer in Ungarn die dortige Regierung die Grenzen nach Österreich
”öffnete, als dann im Herbst in der DDR ein Stützpfeiler der moskautreuen
Stalinisten nach dem anderen in sich zusammenkrachte, die Regierung der CSSR
binnen weniger Tage weggefegt wurde, sich mittlerweile nach
dem erdrutschartigen Sturz der stalinistischen Diktatoren ein vollständiges
Chaos ausbreitete, war jedem klar geworden: als Militärbündnis bestand der
Warschauer Pakt nur noch auf Papier. In Wirklichkeit war er in sich
zusammengebrochen. Die sowjetische Armee und ihre Verbündeten des Warschauer
Paktes waren unfähig gewesen, den Entwicklungen in Osteuropa militärisch
Einhalt zu gebieten. Die Bevölkerung ganz Osteuropas, zuvor
jahrzehntelang eingeschüchtert durch die Militärs, spürte, dass dem
russischen Bär die Zähne ausgefallen waren, dass er selbst total entkräftet,
geschwächt war. 22-Nov-2005
Der Zusammenbruch
des Ostblocks und des dortigen stalinistischen Herrschaftssystems sowie die
sich daraus für die gesamte Weltlage ergebenden Veränderungen haben natürlich auch weitgehende Folgen für die Arbeiterklassen nicht nur
im Osten, sondern auch im Westen. Kurzfristig kommen damit viele Verwirrungen in der Arbeiterklasse auf, mit denen
die Arbeiterklasse sich auseinanderzusetzen hat: die bislang bestehende Aufteilung
der Welt zwischen zwei Machtzentren in Ost und West besteht nicht mehr, die
Gefahr eines dritten Weltkriegs, die sich aus dem Zusammenstoß zwischen den
beiden Blöcken ergab, ist vorerst zurückgegangen. Aber auch durch das im Osten
entstandene Chaos, die Zunahme der nationalistischen Konflikte, die
nationalistische und demokratische Propaganda im Westen, die ein ungeheures
Ausmaß erreicht hat, stößt die Arbeiterklasse jetzt in ihrer
Bewusstseinsentwicklung auf große Hindernisse. 22-Nov-2005
Angesichts des
inneren Zerfalls der polizeilichen Terrorregime des Ostens tritt heute der unglaubliche
Hass der Bevölkerung Osteuropas gegen den Stalinismus offen zutage. In dieser
Situation verkauft sich die westliche
bürgerliche Demokratie zum
wiederholten Mal als der eigentliche
Todesfeind des Stalinismus. Welch großen Erfolg sie damit hat, zeigen die Massendemonstrationen in Leipzig, Prag oder Sofia, wo überall
parlamentarische Demokratie nach westlichem Muster gefordert wird. Viele Millionen Menschen im
Osten, aber auch immer noch viel zu viele im Westen, scheinen daran zu
glauben, dass die westliche Scheindemokratie die eigentliche geschichtliche
Alternative zum Stalinismus und zum Totalitarismus schlechthin darstellt. Aber
ein Blick auf die Geschichte lehrt uns eines besseren: Sowohl die westliche
Demokratie als auch das freie Unternehmertum waren immer wieder bereit, mit dem
Stalinismus gegen die Arbeiterklasse zusammenzuarbeiten. Während die
bürgerliche Propaganda das Scheitern des
Stalinismus mit dem Scheitern des Kommunismus gleichstellt und die
kapitalistische Scheindemokratie als einzige Perspektive aufstellen möchte, ist
der revolutionäre Marxismus heute
genauso wie in den 30er Jahren der wirkliche Todesfeind des Stalinismus.
Während Stalin und seine Nachfolger immer wieder Bündnisse mit dem
"demokratischen Westen" eingingen und wieder auflösten, waren sie
wirklich konsequent nur bei der Bekämpfung der revolutionären Marxisten
sowohl innerhalb als auch außerhalb der Sowjetunion, wie die Schauprozesse und
die "Säuberungen" insbesondere der 30er Jahre beweisen. Das
gegenwärtige Heucheln und "Entrüsten" der westlichen Demokratien über
die "Schandtaten" und Grausamkeiten des Stalinismus soll dabei in
Wirklichkeit nur überdecken, dass die westlichen Demokratien seit jeher mit dem
Stalinismus Hand in Hand gegen die Arbeiterklasse und die Revolutionäre
gewirkt haben. 22-Nov-2005
Das
verbrecherische stalinistische Regime in der DDR ist nach 40 Jahren
zusammengebrochen. Aber an seine Stelle ist noch keine Freiheit getreten. Was
sich derzeit in der DDR abspielt, gleicht eher einem Zusammenbruch am Ende
eines verloren gegangenen Kriegs. Schwarzmarkt-Handel, Schmuggel,
Versorgungseinbrüche, Chaos und Lynchjustiz blühen auf. Die Lage der arbeitenden Bevölkerung hat sich in keiner Weise gebessert. Selbst die Reisefreiheit wird zum einzigen Frust, wenn man die in Schaufenstern ausgestellten Waren mangels Westgeld nicht erwerben
kann. 22-Nov-2005
Obgleich die
Sprachrohre der herrschenden Klasse jetzt mit Schadenfreude auf die Ereignisse
in Osteuropa zeigen und uns allen einzutrichtern versuchen, dass damit der
Kommunismus endgültig den Bach runter gegangen sei, fühlen wir uns als kommunistische Organisation natürlich herausgefordert, dieser Lügengeschichte
entschlossen entgegenzutreten.
Dies ist umso wichtiger, denn nach der
großen Flüchtlingswelle, dem Jubel über
die Öffnung der Mauer, den Forderungen nach Wiedervereinigung, ist mehr denn je
die Zeit der Ernüchterung, des Nachdenkens eingetreten, wo man mit kühlem Kopf eine Bilanz ziehen muss. Genau dies war das Bestreben der IKS seit Anfang der Ereignisse. 22-Nov-2005
Die
Flucht von ca. 50.000 DDR-Bürgern in den Westen, die
blutigen Zusammenstöße zwischen Demonstranten und
der ost-deutschen Polizei, sowie die offene politische Krise des
stalinistischen Regimes in Ost-Berlin sind neue Momente in der sich zuspitzenden geschichtlichen Todeskrise des Stalinismus und des ”östlichen
imperialistischen Blocks. Mit den Ereignissen in der DDR erreicht diese Krise
jetzt das Herz Europas. 22-Nov-2005
DIE TÖDLICHEN ERSCHÜTTERUNGEN
DES STALINISMUS
Seit mehreren
Monaten wird die internationale Situation durch äußerst tief greifende
Erschütterungen geprägt, die alle Länder des Ostblocks erfasst haben: nationalistische Explosionen in der UdSSR,
massiver Streik der Bergleute in Sibirien, Regierungsbeteiligung der Gewerkschaft Solidarnosc in
Polen, Massenflucht und massive Demonstrationen in der DDR, Umwandlung der
ungarischen KP in sozialdemokratische Partei... All diese Ereignisse haben
sich mit solcher Überstürzung und Geschwindigkeit vollzogen, dass man glauben
könnte, die Geschichte sei verrückt geworden. Aber es handelt sich um kein
Strohfeuer: auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs ist ein ganzer Teil der kapitalistischen
Welt dabei, in sich zusammenzubrechen. Das stalinistische System, als ungeheuerliches Symbol der
schrecklichsten Konterrevolution der Geschichte muss heute sein
unwiderrufliches Scheitern eingestehen. Dadurch wird der ganze imperialistische
Block, der um die kapitalistische UdSSR gebildet wurde, durch diesen
Zusammenbruch erfasst. Natürlich verpasst die westliche Bourgeoisie keine
Gelegenheit, ihre Freude über solch ein historisches Ereignis zum Ausdruck zu
bringen und das auf ihre Art zu feiern. Überall werden die demokratischen Lügengeschichten verkündet: "der Kommunismus ist
tot", "es lebe die Demokratie", "der Kapitalismus ist das
beste System der Welt". 22-Nov-2005
1) Die Erschütterungen, welche gegenwärtig die Länder mit einem stalinistischen Regime erfassen, können nicht außerhalb des allgemeinen Rahmens der Analyse verstanden werden, der für alle Länder der Welt gültig ist, die Dekadenz der kapitalistischen Produktionsweise und die unaufhaltsame Verschärfung der Krise. Jedoch muß jede ernsthafte Analyse der gegenwärtigen Lage dieser Länder die Besonderheiten ihrer Regime mit berücksichtigen. Solch eine Untersuchung der Besonderheiten der osteuropäischen Länder wurde von der IKS schon mehrfach anläßlich der Arbeiterkämpfe in Polen im Sommer 1980 und der Gründung der ’unabhängigen’ Gewerkschaft Solidarnosc angefertigt. 18-Apr-2006
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