Diskussionsveranstaltung der Gruppe Eiszeit in Zürich

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Diskussionsveranstaltung der Gruppe Eiszeit in Zürich


 Wir berichten in unserer Presse regelmässig über politische Veranstaltungen anderer Organisationen,  an denen wir uns in der Diskussion beteiligten, und die unseres Erachtens für die Debatte innerhalb der Arbeiterklasse wertvoll sind. Am 16. April organisierte die Gruppe Eiszeit in Zürich eine Veranstaltung mit dem Titel: "Geschichte des Linksradikalismus", welche eine sehr grosse Teilnahme fand. Wie von Mitgliedern der Gruppe Eiszeit uns gegenüber erklärt, ist eine ihrer wichtigsten Sorgen das Vorwärtstreiben einer Debatte und politischen Klärung. Zur Veranstaltung vom 16. April hatte Eiszeit einen Referenten eingeladen (Gerhard Hanloser). Wir wissen nicht, inwieweit die von Hanloser (der offenbar dem operaistischen Milieu rund um die Zeitschrift Wildcat in Deutschland entstammt) dargelegten Positionen von Eiszeit geteilt werden. Leider können wir hier nicht von einer lebendigen Debatte berichten, da das Einleitungsreferat mehr als 2 Stunden dauerte und nur noch µ kurze Redebeiträge möglich waren! Das Referat streifte drei politische Strömungen : Den Rätekommunismus der 20er und 30er Jahre, die situationistsiche Strömung der 50er und 60er Jahre und den Operaismus. Repräsentierten diese drei Strömungen aber tatsächlich die Fähigkeit der Arbeiterklasse, die im realen Klassenkampf gemachten Erfahrungen weiterzutragen und damit eine Orientierung auch für heute zu geben? Wir gehen zuerst auf die rätekommunistische Strömung und danach auf den Operaismus ein. (Die sog. situationistische Bewegung werden wir hier, lediglich aus Platzgründen, nicht behandeln.)

Rätekommunismus: Ausdruck einer Schwäche der Arbeiterklasse

Voran einige Zitate von Hanloser zum Rätekommunismus:
- "Die von Lenin angeführte Dritte Internationale schraubte die Macht der Räte zurück, diffamiert Kritiker von links als "Dummköpfe" und wollte sie aus ihren Reihen ausgrenzen."
- "Auch die Spontanitätstheorie - die in Deutschland am prominentesten durch Rosa Luxemburg stark gemacht wird - will Gorter nicht verabsolutieren - und damit ist er auch den heutigen Rätekommunisten, die den Spontanitätsgedanken als Dogma behandeln, überlegen."
- "Tritt die Internationale jedoch auf mit der Vollmacht der Zentralgewalt eines Landes, dann trägt sie den Todeskeim in sich und wird die Revolution hemmen."  
- "Wie für Anton Pannekoek, einen der Gründerväter des Rätekommunismus, war für Paul Mattick im rückständigen Russland im Gegensatz zum Westen keine proletarische Revolution möglich und so beschrieben die Rätekommunisten die bolschewistische Revolution auch als bürgerliche Revolution, die von einer jakobinischen Partei, den Bolschewiki an- und durchgeführt wurde."
Wir teilen einige Aspekte der zitierten Hauptgedanken durchaus, wie zum Beispiel Lenins mangelndes Verständnis für die Kritiken der internationalen Linksopposition, das falsche Verständnis der heutigen rätistischen Strömung über die Spontaneität des Klassenkampfes, vor allem aber den Hinweis, dass, als die Interessen der Kommunistischen Internationale denen eines Nationalstaates unterworfen wurden, dies ihren Tod bedeutete. Die Delegation der IKS versuchte in einem ersten Diskussionsbeitrag auf den proletarischen Charakter der Russischen Revolution einzugehen. Sie war in unseren Augen keinesfalls ein Produkt der spezifisch russischen Verhältnisse, sondern Ausdruck der internationalen revolutionären Welle, welche dem Ersten Weltkrieg durch die Aktion der Arbeiterklasse ein Ende setzte. Diese Frage schien uns gerade deshalb wichtig, weil das Referat die These einer angeblich bürgerlichen Revolution in Russland 1917 teilte und somit die wohl einschneidendste Verwirrung der rätekommunistischen Bewegung vor einem interessierten Publikum vertrat.
Für die Rätekommunisten blieb die Degenerierung der Russischen Revolution ein Rätsel. Die wohl bedeutendste rätekommunistische Organisation, die 1927 gegründete GIK (Gruppe Internationaler Kommunisten), versuchte 1934 in den "Thesen über den Bolschewismus" die Niederlage der Arbeiterklasse den Auffassungen der  Bolschewiki und den angeblich unreifen Bedingungen für eine proletarische Revolution in Russland in die Schuhe zu schieben. Sie beschrieben die Russische Revolution als einen bolschewistischen Putsch mit bürgerlichem Charakter. Damit war für die Rätekommunisten (von denen die meisten noch einige Jahre zuvor die Russische Revolution vehement verteidigt hatten!) die Frage gelöst: Nicht das erdrückende Übergewicht der Weltbourgeoisie mit ihrem blutigen Krieg von über 20 Nationen gegen die Rätemacht in Russland und die internationale Isolierung der Russischen Revolution durch das Scheitern der Arbeiterrevolution in Deutschland 1918/19 war in ihren Augen Ursache der Katastrophe, sondern die Existenz einer Partei und die angeblich schon zu Beginn weg bürgerlichen Konzeptionen der Bolschewiki, welche aus diesen rückständigen nationalen Bedingungen in Russland resultiert hätten. Der proletarische Sturmlauf der "alten Arbeiterbewegung"  gegen den Weltkapitalismus führte also in ihren Augen fast vorbestimmt zum Stalinismus.
Es gilt beileibe nicht die Schwächen und tragischen Fehler der Bolschewiki (wie die blutige Niederschlagung des Aufstandes von Kronstadt 1921) zu rechtfertigen. Ganz im Gegenteil entstammt gerade auch unsere Organisation, die IKS, der Tradition der deutsch-holländischen und italienischen Linkskommunisten, welche schon zu Beginn der 20er Jahre gewichtige Kritiken an den Auffassungen der Bolschewiki geübt hatten. Es gilt auch nicht zu verheimlichen, dass die  Dritte Internationale im Verlaufe der 20er Jahre tatsächlich degenerierte und mit der Übernahme der Losung des "Sozialismus in einem Lande" 1928 als Ausdruck des Proletariats starb. Russland war ein stalinistischer Staatskapitalismus mit imperialistischer Habgier und Ausbeutung der Arbeiterklasse geworden. Wovor wir warnen möchten, ist die von den Rätekommunisten verwendete falsche Methode, sich den Gang der Geschichte zu erklären: Das lokalistische Ignorieren des wirklichen internationalen Kräfteverhältnisses zwischen den Klassen als bestimmender Faktor für Sieg oder Niederlage von Arbeiterkämpfen und Revolutionen sowie die bürgerliche Auffassung der Geschichte als Produkt von Ideen herausragender Köpfe (oder eben der "Fehler Lenins"). Obwohl die rätekommunistische Strömung nie mit dem Stalinismus gemeinsame Sache machte, hat sie mit der nationalistischen Methode des Stalinismus eine Gemeinsamkeit: Wenn die Losung "Sozialismus in einem Land" die schamlose Lüge in sich trug, dass der Sozialismus in einem Nationalstaat möglich sei, so war die Methode der GIK mit der Behauptung, dass die nationalen Bedingungen für eine proletarische Revolution in Russland nicht gegeben waren, ignorant gegenüber den wirklichen internationalen Bedingungen . Nicht Russland war "reif oder unreif" für eine proletarische Revolution, sondern der Weltkapitalismus war dafür reif, denn er begann die Menschheit auf internationaler Ebene mit den Weltkriegen zugrunde zu richten! Gerade aufgrund der oben geschilderten Methode, einen Schuldigen für die Niederlage der weltrevolutionären Welle von 1917-23 dingfest zu machen, gelangten die Rätekommunisten zur Verwerfung der proletarischen Partei, einer ihrer tragischsten Fehler. Sie entwickelten eine offen organisationsfeindliche Haltung. Eine Auffassung, die zum Selbstmord der eigenen politischen Organisationen führte und zur Vision von "tausenden von kleinen Arbeitsgruppen deren Aufgabe sehr bescheiden ist" (Canne-Meijer: "Das Werden einer neuen Arbeiterbewegung"). Der Rätekommunismus verfiel auf dieser schwachen Grundlage später zunehmend einer passiven und unklaren Haltung, die im Referat richtigerweise als ein "blosses Archivieren des Klassenkampfes" beschrieben wurde. Die rätekommunistische Bewegung löste sich in den Jahren nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges langsam auf, und ab den 70er Jahren kann man nicht mehr von einer organisierten rätekommunistischen Strömung sprechen. Organisationen wie Daad en Gedachte oder der Spartacusbond übernahmen auch Positionen, welche die alten rätekommunistischen Organisationen nie vertreten hätten und die linksbürgerlichen oder anarchistischen Ideen nahe kommen, wie Teilbereichskämpfe oder die Geldkollekten von Daad en Gedachte 1988 für den nationalistischen ANC in Südafrika...!
Auf den ersten unserer Diskussionsbeiträge wurde vom Referenten zwar bestätigt, dass die Isolierung ein vorhandener Faktor zur Degenerierung der Russischen Revolution war, der von ihm nicht erwähnt wurde. Doch vertrat er die Meinung, dass weitergehende Diskussionen über so lange zurückliegende Ereignisse heute wohl kaum mehr von Belang seien. Wir versuchten daraufhin in einem zweiten Beitrag, die Wichtigkeit der Debatte über die Klassenkämpfe der Arbeiterklasse in der Geschichte aufzuzeigen, um aus ihnen gerade für heute Lehren zu ziehen. Diese Lehren sind mitnichten ein "Luxus der Historiker": Wenn man wie die GIK damals, und das Referat heute, aufgrund einer unzureichenden Methode, die das Kind mit dem Bade ausschüttet, zu einer organisationsfeindlichen Haltung gelangt, raubt man der Arbeiterklasse ein unabdingbares politisches Werkzeug zur Überwindung des Kapitalismus!                         

Operaismus: Arbeiterkult und gleichzeitig Misstrauen gegenüber der Arbeiterklasse

Auch hier wollen wir erst einige Gedanken des Referates zitieren:
- "Dem aus Italien kommenden Operaismus, der Arbeiteruntersuchung, ging es um den Kampf gegen die Arbeit in der Arbeit durch die ArbeiterInnen."
- "Die kopernikanische Wende im Marxismus, für die der Operaismus sorgte, waren: zum einen wurde der subjektive Faktor wiederentdeckt - Arbeiterklasse war nicht mehr eine abgeleitete Grösse, sondern eine agierende Grösse. Diese Grösse war keine nebulöse, sondern eine konkrete Erscheinung, die man befragen und mit der man etwas organisieren konnte, die Fragebögen boten hierfür ein geeignetes Mittel."
- "Die Kritik des bolschewistischen Staatskapitalismus ist nach wie vor notwendig, um überhaupt historisch eine Perspektive zu eröffnen, was Kommunismus hiess und heissen könnte. Eine Beschäftigung mit dem Operaismus eröffnet die Möglichkeit der Kritik der jeweils konkreten Arbeitssituationen durch uns selbst mit Arbeitskollegen, die zu Arbeiter/innengenossen/innen werden könnten. Fragebögen und die Untersuchungsidee ist dabei eine konkrete Alternative zum blossen Archivieren des Klassenkampfes wie es heutige Rätekommunisten auf sehr verdienstvolle Art betreiben und zum Avantgardegedanken des ML."             
Im Gegensatz zu einigen Gedanken des Referates zur rätekommunistischen Strömung  teilen wir diese Sichtweise nicht.
Wie wir im ersten Teil zeigten, hatte der Rätekommunismus Wurzeln gelegt zu einer parteifeindlichen Haltung und einer lokalistischen Sichtweise. Auch wenn wir beim Operaismus ähnliche Argumente vorfinden, ist dieser keinesfalls als ein "Nachfolger" des Rätekommunismus zu betrachten, zu welcher Überlegung das Referat verleitete. Der Operaismus versuchte sich aber auf der Suche nach einer historischen Legitimation für seine eingefleischte Parteifeindlichkeit gerade in Deutschland oft auf Cajo Brendel (Daad en Gedachte) zu berufen. Schon die Begründer des Operaismus im Italien der 60er Jahre hatten, in ihrem Versuch, sich die Niederlage der Russischen Revolution zu erklären, ganz simpel den Bolschewiki die Schuld zugewiesen, wie das folgende Zitat zeigt: "Der auf dieser Grundlage entstandene Arbeiterstaat durfte so nicht über die Aufgaben der Partei hinausgehen. Aber die Taktik Lenins wurde zur stalinistischen Strategie, und mit dieser Entwicklung ist die sowjetische Erfahrung vom Arbeiterstandpunkt aus gescheitert. Für uns bleibt jetzt die Lehre, diese beiden Momente der revolutionären Aktivität in unserem Kopf organisch vereint, in der Praxis aber streng getrennt zu halten: Klassenstrategie und Parteitaktik."   Die Niederlage der Russischen Revolution wird den Ideen Lenins zugeschrieben, die Partei verworfen und sogar eine angebliche Kontinuität zwischen Lenin und dem Stalinismus hergestellt! Wenn also im Referat behauptet wurde, der Operaismus verkörpere eine "kopernikanische Wende im Marxismus", so möchten wir entgegnen, dass er in seiner Bilanz über die Niederlage der bedeutendsten Arbeiterkämpfe des 20. Jahrhunderts (1917-23) vor allem kläglich versagte. Die Notwendigkeit einer klaren politischen Organisation der Arbeiterklasse hat der Operaismus durch seine "exzellente" Bilanz der Russischen Revolution seit seiner Geburt bekämpft - was eher an den Anarchismus erinnert. Wenn schon Bezug zur Astronomie genommen wird, müsste man den Operaismus bezüglich politischer Klarheit über die Geschichte wohl eher als eine Sonnenfinsternis für die Arbeiterklasse bezeichnen! Vielversprechend klingende Thesen der Operaisten wie die "Neuzusammensetzung der  Arbeiterklasse" (immer wieder historisch begründet durch das Scheitern der sog. "alten Arbeiterbewegung", die schon im Keime den Stalinismus in sich getragen habe), endeten vor allem in absolut konfusen Konzepten wie der "militanten Untersuchung", mit der auch das Referat endete. Dieses soziologistische Schnüffeln mit Fragebögen erinnert an universitäre Studien, aber kaum mehr an eine Arbeit von proletarischen Revolutionären innerhalb ihrer Klasse. Wenn die Rätekommunisten wenigstens noch den Willen zeigten, innerhalb der Arbeiterklasse mit ihrer Intervention die Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Bildung von Arbeiterräten zu verteidigen, so betreibt der Operaismus eine Jagd nach dem kämpferischsten Sektor des Proletariates, in den es sich dann lohnt "hineinzugehen". Mit welchem Resultat? Nicht mit einer Verteidigung klarer Orientierungspunkte für den Klassenkampf (wie der Vereinigung und Ausdehnung des Arbeiterkampfes), sondern in der Propaganda für individuelle "Sabotage und Krankfeiern". Die Stärke der Arbeiterklasse ist aber im Gegenteil ein kollektives Handeln. Wir denken, dass der Wert einer politischen Strömung daran gemessen werden soll, inwieweit sie zum Kampf der Arbeiterklasse beitragen kann. In diesem Zusammenhang scheint es uns auch nicht richtig, den Operaismus im selben Atemzug mit dem Rätekommunismus zu erwähnen. Denn dieser unterscheidet sich vom Operaismus in einem entscheidenden Punkt: Die rätekommunistische Strömung war noch ein proletarischer Versuch von Teilen der lebendigen Arbeiterbewegung, sich die stalinistische Konterrevolution in Russland zu erklären und gegen den Opportunismus der degenerierten Dritten Internationalen zu kämpfen. Der Rätekommunismus drückt aber im wesentlichen eine Schwäche der damaligen Arbeiterbewegung aus. Der Operaismus hingegen ist keine politische Strömungen, die der lebendigen Tradition der Arbeiterklasse entstammt. Er ist im wesentlichen ein Versuch, das Misstrauen und gleichzeitig die Glorifizierung gegenüber dem Proletariat zu theoretisieren, auch wenn immer wieder die berechtigte Sorge "irgendwie gegen den Stalinismus zu sein" sichtbar wurde. Auf seiner Suche nach den "Kämpferischsten" und "Ausgebeutetsten" entwickelte der Operaismus vor allem in den 80er Jahren Thesen wie die Existenz einer "Facharbeiter-Aristokratie", welche durch ihre bessere Entlohnung vom Kapital korrumpiert sei und damit eher der herrschenden Klasse nahe stünde. Der Operaismus hat Theorien entfaltet, die lediglich zur Zersplitterung der Arbeiterklasse aufrufen und eine Hierarchie unter den Ausgebeuteten predigen: Der Facharbeiter profitiere von den Teilzeitjobbern, der Teilzeitjobber von den Ausländern, der Ausländer von den Frauen...(der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!) Ins Auge springt auch der nur auf den Moment ausgerichtete Aktionismus im operaistischen Milieu. Sich erst euphorisch auf die Fabriken stürzen und sich dann, wenn es nicht gelungen ist Arbeiterkämpfe zu entfachen, entweder enttäuscht zurückzuziehen, oder interklassistische Bewegungen wie Quartier-Aufstände mit Plünderungen zu verherrlichen, welche nichts mehr mit dem Kampf der Arbeiterklasse zu tun haben. Diese Vorgehensweise drückt lediglich das erwähnte Misstrauen (jedoch überdeckt mit einem Arbeiterkult) gegenüber der Arbeiterklasse aus. Einerseits steht dahinter die Auffassung, dass die Arbeiter auf "Spezialisten des Klassenkampfes" angewiesen sind, welche sie am Arbeitsplatz wachrütteln, eine im Keim bürgerliche, basisgewerkschaftliche Idee, die der Operaismus nie überwunden hat. Andererseits zeigte die operaistsiche Strömung mit ihrer unkritischen Verherrlichung von Quartierrevolten des "Volkes", dass sie nicht wirklich vom revolutionären Charakter der Arbeiterklasse überzeugt ist.

Die Notwendigkeit, sich mit dem linkskommunistischen Erbe insgesamt auseinanderzusetzen  

Wir haben zu Beginn des Artikels Zweifel formuliert, ob die präsentierten politischen Strömungen wirklich den reifsten Ausdruck der Arbeiterklasse seit den 20er Jahren repräsentieren (oder überhaupt Ausdruck der Arbeiterklasse sind!). Bezüglich des Rätekommunismus und des Operaismus haben wir versucht die Frage zu beantworten. Das Referat und die getroffene Auswahl der politischen Strömungen kann aber auch fälschlicherweise dazu zu verleiten, eine politische Kontinuität zwischen Rätekommunismus und Operaismus zu sehen, welche in Wirklichkeit nicht existiert.
Außerdem macht es wenig Sinn, auf den sog. Rätekommunismus Bezug zu nehmen, ohne von der Kommunistischen Linken insgesamt zu sprechen, aus der der Rätekommunismus hervorging und von dem er nur ein politisch sehr geschwächter Ausläufer war.  
Ab den 20er Jahren hatten vor allem die deutsch-holländische, die italienische, aber auch die russische linkskommunistische Bewegung eine Antwort auf die Niederlage der Russischen Revolution und die Kampfformen des Proletariates im dekadenten Kapitalismus geben können, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Gorter und auch Pannekoek waren vor allem lebendiger Teil dieser linkskommunistischen Opposition, die sich innerhalb der Dritten Internationale bildete. Dass z.B. Pannekoek in den 30er Jahren seine Auffassungen zur Parteifrage und zum Charakter der Russischen Revolution hin zu einer rätekommunistischen Sichtweise veränderte, ist bedauernswert, es darf aber keinesfalls dazu führen, außer Acht zu lassen, dass auch Pannekoek ein Ausdruck der internationalen kommunistischen Linken war.  Das Erbe der internationalen linkskommunistischen Opposition der 20er Jahre wurde später in den 30er Jahren bis durch die Zeit des Zweiten Weltkrieges von den Genossen um die Zeitschrift BILAN weitergeführt, welche eine Synthese der theoretischen Beiträge sowohl der deutsch-holländischen als auch der italienischen Linken erstellten. MT 26. 5. 2005    
 Eine offenbar überarbeitete Version ist auf www.eiszeit.tk nachzulesen.    
  Siehe: GIK "Das werden einer neuen Arbeiterbewegung", Rätekorrespondenz Nr. 8/9, 1935  
  Siehe dazu: GIK:" Thesen über den Bolschewismus"  (Thesen 4-9) und Cajo Brendel: "Thesen über die chinesische Revolution", (Thesen 2-11)  
  Mario Tronti, "Erste Thesen". Aus der stalinistischen KPI kommend kehrte Tronti nach seinem "intellektuellen Seitensprung" als grosser Theoretiker des Operaismus bezeichnenderweise schlussendlich wieder in die KPI zurück!    
  siehe dazu "Die andere Arbeiterbewegung" von Karl-Heinz Roth, einem deutschen operaistischen Theoretiker