Konferenz von Rio: Kein Überleben der Menschheit ohne Zerstörung des Kapitalismus

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 Viele meinen, daß nach der Konferenz von Rio dort das Todesurteil für die Erde, wahrscheinlich für die Menschheit mit gefällt wurde. Wem ist nicht wieder ein­mal deutlich geworden, daß die Politiker, alle Regierungen der Welt unfähig sind, das Überleben der Menschheit zu si­chern? Die getroffenen Entscheidungen - sie sind ein blanker Hohn in Anbetracht dessen, was eigentlich unternommen wer­den müßte. Die meisten Entscheidungen sind bekannt; wir wollen sie hier aus Platzgründen nicht weiter aufführen. Und wieder einmal soll alles übers Geld gere­gelt werden. Kein Zufall, daß bei den meisten von uns jetzt das Gefühl auf­kommt, der ganzen Umweltzerstörung hilflos ausgeliefert zu sein, machtlos mit ansehen zu müssen, wie das Todesurteil auf Raten vollstreckt wird.

Wir aber sagen: Man durfte und konnte von Rio nichts anderes erwarten. Die dort versammelten Politiker konnten nichts anderes machen als das, nämlich weiter unter dem Deckmantel von Beschlüssen des Schutzes der Umwelt zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen beizutragen. Warum aber konnte man nichts anderes erwarten? Was sind die Ursachen für die Zerstörung der Natur und was muß wirk­lich getan werden? Dies wollen wir im nachfolgenden aufzuzeigen versuchen.

Während in den früheren Gesellschaften (Urgeschichte, Sklavengesellschaft) zwar meist ein Sinn für die Aufrechterhaltung der Naturbedingungen vorhanden war und es zu den einfachsten Überlebensin­stinkten gehörte, diese weitgehend zu schützen, wurde seit dem Feudalismus auch oft räuberisch und rücksichtslos gegenüber der Natur vorgegangen. Aber erst mit dem Kapitalismus trat eine neue Stufe bei der Zerstörung der Grundlagen der Natur ein. Denn während früher die Menschen zunächst Gebrauchsgegen­stände nur für ihren persönlichen Bedarf und erst später Waren für einen kleinen Markt produzierten (die Technik und der Markt dementsprechend wenig entwickelt waren), und die Zerstörung der Natur sich dabei in Grenzen hielt, änderte sich das mit dem Kapitalismus grundsätzlich.

Denn der Kapitalismus muß nämlich auf­grund seiner ihm innewohnenden Gesetze seine Produktion ständig ausdehnen. Für ihn gilt nur eins: akkumulieren, expan­dieren, verkaufen.

Der triumphale Einzug der industriellen Revolution und die damit verbundene Massenproduktion, dahinter liegend die Akkumulationsbedürfnisse des Kapitals, ließen einen riesigen Durst nach neuen Absatzmärkten aufkommen. Das Kapital mußte eine Jagd nach Märkten in alle Ge­biete der Erde antreten. So nahm während der aufsteigenden Phase des Kapitalis­mus, d.h. vom Ende des Mittelalters bis hin zum Anfang dieses Jahrhunderts, während der er für eine gigantische Ent­wicklung der Produktivkräfte sorgte, die rücksichtslose Ausbeutung und Zerstö­rung der Natur zwar schon neue, massive Ausmaße an, aber sie bedrohte noch nicht das Überleben der Menschheit selbst.

Erst als das System in sein Niedergangs­stadium mit dem 1. Weltkrieg eintrat, er­reichten auch die Zerstörung und Verwü­stung eine neue qualitative und quantitative Stufe. Seitdem bekämpfen sich nämlich alle kapitalistischen Nationen auf einem gesättigten Weltmarkt, bei dem die Rü­stungsindustrie mit der damit verbun­denen Schwerindustrie im Vordergrund stand. Und in dieser Entwicklung gibt es im Kapitalismus kein Zurück - entweder im Konkurrenzkampf alle Kosten drüc­ken, - d.h. Verwüstung und Zerstörung zum Überlebensmotto zu machen -, oder als Verlierer aus diesem Kampf hervorge­hen.

Auf diesem Hintergrund treten nun die Grünen auf den Plan, die eine Lösung in­nerhalb des Kapitalismus anbieten, wo mittels einiger Reformen eine Eindäm­mung der Umweltzerstörung und Arten­schutz usw. möglich sei. Dabei muß aber für jeden deutlich werden, daß der größte Killer der Umwelt- und Überlebensbe­dingungen die kapitalistische Produkti­onsweise selber ist. Warum?


DIE NATUR AUF DEM ALTAR DES PROFITS GEOPFERT

Der Kapitalismus ist ausschließlich auf Profit ausgerichtet. Ein Kapitalist läßt nur dann und dort produzieren, wenn für ihn als einzelnen Unternehmer Profit raus­springt. Welches Produkt er herstellen läßt, wie es aussieht, wo es produziert wird, all das richtet sich nur nach einem Gesichtspunkt - ob es für den Unterneh­mer lukrativ ist, die Produktion gewinn­bringend zu betreiben. Ob das Produkt (seine Erstellung und seine Verwendung, ggf. Wiederverwertung) mit den Gege­benheiten der Natur in Einklang gebracht werden kann, ob es den Interessen der Menschheit entspricht, ob es deren Ge­sundheit schädigt oder nicht, all das ist für den Kapitalisten belanglos. Er läßt halt nur eine Ware produzieren - und da ist für ihn nur von Interesse, ob er seine Waren absetzen kann... ob das jetzt Le­bensmittel, Möbel oder Panzer sind.

Die Art der Produktion, ob und wieviele Rohstoffe dabei eingesetzt werden, wie schädigend und gefährdend die Produktion oder der Konsum, bzw. Verwendung für den Menschen ist (ob für Lunge, Haut, Herz, Kreislauf, Ohren usw.), ob dies tagsüber oder nachts produziert oder ver­wendet wird, ob dafür Fließbänder laufen oder wieviel Transportaufwand darin­steckt, ob bei der Produktion und bei der Nutzung und Weiterverwendung Luft, Boden, Wasser usw. verschmutzt wird, alles spielt für den Kapitalisten keine wirkliche Rolle, wird gar billigend und rücksichtslos in kauf genommen. Denn egal, was schließlich aus dem Produkt wird, wo es schließlich landet, wie es "verwertet" wird, darüber braucht er sich nicht den Kopf zu zerbrechen. Er hat die Freiheit! Denn sobald der Unternehmer für seine Ware das Geld einkassiert hat, ist für ihn die Sache erledigt. Dreck und Müll, Schrott und Zerstörung - landen bei und treffen die Gesellschaft. Es wurde für den einzelnen Unternehmer Reibach ge­macht. Das ist es, was zählt und nichts anderes! Was kümmert es die Autoindu­strie, daß die PKWs und LKWs giftige Gase ausstoßen, was schert es die Rü­stungsindustrie, daß ihre Waffen syste­matisch Menschen morden und nur zur Zerstörung dienen, was sorgt sich die chemische Industrie um die Auswirkun­gen der Düngemittel in der Landwirt­schaft und den damit verbundenen Kreis­läufen. Das Interesse eines einzelnen Un­ternehmers ist erst einmal befriedigt.

Das Ergebnis für die Gesellschaft: Chaos, Anarchie, Zerstörung der Natur, Ver­schmutzung, Verwüstung, Gesundheit der Menschen beschädigt, gar ruiniert - ohne Bedeutung für den Unternehmer.

ZWEI TODFEINDE: DIE BEDÜRF­NISSE DER MENSCHHEIT UND DIE DES KAPITALS

Und hier sind wir beim Grundübel, bei der Wurzel der rücksichtslosen Zerstö­rung der Natur, der Lebensgrundlagen der Menschen angelangt: der Wider­spruch zwischen den Interessen eines Unternehmens und den Bedürfnissen der Gesellschaft.

Weil der Kapitalist sich einen Dreck schert um die Bedürfnisse der Gesell­schaft, weil im Kapitalismus nur Waren hergestellt werden, aber nicht überprüft wird, ob es auch nützliche Sachen sind (Gebrauchswert!), weil im Konkur­renzkampf alles auf dem Altar des Profits geopfert wird, "erntet" die Gesellschaft die Resultate dieser Interessenskollision zwischen Kapital und Gesellschaft: Chaos, rücksichtslose Zerstörung, Raub­bau an allen Ressourcen der Erde - von den Rohstoffen über Luft und Wasser bis hin zum Menschen selbst.

Der einzelne Bauer, der im Konkurrenz­kampf entsprechend billig produzieren muß, fragt nicht nach den Auswirkungen der Düngemittel für den Menschen; für ihn steigt der Ernteertrag. Welche lang­fristigen Wirkungen die Gülle in der Landwirtschaft und den Wasserhaushalt hat - interessiert ihn auch nicht; es gibt nur ein kurzfristiges Interesse... Profit einheimsen.

Daß in diesem Konkurrenzkampf dann auch noch der Staat die einzelnen Unter­nehmer gegenüber anderen internationa­len Konkurrenten unterstützt, ist nicht der Gipfel der Absurdität, sondern nur ein normaler Bestandteil des gesellschaftli­chen Wahnsinns - des mörderischen Kur­ses der Zerstörung der Menschheit. So "protegiert" der Staat die Diesel-fahren­den LKW, wohlwissend, daß Diesel krebserregend wirkt; aber der Staat im Dienst des Kapitals muß den Unterneh­mern den Transport möglichst billig an­bieten - und da müssen halt Diesel-Sub­ventionen an den LKW-Transportbereich bezahlt werden. Die Gesundheit ist das Geringste, was auf dem Opfertisch des Profits geopfert werden kann...

Solange jedenfalls dieses Grundübel, diese Quelle, die all die Zerstörung und Verpestung ausspuckt, die kapitalistische Produktionsform nicht beseitigt ist, wird die Natur und damit die Menschheit wei­ter ins Verderben gestürzt. Solange diese Wurzel - die kapitalistische Produktions­form - nicht beseitigt, wird dieses Un­kraut immer weiter wachsen.

Dieser grundsätzliche menschen- und na­turverachtende Charakter der kapitalisti­schen Produktion muß jedem deutlich vor Augen treten.

Wenn man sich dieser Prinzipien des Ka­pitalismus vergegenwärtigt, muß man se­hen, auf welchem Hintergrund der Gipfel in Rio stattfand. Nach 150 Jahren kapita­listischer "Entwicklung" ist die sog. 3. Welt völlig bankrott und zum ständigen Krüppel geschlagen. Weltweit tobt ein mörderischer Handelskrieg, bei dem sich gerade die großen Industriestaaten an der Kehle liegen. Deshalb müssen Länder mit irgendwelchen Rohstoffvorkommen oder anderen Naturschätzen - wie Regenwäl­dern - diese als Waffen im Wirtschafts­krieg gegen andere Nationen ansehen und einsetzen. Für Länder wie Brasilien, die Philippinen usw. ist es nur allzu logisch, daß sie - von Zinsen erdrückt und ohne Chance auf dem Weltmarkt - bei diesem Überlebenskampf im kapitalistischen Dschungel versuchen müssen, ihre Re­genwälder abzuholzen, um zu Geld mit Holz oder anderen Stoffen dieser Art zu kommen (tatsächlich stecken oft große Multis dahinter, und hinter diesen wie­derum die großen Industriestaaten). Wäh­rend die Politiker von "Zusammenarbeit" sprechen, stechen sie sich in Wirklichkeit alle bei diesem Konkurrenzkampf Messer in den Rücken. In der gegenwärtigen Zer­fallsphase des Kapitalismus muß jede Na­tion mehr als je zuvor sich um ihr "eigenes Schicksal" kümmern. Auf die­sem Hintergrund werden diese lebens­wichtigen Fragen wie Umweltzerstörung, Abfallwirtschaft usw. nicht durch "globale Zusammenarbeit" gelöst werden, sondern der Zusammenstoß zwischen den Staaten, der Konkurrenzkampf bis hin zum Krieg, - wie der Golfkrieg mit sei­nen Zerstörungen bewies - wird all diese Probleme nicht nur nicht lösen, sondern vielmehr nur noch zuspitzen.

DIE ZUKUNFT IM KAPITALISMUS: ESKALATION DER ZERSTÖRUNG BIS HIN ZUR VERNICHTUNG DER MENSCHHEIT

Die Eskalation der Zerstörung, der Ver­nichtung unserer Lebensgrundlagen ist also nur weiter vorprogrammiert. Anstatt auf mehr Kooperation, auf Einsicht und dergleichen mehr seitens der Regierungen zu hoffen, müssen wir vielmehr mit noch mehr Zerstörung, rücksichtslosem Vor­gehen gegenüber der Menschheit rechnen!

Auf diesem Hintergrund ist es illusorisch, irgendeine Lösung von den Staatsmän­nern zu erwarten. Das hieße den Mafia­bossen sich anzuvertrauen, um einen Kampf gegen die Mafia zu erwarten.

Viele Leute sagen aber jetzt, man müsse - weil die Politiker unfähig sind, irgendet­was globales auszurichten - bei sich selbst, d.h. im kleinen anfangen, etwas zu tun. Wir haben uns in einem anderen Artikel mit diesem "Ansatzpunkt" ausein­andergesetzt. Wollen deshalb an dieser Stelle nur sagen, daß der Kern des Pro­blems getroffen werden muß, und der liegt in der Funktionsweise der kapitali­stischen Gesellschaft mit ihrer anarchi­schen, von der Konkurrenz geprägten Produktionsform und der damit verbun­denen militärisch-industriellen-politischen Infrastruktur.

Nein, die einzige wirklich an der Wurzel des Problems angreifende Lösung ist die Erkenntnis, daß die Erde nicht gerettet werden kann mit Hilfe der Politiker oder "im kleinen Rahmen". Das Überleben der Menschheit kann nur gesichert werden, indem diese kapitalistische Gesellschaft aus der Welt geschafft wird und eine neue, nicht nach Profit orientierte Gesell­schaft aufgebaut wird. Dieses Systems muß als solches über Bord geworfen wer­den. Nichts geringeres als das.

Und es steht fest - solange dies nicht ge­schieht, läuft uns die Zeit davon.

Immer mehr wird zerstört werden. Der Kapitalismus wird uns neben der Zerstö­rung der Lebensgrundlagen der Natur (Stichwort Ozonloch, Treibhauseffekt, Wasserverschmutzung-, -mangel usw.), eine ganze Horrorshow präsentieren, von der wir schon einige Ausschnitt erleben: Kriege, Flüchtlingswellen, nationalisti­sche Explosionen, nukleare fall-outs, usw...

Deshalb kann die Lösung eben nur glo­bal, weltumfassend, weltweit sein, indem halt die Strukturen, die Wurzeln dieser Gesellschaft selbst ausgerissen- und durch eine neue Gesellschaft ersetzt werden. D.h. eine weltweite, eine die Gesellschaft umwälzende Lösung - kurzum eine Welt­revolution. Dav Juli 1992