Streiks in Großbritannien

Von den Medien weitestgehend verschwiegen haben sich in den letzten Wochen Arbeiter in fast allen Kontinenten gegen die brutale Beschleunigung der Wirtschaftskrise zur Wehr gesetzt. Aus Platzgründen können wir nicht näher und tiefergehend auf diese Kämpfe hier eingehen. An dieser Stelle wollen wir nur auf die Reaktion der Arbeiter in dem ältesten kapitalistischen Zentrum, Großbritannien, aufmerksam machen. Wenn sich nun die Arbeiter in Großbritannien wieder verstärkt zu Wort melden, wenn 700.000 Arbeiter im ältesten Industriestaat der Welt gemeinsam streiken, ist dies ein aufschlussreiches Beispiel einer internationalen Verstärkung der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse, denn die Kampfkraft des britischen Proletariats war jahrelang nicht zuletzt durch die Politik der New Labour zurückgedrängt worden. Als Beispiel unserer Intervention im Klassenkampf bringen wir Auszüge aus einer Flugschrift unserer Sektion in Großbritannien, World Revolution anlässlich der für den 16. und 17. Juli anberaumten Aktionstags der Beschäftigten der Kommunen, die für eine 6% Lohnerhöhung eintraten. „Nach den Protesten der Lehrer und Beamten am 24. April, des Shell-Personals im Juni, einer wachsenden Unzufriedenheit unter den Beschäftigten des Gesundheitswesens, der Beschäftigten im Einzelhandel haben alle Beschäftigten das gleiche Interesse, sich den Angriffen gegen ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu erwehren. Aber in Anbetracht eines zentralisierten Angriffs durch den Staat ist es unmöglich, sich zu verteidigen, wenn wir gespalten sind und jeder für sich in seiner Ecke kämpft. (…) Die Beschäftigten der Kommunen in Birmingham stimmten im April in einer Vollversammlung für die Unterstützung der Demonstrationen und Streiks der Lehrer und Beamten am 24. April. Beim jüngsten Streik der Postbeschäftigten weigerten sich die Fahrer der Post, die Streikposten zu durchbrechen. Und als gegen sie Disziplinarmaßnahmen ergriffen wurden, kam es an mehreren Orten zu wilden Streiks. Und als die Shell-Fahrer die Arbeit niederlegten, weigerten sich andere Fahrer, deren Streikposten zu umgehen. Diese ersten Zeichen von Solidarität beunruhigten die Bosse so sehr, dass die beiden Firmen schnell ein Abkommen unterzeichneten. (…) Als die Lehrer und Beamten am 24. April die Arbeit niederlegten, wurde dies als ein „Donnerstags-Aktionstag“ des gesamten öffentlichen Dienstes bezeichnet. Aber selbst in den Schulen blieben die Beschäftigten zersplittert – das Lehrpersonal wurde je nach Schultyp gespalten; im April streikten die Lehrer des einen Schultyps, im Juli die eines anderen. Gegen diese Spaltungspolitik können wir uns nur wehren, indem wir die gewerkschaftliche Spaltungstaktik überwinden. Wir müssen den anderen Beschäftigten unsere Solidarität zeigen, mit ihnen direkt Kontakt aufnehmen. Im Herbst letzten Jahres zeigten Arbeiter in Frankreich den gleichen Ansatz eines gemeinsamen Kampfes, als Eisenbahner sich zu den Vollversammlungen der Studenten und umgekehrt begaben und gemeinsam demonstrierten. Das geschah gegen den Willen der Gewerkschaften. Und auch als im Frühjahr 2006 Studenten die Unterstützung von Arbeitern erhielten und diese sich anschickten, selbständig den Kampf aufzunehmen, zwang diese aufkeimende Solidarität die französische Regierung, das Gesetz CPE zurückzunehmen. (...) Die Arbeiter können nur ausreichend Druck zur Abwehr der Angriffe entfalten, wenn sie sich mit anderen Arbeitern zusammenschließen. Dies erfordert zu diskutieren, wie und mit wem wir uns zusammenschließen. Schritte in diese Richtung dürfen wir aber nicht von den Gewerkschaften erwarten, sondern diese müssen wir selbst ergreifen, indem wir zum Beispiel Delegationen zu anderen Betrieben, zu Demonstrationen anderer Beschäftigter usw. schicken.“ (Flugblatt der IKS in Großbritannien)