Atomausstieg - reicht das?

Ich habe mir über die Diskussion des Ausstiegs aus der Atomenergie meine
Gedanken gemacht und finde, dass der Ausstieg beschränkt auf die
Atomenergie, bei weiten nicht ausreichend ist.

Die Mengen des giftigen Plutoniums vermehren sich im gleichen Verhältnis,
wie sich das Kapital der Privateigentümer vermehrt. Obwohl das Plutonium
159400 Jahre braucht, um 99 Prozent seiner ursprünglichen Strahlung
abzubauen, kommen jährlich tausende Tonnen neu hinzu. Wer bei dieser
gewaltigen Zeitspanne von 159 Tausend Jahre an die Zukunft seiner Erben
denkt, der würde sich die Frage stellen: „Wie können die künftigen
Generationen in einem so unüberschaubaren Zeitraum, vor der
Radioaktivität des Atommüll sicher sein?“ Die Strahlenprobleme von
Japan machen es wieder sichtbar, wie schutzlos die Menschen vor den
sogenannten Sachzwängen sind.

Wir haben vor kurzem eine Zuschrift von einem Leser erhalten, der sich mit der Frage des Ausstiegs aus der Atomernergie befasst. Wir teilen voll und ganz die Grundideen dieser Zuschrift, auch wenn man über die eine oder andere Formulierung diskutieren könnte. Wir bedanken uns für die Zuschrift und möchten alle anderen Leser/Leserinnen zu solchen Initiativen ermuntern. - Weltrevolution - 

"Ich habe mir über die Diskussion des Ausstiegs aus der Atomenergie meine
Gedanken gemacht und finde, dass der Ausstieg beschränkt auf die
Atomenergie, bei weiten nicht ausreichend ist.
Die Mengen des giftigen Plutoniums vermehren sich im gleichen Verhältnis,
wie sich das Kapital der Privateigentümer vermehrt. Obwohl das Plutonium
159400 Jahre braucht, um 99 Prozent seiner ursprünglichen Strahlung
abzubauen, kommen jährlich tausende Tonnen neu hinzu. Wer bei dieser
gewaltigen Zeitspanne von 159 Tausend Jahre an die Zukunft seiner Erben
denkt, der würde sich die Frage stellen: „Wie können die künftigen
Generationen in einem so unüberschaubaren Zeitraum, vor der
Radioaktivität des Atommüll sicher sein?“ Die Strahlenprobleme von
Japan machen es wieder sichtbar, wie schutzlos die Menschen vor den
sogenannten Sachzwängen sind.
Es beginnt schon damit, dass in der praktischen Anwendung des
bürgerlichen Rechts, die Kapitalgesellschaften von den Kosten, die sie
verursachen, befreit werden. In der Tat müssen wir zusehen, wie der
Allgemeinheit die Lasten zugeschoben werden, wie z.B. die Kosten, die durch
die Atomkraftwerke an Natur und Mensch verbrochen wurden, oder wie z.B. die
Kosten des neu eingerichteten „Euro Schutzschirms“ mit 700 Milliarden
Euro, wobei dieser „Schutzschirm“ in Wirklichkeit als Geldreserve dem
Casinokapitalismus dient.
Aber nur der Ausstieg aus der Atomenergie ist viel zu wenig, weil sich
dadurch nichts an der Anarchie des Kapitals, an seinen zerstörerischen
Kräften ändert. Dagegen wäre der Ausstieg aus dem Lohnsystem schon
längst überfällig. Was kann es im Kapitalismus schon für eine Zukunft
geben, in der die Menschheit der Hierarchie der Teilung der Arbeit
unterworfen ist, die den Menschen zu einem Handelsobjekt verwandelt, ihn zu
einer käuflichen Ware entwertet und ihn noch dazu geistig verkrüppelt.
Dazu ist zu bemerken, dass das Eine ohne das Andere, das Kapital ohne die
Teilung der Arbeit und umgekehrt, die Teilung der Arbeit ohne Kapital nicht
existieren kann. Das heißt solange die Teilung der Arbeit die Macht über
die Menschheit hat, solange muss das Privateigentum existieren. Das
Privateigentum ist auf die Gemeinschaft bezogen asozial, weil es die
Gesellschaft in private, gegeneinander konkurrierenden Zellen zerpflückt, die
von der Allgemeinheit losgelöst, gegen die Gesellschaft und gegeneinander
existieren.
Wie wir wissen, ist die Beziehung zwischen Privateigentum und Wachstum,
bzw. zwischen Lohnarbeit und Kapital, ein in sich geschlossener Kreislauf;
ein schon seit Ewigkeit bestehender Kreislauf, der durch die heutige
Technologie und die ungeheuren Produktivkräfte nicht nur unnötig ist,
sondern sich je nach der Art des Wachstums gegen die Existenz der
Menschen richtet. Der wirtschaftliche Mechanismus des Privateigentums
unterliegt dem Zwang des Wachstums. Denn fehlt das Geld, dann fehlt auch
die Grundlage für die Existenz der privaten Zellen. Der triviale Kreislauf
des Wachstums: Ohne Wachstum gibt es keine Profite und ohne Profite gibt es
keine Investitionen und ohne Investitionen gibt es keine Aufträge. Der
Handel bricht ein und somit verschwinden auch die Arbeitsplätze. Ohne
Wachstum kann das Kapital nicht zirkulieren, damit ist das Privateigentum
gefährdet, aber vor allem ist die Gesellschaft betroffen, denn sie
verfällt in eine Krise bis hin in die Barbarei.
Eine Gesellschaft, der ihre gesellschaftlichen Produktionsmittel durch
Privatbesitz entzogen sind, ist nicht nur entmündigt, sondern sie ist auch
aller ihrer demokratischen Möglichkeiten beraubt. Z.B. kann die
Gesellschaft nicht die gesellschaftlichen Produktionsmittel nach ihren
Bedürfnissen einsetzen und auch nicht die Interessen ihrer nachkommenden
Generationen schützen. Auf der anderen Seite das Dilemma des
Privateigentums: Die Privateigentümer können nicht auf die Menschen oder
auf die Existenzbedürfnisse künftiger Generationen Rücksicht nehmen,
falls sie nicht den Stillstand des Wachstums und somit ihr Privateigentum
riskieren wollen.
Das Wachstum ist eine zwingende Voraussetzung für die Existenz der
privaten Zellen, bzw. für den Erhalt ihres Privateigentums. Ohne Aufhebung
der Teilung der Arbeit, lässt sich auf Dauer das Problem des
Privateigentums nicht lösen und die Menschen können erst recht nicht auf
das Wachstum regulierend zugreifen. Aber ohne Regulierung bleibt der
Kreislauf zwischen Privateigentum und Wachstum bestehen und es bleibt, was
es immer war: Ein Wettlauf zwischen Wachstum und Umweltzerstörung, ein
Sachzwang, der nicht nur über die Menschheit herrscht, sondern überhaupt
ihren Fortbestand bedroht.
Der Umstand, dass die nachkommenden Generationen schon die Lasten der
heutigen Generation tragen müssen, macht zum Teil das heutige Wachstum
aus. Der heutige hohe Standard der Privatzellen lässt sich einmal nur auf
Kosten der nachfolgenden Generationen beibehalten. Daher ist der Ausstieg
aus der verknöcherten Teilung der Arbeit keine ideologische, sondern eine
existenzielle Frage für die Menschheit. Denn „wir erhalten aus diesem
ganzen Dreck nur das eine Resultat, dass diese drei Momente, die
Produktionskraft, der gesellschaftliche Zustand und das Bewusstsein, in
Widerspruch untereinander geraten können und müssen, weil mit der Teilung
der Arbeit die Möglichkeit, ja die Wirklichkeit gegeben ist, dass die
geistige und materielle Tätigkeit - dass der Genuss und die Arbeit,
Produktion und Konsumtion, verschiedenen Individuen zufallen, und die
Möglichkeit, dass sie nicht in Widerspruch geraten, nur darin liegt, dass
die Teilung der Arbeit wieder aufgehoben wird.“ [MEW Band 3, Deutsche
Ideologie I. Feuerbach. Seite 32]
Wenn wir den Fortbestand der Menschheit sichern wollen, dann ist eine
Revolution erforderlich, die von der Anarchie zu einer von allen
kontrollierten Wirtschaft führt; die die Menschheit von der repressiv
organisierten Teilung der Arbeit befreit, damit die freie und allseitige
Entwicklung eines jeden Menschen zur Wirklichkeit wird. Was die Qualität
der Revolution betrifft, so unterscheidet sie sich von den herkömmlichen
Revolutionen insofern, „dass in allen bisherigen Revolutionen die Art der
Tätigkeit stets unangetastet blieb und es sich nur um eine andre
Distribution dieser Tätigkeit, um eine neue Verteilung der [alten
Arbeitshierarchien] an andre Personen handelte, während kommunistische
Revolution sich gegen die bisherige Art der Tätigkeit richtet, indem sie
die Teilung der Arbeit beseitigt“. [MEW Band 3, Deutsche Ideologie I.
Feuerbach. Seite 69] Gruß, Karasek.