Krawalle in Kopenhagen

 

Provokationen und Gewalt von Seiten der Polizei,

um die neue Generation der Arbeiterklasse zu demoralisieren


Am 1. März griff die dänische Polizei Jugendliche an, die das sogenannte ‚Jugendhaus’ in Nörrebro in Ko­penhagen zu verteidigen versuchten. Der dänische Staat und seine Polizei hatten sich lange - etwa ein halbes Jahr – darauf vorbereitet. Sie benutzten Hundertschaften von Elitetruppen der Polizei, die sogenannten ‚An­titerror’ Gruppen, um die Jugendlichen mit fast militärischen Mitteln aus dem ‚Jugendhaus’ zu vertreiben. Es gibt kein Zögern, wenn der dänische Staat den Jugendlichen eine gewaltsame Konfrontation aufzwingen will. Der Staat ließ seine repressiven Muskeln spielen, um eine neue Generation daran zu hindern, ihre Zukunft in der kapitalistischen Gesellschaft in Frage zu stellen und über die Rolle der Menschlichkeit in dieser Gesell­schaft nachzudenken und sie stattdessen in eine gewaltsame Auseinandersetzung hineinzutreiben. Die Polizei nahm über 600 Aktivisten fest. Verletzte gab es in den Konfrontationen mit der Polizei noch mehr. Jetzt herrscht eine große Mutlosigkeit in diesem Milieu. Dem Staat und den Medien ist es gelungen, die zu Grunde liegende soziale Frage zu einer ausschließlichen Frage der Gewalt zu machen und die Jugendlichen zu spal­ten. Also, gewaltsame Konfrontationen zwischen der Polizei auf der einen Seite und junge, maskierte, Steine werfende Straßendemonstranten auf der anderen Seite. Die Steine werfenden autonomen Protestierenden waren aber eine Minorität unter den Jugendlichen, die gegen den Abriss des ‚Jugendhauses’ demonstrierten. Aber das ist typisch für die Polizei, die „autonomen“ Aktivisten mit fast militärischen Mitteln zu Konfrontationen zu provozieren. „Es war eine gelungene Operation, die man mit militärischer Präzision durchführte“ sagte der dänische Polizeikommissar F. Steen Munch, zufrieden in Dagens Nyheter vom 2. März. Die Tatsache, dass die „militanten Demonstranten“ eine Minderheit waren, bekam wenig Aufmerksamkeit in den Medien der herrschenden Klasse. Ein ergänzender Faktor, der die bedeutsame Beschränktheit dieser Bewegungen illustriert, ist, dass man die Forderung der Bewegung als eine Jugendbewegung ausgibt, als ob es um ein ‚Ju­gendhaus’ usw. ginge. Das benutzt die herrschende Klasse, um von der wichtigen Frage, wo die Arbeiter­klasse sich treffen kann, auf eine Jugendsache abzulenken. Heute sind die Arbeiter auf teure Lokale oder auf andere Versammlungsräume, die teuer sind, angewiesen. Außerdem sind diese Plätze ganz ungeeignet, um Diskussionen führen zu können. Die Medien der Bourgeoisie tun alles, um diese Art Bewegungen als Bewe­gungen um die ‚Jugendfrage’ erscheinen zu lassen, oder sie bestehen darauf, dass alle (Jugendlichen), die an den Protesten gegen den Abriss des ‚Jugendhauses’ protestieren (wie früher beim „Folkets Hus“ Volkshaus, das im 19. Jh. gebaut worden war, und ein echter Versammlungsort für die ganze Arbeiterklasse, für alle Ge­nerationen war!) entweder Hooligans oder Jugendgangs der Mittelklasse sind, die nichts mit „richtigen“ Ar­beitern oder Einwanderern gemein haben. Wie gewöhnlich benutzt die herrschende Klasse die Soziologen und andere „Experten“, um ihrer Darlegung Gewicht zu verleihen und um die enormen Repressionen gegen die Proteste zu rechtfertigen. Die Krawalle in Kopenhagen zeigen, dass um einen Kampf führen zu können, der den kapitalistischen Staat ernsthaft herausfördert, es notwendig ist, einen Kampf zu führen, der die Ausge­beuteten vereint, über Generationsgrenzen hinweg, und eine Zusammenarbeit mit allen Arbeitern und Rent­nern anstrebt. Um diesen Kampf führen zu können, muss man auch die Forderungen so fassen, das es die ganze Arbeiterklasse betrifft. In diesem Fall versäumte man diese Möglichkeit im Voraus, dadurch, dass man eine Forderung formulierte, die nur die Jugendlichen betrifft. Die andere Lehre ist, nicht auf die Gewaltpro­vokationen der Bourgeoisie hereinzufallen und sich des repressiven Charakters des Staates bewusst zu sein. Die Geschehnisse in Kopenhagen zeigen, dass die Bourgeoisie eine umfassende Gewalt provozieren will, um diejenigen einzuschüchtern und niederschlagen, die heute oder in der Zukunft den Kapitalismus in Frage stellen werden. Sie zeigen auch, dass man den Kapitalismus nicht ohne eine Perspektive bekämpfen kann. Die Gewalt an sich ist keine proletarische Methode. Blinde Gewalt ist etwas, was die Bourgeoisie vorführt, die Arbeiterklasse hat immer nur Gewalt gebraucht, um sich gegen die Repression des Kapitals zu ver­teidigen. Es ist nie ein Selbstzweck gewesen! Der Kampf in Frankreich gegen den CPE zeigte eine wirkliche Perspektive für die Arbeiterklasse, weil sich die proletarisierten Studenten in Vollversammlungen organi­sierten und dort Kampfkomitees wählten, die auch unmittelbar von den Vollversammlungen abwähl­bar waren. Dies zeigt die wirkliche, revolutionäre Dynamik in einem Kampf, der den Kapitalismus heraus­fordert. Diesen Kampf, den die Arbeiterklasse und alle, die den Kapitalismus in Frage stellen, aufnehmen sollten, befürchtet die Bourgeoisie, in Dänemark wie in allen Ländern.

Aus Internationell Revolution 111, der Zeitung der IKS in Schweden


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