Der Trotzkismus entstand als opportunistische Oppositionsbewegung gegen den Verfall der Kommunistischen Internationale und die stalinistische Konterrevolution, wechselte jedoch mit seiner Unterstützung für das „demokratische“ Lager im Zweiten Imperialistischen Weltkrieg endgültig auf die Seite der herrschenden Klasse. Seitdem hat sich sein grundlegend arbeiterfeindlicher Charakter nur noch bestätigt.
Das Wiedererscheinen des Proletariats auf der welthistorischen Bühne Ende der 1960er Jahre macht es erforderlich, dass wir auf seine historische Erfahrung zurückblicken und die gewichtigen Militanten der Arbeiterbewegung, ihre Beiträge und ihre Rollen in Erinnerung rufen. Aus dieser Notwendigkeit heraus wollen wir hier Leo Trotzkis immense Rolle in der proletarischen revolutionären Bewegung hervorheben und ihn andererseits klar von seinen falschen Nachahmern abgrenzen, die heute ein Teil der Bourgeoisie sind.
Es ist unmöglich, Trotzki zu ignorieren, er war eine entscheidende Figur der Arbeiterbewegung, genauso wie Lenin oder Rosa Luxemburg. Stalin tat alles, um ihn von der Bühne der Geschichte verschwinden zu lassen. Die sogenannten Trotzkisten, indem sie ihn mumifizieren und alle Fehler, die er in den 1930er Jahren gemacht hat, aufgreifen und weiterentwickeln, indem sie sein Denken auf das Programm der Vierten Internationale beschränken, machen Trotzkis Rolle und seinen wahren Beitrag zunichte.
Um einen revolutionären Gedanken abzuwürgen oder unschädlich zu machen, genügt es, ihn einzufrieren, ihn auf Prinzipien oder Dogmen festzulegen, die sich nicht mehr weiterentwickeln dürfen oder können. Dieses Ziel verfolgte die Bourgeoisie, indem sie zwei Theorien schuf, den "Leninismus" und den "Trotzkismus", die es zu Lebzeiten Lenins oder Trotzkis nie gegeben hatte. Es ist leicht, tausend Beispiele für die Entwicklung der Positionen von Lenin oder Trotzki während ihres Lebens anzuführen, um zu zeigen, wie ein revolutionäres Denken in der Lage ist, sich weiterzuentwickeln, sich zu verändern, um der Komplexität sozialer Bewegungen und des Klassenkampfes gerecht zu werden. Was uns betrifft, versuchen wir, die Methode von Marx anzuwenden, die darin besteht, die revolutionäre Theorie – die uns die Arbeiterbewegung hinterlassen hat – am Leben zu erhalten, indem wir keinen Text als "heilig" betrachten und ihn der Kritik aussetzen. Wir wenden diese Methode auf Trotzkis Positionen an[1]. Für Revolutionäre ist nichts unantastbar; nur die Methode der Untersuchung, der Marxismus, bleibt der Kompass für das Verständnis der historischen und politischen Situationen.
Die beiden Begriffe "Trotzkismus" und "Leninismus" wurden 1923 von Sinowjew[2] geprägt, um Trotzki zu bekämpfen und die neue Troika an der Spitze der Kommunistischen Partei der UdSSR und der Kommunistischen Internationale zusammenzuschweißen. Ab dem 5. Kongress der Kommunistischen Internationale diente die Theorie des "Leninismus" mit der "Bolschewisierung" in einem weltweit rückgehenden Kurs des Klassenkampfes auch dazu, alle kommunistischen Parteien durch Ausschluss aller Oppositionellen zu kontrollieren. Es ist daher nicht korrekt, vor 1940 von "Trotzkismus" weder als Theorie noch als politische Bewegung zu sprechen. Der Trotzkismus wurde erst mit Trotzkis Tod wirklich geboren. Seine Epigonen haben es versäumt, seine Gedanken weiterleben zu lassen und machten aus ihnen ein Dogma und eine konterrevolutionäre Theorie, indem sie die politischen Positionen, die im "Übergangsprogramm" der 4. Internationale[3] enthalten sind, bis zu ihren letzten Konsequenzen ausreizten.
Für uns geht es bei aller Anerkennung des Revolutionärs Trotzki und seiner Rolle keineswegs darum, ihn nicht der Kritik zu unterwerfen, und wir haben viele Meinungsverschiedenheiten mit ihm, wie wir sehen werden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Trotzki wie Rosa Luxemburg zu denjenigen, die die große historische Bedeutung der Massenstreiks in Russland und insbesondere der Arbeiterräte seit ihrem Aufkommen im Jahr 1905 in Russland verstand.[4] Während Lenin nicht sofort erkannte, dass der Massenstreik "die endlich gefundene Form" der Machtergreifung und der Diktatur des Proletariats war, schrieb Trotzki: "Der Sowjet wurde sofort zur Organisation des Proletariats selbst; sein Ziel ist es, für die Eroberung der revolutionären Macht zu kämpfen". Da Trotzki die politische Situation 1905 genau verstand, konnte er eine entscheidende Rolle im Verlauf dieser Ereignisse spielen und wurde am 17. Oktober 1905 Vorsitzender des Exekutivkomitees des Petrograder Arbeiterrates.
In den grundlegenden Debatten, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Sozialdemokratie über die Rolle der Partei geführt wurden, nahm Trotzki jedoch eine zentristische Position ein. So fand er sich auf dem zweiten Kongress der SDAPR (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands) 1903 auf der Seite der Menschewiki gegen Lenin wieder. Zwar hatte er recht, als er in Unsere politischen Aufgaben[5] Lenins jakobinische und substitutionistische Vision kritisierte (eine Vision, die in Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück weiterentwickelt wurde)[6], aber zu diesem Zeitpunkt war es grundlegender, sich gegen die Auffassungen der Menschewiki zu stellen.
Diese Debatte sollte zur Spaltung zwischen Bolschewiki und Menschewiki führen.[7] Trotzkis "nuancierte" Position machte große Zugeständnisse gegenüber den Auffassungen der Menschewiki, während Lenins Position die Bolschewiki in die Lage versetzte, eine entschlossenere Kampforganisation für den Klassenkampf zu schmieden.
Während des Ersten Weltkriegs hingegen gehörte Trotzki zu der Handvoll Revolutionäre und Internationalisten von 1915 in Zimmerwald, die die Arbeiterklasse nicht verrieten[8]. Wir wollen hier nicht ausführlich auf seine führende Rolle während der Russischen Revolution eingehen, denn Trotzki war wirklich ein Mann der Revolution. Es genügt daran zu erinnern, dass er sich gleich zu Beginn der revolutionären Periode den Bolschewiki anschloss und die Aprilthesen[9] verteidigte, die nicht weit von den Thesen in Die permanenten Revolution[10] entfernt waren, die er vor dem Ersten Weltkrieg vertreten hatte. Während des Aufstands war er dann einer der entschlossensten und brillantesten Organisatoren der Machtergreifung und leitete das Revolutionäre Militärkomitee, den bewaffneten Arm des Petrograder Arbeiterrates.
Während der gesamten Zeit nach der Revolution war er neben Lenin die zentrale Figur der Partei, der Sowjetregierung und der Kommunistischen Internationale. Dank seines Organisationstalents gelang es ihm, an der Spitze des Kriegskommissariats der Roten Armee (1918) zu wirken, wodurch der Bürgerkrieg (1918-1921) gegen die von den Entente-Mächten unterstützten Weißen Armeen gewonnen werden konnte.[11]
Trotzki war der Mann, der Organisator des Aufstandes und der Machtergreifung von 1917, aber es begann eine neue Periode, die für Revolutionäre und die Arbeiterklasse als Ganzes mit dem Ende der weltweiten revolutionären Welle anders und schwieriger war. In dieser Periode musste man fähig sein, die Situation zu verstehen, und es war nicht einfach für Revolutionäre, die gerade gesiegt und die Macht ergriffen hatten, ihre Orientierung in Erwartung der proletarischen Revolution in den zentralen Ländern, insbesondere in Deutschland, zu ändern. In den frühen 1920er Jahren mussten die russischen Revolutionäre die Macht "halten", in Erwartung der Revolution in Europa.[12]
In die Zeit dieser für die Arbeiterklasse ungünstigen Rückschritte fiel der Kampf um die Macht in der UdSSR während Lenins Krankheit und seinem Tod im Jahr 1924. Dieser Kampf führte zu Trotzkis Niederlage, zunächst an der Spitze der Ersten Opposition von 1923, dann der "Vereinigten Opposition" (1925-1926), die diesmal die Mitglieder der Ersten Opposition vereinte sowie zusätzlich Sinowjew und Kamenew und andere "alte Bolschewiki". In dieser Periode zeigte sich Trotzki unentschlossen, unfähig, einen konsequenten Kampf gegen die Entartung der Partei und der Kommunistischen Internationale zu führen, und beschränkte sich auf einen Kampf innerhalb der russischen Partei.[13]
Nach dem 6. Plenum der Kommunistischen Internationale begannen die Oppositionellen in allen Ländern, sich zu organisieren, aber auf verstreute Weise, jeder für sich, anstatt ihre Kräfte zu bündeln. Die Opposition in der Kommunistischen Partei Belgiens war in der Mehrheit; im November 1927 wurde eine Resolution, die gegen Trotzkis Ausschluss aus der KPdSU protestierte, vom Zentralkomitee mit 15 zu 3 Stimmen angenommen. Die Opposition war in Spanien sehr einflussreich, aber vor allem durch die Italienische Kommunistische Linke, die aufgrund ihres historischen und theoretischen Beitrags eine über ihre Zahl hinausgehende Bedeutung hatte. Schließlich gab es noch die französische und die deutsche Opposition, die auf mehrere Gruppen verteilt waren und keine politische Homogenität aufwiesen.
Erst 1929, mit der Ausweisung Trotzkis aus der UdSSR, organisierte sich die Internationale Linke Opposition (ILO) zentralisierter und konsequenter. Dieses Ereignis war von enormer Bedeutung für die revolutionäre Bewegung, es war die Möglichkeit, die den verschiedenen oppositionellen Gruppen oder Kernen geboten wurde, sich zusammenzuschließen, in Kontakt zu treten und sich zu organisieren. Trotzkis Rolle war entscheidend. Was tat er? In der Tat spielte er in dieser Zeit eine negative Rolle. Die Politik, die er innerhalb der Opposition verfolgte, führt zur Zersplitterung und Zerstreuung der revolutionären Energien. Seine Politik beruhte auf der Überzeugung, dass die Zeit für die Revolution immer noch günstig sei.
Es war aber gerade damals notwendig, alle Lehren aus der revolutionären Welle der 1920er Jahre zu ziehen, eine "Bilanz" zu ziehen und auf dieser Grundlage eine solide politische Plattform zur Festigung der revolutionären Bewegung zu errichten. Dies schlug die Italienische Fraktion vor: "Das zentrale Problem der Krise der kommunistischen Bewegung liegt in der Lokalisierung und Analyse der Ursachen, die uns in das gegenwärtige Desaster getrieben haben".[14] Für die Konferenz im April 1930 hatte die Fraktion ein Dokument erstellt, das diese Notwendigkeit einer Bilanz und Überprüfung der vergangenen Ereignisse betonte: "Dies drückt sich in der Erstellung einer Plattform aus, dem einzigen Mittel, das eine kommunistische Opposition leiten kann."[15]
Im Gegensatz dazu zog Trotzki ein "Vorwärtsschreiten der Bewegung" einem kohärenten politischen Programm vor.[16] Diese Politik führte zu persönlichen Streitigkeiten zwischen einzelnen "Führern" innerhalb der Opposition: Trotzki unterstützte diejenigen, die ihm blind in seinen politischen Orientierungen folgten, was ihn oft dazu veranlasste, GPU-Agenten, die in die ILO eingeschleust worden waren, oder unklare Elemente zu unterstützen: Mille, die Brüder Sobolevicius, "Etienne" oder Mollinier. – Alle wichtigen oppositionellen Gruppen, wie die belgische, deutsche und spanische Linke, sowie wertvolle revolutionäre Militante wurden entfernt oder ausgewiesen, wie Rosmer, Nin, Landau und Hennaut. Nach dieser zerstörerischen Arbeit wurde die Oppositionskonferenz einberufen (Februar 1933), allerdings nur mit Militanten, die unter Trotzkis Fuchtel standen. Und schließlich wurde die Italienische Kommunistische Linke ohne Debatte ausgeschlossen (so wie sie aus der stalinistischen Internationale ausgeschlossen worden war), obwohl sie trotz aller Manöver, die gegen sie ausgeheckt wurden, um sie zu einem freiwilligen Bruch zu zwingen, weiterhin in der Opposition gekämpft hatte.
Noch schlimmer war damals jedoch, dass Trotzki die politische Situation umgekehrt zu ihrer tatsächlichen Entwicklung verstand. Er glaubte, dass die Revolution immer noch möglich sei und dass es nur einer wirklich bolschewistischen politischen Organisation bedürfe, um zu siegen. 1936 titelte er in La lutte ouvrière: "Die französische Revolution hat begonnen"[17], und bezüglich Spanien: "Die Arbeiter der ganzen Welt warten fieberhaft auf die Nachricht vom Sieg des spanischen Proletariats"[18]. Das war es, was Trotzki dazu brachte, Prinzipien über den Haufen zu werfen und mit allen Mitteln zu versuchen, junge, unerfahrene Elemente für revolutionäre Ideen zu gewinnen. Darüber hinaus befürwortet er den "Entrismus" in sozialdemokratische Parteien (August 1934 in der Sozialistischen Partei Frankreichs SFIO zum Beispiel), die die Arbeiterklasse verraten hatten, indem sie 1914 für die Kriegskredite stimmten und sich dem bürgerlichen Lager angeschlossen hatten. Diese falsche Sicht Trotzkis führt geradewegs zur Gründung der 4. Internationale im September 1938.
Die Italienische Kommunistische Linke schätzte die Periode zu Recht als konterrevolutionär ein, wobei die Rolle der Revolutionäre darin bestand, eine Bilanz der vergangenen Erfahrung zu ziehen und den revolutionären Rahmen und das revolutionäre Programm zu bewahren, um bereit zu sein, wenn sich der Kurs in eine neue revolutionäre Periode umkehrt. Die Aufgabe der Stunde war daher absolut nicht die Bildung einer neuen Internationale.
Trotzkis Irrwege und fatale Fehler führten ganz natürlich dazu, dass er am Vorabend des Zweiten Weltkrieges die 4. Internationale gründete. Für ihn "reduziert sich die Krise der Menschheit auf die Krise der revolutionären Führung". Diese idealistische Auffassung erklärt seine gesamte verfehlte Politik während dieser Zeit. "Das Haupthindernis auf dem Weg zur Umwandlung der vorrevolutionären in eine revolutionäre Situation ist der opportunistische Charakter der Führung des Proletariats". Mit dieser Vision schlug Trotzki sein Übergangsprogramm vor. Es ging ihm darum, "den Massen im Prozess ihrer täglichen Kämpfe zu helfen, die Brücke zwischen ihren gegenwärtigen Forderungen und dem Programm der sozialistischen Revolution zu finden". Und diese Brücke wollte Trotzki durch ein "System von Übergangsforderungen" bauen. Die Arbeiterbewegung kennt dieses Problem sehr gut, es ist nicht neu. Die Sozialdemokratie nannte es vor dem Krieg von 1914 "Zwischenprogramm" zwischen dem "Minimalprogramm", das die "unmittelbaren" Forderungen der Arbeiterklasse ausdrückt, und dem "Maximalprogramm", das das Endziel ausdrückt: den Sozialismus.
Doch heute befindet sich die Arbeiterbewegung in der Periode, in der die kommunistische Revolution grundsätzlich möglich ist. Deshalb schafft jedes «Zwischenprogramm» keine "Brücke", sondern eine echte Barriere, führt das Bewusstsein der Arbeiterklasse in die Irre und sät schädliche Illusionen wie über das Erreichen von möglichen und dauerhaften Reformen im kapitalistischen System.
Auf der Grundlage der Fehler der Kommunistischen Internationale verteidigte Trotzkis Übergangsprogramm[19] Beteiligung an den Gewerkschaften, die kritische Unterstützung der so genannten "Arbeiterparteien", die "Arbeitereinheitsfronten" und "antifaschistischen Fronten", die "Arbeiter- und Bauern"-Regierungen, staatskapitalistische Maßnahmen (gefangen in den Erfahrungen der UdSSR) durch "Enteignung der Privatbanken", "Verstaatlichung des Kreditsystems", "Enteignung bestimmter Industriezweige" sowie Maßnahmen wie "Arbeiterkontrolle" über die Produktion oder "gleitende Lohnskala". Diese Konzeption führte zur Losung der "Verteidigung des degenerierten Arbeiterstaates" in Russland. Und auf politischer Ebene sah sie die bürgerlich-demokratische Revolution in den unterdrückten Nationen vor, die durch "nationale Befreiungskämpfe" erfolgen soll. Wir erkennen hier lauter Positionen, welche die Trotzkisten unabhängig von ihrer Ausrichtung heute noch vertreten.
Doch obwohl Trotzki seinen Epigonen die Tür öffnete, die durch die Wiederholung des Übergangsprogramms – des Schlussergebnisses seiner politischen Fehler – daraus eine konterrevolutionäre Theorie zur Unterstützung des imperialistischen Lagers Russlands im Zweiten Weltkrieg machten, werden wir Trotzki selbst nicht mit denjenigen verwechseln, die sich heute auf ihn berufen. Trotzki blieb sein ganzes Leben lang ein revolutionärer Militanter trotz der "zentristischen" politischen Linie, die er mit all ihren Fehlern während der 1930er Jahre vertrat. Die Trotzkisten hingegen haben grundsätzlich nichts mit Trotzki zu tun. Trotzki gehört ihnen nicht, er gehört der Arbeiterklasse und der revolutionären Bewegung. Wir beanspruchen den Mann von 1917 für uns und sind die einzigen, die sein Andenken und seine Methode, die die marxistische Methode ist, verteidigen können. So hatte er während der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs noch die Kraft, alle seine politischen Positionen, insbesondere zum Wesen der UdSSR, vollständig zu revidieren. In seiner letzten Broschüre "Die UdSSR im Krieg" sagte er, dass, wenn der Stalinismus siegreich und gestärkt aus dem Krieg hervorgehen würde, dann müsse er sein Urteil über die UdSSR überdenken. Dies tat später Natalia Trotzki, indem sie sich der Denkweise ihres Gefährten bediente und am 9. Mai 1951[20] mit der 4. Internationale über das Wesen der UdSSR brach, wie auch andere Trotzkisten, insbesondere Grandizio Munis.[21]
Révolution internationale Nr. 179, Mai 1989
[1] Trotzki wandte diese Methode auf sich selbst an, als er zum Beispiel auf seine Rolle bei der Einnahme und Zerschlagung der Kronstädter Kommune 1921 zurückkam (siehe Artikel vom 25. Juli 1939).
[2] Sinowjew selbst erklärte dies den Mitgliedern der Leningrader KP, die ihm in der Frage des "Trotzkismus" gefolgt waren, als er sich zwei Jahre später, 1926, mit Trotzki vereinigte: "Es war der Kampf um die Macht. Die Kunst bestand darin, die alten Meinungsverschiedenheiten mit den neuen zu verknüpfen. Genau aus diesem Grund wurde der 'Trotzkismus' in den Vordergrund gerückt ... "
[3] Heute umfasst der Begriff Trotzkismus das Programm der 4. Internationale, d. h. das "Übergangsprogramm", das die heutigen Trotzkisten wie Papageien bei jeder Gelegenheit nachplappern und gegen die Arbeiterklasse verwenden.
[4] Siehe Trotzkis Buch 1905
[6] Im Juli 1904 kritisierte Rosa Luxemburg auch Lenins Organisationsvorstellungen in Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie, die in Die Neue Zeit veröffentlicht wurden. https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1904/orgfrage/text.htm [3]
[7] Der Bruch erfolgte bei praktischen Fragen und der Frage "Wie wird die Partei geschmiedet?", insbesondere nach der Diskussion über den Punkt 1 der Parteistatuten, der definiert, was ein Parteimitglied und seine Verantwortlichkeiten sind.
[8] Trotzki schrieb in seiner Biografie Mein Leben, dass es möglich war, alle Internationalisten in 4 Wagen zu transportieren.
[9] Lenin musste die bolschewistische Partei und ihre Führungsorgane davon überzeugen, dass die proletarische Revolution in Russland auf der Tagesordnung steht.
[10] Diese Theorie wurde in seinem nach 1905 verfassten Buch Ergebnisse und Perspektiven im Anschluss an Parvus' Krieg und Revolution entwickelt, der darauf hinweist, dass sich das kapitalistische System zu einem Weltsystem entwickelt hat, die revolutionäre Reife der bürgerlichen Gesellschaft also nur am Maßstab des als Totalität betrachteten Weltmarkts gemessen werden darf. Ein neuer Krisenzyklus begann. Die Schwelle zu dieser neuen Epoche, insbesondere des imperialistischen Krieges, wurde durch den russisch-japanischen Krieg überschritten. Das hatte Folgen: Der Krieg sollte die soziale und wirtschaftliche Krise zunächst in Russland katalysieren und vielleicht zum Sturz des Zarismus führen. Sobald Russland in Flammen stand, könnte sich in dieser Atmosphäre der allgemeinen Krise und der engen Verbindungen mit Europa die Revolution auf den Westen ausbreiten. Man sieht sofort, wie wichtig Parvus' Gedanken zunächst für Trotzki und dann für die Bolschewiki waren. Allerdings sieht man auch, wie sehr sich diese Vorstellungen mit den Vorstellungen der Linken in der europäischen Sozialdemokratie und insbesondere Rosa Luxemburgs überschneiden.
[11] Die Niederschlagung der Kronstädter Kommune 1921 kann nicht allein Trotzki angelastet werden. Die gesamte Dritte Internationale trug die Verantwortung dafür. Die Revolutionäre glaubten damals an die Möglichkeit eines Wiederaufschwungs der revolutionären Welle im Herzen Europas und mussten daher mit allen Mitteln durchhalten. Diese Ereignisse sind nicht eingetreten, und wir begreifen heute das Ausmaß des tragischen Irrtums, den alle Revolutionäre damals begangen haben.
[12] In dieser Zeit des sogenannten "Kriegskommunismus" kam es zu großen Diskussionen in der KPdSU. Insbesondere entstand die "Arbeiteropposition", die darauf abzielte, die Vorherrschaft der Gewerkschaften über den Wirtschaftsapparat durchzusetzen. Trotzki hingegen trat für die "Militarisierung der Gewerkschaften" ein, um eine neue wirtschaftliche Dynamik zu schaffen. Die Mehrheit der Partei mit Lenin erinnerte an die notwendige Trennung der Gewerkschaften vom Staat und die Notwendigkeit des Einsatzes von Maßnahmen der "Überzeugungsarbeit", um die notwendige Mobilisierung der Arbeiter zu schaffen. In der Tat lösten sich die Bauern von der Revolution und widersetzten sich den Requirierungen; in den Städten herrschte Knappheit und die Arbeiter demobilisierten sich.
[13] Bordiga hatte Trotzki gedrängt, Sprecher einer linken Opposition auf internationaler Ebene zu werden, insbesondere auf dem 5. Kongress der Kommunistischen Internationale (Juni 1924). Trotzki bat Bordiga, dem Antrag des 13. Parteitags der KPdSU, der die Opposition verurteilte (23.-31. Mai), zuzustimmen, um nicht ausgeschlossen zu werden.
[14] Brief der italienischen Fraktion an Trotzki vom 19. Juni 1930
[15] Prometeo 1. Juni 1930
[16] Vgl. unser Buch Die Italienische Kommunistische Linke, Kapitel 3.
[17] La lutte ouvrière 9. Juni 1936
[18] Artikel vom 30. Juli 1936, erschienen in La lutte ouvrière vom 9. August. All dies wird ausführlich im Programm Der Todeskampf des Kapitalismus und die Aufgaben der Vierten Internationale erläutert, das der Konferenz der Vierten Internationale am 29. und 31. Juli 1936 vorgelegt wurde.
[19] Siehe unseren Artikel Trotzkismus, ein Kind der Konterrevolution
[21] Révolution internationale Nr. 177, April 1989
Seit Ende der 1960er Jahre ist der dekadente Kapitalismus in eine neue Dimension der Wirtschaftskrise eingetreten, die sich für die Arbeiterklasse in einer ständig wachsenden Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen (Arbeitslosigkeit, Inflation, steigenden Stress am Arbeitsplatz, usw.) niederschlägt. Als Reaktion darauf hat die Arbeiterklasse den Kampf auf globaler Ebene wieder aufgenommen und mit ihrer Bewegung eine ganze Periode der Konterrevolution beendet, die 50 Jahre angedauert hatte. Um diesem Wiederaufleben der Arbeiterkämpfe entgegenzutreten, ist das Kapital immer mehr gezwungen, sich an seine linken und linksextremen Fraktionen (Regierungen in den 1970er Jahren in Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, ...) zu wenden, die als einzige in der Lage scheinen, die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse auf das bürgerliche Terrain zu lenken und das Bewusstsein für ihre historischen Interessen zu unterbinden. Diese Fraktionen sind durch ihr Verstaatlichungsprogramm und ihre Arbeitersprache tatsächlich am besten in der Lage, die Einführung staatskapitalistischer Maßnahmen zu beschleunigen, die durch die Verschärfung des globalen Wettbewerbs notwendig geworden sind, während sie diese Maßnahmen der Arbeiterklasse geschickt als "sozialistische", "revolutionäre" Maßnahmen präsentieren und sie so dazu auffordern, die unvermeidliche Zunahme ihrer Ausbeutung und Unterdrückung zu akzeptieren und "ihr" nationales Kapital gegen die anderen zu verteidigen.
Innerhalb dieser linken Organisationen, genauer gesagt innerhalb derjenigen, die sich durch ihre "radikale" Sprache auszeichnen, finden sich trotzkistische Gruppen an vorderster Stelle. Dies rechtfertigt Artikel, die einerseits zeigen sollen, wie der Trotzkismus in der Geschichte entstanden ist, andererseits seine spezifische Rolle im bürgerlichen politischen Apparat und die Rolle, die er im Dienste des Kapitals spielen wird, wenn die Arbeiterklasse dazu neigt, sich selbstständig zu organisieren und zu kämpfen.
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Ungeachtet der Differenzen, die ihre getrennte Existenz rechtfertigen, stellen sich alle trotzkistischen Gruppen ausnahmslos als Fortsetzer der revolutionären Politik der bolschewistischen Partei und der Dritten Internationale dar. Darin unterscheiden sie sich nicht von anderen linken Fraktionen des Kapitals, die sich zur Rechtfertigung konterrevolutionärer Aktivitäten innerhalb der Arbeiterklasse auf deren vergangene Kämpfe und die Organe, die sie sich geschaffen hat, berufen. Um ihren Behauptungen Nachdruck zu verleihen, stützen sich die trotzkistischen Gruppen auf zwei Tatsachen:
1. Innerhalb der Dritten Internationale entwickelte sich ab 1924 als Reaktion auf den aufkommenden Stalinismus die "Linke Opposition", zunächst in Russland, dann international, aus der unter der Führung Trotzkis 1938 die Vierte Internationale hervorging, aus der die heutigen trotzkistischen Gruppen hervorgegangen sind.
2. Die Linke Opposition setzte ihre politische Tätigkeit auf der Grundlage der ersten vier Kongresse der Kommunistischen Internationale fort, und Trotzki entwickelte auf der Grundlage bestimmter Positionen des zweiten, dritten und vierten Kongresses die gemeinsamen politischen Positionen der Gruppen, die sich auf ihn berufen.
Tatsächlich ist die "Verbindung", die sie zwischen den Revolutionären der 1920er Jahre und sich selbst herstellen, nur insofern konsistent, als:
- sie einerseits das übernahmen, was die "Fehler" der damaligen Arbeiterbewegung waren, und nicht die revolutionären Positionen, die die revolutionäre Welle von 1917-23 hervorgebracht hatte, und sie zu unveränderlichen politischen Prinzipien machten;
- Trotzki andererseits aus diesen falschen Positionen (für die er sich seit dem zweiten Kongress der Kommunistischen Internationale 1920 als glühender Verfechter einsetzte) die Grundpositionen des "Trotzkismus" entwickelte – falsche Positionen, die 50 Jahre lang während der Konterrevolution als "linkes" Schutzschild der antiproletarische Politik der Bourgeoisie dienten.
Der Krieg von 1914 zwischen den imperialistischen Hauptmächten markiert den Eintritt des kapitalistischen Systems in seine Dekadenz und "eröffnet das Zeitalter der Kriege, Krisen und sozialen Revolutionen" (Erster Kongress der Kommunistischen Internationale). Als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg erhob sich das Proletariat international und sah, wie die Arbeiterklasse in Russland nach dem Oktoberaufstand von 1917 die Macht übernahm. Und der Kampf der Arbeiterklasse dauerte noch mehrere Jahre an, vor allem in Deutschland, Italien und Ungarn... In diesem allgemeinen Kontext verabschiedeten die revolutionären Organisationen, die sich auf ihrem Ersten Kongress 1919 in der Kommunistischen Internationale zusammenschlossen, im Lichte der Russischen Revolution politische Leitlinien, die den enormen Schritt, den die Arbeiterklasse weltweit gemacht hatte, zum Ausdruck brachten. Als solche lehnte sie die Auffassungen der Zweiten Internationale und der Zentristen à la Kautsky als bürgerlich ab (Reformismus, Parlamentarismus, Nationalismus, etc.) und rief die Arbeiterklasse dazu auf, die Diktatur der Arbeiterräte zu errichten.
Doch schon 1919 kündigte die blutige Niederlage des Proletariats zuerst in Deutschland und dann in Ungarn den Rückzug des weltweiten Kampfes an und verstärkte die Isolation der Revolution in Russland, die auch durch die Anstrengungen der Arbeiterklasse in den Jahren 1920-21 nicht aufgehalten werden konnte.
Mit den ersten Anzeichen des Rückgangs manifestierten sich die Auffassungen, die während der progressiven Periode des Kapitalismus vorherrschten (Parlamentarismus, Syndikalismus im Rahmen des Kampfes für Reformen), weiterhin in der Arbeiterklasse und dominierten zunehmend die Kommunistische Internationale. Dies zeigte sich in der allmählichen Rückkehr zu alten Taktiken aus dem Arsenal der Sozialdemokratie. Es tauchte bereits auf dem Zweiten Kongress der Kommunistischen Internationale auf, breitete sich aber vor allem auf dem Dritten und Vierten Kongress aus: Errungenschaften der Gewerkschaften, Parlamentarismus, Bündnisse mit Teilen der Bourgeoisie, nationale Befreiungskämpfe, Arbeiter- und Bauernregierung In Russland. Wo das Proletariat die Macht ergriffen hatte, führte die Isolation der Revolution dazu, dass die Verwirrung der bolschewistischen Partei über den Charakter der Macht der Arbeiterklasse (die Partei übt die Macht aus) sie dazu brachte, Maßnahmen zu ergreifen, die den Interessen der Arbeiterklasse entgegengesetzt sind: Unterwerfung der Räte unter die Partei, Einbindung der Arbeiter in die Gewerkschaften, Unterzeichnung des Vertrags von Rapallo (Geheimdiplomatie von Staat zu Staat: Recht für deutsche Truppen, auf russischem Territorium zu trainieren), blutige Unterdrückung von Arbeiterkämpfen (Kronstadt/Petrograd 1921). Die Annahme solcher Orientierungen durch die bolschewistische Partei und die Kommunistische Internationale, die dadurch die Rolle eines Beschleunigers des Rückgangs spielten, dessen Ausdruck sie waren, erfolgte jedoch nicht ohne Widerspruch innerhalb der Partei.
So sprachen sich auf dem Dritten Kongress der Kommunistischen Internationale 1921 die von Lenin als "Linke" bezeichneten und in der KAPD zusammengeschlossenen Mitglieder gegen die Rückkehr zum Parlamentarismus und zum Syndikalismus aus und zeigten, dass diese Positionen im Widerspruch zu denen des Ersten Kongresses standen, die versucht hatten, die Auswirkungen der neuen historischen Periode – die durch den Ersten Weltkrieg eingeleitet wurde – auf den Kampf des Proletariats zu verstehen.
Auf diesem Kongress reagierte auch die Italienische Linke, die die Kommunistische Partei Italiens leitete, scharf – wenn auch in tiefer Ablehnung der KAPD – auf die prinzipienlose Politik des Bündnisses mit den Zentristen und die Entstellung der KPs durch den Masseneintritt von Fraktionen aus der Sozialdemokratie.
Aber in Russland selbst (angesichts der Verwirrungen in der bolschewistischen Partei, die sich im Kontext der Isolation der Revolution zeigten) entstanden die ersten Oppositionen. So warnte bereits 1918 der "Kommunist" von Bucharin und Ossinski die Partei vor der Gefahr, eine Politik des Staatskapitalismus zu übernehmen. Drei Jahre später, nachdem sie aus der bolschewistischen Partei ausgeschlossen worden war, kämpfte Miasnikows "Arbeitergruppe" im Untergrund in enger Verbindung mit der KAPD und der KAP Bulgariens bis zum Jahr 1924, als sie unter den wiederholten Schlägen der Repression, denen sie ausgesetzt war, verschwand. Diese Gruppe kritisierte die bolschewistische Partei dafür, dass sie begann, die Interessen der Weltrevolution zugunsten der Verteidigung des russischen Staates zu opfern, und bekräftigte, dass nur die Weltrevolution die Revolution in Russland aufrechterhalten könne.
Man sieht also, anders als die Trotzkisten, die zu diesen Gegensätzen schweigen, glauben machen wollen, dass diese Tendenzen, die entschieden auf dem Standpunkt der proletarischen Interessen standen, nicht auf Trotzki und die "Linke Opposition" gewartet haben, um für die Bewahrung der grundlegenden Errungenschaften der Revolution in Russland und der Kommunistischen Internationale zu kämpfen.
Erst nach dem Scheitern der Politik der Komintern in Deutschland 1923 und Bulgarien 1924, die aus einer Mischung von Frontismus und "Putschismus" bestand, begann sich innerhalb der bolschewistischen Partei und insbesondere in ihren Führungssphären eine Strömung zu formieren, die als "Linke Opposition" bekannt wurde.
Diese Linke Opposition kristallisierte sich um angesehene Führer der bolschewistischen Partei wie Trotzki, Preobraschenski und Joffe heraus, fand aber in der Arbeiterklasse, die vom Bürgerkrieg ausgeblutet war, keinen wirklichen Widerhall. Die Punkte, an denen sie den Kampf führte, wurden in Bezug auf Russland durch ihre Losung "Feuer auf den Kulaken, den NEP-Mann, den Bürokraten" ausgedrückt. Einerseits kritisierte sie die von Bucharin propagierte klassenübergreifende Politik des "Bereichert euch auf dem Land", andererseits griff sie die Parteibürokratie und ihre Methoden an. Sie setzte diesen Kampf bis zu ihrem Ausschluss und der Unterdrückung ihrer Mitglieder (Hinrichtungen, Internierungen, Deportationen, Suizide, Trotzkis Exil) fort.
Auf internationaler Ebene protestierte die Linke Opposition ab 1925/26 gegen die Bildung des "Anglo-Russischen Komitees" und das Bündnis mit den Trade Unions (englische Gewerkschaften), das den großen Generalstreik der englischen Arbeiter sabotierte. Andererseits führte die Linke Opposition unter der Führung Trotzkis einen entschlossenen Kampf gegen die verbrecherische Politik der "stalinisierten" Kommunistischen Internationale in China, indem sie den Bruch der jungen Kommunistischen Partei Chinas mit der Kuomintang und den verschiedenen pseudo-progressiven bürgerlichen Kräften befürwortete. Sie bekräftigte, dass die Interessen des Weltproletariats nicht der Politik und den Interessen des russischen Staates geopfert werden dürften.
Darüber hinaus nahm sie den Kampf gegen die Theorie des "Sozialismus in einem Land" auf (die Bucharin im Auftrag Stalins entwickelt hatte). Auf dem 14. Parteitag der Kommunistischen Partei Russlands, auf dem diese These angenommen wurde, war nur die Stimme der Mitglieder der Linken Opposition zu hören, die sie ablehnten.
Die Linke Opposition in Russland entstand, entwickelte sich und starb als proletarische Reaktion auf die katastrophalen Auswirkungen der Konterrevolution. Aber gerade die Tatsache, dass sie so spät auftauchte, belastete ihre Methode und ihren Kampf schwer. Sie erwies sich als unfähig, die wahre Natur des "stalinistischen" und "bürokratischen" Phänomens zu verstehen, da sie in ihren Illusionen über das Wesen des russischen Staates gefangen war. So kritisierte sie zwar Stalins Kurs, beteiligte sich aber gleichzeitig an der Politik, die Arbeiterklasse durch die Militarisierung der Arbeit unter der Ägide der Gewerkschaften in die Schranken zu weisen. Auch sie machte sich zum Verfechter des Staatskapitalismus, den sie durch eine beschleunigte Industrialisierung noch weiter vorantreiben wollte.
Im Kampf gegen die Theorie des "Sozialismus in einem Land" gelang es ihr nicht, mit den Zweideutigkeiten der bolschewistischen Partei in Bezug auf die Verteidigung des "sowjetischen Vaterlandes" zu brechen. Und ihre Mitglieder, allen voran Trotzki, präsentierten sich als die besten Befürworter der "revolutionären" Verteidigung des "sozialistischen Vaterlandes".
In solchen Vorstellungen gefangen, vermied sie jeden echten Kampf gegen die stalinistische Reaktion, indem sie sich darauf beschränkte, einige ihrer Auswirkungen zu kritisieren.
Andererseits verstand sie sich selbst nicht als revolutionäre Fraktion, die versucht, die großen Lehren der Oktoberrevolution theoretisch und organisatorisch zu bewahren, sondern als loyale Opposition zur Kommunistischen Partei Russlands. Sie schaffte es nicht, aus einem gewissen Manövrierertum herauszukommen, das aus prinzipienlosen Bündnissen bestand, um den Kurs einer fast völlig vergifteten Partei zu ändern (auf diese Weise suchte Trotzki die Unterstützung von Sinowjew und Kamenew , die ihn seit 1923 ständig verleumdet hatten). Aus all diesen Gründen kann man sagen, dass Trotzkis Linke Opposition in Russland immer hinter den proletarischen Oppositionen zurückblieb, die sich seit 1918 manifestiert hatten.
Auf internationaler Ebene begannen in verschiedenen Sektionen der Kommunistischen Internationale Tendenzen und Einzelpersonen aufzutauchen, die ihre Opposition gegen deren zunehmend offen konterrevolutionäre Politik zum Ausdruck brachten. Trotz eines Briefwechsels zwischen einigen dieser Tendenzen und Mitgliedern der Linken Opposition in Russland gelang es nicht sofort, eine feste Verbindung zwischen ihnen aufzubauen. Erst 1929, als die "linken Oppositionellen" in Russland von den Stalinisten gejagt und ermordet wurden, begann sich um den im Exil lebenden Trotzki herum und unter seiner Führung eine Gruppierung dieser Tendenzen und Einzelpersonen zu bilden, die den Namen Internationale Linke Opposition annahm. Sie ist in vielerlei Hinsicht eine Fortsetzung dessen, was die Bildung und der Kampf der Linken Opposition in Russland darstellten. Sie übernahm deren Hauptkonzepte und berief sich auf die ersten vier Kongresse der Kommunistischen Internationale. Darüber hinaus setzte sie das Manövrierertum fort, die bereits die Linke Opposition in Russland charakterisiert hatte.
In vielerlei Hinsicht ist diese "Opposition" ein prinzipienloser Zusammenschluss all jener, die insbesondere eine "linke" Kritik am Stalinismus üben wollen. Sie verbot sich jede echte politische Klärung innerhalb ihrer Reihen und überließ es Trotzki, in dem sie das lebende Symbol der Oktoberrevolution sah, sich zu deren Sprecher und "Theoretiker" zu machen. Sie erwies sich unter diesen Bedingungen schnell als unfähig, den Auswirkungen der Konterrevolution zu widerstehen, die sich weltweit auf der Grundlage der Niederlage des internationalen Proletariats entwickelte.
Die Niederlage des Weltproletariats, die durch die neuen Rückschläge in Deutschland 1923 und in China 1927 bestätigt wurde, bedeutete keineswegs nur einen vorübergehenden Rückschlag für die proletarische Bewegung, sondern leitete in Wirklichkeit die längste und tiefste Periode der Konterrevolution ein, die die Arbeiterklasse in ihrer Geschichte je erlebt hat.
Demoralisiert durch ihre aufeinanderfolgenden Niederlagen, erneut isoliert und der bürgerlichen Ideologie unterworfen, erwies sich die Arbeiterklasse als unfähig, sich dem Kriegskurs zu widersetzen, in den das kapitalistische System erneut eingetreten war – eine historische Phase, in der es unaufhörlich von seinen nunmehr unüberwindlichen Widersprüchen zerfressen wird. Überall dort, wo die Arbeiterklasse angesichts des Elends, das ihr das krisengeschüttelte Kapital aufzwingt, versuchte, Widerstand zu leisten, stößt sie nicht mehr nur auf die sozialdemokratischen Parteien, die sich während der revolutionären Welle der 1920er Jahre als Wachhunde des Kapitals erwiesen haben, sondern nun auch auf die stalinistischen "kommunistischen" Parteien. Diese sind mit Leib und Seele ins Lager des Kapitals übergelaufen und nehmen ihre Funktion wahr, die Arbeiterkämpfe in die Irre zu führen und auf den Weg des Nationalismus und auf die Logik der imperialistischen Konfrontationen in der Vorbereitung der zweiten imperialistischen Schlächterei einzustimmen.
In diesem allgemeinen Kontext der Konterrevolution, der mit einem tiefen Rückgang des Klassenkampfes und des proletarischen Bewusstseins einhergeht, wurde es für Fraktionen und Tendenzen, die sich auf die kommunistische Revolution beriefen, immer schwieriger, dem Eindringen bürgerlicher Ideen in ihre Reihen zu widerstehen und gegen den Strom zu kämpfen, um die Errungenschaften der vergangenen revolutionären Bewegung zu erhalten und weiterzuentwickeln. Zumal im Gegensatz zur Konterrevolution nach der Niederlage der Pariser Kommune, die keine Illusionen über den Klassencharakter der die Arbeiterklasse niedermetzelnden "Versailler" aufkommen ließ, die triumphierende Konterrevolution dies nicht nur tat, indem sie Hunderttausende Arbeiterleichen hinterliess, sondern auch, indem sie die Arbeiterklasse über das Wesen dieses Prozesses im Unklaren ließ. In dem Maße, wie die Konterrevolution durch den langsamen Degenerationsprozess der Kommunistischen Internationale und der Russischen Revolution triumphierte, förderte sie alle Illusionen der Arbeiterklasse über die Aufrechterhaltung des "proletarischen" Charakters des russischen Staates und der Kommunistischen Parteien, die sich weiterhin auf den Oktober 1917 beriefen, um ihre Politik im Dienste des Kapitals zu rechtfertigen.
Die Linke Opposition, die diese Illusionen teilte und somit verbreitete, formierte sich also in dieser Periode der Konterrevolution und übernahm, ohne die Kommunistischen Internationale zu kritisieren, sowohl ihre Fehler, die aktiv zum Rückfluss der revolutionären Welle der 1920er Jahre beitrugen, als auch die falschen Vorstellungen der russischen Linken Opposition, die sie in eine Sackgasse im Kampf gegen Stalin geführt hatte.
Von 1929 bis 1933 verstand und handelte sie als "loyale Opposition" zur Politik der Kommunistischen Internationale, die sie von innen heraus zu korrigieren versuchte, während die Annahme der Theorie des "Sozialismus in einem Land" durch die Kommunistische Internationale ihren Tod als proletarisches Organ und den Übertritt ihrer Parteien ins Lager des Kapitals bestätigte. Obwohl die Linke Opposition ab 1933 endlich die konterrevolutionäre Funktion der stalinistischen Parteien "begriff" und sich auf die Bildung von den Kommunistischen Parteien abgetrennte Organisationen zubewegte, betrachtete sie diese weiterhin als "proletarisch" und handelte entsprechend, wobei sie die falschen Auffassungen, die der Bildung als Opposition zugrunde lagen, bis ins Absurde weiterentwickelte, und sich immer krasser als "linke" Rechtfertigungen der triumphierenden Konterrevolution erweisen sollten.
Während der gesamten Zeit bis zum Gründungskongress der Vierten Internationale 1938 war es angesichts der Heterogenität der Linken Opposition Trotzki selbst, der aus den Fehlern der Kommunistischen Internationale die Taktiken und Orientierungen entwickelte, die bis heute, von einigen Interpretationsunterschieden abgesehen, als Grundlage für die konterrevolutionäre Tätigkeit der trotzkistischen Gruppen innerhalb der Arbeiterklasse dienen und die in ihrer vollendeten Form im sogenannten Übergangsprogramm zu finden sind.
Mitte der 1930er Jahre wurde die trotzkistische Bewegung dazu gebracht, vor der Konterrevolution zu kapitulieren, indem sie sich der Volksfrontpolitik anschloss, die das Proletariat hinter der Nationalflagge vereinen sollte, d. h. der Vorbereitung auf den Krieg. In diesem Sinne machte sich die trotzkistische Bewegung objektiv daran, das Grundprinzip der Arbeiterbewegung aufzugeben, den proletarischen Internationalismus, der in der Epoche des Verfalls des Kapitalismus, in der Epoche der "Krisen, Kriege und Revolutionen" noch mehr als in der Vergangenheit, in der das Proletariat seinen Kampf für Reformen innerhalb der nationalen Grenzen entwickeln konnte, das entscheidende Kriterium für die Zugehörigkeit zum Lager des Proletariats und des Kommunismus darstellt.
Gefangen in den falschen Vorstellungen der russischen Linken Opposition, begab sich Trotzki, der die Maßnahme der Verstaatlichung der Produktion – d. h. den Übergang des Privateigentums an Produktionsmitteln ins Staatseigentum – mit einer "sozialistischen" Maßnahme gleichsetzte, auf das gleiche Terrain wie die Stalinisten, die die Aufrechterhaltung und Intensivierung der Ausbeutung der Arbeiterklasse im Namen des "Aufbaus des Sozialismus" rechtfertigen – in einem einzigen Land! Denn während Trotzki diese Theorie als bürgerlich verurteilte, anerkannte er implizit die Möglichkeit, dass das Wertgesetz, d. h. die Produktion für den Tausch, die Auspressung und Akkumulation des Mehrwerts durch die Lohnarbeit, die Trennung der Produzenten von ihren Produktionsmitteln, im Rahmen der nationalen Grenzen zumindest teilweise zerstört werden könnte.
Unfähig, in der sich in der UdSSR entwickelnden Bürokratie einen Erbfeind des Proletariats zu erkennen, die auf der Grundlage der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, die auch nach der politischen Machtergreifung des Proletariats 1917 fortbestanden hatten, wiedergeboren wurde, verstand Trotzki nicht die Funktion der Verwaltung und Erhaltung dieser Verhältnisse durch diese Bürokratie, die er für eine "Arbeiter-Bürokratie" hielt, obwohl sie sehr wohl eine bürgerliche war. In der Praxis war Trotzki ein Verfechter des russischen Staatskapitalismus und beschränkte sich darauf, eine "politische" Revolution zu propagieren, die die "proletarische Demokratie" wieder einführen sollte.
So verteidigte er 1929 die Intervention der russischen Armee in China, wo die Regierung Chiang Kai-Sheks russische Beamte vertrieb, die mit der Verwaltung der Transsibirischen Eisenbahn beauftragt waren, die durch chinesisches Territorium führte und für die nationalen Interessen des russischen Kapitals von strategischer Bedeutung war.
Bei dieser Gelegenheit gab Trotzki die berühmt berüchtigte Losung "Für das sozialistische Vaterland immer, für den Stalinismus nie!" aus, die die stalinistischen (also kapitalistischen) Interessen von den nationalen Interessen Russlands trennte, den Proletariern ein "Vaterland" präsentierte, das sie verteidigen sollten, obwohl sie keines hatten, und schließlich den Weg zur Unterstützung des russischen Imperialismus aufrief.
Unfähig, die konterrevolutionäre und bürgerliche Natur und Funktion der stalinistischen und sogar der sozialdemokratischen Parteien zu erkennen, sah Trotzki in den von diesen Parteien entwickelten Mystifikationen (insbesondere demokratischer Antifaschismus, Volksfront, ...) Mittel zur Stärkung der Linken Opposition, die zum Entstehen einer neuen revolutionären Partei zu führen sollten.
In den Zickzack-Kursen der Stalinisten und den Manövern der Sozialdemokraten sah Trotzki jedes Mal Breschen, die durch den Druck der Arbeiterklasse entstanden seien, deren historische Niederlage er nicht begreifen konnte. Mit seinem Aufruf zur Einheitsfront und zur Einheit der Gewerkschaften spielte er nur der Konterrevolution selbst in die Hände, die die alten Mythen wieder auftischen musste, um die Arbeiterklasse noch mehr zu verwirren, die sie in einen neuen Weltkrieg hineinziehen wollte. In der antifaschistischen Allianz der spanischen und französischen Volksfront sah Trotzki einen Impuls für revolutionäre Politik, eine Grundlage für die Stärkung der trotzkistischen Positionen durch Entrismus, in den sozialistischen Parteien! Jede neue Taktik Trotzkis war ein weiterer Schritt in Richtung Kapitulation und Unterwerfung unter die Konterrevolution.
Indem Trotzki und die Gruppen, die am Gründungskongress der Vierten Internationale 1938 teilnahmen, in Anlehnung an die Bolschewiki die Losung vom "Selbstbestimmungsrecht der Völker" aufgriffen, die deren Illusion über die Möglichkeit ausdrückte, dass eine Nation unter imperialistischer Herrschaft sich "befreien" könne, ohne unter die Herrschaft eines anderen Imperialismus zu geraten, bezeichneten sie den Krieg zwischen China und Japan als einen Krieg zur nationalen Befreiung Chinas, der unterstützt werden müsse. Bereits damals wurden die Grundlagen für die propagandistische und manchmal auch aktive Unterstützung der nationalen Befreiungskämpfe durch trotzkistische Gruppen gelegt, die in der Epoche des dekadenten Kapitalismus zu einer Konfrontation zwischen den verschiedenen imperialistischen Blöcken führen, in denen das Proletariat nur als Kanonenfutter dienen kann.
Das politische Programm, das auf dem Gründungskongress der Vierten Internationale angenommen und von Trotzki selbst verfasst wurde und den heutigen trotzkistischen Gruppen als Bezugsbasis dient, nahm Trotzkis Orientierungen, die diesem Kongress vorausgingen, wieder auf und verschärft sie (Verteidigung der UdSSR, Arbeitereinheitsfront, falsche Analyse der Periode ...). Es konzentriert sich darüber hinaus auf eine sinnlose Wiederholung des Minimalprogramms sozialdemokratischer Art ("Übergangs"-Forderungen), das durch die Unmöglichkeit von Reformen seit dem Eintritt des Kapitalismus in seine Phase der Dekadenz, des historischen Niedergangs, hinfällig geworden war.
Das Übergangsprogramm ebnete den Weg für die endgültige Integration der trotzkistischen Bewegung in die Kohorte der Anhänger des Staatskapitalismus, die im Namen der Einführung "sozialistischer Maßnahmen" die Arbeiterklasse nach dem Zweiten Weltkrieg in den nationalen Wiederaufbau, d.h. den Wiederaufbau des Kapitals, einspannten!
Angesichts der tiefgreifendsten Konterrevolution in der Geschichte der Arbeiterbewegung wurden die in den 1920er Jahren entstandenen kommunistischen Linksfraktionen, die damals schon gegen die Entartung und die Fehler der Kommunistischen Internationale kämpften, ebenfalls von der Konterrevolution mitgerissen. Diejenigen Teile der Deutschen Linken, die zu den ersten gehörten, die sich gegen die Rückkehr der sozialdemokratischen Taktik in die Kommunistische Internationale aussprachen und mit ihr brachen, gaben entweder ihre politische Aktivität auf oder verfielen der "rätistischen" Ideologie, die die Notwendigkeit der Partei und sogar die Russische Revolution ablehnte. Es war die Italienische Kommunistische Linke, die trotz gewisser und unvermeidlicher Schwächen den Großteil der Arbeit zur Verteidigung der Klassenpositionen leisten sollte. Trotz einer dramatischen Isolierung war es die Italienische Linke, die die Arbeit des politischen und theoretischen Begreifens der Auswirkungen der Niederlage des Proletariats leistete und sogar so weit ging, die Frage der Gültigkeit bestimmter Positionen der Kommunistischen Internationale, die Bordiga nicht in Frage gestellt hatte (wie die nationale Frage), neu zu stellen. In einer Reihe von entscheidenden Punkten widersetzte sich die Italienische Linke Trotzkis Orientierungen.
Aber ungeachtet ihrer Grenzen ermöglichten diese Fraktionen, anders als Trotzkis Linke Opposition, die Aufrechterhaltung der revolutionären Tradition. Es ist auch ihnen zu verdanken, dass die schwache revolutionäre Strömung heute wiederaufleben und sich entwickeln konnte.
Was die trotzkistische Strömung der 1930er Jahre betrifft, so war sie nach ihren Kapitulationen und trotz der Ermordung Trotzkis 1940 durch den Stalinismus mit Sack und Pack ins Lager des Kapitals überlaufen, indem sie sich auf die Seite des demokratischen und des russischen Imperialismus stellte.
Jahrzehnte nach dem Gründungskongress der Vierten Internationale vegetierten die politischen Gruppen, die die trotzkistische Tradition fortsetzten, im Schatten der stalinistischen "kommunistischen" Parteien und manche sogar in ihren Reihen. Seit den späten 1960er Jahren haben diese Gruppen jedoch ihre Mitgliederstärke und ihre Bedeutung innerhalb des politischen Apparats des Kapitals erhöht. Diese deutliche Veränderung lässt sich jedoch nicht durch eine Änderung ihrer politischen Positionen erklären. Was wir sehen, ist vielmehr das Fortbestehen von Trotzkis bis zur Absurdität getriebenen Fehlern, d. h. im Klartext: die Verteidigung der bürgerlichen Interessen! Die heutigen trotzkistischen Gruppen sind alle Fortsetzer der konterrevolutionären Politik der Trotzkisten während des Krieges und Verteidiger des berühmten Übergangsprogramms, unabhängig von den unterschiedlichen Interpretationen, die jede dieser Gruppen im Übrigen davon macht. Man möge sich ein Urteil bilden.
Das Übergangsprogramm propagierte als grundlegendes Prinzip, dass die Aktivisten der Vierten Internationale in den Gewerkschaften mitwirken sollten. Das Ergebnis war, dass überall Trotzkisten zu treuen Wächtern des Rahmens der Gewerkschaftsmaschinerie wurden. Zwar kritisieren sie den ewigen "Verrat der bürokratischen Führungen", aber sie hüten sich aus gutem Grund davor, der Arbeiterklasse beim Kampf gegen die Gewerkschaften zu helfen. Für Trotzkisten geht es darum, die gewerkschaftliche "Form", den "Inhalt" der Gewerkschaften zu bewahren und nur ein paar Handvoll schlechter "Bürokraten" zu beseitigen, als ob diese nicht das reine Produkt der Form und des Inhalts der Gewerkschaften in der Verfallsphase des Kapitalismus wären! In Wirklichkeit geht es für die Trotzkisten darum, den etablierten Bürokraten auf ihrem Terrain Konkurrenz zu machen, und wenn sie es durch Manöver schaffen, eine gewerkschaftliche Führungsposition zu besetzen, erweisen sich die Trotzkisten als perfekte Doppelgänger der Stalinisten oder Sozialdemokraten!
Während die Arbeiterklasse das Gewerkschaftsleben verlassen hat, versuchen die Trotzkisten, den Gewerkschaften, den wahren Polizeiorganen in den Betrieben, den Anschein von proletarischem Leben zu verleihen. Die Trotzkisten sind in das Getriebe der Gewerkschaften eingebettet und gehören zu denjenigen, die die Niederlagen der Arbeiterkämpfe vorbereiten, sie sabotieren und fehlleiten. Als Basisaktivisten, oft als Gewerkschaftsvertreter und manchmal als Gewerkschaftsfunktionäre, nehmen sie an allen von den verschiedenen Gewerkschaften organisierten Mystifizierungskampagnen teil und halten alle Illusionen aufrecht, die in der Arbeiterklasse noch existieren (Reformismus, Korporatismus, Fabrikgeist, Chauvinismus, Legalismus usw.).
Wenn in den Kämpfen Arbeiter mit den Gewerkschaften aneinandergeraten, wenn einige Gewerkschaftsmitglieder ihre Gewerkschaftsausweise zerreißen, predigen die Trotzkisten die Versöhnung mit den Gewerkschaften; sie versuchen, diejenigen, die aus den Gewerkschaften austreten, auf illusorischen Grundlagen wie "Lasst uns in die Gewerkschaften eintreten, um gegen die verräterischen Führungen zu kämpfen!" wieder in die Reihe zu bringen, was die Arbeiter noch mehr verwirrt ... Einige Trotzkisten gehen sogar so weit, den Beitritt zu zwei Gewerkschaften gleichzeitig vorzuschlagen, um die Gewerkschaftseinheit zu fördern, die in betrügerischer Weise mit der Arbeitereinheit gleichgesetzt wird! Im Klartext geht es den Trotzkisten darum, mit zahlreichen Methoden, von denen eine so schmutzig wie die andere ist, die Arbeiter aufzufordern, Druck auszuüben, damit diejenigen, die "sie verraten", sich vereinigen und "demokratischer" werden (d. h. den Trotzkisten mehr Sitze gewähren und noch mehr kämpferische Arbeiter in die Irre leiten). In jedem Fall trägt die Rolle der Trotzkisten immer zur Verbesserung und Verfeinerung der Gewerkschaftsführung bei.
Wenn in den Kämpfen Streikkomitees entstehen, sind die Trotzkisten, die die Frechheit besitzen, sich als Befürworter echter einheitlicher Organe der Arbeiterklasse zu präsentieren, natürlich die ersten, die fordern, dass die Gewerkschaften in diesen Komitees weiterhin mitreden und vertreten sein dürfen! Jedes Mal fordern sie im Namen der Solidarität und Einheit der Arbeiter und der Ausweitung des Kampfes die Unterstützung der Gewerkschaften oder flehen sie vielmehr an und ermöglichen ihnen so, die Bewegung mithilfe ihres bürokratischen Apparats wieder in den Griff zu bekommen, die Kontrolle über die "wilden" Kämpfe zurückzugewinnen, um sie zerschlagen zu können.
In Wirklichkeit tragen die Trotzkisten (wie übrigens auch andere Linke) als linke Bürgen und Kundenfänger der Gewerkschaften aktiv zur Entwaffnung der Klasse bei, indem sie die wahre Natur und Funktion solcher der Arbeiterklasse feindlichen Organe verschleiern.
Das Übergangsprogramm empfahl mit den Losungen "Arbeitereinheitsfront" und "Arbeiter- und Bauernregierung" den Kampf für die Vereinigung von Parteien, die sich auf die Arbeiterklasse und sogar auf die Bauernschaft berufen ... Mehr als dreißig Jahre später rufen die Trotzkisten, die weiterhin die sozialdemokratischen und stalinistischen Parteien als "Arbeiter"-Parteien darstellen, die den einfachen Fehler hätten, "reformistisch" zu sein (obwohl die materielle Grundlage des Reformismus seit Beginn des Jahrhunderts mit dem Eintritt des Kapitalismus in seinen Niedergang verschwunden ist). Das heißt, die Mörder der deutschen Arbeiter und Revolutionäre in den 1920er Jahren, der russischen und spanischen Proletarier, die Kanonenfutterlieferanten der letzten beiden imperialistischen Weltkriege und aller innerimperialistischen Auseinandersetzungen seither an die Macht zu bringen (wo sie es nicht schon sind). Natürlich "kritisieren" sie die Politik dieser Parteien und fordern sie sogar auf, "mit der Bourgeoisie zu brechen" (sic!), was der Gipfel des Zynismus ist. Jedes Mal, wenn der kapitalistische Staat die linken Parteien brauchte, um die Arbeiterklasse zu unterdrücken, sie in den Krieg zu mobilisieren, die nationale Wirtschaft wieder aufzubauen und zu verwalten, das reibungslose Funktionieren der öffentlichen Behörden und der "sozialen" Dienste zu gewährleisten, waren und sind sie "anwesend". Von ihnen zu verlangen, "mit der Bourgeoisie zu brechen", heißt, von ihnen zu verlangen, ihren Charakter zu ändern, heißt, vom Kapital zu verlangen, Harakiri zu begehen, heißt, von einem Panzer zu verlangen, sich in einen Krankenwagen zu verwandeln. Eine solche kriminelle und absurde Politik führt dazu:
- die Illusionen in der Arbeiterklasse über die Natur dieser Parteien zu verstärken, die nur das Blut der Proletarier vergossen haben;
- durch eine pseudoradikale Kritik die Elemente, die sich von der Linken abspalten, wieder in den Schoß der Linken zurückholen;
- das Massaker an der Arbeiterklasse durch eben diese linken Parteien vorbereiten.
Im Übergangsprogramm wurde die Notwendigkeit der Teilnahme an Wahlen und am Parlament bekräftigt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – Kontinuität verpflichtet – haben die Trotzkisten keine einzige wichtige Wahl verpasst, die den Rhythmus des politischen Lebens der dekadenten Bourgeoisie ausmacht. Seit Ende der 1960er Jahre haben die Trotzkisten in Frankreich bei dieser Art der Intervention alle Register gezogen. Zwar erinnern sie manchmal zu Recht daran, dass Wahlen nicht wirklich das Kampfterrain der Arbeiterklasse sind, aber nach diesen höflichen Hinweisen auf revolutionäre Prinzipien geht es darum, wer die beste Rechtfertigung für die Teilnahme am bürgerlichen Wahlzirkus findet, der das Bewusstsein der Arbeiterklasse in Sackgassen lenken und vernebeln soll. Die Vorwände sind einer "realistischer" als der andere: "Die Arbeiter würden es nicht verstehen, wenn die Revolutionäre unter solchen Umständen nichts zu sagen hätten", "Dies ist die Gelegenheit, in dem Moment, in dem die ganze Aufmerksamkeit der Arbeiter auf die Wahlen gerichtet ist, eine revolutionäre Agitation zu machen, die Tribünen zu nutzen, die uns von der Bourgeoisie angeboten werden". Das heißt im Klartext: "Die Arbeiter sind konfus, isoliert, bewahren Illusionen über die Wahlen, also beteiligen wir uns an der Aufrechterhaltung dieser Konfusion".
Was die "revolutionäre Agitation" der Trotzkisten betrifft, so beschränkt sie sich darauf, mit Worten "die gerechten Kämpfe der Arbeiter" zu unterstützen (was jeder linke Pfarrer tun kann), von den "Arbeiter"-Parteien zu verlangen, dass sie wirklich die Interessen der Arbeiter verteidigen und natürlich mit der Bourgeoisie brechen, die "Rechte anzuprangern", und zwar in einer Sprache, die radikaler ist als die der sozialdemokratischen Linken, indem sie sogar ab und zu auf Arbeiterräte oder Klassengewalt verweist. All dies ist für die erste Runde der Wahlen reserviert ... Danach rufen sie natürlich, getreu ihrer wahren Natur als "kritische Unterstützer" der Linken des Kapitals, allgemein dazu auf, für diese zu stimmen, um, wie sie sagen, das real existierende "Bewusstsein" der Arbeiterklasse, das sie zynisch mit den Illusionen der Arbeiter verwechseln, "nicht zu überfordern". Wie die trotzkistische Gruppe Lutte Ouvrière in Frankreich sagte, "darf ihnen keine unserer Stimmen fehlen", – damit sie ihre Funktion als Verteidiger des nationalen Kapitals auf der höchsten Ebene des Staatsapparats wahrnehmen können. Auch hier besteht die Funktion der Trotzkisten und der Linken im Allgemeinen darin, die Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich von den Wahlen und der Demokratie abwenden, wieder auf ihre Bühne zu locken, und zwar mit einer ganzen pseudorevolutionären Phraseologie, die letztlich dazu dient, die Arbeiter wieder in den Schoß der Linken zurückzuholen, insbesondere diejenigen, die begonnen haben, ihre Illusionen über sie zu verlieren. Im Übrigen muss man daran erinnern, dass überall dort, wo die Trotzkisten ein gewisses Wahlgewicht erreicht haben, die Arbeiterklasse dafür teuer bezahlt hat (Sri Lanka, Bolivien, ...).
Das Übergangsprogramm stellte eine Reihe von wirtschaftlichen Forderungen in den Vordergrund, die als "Übergangsforderungen" bezeichnet wurden, weil sie "den objektiven Bedürfnissen der Massen" entsprechen würden, aber "vom Kapitalismus unberührt" seien, und, wenn die Arbeiterklasse für ihre Durchsetzung kämpfe, eine Dynamik des Klassenkampfs ermöglichen sollten, die es den Trotzkisten erlaubt, als "natürliche" Führer des Proletariats zu erscheinen und es zur Revolution zu führen. Die Logik der "Übergangsforderungen" bestand darin, bestimmten wirtschaftlichen Forderungen, die von den "Revolutionsexperten", als die sich die Trotzkisten verstanden, vorab formuliert wurden, einen inhärent revolutionären Charakter zu verleihen.
Jahre später hat diese Logik ihre ganze konterrevolutionäre Bedeutung gezeigt. Heute sind es "radikale" Lohnforderungen, die gleitende Lohnskala, die Aufteilung der Arbeitszeit auf alle, Verstaatlichungen ohne Entschädigung oder Rückkauf "unter Arbeiterkontrolle" von bankrotten Unternehmen, Banken, Monopolen etc., kurzum, das ganze Forderungswirrwarr, das die Trotzkisten aufstellen, dient nur dazu, die Arbeiter zu täuschen und Illusionen zu verbreiten, entweder durch eine Wiederbelebung der Rolle der Gewerkschaften oder durch "selbstverwaltete" Mystifikationen wie die "Arbeiterkontrolle". Was die Lohnforderungen betrifft, so begnügen sich die Trotzkisten damit, die offiziellen Forderungen der übrigen Linken zu überbieten, indem sie noch etwas drauflegen. Die gleitende Lohnskala ist eine utopische Maßnahme, die lediglich das zum Zeitpunkt ihrer Einführung erreichte Ausbeutungsniveau der Arbeiterklasse zementieren und eine Stärkung des Einflusses der Gewerkschaften bedeuten würde, die natürlich die Anwendung der gleitenden Skala "kontrollieren" müssten. Die Aufteilung der Stunden unter allen Arbeitenden ist ein Vorschlag zur Rationalisierung der kapitalistischen Ausbeutung, der die Aufrechterhaltung der Lohnarbeit voraussetzt, wobei der halbutopische Charakter dieses Vorschlags nicht über seinen demagogischen und reaktionären Inhalt hinwegtäuschen darf. Was die Verstaatlichungen betrifft, so sind sie vollkommen kapitalistisch integrierbar, und seit sie in großem Maßstab angewandt werden, haben sie weder das Los der Arbeiterklasse verbessert noch ihren Kampf erleichtert. Was die "Arbeiterkontrolle" betrifft, so ist sie nur eine von vielen Formen der von der Bourgeoisie vorgebrachten Mystifikationen, um die Arbeiterklasse unter der Kontrolle des bürgerlichen Staates an der Verwaltung ihrer eigenen Ausbeutung zu beteiligen!
Durch dieses ausgeklügelte Forderungssystem, das übrigens je nach den verschiedenen trotzkistischen Gruppen, die sich ständig über die Zweckmäßigkeit dieser oder jener bestimmten Forderung streiten, variiert, tragen diese auf mehreren Ebenen zur Schwächung und Irreführung der Arbeiterkämpfe bei:
- Sie verstärken die Illusionen der Arbeiter, dass sie im dekadenten Kapitalismus eine dauerhafte Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen erreichen können.
- Sie tragen dazu bei, dass die Arbeiterkämpfe im wirtschaftlichen Rahmen des Kapitals, in der Werkstatt, in der Fabrik, in der Branche, in der Berufssparte und in der Nation gefangen sind.
- Sie agieren als Unterstützer staatskapitalistischer Maßnahmen innerhalb der Arbeiterklasse, indem sie diese Maßnahmen als Meilensteine auf dem Weg zum "Sozialismus" oder sogar als Beginn des "Sozialismus" selbst ausgeben. Wie die anderen linken Parteien befinden sie sich also sehr wohl auf dem Gebiet der Aufrechterhaltung des dekadenten Kapitalismus.
- Durch ihre geschickte Trennung zwischen dem wirtschaftlichen Kampf und dem politischen Kampf der Arbeiterklasse halten sie die Schwierigkeit derselben aufrecht, sich ihrer Stärke, ihrer historischen Rolle und des revolutionären Inhalts ihrer Forderungskämpfe bewusst zu werden.
- Sie verzögern also das Entstehen der proletarischen Revolution, indem sie hoffen, die Arbeiterklasse in eine einfache "gewerkschaftliche" Sicht ihres Kampfes zu pressen.
Außerdem behaupten Trotzkisten weiterhin, dass die Wirtschaft in der UdSSR etwas „Sozialistisches“ hätte, dass der Staat Produktionsverhältnisse widerspiegele, die die Arbeiterklasse beibehalten solle (da sie diese 1917 eingeführt habe!), so dass das russische Proletariat weder den Staat, der es unterdrückt, zerstören noch das Wirtschaftssystem, in dem es brutal ausgebeutet wird, radikal umgestalten solle! Wenn also die russischen Arbeiter und Arbeiterinnen, wie die auf der ganzen Welt, gegen die brutale Ausbeutung, der sie ausgesetzt sind, kämpfen, sich gewaltsam mit den Gewerkschaften, der Polizei, der "roten" Armee auseinandersetzen, die regierende "Kommunistische Partei" angreifen, d. h. den kapitalistischen Staat, der Garant ihrer Ausbeutung und ihres Elends ist, befürworten Trotzkisten den Kampf für einen einfachen Personalwechsel im Räderwerk des Staatsapparats, den Kampf dafür, die "schlechten" Bürokraten durch "gute" zu ersetzen. Auch hier machen sie sich zu den gefährlichsten Verteidigern des Staatskapitalismus, den sie den Arbeitern vorschlagen zu "demokratisieren".
Das Übergangsprogramm befürwortete die "bedingungslose Verteidigung der UdSSR" im Kriegsfall und gab darüber hinaus die Losung der nationalen Unabhängigkeit für die rückständigen, den großen imperialistischen Staaten unterworfenen Länder aus.
Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten über die Art und Weise, wie diese Orientierungen heute umgesetzt werden sollen, haben die Trotzkisten insgesamt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs keine Gelegenheit ausgelassen, den russischen imperialistischen Block gegen den amerikanischen imperialistischen Block zu unterstützen.
Hinter einer demagogischen antiimperialistischen Sprache setzten sie sich dafür ein, dass der US-Imperialismus seinen Zugriff auf die Regionen und Länder der Erde, um die es bei der Rivalität zwischen den beiden großen Blöcken geht, aufgibt, d. h. dem russischen Imperialismus Platz macht.
Unter dem Vorwand des "Kampfes für nationale Unabhängigkeit" – d. h. des Rechts jeder Bourgeoisie, "ihre" eigene Arbeiterklasse im Rahmen der nationalen Grenzen ihres Staates ungeteilt ausbeuten zu können – riefen die Trotzkisten die Proletarier in den Ländern der sogenannten "Dritten Welt" dazu auf, sich hinter die "fortschrittlichste", "am wenigsten reaktionäre" oder "revolutionärste" Fraktion der nationalen Bourgeoisie, die sich in Wirklichkeit als die "pro-russischste" herausstellte, einzureihen und für sie zu sterben.
Die Trotzkisten kämpften tatsächlich dafür, dass Arbeiter auf der ganzen Welt diese nationalen "Befreiungskämpfe" unterstützten, indem sie die Kluft zwischen den Proletariern in jedem Land noch weiter vergrößerten, sie dazu brachten, sich gegenseitig zu töten, und sie von ihrem wahren Feind ablenkten: der Weltbourgeoisie, jeder nationalen Bourgeoisie, jedem imperialistischen Staat.
Die Aktivitäten der trotzkistischen Gruppen seit Ende der 1960er Jahre stehen also in einer Linie mit der Degeneration der 1930er Jahre und ihrem Übertritt ins bürgerliche Lager während des Zweiten Weltkriegs. Und das relative Wiedererstarken der trotzkistischen Gruppen in den letzten Jahren lässt sich im Lichte der Veränderungen im Leben des Kapitalismus gegen Ende der 1960er Jahre und seines Eintritts in eine neue Phase der Wirtschaftskrise mit dem Wiederaufleben der Kämpfe des Weltproletariats erklären. Im Lichte der Probleme und Notwendigkeiten, die sich dem Kapital aufdrängen, lässt sich die Stärkung der Position der Trotzkisten verstehen.
Révolution Internationale, 1976
Im Gegensatz zur Aktivität der "Trotzkisten" nach 1945 lag der Aktivität der Strömung rund um Trotzki von 1938, wie sie sich aus dem Übergangsprogramm ergab, zumindest der Versuch zugrunde, den Charakter der damaligen Periode (tödliche Agonie des Kapitalismus, keine Entwicklung der Produktivkräfte, baldiges Wiedererwachen des revolutionären Proletariats) einzuschätzen. Selbst wenn diese Analyse richtig gewesen wäre, hätte sie Trotzkis opportunistische und aktivistische Verwirrungen nicht gerechtfertigt. Aber es ist wichtig, die heutigen Vorkämpfer des Empirismus daran zu erinnern, dass der alte Revolutionär noch das Anliegen hatte, das sie nicht mehr haben: die eigene Tätigkeit auf ein Verständnis der objektiven Situation zu stellen.
Alle Teile von Trotzkis theoretischem und politischem Werk waren in dieser Zeit durch einen einzigen Faden miteinander verbunden: die Überzeugung vom bevorstehenden revolutionären Aufstieg des Proletariats. Trotzki betrachtete den weltweiten Rückschlag der Revolution stets als ein vorübergehendes Phänomen, das aus einer zeitweiligen Unterbrechung des 1917 begonnenen Kampfzyklus resultierte. So gesehen waren Niederlagen, die nicht einen ganzen konterrevolutionären Zyklus (Krise-Krieg-Wiederaufbau) eröffneten und nicht alle organisatorischen Errungenschaften des vorherigen Zyklus mit sich rissen, für ihn nur eine instabile Pause als Vorspiel für neue Ausbrüche des Klassenkampfs.
Diese nie in Frage gestellte Überzeugung liegt seiner Verteidigung der angeblichen "Arbeiter"-Organisationen zugrunde, die in seien Augen trotz ihrer Führer "Errungenschaften" blieben. Sie war Grundlage für seine Wahrnehmung der russischen Bürokratie als "Kugel auf der Spitze einer Pyramide", der Gewerkschaften, der "Errungenschaften" des Oktobers. Auf dieser Grundlage konnte Trotzki den Fehler begehen, den Faschismus als Reaktion auf eine Gefahr der proletarischen Revolution zu betrachten, obwohl der Faschismus sich nur entwickeln konnte, weil der Klassenkampf immer mehr erloschen war. Dieser Fehler führte Trotzki zu der Annahme, dass in Deutschland 1933 der Druck der Arbeiterklasse die KPD und die Sozialdemokratie "zwingen" könnte, den Gegenangriff zu organisieren. Diese Überzeugung rechtfertigte in Trotzkis Augen auch die Schaffung einer künstlichen vierten "Internationale", ein übereiltes Gerüst, um die Avantgarde anzuziehen, von der er überzeugt war, dass sie als Errungenschaft früherer Kämpfe innerhalb der stalinistischen und sozialdemokratischen Organisationen bestehen blieb.
Nur diese Sicht kann erklären, warum Trotzki auf dem Höhepunkt des Zusammenbruchs des Proletariats (1938) ohne zu zögern schreiben konnte: "In Frankreich haben es die Reformisten geschafft, ... den revolutionären Strom zu kanalisieren und zumindest zeitweise zu stoppen." – "In den USA tun sie alles, um die revolutionäre Offensive der Massen einzudämmen und zu lähmen", und in Deutschland schließlich "werden die Sowjets das Land überziehen, bevor in Weimar eine neue Konstituierende Versammlung zusammentritt ...".
Trotzki verstand nicht, dass seit der Niederschlagung der Deutschen Revolution (1923), der letzten Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der revolutionären Welle, nunmehr die Konterrevolution, d. h. das dekadente Kapital, allen Errungenschaften, allen permanenten Organisationen seine Logik aufzwang und die Kämpfe für seine Zwecke missbrauchte. Krise, Faschismus, New Deal, Volksfront, lokale Kriege, dann allgemeiner Krieg, Aufteilung der Welt, Kalter Krieg, Wiederaufbau waren nur Momente der arroganten, selbstbewussten Konterrevolution, die auf dem Leichnam der Revolution in die früheren Errungenschaften der Arbeiterklasse eindrang und sie ihres proletarischen Inhalts beraubte. Im Laufe dieses blutigen, barbarischen, unmenschlichen Zyklus wurden alle Anstrengungen der Arbeiterklasse auf das Terrain der Verteidigung einer Kapitalfraktion gegen eine andere abgelenkt.
Es stimmt, dass sich der Kapitalismus 1938 in einer schrecklichen Krise befand und dass das Elend der Massen bis 1947/49 nie so groß gewesen war. Wichtig zu verstehen war jedoch: Da das Proletariat als eigenständige Klasse von der Bühne verschwunden war, würde das Kapital die Krise mit seinen eigenen Mitteln (Krieg-Umverteilung-Wiederaufbau) überwinden. Der Arbeiterklasse wird nichts erspart bleiben: Mit ihrem Blut und ihren Illusionen wird die neue Weltkarte festgelegt, von Katalonien bis Stalingrad und von Dresden bis Warschau. Und mit dem Schweiß der Arbeiter wird die kapitalistische Weltwirtschaft "wiederaufgebaut".
Unter diesen Umständen bestand die Rolle der Revolutionäre nicht darin, den demoralisierten Massen hinterherzulaufen und alle Prinzipien über Bord zu werfen, in jeder Episode des Kampfes der verschiedenen Kapitalfraktionen untereinander, der letztlich immer ein einhelliger Kampf gegen die Arbeiter ist, Partei für eines dieser Lager zu ergreifen oder den "Übergangs"-Wundertrank zu brauen, der die "Brücke" zwischen ihrer Passivität und der Revolution schlagen soll, sondern darin, die bisherigen Erfahrungen kritisch zu studieren und sich theoretisch vorzubereiten, die Klassenprinzipien zu verteidigen und allen aktivistischen und ungeduldigen Versuchungen zu widerstehen.
Diese Arbeit haben einige winzige Fraktionen, die aus den Italienischen und Deutsch-Holländischen "Linken" hervorgegangen sind, geleistet – manches besser, manches schlechter, aber sie haben sie geleistet. Ob sie selbst unter dem Druck der Periode standen, ob sie während dieser endlosen Reise sektiererische und dogmatische oder im Gegenteil empiristische Krankheiten bekamen, ändert nichts an der Tatsache, dass es ihrer Klarheit zu verdanken ist, dass wir heute den Trotzkismus überwinden können.
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Frage nach dem Wesen der UdSSR nicht mehr eine offene Diskussion unter Revolutionären, sondern eine Klassengrenze für Internationalisten. Die Charakterisierung des russischen Kapitalismus als "Arbeiterstaat" führt zur Verteidigung eines Imperialismus in einem bewaffneten Konflikt. Sie gesteht de facto dem Stalinismus und der nationalen kapitalistischen Akkumulation eine progressive Rolle zu: mit einem Wort, dem in "sozialistische" Phrasen gehüllten Kapital. Darüber hinaus führt sie zur Verteidigung von Verstaatlichungen, d. h. zur Tendenz des dekadenten Kapitalismus zum Staatskapitalismus.
Diese Charakterisierung stiftet Verwirrung in der Arbeiterklasse, weil sie – ob sie will oder nicht – verkündet, dass es für die Arbeiterklasse nicht möglich sei, aus dem falschen Dilemma auszubrechen, in das sie seit Jahrzehnten eingesperrt ist und aus dem sie gerade erst herauszukommen beginnt: Verteidigung des russischen oder des westlichen Kapitals.
Das ist noch nicht alles. Die Theorie des "degenerierten Arbeiterstaates" vernebelt auch das Verständnis dessen, was der Kapitalismus ist. Implizit oder explizit reduziert Trotzkis Analyse den Kapitalismus auf eine Reihe formaler, rechtlicher, partieller, starrer Merkmale (individuelles Eigentum an Produktionsmitteln, ihre Veräußerbarkeit, das Erbrecht usw.). Sie versteht den Kern der Widersprüche des Systems absolut nicht. Sie erkennt diese Widersprüche in der UdSSR nicht, weil sie sie in Wirklichkeit auch in den traditionellen kapitalistischen Ländern nicht erkennt.
Die UdSSR als "Arbeiterstaat" zu charakterisieren, bedeutet in erster Linie zu behaupten, dass es in Zeiten der weltweiten Kapitalherrschaft für einen Nationalstaat möglich wäre, sich zumindest teilweise den Gesetzen der kapitalistischen Produktionsweise zu entziehen. Eine solch ungeheuerliche Vorstellung kann nur auf einer völlig falschen Sicht des Kapitalismus als historisches und globales System beruhen.
Betrachten wir für einen Moment einen rein imaginären und absurden Fall. Stellen wir uns vor, dass Russland, geschützt durch eine undurchdringliche Mauer, in völliger Autarkie gegenüber dem Weltmarkt lebe. Nehmen wir sogar an, dass keine der offensichtlichen "Kategorien" des Kapitalismus dort zu finden seien; dass das System an sich das Aussehen einer gigantischen Gesellschaft allgemeiner Sklaverei habe, ohne Außen- und Binnenhandel, ohne Geld, ohne Kapital. Nehmen wir weiter an, dass die Sklaven in Naturalien bezahlt würden und dass der Staat die gesamte Wirtschaft bis zur letzten Schraube oder zum letzten Weizenkorn "plane".
Selbst in diesem extremen und rein hypothetischen Fall hätten wir das Recht zu behaupten, dass ohne Lohnarbeit, Tausch und Kapital die GESETZE der russischen Gesellschaft vollständig von denen des Weltmarkts bestimmt würden und dass ohne einen erkennbaren "Wert" das WERTGESETZ das GESETZ hinter jedem Ausdruck dieser Wirtschaft darstellen würde.
Autarkie ist nur eine Form des Wettbewerbs. Selbst wenn die staatliche Akkumulation nicht die Form des Geldkapitals, der Überschuss nicht die Form des Mehrwerts und die Arbeitsprodukte nicht die Form der Ware annehmen würden, wäre es die Konkurrenz mit dem Weltkapital, die direkt die Rate, das Tempo und die Form dieser Akkumulation bestimmen würde; sie und nur sie würde es ermöglichen, die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse und ihre Dynamik zu verstehen, und nicht die "Bosheit", der "Autoritarismus", der "Parasitismus" oder der "Bürokratismus" der "Verwalter".
Die bloße Notwendigkeit, diese Autarkie aufrechtzuerhalten, würde die heftige, intensive, tayloristische, ständig zunehmende Ausbeutung der Arbeiter erfordern. Je schärfer der internationale kapitalistische Wettbewerb würde, je mehr die Arbeitsproduktivität stiege, je mehr neue technische Verfahren und Waffen auftauchten, desto mehr würde die Autarkie von der Fähigkeit der "Bürokraten" abhängen, die Produktivität zu Hause zu steigern, neue Verfahren und Waffen zu erfinden. Nur wenn die Pharaonen dieses imaginären Staates Schritt für Schritt den Notwendigkeiten folgen, die ihnen der globale Wettbewerb auferlegt, könnten sie Mauern errichten, die ihnen die Illusion geben, ihren Gesetzen "zu entkommen". Daher hätten wir das Recht, diese Pharaonen als Beamte des Kapitals, als Kapitalisten zu bezeichnen, denn sie sind lediglich die Vertreter der unausweichlichen Notwendigkeit der Akkumulation in dieser Festung, die vom KAPITAL als globaler Produktionsweise vollständig durchgesetzt wird. Denn die Gesetze des globalen Kapitalismus würden nicht mehr durch ein Spiel von Angebot und Nachfrage ausgeübt und durch vorkapitalistische Reste behindert, sondern direkt durch die Beamten dieses Staates, die wahren Statthalter des internationalen Kapitals, ausgeübt.
Selbst in diesem Extremfall wäre es genauso legitim, die russischen Bürokraten als Kapitalisten zu bezeichnen, wie es für Marx legitim war, die Sklavenhalter im Süden der USA so zu nennen, weil sie, wie er sagte, nur in einem kapitalistischen System (und in Bezug auf dieses) Sklavenhalter sind. In einer kapitalistischen Welt, selbst im imaginären Land der modernen Pharaonen, wäre der Despotismus innerhalb der Fabrik der Anarchie auf dem Markt untergeordnet und die "Planung" den blinden Gesetzen der Konkurrenz.
Zum Leidwesen der Vertreter der absurden Theorie vom "degenerierten Arbeiterstaat" widerspricht die Realität den Grundlagen ihrer Analyse noch gnadenloser. Denn Russland lebt nicht nur nicht autark, sondern alle wesentlichen Erscheinungsformen des Kapitalismus sind in Russland selbst offen am Werk, und zwar nicht nur im oben genannten Sinne, sondern auch in einer leicht erkennbaren "inneren" Form. Russische Arbeiter werden mit Geld entlohnt. Diese Tatsache allein impliziert die Existenz des Tausches, der Warenproduktion, des Wertgesetzes, der Herrschaft der toten Arbeit über die lebendige Arbeit, des kapitalistischen Profits und seiner sinkenden Rate, selbst für trotzkistische Kurzsichtigkeiten, die Russland isoliert analysieren würden!
Doch die Erben der "Verratenen Revolution" (Titel eines Buches von Trotzki) erweisen sich als unfähig, die Identität der sozialen Aufgaben russischer oder amerikanischer, chinesischer oder französischer, polnischer oder deutscher Proletarier zu verstehen. Diejenigen in den sogenannten "sozialistischen" Ländern dürfen sich nicht von "reformistischen" Parolen ("Demokratie", "Abbau von Privilegien", "Selbstverwaltung", etc.) täuschen lassen – und die in den traditionellen kapitalistischen Ländern nicht von den lauten Reden gegen "Trusts" und "Spekulation" oder "Parasiten". Die Aufgaben der Arbeiterklasse in beiden imperialistischen Blöcken[1] fallen zusammen: erstens die Zerstörung des bürgerlichen Staates im Weltmaßstab und zweitens die Zerstörung der Wertform der Arbeitsprodukte – das heisst der Tatsache, dass sie über ein allgemeines Äquivalent entsprechend der gesellschaftlich zu ihrer Herstellung notwendigen Arbeitszeit getauscht werden – durch die weltweite Abschaffung der Trennung der Arbeiterklasse von den Produktionsmitteln und jeglicher Konkurrenz, ob national oder international. Durch die Zerstörung der Lohnarbeit (Austausch der Ware Arbeitskraft gegen einen Lohn) und der Warenproduktion (Austausch von Waren). Das ist die Abschaffung des Kapitals, das weder die "Macht der Monopole" noch die der "200 reichen Familien" ist, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis. Alles andere – "Verstaatlichungen", "Arbeiterkontrolle über die Profite" – sind nur Vorschläge, um den Kapitalismus besser zu verwalten.
In den östlichen Ländern stellt sich der Trotzkismus als reformistische Strömung dar, die für eine "politische" Revolution kämpft, die die kapitalistischen Produktionsverhältnisse unangetastet lässt, indem sie einfach die Worte "Arbeiterkontrolle" und "Arbeiterdemokratie" anhängt. Da sie nicht begreifen kann, dass der Staatskapitalismus nur die Verwirklichung der innersten Tendenzen des traditionellen Kapitalismus in der Epoche seines Niedergangs ist, ist sie unfähig, über diese Tendenzen hinauszudenken und entsprechend zu handeln, und schlägt einzig ein Maximalprogramm vor, das vor der Zerstörung der kapitalistischen Verhältnisse haltmacht.
In einer Zeit, in der das Kapital die gesamte Menschheit für seine eigenen Bedürfnisse versklavt, ist es nicht möglich, in Paris revolutionär und in Danzig reformistisch oder in Turin internationalistisch und in Moskau chauvinistisch zu sein.
Trotzkis Haltung zum Krieg in Spanien zeiget die Tiefe seines Rückschritts von kommunistischen und internationalistischen Prinzipien. So kritisch er auch war, seine Unterstützung für die Volksfront, den demokratischen bürgerlichen Staat und den imperialistischen Krieg, den sie führten, waren die Vorboten des Zusammenbruchs der Vierten Internationale in den Chauvinismus während des Zweiten Weltkriegs.
Trotzkis Position während des so genannten "Bürgerkriegs" ist ein Meisterwerk des Zentrismus. Er beginnt mit einer heftigen Verunglimpfung der "bürgerlichen Demokratie" und erklärt, dass nur die unabhängige Aktion des Proletariats seinen eigenen Sieg sichern kann. Er kritisierte nicht nur die konterrevolutionäre Rolle der Stalinisten, sondern auch die der Anarchisten und der POUM, die er zu Recht als "linker Flügel der Volksfront" bezeichnete. Dennoch erklärte der ehemalige russische Revolutionär, "die offizielle Führung zu akzeptieren, solange (wir) nicht stark genug sind, sie zu stürzen", und er warnte das Proletariat vor jedem Versuch, "heute die Regierung Negrin zu zerschlagen ... (was) nur dem Faschismus dienen würde". Als echter Hardliner empfiehlt er, "sich klar von Verrat und Verrätern abzugrenzen, ohne aufzuhören, die besten Kämpfer an der Front zu sein".
Trotzkis Position beruhte auf einer völlig falschen Analyse der Klassenverhältnisse in Spanien. Er war der Ansicht, dass innerhalb der "republikanischen" Klasse eine "hybride, verworrene, halb blinde, halb taube Revolution" stattfände, die es in eine "sozialistische Revolution" zu verwandeln gelte. Er beschrieb den Kampf zwischen den beiden Fronten als "den Kampf zwischen zwei sozialen Lagern, von denen das eine von der bürgerlichen Demokratie und das andere vom Faschismus unterjocht wurde". Kurzum, für Trotzki die proletarische Armee mit bürgerlichen Führern: "Wenn an der Spitze der bewaffneten Arbeiter und Bauern, d.h. des republikanischen Spaniens, Revolutionäre gestanden hätten und nicht polternde Agenten der Bourgeoisie ...", wenn es Revolutionäre an der Spitze des bürgerlichen Staates gegeben hätte... Es ist nicht Louis Blanc, der hier spricht, sondern der Mann, der einst an der Spitze des Petrograder Sowjets stand!
Gleichzeitig stellte die um die Zeitschrift BILAN gruppierte Fraktion der Italienischen Kommunistischen Linken eine radikal andere Diagnose als die, die der phantasmagorischen Vision einer "halbbewussten" (sic!) Revolution zugrunde lag, die in dichten Bataillonen unter dem Befehl der "feigen Agenten der Bourgeoisie" zum Gemetzel vorrückte. In Wirklichkeit hatte die "demokratische" Fraktion des Kapitals es geschafft, das Proletariat in einen "antifaschistischen Bürgerkrieg" einzuschließen, die Arbeiter in ein bürgerliches stehendes Heer einzuspannen und die Klassenfronten vollständig durch territoriale Fronten zu ersetzen.
Der ideologische Frontalangriff war nicht sofort erfolgreich, aber der demokratischen Bourgeoisie sollte es gelingen, die Arbeiterklasse auf eine Basis zu nageln, auf der sie sich nicht mehr als eigenständige Kraft behaupten konnte.
Von da an war der "republikanisch-nationalistische" Krieg nur noch ein kapitalistischer Konflikt, in dem Arbeiter, die dem bürgerlichen Staat völlig unterworfen waren, für Interessen, die nicht die ihren waren, abgeschlachtet wurden. Wie jeder Konflikt zwischen kapitalistischen Staaten wurde auch das spanische Gemetzel sofort zu einem Teil des imperialistischen Weltkriegs, in dem die verschiedenen Länder mehr oder weniger deutlich Stellung bezogen, natürlich unter dem Deckmantel des "Faschismus" oder "Antifaschismus" und indem arme Arbeiter und Bauern ihr Blut vergossen, während französische, deutsche, russische usw. Kanonen feuerten.
Unter diesen Umständen bestand die einzige Chance auf einen revolutionären Prozess darin, den imperialistischen Fronten diejenigen des Klassenkampfes entgegenzustellen, ohne Angst, die republikanische Front zu schwächen, und indem die Arbeiter aufgerufen worden wären, die "besten Kämpfer" der Klassenfront zu sein, die sie selbst innerhalb der beiden imperialistischen Fronten errichten sollten, und nicht des "heldenhaften" Viehs der bürgerlichen Armee. Die ewigen "Realisten" schrien, dass dies Franco begünstigen würde. Aber die einzige Chance, Franco zu schlagen, bestand darin, den Klassenkampf in die von ihm besetzten Gebiete zu tragen, und dazu musste er zunächst kompromisslos dort entstehen, wo sich die fortschrittlichsten Fraktionen des Proletariats befanden, in den so genannten "freien" Zonen. Trotzki stimmte zwar generell mit der elementaren Wahrheit überein, dass die Arbeiter die soziale Revolution gegen Caballero und Franco durchführen mussten, wurde aber durch seine oberflächliche Sicht der Dinge dazu verleitet, "kritisch" Partei für eine imperialistische Armee zu ergreifen.
Gegen Ende des Krieges 1938/39 radikalisierte Trotzki seine Sprache so weit, dass er die Thesen der Italienischen Kommunistischen Linken übernahm, aber nie mit seiner katastrophalen Auffassung brach, wonach in einem von einem kapitalistischen Staat geführten Krieg ein revolutionärer Prozess stattfinden könne, der die Fronten nicht völlig umstoße, und dass unter der Führung eines stehenden bürgerlichen Heeres eine "unbewusste Revolution" vor sich gehen könne.
Von dieser Kapitulation bis zur Kapitulation der gesamten trotzkistischen Bewegung im Krieg von 1940-45 war es nur ein halber Schritt.
Das Übergangsprogramm ist die direkte Fortsetzung der Strategie des 2. und 3. Kongresses der Kommunistischen Internationale. Die Diskussion über die "Übergangs"-Taktik ist von grundlegender Bedeutung. Sie bringt die unüberbrückbare Kluft ans Licht, die die Revolutionäre von den Trotzkisten trennt. Wir können hier nicht den Reichtum der Frage ausschöpfen, die die dialektische Beziehung zwischen ökonomischen und politischen Kämpfen, der Bewegung und dem Ziel, der Klasse und dem Programm usw. betrifft. Aber wir können versuchen, den Kern des Problems zu umreißen und gleichzeitig zeigen, dass Trotzki es nicht wirklich angeht und sich damit begnügt, die alten sozialdemokratischen Zutaten in einer "radikalisierten" Soße neu anzurichten.
Trotzki will die traditionelle Trennung zwischen Minimal- und Maximalprogramm "überwinden", indem er ein Programm von Übergangsforderungen aufstellt, welches eine Verbindung zwischen den unmittelbaren Forderungen und der Revolution herstellen soll. Die Sorge, den aus dem 19. Jahrhundert stammenden Bruch zu überwinden, ist lobenswert. Aber Trotzki begeht genau den Fehler, den er anprangert, indem er ein Programm aufstellt, das nicht das kommunistische Programm ist. Trotzki geht von der Notwendigkeit von zwei kommunistischen Programmen aus! Aber das zweite müsse, wenn es eine Daseinsberechtigung haben solle, aus Forderungen bestehen, die nicht über den bürgerlichen Rahmen hinausgingen (sonst wären sie Teil des kommunistischen Programms), also aus "minimalen" Forderungen. In seiner Idee, dass es in der Stunde des Niedergangs des Kapitalismus ein anderes Programm als das der kommunistischen Revolution geben könne, teilt Trotzki den proletarischen Prozess und seinen Verlauf erneut in zwei Etappen: heute die unmittelbaren Forderungen, morgen das revolutionäre Programm. Dass er behauptet, dass Ersteres zu Letzterem führen werde, ändert nichts am Problem: Das haben die Sozialdemokraten auch behauptet!
Es ist notwendig, kohärent zu sein: Entweder gibt es nur ein Programm, und das ist das Maximalprogramm, oder es gibt deren zwei, und dann fällt man wieder in die alte Trennung Maximalprogramm – Minimalprogramm zurück.
Trotzkis Übergangsprogramm stellt also keineswegs die Beziehung zwischen der Elementarbewegung und dem Endziel her, sondern trennt sie voneinander. Der beste Beweis dafür, dass das Übergangsprogramm nicht mehr als ein Minimalprogramm ist, das mit einer Schicht "radikaler" Phraseologie überzogen ist, ist die Tatsache, dass es von reformistischen Forderungen nur so strotzt und das kommunistische Programm völlig fehlt (auch wenn Trotzki hie und da die Notwendigkeit einer Revolution anerkennt).
So finden wir "Arbeiterkontrolle" (über das Kapital), "Arbeiter- und Bauernregierung", die Forderung nach "großen öffentlichen Arbeiten", die Enteignung bestimmter (?) Industriezweige, die zu den wichtigsten für die nationale Existenz (!), oder von bestimmten Gruppen der Bourgeoisie, die zu den parasitärsten gehören (!!!), "ein einheitliches Kreditsystem nach einem vernünftigen Plan, der den Interessen der ganzen Nation entspricht" (!!!), eine "einheitliche Staatsbank" und anderen Unsinn, der nicht einmal des gemeinsamen Programms der Linken würdig ist. Nirgendwo findet sich die Zerstörung des bürgerlichen Staates, die Diktatur des Proletariats, die Zerstörung der Konkurrenz, der Nationen, des Tausches und der Wertform der Arbeitsprodukte, der Lohnarbeit. Trotzki will modernisieren, das Kapital verstaatlichen und den Lohnempfänger verallgemeinern, Marx dagegen wollte das Kapital vernichten und den Lohnempfänger abschaffen.
"Aber", werden uns die Trotzkisten antworten, "wir stimmen zu, es geht um das endgültige Programm, doch in der Zwischenzeit wollen wir ein anderes Programm, um die Massen zu mobilisieren". Gut, aber dann hört auf, heuchlerisch um den heißen Brei herumzureden, und anerkennt, dass ihr zwei Programme propagiert, eines "minimal" und eines "maximal", eines für den Kampf und eines für die Reden, eines für die Wochentage und eines für den Sonntag! Hört auf, die Sozialdemokraten zu verhöhnen, die dies, im Gegensatz zu euch, zumindest offen anerkennen.
Die Kommunisten haben kein Programm für die kapitalistische Gesellschaft. Aber es ist unbestritten, dass sie den elementaren Kämpfen, die spontan auf ihrem Boden entstehen, entscheidende Bedeutung beimessen. Sie teilen nicht die akademische Geringschätzung der bürgerlichen Intellektuellen gegenüber solchen "quantitativen" Fragen. Sie wissen, dass die soziale Krise eine Revolte gegen die gesellschaftlichen Existenzbedingungen hervorruft, wie sie sich für die Arbeiterklasse tagtäglich manifestieren, und dass nur aus dieser Revolte heraus eine Einsicht in die Notwendigkeit der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft erfolgen kann. Sie wissen, dass aus dem elementaren spontanen Kampf des Proletariats der Prozess der eigenen Selbstüberwindung in Gang gesetzt wird.
Aber gerade weil die Revolutionäre die gewaltigen Möglichkeiten der Ausweitung, der Entwicklung der ökonomischen Kämpfe auf dem revolutionären Terrain kennen, legen sie diese nicht im Voraus in starren Forderungen fest. Jeder zu Beginn einer Klassenbewegung festgelegte Forderungskatalog behindert die Vertiefung dieser Bewegung, indem er sie auf Teilaspekte fixiert, bevor sie Zeit hat, sich auszuweiten, ihre Breite zu erreichen.
Weil Revolutionäre wissen, dass eine Klassenbewegung ihre Illusionen und ihre partikularen Fixierungen schneller verwirft, als sie ihre Flugblätter verbreiten, hüten sie sich, den Reichtum, die Kraft und das Potenzial des Kampfes in einem starren Forderungsprogramm und in einem doktrinären Schema zu verpacken wie Trotzki.
Trotzkis Übergangsprogramm ist nicht nur reformistisch, was den Inhalt seiner Forderungen angeht, sondern auch, weil seine ganze Logik darin besteht, die Bewegung in den engen Sack ihrer Parolen zu sperren, noch bevor sie begonnen hat, ihre gigantischen Möglichkeiten des Wachstums zu entfalten.
Trotzki begnügt sich nicht damit, den Prozess des Klassenkampfes auf Teilaspekte festlegen zu wollen. Er erhebt auch den Anspruch, die Abfolge der Kampfformen vom Streik bis zum Aufstand zu "programmieren". Er will die Bewegung in einer Art Gänsemarsch seiner dogmatischen Fantasie voranbringen. Er glaubt, dass der Kampf zuerst auf diesen und jenen Platz geht, dann unter dem Impuls dieser und jener Losung zum nächsten Platz weitergeht. Und schließlich kommt er, nachdem er die geplanten Schritte sanftmütig "durchlaufen" hat, am Ziel an.
Doch die wirkliche Bewegung des Proletariats folgt keinem bürokratischen Schema. Streiks, ökonomische Kämpfe, politische Kämpfe, Streikkomitees, informelle Initiativen, Besetzungen, Sowjets: Der Kampf entfaltet sich nicht nach einem vorgefertigten Plan, sondern seine Formen bedingen sich gegenseitig, durchdringen sich, lösen sich ab, verschwinden und kehren im am wenigsten erwarteten Moment wieder.
Marx schrieb, dass die Kommunisten keine besonderen Prinzipien haben, nach denen sie die praktische Bewegung des Klassenkampfes zu modellieren vorgeben würden. Dieser Satz ist tiefgründiger, als man denken könnte. Er bedeutet, dass es nicht Sache der Organisation der Revolutionäre ist, im Voraus idealistische Formen und Forderungen zu definieren. Dies wird das Proletariat selbst im Feuer der Aktion tun, entsprechend den konkreten Umständen und auf viel sicherere Weise als irgendeine angeblich "aufgeklärte" Minderheit.
In unserer Epoche beginnt ein großer Teil der Klassenbewegungen ohne präzise Forderungen, und erst bei einem gewissen Kräfteverhältnis stellt sich das Problem, präzise Ziele zu setzen, zu verhandeln, usw. Es ist diese Abwesenheit von a priori gesetzten Grenzen, die es der Bewegung ermöglicht, sich auszubreiten, zu vertiefen und zu radikalisieren. Unter diesen Bedingungen besteht die konterrevolutionäre Rolle der Gewerkschaften und der Trotzkisten darin, die Bewegung zu zermürben, indem sie sie von vornherein auf angeblich "realistische" Grenzen festnageln.
Revolutionäre wissen zwei Dinge:
- dass hinter jedem Streik das Gespenst der Revolution steht und dass ihre Funktion nur darin besteht, die den Kämpfen innewohnenden revolutionären Tendenzen zum Ausdruck zu bringen;
- dass selbst unmittelbare wirtschaftliche Erfolge von einem politischen Kräfteverhältnis auf gesellschaftlicher Ebene abhängen und dass die Bewegung, je weniger sie sich zu Beginn "realistische" und "vernünftige" Ziele setzt, umso mehr eine Machtposition durchsetzen wird, die die herrschende Klasse zum Nachgeben zwingen kann. Dies hat natürlich den Effekt, dass ihre Entschlossenheit gestärkt wird.
Revolutionäre verurteilen oder fetischisieren keine Form des Klassenkampfes. Ihre Rolle besteht nicht darin, die Bewegung zu formen, sondern sie zu befruchten, indem sie ihre allgemeine Bedeutung zum Ausdruck bringen und so alles tun, um zu verhindern, dass Gewerkschaften und die Linken deren Potenzial einschränken und ihre Bedeutung und Richtung vernebeln.
Wir müssen sowohl extrem flexibel als auch extrem unnachgiebig sein. Flexibel, weil wir als Teil der Klasse wissen, wie man unter den verschiedensten Umständen die Formen und Forderungen, die spontan von den Massen aufkommen, aufgreift und mit Klarheit verstärkt, wie man formuliert, was die Massen fühlen, wie man vereinheitlichende Forderungen vorschlägt, weil sie in die Richtung der Ausweitung und Radikalisierung der Bewegung gehen. Unnachgiebig, weil wir als Organisation das kommunistische Programm als einziges Programm zu jeder Zeit verteidigen (alles andere sind flüchtige Kompromisse). Das ist unsere besondere Aufgabe als Organisation, denn um dieses Programm herum scharen sich die bewusstesten Arbeiter und Arbeiterinnen und ziehen andere an, und auf der Grundlage dieser Vision des Ziels heben wir die revolutionären Tendenzen der Bewegung hervor.
Das Programm ist die Richtung der Bewegung, die Bewegung ist der Träger des Programms. Nur diese Flexibilität, die es erlaubt, die Bewegung in all ihren Phasen auszudrücken, und diese Unnachgiebigkeit bei der Verteidigung des endgültigen Programms, die es erlaubt, die Widersprüche der Bewegung selbst zu überwinden.
Doch Trotzki ist für Flexibilität im Programm und den Verzicht auf das Ziel und für starren Dogmatismus gegenüber der Bewegung! Der Kommunismus ist die Richtung der Bewegung. Den Kommunismus aufzugeben bedeutet, das Wesen der Bewegung zu verraten, es bedeutet, ihre einzige Verwirklichung zu verhindern: den Kommunismus.
März 1973
[1] Note aus der Zeit der Wiederveröffentlichung (2024): Diese Zeit der Blöcke dauerte von 1945-1989.
Die zahlreichen Ableger des Trotzkismus feiern gerade den 40. Jahrestag[1] der Gründung der Vierten Internationale mit ihren endlosen Plänen, die "authentische" Vierte Internationale wiederzubeleben oder wiederaufzubauen. Revolutionäre müssen diese Gelegenheit nutzen, um zu zeigen, dass die trotzkistische "Internationale" von 1938 keine revolutionäre Internationale des Proletariats war, sondern eine opportunistische Fehlgeburt, die sich schnell als Anhängsel der Bourgeoisie entpuppte.
Der Trotzkismus hörte auf, eine Strömung der Arbeiterbewegung zu sein, als er während des Zweiten Weltkriegs (1939-45) endgültig auf die Seite des Kapitalismus wechselte. Während des zweiten imperialistischen Gemetzels dieses Jahrhunderts verwarf die trotzkistische Vierte Internationale den defätistischen Slogan der Bolschewiki: "Macht aus dem imperialistischen Krieg einen Bürgerkrieg", der die proletarischen revolutionären Kräfte gegen den Ersten Weltkrieg zusammengeführt hatte. Die Trotzkisten verteidigten das Lager des demokratischen Imperialismus und des Stalinismus gegen die faschistischen Staaten, indem sie dazu aufriefen, den "imperialistischen Krieg in einen echten Krieg zur Verteidigung der UdSSR und gegen den Faschismus" umzuwandeln. Für heutige Revolutionäre ist es von größter Bedeutung, den Prozess der Konterrevolution zu verstehen, der viele Kräfte der proletarischen Bewegung in den letzten fünfzig Jahren (in Russland und ihren Ländern) dezimiert und korrumpiert hat. Wie diese Degeneration insbesondere den Trotzkismus betraf, bis er für die proletarische Bewegung verloren war, ist das Thema dieses Artikels. Der Trotzkismus ging nicht physisch als politische Tendenz zugrunde (außer in Ländern wie Russland), wie es bei anderen proletarischen Strömungen in den 1930er Jahren oder während des Krieges der Fall war. Er ging schleichend zugrunde, indem er aufhörte, ein Faktor des revolutionären Widerstands und der Umgruppierung zu sein, der er in den Jahren vor dem Krieg – wenn auch in vielen grundlegenden Punkten zutiefst verwirrt – gewesen war.
Trotzkisten achten heute darauf, die Bedeutung ihrer Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs zu verzerren oder zu verbergen. Nur die zynischsten und dümmsten unter ihnen verteidigen diesen Teil ihrer Karriere ohne jede Scham. Aber im Allgemeinen sind Trotzkisten sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, ihre Aktivitäten während des Krieges zu diskutieren, da dies ans Licht bringen würde, dass ihre Behauptungen von echtem "Internationalismus" und "Antistalinismus" nichts als Lügen sind. Die Wahrheit ist, dass die Trotzkisten im letzten Krieg in der Praxis dem folgten, was sie bis dahin vor allem mit Worten vertreten hatten (obwohl die Trotzkisten während des Kriegs in Spanien 1936-38 bereits an einem interimperialistischen Konflikt teilgenommen hatten, indem sie sich auf die Seite der Republik stellten). Damals behauptete Trotzki selbst, dass Revolutionäre "gute Soldaten" in der republikanischen Armee sein sollten!).[2]
Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs war der Trotzkismus bereits in die reaktionäre Politik des "kleineren Übels" eingetaucht. Er hatte sich dem antifaschistischen Chor der demokratischen Bourgeoisie, d. h. ihren Kriegsvorbereitungen, angeschlossen, mit der Ausrede, dass der Antifaschismus eine "Brücke zu den Massen" darstelle. Eine Brücke war er tatsächlich! Aber eine Brücke, die von den demokratischen und stalinistischen imperialistischen Bourgeoisien gebaut wurde, um das Proletariat und die gesamte Bevölkerung zu militarisieren und auf eine kriegerische Neuaufteilung der Welt vorzubereiten.
Nachdem Hitler 1933 an die Macht gekommen war, ging Trotzki so weit, den amerikanischen Imperialismus zu drängen, sich Russland anzunähern, um der Bedrohung durch Japan und Deutschland zu begegnen![3] Diese "vorübergehende", "taktische" Perspektive der Unterstützung eines imperialistischen Lagers gegen ein anderes (ohne dies offen zuzugeben) wurde vom Trotzkismus in den 1930er Jahren unter verschiedensten Bezeichnungen in die Praxis umgesetzt: Unterstützung des "kolonialen Widerstands" in Äthiopien, China und Mexiko, Unterstützung des republikanischen Spaniens usw. Die Unterstützung des Trotzkismus für die Kriegsvorbereitungen des russischen Imperialismus war während dieser ganzen Zeit (Polen, Finnland 1939) ebenfalls sehr deutlich, versteckt hinter dem Slogan der "Verteidigung des sowjetischen Vaterlandes".
Die Aktivitäten der Trotzkisten während des Zweiten Weltkriegs, als sie (von einigen Ausnahmen abgesehen) aktiv an den vom "alliierten" und stalinistischen Lager finanzierten Widerstandsbewegungen teilnahmen, stellten den endgültigen und logischen Schritt der trotzkistischen Bewegung ins Lager des Kapitals dar. Von da an konnte der Klassencharakter des Trotzkismus als politische Strömung nur noch kapitalistisch sein. Die radikalsten und lautesten Wachhunde des linken Flügels des Kapitalismus – das sind alle trotzkistischen Organisationen, ob groß oder klein, seit dem Krieg gewesen.
In Europa benutzten die Trotzkisten drei Hauptargumente, um ihre Teilnahme am imperialistischen Krieg an der Seite der bürgerlichen Demokratie und des Stalinismus zu rechtfertigen:
1. "Die bedingungslose Verteidigung der UdSSR" (was die Unterstützung des russischen Imperialismus bedeutete).
2. Die Verteidigung der bürgerlichen Demokratie (als "kleineres Übel") gegen den Faschismus (was die Unterstützung einer imperialistischen Räuberbande gegen eine andere bedeutete. Das ist eine sozialpatriotische Position und keine kommunistische, internationalistische Position).
3. Die "nationale" Frage in Europa. Diese war nach Ansicht des Trotzkismus Realität geworden, nachdem die deutsche Armee Frankreich, Belgien, die Niederlande, Norwegen usw. besetzt hatte. Die Massen möchten "nationale Unabhängigkeit" von den "Nazi-Invasoren", wie sie es nannten. Der Kampf der unterdrückten Nationen Europas sei "fortschrittlich", und das zwang die Trotzkisten dazu, eine "Brücke" zu den patriotischen Bestrebungen der Massen zu finden. Zu den "Massen" gehörten natürlich Roosevelt, Churchill, De Gaulle, die GPU (der russische Geheimdienst) sowie der gesamte imperialistische Staatsapparat Europas, der vom deutschen, italienischen und japanischen Imperialismus bedrängt wurde. Die "Brücke", die die Trotzkisten suchten, war nicht sehr schwer zu finden. Sie wurde mit dem Gold und den Waffen der Alliierten, die den Widerstand und die Partisanen finanzierten, zielstrebig gebaut.
Mit diesen drei Rechtfertigungen schlossen sich die Trotzkisten in Frankreich, Belgien, Italien usw. der Résistance an und waren dort sehr aktiv. In Frankreich riefen die Trotzkisten überall dort, wo sie einen gewissen Einfluss in der deutschen Armee erreichten (z. B. in Brest), die deutschen Soldaten dazu auf, ihre Waffen dem Widerstand für die "Verteidigung der UdSSR" abzugeben. Für die französischen Trotzkisten war der deutsche Imperialismus der "Feind" Nummer eins”.[4] Die deutschsprachigen Veröffentlichungen der französischen Trotzkisten, insbesondere der Gruppe La vérité – le parti ouvrier internationaliste, riefen die deutschen Soldaten in Frankreich dazu auf, ihre Waffen gegen ihre Offiziere und die Gestapo zu richten und sich mit den Partisanen (d. h. mit den Truppen eines Teils der französischen Bourgeoisie) zu verbrüdern. Sie forderten die Truppen der Partisanen jedoch nicht dazu auf, ihre Waffen gegen ihre eigenen Widerstandsoffiziere oder gegen die stalinistischen Agenten, die die Résistance anführten, zu richten.[5]
Einige französische Trotzkisten "kritisierten" diese "nationalistischen Abweichungen", die von den gröbsten trotzkistischen Patrioten praktiziert wurden. Aber alle verteidigten die politischen Prämissen des Trotzkismus, die unerbittlich zur Preisgabe des Internationalismus führten (Unterstützung Russlands, der bürgerlichen Demokratie usw.). Es ist kein Zufall, dass diese Kritik keine dieser "orthodoxen" Gruppen (einschließlich der "reinsten" unter ihnen, der Union Communiste von David Korner alias Barta, Vorläufer von Lutte Ouvrière) dazu gebracht hat, die bürgerlichen Positionen des Trotzkismus aufzugeben. Für alle französischen Trotzkisten, die die "nationalistischen Abweichungen" in ihren Reihen kritisierten, waren diese das Ergebnis von "Fehlern" oder "Opportunismus" und nicht eine entscheidende Frage, die die Überschreitung von Klassengrenzen implizierte.
In den USA versprach die Socialist Workers Party (SWP) der Regierung, einen "echten Kampf" gegen Hitler zu führen, wenn die Roosevelt-Regierung es ihr gestattete, an der "gewerkschaftlichen Kontrolle der Einberufung" und der Kriegswirtschaft mitzuarbeiten. Diese Angebote wurden nicht angenommen und verhinderten nicht, dass die SWP 1941 beim Minneapolis-Urteil fälschlicherweise als "klare und gegenwärtige Gefahr" für die US-Kriegsanstrengungen angeklagt wurde. Obwohl James Cannon und der Rest der SWP-Führung sich den Geschworenen zu Füßen warfen, rettete sie das nicht vor der Verurteilung zu – relativ milden Gefängnisstrafen. Ihr Auftritt vor Gericht war jedoch nicht nur das Ergebnis ihrer persönlichen Feigheit, sondern auch logisch aufgrund der vor dem Krieg erfolgten Kapitulation des Trotzkismus vor der antifaschistischen Ideologie des demokratischen Imperialismus.
Wenige Wochen nachdem Trotzki auf Befehl Stalins ermordet worden war, führte Cannon die Logik, die in Trotzkis eigener opportunistischer Kriegspolitik steckte, bis zum Ende aus. Auf einer Sonderkonferenz der SWP in Chicago im September 1940 verteidigte Cannon die "Proletarisierung" der amerikanischen Streitkräfte: “Wir wollen Hitler bekämpfen. Kein Arbeiter will, dass diese faschistische Barbarenbande in dieses oder irgendein anderes Land einfällt. Aber wir wollen den Faschismus unter einer Führung bekämpfen, der wir vertrauen können... Wir werden niemals zulassen, dass das passiert, was in Frankreich passiert ist... Die Arbeiter selbst müssen diesen Kampf gegen Hitler und gegen jeden anderen, der in ihre Rechte eingreift, selbst in die Hand nehmen... Der Widerspruch zwischen dem Patriotismus der Bourgeoisie und dem der Massen muss der Ausgangspunkt unserer revolutionären Tätigkeit sein... Wir müssen uns auf die Realität des Krieges und die Reaktion der Massen auf die Kriegsereignisse stützen” (Die Marxisten im Zweiten Weltkrieg von Brian Pearce, INTERNATIONAL Band 3, S. 35).
So sind die "Aspirationen der Massen" der angebliche Grund, um die Unterstützung des Trotzkismus für den Imperialismus der "Alliierten" zu bestimmen. Doch dieses sogenannte "antifaschistische" Streben des Proletariats existierte 1939 nirgends, schon gar nicht in dem vom Trotzkismus erfundenen Maßstab. Und selbst wenn es sie gegeben hätte, hätte sie die Vorherrschaft der bürgerlich-demokratischen Ideologie über das Klassenbewusstsein im Proletariat dargestellt. Etwas, das Revolutionäre hätten bekämpfen müssen (was sie auch taten), genau wie Lenin und die Bolschewiki während des Ersten Weltkriegs gegen andere Formen des Nationalpatriotismus kämpften, der die Massen umklammerte.
Aber der Trotzkismus verstand, dass diese Unterstützung des Imperialismus auf einer gewissen Widerstandsbereitschaft des Proletariats gegen den Massenmord beruhen musste. Dies war der einzige Weg, den das Kapital selbst vorzeichnen konnte, um die Arbeiter dazu zu bringen, im imperialistischen Krieg ein Lager der Bourgeoisie gegen das andere zu unterstützen. Die antifaschistische Ideologie war die ideale Mystifizierung, die der Kapitalismus zu diesem Zweck brauchte, und der Stalinismus und Trotzkismus waren während des Krieges seine wichtigsten Hausierer in der Arbeiterklasse. Englische Arbeiter, die Panzer für die russische Armee herstellten, durften z. B. "Greetings to Uncle Jo" (damit war Josef Stalin gemeint) auf die Flanken der Panzer zeichnen, was sie dazu anspornte, härter zu arbeiten und mehr Panzer in kürzerer Zeit zu produzieren. Der Trotzkismus hatte nie etwas gegen solche Kampagnen einzuwenden. Dass die Panzer später für die imperialistischen Absichten Großbritanniens eingesetzt werden würden, um andere Arbeiter in Uniform zu töten und zu verstümmeln, spielte für Trotzkisten keine Rolle, solange die Panzer "das Vaterland der Arbeiter verteidigten"!
Die antifaschistische Ideologie der Trotzkisten diente als Rechtfertigung für die Verteidigung aller verbündeten Imperialismen - des englischen, russischen, französischen, amerikanischen etc. Das bedeutet, dass der Trotzkismus damals wie heute viele große Meister hatte...
Die amerikanische SWP bot die offiziellen Gerichtsprotokolle des Minneapolis-Prozesses der Öffentlichkeit nie an. Die von der SWP herausgegebene Version (unter dem Titel Sozialismus vor Gericht) unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von den offiziellen Protokollen. Die in den offiziellen Akten wiedergegebenen Äußerungen Cannons sprechen in der Tat für eine pro-amerikanische Ausrichtung und drücken das Wehklagen eines missverstandenen amerikanischen Patrioten aus. In der SWP-Version werden Cannons schlimmste Ausfälle jedoch sauber eliminiert, obwohl der unterwürfige Ton in der Verteidigung nie verschwindet. Der spanische Trotzkist Grandizo Munis, der sich der defensiven Haltung der SWP und ihrer Bruderparteien widersetzte, schrieb 1942 eine brüderliche Kritik an der SWP bei der Urteilsverkündung. Welche Politik für Revolutionäre? Marxismus oder Ultralinke? Cannons Antwort, die ebenfalls in dieser Broschüre veröffentlicht wurde, wich Munis' Kritik aus und bestätigte sie somit. Dieser antwortete mit Die SWP und der imperialistische Krieg, einer ausgefeilten Kritik an der Haltung im Gerichtsverfahren, die die von der SWP vorgebrachten Argumente für Sozialpatriotismus ad absurdum führte. Diese Broschüre wurde von der SWP trotz der Tatsache, dass Munis formal noch immer ein führendes Mitglied der Vierten Internationale war (im Jahr 1946), nicht in Umlauf gebracht.
Natalia Trotzki, die später dem Weg von Munis und der Mehrheit der spanischen Trotzkisten folgte und 1951 mit dem Trotzkismus brach, erhob die gleichen Anschuldigungen gegen die Vierte Internationale. Es ist wichtig zu beachten, dass Munis, Benjamin Péret, Natalia Trotzki und andere Revolutionäre dieser Periode in der Lage waren zu erkennen, dass Trotzkis bedingungslose "Verteidigung der UdSSR" eine jener Nebelpetarden gewesen war, hinter denen der Trotzkismus vor seinen eigenen nationalen Imperialismen (in Frankreich, Großbritannien, Belgien, den USA ...) kapitulierte. Diese Revolutionäre mussten natürlich ihre Position zu Russland überdenken und es als staatskapitalistisch anerkennen. Aber Munis' und Pérets Kritik am Trotzkismus enthielt mehr als nur die russische Frage. Sie enthielten auch eine tiefe – wenn auch nur unvollständige – Entlarvung der Auffassungen und der Praxis der Komintern in der Vergangenheit.
Der Zweite Kongress der Vierten Internationale 1948 ignorierte natürlich den Inhalt von Munis' Kritik. So bewies dieser Kongress, dass sich der Trotzkismus, ohne als einheitlicher Körper tief erschüttert zu werden, dem bürgerlichen Lager angeschlossen hatte. Der Verrat des Internationalismus in einem imperialistischen Krieg ist das endgültige Kriterium für die Bestimmung des bürgerlichen Charakters einer zuvor proletarischen politischen Organisation. Der Kongress von 1948 ratifizierte diesen Verrat.
Trotzkistische Gruppen, die später ihre Position zu Russland revidierten (z. B. die Chaulieu-Tendenz, Tony Cliff, Johnson-Forest usw.), aber die Rolle des Trotzkismus im Krieg und damit die meisten grundlegenden programmatischen Fehler der Komintern in der Vergangenheit (Unterstützung der nationalen Befreiung, Arbeit in den Gewerkschaften, Parlamentarismus, Einheitsfronten usw.) ignorierten oder nicht in der Lage waren, sie schonungslos anzuprangern, kehrten zum Linksradikalismus oder sogar zu linker Politik zurück.
Der Kongress von 1948 ratifizierte nicht nur den Patriotismus der Trotzkisten während des Krieges, sondern übernahm auch die vollständige Verteidigung des Stalinismus. Dies ist einer der Hauptgründe für die heutige Existenz des Trotzkismus. 1949 wurde Tito, der 1941 in Belgrad Trotzkisten hinrichten ließ, von der Vierten Internationale unterstützt. 1950 wurde die „Theorie der strukturellen Assimilation" vom Trotzkismus ausgeheckt, um zu beweisen, dass die osteuropäischen Länder genauso verteidigt werden sollten wie der ursprüngliche russische sogenannte "Arbeiterstaat".
Der Zweite Weltkrieg endete nicht mit dem Sieg des Proletariats, sondern mit seiner absoluten Niederlage. Doch für den Trotzkismus war die Bilanz letztlich positiv, da die verstaatlichte russische Wirtschaft nach Osteuropa exportiert worden sei. Die Tatsache, dass dies auf dem Rücken von über 50 Millionen Leichen geschah, nachdem der gesamte Planet imperialistisch zerstückelt worden war, spielte kaum eine Rolle. Die barbarische Logik der kapitalistischen Politik des Trotzkismus ist in der Behauptung enthalten, dass sich "sozialistische Eigentumsformen" durch den größten Henker des Proletariats – den Stalinismus – habe über die Welt verbreiten können! Die amerikanische Spartacist League (LTF in Frankreich) trieb diese reaktionäre Auffassung auf die Spitze, als sie 1964 behauptete, der "sowjetische Atomschirm müsse Hanoi decken"! Für Trotzkisten hat sich die ursprüngliche bolschewistische Parole gegen den Krieg in sein Gegenteil verkehrt: den imperialistischen Krieg in – imperialistische Barbarei verwandeln.
Die Rolle des Trotzkismus besteht heute darin, den Imperialismus zu verteidigen, genauso wie er es 1939-45 getan hat. Die meisten dieser linksstalinistischen Gruppen in den USA, Frankreich, Großbritannien usw. sind bereits fest und legal mit dem politischen Apparat des kapitalistischen Staates verbunden. Sie sind die hartnäckigsten Verteidiger des Staatskapitalismus und der Politik der Linken des Kapitals (Gewerkschaften, stalinistische und sozialdemokratische Parteien).
Für den Trotzkismus heute ist die Nachkriegszeit durch einen Kampf zwischen zwei unterschiedlichen und verfeindeten sozialen Lagern gespalten: die westliche imperialistische Welt auf der einen Seite und Russland plus seine "strukturell assimilierten degenerierten Arbeiterstaaten" auf der anderen (plus einige andere "Arbeiterstaaten", die zwischen diesen beiden Lagern dahinvegetieren). Der von Marx so präzise, leidenschaftlich und überzeugend beschriebene Klassenkampf ist aus der trotzkistischen Weltanschauung völlig verschwunden. Die Klassenspaltung, die das Weltproletariat von der Weltbourgeoisie trennt, ist nicht mehr der zentrale Kampf, der die Grundlage der kapitalistischen Gesellschaft bildet. Stattdessen sieht sich die Menschheit mit einem Kampf zwischen Nationalstaaten konfrontiert, zwischen angeblich gegensätzlichen "Wirtschaftssystemen", dem Kapitalismus im Westen und dem "Sozialismus" im Osten. Das läuft für den Trotzkismus darauf hinaus, die Weltarbeiterklasse ins Schlepptau der vom "Arbeiterstaat" (d. h. der russischen Außenpolitik) verfolgten Politik zu nehmen. Da diese Politik fortschrittlich sei, müsse das internationale Proletariat sie unabhängig von den Bedürfnissen seines eigenen Klassenkampfes verteidigen. Darüber hinaus sei die Klasse verpflichtet, all jene anderen Staaten zu verteidigen, die die Trotzkisten als "Arbeiterstaaten" eingestuft haben. Dies liegt ganz auf der Linie der "internationalen" Politik, die 1928 von der stalinistischen Komintern dem Weltproletariat empfohlen wurde:
“Die Sowjetunion ist die wahre Heimat des Proletariats, sie ist der stärkste Verteidiger seiner Interessen und der Hauptfaktor seiner internationalen Befreiung. Das verpflichtet das Proletariat der Welt, zum Erfolg des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion beizutragen und das Land der Diktatur des Proletariats mit allen Mitteln gegen die Angriffe der kapitalistischen Mächte zu verteidigen” (Programm der Kommunistischen Internationale, VI. Kongress, 1928).
Trotzkisten begrüßen heute nicht eine, sondern viele – fast unzählige – "Sowjetunionen", die das Weltproletariat zur bedingungslosen Verteidigung derselben "verpflichten". Obwohl Trotzki 1940 behauptete, dass die Frage der Erhaltung der Form des verstaatlichten Staatseigentums in Russland der Frage der Ausweitung der Weltrevolution untergeordnet sei, ist für den heutigen Trotzkismus die Weltrevolution völlig verschwunden und es geht nur noch darum, den Stalinismus zu unterstützen, und sei es auf "kritische" Weise.
1940 machte Trotzki die folgende falsche Prognose über die Entwicklung des Stalinismus: "Die bis zum Äußersten getriebene historische Alternative sieht folgendermaßen aus: Entweder ist das Stalin-Regime ein widerlicher Überrest im Prozess der Umwandlung der bürgerlichen in eine sozialistische Gesellschaft, oder das Stalin-Regime ist der erste Schritt zu einer neuen Ausbeutergesellschaft. Wenn sich die zweite Prognose als richtig erweist, dann wird die Bürokratie natürlich zu einer neuen Ausbeuterklasse werden. Sollte sich das Weltproletariat jedoch gegenwärtig als unfähig erweisen, die ihm im Laufe der Entwicklung gestellte Aufgabe zu erfüllen, bliebe nichts übrig außer der Erkenntnis, dass das sozialistische Programm, das auf den inneren Widersprüchen der kapitalistischen Gesellschaft beruht, als Utopie verblasst ist” (Verteidigung des Marxismus).
Doch Trotzki betonte auch, dass erst das Ende des Zweiten Weltkriegs letztlich über den Klassencharakter des Stalinismus entscheiden würde. Wie wir gesehen haben, reagierten die Trotzkisten auf den Krieg, indem sie den Internationalismus verrieten und den russischen Imperialismus unterstützten, der sein Wesen als kapitalistische Macht unmissverständlich offenbarte. Dennoch begrüßte die Mehrheit der Trotzkisten am Ende des Krieges den Vormarsch der Roten Armee in Osteuropa und Deutschland als großen Sieg des Sozialismus! In Wirklichkeit zerschlug die Rote Armee – wie alle anderen Armeen in dem Konflikt – jede Möglichkeit des proletarischen Widerstands, der in Opposition zum Krieg entstand. Und die stalinistische Armee war sogar eine der erfahrensten und fähigsten, um das Proletariat zu entwaffnen und zu massakrieren. So sagte zum Beispiel der Propagandist Ilya Ehrenburg, eine stalinistische Hyäne, über die deutschen Arbeiter zu Beginn der 40er Jahre: “Wenn die deutschen Arbeiter eine Revolution machen und sich der Roten Armee in Brüdern nähern würden, würden sie wie Hunde erschossen werden" (zitiert in Invading Socialist Society durch die Johnson-Forest Tendenz, September 1947).
Die Trotzkisten, die Komplizen der Alliierten und des Stalinismus waren, konnten am Ende des Krieges mit ihren eigenen Händen, die mit dem Blut der Arbeiter befleckt waren, weil sie "heldenhaft" im antifaschistischen Widerstand gearbeitet hatten, Trotzkis letzte pessimistische Prognose, dass der Stalinismus eine neue soziale Klasse sein würde, wenn die russischen Arbeiter ihn nicht überwinden würden, nicht einfach so akzeptieren. Für sie war der Krieg ein großer Sieg des Proletariats. Paradoxerweise folgte der Nachkriegs-Trotzkismus auf seine eigene Weise der falschen Logik von Trotzkis pessimistischer und unmarxistischer Perspektive von 1940. Das Kriegsende sah die Konsolidierung und Ausweitung des Stalinismus. Und was taten die Trotzkisten angesichts dessen? Der Stalinismus sollte in Übereinstimmung mit Trotzkis Thesen international völlig reaktionär sein. Aber er machte sich daran, überall neue "Arbeiterstaaten" zu gründen! Nicht episodisch, konjunkturbedingt, wie in Polen 1939, sondern dauerhaft. Ohne ihn also eine "neue ausbeuterische Klasse" zu nennen (was er nicht war, da der stalinistische Staat lediglich eine Fraktion der globalen Kapitalistenklasse war), betrachteten ihn die Trotzkisten in der Praxis als solche. Sie schrieben der Bürokratie sogar die fortschrittliche Aufgabe zu, in den kommenden Jahrhunderten noch mehr "Arbeiter"-Staaten zu schaffen! (Michel Pablo)
Welche Rolle blieb dem Trotzkismus, der sogenannten "Weltpartei der sozialistischen Revolution”? Keine außer der eines Anwalts des Stalinismus.
1951 während des Koreakrieges beschuldigten trotzkistische Führer – die Herren Ernest Mandel und Pierre Frank sowie andere kleine Stalins – Natalia Trotzki schändlich, dem „Druck" des US-Imperialismus erlegen zu sein, als sie mit der Vierten Internationale brach und Russland als staatskapitalistische Macht beschrieb[6]. Nur die totale Selbsterniedrigung dieser Renegaten konnte sie dazu bringen, die Revolutionäre ihrer eigenen Verbrechen zu beschuldigen! Überlasst Stalin, was Stalin gehört! Eine der wichtigsten Pflichten von Revolutionären heute ist die schonungslose Entlarvung des Trotzkismus als blutige Fehlgeburt des Stalinismus. Die Vergangenheit der Trotzkisten spricht für sich selbst.
Nodens, Dezember 1977
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"NIEDER MIT DER PLÜNDERUNG DER FRANZÖSISCHEN REICHTÜMER! Der Weizen, den die Bauern Frankreichs haben aufgehen lassen, die Milch der Kühe, die sie gezüchtet haben; die Maschinen, ohne die unsere Arbeiter arbeitslos und brotlos sein werden; die Laborgeräte, die das Genie unserer Wissenschaftler gebaut hat, all diese französischen Reichtümer müssen in Frankreich bleiben..." (Bulletin des Komitees für die Vierte Internationale Nr. 2 vom 20.09.1940).
"Alle, die gegen die Unterdrücker kämpfen und keine Arbeiter sind, müssen verstehen, dass die Unterstützung der Arbeiterkräfte für den Erfolg des Kampfes für die nationale Befreiung lebensnotwendig ist; dass man ihnen daher einen Arbeitsstatus verschaffen muss, der für sie sowohl die Verteidigung als auch die Wiedergeburt des Vaterlandes interessant macht, dessen Kraft sie darstellen..." (La Vérité Nr. 8, 01.01.1941).
[1] Dieser Artikel wurde erstmals 1977 veröffentlicht.
[2] Die von BILAN während des Kriegs in Spanien eingenommenen Positionen wurden in einer Reihe von Artikeln unserer Revue internationale veröffentlicht (Nr. 4, 6, 7 und 9 der frz./engl./span. Ausgabe).
[3] Siehe Isaac Deutscher: Trotzki, Der verstossene Prophet 1929-1940, Urban Taschenbücher 197, S. 422 ff.
[4] Die Trotzkisten schlossen sich den Stalinisten an, indem sie echte Internationalisten als "Agenten Hitlers und Mussolinis" denunzierten und so zu deren Verfolgung und Vernichtung beitrugen. Die Überlebenden der Italienischen Linken setzten jedoch trotz der schwierigen Bedingungen im Untergrund ihre defätistische und internationalistische Propaganda gegen den Krieg fort. Auf dem Höhepunkt des imperialistischen Krieges erschienen nämlich erstmals die Zeitschriften INTERNATIONALISME in Frankreich und PROMETEO in Italien.
[5] Die patriotischen Aktivitäten der französischen Trotzkisten während des Zweiten Weltkriegs werden insbesondere in Les enfants du prophète von J. Roussel (Spartacus-Verlag, Paris 1972) erwähnt. Eine Arbeit über die trotzkistische Bewegung als Ganzes gibt es jedoch nicht.
[6] Munis' Bericht über Natalia Trotzkis Bruch mit dem Trotzkismus und ihre letzten Erklärungen erschienen auf Englisch in der Broschüre Natalia Trotsky and the Fourth International bei PlutoPress, London 1972, mit dem Vorwort eines typischen trotzkistischen Schriftstellers; auf Französisch in Les enfants du prophète - SPARTACUS.
Mit der gleichen Methode, die Bilan angewandt hatte, analysierte die Kommunistische Linke Frankreichs die Politik des Trotzkismus, die sich nicht so sehr durch ihre „Verteidigung der UdSSR” auszeichnet, auch wenn diese Frage am klarsten ihre Verirrung zum Ausdruck bringt, sondern durch ihre Haltung gegenüber der Frage des imperialistischen Krieges. Wie der erste Artikel „Die Funktion des Trotzkismus” zeigt, wurde die Beteiligung am Krieg seitens dieser Strömung nicht an erster Stelle bestimmt durch deren Willen zur Verteidigung der UdSSR, wie die Tatsache belegt, dass einige ihrer Tendenzen, welche die These vom „entarteten Arbeiterstaat” verwarfen, sich dennoch am imperialistischen Krieg beteiligten. Noch entscheidender war die Idee des „geringeren Übels”, der Beteiligung am Kampf gegen „die ausländische Besatzung” und der „Antifaschismus”. Dieses Merkmal des Trotzkismus tritt besonders deutlich im zweiten Artikel „Bravo Abd-al-Krim oder die kurze Geschichte des Trotzkismus” zum Vorschein, in der festgestellt wird, dass die „gesamte trotzkistische Geschichte sich um die Frage der „Verteidigung” von irgendetwas dreht”, die im Namen des geringeren Übels erfolgt. Dieses „irgendetwas” war alles andere als etwas Proletarisches. Dieses Markenzeichen des Trotzkismus hat sich seitdem nicht geändert, wie die verschiedenen aktivistischen Illustrationen des gegenwärtigen Trotzkismus belegen, wie auch sein Drängen, für ein Lager gegen ein anderes in den zahlreichen Konflikten, die den Planeten auch seit der Auflösung der UdSSR übersäen, Stellung zu beziehen.
An der Wurzel dieser Irrfahrt des Trotzkismus findet man, wie der erste Artikel betont, die Zuweisung einer fortschrittlichen Rolle „bestimmter Fraktionen des Kapitalismus, bestimmter kapitalistischer Länder (und wie das Übergangsprogramm ausdrücklich sagt, der meisten Länder).
Dieser Auffassung zufolge „ist die Befreiung des Proletariats nicht das Ergebnis des Kampfes, bei dem das Proletariat als Klasse gegenüber dem gesamten Kapitalismus auftritt, sondern diese wird das Ergebnis einer Reihe von politischen Kämpfen sein, im engen Sinne des Wortes und bei denen dieses durch schrittweise Bündnisse mit verschiedenen politischen Fraktionen der Bourgeoisie gewisse Fraktionen eliminieren wird und es somit schrittweise schaffen wird, die Bourgeoisie zu schwächen, sie zu besiegen, indem sie gespalten und scheibchenweise geschlagen wird.” Da gibt es nichts mehr revolutionär Marxistisches.
Es ist ein großer, weit verbreiteter Fehler zu meinen, was die Revolutionäre von den Trotzkisten unterscheidet, sei die Frage der „Verteidigung der UdSSR”.
Es ist selbstverständlich, dass die revolutionären Gruppen, welche die Trotzkisten gerne mit ein wenig Verachtung als „extreme Linke” bezeichnen (eine verächtliche Einschätzung der Trotzkisten gegenüber den Revolutionären, die dem gleichen Geist entspricht wie dem der „Hitler-Trotzkisten”, welchen die Stalinisten verwenden); es ist selbstverständlich, dass die Revolutionäre jede Art Verteidigung des russischen kapitalistischen Staates (Staatskapitalismus) verwerfen. Aber den russischen Staat nicht zu verteidigen, ist keineswegs die theoretische und programmatische Grundlage revolutionärer Gruppen. Und es ist nur eine politische Konsequenz, die ganz normal in ihren allgemeinen Auffassungen, ihrer revolutionären Plattform enthalten ist und aus diesen hervorgeht. Umgekehrt stellt die „Verteidigung der UdSSR” keineswegs die Besonderheit des Trotzkismus dar.
Wenn von allen politischen Positionen, die sein Programm darstellen, die „Verteidigung der UdSSR” wirklich am stärksten hervorsticht und ihre Verirrung und Blindheit am deutlichsten zum Ausdruck bringt, würde man trotzdem einen großen Fehler begehen, wenn man den Trotzkismus nur aus diesem Blickwinkel betrachtet. Im äußersten Fall spiegelt diese Verteidigung die typischste und klarste abszessartige Fixierung des Trotzkismus wider. Dieser Abszess ist so offensichtlich, dass sein Anblick immer mehr Mitglieder der Vierten Internationale anekelt, und wahrscheinlich ist es eine der Ursachen dafür, dass einige ihrer Sympathisanten davor zurückschrecken, in diese Organisation einzutreten. Aber dieser Abszess ist nicht die Krankheit, sondern nur die Stelle, wo diese in Erscheinung tritt.
Wenn wir so sehr auf diesem Punkt bestehen, geschieht dies, weil beim Anblick der äußeren Erscheinungen einer Krankheit so viele Leute sich erschrecken, aber diese dann auch sehr leicht dazu neigen, sich schnell zu beruhigen, sobald die äußeren, erkennbaren Zeichen aus dem Blick geraten. Sie vergessen, dass eine „weißgewaschene Krankheit” keine geheilte Krankheit ist. Diese Art Leute sind sicherlich ebenso gefährlich, ebenso anfällig, wenn nicht noch mehr für die Verbreitung von Korruption wie diejenigen, die aufrichtig meinen, davon geheilt zu sein.
Die „Workers‘ Party” in den USA (eine dissidente trotzkistische Organisation, die durch den Namen ihres Führers, Shachtman bekannt ist), die Tendenz G. Munis in Mexiko[4], die Minderheiten um Gallien und Chaulieu in Frankreich, all diese Minderheitentendenzen der IV. Internationale, die aufgrund der Tatsache, dass sie die traditionelle Verteidigung Russlands verwerfen, glauben vom „Opportunismus” der trotzkistischen Bewegung geheilt zu sein (jedenfalls behaupten sie dies). In Wirklichkeit bleiben sie weiterhin von dieser Ideologie stark geprägt und von ihr total eingenommen.
Das wird dadurch offensichtlich, wenn man die brennendste Frage anschaut, nämlich diejenige, die am wenigsten Ausflüchte offen lässt, welche am unnachgiebigsten die Klassenpositionen des Proletariats und der Bourgeoisie aufeinander prallen lässt, d.h. die Frage der Haltung gegenüber dem imperialistischen Krieg. Was sehen wir?
Die einen wie die anderen, Mehrheiten und Minderheiten, beteiligen sich alle mit unterschiedlichen Slogans am imperialistischen Krieg.
Man möge jetzt nicht die mündlichen Erklärungen der Trotzkisten gegen den Krieg zitieren, um dies zu widerlegen. Wir kennen diese sehr gut. Worauf es ankommt, sind nicht die Erklärungen, sondern die praktische Politik, die aus all den theoretischen Positionen hervorgeht und die in der ideologischen und praktischen Unterstützung der kriegstreibenden Kräfte konkretisiert wird. Es zählt hier nicht, mit welchem Argument diese Beteiligung gerechtfertigt wurde. Die Verteidigung der UdSSR ist sicherlich eine der wichtigsten Kernfragen, durch die das Proletariat an den imperialistischen Krieg gefesselt und in diesen getrieben wird. Aber dies ist nicht der einzige Schlüssel. Die trotzkistischen Minderheiten, welche die Verteidigung der UdSSR verwarfen, haben genau wie die Linkssozialisten und die Anarchisten andere Gründe gefunden, die nicht weniger gültig und nicht weniger von einer bürgerlichen Ideologie inspiriert waren, um ihre Beteiligung am imperialistischen Krieg zu begründen. Aus der Sicht der einen war es die Verteidigung der „Demokratie”, aus der Sicht der anderen der „Kampf gegen den Faschismus” oder die Unterstützung der „nationalen Befreiung” oder des „Selbstbestimmungsrechts der Völker”.
Für alle war es eine Frage des „geringeren Übels”, welche sie zur Kriegsbeteiligung oder in die Résistance auf Seiten eines imperialistischen Blocks gegen einen anderen trieb.
Die Partei Shachtmans hatte völlig recht, den offiziellen Trotzkisten vorzuwerfen, dass sie den russischen Imperialismus unterstützten, welcher aus ihrer Sicht kein „Arbeiterstaat” mehr war; aber damit wurde Shachtman noch lange nicht zu einem Revolutionär, denn er erhob diesen Vorwurf nicht ausgehend von einer Klassenposition des Proletariats gegen den imperialistischen Krieg, sondern aufgrund der Tatsache, dass Russland ein totalitäres Land ist, wo es weniger „Demokratie” als anderswo gibt. Seiner Ansicht nach musste man konsequenterweise Finnland gegen den russischen Aggressor unterstützen, das weniger „totalitär” und demokratischer sei [5].
Um das Wesen seiner Ideologie zu zeigen, insbesondere hinsichtlich der zentralen Frage des imperialistischen Kriegs, braucht der Trotzkismus keineswegs, wie wir eben gesehen haben, auf die Position der Verteidigung der UdSSR zurückzugreifen. Diese Verteidigung der UdSSR erleichtert natürlich seine Position der Kriegsbeteiligung, wodurch er diese hinter einer pseudo-revolutionären Phrase verbergen kann, aber von sich aus vertuscht er sein tieferes Wesen und verhindert, die Frage des Wesens der trotzkistischen Ideologie in aller Deutlichkeit zu stellen.
Lassen wir einmal zur Erreichung einer größeren Klarheit die Existenz Russlands außer Acht, oder besser gesagt all die Spitzfindigkeit hinsichtlich des sozialistischen Wesens des russischen Staates, mit Hilfe derer die Trotzkisten das eigentliche Problem des imperialistischen Krieges und der Haltung des Proletariats vernebeln. Stellen wir deutlich die Frage der Haltung der Trotzkisten im Krieg. Die Trotzkisten werden natürlich mit einer allgemeinen Antwort gegen den Krieg reagieren.
Aber sobald die Litanei vom „revolutionären Defätismus” im Abstrakten korrekt heruntergeleiert worden ist, fangen sie sofort konkret an, mit spitzfindigen „Unterscheidungen” Einschränkungen zu machen, sie sagen „aber”… usw., was sie in der Praxis dazu führt, dass sie Partei für einen Kriegsteilnehmer ergreifen und die Arbeiter dazu aufrufen, sich am imperialistischen Abschlachten zu beteiligen.
Wer mit dem trotzkistischen Milieu in Frankreich während der
Jahre 1939-45 irgendwie in Kontakt stand, kann Zeugnis davon ablegen, dass die
bei ihnen vorherrschenden Gefühle nicht so sehr von der Position der
Verteidigung Russlands bestimmt waren, sondern von der Wahl des „geringeren
Übels”, der Wahl des Kampfes gegen die „ausländische Besatzung” und den
„Antifaschismus”.
Dies erklärt ihre Beteiligung an der ‘Résistance” ,[6] an der F.F.I.[7] und bei der Befreiung. Und wenn die PCI[8] Frankreichs von den Sektionen anderer Länder gelobt wurde für die Rolle, die sie bei dem, die wie sie es nannten „Volksaufstand” der Befreiung spielte, lassen wir ihnen die Befriedigung, die sie durch den Bluff der Bedeutung ihrer Beteiligung empfinden (welch große Bedeutung mögen die wenigen Dutzenden Trotzkisten bei der „großen Volkserhebung” gehabt haben!). Aber wir wollen vor allem den politischen Inhalt solch eines Lobs im Kopf behalten.
Die Revolutionäre gehen von der Feststellung des imperialistischen Stadiums aus, das von der Weltwirtschaft erreicht worden ist. Der Imperialismus ist kein nationales Phänomen. Die Gewalt der kapitalistischen Widersprüche zwischen dem Grad der Entwicklung der Produktivkräfte – des gesamten gesellschaftlichen Kapitals – und der Entwicklung des Marktes bestimmt die Gewalt der Widersprüche unter den Imperialisten. Auf dieser Stufe gibt es keine nationalen Kriege mehr. Die imperialistische Weltstruktur bestimmt die Struktur aller Kriege. Im Zeitalter des Imperialismus gibt es keine „fortschrittlichen” Kriege. Der einzige Fortschritt besteht nur in der gesellschaftlichen Revolution. Die historische Alternative, vor der die Menschheit steht, ist die sozialistische Revolution oder der Niedergang, das Versinken in der Barbarei durch die Zerstörung des durch die Menschheit angehäuften Reichtums, die Zerstörung der Produktivkräfte und die ständigen Massaker des Proletariats in einer unendlichen Reihe von lokalen und generalisierten Kriegen. Es handelt sich also um ein Klassenkriterium gegenüber der Analyse der geschichtlichen Entwicklung der Gesellschaft, das durch die Revolutionäre aufgeworfen wird.
„Aber nicht alle Länder der Welt sind imperialistisch. Im Gegenteil. Die Mehrheit der Länder sind Opfer des Imperialismus. Einige Kolonialländer oder Halbkolonialländer versuchen zweifelsohne den Krieg auszunutzen, um die Geissel der Versklavung abzuschütteln. Was diese Länder betrifft, ist der Krieg kein imperialistischer, sondern ein Befreiungskrieg. Die Aufgabe des internationalen Proletariats besteht darin, den im Krieg unterdrückten Ländern gegen die Unterdrücker zu helfen” (Das Übergangsprogramm, Kapitel: Der Kampf gegen Imperialismus und Krieg).
So bezieht sich das trotzkistische Kriterium nicht auf die historische Periode, in der wir leben, sondern es schafft und bezieht sich auf einen abstrakten und falschen Begriff des Imperialismus. Nur die Bourgeoisie eines dominierenden Landes sei imperialistisch. Der Imperialismus ist keine politisch-ökonomische Stufe des Weltkapitalismus, sondern nur des Kapitalismus in einigen Ländern, während die anderen kapitalistischen Länder, welche die Mehrheit ausmachen, nicht imperialistisch sind. Wenn man dies rein formell betrachtet, werden heute alle Länder der Welt ökonomisch von zwei Ländern beherrscht: den USA und Russland. Kann man daraus schlussfolgern, dass ausschließlich die Bourgeoisie dieser beiden Länder imperialistisch ist und die Gegnerschaft des Proletariats gegenüber dem Krieg nur in diesen beiden Ländern zum Tragen kommt?
Besser noch, wenn man der trotzkistischen Argumentation folgt und Russland dabei herausnimmt, da das Land per Definition „nicht imperialistisch” ist, gelangt man zu der absurden Schlussfolgerung, dass nur ein Land auf der Welt imperialistisch ist: die USA. Damit kommen wir zu der tröstlichen Schlussfolgerung, dass das Proletariat allen anderen Ländern der Welt helfen muss, da sie alle „nicht-imperialistisch und unterdrückt sind“. Schauen wir konkret, wie diese trotzkistische Unterscheidung sich in der Praxis äußert.
1940-45 war Frankreich besetzt: Von einem imperialistischen Land wurde es zu einem unterdrückten Land. Sein Krieg wurde ein „Befreiungskrieg”, „Es ist Aufgabe des Proletariats diesen Kampf zu unterstützen”. Perfekt! Aber plötzlich wurde Deutschland 1945 zu einem besetzten und „unterdrückten‘ Land. Damit wurde es zur Aufgabe des Proletariats, eine eventuelle Befreiung Deutschlands gegen Frankreich zu unterstützen. Was für Frankreich und Deutschland zutrifft, gilt ebenso für irgendein anderes Land: Japan, Italien, Belgien usw. Man braucht jetzt nicht die Kolonien und halb-kolonialen Länder zu erwähnen. Im Zeitalter des Imperialismus wird jedes Land, das beim rücksichtslosen Konkurrenzkampf zwischen den Kapitalisten nicht das Glück oder die Kraft hat Sieger zu werden, de facto zu einem „unterdrückten” Land. Beispiel: Deutschland und Japan, und im entgegengesetzten Sinn – China.
Das Proletariat hätte somit zur Aufgabe, seine Zeit damit zu verbringen, auf der imperialistischen Waagschale hin-und her zu hüpfen, je nach dem, welche Anweisungen von den Trotzkisten erteilt werden. Es sollte sich dabei abschlachten lassen im Namen dessen, was die Trotzkisten folgendermaßen umschreiben: „Einen gerechten und fortschrittlichen Krieg zu unterstützen…” (siehe das Übergangsprogramm – gleiches Kapitel).
Dies ist der grundsätzliche Charakter des Trotzkismus, der jeweils in allen Situationen und allen seinen Positionen dem Proletariat eine Alternative anbietet, die einen echten Gegensatz und eine Lösung als Klasse gegen die Bourgeoisie darstellt, aber in Wirklichkeit nur eine Wahl zwischen zwei „unterdrückten” kapitalistischen Kräften bedeutet: zwischen einer faschistischen und antifaschistischen Bourgeoisie, zwischen „Reaktionären „ und „Demokraten”, zwischen Monarchie und Republik, zwischen imperialistischen Krieg und „gerechten und fortschrittlichen” Kriegen.
Ausgehend von dieser ewigen Wahl zwischen dem „geringeren Übel” haben sich die Trotzkisten am imperialistischen Krieg beteiligt. Die Notwendigkeit der Verteidigung der UdSSR stand keineswegs im Vordergrund. Bevor diese verteidigt wurde, hatten sie sich schon am Spanienkrieg (1936-1938) im Namen der Verteidigung des republikanischen Spaniens gegen Franco beteiligt. Dann verteidigten sie das China Chiang Kai-Sheks gegen Japan.
Die Verteidigung der UdSSR erscheint somit nicht mehr als Ausgangs- sondern als Endpunkt ihrer Positionen. Sie spiegelt unter anderem ihre Grundprinzipien wider. Diese Grundprinzipien verlangen nicht, dass die Arbeiterklasse eine eigenständige Klassenposition gegenüber dem imperialistischen Krieg hat, sondern dass sie eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen nationalen kapitalistischen Gruppierungen treffen kann und muss, die sich zu einem gewissen Zeitpunkt gegenüberstehen. Sie müssen als „fortschrittlich” erachtet werden und ihre Hilfe erhalten; d.h. in der Regel soll der schwächere, rückständigere, der „unterdrückte” Flügel der Bourgeoisie unterstützt werden.
Diese Position zu einer so grundsätzlichen, zentralen Frage wie der des Krieges stellt die Trotzkisten von vornherein als politische Strömung außerhalb des Proletariats und rechtfertig als solche schon die Notwendigkeit eines totalen Bruchs der proletarischen revolutionären Kräfte mit ihnen.
Aber wir haben nur eine Wurzel des Trotzkismus aufgegriffen. Im Allgemeinen stützt sich die trotzkistische Auffassung auf die Idee, dass die Befreiung des Proletariats nicht das Ergebnis eines „reinen” Kampfes sei, bei dem das Proletariat als Klasse gegenüber dem gesamten Kapitalismus reagiert, sondern das Ergebnis einer Reihe von politischen Kämpfen in einem engeren Sinne, bei dem nach schrittweisen Bündnissen mit verschiedenen Fraktionen der Bourgeoisie einige ausgelöscht werden sollten, wodurch es dem Proletariat stufenweise gelingen würde, die Bourgeoisie zu schwächen, sie mittels Spaltung zu besiegen und sie scheibchenweise zu schlagen.
Dies ist sicherlich eine strategisch sehr weitsichtige, subtile und maliziöse Sicht, die sich in dem Slogan „getrennt marschieren, gemeinsam schlagen… .” spiegelt. Es handelt sich um eine der Grundlagen der trotzkistischen Auffassung, die auch in der Theorie der „permanenten Revolution” bestätigt wird (eine neue Art). Der zufolge meint die permanente Revolution, dass die Revolution selbst als eine ständige Abfolge von politischen Ereignissen als eines von vielen anderen Ereignissen gesehen wird. Dieser Auffassung zufolge ist die Revolution kein Prozess der ökonomischen und politischen Überwindung einer in Klassen gespaltenen Gesellschaft. Der Aufbau des Sozialismus aber ist nur möglich und kann erst begonnen werden, nachdem das Proletariat die Macht ergriffen hat.
Es stimmt, dass diese Auffassung von der Revolution zum Teil dem Schema Marxens „treu” bleibt. Aber dies ist nur eine Treue gegenüber dem Wort. Marx vertrat dieses Schema 1848, als die Bourgeoisie noch eine historisch revolutionäre Klasse darstellte. In der Hitze der bürgerlichen Revolutionen, die über eine Reihe von Ländern Europas hinweg zogen, hoffte Marx, dass diese nicht auf der Stufe einer bürgerlichen Revolution stehen bleiben würden, sondern von dem Proletariat weiter bis zur sozialistischen Revolution getragen würden.
Auch wenn die Wirklichkeit Marx nicht bestätigt hat, handelte es sich bei ihm um eine sehr gewagte revolutionäre Auffassung, die den historischen Möglichkeiten voraus war. Die permanente Revolution der Trotzkisten ist aber eine völlig andere Sache. Den Worten Marxens bleibt sie schon treu, aber sie bleibt dem Geist nicht treu. Ein Jahrhundert nach dem Ende der bürgerlichen Revolutionen, zur Zeit des Weltimperialismus, während die kapitalistische Gesellschaft insgesamt in ihren Niedergang eingetreten ist, meint der Trotzkismus, dass bestimmte Fraktionen des Kapitalismus in einigen kapitalistischen Ländern (und wie es das Übergangsprogramm ausdrücklich sagt, in den meisten Ländern) eine fortschrittliche Rolle spielen können.
Marx wollte das Proletariat 1848 an die Spitze der Gesellschaft treten lassen; aber die Trotzkisten lassen die Arbeiterklasse 1947 zu einem Anhängsel der als „fortschrittlich” ernannten Bourgeoisie werden. Man kann sich kaum eine groteskere Karikatur, eine gröbere Verzerrung des Schemas der permanenten Revolution von Marx als die der Trotzkisten vorstellen.
So wie Trotzki dies im Jahre 1905 wieder aufgegriffen und formuliert hatte, behielt dieses Schema der permanenten Revolution seine revolutionäre Bedeutung. 1905, zu Beginn des Zeitraums des Imperialismus, als der Kapitalismus noch viele Jahre Wohlstand vor sich zu haben schien, kam Trotzki in dem Land, das in Europa mit am rückständigsten war, und wo weiterhin noch eine politisch feudale Infrastruktur bestand, wo die Arbeiterbewegung ihre ersten Schritte machte, gegenüber all den Fraktionen der russischen Sozialdemokratie, die den Eintritt der bürgerlichen Revolution ankündigten, gegenüber Lenin, der aufgrund vieler Einschränkungen nicht wagte weiter zu gehen, als der zukünftigen Revolution bürgerliche Reformen unter einer demokratisch revolutionären Führung durch Arbeiter und Bauern zuzuschreiben, in dieser Situation kam Trotzki unzweifelhaft das Verdienst zu, verkündet zu haben, dass die Revolution entweder eine sozialistische sein werde, die der Diktatur des Proletariats, oder dass sie keine Revolution sein werde.
Die Betonung der Theorie der permanenten Revolution lag auf der Rolle des Proletariats, das damals zur einzig revolutionären Klasse geworden war. Diese war eine sehr kühne revolutionäre Verkündung, die sich ganz gegen die kleinbürgerlichen, verängstigten und skeptischen sozialistischen Theoretiker richtete sowie gegen die zögernden Revolutionäre, denen es an Vertrauen in die Arbeiterklasse mangelte.
Während heute die Erfahrung von mehr als 40 Jahren diese theoretischen Elemente vollauf bestätigt hat, ist die Theorie der permanenten Revolution „neuen Verschnitts” in einer kapitalistischen Welt, die ihren Höhepunkt überschritten hat und schon in ihren Niedergang eingetreten ist, nur gegen die revolutionären „Illusionen” dieser Tollköpfe der extremen Linke, dieser Sündenböcke des Trotzkismus, gerichtet.
Heute wird die Betonung auf die rückständigen Illusionen der Proletarier gelegt, auf die Unvermeidbarkeit der Zwischenstufen, auf die Notwendigkeit einer realistischen und positiven Politik, auf die Arbeiter- und Bauernregierungen, auf die gerechten Kriege und fortschrittlich nationalen Revolutionen der Befreiung.
Dies ist heute das Schicksal der permanenten Revolution, sie liegt in den Händen der Jüngeren, die nur die Schwächen aufrechterhalten haben, aber nichts von der Größe, der Stärke und der revolutionären Tugend des Meisters übernommen haben.
Die „fortschrittlichen” Tendenzen und Fraktionen der Bourgeoisie und den revolutionären Weg des Proletariats zu unterstützen, die Spaltung und Gegensätze unter den Kapitalisten auszunutzen, sind nichts als die beiden Seiten der gleichen trotzkistischen Theorie. Wir haben gesehen, was aus der ersten geworden ist, schauen wir uns nun die zweite an.
Erstens in der Art und Weise, wie man besser die kapitalistische Ordnung schützt. D.h. besser die Ausbeutung des Proletariats sicherstellt. Zweitens hinsichtlich der unterschiedlichen ökonomischen Interessen verschiedenen Gruppen der Kapitalistenklasse. Trotzki, der sich oft durch seinen bildhaften Stil und seine Metapher hat fortreißen lassen, so dass er manchmal den wirklichen gesellschaftlichen Inhalt aus den Augen verlor, hat stark auf diesem zweiten Aspekt bestanden. „Man darf nicht den Kapitalismus als eine Einheit sehen”, meinte er. „Die Musik ist auch ein Ganzes, aber man wäre ein schlechter Musiker, wenn man nicht die unterschiedlichen Noten lesen könnte.” Diese Metapher wandte er auch auf die gesellschaftliche Bewegung und die Klassenkämpfe an. Niemand würde wirklich vorhandene Interessensunterschiede – auch nicht innerhalb der Kapitalistenklasse – und die daraus entstehenden Kämpfe leugnen oder verkennen. Es geht darum, welchen Platz diese Interessensunterschiede in der Gesellschaft und in den verschiedenen Kämpfen einnehmen. Man wäre ein sehr schlechter revolutionärer Marxist, wenn man die Kämpfe zwischen den Klassen und den Kampf zwischen Gruppen innerhalb der gleichen Klasse auf die gleiche Ebene stellt. „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.” Diese Grundsatzthese des Kommunistischen Manifestes verkennt natürlich nicht die Existenz von zweitrangigen Auseinandersetzungen verschiedener wirtschaftlicher Gruppen und Individuen innerhalb der gleichen Klasse und deren relative Bedeutung. Aber der Motor der Geschichte sind nicht diese zweitrangigen Faktoren, sondern der Kampf zwischen der herrschenden Klasse und der unterdrückten Klasse. Wenn eine neue Klasse in der Geschichte entsteht und eine alte ersetzt, die unfähig geworden ist, die Gesellschaft zu führen, d.h. in einer historischen Epoche der Umwälzungen und der gesellschaftlichen Revolution, bestimmt und dominiert der Kampf zwischen diesen beiden Klassen absolut all die gesellschaftlichen Ereignisse und alle zweitrangigen Konflikte. In solchen historischen Zeiträumen wie unserem auf die zweitrangigen Konflikte zu bestehen, mit deren Hilfe man die Richtung der Bewegung des Klassenkampfes, seine Richtung und sein Ausmaß bestimmen möchte, zeigt sonnenklar auf, dass man nichts von den Grundsätzen der marxistischen Methode verstanden hat. Man betreibt nur abstrakte Spielereien mit Musiknoten und unterwirft konkret den gesellschaftlichen historischen Kampf des Proletariats den Zufälligkeiten der politischen Konflikte unter den Kapitalisten.
Diese ganze Politik beruht im Kern auf einem tiefgreifenden Mangel an Vertrauen in die eigenen Kräfte des Proletariats. Offensichtlich haben die letzten drei Jahrzehnte ununterbrochener Niederlagen tragisch die Unreife und die Schwäche des Proletariats deutlich werden lassen. Aber es wäre ein Fehler, die Wurzel dieser Schwächen in der Selbstisolierung des Proletariats zu suchen, in der Abwesenheit eines ausreichend weichen, anpassungsfähigen Verhaltens gegenüber den anderen Klassen, Schichten und politischen Strömungen, die der Arbeiterklasse feindlich gegenüber eingestellt sind. Das Gegenteil ist der Fall. Seit der Gründung der Komintern warnte man unaufhörlich vor der Kinderkrankheit der Linksradikalen; man entwarf die unrealistische Strategie der Eroberung der großen Massen, der Eroberung der Gewerkschaften, der revolutionären Ausnutzung der Parlamentstribüne, der politischen Einheitsfront mit dem „Teufel und seiner Großmutter” (Trotzki), der Beteiligung an Arbeiterregierungen in Sachsen usw.
Ein Desaster. Jeder neuen Eroberung mit einer „sanften Strategie” folgte eine noch größere und tiefergreifende Niederlage. Um diese Schwäche auszugleichen, für die das Proletariat verantwortlich gemacht wurde, stützte man sich zur „Stärkung” des Proletariats nicht nur auf Kräfte, die außerhalb des Proletariats standen (Sozialdemokraten), sondern auch auf ultrareaktionäre Kräfte: „revolutionäre” Bauernparteien; internationale Bauernkonferenzen, internationale Konferenzen der Kolonialvölker. Je mehr Niederlagen das Proletariat einstecken musste, desto mehr Bündnisse en masse wurden errichtet und die Politik der Ausbeutung triumphierte in der Kommunistischen Internationale. Sicher liegt die Wurzel dieser Politik in der Existenz des russischen Staates, der seine Existenz zu rechtfertigen suchte und von seinem Wesen her nichts mit sozialistischer Revolution zu tun hatte, denn er war dem Proletariat fremd und Gegner der Ziele desselben.
Zur Aufrechterhaltung seiner Existenz und seiner Stärkung muss der Staat Bündnisse mit den „unterdrückten” Bourgeoisien, den „Völkern” und Kolonien und „fortschrittlichen” Ländern suchen; diese findet er auch, denn diese sozialen Gruppierungen müssen ebenso einen Staat errichten. Er kann über die Spaltung und die Konflikte zwischen anderen Staaten und kapitalistischen Gruppen spekulieren, weil er das gleiche Klassenwesen wie diese besitzt.
In diesen Konflikten kann die Schwächung einer dieser Antagonismen zu einer Bedingung für seine Verstärkung werden. Dies trifft aber auf die Arbeiterklasse und ihre Revolution nicht zu. Sie kann sich auf keinen dieser Verbündeten oder Kräfte stützen. Sie steht alleine da und steht immer in einem unüberwindbaren historischen Widerspruch zu all diesen Kräften und Leuten, die sich ihr gegenüber zu einer untrennbaren Einheit zusammenfügen.
Das Proletariat sich seiner Position und seiner historischen Aufgabe bewusst werden zu lassen, ihm die großen Schwierigkeiten seines Kampfes nicht zu vertuschen, ihm aufzuzeigen, dass es aber auch keine Wahl hat, wenn es seine menschliche und physische Existenz bewahren will, ihm zeigen, dass es trotz dieser Schwierigkeiten siegen kann und muss, dies ist der einzige Weg der Stärkung des Proletariats für seinen Sieg.
Aber wenn man versucht, diesen Schwierigkeiten auszuweichen, indem man für die Arbeiterklasse mögliche Verbündete sucht (auch nur vorübergehende) und ihm „fortschrittliche” Kräfte anderer Klassen anbietet, auf die sie sich in ihrem Kampf stützen sollte, heißt die Arbeiterklasse zu täuschen, um sie zu trösten, zu entwaffnen und sie in die Irre zu führen. Darin besteht die Funktion der Trotzkisten heute.
Einige Leute leiden unter einem Minderwertigkeitsgefühl, andere unter Schuldgefühlen, wieder andere unter Verfolgungswahn. Der Trotzkismus wiederum leidet unter einer Krankheit, die man mangels besserer Bezeichnung „Verteidigungsmanie” nennen könnte. Die ganze Geschichte des Trotzkismus dreht sich um die „Verteidigung” von irgendetwas. Und wenn die Trotzkisten unglücklicherweise in „flauen Wochen‘ nichts und niemanden zum Verteidigen finden, werden sie sprichwörtlich krank. Dann erkennt man sie an ihren traurigen Gesichtern, ihren niedergeschlagenen Minen, ihrem verstörten Blick, wie sie wie ein Drogenabhängiger ihre tägliche Giftdosis suchen: eine Sache oder ein Opfer, für dessen Verteidigung sie eintreten könnten.
Gott sei Dank gibt es ein Russland, in dem es einmal eine Revolution gegeben hat. Dies dient den Trotzkisten ewig zur Rechtfertigung ihres Dranges der Verteidigung. Was immer in Russland passiert, bleiben die Trotzkisten unerschütterlich für die „Verteidigung der UdSSR”, denn sie haben in Russland eine unerschöpfliche Quelle gefunden, welche ihr Laster der „Verteidigung” befriedigt.
Aber nicht nur die großen Verteidigungen zählen. Um das Leben des Trotzkismus zu bereichern, braucht man zusätzlich zu der großen Verteidigung die unsterbliche, bedingungslose „Verteidigung der UdSSR” – welche die Grundlagen und die Daseinsberechtigung des Trotzkismus liefern. Der Trotzkismus ist erpicht auf die „alltäglichen…Verteidigungen”, das, was er „jeden Tag verteidigen” kann.
In der Niedergangsphase des Kapitalismus entfesselt dieser eine allgemeine Zerstörung, von der die Arbeiterklasse betroffen ist, die wie immer Opfer des Regimes wird. Repression und Massaker breiten sich aus, sogar bis in die Kapitalistenklasse hinein pflanzt sich die Zerstörung fort. Hitler massakrierte die republikanischen Bürgerlichen, Churchill und Truman hängten und erschossen Goering und Co., Stalin erhielt das Einverständnis aller, als er verschiedene Leute massakrierte. Ein blutiges allgemeines Chaos, die Auslösung einer perfektionierten Bestialität und ein bislang unbekannter raffinierter Sadismus sind das zu zahlende unausbleibliche Lösegeld, wenn es dem Kapitalismus unmöglich geworden ist, seine Widersprüche zu überwinden. Gott sei gelobt. Welch ein Glücksfall für diejenigen, die auf der Suche einer verteidigungswerten Sache sind. Unsere Trotzkisten freuen sich! Jeden Tag bieten sich für unsere modernen Ritter neue Möglichkeiten, bei denen sie ihr großzügiges Wesen ihres Kampfes zur Wiedergutmachung jeglichen Unrechts und der Rache der Beleidigten zeigen können.
Im Herbst 1935 fing Italien eine militärische Kampagne gegen Äthiopien an. Es handelte sich zweifelsohne um einen imperialistischen Krieg der kolonialen Eroberung eines rückständigen Landes, Äthiopiens, das wirtschaftlich und politisch noch halbfeudal war, durch ein fortgeschrittenes kapitalistisches Land, Italien. In Italien herrschte das Regime Mussolinis, in Äthiopien das Regime Negus, der „König der Könige”. Aber der italienisch-äthiopische Krieg ist viel mehr noch als ein einfacher, klassischer Kolonialkrieg. Es handelte sich um die Vorbereitung, den Auftakt des sich ankündigenden Weltkriegs. Aber die Trotzkisten brauchen nicht so weit voraus zu schauen. Es reicht zu sehen, dass Mussolini der „böse Angreifer” gegen das „arme Königreich” des Negus ist, um unmittelbar die „bedingungslose” Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit Äthiopiens zu übernehmen. Ah, aber wie! Sie reihen ihre Stimme in den allgemeinen Chor ein (vor allem den Chor des angel-sächsischen „demokratischen” Blocks, welcher noch in der Bildung begriffen ist und sich noch sucht), um internationale Sanktionen gegen die „faschistische Aggression” zu fordern. Die stärksten Verteidiger unter allen, die zudem von niemanden in diesen Fragen Lehren erhalten können, schelten und prangern sie die aus ihrer Sicht unzureichende Verteidigung durch den Völkerbund an[9], und rufen die Arbeiter der Welt dazu auf, die Verteidigung Äthiopiens und des Negus zu übernehmen. Es stimmt zwar, dass die Verteidigung des Königs Negus durch die Trotzkisten diesem nicht besonders viel Glück gebracht hat, weil er trotz deren Verteidigung geschlagen wurde. Aber gerechterweise muss man sagen, dass ihnen die Schuld dieser Niederlage nicht angehaftet werden kann, denn wenn es um die Verteidigung geht, selbst die eines Negus, nörgeln die Trotzkisten nicht. Sie sind zur Stelle und wie!
1936 brach der Spanienkrieg los. In Gestalt eines inneren „Bürgerkrieges”, durch welchen die spanische Bourgeoisie in einen frankistischen und republikanischen Clan gespalten wurde, wurde dieser auf Kosten des Lebens und des Bluts der Arbeiter geführt. Er war das Vorspiel für den bevorstehenden Weltkrieg. Die Regierung, welche aus Republikanern, Stalinisten und Anarchisten zusammengesetzt war, war offensichtlich militärisch unterlagen. Natürlich eilten die Trotzkisten der Republik zur Hilfe, die „durch die faschistische Gefahr bedroht wurde”. Ein Krieg kann natürlich nicht fortgesetzt werden, wenn es an Kämpfern und Material fehlt. Er würde zum Erliegen kommen. Aus Angst vor solch einer Perspektive, wo man nichts mehr verteidigen könnte, setzen die Trotzkisten alles daran, Kämpfer für die internationalen Brigaden zu rekrutieren und bringen alle Mittel für die Entsendung von „Kanonen für Spanien” auf. Aber die republikanische Regierung, zu der Azaña, Negrin, Francos Freunde von gestern und heute gehören, sind die Feinde der Arbeiterklasse. Die Trotzkisten schauen nicht so genau hin. Sie verhandeln nicht ihre Hilfe. Man ist für oder gegen die Verteidigung. Wir Trotzkisten, wir sind Neo-Verteidiger. Punkt, basta!
1938 tobte der Krieg im Fernen Osten. Japan griff das China Tschiang Kai-Sheks an. Ah! Keine Zögerungen! „Alle geschlossen wie ein Mann für die Verteidigung Chinas”. Trotzki selbst erklärte, dies sei nicht der Zeitpunkt, um das blutige Massaker der Tausenden und Tausenden Arbeiter Shanghais und Kantons durch die Armeen des gleichen Tschiang Kai-Sheks während der Revolution von 1927 in Erinnerung zu rufen. Die Regierung Tschiang Kai-Shek mag wohl eine kapitalistische Regierung sein, die im Solde des amerikanischen Imperialismus steht, und die bei der Ausbeutung und der Repression der Arbeiter dem japanischen Regime in nichts nachsteht, all das zählt wenig angesichts des höheren Prinzips der nationalen Unabhängigkeit. Das internationale Proletariat, das für die Unabhängigkeit des chinesischen Kapitalismus mobilisiert wurde, bleibt immer unabhängig… vom Yankee-Imperialismus, aber Japan hat tatsächlich China verloren und ist geschlagen worden. Die Trotzkisten können zufrieden sein. Zumindest haben sie die Hälfte ihres Ziels erreicht. Es stimmt, dass dieser antijapanische Sieg Dutzende Millionen von Arbeitern, die im sieben Jahre dauernden Krieg an allen Fronten während des Weltkriegs massakriert wurden, das Leben gekostet hat.[10] Aber zählt das neben der garantierten Unabhängigkeit Chinas?
1939 griff Hitler-Deutschland Polen an. Vorwärts mit der Verteidigung Polens. Aber der russische „Arbeiterstaat” griff ebenfalls Polen an, und fiel zudem noch in Finnland ein und entriss Rumänien Gebietsstreifen. Das stiftet ein wenig Verwirrung in den Köpfen der Trotzkisten, die wie die Stalinisten erst wieder klarer sehen als die Feindseligkeiten zwischen Deutschland und Russland ausbrachen. Danach wurde die Lage wieder einfacher, zu einfach, tragisch einfach. Fünf Jahre lang riefen die Trotzkisten die Arbeiter aller Länder dazu auf, sich für die „Verteidigung der UdSSR” abschlachten zu lasen und auf Umwegen alle Verbündeten der UdSSR. Sie bekämpften die Regierung Vichys, die das französische Kolonialreich Deutschland dienstbar machen wollte und somit „seine Einheit” aufs Spiel setzte. Sie bekämpften Pétain und andere Quisling [11]. In den USA forderten sie die Kontrolle der Armee durch die Gewerkschaften, um besser die Verteidigung der UdSSR gegen die Bedrohung durch den deutschen Faschismus sicherzustellen. Sie waren bei allen Maquis, allen Résistance in allen Ländern präsent. Dies war die Blütezeit der „Verteidigung”.
Der Krieg mag wohl zu Ende kommen, aber der tiefgreifende Wunsch der Trotzkisten nach „Verteidigung” ist unbegrenzt. Das weltweite Chaos, das dem offiziellen Ende des Krieges folgte, die verschiedenen Bewegungen rasender Nationalismen, die bürgerlich-nationalistischen Erhebungen in den Kolonien, waren allemal Ausdrücke des weltweiten Chaos nach dem offiziellen Ende des Krieges, welches schließlich durch die Großmächte benutzt und angefacht wurde, um sie ihren imperialistischen Interessen unterzuordnen. Sie lieferten genug Stoff für die Trotzkisten zur Rechtfertigung ihrer „Verteidigungsargumentation“. Vor allem im Namen der bürgerlichen Kolonialbewegungen, unter den Fahnen der „nationalen Befreiung” und des „Kampfes gegen den Imperialismus” (eine verbalradikaler Schlachtruf) schlachtete man weiter Tausende Arbeiter ab. All das stellt den Höhepunkt der „Verteidigungsaufrufe” der Trotzkisten dar.
In Griechenland prallten der russische und anglo-amerikanische Block um die Vorherrschaft auf dem Balkan aufeinander; vor Ort geschah dies in Form von Partisanenkämpfen gegen die offizielle Regierung. Die Trotzkisten waren mit dabei. „Finger weg von Griechenland”, schrien sie, und sie kündigten die gute Nachricht den Arbeitern an, nämlich die Gründung von internationalen Brigaden auf dem jugoslawischen Territorium des Befreiers Tito [12], wo sie die Arbeiter dazu aufriefen, in Brigaden zum Kampf um die Befreiung Griechenlands einzutreten.
Nicht weniger enthusiastisch berichten sie von ihren heldenhaften Kämpfen in China in den Reihen der sog. Kommunistischen Armee, die genau so kommunistisch ist wie die russische Regierung Stalins, von der sie abstammt. Indochina, wo die Massaker ebenfalls gut organisiert worden sind, wird erneut ein Paradebeispiel für die trotzkistische Verteidigung der „nationalen Unabhängigkeit Vietnams” sein. Mit dem gleichen generösen Elan unterstützten und verteidigten die Trotzkisten die nationale bürgerliche Partei Destour in Tunesien, der nationalen bürgerlichen Partei (PPA) in Algerien. Sie fanden Befreiungstugenden bei der MDRM, der bürgerlich nationalistischen Bewegung in Madagaskar. Die Verhaftung von Funktionären der Republik und von Abgeordneten in Madagaskar durch die kapitalistische Regierung Frankreichs trieb die Empörung der Trotzkisten auf den Höhepunkt. Jede Woche wurde La Vérité mit neuen Aufrufen für die Verteidigung der „armen” Abgeordneten Madagaskars gedruckt. „Befreit Ravoahanguy, befreit Raharivelo, befreit Roseta!” Der Platz in der Zeitung reichte nicht mehr, um all die Aufrufe zur „Verteidigung”, an der sich die Trotzkisten beteiligen sollten, zu veröffentlichen. Verteidigung der in den USA bedrohten stalinistischen Partei! Verteidigung der pan-arabischen Bewegung gegen den jüdischen Kolonisationszionismus in Palästina, und Verteidigung der Wütenden vor der chauvinistischen jüdischen Kolonisation, der terroristischen Führer des Irgun gegen England!
Verteidigung der Sozialistischen Jugend gegen das Führungskomitee der SFIO.
Verteidigung der SFIO gegen denn neo-sozialistischen Ramadier.
Verteidigung der CGT (französische Gewerkschaft) gegen ihre Führer
Verteidigung der „Freiheiten…. gegen die Bedrohungen durch die „Faschisten um de Gaulle”
Verteidigung der Verfassung gegen die Reaktion
Verteidigung der Regierung von PS-PC-CGT gegen die MRP.
Und über allem stehend Verteidigung des „armen” Russlands Stalins, das von einer Umzingelung durch die USA bedroht ist.
Arme, arme Trotzkisten, auf den zarten Schultern lastet die schwere Bürde so vieler „Verteidiger”!
Am 31. Mai diesen Jahres hat etwas Sensationelles stattgefunden: Abd-al-Krim, der alte Führer des Rifs [13], hat die französische Regierung einfach stehen lassen, indem er bei seiner Überstellung nach Frankreich flüchtete. Diese Flucht wurde durch die Komplizenschaft des Königs Faruk aus Ägypten vorbereitet und ausgeführt, der ihm Asyl anbot, das man königlich nennen kann. Das Ganze erfolgte mit ziemlichem Wohlwollen der USA. Die Presse und die französische Regierung sind bestürzt. Die Lage Frankreichs in den Kolonien ist alles andere als sicher, und es wird neue Unruhen geben. Aber mehr als eine wirkliche Gefahr ist die Flucht Abd-al-Krims vor allem ein Ereignis, das Frankreich lächerlich aussehen lässt, dessen Prestige auf der Welt ohnehin schon angeschlagen ist. Auch versteht man die Proteste der ganzen Presse, die sich über den Vertrauensbruch Abd-al-Krims gegenüber der demokratischen französischen Regierung beschweren, der trotz seines Ehrenwortes flüchtete.
Dies ist natürlich ein „tolles” Ereignis für unsere Trotzkisten, die vor Freude mit den Füßen trampeln. La Vérité vom 6. Juni titelt „Bravo Abd-al-Krim”, sie empfindet Mitleid mit dem, der „den heldenhaften Kampf des marokkanischen Volkes anführte”. La Vérité lobt die revolutionäre Größe seiner Geste. „Wenn sie diese Herren des Generalsstabs und des Ministeriums der Kolonien getäuscht haben, haben sie das toll gemacht. Man muss wissen, wie man die Bourgeoisie hinters Licht führt, sie belügt, sie austrickst, lehrte uns Lenin”, schreibt La Vérité. So wurde Abd-al-Krim zu einem Schüler Lenins gemacht, in Erwartung, dass er ein Ehrenmitglied des Exekutivkomitees der 4. Internationale wird.
Die Trotzkisten versichern uns, „als alter Kämpfer des Rifs, der wie in der Vergangenheit die Unabhängigkeit seines Landes wollte,… so lange wie Abd-al-Krim kämpft, werden alle Kommunisten auf der Welt ihm helfen und ihn unterstützen”. Sie sagen zum Schluss: „Was gestern die Stalinisten sagten, wiederholen wir Trotzkisten heute”.
Tatsächlich könnte man das nicht deutlicher sagen.
Aber wir werfen den Trotzkisten nicht vor, „das heute zu wiederholen, was die Stalinisten gestern gesagt haben” und das zu tun, was die Stalinisten immer getan haben. Wir werfen den Trotzkisten auch nicht vor, das zu „verteidigen” was sie wollen. Sie erfüllen eigentlich ganz ihre Rolle.
Aber es möge uns gestattet sein, einen Wunsch auszudrücken, einen einzigen Wunsch. Mein Gott! Hoffen wir, dass die Notwendigkeit der Verteidigung der Trotzkisten nicht eines Tages dem Proletariat zufällt. Denn mit dieser Art Verteidigung wird die Arbeiterklasse sich nie mehr erheben können.
Die Erfahrung mit dem Stalinismus reicht vollkommen!
Marc
[1] Siehe unsere Broschüre La Gauche Communiste de France.
[2] Siehe unseren Artikel „La Gauche Communiste et la continuité du marxisme“.
[3] Siehe dazu das erste Kapitel unserer Broschüre zur „Gauche Communiste de France“. Die gescheiterten Versuchte der Schaffung einer Gauche Communiste de France.
[4] (Hinweis der Redaktion) Ein besonderer Hinweis auf Munis sei hier angebracht, welcher mit dem Trotzkismus auf der Grundlage der Verteidigung des proletarischen Internationalismus brach. Siehe dazu unseren Artikel in Internationale Revue Nr. 58 (französische Ausgabe). Dem Gedenken an Munis, Kämpfer der Arbeiterklasse. A la mémoire de Munis, un militant de la classe ouvrière.
[5] (Hinweis der Redaktion): Es handelt sich um die russische Offensive 1939, die neben Finnland auch auf Polen gerichtet war (das seinerzeit von Hitler überfallen wurde), sowie auf die Baltischen Staaten und Rumänien.
[6] Es ist ganz typisch, dass die Gruppe Johnson-Forest, die sich von der Partei Schachtmans getrennt hat und sich als „sehr links“ bezeichnet, weil sie gleichzeitig die Verteidigung der UdSSR ablehnt und die antirussischen Positionen Schachtmans, dass die gleiche Gruppe heftig die französischen Trotzkisten kritisiert, die ihnen zufolge sich nicht direkt aktiv genug an der „Résistance‘ beteiligt haben. Dies ist ein typisches Beispiel des Trotzkismus.
[7] (Hinweis der Redaktion): Forces Françaises de l‘Intérieur, Gesamtheit der militärischen Gruppen der französischen inneren Résistance, die im besetzten Frankreich gebildet worden waren, und im März 1944 unter den Befehl des General Königs und der politischen Autorität des General de Gaulles gestellt worden war.
[8] (Hinweis der Redaktion): Parti Communiste Internationaliste, Ergebnis des Zusammenschlusses 1944 der Parti Ouvrier Internationaliste und des Comité Communiste Internationaliste
[9] (Hinweis der Redaktion) Völkerbund, Vorläufer vor dem Krieg der Vereinten Nationen
[10] Man lese zum Beispiel La Vérité vom 20.06.1947. „Der heldenhafte Kampf der chinesischen Trotzkisten“: In der Provinz Chandung wurden unsere Genossen zu den besten Kämpfern der GuerillaÖ In der Provinz Xiang-Chi wurden die Trotzkisten von den Stalinisten als die ‘loyalsten Kämpfer gegen Japan’ begrüßt. Usw.
[11] (Hinweis der Redaktion): Vidkum Quisling war der Führer der norwegischen Nasjonal Samling (Nazipartei) und Führer der Phantomregierung, die von Deutschland nach der Besetzung Norwegens eingesetzt worden war.
[12] (Hinweis der Redaktion): Josip Broz Tito war einer der Hauptverantwortlichen der jugoslawischen Résistance am Ende des Krieges.
[13] (Hinweis der Redaktion) Mohammed Abd al-Karim Al Khattabi (in Ajdir, Marokko,ca. 1882 geboren), verstorben am 6.Februar 1963 in Kairo in Ägypten), führte einen langen Widerstandskampf gegen die Kolonialbesetzung des Rifs – Bergregion im Norden Marokkos – zunächst gegen die Spanier, dann gegen die Franzosen. Ihm gelang es 1922 , eine „Konföderierte Republik der Stämme des Rifs“ auszurufen. Der Krieg zur Niederschlagung dieser neuen Republik wurde von einer Armee von 450.000 Soldaten geführt, die Frankreich und Spanien zusammengestellt hatten. Als er sah, dass seine Sache aussichtslos war, stellte sich Abd-al-Krim den Behörden als Kriegsgefangener, um das Leben von Zivilisten zu schützen, was aber die Franzosen nicht daran hinderte, die Dörfer mit Senfgas zu bombardieren, wodurch 150.000 Menschen getötet wurden. Abd-al-Krim ging ab 1926 nach La Réunion ins Exil, wo er unter Hausüberwachung stand, aber 1947 durfte er nach Frankreich zurückkehren. Als sein Schiff in Ägypten Zwischenstop machte, übertölperte er seine Bewacher, und verbrachte den Rest seines Lebens in Kairo. (siehe Wikipedia).
Links
[1] https://de.internationalism.org/files/de/trotzkismus_gegen_die_arbeiterklasse_1-a-kor_0.pdf
[2] https://www.marxists.org/archive/trotsky/1904/tasks/index.htm
[3] https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1904/orgfrage/text.htm
[4] https://www.marxists.org/deutsch/archiv/hallas/1970/08/sedowa.htm
[5] https://de.internationalism.org/en/tag/leute/trotzki
[6] https://de.internationalism.org/en/tag/politische-stromungen-und-verweise/trotzkismus
[7] https://de.internationalism.org/en/tag/entwicklung-des-proletarischen-bewusstseins-und-der-organisation/franzosische-kommunistische