Außerordentliche Konferenz der IKS: Der Kampf für die Verteidigung der organisatorischen Prinzipien

Der Kampf um die Verteidigung organisatorischer Prinzipien

Zu Beginn dieses Jahres beschloss die IKS, den 15. Kongress ihrer Sektion in Frankreich in eine Außerordentliche Internationale Konferenz umzuwandeln. Motiviert wurde der Beschluss durch den offenen Ausbruch einer Krise in der Organisation, die unmittelbar nach unserem 14. Internationalen Kongress im April 2001 folgte. Diese Krise hatte zu einer Abkehr mehrerer Militanter von unserer Organisation geführt, die sich gegenwärtig als, wie sie es nennen, „Interne Fraktion der IKS“ gesammelt haben. Wie wir sehen werden, stellte die Konferenz fest, dass diese Militanten sich selbst vorsätzlich außerhalb der Organisation gestellt haben, auch wenn sie heute jedem gegenüber, der ihnen zuzuhören bereit ist, behaupten, dass sie „ausgeschlossen“ worden seien.

Obwohl die Konferenz sich größtenteils auf organisatorische Fragen konzentrierte, wurde auch die Analyse der internationalen Situation diskutiert und eine Resolution verabschiedet, die in dieser Ausgabe der Internationalen Revue veröffentlicht ist.

Zweck dieses Artikels ist es, Rechenschaft abzulegen über die wichtigste Arbeit der Konferenz, über das Wesen ihrer Diskussionen und Beschlüsse zu organisatorischen Fragen, da dies ihr Hauptzweck war. Er soll ebenso unsere Analyse der selbsternannten „Internen Fraktion der IKS“ darlegen, die sich heute als wahre Vertretung der organisatorischen Errungenschaften der IKS präsentiert, doch in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine neue parasitäre Gruppierung wie diejenigen, mit denen die IKS und andere Organisationen aus dem politischen Milieu des Proletariats bereits in der Vergangenheit konfrontiert waren. Bevor wir uns jedoch mit diesen Fragen beschäftigen, ist es notwendig, eine andere zu berücksichtigen, die  Gegenstand vieler Missverständnisse im heutigen proletarischen politischen Milieu gewesen war: die Bedeutung der Fragen der Funktionsweise von kommunistischen Organisationen.

Wir sagen dies, weil wir oft die Bemerkung gehört und gelesen haben, dass „die IKS besessen ist von Organisationsfragen“ oder dass „ihre Artikel über diese Frage von keinerlei Interesse und lediglich interne Angelegenheit der IKS sind“. Solcherlei Beurteilung ist bei jenen Nicht-Militanten, die mit den Positionen des Linkskommunismus sympathisieren, durchaus nachvollziehbar. Wenn man nicht Mitglied einer politischen Organisation des Proletariats ist, ist es natürlich schwierig, die Probleme voll zu erfassen, auf die eine Organisation bei ihrem Funktionieren stoßen kann. So weit, so gut. Dagegen ist es erstaunlich, auf solcherlei Kommentierung bei Mitgliedern von organisierten politischen Gruppierungen zu treffen. Dies ist einer der Ausdrücke der Schwäche des proletarischen politischen Milieus, die aus dem organischen und politischen Bruch zwischen den heutigen Organisationen und jenen der vergangenen Arbeiterbewegung infolge der Konterrevolution resultierte, welche die Klasse vom Ende der 1920er Jahre bis zum Ende der 1960er Jahre in Schach gehalten hatte.

Aus diesem Grund beginnen wir, bevor wir uns mit den die Konferenz betreffenden Fragen befassen, mit einer kurzen Erinnerung an einige organisatorische Lehren der vergangenen Arbeiterbewegung, und zwar auf der Grundlage zweier der bekanntesten: der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) bzw. der I. Internationale (in der Marx und Engels Mitglieder waren) und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), aus der die bolschewistische Partei hervorging, die die Führung der einzigen proletarischen Revolution inne hatte, ehe sie infolge ihrer internationalen Isolation degenerierte. Wir werden besonders auf die beiden Kongresse dieser Organisationen schauen, auf denen Organisationsfragen im Mittelpunkt standen: den Haager Kongress der IAA von 1872 und den Kongress der

SDAPR von 1903, bei dem es zur Entstehung der bolschewistischen und menschewistischen Fraktionen gekommen ist, welche in der Revolution 1917 eine direkt entgegengesetzte Rolle spielen sollten.

Die IAA wurde im September 1864 in London auf Initiative einer Reihe von französischen und englischen Arbeiter gegründet. Sie nahm von Anfang an eine zentralisierte Struktur an, mit einem Zentralrat, der nach dem Genfer Kongress 1866 als Generalrat bekannt wurde. Marx sollte eine führende Rolle innerhalb des Rats spielen, da es an ihm lag, eine große Zahl seiner elementarsten Texte zu verfassen, wie die Inauguraladresse der IAA, ihre Statuten, und die Adresse über die Pariser Kommune. Die IAA (oder die „Internationale“, wie die Arbeiter sie nannten) wurde schnell zu einer „Macht“ in den fortgeschrittenen Ländern (vor allem in Westeuropa). Bis zur Pariser Kommune von 1871 sammelte sie eine wachsende Zahl von Arbeitern um sich und war der ausschlaggebende Faktor bei der Entwicklung der beiden wesentlichen Waffen des Proletariats: ihrer Organisation und ihres Bewusstseins. Daher wurde die Internationale zur Zielscheibe wachsender brutaler Angriffe der Bourgeoisie: Presseverleumdung, Infiltration durch Informanten, Verfolgung ihrer Mitglieder, etc. Doch die größte Gefahr drohte der IAA von den Angriffen einiger ihrer Mitglieder gegen die eigentliche Organisationsweise der Internationalen.

 Bereits zum Zeitpunkt der Gründung der IAA wurden die provisorischen Regeln von den Pariser Sektionen, die stark von Proudhons föderalistischen Auffassungen beeinflusst waren, auf eine Weise übersetzt, die den zentralisierten Charakter der Internationalen erheblich schwächte. Doch die gefährlichsten Angriffe sollten später erfolgen, mit dem Eintritt der von Bakunin gegründeten Allianz der sozialistischen Demokratie in ihre Reihen. Ersterer sollte fruchtbaren Boden innerhalb wichtiger Sektionen der Internationalen finden; eine Folge ihrer eigenen Schwächen, die umgekehrt das Resultat der Schwächen des Proletariats zu jener Zeit waren, ein Merkmal seines frühen Entwicklungsstadiums.

Diese Schwächen äußerten sich besonders in den rückständigsten Bereichen des europäischen Proletariats, wo es sich gerade von den Klassen der Bauern und Handwerker gelöst hatte. Bakunin, der der Internationalen 1868 nach dem Zusammenbruch der Liga für Frieden und Freiheit beitrat, nutzte diese Schwächen aus, um zu versuchen, die Internationale seinen anarchistischen Auffassungen zu unterwerfen und sie unter seine Kontrolle zu bringen. Das Werkzeug für diese Operation sollte die Allianz der sozialistischen Demokratie sein, die er als eine Minderheit in der Liga für Frieden und Freiheit gegründet hatte.

Letztere war eine Organisation bürgerlicher Republikaner, gegründet auf Initiative von Garibaldi und Victor Hugo, deren Hauptziel es war, mit der IAA um die Unterstützung durch die Arbeiterklasse zu buhlen. Bakunin war ein Führungsmitglied der Liga für Frieden und Freiheit, der er, wie  er behauptete, den „revolutionären Impetus“ verliehen und dazu gedrängt habe, eine Fusion mit der IAA vorzuschlagen, die von der IAA auf ihrem Brüsseler Kongress 1868 verweigert wurde. Nach dem Scheitern der Liga für Frieden und Freiheit beschloss Bakunin, der IAA beizutreten, nicht als bloßer Militanter, sondern als Teil der Führung.

“Um sich als Haupt der Internationalen zur Geltung zu bringen, musste er als Haupt einer anderen Armee dastehen, deren absolute Ergebenheit gegen seine Person ihm durch eine geheime Organisation gesichert war. Hatte er seine Gesellschaft einmal offen in die Internationale eingepflanzt, dann rechnete er darauf, jene in alle Sektionen zu verzweigen und sich hierdurch deren absolute Leitung zu verschaffen. Zu diesem Zwecke gründete er in Genf die (öffentliche) Allianz der sozialistischen Demokratie. (...) Aber diese öffentliche Allianz barg in sich eine andere, die ihrerseits durch die noch geheimere Allianz der internationalen Brüder, der Hundert-Garden des Diktators Bakunin, geleitet wurde.“[i] (Ein Bericht über die Allianz, den Marx, Engels, Lafargue und andere Militante im Auftrag des Haager Kongresses der IAA verfassten.)

Die Allianz war also eine öffentliche und eine geheime Gesellschaft, die tatsächlich dazu neigte, eine Internationale innerhalb der Internationalen zu bilden. Ihre geheime Struktur und die geheimen Absprachen, die so ihren Mitgliedern ermöglicht wurden, bezweckten, ihren „Einfluss“ über so viel Sektionen der IAA wie möglich zu sichern, besonders jener, in denen anarchistische Auffassungen auf ein großes Echo stießen. Für sich genommen, stellte die Existenz von mehreren verschiedenen Gedankenrichtungen innerhalb der IAA kein Problem dar. Die Aktivitäten der Allianz, die auf die Ersetzung der offiziellen Strukturen der IAA abzielten, waren dagegen ein ernsthafter Faktor der Desorganisation und bedrohten die eigentliche Existenz Letzterer. Die Allianz versuchte zuerst auf dem Basler Kongress im September 1869, die Kontrolle über die Internationale zu übernehmen, indem sie versuchte, einen Antrag zugunsten der Abschaffung des Erbrechts gegen den vom Generalrat vorgeschlagenen Antrag durchzusetzen. Dieses Ziel vor Augen, unterstützten ihre Mitglieder, insbesondere Bakunin und James Guillaume, wärmstens eine administrative Resolution, die die Macht des Generalrats stärken sollte. Nachdem sie mit ihrem eigenen Anliegen gescheitert war, begann die Allianz (die selbst Geheimstatuten verabschiedet hatte, die auf einer extremen Zentralisierung beruhten) jedoch eine Kampagne gegen die „Diktatur“ des Generalrats, um damit zu erreichen, ihn auf die Rolle eines „Statistik- und Verbindungsbüros“, um den Begriff der Allianz zu benutzen, oder eines bloßen „Briefkastens“, wie Marx ihr entgegnete, zu reduzieren. Entgegen dem Prinzip der Zentralisierung als einem Ausdruck der internationalen Einheit des Proletariats predigte die Allianz den „Föderalismus“, die vollständige „Autonomie der Sektionen“ und die Unverbindlichkeit von Kongressbeschlüssen. In der Tat wollte die Allianz in den Sektionen, die unter ihre Kontrolle geraten waren, tun, was sie wollte. Der Weg zur vollständigen Desorganisation der IAA wäre offen gewesen.

Dies war die Gefahr, der sich der Haager Kongress von 1872 gegenübersah. Dieser Kongress war im Wesentlichen den Organisationsfragen gewidmet. Wie wir in der Internationalen Revue Nr. 19 geschrieben haben, „wurde es nach dem Fall der Pariser Kommune zur absoluten Priorität für die Arbeiterbewegung, den Ballast ihrer eigenen sektiererischen Vergangenheit abzuschütteln, den Einfluss des kleinbürgerlichen Sozialismus zu überwinden. Dieser politische Rahmen erklärte die Tatsache, dass die zentrale Frage, die auf dem Haager Kongress behandelt wurde, nicht die Pariser Kommune selbst war, sondern die Verteidigung der Statuten der Internationalen gegen die Komplotte Bakunins und seiner Anhänger.“ (Der Haager Kongress von 1872: Der Kampf gegen den politischen Parasitismus, MEW 18)

Nach der Bestätigung der Beschlüsse der Londoner Konferenz, die ein Jahr zuvor abgehalten worden war, insbesondere derjenigen, die die Notwendigkeit für die Arbeiterklasse betreffen, ihre eigene politische Partei zu schaffen, und jener über die Stärkung der Autorität des Generalrats, debattierte der Kongress auf der Grundlage eines Berichts einer Untersuchungskommission die Frage der Allianz und beschloss letztendlich den Ausschluss von Bakunin und James Guillaume, der Führer der Jura-Föderation der IAA, die völlig unter der Kontrolle der Allianz  stand. Es lohnt sich, gewisse Aspekte im Verhalten von Mitgliedern der Allianz am Vorabend des Kongresses zu beleuchten:

            Mehrere von der Allianz kontrollierte Sektionen (insbesondere die Jura-Föderation sowie bestimmte Sektionen in Spanien und in den Vereinigten Staaten) weigerten sich, ihren Beitrag an den Generalrat zu zahlen, und ihre Delegierten beglichen ihre Schulden (der ausstehenden Beiträge) erst, als sie die Gültigkeit ihres Mandats gefährdet sahen.

            Die Delegierten der von der Allianz kontrollierten Sektionen erpressten den Kongress regelrecht, forderten, dass er seine eigenen Regeln verletze, indem er allein die auf einem imperativen Mandat beruhenden Stimmen berücksichtige, und drohten mit ihrem Rückzug, falls der Kongress nicht ihren Forderungen entspreche.[ii]

            Bestimmte Mitglieder der Allianz weigerten sich, mit der vom Kongress ernannten Untersuchungskommission zu kooperieren oder sie überhaupt anzuerkennen, indem sie diese der „Heiligen Inquisition“ beschuldigten.[iii]

Dieser Kongress war ein Höhepunkt im Leben der IAA (es war der einzige Kongress, an dem Marx und Engels teilnahmen, was erahnen lässt, wie wichtig sie ihn nahmen), aber auch ihr Schwanengesang auf die vernichtende Niederlage der Pariser Kommune und die Demoralisierung, die diese innerhalb des Proletariats ausgelöst hatte. Marx und Engels waren sich dieser Realität bewusst. Daher schlugen sie neben den Maßnahmen, um die IAA vor den Händen der Allianz fernzuhalten, auch vor, dass der Generalrat nach New York umzieht, weit entfernt von den Konflikten, die die Internationale spalteten. Es war zugleich ein Mittel, um der Internationalen zu erlauben, einen natürlichen Tod zu sterben (der auf der Konferenz von Philadelphia 1876 bestätigt wurde), ohne dass ihr Prestige von den bakunistischen Intriganten gefleddert wurde.

Sie und die Anarchisten haben (wenn sie nicht gerade den Konflikt zwischen Marx und Bakunin als persönliche Frage erklärten) die Legende fortleben lassen, dass Marx und der Generalrat Bakunin und Guillaume wegen ihrer unterschiedlichen Vision in der Frage des Staates ausgeschlossen hätten. Kurz, Marx wurde unterstellt, Meinungsverschiedenheiten über allgemeine, theoretische Fragen mit administrativen Mitteln regeln zu wollen. Nichts liegt der Wahrheit ferner.

Der Haager Kongress ergriff keine Maßnahmen gegen die Mitglieder der spanischen Delegation, die Bakunins Ideen teilten und der Allianz angehörten, aber erklärten, dass dies nicht mehr der Fall sei. Auch bestand die „Antiautoritäre IAA“, die nach dem Haager Kongress von den Föderationen gegründet wurde, welche sich weigerten, seine Beschlüsse zu akzeptieren, nicht allein aus Anarchisten, da sie auch die deutschen Lassalleaner umfasste, die eifrige Vertreter des „Staatssozialismus“ waren, um in den Worten von Marx zu sprechen. In der Tat fand der wahre Kampf innerhalb der IAA zwischen denjenigen, die für die Einheit der Arbeiterbewegung (und damit für den bindenden Charakter der Kongressbeschlüsse) standen, und denjenigen statt, die das Recht forderten zu tun, was immer sie wollten, jeder isoliert von den anderen, mit einem Kongress als Versammlung, auf der jeder seine „Ansichten“ mit den Anderen austauschen kann, ohne einen Beschluss zu fassen. Mit dieser informellen Organisationsart wäre es der Allianz leicht gefallen, insgeheim eine wirkliche Zentralisierung der Föderationen durchzuführen, wie Bakunins Korrespondenz ausdrücklich feststellt. Diese „antiautoritären“ Auffassungen in der Internationalen wirken zu lassen wäre der beste Weg gewesen, sie den Intrigen, der versteckten und unkontrollierten Macht der Allianz, mit anderen Worten: den Abenteurern, die sie anführten, auszuliefern.

Der 2. Kongress der SDAPR war Anlass einer ähnlichen Konfrontation zwischen den Vertretern einer proletarischen Auffassung der revolutionären Organisation und jenen einer kleinbürgerlichen Auffassung.

Es gibt Ähnlichkeiten zwischen der Situation der westeuropäischen Arbeiterbewegung zur Zeit der IAA und der Bewegung in Russland zur Jahrhundertwende. In beiden Fällen befand sich die Arbeiterbewegung immer noch im jugendlichen Stadium, wobei der Zeitunterschied zwischen beiden der verspäteten industriellen Entwicklung Russlands entsprach. Die Absicht der IAA war es, die verschiedenen Arbeitervereinigungen, die die Entwicklung des Proletariats geschaffen hatte, in einer vereinten Organisation zu sammeln. Ähnlich war es das Ziel des 2. Kongresses der SDAPR, die verschiedenen Komitees, Gruppen und Zirkel der Sozialdemokratie, welche sich in Russland und im Exil entwickelt hatten, zu vereinen. Nach dem Verschwinden des Zentralkomitees, das auf dem 1. Kongress der SDAPR 1897 gebildet worden war, gab es fast keine formellen Verbindungen mehr zwischen diesen verschiedenen Formationen. Der 2. Kongress sah sich somit wie die IAA einer Konfrontation zwischen der Auffassung einer die Vergangenheit der Bewegung repräsentierenden Organisation, jener der „Menschewiki“ („Minderheit“), und einer Auffassung gegenüber, die die Erfordernisse der neuen Situation ausdrückte, jene der „Bolschewiki“ („Mehrheit“).

Die menschewistische Vorgehensweise war, wie später deutlich wurde (sehr schnell in der Revolution von 1905 und natürlich noch mehr während der Revolution von 1917, als die Menschewiki auf der Seite der Bourgeoisie standen), von bürgerlichen und kleinbürgerlichen Ideologien durchdrungen, insbesondere von der anarchistischen Vielfalt innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Insbesondere bestand, wie Lenin bemerkte, „die Opposition [d.h. die Menschewiki] in ihrer Mehrheit aus den intellektuellen Elementen der Partei“, die somit zu Trägern kleinbürgerlicher Auffassungen in der Organisationsfrage wurden. Diese Elemente erhoben infolgedessen „das Banner der Rebellion gegen die unabdingbaren Einschränkungen durch die Organisation, und sie errichteten ihren spontanen Anarchismus zum Kampfprinzip, indem sie mehr ‚Toleranz‘ forderten, etc.“ (Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück, LW Bd. 7, S. 197ff) Und in der Tat gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen dem Verhalten der Menschewiki und jenem der Anarchisten in der IAA (Lenin sprach bei mehreren Gelegenheiten vom menschewistischen „Edelanarchismus“).

Wie die Anarchisten nach dem Haager Kongress, so weigerten sich die Menschewiki, die Beschlüsse des 2. Kongresses der SDAPR anzuerkennen und anzuwenden, indem sie erklärten, dass „der Kongress nicht göttlich ist“ und dass „seine Beschlüsse nicht heilig sind“. Insbesondere war – genauso wie bei den Anarchisten, die zum Krieg gegen das Prinzip der Zentralisierung und gegen die „Diktatur des Generalrats“ übergingen, als sie daran gescheitert waren, die Kontrolle über ihn zu erlangen - ein Grund, warum die Menschewiki begannen, nach dem Kongress die Zentralisierung abzulehnen, die Tatsache, dass einige von ihnen aus den vom Kongress gewählten Zentralorganen herausgewählt wurden. Es gibt sogar Ähnlichkeiten in der Art und Weise, wie die Menschewiki ihre Kampagne gegen Lenins „persönliche Diktatur“ und „eiserne Faust“ führten; sie war ein Widerhall auf Bakunins Beschuldigungen gegen die „Diktatur“ Marx‘ über den Generalrat.

„Betrachte ich das Verhalten der Martow-

leute nach dem Parteitag, (...) so kann ich nur sagen, dass das ein irrsinniger, eines Parteimitglieds unwürdiger Versuch ist, die Partei zu sprengen ... und weshalb? Nur weil man unzufrieden ist mit der Zusammensetzung der Zentralstellen, denn objektiv war das die einzige Frage, in der wir uns trennten, die subjektiven Urteile aber (wie Kränkung, Beleidigung, Hinauswurf, Beseitigung, Verunglimpfung etc. etc.) sind die Frucht gekränkter Eigenliebe und krankhafter Phantasie. Diese krankhafte Phantasie und diese gekränkte Eigenliebe führen geradewegs zu schändlichen Klatschereien, nämlich dazu, dass man, ohne die Tätigkeit der neuen Zentralstellen kennengelernt und ohne sie gesehen zu haben, Gerüchte verbreitet über ihre ‚Arbeitsunfähigkeit‘, über die ‚eiserne Hand‘ eines Iwan Iwanowitsch, die ‚Faust‘ eines Iwan Nikiforowitsch usw. (...) Die russische Sozialdemokratie muss den letzten schwierigen Übergang vollziehen vom Zirkelwesen zum Parteiprinzip, vom Spießertum zur Erkenntnis der revolutionären Pflicht, vom Handeln auf Grund von Klatschereien und Zirkeleinflüssen zur Disziplin.“ (Lenin, Schilderung des II. Parteitags der SDAPR, LW Bd. 7, S. 20)

Es ist bemerkenswert, dass die Waffe der Erpressung, die damals von Guillaume und der Allianz benutzt worden war, auch Teil des menschewistischen Arsenals war. Martow, einer der Führer der Menschewiki, weigerte sich, am Redaktionskomitee der Parteipublikation Iskra teilzunehmen, in das er durch den Kongress gewählt worden war, weil seine Freunde Axelrod, Potressow und Sassulitsch nicht ernannt worden waren.

Aus den Beispielen der IAA und des 2. Kongresses der SDAPR können wir die Bedeutung der Fragen ersehen, die mit der Organisationsweise revolutionärer Formationen zusammenhängen. In der Tat waren dies die Fragen, die die erste Scheidung zwischen der proletarischen Strömung einerseits und bürgerlichen sowie kleinbürgerlichen Strömungen andererseits bewirkten. Diese Bedeutung ist kein Zufall. Sie entspringt exakt der Tatsache, dass einer der Hauptkanäle für die Infiltration von dem Proletariat fremden Ideologien – bürgerlich oder kleinbürgerlich – sich just in ihrer Funktionsweise befindet.

Marxisten haben der Organisationsfrage stets die höchste Aufmerksamkeit geschenkt. Innerhalb der IAA übernahmen Marx und Engels die Führung im Kampf für die Verteidigung proletarischer Prinzipien. Und es war kein Zufall, dass sie eine entscheidende Rolle beim Beschluss des Haager Kongresses spielten, den größten Teil seiner Arbeit der Organisationsfrage zu widmen und dagegen zwei der wichtigsten Ereignisse dieser Periode, mit denen die Arbeiterklasse damals konfrontiert wurde, weitaus weniger Aufmerksamkeit zu schenken: der deutsch-französische Krieg und die Pariser Kommune. Diese Priorität hat die meisten bürgerlichen Historiker dazu verleitet, diesen Kongress als weniger wichtig in der Geschichte der IAA zu betrachten, wohingegen er in Wahrheit der wichtigste war, da er es der späteren 2. Internationalen ermöglichte, neue Fortschritte in der Entwicklung der Arbeiterbewegung zu erzielen.

Auch innerhalb der 2.Internationalen wurde Lenins Beschäftigung mit der Organisationsfrage als „Obsession“ betrachtet. Die Streits, die die russische Sozialdemokratie vom Zaun brach, waren für die anderen sozialistischen Parteien unverständlich, und Lenin wurde als ein „Sektierer“ betrachtet, der nichts anderes als Spaltungen im Kopf habe. Tatsächlich war Lenin stark vom Kampf von Marx und Engels gegen die Allianz inspiriert. Die Gültigkeit dieser Auseinandersetzung sollte durch die Fähigkeit seiner Partei brillant demonstriert werden, die Führung in der Revolution von 1917 zu übernehmen.

Was die IKS angeht, so ist sie der Tradition von Marx und Lenin gefolgt, indem sie den Organisationsfragen die größte Aufmerksamkeit gewidmet hat. Im Januar 1982 widmete die IKS diesen Fragen infolge der Krise von 1981 eine Außerordentliche Konferenz.[iv] Schließlich führte unsere Organisation zwischen 1993 und 1996 eine grundsätzliche Auseinandersetzung, um ihre organisatorischen Belange zu stärken, gegen den „Zirkelgeist“ und für den „Partei-

geist“, wie Lenin sie 1903 definierte. Unsere Internationale Revue Nr. 16 liefert Rechenschaft über den 11. Kongress der IKS, der im Wesentlichen den Organisationsfragen gewidmet war, denen wir damals gegenüberstanden.[v] Wir verfolgten dies weiter durch eine Reihe von Artikeln über Organisationsfragen, die den Kämpfen innerhalb der IAA gewidmet waren (Internationale Revue, Nr. 17-20), und in Form von zwei Artikeln mit dem Titel „Sind wir ‚Leninisten‘ geworden?“ (Internationale Revue, Nr. 23-24) über den Kampf Lenins und der Bolschewiki in der Organisationsfrage. Und endlich publizieren wir in der vorliegenden Ausgabe große Auszüge aus einem internen Dokument über die Frage der Funktionsweise innerhalb der IKS, der als Orientierungstext für den Kampf von 1993–96 diente.

Ein transparentes Verhalten im Angesicht der Schwierigkeiten, auf die unsere Organisation stößt, hat nichts mit irgendeinem „Exhibitionismus“ unsererseits zu tun. Die Erfahrung kommunistischer Organisation ist ein integraler Bestandteil der Erfahrungen der Arbeiterklasse. Daher widmete Lenin dem 2. Kongress der

SDAPR ein ganzes Buch – Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück. Indem sie Rechenschaft über ihr Organisationsleben ablegt, tut die IKS nichts anderes, als ihre Verantwortung im Angesicht der Arbeiterklasse zu erfüllen.

Wenn eine revolutionäre Organisation ihre Probleme und internen Diskussionen veröffentlicht, ist dies natürlich ein gefundenes Fressen für all ihre Feinde, die darauf lauern, sie zu verunglimpfen. Dies ist auch und besonders bei der IKS der Fall. Wie wir auf unserem 11. Kongress gesagt haben: „Natürlich werden wir kein Lob in der bürgerlichen Presse ernten aufgrund der Schwierigkeiten, mit denen unsere Organisation jetzt kämpft. Die IKS ist noch zu klein – sowohl was Größe und Einfluss innerhalb der Arbeiterklasse angeht, so dass die Bourgeoisie noch kein Interesse daran hat, von uns zu sprechen und uns diskreditieren will. Die Bourgeoisie zieht es vor, eine Mauer des Schweigens aufzubauen um unsere Positionen und die Existenz revolutionärer Organisationen überhaupt. Deshalb sind die Verleumdung und die Sabotage unserer Intervention das Steckenpferd einer ganzen Reihe von Gruppen und parasitären Elementen, deren Funktion darin besteht, diejenigen abzuschrecken, die sich auf Klassenpositionen zubewegen, damit in ihnen das Gefühl der Abscheu gegenüber der Mitarbeit an der Entwicklung des proletarischen Milieus entsteht.

(...) Innerhalb der parasitären Bewegung gibt es heute voll entwickelte Gruppen wie die ‚Groupe Communiste Internationliste‘ (GCI) und ihre Abspaltung (wie ‚Gegen den Strom‘), die jetzt aufgelöste ‚Communist Bulletin Group‘ (CBG) aus Großbritannien und die Abspaltung der ehemaligen ‚Externen Fraktion der IKS‘, die alle aus Abspaltungen von der IKS hervorgingen. Aber das Parasitentum ist nicht auf solche Gruppen beschränkt. Es wird auch von unorganisierten Elementen getragen, die sich von Zeit zu Zeit zu Diskussionen treffen und deren Hauptsorge darin besteht, alles mögliche Gerede über unsere Organisation in Umlauf zu bringen.[vi] Zu diesen Leuten gehören oft ehemalige Mitglieder der IKS, die sich dem Druck der kleinbürgerlichen Ideologie ergeben und sich als unfähig erwiesen haben, ihr Engagement in der Organisation aufrechtzuerhalten, oder die darüber frustriert sind, dass die Organisation ihnen nicht die ‚Anerkennung‘ liefert, die sie meinten zu ‚verdienen‘. Oder sie hielten es nicht aus, sich der Kritik der Organisation zu stellen (...) Offensichtlich sind diese Leute völlig unfähig, irgendetwas Konstruktives aufzubauen. Dagegen sind sie sehr wirksam, wenn es darum geht, ihr Gerede zu verbreiten und das mit Schmutz zu besudeln, das zu zerstören und zu diskreditieren, was die Organisation dabei ist aufzubauen.“ (Internationale Revue Nr. 16, deutsche Ausgabe)

Dennoch wird das Gewese der Parasiten die IKS nicht daran hindern, dem gesamten proletarischen Milieu die Lehren seiner eigenen Erfahrung preiszugeben. Im Vorwort zu Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück, 1904, schrieb Lenin: „Sie (die Feinde, die Red.) feixen und sind schadenfroh über unsere Streitigkeiten; sie werden sich natürlich bemühen, einzelne Stellen aus meiner Broschüre, die den Mängeln und Unzulänglichkeiten unserer Partei gewidmet sind, für ihre Zwecke aus dem Zusammenhang zu reißen. Die russischen Sozialdemokraten haben bereits genügend im Kugelregen der Schlachten gestanden, um sich durch diese Nadelstiche nicht beirren zu lassen, um dessenungeachtet ihre Arbeit der Selbstkritik und rücksichtslosen Enthüllung der eigenen Mängel fortzusetzen, die durch das Wachstum der Arbeiterbewegung unbedingt und unvermeidlich ihre Überwindung finden werden. Die Herren Gegner aber mögen versuchen, uns ein Bild der wahren Sachlage in ihren ‚Parteien‘ zu zeigen, das auch nur im entferntesten dem Bild ähnelt, das die Protokolle unseres zweiten Parteitags bieten.“

Wir haben vor, dieselbe Vorgehensweise zu verfolgen, indem wir Rechenschaft über die Probleme der Funktionsweise ablegen, die im Mittelpunkt der Arbeit der Konferenz standen.

Die Ursprünge der jüngsten organisatorischen Schwierigkeiten der IKS

Der 11. Kongress der IKS nahm eine Resolution über ihre Aktivitäten an, die die Hauptlehren aus der 1993 durchlittenen Krise unserer Organisation und aus dem Kampf für ihre Genesung gezogen hatte. Wir veröffentlichten lange Auszüge in der Internationalen Revue Nr. 16, und wir zitieren sie hier erneut, da sie ein Licht auf unsere jüngsten Schwierigkeiten werfen.

„Der Rahmen für das Begreifen des Ursprungs der Schwächen ist eingebettet in den vom Marxismus geführten historischen Kampf gegen den Einfluss der kleinbürgerlichen Ideologie, der in den Organisationen des Proletariats zu spüren ist (...) Insbesondere ging es darum, dass die Organisation in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten genau wie die Bolschewiki von 1903 an den Kampf gegen den Zirkelgeist und für den Aufbau des Parteigeistes stellt (...) Deshalb war die Feststellung des Vorhandenseins eines starken Zirkelgeistes in unserer Anfangsphase ein Teil unserer allgemeinen Analyse, die wir seit langem erarbeitet hatten und die die Wurzeln unserer Schwächen auf den organischen Bruch der kommunistischen Organisationen zurückführte, welcher durch die Konterrevolution seit dem Ende der 20er Jahre entstanden war. Diese Feststellung erlaubte uns jedoch, einen Schritt weiterzugehen als die früheren Ergebnisse und tiefer an die Wurzeln unserer Schwächen heranzukommen. Dadurch haben wir besser das Phänomen verstanden, dass wir früher schon aufgedeckt, aber unzureichend angepackt hatten, nämlich die Bildung von Clans innerhalb der Organisation. Diese Clans waren tatsächlich das Ergebnis des grassierenden Zirkelgeistes, der sich länger am Leben hielt als die Phase, in der die Zirkel eine unvermeidbare Etappe bei der Neugründung der kommunistischen Avantgarde gewesen waren.“

In der Frage der Clans erwähnte unser Artikel über den 11. Kongress folgenden Punkt: „Diese Analyse stützte sich auf die Erfahrung der Arbeiterbewegung (z.B. die Haltung der alten Redakteure der Iskra, auf die Gruppe um Martow, welcher aus Unzufriedenheit mit den Entscheidungen des 2. Kongresses der SDAPR die menschewistische Fraktion gebildet hatte), aber auch auf Erfahrungen in der IKS. Wir können hier nicht in Einzelheiten gehen, aber hervorheben, dass die ‚Tendenzen‘ , die es in der IKS gegeben hat (...) viel eher auf eine jeweilige Clandynamik zurückzuführen waren als auf eine wirkliche Tendenz, die sich auf eine alternative positive Orientierung stützten. Die Haupttriebkraft dieser ‚Tendenzen‘ wurden nicht aufgrund von Divergenzen ihrer Mitglieder mit den Orientierungen der Organisation gebildet (...), sondern eher durch einen Zusammenschluss der Unzufriedenen und der Frustrierten mit den Zentralorganen und die persönliche Gefolgschaft gegenüber den Elementen, die sich als ‚Verfolgte‘ oder als unzureichend ‚anerkannt‘ ansahen.“

Dieser Artikel unterstrich, dass die gesamte IKS (einschließlich jener Militanter, die besonders stark darin verwickelt waren) erkannte, dass sie es mit einem Clan zu tun hatte, der sich einer besonders wichtigen Position in der Organisation bemächtigt hatte und der, obwohl er nicht einfach ein organisches Produkt der Schwächen der IKS war, „eine Vielzahl der gefährlichen Merkmale in sich konzentrierte und bündelte, mit denen die Organisation zu kämpfen hatte und deren gemeinsamer Nenner der Anarchismus war“ (Aktivitätenresolution des 11. IKS-Kongresses, Punkt 5). Die Resolution fuhr fort: „... haben wir nach Begreifen des Phänomens der Clans eine Reihe von schlechten Funktionsweisen aufdecken können, unter denen die meisten territorialen Sektionen litten“ (ebenda).

Sie zog eine Bilanz unserer Organisationsarbeit: „... der Kongress stellt den globalen Erfolg des von der IKS im Herbst 1993 begonnenen Kampfes fest (...) Die manchmal spektakuläre Genesung der von den organisatorischen Schwierigkeiten seit 1993 betroffenen Sektionen (...), die von zahlreichen Teilen der IKS eingebrachten Vertiefungen (...), all diese Tatsachen bestätigen die uneingeschränkte Gültigkeit des begonnenen Kampfes, seiner Methode, seiner theoretischen Grundlagen wie auch seiner konkreten Aspekte.“

Jedoch warnte die Resolution ebenfalls vor jeglicher Art von Triumphalismus: „Das heißt nicht, dass der von uns geführte Kampf aufhören müsse (...) Die IKS muss ihn jederzeit mit der größten Wachsamkeit fortsetzen, mit der Entschlossenheit, jede Schwäche aufzudecken und sie ohne zu zögern anzupacken (...) Tatsächlich zeigt uns die Geschichte der Arbeiterbewegung und auch der IKS, wie die jetzt abgeschlossene Debatte einleuchtend verdeutlicht hat, dass der Kampf für die Verteidigung der Organisation ein ständiger, pausenloser Kampf ist. Insbesondere muss sich die IKS vor Augen halten, dass der von den Bolschewiki geführte Kampf gegen den Zirkelgeist für die Einführung des Parteigeistes Jahre gedauert hat. Das gleiche trifft für unsere Organisation zu, die jede Demoralisierung überwinden und jedem Gefühl der Hilflosigkeit infolge der Dauer des Kampfes entgegentreten muss.“ (ebenda, Pkt. 13)

Und gerade die jüngste Konferenz der IKS hob hervor, dass eine der Hauptursachen unserer organisatorischer Probleme während des letzten Jahrzehnts ein Nachlassen unserer Wachsamkeit angesichts des Wiederauftauchens der Schwierigkeiten und Schwächen war, die die Organisation bereits in der Vergangenheit betroffen hatten. In Wirklichkeit verlor der größere Teil der Organisation die Warnung aus dem Blick, die als Schlussfolgerung in die Resolution des 11. Kongresses aufgenommen worden war. Sie hatte deshalb die größten Schwierigkeiten bei der Identifizierung des wiederauflebenden Clanwesens innerhalb der Pariser Sektion und innerhalb des Internationalen Sekretariats (IS)[vii]; mit anderen Worten: in den beiden Teilen der Organisation, die bereits 1993 am stärksten von dieser Krankheit betroffen waren.

Die Entwicklung der Krise inmitten der IKS und die Bildung der „internen Fraktion“

Das Abgleiten in das Clanwesen vollzog sich im März 2000, als das IS ein Dokument über Fragen der Funktionsweise verabschiedete, das von einer kleinen Zahl von Genossen kritisiert wurde. Während sie die allgemeine Gültigkeit der meisten Gedanken im Text guthießen, besonders über die Notwendigkeit eines größeren Vertrauens unter den verschiedenen Teilen der Organisation, meinten sie, dass das Dokument gewisse Zugeständnisse an demokratistische Illusionen mache und dazu neige, unsere Auffassung über die Zentralisierung in Frage zu stellen. Alles in allem, meinten sie, verleite das Dokument zur Idee, dass „mehr Vertrauen weniger Zentralisierung“ bedeute. Es war nie ein Problem für die IKS gewesen, dass einige Teile der Organisation einen vom Zentralorgan verabschiedeten Text kritisieren. Im Gegenteil, die IKS und ihre Zentralorgane haben stets darauf bestanden, dass jede Meinungsverschiedenheit oder jeder Zweifel offen innerhalb der Organisation ausgedrückt wird, um größtmögliche Klarheit zu erzielen. Das Verhalten des Zentralorgans gegenüber Meinungsverschiedenheiten bestand stets darin, ihnen so ernsthaft wie möglich zu antworten. Doch im Frühjahr 2000 nahm die Mehrheit des IS eine völlig andere Haltung an, als es in der Vergangenheit der Fall gewesen war. Für diese Mehrheit konnte die Tatsache, dass eine kleine Minderheit von Genossen einen Text des IS kritisiert, nur aus einem Geist der Opposition um der Opposition willen oder aus der Tatsache herrühren, dass einer von ihnen von familiären Problemen betroffen sei oder ein anderer an Depressionen leide. Ein Argument, dass von IS-Mitgliedern benutzt wurde, lautete, dass der Text von einem besonderen Militanten verfasst worden sei und eine andere Aufnahme gefunden hätte, wäre dies das Werk eines anderen Genossen gewesen. Die Antwort auf die Argumente jener Genossen, die anderer Auffassung waren, bestand also nicht darin, Gegenargumente zu suchen, sondern darin, die Genossen zu verunglimpfen oder gar zu versuchen, die Veröffentlichung ihrer Texte mit der Begründung zu verhindern, dass sie „Scheiße in der Organisation verbreiten“ würden, oder dass eine der GenossInnen, die unter dem Druck, der ihr gegenüber ausgeübt wurde, litt, die Antworten, die die anderen Genossen der IKS ihren Texten erteilen würden, nicht „aushalte“. Kurz, das IS betrieb eine völlig heuchlerische Politik, um im Namen der Solidarität die Debatte zu ersticken.

Dieses politische Verhalten, dass den bis dahin geltenden Methoden der IKS völlig fremd ist, erlebte plötzlich eine weitere Degeneration, als ein Mitglied des IS seinerseits begann, einigen der Kritiken beizupflichten, die an dem von der Kommission im März 2000 angenommenen Dokument geübt worden waren. Nachdem er bis dahin von Verleumdungen verhältnismäßig unbehelligt geblieben war, wurde dieser Genosse nun selbst zur Zielscheibe einer Kampagne, die darauf abzielte, ihn zu diskreditieren: Wenn er die eine oder andere Position eingenommen habe, so sei dies deshalb geschehen, weil er „von jemandem manipuliert sei, der ihm nahesteht“. Gleichzeitig bestand die Haltung des IS darin, die Diskussionen über die Frage so weit wie möglich auf Banalitäten zu reduzieren, indem erklärt wurde, dies sei keine „Jahrhundertdebatte“. Und als nachdrücklichere und kritischere Beiträge aufzutauchen begannen, versuchte die Mehrheit des IS, sämtliche Zentralorgane der IKS dahin zu drängen, die Debatte für beendet zu erklären. Das Internationale Büro weigerte sich, dem IS zu folgen. Es beschloss zugleich gegen den Willen der Mehrheit des IS, eine Informationsdelegation zu bilden, die – zum größten Teil aus Mitgliedern zusammengesetzt, die nicht dem IS angehörten – es damit beauftragte, die Probleme der Arbeitsweise zu untersuchen, die in und um das IS herum entstanden waren.

Diese Beschlüsse bewirkten eine weitere „Radikalisierung“ unter der Mehrheit der IS-Mitglieder. Diese erhoben gegenüber der Informationsdelegation alle möglichen Beschuldigungen gegen die andersdenkenden Genossen, hoben alle möglichen besonders ernsthaften „organisatorischen Versagen“ hervor, „warnten“ die Delegation vor dem „dubiosen“ oder „unwürdigen“ Verhalten eines dieser Militanten. Kurz, jene Mitglieder des IS, die die Bildung der Delegation zunächst als Zeitverschwendung angesehen hatten, informierten diese nun über einen schlauen und zerstörerischen Angriff gegen die IKS, was sie eigentlich dazu hätte veranlassen müssen, als erste die Schaffung einer solchen Delegation zu fordern, um eine Untersuchung über diese Militanten einzuleiten. Ein Mitglied des IS – Jonas – sträubte sich nicht nur dagegen, vor der Delegation zu erscheinen, sondern weigerte sich auch von Anfang an, sie überhaupt anzuerkennen.[viii] Gleichzeitig begann er hinter den Kulissen den Gedanken zu verbreiten, dass einer der andersdenkenden Militanten ein staatlicher Agent sei, der die Leute um ihn herum in der Absicht manipuliere, „die IKS zu zerstören“. Andere IS-Mitglieder versuchten anfang Mai 2001, unmittelbar vor dem 14. Kongress der IKS, auf entschiedene Weise, die Informationsdelegation einzuschüchtern mit dem Ziel, dass diese darauf verzichte, dem Kongress einen „vorläufigen Bericht“ vorzulegen, der einen Rahmen für das Verständnis der Probleme, die des IS und der Pariser Sektion betrefen, geliefert hätte.[ix] Am Morgen des Kongresses, kurz vor seinem Beginn, versuchte die Mehrheit des IS ein letztes Manöver: Sie forderte, dass sich das Internationale Büro trifft, um eine Resolution zu verabschieden, die die Arbeit der Informationsdelegation desavouieren sollte. Letztere war da bereits von der Existenz einer Clandynamik innerhalb des IS überzeugt, und zwar weitaus mehr aufgrund des Verhaltens der Mehrheit der IS-Mitglieder als durch das Zeugnis der Genossen, die die Politik des IS kritisiert hatten. Auch die Mehrheit des IB war im Wesentlichen durch die Haltung der IS-Mitglieder auf diesem letzten Treffen vor dem Kongress von der Existenz derselben Dynamik überzeugt worden. Zu diesem Zeitpunkt rechnete das IB aber noch mit der Fähigkeit dieser Militanter, zu Sinnen zu kommen, wie dies bereits für eine wesentliche Anzahl von Militanten der Fall gewesen war, die 1993 von dieser Clandynamik erfasst worden waren. Daher schlug das IB vor, dass alle Militanten, die dem alten IS angehört hatten, wieder in das Zentralorgan gewählt werden sollten. Gleichzeitig schlug es vor, dass die alte Informationsdelegation durch die Einbeziehung anderer Genossen gestärkt und in eine Untersuchungskommission umgewandelt werden sollte. Schließlich schlug es dem Kongress vor, dass dieser sich noch nicht mit den der IS vorauseilenden Schlussfolgerungen befasst, und bat ihn, der neuen Untersuchungskommission sein Vertrauen auszusprechen. Der Kongress ratifizierte einmütig diese Vorschläge.

Zwei Tage nach dem Kongress verletzte ein Mitglied des alten IS die Beschlüsse des Kongresses, indem es in der Pariser Sektion die Information preisgab, wonach das IB mit der Zustimmung des Kongresses beschlossen hatte, sich zurückzuhalten, bis es sich in Gänze und in einem geeigneten Rahmen damit befassen könne. Absicht dieses Mitglieds war es, die Pariser Sektion gegen den Rest der IKS und gegen das Internationale Büro zu stellen. Die anderen Mitglieder der alten IS-Mehrheit unterstützen ihn und weigerten sich, diese offene Verletzung der Organisationsstatuten zu verurteilen.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Kongress das souveräne Organ der Organisation ist, ist die bewusste Verletzung seiner Beschlüsse (wie bei den Menschewiki 1903) ein besonders schweres Vergehen. Damals wurde der Militante jedoch nicht mit Sanktionen belegt, abgesehen von einer verbalen Verurteilung seiner Handlung: Die Organisation rechnete auch weiterhin mit der Fähigkeit der Clanmitglieder, sich selbst in den Griff zu bekommen. Tatsächlich war diese Verletzung der Statuten aber nur der erste einer langen Kette von Verstößen durch Mitglieder des alten IS oder jene, die sie überzeugten, ihnen in ihrem offenen Krieg gegen die Organisation zu folgen. Wir haben nicht den Platz, all diese Verstöße hier detailliert aufzulisten und werden uns auf einige charakteristische Beispiele beschränken, für die die Mitglieder der jetzigen „internen Fraktion“ in unterschiedlichem Ausmaß verantwortlich sind:

         der Gebrauch und die Publizierung der Protokolle der Zentralorgane ohne deren Zustimmung;

         Verleumdungskampagnen gegen Mitglieder der Informationskommission, die beschuldigt wurden, „Lügner“ und „Torquemadas“ (nach einem Führer der spanischen Inquisition, was an Alerinis Beschimpfung der Untersuchungskommission des Haager Kongresses als „Heilige Inquisition“ erinnert) zu sein;

         systematische und verleumderische Kampagnen hinter den Kulissen gegen ein Mitglied der Organisation, das ohne den Schatten eines Beweises beschuldigt wurde, ein Abenteurer, ja, ein staatlicher Agent zu sein (die letztgenannte Beschuldigung wurde ausdrücklich von Jonas und einem anderen Mitglied der jetzigen „Fraktion“ genannt, aber auch von anderen, ihnen nahestehenden Militanten suggeriert), mit dem Zweck, andere zu manipulieren, um die IKS zu zerstören;

         ein geheimer Briefwechsel von Mitgliedern des Zentralorgans der IKS mit Militanten in anderen Ländern, um gegen diejenigen Verleumdungen zu verbreiten, die sie nun als „liquidatorische Fraktion“ bezeichnen, und um die Angeschriebenen gegen das Internationale Büro aufzubringen (mit anderen Worten: dieselbe Politik, die Bakunin betrieb, um für seine „Allianz“ zu werben);

         das Abhalten geheimer Treffen im August und September 2001, deren Zweck es war, nicht politische Analysen auszuarbeiten, sondern ein Komplott gegen die IKS auszuhecken. Als die an diesem Treffen beteiligten Militanten die Bildung eines „Arbeitskollektivs“ ankündigten, erklärten sie unter anderem, dass „wir keine Geheimtreffen abhalten“.

Nur durch Zufall und infolge der Ungeschicklichkeit eines dieser Bruderschaftsmitglieder kam das Protokoll eines dieser Geheimtreffen in die Hände der Organisation.

Kurz darauf verabschiedete die Vollversammlung des Internationalen Büros einmütig (das heißt, einschließlich der Stimmen zweier Mitglieder der aktuellen „internen Fraktion“) eine Resolution, deren Hauptpassagen wir hier zitieren:

„1. Nach dem Studium (...) des Protokolls vom Treffen am 20.8. zwischen den sieben Genossen, die das so genannte ‚Arbeitskollektiv‘ gebildet haben, und nach Untersuchung seines Inhalts, wo zum Ausdruck kommt:

         ein offen zur Schau getragenes Bewusstsein darüber, dass sie außerhalb der Statuten handeln und nichts Wichtigeres im Sinn haben, als diese Tatsache vor dem Rest der Organisation zu verbergen;

         ein Betrachten der restlichen Organisation als ‚die anderen‘, ‚sie‘, mit anderen Worten: als Feinde, die, in den Worten eines der Teilnehmer, ‚destabilisiert‘ werden müssen;

         die Absicht, ihre wahren Gedanken und Aktivitäten vor dem Rest der Organisation zu verstecken;

         die Etablierung einer Gruppendisziplin zu gleichen Zeit, als sie die Verletzung der Organisationsdisziplin befürworteten;

         die Erstellung einer Strategie, um die Organisation in die Irre zu führen und ihr die eigene Politik aufzuzwingen;

verurteilt das IB dieses Verhalten, das eine flagrante Verletzung unserer Organisationsprinzipien ist und eine ausgesprochene Illoyalität gegenüber dem Rest der Organisation offenbart (...)

2. Die Aktivitäten der Mitglieder des ‚Kollektivs‘ stellen ein äußerst ernstes organisatorisches Vergehen dar und verdienen die höchste Sanktion. Doch in Anbetracht dessen, dass die Teilnehmer dieses Treffens sich entschieden haben, das ‚Kollektiv‘ aufzulösen, beschließt das IB, auf Sanktionen zu verzichten in der Aussicht, dass die Militanten, die diesen Fehler begangen haben, nicht nur das ‚Kollektiv‘ auflösen, sondern:

         ihr Verhalten einer gründlichen Kritik unterziehen;

         über die Gründe, warum sie sich als Feinde der Organisation benommen haben, vertieft nachzudenken.

In diesem Sinne sollte diese Resolution des IB nicht als eine Unterschätzung des Ernstes des begangenen Fehlers interpretiert werden, sondern als eine Ermutigung für die Teilnehmer des Geheimtreffens vom 20.8., sich über diesen Ernst klar zu werden.“

Konfrontiert mit dem zerstörerischen Charakter ihres Verhaltens, wichen die Mitglieder des „Kollektivs“ einen Schritt zurück. Zwei von denen, die an den geheimen Treffen teilgenommen hatten, erfüllten tatsächlich, was die Resolution gefordert hatte: Sie unterzogen ihre Vorgehensweise einer ernsthaften Kritik und sind heute loyale Militante der IKS. Zwei andere zogen es, obwohl sie zugunsten der Resolution gestimmt hatten, vor, lieber auszutreten, als sich der erforderlichen Kritik zu unterziehen. Was die anderen angeht, so ließen sie ihre guten Vorsätze fallen und bildeten nur ein paar Wochen später die „interne Fraktion der IKS“, wobei sie die „Deklaration zur Bildung eines Arbeitskollektivs“ übernahmen, die sie noch kurz zuvor verworfen hatten.

Kaum war die selbsternannte „Fraktion“ gebildet worden, ließen ihre Mitglieder nichts unversucht, um ihre Angriffe gegen die Organisation und ihre Militanten eskalieren zu lassen, um die absolute Nichtigkeit ihrer politischen Argumente mit den empörendsten Lügen, den ekelhaftesten Verleumdungen und einer systematischen Verletzung unserer Funktionsregeln zu kombinieren, so dass die IKS selbstverständlich gezwungen war, dies zu unterbinden.[x] Eine Resolution, die am 18. November 2001 vom Zentralorgan der Sektion in Frankreich verabschiedet worden war, erklärte: „Die Militanten der ‚Fraktion‘ sagen, dass sie den Rest der Organisation von der Gültigkeit ihrer ‚Analysen‘ überzeugen möchten. Ihr Verhalten und ihre enormen Lügen beweisen, dass auch dies nur eine Lüge ist (...) Mit ihrem gegenwärtigen Verhalten wird es ihnen sicherlich nicht gelingen, auch nur einen Einzigen zu überzeugen (...) Die Exekutivkommission verurteilt vor allem die ‚Taktik‘, die darin besteht, die Statuten der IKS systematisch zu verletzen, um in der Lage zu sein – wenn die Organisation gezwungen wird, zur Selbstverteidigung Maßnahmen zu ergreifen – über die ‚stalinistische Degeneration‘ zu jammern und so die Bildung einer selbsternannten ‚Fraktion‘ zu rechtfertigen.“

Eine der von der „Fraktion“ endlos wiederholten Lügen ist die, dass die IKS sie mit Sanktionen belegt habe, um eine Debatte über fundamentale Fragen zu verhindern. Die Wahrheit ist, dass ihre Argumente von zahllosen Beiträgen einzelner Genossen und ganzer Sektionen der IKS wiederholt und gründlich widerlegt worden waren, wohingegen ihre eigenen Texte es systematisch vermieden, sowohl auf diese Beiträge als auch auf die offiziellen Berichte und Orientierungstexte zu antworten, die von den Zentralorganen vorgestellt worden waren. Dies ist in der Tat eine der von der „Fraktion“ bevorzugten Methoden: ihre eigene Verworfenheit dem Rest der Organisation und ganz besonders der, wie sie es nennen, „liquidatorischen Fraktion“ zu unterstellen. Zum Beispiel beschuldigen sie in einem ihrer ersten „Gründungstexte“, dem „Gegenbericht“ über die IKS-Aktivitäten für das im September 2001 tagende IB-Plenum, die Zentralorgane der IKS, „eine Orientierung (angenommen zu haben), die mit jener bisher in der Organisation (...) vom Ende der Auseinandersetzung 1993–96 bis zum gerade abgehaltenen 14. Kongress geltenden bricht“. Und nur um zu demonstrieren, wie sehr er den Orientierungen des 14. Kongresses zustimmt, lehnt der Autor dieses Dokuments ein paar Wochen später en bloc die vom Kongress verabschiedete Aktivitätsresolution ab, obwohl er für sie gestimmt hatte. In demselben Stil erklärt er scheinheilig, dass „wir uns auf die Auseinandersetzung berufen, die stets (...) für einen strengen statt ‚starren‘ Respekt gegenüber den Statuten gestanden hat. Ohne den hohen Respekt gegenüber den Statuten und ihrer Verteidigung gibt es keine Organisation mehr“. Und noch immer dient dieses Dokument als Plattform für geheime Treffen, deren Teilnehmer sich untereinander klar darüber sind, dass sie sich außerhalb der Statuten bewegen. Nur einige Wochen später beginnen sie, Seiten um Seiten einer vorgeblichen Pseudotheorie zu verfassen, mit der einzigen Absicht, die systematische Verletzung der Statuten zu rechtfertigen.

Wir könnten mit Beispielen derselben Art fortfahren, doch dann würde der Artikel die gesamte Revue füllen. Wir wollen jedoch ein weiteres bedeutsames Beispiel zitieren: den Anspruch der „Fraktion“, der wahre Vertreter der Kontinuität unseres Kampfes von 1993–96 für die Verteidigung der Organisation zu sein. Dies hindert den „Gegenbericht“ nicht daran zu erklären, dass die „Lehren von 1993 sich nicht auf das Clanwesen beschränken. Tatsächlich ist Letzteres nicht einmal ihr prinzipielles Element“. Besser noch, die „Deklaration zur Bildung eines ‚Arbeitskollektivs‘“ fragt: „Clans und Clanwesen: Sind das nicht Begriffe, die in der Geschichte von Sekten und der Freimaurerei angetroffen werden, aber nicht (...) in der Arbeiterbewegung der Vergangenheit? Kann das Alpha und Omega der Organisationsfragen auf die ‚Gefahr des Clanwesens‘ reduziert werden?“ In der Tat beabsichtigen die Mitglieder der „Fraktion“, uns für die Idee zu gewinnen, dass der Begriff des „Clans“ nicht zur Arbeiterbewegung gehört (was falsch ist, da bereits Rosa Luxemburg diesen Begriff benutzte, um die Führungsclique der deutschen Sozialdemokratie zu beschreiben). Dies ist nun wirklich eine radikale Methode, um die Analyse der IKS zu widerlegen, dass das Verhalten dieser Militanten Anzeichen einer Clandynamik ist: „Der Begriff des Clans ist ungültig.“ Und all dies im Namen des Kampfes von 1993–96, dessen wichtigste Dokumente wir lang und breit zitiert haben und die alle auf der fundamentalen Rolle des Clanwesens in den Schwächen der IKS bestehen!

Die Bildung einer parasitären Gruppe

Wie die Allianz innerhalb der IAA, so wurde die „Fraktion“ zu einem parasitären Organismus innerhalb der IKS. Und genauso wie die Allianz, die der IAA offen und öffentlich den Krieg erklärte, nachdem sie gescheitert war, die Kontrolle zu übernehmen, hat der Clan der alten Mehrheit im IS und seiner Freunde beschlossen, unsere Organisation öffentlich anzugreifen, sobald er sich vergegenwärtigte, dass er alle Kontrolle verloren hat und dass sein Verhalten, weit davon entfernt, die Zaudernden um sich zu scharen, es im Gegenteil ermöglicht hat, dass diese Genossen verstanden, was im Kampf um unsere Organisation auf dem Spiel stand. Der entscheidende Moment in diesem qualitativen Schritt im Krieg der „Fraktion“ gegen die IKS war die Vollversammlung des Internationalen Büros zu Beginn des Jahres 2002. Nach ernsthaften Diskussionen fasste dieses Treffen eine Reihe von wichtigen Beschlüssen:

a)         die Umwandlung des Kongresses der französischen Sektion, für Mai 2002 geplant, in eine Außerordentliche Internationale Konferenz der gesamten IKS;

b)         die Suspendierung der Mitglieder der „Fraktion“ wegen einer ganzen Reihe von Verletzungen der Statuten (einschließlich der Weigerung, ihre Beiträge voll zu bezahlen); die Organisation überließ es ihnen, bis zur Konferenz zur Einsicht zu kommen und zu versprechen, die Statuten zu respektieren, widrigenfalls die Konferenz nur den Schluss ziehen kann, dass sie sich selbst wohl überlegt und aus eigenem Willen außerhalb der Organisation stellen;

c)         die prinzipielle Entscheidung, Jonas auszuschließen aufgrund eines detaillierten Berichts der Informationskommission, der ein Licht auf sein Verhalten warf, das demjenigen eines Agent provocateur würdig ist; die endgültige Entscheidung sollte erst getroffen werden, nachdem Jonas die Beschuldigungen gegen ihn unterbreitet wurden und er die Gelegenheit erhalten hatte, sich zu verteidigen.[xi]

Es ist bemerkenswert, dass die beiden Mitglieder der „Fraktion“, die an der Vollversammlung teilnahmen, sich bei der Abstimmung über den ersten Beschluss enthielten. Dies ist ein durch und durch paradoxes Verhalten von Militanten, die ständig erklären, dass die Militanten der IKS insgesamt von der „liquidatorischen Fraktion“ und den „Entscheidungsgremien“ in die Irre geführt und manipuliert seien. Kaum nahm die gesamte Organisation die Gelegenheit wahr, über unsere Probleme kollektiv zu diskutieren und zu entscheiden, gingen unsere tapferen „Fraktionäre“ zur Obstruktion über. Dies ist ein Verhalten, das in völligem Gegensatz zu jenem der linken Fraktionen in der Arbeiterbewegung steht, die stets forderten, dass Kongresse abgehalten werden, um Probleme in der Organisation anzupacken, etwas, was die Rechten systematisch verhinderten.

Was die beiden anderen Entscheidungen anbetraf, so betonte das Internationale Büro, dass die betroffenen Militanten dagegen Berufung einlegen können, und schlug vor, dass Jonas seinen Fall vor einem Ehrengericht, das aus Militanten des politischen Milieus des Proletariats gebildet werden sollte, vortragen kann, wenn er sich zu Unrecht von der IKS beschuldigt wähnt. Ihre Antwort bestand in einer neuen Eskalation. Jonas weigerte sich, sowohl die Organisation zu treffen, um seine Verteidigung darzulegen, als auch Berufung gegenüber der Konferenz einzulegen und um Gehör bei einem Ehrengericht zu ersuchen: So überwältigend sind die Beweise, dass es für alle Militanten der IKS und auch für Jonas selbst klar ist, dass er keine Ehre zu verteidigen hat. Gleichzeitig bekundete Jonas sein vollkommenes Vertrauen in der „Fraktion“. Die „Fraktion“ selbst begann, öffentlich Verleumdungen über die IKS zu verbreiten, zunächst indem sie an andere linkskommunistische Gruppen schrieb, dann indem sie etliche Texte an unsere Abonnenten verschickte, womit offenbar wurde, dass jenes Mitglied der „Fraktion“, das bis zum Sommer 2001 für die Abonnentenkartei verantwortlich gewesen war, die Kartei noch vor der Bildung des „Arbeitskollektivs“, ganz zu schweigen von der „Fraktion“, gestohlen hatte. Aus den Dokumenten, die an unsere Abonnenten geschickt wurden, können wir insbesondere entnehmen, dass die Zentralorgane der IKS gegen Jonas und die „Fraktion“ „gemeine Kampagnen (führen), mit denen sie die politischen Positionen, auf die sie ernsthaft zu antworten unfähig sind, verbergen und in Misskredit zu bringen versuchen“. Der Rest besteht aus der gleichen Brühe. Die Dokumente der „Fraktion“, die außerhalb der IKS verteilt wurden, bezeugen die totale Solidarität der „Fraktion“ mit Jonas und rufen ihn auf, mit ihr zusammenzuarbeiten. Die „Fraktion“ offenbart so sich selbst als etwas, was sie von Anbeginn gewesen war, als Jonas im Schatten einer Kamarilla der Freunde von Bürger Jonas geblieben war.

Trotz des offenen und öffentlichen Kampfes der Jonas-Kamarilla gegen die IKS sandte unsere Organisation mehrere Briefe an alle Pariser Mitglieder der „Fraktion“, worin diese dazu eingeladen wurden, ihre Verteidigung auf der Konferenz darzulegen. Zunächst ging die „Fraktion“ zum Schein darauf ein, doch im letzten Moment führte sie stattdessen ihre endgültige und erbärmlichste Aktion gegen unsere Organisation aus. Sie weigerte sich, vor der Konferenz zu erscheinen, es sei denn, die Organisation erkenne die „Fraktion“ schriftlich an und nähme alle Sanktionen (einschließlich die des Ausschlusses von Jonas) zurück, die in Übereinstimmung mit unseren Statuten beschlossen worden waren. Indem sie sich über die von der Organisation verabschiedeten Sanktionen beschwerten, forderten diese Militanten ganz einfach, dass wir den ersten Schritt machen, indem wir die Sanktionen zurücknehmen. Dies ist natürlich die einfachste Lösung – sie hätten nichts mehr, worüber sie sich beschweren könnten! Konfrontiert mit dieser Situation, hatten sämtliche Delegationen der IKS trotz ihrer Bereitschaft, den Argumenten dieser Militanten zuzuhören (tatsächlich hatten die Delegationen bereits am Vorabend der Konferenz eine Berufungskommission gebildet, die sich aus Mitgliedern mehrerer territorialer Delegationen zusammensetzte, und berücksichtigt, dass es den Pariser Mitgliedern der „Fraktion“ ermöglicht wurde, ihre Argumente darzustellen), keine andere Alternative, als anzuerkennen, dass diese Elemente sich selbst außerhalb der Organisation gestellt haben. Angesichts ihrer Weigerung, sich selbst vor der Konferenz zu verteidigen und ihre Argumente vor der Berufungskommission darzulegen, stellte die IKS ihr Ausscheiden fest und konnte sie somit nicht mehr als Mitglieder der Organisation anerkennen.[xii]

Die Konferenz verurteilte ebenfalls einstimmig die kriminellen Methoden, die von der Jonas-Kamarilla benutzt wurden und darin bestanden, zwei Delegierte der mexikanischen Sektion zu „kidnappen“ (“mit ihrem Einverständnis“?), sobald diese auf dem Flughafen ankamen. Diese Mitglieder der „Fraktion“ wurden von ihrer Sektion delegiert, ihre Positionen auf der Konferenz zu vertreten, und ihre Flüge waren bereits von der IKS bezahlt worden. Sie trafen sich mit zwei Pariser Mitgliedern der „Fraktion“, die sie mitnahmen und die ihnen die Erlaubnis verweigerten, die Konferenz aufzusuchen. Als wir protestierten und forderten, dass die „Fraktion“ den Flugpreis zurückbezahlt, sollte es den mexikanischen Delegierten nicht gelingen, die Konferenz aufzusuchen, antwortete ein Pariser Mitglied der „Fraktion“ mit unglaublichem Zynismus: „Das ist euer Problem!“ Alle Militanten der IKS haben ihre große Empörung ausgedrückt und eine Resolution angenommen, die die Veruntreuung von IKS-Vermögen und die Weigerung, das von der Organisation ausgegebene Geld zurückzuzahlen, als Offenbarung der kriminellen Methoden der Jonas-Kamarilla verurteilte.Diese Methoden sind denen der Chenier-Tendenz (die 1981 Ausrüstungsgegenstände der Organisation gestohlen hatte) ebenbürtig und überzeugten schließlich auch die letzten Genossen, die noch zögerten, die parasitäre und antiproletarische Natur dieser selbsternannten „Fraktion“ anzuerkennen. Die „Fraktion“ hat inzwischen der IKS geantwortet, indem sie sich weigerte, das politische Material und das Geld, das unser Organisation gehört, zurückzugeben. Die Jonas-Kamarilla ist heute nicht nur zu einer parasitären Gruppe verkommen, deren Natur die IKS bereits in ihren Thesen über den politischen Parasitismus, veröffentlicht (Internationalen Revue Nr. 22, deutsche Ausgabe), analysiert hatte, sondern auch zu einer kriminellen Bande, die nicht nur Verleumdungen und Erpressungen benutzt, um unsere Organisation zu zerstören, sondern sie auch bestiehlt.[xiii]

Die Metamorphose langjähriger Militanter unserer Organisation, die zumeist wichtige Verantwortung in den Zentralorganen ausgeübt hatten, in eine kriminelle Bande erhebt sofort die Frage: Wie ist so etwas möglich? Der Einfluss von Jonas hat natürlich seinen Teil dazu beigetragen, die Mitglieder der „Fraktion“ dazu zu treiben, ihre Angriffe gegen die IKS im Namen eines „verneinenden Zentrismus“ zu „radikalisieren“. Dennoch ist dies nicht ausreichend für eine Erklärung solch einer Degeneration. Die Konferenz hat erst die Basis geschaffen, um unser Verständnis voranzutreiben.

Der politische Rahmen der Konferenz zum Verständnis unserer Schwierigkeiten

Auf der einen Seite stellte die Konferenz fest, dass die Tatsache, dass langjährige Militante einer proletarischen Organisation den Kampf verraten, in dem sie sich seit Jahrzehnten engagiert hatten, kein neues Phänomen in der Arbeiterbewegung ist: Militante aus der ersten Reihe wie Plechanow (der Gründungsvater des Marxismus in Russland) oder Kautsky (die marxistische Eminenz der deutschen Sozialdemokratie, der „Papst“ der II. Internationalen) beendeten ihr politisches Leben in den Reihen der herrschenden Klasse (der Erste unterstützte 1914 den Krieg, der Zweite verurteilte die russische Revolution von 1917).

Ferner stellte die Konferenz die Frage des Clanwesens innerhalb der weiter gefassten Frage des Opportunismus:

„Der Zirkelgeist und das Clanwesen, Schlüsselfragen, die vom Orientierungstext von 1993 gestellt worden waren, sind nur besondere Ausdrücke eines allgemeinen Phänomens: des Opportunismus in Organisationsfragen. Es ist offensichtlich, dass diese Tendenz, die im Falle der verhältnismäßig kleinen Gruppen wie die der russischen Partei 1903 oder der IKS eng mit affinitären Zirkel- und Clanformen verknüpft ist, sich beispielsweise in den Massenparteien der zerfallenden Zweiten oder Dritten Internationalen nicht auf dieselbe Weise ausdrückt.

Nichtsdestotrotz teilen die verschiedenen Ausdrücke desselben Phänomens bestimmte prinzipielle Charakteristiken. Unter ihnen ist die Unfähigkeit des Opportunismus, sich in einer proletarischen Debatte zu engagieren, eine der bemerkenswertesten. Insbesondere ist er unfähig, eine organisatorische Disziplin aufrechtzuerhalten, sobald er sich mit seinen Positionen in der Minderheit wiederfindet.

Es gibt zwei prinzipielle Ausdrücke dieser Unfähigkeit. In Situationen, in denen der Opportunismus sich innerhalb der proletarischen Organisationen im Aufwind befindet, neigt er dazu, die Divergenzen herunterzuspielen, indem er sie entweder als Missverständnisse darstellt, wie es die Bernsteinianer taten, oder systematisch die politischen Positionen des Opponenten annimmt, wie in den frühen Tagen der stalinistischen Strömung.

Wo sich der Opportunismus in der Defensive befindet, wie 1903 in Russland oder in der Geschichte der IKS, reagiert er hysterisch, indem er den Statuten den Krieg erklärt und sich selbst als Opfer der Repression bezeichnet, um der Debatte aus dem Weg zu gehen. Die beiden Hauptcharakteristiken des Opportunismus in solch einer Situation sind, wie Lenin betonte, die Sabotage der Organisationsarbeit und die Inszenierung von Vorfällen und Skandalen.

Der Opportunismus ist seinem Inhalt nach zu einer klaren Herangehensweise bei der theoretischen Klärung und zur geduldigen Überzeugung nicht in der Lage, was die revolutionären Minderheiten während des Weltkriegs, Lenins Verhalten 1917 oder jenes der italienischen Fraktion in den 30er Jahren und anschließend der französischen Fraktion auszeichnete.(...)

Der aktuelle Clan ist eine Karikatur dieser Vorgehensweise. Solange er sich im Besitz der Kontrolle wähnte, versuchte er, die in RI aufkommenden Divergenzen herunterzuspielen (‚keine Jahrhundertdebatte‘), während er sich darauf konzentrierte, diejenigen zu diskreditieren, die ihre Meinungsverschiedenheiten laut äußerten. Sobald die Debatte eine theoretische Dimension zu erreichen begann, wurde der Versuch unternommen, sie vorzeitig zu beenden. Sobald sich der Clan in der Minderheit fühlte13 und noch bevor sich die Debatte entwickeln konnte, wurden Fragen wie die des angeblichen ‚Idealismus‘ des Orientierungstextes zu programmatischen Divergenzen aufgeblasen, um die systematische Ablehnung der Statuten zu rdrechtfertigen.“ (Aktivitätenresolution der ausserordentlichen Konferenz der IKS 2002, Punkt 10)

Die Konferenz anerkannte ebenfalls das Gewicht des kapitalistischen Zerfalls, das auf der Arbeiterklasse lastet:

“Eines der Hauptcharakteristiken der Zerfallsphase besteht darin, dass das Patt zwischen Bourgeoisie und Proletariat die Gesellschaft in eine peinigende und sich dahinschleppende Agonie stürzt. Infolgedessen wird der Prozess der Entwicklung des Klassenkampfes, der Reifung des Bewusstseins und des Aufbaus der Organisation viel langsamer, zähflüssiger und widersprüchlicher sein. Die Konsequenz daraus ist eine Tendenz zur allmählichen Erosion der politischen Klarheit, der militanten Überzeugung und der organisatorischen Loyalität, den hauptsächlichen Gegengewichten zu den politischen und persönlichen Schwächen der einzelnen Militanten. (...)

Da die Opfer solch einer Dynamik begonnen haben, sich den Mangel jeglicher Perspektive zu teilen, was heute das Los einer zerfallenden bürgerlichen Gesellschaft ist, sind sie dazu verdammt, mehr als jeder andere Clan in der Vergangenheit einen irrationalen Immediatismus, eine fieberhafte Ungeduld, einen Mangel an Reflexion und einen radikalen Verlust theoretischer Fähigkeiten – also sämtliche Hauptaspekte des Zerfalls – auszudrücken.“ (ebenda, Punkt 6)

Die Konferenz hob ebenfalls hervor, dass eine grundlegende Ursache für die anfangs unrichtigen Positionen des IS und der gesamten Organisation über die Frage der Funktionsweise und für die organisationsfeindliche Kehrtwende der Mitglieder der „Fraktion“ sowie für die späte Identifizierung dieser Wende durch die IKS das Gewicht des Demokratismus in unseren Reihen ist. Sie beschloss folglicherweise, eine Diskussion über die Frage des Demokratismus auf der Grundlage eines Orientierungstextes zu eröffnen, der vom Zentralorgan der IKS entworfen werden soll.

Schließlich bestand die Konferenz auf der Bedeutung des Kampfes, der in der Organisation vonstatten geht:

“Die Auseinandersetzung der Revolutionäre ist eine ständige Schlacht an zwei Fronten: die Verteidigung und Errichtung der Organisation und die Intervention gegenüber der Klasse als Ganzes. Alle Aspekte dieser Arbeit hängen wechselseitig voneinander ab (...)

Im Zentrum der gegenwärtigen Auseinandersetzung steht die Verteidigung der Fähigkeit der Generation von Revolutionären nach 1968, die richtige marxistische Praxis, die revolutionäre Leidenschaft sowie die Erfahrungen von Jahrzehnten des Klassenkampfes und der organisatorischen Auseinandersetzung an eine neue Generation weiterzureichen. Es ist daher im Wesentlichen dieselbe Auseinandersetzung, ob sie nun innerhalb der IKS oder außerhalb, gegenüber den suchenden, vom Proletariat sekretierten Elementen, bei der Vorbereitung der künftigen Klassenpartei geführt wird.“ (ebenda, Punkt 20)

IKS

[i] aus: Ein Komplott gegen die IAA – Bericht über das Treiben Bakunins (MEW Bd. 18 S. 337)

[ii] Die Reaktion auf diese Drohungen waren bezeichnend: „Ranvier protestiert gegen die Drohung von Splingard, Guillaume und anderen, sie würden den Saal verlassen, da sie mit ihrem Verhalten beweisen, dass SIE, und nicht wir es sind, die sich IM VORAUS über die zur Diskussion stehenden Fragen abgesprochen haben“. „Morago [ein Mitglied der Allianz] spricht von der Tyrannei des Rates, doch ist es nicht Morago selber, der dem Kongress die Tyrannei seines Mandats aufzwingen will?“ (Intervention von Lafargue)

[iii] James Guillaume erklärte: „Alerini meint, dass die Kommission nur moralische Überzeugungen hat, und keine materiellen Beweise; er gehörte zur Allianz und ist stolz darauf (...) ihr seid die Heilige Inquisition; wir verlangen eine öffentliche Untersuchung und stichhaltige Beweise.“

[iv] s. die Artikel „Krise im revolutionären Milieu“, Internationale Revue Nr. 8, „Bericht zur Struktur und Funktionsweise der Organisation der Revolutionäre“, Internationale Revue Nr. 22 und „Presentation of the ICC’s 5th Congress“ in der International Review Nr. 35

[v] „Der 11. Kongress der IKS: Der Kampf zur Verteidigung und zum Aufbau der revolutionären Organisation“

[vi] Dies ist der Fall beim „Cercle de Paris“, der Ende der 1990er Jahre von Ex-Militanten der IKS, welche Simon (einem Abenteurer, der 1995 aus der IKS ausgeschlossen wurde) nahestanden, gegründet wurde und ein Pamphlet mit dem Titel „Que ne pas faire“ herausgegeben hatte, welches aus einem Haufen Verleumdungen gegen unsere Organisation bestand und sie als stalinistische Sekte darstellte.

[vii] mit anderen Worten: die ständige Kommission des Zentralorgans der IKS, des Internationalen Büros (IB), das sich aus Militanten aller territorialen Sektionen zusammensetzt;

[viii] Mit anderen Worten: er nahm dasselbe Verhalten an, wie James Guillaume vor dem Haager Kongress der IAA.

[ix] Auch dieses Verhalten, eine Informationskommission einzuschüchtern, ist nicht neu: Utin, der das Verhalten Bakunins vor der Untersuchungskommission des Haager Kongresses bezeugt hatte, wurde von einem Anhänger Bakunins körperlich angegriffen.

[x] In einem Zirkular vom November 2001 an alle Sektionen listete das Internationale Büro diese Vergehen gegen unserer Statuten auf. Hier ist ein kurzer Auszug aus dieser Liste:

– „das Streuen von Informationen über interne Fragen (...);

– die Weigerung dreier Mitglieder des Zentralorgans, an Treffen teilzunehmen, wo ihre Anwesenheit aufgrund der Statuten erforderlich war;

– das Verschicken eines Bulletins an die Privatadresse von Genossen in totaler Verletzung unserer zentralisierter Funktionsmechanismen und in Verletzung unserer Statuten;

– die Weigerung, ihre Beiträge in vollem Umfang, wie er von der IKS beschlossen wurde, zu bezahlen (die Mitglieder der ‚Fraktion‘ hatten ausdrücklich beschlossen, nur 30% ihrer Beiträge zu zahlen);

– die Weigerung, die Zentralorgane über den Inhalt einer angeblichen ‚Geschichte des IS‘ in Kenntnis zu setzen, die unter bestimmten Militanten zirkulierte und die völlig unerträgliche Angriffe gegen die Organisation und einige ihrer Militanten enthält;

– Erpressung durch die Drohung, interne Dokumente der Organisation und besonders ihrer Zentralorgane außerhalb der Organisation zu veröffentlichen.“

[xi] s. „Mitteilung an unsere Leser“, Weltrevolution Nr. 111

[xii] So wie die Bakunisten den Beschluss des Haager Kongresses als einen Trick anprangerten, um sie daran zu hindern, ihre Positionen vorzustellen, denunzierte die Jonas-Kamarilla die Feststellung der IKS, dass sie die Organisation verlassen haben, als einen versteckten Ausschluss, der bezweckte, ihre Meinungsverschiedenheiten zum Schweigen zu bringen.

[xiii] Zum Beispiel versucht die „Fraktion“ nun, die Gruppen des proletarischen Milieus gegeneinander auszuspielen und ihre Unterschiedlichkeiten überzubetonen. Auf dieselbe Weise hat ihr Bulletin Nr. 11 eine schmeichelnde Verführungskampagne gegenüber Elementen des parasitären Milieus wie dem „Cercle de Paris“, dem die Mitglieder der „Fraktion“ seine Verurteilung in der Vergangenheit nachsahen, betrieben. Einmal mehr nahmen sie das Verhalten von vollendeten „anti-autoritären“ Bakunisten an, die sich ihrerseits nach dem Haager Kongress mit den „staatssozialistischen“ Lassalleanern verbündet hatten.