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„Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“.

Vom 15. bis 20. Juni 2009 fand in Deutschland der sogenannte erste Bildungsstreik statt. Es war der Versuch, eine Woche lang die Schulen und Hochschulen zu bestreiken, um gegen die zunehmende kapitalistische Bildungsmisere zu protestieren. Gemessen an den eigenen, hochgesteckten Zielen war dieser Bewegung ein nur sehr bescheidener Erfolg beschieden. Sie blieb die Aktion einer Minderheit. Gerade an den großen Universitäten in den Ballungszentren gelang es nicht, eine bedeutende Anzahl von Studierenden zu mobilisieren. Und selbst in den großen Städten wusste man gerade in den Schulen wenig von den geplanten Protesten. Immerhin gelang es Mitte der Aktionswoche knapp unter eine Viertel Million Menschen für Demonstrationen in über 40 Städten auf die Straße zu bringen. Die Bedeutung der Bewegung liegt vor allem darin, dass Teile einer neuen Generation die politische Bühne betreten und dabei erste Kampferfahrungen gesammelt haben.

David Attenboroughs BBC-Beitrag zur 200-Jahresfeier Darwins (Charles Darwin und der Baum des Lebens, 1.2.09) war eine meisterhafte Verteidigung der Evolutionstheorie. Attenborough vermittelte dabei mit seiner bekannten Fähigkeit komplexe wissenschaftliche Ideen. Er benutzte eine unkomplizierte Sprache und viele tolle Darstellungen durch Filme. Sein Enthusiasmus sprang wieder auf den Zuschauer über, und wie immer zeigte er Respekt vor der Natur.

„Die erste globale Krise der Menschheit“ (Welthandelsorganisation, April 2009) 1. Die „schlimmste und am stärksten überall gleichzeitig wirkende Rezession in der Menschheitsgeschichte“ (OECD, März 2009) ) 2! Selbst die großen internationalen Institutionen müssen eingestehen, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise ein bisher noch nie da gewesenes Ausmaß erreicht hat. Um ihr entgegenzuwirken, mobilisiert die herrschende Klasse seit Monaten alle Kräfte. Sie versucht mit allen Mitteln, den Abstieg in die Hölle der Weltwirtschaftskrise zu verhindern. Das Treffen der G20 ist sicherlich das stärkste Symbol dieser internationalen Reaktion 3. Alle Hoffnungen der Kapitalisten ruhten auf London, wo dieser rettende Gipfel Anfang April stattfand; er sollte die „Wirtschaft wieder ankurbeln und dem Kapitalismus einen moralischen Auftrieb“ verleihen. Den Erklärungen der verschiedenen Führer der Welt zufolge war dieser Gipfel ein echter Erfolg. „An diesem Tag hat sich die Welt versammelt, um gegen die Rezession anzukämpfen“, erklärte der britische Premierminister Gordon Brown. „Wir haben viel mehr erreicht als erwartet“, äußerte bewegt der französische Präsident Nicolas Sarkozy. „Es handelt sich um einen historischen Kompromiss gegenüber einer außergewöhnlichen Krise“, meinte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und aus Barack Obamas Sicht war der Gipfel eine „Wende“.

Natürlich sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.

IKSonline

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Studenten- & Schülerproteste: „Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“.
Filmbesprechung: Charles Darwin und der Baum des Lebens
Der G20 Gipfel in London: eine neue kapitalistische Welt ist nicht möglich
nde April warnten Politiker wie der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Sommer oder die Kandidatin der Sozialdemokratie für das deutsche Staatspräsidentenamt Gesine Schwan vor der Gefahr von großen sozialen Unruhen aufgrund der Schwere der jetzigen Wirtschaftskrise und der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Als kurz darauf die Maifeiern in Berlin und Hamburg durch besonders gewaltsame Zusammenstöße mit der Staatsmacht auffielen, warfen Politiker der Christdemokraten Sommer und Schwan Verantwortungslosigkeit vor. Ihre Mahnungen hatten – so der Vorwurf – den Teufel an die Wand gemalt, die Gefahr heraufbeschworen, wovor sie warnen wollten. Sie hätten darüber hinaus den „Krawallen“ von Berlin und Hamburg Legitimität verliehen, indem sie am Vorabend des 1. Mai die Verbindung zwischen Krise, „sozialer Ungerechtigkeit“ und sozialen Protesten hergestellt hatten.

Gegenüber den Streikbewegungen, die Guadeloupe, Martinique und in einem geringerem Maß La Réunion erschütterten, hat der französische Staat schließlich nachgegeben und fast alle Arbeiterforderungen erfüllt.

In Guadeloupe sieht das „Jacques Bino“ Abkommen (so hieß der während der Februaraufstände ermordete Gewerkschaftsaktivist), das Ende Februar, Anfang März unterzeichnet wurde, eine Lohnerhöhung von 200 Euro für die Niedriglöhner (weniger als 1.4 mal der Niedriglohn) vor sowie Zugeständnisse gegenüber den 146 Forderungen der LKP (1) hinsichtlich der Kaufkraft (Brotpreise, Einstellung von Lehrern…). Auf Martinique wurde ein ähnlicher Abschluss am 10. März getätigt; auch dort wurden Lohnerhöhungen für die Niedriglöhner zugestanden sowie die 62 Forderungen des „Kollektivs des 5. Februars“ erfüllt (2). Auf La Réunion ist die Situation unklarer. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels ist die vom Staat vorgeschlagene Lohnerhöhung (150 Euro für die Niedriglöhner und wenig Konkretes zu den 62 Forderungen der Bewegung) bislang noch nicht von COSPAR (3) unterzeichnet worden. Die Verhandlungen laufen noch. Egal wie sie ausgehen, lassen sie dennoch ein gewisses Zurückweichen der französischen Bourgeoisie erkennen.

Anlässlich des 200. Geburtstages von Charles Darwin und 150 Jahre nach der Veröffentlichung seines Werkes “Die Entstehung der Arten” ist eine Reihe von Büchern mit viel versprechenden Titeln veröffentlicht worden, die mittlerweile ganze Regale in den Buchgeschäften füllen. Viele Autoren beginnen plötzlich für Darwin zu schwärmen. Jeder hofft darauf, einen eigenen Bestseller auf den Markt zu bringen, nachdem das Sensationswerk von Richard Dawkins “Der Gotteswahn” weltweit mehr als zwei Millionen mal verkauft wurde. Für die breite Öffentlichkeit ist es deshalb schwierig, sich in dem Thema zurechtzufinden und unter den vielen wissenschaftlichen Büchern die richtigen auszuwählen. Wir haben, ohne zu zögern, Patrick Torts Buch “L‘Effet Darwin. Sélection naturelle et naissance de la civilisation” (Éditions du Seuil), (“Der Darwin Effekt – Natürliche Auswahl und Geburt der Zivilisation”) gewählt. Der Autor bietet eine besonders bereichernde Erklärung der materialistischen Auffassung Darwins über die Moral und die Zivilisation an.

Neuerdings haben wir auf der Webseite der IKS die Möglichkeit für Leser eingerichtet, ihre Kommentare zu den veröffentlichten Artikeln zu hinterlassen. In letzter Zeit haben mehrmals solche Kommentare zu Debatten zwischen unseren Lesern Anlass gegeben. So Mitte April gegenüber unserem Artikel zur Berliner Luftbrücke. Dort hatten wir beschrieben, wie Ende der 1940er Jahre, im Rahmen des einsetzenden Kalten Krieges, der westliche imperialistische Block die von seinem östlichen Gegenüber verhängte Blockade gegen West-Berlin als Vorwand nutzte, um die Bevölkerung der entstehenden Bundesrepublik hinter sich zu bringen, und ihre eigenen Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung während und am Ende des Zweiten Weltkrieges vergessen zu machen. Dieser Beitrag hat einen wütenden Kommentar einer/eines wohl aus der antifaschistischen Szene stammenden Leserin oder Lesers provoziert: „Was ist das denn für eine reaktionäre Scheiße? Wolltet ihr euch nicht gleich mit der NPD zusammenschließen und den nationalen Sozialismus aufbauen? Zum Kotzen.“

Dieser Kommentar löste wiederum eine Anzahl von Antworten anderer Leser aus, welche die Haltung des proletarischen Internationalismus gegenüber dem Zweiten Weltkrieg verteidigten. So z.B. „Guapi“:

Ende Januar dieses Jahres haben wir einen Text der ungarischen Gruppe Barikad Kollektiva erhalten. Dieser Text mit dem Titel „Anstelle von proletarischen Kämpfen ... - Bericht über die Situation in Ungarn" ist der aktuellste in einer Serie von Artikeln, in denen Barikad Kollektiva die politischen und ökonomischen Veränderun­gen in Ungarn seit dem Zusammenbruch des Ostblocks analysiert. (1) Am meisten scheint Barikad die noch ungenügende Antwort der Arbeiterklasse auf die Krise zu beschäftigen. Wir sind der Überzeugung, dass die Fragen mit denen sich diese Gruppe auseinandersetzt, von internationalem Interesse sind. Mit diesem Artikel wollen wir die Diskussion mit Barikad aufnehmen.

Weltrevolution

Zweimonatszeitung der IKS in Deutschland und der Schweiz

Als Antwort auf die Krise: internationale Arbeitersolidarität
Guadeloupe, Martinique, La Réunion : Warum die herrschende Klasse nachgab?
Zum Buch Patrick Torts « Der Darwin-Effekt : eine materialistische Auffassung des Ursprungs der Moral und der Zivilisation »
Debatte: Faschismus = Demokratie?
Barikad Kollektiva in Ungarn - Der Klassenkampf in Ungarn aus internationaler Perspektive
Weltrevolution Nr. 154
„Die erste globale Krise der Menschheit" (Welthandelsorganisation, April 2009)[1]. Die „schlimmste und am stärksten überall gleichzeitig wirkende Rezession in der Menschheitsgeschichte" (OECD, März 2009)[2]! Selbst die großen internationalen Institutionen müssen eingestehen, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise ein bisher noch nie da gewesenes Ausmaß erreicht hat. Um ihr entgegenzuwirken, mobilisiert die herrschende Klasse seit Monaten alle Kräfte. Sie versucht mit allen Mitteln, den Abstieg in die Hölle der Weltwirtschaftskrise zu verhindern. Das Treffen der G20 ist sicherlich das stärkste Symbol dieser internationalen Reaktion[3]. Alle Hoffnungen der Kapitalisten ruhten auf London, wo dieser rettende Gipfel Anfang April stattfand; er sollte die „Wirtschaft wieder ankurbeln und dem Kapitalismus einen moralischen Auftrieb" verleihen. Den Erklärungen der verschiedenen Führer der Welt zufolge war dieser Gipfel ein echter Erfolg. „An diesem Tag hat sich die Welt versammelt, um gegen die Rezession anzukämpfen", erklärte der britische Premierminister Gordon Brown. „Wir haben viel mehr erreicht als erwartet", äußerte bewegt der französische Präsident Nicolas Sarkozy. „Es handelt sich um einen historischen Kompromiss gegenüber einer außergewöhnlichen Krise", meinte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und aus Barack Obamas Sicht war der Gipfel eine „Wende".

Natürlich sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.

Die herrschende Klasse ist in Angst und Schrecken versetzt worden. Von August bis Oktober gab es eine richtige Panik in der Weltwirtschaft. Die Aufsehen erregenden Erklärungen von Politikern und Ökonomen verdeutlichen dies: „Die Welt am Rand des Abgrunds". „Ein ökonomisches Pearl Harbour", ein „auf uns zurollender Tsunami", „ein 11. September der Finanzen"[1] Nur die Anspielung auf die Titanic fehlte noch.

Es stimmt, die größten Banken der Welt gerieten eine nach der anderen in Konkurs, die Börse stürzte in den Keller. Seit Januar 2008 wurden 32.000 Milliarden Dollar verbraten, d.h. soviel wie zwei Jahre Gesamtproduktion der USA. Die Börse Islands fiel um 94%, die Moskaus um 71%.

Schließlich ist es den Herrschenden gelungen, mit Hilfe eines „Rettungsplans" und eines „Ankurbelungsplans" nach dem anderen die totale Erstarrung der Wirtschaft zu vermeiden. Heißt dies aber, das Schlimmste sei jetzt hinter uns? Sicher nicht! Die Rezession, die gerade erst angefangen hat, wird wohl die zerstörerischste sein seit der Großen Depression von 1929.

Ende 2008 wurden mehrere Länder Europas von Schüler- und Studentenbewegungen erschüttert. In Griechenland wurde an Vollversammlungen sogar von einem „neuen Mai 68" gesprochen. Doch es waren nicht nur die Jugendlichen, die sich gegen die Angriffe des Staates und gegen die polizeiliche Repression wehrten, verschiedene Sektoren der Arbeiterklasse schlossen sich diesem Kampf der jungen Generation an. Die Zuspitzung der Krise verdeutlicht immer mehr den Bankrott des kapitalistischen Systems, das den Kindern der Arbeiterklasse keine Perspektive zu bieten hat. Diese sozialen Bewegungen waren nicht lediglich Jugendbewegungen. Sie sind Teil des Kampfes der Arbeiterklasse der sich international verstärkt. Die gegenwärtige Dynamik des Klassenkampfes, die sich durch das Auftreten der einer neuen Generation auf die soziale Bühne auszeichnet, bestätigt dass die Zukunft in den Händen der Arbeiterklasse liegt. Angesichts der Arbeitslosigkeit, Unsicherheit, Armut und Ausbeutung ist die alte Losung der Arbeiterbewegung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" aktueller denn je.
In der Internationalen Revue Nr. 42 begannen wir mit der Veröffentlichung einer Debatte innerhalb der IKS über die grundlegenden Ursachen für die Periode der Nachkriegsprosperität während der 1950-60er Jahre, die sich als außergewöhnlich in der Geschichte des Kapitalismus seit dem Ersten Weltkrieg erwiesen hat. In diesem Artikel formulierten wir die Fragen und den Rahmen der Debatte und stellten kurz die Hauptpositionen dar, um die sich die Debatte dreht. Wir veröffentlichen nachstehend einen neuen Beitrag zur Diskussion.

Dieser Beitrag unterstützt die in Nr. 42 vorgestellte These unter dem Titel „keynesianisch-fordistischer Staatskapitalismus" und schreibt die Schaffung einer zahlungsfähigen Nachfrage während des Nachkriegsbooms im wesentlichen den keynesianischen Mechanismen zu, die von der Bourgeoisie installiert worden waren. In den folgenden Ausgaben der Revue werden wir Artikel veröffentlichen, die andere Positionen in der Debatte vertreten und auf diese Position antworten, insbesondere bezüglich des Charakters der kapitalistischen Akkumulation und der Faktoren, die den Eintritt des Kapitalismus in seine dekadente Phase bestimmen.

„In den Ländern der Dritten Welt dehnen sich die Hungersnöte aus, und sie werden auch bald aus den Ländern zu vermelden sein, die angeblich „sozialistisch" waren. Gleichzeitig vernichtet man in Westeuropa und in Nordamerika die landwirtschaftlichen Güter massenweise, und bezahlt den Bauern Gelder, damit weniger angebaut und geerntet wird. Sie werden bestraft, wenn sie mehr als die auferlegten Quoten produzieren. In Lateinamerika töten Epidemien wie die Cholera Tausende von Menschen, obgleich diese Geißel schon seit langem gebannt schien. Auch weiterhin fallen Zehntausende von Menschen binnen kürzester Zeit Überschwemmungen und Erdbeben zum Opfer, obgleich die Gesellschaft in der Lage wäre, Deiche und erdbebensichere Häuser zu bauen. Ganz zu schweigen von den Tücken oder „Fatalitäten" der Natur,
Welche wissenschaftliche Methode benötigen wir, um die gegenwärtige gesellschaftliche Ordnung und die Bedingungen und Mittel ihrer Aufhebung zu verstehen?

Im ersten Teil dieser Serie untersuchten wir die Abfolge der Weltkriege, Revolutionen und globalen Wirtschaftskrisen, die den Eintritt des Kapitalismus in seine Niedergangsepoche im frühen 20. Jahrhundert ankündeten und die die Menschheit vor die historische Alternative stellen: Errichtung einer höheren Produktionsweise oder Rückfall in die Barbarei. Aber das Verständnis der Ursprünge und Ursachen der Krisen, denen sich die Menschheit gegenübersieht, bedarf einer Theorie, die die gesamte Bewegung der Geschichte umfasst. Allgemeine Geschichtstheorien sind nicht mehr angesagt unter den offiziellen Historikern, die mit Fortdauer der Niedergangsepoche des Kapitalismus zunehmend in Verlegenheit gerieten, irgendeinen Über- und einen wirklichen Einblick in die Quellen der Spirale von Katastrophen anzubieten, die diese Periode gekennzeichnet haben. Große historische Visionen sind nicht mehr in Mode; sie werden abgetan als Abkömmlinge des idealistischen deutschen Philosophen Hegel oder der allzu optimistischen englischen Liberalen, die auf dem gleichen Gebiet die Idee eines stetigen Fortschritts der Geschichte aus der Dunkelheit und Tyrannei zur wunderbaren Freiheit der Bürger im modernen Verfassungsstaat entwickelten.

Internationale Revue

Halbjährlich erscheinende deutsche Ausgabe. Die Internationale Revue erscheint regelmäßig auf Englisch, Französisch und Spanisch alle drei Monate

Internationale Revue 43
Der G20 Gipfel in London: eine neue kapitalistische Welt ist nicht möglich
Die schlimmste Wirtschaftskrise der Geschichte des Kapitalismus
Griechenland: Der Aufstand der Jugend in Griechenland bestätigt die Entwicklung des Klassenkampfs
Interne Debatte in der IKS (II): Die Ursachen für die Aufschwungperiode nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Welt am Rande einer Umweltkatastrophe
Dekadenz des Kapitalismus