Manifest des 9. Kongresses der IKS

 

 

MANIFEST DES 9.
KONGRESSES DER IKS

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In Anbetracht all
dessen, was auf dem Spiel steht, hat es nie zuvor in der Geschichte eine
dramatischere und entscheidendere Situation gegeben als heute. Nie zuvor hat
eine Gesellschaftsklasse vor einer vergleichbaren Verantwortung gestanden wie
die, vor der jetzt die Arbeiterklasse steht. „Der Kommunismus ist tot“,
„Arbeiter, ihr hofft vergeblich darauf, den Kapitalismus umstürzen zu können,
dieses System hat seinen Todfeind endgültig niedergestreckt!” Das sind die
Töne, die wir von den Herrschenden seit dem Zusammenbruch des Ostblocks hören.
So wurde die größte Lüge der Geschichte, die Identifizierung des Kommunismus
mit dem Stalinismus, d.h. einer der barbarischsten Formen der kapitalistischen
Ausbeutung, uns erneut zu einem Zeitpunkt aufgetischt, wo dieser Stalinismus
sich in Schmutz und Chaos auflöst. Für die herrschende Klasse in allen Ländern
kommt es darauf an, ihre Ausgebeuteten zu überzeugen, dass „es vergeblich ist
zu kämpfen, um die Welt zu verändern. Man muss sich mit dem zufrieden geben,
was wir haben, denn es gibt nichts anderes. Und hütet euch, wenn der
Kapitalismus umgestürzt werden sollte, würde die ihm nachfolgende Gesellschaft
noch schlimmer sein“. Die ruhmlose Kapitulation des Stalinismus Anfang 1989,
der Zusammenbruch des von ihm beherrschten Blocks, wurden uns als „große Siege
der Demokratie und des Friedens“ dargestellt. Sie sollten zu einer „neuen
Weltordnung“ führen, die mehr Wohlstand und Frieden  bringen würde, in der
die „Menschenrechte“ endlich respektiert werden würden.Kaum waren diese Reden
verhallt, hatten die großen Länder, die sich „zivilisiert“ schimpfen, 1990 eine
ungeheure Barbarei im Mittleren Osten ausgelöst, in der Hunderttausende von
Menschen durch Bomben getötet, und der Irak mit Ruinen und Leichen übersät
wurde. Damit musste die Bevölkerung dieses Landes auf grausame Art und Weise
die „Strafe“ einstecken, die ihren Ausbeutern und Unterdrückern erteilt werden
sollte. „Aber jetzt ist alles vorbei”, versichern uns die Herrschenden mit der
Hand auf dem Herzen. „Dieser Krieg war notwendig”, - behaupten sie, damit es
keine anderen Kriege mehr gebe. Indem wir für die Anerkennung des
„internationalen Rechtes“ sorgen, machen wir eine solidarische Welt erst
möglich, in der Konflikte auf friedliche Art und Weise unter der Führung der
„Internationalen Gemeinschaft“ und der „Vereinten Nationen“ gelöst werden
können“. Infolge dieser Umwälzungen und gegenüber dieser Woge von Barbarei und
Lügen ist die Weltarbeiterklasse wie gelähmt geblieben. Hat die herrschende
Klasse den Kampf endgültig gewonnen? Hat sie es geschafft, all die Widersprüche
zu überwinden, die ihr System von Anfang an, insbesondere aber in den letzten
Jahrzehnten befallen haben? Ist für sie das Gespenst der kommunistischen
Revolution, das seit mehr als einem Jahrhundert die Herrschenden in Schrecken
versetzt hat, gebannt? Das jedenfalls will sie den Ausgebeuteten eintrichtern.
Aber man darf sich nichts vormachen. Die Welt und damit die Verhältnisse, die
sie uns anbietet und die wir schützen sollen, werden nicht besser werden,
sondern alles wird noch viel schlimmer kommen. Und die Arbeiterklasse
ihrerseits hat noch nicht das letzte Wort gesprochen. Selbst wenn sie
vorübergehend mundtot gemacht wurde, besitzt sie weiterhin die Kraft, um den
Kapitalismus und die von ihm immer wieder hervorgebrachte Barbarei aus der Welt
zu schaffen. Mehr als je zuvor ist ihr Kampf die einzige Hoffnung für die
Menschheit, damit diese sich aus den Fesseln des Kapitalismus, der Misere, der
Kriege und all des Elends befreit, unter denen sie bislang zu leiden hatte.Dies
müssen die Revolutionäre ihrer Klasse sagen. Und dies möchte das hier
vorliegende Manifest zum Ausdruck bringen.Gegenüber den widerwärtigen Kampagnen
der bürgerlichen Propaganda besteht die erste Aufgabe der Revolutionäre darin,
die Wahrheit wiederherzustellen und der Arbeiterklasse in Erinnerung zu rufen,
was die kommunistische Revolution wirklich war und sein wird. Dieser wird ja
heute vorgeworfen, sie sei für all das Übel verantwortlich, unter dem die
Menschen heute leiden. Insbesondere ist es ihre Aufgabe, die gewaltigen Lügen
zu entblößen, die diese Regime als „kommunistisch“ bezeichnen, die einen ganzen
Teil der Erde jahrzehntelang beherrscht haben. Sie müssen aufzeigen,  dass
diese Regime kein Ergebnis, und auch kein noch so entarteter Überrest der
proletarischen Revolution, sondern nur ihre Totengräber waren. Der Stalinismus
ist nicht das Ergebnis der Revolution, sondern die Verkörperung der
Konterrevolution Anfang dieses Jahrhunderts, während und nach dem 1. Weltkrieg
war das Proletariat in gigantische Kämpfe eingetreten, die fast den
Kapitalismus umgestürzt hätten. 1917 hatte die Arbeiterklasse die bürgerliche
Macht in Russland gestürzt. Zwischen 1918 und 1923 trat sie in Deutschland, dem
bedeutendsten europäischen Land, mehrfach in Sturmläufe gegen den Staat an, um
zum gleichen Ziel zu gelangen. Diese revolutionäre Welle hatte Auswirkungen auf
alle Teile der Erde, nämlich überall dort, wo es eine entwickelte
Arbeiterklasse gab, von Italien bis Kanada, von Ungarn bis China. Dies war die
Reaktion der Weltarbeiterklasse auf den Eintritt des Kapitalismus in seine
Niedergangsperiode, deren erster großer Ausdruck der 1. Weltkrieg gewesen war.
Diese Kämpfe waren ein auffallender Beweis für all die Voraussagen gewesen, die
die Revolutionäre in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemacht hatten:
die Zeit war für die Arbeiterklasse gekommen, wie es das „Kommunistische
Manifest“ 1848 angekündigt hatte, das Urteil der Geschichte gegen den
Kapitalismus zu vollstrecken, gegen ein Produktionssystem, das nunmehr nicht
mehr in der Lage war, der Menschheit irgendeinen Fortschritt anzubieten.

Die Niederlage der
Arbeiterklasse und die kapitalistische KonterrevolutionAber die Weltbourgeoisie
schaffte es, die gewaltige Bewegung der Arbeiterklasse, die die ganze Welt
erschüttert hatte, in Griff zu kriegen. Sie überwand die Angst, die ihr durch
die Aussicht auf ihr eigenes Verschwinden eingejagt worden war, und reagierte
ganz wie ein angegriffenes Raubtier, das seine Kräfte in den Kampf warf. Dabei
schreckte sie vor keinem Verbrechen zurück. Im Handumdrehen waren die
imperialistischen Gegensätze, die sie zuvor vier Kriegsjahre lang gespalten
hatten, beiseite geschoben, um gemeinsam gegen die Revolution vorzugehen. Durch
List und Repression, Lügen und Massaker besiegte sie die aufständischen
Arbeitermassen. Sie legte einen isolierenden Ring um das revolutionäre
Russland, indem sie eine Blockade errichtete, die Millionen von Menschen dem
Hungersnot auslieferte. Später schob sie die Schuld für diese Hungersnot der
revolutionären Bewegung selber zu. Mittels des massiven Einsatzes von Menschen
und Waffen, von den Weißen Armeen bis hin zum gestürzten Zaren entfaltete sie
einen schrecklichen Bürgerkrieg, der für Millionen von Menschen den Tod brachte
und die Wirtschaft vollständig ruinierte. Nach so vielen Verwüstungen und den
Ruinen, aufgrund des Scheiterns der Weltrevolution isoliert, durch die Kämpfe
und den Hunger geschwächt, konnte die Arbeiterklasse in Russland, obgleich sie
die Armeen der Konterrevolution zurückgeschlagen und gar besiegt hatte, nicht
die Macht in ihren Händen behalten, die sie im Oktober 1917 ergriffen hatte.
Noch weniger war sie dazu in der Lage, "den Sozialismus aufzubauen“. In
den anderen Ländern geschlagen, insbesondere in den großen Industriezentren
Westeuropas und Nordamerikas, musste sie zwangsläufig auch in Russland selber
besiegt werden.Der weltweite Sieg der Konterrevolution fand auch seinen
Niederschlag in Russland. Nicht aber, indem dort der nach der Revolution
entstandene Staat zerstört worden wäre, sondern durch den Niedergang dieses
Staates. Weil die bürgerliche Klasse weltweit ihre Macht aufrechterhalten
konnte, konnte es zu keiner Befreiung vom Kapitalismus in Russland kommen. Der
Apparat dieses Staates stellte dann die neue Form der Bourgeoisie, deren
Aufgabe es war, die Arbeiterklasse auszubeuten und den Interessen des
nationalen Kapitals zu dienen. Nachdem sie an der Spitze der Revolution von
1917 gestanden hatte, war auch die Bolschewistische Partei in diesen Niedergang
eingetreten, als sie sich zunehmend mit dem Staat identifizierte. Die besten
Kämpfer der Revolution wurden Schritt für Schritt von den verantwortlichen
Posten entfernt, ausgeschlossen, ins Ausland abgeschoben, ins Exil geschickt,
ins Gefängnis gesteckt, schließlich von einer ganzen Reihe von Aufsteigern,
Karrieremachern und Bürokraten erschossen, die in Stalin ihren besten
Stellvertreter gefunden hatten. Diesen ging es nicht mehr um die Verteidigung
der Interessen der Arbeiterklasse, sondern im Gegenteil um den Ausbau einer
Diktatur mittels Lügen und Repression, um die neue Form des Kapitalismus, die
in Russland errichtet worden war, zu schützen und befestigen.Die anderen
Parteien der Internationale, die "Kommunistischen Parteien“, schlugen den
gleichen Weg ein. Das Scheitern der Weltrevolution und die Verwirrung, die
anschließend in den Reihen der Arbeiter auftrat, begünstigten die Entwicklung
des Opportunismus in diesen Parteien, d.h. förderten eine Politik, die die
revolutionären Prinzipien und historischen Perspektiven der 
Arbeiterklasse der Illusion unmittelbarer „Erfolge“ opferte. Diese Entwicklung
der kommunistischen Parteien machte den Weg frei für Leute, die mehr an ihre
Karriere im Räderwerk der bürgerlichen Gesellschaft, im Parlament oder in den
Verwaltungen dachten, als an den Kampf und die Interessen der Arbeiterklasse.
Diese Parteien waren durch die Krankheit des Opportunismus befallen worden und
unter die Kontrolle der karriereerpichten Bürokraten geraten und zusätzlich dem
Druck des russischen Staates ausgesetzt, der diese Bürokraten mit Hilfe von
Lügen und Einschüchterung in führende Stellungen brachte. Und nachdem diese
Parteien die dem revolutionären Kampf treuesten Mitglieder aus ihren
Reihen  herausgeworfen und verjagt hatten, begingen sie auch Verrat und
wechselten ins Lager der Bourgeoisie über. Gleich wie die vom Stalinismus
beherrschte Bolschewistische Partei wurden sie zu Avantgarden der
Konterrevolution in den jeweiligen Ländern, wo sie wirkten. Und diese Rolle
konnten sie so gut erfüllen, weil sie sich als die Parteien der kommunistischen
Revolution, die Erben des roten Oktobers darstellten. Genauso wie Stalin zur
Sicherung seiner Macht in der niedergehenden bolschewistischen Partei und zur
Bekämpfung der Mitglieder, die der Sache des Proletariats am treuesten und
ergebensten waren, sich auf das Prestige Lenins berufen hatte, stützten sich
die stalinistischen Parteien zum Zwecke der wirksameren Sabotage der
Arbeiterkämpfe auf das Prestige, das die russische Revolution von 1917 und die
Bolschewiki unter den Arbeitern der ganzen Welt genossen.Die Identifizierung
des Stalinismus mit dem Kommunismus, die uns heute wieder präsentiert wird, ist
sicherlich die größte Lüge der Geschichte. In Wirklichkeit ist der Stalinismus
der schlimmste Feind des Kommunismus, seine Verwerfung selber.Der Kommunismus
kann nur internationalistisch sein, der Stalinismus dagegen bedeutet den Sieg
des Chauvinismus.So hat die kommunistische Theorie von Anfang an den
Internationalismus, die internationale Solidarität aller Arbeiter der Welt zum
obersten Prinzip gemacht: „Arbeiter aller Länder, vereinigt Euch“, war der
Schlachtruf des Kommunistischen Manifestes gewesen, das von Marx und Engels,
den beiden Hauptgründern dieser Theorie,  verfasst worden war. Dieses Manifest
hob hervor, dass die „Arbeiter kein Vaterland“ haben. Und wenn der
Internationalismus immer solch eine Bedeutung für die Arbeiterbewegung gehabt
hat, ist dies nicht auf die utopischen Auffassungen einiger falscher Propheten
zurückzuführen, sondern weil die Revolution des Proletariats, die als einzige
die kapitalistische Ausbeutung und jede Form der Ausbeutung des Menschen durch
den Menschen abschaffen kann, nur international stattfinden kann. Mit Nachdruck
war dies schon 1847 betont worden: „Die kommunistische Revolution wird daher
keine bloß nationale, sie wird eine in allen zivilisierten Ländern ...
gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein ... Sie wird auf die übrigen
Länder der Welt ebenfalls eine bedeutende Rückwirkung ausüben und ihre
bisherige Entwicklungsweise ähnlich verändern und sehr beschleunigen. Sie ist
eine universelle Revolution und wird daher auch ein universelles Terrain haben“
.
(Engels, Grundsätze des Kommunismus, in Marx/Engels Werke, Bd. 4, S. 374). Und
dieses gleiche Prinzip wurde von den Bolschewiki zur Zeit der Revolution in
Russland erbittert verteidigt: „Die russische Revolution ist lediglich einer
der Trupps der internationalen sozialistischen Armee, von deren Aktion der
Erfolg und der Triumph der von uns vollzogenen Umwälzung abhängt. Diese
Tatsache wird von keinem von uns vergessen ... Das russische Proletariat ist
sich bewusst, in der Revolution allein dazustehen, und erkennt klar, dass die
vereinte Aktion der Arbeiter der ganzen Welt oder einiger in kapitalistischer
Hinsicht fortgeschrittener Länder die notwendige Bedingung und grundlegende
Voraussetzung seines Sieges ist“
(Lenin, 23. Juli 1918, Werke Bd. 27, S.
547). Deshalb war die These vom „Aufbau des Sozialismus in einem Land“, die
Stalin 1925 nach dem Tod Lenins verbreitete, nichts anderes als ein
schändlicher Verrat an den grundlegenden Prinzipien der Arbeiterbewegung.
Anstelle des Internationalismus, für den die Bolschewiki und alle Revolutionäre
insbesondere während des 1. Weltkriegs, der ja gerade wegen des Widerstandes
der Arbeiter in Russland und in Deutschland beendet worden war, gekämpft
hatten, traten Stalin und seine Komplizen als die schlimmsten Verteidiger des
Nationalismus auf.In Russland wurden unter dem Vorwand der Verteidigung des
„sozialistischen Vaterlandes“ die alten chauvinistischen Kampagnen wieder
aufgewärmt, die einige Jahre zuvor den Weißen Armeen bei deren Kampf gegen die
proletarische Revolution gedient hatten. Und während des 2. Weltkriegs brüstete
sich Stalin mit der Beteiligung seines Landes an diesem imperialistischen
Abschlachten, bei dem 20 Millionen Menschen für den „Sieg des Vaterlandes“
starben. In den anderen Ländern machten es sich die stalinistischen Parteien
zur Aufgabe, die Nationalhymnen mit Tönen aus der Internationalen zu vermischen,
die ja weltweit das Lied der Arbeiterklasse war. Die rote Fahne, die seit mehr
als einem Jahrhundert das Banner der Arbeiterkämpfe war, wurde zu einem
nationalistischen Drecklappen, der von den Bullen und Armeen bei den Massakern
der Arbeiter zur Schau gestellt wurde. Und bei der nationalistischen Hysterie,
die Ende des 2. Weltkriegs in den zuvor von Deutschland besetzten Ländern
ausbrach, traten die stalinistischen Parteien stolz an die erste Stelle. Sie
selbst wollten niemand anders die Aufgabe überlassen, all diejenigen
umzubringen, die als „Verräter am Vaterland“ versucht hatten, ihre
internationalistische Stimme zu erheben.Nationalismus gegen Internationalismus,
damit war erneut der Beweis erbracht, wenn überhaupt noch einer erforderlich
war, dass der Stalinismus nichts mit dem Kommunismus zu tun hatte. Aber das ist
nicht alles. Der Kommunismus bedeutet die Abschaffung der Ausbeutung mit Hilfe
der Diktatur des Proletariats, der Stalinismus bedeutet Diktatur über die
Arbeiterklasse, um deren Ausbeutung aufrechtzuerhalten.Der Kommunismus kann nur
errichtet werden, wenn die Arbeiterklasse ihre Diktatur ausübt, d.h. durch die
Macht der Lohnabhängigen über die Gesellschaft. Diese Macht wird durch die
Arbeiterräte ausgeübt, d.h. durch die unabhängigen Vollversammlungen der
Arbeiter, die die wesentlichen Entscheidungen hinsichtlich der
Entwicklungsrichtung der Gesellschaft treffen sollen, und die ständig
diejenigen kontrollieren, die sie als Delegierte für die Aufgaben der
Zentralisierung und Koordination erwählt haben. Diese Prinzipien waren 1917
durch die Sowjets (wie die Arbeiterräte auf Russisch heißen) eingeführt worden.
Der Stalinismus verwarf all diese Prinzipien. Der Stalinismus trat nicht für
die Diktatur des Proletariats, sondern für die Diktatur über das Proletariat
durch eine kleine Minderheit von Bürokraten ein, die sich auf den
schrecklichsten Terror, die Polizei, Denunzierungen, Konzentrations- und
Arbeitslager stützte, und vor Massakern an Arbeitern, die es wagten, sich gegen
ihn zu erheben, wie in Ungarn 1956, Polen 1970 und 1981, nicht zurückschreckte.
Schließlich stellt der Kommunismus die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen
durch den Menschen dar, das Ende der Spaltung der Gesellschaft zwischen einer
privilegierten und ausgebeuteten Klasse, deren Arbeit vor allem dazu dient, die
erste zu bereichern. In den stalinistischen Regimes wurden die Arbeiter weiter
ausgebeutet. Ihre Arbeit, ihr Schweiß und ihre Opfer dienten nur dazu, es den
führenden Stellen des Partei- und Staatsapparates zu ermöglichen, weiterhin
ihre Privilegien auszukosten, in Luxuswohnungen zu leben, während die
Arbeiterfamilien in winzigen Wohnungen hausten, die Bonzen sich in
Spezialgeschäften versorgen konnten, wo es an nichts fehlte, während die
Geschäfte für die Lohnabhängigen hoffnungslos leer waren, und die Arbeiter
stundenlang für ein winziges, halb verfaultes Stück Fleisch Schlange stehen
mussten. In der kommunistischen Gesellschaft ist die Produktion auf die
Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse ausgerichtet. In den „Übergangsländern
zum Kommunismus“, die die UdSSR und andere Länder zu sein vorgaben, oder mehr
noch in den offiziell kapitalistischen Ländern wird der Großteil der Produktion
in die Rüstung gesteckt, d.h. in die höchst entwickelten und mörderischsten Zerstörungsmittel.Schließlich
sieht man, dass die Regime, die im Namen des Kommunismus, des Sozialismus oder
der Arbeiterklasse in einem Teil der Welt regiert haben, all die typischen
Wesenszüge des Kapitalismus in sich tragen, ganz einfach, weil dies vollkommen
kapitalistische Regime waren. Dabei ist unerheblich, dass es sich um besonders
zerbrechliche Formen des Kapitalismus handelte, oder dass die
„Privatbourgeoisie“, wie man sie in den westlichen Ländern kennt, von einer
Staatsbourgeoisie ersetzt worden ist, und auch, dass die weltweit wirkende
Tendenz zum Staatskapitalismus, die das ganze kapitalistische System in allen
Ländern der Welt seit seinem Eintritt in seine Dekadenzphase erfasst, dort
besonders karikaturale und abartige Formen angenommen hat.

Die „Demokratien“ -
Komplizen des Stalinismus Weil das Regime, das in Russland nach dem
Scheitern der Revolution die Macht übernommen
hatte, nur eine besondere Spielart des Kapitalismus und gar die Speerspitze der
Konterrevolution war, erhielt es Unterstützung von allen Bürgerlichen, die
Jahre zuvor mit aller Heftigkeit die Macht der Arbeiterräte bekämpft hatten.
1934 nahmen diese gleichen Kapitalisten die UdSSR in den Völkerbund
(Vorläuferorganisation der UNO) auf, der von den Revolutionären wie Lenin bei
seiner Gründung als Gangsterbande bezeichnet wurde. Dies war der Beweis dafür,
dass Stalin in den Augen der herrschenden Klasse aller Länder „akzeptabel“
geworden war. Es waren die gleichen Kapitalisten gewesen, die 1917 ein Bild der
Bolschewiki als „Barbaren mit Messern zwischen den Zähnen“ gezeichnet hatten.
Die Imperialisten erkannten Stalin als einen der ihren an. Und von da an wurden
die Revolutionäre, die den Stalinisten Widerstand leisteten, auch von der
ganzen internationalen Bourgeoisie verfolgt. So wurde Trotzki

[2]

,
einer der Hauptführer der Revolution von 1917, zu einem der Gejagten in der
ganzen Welt. 1928 aus der UdSSR und später von einem Land nach dem anderen
ausgewiesen, dann von allen Behörden polizeilicher Überwachung unterstellt,
wurde er darüber hinaus auch noch zur Zielscheibe gewaltiger
Verleumdungskampagnen, die zudem von den westlichen Medien weiter getragen
wurden. So wurden auf den von 1936 an von Stalin organisierten „Moskauer
Prozessen“ alte Weggefährten Lenins, die durch die Folter gebrochen worden
waren, vorgeführt, die sich selbst der schlimmsten  Verbrechen
beschuldigten und exemplarische Strafen verlangten. Und die internationale
Bourgeoisie behauptete noch dreist, „es gibt keinen Rauch ohne Feuer“. Mit
Schützenhilfe der Bourgeoisie aller Länder konnte Stalin seine schrecklichen
Verbrechen begehen, als er in den Gefängnissen und in den Lagern
Hunderttausende Kommunisten, insgesamt mehr als 10 Millionen Arbeiter und
Bauern  umbringen ließ. Und am eifrigsten halfen Stalin die
„demokratischen“ Teile der Bourgeoisie, insbesondere die Sozialdemokratie, d.h.
die Gleichen, die heute am lautstärksten die stalinistischen Verbrechen an den
Pranger stellen und sich selbst als tugendhaft darstellen. Die Komplizenschaft
der „Demokratien“ gegenüber den Taten des Stalinismus, die sie heute vertuschen
wollen, sind aber nicht ihre einzigen Verbrechen. Tatsächlich ist die bürgerliche
Demokratie ebenso Expertin bei den Grausamkeiten wie die anderen Formen der
kapitalistischen Regime, der Stalinismus oder der Faschismus.

Die Demokratie ist
die heuchelnde Maske der blutigen Herrschaft der BourgeoisieImmer schon haben
die Revolutionäre das Lügengebäude der Demokratie in der kapitalistischen
Gesellschaft entlarvt. Diese Regierungsform, bei
der offiziell die Macht dem „Volke“ gehört, angeblich allen Bürgern, war in
Wirklichkeit nie etwas anderes als ein Machtinstrument seitens der Herrschenden
gegenüber den von ihnen ausgebeuteten Klassen.Von Anfang an verrichtete die
bürgerliche Demokratie ihre Drecksarbeit. So hielt die große amerikanische
Demokratie um Washington, Jefferson & Co., die als so modellhaft
dargestellt wird, die Sklaverei bis 1864 aufrecht. Und als sie sich für deren
Abschaffung entschied, weil die Ausbeutung von Arbeitern profitabler war als
die Sklavenarbeit, war es eine andere beispielhafte Demokratie, England, die
die Südstaaten der USA  gegen den Norden unterstützte, da diese die
Sklaverei aufrechterhalten wollten. Und während der gleichen Zeit zeichnete
sich die andere große Stellvertreterin der bürgerlichen Demokratie, die sich
auf das Erbe der Revolution von 1789 und die „Erklärung der Menschenrechte“
berief, durch die Niederschlagung der Pariser Kommune von 1871 aus. Bei diesem
Massaker kamen innerhalb einer Woche mehrere Zehntausend Arbeiter um. Aber
diese Verbrechen der Demokratie sind nur Kleinigkeiten, wenn man sie mit den
Taten im 20. Jahrhundert vergleicht.

Die Verbrechen der
bürgerlichen Demokratie im 20. Jahrhundert Die vollkommen „demokratischen“
Regierungen waren mit der eifrigen Unterstützung der meisten „sozialistischen“
Parteien die Hauptstützen für die Fortsetzung des 1. Weltkriegs, in dem mehr als
20 Millionen Menschen ums Leben kamen. Die gleichen Regierungen schlugen mit
Unterstützung, wenn nicht gar mit direkter Regierungsführung der „Sozialisten“
die revolutionäre Welle von Kämpfen blutig nieder, die den 1. Weltkrieg zu Ende
gebracht hatte. Unter dem Vorwand, einen Fluchtversuch stoppen zu wollen,
wurden im Januar 1919 in Berlin Karl Liebknecht mit einem Nackenschuss und Rosa
Luxemburg mit Kolbenhieben durch Soldaten unter dem Befehl des Sozialdemokraten
Noske umgebracht. Gleichzeitig massakrierte die sozialdemokratische Regierung
Tausende von Arbeitern mit Hilfe der 16.000 Maschinengewehre, die das
siegreiche Frankreich Deutschland schnell zur Verfügung gestellt hatte. Die
gleichen „Demokratien“, insbesondere die USA, Großbritannien und Frankreich unterstützten
von 1918 an bedingungslos die Truppen des Zaren, d.h. ein Regime, das eines der
brutalsten und rückständigsten in der damaligen Zeit beim Kampf gegen das
revolutionäre Proletariat in Russland war.Und in der Zeit zwischen den beiden
Weltkriegen beging dann die tugendhafte „Demokratie“ ebenso viele Verbrechen.
Unter anderem nahmen die Massaker in den Kolonien stark zu, und das Musterland
der Demokratie, England, leitete 1925 eine Reihe von Bestialitäten ein, die man
später dem „Henker von Bagdad“, Saddam Hussein, vorwarf: den Einsatz von
Giftgasen gegen die kurdische Bevölkerung. Aber während des 2. Weltkrieges, der
ja angeblich als ein Feldzug gegen die Diktatur und die
Nazischreckensherrschaft geführt werden sollte, bewies dann die Demokratie erneut
ihr wahres Gesicht.Die Propaganda der „Alliierten“ nach dem 2. Weltkrieg
stellte unermüdlich die „Kriegsverbrechen“ seitens der Deutschen in den
Vordergrund. Das war natürlich ein leichtes Spiel: Mit einer Polizeidiktatur
und Konzentrationslagern, die dem Stalinismus alle Ehre machten, stellten die
Nazis mit dem Stalinismus den Gipfel der Barbarei dar, den der dekadente
Kapitalismus hervorgebracht hatte. Nachdem er von der gleichen deutschen
Bourgeoisie - die die Sozialdemokratie zehn Jahre zuvor an die Macht gebracht
hatte, um die Arbeiterrevolution niederzuschlagen - auf „demokratische“ Art und
parlamentarisch „abgesichert“ eingesetzt worden war, stellte der
Nationalsozialismus mit dem Holocaust von 6 Millionen Juden das Symbol der
Schreckensherrschaft dar, die die herrschende Klasse ausüben kann, wenn sie
sich bedroht fühlt. Die Beteiligten der Naziverbrechen wurden in Nürnberg vor
Gericht gestellt und einige wurden erschossen. Aber es gab keine
Gerichtsverhandlung, keinen Prozess gegen Churchill, Roosevelt oder Truman
sowie gegen die Militärs der Alliierten, die verantwortlich waren unter anderem
für die systematische Bombardierung der deutschen Städte, insbesondere der
Arbeiterviertel in diesen Städten, in denen jeweils mehrere Zehntausende von
Zivilisten umkamen. Weil es sich um die Siegermächte handelte, gab es keinen
Prozess gegen diejenigen, die die Bombardierung Dresdens für den 13. und 14.
Februar 1945 angeordnet hatten, bei der innerhalb weniger Stunden ca. 200.000
Menschen in einem Flammenmeer zu Tode gekommen waren, obgleich diese Stadt
schon militärisch als erobert galt und Hunderttausende von Flüchtlingen und
Verletzten sich dort aufhielten. Auch die große amerikanische Demokratie
benutzte zum ersten und einzigen Mal bislang im August 1945 die Atombombe gegen
die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, wodurch in einer Sekunde jeweils
75.000 und 40.000 Tote zu beklagen waren - und natürlich noch viel mehr an den
schrecklichen Folgen. Diese gleichen Demokraten, die Churchills und Roosevelts wussten 
über die Auslöschung von Millionen von Juden durch das Nazi-Regime genau
Bescheid. Aber sie unternahmen nichts, um sie zu retten, wobei sie sich gar
kategorisch weigerten, über die Vorschläge der deutschen Regierung und deren
Verbündeten zur Freilassung von Hunderttausenden zu verhandeln. Und diese
„Humanisten“ verteidigten ihre Haltung mit dem größten Zynismus: Den Transport
und die Aufnahme all dieser Juden zu organisieren, hätte die Kriegsbemühungen
verlangsamt und geschwächt.

Nach dem 2. Weltkrieg
hat die „Demokratie“ ihre Verbrechen fortgesetzt Während die Siegermächte
überall Moralpredigten hielten, von der Freiheit, dem Völker- und dem
Menschenrecht schwafelten, die sie der Barbarei der Nazis entgegenhielten,
zögerten sie zu keinem Zeitpunkt, die gleichen Methoden einzusetzen, die sie
den Nazis vorwarfen. Z.B. massive Unterdrückung gegen die Zivilbevölkerung
hatten nicht nur die Angeklagten der Nürnberger Prozesse begangen, sondern sie
waren Alltagsgeschehen in den Kolonial- oder Neokolonialkriegen, die von den
verschiedenen „demokratischen“ Ländern geführt wurden, wie z.B. von den USA,
dem Vorzeigestaat der „freien Welt“, oder Frankreich, dem „Vaterland der
Menschenrechte“. Am Tag der Kapitulation Hitlerdeutschlands, am 8.Mai 1945,
befahl die französische Regierung, an der sich christliche Demokraten,
„Sozialisten“ und „Kommunisten“ beteiligten, die Bombardierung der algerischen
Städte Setif und Constantine, wo ein Teil der Bevölkerung die Reden der
Regierung über „nationale Befreiung“ allzu wörtlich genommen hatte. Ergebnis:
über 20.000 Tote! Zwei Jahre später wiederholte die französische Regierung
dieses Massaker auf Madagaskar, dieses Mal mit mehr als 80.000 Toten. Und was
die Folter durch die Gestapo angeht, die „Verschwundenen“, die jetzt den
„Militärs“ in Chile und Argentinien zur Last gelegt werden, so haben die
französischen Behörden die gleichen Methoden in Indochina und Algerien mit
solch einer Intensität betrieben, dass viele Polizisten und Militärs davon
angeekelt wurden und ihren Dienst quittierten. Auch die widerwärtigen Massaker
der amerikanischen Armee in Vietnam sind uns noch in Erinnerung: mit Napalm
verbrannte Dörfer, Bauern von Hubschraubern aus mit MGs beschossen, Auslöschung
der Bevölkerung des Dorfes My Lai, Frauen, Alte, Kinder eingeschlossen ... das
waren die Heldentaten der Meister der „Demokratie“. Letztendlich unterscheidet
sich die Demokratie in ihrem Wesen nicht von den anderen Regierungsformen. Sie
steht den anderen Formen in nichts nach, wenn es darum geht, die Ausgebeuteten
zu unterdrücken, die Bevölkerung zu massakrieren, die Opposition zu foltern,
diejenigen zu belügen, die sie regiert. Aber gerade auf dieser Ebene erweist
sie sich den offenen „Diktaturen“ überlegen. Während der Faschismus und der
Stalinismus auf systematische Art und Weise mit Lügen arbeiten und regieren,
geht die Demokratie noch weiter: Sie begeht genau die gleichen Verbrechen wie
die oben Genannten; sie lügt wie sie in einem ungeheuren Ausmaß, obgleich sie
behauptet, das Gegenteil zu tun. Dabei legt sie sich aber das Gewand der
Tugendhaftigkeit, des Rechts, der Wahrheit an. Die Demokratie ist nichts
anderes als das Feigenblatt, das die erbarmungslose und blutige Diktatur der
Bürgerlichen verdecken soll. Deshalb stellt sie für die Arbeiterklasse eine
große Gefahr dar. Deshalb dürfen heute die Arbeiter sich nicht durch die
Kampagnen über den angeblichen „Sieg der Demokratie über den Kommunismus“
blenden lassen. Ebenso müssen sie die Lügen verwerfen, wonach es eine „neue
Weltordnung“ geben werde, die Frieden und Wohlstand bringen würde.

 Mehr als je
zuvor ist die vom Krieg geprägte Barbarei die einzige „Perspektive“, die der
Kapitalismus der Menschheit anzubieten hatDer Krieg zwischen dem Irak und der
„Koalition“, die von den USA angeführt wurde, hat uns erneut gezeigt, was die
ganzen Reden über die Demokratie wert sind. Erneut haben wir die
„zivilisierten“ Länder am Werk gesehen: Hunderttausende von Toten im Irak, der
Einsatz von immer tödlicheren und barbarischeren Waffen wie die 7-Tonnen-Bomben
und die Brandbomben, die ihre Opfer ersticken und die noch „wirkungsvoller“
waren als die Giftgaseinsätze des Saddam Hussein. Wir haben gesehen, wie diese
„demokratischen und fortschrittlichen  Länder“ in einem gewaltigen Masse
Hungersnöte und Epidemien unter den Überlebenden  hervorgerufen haben, als
sie systematisch zivile Ziele wie Weizensilos, Nahrungsmittelfabriken,
Wasserwerke und Krankenhäuser zerstörten. Dann mussten wir im nachhinein
erfahren, dass die berühmten Bilder vom „sauberen Krieg“, die wochenlang von
den unterworfenen Medien ausgestrahlt wurden, die Wirklichkeit eines Krieges
verdeckten, der ebenso „dreckig“ war wie alle anderen: lebendig begrabene,
verschüttete Soldaten, Bombenteppiche, die in drei von vier Fällen ihr Ziel
verfehlten, aber ein wahres Massaker an der Bevölkerung ausübten, der Mord an
800 Personen in einem Luftschutzbunker in Bagdad, das Massaker an flüchtenden
Soldaten oder gar Zivilisten, wie auf der Strasse von Kuwait nach Basra am
letzten Tag des Krieges. Wir haben auch gesehen, wie zynisch die
„demokratische“ Bourgeoisie sein kann, als sie den Henker Saddam die kurdische
Bevölkerung angreifen ließ, die zuvor von den westlichen Staaten ermuntert
worden war, sich um die nationalistischen Cliquen zu sammeln. Und zu welchem Zynismus
war sie fähig, als sie später - als das Massaker beendet war - eine so genannte
„humanitäre Hilfe“ organisierte. Der Golfkrieg hat auch den ganzen lügenhaften
Charakter der „demokratischen Regierungen“ über die „Presse- und
Informationsfreiheit“ aufgezeigt. Während des ganzen Krieges wurde nur eine
„Wahrheit“ präsentiert, nämlich die, welche die USA „durchließ“; nur eine Art
Bilder wurde veröffentlicht: die von den Militärs zugelassenen. Die angebliche
„Pressefreiheit“ hat sich als das entpuppt, was sie wirklich ist: eine
heuchlerische Verzierung. Und nachdem die ersten Bomben geworfen waren, wurde
die Pressefreiheit in allen Medien den Regierungsanweisungen unterworfen.
Wiederum musste die Demokratie ihr wahres Gesicht als ein Instrument der
Diktatur der herrschenden Klasse über die Ausgebeuteten zeigen. Und unter all
diesen Lügen, mit denen wir bombardiert wurden, gehört der Lüge, die dieses
Abschlachten als „Krieg für den Frieden“ mit dem Ziel des „Aufbaus einer neuen
friedlichen und blühenden Weltordnung“ darstellte, die Krone aufgesetzt. Dies
ist eine der verabscheuenswürdigsten abgedroschensten bürgerlichen Lügen. Jedes
Mal, wenn der dekadente Kapitalismus ein neues imperialistisches Abschlachten
ausübte, hörten wir von den Herrschenden das gleiche Lied. Der 1. Weltkrieg mit
seinen 20 Millionen Toten sollte der letzte aller Kriege sein; 20 Jahre später
war der Krieg noch verheerender: 50 Millionen Tote. Die Sieger dieses Krieges
stellten diesen Krieg als einen  „endgültigen Sieg der Zivilisation“ dar.
Aber die Kriege seit dem 2. Weltkrieg hinterließen genauso viele Toten - die
anderen, damit verbundenen Katastrophen wie Hungersnöte und Epidemien gar nicht
mitgezählt.Die Arbeiterklasse darf nicht in diese Falle laufen: Im Kapitalismus
kann der Krieg nicht abgeschafft werden. Es geht nicht um eine „gute“ oder
„schlechte“ Politik der Regierungen, und es hängt auch nicht von der „Weisheit“
oder dem „Irrsinn“ der Staatsführer ab. Der Krieg ist vom kapitalistischen
System nicht mehr loszulösen, diesem System, das auf der Konkurrenz zwischen
verschiedenen Teilen des Kapitals fußt. Das endgültige wirtschaftliche
Scheitern des Systems führt zu wachsenden Rivalitäten zwischen den
verschiedenen Teilen. Der Handelskrieg, in den die verschiedenen Länder
eingetreten sind, kann nur in den bewaffneten Krieg münden. Man darf sich nicht
täuschen: Die wirtschaftlichen Ursachen beider Weltkriege sind nicht
verschwunden. Im Gegenteil: Noch nie zuvor steckte die kapitalistische
Wirtschaft in solch einer Sackgasse. Diese Sackgasse bedeutet, dass das
kapitalistische System auf den Schrotthaufen der Geschichte gehört, dass es
umgestürzt werden muss wie all die anderen Gesellschaften, die ihm
vorausgingen: die Sklavengesellschaft und der Feudalismus. Das Überleben dieses
Systems ist eine totale Absurdität für die Menschheit, eine Absurdität so groß
wie der imperialistische Krieg selber, der all die Reichtümer der Wissenschaft
und der menschlichen Arbeit einspannt, nicht um den Menschen zu nützen, sondern
um im Gegenteil diese Reichtümer zu zerstören, womit die Ruinen und
Leichenberge angehäuft werden. Und niemand solle uns weismachen wollen, dass
der Zusammenbruch des sowjetischen Reiches, das Ende der Spaltung der Welt in
zwei feindlich sich gegenüberstehende Blöcke das Ende der Kriege bedeuten
würde. Ein neuer Weltkrieg, in dem sich zwei Supermächte und ihre jeweiligen
Alliierten gegenübertreten würden, steht zur Zeit nicht auf der Tagesordnung.
Aber das Ende der Blöcke hat nicht die Widersprüche des Kapitalismus aus der
Welt geschafft. Die Wirtschaftskrise ist immer noch da. Verschwunden ist
vielmehr die Disziplin, die die Supermächte den von ihnen abhängigen Staaten
auferlegten. Und weil die Widersprüche zwischen den Nationen sich nur aufgrund
der Zuspitzung der Weltkrise verschärfen können, ist die neue Perspektive
sicher nicht die einer „neuen Weltordnung“, sondern einer „Weltunordnung“,
eines immer katastrophaleren Chaos.

Die Zukunft des
Kapitalismus: immer mehr kriegerische BarbareiDie Entfaltung der
imperialistischen Appetite aller Länder, ob groß oder klein, das Motto des
„Jeder-für-sich“ seitens der Herrschenden, die mit allen Mitteln, vor allem
militärischen, versuchen, ihre Interessen auf Kosten der anderen zu
verteidigen, um ihnen den geringsten Marktanteil wieder abzujagen, aber auch
das geringste Territorium, die geringste Einflusszone - das steht heute auf der
Tagesordnung. Tatsächlich ist die Zukunft, die der Kapitalismus der Menschheit
anzubieten hat, die des größten Chaos in der Geschichte. Und wenn die erste
Weltmacht heute die „Polizistenrolle“ spielen will, um diese „Ordnung zu
schützen“, dann kann sie auch nur noch mehr Unordnung und eine blutige Barbarei
auslösen, wie sie es im Nahen Osten Anfang des Jahres 1991 mit dem Golfkrieg
getan hat. Der Kreuzzug der USA gegen den Irak wurde als ein Kampf um das
„Recht“, das „internationale Gesetz“, die „Weltordnung“ dargestellt. Aber in
Wirklichkeit handelte es sich um eine Strafexpedition, die es dem stärksten
Gangster - den USA - möglich machen sollte, das Recht für sich in Anspruch zu
nehmen, auf Kosten der anderen Gangster - wie Saddam Hussein -  zu töten,
und ihr eigenes Gesetz, das des Stärkeren aufzuzwingen. Der einzige Unterschied
besteht darin, dass die klassischen Gangster sich untereinander töten, in kleinem
Maßstab, während die Staatsführer hauptsächlich die Bevölkerung umbringen, die
von ihren Gegnern beherrscht wird, und dass dies alles im größeren Umfang
geschieht. Was die „Weltordnung“ angeht, haben wir seit dem Golfkrieg sehen
können, wie diese „geschützt“ wurde. Im Nahen Osten selber hat der Krieg eine
neue „Unordnung“ wie den Aufstand der Schiiten und der Kurden hervorgerufen.
Deren Aktivitäten bedrohen die Stabilität der ganzen Region, des Irans, der
Türkei, Syriens, des Südens der UdSSR. Und nur durch ein Massaker an der
dortigen Bevölkerung konnte diese Bedrohung abgeschwächt werden. In den anderen
Teilen der Welt hat das Chaos auch nur zugenommen, wie deutlich auf dem
afrikanischen Kontinent zu sehen, der in den Blutbädern der ethnischen
Konflikte und Massaker versinkt, ganz abgesehen von den Hungersnöten und
Epidemien. Und dieses Chaos macht auch vor Europa nicht mehr Halt, denn
Jugoslawien fällt auseinander, mit blutigen Konflikten versteht sich, und die
aufgeblähte  UdSSR liegt auch in ihren Todeszuckungen. Ein Putsch wie in
einer Bananenrepublik, die Abspaltung der meisten Republiken, die Explosion des
Nationalismus, all das führt zu Zusammenstössen wie in Jugoslawien auf der
Ebene eines ganzen Kontinents. Hinzu kommen jedoch die Zehntausenden von Atomwaffen,
bei denen die Gefahr besteht, dass sie in die Hände der Unverantwortlichsten
der Bourgeoisie, gar der lokalen Mafiosi fallen.Schließlich fangen die
verschiedenen Mächte des ehemaligen westlichen Blockes selber an, sich zu
zerreißen. So goss mit der Komplizenschaft der österreichischen die deutsche
Bourgeoisie Öl aufs Feuer in Jugoslawien, indem die slowenischen und
kroatischen Unabhängigkeitsbewegungen unterstützt wurden, während die anderen
westlichen Bourgeoisien versuchten, die Aufrechterhaltung der Einheit
Jugoslawiens zu verteidigen. Zwischen den Verbündeten von gestern, d.h.
zwischen denjenigen, die mit dem Zusammenbruch der UdSSR und damit auch ihrer
militärischen Stärke es nicht mehr nötig haben, die Reihen zusammenzuschließen,
werden die imperialistischen Rivalitäten, der Heißhunger nach der geringsten
Einflusszone, ob wirtschaftlich, politisch oder militärisch, zu immer
heftigeren Streitereien führen. Deshalb haben die USA letztendlich dem Irak
solch große Zerstörungen beifügen wollen. Aber nicht nur dieses Land war eine
Zielscheibe der USA. Die Zurschaustellung der amerikanischen militärischen
Macht, die in keinem Verhältnis steht zu der des Besiegten, das Auffahren der
höchstentwickelten und mörderischsten Waffen, all das war nicht nur an den Irak
oder andere zweitrangige Länder gerichtet. Es ging darüber hinaus. Denn die USA
richteten eigentlich ihre „Botschaft“ an ihre „eigenen Alliierten“, die sie mit
in den Krieg gezerrt haben (wie z.B. Frankreich, Italien oder Spanien) oder die
sie dazu gezwungen haben, seine Kosten zu übernehmen (wie Japan und
Deutschland). All diejenigen seien gewarnt, die die „Weltordnung“ stören und
umwerfen, die die gegenwärtigen Kräfteverhältnisse in Frage stellen möchten,
d.h. letzten Endes die Vorherrschaft der ersten Weltmacht herauszufordern
gedenken.Hinter den großen Reden über die „Weltordnung“, den „Frieden“, „die
Zusammenarbeit“ zwischen den Nationen, die „Solidarität“ und die
„Gerechtigkeit“ gegenüber den am meisten benachteiligten Völkern, laufen
Auseinandersetzungen, wo „jeder für sich“ kämpft, die imperialistischen
Rivalitäten sich zuspitzen, wo jeder gegen jeden Krieg führt. Natürlich trifft
dies vor allem auf den Wirtschaftskrieg, aber auch immer mehr auf den
bewaffneten Krieg zu. Und gegenüber dem jetzt schon vorhandenen blutigen Chaos,
das noch mehr zunehmen wird, wird der Versuch der Aufrechterhaltung der
„Weltordnung“ nur zu einem immer häufigeren und brutaleren Einsatz
militärischer Gewalt führen, der Entfaltung von Massakern durch die grossen imperialistischen
Mächte, und vor allem durch das leuchtende Beispiel der „Demokratie“, des
Weltpolizisten - der USA.Letztendlich beweist all das Chaos, das sich heute
entfaltet (die Zunahme von kriegerischen Konflikten, das Versinken ganzer
Länder in blutige Zusammenstöße zwischen Nationalitäten, die barbarischen und
absurden Massaker), dass heute die Welt in eine neue historische Periode
eingetreten ist, die von immer stärkeren Erschütterungen erfasst wird.
Insbesondere möchte uns die „demokratische“ Bourgeoisie glauben machen, dass
der brutale Zusammenbruch der stalinistischen Regime, die von ihr als
„kommunistisch“ dargestellt werden, nur auf die Sackgasse zurückzuführen ist,
in der diese Regime steckten, dass es sich um das endgültige Scheitern ihrer
Wirtschaft handele. Wieder eine Lüge! Es stimmt, dass die stalinistische Form
des Staatskapitalismus besonders abartig, zerbrechlich und schlecht gegenüber
der Wirtschaftskrise gerüstet war. In Anbetracht des Auseinanderbrechens eines
ganzen imperialistischen Blocks innerhalb weniger Wochen im  Herbst 1989
und nunmehr des schnellen Zusammenbruchs des ehemaligen Blockführers UdSSR, die
vor zwei Jahren noch die zweite Militärmacht der Welt gewesen war,  zeigt
all das nicht nur den Grad der Fäulnis der stalinistischen Regime, sondern auch
und vor allem des gesamten kapitalistischen Systems.

Der Zerfall: die
letzte Phase der Dekadenz des KapitalismusDie Dekadenz des Kapitalismus, so wie
sie seit dem Anfang des Jahrhunderts gewütet hat, erweist sich jetzt schon als
die tragischste Periode der Geschichte der Menschheit. Nie zuvor hatte es so
viele Gemetzel von dem Ausmaß gegeben wie während der beiden letzten
Weltkriege. Nie zuvor war der Fortschritt der Wissenschaft in solch einem Masse
für Zerstörungen, für Massaker eingesetzt worden. Nie zuvor hatte solch eine
Anhäufung von Reichtümern solch eine Reihe von Hungersnöten und Leiden
hervorgerufen wie die, die seit Jahrzehnten in den Ländern der 3. Welt zu
verzeichnen sind. Aber scheinbar hat die Menschheit noch nicht das Schlimmste
hinter sich. Denn die Dekadenz des Kapitalismus bedeutet auch Todeskampf dieses
Systems. Dieser Todeskampf selber hat eine Geschichte: Heute sind wir in seine
Endphase eingetreten, die des allgemeinen Zerfalls der Gesellschaft, ihres
Verfaulens. Denn wir haben es hier sehr wohl mit dem Verfaulen der Gesellschaft
zu tun. Nach dem 2. Weltkrieg hatte es der Kapitalismus geschafft, die
barbarischsten und schlimmsten Auswirkungen seiner Dekadenz auf die
unterentwickelten Länder abzuwälzen. Aber heute entfalten sich diese Ausdrücke
der Barbarei in den höchst entwickelten Ländern, im Zentrum selber. So schienen
die absurden ethnischen Konflikte, in denen die Bevölkerung sich gegenseitig
abschlachtete, weil man nicht die gleiche Religion hatte oder die gleiche
Sprache sprach, und weil sie die verschiedenen ethnischen Traditionen
fortsetzten, seit Jahrzehnten auf die Länder der „3. Welt“ wie Afrika, Indien
oder den Nahen Osten beschränkt zu sein. Jetzt aber gibt es solche absurde
Kämpfe in Jugoslawien, nur wenige Hundert Kilometer von den Industriezentren
Norditaliens oder Österreichs entfernt. Und man soll nur nicht behaupten, diese
nationalistischen Bewegungen, wie man sie sich jetzt in diesen Ländern oder im
alten russischen Reich entfalten sieht, eine „gerechte Forderung nach
Freiheit“, für die „Herstellung eines fortschrittlichen Nationalstaates“
darstellen, der von den Fesseln befreit wäre, die vorher seine Entwicklung
behinderten. Im letzten Jahrhundert trugen bestimmte nationale Bewegungen in
der Tat diese fortschrittlichen Merkmale, wenn sie den Weg zur Bildung von
lebensfähigen territorialen Einheiten eröffneten, die ermöglichten, die
Zerstückelung und all die vom Feudalismus übrig gelassenen Überreste zu
überwinden. Dies traf insbesondere auf die verschiedenen Bewegungen zu, die die
Bildung eines Nationalstaates in Deutschland und Italien ermöglichten. Aber
seit Anfang dieses Jahrhunderts, seitdem der Kapitalismus in die  Periode
seiner Dekadenz eingetreten ist, haben die Kämpfe um die „nationale Unabhängigkeit“
jeden früheren „fortschrittlichen“ Charakter verloren. Sie sind mittlerweile
vor allem zu Figuren auf dem Schlachtfeld der Auseinandersetzungen zwischen den
Großmächten geworden, zwischen den imperialistischen Blöcken. Obgleich diese
Bewegungen heute auf dem Balkan oder in Mitteleuropa von der einen oder anderen
Macht unter der Hand angefacht werden, weisen sie allesamt eine noch größere
Absurdität auf. Zu dem Zeitpunkt, als sich in der Weltwirtschaft heute eine
noch nie dagewesene weltweite Verflechtung entwickelt hat, wo die Herrschenden
der fortgeschrittenen Länder erfolglos versuchen, einen größeren Rahmen als den
der Nation aufzubauen - Beispiel EG -, um ihre Wirtschaft zu verwalten, ist der
Zerfall und das Auseinanderbrechen der aus dem 2. Weltkrieg hervorgegangenen
Staaten in eine Reihe von kleinen Staaten ein reiner Widersinn - selbst vom
Standpunkt der Kapitalisten aus. Und die Lage der Bevölkerung in diesen Teilen
der Welt wird sich nicht verbessern, sondern im Gegenteil noch verschlechtern:
wachsendes wirtschaftliches Chaos, Unterwerfung unter chauvinistische und
fremdenfeindliche Demagogen, gewaltsame Austragung von Konflikten und Pogromen
zwischen Bevölkerungsgruppen, die bislang friedlich zusammengelebt hatten, und
vor allem eine tragische Spaltung zwischen den verschiedenen Teilen der
Arbeiterklasse. Noch mehr Armut wird es geben, noch mehr Unterdrückung, Terror,
Zerstörung der Klassensolidarität zwischen den Arbeitern gegenüber ihren
Ausbeutern: Das bedeutet heute Nationalismus. Und die Explosion des
heutigen  Nationalismus ist der Beweis dafür, dass der dekadente
Kapitalismus einen neuen Schritt hinein in die Barbarei und die Fäulnis
vollzogen hat.Aber die Entfaltung der nationalistischen Hysterie in einigen
Teilen Europas ist nicht das einzige Merkmal dieses Zerfalls. Auch die 
fortgeschrittenen Länder werden von  der Barbarei erfasst, die der
Kapitalismus zuvor meist auf die Peripherie hatte abwälzen können.

Die Barbarei erreicht
das Zentrum des KapitalismusUm den Arbeitern der höchstentwickelten Länder
glauben zu machen, dass es für sie keinen Anlass gebe sich zu erheben, zeigten
die Medien früher Reportagen aus den Slums von Bogota  oder Manila über
die Kriminalität und die Kinderprostitution. Im reichsten Land der Erde, in den
USA, verkaufen heute 12-Jährige in New York, Los Angeles, Washington ihren
Körper oder begehen Totschlag für einige Gramm Crack. Die Zahl der Obdachlosen
ist in den USA auch in die Hunderttausende gestiegen. Wenige Schritte von der
Wall Street - dem Tempel der Finanzwelt -  entfernt, schlafen viele
Menschen auf Pappkartons auf den Bürgersteigen - genau wie in Calcutta. Früher
erschienen Unterschlagung und Untreue gegenüber dem Staat als Besonderheiten
der Herrscher der „3. Welt“. Heute vergeht kein Monat ohne Skandale, die die
Bestechlichkeit des ganzen politischen Apparates der „hochentwickelten“ Länder
aufzeigen: in Japan immer wieder Rücktritte von Regierungsmitgliedern, wodurch
es mittlerweile unmöglich wird, einen „präsentierfähigen“ Politiker mit „weißer
Weste“ aufzutreiben, der ein Ministerium übernehmen könnte; Beteiligung der CIA
am Drogenhandel, die Mafia hat den ganzen Staatsapparat von oben bis unten in
Italien durchdrungen, französische Abgeordnete haben sich selbst eine Amnestie
ausgesprochen, um Gefängnisstrafen wegen ihrer Schandtaten zu vermeiden ...
Selbst in der Schweiz, wo die Sauberkeit zu einer Legende geworden war, waren
ein Innen- und Justizminister in Geldwaschangelegenheiten bei Drogengeschäften
verwickelt. Die Korruption war immer ein Teil der bürgerlichen Gesellschaft,
aber sie hat heute ein nie gekanntes Niveau erreicht; sie ist soweit
ausgedehnt, dass man auch zu der Schlussfolgerung kommen muss, dass die
Dekadenz auf einer neuen Stufe der Fäulnis angelangt ist.Tatsächlich ist das
gesamte Gesellschaftsleben vollständig auseinander geraten, versinkt im Dreck
und in der Hoffnungslosigkeit. In allen Kontinenten riecht man, wie die Fäulnis
aus den Poren der Gesellschaft aufsteigt. Die Hungersnöte dehnen sich in den Ländern
der 3. Welt aus, und sie werden auch bald in den Ländern zu vermelden sein, die
angeblich „sozialistisch“ waren. Gleichzeitig vernichtet man in Westeuropa und
in Nordamerika die landwirtschaftlichen Güter massenweise, und bezahlt man den
Bauern Gelder, damit weniger angebaut und geerntet wird. Sie werden bestraft,
wenn sie mehr als die auferlegten Quoten produzieren. In Lateinamerika töten
Epidemien wie die Cholera Tausende von Menschen, obgleich diese Geißel schon
lange zuvor gebannt worden war. Zehntausende von Menschen fallen weiterhin
innerhalb weniger Stunden Überschwemmungen und Erdbeben zum Opfer, obgleich die
Gesellschaft eigentlich in der Lage ist, Deiche und erdbebensichere Häuser zu
bauen. Man darf eigentlich gar nicht die Tücken oder „Fatalitäten“ der Natur
erwähnen, wenn wie in Tschernobyl 1986 die Explosion eines AKWs Hunderte
(eigentlich Tausende) Menschen tötet und noch vielmehr in vielen Provinzen
radioaktiv bestrahlt.  Typisch ist es, dass sich in den höchstentwickelten
Ländern tödliche Unfälle häufen: 60 Tote in einem Pariser Bahnhof, 100 Tote bei
einem Brand in der Londoner U-Bahn.  Dieses System hat sich als unfähig
erwiesen, der Zerstörung der Natur entgegenzutreten, den sauren Regen, die
Verschmutzungen jeder Art und insbesondere die durch Atomkraftwerke, den
Treibhauseffekt, die zunehmende Verwüstung zu bekämpfen; d.h. alles Faktoren,
die das Überleben der Menschheit selber bedrohen.Gleichzeitig hat eine
gewaltige Verschlechterung des Gesellschaftslebens eingesetzt: Abgesehen von der
Kriminalität und der Gewalt in den Städten, die überall zunehmen, fordert die
Drogenabhängigkeit viele Opfer, insbesondere unter den jüngeren Generationen.
All das spiegelt die Hoffnungslosigkeit, die Isolierung, die Atomisierung in
der Gesellschaft wider. 

Der Kapitalismus in
der Sackgasse kann nur zur Zerstörung der Menschheit führenWenn die
Gesellschaft es geschafft hat, solch eine Stufe der Fäulnis zu erklettern, wenn
die Hoffnungslosigkeit, die Stimmung des „no future“ in diesem Maße zum
vorherrschenden Gefühl geworden sind, dann deshalb, weil der Kapitalismus heute
in einem viel stärkeren Maße als je in der Vergangenheit unfähig ist, der
Menschheit auch nur die geringste Perspektive anzubieten. Seit mehr als 20
Jahren wird dieses System von einer zugespitzten und unüberwindbaren
Wirtschaftskrise heimgesucht. In den 30er Jahren hatte die Wirtschaftskrise zum
Weltkrieg geführt. Dies war keine „Lösung“ für die Krise. Aber weil die
Arbeiterklasse gerade die schlimmste Niederlage ihrer Geschichte eingesteckt
hatte und damit nicht in der Lage war, die Pläne der Herrschenden zu
durchzukreuzen, konnten diese die gesamte Gesellschaft, die politischen und
ökonomischen Kräfte im Hinblick auf den imperialistischen Krieg organisieren
und mobilisieren. Aber heute steht dem Kapitalismus diese Möglichkeit nicht
offen. Als  die Wirtschaftskrise Ende der 60er Jahre wieder auftauchte,
rief sie eine unmittelbare Reaktion der Weltarbeiterklasse hervor: Streiks von
ca. 9 Millionen Arbeitern im Mai 1968 in Frankreich, die Maibewegung 1969 in
Italien, der Arbeiteraufstand von Cordoba in Argentinien im gleichen Jahr, die
massiven Streiks der polnischen Arbeiter während des Winters 1970-71, und viele
andere große Kämpfe in zahlreichen Ländern. Dies war der Beweis, dass die Arbeiterklasse
die Konterrevolution überwunden hatte, und dass sie nunmehr in der Lage war,
mittels ihrer Kämpfe und ihrer Weigerung, die von ihr verlangten Opfer zu
erbringen, den Weg zu einem neuen Weltkrieg zu versperren. Denn die Arbeiter,
die Opfer für die Volkswirtschaft verweigern, sind noch weniger bereit, ihr
Leben für das Kapital zu opfern. Aber während die Arbeiterklasse die Kraft
besaß, die Auslösung eines neuen Weltkrieges zu verhindern, besaß sie noch
nicht die Kraft, ihre eigene Perspektive durchzusetzen: die der Abschaffung des
Kapitalismus und des Aufbaus einer kommunistischen Gesellschaft. Damit konnte
sie die Ausbreitung der Auswirkungen der Dekadenz des Kapitalismus nicht
verhindern. In dieser vorübergehenden Blockierung des Kräfteverhältnisse
zwischen der Bourgeoisie und der Arbeiterklasse ist aber die Geschichte keinen
Augenblick stehen geblieben. Zwei Jahrzehnte lang hat die Gesellschaft die
Zuspitzung und Anhäufung der Auswirkungen der Dekadenz hinnehmen müssen, 
die durch die Zuspitzung der Wirtschaftskrise hervorgerufen wurden.
Gleichzeitig erwies sich die herrschende Klasse jeden Tag unfähiger, diese
Krise zu überwinden. Das einzige, was diese Klasse der Gesellschaft insgesamt
anbieten kann, besteht darin, von einem Tag zum nächsten,  ohne Hoffnung
auf Erfolg, dem unaufhaltsamen Zusammenbruch der kapitalistischen
Produktionsweise zu widerstehen. Weil sie über keine gesellschaftliche
Mobilisierungskraft mehr verfügt - selbst so etwas Selbstmörderisches wie der
Weltkrieg konnte von ihr nicht ausgelöst werden - kann die kapitalistische
Gesellschaft nur auf der Stelle verfaulen, eine fortgeschrittene Stufe des
gesellschaftlichen Zerfalls, der allgemeinen Hoffnungslosigkeit bewirken. Und
diese Hoffnungslosigkeit kann nur noch zunehmen, denn die Welt offenbart heute
jeden Tag mehr, dass es innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft keine
Perspektive für die Menschheit mehr gibt - außer eben einer wachsenden Barbarei
und an deren Ende die Zerstörung, die Auslöschung der Menschheit. Denn man darf
sich keine Illusionen machen! Wenn der Kapitalismus bestehen bleibt, nicht aus
der Welt geschafft wird, wird er - wenn es keinen Weltkrieg gibt - die
Menschheit zerstören durch eine Reihe von lokalen Kriegen, Epidemien,
Zerstörung der Umwelt, Hungersnöte und andere Katastrophen, die als „natürlich“
dargestellt werden.

Die kommunistische
Revolution – einzige Hoffnung für die MenschheitProletarier, nie zuvor waren
die Aussagen der Revolutionäre aus dem letzten Jahrhundert so aktuell wie
heute. Sie sprachen damals von „Sozialismus oder Barbarei“. Wenn es keine
proletarische Weltrevolution gibt, wird die Barbarei sich überall ausdehnen und
das Überleben der Menschheit selber bedrohen. Mehr als je zuvor besteht die
einzige Hoffnung, die einzig mögliche Zukunft in der Abschaffung dieses
kapitalistischen Systems, in dem Aufbau neuer gesellschaftlicher Verhältnisse,
die frei sind von den Widersprüchen, die jetzt die Gesellschaft ersticken.Der
Kapitalismus versinkt in eine unüberwindbare Krise, die die eigentliche Ursache
der gegenwärtigen Erschütterungen ist. Wachsende Menschenmassen werden in die
Misere und Hungersnöte gestürzt, weil er keine Absatzmärkte für seine Produkte
findet. Gleichzeitig werden Fabriken geschlossen, Felder brachgelegt und
Arbeiter entlassen. All das geschieht deshalb, weil er nicht produziert, um die
Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, sondern um auf einem Markt zu
verkaufen, um Profit zu machen. Dieser Markt ist heute aber gesättigt; nicht
weil die Bedürfnisse der Menschen befriedigt wären, sondern weil sie über kein
Geld verfügen, um die produzierten Güter zu kaufen, und weil der Kapitalismus
unfähig ist, ihnen solche Mittel zur Verfügung zu stellen - es sei denn, er
gräbt sein eigenes Grab und verleugnet sich selbst: Ein Kapitalismus, der
seinen Käufern Geld gäbe, um seine Produkte zu kaufen, wäre kein Kapitalismus
mehr. Auch die Kreditpolitik, die seit vielen Jahren betrieben wird, ändert
daran nichts. Indem ein umfangreicher Schuldenberg angehäuft wird, werden die
Widersprüche auch nur angehäuft und auch nur explosiver. Die bürgerlichen
ideologischen Kampagnen singen heute Loblieder auf den Markt, der angeblich
alle Probleme der Weltwirtschaft lösen könnte. Aber das ist eine riesige
Täuschung. Gerade weil der Kapitalismus auf der Warenproduktion beruht, d.h.
der Herstellung von Tauschwerten und nicht von Gebrauchswerten, versinkt seine
Wirtschaft im Sumpf. Wenn die stalinistischen Regime und ihre Wirtschaft so
kläglich gescheitert sind, dann nicht, weil sie den Kapitalismus und den Markt
abgeschafft hätten, sondern weil sie versucht haben, auf großer Ebene
diese  zu manipulieren, damit zu tricksen. Die Gesetze des Marktes konnten
sie aber nie  außer Kraft setzen. Der einzige Weg zur Überwindung des
Kapitalismus besteht nicht darin, „noch mehr Kapitalismus“ einzuführen oder
„weniger zu haben“ oder in einer Reformierung dieses Systems. Nein, diese
Gesetze, die den Kapitalismus beherrschen, müssen abgeschafft werden, und das
heißt den Kapitalismus selber über Bord schmeißen.

Nur die Arbeiterklasse
kann den Kapitalismus abschaffenSolch eine Umwälzung kann nur von der
Arbeiterklasse verwirklicht werden. Sie ist als einzige in der Gesellschaft
daran interessiert, die Wurzeln des Kapitalismus selber auszureißen, und an
erster Stelle die Warenproduktion, die im Mittelpunkt der Krise dieses System
steht. Denn gerade der Markt, die Herrschaft der Waren in der kapitalistischen
Produktion, ist die Grundlage der Ausbeutung. Im Gegensatz zu anderen
Kategorien von Produzenten wie den Bauern oder den Handwerken ist es das
Merkmal der Arbeiterklasse, dass sie über keine Produktionsmittel verfügt und
gezwungen ist, ihre Arbeitskraft an die Besitzer dieser Produktionsmittel zum
Überleben zu verkaufen: an die privaten Kapitalisten oder an den Staat. Weil im
kapitalistischen System die Arbeitskraft selber eine Ware geworden ist, und gar
die Hauptware, werden die Arbeiter ausgebeutet. Deshalb trägt der Arbeiterkampf
die Abschaffung der Lohnarbeit und damit auch die Abschaffung aller Warenformen
wie einen Keim in sich. Darüber hinaus produziert die Arbeiterklasse jetzt
schon alle Reichtümer der Gesellschaft. Sie macht dies in einem gemeinsamen
Rahmen mittels der assoziierten Arbeit, die der Kapitalismus selber entwickelt
hat. Aber dieses System hat die Vergesellschaftung der Produktion nicht bis an
ihr Ende treiben können, die es ja gegen die individuelle Kleinproduktion
eingeleitet hatte. Und hierin liegt einer der Hauptwidersprüche des
Kapitalismus: Unter seiner Herrschaft ist die Produktion weltweit geworden, aber
die Produktionsmittel bleiben zerstreut in den Händen von verschiedenen
Besitzern, Privatkapitalisten oder Nationalstaaten, die die produzierten Waren
verkaufen und kaufen.  Die Abschaffung des Marktes geht somit nur durch
die Enteignung aller Kapitalisten, indem die Gesellschaft die Gesamtheit dieser
Produktionsmittel gemeinsam, kollektiv in die Hände nimmt. Und diese Aufgabe
kann nur von der Arbeiterklasse verwirklicht werden, weil sie die einzige
Klasse ist, die keine Produktionsmittel besitzt, obwohl sie diese alle
assoziiert erschafft. Diese Idee ist aber nicht neu: Seit anderthalb
Jahrhunderten stand sie auf allen Fahnen der Arbeiterkämpfe gegen die
Ausbeutung geschrieben: „Die Befreiung der Arbeiter kann nur das Werk der
Arbeiter selbst sein.“
Dies war der zentrale Slogan des Programms der
Ersten Internationale, der Internationalen Arbeiterassoziation, die 1864
gegründet worden war. Seitdem ist sie von den darauf folgenden Internationalen
jeweils wieder aufgegriffen worden: von der 1889 gegründeten II.
Internationalen, von der Kommunistischen Internationalen, die 1919 inmitten der
revolutionären Welle gegründet worden war. Und diese Idee ist dann vom
Stalinismus 1928 erwürgt worden. Gegenwärtig versuchen die bürgerlichen
Kampagnen glauben zu machen, dass es sich um eine reine Utopie handele, die
aber gefährlich sei, weil sie nur die Schrecken des Stalinismus hervorbringen
könne. Aber natürlich können die Bourgeoisie und ihre Medien diesbezüglich nur
Lügen hervorbringen. Tatsächlich nämlich ist all das, was die Arbeiterbewegung
seit ihren Anfängen behauptet hat, gültig geblieben. Ungeachtet seiner
Veränderungen hat der Kapitalismus die Arbeiterklasse nicht abgeschafft, wie es
einige systemtreue Soziologen behaupten. Dieses System lebt weiterhin - und dies
ist sein Hauptwesenszug - von der Ausbeutung der Lohnarbeit. Und die Klasse der
lohnabhängigen Produzenten, ob sie nun in den Fabriken oder in den Büros, in
Schulen oder in Krankenhäusern arbeiten, bleibt weiterhin der einzige Träger
der Zukunft der Menschheit.Der Beweis selber, dass die kommunistische
Revolution des Proletariats immer noch gültig bleibt, ist das Ausmaß der
Kampagnen der Herrschenden zum Thema „Ende des Kommunismus“ und „Ende des
Marxismus“, d.h. der revolutionären Theorie des Proletariats. Wenn die
bürgerliche Klasse keine Angst mehr gegenüber ihren Ausgebeuteten zu haben
bräuchte, wenn sie wirklich meinte, dass die Arbeiterklasse nie mehr eine Rolle
in der Weltgeschichte spielen würde, würde sie nicht mit soviel Aufwand
versuchen, die Arbeiter davon zu überzeugen, dass sie nichts von der Revolution
erwarten und erhoffen können. Dann würde sie nicht mit allen Mitteln versuchen,
ihnen ein Gefühl der Hilflosigkeit einzuflössen.

Die heutigen
Schwierigkeiten haben nicht zur Niederlage der Arbeiterklasse geführt, denn die
Arbeiterklasse ist weiterhin dazu in der Lage, den Kapitalismus zu überwindenEs
stimmt, dass die gigantische Kampagne um die Ereignisse der letzten beiden
Jahre, das Auseinanderfliegen des ehemaligen „sozialistischen Blocks“, der
Zusammenbruch des stalinistischen Regimes in der UdSSR selber (dem Land, wo vor
einem Dreivierteljahrhundert die Arbeiterrevolution ausgelöst worden war), die
Arbeiterklasse geschwächt hat. Der Stalinismus war die Speerspitze der
bürgerlichen Konterrevolution gewesen. Mit seinem Absterben erweist er den
Herrschenden einen letzten Dienst, weil dadurch die Arbeiterklasse seinen
Leichengeruch noch mal einatmen muss. Dabei hatte sie ohnehin schon mit den
Schwierigkeiten zu kämpfen, die durch den allgemeinen Zusammenbruch des
Kapitalismus hervorgerufen wurden. Heute werden viele Arbeiter zu Opfern der
bürgerlichen Kampagnen. Viele von ihnen haben die Hoffnung aufgegeben, die Welt
eines Tages umzuwälzen und die kapitalistische Ausbeutung abzuschaffen. In den Ländern
des ehemaligen Ostblocks, dort, wo die Arbeiter unter den  extremsten
Formen der Konterrevolution gelitten haben, haben sie nicht die Kraft, sich der
Entfaltung der bürgerlichen Ideologien, selbst der anachronistischsten,
entgegenzustellen. Um sich gegen den „proletarischen Internationalismus“ zu
wehren, der ein Deckmantel des Stalinismus für dessen imperialistische Politik
war, haben sie sich von der nationalistischen Hysterie anstecken lassen. Als
Reaktion auf den vom Stalinismus gepredigten Atheismus haben sie sich in die
Arme der Kirche treiben lassen. Aber die Arbeiter in Osteuropa sind nicht die
entscheidenden Teile der Weltarbeiterklasse. Diese Teile der Weltarbeiterklasse
befinden sich in den am höchst entwickelten kapitalistischen Ländern, d.h. im
Westen. Insbesondere in diesem Teil der Welt, in Westeuropa leben, arbeiten und
kämpfen die am stärksten konzentrierten Bataillone der Arbeiterklasse, die aber
auch am erfahrensten sind. Und dieser Teil des Proletariats ist nicht besiegt
worden. Während die Arbeiter zwar durch die gegenwärtigen Lügenkampagnen
verwirrt wurden, sind sie nicht hinter den bürgerlichen, nationalistischen oder
demokratischen Fahnen hermarschiert. Insbesondere während des Golfkrieges haben
die Herrschenden der westlichen Länder nur Berufssoldaten eingesetzt. Dies war
ein Beweis dafür, dass sich die Herrschenden des Zustands der Rekruten (dort,
wo es welche gibt) bewusst waren. D.h. die Arbeiter in Uniform sind nicht
bereit, ihr Leben für die „Verteidigung des Rechts oder der Demokratie“ zu
lassen. Und dieser Krieg hat in den Augen der Arbeiterklasse auch den wahren
Charakter der Demokratie und ihrer Lügen über die „neue Weltordnung“
bloßgestellt. Gegenwärtig beteiligen sich immer weniger Arbeiter an den
Hochämtern der Demokratie, den Wahlen. Das gleiche Phänomen bei den
Gewerkschaften, diesen bürgerlichen Staatsorganen, die dazu dienen, die
Ausgebeuteten zu überwachen und zu kontrollieren, um deren Kämpfe zu
sabotieren. Auch wird die unaufhaltsame Zuspitzung der Wirtschaftskrise immer
mehr die Illusionen beiseite fegen, dass die kapitalistische Wirtschaftsform
„überlegen“ sei, und gleichzeitig wird dies die Arbeiterklasse dazu zwingen,
den Weg breiterer und vereinter Klassenkämpfe wieder einzuschlagen. Denn auf
diesem Weg hatte sie seit dem Ende der 60er Jahre viele Fortschritte gemacht,
insbesondere Mitte der 80er Jahre, wobei sie während der letzten beiden Jahre
dabei eine Zeitlang auf große Schwierigkeiten gestoßen war. Obwohl die
Herrschenden aufatmen und so tun, als könne der Marxismus begraben werden,
steht jetzt schon fest, dass der Marxismus nicht gescheitert ist, sondern im
Gegenteil: Die gegenwärtige Zuspitzung der Krise, die nur der Marxismus
vorhersehen und erklären kann, zeigt auf, wie lebendig diese Theorie ist. Und ihre
Vitalität wird durch das Wiedererstarken der Arbeiterkämpfe nur noch
verstärkt.Bei diesen Bemühungen der Arbeiterklasse zur Entwicklung ihrer Kämpfe
und ihres Bewusstseins wird die Rolle der am meisten fortgeschrittenen
Elemente, der wirklichen Kommunisten von größter und ausschlaggebender
Bedeutung sein. Heute wie damals ist es so, dass die Kommunisten „in den
verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und
Bourgeoisie durchläuft, ... die von der Nationalität unabhängigen Interessen
des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen“
und dass sie
„stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten...“
(Manifest der
Kommunistischen Partei, Marx/Engels, MEW Bd. 4, S. 474). In Anbetracht dessen,
was auf dem Spiel steht, d.h. des Ernstes der gegenwärtigen historischen Lage,
in Anbetracht der Entfaltung der bürgerlichen Lügen und im Hinblick auf die
Reifung des Bewusstseins der Arbeiterklasse sowie der Entwicklung ihrer Kämpfe,
ist es heute die Aufgabe der gegenwärtig bestehenden, noch schwachen
revolutionären Kräfte, ihre alten Spaltungen und jedes Sektierertum zu
überwinden, zwischen ihnen eine brüderliche Debatte zu eröffnen, die es ihnen
ermöglicht, ihre Analysen zu klären, und mit immer mehr vereinten Kräften die
kommunistischen Positionen im Proletariat zu verteidigen. Das Proletariat
braucht seine Einheit im Kampf; und dieser gleiche Geist der Einheit, der nur
durch Klarheit hergestellt werden kann, muss heute den Kräften der Avantgarde,
den Kommunisten, bei ihrer Arbeit als Leitmotiv dienen.
PROLETARIER! Nie zuvor in der Geschichte standen wir vor so
einer dramatischen und entscheidenden Entwicklung wie heute. Nie zuvor musste
eine gesellschaftliche Klasse solch eine vergleichbare Verantwortung übernehmen
wie die, die heute auf der Arbeiterklasse ruht. Wenn die Arbeiterklasse ihre
Verantwortung nicht erfüllen kann, wird die Zivilisation, gar die Menschheit
zerstört werden. Jahrtausende von Fortschritt, Arbeit und Denken werden für
immer vernichtet werden. Zwei Jahrhunderte Arbeiterkämpfe, Millionen Märtyrer
aus den Reihen der Arbeiter wären vergeblich gewesen. Um all die kriminellen
Manöver der Bourgeoisie abzuwehren, um sich durch all die
verabscheuungswürdigsten Lügen nicht übers Ohr hauen zu lassen, und um eure Arbeiterkämpfe
in Richtung kommunistischer Weltrevolution zu entwickeln, um die Herrschaft der
Notwendigkeit zu überwinden und zur Herrschaft der Freiheit zu gelangen:

Proletarier aller Länder, vereinigt Euch! Juli-September 1991


[1]


Dieses Manifest wurde im Sept. 1991
fertiggestellt. Seine Prinzipien und sein Inhalt waren auf dem 9. Kongress der
IKS im Juli 1991 beschlossen worden.

[2]


Man darf Trotzki nicht mit den verschiedenen
politischen Organisationen verwechseln, die sich heute auf den „Trotzkismus“
berufen. Trotzki war ein großer Revolutionär, ungeachtet der Tatsache, dass
sein Kampf gegen den Stalinismus von politisch falschen Auffassungen und
Konzessionen geprägt war wie z.B., dass es in der UdSSR „Errungenschaften für
die Arbeiter“ gebe und damit die Notwendigkeit, dass die Arbeiter diese
angeblichen „Errungenschaften verteidigen“. Aber die Strömungen, die sich nach
seiner Ermordung durch einen stalinistischen Agenten 1941 und nach dem 2.
Weltkrieg weiterhin auf Trotzki und seine Positionen berufen, wobei sie die
Arbeiter dazu aufgefordert hatten, sich im 2. Weltkrieg gegenseitig
abzuschlachten, haben endgültig das Lager der Arbeiterklasse verlassen und sich
dem Stalinismus im Lager der Kapitalisten angeschlossen.

 

Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: 

Theoretische Fragen: 

Erbe der kommunistischen Linke: