Es genügte den US-Spezialeinheiten eine Nacht, um Nicolas Maduro mitten in Caracas zu entführen und ihn in ein New Yorker Gefängnis zu sperren. Diese beeindruckende Machtdemonstration, die darauf abzielte, die venezolanische Regierung zu enthaupten, war für Donald Trump Anlass für neue Prahlereien und eine Warnung an die Welt: „Keine Nation der Welt kann das erreichen, was wir erreicht haben“!
Trumps Anhänger haben sich wie üblich als Verteidiger der Demokratie präsentiert: Durch den Sturz eines Diktators habe Amerika „Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für das großartige Volk Venezuelas“ exportiert.
Dieses Mal kommt diese Farce jedoch nicht gut an. Denn Trump hält sich nicht einmal mehr an das Völkerrecht, dieses verlogene Feigenblatt, hinter dem sich die Großmächte, allen voran die Vereinigten Staaten, seit 1945 versteckt haben, um ihre imperialistischen Machenschaften zu rechtfertigen und ihre „Ordnung“ durchzusetzen. Die US-Armee hat somit unter dem fadenscheinigen Vorwand der Bekämpfung des Drogenterrorismus außerhalb jedes rechtlichen Rahmens interveniert. Und Trump hat nicht einmal gezögert, seine Intervention mit den saftigen Gewinnen zu rechtfertigen, die seiner Meinung nach durch die amerikanische Kontrolle über das venezolanische Öl erzielt werden könnten. Trump und seine Clique scheren sich also nicht um Demokratie; sie hatten nur ein Ziel vor Augen: ein unkooperatives Regime zu stürzen, Venezuela unter Vormundschaft zu stellen und seinen Rivalen, insbesondere Russland und vor allem China, das seit Jahren in der Offensive ist und sich in Lateinamerika etabliert, einen gewaltigen Schlag zu versetzen: „Die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wird nie wieder in Frage gestellt werden“ (Trump).
Natürlich prangerten die Unterstützer Maduros, insbesondere die Kräfte der „radikalen“ Linken, die das Kapital vertreten, sofort einen Verstoß gegen das Völkerrecht und eine „imperialistische Aggression“ an. Das bolivarische Regime an der Spitze eines „nicht verbündeten“ Landes stelle ihrer Meinung nach einen Hort des Widerstands gegen den „amerikanischen Imperialismus“ dar.
Dieses Gerede ist reine Heuchelei! Venezuela ist weit davon entfernt, das kleine unschuldige Opfer des amerikanischen Ungeheuers zu sein. In ihrer Konfrontation mit den Vereinigten Staaten haben Maduro und vor ihm Chávez ohne mit der Wimper zu zucken die Unterstützung von Putins Russland und der Islamischen Republik Iran in Anspruch genommen und damit gezeigt, dass Caracas, wie alle Länder der Welt, so schwach sie auch sein mögen, tastsächlich ein echtes Rädchen im Getriebe des Imperialismus, seiner Kriege und Plünderungen ist. Auch wenn Venezuela militärisch eindeutig kein Gegner für den amerikanischen Giganten ist, haben seine Führer nicht gezögert, sowohl Öl als auch Kartelle als Kriegswaffen einzusetzen. Als echter Korridor für das in Kolumbien produzierte Kokain hat Venezuela somit maßgeblich zur Drogenflut bei seinen Feinden beigetragen.
Die linken Parteien mögen zwar den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts” preisen, doch die „bolivarischen Führer” sind nichts anderes als eine verhasste und bis auf die Knochen korrupte Bourgeoisie-Clique. Sowohl Chávez als auch Maduro haben eine systematische Politik der Prekarisierung der Arbeit und der verstärkten Ausbeutung betrieben, die Bevölkerung wie nie zuvor verarmt und die zahlreichen Proteste, die ihre Herrschaft begleitet haben, blutig niedergeschlagen. Das Land zählt Tausende von politischen Gefangenen. Entführungen, Folter und außergerichtliche Hinrichtungen sind an der Tagesordnung. Dieses „Paradies auf Erden“ mit 28 Millionen Einwohnern zählt 8 Millionen Flüchtlinge, die höchste Quote weltweit! Maduros „Terrorismus“ richtete sich in erster Linie gegen die Arbeiterklasse!
Wie in jedem Konflikt versucht die Bourgeoisie, uns dazu zu bringen, uns für eine bürgerliche Seite gegen eine andere zu entscheiden, uns in eine falsche Alternative zwischen kriegführenden Nationen zu zwingen. Aber nirgendwo, weder in den Vereinigten Staaten noch in Venezuela noch in der Ukraine noch in Russland noch in Israel noch in Palästina, gibt es eine bürgerliche Fraktion, die auch nur die geringste Hoffnung auf eine gerechtere und friedlichere Welt weckt. Denn diese Welt ist die eines Kapitalismus, der sich in einer unüberwindbaren Krise befindet, in der alle Staaten, ob demokratisch oder autoritär, populistisch oder liberal, miteinander konkurrieren, alle imperialistisch sind und aktiv zur Zerstörung und zum Chaos beitragen.
Lateinamerika ist ein Konzentrat der Barbarei, in die der Kapitalismus versinkt. Zunehmende Armut, illegaler Handel aller Art, Korruption in großem Stil, Zerfall der sozialen und staatlichen Strukturen ... Der Kontinent gleicht zunehmend einem riesigen Wilden Westen. Mit seiner Militäroperation bringt Trump den Krieg dorthin und bewirkt nur, dass dieses Chaos erheblich beschleunigt werden wird.
Heute prahlt Trump, überzeugt von der Allmacht seiner Armee: „Wir werden das Land führen, bis wir einen sicheren, angemessenen und sinnvollen Übergang vollziehen können.“ Aber die Probleme fangen gerade erst an. Weit entfernt vom „idealen“ Szenario des Staatsstreichs von 1973 in Chile ist Washington nicht mehr in der Lage, einen Führer nach Belieben durch einen anderen zu ersetzen. Wir befinden uns nicht mehr in der Zeit des Kalten Krieges, als die Bourgeoisien noch diszipliniert und darauf bedacht waren, die allgemeinen Interessen des nationalen Kapitals im Rahmen ihres Militärblocks zu wahren.
Ohne diese Blöcke herrschen nun Egoismus und Chaos. Die Vereinigten Staaten haben zwanzig Jahre lang vergeblich versucht, eine stabile Regierung in Afghanistan, im Irak, in Libyen oder in Syrien zu etablieren. Auch wenn Trump „keine Angst hat, Truppen vor Ort zu entsenden“, wird es in Venezuela genauso sein. Was auch immer geschieht, die US-Regierung wird es mit einer extrem gespaltenen venezolanischen Bourgeoisie zu tun haben,[1] die Maduro nur mit Mühe unter Kontrolle bringen konnte. Was Trump zu erwarten hat, ist ein machtloser Staat, ein zerrissenes, elendes und anarchisches Land, eine Drehscheibe, die von allen möglichen illegalen Geschäften befallen ist, und der Ausgangspunkt für neue Auswanderungswellen.
All dies könnte den gesamten Subkontinent destabilisieren und die USA zu einer Flucht nach vorn in Form von militärischen Interventionen und Abenteuern zwingen. Das Nachbarland Kolumbien hat bereits Truppen an der Grenze stationiert, aus Angst vor den Folgen einer humanitären Krise und Konflikten zwischen Kartellen. Selbst die US-Regierung ist sich der bevorstehenden Instabilität bewusst: „Wir sind bereit, einen zweiten, größeren Angriff zu starten, wenn nötig“, erklärte Trump. Und sein Außenminister Marco Rubio hat Kuba bereits mit Worten bedroht, die einem Mafioso aus dem Kino würdig wären: „Wenn ich in Havanna leben und Teil der Regierung sein würde, wäre ich zumindest ein wenig besorgt ...“
Die Folgen dieser Intervention reichen sogar über den amerikanischen Kontinent hinaus. Trump hat gerade alle internationalen Regulierungsinstanzen, die die Rivalitäten zwischen den Nationen regeln sollen, mit Füßen getreten. Und damit wurde der rechtlichen Rahmen, der es den USA in der Vergangenheit ermöglicht hatte, sich als Weltpolizist zu behaupten, über Bord geworfen. Trump nimmt das Ende der amerikanischen Führungsrolle und den Beginn des „Jeder für sich“ zur Kenntnis: Die Vereinigten Staaten haben nicht mehr die Macht, eine Weltordnung durchzusetzen; inmitten des Chaos gilt nur noch das Recht des Stärkeren.
Tatsächlich ist die Operation „Absolute Resolve” nicht nur ein Schlag gegen den großen Rivalen China, sondern auch eine Warnung an die Europäer: Nachdem Trump seine Absicht bekundet hat, sich die riesigen Kohlenwasserstoffreserven Venezuelas anzueignen, werden die USA nicht zögern, ihren „Verbündeten” in den Rücken zu fallen, wenn dies zur Verteidigung der strategischen Interessen der USA erforderlich ist. Katie Miller, die Frau des stellvertretenden Stabschefs des Weißen Hauses, veröffentlichte am Tag der Entführung Maduros ein Foto von Grönland in den Farben der amerikanischen Flagge mit einer Bildunterschrift, die mehr als deutlich war: „bald“ ...
Der Kapitalismus hat der Menschheit nichts mehr zu bieten als immer mehr Kriege und Barbarei. Die einzige Kraft, die dem kapitalistischen Krieg ein Ende setzen kann, ist die Arbeiterklasse, weil sie eine revolutionäre Perspektive in sich trägt, nämlich die des Sturzes des Kapitalismus. Es waren die revolutionären Kämpfe des Proletariats in Russland und Deutschland, die den Ersten Weltkrieg beendet haben! Einen echten und dauerhaften Frieden überall muss die Arbeiterklasse erringen, indem sie den Kapitalismus weltweit stürzt. Es wird Jahre des Kampfes erfordern, um ihre Klassenidentität und ihre Kampfmittel zurückzugewinnen. Aber es gibt keinen anderen Weg, um dieses sterbende und zerstörerische System zu stürzen!
EG, 4. Januar 2026
[1] Die USA haben übrigens nicht verheimlicht, dass die Operation „Absolute Resolve“ möglich geworden war dank der Komplizenschaft auf höchster Ebene des venezolanischen Staats mit den USA.
1991 schrieb die IKS als Reaktion auf den Zusammenbruch des Ostblocks und den Golfkrieg, „daß es gegenüber der für die Zerfallsphase typischen Tendenz zum allgemeinen Chaos, die durch den Zusammenbruch des Ostblocks erheblich beschleunigt wurde, für den Kapitalismus bei seinem Versuch, die verschiedenen Teile eines sich auflösenden Körpers zusammenzuhalten, keinen anderen Ausweg gibt als die Auferlegung eines eisernen Korsetts, das die bewaffneten Kräfte bilden. Deshalb sind die Mittel, die er einsetzt, um dieses immer blutigere Chaos einzudämmen, selbst ein beträchtlicher Faktor bei der Verschärfung der kriegerischen Barbarei, in die der Kapitalismus versinkt.“ (Orientierungstext: Militarismus und Zerfall, Internationale Revue 13).
Der Angriff der USA auf Venezuela, die zunehmende Gefahr einer Annexion Grönlands und erneuter Luftangriffe gegen das Regime in Teheran bestätigen insbesondere, dass es die stärkste Macht der Welt ist, die zum Hauptfaktor für die Beschleunigung des Chaos und der Desintegration geworden ist, ein Prozess, der die Gefahr der Zerstörung der Menschheit mit sich bringt.
Die IKS ruft zu öffentlichen Veranstaltungen auf, um die Auswirkungen dieser Entwicklungen zu diskutieren. Wir wollen uns eingehender mit der Entwicklung imperialistischer Konflikte befassen, aber auch Fragen zu den Auswirkungen dieser Ereignisse auf den Klassenkampf stellen und darüber diskutieren, wie die internationalistische Minderheit auf die „Verschärfung der kriegerischen Barbarei, in die der Kapitalismus versinkt“, reagieren sollte.
Zu diesem Zweick finden am selben Tag, dem 7. Februar 2026, drei Treffen statt, und zwar auf Englisch, Französisch und Spanisch, und eine weitere Veranstaltung auf Deutsch führen wir am 11. Februar 2026 um 19:00 Uhr durch. Um online an einem Treffen teilzunehmen, schreibe bitte an [email protected] [1] mit Angabe der gewünschten Sprache. Wir prüfen derzeit die Möglichkeit, diese Diskussionen als „hybride“ Treffen abzuhalten, d. h. sowohl physisch als auch online. Weitere Informationen findet ihr auf unserer Website.
Mit der spektakulären Operation vom 3. Januar 2026, bei der der venezolanische Präsident Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores aus ihrer hochgesicherten Residenz entführt wurden, hat die weltweit führende Macht eine Warnung an die ganze Welt ausgesprochen: Die USA können jederzeit ihre überwältigende Militärmacht einsetzen, um ihre nationalen Interessen überall durchzusetzen und zu verteidigen. Erpressung, offener Druck und nun auch Entführungen, wie sie für mafiöse Systeme typisch sind, sind in der ehemaligen internationalen Gemeinschaft mittlerweile an der Tagesordnung. Und mit denselben offenen Gangstermethoden hat die amerikanische Macht Drohungen gegen andere Banditen auf der ganzen Welt ausgesprochen, die im Gegensatz dazu zivilisierter erscheinen, indem sie auf dem Davos-Forum[1] über Grönland, Kanada, die europäischen Staaten, die NATO und die UNO warme Luft produzieren.
Die völlig fadenscheinige offizielle Rechtfertigung eines Kampfes gegen Maduros Drogenterrorismus war ein bloßer Vorwand, der niemanden täuschte. Ebenso wenig überzeugt Trumps großes Getöse um das venezolanische Öl, das von allen internationalen Bourgeoisien und insbesondere ihren linken Fraktionen aufgegriffen wurde, um das Ereignis auf einen einfachen Krieg um Ressourcen zu reduzieren: Die hohen Förderkosten, die maroden Anlagen und die Instabilität interessieren die großen Ölkonzerne nicht wirklich, so wie auch Investoren sich nicht gerade um das Geschäft reißen. Die Bedeutung des Ereignisses und der Umfang der amerikanischen Offensive liegen in der Tat woanders, sind viel globaler, viel brutaler und zerstörerischer!
In Wirklichkeit war es die Absicht der Trump-Regierung und der USA, ihre Rivalen, insbesondere China und Russland, zu treffen und einzuschüchtern, um sie davon abzuhalten, aggressiv in Washingtons traditionellen Einflussbereich in Lateinamerika einzudringen. Kommerzielle Vorstöße auf dem Kontinent und der Bau von Hafeninfrastrukturen sind für die USA zunehmend unwillkommen, wie beispielsweise Trumps Reaktion in Panama hinsichtlich des Transports chinesischer Waren durch den Kanal und der Kontrolle darüber zeigt. Hinter der Rhetorik über die „Konsolidierung nach Hemisphäre” verbirgt sich eine strategische Priorität, die nach wie vor absolut intakt ist: China, den Hauptkonkurrenten der USA auf der Weltbühne, einzudämmen und seine Expansion zu verhindern. Dies ist das Hauptmotiv für das militärische Abenteuer in Venezuela.
Diese brutale Politik, die kaum einen Monat zuvor angekündigte wurde und die neue Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) veranschaulicht, ist weitreichend. Sie öffnet die Büchse der Pandora weiter und beschleunigt das globale Chaos und die Unordnung in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Und ihre Methode, das so genannte Völkerrecht mit Füßen zu treten, läuft auf nichts Geringeres hinaus als die Zerstörung der gesamten internationalen kapitalistischen Ordnung und der Institutionen, die zu ihrer Gewährleistung eingerichtet wurden und seit 1945 von den USA selbst geschaffen worden waren. In diesem Sinne bedeutet die amerikanische Offensive eine erhebliche Vertiefung des Zerfallsprozesses der kapitalistischen Gesellschaft, eine neue Qualität in der Entwicklung imperialistischer Rivalitäten und des „Jeder für sich“.
Trumps Politik, die in ihren Konturen banal ungehemmt und unvorhersehbar ist, hat bereits tiefgreifende Folgen. Innerhalb weniger Tage hat Washington seine Intervention in Venezuela ausgeführt, neue und sehr direkte Drohungen gegen Dänemark wegen Grönland ausgesprochen, dann ein russisches Schiff in internationalen Gewässern beschlagnahmt und schließlich massive neue Rüstungsprogramme angekündigt! Jetzt ist es Kanada, das direkt von dem amerikanischen Bestreben betroffen ist, die Provinz Alberta zu destabilisieren. Diese Politik, die eine neue Eskalation des Militarismus und der Spannungen ankündigt, wird bereits in einem Kontext bestehender wachsender Instabilität und völlig zerstörerischer Kriege umgesetzt, insbesondere in Europa mit demjenigen zwischen der Ukraine und Russland, was den rasenden Wettrüstungswettlauf weiter beschleunigt.[2] Während die Reaktionen der Europäischen Union auf Trumps Drohungen und seinen Wunsch, Grönland zum 51. Bundesstaat der USA zu machen, zunächst entschlossener als sonst ausfielen, wächst die Uneinigkeit innerhalb der NATO nur noch weiter. Im Gegensatz zu Venezuela gehört Grönland zu Dänemark, dessen Integrität zum ersten Mal von den USA bedroht wird, obwohl es seit 1973 Mitglied der Europäischen Union und Gründungsmitglied der NATO ist. Ebenso ist Kanada, das ebenfalls von der Trump-Fraktion bedroht wird, Mitglied des Britischen Commonwealth, der NATO und ein traditioneller Verbündeter der USA.
Eine solche Beschleunigung der Situation und die Art der Bedrohungen führen nur dazu, dass die Spannungen verschärft, die imperialistische Nervosität erhöht und die bereits bestehende Unfähigkeit der Großmächte, eine langfristige strategische Kohärenz aufrechtzuerhalten, noch verstärkt werden. Die Ereignisse überschlagen sich, erfordern sofortige Reaktionen und führen zu Umwälzungen, die die Staaten nicht verarbeiten können. Dies führt zu Spannungen, bei denen bereits fragile Allianzen der Vergangenheit schnell in Frage gestellt werden, und löst kurzlebige, situationsbedingte, wechselnde Reaktionen aus, die nun ohne wirklichen Kompass erfolgen. Trumps unvorhersehbare Drohungen nach der transatlantischen Trennung, wie sein Wunsch, die Unterstützung für die Ukraine zurückzuziehen und den Konflikt einseitig zu beenden, ganz zu schweigen von seinen Drohungen mit exorbitanten Zöllen für europäische Länder, führten zu zaghaften Verurteilungen seitens der Europäer. Auch wenn sie sich nicht ganz einig sind, haben die meisten europäischen Länder und die Europäische Union die Drohungen heute als „inakzeptabel” bezeichnet und eine diesbezüglich einheitliche Haltung eingenommen. Deshalb haben sie diesmal ihre Position verteidigt und symbolische Militärkontingente nach Grönland entsandt, um NATO-Generalsekretär Mark Rutte zu einem komplexen Balanceakt zu zwingen, mit dem er unter großen Anstrengungen versucht, den Druck zu mildern, offenbar Trumps Absichten zu beeinflussen und die stets besorgte Bourgeoisie der europäischen Staaten vorübergehend zu beruhigen. Eine solche Situation bestätigt voll und ganz unsere Analyse über die Trennung zwischen den USA und der Europäischen Union und unterstreicht die Beschleunigung des Kriegschaos in einem allgemeinen Gerangel, während andere Gruppen im Proletarischen Politischen Milieu weiterhin von einer „Blockbildung“ sprechen, der sich in „Vorbereitung auf den dritten Weltkrieg verstärkt”.
In Europa werden immer mehr Stimmen laut, die behaupten, dass die USA kein verlässlicher Verbündeter mehr sind. Diese Überzeugung wurde für einige Mitglieder der Europäischen Union noch verstärkt, insbesondere angesichts von Trumps jüngstem Überraschungsmanöver, das UN-Gerüst zu umgehen und sich vollständig daraus zurückzuziehen, indem er genau zum Zeitpunkt des Davos-Forums seine eigene alternative Struktur, einen sogenannten „Friedensrat”, ins Leben rief, der vollständig unter der US-Kontrolle steht. Letztendlich befinden sich die europäischen Mächte in einer Situation starker militärischer und energietechnischen Abhängigkeit von Washington, und ihre anfängliche Entschlossenheit ist fragil. Diese Situation kann die wachsenden Spannungen zwischen den europäischen Staaten und innerhalb dieser zwischen pro- und antiamerikanischen Fraktionen nur noch verschärfen und somit zu einer erhöhten politischen Fragilität und Instabilität führen.
Nichts davon deutet jedoch auf ein Wiedererstarken der amerikanischen Macht und wirkliche Kontrolle über die Welt hin. Im Gegenteil, die Abkehr vom Multilateralismus, den Regeln der internationalen Ordnung und den demokratischen Mystifikationen, die von den USA selbst nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt wurden, ist der deutlichste Ausdruck ihres historischen Niedergangs. Die Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) bedeutet zwar keineswegs einen Bruch mit den hegemonialen Ambitionen des amerikanischen Imperialismus, zielt jedoch darauf ab, die eigenen Interessen in einem Kontext zu verteidigen, in dem es schlussendlich nicht mehr möglich ist, angesichts des weltweit vorherrschenden Prinzips des „Jeder für sich“ eine „neue Weltordnung“ durchzusetzen. Während sich also Einige Sorgen um „Trumps geistige Gesundheit“ machen und sich fragen, warum wir weltweit ein solches Maß an Chaos und Gefahren erreicht haben, in dem sich die USA langfristig selbst ins Knie zu schießen scheinen, liegt die Antwort mitnichten in Trumps Persönlichkeit, so irrational sein Verhalten auch erscheinen mag. Die Gründe für sein politisches Verhalten und all dieses Chaos sind in der historischen Entwicklung des kapitalistischen Systems zu finden. Trump ist nichts anderes als das wahre Gesicht eines Kapitalismus, der sich in vollem Zerfall befindet.
Nach der Implosion des Ostblocks und dem Zusammenbruch der „Sowjetunion“ im Jahr 1989, die sowohl Produkte als auch Indikatoren der neuen Phase der kapitalistischen Zersetzung waren, kündigte der amerikanische Präsident George Bush Senior das Aufkommen einer „Neuen Weltordnung” unter der Führung der USA an. Er nutzte die Invasion Kuwaits durch den Irak im Jahr 1990, um den ersten Golfkrieg zu beginnen, um angeblich im Namen der „internationalen Gemeinschaft” und der UNO die Einhaltung des Völkerrechts zu garantieren. Es gelang mehr als dreißig Länder hinter sich zu vereinen und sich mit den ehemaligen europäischen Verbündeten zusammenzutun.
Doch schon bald war die globale imperialistische Landschaft von einer systematischen und weit verbreiteten Infragestellung der amerikanischen Führungsrolle geprägt, auch durch die europäischen Verbündeten. Von da an wurden die Reaktionen des amerikanischen Polizisten zur Verteidigung seiner Führungsrolle immer brutaler. Während des kurz darauffolgenden Krieges in Jugoslawien widersetzten sich die NATO-Mitglieder offen und direkt den USA, die letztendlich mit ihrer Macht das letzte Wort hatten, was 1995 zur Unterzeichnung des Dayton-Abkommens führte und den Krieg in Bosnien mühsam beendete. Noch gravierender war, dass während des zweiten Krieges auf dem Balkan und der Invasion des Irak im Jahr 2003 die „Verbündeten” der NATO, darunter Frankreich und Deutschland, sich sogar weigerten, die Politik der USA zu unterstützen und sich an den Militäroperationen zu beteiligen. Ohne die Zustimmung der UNO und mit reduzierter Unterstützung durch die NATO-Mitglieder marschierte die Regierung Bush Junior in den Irak ein.
Ursprünglich waren diese Spannungen weiterhin Teil eines multilateralen und institutionellen Rahmens, der nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden war, und das Ziel der USA bestand damals darin, diesen so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus trugen alle diese Operationen den ideologischen Stempel des sog. „Kampfes für Freiheit und Demokratie“ gegen autokratische und diktatorische Mächte. Weniger als „Polizist“ wollten die USA als Verkünder der siegreichen humanistischen Werte des Westens, als Verfechter der Demokratie auftreten. Kriege wurden systematisch unter dem heuchlerischen Deckmantel der „humanitären Hilfe“ geführt.[3]
Mit dem offenen Kreuzzug gegen den Terrorismus nach den Anschlägen auf die Twin Towers im Jahr 2001 und dem Irakkrieg 2003 und seinen offensichtlichen Lügen über die angebliche Entdeckung von Massenvernichtungswaffen neigten die USA zunehmend dazu, UN-Beschlüsse offen zu missachten und einseitig ihre eigenen blutigen Kampagnen zu führen. Seitdem, angesichts des immer offensichtlicher werdenden Scheiterns einer von den USA geförderten „Neuen Weltordnung”, hat sich diese Tendenz, das „Völkerrecht“ zunehmend offen zu missachten und militärisch zu intervenieren, was wie in Afghanistan Chaos sät, noch verstärkt. Der amerikanische „Weltpolizist” wurde in Wirklichkeit zunehmend zum Hauptgangster, der Unruhe und Chaos verursachte.
Während Trump im Wesentlichen eine Karikatur dieser zunehmend offenen Gewalt ist, stellt der Beginn seiner zweiten Amtszeit dennoch eine echte Wende in dieser Hinsicht dar, da die neue Regierung ausdrücklich den Wunsch hat, den Konflikt in der Ukraine zu beenden, ohne auf Multilateralismus und traditionelle diplomatische Mechanismen zurückzugreifen und die wichtigsten europäischen „Verbündeten” von den Verhandlungen auszuschließen. Die donnernden Erklärungen des US-Präsidenten gegen das „Völkerrecht” und die internationalen Institutionen, die es garantieren sollen, torpedieren die berühmten „demokratischen Werte“, um Platz für das pragmatische „America First” zu machen, und bestätigen damit eine echte Trennung zwischen den Europäern und Trumps Amerika. Die einseitige Entscheidung, die iranischen Nuklearanlagen im Frühsommer 2025 zu zerstören, bestätigt, dass die 1945 entstandene Weltordnung zusammengebrochen ist, auch wenn die Illusion einer Intervention zur „Zerstörung einer nuklearen Bedrohung durch eine antidemokratische Macht” fortbesteht. Mit ihrer Machtdemonstration in Venezuela zeigt die weltweit führende Bourgeoisie, die ihre Demokratie zum großen Vorbild für die ganze Welt gemacht hatte, wie viel Interesse diese Kategorie von Banditen an „Menschenrechten“ und „Freiheit“ hat: Das sind nichts als Lügen, die das wahre Gesicht des Kapitalismus verschleiern sollen, eines grundsätzlich gesetzlosen Systems, in dem der Stärkste gewinnt, koste es, was es wolle!
Ein solcher Vandalismus seitens Trump kann nur Chaos und die Entwicklung von Spannungen und ideologischen Manipulationen aller Art fördern. Der russische Imperialismus wird sich ermutigt fühlen, seine Herrschaft über seinen „Einflussbereich“ in der Ukraine, den baltischen Staaten und Osteuropa durchzusetzen. Chinas Ambitionen gegenüber Taiwan werden gestärkt. Europa wird umso fragiler und bedrohter sein, als es bereits starke Dissonanzen zwischen den Mitgliedstaaten erlebt, einen Prozess der Fragmentierung, der bereits in vollem Gange ist. Die USA können jedoch aus einer solchen Dynamik der Irrationalität und des Chaos nicht als Sieger hervorgehen. Sie werden zu Agenten und Beschleunigern ihres eigenen Niedergangs, untergraben von innen durch eine Art latenten Bürgerkrieg, in dem Trump und sein Clan zunehmend isoliert sind in einer Gesellschaft, die an allen Seiten zerbricht, auch unter denen, die seine Präsidentschaftskampagne unter dem Banner MAGA unterstützt haben. Wenn Trump gezwungen war, seine Haltung gegenüber Grönland zu mildern, dann lag das an dem Druck von außen durch die europäischen Staaten, die entschlossener reagierten, aber auch an der chaotischen innenpolitischen Lage und den Spaltungen innerhalb der führenden Weltmacht.[4] Diese Situation spiegelt den Zerfall des politischen Apparats der herrschenden Klasse wider, der mit der Phase des Zerfalls des Kapitalismus zusammenhängt.
Und das Schlimmste steht noch bevor! So wird die wachsende Zahl von Rivalen Rechenschaft verlangen und den USA nur Sand ins Getriebe streuen, indem sie versuchen, ihre eigenen Waffen einzusetzen, nämlich Destabilisierung und Chaos. Dies wird beispielsweise in Lateinamerika der Fall sein, wo Trumps Tritt in den Ameisenhaufen, weit davon entfernt, „dem Drogenhandel ein Ende zu setzen”, nur eine Vielzahl anderer Arten von illegalem Handel hervorbringen wird. Kurz gesagt, es wird eine endlose Spirale sein, ein Strudel, der die USA nur dazu bringen kann, ihre einzige Stärke einzusetzen, nämlich die der Waffen – eine Logik, die sich immer mehr verbreitet und nur dazu führen kann, dass die Grundlagen der gesamten Zivilisation in Frage gestellt werden.
Angesichts dieser zerstörerischen Dynamik, die letztendlich zur Zerstörung der Menschheit führen wird, gibt es nur eine Alternative: den Kampf des Proletariats für eine kommunistische Gesellschaft.
WH, 24. Januar 2025
[1] Dies ist eine „Räuberhöhle” – eine treffende Beschreibung, die Lenin zu seiner Zeit für den Völkerbund (den Vorgänger der UNO) verwendete.
[2] Nach kolossalen Ausgaben kündigen alle Staaten weiterhin neue Erhöhungen des Militärbudgets an. Dies ist in den USA der Fall, die ein Verteidigungsbudget von 1,5 Billionen Dollar planen, also 50 % mehr als ursprünglich vorgeschlagen. Ein weiteres Beispiel ist Frankreich mit einer Zusage von zusätzlichen 3,5 Milliarden Euro im Finanzbudget 2026 und weiteren 3 Milliarden Euro, die für 2027 geplant sind.
[3] Beispiel dafür ist der erste Golfkrieg mit der Lebensmittel-Abwurfaktion „Provide Comfort“, die dazu dienen sollte, die Bombardierung des Irak zu rechtfertigen.
[4] Wie beispielsweise der demokratische Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, der die Europäer dazu auffordert, sich gegen Trumps Politik zu wehren, und die internationale Gemeinschaft dazu aufruft „aufzuwachen“.
Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat sich das bereits offensichtliche weltweite Chaos noch weiter beschleunigt: Überall setzen sich Kriege fest und häufen sich Leichen, begleitet von Auswirkungen der Klimakatastrophe, von Instabilität und der Fragmentierung politischer Systeme. Gewalt und Brutalität nehmen zu und stürzen den Planeten weiter in einen tödlichen Strudel. Die zunehmende Skrupellosigkeit der herrschenden Klasse, deren rüpelhaftes und vandalistisches Verhalten über unsere Bildschirme flimmert,[1] macht deutlich, in welchem Ausmaß die kapitalistische Produktionsweise die Menschheit in Richtung ihrer Zerstörung treibt.
Die innenpolitische Lage in der weltweit führenden Macht, den Vereinigten Staaten, ist zum Symbol dieser makabren Dynamik geworden, die eine wahre menschliche Tragödie schürt. In allen großen amerikanischen Städten werden brutale Razzien gegen Eingewanderte durchgeführt. Kaltblütige Morde durch die Polizei werden zur Normalität, wie die Todesfälle von Renée Nicole Good, die aus nächster Nähe in ihrem Auto erschossen wurde, und Alex Pretti, der auf die gleiche Weise in Minneapolis ums Leben kam, zeigen.[2] Der geringste verdächtige Akzent oder eine als zu dunkel empfundene Hautfarbe sind Grund für eine brutale Verhaftung. Ohne Durchsuchungsbefehl werden die Türen der Wohnungen mutmaßlicher illegaler Einwanderer aufgebrochen. In öffentlichen Parks, wie dem im letzten Sommer in der Innenstadt von Los Angeles, der bei Latinos sehr beliebt ist, stürmten Einwanderungsbeamte[3] in Kampfausrüstung auf Picknicktische und Schaukeln zu, um gewaltsame Verhaftungen durchzuführen. Dasselbe gilt für Straßen, Krankenhäuser, Gebetshäuser ... Kinder werden auf dem Weg zur Schule schamlos zusammengetrieben, wie im Fall des kleinen Liam, gerade einmal 5 Jahre alt, der zusammen mit seinem Vater in ein 1.500 Kilometer von seinem Zuhause entferntes Internierungslager gebracht wurde. Eine solche Politik des Terrors, bei der Eingewanderte sich nicht mehr aus ihren Häusern trauen, führt unweigerlich zu Reaktionen einer empörten Bevölkerung.
Angesichts dieser Gewalt und des um das Zehnfache gestiegenen Rassismus, der durch ebenso widerwärtige wie beunruhigende Aktionen geschürt wird, bringt eine große Mehrheit der Bevölkerung ihre Wut zum Ausdruck, insbesondere gegen die Methoden der ICE, deren Beamte regelmäßig ausgebuht, angepöbelt und als „Nazis” oder „Gestapo-Agenten” beschimpft werden. Ab Juni wurden im ganzen Land Demonstrationen organisiert und ausgeweitet, begleitet von Ausschreitungen. In Los Angeles kam es nach Trumps provokativen Äußerungen, die Stadt werde „von ausländischen Feinden überfallen”, mehrere Nächte lang zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften. Diese Situation veranlasste Trump, 700 Marines aus Südkalifornien zu entsenden, die zu den bereits 2.000 Angehörigen der Nationalgarde hinzukamen.
Auch anderswo nahmen die Proteste zu: in New York, Washington, Boston, San Francisco, Seattle, Chicago, Austin, Dallas ... und zuletzt in Minneapolis. In dieser Vorzeigestadt von Minnesota trotzten Tausende von Demonstrierenden der Kälte, um diese Barbarei und die Ermordung von zweien anzuprangern, und zwangen Trump schließlich zum Einlenken und zum Abzug seiner ICE-Handlanger aus der Stadt.
Doch trotz der massiven Mobilisierung konnten all diese Demonstrationen Trump nicht aufhalten und auch den Ausfällen der Einwanderungsbehörde kein Ende setzen. Warum? Sicherlich ist die Wut, die Millionen von Menschen in ganz Amerika auf die Straße getrieben hat, legitim, aber es ist nicht die Arbeiterklasse mit ihren Kampfmitteln, die sich gegen die Barbarei der Bourgeoisie mobilisiert hat, sondern die Bevölkerung der Bürger gegen einen Teil der Bourgeoisie, nämlich den von Trump und seiner Clique. Und das ist ein großer Unterschied! Tatsächlich wurden die Demonstrationen sofort von „Bürgerinitiativen“ wie der American Civil Liberties Union, MoveOn, Greenpeace und sogar der Gewerkschaftsbewegung angeführt, die eine „gerechtere“ Gesellschaft forderten und sich für die Verteidigung der Prinzipien der „partizipativen Demokratie“ gegen den „Autoritarismus“ à la Trump einsetzten, ohne das kapitalistische System in irgendeiner Weise in Frage zu stellen. Trump und seine ICE-Miliz mögen verabscheuungswürdig sein, aber sie sind ein Spiegelbild des Kapitalismus als Ganzes, der gesamten Bourgeoisie! Müssen wir an die Politik der amerikanischen Demokratischen Partei erinnern, die heute Krokodilstränen vergießt, während sie unter Biden und Obama unerbittlich Migranten massenhaft deportierte und hispanische Kinder von ihren Familien trennte? Müssen wir an die verabscheuungswürdigen Konzentrationslager am Rande Europas erinnern, das angeblich ein Paradies der Menschenrechte und des Fortschritts ist, und an die Zehntausenden von Leichen, die den Grund des Mittelmeers und des Ärmelkanals bedecken? Alle Staaten verfolgen eine völlig unmenschliche Politik gegenüber Migranten!
Tatsächlich versuchen linke Vereinigungen und Parteien immer noch, das Proletariat von seinem Klassenkampf abzulenken, ihm weiszumachen, dass es als Bürger kämpfen müsse, dass seine Rettung in der Verteidigung der bürgerlichen Demokratie liege. Diese vielgestaltige Bewegung stellt eine große Gefahr für die Arbeiterklasse dar, die bereits in ihrem Namen enthalten ist: „Keine Könige“. Tatsächlich stammt ihr Name, der aus der bürgerlichen Linken stammt, aus dem Slogan der Aufständischen der amerikanischen Revolution, einem nationalistischen Slogan, der damals die englische Monarchie ablehnte.
All diese Bewegungen, die von Anfang an auf bürgerlichem Terrain organisiert und instrumentalisiert wurden, haben nichts Proletarisches oder wirklich Spontanes an sich. Es ist daher kaum verwunderlich, dass diese Bewegungen von Persönlichkeiten aus dem Showbusiness und der Demokratischen Partei unter der Führung von Obama unterstützt wurden.
Dies ist eine echte ideologische Falle, wie es in der Vergangenheit bei der Black-Lives-Matter-Bewegung nach der verabscheuungswürdigen Ermordung von George Floyd durch die Polizei der Fall war, die die Arbeiterklasse auf das falsche Terrain der Bourgeoisie zu locken droht, das sie dazu verleitet, eine vermeintlich „progressivere“ bürgerliche Fraktion gegen eine andere zu unterstützen, die Verteidigung der „Demokratie“ oder „guter Polizeiarbeit“ oder die Falle des „Antipopulismus“ oder „Antifaschismus“. Kurz gesagt, sich für eine bürgerliche Fraktion gegen eine andere zu entscheiden, uns selbst über die Möglichkeit eines gerechteren Kapitalismus zu täuschen. Eine solche Situation stellt ein weiteres Hindernis für die Entwicklung des Klassenbewusstseins und eine echte Gefahr für die Autonomie des Arbeiterkampfes dar.
Diese Gefahr ist umso realer, als die zunehmend chaotische Situation in den USA von wachsenden und brutalen Konfrontationen innerhalb der herrschenden Klasse geprägt ist, deren verschiedene verfaulte Fraktionen nichts anderes zum Ausdruck bringen als die Sackgasse eines sterbenden kapitalistischen Systems.
Dies zeigt sich zunächst in der imperialistischen Politik wie mit Trumps Annäherungsversuchen an Russland, die bei wichtigen Fraktionen, darunter auch innerhalb der Republikanischen Partei und der Streitkräfte, Empörung ausgelöst haben, aber auch in der Zunahme bewaffneter Interventionen auf der ganzen Welt, die bei bestimmten MAGA-Fraktionen unbeliebt sind. Dasselbe gilt für seine destabilisierende Wirtschafts- und Klimapolitik, die auf dem Davoser Forum durch die Rede des demokratischen Gouverneurs von Kalifornien, Gary Newsom, offen in Frage gestellt wurde. Darüber hinaus hat Trump keine Skrupel, seinen Clan und die ihn unterstützenden Fraktionen schamlos zu begünstigen, während er seine Gegner entlässt und strafrechtlich verfolgt, wodurch er die Spaltungen zwischen den Fraktionen, auch innerhalb seines eigenen Lagers, verschärft (wie die Kritik der „langjährigen Trump-Anhängerin” Marjorie Taylor Greene oder des pro-Trump-Influencers Joe Rogan, der die ICE mit der Gestapo vergleicht) und so die Spirale der Unvorhersehbarkeit und des Chaos verstärkt.[4]
Diese Situation schafft eine besonders giftige Atmosphäre in einem zersplitterten und zunehmend gespaltenen Land. All dies kann nur negative Auswirkungen auf Amerika selbst haben und lässt noch größere Spaltungen mit der Aussicht auf offenere Konfrontationen erwarten, bei denen der vorherige Sturm auf das Kapitol durch MAGA-Horden im Vergleich zu den zurückgehaltenen Drohungen und wachsenden Rivalitäten, die die verschiedenen Fraktionen der amerikanischen Bourgeoisie zu entzünden drohen, verblassen könnten.
Es sind diese endlosen und zunehmend gewalttätigen tödlichen Zusammenstöße, für die die Bourgeoisie die Bevölkerung zu mobilisieren versucht!
Bedeutet dies, dass die Arbeiterklasse nichts tun kann? Natürlich nicht! Auch sie ist empört über das Schicksal der Migrant:innen. Und die Arbeiterklasse, ob „einheimisch” oder „eingewandert”, leidet wie überall sonst unter einer zunehmenden Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen. In den Vereinigten Staaten wird offen von einer „Krise der Lebenshaltungskosten” („Erschwinglichkeit”) gesprochen, wobei 66 % der Bevölkerung Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen. Wie anderswo auch führt die globale Überproduktionskrise, die durch Militärausgaben und Inflation noch verschärft wird, zu Elend, das sich immer schneller ausbreitet und sowohl Einheimische als auch Einwanderer betrifft. Umso mehr, als die Bourgeoisie überall mehr Opfer fordert, um ihre Waffen zu kaufen und den Tod auf dem ganzen Planeten zu verbreiten!
In Wirklichkeit ist das Proletariat noch nicht in der Lage, Kriege zu beenden oder das derzeitige Chaos einzudämmen. Es muss sein politisches Bewusstsein entwickeln, um die Fallen, die ihm die Bourgeoisie stellt, wirklich ablehnen zu können und seine Empörung über die Grausamkeiten, die Eingewanderten zugefügt werden, gegen die Bourgeoisie selbst zu richten. Aber es ist die einzige Kraft, die langfristig in der Lage ist, der Gesellschaft eine alternative Richtung zu geben, vorausgesetzt, dass es sich zunächst durch einen gemeinsamen Kampf gegen die Krise wehrt.
Vorerst darf es nicht nachgeben oder in die ideologischen Fallen tappen, die ihm gestellt werden. Im Gegenteil, es muss sich eingehend mit der wahren Bedeutung der Solidarität mit Eingewanderten und, allgemeiner gesagt, mit all seinen Klassenbrüdern und -schwestern auseinandersetzen. Und heute kann nur eine Antwort, die auf der gemeinsamen Verteidigung der Interessen der Arbeiter:innen, auf der Verteidigung unserer Lebensbedingungen und Löhne basiert, den Anfang einer Lösung bieten.
Dieser Ansatz einer Antwort findet sich offensichtlich in den Kämpfen, die das Proletariat seit 2022 international zu führen begonnen hat, nach den massiven Streiks und Demonstrationen in Großbritannien, Frankreich und sogar den Vereinigten Staaten, als die Arbeiter:innen verkündeten: „Genug ist genug!“. Ebenso bedeutend sind jedoch die jüngsten Kämpfe in den Vereinigten Staaten, die unter besonders ungünstigen Bedingungen stattfinden und die die herrschende Klasse zu verschleiern und zu untergraben versucht. In denselben Monaten, in denen uns die Medien mit Trumps Prahlereien in der Air Force One überschütteten, fand tatsächlich ein wichtiger Kampf unter den 15.000 Pflegenden in den Krankenhäusern des Staates New York statt. Ein Kampf, der mehr als vier Wochen dauerte.
Während Bewegungen, die sich auf bürgerlichem Terrain engagieren, keine andere Perspektive haben als das Risiko steriler und destruktiver Zusammenstöße zwischen bürgerlichen Fraktionen, von denen eine barbarischer ist als die andere, stellen die Kämpfe der Krankenschwestern einen echten Schritt in Richtung Zukunft dar. Dieser Kampf hat eine universelle Dimension, da sich potenziell alle Proletarier:innen, Eingewanderte und Einheimische gleichermaßen darin wiedererkennen können. Diese kleine Flamme wartet nur darauf, ein viel größeres Feuer zu entfachen, nämlich das eines internationalen Kampfes, der langfristig so politisiert werden kann, dass er die kommunistische Perspektive einschlägt. Ein Kampf, der es ermöglichen wird, die notwendigen Voraussetzungen für den Sturz des Kapitalismus zu schaffen und eine andere Welt ohne Klassen und Ausbeutung zu entwerfen.
WH, 16. Februar 2026
[1] Der Fall Epstein ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.
[2] Und das sind nicht die einzigen Fälle: Keith Porter zum Beispiel, Vater von zwei Kindern, wurde am Silvesterabend von einem ICE-Beamten vor seinem Wohnhaus in Los Angeles getötet.
[3] Die berüchtigte US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE).
[4] Vgl. Venezuela, Grönland ... Im Schatten ihrer Machtdemonstration verschärfen die USA das kapitalistische Chaos [2], IKSonline 2026, Februar
„Dieses Regime wird bald lernen, dass niemand die Macht und die Streitkräfte der Vereinigten Staaten herausfordern sollte“. Das waren Trumps Worte wenige Minuten nach den ersten massiven Bombardements des Iran durch israelische und amerikanische Flugzeuge. Darauf folgte eine umfassende Reaktion der iranischen Revolutionsgarden, die ihrerseits Raketen auf Israel und amerikanische Stützpunkte in der gesamten Region abfeuerten. Schulen, Krankenhäuser, Häfen und Flughäfen, Wohn- und Touristengebiete – Raketen regnen von allen Seiten auf die terrorisierte Bevölkerung herab. Der gesamte Nahe Osten steht in Flammen! Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels ist die Zahl der Todesopfer noch unbekannt, aber in vielen iranischen Städten stapeln sich die Leichen, und in den von den Revolutionsgarden angegriffenen Orten sind mehrere Opfer zu beklagen, darunter auch die ersten amerikanischen Soldaten.
Um dieses neue Massaker zu rechtfertigen, behauptet Trump, er wolle ein blutrünstiges Regime zerstören, das „eine unerbittliche Kampagne des Blutvergießens und Massenmords gegen die Vereinigten Staaten, unsere Soldaten und unschuldige Menschen in vielen Ländern geführt hat“. Sein Handlanger Netanjahu behauptet seinerseits, er wolle die „Menschheit“ vor „diesem terroristischen und mörderischen Regime“ schützen. Laut dem Sohn des Schahs, Reza Pahlavi, handele es sich sogar um eine „humanitäre Intervention“!
Die iranischen Behörden geben sich ihrerseits als Opfer: „Es ist an der Zeit, das Vaterland zu verteidigen und sich der militärischen Aggression des Feindes zu stellen. So wie wir bereit waren zu verhandeln, sind wir mehr denn je bereit, unser Land zu verteidigen.“
Wenn man all diesen zynischen Schönrednern zuhört, wäre ihre Flächenbombardierung durch die Sicherheit der Welt und die Verteidigung der Unterdrückten motiviert. Diese Kriegspropaganda ist nichts anderes als ein abscheuliches Lügengeflecht! Die Realität ist, dass der Nahe Osten in ein kriegerisches Chaos von beispiellosem Ausmaß stürzt. Und das kaum acht Monate nach der Operation Midnight Hammer, die bereits das iranische Atomprogramm „zerstören“ und mit Gewalt „Frieden“ und Stabilität in der Region durchsetzen sollte.
Aber diese neue Militäroperation mit dem furchterregenden Spitznamen „Epic Fury“ hat ein ganz anderes Ausmaß als die vom Juni 2025. Die USA haben eine regelrechte Armada um den Iran herum aufgestellt: Kriegsschiffe, U-Boote, Hunderte von Flugzeugen und Tausende von Soldaten. Ein echtes Massaker steht bevor. Trump und Netanjahu sind sich dessen bewusst und haben ihre Absichten sofort klar gemacht: Ihre Operation wird massiv und besonders tödlich sein. Laut dem US-Präsidenten „werden wir ihre Raketen zerstören und ihre Raketenindustrie auslöschen. Sie wird vollständig zerstört werden. Wir werden ihre Marine zerstören. [...] Und wir werden dafür sorgen, dass der Iran keine Atomwaffen erhält.“ Anschließend forderte er das „großartige und stolze Volk des Iran“ auf, „die Kontrolle über [sein] Schicksal zu übernehmen“. Mit anderen Worten: zu den Waffen gegen das Regime zu greifen und auf den Straßen massakriert zu werden!
Auf der anderen Seite droht der iranische Staat den USA und Israel mit einer „überwältigenden Vergeltung“. Tausende Raketen regnen herab, aber die Diktatur in Teheran hat Mühe, der amerikanischen Allmacht etwas entgegenzusetzen. Das Regime wurde durch die Bombardierungen im Juni 2025 und die Zerschlagung seiner Verbündeten Hisbollah und Hamas erheblich geschwächt. Die einzige Antwort, die Teheran auf die durch die Operation Midnight Hammer ausgelöste Krise geben konnte, war ein hartes Vorgehen gegen die Opposition. Aber unabhängig davon, ob das Regime zusammenbricht oder sich trotz des Todes seines „Führers“ Khamenei halten kann, wird es für sein Überleben schamlos Blut vergießen und nicht zögern, Krieg zu exportieren. Da es nicht in der Lage ist, direkt zu reagieren, hat der iranische Staat bereits seine Milizen und bewaffneten Gruppen aktiviert, die bereit sind, wo immer möglich Chaos zu säen, auch durch Terrorismus.
In den kommenden Tagen wird Trump zweifellos mit der Allmacht der US-Armee prahlen und sie lobpreisen. Auf globaler Ebene wird dieser neue Konflikt zweifellos die Hauptgegner der USA schwächen. An erster Stelle steht dabei China, das für den Ausbau seiner neuen Seidenstraßen auf iranisches Öl und den Zugang zu Häfen im Nahen Osten angewiesen ist und die Raketenvorräte der Revolutionsgarden weitgehend aufgefüllt hat. Das Ausmaß der Operation Epic Fury ist in dieser Hinsicht eine neue Botschaft an die Feinde Amerikas: „Niemand sollte die Macht und die Streitkräfte der Vereinigten Staaten herausfordern“!
Aber wie nach der Operation von 2025 und der in Venezuela ist diese neue Machtdemonstration nichts weiter als ein spektakulärer Stunt, ein hohler Sieg, der weder die Region stabilisieren noch Konflikte lösen wird. Im Gegenteil, die globale Unordnung wird ein neues Ausmaß an Barbarei erreichen! Denn entgegen den Behauptungen Trumps wird der hypothetische Zusammenbruch des Regimes keineswegs Stabilität bringen, sondern nur der Auftakt zu einem neuen Abstieg in den Horror sein: ein instabiler Iran, zersplittert durch rivalisierende und schwer bewaffnete Fraktionen, das Aufkommen unkontrollierbarer terroristischer Gruppen, eine endlose Spirale von Racheakten zwischen Clans, Religionen oder Ethnien, terrorisierte Bevölkerungen, die mit allen Mitteln zu fliehen versuchen... Was auch immer geschieht, das Chaos wird erheblich zunehmen.
Mit der Androhung einer wirtschaftlichen und ölpolitischen Blockade der Straße von Hormus bedroht der Iran auch die Weltwirtschaft mit einer tieferen Krise. Aus diesem Grund hat Teheran dieses Gebiet sofort ins Visier genommen. Es besteht kein Zweifel, dass seine Houthi-Komplizen alles tun werden, um das Rote Meer und den Golf von Aden in permanenter Alarmbereitschaft zu halten.
Alle Staaten, ob groß oder klein, versuchen bereits, das herrschende Chaos für ihre eigenen schmutzigen imperialistischen Interessen auszunutzen.
Saudi-Arabien erklärt sich bereit zu intervenieren, ebenso wie die Hisbollah und pro-iranische Milizen im Irak. China, dessen Einfluss ebenfalls von dieser Operation betroffen ist, wird früher oder später seine Muskeln spielen lassen, in Taiwan oder anderswo, und damit einen militärischen Konflikt mit den USA riskieren.
Dies ist keineswegs eine katastrophistische Sichtweise der Lage, sondern die logische Schlussfolgerung, die sich aus allen Kriegen der letzten zwanzig Jahre ergibt: die Invasion Afghanistans 2001, der Krieg im Irak 2003, der Zusammenbruch Syriens 2011, der Krieg im Jemen 2014, Gaza 2023... Jedes Mal haben diese militärischen Abenteuer nur zu katastrophalen Situationen und Fiaskos geführt, auch für die USA, trotz der Macht ihrer Armee.
Hinter diesen endlosen Konflikten, unterbrochen von unaufhörlichen und falschen Friedensversprechen, wirkt dieselbe Dynamik: Der Kapitalismus stürzt die Menschheit unaufhaltsam in einen umfassenden Krieg und Chaos. Von Mauretanien bis Burma hat sich ein ununterbrochener globaler Bogen bewaffneter Konflikte fest etabliert. In Europa mit dem Konflikt in der Ukraine, in Lateinamerika, in Afrika, in Ozeanien, überall breitet sich der Krieg auf unkontrollierbare und anarchische Weise aus. Überall herrscht Chaos, und weder die Vereinigten Staaten noch die europäischen Länder, noch China, noch die internationalen Institutionen, noch irgendein Staat, noch irgendeine bürgerliche Fraktion sind in der Lage, dem ein Ende zu setzen. Die „Waffenstillstände“ und „Verhandlungen“ erweisen sich alle als nichts weiter als vorübergehende und prekäre Unterbrechungen, die vereinbart wurden, um sich besser auf die nächsten Zusammenstöße vorzubereiten.
In seiner ersten Rede forderte Trump die Iraner auf, „ihr Land zurückzuerobern“. In London, Berlin und Georgien versammelten sich sogar einige Demonstranten, um die amerikanische Operation und die „Demokratie“ zu unterstützen. Diese kriegstreiberischen Parolen sind verabscheuungswürdige Fallen! Aufrufe, sich für den Schah oder eine andere Fraktion der iranischen Bourgeoisie abschlachten zu lassen. Mit dem möglichen Ende des Mullah-Regimes wird es kein glückliches Morgen geben. Es wird immer noch dasselbe System sein, derselbe Kapitalismus, dieselbe Barbarei!
Auf der anderen Seite rufen die Mullahs und ihre Unterstützer, angefangen bei den linken Parteien des Westens, das „iranische Volk“ und die Arbeiterklasse dazu auf, sich überall gegen die „imperialistische Aggression“ der USA zu mobilisieren. Am Tag nach dem ersten Angriff fanden pro-iranische Demonstrationen statt, in Teheran selbst, aber auch im Irak und in Pakistan, mit mehreren Opfern vor der amerikanischen Botschaft. Auch hier handelt es sich nur um Aufrufe, ein imperialistisches Lager zu unterstützen und sich im Namen einer Clique blutrünstiger Barbaren massakrieren zu lassen.
Die Arbeiterklasse muss sich nicht für eine Seite entscheiden. Die Proletarier der ganzen Welt dürfen nicht den Sirenengesängen des Nationalismus erliegen oder sich auf die Seite eines der beiden Lager stellen, sei es im Nahen Osten oder anderswo. Alle Nationen, alle Bourgeoisien, ob demokratisch oder autoritär, links oder rechts, populistisch oder „progressiv“, sind Kriegstreiber!
Trotz der pompösen Rhetorik der heuchlerischen Moral, die „Zivilisation“ gegen „Barbarei“, „Gut“ gegen „Böse“, „Aggressoren“ gegen „Opfer“ ausspielt, sind Kriege nichts anderes als Zusammenstöße zwischen rivalisierenden Bourgeoisien. In diesen immer weiter eskalierenden Konflikten sind es immer die Ausgebeuteten, die als Geiseln genommen und für die Interessen derer geopfert werden, die sie unterdrücken und töten.
Um Kriege zu beenden, muss der Kapitalismus überwunden werden! Die Geschichte hat gezeigt, dass die Arbeiterklasse die einzige Kraft ist, die kapitalistischen Kriege beenden kann. Es war die Stärke des revolutionären Proletariats, die den Ersten Weltkrieg 1917 in Russland und 1918 in Deutschland beendete. Diese revolutionären Bewegungen konnten den Regierungen einen Waffenstillstand aufzwingen. Um den Kriegen überall ein endgültiges Ende zu setzen, muss die Arbeiterklasse dies erreichen, indem sie den Kapitalismus weltweit überwindet.
Aber es liegt noch ein langer Weg voller Hindernisse vor uns. Angesichts der Barbarei des Krieges wollen viele Menschen Widerstand leisten und ihre Empörung zum Ausdruck bringen. Und in der Tat, wenn wir nicht reagieren, wird uns der Kapitalismus in Chaos und weitreichende Zerstörung führen. Aber diejenigen, die heute auf die Straße gehen, tun dies oft unter den Parolen des linken Flügels des Kapitals: „Keine Könige“, „Stoppt den Völkermord“, „Freies Palästina“ ... alles Parolen, die die Vorstellung vermitteln, dass die Ursachen des Krieges in diesem oder jenem Führer, im Wahnsinn von Trump, im Kolonialismus Israels, in den religiösen Wahnvorstellungen fundamentalistischer Juden, im amerikanischen Imperialismus liegen ... Hinter einem scheinbaren Radikalismus, hinter Reden „für den Frieden“, für „die Rechte der Völker“, „für die Verteidigung der Unterdrückten“ geht es immer darum, sich für ein bürgerliches Lager zu entscheiden und zur Verteidigung des „demokratischen“ Staates aufzurufen. In den USA haben Anti-Trump-Demonstrationen die mangelnde Konsultation des Kongresses und die Missachtung des „Völkerrechts“ angeprangert, als ob ein „legaler“ Krieg weniger barbarisch wäre!
Auch wenn die Arbeiterklasse noch nicht die Kraft hat, sich den Kriegen der Bourgeoisie direkt zu widersetzen, und die revolutionäre Perspektive noch in weiter Ferne zu liegen scheint, erfordert dieser Weg dennoch unerbittlichen Widerstand gegen die Angriffe eines Kapitalismus, der unter dem wachsenden Gewicht von Krise und Militarismus zusammenbricht. Indem wir uns weigern, unser Leben und unsere Löhne auf dem Altar der „Wettbewerbsfähigkeit“ oder der „Kriegsanstrengungen“ zu opfern, beginnen wir, uns gegen das Herzstück des Kapitalismus zu wehren: die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.
Wie wir in zahlreichen Artikeln gezeigt haben, erleben wir seit 2022 weltweit eine regelrechte Wiederbelebung der Militanz der Arbeiterklasse.
Indem sie sich weigert, die Opfer zu bringen, die ihnen die Kriegswirtschaft auferlegt, zeigt die Arbeiterklasse konkrete Solidarität mit ihren Klassenbrüdern und -schwestern, die unter den Bomben gefangen sind. Und diese Entschlossenheit, nicht nachzugeben, geht einher mit einer Reifung des politischen Bewusstseins: Überall stellen kleine Minderheiten Fragen darüber, wie Kämpfe organisiert werden sollten und wie die Zukunft der Welt aussieht, über den Zusammenhang zwischen der Krise und der Ausbreitung von Kriegen. Für revolutionäre Minderheiten ist es an der Zeit, zu diskutieren und zu handeln, um diese unterirdischen Überlegungen in eine organisierte Kraft zu verwandeln, die in der Lage ist, sich auf die revolutionären Kämpfe von morgen vorzubereiten.
EG, 1. März 2026
Als Reaktion auf die Eskalation des Krieges im Nahen Osten hat die IKS einen neuen Artikel auf ihrer Website veröffentlicht (Kapitalismus ist Krieg! Der Kapitalismus muss überwunden werden! [3]) und veranstaltet öffentliche Online-Diskussionsveranstaltungen mit folgenden Zielen:
- Definition der internationalistischen Position gegen alle, die in diesem interimperialistischen Gemetzel die eine oder andere Seite unterstützen.
- Analyse der Entwicklung des globalen Kapitalismus und der katastrophalen „Zukunft“, die er der Menschheit bietet.
- Diskussion der Herausforderungen für die Arbeiterklasse, die mit der Beschleunigung von Krieg und Chaos konfrontiert ist.
Wer an der Diskussion vom 22. März (Englisch) teilnehmen möchte, schreibt bitte an: [email protected] [4]
Wer an der Diskussion vom 25. März (Deutsch) teilnehmen möchte, schreibt bitte an: [email protected] [1]
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Mit dem Ausbruch des Krieges im Iran wird der Nahe Osten erneut in Schutt und Asche gelegt. Erneut hat die USA eine gigantische Flotte in der Region stationiert.
Und nun geht eine Flut von Bomben und Raketen auf die Zivilbevölkerung nieder, die von den imperialistischen Rivalitäten aller kriegführenden Staaten in Geiselhaft genommen wird.
Schulen, Krankenhäuser und Arbeiterviertel werden täglich zerstört! Frauen, Kinder und alte Menschen versuchen verzweifelt, dem Blutbad zu entkommen, irren durch Trümmer und Ruinen und steigen über die Leichen hinweg, die die Straßen von Teheran, Beirut und vielen anderen Städten übersäen.
Um dieses neue imperialistische Gemetzel zu rechtfertigen, rufen die Feinde des iranischen Staates, allen voran Trump und Netanjahu, die Proletarier dazu auf, im Namen einer angeblich „humanitären“ Mission weiterhin gegen das blutrünstige Regime der Mullahs auf die Straße zu gehen. Sie rufen sie dazu auf, sich massakrieren zu lassen, indem sie sie erneut der blutrünstigen Unterdrückung des Mullah-Regimes ausliefern.
Diese Kriegstreiber geben damit vor, die Sache des iranischen Volkes und aller Unterdrückten zu verteidigen.
Reine Heuchelei und schamlose Lügen!
Mit der Reaktion des iranischen Staates verschärft die Eskalation des Krieges die Barbarei und das Chaos in dieser Region der Welt nur noch weiter.
Trump hat den Tod von Khamenei und einiger Würdenträger aus seinem engsten Umfeld ins Rampenlicht gerückt, um zu zeigen, dass die weltweit führende „demokratische“ Macht die Menschheit vor Diktatoren retten kann.
Mit der Operation „Epic Fury“ zeigt Trump, dass die USA, die einst der „Weltpolizist“ war, zum größten Faktor der Destabilisierung weltweit geworden sind. Man kann sicher sein, dass die „Pax Americana“ den Nahen Osten weiterhin in ein immer blutigeres Chaos stürzen wird. Unter Einbeziehung anderer Staaten und anderer bürgerlicher Cliquen (Saudi-Arabien, Hisbollah, pro-iranische Milizen im Irak).
Machen wir uns keine Illusionen! Weder die USA noch irgendein anderer bürgerlicher Staat kann der Menschheit Frieden, Wohlstand oder irgendeine neue „Weltordnung“ bringen. Ganz im Gegenteil. Der „Frieden“ im Kapitalismus war schon immer der Friede der Gräber! Die Ukraine, Gaza, der Libanon, der Iran, der Irak, Afghanistan, der Sudan, der Kongo … all diese Kriegsgebiete zeigen, was die gesamte Menschheit auf dem ganzen Planeten erwartet, wenn der Kapitalismus nicht überwunden wird.
Mit unaufhörlichen Aufrufen zum Patriotismus, zur „heiligen Union“ hinter den Nationalflaggen, hinter dem Fanatismus religiöser Cliquen in den von islamistischem Fundamentalismus beherrschten Ländern.
Selbst wenn das Mullah-Regime zusammenbricht, wird kein neues Regime der iranischen Bevölkerung irgendeine Beruhigung oder Stabilität bringen können. Solange der Kapitalismus den Planeten beherrscht, können sich Kriege und Chaos nur weiter verschärfen.
In diesem x-ten imperialistischen Krieg, wie in allen anderen zuvor, darf sich das Proletariat nicht für Interessen als Geisel nehmen lassen, die nicht die seinen sind.
Es hat nichts davon zu gewinnen! Denn dieser Krieg ist nicht sein Krieg! Sich von dieser oder jener bürgerlichen Clique vereinnahmen zu lassen, sich hinter eine Seite gegen eine andere zu stellen, bedeutet, die Interessen unserer Ausbeuter zu verteidigen.
Was als Vorwand für die Eskalation des Krieges diente, war die blutige Unterdrückung der Massendemonstrationen im Iran, die durch die Verschärfung der Wirtschaftskrise und die Verarmung nicht nur der Kleinunternehmer, sondern vor allem der Arbeiterklasse ausgelöst wurden.
In diesem Aufstand des iranischen „Volkes“ gegen die rasante Verschlechterung ihrer materiellen Lebensbedingungen gingen die Arbeiterinnen und Arbeiter inmitten der anderen nicht-ausbeuterischen Schichten der Bevölkerung unter. In diesem Aufstand der Verzweiflung konnte sich die Arbeiterklasse sich nicht als eigenständige Klasse behaupten.
Doch die iranischen Arbeiterinnen und Arbeiter, die auf eine lange Tradition militanter Kämpfe zurückblicken, werden keine andere Wahl haben, als gegen die steigenden Preise für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs zu kämpfen. Denn sie können ihre Kinder heute nicht mehr ernähren. Im Iran wie in den am weitesten entwickelten Ländern gilt: „Genug ist genug!“
Wir dürfen den Massakern im Iran nicht tatenlos zusehen! Wir dürfen nicht gleichgültig bleiben.
Dieser Krieg ist kein ferner und „exotischer“ Konflikt.
Wir, die Arbeiterklasse der ganzen Welt, sind alle betroffen von dem, was „dort“ geschieht!
Es sind unsere Klassenbrüder- und Schwestern im Iran, die jeden Tag zu Zehntausenden unter den Bomben und dem Kugelhagel unserer Ausbeuter und Mörder fallen.
Es ist unser Blut, das all diese Aasgeier auf dem Altar des Kapitalismus vergießen!
Die Proletarier aller Länder können und müssen ihre Solidarität mit der ausgebeuteten und massakrierten Arbeiterklasse im Iran und im Libanon bekunden.
Nicht, indem sie sich von den linken und linksradikalen Parteien des Kapitals einlullen lassen, die lediglich die massiven Bombardements des US-Imperialismus anprangern und dabei den iranischen Staat unterstützen. Was die Anprangerung der “Illegalität” der Intervention angeht, so dient dies nur dazu, den „legalen“ Krieg der „internationalen Koalitionen“ besser zu propagieren. Es ist dieselbe Falle wie die Verteidigung des „humanitären“ Krieges. Alle Kriege sind imperialistisch! Wie Lenin über den Völkerbund sagte: Die UNO, die NATO ... sind allesamt Räuberbanden.
Die einzige Solidarität, welche die Arbeiterklasse aller Länder ihren Klassenbrüdern- und Schwestern im Iran (und in allen Staaten des Nahen Ostens) entgegenbringen müssen, ist der massive Kampf gegen „ihre“ eigene nationale Bourgeoisie, gegen ihre Ausbeuter und Mörder, gegen alle Staaten und ihre Regierungen, ob rechts oder links.
Es ist dieselbe herrschende Klasse, die im Iran Terror und Tod sät und uns hier Entlassungswellen, prekäre Arbeitsverhältnisse und wachsende Arbeitslosigkeit aufzwingt.
Es ist dasselbe Ausbeutungssystem, der globale Kapitalismus, der uns ins Elend stürzt und seine kriegerische Barbarei entfesselt!
Das Blutbad, das heute den Iran und im Libanon überschwemmt, ist ein Aufruf an das Verantwortungsbewusstsein der Arbeiterklasse aller Länder, insbesondere an seine erfahrensten Teile in Westeuropa, den „reichsten“ und am weitesten entwickelten Nationen des Kapitalismus.
Nur indem es seine autonomen Kämpfe auf seinem eigenen Klassenterrain gegen die kapitalistische Ausbeutung entwickelt, kann die Arbeiterklasse der Kernländer im historischen Zentrum des Kapitalismus der gesamten Menschheit eine Zukunft bieten und dabei die Ausgebeuteten der ganzen Welt mit einschließen.
Der Kapitalismus entstand in Europa im Schlamm und Blut. In diesem Teil der Welt hat die Arbeiterklasse bereits die grausame Erfahrung zweier Weltkriege gemacht.
Erinnern wir uns daran, dass es die Entwicklung der revolutionären Welle in Russland und Deutschland war, die die Bourgeoisie der großen „demokratischen“ Mächte zwang, dem ersten weltweiten Gemetzel von 1914–18 ein Ende zu setzen.
Die Arbeiterklasse der zentralen Länder des Kapitalismus hat lange Erfahrung mit Klassenkämpfen gegen die imperialistischen Kreuzzüge „ihrer“ nationalen Bourgeoisie. Sie hat lange Erfahrung mit ideologischen Täuschungen, die nur Vorwände waren, um sie im Namen der Verteidigung der „Demokratie“ gegen diktatorische Regime, der Zivilisation gegen die Barbarei usw. auf die Schlachtfelder zu schicken.
Da seine Interessen denen seiner Ausbeuter entgegenstehen, ist die Arbeiterklasse die einzige Kraft in der Gesellschaft, die den Kriegen, dem Gemetzel und dem Chaos ein Ende setzen kann, in das der Kapitalismus die gesamte Menschheit unaufhaltsam stürzt!
Um der weltweiten Diktatur der Bourgeoisie ein Ende zu setzen und eine neue Gesellschaft ohne Krieg und Ausbeutung aufzubauen, müssen die Arbeiterklasse weltweit massive, vereinte und über nationale Grenzen hinweg ausgedehnte Kämpfe entwickeln. Denn die Arbeiterklasse hat kein Vaterland! Ob in Russland oder in der Ukraine, in Gaza oder in Israel, überall und immer muss die Arbeiterklasse sich weigern, ihre Klassenbrüder- und Schwestern zu töten, sich verbünden und sich gegen seine Ausbeuter wenden.
Um eine revolutionäre Perspektive zu entwickeln, muss sich die Arbeiterklasse zunächst weigern, sich hinter nationale Fahnen versammeln zu lassen, sich als Kanonenfutter missbrauchen zu lassen und alle Opfer abzulehnen, die ihnen von der herrschenden Klasse zur Verteidigung des Staates und der nationalen Wirtschaft auferlegt werden!
Massenhaft gegen die verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen – einer permanenten Krise ohne Ausweg – bedeutet, an die Wurzel des blutigen Chaos und der Kriegsbarbarei vorzudringen; es ist der Beginn des Weges zur notwendigen Politisierung der Kämpfe. Um auf die Revolution zuzugehen, muss die Arbeiterklasse ihr Klassenbewusstsein entwickeln.
Indem wir unsere Kämpfe gegen die Übergriffe des Kapitals und gegen die Kriegsbarbarei entwickeln, müssen wir unsere Einheit und unsere internationale Klassensolidarität bekräftigen – eine Klasse, die keine Sonderinteressen zu verteidigen hat.
Angesichts der Schwere der Herausforderungen, die der Niedergang des Kapitalismus mit sich bringt, und angesichts dieser neuen Schlächterei im Iran und im Libanon gibt es nur eine Parole:
Nieder mit dem Krieg!
Nieder mit dem Kapitalismus!
Internationale Solidarität der gesamten Arbeiterklasse!
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Internationale Kommunistische Strömung
Um gemeinsam eine revolutionäre Perspektive aufzubauen ist es unerlässlich, sich zu versammeln, zu diskutieren und sich zu organisieren. Die öffentlichen Diskussionsveranstaltungen der IKS sind ein möglicher Ort dafür.
Als Reaktion auf die Eskalation des Krieges im Nahen Osten organisieren wir am 22. März in englischer Sprache und am 25. März in deutscher Sprache eine Diskussionsveranstaltung, um gemeinsam:
- die internationalistische Position gegen all jene zu definieren, die in diesem interimperialistischen Gemetzel die eine oder andere Seite unterstützen;
- die Entwicklung des Weltkapitalismus und die katastrophale Zukunft, die er der Menschheit bereithält, zu analysieren;
- die Herausforderungen zu erörtern, denen sich die Arbeiterklasse angesichts der Eskalation von Krieg und Chaos stellen muss.
Informationen zu den Diskussionsveranstaltungen: www.internationalism.org [6]
Links
[1] mailto:[email protected]
[2] https://de.internationalism.org/content/3346/venezuela-groenland-im-schatten-ihrer-machtdemonstration-verschaerfen-die-usa-das
[3] https://de.internationalism.org/content/3350/kapitalismus-ist-krieg-der-kapitalismus-muss-ueberwunden-werden
[4] mailto:[email protected]
[5] https://de.internationalism.org/files/de/3._golfkrieg_flugblatt.pdf
[6] http://www.internationalism.org