30 Jahre IKS: Von der Vergangenheit lernen, um die Zukunft zu bauen

Die IKS hielt im dreißigsten Jahr ihrer
Existenz ihren 16. Kongress ab. In diesem Artikel beabsichtigen wir deshalb,
eine Bilanz der Erfahrung unserer Organisation aufzuzeichnen, so wie wir es am
10. und 20. Jahrestag der IKS auch taten. Dies ist kein Zeichen von Narzissmus:
Kommunistische Organisationen existieren nicht für sich; sie sind Instrumente
der Arbeiterklasse, der ihre Erfahrungen gehören. Dieser Artikel hat deshalb
zum Ziel, das Mandat unserer Organisation für ihre 30jährige Existenz sozusagen
an die Klasse zurückzugeben. Und wie jedes Mal, wenn man ein Mandat zurückgibt,
müssen wir auch diesmal bestimmen, ob unsere Organisation in der Lage gewesen
war, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, die sie übernahm, als sie gegründet
wurde. Wir beginnen daher mit der Frage, worin die Verantwortung der
Revolutionäre in der Situation 30 Jahre zuvor bestand und wie sie sich seitdem
mit der Änderung der Situation selbst gewandelt hat.

Die Verantwortung der
Revolutionäre

In den ersten Jahren der
IKS war ihre Verantwortung durch das Ende der tiefen Konterrevolution bestimmt,
die das Weltproletariat nach der Niederlage der revolutionären Welle von
1917-23 zerschmettert hatte. Der riesige Streik in Frankreich Mai 1968, der
"heiße Herbst" von 1969 in Italien, die Streiks in der polnischen
Ostseeregion während des Winters 1970-71 und viele andere Bewegungen hatten
gezeigt, dass das Proletariat nach mehr als vier Jahrzehnten der Niederlage
wieder aufgetaucht war. Diese historische Regeneration des Proletariats drückte
sich nicht nur in einem Wiederaufleben der Kämpfe der Arbeiter und in der
Fähigkeit dieser Kämpfe aus, die Zwangsjacke zu sprengen, in der die Linke und
vor allem die Gewerkschaften sie auf Jahrzehnte gesteckt hatten (dies war
besonders in den wilden Streiks während des "heißen Herbsts" 1969 in
Italien der Fall). Eines der bedeutsamsten Anzeichen für das Wiederauftauchen
der Arbeiterklasse aus  der
Konterrevolution war das Erscheinen einer ganzen Generation von Individuen und
kleinen Gruppen auf der Suche nach den wirklich revolutionären Positionen des
Proletariats, die auf diese Weise das 
Monopol der  stalinistischen
Parteien mit ihren trotzkistischen und maoistischen Anhängseln auf die Idee der
kommunistischen Revolution in Frage stellten. Auch die IKS war eine Frucht
dieses Prozesses, da sie durch die Umgruppierung mehrerer Gruppen gebildet
wurde, welche in Frankreich, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Italien
und Spanien erschienen waren und die sich 
in Richtung jener Positionen zubewegten, die von der Gruppe
Internacionalismo in Venezuela seit 1964 vertreten wurde. Diese Gruppe stand
unter dem Einfluss eines alten Militanten der Kommunistischen Linken, MC, der
seit 1952 dort lebte.

Während dieser Anfangszeit
wurden die Tätigkeiten der IKS durch drei fundamentale Verantwortungen
bestimmt:

- vollständig die
Positionen, die Analysen und die Lehren der 
kommunistischen Organisationen der Vergangenheit in sich aufzunehmen,
nachdem diese in Folge der Konterrevolution entweder verschwunden oder völlig
verknöchert waren;

- in die internationale
Welle von  Kämpfen der Arbeiter zu
intervenieren, die im  Mai 1968 in
Frankreich begonnen hatten;

- die Umgruppierung von
neuen kommunistischen Kräften, bei der die 
IKS ein erster Schritt war, fortzusetzen.

Der Zusammenbruch des
Ostblocks und der  stalinistischen
Regimes in Europa im Jahr 1989 schuf eine neue Lage für die Arbeiterklasse, die
nunmehr dem vollen Wind all der Kampagnen über den "Triumph der  Demokratie", den "Tod des
Kommunismus", das "Verschwinden des 
Arbeiterkampfs" oder sogar der Arbeiterklasse  selbst ausgesetzt war. Diese Situation war
für eine tiefe Flaute sowohl im Kampfgeist als auch im Bewusstsein des
Proletariats verantwortlich.

Die 30jährige Existenz der
IKS teilt sich somit in zwei sehr unterschiedliche Perioden von je 15 Jahren
auf. In der ersten Periode war es notwendig, an den Fortschritten der
Arbeiterklasse in der Entwicklung ihrer Kämpfe und ihres Bewusstseins teilzunehmen,
insbesondere durch eine aktive Intervention in diese Kämpfe. In der zweiten
Periode sollte es eine der wesentlichen Aufgaben unserer Organisation sein,
standhaft zu bleiben angesichts der Welle der Auflösung, die die Arbeiterklasse
überschwemmte. Sie war eine Prüfung für die IKS wie für alle anderen
kommunistischen Organisationen, da sie nicht immun gegenüber der allgemeinen
Atmosphäre sind, die in der Klasse insgesamt herrscht: Die Demoralisierung und
der  Mangel an Selbstvertrauen in der
Klasse wirkten sich auch auf unsere eigenen Reihen aus. Und diese Gefahr war um
so größer, als jene Generation, die die 
IKS gegründet hatte, nach 1968 und zu Beginn der siebziger Jahre in die
Politik fand, das heißt im Kielwasser der großen Arbeiterkämpfe, die die
Illusion weckten, dass die kommunistische Revolution vor der Tür stünde.

Wenn wir eine Bilanz der
30-jährigen Existenz der IKS ziehen wollen, müssen wir daher prüfen, ob die
Organisation in der Lage war, sich mit diesen beiden Perioden im
gesellschaftlichen Leben und im Kampf der Arbeiterklasse auseinanderzusetzen.
Im Besonderen müssen wir uns anschauen, inwieweit sie in den Prüfungen, denen
sie hat gegenübertreten müssen, ihre den historischen Umständen geschuldete
Schwächen überwunden hat. Gleichzeitig müssen wir sehen, worin die Stärken der
IKS bestehen, die es uns ermöglichen, diese 30 Jahre ihrer Existenz positiv zu
beurteilen.

Eine positive Bilanz

Bevor wir fortfahren, sei
direkt gesagt, dass die  IKS eine
sehr  positive Bilanz aus diesen 30
Jahren ihrer Existenz ziehen kann. Es ist wahr, dass die Größe unserer
Organisation und ihr Einfluss äußerst bescheiden sind. Wie wir schon in dem
Artikel zum 20. Jahrestag der IKS sagten: "Der Vergleich zwischen der IKS
und den anderen Organisationen in der Geschichte  der Arbeiterbewegung, besonders den  Internationalen, ist beunruhigend: Während Letztere  Millionen, ja zig Millionen von Arbeitern
einschlossen  oder beeinflussten, ist
die IKS  überall in der Welt nureiner
winzigen Minderheit der Arbeiterklasse bekannt" (Internationale Revue Nr.
16). Die Situation bleibt heute im Wesentlichen dieselbe und ist, wie wir es
oft in unseren Artikeln gesagt haben, nur mit den besonderen Umständen zu
erklären, unter denen die Arbeiterklasse sich ein weiteres Mal aufgemacht hat
auf dem Weg zur  Revolution:

- das langsame Tempo
des  ökonomischen Zusammenbruchs des
Kapitalismus, dessen erste Ausdrücke Ende der 1960er Jahre als Initialzündung
für das historische Wiederaufleben des Proletariats dienten;

- die Länge und das Ausmaß
der Konterrevolution, die die Arbeiterklasse Ende der 1920er Jahre
niedergeschmettert hatte und die neuen Generationen von Proletariern von den
Erfahrungen früherer  Generationen
abschnitt, welche die großen Kämpfe des frühen 20. Jahrhunderts angeführt und
vor allem  die  revolutionäre Welle von 1917-23 in Gang gesetzt hatten;

- das extreme Misstrauen
jener Arbeiter, die die Gewerkschaften und so genannten „sozialistischen“ oder
„kommunistischen“ „Arbeiter“parteien ablehnten, gegenüber jeglicher Art von politischen
Organisationen des Proletariats;

- das noch größere Gewicht
des Mangels an Selbstvertrauen und der Demoralisierung in Folge des
Zusammenbruchs  der  so genannten  "kommunistischen Regimes".

Nachdem dies gesagt ist,
sollten wir auch darauf hinweisen, wie weit wir gekommen sind: 1968 war unsere
politische Tendenz nichts als ein 
kleiner Kern in Venezuela und eine winzige Gruppe in einer provinziellen
französischen Stadt, die gerade mal dazu fähig war,  eine vervielfältigte Zeitschrift zwei oder dreimal im Jahr
herauszugeben; heute ist unsere Organisation eine Art Bezugspunkt für all jene
geworden, die zu revolutionären Positionen gelangen:

- eine territoriale Presse
in zwölf Ländern und sieben Sprachen (englisch, spanisch, deutsch, französisch,
italienisch, holländisch und schwedisch);

- mehr als hundert
Broschüren und andere Dokumente, die in diesen Sprachen, aber auch auf Russisch
Portugiesisch, Bengalisch, Hindi, Farsi und Koreanisch veröffentlicht wurden;

- mehr als 420 Ausgaben
unserer theoretischen Publikation, alle drei Monate die Internationale Revue
auf Englisch, Spanisch, Französisch und, wenn auch  in größeren Abständen, auf Deutsch, Italienisch, Holländisch und
Schwedisch.

Seit ihrer Gründung hat die
IKS im  Durchschnitt alle fünf Tage eine
Publikation herausgegeben; heute geben wir ungefähr alle vier Tage eine heraus.
Zu all dem kommt nun auch unsere 
Website "www.internationalism.org" in dreizehn Sprachen hinzu.
Auf dieser Webseite werden die gedruckten Artikel  der territorialen Presse und der Internationalen Revue, unsere
Broschüren und Flugblätter veröffentlicht, aber sie schließt  auch die Internet-Publikation IKSonline ein,
die es uns ermöglicht, schnell zu  den
wichtigsten Ereignissen Stellung zu beziehen.

Neben unseren Publikationen
sollten wir auch die Tausenden von öffentlichen Diskussionsveranstaltungen
erwähnen,  die wir seit der Gründung
unserer Organisation in fünfzehn Ländern 
abgehalten haben und zu denen Sympathisanten und Kontakte kommen können,
um über unsere Positionen und Analysen zu diskutieren. Auch sollten wir unsere
mündlichen Interventionen, den Verkauf unserer Presse, die  Verteilung von immer zahlreicheren
Flugblättern auf  öffentlichen
Veranstaltungen, Foren und Versammlungen 
anderer Organisationen, auf Straßendemonstrationen, vor Betrieben und
auf Märkten und Bahnhöfen nicht vergessen - und  natürlich nicht unsere Interventionen in den Arbeiterkämpfen.

Um es noch einmal zu sagen:
All dies  ist  wenig genug, wenn wir es zum Beispiel mit den Aktivitäten der
Sektionen der Kommunistischen Internationale in den 1920er Jahren vergleichen,
als revolutionäre Positionen in einer Tagespresse ihren Ausdruck fanden. Doch
wie wir gesehen haben, kann man  nur
vergleichen, was vergleichbar ist. Das wahre Maß des "Erfolgs" der IKS
kann am Unterschied  zwischen der IKS
und den anderen Organisationen der Kommunistischen Linken abgelesen werden, die
1968 bereits existierten, als die IKS nicht mehr als ein Embryo war.

Die Gruppen der
Kommunistischen Linken  seit 1968

 1968 existierten mehrere Organisationen, die sich als  Nachkommen der Kommunistischen Linken
betrachteten. Auf der einen Hand gab es jene Gruppen, die zur Tradition des
holländischen Linkskommunismus gehörten, im Wesentlichen die „Rätisten“, in
Holland verkörpert vom Spartacusbond und von Daad en Gedachte, in Frankreich
von der Groupe de Liaison pour l’Action des Travailleurs (Glat) und von
Informations et Correspondances ouvrières (ICO) sowie in Großbritannien
von  Solidarity, deren Ursprünge sich
vor allem aus den Erfahrungen der Gruppe Socialisme ou Barbarie speisten,
die  einer Abspaltung der
trotzkistischen IV. Internationale unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
entsprang und 1964 wieder verschwand.

Neben der rätistischen
Strömung  existierte eine andere Gruppe
in Frankreich, die ebenfalls von Socialisme ou Barbarie abstammte, nämlich
Pouvoir Ouvrier, sowie eine kleine Gruppe um Grandizo Munis (ehemaliger Führer
der spanischen Sektion der IV. Internationale), die Ferment Ouvrier
Révolutionnaire (FOR,  auf Spanisch Fomento
Obrero Revolucionario) welche Alarme (Alarma auf Spanisch) herausgab.

römung der Linkskommunisten
von 1968 hatte ihre Wurzeln in der Italienischen Linken und umfasste zwei
Zweige, die 1952 aus der Spaltung der 1945 nach dem Krieg in Italien gegründeten
Partito Comunista Internazionalista hervorgegangen waren. Einerseits die
„bordigistische" Internationale Kommunistische Partei, die in Italien
Programma Comunista und in Frankreich Le Prolétaire und Programme Communiste
herausgab; andererseits die Mehrheit zur Zeit der Spaltung, die Battaglia
Comunista und  Prometeo herausgab.

Für eine Weile stießen
einige dieser Gruppen auf ein großes Echo. "Rätistische" Gruppen wie
die ICO erlebten einen Zulauf einer ganzen Reihe von Militanten, die von den
Ereignissen im  Mai 1968 politisiert
worden waren. 1969 und 1970 gelang es ihr, mehrere Zusammenkünfte  auf 
regionaler, nationaler und sogar internationaler Ebene (Brüssel 1969) zu
organisieren, die eine beträchtliche Anzahl von Personen und Gruppen
zusammenbrachten (einschließlich  uns).
Doch Anfang der 1970er Jahre verschwand die ICO. Diese Tendenz erschien wieder
1975 mit dem vierteljährlichen Bulletin Echanges et Mouvements, an dem sich
Personen aus mehreren Ländern beteiligten, das jedoch nur auf Französisch herausgegeben
wurde. Was die anderen Gruppen angeht, so hörten sie entweder auf zu existieren
– wie im Falle der GLAT in den Siebzigern, der Gruppe Solidarity 1988 oder des
Spartacusbond, der seine Hauptfigur 
Stan Poppe (der 1991 starb) nicht überlebte - oder stellten ihre
Publikationen ein, wie Daad en Gedachte Ende der 90er Jahre.

Auch die anderen Gruppen,
die wir oben erwähnt haben, sind verschwunden, wie Pouvoir Ouvrier in den 70er
und die FOR in den 90er Jahren.

Bezüglich der Gruppen, die
von der Italienischen Linken stammen, kann man kaum sagen, dass es ihnen besser
ergangen ist. Seit Bordigas Tod 1970 hat die "bordigistische"
Bewegung mehrere Spaltungen erlebt, einschließlich jener, die zur Schaffung
einer neuen "Internationalen Kommunistischen Partei" führte, die Il
Partito Comunista herausgab. Ende der 70er expandierte die Mehrheitstendenz,
die Il Programma Comunista herausgab, rasch in mehreren Ländern und war eine
Zeitlang Hauptorganisation 
linkskommunistischer  Herkunft.
Aber dieser Fortschritt war größtenteils nur 
möglich durch  eine Öffnung zum
Linksextremismus und  zur
Drittweltbewegung. 1982  brach die
Internationale Kommunistische Partei auseinander. Die  ganze Organisation klappte wie ein Kartenhaus zusammen, und ihre
Mitglieder zerstreuten sich in  alle
Himmelsrichtungen. Die  französische
Sektion  verschwand für mehrere Jahre,
während in Italien nur einige Militante dem „orthodoxen" Bordigismus treu
blieben und nach einer Weile wieder mit zwei Veröffentlichungen auf sich
aufmerksam machten: I1 Programma Comunista und I1 Comunista. Während die
bordigistische Strömung noch eine gewisse Kapazität besitzt, drei mehr oder
weniger regelmäßige Monatszeitungen auf Italienisch herauszugeben, ist sie
international kaum existent. Die Richtung um Il Comunista wird in Frankreich
von Le Prolétaire repräsentiert, die alle drei Monate herauskommt. Die Richtung
um Programma Comunista publiziert in Englisch jedes Jahr oder alle zwei Jahre
die Zeitschrift Internationalist Papers und noch seltener die Zeitschrift
Cahiers internationalistes. Die Richtung um I1 Partito comunista gibt eine
italienische "Monatszeitschrift" heraus (die sieben Mal im Jahr
erscheint) und bringt alle sechs Monate Comunismo sowie ein- oder zweimal im
Jahr La Izquierda Comunista auf Spanisch bzw. Communist Left auf Englisch
heraus.

Was die Strömung angeht,
die von der Mehrheit der Spaltung von 1952 
abstammt und welche sowohl die Presse als auch den Namen  Partito Comunista Internazionalista (PCInt)
behielt, so haben wir bereits in unserem Artikel "Eine opportunistische
Politik der Umgruppierung führt nur zu ‚Fehlgeburten‘“ (Internationale Revue
Nr. 36; dt. Ausgabe) ihr Missgeschick bei den 
Versuchen geschildert, sich 
international mehr Gehör zu verschaffen. 1984 tat sich die PCInt mit der
Communist Workers Organisation (die Revolutionary Perspectives publiziert)
zusammen, um das Internationale Büro für die 
kommunistische Partei (IBRP) zu gründen. Fünfzehn Jahre später, in den
späten 1990er und frühen 2000er Jahren, gelang es diesem Büro endlich, sich
über seine ersten beiden Bestandteile hinaus auszubreiten und einige kleine
Kerne einzubeziehen, wovon Internationalist Notes der aktivste ist und ein-
oder zweimal im Jahr eine Zeitschrift herausgibt, während Bilan et Perspectives
in Frankreich weniger als einmal im 
Jahr etwas herausbringt. Der "Circulo de América Latina" (eine
mit dem IBRP sympathisierende Gruppe) besitzt keine regelmäßig erscheinende
Presse und gibt sich mit der Veröffentlichung von Stellungnahmen und der
Übersetzung der IBRP-Website ins Spanische zufrieden. Das IBRP wurde vor 20
Jahren gebildet (und die Partito Comunista Internazionalista existiert schon 60
Jahre), und dennoch ist das IBRP heute trotz der Tatsache, dass es von all den
Gruppen, die behaupten, von der PCInt von 1945 abzustammen, die international
am meisten entwickelte ist0JahreIKS#_edn1">

[i]

,  kleiner noch als die  IKS in ihren Gründungstagen.

Die  IKS allein produziert jedes Jahr mehr
regelmäßige Publikationen in mehr Sprachen als all die anderen
Organisationen  zusammengenommen.
Insbesondere hat keine der anderen Organisationen eine regelmäßige Zeitschrift
in deutscher Sprache, was eindeutig eine Schwäche ist angesichts der
Wichtigkeit des deutschen Proletariats 
sowohl in der Geschichte als auch in der Zukunft  der Arbeiterbewegung.

Wir ziehen diesen Vergleich
zwischen dem Umfang unserer Organisation und dem der anderen Gruppen nicht aus
Konkurrenzdenken. Im Gegenteil zu dem, was manche dieser Gruppen behauptet
haben, haben wir nie versucht, auf Kosten Anderer zu expandieren. Nichts liegt
uns ferner. Wenn wir mit unseren Kontakten diskutieren, machen wir sie stets
auf die Existenz der anderen Gruppen aufmerksam und ermutigen sie, sich mit den
Positionen Letzterer vertraut zu machen0JahreIKS#_edn2">

[ii]

.
Auch haben wir die anderen Organisationen stets zu unseren öffentlichen
Veranstaltungen eingeladen, damit sie dort sowohl das Wort ergreifen als auch
ihre eigene Presse vorstellen (wir haben sogar vorgeschlagen, ihre Militanten
in Städten oder Ländern, in denen sie selbst nicht präsent sind, zu beherbergen0JahreIKS#_edn3">

[iii]

).
Wir haben, wenn sich die Gelegenheit bot, auch die Presseerzeugnisse anderer
Gruppen in die Buchläden gestellt, wenn diese damit einverstanden waren.
Schließlich ist es nie unsere Politik gewesen, nach jenen Militanten dieser
Organisationen zu „angeln“, die Meinungsverschiedenheiten mit der Politik oder
den Positionen Letzterer entwickelt haben. Wir haben sie stets ermutigt, in
ihren Organisationen zu bleiben, um dort zu debattieren und zu klären0JahreIKS#_edn4">

[iv]

.

Tatsächlich erkennen wir –
im Unterschied zu den anderen, von uns erwähnten Gruppen, von denen eine jede
denkt, die einzige zu sein, die in der Lage ist, die künftige Partei der
kommunistischen Revolution zu bilden – an, dass es ein linkskommunistisches
Lager gibt, das proletarische Positionen innerhalb der Arbeiterklasse vertritt,
und dass alle Gruppen darin nur gewinnen können, wenn sich dieses Lager als
Ganzes weiterentwickelt. Freilich kritisieren wir Positionen, von denen wir
glauben, dass sie falsch sind, wann immer wir denken, dass dies angebracht ist.
Doch diese Polemiken sind Teil der notwendigen Debatte innerhalb des
Proletariats, und wir glauben mit Marx und Engels, dass zusammen mit seiner
Erfahrung nur die Diskussion und Konfrontation von Positionen ermöglichen, dass
sich sein Bewusstsein vorwärts bewegt0JahreIKS#_edn5">

[v]

.

In der Tat bezweckt dieser
Vergleich der IKS-Bilanz mit jener der anderen Organisationen der
Kommunistischen Linken vor allem zu beleuchten, wie schwach der Einfluss
revolutionärer Positionen innerhalb der Klasse ist, was auf die historischen
Bedingungen und die Hindernisse zurückzuführen ist, auf die sie auf ihrem Weg
zum Bewusstsein stößt. Dies gestattet uns zu verstehen, dass der geringe
Einfluss der IKS heute keineswegs eine Demonstration des Scheiterns ihrer
Politik oder ihrer Orientierungen ist: Entsprechend der gegenwärtigen
Bedingungen kann das, was wir während der letzten dreißig Jahre geleistet
haben, als sehr positiv betrachtet werden; es unterstreicht die Gültigkeit
unserer Orientierungen in dieser Periode. Wir sollten daher noch genauer
untersuchen, wie und warum diese Orientierungen es uns erlaubt haben, die
unterschiedlichen Situationen zu meistern, denen wir uns gegenübersahen,
seitdem unsere Organisation gegründet worden war. Und um zu beginnen, brauchen
wir nur in Erinnerung rufen (wie wir es bereits in den Artikeln getan haben,
die anlässlich des 10. und 20. Geburtstages veröffentlicht wurden), worin die
fundamentalen Prinzipien bestehen, auf denen die IKS ruht.

Die fundamentalen
Prinzipien für den Aufbau der Organisation

Die erste Sache, die wir
nachdrücklich betonen sollten, ist, dass diese Prinzipien keine Erfindung der
IKS sind. Sie sind von der gesamten Arbeiterbewegung über lange  Zeit hinweg ausgearbeitet worden.  So ist es alles andere als platonisch, wenn
in den „Grundsatzpositionen“, die auf der letzten Seite aller unserer
Publikationen abgedruckt sind, festgestellt wird: „Die Positionen der
revolutionären Organisationen und ihre Aktivitäten sind das Ergebnis der
vorherigen Erfahrungen der Arbeiterklasse und der Lehren, die diese politischen
Organisationen aus der Geschichte gezogen haben. So beruft sich die IKS auf die
Errungenschaften, die nacheinander erbracht wurden vom Bund der Kommunisten
(1847-52) um Marx und Engels, den drei Internationalen (Internationale Arbeiterassoziation
1864-72, Sozialistische Internationale 1889-1914, Kommunistische Internationale
1919-28), den linkskommunistischen Fraktionen, die in den 20er und 30er Jahren
aus der Dritten Internationale hervorgegangen waren, insbesondere der
Deutschen, Holländischen und Italienischen Linken.“

Während wir unser Erbe aus
all den verschiedenen Fraktionen der Kommunistischen Linken beziehen, berufen
wir uns, was die Frage des Organisationsaufbaus betrifft, ausdrücklich auf die
Gedanken der linken Fraktionen der Kommunistischen Partei Italiens,
insbesondere auf jene, die in der Zeitschrift Bilan in den 30er Jahren
ausgedrückt worden waren. Die große Klarheit dieser Gruppe trug entscheidend zu
ihrer Fähigkeit bei, nicht nur zu überleben, sondern auch das kommunistische
Denken auf bemerkenswerte Weise weiterzuentwickeln.

Im Rahmen dieses Artikels
können wir nicht dem ganzen Reichtum der Positionen der Italienischen Fraktion
gerecht werden. Wir werden uns hier darauf beschränken, einige wesentliche
Aspekte zusammenzufassen.

Der erste Punkt, den wir
von der italienischen Fraktion übernommen haben, ist ihre Stellung zum Verlauf
der Geschichte. Jede der wesentlichen Klassen in der Gesellschaft, die
Bourgeoisie und das Proletariat, hat ihre eigene Antwort auf die tödliche Krise
der kapitalistischen Ökonomie: Die Antwort Ersterer ist der imperialistische
Krieg, die Antwort Letzterer die Weltrevolution. Welche von beiden letztendlich
die Oberhand behält, hängt vom Gleichgewicht der Kräfte zwischen beiden Klassen
ab. Die Bourgeoisie war nur deshalb in der Lage, den I. Weltkrieg auszulösen,
weil sie das Proletariat zuvor politisch besiegt hatte, vor allem durch den
Triumph des Opportunismus in den Hauptparteien der Zweiten Internationale.
Jedoch führte die Barbarei, die jegliche Illusionen über die Fähigkeit des
Kapitalismus wegspülte, der Gesellschaft Frieden und Wohlstand zu bringen und
die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse zu verbessern, zu einem Wiedererwachen
des Proletariats in Russland 1917 und in Deutschland 1918: Die Arbeiter erhoben
sich gegen den Krieg und warfen sich in den Kampf, um den Kapitalismus zu
stürzen. Die Niederlage der Revolution in Deutschland, also im wichtigsten
Land, öffnete das Tor zum Triumph der Konterrevolution, die sich über die
gesamte Welt, besonders aber in Europa mit dem Sieg des Stalinismus in
Russland, des Faschismus in Deutschland und der „antifaschistischen“ Ideologie
in den „demokratischen“ Ländern ausbreitete. In den 30er Jahren war es eines
der Verdienste der Fraktion, verstanden zu haben, dass genau wegen der tiefen
Niederlage der Arbeiterklasse die akute Krise des Kapitalismus, die 1929
begonnen hatte, nur zu einem neuen Weltkrieg führen konnte. Auf der Grundlage
ihrer Analyse der Periode, die erkannte, dass der Lauf der Geschichte nicht zur
Revolution und zur Radikalisierung der Arbeiterkämpfe führt, sondern zum
Weltkrieg, war die Fraktion imstande zu begreifen, was in Spanien 1936
passierte, und den fatalen Fehler der Trotzkisten zu vermeiden, die
fälschlicherweise diese Vorbereitung auf das zweite imperialistische Gemetzel
für den Beginn der proletarischen Revolution hielten.

Die Fähigkeit der Fraktion,
das reale Kräfteverhältnis zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat zu
identifizieren, war mit einer klaren Konzeption über die Rolle von
kommunistischen Organisationen in den verschiedenen Geschichtsperioden
verknüpft. Auf der Grundlage der Erfahrung der verschiedenen linken Fraktionen,
die zuvor in der Geschichte der Arbeiterbewegung existiert hatten, besonders
der bolschewistischen Fraktion in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei
Russlands (SDAPR), aber auch von Marx und Engels nach 1847, definierte die
Fraktion und ihre Publikation Bilan zwei unterschiedliche Formen der
kommunistischen Organisation: die Partei und die Fraktion. Die Arbeiterklasse
erzeugt in Perioden intensiver Kämpfe, wenn die von den Revolutionären
vertretenen Positionen einen realen Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse
ausüben, die Partei. Wenn sich jedoch das Kräfteverhältnis gegen das
Proletariat wendet, verschwindet die Partei als solche oder neigt dazu, einem
opportunistischen Kurs zu verfallen und zu degenerieren, was sie zum Verrat im
Dienste der feindlichen Klasse führt. Es ist die Fraktion, die, kleiner sowohl
in ihrer Größe als auch in ihrem Einfluss, dann die Verteidigung der
revolutionären Positionen übernehmen muss. Die Rolle der Fraktion ist es, für
die Korrektur der Parteilinie zu kämpfen, damit sie in der Lage ist, ihren Part
zu spielen, wenn der Klassenkampf wiederbelebt wird. Sollten sich diese
Bemühungen als vergebens erweisen, so ist es ihre Rolle, eine programmatische
und organisatorische Brücke zu einer neuen Partei zu schaffen, die nur unter
zwei Bedingungen gegründet werden kann:

- dass die Fraktion alle
Lehren aus den vergangenen Erfahrungen und vor allem aus den vergangenen
Niederlagen gezogen hat;

- dass sich das
Kräfteverhältnis noch einmal zugunsten des Proletariats neigt.

Eine andere Lehre, die von
der Italienischen Linken weitergereicht wurde und die sich ganz natürlich aus
dem ergibt, was wir gerade gesagt haben, ist die Ablehnung des Immediatismus,
mit anderen Worten: einer Herangehensweise, die den Blick für den langfristigen
Charakter des Kampfes des Proletariats und der Intervention der revolutionären
Organisationen in ihm verliert. Lenin pflegte zu sagen, dass Geduld eine der
Haupttugenden der Bolschewiki war. Er tat nichts anderes, als den Kampf von
Marx und Engels gegen die Geißel des Immediatismus fortzusetzen0JahreIKS#_edn6">

[vi]

.
Weil die Arbeiterklasse permanent von der Ideologie des Kleinbürgertums, das
heißt von einer gesellschaftlichen Schicht, die keine Zukunft besitzt,
durchdrungen wird, ist der Immediatismus eine konstante Bedrohung der
Arbeiterbewegung.

Die natürliche Konsequenz
des Kampfes gegen den Immediatismus ist eine programmatische Rigorosität bei
der Sammlung der revolutionären Kräfte. Anders als die trotzkistische Bewegung,
die hastige Umgruppierungen vornehmlich auf der Grundlage einer Übereinkunft
zwischen „Persönlichkeiten“ bevorzugte, bestand die Fraktion auf eine gründliche
Diskussion über programmatische Grundsätze, bevor sie mit anderen Strömungen
verschmolz.

Diese rigorose
Grundsatztreue schloss keineswegs Diskussionen mit anderen Gruppen aus. Jene,
die fest zu ihren Überzeugungen stehen, haben keine Furcht vor der Konfrontation
mit anderen Strömungen. Das Sektierertum dagegen, das sich selbst als „allein
in der Welt“ betrachtet und jeden Kontakt mit anderen proletarischen Gruppen
ablehnt, ist im Allgemeinen das Kennzeichen eines Mangels an Überzeugung in der
Gültigkeit der eigenen Positionen. Gerade weil sie auf dem festen Boden der
Erfahrungen der Arbeiterbewegung stand, war die Fraktion imstande, diese
Erfahrungen mit einer solchen Kühnheit zu kritisieren, selbst wenn dies
bedeutete, Positionen in Frage zu stellen, die von den anderen Strömungen
nahezu als ein Dogma betrachtet wurden0JahreIKS#_edn7">

[vii]

.
Während die Deutsch-Holländische Linke auf die Degeneration der Revolution in
Russland und auf die konterrevolutionäre Rolle, die die bolschewistische Partei
seitdem spielte, reagierte, indem sie das Kind mit dem Bade ausschüttete und
die Schlussfolgerung zog, dass sowohl die Oktoberrevolution als auch die
Bolschewiki bürgerlich gewesen seien, bestand die Fraktion stets laut und
deutlich auf den proletarischen Charakter beider. Indem sie erklärte, dass die
Partei eine vitale Rolle beim Triumph der kommunistischen Revolution spielt,
bekämpfte sie auch die „rätistische“ Position, in der die holländische Linke
endete. Und anders als die Trotzkisten, die sich selbst vorbehaltlos auf die ersten
vier Kongresse der Kommunistischen Internationale berufen, lehnte die Fraktion,
wie auch die Kommunistische Partei Italiens zu Beginn der 20er Jahre, die
unrichtigen Positionen ab, die von diesen Kongressen angenommen worden waren,
besonders die Politik der „Einheitsfront“. Tatsächlich ging die Fraktion noch
weiter, als sie die Position Lenins und des Zweiten Kongresses zur
Unterstützung nationaler Befreiungskämpfe in Frage stellte und stattdessen die
von Rosa Luxemburg vertretene Position übernahm.

All diese Lehren wurden
angenommen und systematisiert von der Kommunistischen Linken Frankreichs
(1945-52), und es war diese Grundlage, auf der die IKS gegründet wurde. Dies
hat es ihr ermöglicht, die verschiedenen Feuerproben zu bestehen, besonders
jene, die sich aus den Schwächen ergaben, die seit seinem historischen
Wiedererwachen 1968 schwer auf dem Proletariat und seinen revolutionären
Minderheiten lasteten.

Die Geschichte setzt die
Prinzipien der Fraktion einem Test aus

Angesichts dieses
Wiederauflebens der Arbeiterklasse war die erste Sache, die verstanden werden
musste, die Frage des historischen Kurses. Dies wurde von den anderen Gruppen,
die sich als die Erben der Italienischen Linken betrachteten, nur unzureichend
begriffen. Die Tatsache, dass sie 1945, als sich die Klasse noch fest im Griff
der Konterrevolution befunden hatte, eine Partei gegründet und sich seither
einer Kritik an dieser voreiligen Gründung versagt hatten, beweist, dass diese
Gruppen (die sich auch weiterhin „Partei“ nannten) außerstande waren, zwischen
der Konterrevolution und dem Ende der Konterrevolution zu unterscheiden. Sie
sahen im Frankreich des Mai 1968 oder im heißen Herbst in Italien 1969 nur
Belangloses für die Arbeiterklasse und spielten diese Ereignisse als bloße
Studentenagitation herunter. Dagegen begriffen unsere Genossen von
Internacionalismo (insbesondere MC, ein alter Militanter der Fraktion und der
GCF) im Bewusstsein der Veränderung des Kräfteverhältnisses die Notwendigkeit,
einen Prozess der Diskussion und der Umgruppierung mit jenen Gruppen in Gang zu
setzen, die in Folge des historischen Kurswechsels entstanden waren. Diese
Genossen baten die PCInt wiederholt, die Diskussion zu eröffnen und zu einer
internationalen Konferenz aufzurufen, war doch der Einfluss der PCInt viel
größer als der unseres kleinen Kerns in Venezuela. Jedesmal lehnte die PCInt
unseren Vorschlag mit der Begründung ab, es habe sich nichts Neues getan.
Schließlich begann 1973 doch eine erste Runde von Konferenzen als Folge eines
Appells, der von Internationalism formuliert worden war, einer Gruppe in den
Vereinigten Staaten, die den Positionen von Internacionalismo und Révolution
Internationale, die sich 1968 in Frankreich gebildet hatte, nahe stand. Es war
größtenteils diesen Konferenzen zu verdanken, dass neben einer nachhaltigen
Heranreifung einer ganzen Reihe von Gruppen und Elementen, die nach dem Mai
1968 zur Politik gelangten, im Januar 1975 die IKS gegründet wurde. Es ist
selbstverständlich, dass die von der Fraktion übernommene Haltung, systematisch
die Diskussion mit Individuen zu suchen, wenn sie bei aller Konfusion deutlich
einen revolutionären Willen demonstrieren, ein entscheidendes Element bei
diesem ersten Schritt war.

Auch wenn die jungen
Militanten, die die IKS gegründet hatten oder ihr in den ersten Jahren
beigetreten waren, sicherlich begeistert dabei waren, laborierten sie
nichtsdestotrotz an einer gewissen Anzahl nicht unerheblicher Schwächen, so:

- am Einfluss der
Studentenbewegung, die durchtränkt war von kleinbürgerlichem Gedankengut,
besonders vom Individualismus und Immediatismus („Revolution jetzt!“ war eine
der Studentenparolen von 1968);

- am Misstrauen gegenüber
jeder Form von revolutionärer Organisation, die in der Klasse interveniert, in
Folge der konterrevolutionären Rolle, die von den stalinistischen Parteien
ausgeübt wurde; mit anderen Worten: das Gewicht des Rätismus.

Diese Schwächen betrafen
nicht allein die Militanten, die sich in der IKS sammelten. Im Gegenteil, sie
äußerten sich noch viel stärker unter den Gruppen und Elementen, die außerhalb
unserer Organisation geblieben waren, welche zu einem großen Teil durch die
Auseinandersetzungen mit ihnen geformt worden war. Diese Schwächen erklären den
kurzlebigen Erfolg der rätistischen Strömung nach 1968. Kurzlebig daher, weil
man, wenn man aus seiner eigenen Nutzlosigkeit für den Klassenkampf eine
Theorie macht, wenig Überlebenschancen hat. Sie erklären ebenfalls zuerst den
Erfolg und dann die Schlappe von Programma Comunista: Nach dem völligen
Versagen, die Bedeutung dessen zu begreifen, was sich 1968 ereignete, verlor
diese Strömung angesichts der internationalen Entwicklung von Arbeiterkämpfen
den Kopf und ließ alle Vorsicht und organisatorische Strenge fahren, die sie
einst für gewisse Zeit ausgezeichnet hatte. Ihr Sektierertum und ihr
großmäuliger „Monolithismus“ mutierten zu einer Öffnung gegenüber allen
Richtungen (außer gegenüber unserer Organisation, die weiterhin als
„kleinbürgerlich“ betrachtet wurde), besonders gegenüber einer großen Anzahl
von Elementen, die sich gerade unvollständig vom Linksextremismus und besonders
von der Drittweltbewegung freigemacht hatten. Ihre desaströse Auflösung 1982
war die logische Quittung dafür, dass sie die Hauptlehren der Italienischen
Linken vergessen hat, als deren Erbe sie sich ausgab.

Diese Schwächen traten auch
bald in der IKS auf, trotz unserer Entschlossenheit, eine hastige Integration
neuer Militanter zu vermeiden. 1991 erlitt unsere Organisation eine schwere
Krise, die die Hälfte ihrer Sektion in Großbritannien wegspülte. Diese Krise
wurde im Wesentlichen vom Immediatismus genährt, der eine ganze Reihe von
Militanten dazu verleitete, das Potenzial des Klassenkampfes zu überschätzen
(zu jener Zeit erlebte Großbritannien die massivsten Arbeiterkämpfe in der
Geschichte: Mit 29 Millionen Streiktagen im Jahr nahm Großbritannien den
zweiten Platz hinter Frankreich 1968 im Rahmen der Statistiken über die
Arbeitermilitanz ein). Infolgedessen hielten sie die gewerkschaftlichen
Basisorganisationen, die die Bourgeoisie produzierte, als die Gewerkschaften
ihren Halt verloren, für proletarische Gruppen. Gleichzeitig verleitete der
noch immer mächtige Individualismus zur Ablehnung des einheitlichen und
zentralisierten Charakters der Organisation: Jede lokale Sektion, ja jedes
Individuum konnte gegen die Disziplin der Organisation verstoßen, wenn man
meinte, dass die Orientierungen unrichtig seien. Die immediatistische Gefahr
ist eines der Hauptthemen des Berichts über „Die Funktion der revolutionären
Organisation“ (Internationale Revue, Sondernummer, dt. Ausgabe), der von der
Außerordentlichen Konferenz verabschiedet wurde, die im Januar 1982 abgehalten
worden war, um die IKS wieder zurück aufs Gleis zu stellen.

Auch der „Bericht zur
Struktur und Funktionsweise der revolutionären Organisation“ (Internationale
Revue, Nr. 22, dt. Ausgabe) richtete sich bei seiner Verteidigung einer
zentralisierten und disziplinierten Organisation (bei gleichzeitigem Beharren
auf die Notwendigkeit der offensten und tiefsten Diskussionen in ihr) gegen den
Individualismus.

Dieser erfolgreiche Kampf
gegen den Immediatismus und Individualismus bewahrte die Organisation 1981 vor
Schlimmeren, doch er eliminierte nicht die Bedrohungen an sich: Insbesondere
kristallisierte sich 1984 das Gewicht des Rätismus, mit anderen Worten: die
Unterschätzung der kommunistischen Organisation, mit der Bildung einer
„Tendenz“ heraus, die das Banner gegen die „Hexenjäger“ erhob, als wir
begannen, gegen die Überbleibsel rätistischer Ideen in unseren eigenen Reihen
zu kämpfen. Diese „Tendenz“ endete darin, die IKS auf ihrem sechsten Kongress
1985 zu verlassen, um die Externe Fraktion der IKS (EFIKS) zu bilden, die
vorgab, die „wirkliche Plattform“ unserer Organisation gegen ihre angebliche
„stalinistische Degeneration“ zu verteidigen (dieselben Anschuldigungen wurden
bereits von jenen Elementen erhoben, die die IKS 1981 verlassen hatten).

Diese Kämpfe erlaubten es
unserer Organisation, ihre Verantwortung in den Kämpfen der Klasse in dieser
Periode wahrzunehmen, wie im Bergarbeiterstreik in Großbritannien 1984, im
Generalstreik in Dänemark 1985, im riesigen Streik des öffentlichen Dienstes in
Belgien 1986, im Streik bei den Eisenbahnen und in den Krankenhäusern in
Frankreich 1986 und 1988 sowie im Lehrerstreik in Italien 19870JahreIKS#_edn8">

[viii]

.

Während dieser aktiven
Interventionen in den Arbeiterkämpfen in den 80er Jahren vergaß unsere
Organisation nicht eine der Hauptsorgen der italienischen Fraktion: die Lehren
aus den vergangenen Niederlagen zu ziehen. Nachdem sie mit großer
Aufmerksamkeit die Arbeiterkämpfe in Polen 1980 verfolgt und analysiert hatte0JahreIKS#_edn9">

[ix]

,
unternahm die IKS, um die Niederlage dieser Kämpfe zu verstehen, eine
ausführliche Untersuchung der spezifischen Charakteristiken der stalinistischen
Regimes in Osteuropa0JahreIKS#_edn10">

[x]

.
Diese Analyse versetzte unsere Organisation in die Lage, den Zusammenbruch des
Ostblocks und der UdSSR zwei Monate vor dem Fall der Berliner Mauer
vorauszusehen, zu einer Zeit, als viele Gruppen die Ereignisse in der UdSSR und
ihrer Glacis („Perestroika“ und „Glasnost“, Solidarnosc in Polen, die im Sommer
1989 an die Macht kam) als Teil der Politik zur Verstärkung desselben Blocks
analysierten0JahreIKS#_edn11">

[xi]

.

Ähnlich ermöglichte die
Fähigkeit, den Niederlagen der Klasse klar ins Auge zu blicken - was eine
Stärke der Fraktion und nach ihr der Kommunistischen Linken Frankreichs (GCF)
gewesen war - es uns, noch vor den Ereignissen im Herbst 1989 vorauszusagen,
dass diese eine nachhaltige Flaute im proletarischen Bewusstsein provozieren
werden: „Selbst bei seinem Tod erweist der Stalinismus der kapitalistischen
Herrschaft noch einen letzten Dienst: bei seinem Zerfall vergiftet sein Körper
weiterhin noch die Luft, die das Proletariat atmen muss (...) wird der
gegenwärtige Rückfluss des Klassenkampfes – ungeachtet der Tatsache, dass er
den historischen Kurs, die allgemeine Perspektive breiterer Zusammenstöße
zwischen den Klassen, nicht infragestellt – weiterreichend sein als der
Rückfluss, der die Niederlage von 1981 in Polen begleitet hatte.“0JahreIKS#_edn12">

[xii]

Diese Analyse stieß nicht
auf einhellige Zustimmung im linkskommunistischen Lager. Viele nahmen an, dass,
weil der Stalinismus die Speerspitze der Konterrevolution gewesen war, seine
jämmerliche Auflösung die Tür zur Entwicklung des Bewusstseins und der Militanz
des Proletariats öffnen werde. Dies war auch die Zeit, als das IBRP wie folgt
über den Staatsstreich schrieb, der das Ceaucescu-Regime Ende 1989 gestürzt
hatte: „Rumänien ist das erste Land in den Industrieregionen, in dem die
Weltwirtschaftskrise einem realen und authentischen Volksaufstand zur
Entstehung verholfen hat, dessen Resultat der Sturz der herrschenden Regierung
war (...) in Rumänien waren alle objektiven Bedingungen und nahezu alle
subjektiven Bedingungen für die Umwandlung des Aufstandes in eine wahre und
authentische soziale Revolution präsent.“ (Battaglia Comunista, Januar 1990,
„Ceaucescu ist tot, aber der Kapitalismus lebt noch immer“, eigene
Übersetzung).

Schließlich wurden der
Zusammenbruch des Ostblocks und des Stalinismus sowie die Schwierigkeiten, die
dadurch für den Kampf der Arbeiterklasse entstanden, nur deswegen von unserer
Organisation völlig begriffen, weil sie schon zuvor in der Lage gewesen war,
eine neue Phase in der Dekadenz des Kapitalismus auszumachen, nämlich die
Zerfallsphase: „Bislang haben sich die Klassenkämpfe seit den letzten 20 Jahren
auf allen Kontinenten stark entwickelt und den dekadenten Kapitalismus daran
gehindert, seine Antwort auf die Sackgasse seiner Wirtschaft durchzusetzen: die
Auslösung der höchsten Stufe seiner Barbarei, einen neuen Weltkrieg. Dennoch
ist die Arbeiterklasse noch nicht in der Lage, durch revolutionäre Kämpfe ihre
eigene Perspektive durchzusetzen, und auch kann sie noch nicht den Rest der
Menschheit diese Zukunft verdeutlichen, die sie in sich trägt. Gerade diese
gegenwärtige Pattsituation, wo im Augenblick weder die bürgerliche noch die
proletarische Alternative sich offen durchsetzen kann, liegt an der Wurzel
dieses Phänomens des Zerfalls der kapitalistischen Gesellschaft und erklärt das
besondere Ausmaß und die Schärfe der Barbarei der Dekadenz dieses Systems. Und
je mehr sich die Wirtschaftskrise zuspitzt, desto stärker wird auch dieser
Fäulnisprozess zunehmen.“ (Internationale Revue Nr. 11, „Der Zerfall der
kapitalistischen Gesellschaft“)

„Der gegenwärtige
Zusammenbruch des Ostblocks ist einer der Ausdrücke des allgemeinen Zerfalls
der kapitalistischen Gesellschaft, deren Ursprung in der Unfähigkeit der
Bourgeoisie liegt, ihre eigene Antwort auf die offene Krise der Weltwirtschaft,
den generalisierten Krieg, durchzusetzen“ (Der Zerfall, letzte Phase der
kapitalistischen Gesellschaft“, Internationale Revue Nr.13).

Auch hier bezog die IKS
ihre Inspiration aus der Methode der italienischen Fraktion, für die
„Erkenntnis keinem Verbot und keiner Ächtung unterworfen sein darf“. Die IKS
war in der Lage, diese Analyse zu erarbeiten, weil sie wie die Fraktion darum
bemüht war, gegen die Routine zu kämpfen, gegen nachlässiges Denken, gegen die
Auffassung, dass es „nichts Neues unter der Sonne“ gibt oder dass „die
Positionen des Proletariats seit 1848 unveränderlich sind“ (wie die Bordigisten
behaupten). Unsere Organisation sah den Zusammenbruch des Ostblocks und das
darauffolgende Verschwinden des westlichen Blocks sowie den ernsthaften
Rückzug, den die Arbeiterklasse ab 1989 antrat, voraus, weil sie diese Entschlossenheit
verinnerlicht hatte, ständig wachsam gegenüber Ereignissen historischer
Tragweite zu sein, auch wenn dies bedeutete, lieb gewonnene und fest etablierte
Gewissheiten in Frage zu stellen. In der Tat ist diese Methode der Fraktion,
die von der IKS fortgesetzt wird, keine Besonderheit der Erstgenannten, wie
fähig die Fraktion auch war, diese Methode anzuwenden. Es war dies die Methode
von Marx und Engels, die niemals zögerten, Positionen in Frage zu stellen, die
sie zuvor vertreten hatten, falls es die Realität erforderte. Es war dies die
Methode von Rosa Luxemburg, die es auf dem Kongress der Sozialistischen
Internationale 1896 wagte, die Aufgabe einer der symbolischsten Positionen der
Arbeiterbewegung zu fordern: die Unterstützung der polnischen Unabhängigkeit
und, allgemeiner, der nationalen Befreiungskämpfe. Es war Lenins Methode, als
er zum Erstaunen und gegen die Opposition der Menschewiki und der
„Altbolschewiki“ mit den Worten: „Die Theorie, mein Freund, ist grau, aber grün
ist der ewige Baum des Lebens“0JahreIKS#_edn13">

[xiii]

,
erklärte, dass es notwendig sei, das von der Partei 1903 angenommene Programm
neu zu schreiben.

Die Entschlossenheit der
IKS, wachsam gegenüber neuen Ereignissen zu sein, trifft nicht nur auf den
Bereich der internationalen Situation zu. Sie gilt auch für das Innenleben
unserer Organisation. Wir lernten diese Vorgehensweise von der Fraktion, die
sich wiederum vom Beispiel der Bolschewiki und davor von Marx und Engels
besonders in der Ersten Internationale inspirieren ließ. Die Periode, die dem
Zusammenbruch des Ostblocks folgte und die, wie wir gesehen haben, fast die
Hälfte des Lebens der IKS ausmacht, war eine neue Prüfung für unsere
Organisation, die sich neuen Krisen ausgesetzt sah, so wie sie sie bereits in
den 80er Jahren erlebt hatte. Ab 1993 musste sie sich im Kampf gegen den
„Zirkelgeist“, wie ihn Lenin während des Kongresses der SDAPR 1903 definiert
hatte, engagieren, deren Quelle in der Herkunft der IKS lag, als sie kleine
Gruppen zusammenbrachte, in denen Affinitäten mit politischen Überzeugungen
vermischt waren. Das Überleben des Zirkelgeistes, kombiniert mit dem wachsenden
Druck des Zerfalls, tendierte immer mehr dazu, das Clanverhalten innerhalb der
IKS zu fördern und so ihre Einheit, ja sogar ihr Überleben zu bedrohen. Und genauso
wie die Elemente, die in der russischen SDAPR am meisten vom Zirkelgeist
gezeichnet waren, einschließlich einer Reihe von Gründungsmitgliedern der
Partei wie Plechanow, Axelrod, Sassulitsch, Potressow und Martow, sich
widersetzt und von den Bolschewiki getrennt hatten, um nach dem Kongress von
1903 die menschewistische Fraktion zu bilden, war eine bestimmte Zahl von
„herausragenden Mitgliedern“  der IKS
(wie Lenin sie nennen würde) nicht in der Lage, sich dem Kampf zu stellen, und
flüchtete aus der Organisation (1995-96). Jedoch wurde der Kampf gegen den
Zirkelgeist und gegen das Clanverhalten nicht bis zu seinem Schluss
ausgefochten und machte sich 2000-01 erneut bemerkbar. 2001 waren dieselben
Ingredienzen wie in der Krise von 1993 vorhanden, doch bei einigen Militanten
waren sie verknüpft mit einer Erschöpfung der kommunistischen Überzeugung, die
durch den langen Rückzug der Arbeiterklasse und das wachsende Gewicht des
Zerfalls verschärft worden war. Dies erklärt, warum langjährige Mitglieder der
IKS entweder jegliches Interesse an der Politik verloren oder sich in
Erpresser, Schläger und sogar freiwillige Polizeispitzel verwandeln konnten0JahreIKS#_edn14">

[xiv]

.
Kurz vor seinem Tod 1990 behauptete unser Genosse MC, dass die Arbeiterklasse
im Begriff sei, einen ernsten Rückzug anzutreten, und sagte, dass wir nun sehen
würden, wer die wahren Militanten seien, das heißt Individuen, die nicht
angesichts von Problemen ihre Überzeugung verlieren. Jene Elemente, die sich
2001 entweder zurückzogen oder die IFIKS bildeten, demonstrierten diese
Veränderung in ihren Überzeugungen. Einmal mehr trachtete die IKS danach, mit
derselben Entschlossenheit, die sie bereits bei früheren Gelegenheiten gezeigt
hatte, die Organisation zu verteidigen. Und wir verdanken diese
Entschlossenheit dem Beispiel der italienischen Fraktion. Auch in den
dunkelsten Tagen der Konterrevolution lautete die Parole der Fraktion: „Niemals
verraten“. Da der Rückzug der Arbeiterklasse nicht die Rückkehr der
Konterrevolution bedeutet, war die Losung der IKS in den 90er Jahren:
„Durchhalten“. Einige übten Verrat, doch die Organisation in ihrer Gesamtheit
blieb standhaft und wurde sogar noch stärker dank dieser Entschlossenheit, sich
den Organisationsfragen mit der größtmöglichen theoretischen Tiefe zu widmen,
so wie es seinerzeit Marx, Lenin und die Fraktion getan hatten. Die beiden
Texte, die in unserer Internationalen Revue bereits veröffentlicht worden sind
(„Die Frage des organisatorischen Funktionierens in der IKS“ in Internationale
Revue Nr. 30 und „Das Vertrauen und die Solidarität im Kampf des Proletariats“
in Internationale Revue Nr. 31, dt. Ausgabe), sind Zeugnis dieser theoretischen
Anstrengungen hinsichtlich der Organisationsfragen.

uf dieselbe Weise
antwortete die IKS nachdrücklich jenen, die behaupten, dass die zahlreichen
Krisen, die unsere Organisation erlebt hat, ein Beweis für ihr Scheitern sei:
„Es scheint, als ginge die IKS durch so viele Krisen, weil sie gegen jegliche
Penetrierung durch den Opportunismus kämpft. Weil sie ihre Statuten und den
proletarischen Geist kompromisslos verteidigt, hat sie die Wut einer vom
zügellosen Opportunismus befallenen Minderheit auf sich gezogen, d.h. die die
Prinzipien der Organisationsfragen vollständig aufgegeben haben. Die IKS setzte
auf dieser Ebene die Auseinandersetzung der Arbeiterbewegung fort, die
insbesondere von Lenin und den Bolschewiki geführt worden war, deren zahlreiche
Kritiker ihre häufigen organisatorischen Kämpfe und Krisen geißelten. In
derselben Periode war das Leben der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
weitaus weniger bewegt, doch die opportunistische Ruhe, die in ihr herrschte
(allein herausgefordert von den ‚Störenfrieden‘ auf der Linken wie Rosa
Luxemburg), deutete bereits ihren Verrat 1914 an. Im Gegensatz dazu halfen die
Krisen der bolschewistischen Partei, die Kräfte zu entwickeln, die zur
Revolution von 1917 führten.“ („Der 15. Kongress der IKS: Es steht heute viel
auf dem Spiel – Die Organisation stärken, um sich der Verantwortung zu
stellen“, Internationale Revue Nr. 114; engl., franz., span. Ausgabe)

Wir verdanken also die
Fähigkeit der IKS, sich in den 30 Jahren ihrer Existenz stets ihrer
Verantwortung gestellt zu haben, größtenteils den Beiträgen der italienischen
Fraktion der Kommunistischen Linken. Das Geheimnis hinter der positiven Bilanz,
die wir aus den Aktivitäten in dieser Periode ziehen können, liegt in unserer
richtig verstandenen Treue zu den Lehren der Fraktion und, allgemeiner, zu der
Methode und dem Geist des Marxismus0JahreIKS#_edn15">

[xv]

.

Die Fraktion selbst wurde
entwaffnet, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Dies geschah, weil besonders
während des spanischen Bürgerkriegs die Fraktionsmehrheit Vercesi bei der
Abschaffung jener Prinzipien folgte, die zuvor ihre Stärke gewesen waren. Im
Gegensatz dazu war es einem kleinen Kern in Marseille auf der Grundlage eben
dieser Prinzipien möglich, die Fraktion während des Krieges neu zu bilden und
die theoretische sowie politische Arbeit beispielhaft fortzusetzen. Umgekehrt
ließ der Restbestand der Fraktion am Kriegsende ihre Prinzipien fallen, als die
Mehrheit beschloss, sich aufzulösen und als Individuen der 1945 gegründeten
Partito Comunista Internazionalista beizutreten. Es war daher der
Kommunistischen Linken Frankreichs (GCF) überlassen, die fundamentalen
Errungenschaften der Fraktion zu übernehmen und die theoretische Arbeit bei der
Vorbereitung des politischen Rahmens fortzusetzen, was es der IKS ermöglichte,
sich zu bilden, zu existieren und Fortschritte zu machen. In diesem Sinn
betrachten wir die Zusammenfassung von 30 Jahren unserer Organisation als eine
Huldigung an die außergewöhnliche Arbeit, die von den kleinen Gruppen
exilierter Militanter ausgeführt worden war, welche die Fackel der Idee des
Kommunismus in der dunkelsten Epoche der Geschichte hochhielten. Ihr Werk wird
sich, obgleich heute größtenteils unbekannt und zum großen Teil von jenen
ignoriert, die behaupten, die Erben der Italienischen Linken zu sein, als
wirkungsvolles Element beim endlichen Sieg des Proletariats erweisen.

Eine neue Generation von
kommunistischen Kämpfern

Besonders dank der Lehren,
die uns die Fraktion und die GCF hinterlassen haben, übermittelt und
unermüdlich bis an seinen letzten Tag weiter ausgearbeitet von unserem Genossen
MC, ist die IKS heute fit und bereit, die neue Generation von Revolutionären,
die sich unserer Organisation annähert, in unseren Reihen willkommen zu heißen;
eine Generation, die sowohl zahlenmäßig als auch in ihrer Begeisterung noch
wachsen wird, entsprechend der Tendenz zur Wiederbelebung des Klassenkampfes
seit 2003. Der letzte Internationale Kongress merkte an, dass wir Zeuge eines
bedeutsamen Ansteigens der Zahl unserer Kontakte und neuer Mitglieder sind:
„Und bemerkenswert ist, dass eine bedeutende Anzahl von diesen neuen
Mitgliedern junge Leute sind, die nicht die Verbildung erleiden und überwinden
mussten, die die Mitgliedschaft in linksbürgerlichen Organisationen nach sich
zieht. Junge Leute, deren Dynamik und Begeisterung hundertfach die müden und
verbrauchten ‚militanten Kräfte‘ ersetzt, die uns verlassen.“ („Bilanz des 16.
Kongresses“, Internationale Revue Nr. 36, dt. Ausgabe)

Für uns Menschen sind 30
Jahre das Durchschnittsalter einer Generation. Die Elemente, die sich uns heute
annähern oder die bereits bei uns eingetreten sind, könnten Kinder der
Militanten sein, die die IKS gegründet hatten (und sind es manchmal auch).

Was wir im Bericht über die
internationale Lage gesagt hatten, der dem 8. Kongress der IKS vorgestellt
worden war, wird zur konkreten Realität: „Es war notwendig, dass die
Generationen, die von der Konterrevolution der 1930 bis 1950er Jahre geprägt
worden waren, den Generation den Platz überließen, die nicht davon geprägt
worden waren, damit das Weltproletariat die Kraft fand, sie zu überwinden. So
kann man im übertragenen Sinne sagen, dass die Generation, welche die
Revolution machen wird, nicht die sein wird, welche die wesentliche historische
Aufgabe erfüllt hat, dem Weltproletariat nach der tiefgreifendsten
Konterrevolution seiner Geschichte eine neue Perspektive zu eröffnen (obgleich
solch ein Vergleich abgeschwächt werden muss, wenn man sieht, dass zwischen der
1968er Generation und der vorhergehenden Generation ein historischer Bruch
entstanden war, während es bei den nachfolgenden Generationen eine Kontinuität
gibt)“ Was für die Arbeiterklasse zutrifft, gilt auch für ihre revolutionäre
Minderheit. Und noch sind die meisten der „alten“ Militanten dabei, auch wenn
ihre Haare mittlerweile grau geworden sind (wenn sie nicht schon alle
ausgefallen sind!). Die Generation, die 1975 die IKS gründete, ist bereit, die Lehren,
die sie von ihren Vorgängern erhalten hat, so wie jene, die sie im Verlauf
dieser 30 Jahre hinzugelernt hat, an die „Jüngeren“ zu übermitteln, so dass die
IKS mehr und mehr in der Lage ist, ihren Beitrag zur Bildung der künftigen
Partei der kommunistischen Revolution zu leisten.              Fabienne



0JahreIKS#_ednref1">

[i]

Insbesondere ist sie die einzige Organisation mit einer bedeutenden
Publikation auf Englisch (ein Dutzend Ausgaben pro Jahr).

0JahreIKS#_ednref2">

[ii]

Es ist aufschlussreich, dass die Genossen, die Internationalist
Notes in Montreal veröffentlichen, zuerst die IKS kontaktierten, die sie
ermutigte, auch mit dem IBRP in Kontakt zu treten. Am Ende wendeten sich diese
Genossen dieser Organisation zu. Desgleichen sagte auf einem Treffen mit uns
ein Genosse der CWO (der britische Ableger des IBRP) ganz freimütig, dass ihre
einzigen Kontakte in Großbritannien von der IKS kämen, die sie dazu ermutigt
hatte, auch mit den anderen Gruppen der Kommunistischen Linken in Kontakt zu
treten.

0JahreIKS#_ednref3">

[iii]

Siehe zum Beispiel den Brief, den wir an die Gruppen der
Kommunistischen Linken am 24. März 2003 adressiert und in der Internationalen
Revue Nr. 119 (eng., franz., span. Ausgabe, Nr. 32 deutsche Ausgabe)
veröffentlicht hatten.

0JahreIKS#_ednref4">

[iv]

Daher schrieben wir im „Bericht über die Struktur und die Funktionsweise
der revolutionären Organisation“: „Innerhalb des proletarischen politischen
Milieus haben wir immer diese Position vertreten (dass „wenn die Organisation
einen falschen Weg einschlägt, (...) die Verantwortung der Mitglieder, die
glauben, eine richtige Position zu verteidigen, nicht darin (besteht), sich
selbst auf eine Insel zu retten, sich in eine Ecke zurückzuziehen, sondern
einen Kampf innerhalb der Organisation zu führen, um damit beizutragen, sie
wieder auf den ‚richtigen Weg zu bringen‘). Dies war insbesondere der Fall, als
die Aberdeener Sektion der Communist Workers‘ Organisation (CWO) aus dieser
austrat oder als das Nucleo Comunista Internazionalista aus ‚Programma
Comunista‘ austrat. Wir haben damals die Überstürzung bei den Spaltungen kritisiert,
die sich damals auf keine grundsätzlichen Divergenzen stützten und die in den
jeweiligen Organisationen nicht ausreichend in vertieften Debatten geklärt
worden waren. Im allgemeinen ist die IKS gegen ‚Spaltungen‘, die sich nicht auf
Prinzipienfragen stützen, sondern zweitrangige Fragen als Ursprung haben
(selbst wenn die ausgetretenen Genossen später ihre Kandidatur für die
Mitgliedschaft in der IKS stellen).“

0JahreIKS#_ednref5">

[v]

„Für den schließlichen Sieg der im ‚Manifest‘ aufgestellten Sätze
verließ sich Marx einzig und allein auf die intellektuelle Entwicklung der
Arbeiterklasse, wie sie aus der vereinigten Aktion und der Diskussion notwendig
hervorgehn musste.“ (Vorrede zur deutschen Ausgabe des „Kommunistischen
Manifest“, 1890).
MEW
Bd 4, S. 584).

0JahreIKS#_ednref6">

[vi]

Marx und Engels
mussten so innerhalb des Bundes der Kommunisten gegen die
Willich-Schapper-Tendenz kämpfen, die die „Revolution jetzt!“ wollte, trotz der
Niederlage der Revolution von 1848: „Während wir den Arbeitern sagen: Ihr habt
15,20,50 Jahre Bürgerkrieg durchzumachen, um die Verhältnisse zu ändern, um
euch selbst zur Herrschaft zu befähigen, ist statt dessen gesagt worden: Wir
müssen gleich zur Herrschaft kommen, oder wir können uns schlafen legen.“
(Protokoll der Sitzung der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten in London,
15. 09. 1850).

0JahreIKS#_ednref7">

[vii]

„Die Militanten der neuen proletarischen Parteien können nur als
Resultat einer tiefgehenden Kenntnis über die Ursachen der Niederlagen
erscheinen. Und diese Erkenntnis darf keinem Verbot und keiner Ächtung
unterworfen sein.“ (Bilan, Nr. 1, November 1933)

0JahreIKS#_ednref8">

[viii]

Unser Artikel, den wir anlässlich des 20. Geburtstages der IKS
verfasst hatten, geht detaillierter auf unsere Intervention in den
Arbeiterkämpfen in dieser Periode ein.

0JahreIKS#_ednref9">

[ix]

Siehe darüber „Massenstreiks in Polen: Eine neue Bresche ist
geschlagen“, „Die internationale Dimension der Arbeiterkämpfe in Polen“, „Die
Rolle der Revolutionäre im Lichte der Ereignisse in Polen“, „Perspektiven für
den internationalen Klassenkampf: Eine Bresche ist in Polen geschlagen worden“,
„Ein Jahr der Arbeiterkämpfe in Polen“, „Bemerkungen zum Massenstreik“, „Nach
der Repression in Polen“ in der Internationalen Revue Nr. 23, 24, 26, 27 und 29
(engl., franz., span. Ausgabe)

0JahreIKS#_ednref10">

[x]

„Osteuropa: Die Wirtschaftskrise und die Waffen der Bourgeoisie
gegen das Proletariat“, Internationale Revue Nr. 80 (eng., franz., span.
Ausgabe).

0JahreIKS#_ednref11">

[xi]

Siehe Internationale Revue Nr. 60, „Thesen zur ökonomischen und
politischen Krise in der Sowjetunion und den osteuropäischen Ländern“ in der
Internationalen Revue Nr. 12 (dt. Ausgabe) wie auch „20 Jahre IKS“ in der
Internationalen Revue Nr. 80 (engl., franz., span. Ausgabe, Nr. 16 deutsche
Ausgabe)

0JahreIKS#_ednref12">

[xii]

„Thesen zur ökonomischen und politischen Krise in der Sowjetunion
und den osteuropäischen Ländern“, s.o.

0JahreIKS#_ednref14">

[xiv]

Über die Krise der IKS 2001 und das Verhalten der so genannten
internen Fraktion der IKS (IFIKS) siehe insbesondere unseren Artikel „Der 15.
Kongress der IKS: Es steht heute viel auf dem Spiel – die Organisation stärken,
um  sich der Verantwortung zu stellen“,
Internationale Revue Nr. 114 (engl., franz., span. Ausgabe).

0JahreIKS#_ednref15">

[xv]

Wenn die anderen Organisationen, die wir zitiert haben, unfähig
sind, solche eine positive Bilanz zu ziehen, so, weil ihre Bindung zu den
Organisationsprinzipien der Italienischen Linken im Kern platonisch ist.

Politische Strömungen und Verweise: 

Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: 

Theoretische Fragen: 

Erbe der kommunistischen Linke: