Internationalisme 1947: Was die Revolutionäre von den Trotzkisten unterscheidet

Nachfolgend veröffentlichen wir zwei Artikel aus dem Jahr 1947 aus der
Zeitschrift
Internationalisme, Organ der Kommunistischen Linken Frankreichs
(GCF)

[1]

, die sich
mit der Frage des Trotzkismus befassen. Damals schon hatte sich der Trotzkismus
durch seine Aufgabe des proletarischen Internationalismus hervorgetan, als er
sich im Gegensatz zu den Gruppen der Kommunistischen Linken

[2]

am 2.
Weltkrieg beteiligte. In den 1930er Jahren hatte die Kommunistische Linke der
opportunistischen Welle widerstanden, welche durch die Niederlage der
weltweiten Welle revolutionärer Kämpfe von 1917-23 entstanden war. Unter diesen
Gruppen definierte die Italienische Linke um die Zeitschrift Bilan (sie wurde
1933 gegründet) die Aufgaben der Stunde richtig. Gegenüber dem Weg in den Krieg
darf man nicht die Grundprinzipien des Internationalismus verraten, man muss
die „Bilanz‘ des Scheiterns der revolutionären Welle und der russischen
Revolution insbesondere erstellen. Die Kommunistische Linke bekämpfte die von
der degenerierenden Dritten Internationalen verbreiteten opportunistischen
Positionen, insbesondere die von Trotzki vertretene Politik der Einheitsfront
mit den sozialistischen Parteien, die jegliche zuvor gewonnene Klarheit
hinsichtlich der ins Lager des Kapitalismus übergewechselten Parteien über Bord
warf. Mehrfach musste sie ihre politische Herangehensweise mit der Methode der
damals noch proletarischen Strömung um Trotzki direkt gegenüberstellen,
insbesondere als versucht wurde, die verschiedenen politischen Gruppen, die
sich der Politik der Komintern und der stalinisierten Parteien
entgegenstellten, zu vereinigen.

[3]

Mit der gleichen Methode, die Bilan angewandt hatte,
analysierte die Kommunistische Linke Frankreichs die Politik des Trotzkismus,
die sich nicht so sehr durch ihre „Verteidigung der UdSSR” auszeichnet, auch
wenn diese Frage am klarsten ihre Verirrung zum Ausdruck bringt, sondern durch
ihre Haltung gegenüber der Frage des imperialistischen Krieges. Wie der erste
Artikel „Die Funktion des Trotzkismus” zeigt, wurde die Beteiligung am Krieg
seitens dieser Strömung nicht an erster Stelle bestimmt durch deren Willen zur
Verteidigung der UdSSR, wie die Tatsache belegt, dass einige ihrer Tendenzen,
welche die These vom „entarteten Arbeiterstaat” verwarfen, sich dennoch am
imperialistischen Krieg beteiligten. Noch entscheidender war die Idee des
„geringeren Übels”, der Beteiligung am Kampf gegen „die ausländische Besatzung”
und der „Antifaschismus”. Dieses Merkmal des Trotzkismus tritt besonders
deutlich im zweiten Artikel „Bravo Abd-al-Krim oder die kurze Geschichte des
Trotzkismus” zum Vorschein, in der festgestellt wird, dass die „gesamte
trotzkistische Geschichte sich um die Frage der „Verteidigung” von irgendetwas
dreht”, die im Namen des geringeren Übels erfolgt. Dieses „irgendetwas” war
alles andere als etwas Proletarisches. Dieses Markenzeichen des Trotzkismus hat
sich seitdem nicht geändert, wie die verschiedenen aktivistischen Illustrationen
des gegenwärtigen Trotzkismus belegen, wie auch sein Drängen, für ein Lager
gegen ein anderes in den zahlreichen Konflikten, die den Planeten auch seit der
Auflösung der UdSSR übersäen, Stellung zu beziehen.

An der Wurzel dieser Irrfahrt des Trotzkismus findet man, wie
der erste Artikel betont, die Zuweisung einer fortschrittlichen Rolle
„bestimmter Fraktionen des Kapitalismus, bestimmter kapitalistischer Länder
(und wie das Übergangsprogramm ausdrücklich sagt, der meisten Länder).

Dieser Auffassung zufolge „ist die Befreiung des Proletariats
nicht das Ergebnis des Kampfes, bei dem das Proletariat als Klasse gegenüber
dem gesamten Kapitalismus auftritt, sondern diese wird das Ergebnis einer Reihe
von politischen Kämpfen sein, im engen Sinne des Wortes und bei denen dieses
durch schrittweise Bündnisse mit verschiedenen politischen Fraktionen der
Bourgeoisie gewisse Fraktionen eliminieren wird und es somit schrittweise
schaffen wird, die Bourgeoisie zu schwächen, sie zu besiegen, indem sie
gespalten und scheibchenweise geschlagen wird.” Da gibt es nichts mehr
revolutionär Marxistisches.

 

Die Funktion
des Trotzkismus 
(
Internationalisme n° 26 – September 1947)

 

Es ist ein großer, weit verbreiteter Fehler zu meinen, was die
Revolutionäre von den Trotzkisten unterscheidet, sei die Frage der
„Verteidigung der UdSSR”.

Es ist selbstverständlich, dass die revolutionären Gruppen,
welche die Trotzkisten gerne mit ein wenig Verachtung als „extreme Linke”
bezeichnen (eine verächtliche Einschätzung der Trotzkisten gegenüber den
Revolutionären, die dem gleichen Geist entspricht wie dem der
„Hitler-Trotzkisten”, welchen die Stalinisten verwenden); es ist
selbstverständlich, dass die Revolutionäre jede Art Verteidigung des russischen
kapitalistischen Staates (Staatskapitalismus) verwerfen. Aber den russischen
Staat nicht zu verteidigen, ist keineswegs die theoretische und programmatische
Grundlage revolutionärer Gruppen. Und es ist nur eine politische Konsequenz,
die ganz normal in ihren allgemeinen Auffassungen, ihrer revolutionären
Plattform enthalten ist und aus diesen hervorgeht. Umgekehrt stellt die
„Verteidigung der UdSSR” keineswegs die Besonderheit des Trotzkismus dar.

Wenn von allen politischen Positionen, die sein Programm
darstellen, die „Verteidigung der UdSSR” wirklich am stärksten hervorsticht und
ihre Verirrung und Blindheit am deutlichsten zum Ausdruck bringt, würde man
trotzdem einen großen Fehler begehen, wenn man den Trotzkismus nur aus diesem
Blickwinkel betrachtet. Im äußersten Fall spiegelt diese Verteidigung die
typischste und klarste abszessartige Fixierung des Trotzkismus wider. Dieser
Abszess ist so offensichtlich, dass sein Anblick immer mehr Mitglieder der
Vierten Internationale anekelt, und wahrscheinlich ist es eine der Ursachen
dafür, dass einige ihrer Sympathisanten davor zurückschrecken, in diese
Organisation einzutreten. Aber dieser Abszess ist nicht die Krankheit, sondern
nur die Stelle, wo diese in Erscheinung tritt.

Wenn wir so sehr auf diesem Punkt bestehen, geschieht dies,
weil beim Anblick der äußeren Erscheinungen einer Krankheit so viele Leute sich
erschrecken, aber diese dann auch sehr leicht dazu neigen, sich schnell zu
beruhigen, sobald die äußeren, erkennbaren Zeichen aus dem Blick geraten. Sie
vergessen, dass eine „weißgewaschene Krankheit” keine geheilte Krankheit ist.
Diese Art Leute sind sicherlich ebenso gefährlich, ebenso anfällig, wenn nicht
noch mehr für die Verbreitung von Korruption wie diejenigen, die aufrichtig
meinen, davon geheilt zu sein.

Die „Workers‘ Party” in den USA (eine dissidente
trotzkistische Organisation, die durch den Namen ihres Führers, Shachtman
bekannt ist), die Tendenz G. Munis in Mexiko

[4]

,
die Minderheiten um Gallien und Chaulieu in Frankreich, all diese
Minderheitentendenzen der IV. Internationale, die aufgrund der Tatsache, dass
sie die traditionelle Verteidigung Russlands verwerfen, glauben vom
„Opportunismus” der trotzkistischen Bewegung geheilt zu sein (jedenfalls
behaupten sie dies). In Wirklichkeit bleiben sie weiterhin von dieser Ideologie
stark geprägt und von ihr total eingenommen.

Das wird dadurch offensichtlich, wenn man die brennendste
Frage anschaut, nämlich diejenige, die am wenigsten Ausflüchte offen lässt,
welche am unnachgiebigsten die Klassenpositionen des Proletariats und der
Bourgeoisie aufeinander prallen lässt, d.h. die Frage der Haltung gegenüber dem
imperialistischen Krieg. Was sehen wir?

Die einen wie die anderen, Mehrheiten und Minderheiten,
beteiligen sich alle mit unterschiedlichen Slogans am imperialistischen Krieg.

Man möge jetzt nicht die mündlichen Erklärungen der
Trotzkisten gegen den Krieg zitieren, um dies zu widerlegen. Wir kennen diese
sehr gut. Worauf es ankommt, sind nicht die Erklärungen, sondern die praktische
Politik, die aus all den theoretischen Positionen hervorgeht und die in der
ideologischen und praktischen Unterstützung der kriegstreibenden Kräfte
konkretisiert wird. Es zählt hier nicht, mit welchem Argument diese Beteiligung
gerechtfertigt wurde. Die Verteidigung der UdSSR ist sicherlich eine der
wichtigsten Kernfragen, durch die das Proletariat an den imperialistischen
Krieg gefesselt und in diesen getrieben wird. Aber dies ist nicht der einzige
Schlüssel. Die trotzkistischen Minderheiten, welche die Verteidigung der UdSSR
verwarfen, haben genau wie die Linkssozialisten und die Anarchisten andere
Gründe gefunden, die nicht weniger gültig und nicht weniger von einer
bürgerlichen Ideologie inspiriert waren, um ihre Beteiligung am
imperialistischen Krieg zu begründen. Aus der Sicht der einen war es die
Verteidigung der „Demokratie”, aus der Sicht der anderen der „Kampf gegen den
Faschismus” oder die Unterstützung der „nationalen Befreiung” oder des
„Selbstbestimmungsrechts der Völker”.

Für alle war es eine Frage des „geringeren Übels”, welche sie
zur Kriegsbeteiligung oder in die Résistance auf Seiten eines imperialistischen
Blocks gegen einen anderen trieb.

Die Partei Shachtmans hatte völlig recht, den offiziellen
Trotzkisten vorzuwerfen, dass sie den russischen Imperialismus unterstützten,
welcher aus ihrer Sicht kein „Arbeiterstaat” mehr war; aber damit wurde
Shachtman noch lange nicht zu einem Revolutionär, denn er erhob diesen Vorwurf
nicht ausgehend von einer Klassenposition des Proletariats gegen den
imperialistischen Krieg, sondern aufgrund der Tatsache, dass Russland ein
totalitäres Land ist, wo es weniger „Demokratie” als anderswo gibt. Seiner
Ansicht nach musste man konsequenterweise Finnland gegen den russischen
Aggressor unterstützen, das weniger „totalitär” und demokratischer sei

[5]

.

Um das Wesen seiner Ideologie zu zeigen, insbesondere
hinsichtlich der zentralen Frage des imperialistischen Kriegs, braucht der
Trotzkismus keineswegs, wie wir eben gesehen haben, auf die Position der
Verteidigung der UdSSR zurückzugreifen. Diese Verteidigung der UdSSR erleichtert
natürlich seine Position der Kriegsbeteiligung, wodurch er diese hinter einer
pseudo-revolutionären Phrase verbergen kann, aber von sich aus vertuscht er
sein tieferes Wesen und verhindert, die Frage des Wesens der trotzkistischen
Ideologie in aller Deutlichkeit zu stellen.

Lassen wir einmal zur Erreichung einer größeren Klarheit die
Existenz Russlands außer Acht, oder besser gesagt all die Spitzfindigkeit
hinsichtlich des sozialistischen Wesens des russischen Staates, mit Hilfe derer
die Trotzkisten das eigentliche Problem des imperialistischen Krieges und der
Haltung des Proletariats vernebeln. Stellen wir deutlich die Frage der Haltung
der Trotzkisten im Krieg. Die Trotzkisten werden natürlich mit einer
allgemeinen Antwort gegen den Krieg reagieren.

Aber sobald die Litanei vom „revolutionären Defätismus” im
Abstrakten korrekt heruntergeleiert worden ist, fangen sie sofort konkret an,
mit spitzfindigen „Unterscheidungen” Einschränkungen zu machen, sie sagen
„aber”… usw., was sie in der Praxis dazu führt, dass sie Partei für einen
Kriegsteilnehmer ergreifen und die Arbeiter dazu aufrufen, sich am
imperialistischen Abschlachten zu beteiligen.

Wer mit dem trotzkistischen Milieu in Frankreich während der
Jahre 1939-45 irgendwie in Kontakt stand, kann Zeugnis davon ablegen, dass die
bei ihnen vorherrschenden Gefühle nicht so sehr von der Position der
Verteidigung Russlands bestimmt waren, sondern von der Wahl des „geringeren
Übels”, der Wahl des Kampfes gegen die „ausländische Besatzung” und den
„Antifaschismus”.

Dies erklärt ihre Beteiligung an der ‘Résistance” ,

[6]

an der F.F.I.

[7]

und
bei der Befreiung. Und wenn die PCI

[8]


Frankreichs von den Sektionen anderer Länder gelobt wurde für die Rolle, die
sie bei dem, die wie sie es nannten „Volksaufstand” der Befreiung spielte,
lassen wir ihnen die Befriedigung, die sie durch den Bluff der Bedeutung ihrer
Beteiligung empfinden (welch große Bedeutung mögen die wenigen Dutzenden
Trotzkisten bei der „großen Volkserhebung” gehabt haben!). Aber wir wollen vor
allem den politischen Inhalt solch eines Lobs im Kopf behalten.

 

Welches
Kriterium für die revolutionäre Haltung im imperialistischen Krieg?

 

Die Revolutionäre gehen von der Feststellung des
imperialistischen Stadiums aus, das von der Weltwirtschaft erreicht worden ist.
Der Imperialismus ist kein nationales Phänomen. Die Gewalt der kapitalistischen
Widersprüche zwischen dem Grad der Entwicklung der Produktivkräfte – des
gesamten gesellschaftlichen Kapitals – und der Entwicklung des Marktes bestimmt
die Gewalt der Widersprüche unter den Imperialisten. Auf dieser Stufe gibt es
keine nationalen Kriege mehr. Die imperialistische Weltstruktur bestimmt die
Struktur aller Kriege. Im Zeitalter des Imperialismus gibt es keine
„fortschrittlichen” Kriege. Der einzige Fortschritt besteht nur in der
gesellschaftlichen Revolution. Die historische Alternative, vor der die
Menschheit steht, ist die sozialistische Revolution oder der Niedergang, das
Versinken in der Barbarei durch die Zerstörung des durch die Menschheit
angehäuften Reichtums, die Zerstörung der Produktivkräfte und die ständigen
Massaker des Proletariats in einer unendlichen Reihe von lokalen und
generalisierten Kriegen. Es handelt sich also um ein Klassenkriterium gegenüber
der Analyse der geschichtlichen Entwicklung der Gesellschaft, das durch die
Revolutionäre aufgeworfen wird.

„Aber nicht alle Länder der Welt sind imperialistisch. Im
Gegenteil. Die Mehrheit der Länder sind Opfer des Imperialismus. Einige
Kolonialländer oder Halbkolonialländer versuchen zweifelsohne den Krieg
auszunutzen, um die Geissel der Versklavung abzuschütteln. Was diese Länder
betrifft, ist der Krieg kein imperialistischer, sondern ein Befreiungskrieg.
Die Aufgabe des internationalen Proletariats besteht darin, den im Krieg
unterdrückten Ländern gegen die Unterdrücker zu helfen” (
Das
Übergangsprogramm
, Kapitel: Der Kampf gegen Imperialismus
und Krieg).

So bezieht sich das trotzkistische Kriterium nicht auf die
historische Periode, in der wir leben, sondern es schafft und bezieht sich auf
einen abstrakten und falschen Begriff des Imperialismus. Nur die Bourgeoisie
eines dominierenden Landes sei imperialistisch. Der Imperialismus ist keine
politisch-ökonomische Stufe des Weltkapitalismus, sondern nur des Kapitalismus
in einigen Ländern, während die anderen kapitalistischen Länder, welche die
Mehrheit ausmachen, nicht imperialistisch sind. Wenn man dies rein formell
betrachtet, werden heute alle Länder der Welt ökonomisch von zwei Ländern
beherrscht: den USA und Russland. Kann man daraus schlussfolgern, dass
ausschließlich die Bourgeoisie dieser beiden Länder imperialistisch ist und die
Gegnerschaft des Proletariats gegenüber dem Krieg nur in diesen beiden Ländern
zum Tragen kommt?

Besser noch, wenn man der trotzkistischen Argumentation folgt
und Russland dabei herausnimmt, da das Land per Definition „nicht
imperialistisch” ist, gelangt man zu der absurden Schlussfolgerung, dass nur
ein Land auf der Welt imperialistisch ist: die USA. Damit kommen wir zu der
tröstlichen Schlussfolgerung, dass das Proletariat allen anderen Ländern der
Welt helfen muss, da sie alle „nicht-imperialistisch und unterdrückt sind“.
Schauen wir konkret, wie diese trotzkistische Unterscheidung sich in der Praxis
äußert.

 

1939 ist
Frankreich ein imperialistisches Land: revolutionärer Defätismus

 

1940-45 war Frankreich besetzt: Von einem imperialistischen
Land wurde es zu einem unterdrückten Land. Sein Krieg wurde ein
„Befreiungskrieg”, „Es ist Aufgabe des Proletariats diesen Kampf zu
unterstützen”. Perfekt! Aber plötzlich wurde Deutschland 1945 zu einem
besetzten und „unterdrückten‘ Land. Damit wurde es zur Aufgabe des
Proletariats, eine eventuelle Befreiung Deutschlands gegen Frankreich zu
unterstützen. Was für Frankreich und Deutschland zutrifft, gilt ebenso für
irgendein anderes Land: Japan, Italien, Belgien usw. Man braucht jetzt nicht
die Kolonien und halb-kolonialen Länder zu erwähnen. Im Zeitalter des
Imperialismus wird jedes Land, das beim rücksichtslosen Konkurrenzkampf
zwischen den Kapitalisten nicht das Glück oder die Kraft hat Sieger zu werden,
de facto zu einem „unterdrückten” Land. Beispiel: Deutschland und Japan, und im
entgegengesetzten Sinn – China.

Das Proletariat hätte somit zur Aufgabe, seine Zeit damit zu
verbringen, auf der imperialistischen Waagschale hin-und her zu hüpfen, je nach
dem, welche Anweisungen von den Trotzkisten erteilt werden. Es sollte sich
dabei abschlachten lassen im Namen dessen, was die Trotzkisten folgendermaßen
umschreiben: „Einen gerechten und fortschrittlichen Krieg zu unterstützen…”
(siehe das Übergangsprogramm – gleiches Kapitel).

Dies ist der grundsätzliche Charakter des Trotzkismus, der
jeweils in allen Situationen und allen seinen Positionen dem Proletariat eine
Alternative anbietet, die einen echten Gegensatz und eine Lösung als Klasse
gegen die Bourgeoisie darstellt, aber in Wirklichkeit nur eine Wahl zwischen
zwei „unterdrückten” kapitalistischen Kräften bedeutet: zwischen einer
faschistischen und antifaschistischen Bourgeoisie, zwischen „Reaktionären „ und
„Demokraten”, zwischen Monarchie und Republik, zwischen imperialistischen Krieg
und „gerechten und fortschrittlichen” Kriegen.

Ausgehend von dieser ewigen Wahl zwischen dem „geringeren
Übel” haben sich die Trotzkisten am imperialistischen Krieg beteiligt. Die
Notwendigkeit der Verteidigung der UdSSR stand keineswegs im Vordergrund. Bevor
diese verteidigt wurde, hatten sie sich schon am Spanienkrieg (1936-1938) im
Namen der Verteidigung des republikanischen Spaniens gegen Franco beteiligt.
Dann verteidigten sie das China Chiang Kai-Sheks gegen Japan.

Die Verteidigung der UdSSR erscheint somit nicht mehr als
Ausgangs- sondern als Endpunkt ihrer Positionen. Sie spiegelt unter anderem
ihre Grundprinzipien wider. Diese Grundprinzipien verlangen nicht, dass die
Arbeiterklasse eine eigenständige Klassenposition gegenüber dem
imperialistischen Krieg hat, sondern dass sie eine Unterscheidung zwischen den
verschiedenen nationalen kapitalistischen Gruppierungen treffen kann und muss,
die sich zu einem gewissen Zeitpunkt gegenüberstehen. Sie müssen als „fortschrittlich”
erachtet werden und ihre Hilfe erhalten; d.h. in der Regel soll der schwächere,
rückständigere, der „unterdrückte” Flügel der Bourgeoisie unterstützt werden.

Diese Position zu einer so grundsätzlichen, zentralen Frage
wie der des Krieges stellt die Trotzkisten von vornherein als politische
Strömung außerhalb des Proletariats und rechtfertig als solche schon die
Notwendigkeit eines totalen Bruchs der proletarischen revolutionären Kräfte mit
ihnen.

 

Die
Trotzkisten machen die Arbeiterklasse zum Anhängsel der für „fortschrittlich”
erklärten Bourgeoisie

 

Aber wir haben nur eine Wurzel des Trotzkismus aufgegriffen.
Im Allgemeinen stützt sich die trotzkistische Auffassung auf die Idee, dass die
Befreiung des Proletariats nicht das Ergebnis eines „reinen” Kampfes sei, bei
dem das Proletariat als Klasse gegenüber dem gesamten Kapitalismus reagiert,
sondern das Ergebnis einer Reihe von politischen Kämpfen in einem engeren
Sinne, bei dem nach schrittweisen Bündnissen mit verschiedenen Fraktionen der
Bourgeoisie einige ausgelöscht werden sollten, wodurch es dem Proletariat
stufenweise gelingen würde, die Bourgeoisie zu schwächen, sie mittels Spaltung
zu besiegen und sie scheibchenweise zu schlagen.

Dies ist sicherlich eine strategisch sehr weitsichtige, subtile
und maliziöse Sicht, die sich in dem Slogan „getrennt marschieren, gemeinsam
schlagen… .” spiegelt. Es handelt sich um eine der Grundlagen der
trotzkistischen Auffassung, die auch in der Theorie der „permanenten
Revolution” bestätigt wird (eine neue Art). Der zufolge meint die permanente
Revolution, dass die Revolution selbst als eine ständige Abfolge von
politischen Ereignissen als eines von vielen anderen Ereignissen gesehen wird.
Dieser Auffassung zufolge ist die Revolution kein Prozess der ökonomischen und
politischen Überwindung einer in Klassen gespaltenen Gesellschaft. Der Aufbau
des Sozialismus aber ist nur möglich und kann erst begonnen werden, nachdem das
Proletariat die Macht ergriffen hat.

Es stimmt, dass diese Auffassung von der Revolution zum Teil
dem Schema Marxens „treu” bleibt. Aber dies ist nur eine Treue gegenüber dem
Wort. Marx vertrat dieses Schema 1848, als die Bourgeoisie noch eine historisch
revolutionäre Klasse darstellte. In der Hitze der bürgerlichen Revolutionen,
die über eine Reihe von Ländern Europas hinweg zogen, hoffte Marx, dass diese
nicht auf der Stufe einer bürgerlichen Revolution stehen bleiben würden,
sondern von dem Proletariat weiter bis zur sozialistischen Revolution getragen
würden.

Auch wenn die Wirklichkeit Marx nicht bestätigt hat, handelte
es sich bei ihm um eine sehr gewagte revolutionäre Auffassung, die den
historischen Möglichkeiten voraus war. Die permanente Revolution der
Trotzkisten ist aber eine völlig andere Sache. Den Worten Marxens bleibt sie
schon treu, aber sie bleibt dem Geist nicht treu. Ein Jahrhundert nach dem Ende
der bürgerlichen Revolutionen, zur Zeit des Weltimperialismus, während die
kapitalistische Gesellschaft insgesamt in ihren Niedergang eingetreten ist,
meint der Trotzkismus, dass bestimmte Fraktionen des Kapitalismus in einigen
kapitalistischen Ländern (und wie es das Übergangsprogramm ausdrücklich sagt,
in den meisten Ländern) eine fortschrittliche Rolle spielen können.

Marx wollte das Proletariat 1848 an die Spitze der
Gesellschaft treten lassen; aber die Trotzkisten lassen die Arbeiterklasse 1947
zu einem Anhängsel der als „fortschrittlich” ernannten Bourgeoisie werden. Man
kann sich kaum eine groteskere Karikatur, eine gröbere Verzerrung des Schemas
der permanenten Revolution von Marx als die der Trotzkisten vorstellen.

So wie Trotzki dies im Jahre 1905 wieder aufgegriffen und
formuliert hatte, behielt dieses Schema der permanenten Revolution seine
revolutionäre Bedeutung. 1905, zu Beginn des Zeitraums des Imperialismus, als
der Kapitalismus noch viele Jahre Wohlstand vor sich zu haben schien, kam
Trotzki in dem Land, das in Europa mit am rückständigsten war, und wo weiterhin
noch eine politisch feudale Infrastruktur bestand, wo die Arbeiterbewegung ihre
ersten Schritte machte, gegenüber all den Fraktionen der russischen
Sozialdemokratie, die den Eintritt der bürgerlichen Revolution ankündigten,
gegenüber Lenin, der aufgrund vieler Einschränkungen nicht wagte weiter zu
gehen, als der zukünftigen Revolution bürgerliche Reformen unter einer
demokratisch revolutionären Führung durch Arbeiter und Bauern zuzuschreiben, in
dieser Situation kam Trotzki unzweifelhaft das Verdienst zu, verkündet zu
haben, dass die Revolution entweder eine sozialistische sein werde, die der
Diktatur des Proletariats, oder dass sie keine Revolution sein werde.

Die Betonung der Theorie der permanenten Revolution lag auf
der Rolle des Proletariats, das damals zur einzig revolutionären Klasse
geworden war. Diese war eine sehr kühne revolutionäre Verkündung, die sich ganz
gegen die kleinbürgerlichen, verängstigten und skeptischen sozialistischen
Theoretiker richtete sowie gegen die zögernden Revolutionäre, denen es an
Vertrauen in die Arbeiterklasse mangelte.

Während heute die Erfahrung von mehr als 40 Jahren diese theoretischen
Elemente vollauf bestätigt hat, ist die Theorie der permanenten Revolution
„neuen Verschnitts” in einer kapitalistischen Welt, die ihren Höhepunkt
überschritten hat und schon in ihren Niedergang eingetreten ist, nur gegen die
revolutionären „Illusionen” dieser Tollköpfe der extremen Linke, dieser
Sündenböcke des Trotzkismus, gerichtet.

Heute wird die Betonung auf die rückständigen Illusionen der
Proletarier gelegt, auf die Unvermeidbarkeit der Zwischenstufen, auf die
Notwendigkeit einer realistischen und positiven Politik, auf die Arbeiter- und
Bauernregierungen, auf die gerechten Kriege und fortschrittlich nationalen
Revolutionen der Befreiung.

Dies ist heute das Schicksal der permanenten Revolution, sie
liegt in den Händen der Jüngeren, die nur die Schwächen aufrechterhalten haben,
aber nichts von der Größe, der Stärke und der revolutionären Tugend des
Meisters übernommen haben.

Die „fortschrittlichen” Tendenzen und Fraktionen der
Bourgeoisie und den revolutionären Weg des Proletariats zu unterstützen, die
Spaltung und Gegensätze unter den Kapitalisten auszunutzen, sind nichts als die
beiden Seiten der gleichen trotzkistischen Theorie. Wir haben gesehen, was aus
der ersten geworden ist, schauen wir uns nun die zweite an.

 

Worin
bestehen die Divergenzen im kapitalistischen Lager?

 

Erstens in der Art und Weise, wie man besser die
kapitalistische Ordnung schützt. D.h. besser die Ausbeutung des Proletariats
sicherstellt. Zweitens hinsichtlich der unterschiedlichen ökonomischen
Interessen verschiedenen Gruppen der Kapitalistenklasse. Trotzki, der sich oft
durch seinen bildhaften Stil und seine Metapher hat fortreißen lassen, so dass
er manchmal den wirklichen gesellschaftlichen Inhalt aus den Augen verlor, hat
stark auf diesem zweiten Aspekt bestanden. „Man darf nicht den Kapitalismus als
eine Einheit sehen”, meinte er. „Die Musik ist auch ein Ganzes, aber man wäre
ein schlechter Musiker, wenn man nicht die unterschiedlichen Noten lesen
könnte.” Diese Metapher wandte er auch auf die gesellschaftliche Bewegung und
die Klassenkämpfe an. Niemand würde wirklich vorhandene Interessensunterschiede
– auch nicht innerhalb der Kapitalistenklasse – und die daraus entstehenden
Kämpfe leugnen oder verkennen. Es geht darum, welchen Platz diese
Interessensunterschiede in der Gesellschaft und in den verschiedenen Kämpfen
einnehmen. Man wäre ein sehr schlechter revolutionärer Marxist, wenn man die
Kämpfe zwischen den Klassen und den Kampf zwischen Gruppen innerhalb der
gleichen Klasse auf die gleiche Ebene stellt. „Die Geschichte aller bisherigen
Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.” Diese Grundsatzthese des
Kommunistischen Manifestes verkennt natürlich nicht die Existenz von
zweitrangigen Auseinandersetzungen verschiedener wirtschaftlicher Gruppen und
Individuen innerhalb der gleichen Klasse und deren relative Bedeutung. Aber der
Motor der Geschichte sind nicht diese zweitrangigen Faktoren, sondern der Kampf
zwischen der herrschenden Klasse und der unterdrückten Klasse. Wenn eine neue
Klasse in der Geschichte entsteht und eine alte ersetzt, die unfähig geworden
ist, die Gesellschaft zu führen, d.h. in einer historischen Epoche der
Umwälzungen und der gesellschaftlichen Revolution, bestimmt und dominiert der
Kampf zwischen diesen beiden Klassen absolut all die gesellschaftlichen
Ereignisse und alle zweitrangigen Konflikte. In solchen historischen Zeiträumen
wie unserem auf die zweitrangigen Konflikte zu bestehen, mit deren Hilfe man
die Richtung der Bewegung des Klassenkampfes, seine Richtung und sein Ausmaß
bestimmen möchte, zeigt sonnenklar auf, dass man nichts von den Grundsätzen der
marxistischen Methode verstanden hat. Man betreibt nur abstrakte Spielereien
mit Musiknoten und unterwirft konkret den gesellschaftlichen historischen Kampf
des Proletariats den Zufälligkeiten der politischen Konflikte unter den
Kapitalisten.

Diese ganze Politik beruht im Kern auf einem tiefgreifenden
Mangel an Vertrauen in die eigenen Kräfte des Proletariats. Offensichtlich
haben die letzten drei Jahrzehnte ununterbrochener Niederlagen tragisch die
Unreife und die Schwäche des Proletariats deutlich werden lassen. Aber es wäre
ein Fehler, die Wurzel dieser Schwächen in der Selbstisolierung des
Proletariats zu suchen, in der Abwesenheit eines ausreichend weichen,
anpassungsfähigen Verhaltens gegenüber den anderen Klassen, Schichten und
politischen Strömungen, die der Arbeiterklasse feindlich gegenüber eingestellt
sind. Das Gegenteil ist der Fall. Seit der Gründung der Komintern warnte man
unaufhörlich vor der Kinderkrankheit der Linksradikalen; man entwarf die
unrealistische Strategie der Eroberung der großen Massen, der Eroberung der
Gewerkschaften, der revolutionären Ausnutzung der Parlamentstribüne, der
politischen Einheitsfront mit dem „Teufel und seiner Großmutter” (Trotzki), der
Beteiligung an Arbeiterregierungen in Sachsen usw.

 

Und das
Ergebnis?

 

Ein Desaster. Jeder neuen Eroberung mit einer „sanften
Strategie” folgte eine noch größere und tiefergreifende Niederlage. Um diese
Schwäche auszugleichen, für die das Proletariat verantwortlich gemacht wurde,
stützte man sich zur „Stärkung” des Proletariats nicht nur auf Kräfte, die
außerhalb des Proletariats standen (Sozialdemokraten), sondern auch auf
ultrareaktionäre Kräfte: „revolutionäre” Bauernparteien; internationale
Bauernkonferenzen, internationale Konferenzen der Kolonialvölker. Je mehr
Niederlagen das Proletariat einstecken musste, desto mehr Bündnisse en masse
wurden errichtet und die Politik der Ausbeutung triumphierte in der
Kommunistischen Internationale. Sicher liegt die Wurzel dieser Politik in der
Existenz des russischen Staates, der seine Existenz zu rechtfertigen suchte und
von seinem Wesen her nichts mit sozialistischer Revolution zu tun hatte, denn
er war dem Proletariat fremd und Gegner der Ziele desselben.

Zur Aufrechterhaltung seiner Existenz und seiner Stärkung muss
der Staat Bündnisse mit den „unterdrückten” Bourgeoisien, den „Völkern” und
Kolonien und „fortschrittlichen” Ländern suchen; diese findet er auch, denn
diese sozialen Gruppierungen müssen ebenso einen Staat errichten. Er kann über
die Spaltung und die Konflikte zwischen anderen Staaten und kapitalistischen
Gruppen spekulieren, weil er das gleiche Klassenwesen wie diese besitzt.

In diesen Konflikten kann die Schwächung einer dieser
Antagonismen zu einer Bedingung für seine Verstärkung werden. Dies trifft aber
auf die Arbeiterklasse und ihre Revolution nicht zu. Sie kann sich auf keinen
dieser Verbündeten oder Kräfte stützen. Sie steht alleine da und steht immer in
einem unüberwindbaren historischen Widerspruch zu all diesen Kräften und
Leuten, die sich ihr gegenüber zu einer untrennbaren Einheit zusammenfügen.

Das Proletariat sich seiner Position und seiner historischen
Aufgabe bewusst werden zu lassen, ihm die großen Schwierigkeiten seines Kampfes
nicht zu vertuschen, ihm aufzuzeigen, dass es aber auch keine Wahl hat, wenn es
seine menschliche und physische Existenz bewahren will, ihm zeigen, dass es
trotz dieser Schwierigkeiten siegen kann und muss, dies ist der einzige Weg der
Stärkung des Proletariats für seinen Sieg.

Aber wenn man versucht, diesen Schwierigkeiten auszuweichen,
indem man für die Arbeiterklasse mögliche Verbündete sucht (auch nur
vorübergehende) und ihm „fortschrittliche” Kräfte anderer Klassen anbietet, auf
die sie sich in ihrem Kampf stützen sollte, heißt die Arbeiterklasse zu
täuschen, um sie zu trösten, zu entwaffnen und sie in die Irre zu führen. Darin
besteht die Funktion der Trotzkisten heute.

 

Bravo
Abd-al-Krim” oder eine kurze Geschichte des Trotzkismus 
(
Internationalisme n° 24 – Juli 1947)

 

Einige Leute leiden unter einem Minderwertigkeitsgefühl,
andere unter Schuldgefühlen, wieder andere unter Verfolgungswahn. Der
Trotzkismus wiederum leidet unter einer Krankheit, die man mangels besserer
Bezeichnung „Verteidigungsmanie” nennen könnte. Die ganze Geschichte des
Trotzkismus dreht sich um die „Verteidigung” von irgendetwas. Und wenn die
Trotzkisten unglücklicherweise in „flauen Wochen‘ nichts und niemanden zum
Verteidigen finden, werden sie sprichwörtlich krank. Dann erkennt man sie an
ihren traurigen Gesichtern, ihren niedergeschlagenen Minen, ihrem verstörten
Blick, wie sie wie ein Drogenabhängiger ihre tägliche Giftdosis suchen: eine
Sache oder ein Opfer, für dessen Verteidigung sie eintreten könnten.

Gott sei Dank gibt es ein Russland, in dem es einmal eine
Revolution gegeben hat. Dies dient den Trotzkisten ewig zur Rechtfertigung
ihres Dranges der Verteidigung. Was immer in Russland passiert, bleiben die
Trotzkisten unerschütterlich für die „Verteidigung der UdSSR”, denn sie haben
in Russland eine unerschöpfliche Quelle gefunden, welche ihr Laster der
„Verteidigung” befriedigt.

Aber nicht nur die großen Verteidigungen zählen. Um das Leben
des Trotzkismus zu bereichern, braucht man zusätzlich zu der großen
Verteidigung die unsterbliche, bedingungslose „Verteidigung der UdSSR” – welche
die Grundlagen und die Daseinsberechtigung des Trotzkismus liefern. Der
Trotzkismus ist erpicht auf die „alltäglichen…Verteidigungen”, das, was er
„jeden Tag verteidigen” kann.

In der Niedergangsphase des Kapitalismus entfesselt dieser
eine allgemeine Zerstörung, von der die Arbeiterklasse betroffen ist, die wie
immer Opfer des Regimes wird. Repression und Massaker breiten sich aus, sogar
bis in die Kapitalistenklasse hinein pflanzt sich die Zerstörung fort. Hitler
massakrierte die republikanischen Bürgerlichen, Churchill und Truman hängten
und erschossen Goering und Co., Stalin erhielt das Einverständnis aller, als er
verschiedene Leute massakrierte. Ein blutiges allgemeines Chaos, die Auslösung
einer perfektionierten Bestialität und ein bislang unbekannter raffinierter
Sadismus sind das zu zahlende unausbleibliche Lösegeld, wenn es dem
Kapitalismus unmöglich geworden ist, seine Widersprüche zu überwinden. Gott sei
gelobt. Welch ein Glücksfall für diejenigen, die auf der Suche einer
verteidigungswerten Sache sind. Unsere Trotzkisten freuen sich! Jeden Tag
bieten sich für unsere modernen Ritter neue Möglichkeiten, bei denen sie ihr
großzügiges Wesen ihres Kampfes zur Wiedergutmachung jeglichen Unrechts und der
Rache der Beleidigten zeigen können.

 

Werfen wir
einen Blick auf die Geschichte des Trotzkismus

 

Im Herbst 1935 fing Italien eine
militärische Kampagne gegen Äthiopien an. Es handelte sich zweifelsohne um
einen imperialistischen Krieg der kolonialen Eroberung eines rückständigen
Landes, Äthiopiens, das wirtschaftlich und politisch noch halbfeudal war, durch
ein fortgeschrittenes kapitalistisches Land, Italien. In Italien herrschte das
Regime Mussolinis, in Äthiopien das Regime Negus, der „König der Könige”. Aber
der italienisch-äthiopische Krieg ist viel mehr noch als ein einfacher,
klassischer Kolonialkrieg. Es handelte sich um die Vorbereitung, den Auftakt
des sich ankündigenden Weltkriegs. Aber die Trotzkisten brauchen nicht so weit
voraus zu schauen. Es reicht zu sehen, dass Mussolini der „böse Angreifer”
gegen das „arme Königreich” des Negus ist, um unmittelbar die „bedingungslose”
Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit Äthiopiens zu übernehmen. Ah, aber
wie! Sie reihen ihre Stimme in den allgemeinen Chor ein (vor allem den Chor des
angel-sächsischen „demokratischen” Blocks, welcher noch in der Bildung
begriffen ist und sich noch sucht), um internationale Sanktionen gegen die
„faschistische Aggression” zu fordern. Die stärksten Verteidiger unter allen,
die zudem von niemanden in diesen Fragen Lehren erhalten können, schelten und
prangern sie die aus ihrer Sicht unzureichende Verteidigung durch den
Völkerbund an

[9]

, und rufen die Arbeiter der Welt dazu
auf, die Verteidigung Äthiopiens und des Negus zu übernehmen. Es stimmt zwar,
dass die Verteidigung des Königs Negus durch die Trotzkisten diesem nicht
besonders viel Glück gebracht hat, weil er trotz deren Verteidigung geschlagen
wurde. Aber gerechterweise muss man sagen, dass ihnen die Schuld dieser
Niederlage nicht angehaftet werden kann, denn wenn es um die Verteidigung geht,
selbst die eines Negus, nörgeln die Trotzkisten nicht. Sie sind zur Stelle und
wie!

1936 brach der Spanienkrieg los. In Gestalt eines inneren
„Bürgerkrieges”, durch welchen die spanische Bourgeoisie in einen
frankistischen und republikanischen Clan gespalten wurde, wurde dieser auf
Kosten des Lebens und des Bluts der Arbeiter geführt. Er war das Vorspiel für
den bevorstehenden Weltkrieg. Die Regierung, welche aus Republikanern,
Stalinisten und Anarchisten zusammengesetzt war, war offensichtlich militärisch
unterlagen. Natürlich eilten die Trotzkisten der Republik zur Hilfe, die „durch
die faschistische Gefahr bedroht wurde”. Ein Krieg kann natürlich nicht fortgesetzt
werden, wenn es an Kämpfern und Material fehlt. Er würde zum Erliegen kommen.
Aus Angst vor solch einer Perspektive, wo man nichts mehr verteidigen könnte,
setzen die Trotzkisten alles daran, Kämpfer für die internationalen Brigaden zu
rekrutieren und bringen alle Mittel für die Entsendung von „Kanonen für
Spanien” auf. Aber die republikanische Regierung, zu der Azaña, Negrin, Francos
Freunde von gestern und heute gehören, sind die Feinde der Arbeiterklasse. Die
Trotzkisten schauen nicht so genau hin. Sie verhandeln nicht ihre Hilfe. Man
ist für oder gegen die Verteidigung. Wir Trotzkisten, wir sind Neo-Verteidiger.
Punkt, basta!

1938 tobte der Krieg im Fernen Osten. Japan griff das China
Tschiang Kai-Sheks an. Ah! Keine Zögerungen! „Alle geschlossen wie ein Mann für
die Verteidigung Chinas”. Trotzki selbst erklärte, dies sei nicht der
Zeitpunkt, um das blutige Massaker der Tausenden und Tausenden Arbeiter
Shanghais und Kantons durch die Armeen des gleichen Tschiang Kai-Sheks während
der Revolution von 1927 in Erinnerung zu rufen. Die Regierung Tschiang Kai-Shek
mag wohl eine kapitalistische Regierung sein, die im Solde des amerikanischen
Imperialismus steht, und die bei der Ausbeutung und der Repression der Arbeiter
dem japanischen Regime in nichts nachsteht, all das zählt wenig angesichts des
höheren Prinzips der nationalen Unabhängigkeit. Das internationale Proletariat,
das für die Unabhängigkeit des chinesischen Kapitalismus mobilisiert wurde,
bleibt immer unabhängig… vom Yankee-Imperialismus, aber Japan hat tatsächlich
China verloren und ist geschlagen worden. Die Trotzkisten können zufrieden
sein. Zumindest haben sie die Hälfte ihres Ziels erreicht. Es stimmt, dass
dieser antijapanische Sieg Dutzende Millionen von Arbeitern, die im sieben Jahre
dauernden Krieg an allen Fronten während des Weltkriegs massakriert wurden, das
Leben gekostet hat.

[10]

Aber zählt das neben der garantierten
Unabhängigkeit Chinas?

1939 griff Hitler-Deutschland Polen an. Vorwärts mit der
Verteidigung Polens. Aber der russische „Arbeiterstaat” griff ebenfalls Polen
an, und fiel zudem noch in Finnland ein und entriss Rumänien Gebietsstreifen.
Das stiftet ein wenig Verwirrung in den Köpfen der Trotzkisten, die wie die
Stalinisten erst wieder klarer sehen als die Feindseligkeiten zwischen
Deutschland und Russland ausbrachen. Danach wurde die Lage wieder einfacher, zu
einfach, tragisch einfach. Fünf Jahre lang riefen die Trotzkisten die Arbeiter
aller Länder dazu auf, sich für die „Verteidigung der UdSSR” abschlachten zu
lasen und auf Umwegen alle Verbündeten der UdSSR. Sie bekämpften die Regierung
Vichys, die das französische Kolonialreich Deutschland dienstbar machen wollte
und somit „seine Einheit” aufs Spiel setzte. Sie bekämpften Pétain und andere
Quisling

[11]

. In den USA forderten sie die Kontrolle
der Armee durch die Gewerkschaften, um besser die Verteidigung der UdSSR gegen
die Bedrohung durch den deutschen Faschismus sicherzustellen. Sie waren bei
allen Maquis, allen Résistance in allen Ländern präsent. Dies war die Blütezeit
der „Verteidigung”.

Der Krieg mag wohl zu Ende kommen, aber der tiefgreifende
Wunsch der Trotzkisten nach „Verteidigung” ist unbegrenzt. Das weltweite Chaos,
das dem offiziellen Ende des Krieges folgte, die verschiedenen Bewegungen
rasender Nationalismen, die bürgerlich-nationalistischen Erhebungen in den
Kolonien, waren allemal Ausdrücke des weltweiten Chaos nach dem offiziellen
Ende des Krieges, welches schließlich durch die Großmächte benutzt und
angefacht wurde, um sie ihren imperialistischen Interessen unterzuordnen. Sie
lieferten genug Stoff für die Trotzkisten zur Rechtfertigung ihrer
„Verteidigungsargumentation“. Vor allem im Namen der bürgerlichen
Kolonialbewegungen, unter den Fahnen der „nationalen Befreiung” und des
„Kampfes gegen den Imperialismus” (eine verbalradikaler Schlachtruf)
schlachtete man weiter Tausende Arbeiter ab. All das stellt den Höhepunkt der
„Verteidigungsaufrufe” der Trotzkisten dar.

In Griechenland prallten der russische und anglo-amerikanische
Block um die Vorherrschaft auf dem Balkan aufeinander; vor Ort geschah dies in
Form von Partisanenkämpfen gegen die offizielle Regierung. Die Trotzkisten
waren mit dabei. „Finger weg von Griechenland”, schrien sie, und sie kündigten
die gute Nachricht den Arbeitern an, nämlich die Gründung von internationalen
Brigaden auf dem jugoslawischen Territorium des Befreiers Tito

[12]

, wo sie die Arbeiter dazu aufriefen, in
Brigaden zum Kampf um die Befreiung Griechenlands einzutreten.

Nicht weniger enthusiastisch berichten sie von ihren
heldenhaften Kämpfen in China in den Reihen der sog. Kommunistischen Armee, die
genau so kommunistisch ist wie die russische Regierung Stalins, von der sie
abstammt. Indochina, wo die Massaker ebenfalls gut organisiert worden sind,
wird erneut ein Paradebeispiel für die trotzkistische Verteidigung der
„nationalen Unabhängigkeit Vietnams” sein. Mit dem gleichen generösen Elan
unterstützten und verteidigten die Trotzkisten die nationale bürgerliche Partei
Destour in Tunesien, der nationalen bürgerlichen Partei (PPA) in Algerien. Sie
fanden Befreiungstugenden bei der MDRM, der bürgerlich nationalistischen
Bewegung in Madagaskar. Die Verhaftung von Funktionären der Republik und von
Abgeordneten in Madagaskar durch die kapitalistische Regierung Frankreichs
trieb die Empörung der Trotzkisten auf den Höhepunkt. Jede Woche wurde
La
Vérité
mit neuen Aufrufen für die Verteidigung der „armen”
Abgeordneten Madagaskars gedruckt. „Befreit Ravoahanguy, befreit Raharivelo,
befreit Roseta!” Der Platz in der Zeitung reichte nicht mehr, um all die
Aufrufe zur „Verteidigung”, an der sich die Trotzkisten beteiligen sollten, zu
veröffentlichen. Verteidigung der in den USA bedrohten stalinistischen Partei!
Verteidigung der pan-arabischen Bewegung gegen den jüdischen
Kolonisationszionismus in Palästina, und Verteidigung der Wütenden vor der
chauvinistischen jüdischen Kolonisation, der terroristischen Führer des Irgun
gegen England!

 

Verteidigung der Sozialistischen Jugend gegen das
Führungskomitee der SFIO.

 

Verteidigung der SFIO gegen denn neo-sozialistischen Ramadier.

 

Verteidigung der CGT (französische Gewerkschaft) gegen ihre
Führer

 

Verteidigung der „Freiheiten…. gegen die Bedrohungen durch die
„Faschisten um de Gaulle”

 

Verteidigung der Verfassung gegen die Reaktion

 

Verteidigung der Regierung von PS-PC-CGT gegen die MRP.

 

Und über allem stehend Verteidigung des „armen” Russlands
Stalins, das von einer Umzingelung durch die USA bedroht ist.

 

Arme, arme Trotzkisten, auf den zarten Schultern lastet die
schwere Bürde so vieler „Verteidiger”!

 

Am 31. Mai diesen Jahres hat etwas Sensationelles
stattgefunden: Abd-al-Krim, der alte Führer des Rifs

[13]

, hat die französische Regierung einfach
stehen lassen, indem er bei seiner Überstellung nach Frankreich flüchtete.
Diese Flucht wurde durch die Komplizenschaft des Königs Faruk aus Ägypten
vorbereitet und ausgeführt, der ihm Asyl anbot, das man königlich nennen kann.
Das Ganze erfolgte mit ziemlichem Wohlwollen der USA. Die Presse und die
französische Regierung sind bestürzt. Die Lage Frankreichs in den Kolonien ist
alles andere als sicher, und es wird neue Unruhen geben. Aber mehr als eine
wirkliche Gefahr ist die Flucht Abd-al-Krims vor allem ein Ereignis, das
Frankreich lächerlich aussehen lässt, dessen Prestige auf der Welt ohnehin
schon angeschlagen ist. Auch versteht man die Proteste der ganzen Presse, die
sich über den Vertrauensbruch Abd-al-Krims gegenüber der demokratischen
französischen Regierung beschweren, der trotz seines Ehrenwortes flüchtete.

Dies ist natürlich ein „tolles” Ereignis für unsere
Trotzkisten, die vor Freude mit den Füßen trampeln. La Vérité vom 6. Juni
titelt „Bravo Abd-al-Krim”, sie empfindet Mitleid mit dem, der „
den
heldenhaften Kampf des marokkanischen Volkes anführte”.
La
Vérité lobt die revolutionäre Größe seiner Geste. „
Wenn
sie diese Herren des Generalsstabs und des Ministeriums der Kolonien getäuscht
haben, haben sie das toll gemacht. Man muss wissen, wie man die Bourgeoisie
hinters Licht führt, sie belügt, sie austrickst, lehrte uns Lenin
”,
schreibt La Vérité. So wurde Abd-al-Krim zu einem Schüler Lenins gemacht, in
Erwartung, dass er ein Ehrenmitglied des Exekutivkomitees der 4. Internationale
wird.

Die Trotzkisten versichern uns, „als alter Kämpfer des Rifs,
der wie in der Vergangenheit die Unabhängigkeit seines Landes wollte,… so lange
wie Abd-al-Krim kämpft, werden alle Kommunisten auf der Welt ihm helfen und ihn
unterstützen”. Sie sagen zum Schluss: „Was gestern die Stalinisten sagten,
wiederholen wir Trotzkisten heute”.

Tatsächlich könnte man das nicht deutlicher sagen.

Aber wir werfen den Trotzkisten nicht vor, „das heute zu
wiederholen, was die Stalinisten gestern gesagt haben” und das zu tun, was die
Stalinisten immer getan haben. Wir werfen den Trotzkisten auch nicht vor, das
zu „verteidigen” was sie wollen. Sie erfüllen eigentlich ganz ihre Rolle.

Aber es möge uns gestattet sein, einen Wunsch auszudrücken,
einen einzigen Wunsch. Mein Gott! Hoffen wir, dass die Notwendigkeit der
Verteidigung der Trotzkisten nicht eines Tages dem Proletariat zufällt. Denn
mit dieser Art Verteidigung wird die Arbeiterklasse sich nie mehr erheben
können.

Die Erfahrung mit dem Stalinismus reicht vollkommen!

Marc

 


[1]

 Siehe unsere Broschüre La
Gauche Communiste de France
.

 

[2]

 Siehe unseren Artikel „La
Gauche Communiste et la continuité du marxisme“.

 

[3]

 Siehe dazu das erste Kapitel
unserer Broschüre zur „Gauche Communiste de France“. Die gescheiterten
Versuchte der Schaffung einer Gauche Communiste de France.

 

[4]

 (Hinweis der Redaktion) Ein
besonderer Hinweis auf Munis sei hier angebracht, welcher mit dem Trotzkismus
auf der Grundlage der Verteidigung des proletarischen Internationalismus brach.
Siehe dazu unseren Artikel in Internationale Revue
Nr. 58 (französische Ausgabe). Dem Gedenken an Munis, Kämpfer der
Arbeiterklasse. A la mémoire de Munis, un militant de la classe ouvrière.

 

[5]

 (Hinweis der Redaktion): Es
handelt sich um die russische Offensive 1939, die neben Finnland auch auf Polen
gerichtet war (das seinerzeit von Hitler überfallen wurde), sowie auf die
Baltischen Staaten und Rumänien.

 

[6]

 Es ist ganz typisch, dass die
Gruppe Johnson-Forest, die sich von der Partei Schachtmans getrennt hat und
sich als „sehr links“ bezeichnet, weil sie gleichzeitig die Verteidigung der
UdSSR ablehnt und die antirussischen Positionen Schachtmans, dass die gleiche
Gruppe heftig die französischen Trotzkisten kritisiert, die ihnen zufolge sich
nicht direkt aktiv genug an der „Résistance‘ beteiligt haben. Dies ist ein
typisches Beispiel des Trotzkismus.

 

[7]

 (Hinweis der Redaktion): Forces
Françaises de l‘Intérieur, Gesamtheit der militärischen Gruppen der
französischen inneren Résistance, die im besetzten Frankreich gebildet worden
waren, und im März 1944 unter den Befehl des General Königs und der politischen
Autorität des General de Gaulles gestellt worden war.

 

[8]

 (Hinweis der Redaktion): Parti
Communiste Internationaliste, Ergebnis des Zusammenschlusses 1944 der Parti
Ouvrier Internationaliste und des Comité Communiste Internationaliste

 

[9]

(Hinweis
der Redaktion) Völkerbund, Vorläufer vor dem Krieg der Vereinten Nationen

 

[10]

 Man lese zum Beispiel La
Vérité
vom 20.06.1947. „Der heldenhafte Kampf der chinesischen
Trotzkisten“: In der Provinz Chandung wurden unsere Genossen zu den besten
Kämpfern der GuerillaÖ In der Provinz Xiang-Chi wurden die Trotzkisten von den
Stalinisten als die ‘loyalsten Kämpfer gegen Japan’ begrüßt. Usw.

 

[11]

(Hinweis
der Redaktion): Vidkum Quisling war der Führer der norwegischen Nasjonal
Samling (Nazipartei) und Führer der Phantomregierung, die von Deutschland nach
der Besetzung Norwegens eingesetzt worden war.

 

[12]

(Hinweis
der Redaktion): Josip Broz Tito war einer der Hauptverantwortlichen der
jugoslawischen Résistance am Ende des Krieges.

 

[13]

 (Hinweis der Redaktion)
Mohammed Abd al-Karim Al Khattabi (in Ajdir, Marokko,ca. 1882 geboren),
verstorben am 6.Februar 1963 in Kairo in Ägypten), führte einen langen
Widerstandskampf gegen die Kolonialbesetzung des Rifs – Bergregion im Norden
Marokkos – zunächst gegen die Spanier, dann gegen die Franzosen. Ihm gelang es
1922 , eine „Konföderierte Republik der Stämme des Rifs“ auszurufen. Der Krieg
zur Niederschlagung dieser neuen Republik wurde von einer Armee von 450.000
Soldaten geführt, die Frankreich und Spanien zusammengestellt hatten. Als er sah,
dass seine Sache aussichtslos war, stellte sich Abd-al-Krim den Behörden als
Kriegsgefangener, um das Leben von Zivilisten zu schützen, was aber die
Franzosen nicht daran hinderte, die Dörfer mit Senfgas zu bombardieren, wodurch
150.000 Menschen getötet wurden. Abd-al-Krim ging ab 1926 nach La Réunion ins
Exil, wo er unter Hausüberwachung stand, aber 1947 durfte er nach Frankreich
zurückkehren. Als sein Schiff in Ägypten Zwischenstop machte, übertölperte er
seine Bewacher, und verbrachte den Rest seines Lebens in Kairo. (siehe
Wikipedia).

 

Leute: 

Politische Strömungen und Verweise: 

Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: