Die Septemberstreiks 1969 - auch in Deutschland kehrte die Arbeiterklasse zurück

In
Weltrevolution Nr. 148 & 149 haben wir im Sommer 2008 zwei Artikel zu 1968
in Deutschland veröffentlicht, die eingebettet waren in den internationalen und
historischen Rahmen. Wir betonten in diesen Artikeln, dass die Proteste, die
1968 international überall Aufsehen erregten, eine sich angestaute
Unzufriedenheit zum Ausdruck brachte, die keine bloße Tageserscheinung war,
sondern auf eine tiefgreifende Änderung in der Gesellschaft hindeutete.


Auch wenn
diese Auflehnung durch die neu ausgebrochene Wirtschaftskrise geprägt war, war
diese noch nicht ausschlaggebend. Die großen ökonomischen Forderungen blieben
in Deutschland bis 1969 noch im Hintergrund.

Dagegen
trat immer mehr Widerstand gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen zum
Vorschein. Ob die unglaublich unwürdige Behandlung der „Gastarbeiter“, ob die
Lage der Massenarbeiter, ob das kulturelle Elend, all diese Faktoren waren der
materielle Hintergrund der Ablehnung der „Wohlstandsgesellschaft“. Die Idee
breitete sich in der jüngeren Generation aus, wir wollen den Westen nicht, aber wir wollen auch den Osten nicht,
stattdessen brauchen wir einen 'demokratischen Sozialismus’, wie man das damals
nannte, oder auch die Räteherrschaft.

Zudem
machte sich das Gefühl bemerkbar, dass
die bestehenden Institutionen nicht unsere sind. All diese Bewegungen
reduzierten sich keinesfalls auf rein wirtschaftliche, sondern warfen viele
gesellschaftliche Fragen auf.

Die totgesagte soziale Frage kehrte zurück

Hinter
dieser angestauten Unzufriedenheit hatte sich ein Riss im Verhältnis zwischen
den gesellschaftlichen Klassen aufgetan. Eine ganze Periode ging zu Ende.
Langsam
trat eine neue, ungeschlagene Generation
in Erscheinung, die den Krieg nicht mitgemacht hatte und jetzt nicht bereit
war, die Schufterei der kapitalistischen Tretmühle widerstandslos hinzunehmen. Die Suche
nach etwas Anderem, noch Undefinierten, begann. Diese neue Generation,
vor allem Studenten und
junge Arbeiter an deren Spitze, die nicht mehr von der Konterrevolution
geknebelt werden konnte, welche seit den 1920er Jahren gegen die Arbeiterklasse
gewütet hatte, wollte eine neue Sichtweise der Welt entfalten.

Während in Frankreich der Massenstreik der Arbeiter ein
Gefühl der Solidarität, des Zusammenhaltes der Arbeiter und der Studenten in
ihrem Kampf gegen die Regierung hatte aufkommen lassen, waren die Arbeiter in
Deutschland im Frühjahr 1968 noch nicht massiv in Erscheinung getreten. Nach
der Welle von Protesten gegen das
Attentat auf Dutschke im April und den Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze
im Sommer 68 ebbte die studentisch beherrschte Bewegung ab. Hunderttausende
Jugendliche suchten nach einer Kraft, die ihnen einen Anhaltspunkt, eine
Orientierung und einen Hebel für die Überwindung dieser Gesellschaft bieten
könnte. Während sich ein Teil der Protestierenden gewaltsamen Aktionen
zuwandte, und während sich viele, vor allem studentische Politisierte in den
Aufbau von linken Organisationen (K-Gruppen) stürzten, um so besser an die „Arbeiter in den Fabriken
heranzukommen“, sollten sich viele
proletarisierte Protestierende von diesen Reaktionen abwenden und sich
gewissermaßen zurückziehen. Es sollte
ein Charakteristikum der Entwicklung nach 1968 sein, dass sich die studentische
Jugend entweder zurückzog oder große Teile von ihnen in K-Gruppen eingefangen
wurden, während sich gleichzeitig in den Betrieben mehr proletarischer
Widerstand regte. Mit an der Spitze dieses Widerstands standen junge
Beschäftigte und vor allem Lehrlinge.

Die proletarische Jugend mit an der Speerspitze
des Widerstands

Im
Frühjahr 1969 traten Proteste von Lehrlingen stärker in den Vordergrund. Am 1. Mai 1969 organisierten sich Lehrlinge
auf DGB-Kundgebungen in eigenen Blöcken. Am 7. Juni 1969 versammelten sich auf
einer Großdemo in Köln ca. 10.000 vor allem jüngere Arbeiter unter dem Motto
"Selbstbestimmung und Klassenkampf – statt Mitbestimmung und
Gewerkschaftskrampf". Selbst eigene Treffen mit überwiegender Beteiligung
von Lehrlingen kamen an verschiedenen Orten zustande, in denen nicht nur über
die Lage und Forderungen der Lehrlinge, sondern über die Gesamtlage diskutiert
wurde. (1)

Die
Proteste der jugendlichen Arbeiter spielten eine vorwärtstreibende Rolle für
die Auslösung der Septemberstreiks 1969. Gerade weil die jüngeren Beschäftigten
eine oft größere Kampfkraft zeigen sollten und furchtloser und „unbeschwerter“
vorgingen als die älteren Kollegen, wurde es möglich, durch den Klassenkampf ansatzweise
die Brücke zu der älteren Generation zu schlagen. Denn wie in früheren Artikeln
geschildert, gab es in Deutschland einen besonders ausgeprägten Graben zwischen
den Generationen.

Die Streikwelle im September 69

Schon ab
dem Frühjahr 69 riss die Reihe von kleineren und beschränkten spontanen
Arbeitsniederlegungen, die sich alle um Lohnforderungen drehten, nicht mehr ab.
Anfang September löste sich eine Streiklawine, die die Hauptindustriezentren in
Westdeutschland in Windeseile erfasste. Im Mittelpunkt stand die Stahl- und
Metallindustrie.

Nachdem am
2. September 27.000 Stahlkocher von Hoesch-Dortmund spontan für 2 Tage in den
Streik traten, legte eine Belegschaft nach der anderen in den großen Werken die
Arbeit nieder.

Um das
ganze Ausmaß der Streikbewegung zu vermitteln, nennen wir einige der Zentren:

4. - 5.
September Rheinstahl – Mülheim/Ruhr mit 2.900 Streikenden,

5. - 6.
September 12.000 Streikende bei Mannesmann - Duisburg, 1.000 Streikende bei AEG
Mülheim;

5. - 9.
September: 3.300 Streikende bei Rheinstahl Gelsenkirchen

Vom
9.-11.September legten 10.000 Bergarbeiter der Ruhrkohle AG die Arbeit nieder.

Auch wenn
der Schwerpunkt im Ruhrgebiet lag, wurden Arbeiter in anderen Städten mit in
den Kampf gerissen. Am 8.-9. September streikten bei Rheinstahl Brackwede (in
der Nähe von Bielefeld) 1.800 Arbeiter, in Sulzbach–Rosenberg traten bei
der Maximiliamshütte am 8. September
spontan 3.000 Beschäftigte in den Streik, bei den Klöckner-Werken ruhte die
Arbeit vom 5.-13. September, während in Bremen und in der Georgsmarienhütte/
Osnabrück jeweils 3.000 – 6.000 Beschäftigte streikten.

Ein
anderer Schwerpunkt war das Saarland: hier traten 6.000 Stahlkocher bei den Neunkircher
Eisenwerken vom 4.-8. September und 20.000 Bergarbeiter vom 6.-11. September in
den Ausstand.

Vom 9. –
19. September folgte die Howaldt Werft in Kiel mit 7.000 Schiffsbauern.

Auch wenn
die Lage in Süddeutschland ruhiger blieb, reagierten auch hier Tausende Arbeiter: Bei den Heidelberger Druckmaschinen
in Geisslingen legten über 1.000 Beschäftigte am 5. September die Arbeit
nieder, und bei Daimler Benz – Sindelfingen kam es zu mehreren Kurzstreiks.

Ob im
Ruhrgebiet, wo auch der Funken auf
kleinere Betriebe mit nur einigen Hundert Beschäftigten übergesprungen
war, oder außerhalb der Großstädte (z.B.
Hueck Lippstadt oder die Textilindustrie im Münsterland), oder im öffentlichen
Dienst, wo ab Mitte September in einer Reihe von Städten – von Berlin über das
Ruhrgebiet bis nach Süddeutschland - jeweils einige Hundert Beschäftigte der
Verkehrsbetriebe und der Stadtreinigung streikten, die Welle von Streiks
brachte ans Tageslicht, dass die Arbeiterklasse in Deutschland wieder die Stirn
bot. Allerdings fällt im Vergleich zu Frankreich auf, dass in Deutschland die
Kämpfe zwar politisch in eine ähnliche Richtung stießen, aber noch lange nicht
deren Massivität annahmen. Zum Vergleich: im Mai/Juni 1968 streikten in
Frankreich 10 Mio. Arbeiter. Die Streikaktionen des September 1969 in
Deutschland erfassten ca. 140.000 Arbeiter.

Spontanes Wiederauftauchen
der klassischen Kampfesmittel des 20. Jahrhunderts

Dennoch: mehr
als 140.000 Streikende in mehr als 70 Betrieben hatten bewiesen, dass auch die
Arbeiterklasse in Deutschland den gleichen Weg eingeschlagen hatte wie ihre
Klassenbrüder weltweit.

Überall
erhoben die Arbeiter ähnliche Forderungen: Lohnerhöhungen, Bezahlung der
Streiktage, keine Repressalien gegen Streikteilnehmer.

Überall
ein ähnlicher Ablauf der Streiks: Arbeiter legten spontan die Arbeit nieder –
gegen das Votum der Betriebsräte & Vertrauensleute und der Gewerkschaften.

Bei Hoesch
in Dortmund versammelten sich die Arbeiter spontan um einen Werksfeuerwehrwagen
mit Lautsprecher und fassten in einer nahezu ständig tagenden Vollversammlung
gemeinsam Beschlüsse.

Bei
Rheinstahl in Gelsenkirchen aber auch im Saarland zogen die Arbeiter mit
Demonstrationszügen durch das Werk und forderten die anderen Beschäftigten zur
Niederlegung der Arbeit auf, um dann anschließend in die Stadt zu marschieren.
Bei der Ruhrkohle AG endete ein Protestzug spontan vor dem Verwaltungsgebäude.

Die
Arbeiter ergriffen jeweils selbst die Initiative, nahmen den Streik selbständig
in die Hand und ließen sich nicht hinter die Werkstore einsperren.

An die
zuvor jahrelang durch die Konterrevolution begrabene Tradition anknüpfend, standen
Ausdehnung und Selbstorganisierung der Streiks, Zusammenkommen zu Demonstrationen,
gemeinsame Entscheidungen in Vollversammlungen, die Wahl von Streikkomitees mit
abwählbaren Delegierten im Vordergrund.

Überall
die gleichen Gegner: In mehreren Städten (Saarbrücken, Osnabrück, Dortmund
usw.) zogen die Arbeiter vor die Gewerkschaftshäuser und protestierten gegen
deren Politik. So wollten in Dortmund Hunderte von wütenden Stahlkochern in das
Gewerkschaftshaus eindringen und deren Dienste für das Kapital anprangern. Als
auf Vollversammlungen wie bei Hoesch-Dortmund Arbeiter die Sabotagetaktik der
Gewerkschaften entblößten, versuchte der Betriebsrat das Mikrofon abzustellen.
Danach sprach ein DKP-Mitglied und
führte aus. Er sei der Meinung, dass jedermann seine Sorgen und Auffassungen am
Lautsprecher vortragen könne, aber wir werden von nun an niemanden mehr
sprechen lassen, der gegen den Betriebsrat und die Gewerkschaften auftritt.”

(zitiert aus “Die Septemberstreiks 1969” des DKP-nahen Pahl-Rugenstein Verlags,
S. 61)

In
mehreren Betrieben verhandelten die Streikleitungen neben dem Betriebsrat (BR)
und den Gewerkschaften mit den Unternehmern, wobei ihnen jeweils der BR und die
Gewerkschaften in den Rücken fielen.

Diese
Welle von Kämpfen, die sich nach dem September abschwächte, wurde nicht zuletzt
eingedämmt durch die Bildung der sozial-liberalen Koalition am 21. Oktober 1969
unter W. Brandt. Denn nachdem die herrschende Klasse anfänglich in Deutschland
der aufkommenden Protestbewegung relativ unbeholfen und taktisch wenig klug
entgegen getreten war, sie durch ihre provozierende Haltung und ihren schnellen
Rückgriff auf Repression viel Öl aufs Feuer gegossen hatte, hatte der
eingesetzte Wahlkampf im Herbst 1969 eine den Klassenkampf zähmende Wirkung.

Der Klassenkampf verläuft nicht linear

Nach 1969
flachten die Kämpfe zunächst wieder ab, bevor dann im Herbst 1973 eine neue
Kampfwelle mehrere Branchen erfasste.

Zwischen
1969-1973 kam es zu einer Reihe von kleinen, wilden Streiks. Einige Beispiele:
Bei Enka – Wuppertal streikten im April 1972 die Beschäftigten gegen
Arbeitsplatzabbau, sie nahmen direkt Kontakt auf zu den Beschäftigten der
gleichen Firma im niederländischen Breda, die auch vor Entlassungen standen. Im
Herbst/Winter 1972 legten aus Protest gegen die Kürzung des Weihnachtsgeldes
und Zulagenstreichungen bei KHD-Deutz in Köln ca. 5.000 Beschäftigte die Arbeit
nieder.

Anfang
Februar (30.01.- 13.2.73) traten beim Autozulieferer Hülsbeck und Führt in Velbert (südliches
Ruhrgebiet) die Beschäftigten in den Ausstand. Die Beschäftigten machten den
Streik publik – Delegationen fuhren in die Bochumer Universität, um dort die
Studenten zu aktiver Solidarität aufzufordern; sie verfassten mit Schülern und
Studenten gemeinsam Flugblätter. Anfang Februar 1973 (8.2.-10.2.73) traten
wieder die Stahlkocher von Hoesch-Dortmund auf den Plan, als sie für eine
Lohnerhöhung für alle streikten und die
von den Gewerkschaften ausgehandelte Lohnerhöhung als zu niedrig
ablehnten. Eine ständige
Streikversammlung tagte in der Kantine, auf der immer zwischen 500-1000
Beschäftigte anwesend waren. Gegen den Widerstand der Basis wurde der Streik
durch die Vertrauensleute abgewürgt. Die
Huf-Kolleg/Innen nahmen direkt mit den Hoesch-Beschäftigten auf.

Ob in
Duisburg-Huckingen in Stahlindustrie bei Mannesmann, bei Karmann in Osnabrück,
bei Klöckner in Bremen, Pierburg in Neuss, die Liste der wilden Streiks im
Jahre 1973 ließe sich lange fortsetzen. Zwischen Januar 1972 und Mitte Juni 73
waren ca. 200.000 Beschäftige an wilden Streiks beteiligt; viele von diesen
Streiks richteten sich gegen den von den Gewerkschaften akzeptierten Lohnraub.
Im Spätsommer 1973 gipfelte die Streikbewegung, die sich damals auf über 100
Betriebe mit ca. 80.000 Beschäftigten erstreckte, in dem Kampf der Kölner
Ford-Arbeiter im August 1973. 300 türkische Arbeiter waren entlassen worden,
weil sie zu spät aus dem Urlaub gekommen waren. Zudem wollte die Firma eine
Erhöhung der Bandgeschwindigkeiten durchsetzen. Spontan legten mehrere Tausend,
hauptsächlich türkische Arbeiter, die Arbeit nieder. Die Forderungen lauteten:
1 DM für alle (ca. 0.50 Euro), Rücknahme der Entlassungen, sechs Wochen
bezahlter Urlaub, Verringerung des Arbeitstempos. Die Verhandlungen fanden zwischen Betriebsrat
(der als Interessensvertreter der Firma auftrat) und dem Streikkomitee
statt. Aber den Streikenden gelang es
nicht, die bestehende Spaltung zwischen deutschen und türkischen Arbeitern zu
überwinden.

Auch diese
Welle von Streiks 1972-73 zeichnete sich wie die von 1969 dadurch aus, dass in vielen Streiks:

-

Vollversammlungen
gebildet wurden, die meist ständig tagten,

-

sich
diese dank der Eigeninitiative der Streikenden und den Widerstand der
Gewerkschaften entfalteten,

-

es
zu Konfrontationen zwischen Streikenden und dem Betriebsrat und den
Vertrauensleuten kam,

-

Versuche
der Kontaktaufnahme zu Beschäftigten anderer Betriebe unternommen wurden,

-

-
das Element der Spaltung zwischen deutschen und ausländischen Arbeiter stark zu
spüren war,

-

-
es die Arbeiter schnell mit polizeilicher und betrieblicher Repression zu tun
bekamen.

Dazu darf
man den internationalen Kontext nicht vergessen, insbesondere der zeitgleich in
Italien stattfindende „heiße Herbst“ von 1969, welche Millionen von Arbeiter in
die Kampfhandlung einbezog und der Arbeiterklasse in Deutschland sicherlich Mut machte ebenfalls den Kampf
aufzunehmen.

Einige Schlussfolgerungen

* Auch
wenn international gesehen die Arbeiterklasse in Deutschland erst später als
beispielsweise die Arbeiter in Frankreich auf den Plan trat und sozusagen im
zweiten Glied blieb, hatte das Wiederauftauchen der Arbeiterklasse in dem
damaligen Frontstaat – in dem Staat, in welchem die Arbeiterklasse neben den
Arbeitern in Russland die verheerendste Niederlage in den 1920er Jahren hatte
mit einstecken müssen - das internationale Kräfteverhältnis zwischen Kapital
und Arbeit entscheidend mit verlagert. Die Streiks von 1969 trugen wesentlich
zum Ende der Konterrevolution bei.

* Auch
wenn die verschiedenen Teile der Protestbewegungen (Proteste gegen den Krieg
& Rüstung, Studentenproteste, Arbeiterstreiks) nicht miteinander verbunden
scheinen, gab es dennoch einen gemeinsamen Nenner zwischen ihnen: eine
Ablehnung der Logik dieses Systems. Die in Erscheinung getretene junge
Generation war nicht bereit, sich der Ideologie und den Erwartungen der
herrschenden Klasse zu unterwerfen. Auch wenn die Bewegungen später von der
bürgerlichen Propaganda auf wenige Aspekte reduziert und gegen ihre Träger
ausgeschlachtet wurden, darf man nicht aus den Augen verlieren, dass ihr
Ausgangspunkt gegen das System gerichtet war.

* Die
Bewegung litt damals unter der besonderen Last des „Generationengrabens“. Die sich auflehnende Jugend betrachtete die
ältere Generation mit Misstrauen und Verachtung. Heute gibt es viel günstigere
Voraussetzungen für einen generationenübergreifenden Zusammenschluss.

* Seinerzeit
verloren viele Jugendliche schnell die Hoffnung auf eine neue Gesellschaft, da
die Arbeiterklasse damals noch keinen weiterführenden Orientierungspunkt
darstellen konnte. Viele Jugendliche wurden damals hauptsächlich von den
K-Gruppen vereinnahmt und irregeführt. Heute aber besteht die Gefahr der
Perspektivlosigkeit. Denn während die Notwendigkeit einer anderen Gesellschaft
als der Kapitalismus von vielen anerkannt wird, sind die wenigsten davon
überzeugt, dass diese möglich ist. Von der Überzeugung, dass eine
ausbeutungsfreie Gesellschaft nicht nur nötig sondern auch möglich ist, d.h.
von der Perspektive der Überwindung dieser Gesellschaft, wird mehr denn je das
Schicksal der Kämpfe abhängen.

Zwischen 1945-1969: Der Großteil der Streiks in
Deutschland waren kleine, wilde Streiks

1965: 14 spontane Streiks,

1966: 21 spontane Streiks,

1967: 62 spontane Streiks,

1968: 52 spontane Streiks mit ca. 50.000
Beschäftigten,

1969: Streikwelle mit über 150.000
Beschäftigten,


(Fußnote
1):

Meist wurden
diese Treffen durch das Vorgehen der damals auftauchenden K-Gruppen gestört,
welche die vorher sich entfaltende Diskussionsbereitschaft abwürgten.
Schließlich trugen die K-Gruppen zum
Auseinanderfallen dieser Lehrlingstreffen bei, indem sie ihnen die Initiative
entrissen und die Lehrlinge für ihre Aktivitäten rekrutieren wollten.
(siehe Weltrevolution
Nr. 149)

Historische Ereignisse: