Vigo/Spanien: Gemeinsame Vollversammlungen und Demonstrationen von Arbeitslosen und Beschäftigten

(Wir
haben neulich eine Information aus der nordwestspanischen Hafenstadt Vigo über
einen wichtigen Kampf erhalten, den wir hier gekürzt widergeben).

In Vigo
(der Großraum der Stadt umfasst ca. 400.000 Einwohner) sind mehr als 60.000 Arbeitslose registriert.
Allein im Jahre 2009 wurden im Metallbereich mehr als 8.000 Beschäftigte auf
die Straße geschmissen. Nach einer
Entlassungswelle wurden ca. 700 Beschäftigte in einer Auffanggesellschaft
geparkt, mit der Zusage, dass sie jeweils – falls vorhanden - Stellenangebote erhalten würden. Als sie
aber erfuhren, dass niemand jemals ein Stellenangebot erhielt, während
gleichzeitig Billiglöhner aus dem Ausland herbeigeschafft wurden, die unter
unvorstellbaren Bedingungen arbeiten sollten, (z.B. schliefen einige
ausländische Beschäftigte auf Parkplätzen und hatten Geld nur für eine Mahlzeit
am Tag) war das Fass übergelaufen. Die
Arbeiter erklärten sofort, dass sie nichts gegen ausländische Arbeitskräfte hätten,
man solle ihnen allerdings die tariflich vereinbarten Löhne zahlen. Tatsache
war, dass mit den ausländischen Beschäftigten Lohndumping betrieben wurden, da
sie nur 30-50% des Lohns spanischer Arbeiter bekamen. Dessen ungeachtet
beschuldigten die Medien die spanischen Arbeiter sofort der Ausländerfeindlichkeit.
Der Zynismus und das spalterische Verhalten der herrschenden Klasse sind
unübertroffen. Wenn sich Beschäftigte gegen Lohndumping wenden, werden sie
sofort der Ausländerfeindlichkeit des
Rassismus und Nationalismus
bezichtigt, ja man versucht ihnen gar rechtsextreme Gedanken anzuhängen.

Gemeinsame Vollversammlungen und Demonstrationen
von Arbeitslosen und Beschäftigten

Am 3.
Februar zogen die Arbeitslosen vor die Werkstore von Astilleros Barreras (dem
größten Schiffsbaubetrieb in der Region) mit der Absicht, eine gemeinsame
Vollversammlung mit den Beschäftigten dieses Betriebs abzuhalten. Da die
Werkstore verschlossen waren, fingen sie an mit Megaphonen Parolen zu rufen und
ihre Forderungen zu erklären, bis schließlich die große Mehrzahl der
Beschäftigten das Werksgelände verließen und sich den Arbeitslosen anschlossen.
Der Berichterstattung von Europa-Press zufolge
tauchten fünf Mannschaftswagen mit
Sondereinheiten vor Ort auf. Die Polizisten bezogen dort Stellung in voller
Montur, mit ihren Gummigeschossen ausgerüstet, aber schließlich zogen sie sich
zur Straßenkreuzung Beiramar zurück
.(…) Die
Gruppe von Arbeitslosen und Beschäftigten zog demonstrierend in Richtung Bozas.
Auf dem Demonstrationsweg durch den Industriegürtel schlossen sich Beschäftigte
anderer Werften (wie Cardama, Armon, Freire-Asi) ihnen an, so dass die Arbeit
in allen Schiffswerften niedergelegt wurde
."

Das
Beispiel verdeutlicht, wie die Solidarität und die Einheit unter den
beschäftigten Kollegen und den Arbeitslosen konkretisiert werden kann;
gemeinsame Vollversammlungen,
Straßenkundgebungen um ihren Kampf den anderen Beschäftigten bekannt zu
machen; Kontaktaufnahme und direkte Verbindung mit den Beschäftigen anderer
Betriebe, um sie für den gemeinsamen Kampf zu gewinnen. D.h., eine Wiederholung
der Ereignisse von Vigo 2006 (siehe dazu frühere Artikel auf unserer Webseite) Die Arbeiter wandten die Kampfmethoden an,
die im Gegensatz zu den Spaltungen, dem Berufsegoismus, der Passivität, den
typisch gewerkschaftlichen Methoden stehen.

Am 4.
Februar wurden die gleichen Methoden wiederholt. Gegen 10 h vormittags zogen
erneut Arbeitslose vor die Werkstore von Barreras. Erneut verließen die
Beschäftigten das Werksgelände und schlossen sich ihnen an. Trotz der großen
Polizeimobilisierung zogen sie gemeinsam in die Stadt. Die Zeitung "El
Faro" aus Vigo meldete: "Der
Protestzug wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. Es gab einige
Augenblicke große Spannungen, aber es kam schließlich zu keinen Zusammenstößen.
Die Arbeitslosen demonstrierten in Beiramar und Bouzas, in Begleitung der
Beschäftigten aus dem Viertel, und sie bekräftigten, dass sie weiterhin kämpfen
werden, solange die Arbeitgeber nicht die Probleme der Arbeitsverträge lösen.
"

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