Gegenstandpunkt und die IKS - Klassenbewusstsein: Ein individueller oder ein kollektiver Prozess?

Wir haben eine Zuschrift erhalten von
einem Mitglied der Gruppe farbeROT aus Frankfurt, deren theoretische Grundlage
der GegenStandpunkt (GSP) ist. Der Genosse schreibt, er sei zufällig auf unsere
Webseite gestoßenr. „Von einigen Artikeln war ich positiv überrascht, was
die konsequente Ablehnung von Nationalismus und bürgerlichem Staat mitsamt
seines Herrschaftsprozederes anbelangt. Da ihr sagt,
dass
die Diskussion auf
der breitest möglichen Grundlage ein unabdingbares Mittel, um Klarheit zu
erringen“ sei,
gehe ich nicht davon aus,
dass dieser Artikel
böswillig Positionen des GegenStandpunktes falsch darstellt. Ihr scheint das
einfach falsch verstanden zu haben. Ich stelle das einmal knapp richtig. Bei
Bedarf führe ich das gerne weiter aus
“. Der Genosse bezieht sich auf
einzelne Stellen in unserer Presse, wo der Gruppe GegenStandpunkt die Haltung
unterstellt wird, die Arbeiter als „nützliche Idioten“ und als „Arschlöcher“ zu
beschimpfen, weil diese sich mit dem Kapitalismus identifizieren, statt, wie
GegenStandpunkt selbst schreibt „
dass sie ihren Verstand darauf verwenden, sich ein
richtiges Bewusstsein von ihrer Lebenslage und deren Gründen zu erwerben
“. Besonders bezieht sich der Genosse auf eine Stelle
in unserer Presse, wo wir GSP bezichtigen, den Abwehrkampf des Proletariats gering
zu schätzen. Er zitiert uns: „Mit Verachtung schauen sie auf jedwedes
Bemühen der Arbeiter, ihren Lebensstandard innerhalb dieses Systems zu
verteidigen

Die Frage der Abwehrkämpfe

Dazu stellt der Genosse klar: Allgemein: Wir beschimpfen nicht das Proletariat.
Als „Lohnarbeiter“ sind(!) die Proletarier die nützlichen Idioten des Kapitals.
Das ist mit dieser Rechtsordnung so festgelegt. Und weil es eben keine Freude
ist, dieses bescheidene Leben zu führen, in dem man für den Reichtum
verschlissen wird, von dem man ausgeschlossen ist, gehören auch nicht nur die
Arschlöcher entmachtet, die das gut finden, sondern das System abgeschafft.
Dafür würde allerdings schon ein konsequenter Lohnkampf reichen, der sich um die Notwendigkeit, von Staat und Kapital einen Dreck schert,
der einfach mal ernst machen würde mit der Lüge(!),
dass der Lohn doch ein Mittel für ein gutes Leben sei. Das stünde nämlich in
einem unversöhnlichen Gegensatz zu dieser Gesellschaft, in dem der Lohn nichts anderes als ein Mittel des Profits ist. Wobei ein solcher Umsturz den Mangel hätte, dass er ein Ideal
des Kapitalismus gegen die Wirklichkeit des Kapitalismus durchsetzen würde und
somit ein – wenn auch idealisiertes – Prinzip des Kapitalismus zur neuen Maxime
der neuen Gesellschaft machen würde. So etwas gab es ja schon und gut bekommen
ist das den Arbeitern nicht. Folglich kritisieren wir die falsche Kapitalismuskritik
und die daraus folgende Praxis von Sozialdemokratie und auch von den meisten
kommunistischen Strömungen (Revisionisten, Revis). Denn diese kritischen und
unkritischen Freunde des „Realsozialismus“ woll(t)en die Lohnarbeit und das
Wertgesetz von den Fesseln des Kapitalismus befreien anstatt das die Mehrheit
der Menschheit von deren schäbigen Rolle als Wertproduzenten zu befreien. Geld,
Lohn, Preis, Zins, Kredit und Proft sind nämlich das Gegenteil einer
Gebrauchswertproduktion, die gemäß der Bedürfnisse, Wünsche und Interessen Art
und Menge der Produkte und Verteilung der Arbeit festlegt.

Kämpfe sind nicht schon deshalb etwas Positives, weil sie von
Arbeitern geführt werden. Es kommt eben immer darauf an, wofür gekämpft
wird. Wenn das z. B. die Forderungen des DGB sind, dann kann das für die
Arbeiterklasse nichts Gutes bedeuten. Denn die berücksichtigen schon immer,
dass die Gegenseite davon keinen Schaden nimmt: „Die Verhältnisse waren
im Jahr 2009 wie ausgewechselt. Der Boom fand ein abruptes Ende, im vierten
Quartal 2008 verzeichnete die deutsche Stahlindustrie einen Rückgang beim
Auftragseingang um über 40 %, für 2009 wird ein drastischer Produktionsrückgang
erwartet. Die Unternehmen reagierten personalpolitisch zunächst mit der breiten
Einführung von Kurzarbeit in der gesamten Branche. Die IG Metall kündigte die
Tarifverträge zum 31.3.2009 und beschloss erst kurz vorher eine Tarifforderung
von 4,5 % bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Das war die bei weitem niedrigste
Tarifforderung unter den größeren Branchen in dieser Tarifrunde.“
(http://www.boeckler.de/102230_95783.html) Die IG Metall hat hier nicht in
Hinblick auf das, was die Arbeiter bräuchten eine Forderung aufgestellt,
sondern
sich von vornherein an der Lage der Wirtschaft orientiert. Das ist eine
Interessensvertretung, die ganz und gar unbekömmlich ist für die
Lohnabhängigen. Dafür spenden
wir keinen Applaus – auch keinen kritischen. Man klopft ja seinem
besten Freund auch nicht auf die Schulter, wenn er sich etwas vornimmt, was ihm
nicht gut bekommen wird.

Der Kampf der Arbeiterklasse für ihr Auskommen im Kapitalismus ist
nichts Gutes, sondern eine pure, bleibende Notwendigkeit. „Um überleben zu
können, mussten die Lohnarbeiter rebellisch werden. Zu arbeiten, wie es von
ihnen verlangt wird, und sich mit dem gezahlten Lohn zu bescheiden – das langt
nicht; mit Dienst nach dem Geschmack der Eigentümerklasse und Fügsamkeit nach
Vorschrift der politischen Ordnungsmacht liefern sie sich bloß dem
Zerstörungswerk aus, das ihre Arbeitgeber gemäß den Sachgesetzen ihres Metiers
und ihrer Konkurrenz an ihrer Arbeitskraft vollziehen. Um sich zu erhalten und
mit dem Verdienten über die Runden zu kommen, sind sie zu einer
Zusatzanstrengung gezwungen: Sie müssen sich zusammentun und neben ihrer
Lohnarbeit um aushaltbare Arbeitsbedingungen, um Lohn und um ein Minimum an
lebenslanger Existenzsicherheit auch noch kämpfen. Gegen die Kapitalisten und
gegen die Staatsmacht, die deren Interessen ins Recht setzt, so dass eine ganze
Produktionsweise daraus wird, müssen sie sich als Gegengewalt aufbauen – und
das nur, um überhaupt auf Dauer als ausgebeutete Klasse funktionieren zu
können: ein politökonomischer Zynismus der höchsten Güteklasse.“ (Decker /
Hecker, „Das Proletariat“, S. 29) Der Lohn ist und bleibt ein Mittel des
Kapitals, um sein Kapital zu vermehren. Insofern hat jeder Kampf, der dieses
Verhältnis nicht angreift, einen theoretischen und praktischen Mangel: Er
schafft den Grund für die schlechte Lage der Arbeiterklasse nicht aus der Welt.
Wenn man nicht genug Leute beisammen hat, um diesen Kampf aufzunehmen, dann
kann doch daraus niemals der Schluss folgen, dann alle Kämpfe sein zu lassen.

Wir wollen bereits an dieser Stelle
anmerken, dass wir uns über diese Zuschrift sehr gefreut haben. Vor allem deren
konstruktive Haltung begrüßen wir, die zunächst darin besteht, Missverständnisse
aus dem Weg zu räumen als eine erste Vorbedingung für einen Dialog, welcher
einer wirklichen Klärung dienlich sein kann. So ist es aus unserer Sicht eine
wichtige Richtigstellung, wenn der Genosse deutlich macht, dass es ihm (und
hier möchte er für die Gruppe GSP insgesamt sprechen) nicht um die
Geringschätzung des Abwehrkampfes geht, sondern im Gegenteil um deren
Durchführung ohne Rücksicht auf die Verluste (des Kapitals) bis zur letzten
revolutionären Konsequenz. Nicht hier liegt, so der Genosse, der Streitpunkt
zwischen IKS und GSP.

Die Frage der Bewusstseinsentwicklung

Aus meiner Sicht kommt eine entscheidende Differenz zwischen euch und
uns (GegenStandpunkt) in der Frage, wie sich revolutionäres Bewusstsein
entwickelt, zur Geltung. Ihr seht das, wenn ich
euch richtig verstehe, als einen historischen Prozess an, der sich – so würde
ich das kritisch bezeichnen – durch die Aktion der Arbeiter getrennt von ihrem
individuellen Bewusstsein vollzieht und dann als dem einzelnen nicht bewusstes
Wissen des Proletariats, sozusagen als latentes Bewusstsein, vorhanden ist. Wir
hingegen sehen das ganz schlicht. Wer etwas tut, denkt sich etwas dabei. Wenn
ein einzelner Prolet mit seiner Lage unzufrieden ist und sich klar macht, woran
das liegt, dann erkennt er auch seine Ohnmacht im Kapitalismus: Der Staat
zwingt ihn per Gesetz die Gesetze einzuhalten, deren Inhalt ist: Du darfst
alles machen, wozu dich dein Eigentum in Stande setzt, d.h. Im Fall des
Lohnarbeiters: sich für Profitinteressen von Kapitalisten dienstbar machen und
dafür einen Lohn zu erhalten, der sich nicht nur nicht an den materiellen
Interessen eines Lohnarbeiters bemisst, sondern der als Mittel für Profit
tauglich sein muss, also nie niedrig genug sein kann. Mit diesem Bewusstsein
seiner Lage fällt eine weitere Erkenntnis zusammen: Es gibt noch mehr von
seiner Sorte und zwar nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit. Und von
all denen hängt die ganze Gesellschaft ab: Ohne ihre
Ausbeutung gäbe es keinen Profit und damit keine Kapitalistenklasse und
folglich wäre dem kapitalistische Staat seine finanzielle Grundlage. Die
Gesetze, die alle Staatsbürger auf die Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und
Eigentum verpflichten, wären nicht das Papier wert, auf dem sie stehen, ohne
ihr Wahlkreuz hätte der Staatsapparat nicht die Legitimation, dass das Volk ihn
als Herrschaft über sich haben will – kurz gesagt: das richtige Bewusstsein von
seiner Lage zeigt den Proleten ihre Ohnmacht im Kapitalismus auf und macht die
Notwendigkeit klar, dass sie den Kapitalismus beseitigen müssen, wenn sie den
Schäden ihres Materialismus (inkl. Ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit)
entgehen wollen – und zeigt ihnen zugleich noch den Weg auf.

Wir stimmen den Ausführungen des
Genossen hier in zwei ganz wesentlichen Punkten zu. Erstens darin, dass die
Unterschiede in der Auffassung darüber, wie proletarisches Klassenbewusstsein
entsteht und sich entwickelt, eine der Hauptdivergenzen zwischen unseren beiden
Gruppen darstellt. Zweitens darin, dass für die IKS dieser Prozess ganz
entscheidend ein historischer und
kollektiver Prozess ist, wobei diese beiden Dinge für uns
unzertrennlich zusammen gehören. Denn, marxistisch gedacht, halten wir es für erwiesen,
dass die Geschichte nicht durch Einzelne, sondern durch soziale Gruppen und
Verbände (in der Klassengesellschaft im wesentlichen durch Klassen) der
Gesellschaft „gemacht“ und „bestimmt“
wird.

Die Frage des Kollektivs

Dies gilt erst recht für die Geschichte
des proletarischen Kampfes, da der vereinzelte Proletarier der Macht des
Kapitals tatsächlich hilflos ausgeliefert ist, und erst durch den Zusammenschluss
mit Anderen ein bewusster, zielgerichteter Kämpfer/In, ja im vollen Sinne ein
menschliches Wesen wird. Und da fällt es auf, dass der Genosse, wenn er die eigene
Sichtweise der Bewusstseinsentwicklung darstellen will, sofort vom „einzelnen
Prolet
“ ausgeht, der „mit seiner Lage unzufrieden ist und sich klar
macht, woran das liegt.
“ Erst in einem zweiten Schritt realisiert dieser
fiktive, alleinstehende Lohnarbeiter, dass es „noch mehr von seiner Sorte
gibt, „und zwar nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit“. Warum
ist dieser unterstellte Proletarier, dieser – sagen wir mal – Robinson Crusoe
der Lohnarbeit, der irgend wann auf seiner Insel seinen Mann Freitag entdeckt,
hier nicht als zu unterwerfender Sklave, sondern als bereits versklavter
Klassengenosse, aus unserer Sicht fiktiv? Denn in der Wirklichkeit wird unser
Lohnarbeiter bereits in die Klassengesellschaft hineingeboren, wächst in einer
Familie, in einer Nachbarschaft auf, die bereits von der Lohnsklaverei abhängig
ist – oder eben in eine andere Familie und eine andere Nachbarschaft, wo er
bereits die Furcht davor kennengelernt hat, proletarisiert zu werden. Kurzum:
Unser Lohnarbeiter ist kein Einzelner, sondern wächst in der bestehenden
Gesellschaft auf und wird davon entscheidend geprägt. Schon als junger Mann,
als Lehrling oder als Hilfsarbeiter oder als „ewiger Praktikant“ im Büro oder
im Krankenhaus lernt er - muss er lernen –, mit wildfremden Menschen, die ganz
anderen Kulturkreisen angehören, zu kooperieren. Damit die moderne Produktion
überhaupt vonstatten gehen kann, muss er lernen, Teil eines Kollektivs zu
werden, Bestandteil einer gemeinsamen Intelligenz und eines Zusammenhaltes. Und
zwar deshalb, weil der Kapitalismus weitestgehend die Produktion mit einzelnen
Produktionsmitteln ersetzt hat durch Produktionsmittel, die nur durch ganze
Gruppen von Arbeitern, durch die Assoziation der Arbeit (wie Marx das nennt)
überhaupt in Gang gesetzt werden können, und welche Netzwerke entstehen lassen,
wirtschaftliche Zusammenhänge, welche von vorn herein weltumspannend sind.

An dieser Stelle eine Präzisierung. Der
Genosse schreibt, dass für die IKS die Bewusstseinsentwicklung sich „durch
die Aktion der Arbeiter getrennt von ihrem individuellen Bewusstsein

vollzieht. Es ist nicht so, dass das kollektive Bewusstsein „getrennt
wäre von dem individuellen Bewusstsein der einzelnen Lohnabhängigen, sondern
dass das Proletariat mehr ist als die Summe seiner Bestandteile, und
dass sein Klassenbewusstsein weitaus mehr ist als das Bewusstsein der einzelnen
ArbeiterInnen. Im bürgerlichen Alltag ist der Lohnabhängige ein Bürger wie
andere auch, wie jeder andere der Atomisierung dieser Gesellschaft
ausgeliefert, und in dieser Eigenschaft macht man auch z.B. das Kreuz auf den
Wahlzettel. Zugleich aber bleibt der Lohnabhängige auch im Alltag geprägt von
der Erfahrung der assoziierten Arbeit – ein Spannungsverhältnis, welches
zugespitzt sozusagen beinahe schizophrene Formen annehmen kann. Die assoziierte
Arbeit im Rahmen der kapitalistischen Ausbeutung ist gewissermaßen der Sockel,
die permanente materielle Grundlage des Klassenbewusstseins. In diesem Sinne
ist die Befreiungsbewegung des Proletariats – und damit auch der Abwehrkampf
dieser Klasse - mehr als nur eine Messer- und Gabelfrage. Es ist eine große
kulturelle Bewegung. Es ist die Verteidigung und die Entfaltung der Prinzipien
der – internationalen – Solidarität und des Geistes der Kooperation, welche im
Wesen der assoziierten Arbeit stecken, und zwar gegen das bürgerliche Prinzip
des Jeder für sich, das die Gesellschaft insgesamt deswegen beherrscht, weil
die Produktion im Kapitalismus zwar „vergesellschaftet“ ist, die Aneignung der
Früchte dieser Arbeit aber privat und individuell geblieben ist. Es gibt in der
Tat keine andere Lösung dieses Widerspruchs als die kommunistische Revolution.

Dieses Klassenbewusstsein ist, wie der
Genosse unsere Position richtigerweise beschreibt, „latent“ vorhanden, und
findet seinen klarsten und dauerhaftesten Ausdruck im Vorhandensein der
revolutionären Theorie und der revolutionären Organisationen. Damit dieses
Potential sich entfalten kann und zu einer materiellen Kraft wird, muss aber
der Klassenkampf sich entfalten. Dies schafft den Rahmen, worin die von dieser
Gesellschaft uns aufgedrängte Identität als „Bürger“ und Konkurrenten
untereinander durch echtes Klassenbewusstsein zurückgedrängt werden kann.
Entscheidend aber ist und bleibt, dass dieser Prozess ein kollektiver ist:
sowohl die Lohnarbeit selbst als auch der Kampf der Lohnarbeiter ist per se ein
kollektiver.

Die Frage der Intervention

Kurzum: Während GSP die Entwicklung des
Klassenbewusstseins im Wesentlichen als einen individuellen Prozess zu begreifen
scheint, ist die IKS ganz entschieden gegenteiliger Meinung. Und das hat
offenbar wesentliche Konsequenzen, was das Selbstverständnis und die Aktivität
der beiden Gruppen betrifft. GSP begreift seine Aufgabe unserem Eindruck
zufolge ein wenig im Geiste der
bürgerlichen Aufklärung, im Wesentlichen darin, den einzelnen Arbeiter zum
Marxismus zu erziehen. Für uns hingegen ist der Marxismus selbst ein Produkt
des kollektiven Klassenkampfes. Die revolutionäre Organisation selbst ist ein
Teil der Klasse, Ausdruck von und aktiver, vorantreibender Teil des
Klassenkampfes. In Bezug auf die Abwehrkämpfe der Klasse mag der entscheidende
Unterschied in der Tat nicht darin liegen, dass GSP diese Kämpfe „verachtet“, sondern
darin, dass GSP sich nicht an diesen Kämpfen beteiligt, um sie in einer
Klassenrichtung voranzutreiben?

Ja, die Arbeiterklasse muss „erzogen“
werden. Aber ist der Kampf selbst nicht die große Schule der Befreiung der
Arbeit? Und müssen dabei nicht auch die Erzieher erzogen werden, wie Marx es
formulierte?

Die Frage der „Beschimpfung“ der
Klasse

Wir haben bereits gesagt, dass das proletarische Klassenbewusstsein nicht nur
kollektiv, sondern zugleich auch historisch ist. Soll heißen: Das Klassenbewusstsein
ist nicht nur mehr als die Summe der einzelnen Bewusstseinszustände, es ist
auch mehr als der Bewusstseinsstand einer einzelnen Generation der Klasse, ist
somit ein kumulativer Prozess. Auch dieser Aspekt ist sehr entscheidend, denn
weder der Zustand der Gesellschaft noch der des Klassenbewusstseins ist
statisch. Beide befinden sich in ständiger Entwicklung. Diese Tatsache lässt
übrigens GegenStandpunkt unserer Ansicht nach unberücksichtigt, wenn er die
„Revis“ sprich, die Sozialdemokratie, die Stalinisten (und auch die
Gewerkschaften) „beschimpft“ und sie dabei noch irgendwo als Ausdruck der
Arbeiterklasse ansieht (und somit die Klasse irgend wie doch beschimpft?). Und
zwar ohne die Frage zu stellen, ob das Zeitalter nicht vorbei ist, in dem die Arbeiterklasse
noch über eigene Massenparteien und über permanente wirtschaftliche
Abwehrorganisationen wie die Gewerkschaften überhaupt noch verfügen kann! Aber
das wäre Gegenstand einer weiteren Diskussion….
(IKS 20.09.2010) .

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