Der Kapitalismus ist bankrott Wir müssen ihn überwinden !

Vor gar nicht allzu langer Zeit stießen die Revolutionäre
nur auf Skepsis oder man machte sich lustig über sie, wenn sie behaupteten,
dass das kapitalistische System sich auf den Abgrund zubewege. Heute müssen die
innigsten Verfechter des Kapitalismus eingestehen, « Wir stecken mitten
drin im Chaos
 » (Jacques Attali, ehemaliger enger Mitarbeiter des
verstorbenen französischen Präsidenten Mitterand und gegenwärtiger Berater von
Präsident Sarkozy). « Vielleicht sind Sie sich nicht dessen bewusst,
dass dieses System innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen zusammenbrechen
könnte. Es wäre der Weltuntergang. Wir bewegen uns auf eine soziale Revolution
zu. 
» (Jean-Pierre Mustier, Bankdirektor bei der französischen
Großbank Société Générale). Diese Verteidiger des Kapitalismus kostet es
Überwindung zu bekennen, dass die von ihnen so verherrlichte Gesellschaft auf
dem Sterbebett liegt. Sie sind natürlich bestürzt darüber und dies umso mehr,
da sie feststellen müssen, dass deren Rettungsversuche des Systems erfolglos
sind. Die Verteidiger dieses Systems haben keine Lösung anzubieten.

Natürlich können die Leute, die trotz ihres schonungslosen
Eingeständnisses hinsichtlich der Perspektiven des Systems meinen, es könne
kein anderes System geben, nicht mit einer wirklichen Lösung der Katastrophe
aufwarten, vor der heute die Menschheit steht. Denn für die Widersprüche des
Kapitalismus gibt es keine Lösung innerhalb des Systems. Die
Widersprüche, vor denen dieses Systems steht, sind nicht auf
« Misswirtschaft » durch diese oder jene Regierung oder durch die
Finanzwirtschaft zurückzuführen, sondern auf die Gesetze des Systems selbst.
Nur indem wir den Rahmen dieser Gesetze überwinden, den Kapitalismus durch eine
andere Gesellschaft ersetzen, kann die Menschheit der Katastrophe entgehen, in
welche sie immer mehr versinkt.

Die einzige Lösung: die Menschheit von der Geißel des
Kapitalismus befreien

Genauso wie alle vorhergehenden Gesellschaften wie die
Sklavenwirtschaft und der Feudalismus ist der Kapitalismus kein ewig
bestehendes System. Die Sklavenwirtschaft herrschte in der Antike, weil sie dem
damaligen Niveau der landwirtschaftlichen Produktionstechnik entsprach. Als
diese sich weiter entwickelte und von den Produzenten eine größere
Aufmerksamkeit erforderlich wurde, geriet die Gesellschaft in eine
tiefgreifende Krise (zum Beispiel die römische Dekadenz). An deren Stelle trat
der Feudalismus, wo der Leibeigene an seine Scholle gefesselt wurde und seinem
Grundbesitzer zu dienen und einen Teil seiner Ernte abzuliefern hatte. Am Ende
des Mittelalters war dieses System wiederum veraltet; es stürzte die
Gesellschaft in eine neue historische Krise. An deren Stelle trat der Kapitalismus,
der  nicht auf der kleinen landwirtschaftlichen Produktion fußte,
sondern auf Handel, assoziierter Arbeit und der Großindustrie, die wiederum
erst möglich wurden dank des Fortschritts der Technik (z.B. der Dampfmaschine).
Heute ist der Kapitalismus im Gegenzug aufgrund seiner ihm eigenen Gesetze
historisch überholt. Und er muss ebenso ersetzt werden.

Aber welche Gesellschaft soll an dessen Stelle treten? Dies
ist DIE sehr beängstigende Frage, welche sich eine immer größere Zahl von
Leuten stellt, die sich dessen bewusst werden, dass das gegenwärtige System
keine Zukunft mehr hat und die Menschheit in den Abgrund der Verarmung und der
Barbarei treibt. Niemand kann genau vorhersehen, wie im Einzelnen diese
zukünftige Gesellschaft aussehen könnte, aber eins ist sicher: Sie muss an
erster Stelle die Produktion für einen Markt abschaffen; stattdessen muss die
Produktion mit dem alleinigen Ziel der Befriedigung der menschlichen
Bedürfnisse erfolgen. Heute werden wir mit dieser Absurdität konfrontiert, dass
überall auf der Welt die absolute Verarmung zunimmt, die Mehrheit der
Bevölkerung gezwungen ist, immer mehr Verzicht zu leisten, nicht weil das
System nicht ausreichend produzieren würde, sondern im Gegenteil – es wird zu
viel produziert. Man zahlt den Bauern Entschädigungen, damit sie ihre
Produktion reduzieren, man schließt Betriebe, schmeißt massenhaft Beschäftigte
auf die Straße, sehr viele Jugendliche werden zur Arbeitslosigkeit verdammt,
selbst wenn sie lange Studien- und Ausbildungszeiten hinter sich haben, und
gleichzeitig zwingt man die Ausgebeuteten immer mehr dazu, den Gürtel enger zu
schnallen. Not und Elend sind nicht die Folge eines Mangels an Arbeitskräften
oder an Produktionsmitteln. Nein, sie sind die Auswirkungen einer
Produktionsweise, die zu einer Kalamität für die ganze Menschheit geworden ist.
Nur indem radikal die Produktion für den Markt überwunden wird, nur indem der
Markt überhaupt abgeschafft wird, kann die Produktionsform, die den
Kapitalismus ersetzen muss, verwirklicht werden: Jeder nach seinen
Möglichkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen.

Aber wie kann solch eine Gesellschaft aufgebaut werden?
Welche Kraft in der Gesellschaft ist in der Lage, solch eine Umwälzung des
Lebens der ganzen Menschheit in Angriff zu nehmen?

Es liegt auf der Hand, dass solch eine Umwälzung nicht durch
die Kapitalisten und die bestehenden Regierungen angestoßen werden kann, weil
diese ALLE – unabhängig von ihrer politischen Couleur – dieses System und die
damit für sie gegebenen Privilegien verteidigen. Nur die ausgebeutete Klasse im
Kapitalismus, die Klasse der Lohnabhängigen, die Arbeiterklasse, kann solch
eine Umwälzung bewerkstelligen. Diese Klasse ist nicht die einzige, die unter
Armut, Ausbeutung und Unterdrückung leidet. Überall auf der Welt gibt es
unzählige kleine Bauern, die ebenso ausgebeutet werden und oft unter noch
größerer Armut leben als die ArbeiterInnen in dem jeweiligen Land. Aber deren
Stellung in der Gesellschaft ermöglicht es ihnen nicht, den Aufbau der neuen
Gesellschaft in Angriff zu nehmen, obwohl sie auch an solch einer Umwälzung
interessiert wären. Zunehmend durch dieses System in den Ruin getrieben, neigen
diese kleinen Produzenten dazu, das Rad der Geschichte zurückdrehen, zu den
‘gesegneten’ Zeiten zurückkehren zu wollen, als sie noch von ihrer eigenen
Arbeit leben konnten, und als die großen Agrar- und Lebensmittelmultis ihnen
noch nicht den Hals zudrehten. Bei den lohnabhängig Produzierenden des modernen
Kapitalismus verhält es sich anders. Die Wurzel ihrer Ausbeutung und ihrer
Misere ist die Lohnarbeit, d.h. die Tatsache, dass sich die Produktionsmittel
in den Händen der Kapitalisten (egal ob im Privat- oder Staatsbesitz) befinden,
und das einzige Mittel zum Broterwerb und um ein Dach über dem Kopf zu haben
darin besteht, ihre Arbeitskraft den Kapitalisten zu verkaufen. Die Abschaffung
der Ausbeutung verlangt somit die Überwindung der Lohnarbeit, d.h. der Kauf und
Verkauf der Arbeitskraft. Mit anderen Worten es gibt eine tiefgreifende
Bestrebung der Klasse der lohnabhängigen Produzenten – obwohl sich die Mehrheit
der ArbeiterInnen dessen noch nicht bewusst ist – zur Überwindung dieser
Trennung zwischen Produzenten und Produktionsmitteln, die den Kapitalismus
auszeichnet, und die Warenbeziehungen, durch welche sie ausgebeutet
werden,  abzuschaffen, und die immer wieder als Rechtfertigung für
all die Angriffe auf ihre Lebensbedingungen benutzt werden, weil man den
Kapitalisten zufolge « wettbewerbsfähig » sein müsse. Die
Arbeiterklasse muss also die Kapitalisten enteignen, gemeinsam die Produktion
auf der ganzen Welt in die eigene Hand nehmen, um die Bedürfnisse der
Menschheit tatsächlich zu befriedigen. Dies wäre eine wirkliche Revolution.
Dabei wird diese aber unvermeidbar mit all den Organen zusammenstoßen, die der
Kapitalismus zu seinem Schutz und zur Aufrechterhaltung seiner Herrschaft
geschaffen hat, in erster Linie die Staaten, die Repressionskräfte, aber auch
den gesamten ideologischen Apparat, der den Ausgebeuteten jeden Tag
eintrichtern soll, es gebe keine Alternative gegenüber dem Kapitalismus. Die
herrschende Klasse ist fest entschlossen, mit allen Mitteln diese große
gesellschaftliche Revolution zu verhindern, vor denen die Herrschenden alle
Heidenangst haben.

Die Aufgabe ist zugegebenermaßen gewaltig. Die Kämpfe der
jüngsten Zeit gegen die Zuspitzung der Armut in Ländern wie Griechenland oder
Spanien sind nur die erste Etappe, die notwendig ist für die Vorbereitung des
Proletariats zur Überwindung des Kapitalismus. In ihren Kämpfen, in ihrer
Solidarität, in ihrer Vereinigung, in ihrer Bewusstwerdung über die
Notwendigkeit und Möglichkeit der Überwindung eines immer bankrotteren Systems,
werden die Ausgebeuteten die notwendigen Waffen schmieden für die Überwindung
des Kapitalismus und den Aufbau einer von Ausbeutung, Armut , Hunger und
Kriegen befreiten Gesellschaft.

Der Weg ist lang und schwierig, aber es gibt keinen anderen.
Die wirtschaftliche Katastrophe, deren Ausmaße wir jetzt deutlicher sehen, und
die in den Reihen der Herrschenden solche großen Sorgen auslöst, wird für all
die Ausgebeuteten auf der ganzen Welt eine schreckliche Verschlechterung ihrer
Existenzbedingungen mit sich bringen. Aber die Krise wird die Ausgebeuteten
auch dazu zwingen den Weg zur Revolution und der Befreiung der Menschheit
einzuschlagen.  Fabienne, Dez. 2011

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