Editorial

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu – ein Jahr reich an historischen Erinnerungen.

Vor 100 Jahren kam es in Deutschland zu einem historischen Ereignis, dass die Bourgeoisie am liebsten geheim halten würde, denn im November 1918 begannen in Kiel die Matrosen zu meutern und zogen die Proletariat in den Kampf für eine neue Welt, den ihre Klassenbrüder und -schwestern schon ein Jahr zuvor in Russland begonnen hatten. Dadurch erwischten sie die Bourgeoisie auf den falschen Fuß und brachten ihr das Fürchten bei. Unter dem Titel: Revolution in Deutschland - Vor 100 Jahren zitterten die Herrschenden vor der Arbeiterklasse, rufen wir dieses Ereignis wieder ins Gedächtnis, da die heutige Bourgeoisie versucht, diese Revolution aus dem Bewusstsein der Arbeiterklasse zu wischen, indem sie darüber entweder überhaupt nicht oder dann nur aus ihrer bürgerlich beschränkten Sicht über das angebliche Dilemma zwischen Totalitarismus und Demokratie (Weimarer Republik) berichtet. Der Artikel unterstreicht die Stärken, aber auch die Schwächen der damaligen revolutionären Erhebung. Wir erachten es insbesondere als wichtig, die Lehren auch auf der Ebene der politischen Organisation der Revoutionäre, namentlich der KPD, zu  ziehen.

Danach wird der Leser sofort 50 Jahre nach vorne katapultiert, wo das Proletariat auf die Bühne des Klassenkampfes zurückkehrte. 50 Jahre seit Mai 1968 ist eine Artikelserie, die wir schon auf unserer Webseite zu veröffentlichen begonnen haben. Der erste Teil dieser Reihe möchten wir hier abdrucken. Er befasst sich mit der Wirtschaftskrise und trägt den Titel Das Versinken in der ökonomischen Krise. Er gibt einen Überblick über die Entwicklung der letzten 50 Jahre und geht auch ein auf die umstrittene Frage, welche Rolle das Wiederauftauchen der Krise bei den Kämpfen 1968 gespielt hat. Zum Thema Mai 68 werden die anderen zwei Artikel der Serie – über den Klassenkampf und das revolutionäre Milieu – vorerst auf der Webseite zu lesen sein.

Im Jahr 2018 hat sich die imperialistische Lage verschlimmert. Sei es Nordkorea, das mit Atomkrieg drohte, sei es China, das sein Einflussgebiet in Afrika aufbauen und erweitern möchte, seien es die USA, die ihre Machtposition aufrechterhalten wollen – an allen Ecken dieses Planeten brennt es oder nehmen die Spannungen zu. Der hier veröffentlichte Bericht ist im Juni 2018 vom Zentralorgan der IKS diskutiert und angenommen worden. Seither haben die Ereignisse insbesondere um den Besuch Trumps in Europa eine der Hauptaussagen des Berichts bestätigt, wonach die USA der wichtigste Motor bei der Ausbreitung der Tendenz des „Jeder für sich“ geworden sind. Sie stellen die Instrumente der von ihnen selber errichteten „Weltordnung“ immer mehr in Frage.

Alle zwei Jahre trifft sich die IKS zu ihrem höchsten Gremium, dem Internationalen Kongress. Darin werden die letzten zwei Jahre bilanziert, wird diskutiert, in wieweit sich die bisherigen Einschätzungen bestätigt haben. Der Kongress lotet die bestehenden Analysen aus und korrigiert sie soweit nötig entsprechend der aktuellen Situation. Alle wesentlichen Fragen wie Wirtschaftskrise, imperialistische Spannungen, Klassenkampf und organisatorisches Leben werden diskutiert und neue Orientierungen  in Berichten und Resolutionen vorgeschlagen und schließlich entschieden.  Es ist eine Tradition der Arbeiterbewegung und der IKS, die Ergebnisse dieser Kongresse zu veröffentlichen, damit sie auch als Orientierungspunkte für die Diskussionen in der Arbeiterklasse und im revoltuionären Milieu dienen können. Die Resolution zum internationalen Klassenkampf, verabschiedet am 22. Kongress der IKS im Mai 2017, hat in der Zwischenzeit nichts an Aktualität verloren. Das unentschiedene Kräfteverhältnis zwischen Bourgeoisie und Proletariat ist einer der bestimmenden Faktoren, auf deren Grundlage sich gesellschaftliche Erscheinungen wie der Populismus zeigen.

Ohne Zweifel ist die Russische Revolution eines der wichtigsten Ereignisse, das die Arbeiterklasse jemals hervorgebracht und der Bourgeoisie einen großen Schrecken versetzt hat. Danach wurden viele Bücher verfasst, mit denen einerseits die der herrschenden bürgerlichen Ideologie verpflichteten Schreiberlinge die Ereignisse um die Revolution verzerrt oder vernebelt und andererseits Internationalisten, Revolutionäre der wahren Geschichte auf den Grund zu gehen versucht haben, um Beiträge zur Klärung des Bewusstseins zu leisten. Emma Goldmann: Späte Antwort an eine revolutionäre Anarchistin ist einen Beitrag zur notwendigen Polemik zwischen internationalistischen Revolutionären. Emma Goldmans Ideen leben weiter und unsere späte Antwort ist daher kein Schrei in die Leere. Sie unterstützte die Russischen Revolution und die Bolschewiki propagandistisch in den USA, wurde im Januar 1920 ausgewiesen und verbrachte darauf zwei Jahre in Russland. Anschließend verfasste sie mehrere Bücher mit ihrer Kritik an den Bolschewiki, auf die wir in unserem Artikel antworten. Dabei stellen wir nicht die historischen Fakten, die sie schonungslos schilderte, in Frage, sondern kritisieren gewisse der Schlussfolgerungen Emma Goldmans.

IKS November 2018

Rubric: 

Internationale Revue 55