Ebola: Die Verbreitung neuer Epidemien durch den zerfallenden Kapitalismus

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Ebola ist nicht ein rein medizinisches Problem. In erster Linie ist es ein gesellschaftliches Problem, das Erzeugnis eines Gesellschaftssystems, das zwar zahllose Technologien und wissenschaftliches Know-how besitzt, um das Erleiden von Epidemien für die Menschen weltweit auf ein Minimum zu reduzieren, aber dennoch nicht in der Lage ist, dies umzusetzen.

Die Menschheit beherrscht die explosiven Ausbrüche der ansteckendsten Epidemien

In ihrer Geschichte war die Menschheit immer wieder mit Naturkatastrophen konfrontiert, die riesige Massen der Weltbevölkerung dahinrafften. Aber die Entwicklung des Wissens versetzte die Menschheit zunehmend in die Lage, Mittel zu finden, um die katastrophalen Auswirkungen und die Zahl der Opfer zu reduzieren.

Die vermutlich erste bekannte massive und globale Pandemie war der so genannte „Schwarze Tod“, die Pest, die in Europa ihren Höhepunkt zwischen 1346 und 1353 erreichte. Es war eine der verheerendsten Epidemien und kostete nach Schätzungen etwa 30 bis 60 Prozent der Bevölkerung Europas das Leben. Durch die Einführung von Quarantänemaßnahmen gelang es der Menschheit schließlich, die Ausbreitung dieser Seuche einzudämmen. 1826 brach in Europa eine Cholera-Epidemie aus, die allein in Großbritannien Zehntausende infizierte. Zunächst ging man davon aus, dass dieser Ausbruch durch den unmittelbaren Kontakt mit Schmutz und Unrat ausgelöst wurde. Dann aber gelang es ein paar wenigen Ärzten, mit recht simplen Untersuchungsmethoden festzustellen, dass die Ausbreitung der Seuche auf die mangelnde Hygiene bei der Wasserversorgung zurückzuführen war. Auf diese Problematik wies auch Friedrich Engels ausdrücklich hin:

„… trotz der Aufregung, in die zur Cholerazeit die Gesundheitspolizei über den Zustand von Klein-Irland geriet, (ist) dennoch alles heute im Jahr der Gnade 1844 fast in demselben Zustande (…) wie 1831. Dr. Kay erzählt, dass nicht nur die Keller, sondern sogar die Erdgeschosse aller Häuser in diesem Bezirk feucht seien; dass früher eine Anzahl Keller mit Erde aufgefüllt worden, allmählich aber wieder ausgeleert und jetzt von Irländern bewohnt würden – dass in einem Keller das Wasser – da der Boden des Kellers tiefer lag als der Fluss – fortwährend aus einem mit Lehm verstopften Versenkloch herausgequollen sei, so dass der Bewohner, ein Handweber, jeden Morgen seinen Keller habe trocken schöpfen und das Wasser auf die Straße gießen müssen!“ („Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, MEW, Bd. 2, S. 292f.)

Auch in Hamburg, eine der damals am schnellsten wachsenden Städte in Deutschland, wütete die Cholera für etwa zehn Wochen. Dies führte zum Stillstand jeglichen Handels und Gewerbes. 8600 Menschen starben.

Im Jahr 1892 hoffte Friedrich Engels, dass die „…wiederholten Heimsuchungen durch Cholera, Typhus, Pocken und andre Epidemien (…) dem britischen Bourgeois die dringende Notwendigkeit eingetrichtert (haben), seine Städte gesund zu machen…“(„Vorwort zu Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, MEW, Bd. 22, S. 319)

 Die Wissenschaft hatte endlich bewiesen, dass die Cholera durch verseuchtes Trinkwasser und den direkten Kontakt mit infizierten Menschen übertragen wird.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts erzielte die Medizin wichtige Erkenntnisse und Durchbrüche. Die Entwicklung von Impfungen und, noch wichtiger, die Einführung von Hygienemaßnahmen, gepaart mit einem besseren Verständnis für infektiöse Krankheiten (Epidemiologie), wurden so zu den wichtigsten Waffen im Kampf um für die menschliche Gesundheit. „Demgemäß sind die in diesem Buch beschriebenen schreiendsten Missstände heute beseitigt oder doch weniger auffällig gemacht“ (ebenda).

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte sich die wissenschaftliche Entwicklung fort, und das mit beträchtlichen Erfolgen. Die Entdeckung von Antibiotika und die Einführung wirksamer Impfungen gegen eine wachsende Zahl von Erkrankungen hatten zur Folge, dass die Sterblichkeitsraten nach dem 2. Weltkrieg bei einer Reihe von Erkrankungen drastisch zurückgingen. Hieraus schlussfolgerte die Bourgeoisie vor etwa 60 Jahren, dass damit der globale Krieg gegen Infektionskrankheiten unaufhaltsam den Siegeszug angetreten habe.

Ein neuerlicher Ausbruch von Pandemien im dekadenten Kapitalismus

Doch mit der Verschärfung der Gegensätze des kapitalistischen Systems, dem Beginn der Dekadenz des Kapitalismus, der historischen Krise des bürgerlichen Systems waren die Bedingungen reif für zwei Weltkriege und zahlreiche lokale Kriege. Dies sollte dramatische Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben. Insbesondere der Erste Weltkrieg hatte zu einem Ausbruch von neuen Pandemien geführt.  

Der Krieg hatte zu einer kompletten Verwüstung großer Regionen Europas geführt, zur Vertreibung von Millionen von Menschen, zur Zerstörung von Produktionsmitteln sowie Wohnsiedlungen, zu massiven Truppentransporten um die ganze Welt…  Mit anderen Worten: ein riesiges Chaos und ein enormer Rückschritt in den sanitären und hygienischen Bedingungen.

Ein neuer Stamm von Grippeerregern - wegen der Zensurregeln zu Kriegszeiten Spanische Grippe genannt – wurde im Herbst 1918 in Frankreich höchst infektiös. Es waren wohl chinesische Arbeitskräfte, die von Nordchina nach Frankreich verschifft worden waren, um unter schlimmsten Bedingungen knapp hinter der Kampfzone Arbeiten zu verrichten und kurz vor dem Verhungern standen, die die Soldaten in den Schützengräben ansteckten. Die Grippe verbreitete sich rasch bis in die USA und nach Asien. Schätzungen gehen davon aus, dass diese Grippe weltweit etwa 50 Millionen Menschen dahinraffte und damit eine der tödlichsten Epidemien in der Geschichte war. Die Bourgeoisie leugnete stets den Zusammenhang zwischen den Kriegsbedingungen und der riesigen Anzahl von Grippetoten oder spielte ihn zumindest herunter.

Die Verschlimmerung der Lebensbedingungen unter den Bedingungen des gesellschaftlichen Zerfalls

Die Fortschritte in der medizinischen Forschung und in den Gesundheitssystemen, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts erreicht wurden, waren nie auf alle Länder weltweit ausgedehnt und in die Praxis umgesetzt worden. In den so genannten „Entwicklungsländern“ blieben der großen Mehrheit von Arbeitern und Bauern diese medizinischen Verbesserungen weitgehend vorenthalten. Und dies hat sich bis heute nicht geändert. Die zunehmenden Alarmrufe über hochinfektiöse Seuchen in diesen Regionen der Welt werfen einen Schatten auf die Propaganda über die „rosige Zukunft“ und die „Gesundheit“ des jetzigen Gesellschaftssystems.

Für den Marxismus ist dies nicht weiter überraschend. Diese Seuchen sind Ausdrücke der Tatsache, dass das kapitalistische System aufgrund der herrschenden Pattsituation zwischen den beiden Hauptklassen in der gegenwärtigen Gesellschaft, der Bourgeoisie und dem Proletariat, am lebendigen Leib verrottet. Da das Proletariat zurzeit nicht in der Lage ist, seine Perspektive – die Revolution – zu bekräftigen, verschärfen sich die Widersprüche des Kapitalismus im Zerfall zusehends.

Die Zerfallsphase, die Ende der 1980er Jahre begann, provoziert eine Geisteshaltung des „Jeder für sich selbst“, die im Begriff ist, den sozialen Zusammenhalt aufzulösen, und zu einem moralischen Niedergang führt. Der Zerfall zeichnet sich vor allem durch die Tendenz zu völligem Chaos in allen Ecken und Enden der Welt aus. Der Kapitalismus im Zerfall scheitert nicht nur daran, solchen Seuchen nachhaltig etwas entgegenzusetzen, sondern tendiert sogar dazu, diese noch zu verschärfen oder gar zu initiieren. 

Vor dem Hintergrund dieses wachsenden Chaos und der damit einhergehenden Verschlechterung der hygienischen Verhältnisse in großen Teilen der Welt sehen wir uns zu Beginn dieses neuen Jahrtausends damit konfrontiert:

  • dass etwa 3,3 Milliarden Menschen in den „Entwicklungsländern“ keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben;
  • dass fast 2,5 Milliarden Menschen (mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung) keinen Zugang zu einfachsten Sanitäranlangen haben;
  • dass jährlich etwa 250 Millionen Menschen an verschmutztem Wasser erkranken, und etwa 5-10 Millionen an den Folgen sterben.

Das Aufkommen neuer Infektionskrankheiten und das Wiederauftreten von alten Krankheiten in verschiedenen Gebieten der Welt, die ausweislich frei von solchen Krankheiten waren, haben eine neue Gesundheitskrise herbeigeführt, die alle bisherigen Errungenschaften zunichte zu machen droht. Krankheiten, die einst – wie die Cholera - geographisch begrenzt waren, schlagen nun in Regionen zu, die als sicher erschienen. Während einige Krankheiten fast vollständig bezwungen sind, schlagen andere, wie die Malaria und die Tuberkulose, die stets zu den größten „natürlichen“ Feinden der Menschheit zählten, mit neuer Heftigkeit zurück und verursachen alljährlich Millionen von Toten.

Es ist ganz klar der Zerfall der Gesellschaft, der dafür verantwortlich ist, dass die Gesundheitsfürsorge aus der Kontrolle gerät. Nehmen wir zum Beispiel SARS, eine der letzten gefährlichen Pandemien vor dem Ausbruch von Ebola. „Es wird angenommen, dass SARS in einem ärmlichen Gebiet in Südostchina von anderen Arten auf den Menschen übergesprungen ist, die mit ihren Tieren unter Bedingungen zusammenleben, die an mittelalterliche Zustände erinnern. Diese (Situation) steht am Anfang vieler der ernstesten Grippeepidemien weltweit. Der ‚Erfolg‘ des Weltmarktes in der Dekadenz liegt nicht in der Verhinderung des Auftretens von Krankheiten, sondern in der Schaffung der Mittel zu ihrer Verbreitung über den Globus.“ („SARS: Symptom einer niedergehenden Gesellschaft“, World Revolution, Mai 2003)

Die Bedingungen des Zerfalls in Afrika

„In Afrika kommt der Abstieg des Kapitalismus in die militaristische Barbarei am deutlichsten zum Ausdruck. Aus den Dauerkonfliktherden, der Fragmentierung von kapitalistischen Staaten, dem Schleifen von Grenzen, der Rolle von Clans und Warlords (…) wird ersichtlich, wie sich die Zersplitterung und das Chaos über einen ganzen Kontinent ausbreiten, was uns eine Ahnung davon verschafft, was der Zerfall des Kapitalismus für die gesamte Menschheit noch in petto hat.“ („Die Ausbreitung von Kriegen – der Kapitalismus in der Sackgasse“, World Revolution, Mai 2013)

In den vergangenen Jahrzehnten sind von den drei Ländern, die am schlimmsten von Ebola getroffen wurden (Liberia, Sierra Leone und Guinea), zwei von Bürgerkriegen und ethischen Massakern verwüstet worden. Zwischen 1989 und 2003 wurde Liberias Infrastruktur in zwei Bürgerkriegen verheert. Sierra Leone wurde von einem elfjährigen Bürgerkrieg heimgesucht. Mehr als 100.000 Menschen verloren ihr Leben, und viele mehr erlitten eine „besondere Strafe“ in Form von Vergewaltigungen.

Darüber hinaus haben Rohstoffprojekte von ausländischen Unternehmen, die schonungslos Erdöl und Gas oder eine der Mineralquellen für die neuen Ökonomien ausbeuten, zu einer massiven Entwaldung und Zerstörung der lokalen Habitate und natürlichen Infrastruktur geführt. Der Zusammenbruch des sozialen Zusammenhalts beeinträchtigte in schlimmer Weise die Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung. Indigene Völker wurden gezwungen, ihr Land zu verlassen und in die städtischen Elendsviertel zu ziehen.

Unter den drei Ländern ist Liberia wirtschaftlich eines der unterentwickeltsten und ärmsten Länder in der Welt. Laut dem World Food Program (WFP) leben 1,3 Millionen Menschen in Liberia in extremer Armut. In Sierra Leone leben 70 Prozent der Bevölkerung in äußerster Armut. Die Hälfte der Bevölkerung in den drei Ländern lebt im größten Elend; es mangelt an grundlegendster Hygiene wie den Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die fortgesetzte Entwaldung hat ebenfalls zu einer radikalen Veränderung der klimatischen Bedingungen in den Ländern West- und Zentralafrikas geführt. Es wird prognostiziert, dass die Niederschlagsextreme zunehmen werden. Plötzliche Wechsel von feuchten zu trockenen Wetterbedingungen begünstigen den Ausbruch von Ebola. Es ist der kombinierte Effekt der Ausbeutung durch ausländische Unternehmen, der radikalen Veränderung in den Wetterbedingungen und der globalen Wirtschaftskrise, der die Bedingungen für die gegenwärtige Gesundheitskatastrophe geschaffen hat.

Die verheerenden Auswirkungen von Ebola

Der Ausbruch von Ebola im Verlaufe dieses Jahres war nicht der erste. Es gab nahezu jährlich wiederholte Ausbrüche, seitdem Ebola 1976 in Zentralafrika zum ersten Mal entdeckt worden war. Ebola ist zunächst eine ländliche Krankheit, wo die Nahrung, die durch Jagd zusammengetragen wird, die Menschen infizierten Tieren aussetzt und wo der Mangel an sauberem Wasser Infektionen verbreitet. Die isolierten Bedingungen in ländlichen Gebieten begrenzen jedoch die Zahl der Betroffenen und töten nur einige Hundert Menschen.

Dieses Jahr verbreitete sich Ebola zum ersten Mal in den bevölkerungsreichen Gebieten entlang der westafrikanischen Küste. In diesen Gebieten sind nicht nur die sanitären Bedingungen, sondern auch der Zustand der Gesundheitsfürsorge katastrophal und erhöhen die Verwundbarkeit von Stadtgemeinden gegenüber der Epidemie.

Der Virus überforderte komplett die Kapazitäten der örtlichen Gesundheitssysteme. Er war der Fähigkeit, ihn zu kontrollieren, permanent einen Schritt voraus. Nachdem 60 PflegerInnen durch den Ebola-Ausbruch ums Leben gekommen waren, machte sich eine gewisse Panik breit. Joseph Fair: „Es gab eine Menge Fälle, wo Leute das Heil in der Flucht erblickt haben.“ Nachdem die Seuche fast 1.000 Menschen getötet und nahezu 2.000 infiziert hatte, rief am 8. August die Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesichts der Ebola-Epidemie den internationalen Gesundheitsnotstand aus.

Das Tempo der Infektionen beschleunigt sich noch immer. Das öffentliche Gesundheitssystem in Monrovia nähert sich dem totalen Kollaps. Alle grundlegenden Leistungen der Gesundheitsfürsorge, einschließlich der Malaria-Tabletten für Kinder und der medizinischen Versorgung für Schwangere, sind eingestellt worden.

Im Stadtteil West Point in Monrovia attackierten lokale Anwohner, aufgebracht durch die Ereignisse und voller Misstrauen gegenüber der Regierung, eine Schule, die die Behörden heimlich in ein Isolationszentrum für Menschen mit Ebola-Symptomen umgewidmet hatten. Die Protestierenden brachen in die Schule ein und entwendeten Bettzeug und andere Versorgungsmittel. Am Samstag, den 18. August, attackierten zornige Anwohner das Pflegepersonal.

Am 19. August wurde eine Quarantäne für West Point angekündigt, in der geschätzte 75.000 Menschen eingeschlossen wurden und die den betroffenen Stadtteil in einen riesigen Friedhof verwandelte. Die Anwohner befanden sich in den Killing Fields der Epidemie. Sie können sterben, doch wenigstens unter sich! Die Quarantäne, die den Tod von Hunderten von Menschen verursachten, die nicht nur an Ebola, sondern auch an Malaria (die Kinder) und am Mangel an Lebensmitteln und sauberem Wasser starben, musste nach zehn Tagen wieder aufgehoben werden. Ohnedies brachen Anwohner in großer Anzahl aus.

Der Ebola-Virus hat all das Potenzial, um zu einer Katastrophe zu werden, und zwar in einem Ausmaß, das seit der Spanischen Grippe 1918-20 vor fast hundert Jahren nie mehr erreicht wurde.

Der Zynismus der Weltbourgeoisie

Bis jetzt blieb der Strom an Hilfsgütern aus den reichen Ländern nur sehr dünn. Mitte September waren Zusicherungen oder Spenden zusammengerechnet in Höhe von 326,7 Millionen US-Dollar dokumentiert. Abgesehen von der Mobilisierung einiger Hundert engagierter, freiwilliger Ärzte und Ärztinnen sowie PflegerInnen fanden größtenteils nur geringfügige Lieferungen von Versorgungsgütern, Ausrüstung und Gesundheitspersonal statt. Die dokumentierten Beiträge unterschritten immer noch die 600 Millionen US-Dollar, die für Krankenbetten, Personal und anderem Bedarf benötigt werden, um einen Ausbruch zu bändigen, der sich mit alarmierender Geschwindigkeit ausbreitet.

Die US-Spenden betrugen in den letzten neun Monaten knapp 150 Millionen Dollar. Dies steht in krassem Gegensatz zu den Milliarden, die von den imperialistischen Mächten und ihren Verbündeten unter den Golf-Monarchien für den neuen Krieg in Syrien und im Irak zur Verfügung gestellt werden, gar nicht zu reden von den Hunderten von Milliarden, die für die Kriege in Libyen, im Irak und in Afghanistan verschleudert wurden. Dennoch beschreibt Obama den Ebola-Ausbruch als eine „nationale Sicherheitspriorität“ für die USA, denn er könnte eine Destabilisierung Westafrikas auslösen, was „weitreichende ökonomische, politische und sicherheitspolitische Auswirkungen“ haben könnte. Daher fiel ihm nichts anderes ein als die Entsendung von dreitausend Soldaten.

Berichte von der WHO weisen auf eine exponentielle Zunahme von Krankheitsfällen hin, die sich etwa alle drei Wochen verdoppeln. Das IRC hat im Namen von 34 Nichtregierungsorganisationen davor gewarnt, dass die Welt nur noch vier Wochen Zeit habe, um die Krise aufzuhalten, ehe sie außer Kontrolle gerät (2. Oktober 2014). Gleichzeitig stellt es fest, dass von den 1.500 neuen Medikamenten, die weltweit zwischen 1974 und 2004 zur Verfügung gestellt wurden, nur 10 tropischen Krankheiten gewidmet sind. Hinsichtlich Ebola wurden seit 1976 kaum Forschungen angestellt. So tangieren auch weiterhin tropische Erkrankungen mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt und töten jedes Jahr bis zu 500.00 Menschen.

John Ashton von der Fakultät für Öffentliche Gesundheit in London schildert die aktuelle Situation als „den moralischen Bankrott des Kapitalismus, der in Abwesenheit eines ethischen und sozialen Rahmens handelt“. Der New Yorker stellt rundheraus fest, dass „Krankheiten, die meistens arme Menschen in armen Ländern betreffen, keine Forschungspriorität haben, weil es unwahrscheinlich ist, dass jene Märkte jemals Rendite abwerfen“.

Die aktuelle Ausbreitung von Ebola löst eine riesige Sorge in den zentralen Ländern aus. Wie immer sind die sehr „antirassistischen“ Staaten ganz eifrig dabei, die Angst vor Reisenden aus Afrika zu nutzen, um fremdenfeindliche Ressentiments in der Bevölkerung Europas zu schüren. Die vorherrschenden Fraktionen der herrschenden Klasse ziehen ihren eigenen Nutzen aus der Atmosphäre von Angst und Panik:

  • um jedermann die weitaus größeren Bedrohungen vergessen zu lassen, denen wir heute gegenüberstehen, wie der Krieg oder Nuklearkatastrophen;
  • um die Bevölkerung der zentralen Länder zu ermutigen, sich aus Schutzgründen auf die Seite des bürgerlichen Staates zu stellen;
  • um mit allen möglichen Mitteln Menschen aus Afrika daran zu hindern, in die zentralen Länder zu fliehen.

Der Ebola-Ausbruch ist das Produkt einer Verschärfung der Widersprüche des Kapitalismus, der ein Jahrhundert lang „nur noch mehr Elend und Zerstörung in all ihren Formen gebracht hat. Angesichts des fortgeschrittenen Zerfalls ihres Systems hat die herrschende Klasse nichts anderes anzubieten als ideologische Lügen und Repression“ („SARS: It is capitalism which is responsible for the epidemic“, World Revolution, Mai 2003)

Zyart, 15.10.14