Save the planet? No, they can't!

"Kopenhagen-Gipfel gescheitert" (Guardian,
England), "Fiasko in Kopenhagen", "Groteskes Ergebnis",
"Schlimmer als unnütz" (Financial Times, England), "Ein
nutzloser Gipfel" (The Asian Age, Indien), "Kalte Dusche",
"Das schlechteste Abkommen der Geschichte" (Libération, Frankreich).
Die internationale Presse ist also fast einhelliger Meinung. 1 Dieser als
historisch angekündigte Gipfel ist zu einer wahren Katastrophe geworden. Am
Ende haben die Teilnehmerstaaten einer Reihe von vagen Zielen zugestimmt, die
niemanden zu irgendetwas verpflichten.
Die Erderwärmung auf unter 2°C bis 2050 reduzieren. "Das Scheitern
des Kopenhagener Gipfels ist schlimmer als alles befürchtete", meinte
Herton Escobar, der Wissenschaftsexperte der Zeitung O Estado De São Paulo (Brasilien). "Das
größte diplomatische Ereignis der Geschichte hat zu überhaupt keiner
Verpflichtung geführt." 2 Wer auch immer an ein Wunder geglaubt hatte,
an die Geburt eines grünen Kapitalismus, wird jetzt damit konfrontiert, dass
die Illusionen dahinschmelzen, genau wie das Eis in der Arktis und Antarktis.

Ein
internationaler Gipfel zur Beruhigung der Ängste

Dem Kopenhagener Gipfel ging eine gewaltige,
ohrenbetäubende internationale Medienkampagne voraus. Alle Fernsehkanäle, alle
Zeitungen, alle Zeitschriften haben dieses Ereignis zu einem historischen
Augenblick hochstilisiert. Eine Vielzahl von Beispielen zeigt das auf. Schon am
5. Juni 2009 wurde der Dokumentarfilm von Yann Arthus Bertrand, Home, der eine
dramatische und schonungslose Bestandaufnahme des Ausmaßes der weltweiten
Ökokatastrophe erstellt, gleichzeitig und kostenlos in 70 Ländern ausgestrahlt
(im Fernsehen, im Internet, in den Kinos).

Hunderte Intellektuelle und Umweltverbände haben
hochtrabende Erklärungen veröffentlicht, um "das Bewusstsein
wachzurütteln" und "einen Druck der Bürger auf die
Entscheidungsträger auszuüben". In Frankreich hat die Stiftung Nicolas
Hulot von einer Art Ultimatum gesprochen:
"Die Zukunft des Planeten und
mit ihr das Schicksal von Milliarden Hungernder wird in Kopenhagen entschieden.
Wir müssen wählen zwischen Solidarität oder Chaos, die Menschheit muss ihr
Schicksal in die Hand nehmen".
In den USA die gleiche dringliche,
warnende Botschaft: "Die
Staaten der Welt versammeln sich in Kopenhagen vom 7.-18. Dezember 2009 zu
einer Klimakonferenz, die als ein Gipfel der letzten Chance angesehen wird.
Entweder wird sie zu einem Erfolg, oder alles bricht zusammen, wörtlich
genommen – schwimm oder geh unter. Man kann behaupten, dass es sich um das
wichtigste Diplomatentreffen der Geschichte der Welt handelt.
" (Bill
McKibben, Schriftsteller und amerikanischer Umweltaktivist, in Mother Jones) 3

Zu Beginn des Gipfels veröffentlichten
56 Zeitungen aus 44 Ländern – in einer bislang noch nie dagewesenen Initiative
in ein und demselben Editorial einen Aufruf.
Der
Klimawandel wird unseren Planeten und damit auch Wohlstand und Sicherheit
zerstören, falls wir uns nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.[…] Der
Klimawandel ist über Jahrhunderte hinweg verursacht worden, seine Folgen werden
weitere Jahrhunderte andauern. Lässt er sich zähmen? Das wird sich in den
kommenden zwei Wochen entscheiden. Wir appellieren an die Vertreter der 192
Staaten in Kopenhagen, nicht zu zögern, nicht im Streit auseinanderzugehen und
sich nicht gegenseitig die Schuld zuzuschieben […] Der Klimawandel betrifft
alle, die Strategien dagegen müssen von allen getragen werden.
4

All diese Reden enthalten eine Halbwahrheit.
Forschungsergebnisse belegen, dass der Planet dabei ist zerstört zu werden. Die
Erderwärmung schreitet voran und damit auch der Vormarsch der Wüsten,
Wirbelstürme, Brände… Die Verschmutzung und die intensive Ausbeutung der
Ressourcen führen zu einem gewaltigen Artensterben. Es wird erwartet, dass
15-37% der Arten bis 2050 ausgestorben sein werden. Heute steht eins von vier
Säugetieren, einer von acht Vögeln, ein Drittel der Amphibien und 70% der
Pflanzen vor dem Aussterben 5. Prognosen des Weltforums zufolge wird der
„Klimawandel“ für ca. 300.000 Menschen pro Jahr den Tod bedeuten (darunter wird die Hälfte an Unterernährung sterben).
2050 rechnet man mit ca. „250 Millionen Klimaflüchtlingen“ 6. Ja, die
Sache wird dringlich. Ja, die Menschheit steht vor einer Schicksalsfrage, ja es
geht ums Überleben!.

Aber die andere Hälfte der Botschaft ist eine riesige
Lüge, die dazu dient der Arbeiterklasse auf der ganzen Welt Illusionen
einzuflößen. Alle riefen sie die Regierung zu einem verantwortlichen Handeln
und zur internationalen Solidarität gegenüber den „Klimagefahren“ auf. Als ob
die Staaten ihre eigenen nationalen Interessen vergessen oder überwinden und
sich zusammenschließen, zusammenarbeiten und im Interesse der Menschheit
gegenseitig helfen könnten. All dies sind nur Märchengeschichten, die dazu
dienen, eine Arbeiterklasse zu beruhigen, die sich Sorgen macht, dass die Erde
schrittweise zerstört wird und Hunderte Millionen Menschen darunter leiden
werden 7. Die Umweltkatastrophe führt deutlich
vor Augen, dass nur eine internationale Lösung ins Auge gefasst werden kann. Um
zu verhindern, dass die Arbeiter zu viel nachdenken und sich auf die Suche nach
einer „Lösung“ begeben, haben die Herrschenden unter Beweis stellen wollen,
dass sie dazu in der Lage wären, ihre nationalen Spaltungen zu überwinden, oder
wie das internationale Editorial der 56 Zeitungen erklärte, „nicht im Streit auseinanderzugehen und sich
nicht gegenseitig die Schuld zuzuschieben“
und „Der Klimawandel betrifft alle, die Strategien dagegen müssen von allen
getragen werden.“

Das Geringste, was man sagen kann, ist dass dieses Ziel
völlig verfehlt wurde. Wenn Kopenhagen etwas gezeigt hat, dann dass der
Kapitalismus nur eine Dreckschleuder ist und sein kann.

Man durfte keine Illusionen haben; aus diesem Gipfel
konnte nichts Gutes hervorgehen. Der Kapitalismus zerstört seit jeher die
Umwelt. Schon im 19. Jahrhundert war London eine gewaltige Fabrik, die mit
Rauch die Luft verpestete und ihren Müll in die Themse schmiss. Dieses System
produziert einzig mit dem Ziel, mit allen möglichen Mitteln Profit zu
erwirtschaften und Kapital anzuhäufen. Egal, wenn es dazu Wälder abholzen, die
Meere plündern, Flüsse verschmutzen, das Klima durcheinander bringen muss….

Kapitalismus und Ökologie stehen sich notwendigerweise unversöhnlich
gegenüber. All die internationalen Treffen, die Komitees, Gipfel (wie der von
Rio de Janeiro 1992 oder der von Kyoto 1997) waren immer nur Masken, in den
Medien aufgebauschte Inszenierungen, um uns glauben zu machen, dass die „Großen
dieser Welt“ sich Gedanken machen über die Zukunft des Planeten. All die
Nicolas Hulot, Yann Arthus Bertrand, Bill McKibben und andere wie Al Gore 8 wollten uns
glauben machen, dass es dieses Mal anders werden würde, und dass sich in
Anbetracht der Dringlichkeit der Lage die großen Führer der Welt „zusammenreißen“
würden. Während all diese Ideologen nur heiße Luft verbreiten, zogen dieselben
„Führer“ ihre ökonomischen Waffen. Denn so sieht die Wirklichkeit aus: der
Kapitalismus ist in Nationen gespalten, alle konkurrieren miteinander, stehen
immerfort im Handelskrieg miteinander, und wenn nötig auch in militärischen
Kriegen.

Nur ein Beispiel. Der Nordpol ist dabei
zu schmelzen. Die Wissenschaftlicher sehen eine wahre Ökokatastrophe
heraufziehen: der Meeresspiegel wird ansteigen, der Salzgehalt zunehmen, die
Meeressströmungen werden verändert, die Infrastrukturen destabilisiert und die
Küsten leiden unter Erosionen aufgrund des Schmelzens des Permafrosts,
Freisetzung von CO2
und Methan aus den Permafrostböden, Zerstörung der arktischen Ökosysteme…9 Die Staaten dagegen sehen darin eine große
Gelegenheit neue, bislang unzugänglich gebliebene Ressourcen auszubeuten und
neue, eisfreie Schifffahrtswege zu gewinnen. Russland, Kanada, die USA,
Dänemark (über Grönland) führen gegenwärtig einen gnadenlosen diplomatischen
Krieg und zögern nicht, zum Zweck der militärischen Einschüchterung mit Waffen
zu drohen. So „beteiligten sich letzten
August ungefähr 700 kanadische Soldaten aus den drei Bereichen Heer, Marine und
Luftwaffe an der kanadischen Operation NANOOK 09. Das militärische Manöver
versucht zu beweisen, dass Kanada in der Lage ist, in der Arktis, auf die auch
die USA, Dänemark und vor allem Russland Ansprüche erheben, seine Souveränität sicherzustellen. Russland
hat in der jüngsten Zeit Ottawa irritiert, nachdem es Flugzeuge und U-Boote in
die Arktis geschickt hat
“.
10
. In der Tat schickt Russland seit 2007
regelmäßig Jagdflugzeuge in den Luftraum über der Arktis und auch manchmal über
kanadische Gewässer wie zur Zeit des Kalten Krieges.

Kapitalismus und Ökologie stehen sich immer diametral
gegenüber

Den
Herrschenden gelingt es nicht mehr den Schein zu bewahren

„Das Scheitern von Kopenhagen“ ist deshalb alles andere
als eine Überraschung. Wir hatten dies schon in unserer letzten „Internationalen
Revue“ (3. Quartal 2009) vorhergesehen: „Der
Weltkapitalismus ist völlig unfähig um gegen die Gefahren der Umweltzerstörung
gemeinsam anzutreten. Insbesondere in der Zeit seines gesellschaftlichen
Zerfalls mit der wachsenden Tendenz, dass jede Nation im Konkurrenzkampf aller
gegen alle auf internationaler Ebene ihre eigenen Karten spielt, ist solch eine Zusammenarbeit unmöglich
.“ Es ist dagegen überraschender, dass all diese
Staatschefs es nicht einmal geschafft haben, den Schein zu bewahren.
Normalerweise wird am Schluss ein Abkommen mit großem Prunk unterzeichnet,
wobei vorgetäuschte Ziele präsentiert
werden, und solche Abkommen werden dann
von allen begrüßt. Diesesmal wurde der Gipfel offiziell als „historisch
gescheitert“ erklärt. Die Spannungen und das Geschacher konnten nicht mehr
verborgen werden; sie sind groß auf der Bühne ausgebreitet worden. Selbst das
traditionelle Gruppenphoto mit den Staatschefs, bei dem sie sich
beglückwünschen und umarmen und immer eifrig in die Kameras lächeln, wurde nicht
mal aufgenommen. Allein das spricht schon Bände!

Dieses Eingeständnis ist so offenkundig, lächerlich und
beschämend, dass die Herrschenden ein niedriges Profil wahren. Dem Lärm um die
Vorbereitungen des Kopenhagener Gipfels folgte ein ebenso betretenes Schweigen.
So begnügten sich die Medien nach dem Gipfel mit einigen diskreten Zeilen der
„Bilanz“ des Scheiterns (wobei übrigens systematisch der eine dem andere in die
Schuhe schob), und man vermied in den darauf folgenden Tagen sorgfältig, auf
diese schmutzige Angelegenheit zurückzukommen.

Warum haben die Staatschefs im Gegensatz
zu früher nicht einmal mehr den Schein bewahren können? Die Antwort lautet: die
Wirtschaftskrise. Im Gegensatz zu allem, was überall auf der Welt behauptet
wird, treibt die schwere Wirtschaftskrise die Staatschefs nicht dazu, die
„ausgezeichnete Gelegenheit“ zu ergreifen,
um die ganze Welt in das „Abenteuer der green economy“ zu stürzen. Im
Gegenteil, die Brutalität der Krise verschärft die Spannungen und die
internationale Konkurrenz. Der Kopenhagener Gipfel hat bewiesen, dass sich die
Großmächte einen gnadenlosen Kampf gegeneinander führen. Die Zeit ist vorbei,
als sie vortäuschen konnten, dass sie sich gut verstehen und Abkommen (auch
wenn sie verlogen sind) präsentieren. Sie haben die Messer gezogen, Pech
gehabt, wenn das alles in den Medien verfolgt wurde.

Seit dem Sommer 2007 und dem Absturz der Weltwirtschaft
in die tiefste Rezession der Geschichte des Kapitalismus, gibt es eine
wachsende Versuchung, den Verlockungen des Protektionismus zu verfallen und
eine zunehmende Tendenz des Jeder für sich. Natürlich ist der Kapitalismus
aufgrund seiner Grundeigenschaften immer in Nationen gespalten, die sich einen
gnadenlosen Konkurrenzkampf liefern. Aber der Krach von 1929 und die Krise der
1930er Jahre hatten den Herrschenden vor Augen geführt, wie gefährlich es war,
wenn es überhaupt keine Regeln und internationale Absprachen im Welthandel
gibt. Insbesondere nach dem 2. Weltkrieg hatte man im Ostblock und im
westlichen Block organisatorische Maßnahmen ergriffen und ein Mindestmaß an
Gesetzen verabschiedet, um die Wirtschaftsbeziehungen untereinander zu regeln.
Überall wurde zum Beispiel der grenzenlose Protektionismus verboten, nachdem
man ihn als einen schädlichen Faktor für den Welthandel und damit auch für alle Länder erkannt
hatte. Die großen Abkommen (wie das von
Bretton Woods 1944) und die Institutionen, welche die Einhaltung der neuen Regeln
überwachen sollten (wie der Internationale Währungsfond), haben in der Tat dazu beigetragen, die
wirtschaftliche Verlangsamung des kapitalistischen Wachstums seit 1967
abzufedern.

Aber die Tragweite der gegenwärtigen Krise hat all
diese Regeln der Funktionsweise über Bord geworfen. Die Herrschenden haben
gleichwohl versucht, gemeinsam und vereint vorzugehen, als sie z.B. den
berühmten G 20 von Pittsburgh und von London organisiert haben, aber die
Tendenz des Jeder für sich hat jeden Monat mehr an Boden gewonnen. Die
Ankurbelungspläne werden immer weniger miteinander unter den Staaten abgesprochen
und der Wirtschaftskrieg wird immer aggressiver. Der Kopenhagener Gipfel
bestätigte diese Tendenz ganz deutlich.

Man muss unterstreichen, dass im Gegensatz zu einem
angeblichen “Ende der Durststrecke” und einem bevorstehenden Wiederaufschwung der
Weltwirtschaft die Rezession sich in Wirklichkeit immer weiter verschärft und
sich sogar Ende 2009 weiter beschleunigt hat. „Dubai – Pleite des Emirs“,
„Griechenland am Rande des Bankrotts“ (Libération, 27.11., 9.12.). 11 Diese Meldungen wirkten wie ein Blitz.
Jeder Staat spürt, dass seine Wirtschaft in Gefahr ist und ist sich dessen
bewusst, dass wir vor einer immer tieferen Rezession stehen. Um zu verhindern,
dass die kapitalistische Wirtschaft zu schnell in einer Depression versinkt,
haben die Herrschenden seit dem Sommer 2007 keine andere Wahl als massenhaft
Geld zu drucken und in die Wirtschaft zu pumpen, womit die öffentliche und
Staatsverschuldung nur weiter angeheizt wird. Die Bank Société Générale hat im
November 2009 in einem Bericht darauf hingewiesen: „Das Schlimmste steht uns noch bevor“. Dieser Bank zufolge „haben die
jüngsten Rettungspakete der Regierungen auf der Welt einfach den Schuldenberg
der Privathaushalte auf die öffentlichen Haushalte übertragen, wodurch nur eine
neue Reihe von Problemen entstanden ist. Das erste sind die Defizite. […] Das
gegenwärtige Verschuldungsniveau kann langfristig nicht aufrechterhalten
werden. Wir haben praktisch einen Punkt der öffentlichen Verschuldung erreicht,
wo es kein zurück mehr gibt.
12. Die globale Verschuldung ist in den
meisten hochentwickelten Staaten viel zu groß geworden im Verhältnis zum BIP.
In den USA und in der Europäischen Union werden die Schulden in zwei Jahren auf
125% des BIP angewachsen sein. In Großbritannien werden sie 105% betragen, in
Japan 270%. Und die Bank Société Générale ist nicht die einzige Bank, die die
Alarmglocke läutet. Im März 2009 hatte die Crédit Suisse eine Liste der 10 am
stärksten vom Bankrott gefährdeten Länder erstellt, indem man den Umfang der
Verschuldung und das BIP verglich. Im Augenblick hat diese Liste der „Top 10“
den Nagel auf den Kopf getroffen; sie lautet: Island, Bulgarien, Litauen,
Estland, Griechenland, Spanien, Lettland, Rumänien, Großbritannien, USA,
Irland, Ungarn. 13 Ein anderes Zeichen der Sorgen auf den
Finanzmärkten ist eine neu aufgekommene Abkürzung: PIGS. „Heute sind es die PIGS: Portugal, Italien, Griechenland, Spanien, die
die Welt erschüttern. Nach Island und Dubai betrachtet man diese vier Länder
der Eurozone als mögliche Zeitbomben der Weltwirtschaft
.“ 14
.

In Wirklichkeit werden alle Staaten aufgrund ihrer
phänomenalen Defizite eine rigorose Sparpolitik betreiben müssen. Konkret heißt
dies, dass sie:

-

die Steuern
erhöhen werden

-

die Ausgaben noch
drastischer kürzen werden, und dabei unzählige Arbeitsplätze streichen und eine
Vielzahl von Kürzungen vornehmen werden bei Renten, Arbeitslosengeld,
Sozialhilfe und medizinischer Versorgung.

-

Natürlich eine
immer aggressivere, rücksichtslose
Politik auf dem Weltmarkt betreiben müssen.

Diese katastrophale Wirtschaftslage verschärft
natürlich den Konkurrenzkampf. Jeder Staat sträubt sich heute davor,
irgendwelche Konzessionen zu machen; jeder Staat führt einen Überlebenskampf
seiner Volkswirtschaft gegen die anderen Rivalen. Diese Spannung, dieser
Wirtschaftskrieg wurden in Kopenhagen greifbar.

Die
ökologischen Quoten als ökonomische Waffe

In Kopenhagen sind die Staaten zusammengekommen, nicht
um den Planeten zu retten, sondern um sich mit Händen und Füßen zu wehren. Ihr
Ziel bestand einzig darin, die Frage des Umweltschutzes zu verwenden, um damit
Maßnahmen zu ihren Gunsten durchzusetzen, und die vor allem anderen Schaden
zufügen.

Die USA und China werden von den meisten
Ländern beschuldigt für das Scheitern hauptsächlich verantwortlich zu sein.
Diese beiden Länder haben sich in der Tat gegen eine Zielvereinbarung einer CO2-Reduzierung
ausgesprochen, das als Hauptverantwortlicher des Treibhauseffektes gilt. Die
beiden größten Umweltverschmutzer hatten natürlich auf dieser Ebene auch am
meisten zu verlieren.15
"Wenn die Ziele der Expertengruppe
des Climate Change 16
verfolgt werden (d.h. eine CO2-Reduzierung
um 40% bis 2050), darf jeder Erdenbürger nur noch maximal 1,7 Tonnen CO2 pro
Jahr ausstoßen. Aber im Durchschnitt produziert jeder US-Amerikaner pro Jahr 20
Tonnen! 17 Und
die chinesische Wirtschaft funktioniert heute hauptsächlich dank der
Energiezufuhr von Kohlekraftwerken, die insgesamt 20% der weltweiten CO2-Emissionen verursachen. Das
entspricht mehr als dem Ausstoß des gesamten Verkehrs, (Autos, LKW, Züge, Schiffe
und Flugzeuge zusammengenommen)."
18. Man kann
verstehen, warum all die anderen Länder so darauf erpicht waren,
"Zahlenwerte" bei der CO2-Reduzierung vorzuschreiben.

Aber man darf dennoch nicht glauben,
dass die USA und China irgendwie gemeine Sache gemacht hätten. Das Reich der
Mitte hat nämlich ebenso eine CO2-Reduzierung von 40% bis 2050
gefordert, und zwar für die USA und Europa. Und China sollte natürlich als
"Schwellenland" davon ausgespart bleiben. "Die Schwellenländer, insbesondere Indien, China, forderten von den
reichen Ländern ein starkes Engagement zur Reduzierung der Treibhausgase, aber
sie weigerten sich, sich irgendwelchen Einschränkungen zu unterwerfen
."
19

Indien hat ungefähr die gleiche Strategie
eingeschlagen, eine Reduzierung für die anderen einzufordern, aber von sich
selbst keine zu erwarten. Es rechtfertigte seine Haltung damit, dass
"Hunderte Millionen Arme im Land leben und das Land könne keine
zusätzlichen Belastungen vertragen." Die "Schwellenländer" oder
in "der Entwicklung befindlichen Länder" werden oft in der Presse als
die ersten Opfer des Fiaskos von Kopenhagen dargestellt. Diese zögerten in
Wirklichkeit nicht davor zurück, die Armut ihrer Bevölkerung für die
Verteidigung ihrer bürgerlichen Interessen zu instrumentalisieren. Der
Delegierte Sudans, der Afrika vertrat, verglich die Lage gar mit dem Holocaust:
"Diese Lösung stützt sich auf die
Werte, die sechs Millionen Menschen in die Krematorien in Europa geschickt
haben
." 20
Diese Führer, die ihre Bevölkerungen Hunger leiden lassen und auch ab und zu
Massaker ausüben, wagen heute schamlos an deren "Unglück" zu erinnern.
Im Sudan zum Beispiel sterben die Menschen schon heute durch Waffengewalt und
nicht erst durch die zukünftigen Klimafolgen.

Und wie hat Europa, das die tugendhafte
Dame spielt, die "Zukunft des Planeten" verteidigt? Schauen wir uns
einige Beispiele an. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat eine
lautstarke Erklärung am vorletzten Tag des Gipfels abgegeben. "Wenn wir so weitermachen, wird der Gipfel
scheitern. […] Wir müssen alle Kompromisse eingehen. […] Europa und die reichen
Länder müssen anerkennen, dass sie eine größere Verantwortung übernehmen
müssen. Wir müssen uns mehr engagieren. […] Wer würde wagen zu behaupten, dass
Afrika und die ärmeren Länder kein Geld brauchen?[…] Wer würde wagen zu sagen,
dass man keine Organisation braucht, um die Umsetzung der Verpflichtungen der
einzelnen Länder zu überprüfen?"
21 Hinter diesen
großen Worten verbirgt sich eine ganz andere Wirklichkeit. Der französische
Staat und Nicolas Sarkozy haben sich für
eine Senkung der CO2-Emissionen
eingesetzt, damit Atomkraft, eine lebenswichtige Ressource für die französische
Wirtschaft, in keinster Weise begrenzt werde! Aber von dieser Energie geht eine
große Gefahr aus, die wie ein Damoklesschwert über der Menschheit hängt. Der
Unfall in Tschernobyl hinterließ den Schätzungen zufolge zwischen 4.000 und
200.000 Tote – je nachdem, ob man die Krebstoten infolge der Verstrahlungen
berücksichtigt oder nicht. Mit der Wirtschaftskrise werden die Staaten in der
Zukunft viel weniger Mittel haben, AKWs zu unterhalten; die Wahrscheinlichkeit
von Unfällen und Störfällen in AKWs wird zunehmen. Dabei wirkt Atomstrom heute
schon als großer Umweltverschmutzer. Der französische Staat will glauben
machen, die radioaktiven Abfälle würden "sauber" in La Hague
entsorgt. In Wirklichkeit werden aus Kostenersparnisgründen radioaktive Abfälle
heimlich nach Russland verschickt. "Ca.
13% unserer nuklearen Abfälle schlummern irgendwo auf sibirischem Boden.
Insbesondere im atomaren Komplex Tomsk-7, eine geheime Stadt mit 30.000
Einwohnern, wo man Journalisten den Zutritt versagt hat. Dort werden seit Mitte
der 1990er Jahre 108 Tonnen abgereichertes Uran aus französischen AKWs in
Containern auf einem großen Parkplatz bei offenen Himmel gelagert
." 22. Ein anderes
Beispiel. Skandinavische Staaten brüsten sich an der Spitze der Umweltschützer
zu stehen; sie stellen sich gerne als kleine Modelle dar. Aber wenn es um den
Kampf gegen die Rodung der Wälder geht,
"blockieren Schweden, Finnland aber auch Österreich, damit auf
dieser Ebene nichts geschieht". 23. Der Grund: ihre Energieproduktion hängt sehr
stark von Holz ab, zudem sind sie große Papierexporteure. Deshalb standen in
Kopenhagen Schweden, Finnland und Österreich Seite an Seite mit China, das als
der Welt führender Möbelhersteller aus
Holz auch keine Begrenzung der Rodung der Wälder zulassen wollte. Dabei geht es
keineswegs um ein Ideal. "Die
Entwaldung ist verantwortlich für ein Fünftel der weltweiten CO2
Emissionen." 24 und "die Zerstörung von Wäldern belastet
die Klimabilanz sehr […] Ungefähr 13 Millionen Hektar Wald werden jedes Jahr
gefällt, d.h. soviel wie die Fläche Englands, dadurch sind Indonesien und
Brasilien zum dritt- und viertgrößten CO2-
Emittenten der Welt geworden."
25. Diese drei
europäischen Länder, die sich als lebendiger Beweis dafür ausgeben, dass die
kapitalistische Wirtschaft mit Ökologie vereinbar ist, "erhielten am
ersten Tag der Verhandlungen den Preis der „Fossilien des Tages“ 26, weil sie sich
weigern, ihre Verantwortung bei der Neuaufforstung der Waldböden
anzuerkennen."
27

Ein Land verkörpert schon ganz alleine
den Zynismus der Herrschenden hinsichtlich der Frage der Ökologie. Seit Monaten
verkündete Russland lauthals, dass es für eine zahlenmäßige Festlegung auf eine
CO2-Reduzierung
sei. Diese Position mag als überraschend erscheinen, wenn man das Wesen des
russischen Staates kennt. Sibirien ist radioaktiv verseucht. Seine Atomwaffen
(Bomben, U-Boote usw.…) verrosten auf "Friedhöfen". Hätte nun der
russische Staat Gewissensbisse bekommen? „Russland
stellt sich als Modellnation hinsichtlich der CO2-Emissionen
dar. Aber das ist nur ein Taschenspielertrick.
Im November verpflichtete sich der russische Präsident Dimitri Medvedev
zu einer Reduzierung der russischen Emissionen um 20% bis 2020 (auf der Grundlage
der Ausgangswerte von 1990)
28, d.h. mehr
als die EU. Aber dadurch entsteht keine wirkliche Verpflichtung, denn
tatsächlich sind die russischen Emissionen schon seit 1990 um ….33% gesunken,
weil das russische BSP nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion ebenfalls zusammengebrochen ist. In Wirklichkeit
versucht nämlich Moskau in der Zukunft mehr
CO2 auszustoßen, um sein Wachstum nicht zu bremsen
(falls es wieder ansteigt…) Die anderen Länder werden solch eine Haltung nicht
leicht übernehmen." 29
".

Der Kapitalismus wird niemals
"grün" werden. Morgen wird die Wirtschaftskrise uns noch härter
treffen. Das Schicksal des Planeten ist die letzte Sorge der Herrschenden. Sie
wird nur nach einem streben: Ihre eigenen nationalen Interessen fördern. Dabei
wird es zu mehr und mehr Zusammenstößen zwischen den Ländern kommen, unrentable
Betriebe werden geschlossen oder man lässt sie einfach herunterkommen, die
Produktionskosten werden gesenkt, die Sicherheit und Wartung der Betriebe und
der Energieerzeuger (Atomkraft – und Kohlekraftwerke) wird eingeschränkt. All
dies bedeutet mehr Verschmutzung und Unfälle in der Industrie. Das ist die
Zukunft im Kapitalismus – eine sich zuspitzende Wirtschaftskrise, eine
verrottende und umweltverschmutzende
Infrastruktur und ein immer größeres Leiden für die Menschheit.

Es ist Zeit, dass wir den Kapitalismus überwinden,
bevor er den Planeten zerstört und die Menschheit dezimiert.

Pawel, 6.1.2010.

(aus Platzgründen haben wir hier die
Fußnoten nicht mit aufgeführt. Sie sind auf unserer Webseite zugänglich).

1 Nur amerikanische
und chinesische Journalisten sprachen von einem "Erfolg", "einem
Schritt vorwärts“. Wir werden später erklären, warum das der Fall war.

2 http://www.estadao.com.br/estadaodehoje/20091220/not_imp484972,0.php

3 http://www.courrierinternational.com/article/2009/11/19/un-sommet-plus-important-que-yalta

4 http://www.courrierinternational.com/article/2009/12/07/les-quotidiens-manifestent-pour-la-planete

5 http://www.planetoscope.com/biodiversite

6 http://www.futura-sciences.com/fr/news/t/climatologie-1/d/rechauffement-climatique-300-000-morts-par-an_19468/

7 Man kann nicht
ausschließen, dass ein großer Teil der Intellektuellen und Verantwortlichen der
Umweltverbände selbst an die Geschichten glaubt, die sie erfinden. Dies ist
ziemlich wahrscheinlich der Fall.

8 Er erhielt den
Friedensnobelpreis für seinen Kampf gegen die Klimaerwärmung mit einem
Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit".

9 http://m.futura-sciences.com/2729/show/f9e437f24d9923a2daf961f70ed44366&t=5a46cb8766f59dee2844ab2c06af8e74

10 http://www.radio-canada.ca/nouvelles/National/2009/08/19/001-harper-exercice-nord.shtml

11 Die Liste müsste
fortgesetzt werden, denn seit Ende 2008, Anfang 2009 wurden Island, Bulgarien,
Litauen und Estland schon als "insolvente Staaten" eingestuft.

12 Bericht
– von Telegraph (englische Zeitung) am 18. November 2009
veröffentlicht worden.

13 Quelle : http://weinstein-forcastinvest.net/apres-la-grece-le-top-10-des-faillites-a-venir/

14 Le nouvel
Observateur, französisches Zeitschrift, 3. – 9. Dezember.

15 Deshalb der
Siegesschrei der amerikanischen und chinesischen Presse (in unserer Einführung
hervorgehoben), für die das Nichtzustandekommen eines Vertrages "ein
Schritt nach vorne" darstellt.

16 IPCC (Intergovernmental Panel
on Climate Change)

17 Le nouvel Observateur, 3. -9. 12.2009, Sondernummer
Kopenhagen.

18 Idem.

19 http://www.rue89.com/planete89/2009/12/19/les-cinq-raisons-de-lechec-du-sommet-de-copenhague-130640?page=3#comment-1198267

20 Les Echos
19-12-2009.

21 Le Monde
17-12-2009.

22 "Nos déchets nucléaires
sont cachés en Sibérie
", Libération du 12 octobre 2009.

23 Euronews 15-12-2009 (http://fr.euronews.net/2009/12/15/copenhague-les-emissions-liees-a-la-deforestation-font-debat/)

24 http://www.rtlinfo.be/info/magazine/environnement/293711/wwf-l-europe-toujours-faible-dans-la-lutte-contre-la-deforestation

25 La
Tribune
(quotidien français) du 19 décembre 2009.

26 Dieser Preis wird
von einer Gruppe von 500 NGO verliehen, die Einzelpersönlichkeiten oder Staaten
"würdigen", die euphemistisch gesagt, "die Entscheidungen im
Kampf gegen die Erderwärmung hinauszögern". Auf dem Kopenhagener Gipfel
konnte allen Ländern der Preis des "Fossil
of the Day
.verliehen werden.

27 Le
Soir
(belgische Tageszeitung) 10-12- 2009.

28 1990 ist das
Referenzjahr für alle Treibhausgasemissionen für alle Länder seit dem
Kyoto-Protokoll

29 Le nouvel Observateur 3.- 9.12.2009.

Aktuelles und Laufendes: