Aufbau der revolutionären Organisation -Thesen über den Parasitismus

1. Die Arbeiterbewegung hat sich während ihrer ganzen bisherigen Geschichte gegen
das Eindringen fremder Ideologien in ihre Reihen wehren müssen. Ideologien,
welche entweder von der herrschenden Klasse oder dem Kleinbürgertum herrühren.
Dieses Eindringen hat sich in den Organisationen der Arbeiterklasse in
vielfältigen Formen ausgedrückt. Die bekanntesten und auch am meisten
verbreiteten darunter sind:

- 
das Sektierertum

- 
der Individualismus

- 
der Opportunismus

- 
das Abenteurertum / der Putschismus.

2. Das Sektierertum ist eine typische Form einer kleinbürgerlichen
Organisationsvorstellung. Es lehnt sich an den kleinbürgerlichen Geist des
Krämers an, des "Herrn im eigenen Haus", und drückt sich darin aus,
die eigenen Interessen und Organisationsvorstellungen über die Interessen der
Arbeiterbewegung als Ganzes zu stellen. In der sektiererischen Vorstellung ist
die Organisation "allein auf der Welt", und sie trägt eine Verachtung
gegenüber allen andern Organisationen der Arbeiterbewegung, welche als
"Konkurrenten" und "Feinde" angesehen werden, zur Schau. Da
sie sich durch diese bedroht fühlen, lehnen sektiererische Organisationen die
Debatte und Polemik meist ab. Sie suchen Zuflucht in einer "wundervollen
Isolation", tun so, als würden die anderen nicht existieren, oder stellen
hartnäckig, ohne Gemeinsamkeiten zu beachten, nur das in den Vordergrund, was
sie von den anderen unterscheidet.

3. Der Individualismus rührt ebenfalls von kleinbürgerlichen oder direkt
bürgerlichen Einflüssen her. Von der herrschenden Klasse übernimmt der
Individualismus die Ideologie, welche das Individuum als Subjekt der Geschichte
betrachtet, den "Einzelgänger" glorifiziert und damit den "Kampf
des Einzelnen gegen Alle" rechtfertigt. Er dringt vor allem durch die
Brücke des Kleinbürgertums in die Organisationen des Proletariates ein.
Insbesondere durch frisch proletarisierte Elemente aus den Schichten des
Bauerntums und des Handwerks (dies war vor allem im letzten Jahrhundert der
Fall) oder durch Elemente aus dem intellektuellen und studentischen Milieu (vor
allem nach dem historischen Wiedererwachen der Arbeiterklasse Ende der 60er
Jahre). Der Individualismus drückt sich vor allem in der Tendenz aus:

- 
die Organisation nicht als etwas Kollektives zu sehen, sondern als eine
Summe von Individuen, bei der die Beziehungen zwischen Personen Vorrang haben
vor politischen und statutarischen Beziehungen;

- 
die eigenen "Wünsche" und "Interessen" über die
Bedürfnisse der Organisation zu stellen;

- 
sich schlußendlich der Disziplin innerhalb der Organisation
entgegenzustellen;

- 
in den militanten Aktivitäten eine "persönliche
Verwirklichung" zu suchen;

- 
gegenüber den Zentralorganen eine permanent rebellische Haltung
einzunehmen und diese als Zerstörer der Individualität anzuklagen und
gleichzeitig, ergänzend dazu, nach einem "Aufstieg" zu streben durch
den eigenen Eintritt in diese Organe;

- 
auf allgemeiner Ebene durch eine elitäre Organisationsauffassung, in der
man zu den "Militanten 1. Klasse" gehören will und durch eine
Verachtung gegenüber denjenigen, die als "Militante 2. Klasse"
betrachtet werden.

4. Der Opportunismus, der in der Geschichte die größte Gefahr für die
Organisationen des Proletariats darstellte, ist ein weiterer Ausdruck des
Eindringens bürgerlicher, und vor allem kleinbürgerlicher Ideologien. Eine
seiner Hauptantriebskräfte ist die Ungeduld, welche den Standpunkt einer zur
Machtlosigkeit verdammten Schicht ausdrückt, die keinerlei Zukunft in der
Geschichte hat. Seine andere Antriebskraft ist die Tendenz, die Interessen und
Positionen der zwei Hauptklassen der Gesellschaft, des Proletariates und der
Bourgeoisie, zwischen denen das Kleinbürgertum eingepfercht ist, in
Übereinstimmung bringen zu wollen. Deshalb zeichnet sich der Opportunismus darin
aus, die allgemeinen und historischen Interessen der Arbeiterklasse den
Illusionen des unmittelbaren und von den momentanen Umständen abhängigen
"Fortschritts" zu opfern. Da es für die Arbeiterklasse aber keinen
Widerspruch gibt zwischen dem Kampf innerhalb des Kapitalismus und dem Kampf
für dessen Überwindung, führt die Politik des Opportunismus schlußendlich dazu,
auch die unmittelbaren Interessen des Proletariats zu opfern, vor allem indem
er die Klasse zu Kompromissen mit den Interessen und Positionen der
herrschenden Klasse drängt. Letztendlich wählen opportunistische politische
Strömungen in den entscheidenden historischen Augenblicken, wie dem
imperialistischen Krieg und der proletarischen Revolution, das Lager der
herrschenden Klasse. Dies war der Fall bei der Mehrheit der
sozialdemokratischen Parteien während des Ersten Weltkrieges und den
kommunistischen Parteien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges.

5. Der Putschismus - oder auch Abenteurertum genannt[1] - behauptet von
sich, das Gegenteil des Opportunismus darzustellen. Unter dem Deckmantel der
"Unbeugsamkeit" und des "Radikalismus" erklärt er sich allzeit
bereit, Angriffe gegen die Bourgeoisie zu eröffnen und einen "alles
entscheidenden" Kampf zu führen, auch wenn dazu die Bedingungen im
Proletariat noch nicht erfüllt sind. Der Putschismus versäumt auch keine
Gelegenheit, die authentische, proletarische und marxistische Strömung, welche
darum bemüht ist, die Arbeiterklasse vor einem von vornherein aussichtslosen
Kampf zu bewahren, des Opportunismus, Versöhnlertums oder gar des
"Verrats" zu bezichtigen. In Wirklichkeit von derselben Quelle herrührend
wie der Opportunismus - der kleinbürgerlichen Ungeduld - vereint er sich oft
mit diesem. Die Geschichte ist reich an Beispielen von opportunistischen
Strömungen, welche putschistische Strömungen unterstützten oder die sich in den
putschistischen Radikalismus verwandelten. So zu Beginn des 20. Jahrhunderts,
als die Rechte innerhalb der deutschen Sozialdemokratie gegen den Widerstand
ihres linken Flügels um Rosa Luxemburg, die russischen Sozialrevolutionäre
unterstütze, welche Anhänger des Terrorismus waren. Gleichfalls im Januar 1919,
als sich dieselbe Rosa Luxemburg gegen den von der sozialdemokratischen
Regierung provozierten Aufstand der Arbeiter in Berlin aussprach, drängten die
Unabhängigen, welche dieselbe Regierung eben verlassen hatten, in einen Aufstand,
der in einem Massaker an Tausenden von Arbeitern und den wichtigsten
kommunistischen Anführern endete.

6. Der Kampf gegen das Eindringen bürgerlicher und kleinbürgerlicher
Ideologien in die Organisationen der Klasse und gegen die Auswirkungen dieses
Eindringens ist eine permanente Verantwortung für die Revolutionäre. Eigentlich
war dieser Kampf sogar der hauptsächliche, den die wirklich proletarische und
revolutionäre Strömung innerhalb der Organisationen der Klasse auszufechten
hatte, da er weit schwieriger war als der direkte Kampf gegen die offiziellen,
erklärten Kräfte der Bourgeoisie. Der Kampf gegen die Sekten und das
Sektierertum, besonders innerhalb der Internationalen Arbeiter Assoziation
(IAA), war einer der bedeutendsten, den Marx und Engels führten. Desgleichen
der Kampf gegen den Individualismus, vor allem in der Form des Anarchismus, den
nicht nur Marx und Engels führten, sondern auch die Marxisten der Zweiten
Internationalen (vor allem Rosa Luxemburg und Lenin). Der Kampf gegen den
Opportunismus ist sicher der konstanteste und systematischste, den die
revolutionäre Strömung seit Beginn geführt hat:

- 
gegen den "Staats-Sozialismus" der Lassalleaner zwischen 1860
und 1870;

- 
gegen all die Revisionisten und Reformisten wie Bernstein und Jaurès um
die Jahrhundertwende;

- 
gegen den Menschewismus;

- 
gegen den Zentrismus vom Schlage Kautskys am Vorabend, während und nach
dem Ersten Weltkrieg;

- 
gegen die Degenerierung der Dritten Internationale und der
kommunistischen Parteien während der 20er und zu Beginn der 30er Jahre;

- 
gegen die Degenerierung der trotzkistischen Strömung während der 30er
Jahre.

- 
Der Kampf gegen den Abenteurer-Putschismus fand nicht mit derselben
Beharrlichkeit statt wie der Kampf gegen den Opportunismus. Trotzdem wurde er
seit dem Beginn der Arbeiterbewegung geführt (gegen die immediatistische
Tendenz von Willich-Schapper im Bund der Kommunisten, gegen die bakunistischen
Abenteuer während der "Kommune" von Lyon 1870 und im Bürgerkrieg in
Spanien von 1873). Eine besondere Bedeutung hatte er jedoch vor allem während
der weltrevolutionären Welle von 1917-23: Auf der Fähigkeit der Bolschewiki,
diesen Kampf im Juli 1917 zu führen, gründete im wesentlichen der Erfolg der
Oktoberrevolution.

7.
Die vorangegangenen Beispiele zeigen deutlich auf, daß die Auswirkungen dieser
verschiedenen Ausdrücke des Eindringens fremder Ideologien eng zusammenhängen
mit:

- 
der historischen Periode;

- 
dem Zeitpunkt in der Entwicklung der Arbeiterklasse;

- 
der Verantwortung, welche die Klasse unter den jeweiligen Umständen hat.

Einer
der wichtigsten Ausdrücke des Eindringens fremder Ideologien in die Reihen der
Arbeiterklasse (sowie auch der entschlossene Kampf dagegen), der Opportunismus,
fand seinen Boden, auch wenn er in der Geschichte der Arbeiterklasse andauernd
vorhanden war, insbesondere in den Parteien der Zweiten Internationale. Dies
während einer Periode:

- 
in der die Illusionen einer möglichen Einigung mit der Bourgeoisie
aufgrund der tatsächlichen Entwicklung des Kapitalismus und den handfesten Verbesserungen
der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse aufblühten;

- 
in der das Bestehen von Massenparteien die Idee begünstigten, daß der
Druck, den diese Parteien ausübten, die geradlinige Umwandlung des Kapitalismus
in den Sozialismus ermöglichen würde.

Ebenso ist das Eindringen des Opportunismus in die Parteien der Dritten
Internationale stark bestimmt durch das Abebben der weltrevolutionären Welle.
Dieser Rückfluß förderte die Idee, daß es möglich sei, innerhalb der
Arbeitermassen einen Einfluß zu gewinnen, indem man Konzessionen mache
gegenüber den auf ihr lastenden Illusionen, die sich vor allem in den Fragen
des Parlamentarismus, der Gewerkschaften und der Natur der Sozialdemokratie
ausdrückten.

Die Wichtigkeit des historischen Zeitpunkts, bezüglich der verschiedenen
Ausdrücke des Eindringens fremder Ideologien in die Klasse zeigt sich am
Beispiel des Sektierertums noch deutlicher. Das Sektierertum war vor allem zu
Beginn der Arbeiterbewegung stark vorhanden, als sich das Proletariat erst
gerade aus dem Handwerker- und Gesellentum (mit seinen Ritualen und
Berufsgeheimnissen) gelöst hatte. Gleichfalls blühte es während der
Konterrevolution in Form der bordigistischen Strömung erneut auf, die im
Rückzug in sich selbst ein Mittel (das offenbar aber nicht taugte) im Kampf
gegen die Bedrohung durch den Opportunismus sah.

8. Der politische Parasitismus, der mehrheitlich auch ein Ausdruck des
Eindringens fremder Ideologien in die Arbeiterklasse ist, fand in der
Geschichte der Arbeiterbewegung nicht im demselben Ausmaße Aufmerksamkeit wie
andere Ausdrücke (z.B. der Opportunismus). Dies weil der Parasitismus die
Organisationen des Proletariates nur in bestimmten historischen Momenten
bedeutsam angegriffen hat. Der Opportunismus stellt eine andauernde Gefahr für
die Organisationen des Proletariates dar und er drückt sich vor allem in den
Momenten aus, in denen diese ihre größte Entwicklung erleben. Demgegenüber
findet der Parasitismus seinen Platz grundsätzlich nicht während den
wichtigsten Momenten der Arbeiterbewegung. Der Parasitismus findet einen
günstigen Boden vielmehr in Perioden der relativen Unreife der
Arbeiterbewegung, in denen die Organisationen des Proletariates noch eine
schwache Wirkung und wenig Tradition haben. Dies hängt mit der Natur des
Parasitismus zusammen, der sich, um erfolgreich zu sein, an Elemente wendet,
welche auf der Suche nach Klassenpositionen sind und Schwierigkeiten haben,
zwischen tatsächlich revolutionären Organisationen und denjenigen Strömungen zu
unterscheiden, deren Existenz alleine darauf beruht, auf Kosten der
Revolutionäre zu leben, deren Wirken zu sabotieren und sie wenn möglich zu
zerstören. Gleichzeitig - auch dies rührt von seiner Natur her - taucht der
Parasitismus nicht schon zu Beginn des Entstehens der Organisationen der Klasse
auf, sondern dann, wenn sich diese bereits formiert haben und den Beweis
erbringen, die Interessen der Arbeiterklasse tatsächlich zu verteidigen.

Dies sind Elemente, die wir schon zu Beginn der Entstehung des
politischen Parasitismus finden: bei der "Allianz der sozialistischen
Demokratie", welche versuchte die Arbeit der Internationalen
Arbeiterassoziation zu sabotieren und diese zu zerstören.

9. Es waren Marx und Engels, die als erste die Gefahr erkannten, welche
der Parasitismus für die Organisationen des Proletariates darstellt:

"Es ist außerdem an der Zeit, ein für allemal den inneren Kämpfen
ein Ende zu bereiten, die durch das Vorhandensein dieser parasitären
Körperschaft täglich von neuem in unserer Assoziation provoziert werden. Diese
Streitigkeiten dienen nur dazu, Kräfte zu vergeuden, die dazu benutzt werden
sollen, das jetzige bourgeoise Regime zu bekämpfen. Indem die Allianz die
Tätigkeit der Internationale gegen die Feinde der Arbeiterklasse lähmt, dient
sie ausgezeichnet der Bourgeoisie und den Regierungen."

Der Begriff des politischen Parasitismus ist also keineswegs "eine
Erfindung der IKS". Es war die IAA (Internationale Arbeiterassoziation),
welche als erste mit dieser Bedrohung für die Arbeiterbewegung konfrontiert war,
sie identifizierte und auch bekämpfte. Sie - und zuvorderst Marx und Engels -
war es, die die Parasiten schon damals als politisierte Elemente beschrieb,
welche zwar vorgeben, zum Programm und den Organisationen des Proletariates zu
gehören, ihre Energie aber nicht auf den Kampf gegen die herrschende Klasse,
sondern gegen die Organisationen der revolutionären Klasse konzentrieren. Das
Wesen der parasitären Aktivitäten ist es, Verleumdungen und Manöver gegen das
revolutionäre Lager zu führen, auch wenn sie behaupten, dazu zu gehören und in
seinem Dienst zu stehen.[2]

"Zum ersten Mal in der Geschichte der Kämpfe der Arbeiterklasse
stoßen wir auf eine geheime Verschwörung, die angezettelt worden ist inmitten
dieser Klasse selbst und dazu bestimmt ist, nicht das bestehende
Ausbeuterregime zu unterminieren, sondern gerade die Assoziation, die es aufs
energischste bekämpft."

10. In dem Masse, wie die Arbeiterbewegung mit der IAA über eine reiche
Erfahrung des Kampfes gegen den Parasitismus verfügt, ist es für die
Konfrontation mit den gegenwärtigen parasitären Angriffen und zur Bewaffnung
gegen sie äußerst wichtig, die Hauptlehren dieses vergangenen Kampfes in
Erinnerung zu rufen. Diese Lehren betreffen eine ganze Reihe von Aspekten:

-  den Zeitpunkt des
Auftauchens des Parasitismus;

-  seine Besonderheiten im
Verhältnis zu den anderen Gefahren, die den proletarischen Organisationen
lauern;

-  sein Rekrutierungsfeld;

-  seine Methoden;

-  die Mittel eines wirksamen
Kampfes gegen ihn.

Wie weiter unten festzustellen sein wird, sticht die Ähnlichkeit unter
all diesen Gesichtspunkten zwischen der Lage, vor der das proletarische Milieu
heute steht, und derjenigen der IAA in die Augen.

11. Auch wenn der Parasitismus eine Arbeiterklasse befiel, die noch
unerfahren war, so trat er geschichtlich doch erst als Feind der
Arbeiterbewegung auf, als diese bereits einen gewissen Reifegrad erreicht und
die sektiererische Kindheitsphase überwunden hatte.

"Die erste Phase in dem Kampfe des Proletariats gegen die Bourgeoisie
ist durch die Sektenbewegung bezeichnet. Diese ist berechtigt zu einer Zeit, in
der das Proletariat sich noch nicht hinreichend entwickelt hat, um als Klasse
zu handeln."

Das Auftreten des Marxismus, die Reifung des proletarischen
Klassenbewußtsein und die Fähigkeit der Klasse und ihrer Vorhut, ihren Kampf zu
organisieren, stellen die Arbeiterbewegung auf einer gesunden Grundlage.

"Von dem Moment an, da die Bewegung der Arbeiterklasse Wirklichkeit
wurde, schwanden die phantastischen Utopien (...), weil an die Stelle
phantastischer Utopien die wirkliche Einsicht in die historischen Bedingungen
der Bewegung trat und die Kräfte für eine Kampforganisation der Arbeiterklasse
sich immer mehr zu sammeln begannen."

Der Parasitismus ist geschichtlich als Antwort auf die Gründung der
Ersten Internationale entstanden, die Engels beschrieb als "das Mittel zur
allmählichen Auflösung und Aufsaugung all jener kleineren Sekten"
(Friedrich Engels, Brief an Florence Kelley-Wischnewetzky vom 27.1.1887).

Mit anderen Worten war die Internationale ein Instrument, das die
verschiedenen Teile der Arbeiterbewegung zwang, sich in einem kollektiven und
öffentlichen Klärungsprozeß zu engagieren und sich einer einheitlichen,
unpersönlichen, proletarischen, organisatorischen Disziplin zu unterwerfen. Der
Parasitismus hat der revolutionären Bewegung den Krieg vor allem als Widerstand
gegen diese internationale "Auflösung und Aufsaugung" aller nicht
proletarischen programmatischen und organisatorischen Besonderheiten und Autonomien
erklärt.

"Die Sekten, im Anfange Hebel der Bewegung, werden ein Hindernis,
sowie diese sie überholt; sie werden dann reaktionär; Beweis dafür sind die
Sekten in Frankreich und England und letzthin die Lassalleaner in Deutschland,
welche, nachdem sie jahrelang die Organisation des Proletariats gehemmt,
schließlich einfache Polizeiwerkzeuge geworden sind."

12. Dieser dynamische Rahmen der Analyse, den die Erste Internationale
entwickelte, erklärt, warum die gegenwärtige Phase, d.h. diejenige der 1980er
und v.a. der 1990er Jahre, Zeugin einer seit der Zeit der Allianz der Strömung
von Lassalle nie mehr erlebten Entwicklung des Parasitismus ist. Wir stehen
heute vor zahlreichen informellen Umgruppierungen, die häufig im Dunkeln
agieren und vorgeben, zum Lager der Kommunistischen Linken zu gehören, die aber
ihre Energien darauf verwenden, eher die bestehenden marxistischen
Organisationen zu bekämpfen als die bürgerliche Herrschaft. Wie zur Zeit von
Marx und Engels besteht die Funktion dieser reaktionären parasitären Welle
darin, die Entwicklung der offenen Debatte und der proletarischen Klärung zu
sabotieren sowie die Aufstellung von Verhaltensregeln, die alle Mitglieder des
proletarischen Lagers verbinden, zu verhindern. Insbesondere die folgenden
Faktoren rufen gegenwärtig den Haß und die Offensive des politischen
Parasitismus hervor:

-  eine internationale
marxistische Strömung wie die IKS, die das Sektierertum und den Monolithismus
ablehnt;

-  öffentliche Polemiken
zwischen revolutionären Organisationen;

-  die gegenwärtige Debatte
über marxistische Organisationsgrundsätze und die Verteidigung des
revolutionären Milieus;

-  neue revolutionärer
Elemente, die auf der Suche der wirklichen marxistischen Traditionen - sowohl
organisatorisch als auch programmatisch - sind.

Wie wir anhand der Erfahrung der IAA gesehen haben, wird den
Parasitismus nur in jenen Phasen zum Hauptgegner der Arbeiterbewegung, in denen
diese aus einem Stadium grundlegender Unreife auf eine qualitativ höhere,
spezifisch kommunistische Stufe übertritt. In der gegenwärtigen Phase ist diese
Unreife nicht das Produkt der Jugend der Arbeiterbewegung in ihrer Gesamtheit
wie zur Zeit der IAA, sondern v.a. das Ergebnis von 50 Jahren Konterrevolution,
die auf die Niederlage der revolutionären Welle von 1917-23 folgten. Heute
erklärt v.a. dieser Bruch der organischen Kontinuität mit den Traditionen der
früheren Generationen von Revolutionären das Gewicht der kleinbürgerlichen
Reflexe und Verhaltensweisen gegen die Organisation bei vielen Elementen, die
sich auf den Marxismus und die Kommunistische Linke berufen.

13. Neben einer ganzen Reihe von Ähnlichkeiten zwischen den Bedingungen
und den Charakteristiken des auftauchenden Parasitismus zur Zeit der IAA
einerseits und dem heutigen andererseits, darf man einen erheblichen
Unterschied zwischen den beiden Epochen nicht übersehen: Im letzten Jahrhundert
nahm der Parasitismus hauptsächlich die Form einer strukturierten und
zentralisierten Organisation in der Klassenorganisation an, während er heute im
Wesentlichen in der Form von kleinen Gruppen oder sogar noch
"unorganisierten" Elementen (die zwar oft in Verbindung miteinander
arbeiten) auftaucht. Ein solcher Unterschied stellt die grundsätzlich
identische Natur der Erscheinung des Parasitismus in beiden Perioden nicht in
Frage. Der Unterschied erklärt sich wesentlich durch die folgenden Tatsachen:

-  Eine der Grundlagen, auf
denen sich die Allianz entwickelte, war diejenige der Überbleibsel der Sekten
aus der vorangegangenen Phase: Sie selbst übernahm von den Sekten ihre streng
zentralisierte Struktur um einen "Propheten" und ihren Geschmack für
die Untergrundorganisation; der gegenwärtige Parasitismus stützt sich umgekehrt
unter anderem auf die Überbleibsel der studentischen Rebellion, die auf dem
historischen, Ende der 60er Jahre und insbesondere 1968 wieder aufgetauchten
proletarischen Kampf lastete, mit all ihren individualistischen Fesseln und der
Infragestellung der Organisation bzw. der Zentralisation, die als
"Einengung der Individualität" betrachtet wurden[3].

-  Zur Zeit der IAA gab es nur
eine einzige Organisation, die die gesamte proletarische Bewegung
zusammenfaßte, so daß diejenigen Strömungen, die sich zum Ziel setzten, sie zu
zerstören, aber gleichzeitig vorgaben, ihren Kampf gegen die Bourgeoisie zu
unterstützen, innerhalb derselben agieren mußten; in einem Punkt der Geschichte
umgekehrt, wo die Elemente, die den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse
darstellen, in verschiedenen Organisationen des Proletarischen Politischen
Milieus verstreut sind, kann sich jede Gruppe der parasitären Richtung als ein
"Bestandteil" des Milieus neben anderen Gruppen ausgeben.

In diesem Sinn muß man unterstreichen, daß die gegenwärtige
Aufsplitterung des Proletarischen Politischen Milieus und alle sektiererischen
Tendenzen, die die Anstrengungen hin zu einer Umgruppierung oder die
brüderliche Debatte zwischen den verschiedenen Bestandteilen ver- oder
behindern, dem Parasitismus in die Hände spielen.

14. Der Marxismus hat auf Grund der Erfahrungen der IAA die Unterschiede
zwischen dem Parasitismus sowie den anderen Formen, unter denen fremde
Ideologien in die Klassenorganisationen eindringen, herausgearbeitet. So hat er
beispielsweise aufgezeigt, daß der Opportunismus, selbst wenn er anfänglich als
Organisation auftritt (wie dies 1903 bei den Menschewiki der Fall war), in
erster Linie das Programm der proletarischen Organisation unter Beschuß nimmt.
Der Parasitismus greift, um seiner Rolle gerecht zu werden, nicht a priori das
Programm an, sondern er bewegt sich hauptsächlich auf dem organisatorischen
Terrain, selbst wenn er, um besser zu rekrutieren, öfters gewisse Aspekte des
Programms in Frage stellt. So hat man Bakunin sehen können, wie er sich 1869
auf dem Kongreß von Basel auf das Pferd der "Aufhebung des Erbrechts"
schwang, da er genau wußte, daß er viele Delegierte um diese hohle und
demagogische Forderung würde sammeln können. Zu dieser Zeit existierten
diesbezüglich noch große Illusionen in der Internationale. Tatsächlich aber
zielte Bakunin darauf ab, den von Marx beeinflußten Generalrat, der diese
Forderung bekämpfte, zu stürzen und einen Generalrat zu bilden, der ihm ergeben
war[4]. Da sich der
Parasitismus direkt auf die organisatorischen Strukturen des Proletariats
stürzt, stellt er, wenn die historischen Bedingungen sein Erscheinen erlauben,
eine viel unmittelbarere Gefahr dar als der Opportunismus. Diese zwei Formen
des Eindringens fremder Ideologien stellen eine tödliche Gefahr für die
proletarischen Organisationen dar. Der Opportunismus bringt diese Werkzeuge der
Arbeiterklasse um, indem er sie ins Lager der Bourgeoisie führt. Aber da er
hauptsächlich das Programm angreift, kann er zu diesem Ziel lediglich durch
einen komplizierten Prozeß gelangen, in dem die revolutionäre Strömung, die
Linke, ihrerseits innerhalb der Organisation den Kampf für die Verteidigung des
Programms aufnimmt[5]. Da der
Parasitismus die Organisationsstruktur direkt ins Visier nimmt, bleibt der
proletarischen Strömung viel weniger Zeit zu ihrer Verteidigung. Das Beispiel
der IAA ist diesbezüglich bedeutend: Der Kampf gegen die Allianz dauerte alles
in allem nicht mehr als vier Jahre, und zwar von 1868, als Bakunin in die
Allianz eintrat, bis 1872, als er am Kongreß von Den Haag ausgeschlossen wurde.
Dies unterstreicht nur eine Tatsache: Es besteht für die proletarische
Organisation die Notwendigkeit, dem Parasitismus schnell paroli zu bieten,
nicht zuzuwarten, bis er bereits Schaden angerichtet hat.

15. Wie wir gesehen haben, muß man den Parasitismus von anderen Formen
des Eindringens fremder Ideologien unterscheiden. Nun ist es aber eine
Charakteristik des Parasitismus, auch die anderen Formen zu benutzen. Dies
erklärt sich aus den Ursprüngen des Parasitismus, der ebenfalls von einem
solchen Eindringen fremder Einflüsse abstammt, aber auch aus der Tatsache, daß
seine Herangehensweise in letzter Instanz auf die Zerstörung der proletarischen
Organisationen abzielt und er somit weder Prinzipien noch Skrupel hegen darf.
So hat sich die Allianz innerhalb der IAA und der damaligen Arbeiterbewegung
dadurch hervorgetan, daß sie von den Überbleibseln des Sektierertums
profitierte, eine opportunistische Herangehensweise anwendete (gegenüber der
Frage des Erbrechts) oder sich in völlig abenteuerliche Bewegungen stürzte
("Kommune" von Lyon oder Bürgerkrieg in Spanien 1873). Auch hat sie
sich stark auf den Individualismus einer kaum dem Handwerk oder dem Bauerntum
entronnenen Arbeiterklasse gestützt (dies hauptsächlich in Spanien und im
Schweizer Jura). Die gleichen Merkmale finden wir auch beim heutigen
Parasitismus. Die Rolle des Individualismus bei der Bildung des gegenwärtigen
Parasitismus ist bereits enthüllt worden, aber wir müssen darauf hinweisen, daß
auch alle Abspaltungen von der IKS, die in der Folge parasitäre Gruppen
bildeten (GCI, CBG, FECCI) eine sektiererische Herangehensweise an den Tag
legten: Sie haben in einem verfrühten Stadium mit der Organisation gebrochen
und lehnten eine tiefgreifende Debatte zur Klärung ab. Der Opportunismus war
ein Markenzeichen der GCI. Als sie noch eine "Tendenz" innerhalb der
IKS war, hat sie die Organisation angegriffen, daß sie gegenüber den neuen
Kandidaten nicht genügend Forderungen stelle. Danach begab sie sich auf eine
Werbetour ohne die geringsten Prinzipien und änderte ihr Programm in Richtung
der linken und gerade modischen Mystifikationen (3.-Welt-Bewegung). Derselbe
Opportunismus ist von der CBG und der FECCI angewendet worden, die sich zu
Beginn der 90er Jahre auf ein unglaubliches Feilschen einließen, um sich
umzugruppieren. Was das Abenteurertum und den Putschismus betrifft, so ist es
bemerkenswert, auch wenn wir die Liebäugelei der GCI mit dem Terrorismus
beiseite lassen, daß all diese Gruppen systematisch in die der Arbeiterklasse
gestellten Fallen der Bourgeoisie getappt sind. So beispielsweise in Frankreich
im Herbst 1995, als sie zu einem Kampf aufriefen, während das Terrain von der
herrschenden Klasse und ihren Gewerkschaften bereits vollständig vermint war.

16. Die Erfahrungen der IAA haben die Unterschiede zwischen dem
Parasitismus und dem Sumpf offengelegt (auch wenn der letztgenannte Ausdruck zu
dieser Zeit noch nicht existierte). Der Marxismus definiert den Sumpf als eine
politische Bewegung, die zwischen den politischen Positionen der Arbeiterklasse
und denjenigen der Bourgeoisie oder des Kleinbürgertums liegt. Solche
Bewegungen können in einer ersten Phase des Bewußtwerdungsprozesses von Teilen
der Arbeiterklasse oder aus einem Bruch mit bürgerlichen Positionen auftauchen.
Sie können ebenfalls Hindernisse von Strömungen darstellen, die zu einem
gegebenen Zeitpunkt eine wirkliche Anstrengung im Bewußtwerdungsprozeß an den
Tag legten, die sich jedoch als unfähig erwiesen, sich in Richtung und gemäß
den Erfahrungen der neuen proletarischen Kampfbedingungen weiterzuentwickeln.
Die Bewegungen des Sumpfs entwickeln meistens keine Stabilität. Das Hin und Her
zwischen den proletarischen und anderen Klassenpositionen führt sie dazu, sich
entweder vollständig den revolutionären oder aber den bürgerlichen Positionen
anzuschließen. Tritt weder der eine noch der andere Fall ein, so werden sie
zwischen den beiden Terrains zerrissen. Ein solcher Kristallisierungsprozeß
wird normalerweise durch die großen Ereignisse, mit denen sich die
Arbeiterklasse konfrontiert sieht (im 20. Jahrhundert handelt es sich
hauptsächlich um den imperialistischen Krieg sowie um die proletarische
Revolution), ausgelöst und beschleunigt. Die Richtung dieses Prozesses hängt
von der Entwicklung des Kräfteverhältnisses zwischen Bourgeoisie und
Proletariat ab. Gegenüber diesen Strömungen hat die Linke in der Arbeiterklasse
immer die Haltung vertreten, sie für den Klassenkampf nicht als verloren zu
betrachten. Sie müssen allerdings in ihrem Klärungsprozeß vorangetrieben
werden, so daß sich die gesündesten Elemente vollumfänglich dem Kampf
anschließen und diejenigen mit größter Entschlossenheit verurteilen, die den
gegnerischen Weg eingeschlagen haben.

17. Innerhalb der IAA gab es neben der die Vorhut bildenden
marxistischen Strömung auch Strömungen, die man als dem Sumpf zugehörig
definieren könnte. Dies war beispielsweise bei gewissen proudhonistischen
Gruppen der Fall, die noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in
Frankreich die proletarische Avantgarde gebildet hatten. Indessen waren sie
trotz all ihrer Konfusionen in der Lage, am Kampf um die Rettung der
Internationale, insbesondere am Kongreß in Den Haag, teilzunehmen. Ihnen
gegenüber nahmen die Marxisten eine ganz andere Haltung ein als gegenüber der
Allianz. Niemals stellte sich die Frage, sie auszuschließen. Es wurden im
Gegenteil Anstrengungen unternommen, sie im Kampf der IAA gegen ihre Feinde zu
integrieren, nicht nur weil sie innerhalb der IAA ein großes Gewicht
darstellten, sondern auch weil die Erfahrung des Kampfes diesen Strömungen eine
Klärung ermöglichte. In der Praxis hat dieser Kampf gezeigt, daß ein
fundamentaler Unterschied zwischen dem Sumpf und dem Parasitismus besteht: Im
ersteren existiert ein proletarisches Leben, das es seinen besten Elementen
ermöglicht, sich der proletarischen Strömung anzuschließen. Der Parasitismus
hingegen zielt auf die Zerstörung der Klassenorganisation ab und kann sich
somit niemals in diese Richtung entwickeln, selbst wenn es einzelnen vom
Parasitismus geblendeten Elementen gelingt, diesen Schritt zu tun.

Heute müssen wir ebenfalls zwischen den Strömungen des Sumpfs[6] und des
Parasitismus unterscheiden. So wie die Gruppen des proletarischen Milieus die
Pflicht haben zu versuchen, die ersteren hin zu marxistischen Positionen zu
bewegen und bei ihnen eine politische Klärung herbeizuführen, so müssen sie
umgekehrt gegenüber dem Parasitismus die größte Strenge demonstrieren, seine
dreckige Rolle denunzieren, die er zum großen Nutzen der Bourgeoisie spielt.
Und dies ist umso wichtiger, als die Strömungen des Sumpfs auf Grund ihrer
Verwirrungen (insbesondere was ihre Abneigung gegen die Organisation betrifft,
was insbesondere bei denjenigen der Fall ist, die sich dem Rätismus zuwenden)
durch Attacken des Parasitismus besonders verwundbar sind.

18. Jegliches Eindringen von fremden Ideologien in die Arbeiterklasse
ist eine Speerspitze der feindlichen Klasse. Ganz offensichtlich ist dies beim
Parasitismus der Fall, dessen Ziel (bewußt oder unbewußt) ja die Zerstörung der
revolutionären Organisation ist. Die IAA war sich dieses Umstands vollumfänglich
bewußt, als sie behauptete, daß Bakunin, auch wenn er kein Agent des Staates
sei, dessen Interessen viel besser wahrnehme, als es ein wirklicher Agent tun
könnte. Dies wiederum bedeutet aber keinesfalls, daß der Parasitismus per se
einen Sektor des politischen Apparates der herrschenden Klasse darstellt wie
beispielsweise die bürgerlichen Strömungen der extremen Linken im Stile des
heutigen Trotzkismus. In den Augen von Marx und Engels wurden selbst die damals
bekanntesten Parasiten wie Bakunin und Lassalle nicht als politische
Repräsentanten der Bourgeoisie angesehen. Diese Analyse leitet sich vom
Verständnis ab, daß der Parasitismus keine Fraktion der Bourgeoisie darstellt,
da er weder ein Programm oder eine spezifische Orientierung für das nationale
Kapital beinhaltet noch Einsitz in den staatlichen Organen zur Kontrolle des
Arbeiterkampfes nimmt. Angesichts der Dienste, die der Parasitismus für die
Kapitalisten vollbringt, erstaunt es aber nicht, daß er von einer speziellen
Zuwendung von letzteren profitiert. Diese Zuwendung manifestiert sich
hauptsächlich in drei Formen:

-  Er erhält politische
Unterstützung für sein Vorgehen. So hat die europäische Presse klar und
deutlich für die Allianz und Bakunin in ihrem Kampf gegen den Generalrat
Stellung bezogen.

-  Der Staat infiltriert die
parasitären Strömungen mit Staatsagenten. So wurde die Lyoner Sektion der IAA
von zwei bonapartistischen Agenten, Richard und Blanc, kontrolliert.

-  Die Bourgeoisie bringt
selbst politische Strömungen hervor, deren Ziel die Unterwanderung der
proletarischen Organisationen ist, so beispielsweise die "Liga für Frieden
und Freiheit" (angeführt von Vogt, einem bonapartistischen Agenten), die
nach den Worten von Marx "in Opposition zur Internationale gegründet
worden ist" und 1868 versuchte, sich mit ihr "zu verbünden".

Man muß diesbezüglich festhalten, daß sich zwar die meisten parasitären
Strömungen ein proletarisches Programm umgehängt haben, dies jedoch keine
notwendige Voraussetzung dafür ist, daß eine Organisation eine Funktion des
politischen Parasitismus erfüllen kann; dieser zeichnet sich nicht durch die
Positionen aus, die er verteidigt, sondern durch seine zerstörerische Haltung
gegenüber den wirklichen Organisationen der Arbeiterklasse.

19. In der gegenwärtigen Phase, in der die heutigen proletarischen
Organisationen in keiner Weise den Bekanntheitsgrad der früheren IAA erreichen,
kümmert sich die offizielle Propaganda der Bourgeoisie nicht darum, den
parasitären Gruppen und Elementen Unterstützung zu erteilen (was den Nachteil
mit sich bringen würde, daß sie in den Augen derjenigen, die sich
kommunistischen Positionen annähern, in Mißkredit gebracht würden). Man muß
hingegen festhalten, daß in den bürgerlichen Kampagnen, die speziell gegen die
Kommunistische Linke geführt werden, wie diejenige über den Negationismus,
genau jenen Gruppen ein wichtiger Platz eingeräumt wird, die als Repräsentanten
der Kommunistischen Linken dargestellt werden, wie der ehemalige Mouvement
communiste, die Banquise usw., während diese tatsächlich einen stark
parasitären Anstrich haben.

Dagegen war es tatsächlich ein Agent aus einem Anhängsel des Staates,
Chénier[7], der 1981 die
treibende Kraft bei der Formierung einer "geheimen Tendenz" innerhalb
der IKS spielte. Nachdem sie den Verlust der Hälfte der britischen Sektion
bewirkt hatte, wandelte sie sich in die CBG, ein typisch parasitäres Grüppchen.

Auch versuchen verschiedene bürgerliche Strömungen in das proletarische
Milieu einzudringen, um hier parasitär zu wirken. Das linke Grüppchen Hilo Rojo
aus Spanien oder die OCI in Italien sind Beispiele dafür: Ersteres versuchte
während Jahren die Aufmerksamkeit des proletarischen Milieus auf sich zu
ziehen, bis es schließlich eine Attacke dagegen richtete. Bei letzterer handelt
es sich um eine linke Gruppierung aus Italien, von der einige Elemente durch den
Bordigismus gegangen waren und die für sich in Anspruch nimmt, der wahre Erbe
der bordigistischen Strömung zu sein.

20. Das Eindringen von Staatsagenten in parasitäre Bewegungen wird
offensichtlich durch die Tatsache erleichtert, daß ihre Berufung die Bekämpfung
der wirklichen proletarischen Organisationen ist. Tatsächlich öffnet gerade die
parasitäre Rekrutierung von Elementen, die die Disziplin der
Klassenorganisation ablehnen, die der statutarischen Organisationweise nichts
als Verachtung entgegenbringen, die sich eher im informellen Verhalten und in
loyalen Beziehungen wohl fühlen, Tür und Tor für die staatliche Infiltration in
das parasitäre Milieu. Tür und Tor stehen ebenfalls sperrangelweit offen für
die unfreiwilligen Hilfskräfte des kapitalistischen Staates: nämlich den
Abenteurern, diesen deklassierten Elementen, die die Arbeiterbewegung in den
Dienst ihrer Ambitionen stellen wollen. Sie trachten hier nach Einfluß und
Macht, die ihnen die bürgerliche Gesellschaft verwehrt. Das Beispiel von Bakunin
in der IAA ist allgemein bekannt. Marx und seine Genossen behaupteten nie, daß
er ein direkter Agent des Staates gewesen sei. Sie waren fähig, nicht nur die
Dienste, die er unbewußt der herrschenden Klasse erwies, sondern auch das
Vorgehen und die klassenmässige Herkunft der Abenteurer innerhalb der
proletarischen Organisation sowie die Rolle, die sie als Führer des
Parasitismus spielten, zu identifizieren und zu denunzieren. So schrieben sie
bezüglich der Handlungen der geheimen Allianz in der IAA, daß die
"deklassierten Elemente" fähig gewesen seien, "einzudringen und
in ihrem Zentrum Geheimorganisationen zu errichten". Die gleiche
Herangehensweise hat Bebel bezüglich Schweitzer aufgenommen, der ein Führer der
Strömung um Lassalle war (die nebst ihrem Opportunismus auch eine stark
parasitäre Komponente enthielt): "Für ihn war die Bewegung, der er sich
nach mancherlei Irrfahrten anschloß, nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum
Zweck. Er trat in die Bewegung ein, sobald er sah, daß ihm innerhalb des Bürgertums
keine Zukunft blühte, daß für ihn, den durch seine Lebensweise früh
Deklassierten, nur die Hoffnung bestand, in der Arbeiterbewegung die Rolle zu
spielen, zu der sein Ehrgeiz wie seine Fähigkeiten ihn sozusagen
prädestinierten." (August Bebel, Aus meinem Leben)

21. Auch wenn die parasitären Strömungen oft von deklassierten
Abenteurern angeführt werden (wenn nicht gar von direkten Agenten des Staates),
so rekrutieren sie sich doch nicht nur aus dieser Kategorie. Man findet hier
ebenso Elemente, die anfänglich von einem revolutionären Willen beseelt gewesen
sind und es nicht auf die Zerstörung der Organisation abgesehen haben, die
jedoch

-  von der kleinbürgerlichen
Ideologie imprägniert, d.h. ungeduldig, individualistisch, affinitär, elitär
sind;

-  enttäuscht von der
Arbeiterklasse sind, die sich ihrer Ansicht nach nicht schnell genug bewegt;

-  die Disziplin einer
revolutionären Organisation nur schlecht ertragen und frustriert sind, da sie
keine Dankbarkeit für ihre militante Arbeit und auch nicht die angestrebten
"Pöstchen" erhalten.

Deswegen entwickeln sie eine tiefgreifende Feindschaft gegen die
proletarische Organisation, auch wenn sich diese Feindschaft als militantes
Engagement verkleidet.

In der IAA hat man ein solches Phänomen bei einer gewissen Anzahl von
Mitgliedern des Generalrates wie Eccarius, Jung und Hales beobachten können.

Schließlich ist der Parasitismus in der Lage, ehrliche und militante
proletarische Elemente zu rekrutieren, die kleinbürgerliche Schwächen oder
einen Mangel an Erfahrung aufweisen und sich so von klar antiproletarischen
Elementen täuschen und manipulieren lassen. In der IAA war dies bei einem
Großteil der Mitglieder in Spanien der Fall.

22. Was die IKS anbelangt, so sind die meisten Abspaltungen, die zur
Bildung parasitärer Gruppierungen führten, auf eine kleinbürgerliche
Herangehensweise, wie sie oben beschrieben wurden, zurückzuführen. Der Anstoß
kam jeweils von Intellektuellen, die darob frustriert waren, von der
Organisation nicht genügend Anerkennung erhalten zu haben; die ungeduldig
waren, weil es ihnen nicht gelungen war, andere Militante von der Richtigkeit
ihrer Positionen zu überzeugen oder weil die Entwicklung des Klassenkampfes zu
langsam voranschritt. Sie wurden auch am ehesten in ihrer Empfindlichkeit
getroffen bei Kritik ihrer Positionen oder ihres Verhaltens. Sie lehnten den
Zentralismus als stalinistisch ab. All dies bildete den Motor bei der
Konstituierung von Tendenzen, die wiederum in der Bildung parasitärer Gruppen
ausmündete. Die "Tendenz" von 1979, die schließlich zur Bildung der
"Groupe Communiste Internationaliste" führte; weiter die Tendenz
Chénier, von der u.a. die mittlerweile dahingegangene Communist Bulletin Group
abstammte; die "Tendenz" McIntosh-ML-JA (die sich zu einem großen
Teil aus Mitgliedern des Zentralorgans der IKS zusammensetzte), die die EFIKS
("Externe Fraktion der IKS", mittlerweile mutiert zu Perspective
Internationaliste) ins Leben rief - sie alle stellten typische Beispiele dieser
Erscheinung dar. Bei diesen Geschichten konnte man auch sehr gut beobachten,
wie sich Elemente mit einem zweifelsohne proletarischem Engagement durch
persönliche Bindungen gegenüber den Anführern von solchen Tendenzen haben
mitreißen lassen. Hier handelte es sich um nichts anderes als um Clans im
eigentlichen Sinne, wie sie die IKS bereits definiert hat. Die Tatsache, daß
alle parasitären Abspaltungen von der IKS zuerst in der Form von Clans
aufgetreten sind, ist kein Zufall. Tatsächlich gibt es eine sehr große
Ähnlichkeit zwischen den organisatorischen Verhaltensweisen der Clans
einerseits, des Parasitismus anderseits: der Individualismus, der als Zwang
empfundene statutarische Rahmen, Frustration aus dem militanten Engagement,
Loyalität gegenüber Personen zum Schaden der Loyalität gegenüber de Organisation,
der Einfluß von "Gurus" (Personen, die danach trachten, einen
persönlichen Machteinfluß über andere Militante auszuüben).

Die Zerstörung des Organisationsgewebes durch die Bildung von Clans
findet im Parasitismus den extremsten Ausdruck: Es geht darum, die
proletarische Organisation selber zu zerstören[8].

23. Die Heterogenität ist ein Markenzeichen des
Parasitismus, da er in seinen Rängen sowohl aufrichtige als auch solche
Elemente aufweist, die von nichts anderem als dem Haß gegenüber der
proletarischen Organisation beseelt sind (Abenteurer oder Staatsagenten). Die
Heterogenität stellt eine ausgezeichnetes Terrain für die der proletarischen
Sorge am feindlichsten gesinnten Elemente dar, um mit ihrer Geheimpolitik die
anderen mit sich zu reißen. Die Präsenz von "aufrichtigen" Elementen,
hauptsächlich von solchen, die tatkräftig beim Aufbau der Organisation mitgewirkt
haben, stellt für den Parasitismus eine Bedingung für seinen Erfolg dar, da er
so auf betrügerische Weise seine "proletarische" Etikette vorzeigen
kann (ebenso wie die Gewerkschaften "aufrichtige und ergebene"
Militante benötigen, um ihre Rolle zu spielen). Gleichzeitig können der
Parasitismus und seine Vertreter die Kontrolle über ihre Herde nur ausüben,
wenn sie ihre wirklichen Ziele verschleiern. So umfaßte die Allianz in der IAA
mehrere Zirkel um den ,,Bürger B" und geheime Statuten, die den „Eingeweihten"
vorbehalten waren. "Die Allianz teilt sie (ihre Mitglieder) in zwei
Kasten, in Eingeweihte und Laien, Aristokraten und Plebejer. wobei die
letzteren bestimmt sind. von den ersteren mittels einer Organisation geführt zu
werden, von deren Existenz sie nicht einmal etwas wissen ... (Friedrich Engels,
Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie) Heute handelt der Parasitismus
in gleicher Weise. Selten legen parasitäre Gruppen, Abenteurer oder frustrierte
Intellektuelle ihr Programm offen dar. In diesem Sinne ist der Mouvement
Communiste[9] der ganz offen die
Zerstörung der kommunistischen Linken propagiert, gleichzeitig eine Karikatur sowie
der klarste Ausdruck der Natur des Parasitismus.

24. Im Kampf gegen den Parasitismus hält sich die
IKS an die Methoden, die bereits die IAA und die Eisenacher angewendet haben. Die
Manöver des Parasitismus wurden in den öffentlichen Kongreßdokumenten, in der
Presse, in den Arbeiterversammlungen und sogar im Parlament denunziert.
Wiederholt ist aufge- zeigt worden, daß sich die herrschende Klasse hinter den
Attacken befindet mit dem Ziel, den Marxismus zu zerstören. Die Arbeiten des Kongresses
von Den Haag sowie die berühmten Reden BebeIs gegen die Geheimpolitik von Bismarck
und Schweitzer offenbaren die Fähigkeit der Arbeiterbewegung, eine umfassende
Analyse zu liefern und diese Manöver in einer äußerst konkreten Art und Weise
zu denunzieren. Unter den wichtigsten Gründen für die Publikation der
Enthüllungen über Bakunins Gebaren finden wir hauptsächlich die folgenden:

- Die offene Demaskierung bot die einzige
Möglichkeit, die Arbeiterklasse vor weiteren solchen Methoden zu bewahren: einzig
die Bewußtseinsentwicklung über die Wichtigkeit dieser Fragen bei allen
Mitgliedern konnte eine zukünftige Wiederholung verhindern.

- Die öffentliche Denunzierung der Allianz Bakunins
war notwendig, um andere von der Anwendung derselben
Methoden abzubringen. . Marx und Engels wußten nur zu gut, daß andere Parasiten
eine Geheimpolitik innerhalb und außerhalb führten wie beispielsweise die
Anhänger von Pyatt. Einzig eine offene Debatte konnte die Kontrolle von Bakunin
über viele Opfer brechen und sie zu Aussagen ermutigen. Um dieses Ziel zu
erreichen, sind die Manipulationsmethoden Bakunins durch die Publikation des Revolutionären
Katechismus enthüllt worden.

- Die öffentliche Denunzierung war unausweichlich,
um zu verhindern, daß die Internationale selbst mit solchen
Praktiken in Verbindung gebracht würde. So ist der Entscheid zum Ausschluß von
Bakunin aus der Internationale gefällt worden, nachdem die Informationen über
die Affäre Netschajew eingetroffen und nachdem das Bewußtsein über die Gefahr
dieser Affäre für die Internationale gereift war.

- Die Lehren aus diesem Kampf hatten eine historische
Bedeutung nicht nur für die Internationale, sondern auch für die Zukunft der
Arbeiterbewegung. In diesem Geist hat Bebel Jahre später um die 80 Seiten
seiner Autobiographie dem Kampf gegen Lassalle und Schweitzer gewidmet.

Im Zentrum dieser Politik stand die Notwendigkeit,
die politischen Abenteurer wie Bakunin und Schweitzer zu demaskieren. Man kann nicht
genügend unterstreichen, daß diese Haltung das ganze politische Leben Marxens
durchzogen hat. Sehr gut erkennbar wird diese Tatsache in der Denunzierung der Helfershelfer
von Lord Palmerston oder Herrn Vogts. Er verstand sehr gut, daß es lediglich
der herrschenden Klasse dienen würde, wenn man diese Geschichten unter den
Teppich kehren wollte.

- Die offene Demaskierung bot die einzige
Möglichkeit, die Arbeiterklasse vor weiteren solchen Methoden zu bewahren:
einzig die Bewußtseinsentwicklung über die Wichtigkeit dieser Fragen bei allen
Mitgliedern konnte eine zukünftige Wiederholung verhindern.

-  Die
öffentliche Denunzierung der Allianz Bakunins war notwendig, um andere von der
Anwendung derselben Methoden abzubringen. Marx und Engels wußten nur zu gut,
daß andere Parasiten eine Geheimpolitik innerhalb und außerhalb führten wie
beispielsweise die Anhänger von Pyatt.

-  Einzig
eine offene Debatte konnte die Kontrolle von Bakunin über viele Opfer brechen
und sie zu Aussagen ermutigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die
Manipulationsmethoden Bakunins durch die Publikation des Revolutionären
Katechismus enthüllt worden.

-  Die
öffentliche Denunzierung war unausweichlich, um zu verhindern, daß die
Internationale selbst mit solchen Praktiken in Verbindung gebracht würde. So
ist der Entscheid zum Ausschluß von Bakunin aus der Internationale gefällt
worden, nachdem die Informationen über die Affäre Netschajew eingetroffen und
nachdem das Bewußtsein über die Gefahr dieser Affäre für die Internationale
gereift war.

-  Die
Lehren aus diesem Kampf hatten eine historische Bedeutung nicht nur für die
Internationale, sondern auch für die Zukunft der Arbeiterbewegung. In diesem
Geist hat Bebel Jahre später um die 80 Seiten seiner Autobiographie dem Kampf
gegen Lassalle und Schweitzer gewidmet.

Im Zentrum dieser Politik stand die
Notwendigkeit, die politischen Abenteurer wie Bakunin und Schweitzer zu
demaskieren.

Man kann nicht genügend unterstreichen, daß
diese Haltung das ganze politische Leben Marxens durchzogen hat. Sehr gut
erkennbar wird diese Tatsache in der Denunzierung der Helfershelfer von Lord
Palmerston oder Herrn Vogts. Er verstand sehr gut, daß es lediglich der
herrschenden Klasse dienen würde, wenn man diese Geschichten unter den Teppich
kehren wollte.

25. Dieser Tradition der Arbeiterbewegung
folgt die IKS mit den Artikeln über den eigenen internen Kampf, mit den
Polemiken gegen den Parasitismus, mit der Veröffentlichung des einstimmig
beschlossenen Ausschlusses eines Mitgliedes am 11. internationalen Kongreß, mit
den Artikeln über das Freimaurertum usw. Insbesondere handelt die IKS mit der
Verteidigung des Ehrentribunals für Elemente, die das Vertrauen der
revolutionären Organisation verloren haben, ganz im Geist des Kongresses von
Den Haag sowie der Untersuchungskommissionen der russischen Arbeiterparteien,
welche Kommissionen einberufen wurden, wenn der Verdacht entstand, daß jemand
ein agent provocateur sein könnte. Nur so kann das revolutionäre Milieu
verteidigt werden.

Der Sturm der Entrüstung sowie die Anklagen
der bürgerlichen Presse nach der Veröffentlichung der Hauptergebnisse der
Untersuchung über die Allianz zeigen, daß gerade diese strenge Methode der
öffentlichen Denunzierung die Bourgeoisie mehr als alles andere verstimmt. Die
gleiche Angst zeigte sich bei den Verteidigern von kleinbürgerlichen
Organisationsprinzipien, als die opportunistische Führung der II.
Internationale in den Jahren vor 1914 das berühmte Kapitel "Marx gegen
Bakunin" systematisch überging.

26. Gegenüber der kleinbürgerlichen Infanterie
des Parasitismus bestand die Politik der Arbeiterbewegung immer darin, sie von
der politischen Bühne verschwinden zu lassen. Hier spielt die Denunzierung der
absurden Positionen sowie der politischen Aktivitäten der Parasiten eine
hervorragende Rolle. So hat Engels in seiner berühmten Schrift Die Bakuninisten
am Werk (im spanischen Bürgerkrieg) die Enthüllungen über das organisatorische
Verhalten der Allianz unterstützt und vervollständigt.

Heute führt die IKS dieselbe Politik im Kampf
gegen Anhänger verschiedener organisierter und "unorganisierter"
Zentren des parasitären Netzes.

Was die mehr oder weniger proletarischen
Elemente anbelangt, die sich vom Parasitismus täuschen lassen, so war die
Politik des Marxismus ihnen gegenüber immer eine ganz andere. Die Politik
bestand darin, einen Keil zwischen diese Elemente und die parasitäre Führung zu
treiben, die von der Bourgeoisie angeleitet oder ermutigt wird. Es sollte aufgezeigt
werden, daß erstere die Opfer der letzteren sind. Das Ziel dieser Politik
besteht immer darin, die parasitäre Führung zu isolieren und die Opfer von
ihrer Einflußzone zu entfernen. Gegenüber diesen "Opfern" hat der
Marxismus immer ihre Haltung sowie ihre Aktivitäten denunziert bei
gleichzeitiger Gewinnung ihres Vertrauens in die Organisation und in das
proletarische Milieu. Die Arbeit von Lafargue und Engels gegenüber der
spanischen Sektion der IAA ist diesbezüglich ein sehr gutes Beispiel.

Die IKS verfolgt diese Tradition auch in der
Konfrontation mit dem Parasitismus, um irregeleitete Elemente zurückzugewinnen.
Bebel und Liebknecht haben Schweitzer an einer Massenversammlung der
Lassalleanischen Partei in Wuppertal als Agent Bismarcks denunziert, was ein
gutes Beispiel dieser Haltung ist.

27. Seit den großen Kämpfen gegen den
Parasitismus in der IAA ist diese Politik aus zweierlei Gründen in den
Hintergrund getreten:

-  In
den späteren proletarischen Organisationen hat der Parasitismus keine größere
Gefahr dargestellt.

-  Die
Länge und Tiefe der Konterrevolution ließ diese Errungenschaften vergessen.

Dies stellt angesichts der Offensive des
Parasitismus ein sehr bedeutendes Element der Schwäche für das proletarische
Milieu dar. Diese Gefahr ist umso größer, als der ideologische Druck des
Zerfalls des Kapitalismus das Eindringen der kleinbürgerlichen Ideologie mit
all ihren extremen Charakteristiken[10]
erleichtert und so andauernd ein geeignetes Terrain für die Entwicklung des
Parasitismus schafft. Es ist also eine äußerst wichtige Verantwortung des
proletarischen Milieus, den entschiedenen Kampf gegen diese Geißel aufzunehmen.
Gewissermaßen zeigt gerade die Fähigkeit der revolutionären Strömungen, den
Parasitismus zu identifizieren und zu bekämpfen, in welchem Ausmaß sie auch in
der Lage sind, andere Gefahren, insbesondere die ständig vorhandene Gefahr des
Opportunismus, zu bekämpfen.

Der Opportunismus und der Parasitismus
tolerieren sich und stimmen gegenseitig überein, da ja beide denselben Ursprung
(das Eindringen der kleinbürgerlichen Ideologie) aufweisen und einen Angriff
gegen die proletarische Organisation darstellen (die programmatischen
Prinzipien beim Opportunismus, die organisatorischen Prinzipien beim
Parasitismus). So ist es keineswegs paradox, daß wir in der IAA die
"antistaatlichen" Bakuninisten und die staatstreuen Lassalleaner (die
eine Variante des Opportunismus darstellten) Seite an Seite finden. Eine
Schlußfolgerung daraus ist, daß es den linken Strömungen innerhalb der
proletarischen Organisation obliegt, den Kampf gegen den Parasitismus zu
führen. In der IAA haben Marx und Engels und ihre Tendenz den Kampf gegen die Allianz
geführt. Es ist keineswegs ein Zufall, wenn die wichtigsten Dokumente aus
diesem Kampf ihre Unterschriften tragen (das Rundschreiben vom 5. März 1872
sowie Die angeblichen Spaltungen in der Internationale haben Marx und Engels
verfaßt; der Bericht von 1873 über Die Allianz der sozialistischen Demokratie
und die internationale Arbeiterassoziation ist die Arbeit von Marx, Engels,
Lafargue und Utin).

Die Erfahrungen in der IAA behalten auch heute
ihre Gültigkeit. Der Kampf gegen den Parasitismus ist eine Hauptaufgabe der
Kommunistischen Linken. Sie hält sich dabei streng an die Tradition ihrer
Kämpfe gegen den Opportunismus. Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist dieser Kampf ein
grundlegender Bestandteil für die Vorbereitung der Partei von morgen. Er
beeinflußt dadurch teilweise sowohl den Augenblick, in dem sie entstehen kann,
als auch ihre Fähigkeit, ihre Rolle in den entscheidenden Kämpfen des
Proletariats zu spielen.

Im Kampf gegen den Parasitismus hält sich die
IKS an die Methoden, die bereits die IAA und die Eisenacher angewendet haben.
Die Manöver des Parasitismus wurden in den öffentlichen Kongreßdokumenten, in
der Presse, in den Arbeiterversammlungen und sogar im Parlament denunziert.
Wiederholt ist aufgezeigt worden, daß sich die herrschende Klasse hinter den
Attacken befindet mit dem Ziel, den Marxismus zu zerstören. Die Arbeiten des
Kongresses von Den Haag sowie die berühmten Reden Bebels gegen die
Geheimpolitik von Bismarck und Schweitzer offenbaren die Fähigkeit der
Arbeiterbewegung, eine umfassende Analyse zu liefern und diese Manöver in einer
äußerst konkreten Art und Weise zu denunzieren. Unter den wichtigsten Gründen
für die Publikation der Enthüllungen über Bakunins Gebaren finden wir
hauptsächlich die folgenden:
Die Heterogenität ist ein Markenzeichen des
Parasitismus, da er in seinen Rängen sowohl aufrichtige als auch solche
Elemente aufweist, die von nichts anderem als dem Haß gegenüber der
proletarischen Organisation beseelt sind (Abenteurer oder Staatsagenten). Die
Heterogenität stellt eine ausgezeichnetes Terrain für die der proletarischen
Sorge am feindlichsten gesinnten Elemente dar, um mit ihrer Geheimpolitik die
anderen mit sich zu reißen. Die Präsenz von "aufrichtigen" Elementen,
hauptsächlich von solchen, die tatkräftig beim Aufbau der Organisation
mitgewirkt haben, stellt für den Parasitismus eine Bedingung für seinen Erfolg
dar, da er so auf betrügerische Weise seine "proletarische" Etikette
vorzeigen kann (ebenso wie die Gewerkschaften "aufrichtige und
ergebene" Militante benötigen, um ihre Rolle zu spielen). Gleichzeitig
können der Parasitismus und seine Vertreter die Kontrolle über ihre Herde nur
ausüben, wenn sie ihre wirklichen Ziele verschleiern. So umfaßte die Allianz in
der IAA mehrere Zirkel um den "Bürger B" und geheime Statuten, die
den "Eingeweihten" vorbehalten waren. "Die Allianz teilt sie
(ihre Mitglieder) in zwei Kasten, in Eingeweihte und Laien, Aristokraten und
Plebejer, wobei die letzteren bestimmt sind, von den ersteren mittels einer
Organisation geführt zu werden, von deren Existenz sie nicht einmal etwas
wissen." (Friedrich Engels, Bericht über die Allianz der sozialistischen
Demokratie) Heute handelt der Parasitismus in gleicher Weise. Selten legen
parasitäre Gruppen, Abenteurer oder frustrierte Intellektuelle ihr Programm
offen dar. In diesem Sinne ist der Mouvement Communiste, der ganz offen die
Zerstörung der kommunistischen Linken propagiert, gleichzeitig eine Karikatur
sowie der klarste Ausdruck der Natur des Parasitismus.(Marx/Engels, Die
angeblichen Spaltungen in der Internationale)(Karl Marx, Erster Entwurf zum
Bürgerkrieg in Frankreich)(Marx/Engels, Die angeblichen Spaltungen in der
Internationale) (Friedrich Engels, Bericht über die Allianz der sozialistischen
Demokratie, vorgelegt dem Haager Kongreß im Namen des Generalrates)
(Friedrich Engels, "Der
Generalrat an alle Mitglieder der IAA"
, eine Warnung vor der Allianz
Bakunins).


[1] Es ist wichtig
eine Unterscheidung zu machen zwischen den beiden Bedeutungen, welche man unter
dem Begriff .Abenteurertum" verstehen kann. Auf der einen Seite gibt es
das Abenteurerturn deklassierter Elemente, die politischen Abenteurer, welche
innerhalb der herrschenden Klasse keine Rolle spielen konnten. Da sie erkennen,
dass der Arbeiterklasse eine bestimmende Rolle in der Gesellschaft und der
Geschichte zukommt, versuchen sie im Proletariat und seinen Organisationen
Anerkennung zu gewinnen, welche es ihnen erlaubt, ihre persönliche Rolle zu spielen,
die ihr die Bourgeoisie verweigert hat. Wenn sie sich dem Klassenkampf
zuwenden, haben diese Elemente nicht die Absicht sich diesem zu unterstellen,
sondern den Klassenkampfihren eigenen Ambitionen zu unterwerfen. Sie versuchen
offenkundig "ins Proletariat" zu gehen, so wie andere eine Weltreise
machen. Auf der anderen Seite beschreibt der Begriff Abenteurerturn eine
politische Haltung, sich in leichtfertige Aktionen zu werfen, auch wenn die
minimalsten Bedingungen zu einem Erfolg, eine Reife innerhalb der
Arbeiterklasse, nicht vorhanden ist. Eine solche Haltung kann von politischen
Abenteurern getragen sein, welche auf der Suche nach großen Emotionen sind. Sie
kann aber auch von aufrichtigen, engagierten und selbstlosen Arbeitern und
Militanten übernommen werden, denen es jedoch an politischem Urteilsvermögen
fehlt oder die in Ungeduld gefangen sind.

[2] Marx und Engels
waren nicht die einzigen, die den politischen Parasitismus identifizierten und
beschrieben. Auch zu Ende des 19. Jahrhunderts nahm ein großer marxistischer
Theoretiker wie Antonio Labriola dieselbe Analyse Ober den Parasitismus wieder
auf: „Im ersten Stadium unserer heutigen Parteien (er schreibt hier ober
den Bund der Kommunisten). in dem wir die ersten Zellen unseres komplexen,
elastischen und hochentwickelten Organismus finden, existierte nicht nur ein
Bewusstsein, ein Vorläufer für die Vollendung unserer Mission zu sein, sondern
die ersten Initiatoren der proletarischen Revolution waren sich auch klar über
die einzig anwendbare Form und Methode sich zusammenzuschließen. Es war keine
Sekte mehr. Diese waren schon überwunden worden. Die unmittelbare und
phantastische Vorherrschaft des Individuums war eliminiert. Was dominierte. war
eine Disziplin, die ihre Quellen in der Erfahrung über das Notwendige und in
der Lehre halte, die eben genau die bewusste Reflexion dieser Notwendigkeit
war. Dasselbe innerhalb der Internationale, welche nur denen als autoritär
erschien, welche ihr selbst ihre eigene Autorität aufzwingen wollten. Dasselbe
Muss und wird in allen Arbeiterparteien mitspielen: Wo immer diese
Charakteristiken nicht vorhanden sind oder keinen Einfluss gewinnen können,
wird eine unausgereifte und konfuse proletarische Agitation nur Illusionen
streuen und Nährboden für Intrigen sein. Wo diese nicht vorhanden sind, besteht
eine Sekte; in der sich der Erleuchtete sich mit dem Verrückten oder dem Spion
zusammentut; es wird eine Wiedergeburt der Internationalen Bruderschaft sein,
die sich wie ein Parasit an die Internationale klebt, um diese zu diskreditieren:
(..) und schlussendlich eine Gruppe von unzufriedenen Deklassierten und
Kleinbürgern, weiche sich damit beschäftigen, über den Sozialismus zu
spekulieren. gleich wie über irgendwelche politische Phrasen, die in Mode sind.
" (Essay über die materialistische Geschichtsauffassung. von
uns aus dem Französischen obersetzt)

[3]Dieses Phänomen wird offensichtlich verstärkt durch das Gewicht des Rätismus. der, wie die IKS aufgezeigt hat, den Preis darstellt, den
die wiedererwachte Arbeiterbewegung bezahlt und noch bezahlen wird, um sich vom
Einfluss des Stalinismus während der ganzen Phase der Konterrevolution
loszukaufen

[4] Aus diesem Grund
unterstützten die Freunde von Bakunin an diesem Kongress einen Entscheid zur
erheblichen Stärkung des Generalrates, während sie später forderten, dass er
lediglich die Funktion eines Briefkastens wahrnehmen solle.

[5] Die Geschichte
der Arbeiterbewegung ist reich an solchen langen, von der Linken geführten
Kämpfen. Unter den wichtigsten befinden sich die folgenden:

-  
Rosa
Luxemburg gegen den Revisionismus Bernsteins Ende des 19. Jahrhunderts.

-  
Lenin
gegen die Menschewiki ab 1903.

-  
Rosa
Luxemburg und Pannekoek gegen Kautsky in der Frage des Massenstreiks (1908-
1911).

-  
Rosa
und Lenin für die Verteidigung des Internationalismus (Kongress von Stuttgart
1907 und Basel 1912),

-  Pannekoek,
Gorter, Bordiga und alle Militanten der Linken in der Komintern im Kampf gegen
die Degenerierung (zu denen in einem gewissen Grad auch Trotzki gehörte).

[6] Heute besteht
der Sumpfhauptsächlich aus verschiedenen rätistischen Strömungen (sie tauchten
in der historischen Wiederaufnahme des Klassenkampfes Ende der 60er Jahre auf
und werden wahrscheinlich auch in Zukunft wieder in Erscheinung treten), aus
Überbleibseln der Vergangenheit wie den De Leonisten im angelsächsischen Raum
oder aus Elementen, die mit den linken Organisationen brechen.

[7] Es gibt
keinerlei hinreichende Beweise dafür, dass Chenier ein Agent der staatlichen
Sicherheitsdienste war. Hingegen zeigen seine schnelle Karriere in der
staatlichen Verwaltung kurz nach seinem Ausschluss aus der IKS einerseits und
vor allem in der sozialistischen Partei (die damals die Regierung stellte)
anderseits, dass er bereits damals, als er sich noch als "Revolutionär"
präsentierte, für diesen Apparat der Bourgeoisie arbeitete.

[8] Den Analysen und
der Sorge der IKS bezüglich des Parasitismus wird oft entgegengehalten, dass
dieses Phänomen nur unsere Organisation betreffe, sei es als Zielscheibe, sei
es als .Zulieferer" der parasitären Szene mittels der Spaltungen, die die
Organisation kannte. Tatsächlich bildet die IKS heute den Hauptangriffspunkt
des Parasitismus, was sich damit erklären lässt, dass sie die wichtigste und
verbreitetste Organisation des proletarischen Milieus darstellt. Deshalb zieht
sie auch den größten Hass von Seiten der Feinde dieses Milieus auf sich, die
keine Gelegenheit verpassen, um eine Feindschaft der anderen proletarischen
Organisationen gegenüber der IKS zu schüren. Ein anderer Grund für das ..
Privileg", das der IKS durch den Parasitismus erteilt wird, liegt darin
begründet, dass es von unserer Organisation am meisten Abspaltungen gab, die
sich in parasitäre Gruppierungen verwandelten. Für dieses Phänomen gibt es
mehrere Erklärungen.

An erster Stelle Muss man anfuhren, dass von all den
Organisationen des proletarischen Milieus die IKS die einzige ist, die 1968 neu
entstanden ist. Alle anderen existierten zu diesem Zeitpunkt bereits. In der
Anfangsphase unserer Organisation war der Zirkelgeist sehr weit verbreitet, der
einen idealen Nährboden für Clans und für den Parasitismus bildete. Darüber
hinaus hat es in den anderen Organisationen bereits vor dem historischen
Wiederaufschwung der Arbeiterklasse eine natürliche Selektion gegeben, durch
die die Abenteurer sowie die Intellektuellen, die auf der Suche nach einem
Publikum waren, ausgeschieden worden waren. Sie waren nicht ausreichend
geduldig, um in kleinen Organisationen zu einem Zeitpunkt von nur geringem
Einfluss zu arbeiten. Im Augenblick des Aufschwungs analysierten Elemente
dieses Typs, dass es einfacher Wäre, sich einen Platz in der neu entstandenen,
im Aufbau begriffenen Organisation zu ergattern.

An zweiter Stelle besteht ganz generell ein
grundlegender Unterschied zwischen den (ebenfalls zahlreichen) Abspaltungen,
die die Bordegistische Strömung (die auf internationaler Ebene bis Ende der
70er Jahre am weitesten entwickelt war) betroffen haben, und den Abspaltungen
von der IKS. In den bordigistischen Organisationen, die für sich den
Monolithismus in Anspruch nehmen, sind Abspaltungen hauptsachlich die Folge aus
der Unmöglichkeit, innerhalb der Organisation politische Differenzen zu
entwickeln, was wiederum bedeutet, dass diese Abspaltungen nicht unbedingt eine
parasitäre Dynamik entwickeln. Dagegen sind die Abspaltungen von der IKS nicht
das Resultat eines Monolithismus oder Sektierertums, da unsere Organisation
immer erlaubt und auch dazu ermutigt hat, Debatten und Konfrontationen zu
führen: Kollektive Desertionen waren also stets die Folge von Ungeduld,
individuellen Frustrationen und der Vorgehensweise von Clans. Dieser Umstand
barg den Keim einer parasitären Dynamik in sich.

Dennoch ist es wichtig zu unterstreichen, dass die
IKS nicht das einzige Ziel des Parasitismus ist. Die Aktivitäten von Hilo Rojo
und Mouvement Communiste betreffen die ganze Kommunistische Linke.
Ebenso ist das bevorzugte Ziel der OCI die Bordegistische Strömung. Auch wenn
die parasitären Gruppen ihre Angriffe auf die IKS konzentrieren und
gleichzeitig den anderen Gruppen des proletarischen Milieus schmeicheln (wie
dies der Fall bei der CBG war oder wie dies systematisch von Echanges er
Mouvement
betrieben wird), so geschieht dies generell mit dem Ziel,
Meinungsdifferenzen und das Auseinanderdriften der verschiedenen Gruppen des
proletarischen Milieus zu verstärken, Die IKS hat diese Schwache immer
zuvorderst bekämpft.

[9] Diese Gruppe ist von ehemaligen Mitgliedern
der IKS, die auch der Gel angehört hatten, gegründet werden, nicht zu
verwechseln mit dem Mouvement Communiste aus den 70er .Jahren, der ein Apostel
des Modernismus war.

[10] „Anfänglich erfaßt der "ideologische
Zerfall hauptsächlich die Kapitalistenklasse selber, und damit auch die
kleinbürgerlichen Schichten, die keine eigenständige Existenz haben. Man kann
gar sagen. daß diese Schichten besonders stark vom Zerfall befallen sind. weil
ihre besondere Situation, - sie besitzen keine Zukunft - bei dem Hauptgrund des
ideologischen Zerfalls zu spüren ist: das Fehlen einer unmittelbaren
Perspektive für die gesamte Gesellschaft. Nur die Arbeiterklasse kann der
Menschheit eine Perspektive anbieten. und deshalb gibt es in ihren Reihen die
größten Widerstandskräfte gegen diesen Zerfall. Die Arbeiterklasse selber ist
jedoch nicht immun gegen den Zerfall, insbesondere weil die Kleinbourgeoisie
mit der sie sich auseinanderzusetzen hat. der Haupt" träger dieses
Zerfalls ist. Die verschiedenen Elemente, die die Stärke der Arbeiterklasse
ausmachen. stoßen direkt mit den verschiedenen Erscheinungsweisen des
ideologischen Zerfalls zusammen

-   das kollektive Handeln. die Solidarität; all das hebt sich ab von der
„Atomisierung, dem Verhalten“ „Jeder für sich“. „jeder schlägt sich individuell
durch“.

-   das Bedürfnis nach Organisierung steht dem gesellschaftlichen Zerfall
entgegen, der Zerbröckelung der Verhältnisse, auf die jede Gesellschaft baut,

-   die Zuversicht in die Zukunft und in die eigenen Kräfte wird ständig
untergraben durch die allgemeine Hoffnungslosigkeit, die in der Gesellschaft
immer mehr überhand nimmt, durch den Nihilismus, durch die Ideologie des „No
future“,

-   das Bewußtsein, die Klarheit, die Kohärenz und den Zusammenhalt des Denkens,
den Geschmack für die Theorie. all diese Elemente müssen sich behaupten
gegenüber den Fluchtversuchen, der Gefahr der Drogen. den Sekten, dem
Mystizismus, der Verwerfung der theoretischen Überlegungen, der Zerstörung des
Denkens, d.h. all den destruktiven Elementen, die typisch sind für unsere
Epoche." (Internationale Revue Nr. 13, "Der Zerfall: Letzte Phase der
Dekadenz des Kapitalismus" Punkt 13).

Die Engstirnigkeit, die
falsche Solidarität in den Clans, der Haß gegen die Organisation, das
Mißtrauen, die Verunglimpfung, die samt und sonders Haltungen und
Verhaltensweisen darstellen, die dem Parasitismus entsprechen, finden im
heutigen gesellschaftlichen Zerfall reichhaltige Nahrung. Das Sprichwort
besagt: Die schönsten Blumen blühen auf dem Misthaufen. Die Wissenschaft lehrt
uns, daß darauf zahlreiche parasitäre Organismen ebenfalls bestens gedeihen.
Und in seinem Bereich halt sich der politische Parasitismus an die Spielregeln
der Biologie, er, der seinen Honig aus der Fäulnis der Gesellschaft zieht.

Politische Strömungen und Verweise: 

Entwicklung des proletarischen <br>Bewusstseins und der Organisation: