Solidaritätsbrief einer Genossin gegenüber der IKS

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November 2004

Liebe Genossinnen und Genossen der IKS,

seit einigen Jahren lese ich regelmäßig und mit Interesse Eure Presse und besuche Eure öffentlichen Diskussionsveranstaltungen. Natürlich habe ich neben den politischen Einschätzungen und Debatten auch Euren Kampf für die Verteidigung der eigenen revolutionären proletarischen Organisation gegenüber der sog. „Internen Fraktion“ der IKS (IFIKS) aufmerksam verfolgt. Mehr noch, in dieser schweren Zeit sollt Ihr, die Ihr für die Befreiung der Arbeiterklasse und damit für die Befreiung der gesamten Menschheit mitkämpft, auch von anderen Teilen der Klasse die aktive Klassensolidarität zu spüren bekommen.

Die Methoden und Machenschaften der IFIKS sind unglaublich verabscheuungswürdig. Wer mit Verhaltensweisen wie Diebstahl, Aufhetzung, Verleumdung und Lügen operiert, der ist kein Teil der revolutionären Arbeiterbewegung. Die Arbeiterklasse und schon gar nicht ihr bewusstester Teil, die revolutionären proletarischen Organisationen, dürfen ein solches Verhalten dulden!

Das Motto der Jesuiten „Das Zweck heiligt die Mittel“ darf nicht das Leitmotiv der Arbeiterklasse und erst recht nicht das ihrer politischen Strömungen sein. Die Arbeiterklasse kann für ihr Endziel, den Kommunismus, nur Mittel einsetzen, die im Einklang mit ihm stehen. Die Arbeiterklasse kann die Weltrevolution, d.h. die Befreiung der gesamten Menschheit, nur in einem ehrlichen, solidarischen und kollektiven Klassenkampf erringen. Was aber könnte es Gefährlicheres geben als eine Bande von Halunken, die im Namen der Verteidigung der Interessen der Arbeiterklasse nur eine Botschaft haben: blanken Hass und Zerstörung?

Eine andere ganz aktuelle Entwicklung aber macht mich fast noch wütender, auf jeden Fall ist sie noch enttäuschender: das Verhalten des IBRP. Seit Jahren lehnt es gemeinsame Aufrufe mit der IKS gegen imperialistische Kriege ab. Die programmatischen Unterschiede seien zu gravierend. Die massiven Angriffe der IFIKS gegen die IKS, die generelle Angriffe gegen die Sache des Proletariats sind, seien nur „interne Angelegenheiten“ der IKS, da mische man sich nicht ein. Aber siehe da: plötzlich gibt es eine gemeinsame Veranstaltung des IBRP und der IFIKS in Paris. Wie ist es möglich, dass eine linkskommunistische Organisation wie das IBRP mit solchen Klassenfeinden zusammenarbeitet? Wie kann man solche Verhaltensweisen der IFIKS gegenüber der IKS tolerieren und, indem man mit solchen Leuten zusammenarbeitet, auch so auch noch signalisiert, dass ein solches Verhalten akzeptabel sei?

Es tun sich große Schwächen innerhalb des IBRP auf, wenn es dies nicht erkennt. Aber es geht noch weiter: Auf ihrer Website veröffentlicht es kommentarlos (!) einen Artikel, in dem die IKS als „stalinistisch, opportunistisch, kamarillahaft, Ekel erregend“ bezeichnet wird. Der Artikel wurde im Namen des Zirkels CCI aus Argentinien verfasst.

Es stellten sich mir gleich zwei zentrale Fragen:

1) Wieso werden hier solch eklatante Vorwürfe umkommentiert vom IBRP veröffentlicht?

2) Und wieso wird dieser Artikel nicht von der Website entfernt (und zwar mit Begründung), wo sich doch schon längst herausgestellt hat, dass diese Vorwürfe unwahr sind und dass dieser „Zirkel“ in Wirklichkeit aus einem einzigen Individuum des NCI besteht, das ohne Wissen und entgegen der Auffassung der anderen Mitglieder des einzig tatsächlich existierenden Zirkels, nämlich des NCI (die sich nämlich mit der IKS solidarisch erklärten und die Machenschaften der IFIKS verurteilten), diese Verleumdungen in Umlauf brachte. Dieser offensichtlich machtgeile Einzelne hat zu den gleichen Methoden wie die IFIKS gegriffen: Lügen über Lügen!

Solcherlei veröffentlicht das IBRP ohne jeglichen Kommentar, ohne jede Einschätzung. Angesichts dessen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das IBRP gegenüber der IKS an unglaublichen Minderwertigkeitskomplexen leidet und daher insgeheim die Angriffe auf die IKS gutheißt - nach dem Motto: Was meinem Konkurrenten schadet, kann mir doch nur zugute kommen. Dies ist kein proletarisches Verhalten, sondern ein vom bürgerlich-kapitalistischen Konkurrenzdenken durchtränktes Verhalten. Statt zu verstehen, dass die IKS und das IBRP sich als Vertreter des linkskommunistischen proletarischen Milieus gemeinsam gegen diese der Arbeiterklasse feindlich gesonnenen Eindringlinge zur Wehr setzen müssen, droht es unter der Last seines Opportunismus erdrückt zu werden, indem es jeden in sein Boot holt, einerlei ob Klassenfreund oder Klassenfeind.

Wieso versteht das IBRP dies nicht? Es liegt in der Schwäche seiner Theorie. Denn um es mit den treffenden Worten Rosa Luxemburgs über den Opportunismus zu sagen: „…unsere ‚Theorie’, d.h. die Grundsätze des wissenschaftlichen Sozialismus, setzen der praktischen Tätigkeit ebenso in bezug auf die angestrebten Ziele wie auf die anzuwendenden Kampfmittel wie endlich selbst auf die Kampfweise sehr feste Schranken.“ (Sozialreform oder Revolution?) Eins ist klar, diese umherlavierenden, opportunistischen und heuchlerischen Verhaltensweisen des IBRP sind nicht die Mittel zum Zweck des Kommunismus, sondern schlicht das Gegenteil. An die Stelle von Eifersucht und Konkurrenzdenken auf Seiten des IBRP sollten die proletarischen Kampfformen der Solidarität und der Prinzipienfestigkeit treten. Dass dies möglich und notwendig ist, sehe ich im Kampf der IKS.

Wie um alles in der Welt sollen wir als Menschheit jemals die Weltrevolution und die klassenlose Gesellschaft erreichen, wenn man sang- und klanglos Verhaltensweisen innerhalb revolutionärer Organisationen des Proletariats duldet, die dem Verhalten und der Methoden unserer Gegner entsprechen?

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass im Gegensatz zu dem, was das IBRP herablassend und überheblich über die Sympathisanten der IKS geschrieben hat, wir nicht blind die Worte irgendwelcher angeblicher „Anführer“ nachbeten, sondern uns kritisch mit allen Fragen beschäftigen, die uns alle als Teil der Arbeiterklasse angehen.

Im Bewusstsein der Wichtigkeit dieser Auseinandersetzung erkläre ich entschieden meine Solidarität gegenüber der IKS und kann nur an alle diejenigen, die auch über diese offenen oder verdeckten Angriffe empört sind, appellieren, Eure Empörung öffentlich kundzutun. Unsere Klassenbrüder und -schwestern brauchen unsere Unterstützung!

Solidarische Grüße

von einer Genossin aus dem Rheinland

PS. Bitte schickt diesen Brief auch an das IBRP!