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20 Jahre seit Mai 68: Die Entwicklung des proletarischen politischen Milieus 1968-1977Submitted by InternationaleRevue on Mon, 18/12/2006 - 23:57.
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Mai 1968: 10 Millionen streikende Arbeiter in Frankreich kündigen die entscheidende Rückkehr des Proletariats auf die Bühne der Geschichte an und eröffnen eine Reihe von Kämpfen, die sofort eine internationale Dimension annehmen und bis Mitte der 70er Jahre hinein Auswirkungen auf fast alle Länder der Welt haben. Jahrzehntelang, d.h. seit dem Scheitern der revolutionären Welle von 1917, die bis Ende der 20er Jahre dauerte, hatte der Klassenkampf nicht mehr solch eine Kraft entfaltet. Nach 40 Jahren Konterrevolution, in der der Triumph der Bourgeoisie durch eine bis dahin nie gekannte ideologische Herrschaft zum Ausdruck kam, in der Theorien über die Integration des Proletariats, seine Verbürgerlichung, sein Verschwinden als revolutionäre Klasse insbesondere unter den Intellektuellen gang und gäbe waren, in der Sozialismus mit den furchtbaren stalinistischen Diktaturen und ihren Karikaturen in der sog. 3. Welt identifiziert wurde, in der die Dschungel Südamerikas und Indochinas als die Zentren der Weltrevolution dargestellt wurden, da riß das Erwachen des Proletariats die Welt aus diesem Trauma. Eine Kette wurde zerbrochen, die der Konterrevolution: ein neuer geschichtlicher Zeitraum war eröffnet worden. Der wiedererstarkende Klassenkampf polarisierte die Unzufriedenheit, die sich seit Jahren nicht nur in der Arbeiterklasse aufgestaut hatte, sondern auch in vielen Schichten der Gesellschaft. Der Vietnam-Krieg, der nun schon Jahre dauerte und sich zuspitzte, die ersten Angriffe der Krise, die Mitte der 60er Jahre nach all den Jahren der Euphorie des Nachkriegswiederaufbaus wieder ihren Einzug hielt, all das rief ein tiefgreifendes Unbehagen unter Jugendlichen hervor, die mit der Illusion eines triumphierenden krisenlosen Kapitalismus und den Versprechungen einer glanzvollen Zukunft groß geworden waren. Die Revolte der Studenten an allen Universitäten der Welt diente der bürgerlichen Propaganda als Vorwand für das Übertünchen des Erstarkens der Arbeiterkämpfe. Aber sie verzerrte, verstellte auch das Echo der zunehmenden Politisierung innerhalb der Arbeiterklasse, denn es entwickelte sich ein zunehmendes Interesse an der Arbeiterklasse, ihrer Geschichte und ihren Theorien, und damit am Marxismus. Die Revolution, dieser Begriff wurde wieder zu einem Modewort. Mit viel Donner, erstaunt über ihre eigene Kraft, so war wieder eine neue Proletariergeneration auf der Bühne der Weltgeschichte erschienen. Als Ergebnis dieser Dynamik, auf dem Hintergrund einer Unzufriedenheit der Jugendlichen, aber auch unter einer großen Konfusion leidend, ohne Erfahrung, ohne Verbindung mit den revolutionären Traditionen der Vergangenheit, ohne wirkliche Kenntnis der Geschichte der Klasse, stark beeinflußt von der kleinbürgerlichen Protestbewegung, entstand ein neues politisches Milieu der Arbeiterklasse. Eine neue Generation von Revolutionären wuchs mit Enthusiasmus und ... unerfahren heran. Wenn wir das proletarische Milieu behandeln, sind dabei sicherlich nicht die Organisationen eingeschlossen, die behaupten, die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten, die aber in Wirklichkeit nur dazu dienen, die Arbeiterklasse zu mystifizieren, ihre Kämpfe zu sabotieren. Damit ist die "Linke" des politischen Apparates zur Kontrolle des kapitalistischen Staats über die Arbeiterklasse gemeint; ungeachtet der Illusionen, die in der Arbeiterklasse über sie bestehen. Das sind nicht nur die KPs und SPs, die seit langem in die Räderwerke des Staatsapparates integriert sind, sondern auch ihre maoistischen Nacheiferer, die nur ein später Auswuchs der Stalinisten sind, die Trotzkisten, deren Aufgabe der Klassenprinzipien während des II. imperialistischen Weltkriegs und deren Verrat durch die Unterstützung eines imperialistischen Lagers gegen ein anderes sie endgültig aus dem Lager des Proletariats geworfen hat. Obgleich diese sog. "linksextremen" Gruppen 1968 und danach einen entscheidenden Einfluß gehabt haben und "die Bühne besetzt hielten", gehören sie aufgrund ihrer Vergangenheit nicht der Arbeiterklasse und ihren politischen Organisationen an. Gegen die politischen Auffassungen und Praktiken dieser Gruppen der bürgerlichen "Linken" entsteht anfänglich die Bewegung, aus deren Reihen ein neues proletarisches Milieu hervorgehen wird, ungeachtet dessen, daß auf dem Hintergrund dieser Konfusionen und des Durcheinanders der damaligen Zeit die Ideen der extremen Linken noch bei der Geburt dieses neuen proletarischen Milieus einen Einfluß hatten. Seit den Ereignissen des Mai 68 sind 20 Jahre vergangen, 20 Jahre, während derer die Wirtschaftskrise ihre Verwüstung auf dem Weltmarkt angerichtet, das gesellschaftliche Feld "durchgeackert" und die Illusionen der Wiederaufbauperiode weggefegt hat. 20 Jahre, während derer der Klassenkampf Höhen und Tiefen durchlief. 20 Jahre während derer das proletarische Milieu seine Wurzeln hat wiederfinden und die notwendige Klärung für die Wirksamkeit seiner Intervention finden müssen. Welche Entwicklung gab es während dieser 20 Jahre im politischen Milieu? Welche Bilanz kann man heute ziehen? Welche proletarischen Früchte hat die Generation von 1968 hinterlassen? Welche Perspektiven können für die Verwirklichung der Zukunft aufgestellt werden? DAS POLITISCHE PROLETARISCHE MILIEU VOR 1968Die politischen Gruppen, die vor den Umwälzungen Ende der 60er Jahre der Erwürgung durch die Konterrevolution sich haben widersetzen können und sich durch nichts haben abschrecken lassen, um ihre revolutionären Positionen aufrechtzuerhalten, waren nur eine Handvoll, wobei jede dieser Gruppen nur wenige Mitglieder umfaßte. Diese Gruppen können jeweils nach ihrer politischen Abstammung unterschieden werden. Zwei große Strömungen heben sich hauptsächlich hervor, deren Ursprung in den Fraktionen zu finden ist, die in den 20er Jahren der politischen Entartung der III. Internationale entgegentraten: - die Tradition der sog. "holländischen" und "deutschen" Linken (*), die durch politische Gruppen wie "Spartacusbond" (1) in Holland oder mehr oder weniger formellen Zirkeln wie dem um Paul Mattick in den USA, ICO (Information Correspondance Ouvrière) in Frankreich oder Daad en Gedachte (Tat und Gedanke) in Holland (entstand Anfang der 60er Jahre) aufrechterhalten wird, und die das entartete Ergebnis dieser Tradition des "Rätekommunismus" sind, die in den 30er Jahren hauptsächlich von der GIK (Gruppe Internationaler Kommunisten) vertreten wurde. Diese Strömung, die in politischer Kontinuität steht zu den theoretischen Auffassungen Otto Rühles in den 20er Jahren, dann Anton Pannekoeks und Canne Meijers in den 30er Jahren zeichnet sich aus durch ein tiefgreifendes Unverständnis des Scheiterns der Russischen Revolution und der Entartung der Kommunistischen Internationale. Infolgedessen leugneten sie das proletarische Wesen derselben und verwarfen zu allem Überfluß noch die Notwendigkeit der politischen Organisation des Proletariats. - die Tradition der sog. "italienischen" Linken, die in der organisatorischen Kontinuität von der PCI (Partito Comunista Internazionalista) (2) repräsentiert wird, welche 1945 um Onorato Damen und Amadeo Bordiga gegründet wurde, und Battaglia Comunista veröffentlicht. Die Spaltungen, deren bedeutsamste 1952 um Bordiga stattfand, führten zur Veröffentlichung von Programma Comunista (3), und brachten viele Ableger der PCI hervor, so u.a. "Il Partito Comunista". Obgleich diese Organisationen eine organisatorische Kontinuität mit den kommunistischen Fraktionen der Vergangenheit haben aufrechterhalten können, berufen sie sich paradoxerweise nicht auf die Gruppe, welche in den 30er Jahren das höchste Niveau an politischer Klarheit unter dieser Tradition hat erreichen können, und aus der sie hervorgegangen sind. Weil sie die Hauptbeiträge von BILAN verwerfen, stellen sie nur eine abgeschwächte politische Kontinuität dar. Dies kommt in einer dogmatischen Rigidität zum Ausdruck, welche die aufgrund der 60 Jahre langen Dekadenz erforderlichen Klärungen leugnet. So beriefen sich Bordiga und die IKP (Programa Comunista) karikaturalerweise auf die Invarianz des Marxismus seit ... 1848. Bei diesen Organisationen führt deren unzureichende Kritik an den falschen Positionen der Komintern zu sehr vagen und oft gar falschen Stellungnahmen bei so zentralen Themen wie der nationalen oder Gewerkschaftsfrage. Der richtige Willen, die Notwendigkeit der Partei zu verteidigen, kommt bei diesen Gruppen - insbesondere bei Bordiga - leider durch eine karikaturale Form zum Vorschein, wo die Partei formal aufgefaßt und als ein universelles Heilmittel dargestellt wird, dem sich die Proletarier unterwerfen sollten. Von diesen Gruppen bestand nur die IKP (Programa Comunista) auf internationaler Ebene, insbesondere in Frankreich und in Italien, während die anderen nur in Italien existierten. Dieser Tradition der "Italienischen Linken" muß man INTERNACIONALISMO in Venezuela zuordnen, das 1964 unter der Anregung früherer Mitglieder von BILAN (1928-1939) (4) und INTERNATIONALISME (1945-1953) (5) gegründet wurde. Obgleich INTERNACIONALISMO keine wirklich organisatorische Kontinuität darstellt, war es der klarste Ausdruck der politischen Kontinuität mit den Errungenschaften BILANs und später INTERNATIONALIMEs, das die Aufgabe theoretischer Aufarbeitung fortgesetzt hat. Obgleich INTERNACIONALISMO sich ausdrücklich auf die Beiträge BILANs und der Italienischen Linken beruft, vermochte es dennoch auf kritische Weise - so wie es vorher BILAN und INTERNATIONALISME getan hatten - die Beiträge der anderen Fraktionen der Internationalen Linken vom Anfang des Jahrhunderts aufgreifen. Dies wird deutlich bei der Klarheit der Positionen zur Frage der Dekadenz des Kapitalismus, der nationalen und Gewerkschaftsfrage, wie bei der Rolle der Partei. Es ist sicherlich kein Zufall, daß INTERNACIONALISMO die einzige Gruppe war, die das historische Wiedererstarken des Klassenkampfes vorausgesehen hatte. Dieser Rückblick auf das politische Milieu vor 1968 wäre sicherlich nicht vollständig, wenn man nicht ebenso einen Blick wirft auf die Gruppen, die nach dem II. Weltkrieg als eine Reaktion auf den Verrat der trotzkistischen IV. Internationale gegründet wurden, und aus dieser Strömung hervorgegangen sind. Insbesondere der FOR (6) ist hier zu erwähnen, der um Benjamin Perret und G. Munis gebildet wurde, sowie Socialisme ou Barbarie um Cardan-Chaulieu. Diesen Gruppen, die aus einer politischen Tradition hervorgegangen sind, (dem Trotzkismus, welcher durch seine Beteiligung an der Entartung der Komintern, seine Aufgabe der Klassenprinzipien bei seiner Unterstützung des II. Imperialistischen Weltkriegs geschwächt war), haben eine Besonderheit, die auf ihren Ursprung zurückzuführen ist: ihr mangelndes Begreifen der Entartung der Revolution in Rußland und die ökonomischen Grundlagen des Staatskapitalismus im Zeitraum der Dekadenz des Kapitalismus. Sie behaupten, der Kapitalismus kenne keine Krisen mehr, sie verbauen sich somit die Möglichkeit, ein materialistisches, marxistisches Verständnis der Entwicklung der Gesellschaft zu entwickeln. Socialisme ou Barbarie verwarf ausdrücklich das Proletariat und den Marxismus, um eine verschwommene Theorie zu entwickeln, bei der der grundlegende Widerspruch der Gesellschaft nicht mehr zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Bourgeoisie und Proletariat bestünde, sondern in dem ideologischen Verhältnis zwischen Führern und Geführten! Durch die Verwerfung des proletarischen Wesens des Proletariats verlor Socialismne ou Barbarie seine Daseinsberechtigung als politische Organisation und verschwand Anfang der 60er Jahre. Jedoch wirkte der schädliche Einfluß seiner Ideen nicht nur auf die Intellektuellen ein, sondern auch auf das politische Milieu, insbesondere ICO, und deren Mitläufer die Situationistische Internationale. Der FOR wiederum versank nie in solchen Extremen, aber seine Weigerung, die Wirklichkeit der Wirtschaftskrise zur Kenntnis zu nehmen, schwächt die Gesamtheit seiner politischen Positionen ab, indem ihm dadurch die unabdingbare Kohärenz verbaut wird. DIE ZERBRECHLICHKEIT DES MILIEUS, DAS NACH 1968 ENTSTANDDie Ereignisse des Klassenkampfes und insbesondere der Streiks im Mai 68 in Frankreich, die Kämpfe in Italien 1969, die Aufstände in Polen 1970, lösten aufgrund ihres internationalen Echos einen Prozeß des Nachdenkens innerhalb der Arbeiterklasse und selbst in der ganzen Gesellschaft aus. Dadurch stieß auch die revolutionäre Theorie des Marxismus auf einen größeren Widerhall. Von dieser internationalen Welle des Klassenkampfes getragen, entstanden eine Vielzahl von kleinen Gruppen, Zirkeln oder Komitees - meist in einer großen Konfusion, aber alle auf der Suche nach einer revolutionären Kohärenz. Aus dieser Bewegung sollte das neue politische Milieu entstehen. Die konkrete Konfrontation mit den Manövern zur Sabotage des Klassenkampfes, den die ausübten, welche sich als die entschlossensten Interessenvertreter des Proletariats ausgaben, sollte zu einem entscheidenden Faktor in der brutalen Bewußtwerdung des arbeiterfeindlichen Wesens der Gewerkschaften und der "linken" Parteien werden. Die Infragestellung des Arbeiterwesens der gewerkschaftlichen Organisationen, der sozialistischen Parteien, die aus der gestorbenen II. Internationalen hervorgegangen waren, der stalinistischen kommunistischen Parteien und ihren "extrem-linken" Anhängseln mit verschiedener maoistischer oder trotzkistischer Couleur war das unmittelbare Ergebnis des Klassenkampfes, der dies all an den Tag brachte. Jedoch konnte das Gespür für grundlegende politische Positionen nicht die tiefgreifende politische Zerbrechlichkeit dieser neuen Generation zerstreuen, die an die revolutionären Positionen anknüpfen wollten, ohne jedoch eine wirkliche Kenntnis der Vergangenheit der Arbeiterklasse, eine Verbindung mit den früheren Organisationen der Klasse zu haben, ohne eine militante Erfahrung zu besitzen und gleichzeitig unter dem belastenden Einfluß der kleinbürgerlichen Illusionen zu stehen, die von der Studentenbewegung verbreitet wurden. Das Gewicht der jahrzehntelangen Konterrevolution lastete wie ein schwerer Ballast auf dem Milieu. "Lauf Genosse, die alte Welt ist hinter dir", riefen die Revoltierten 1968. Aber während die Verwerfung der "alten Welt" es ermöglicht, einige Klassenpositionen aufzugreifen, wie z.B. das kapitalistische Wesen der Gewerkschaften, der sog. "linken" Parteien, der sog. "Vaterländer des Sozialismus", wurde in dieser Sturmphase auch manch unabdingbare Errungenschaft des Proletariats verworfen. Insbesondere das revolutionäre Wesen des Proletariats und such des Marxismus, die Notwendigkeit der politischen Organisation usw.. Die Ideen, die in dieser noch von Unreife und Unerfahrenheit geprägten Bewegung, auf den größten Widerhall stoßen, sind die der "radikalen", wortgewaltigen Strömungen wie der Situationistischen Internationalen, die die Theorien von Sozialismus und Barbarei auf den Geschmack des Tages bringt und als radikalste Stimme in der Studentenbewegung auftritt. Indem sie den Kampf der Arbeiter in der Revolte der kleinbürgerlichen Schichten zerstreute, ihn mit dem radikalen Reformismus des Alltagslebens gleichstellte, eine wüste Mischung zwischen Marx und Bakunin herstellen wollte, flüchtete die Situationistische Internationale vom marxistischen Terrain, um - mit einem Jahrhundert Verspätung- die utopischen Illusionen wieder zu reaktualisieren. So sollte der "Modernismus" (7), der sich ganz der Suche nach Neuem und der Verwerfung des Alten widmete, nur die historisch schon längst über Bord geworfenen Theorien wieder ausgraben. Aber obgleich die "modernistische" Strömung der Arbeiterklasse grundsätzlich fremd ist, war die "rätekommunistische" Strömung (8) historisch gesehen ein Teil des proletarischen politischen Milieus. Insbesondere ICO in Frankreich war typisch für diese Tendenz, die sich auf die Beiträge der "deutschen" und "holländischen" Linke berief. Sie theoretisierten als Fortsetzung der Fehler der "holländischen" Linke der 30er Jahre die Auffassung, daß das Proletariat keine politischen Organisationen brauche. Auf dem Hintergrund jahrzehntelanger siegreicher Konterrevolution, des Verrats der proletarischen Organisationen, die unter dem Druck der Bourgeoisie zusammengebrochen waren und in den kapitalistischen Staat integriert wurden, und dem arbeiterfeindlichen Verhalten der Organisationen, die behaupteten im Namen der Arbeiterklasse zu sprechen, stieß diese Auffassung von der Verwerfung der politischen Organisationen auf ein großes Echo, da das Mißtrauen der Arbeiter gegenüber allen Organisationen enorm war. Diese Tendenz gipfelte in der Angst vor der Organisation als solcher. Allein das Wort schon versetzte einen in Angst und Schrecken. In einer ersten Phase übte ICO eine Anziehungskraft auf das politische Milieu aus, das in Frankreich und selbst international entstand, denn die Ereignisse des Mai 68 hatten ein weltweites Echo. All dies trug zur Verbreitung und Wiederaneignung der proletarischen Erfahrungen der früheren Revolutionäre bei (insbesondere der KAPD in Deutschland) - aber das geschah natürlich auf eine sehr partielle und entstellte Weise. An den von ICO organisierten Konferenzen beteiligten sich viele Gruppen. So in Frankreich: die "Cahiers du communisme de Conseil" ("Hefte des Rätekommunismus") aus Marseille, die Groupe Conseilliste (Rätekommunistische Gruppe) aus Clermont-Ferrand, Revolution Internationale aus Toulouse, der GLAT, la Vielle Taupe (Der alte Maulwurf), Noir et Rouge (Schwarz und Rot), Archinoir (Ganz Schwarz); an der Brüsseler Konferenz 1969 nahmen belgische und italienische Gruppen teil sowie "Persönlichkeiten" wie Daniel CohnBendit und Paul Mattick. Aber diese Dynamik der Polarisierung des politischen Milieus fand mehr unter dem Druck des Klassenkampfes statt als unter der politischen Kohärenz ICOs. Mit dem Abflauen des Klassenkampfes in Frankreich Anfang der 70er Jahre sollten die partei- und organisationsfeindlichen Auffassungen ICOs immer schwerer auf dem unreifen politischen Milieu lasten. Während ICO anfänglich für die proletarischen Positionen Gruppen und Elemente anziehen konnte, die mit dem Anarchismus und dem intellektuellen Akademismus brachen, trat mit dem Abflauen der Streiks das Gegenteil ein: ICO wurde durch das anarchistische und "modernistische" Geschwür angezogen. Schließlich verschwand ICO 1971. Diese Entwicklung lCOs ist ganz typisch für die Dynamik des Rätismus im internationalen politischen Milieu, obgleich außerhalb Frankreichs dieses Phänomen erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung einsetzte. Indem die rätistischen Theoretisierungen die Notwendigkeit der Organisation verwarfen, das proletarische Wesen der russischen Revolution, der bolschewistischen Partei und der III. Internationale leugneten, wirkten sie als verwirrende und den Zerfall beschleunigende Elemente innerhalb eines proletarischen Milieus, das gerade im Entstehen begriffen war. Sie machten ein Wiederaufarbeiten der grundlegenden historischen Wurzeln unmöglich und verhinderten den Aufbau der organisatorischen und politischen Mittel, die so unabdingbar sind für einen langfristigen Bestand. Der Rätismus wirkt hauptsächlich als auflösendes, zerstreuendes Element auf die revolutionären Energien der Klasse. Alle proletarischen Gruppen, die Ende der 60er Jahre mit jugendlichen Enthusiasmus entstanden, sind allemal durch den heimtückischen Einfluß des "Modernismus" und "Rätismus" geprägt worden: wer redete nicht von dem Ende der Krisen im Staatskapitalismus, von den bösen Bolschewiki und unausweichlichen Schicksal für jede Partei, daß diese nämlich die Arbeiter verraten würde, über die gewaltige Entfremdung, die die revolutionäre militante Arbeit darstellte? Damals waren solche Reden Mode. Die unvermeidbare Herauskristallisierung, die mit dem Abflauen des Klassenkampfes eintritt, fegte nicht nur die Illusionen beiseite und erzwang eine notwendige politische Klärung, sondern führte auch zum Verschwinden der schwächsten politischen Gruppen. In der ersten Hälfte der 70er Jahre kam es zu einem "Massensterben": die Situationistische Internationale ging nach einem kurzen Aufblühen,das einen ganzen Frühling dauerte, ein, ICO krepierte, indem es in seinen letzten Atemzügen die Kritik des Alltaglebens formulierte, Pouvoir Ouvrier, Noir et Rouge, La Vielle Taupe in Frankreich, sie alle verschwanden, Lotta Continua und Potere Operaio in Italien waren in die Fangarme der maoistischen Linke geraten ... und die Liste ließe sich natürlich noch fortsetzen. Die Geschichte forderte mit dem Abflauen des Klassenkampfes und der sich entwickelnden Krise ihren Preis und sprach ihr Urteil aus. Die verschiedenen IKPs, die aus der "italienischen" Linke hervorgegangen waren, erwiesen sich als unfähig zu begreifen, daß das Wiedererstarken des Klassenkampfes Ende der 60er Jahre das Ende der Konterrevolution bedeutete. Sie unterschätzten vollkommen die Bedeutung der Streiks, die sich vor ihren Augen entfalteten und waren nicht in der Lage, die Funktion zu erfüllen, für die sie ins Leben gerufen worden waren: im Klassenkampf zu intervenieren und in den Prozeß der Bildung eines politischen Milieus einzugreifen. Diejenigen, die die organische und politische Kontinuität mit den revolutionären Organisationen der Jahrhundertwende beanspruchen, die das entstehende politische Milieu hätten stärken sollen, indem sie den notwendigen Prozeß der Wiederaneignung der proletarischen Errungenschaften der Vergangenheit beschleunigten, die sich als Klassenpartei ausgeben, waren bis Mitte der 70er Jahre fast völlig abwesend. Sie schliefen in dem Glauben, daß die lange Nacht der Konterrevolution noch andauerte und klammerten sich an "Gesetzestafeln" des kommunistischen Programms fest. Die IKP (Programme Communiste), als einzige Organisation auf internationaler Ebene bestehend, äußerte nur Verachtung gegenüber den Elementen, die eine revolutionäre Kohärenz suchten. Und die IKP (Battaglia Comunista), der politischen Diskussion mehr offenstehend, hielt sich ängstlich in Italien zurück. Obgleich die politischen Positionen dieser Gruppen zur Parteifrage, die sie grundsätzlich von den Rätisten unterschied, zunächst das politische Milieu nicht auf die gleiche Art anziehen konnte, hat ihre relative Abwesenheit das zerstörerische Gewicht des Rätismus auf diese jungen, unreifen, revolutionären Energien nur noch verstärken können. Schließlich sollte das Element, das unter den sich auf die "italienische Linke" beziehenden Gruppen oberflächlich gesehen als am "schwächsten" (weil isoliert in Venezuela) erscheinen mochte, das aber auf politischer Ebene nicht schwach war, eine positive Wirkung ausüben. Unter der Initiative von Mitgliedern von INTERNACIONALISMO, die nach Frankreich eingewandert waren, wurde die Gruppe REVOLUTION INTERNATIONALE inmitten der Mai-Unruhen 1968 in Toulouse gegründet. Diese kleine Gruppe, die in der Vielzahl von den damals entstehenden Gruppen unterzugehen schien, sollte -dank der Mitarbeit von alten Militanten der "itali~ nischen Linken" aus BILAN und INTERNATIONALISME, die mit ihrer unersetzbaren politischen Erfahrung bei der Arbeit der Gruppe mitwirkten- eine positive Rolle gegenüber den Zerfallserscheinungen spielen, die damals schon innerhalb des neuen politischen Milieus aufgrund des gefährlichen Gewichts des Rätismus überhand nahmen. Insbesondere wurde dies bei der Dynamik der Umgruppierung deutlich, die REVOLUTION INTERNATIONALE in Gang setzte. DIE DYNAMIK DER UMGRUPPIERUNG UND DAS GEWICHT DES SEKTIERERTUMSAus den Reihen dieses neuen politischen Milieus, das noch von der Konfusion geprägt war, entstand eine Tendenz, die sich den durch den Rätismus beschleunigten Zerfallserscheinungen entgegenstellte. Der Wille zur politischen Klärung, die Absicht der Wiederaneignung der politischen Errungenschaften des Marxismus wurde verdeutlicht in der Verteidigung der Notwendigkeit der politischen Organisationen und einer Kritik der rätistischen Fehler. Seit seiner Gründung arbeitete REVOLUTION INTERNATIONALE (RI) an dieser Aufgabe: die Verteidigung der revolutionären Prinzipien hinsichtlich der Organisationsfrage, aber auch die Entwicklung eines kohärenten Rahmens für das Begreifen der Klassenpositionen und der _ Entwicklung des Kapitalismus im 20. Jahrhundert. Dabei spielt die Theorie der Dekadenz des Kapitalismus, welche von Rosa Luxemburg und BILAN bereichert wurde, sowie die Untersuchung des Staatskapitalismus, so wie sie von INTERNATIONALISME angefertigt wurden, eine herausragende Rolle. Dies ermöglichte eine größere Klarheit hinsichtlich des proletarischen Charakters der Russischen Revolution, der bolschewistischen Partei, der III. Internationale. Ebenso kam die größere Kohärenz RIs bei dem Begreifen der Ereignisse des Mai 68 zum Vorschein: einerseits verteidigte RI die historische Bedeutung und die Reichweite der Arbeiterkämpfe, die sich international entfalteten, andererseits bezog es Stellung gegen die maßlosen Übertreibungen derjenigen, die innerhalb der modernistisch-rätistischen Strömung die kommunistische Revolution unmittelbar vor der Tür stehen sahen und somit ihre zukünftige Demoralisierung selbst vorbereiteten. Obgleich das Echo RIs zunächst beschränkt blieb und auf dem Hintergrund des damals vorherrschenden Rätismus keine gewaltige Stimme besaß, stellte es einen Pol politischer Klarheit im politischen Milieu der damaligen Zeit dar. In Frankreich ermöglichte die Teilnahme Rls an den von ICO organisierten Treffen die Konfrontation mit den rätistischen Konfusionen und die Polarisierung der Entwicklung anderer Gruppen. Der damals stattfindende Klärungsprozeß ermöglichte eine Umgruppierung, der 1972 zum Zusammenschluß der Groupe Conseilliste aus Clermont-Ferrand und der Cahiers du communisme de conseil um RI führte. DIE UMGRUPPIERUNGSDYNAMIK UND DIE GRÜNDUNG DER IKS (9)Auf internationaler Ebene gab es die gleiche Dynamik. Infolge des Rückflusses des Klassenkampfes intensivierten sich die Debatten innerhalb des proletarischen politischen Milieus. Bei diesen Debatten spielten RI und INTERNACIONALSIMO eine entscheidende, klärende Rolle. Die Auseinandersetzung mit den rätistischen Auffassungen verschärfte sich, wodurch zahlreiche Gruppen zur Aufgabe ihrer ersten libertär-rätistischen Liebe gezwungen wurden. In den USA wurde INTERNATIONALISM in engem Kontakt mit INTERNACIONALISMO gegründet, die Diskussionen mit RI führten zur Gründung von WORLD REVOLUTION in GB. Sie sollten auch einen großen Einfluß auf Gruppen wie WORKERS' VOICE und REVOLUTIONARY PERSPECTIVES haben. In Belgien schlossen sich direkt unter dem Einfluß von RI drei Gruppen zusammen, um INTERNATIONALISME zu gründen; ebenso bildeten sich in Italien und Spanien auf der Grundlage der Kohärenz von RI RIVOLUZIONE INTERNAZIONALE und ACCION PROLETARIA. Der Aufruf INTERNATIONALISMs (USA) zur Gründung eines internationalen Kontaktnetzes zwischen den bestehenden proletarischen Gruppen beschleunigte die theoretische Klärung und politische Herauskristallisierung. Dank dieser Dynamik wurde 1974 eine internationale Konferenz abgehalten, die die Gründung der IKS 1975 vorbereitete. Damals schlossen sich in der IKS auf der Grundlage einer gemeinsamen Plattform zusammen: INTERNACIONALISMO (Venezuela), REVOLUTION INTERNATIONALE (Frankreich), INTERNATIONALISM (USA), WORLD REVOLUTION (GB), INTERNATIONALISME (Belgien), ACCION PROLETARIA (Spanien), RNOLUZIONE INTERNAZIONALE (Italien). In 7 Ländern anwesend, die anarchorätistischen Auffassungen, die den Lokalismus kaum verbergen können, verwerfend, fußte die IKS ihre Existenz auf eine international zentralisierte Funktionsweise - genau wie die Arbeiterklasse selber, die eine Klasse ist und keine besonderen Interessen in dem einen oder anderen Land zu vertreten hat. DER ZERFALL DER LINKEN UND DIE ENTFALTUNG DER IKP (PROGRAMME COMMUNISTE)Die 1968 explosionsartig aufgetretene Welle des Klassenkampfes verlangsamte sich seit Anfang der 70er Jahre. Die herrschende Klasse, zunächst überrascht, reorganisierte ihren Apparat der politischen Mystifizierung, um besser der Arbeiterklasse entgegenzutreten. Diese Entwicklung der Lage rief einerseits den Zerfall des rätistischen Milieus hervor, das stark immediatistisch war, und andererseits zerfielen dadurch auch in einem beschränkten Maße Gruppen der Extremen Linken (Maoisten und Trotzkisten). Bei ihnen gab es eine Reihe von Spaltungen, von denen sich einige revolutionären Positionen annäherten. Jedoch gelang es diesen Gruppen nicht, infolge der schweren Last ihrer Herkunft sich wirklich dem revolutionären proletarischen Milieu anzuschließen. Dies war beispielsweise bei den beiden Abspaltungen von Lutte Ouvriere (trotzkistische Organisation) in Frankreich der Fall: Union Ouvriere und Combat Communiste. U.O. war anfänglich von dem FOR beeinflußt gewesen; es durchwanderte den Kontakt mit dem proletarischen Milieu und verschwand im "Modernismus", C.C. gelang es nicht, mit dem "radikalen" Trotzkismus zu brechen. Die Tendenz zum Austritt vieler Elemente aus den Gruppen der Extremen Linken, die eher demoralisiert als politisch klar austraten, wurde durch den zurückweichenden Klassenkampf Mitte der 70er Jahre verschärft. Auf diesem Hintergrund entwickelte sich die IKP (Programma Communista). Nachdem sie den Klassenkampf Ende der 60er verpaßt hatte, erwachte die bordigistische IKP Anfang der 70er Jahre aus ihrer Erstarrung. Sie legte eine große Verachtung gegenüber dem proletarischen Milieu an den Tag und entfaltete eine opportunistische Rekrutierungspolitik gegenüber den Elementen, die nicht vollständig mit der "Extremen Linke" gebrochen hatten. Auf der Grundlage falscher Positionen hinsichtlich entscheidender Schlüsselfragen (so der nationalen und Gewerkschaftsfrage) schlug die IKP während der 70er Jahre einen immer opportunistischeren Kurs ein. So unterstützten sie schrittweise die "nationalen Befreiungskämpfe" in Angola, den Terror der Roten Khmer in Kambodscha und die "palästinensische Revolution". Und je mehr sich das Geschwür der "extremen Linke" in ihr ausbreitete, desto größer wurde die IKP. Ende der 70er Jahre war die IKP (Programme Communiste) die größte Gruppe innerhalb des proletarischen politischen Milieus. Aber obgleich die IKP damals der vorherrschende Pol war, kann dies nicht nur auf ihre damalige zahlenmäßige Stärke und internationale Existenz zurückgeführt werden. Der Rückfluß des Klassenkampfes verstärkte die Zweifel über die revolutionäre Fähigkeit der Arbeiterklasse und die substitutionistischen Auffassungen der Partei gewannen wieder an Boden, nicht zuletzt aufgrund des Scheiterns der organisationsfeindlichen Auffassungen der Rätisten. Der Bordigismus stellt die Partei als das Allheilmittel gegen all die Schwierigkeiten der Klasse dar, welche wiederum nur tradeunionistisch sein könne und von der Partei dirigiert und generalstabsmäßig geführt werden müsse. Diese Auffassung fand zu der Zeit eine größere Verbreitung, von der die IKP (Programme Communiste) profitierte. Aber neben der IKP (Programme Communiste) wurde das gesamte politische Milieu um die Frage polarisiert, welche Rolle und welche Aufgaben die kommunistische Partei zu erfüllen habe. DAS GEWICHT DES SEKTIERERTUMSWährend die IKP (Programme Communiste) die größte Organisation des proletarischen Milieus während der 2. Hälfte der 70er Jahre war, war sie jedoch nicht das Ergebnis einer Dynamik der Klärung und Umgruppierung. Im Gegenteil: ihre Ausdehnung fand statt auf der Grundlage eines wachsenden Opportunismus und einem ständig theoretisierten Sektierertum. Die IKP, welche sich als die einzige bestehende proletarische Organisation auffaßte, verweigerte die Diskussion mit jeder anderen Gruppe. Die Entfaltung der bordigistischen IKP war nicht der Ausdruck der Stärke der Klasse, sondern ihrer vorübergehenden Schwächung, hervorgerufen durch den Rückgang der Streiks. Leider beschränkte sich das Sektierertum nicht nur auf die IKP Bordigas, obgleich es in ihren Reihen die karikaturalste Form annahm. Es lastete auf dem gesamten proletarischen Milieu als ein Ausdruck seiner Unreife. Dies wird deutlich auf folgenden Ebenen: - die Tendenz bei bestimmten Gruppen zu glauben, allein auf der Welt zu sein, und das Vorhandensein eines politischen, proletarischen Milieus zu leugnen. Ähnlich der IKP entwickelten viele Sekten, die sich auf den Bordigismus beriefen, diese Einstellung; - eine Tendenz, mehr darauf zu achten, sich hinsichtlich zweitrangiger Punkte abzugrenzen,um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen, anstatt in eine Konfrontation mit dem politischen Milieu einzutreten, um zur Klärung zu drängen. Diese Einstellung ging in der Regel einher mit einer tiefgreifenden Unterschätzung der Bedeutung des proletarischen Milieus und der Debatten, die in dessen Reihen stattfanden. Das war der Fall bei REVOLUTIONARY PERSPECTIVES, das sich nicht an der Umgruppierungsdynamik mit WORLD REVOLUTION 1973 in GB beteiligen wollte, weil sie eine "grundlegende" Divergenz hatte, derzufolge die bolschewistische Partei bereits nach 1921 nicht mehr proletarisch gewesen sei. Diese "Fixierung" RPs auf diese Frage war nur ein Vorwand, denn einige Jahre später wurde diese Position aufgegeben, ohne damit aber die Lehren hinsichtlich des Scheiterns der früheren Umgruppierung in GB zu ziehen. - eine Tendenz der verfrühten und vorzeitigen Spaltungen, wie die der PIC (Pour une intervention communiste/Für eine Kom. Intervention), die 19?3 von RI in Frankreich auf einer aktivistischen und immediatistischen Grundlage, beeinflußt durch den Rätismus, austrat. Jedoch waren nicht alle Spaltungen grundlos. So war die Abspaltung der GCl (10) 1977 von der IKS gerechtfertigt, weil die späteren GCI- Gründer mit der Kohärenz der IKS brachen und grundlegende Positionen über Bord warfen, wie die Rolle der Partei und das Wesen der Klassengewalt. Sie schlugen eine bordigistische Richtung ein. Jedoch bringt diese Spaltung dennoch das Gewicht des Sektierertums zum Ausdruck, stützte sie sich doch bei vielen Punkten auf die sektiererischen Auffassungen der IKP; - paradoxerweise kam auch die Tendenz zum Sektierertum in den Umgruppierungsbemühungen zum Vorschein, die die Dynamik der IKS nachahmen wollten. So wollte die PIC Konferenzen initiieren, die Gruppen zusammenfassen sollten, welche mehr durch den Anarchismus als durch revolutionäre Positionen gekennzeichnet waren. Die Fusion WORKERS' VOICE und REVOLUTIONARY PESPECTIVES zur CWO (11) in GB zeichnet sich trotz des darin enthaltenen begrüßenswerten Willens zur Umgruppierung durch die sektiererische Haltung gegenüber der IKS aus, obgleich die Grundsatzpositionen nicht so weit voneinander entfernt lagen. Das Gewicht des Sektierertums innerhalb des politischen Milieus ist der Ausdruck des organischen Bruchs, den die 50 Jahre dauernde Konterrevolution hervorgerufen hat und des Vergessens der Erfahrung der Revolutionäre hinsichtlich der Umgruppierungsfrage und der Bildung der Kommunistischen Partei. Das weitere Zurückweichen des Klassenkampfes Ende der 70er Jahre verschärfte diese Situation noch. Aber weil das politische Milieu keine mechanische Widerspiegelung des Klassenkampfes ist, sondern ein Ausdruck des bewußten Willens gegen die bestehenden Schwächen zu kämpfen, spiegelt der Wille verschiedener Gruppen des politischen Milieus, eine Dynamik der Klärung mit der Perspektive der notwendigen Umgruppierung der revolutionären Kräfte herbeizuführen, die politische Klarheit über ihre große Verantwortung in der gegenwärtigen historischen Periode wider. Unter diesen Bedingungen war der Aufruf Battaglia Comunistas zur Einberufung von Konferenzen der Gruppen der Kommunistischen Linken nach einer langen Zeit der großen "Diskretion" dieser Gruppe auf internationaler Ebene ein positives Anzeichen für die Entwicklung des gesamten Milieus, das - wie eben erwähnt - unter dem vorübergehenden Zurückweichen des Klassenkampfes an Sektierertum und der Zerstreuung litt. In dem 2.Tei1 dieses Artikels wollen wir die weitere Entwicklung des politischen Milieus Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre verfolgen, als die Konferenzen stattfanden und schließlich scheiterten; der Krise, die dadurch im Milieu eröffnet wurde und dem daraus folgenden harten Selektionsprozeß - was insbesondere zum Zerbersten der IKP (Programme Communiste) führte. Und wie das Milieu gegenüber dem Erstarken des Klassenkampfes 1983 reagierte und den damit für die Revolutionäre anfallenden Aufgaben. aus International Review, Nr. 53, 2/88 JJ (7.3.88)
Die Entwicklung des politischen proletarischen Milieus seit 1968II. Teil Mitte der 70er Jahre war das politische proletarische Milieu zwischen zwei Pole geteilt, die auf karikaturale Weise das Ergebnis der Theoretisierung nicht der Stärke der Fraktionen der Italienischen und Deutsch-Holländischen Linken waren, sondern im Gegenteil ihrer Schwäche. Dies kam insbesondere bei einer entscheidenden Frage dieses Milieus zu Tage, welches nach Jahrzehnten der Abwesenheit von der historischen Szene wieder auftauchte und dem es an größerer historischer Erfahrung fehlte - es handelte sich um die Organisationsfrage. Auf der einen Seite gab es die rätistische Strömung, welche geneigt war, die Notwendigkeit der Organisation zu verwerfen, und andererseits die bordigistische Strömung, zusammengefaßt hauptsächlich um die IKP (Kommunistisches Programm), und die die Partei als ein mechanisches Hilfsmittel für all die Schwierigkeiten der Arbeiterklasse auffaßte. Die Rätisten hatten ihre größte Ruhmesstunde zur Zeit der '68er Ereignisse und der nachfolgenden Jahre, aber mit dem Zurückweichen des Klassenkampfes Mitte der 70er Jahre wurden auch sie stark angeschlagen. Dagegen erlebte die bordigistische Strömung, welche während der Phase der Entwicklung der Klassenkämpfe ein äußerst diskretes Schweigen ausgeübt hatte, mit dem Zurückweichen der Kämpfe einen Aufschwung, insbesondere unter den Reihen der Elemente, die aus der Extremen Linke hervorgegangen waren. In der 2. Hälfte der 70er Jahre brach der rätistische Pol zusammen, während die IKP (Kommunistisches Programm) auf ziemlich arrogante Weise eine bedeutende Rolle spielte: sie gab sich als DIE PARTEI aus, und außerhalb ihr existierte nichts. Das politische proletarische Milieu war äußerst zerstreut, zersplittert. Die dringendste Frage - die eng mit der Organisationsfrage verbunden ist - war die der Entwicklung der Kontakte zwischen den verschiedenen bestehenden Gruppen auf der Grundlage einer revolutionären Kohärenz, um den Prozeß der unabdingbaren Klärung für die notwendige Umgruppierung der revolutionären Kräfte voranzutreiben. Die IKS lieferte, aufbauend auf der Kontinuität mit Revolution Internationale 1974-75 ein Beispiel, und das 1976 veröffentlichte Manifest ist ein Aufruf an das gesamte politische Milieu, in der gleichen Richtung tätig zu werden: "Mit ihren noch geringen Mitteln hat die Internationale Kommunistische Strömung die langwierige und schwere Arbeit der Umgruppierung der Revolutionäre auf Weltebene um ein klares und kohärentes Programm aufgenommen. Den Monolithismus der Sekten verwerfend, ruft sie die Kommunisten aller Länder auf, sich der ungeheuren Verantwortung bewußt zu werden, die auf ihnen lastet, die falschen Streitereien aufzugeben und die künstlichen Spaltungen zu überwinden, die die alte Gesellschaft ihnen aufgebürdet hat. Die IKS ruft sie auf, sich für diese Aufgabe zusammenzuschließen, um vor Beginn der entscheidenden Kämpfe die internationale, vereinigte Organisation der Avantgarde zu bilden. Als bewußteste Fraktion der Klasse müssen die Kommunisten ihr den Weg zeigen, indem sie sich die Losung "Revolutionäre aller Länder, vereinigt Euch!" zu eigen machen" (Manifest der IKS). Auf diesem Hintergrund eines im Umbruch befindlichen politischen Milieus, das einen Prozeß der Herausschälung und der Zerstreuung durchmachte und auf dem das Gewicht des Sektierertums lastete, veröffentlichte Battaglia Comunista (3) einen Aufruf zum Abhalten einer Internationalen Konferenz der Gruppen der Kommunistischen Linken im Jahre 1976. 1972 hatte sich Battaglia Comunista geweigert, sich dem Aufruf von Internationalism (USA) anzuschließen, das den Aufbau einer internationalen Korrespondenz mit der Perspektive einer internationalen Konferenz vorgeschlagen hatte. Dieser Aufruf hatte die Dynamik eingeleitet, welche zur Bildung der IKS im Jahre 1975 geführt hatte. Damals antwortete BC auf dem Hintergrund der Ereignisse von 1968: "Man kann nicht behaupten, daß es eine konsequente Entwicklung des Klassenbewußtseins gibt, - selbst das Aufblühen von Gruppen spiegelt nichts anderes als die Unruhe und die Revolte der Kleinbourgeoisie wider, - wir müssen zugeben, daß die Welt noch unter der Kontrolle des Imperialismus steht". Was führte also zu dieser Kehrtwendung? Eine grundlegende Frage für BC: die "Sozialdemokratisierung" der stalinistischen KPs! Für BC war die "euro-kommunistische" Wende der KPs, welche Mitte der 70er Jahre vorübergehend eingeleitet wurde, ein Grund füur die Änderung seiner Einstellung gegenüber den anderen Organisationen des politischen Milieus. Um über diese grundlegende Frage zu diskutieren, schlug BC (Battaglia Comunista) die Einberufung einer Konferenz vor. Darüber hinaus gab es keinen einzigen politischen Maßstab für die Abgrenzung und Einladung im proletarischen Milieu im Einladungsschreiben von BC, und BC schloß bei dieser Einladung alle Organisationen des proletarischen Milieus in Italien aus, so z.B. die IKP (Programma Comunista) oder Il Partito Comunista. Trotz der Orientierung hin zu Konferenzen, der Bauer wollte bei sich Herr im Hause bleiben. Trotz dieses Mangels an Klarheit des Aufrufs antwortete die IKS gemäß ihren Orientierungen, welche durch ihrer eigene Geschichte und durch das im Jan. 1976 veröffentlichte Manifest konkretisiert worden waren, positiv und wurde mit BC zum Vorkämpfer dieser Konferenz. Politische Maßstäbe wurden vorgeschlagen, welche die Organisationen des politischen Milieus von denen der Bourgeosie unterschieden, und die IKS rief dazu auf, daß dieser Aufruf auch an die von Battaglia Comunista "vergessenen Organisationen" gerichtet werden sollte. Es sollte vesurcht werden, in dieser Konferenz eine Dynamik der politischen Klärung innerhalb des kommunistischen Milieus hervorzubringen, da dies eine notwendige Etappe hin bei der Umgruppierung der Revolutionäre war. DIE DYNAMIK DER INTERNATIONALEN KONFERENZEN DER GRUPPEN DER KOMMUNISTISCHEN LINKEDIE ERSTE KONFERENZ (4)Auf den Aufruf von Battaglia Comunista antworteten mehrere Gruppen mit ihrer prinzipiellen Zustimmung: der FOR (Fomento Obrero Revolucionario) sus Frankreich und Spanien, Arbetarmakt aus Schweden, die CWO (Communist Workers' Organisation) aus GB (5), die PIC (Pour une intervention communiste) aus Frankreich. Aber es blieb bei einer rein verbalen Zustimmung, und nur die IKS nahm neben BC aktiv an der ersten Konferenz teil, während unter Berufung auf mehr oder weniger berechtigte Gründe - welche aber allemal eine Unterschätzung der Bedeutung der Konferenzen widerspiegeln - alle anderen durch ihre Abwesenheit glänzten. Die Sprachrohre des Rätismus und des Bordigismus, Spartakusbond (NL) und die IKP (Programme Communiste/Kommunistisches Programm) (6), die an solchen Konferenzen nicht interessiert waren, flüchteten in eine sektiererische Isolierung. Die erste Konferenz fand im Mai 1977 statt. Nur zwei Organisationen beteiligten sich, die IKS und BC, was ein Zeichen des Sektierertums der anderen Gruppen ist. Trotz alledem war die Konferenz ein großer Schritt vorwärts für das proletarische Milieu. Diese erste Konferenz war keine auf die beiden Gruppen beschränkte Debatte, sondern zeigte dem ganzen proletarischen Milieu, daß es möglich war, das sektiererische Mißtrauen zu überwinden, daß man einen Ort der Gegenüberstellung von Ideen und der Klärung der unterschiedlichen Positionen schaffen kann. Die Bedeutung der debattierten Fragen stellt dies unter Beweis: - die Analyse der Wirtschaftskrise und der Entwicklung des Klassenkampfes, - konterrevolutionäre Funktion der sog. "Arbeiterparteien", SP, KPs und ihre linken Anhängsel, - Funktion der Gewerkschaften, - das Problem der Partei, gegenwärtige Aufgaben der Revolutionäre, - Schlußfolgerungen zur Bedeutung dieses Treffens. Jedoch bestand eine große Schwäche dieser und der nachfolgenden Konferenzen in der Unfähigkeit, eine gemeinsame Stellungnahme zu den Debatten zu veröffentlichen, die stattgefunden haben. So wurde die gemeinsame Erklärung, die von der IKS als Synthese der Übereinstimmungen und Divergenzen insbesondere zur Gewerkschaftsfrage vorgeschlagen wurde, von BC ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Die Veröffentlichung in zwei Sprachen (italienisch und französisch) der Konferenztexte, Beiträge und der Diskussionsprotokolle stieß im ganzen proletarischen Milieu auf ein großes Interesse und gab der durch die erste Konferenz angeregten Dynamik einen weiteren Aufschwung. Dies kam durch die Organisierung einer zweiten Konferenz zum Ausdruck, welche anderthalb Jahre später Ende 1978 stattfand. DIE 2. KONFERENZ (7)Diese Konferenz war besser vorbereitet, besser als die erste organisiert, sowohl in politischer wie in organisatorischer Hinsicht. So folgte die Einladung präziseren politischen Kriterien: - Anerkennung der Oktoberrevolution als eine proletarische Revolution, - Anerkennung des Bruchs mit der Sozialdemokratie, der durch den I.und II. Kongreß der Kommunistischen Internationale vollzogen wurde, - rückhaltlose Verwerfung des Staatskapitalismus und der Selbstverwaltung, - Verwerfung aller kommunistischen und sozialistischen Parteien als bürgerliche Parteien, - Orientierung hin zu einer Organisation von Revolutionären, die sich auf die marxistische Doktrin und Methodologie als Wissenschaft des Proletariats beziehen". Diese Kriterien, die sicherlich unzureichend sind für die Erstellung einer politischen Plattform für eine Umgruppierung und deren letzter Punkt sicherlich präzisiert werden muß, reichen jedoch aus, um das proletarische Milieu ein- und abzugrenzen und einen fruchtbaren Diskussionsrahmen zu entwickeln. In Nov. 1978 nahmen an der 2. Konferenz fünf proletarische Organisationen an den Debatten teil: die IKP (Battaglia Comunista) aus Italien, die CWO aus GB, das Nucleo Comunista Internazionalista (NCI) aus Italien, For Komunismen aus Schweden und die IKS, die seinerzeit mit Sektionen aus 9 Ländern präsent war. Die Gruppe Il Leninista schickte Textbeiträge zur Konferenz, ohne selbst physisch präsent sein zu können, und Arbetarmakt aus Schweden und die OCRIA aus Frankreich erklärten ihre verbale Unterstützung. Der FOR war ein etwas besonderer Fall. Nachdem er die erste Konferenz voll unterstützt und Textbeiträge für die 2. geliefert hatte und selbst erschienen war, vollzog er eine Theaterinszenierung zu Beginn der Konferenz selber: unter dem Vorwand, nieht mit der Tagesordnung einverstanden zu sein, verließ er die Konferenz. Denn die Tagesordnung umfaßte auch die Wirtschaftskrise, deren Existenz der FOR leugnet. Die Verfechter des Rätismus und des reinen Bordigismus verwarfen die Konferenzen weiterhin: der Spartakusbond aus Holland, den die PIC aus Frankreich nachahmte, weil er die Notwendigkeit der Partei verwarf, die PCI (IKP- Kommunistisches Programm) und die PCI (II Partito Comunista) aus Italien, weil sie alle sich selbst als einzig bestehende Partei auffassen, und weil außerhalb ihnen selbst keine andere Organisation bestehen kann. Die Tagesordnung der 2. Konferenz spiegelt den vorhandenen militanten Willen wider: - die Entwicklung der Krise und der Perspektiven, die sie dem Klassenkampf eröffnet, - die Position der Kommunisten gegenüber den sog. nationalen "Befreiungsbewegungen", - die Aufgaben der Revolutionäre in der gegenwärtigen Periode. Die 2. internationale Konferenz der Gruppen der kommunistischen Linken wurde ein Erfolg, nicht weil es eine größere Zahl der teilnehmenden Gruppen gab, sondern weil sie eine Herausschälung der Übereinstimmungen und bestehenden politischen Divergenzen zwischen den verschiedenen teilnehmenden Gruppen ermöglichte. Weil die verschiedenen anwesenden Gruppen sich besser kennenlernen konnten, bot die Konferenz einen Diskussionsrahmen, der falsche Debatten ausschloß und die Klärung der bestehenden wirklichen Divergenzen vorantrieb. Aus dieser Sicht waren die Konferenzen ein Schritt vorwärts im Hinblick auf die Umgruppierung der Revolutionäre, die - obgleich nicht unmittelbar kurzfristig auf der Tagesordnung stehend - dennoch auf dem Hintergrund der Zerstreuung des proletarischen Milieus nach Jahrzehnten Konterrevolution auf der Tagesordnung steht. Jedoch lasteten die politischen Schwächen, unter denen das proletarische Milieu litt, auch auf den Konferenzen selber. Das kam insbesondere durch das Unvermögen der Konferenzen zum Ausdruck, das Schweigen zu überwinden, d.h. die anwesenden Gruppen waren nicht in der Lage, gemeinsam zu den diskutierten Fragen Stellung zu beziehen, um herauszustellen, wo man in der Diskussion angelangt war. Die IKS schlug Resolutionen mit dieser Ausrichtung vor, aber neben dem NCI waren die anderen anwesenden Organisationen, insbesondere Battaglia Comunista und die CWO gegen solche Stellungnahmen. Diese Einstellung spiegelte das Mißtrauen wider, das innerhalb des kommunistischen Milieus fortdauert, und das selbst bei denjenigen vorhanden ist, die der Polemik und Gegenüberstellung der Auffassung am offensten gegenüberstehen. Diese Haltung ist ein Hindernis für den notwendigen Prozeß der politischen Klärung. Unter diesen Umständen überrascht es nicht, daß der Vorschlag der IKS, über eine Resolution abzustimmen, die das Sektierertum der Gruppen, kritisiert, welche nicht an den Konferenzen teilnehmen wollten, von den anderen Gruppen nicht angenommen wurde. Das traf natürlich einen wunden Punkt. Diese Schwächen schlugen leider nach der 2. Konferenz voll in den Polemiken durch, die BC und die CWO später schrieben, und die die IKS leichtsinnig als "opportunistisch" bezeichneten. In diesen Polemiken leugneten beide Gruppen, daß es ein Problem des Sektierertums gebe, ihnen zufolge war die Kritik am Sektierertum nur ein Mittel, um die bestehenden politischen Divergenzen zu leugnen. Diese Position BCs und der CWO begreift nicht, daß die Frage des Sektierertums eine eigene politische Frage ist, weil sie eine wesentliche Frage aus den Augen verliert: die der Rolle der Organisation in einem ihrer entscheidenden Aspekte, nämlich der ständigen Notwendigkeit der Umgruppierung der Revolutionäre. Indem die Gefahr des Sektierertums geleugnet wird, waren sich Gruppen außerstande, dem Sektierertum in ihren eigenen Reihen zu begegnen, und leider konnte man dies schon bei der 3. Konferenz erkennen. DIE DRITTE KONFERENZ (9)Die 3. Konferenz fand im Frühjahr 1980 zu einem Zeitpunkt statt, als die Arbeiterkämpfe des vorherigen Jahres unter Beweis gestellt hatten, daß der Rückfluß der Arbeiterkämpfe Mitte der 70er Jahre zu Ende war, und wo die Intervention der "sowjetischen" Truppen in Afghanistan die Bedeutung der Kriegsgefahr aufzeigte, wodurch die Verantwortung der Revolutionäre noch deutlicher in den Vordergrund rückte. Neue Gruppen schlossen sich der Dynamik der Konferenzen an: I Nuclei Leninisti war das Ergebnis des Zusammenschlusses zwischen der NCI und Il Leninista in Italien, die schon an der 2. Konferenz mitgewirkt hatten. Die Groupe Communiste Internationaliste, welche 1977 auf bordigistischer Grundlage aus der IKS ausgetreten war, L'Eveil Internationaliste, der aus dem Bruch mit dem im Zerfall begriffenen Maoismus in Frankreich stammte, die amerikanische Gruppe Marxist Workers' Group, die zur Konferenz beitrug, ohne sich an ihr direkt beteiligen zu können. Trotzdem, ungeachtet des wachsenden Echos der Konferenzen innerhalb des revolutionären Milieus, scheiterte die III. Internationale Konferenz der Gruppen der Kommunistischen Linken. Die Aufforderung der IKS, daß die Konferenz eine gemeinsame Resolution zur Gefahr eines imperialistischen Kriegs im Lichte der Ereignisse in Afghanistan annimmt, wurde von BC und der CWO verworfen; später auch von Eveil Internationaliste, denn obgleich diese verschiedenen Gruppen eine gemeinsame Position zu dieser Frage hatten, wäre es ihnen zufolge "opportunistisch" gewesen, solche eine Resolution anzunehmen, weil "wir Differenzen zur Frage haben, welche Rolle die revolutionäre Partei von morgen spielen wird". Die Grundlage dieser ausgezeichneten "nichtopportunistischen" Argumentationsweise ist die folgende: weil es den revolutionären Organisationen nicht gelang, sich über all die Fragen zu einigen, dürfen sie nicht von denen sprechen, wo seit langem eine Einigung erzielt wurde. Die Besonderheiten jeder Gruppe überwiegen aus Prinzipiengründen das, was alle Gruppen gemeinsam vertreten. Das ist das Sektierertum. Das Schweigen, die mangelnden öffentlichen gemeinsamen Stellungnahmen der Gruppen während der 3 Konferenzen sind die klarste Verdeutlichung der Hilflosigkeit, zu der das Sektierertum führt. Zwei Debatten standen bei der III. Konferenz auf der Tagesordnung: - wo ist die Krise des Kapitalismus angelangt und was sind ihre Perspektiven'? - Perspektiven der Entwicklung des Klassenkampfes und die daraus entstehenden Aufgaben für die Revolutionäre. Die Debatte zum zweiten Tagesordnungspunkt eröffnete den Beginn einer Diskussion über die Rolle der Partei, die ja ein während der 2. Konferenz debattierter Punkt war. Diese Frage der Rolle der Partei ist eine der schwerstwiegenden und wichtigsten, vor denen die gegenwärtigen revolutionären Gruppen heute stehen. Das trifft insbesondere zu hinsichtlich der Einschätzung der Auffassungen der bolschewistischen Partei im Lichte der historischen Erfahrungen seit und mit der Russischen Revolution. Dennoch, BC und die CWO weigerten sich aus Ungeduld ... oder aus Angst (es sei denn aus jämmerlicher opportunistischer Taktik, obwohl sie selbst während der vorhergehenden Konferenz zu dieser Frage meinten, sie "erfordere lange Diskussionen") die Debatte zur Frage der Partei fortzusetzen, und brachten Vorwände von sogenannten "spontaneistischien" Auffassungen der IKS ein, um die Frage als abgeschlossen zu erklären. Gleichzeitig ernannten sie ihre Position zu einem Teilnahmekriterium zu den Konferenzen, wodurch sie den Ausschluß der IKS von diesen Konferenzen bewirkten und damit auch die Auflösung derselben. Weil sie so die Dynamik zerschlugen, welche zuvor die Verbindungen zwischen den verschiedenen Gruppen des proletarischen Milieus hergestellt hatten, und damit auch die notwendige Klärung für die unerläßliche Umgruppierung der Revolutionäre unterbrachen, trugen die CWO und BC eine große Verantwortung der Anhäufung der Schwierigkeiten, die im gesamten Milieu zu spüren waren. Die CWO und BC schlossen sich somit der verantwortungslosen Position der GCI an, die sich an der 3. Konferenz nur beteiligt hatte, um deren Prinzipien besser zu verwerfen und um dort schamlos Leute um sich zu scharen. Drei Monate nach der Konferenz brach in Polen der Massenstreik aus; dies konnte das unverantwortliche Handeln dieser Gruppen nur noch deutlicher werden lassen, denn diese Gruppen glauben nur aufgrund ihres eigenen Egos zu bestehen. Sie vergessen nämlich, daß die Arbeiterklasse sie für die Verwirklichung der Bedürfnisse der Arbeiterklasse hervorgebracht hat. Diese "unnachgiebigen" Verteidiger der Partei vergessen, daß die erste Aufgabe dieser Partei nicht in dem sektiererischen Rückzug besteht, sondern im Gegenteil in dem Willen zur politischen Auseinandersetzung, damit der Klärungsprozeß innerhalb des proletarischen Milieus beschleunigt und damit die Fähigkeit zur Intervention in der Klasse verstärkt wird. Die sog. IV. Konferenz, die 1982 stattfand, hatte überhaupt nichts mehr mit der Dynamik zu tun, die bei den vorherigen drei internationalen Konferenzen vorhanden war. Die CWO und BC hatten einen Dritten im Bunde gefunden, der ihnen als Kerzenträger Licht spenden würde auf den neuen Geliebten ... der in der Gestalt der SUCM Irans in Erscheinung trat. Die nationalistische Gruppe, welche sich nur unzureichend vom Stalinismus gelöst hatte, war sicherlich ein höherwertiger Gesprächspartner für BC und die CWO als die IKS. War sie es deshalb, weil sie eine "korrekte" Position zur Rolle der Partei im Gegensatz zur IKS vertrat?. Das Sektierertum verfolgt Schwankungen: es führt zum plattesten Opportunismus und schließlich zur Aufgabe der Prinzipien. WELCHE BILANZ DER KONFERENZEN ?Die erste Errungenschaft der Konferenzen besteht darin, daß sie stattgefunden haben. Die internationalen Konferenzen der Gruppen der Kommunistischen Linken war ein besonders bedeutendes Moment bei der Entwicklung eines internationalen proletarischen politischen Milieus, das nach 1968 entstanden war. Sie stellten einen Diskussionsrahmen zwischen den verschiedenen Gruppen dar, die sich direkt an ihrer Dynamik beteiligten und so eine positive Klärung bei den Debatten im Milieu erreichten, wodurh ein politischer Bezugsrahmen für alle Organisationen oder Elemente des proletarischen Milieus geboten wurde, die auf der Suche nach einer revolutionären Konferenz waren. Die in jeweils 3 Sprachen nach den Konferenzen veröffentlichten Bulletins, welche die verschiedenen schriftlichen Beiträge und die Protokolle aller Diskussionen enthalten, sind ein unersetzbarer Bezugspunkt für alle Elemente oder Gruppen geblieben, die seitdem revolutionäre Positionen angenommen haben. So waren diese Konferenzen trotz ihres schlußendlichen Scheiterns ein fruchtbringendes Moment bei der Entwicklung eines proletarischen politischen Milieus, mittels derer die verschiedenen Gruppen sich besser kennenlernen konnten und über einen Rahmen verfügten, der eine Klärung und eine positive politische Abgrenzung möglich machte. Die positive Rolle der Konferenzen und das wachsende Echo das sie fanden, kam nicht nur in der steigenden Zahl der teilnehmenden Gruppen zum Ausdruck, aber dies unterstrich allen Gruppen des proletarischen Milieus das Interesse, das an solchen Treffen bestand. Die Konferenz von Oslo im Sept. 1977, an der skandinavische Gruppen und auch die IKS teilnahmen, war ungeachtet ihrer relativ schwammigen Grundlagen ein Ausdruck des gesteigerten Bedürfnisses nach Auseinandersetzung und Kennenlernen im internationalen proletarischen Milieu. Aber mit etwas Abstand kann man jetzt, wo diese Konferenzen sich aufgelöst haben und eine gewisse Leere herrscht, und nachdem es nach dem Scheitern der III. Konferenz eine Krise im politischen Milieu gab, paradoxerweise den positiven Beitrag dieser Konferenzen am besten erkennen. DIE KRISE DES PROLETARISCHEN POLITISCHEN MILIEUSAls die Konferenzen stattfanden, konnte man bei diesem Milieu des Endes der 70er Jahre zwei Kennzeichen feststellen: einerseits der Zusammenbruch der rätistischen Strömung, der zu Anfang des Jahrzehnts ein dominierender Pol in der Debatte gewesen war, und andererseits die Entfaltung der IKP (Kommunistisches Programm), die zur größten Organisation des proletarischen Milieus wurde. DER POLITISCHE NIEDERGANG DER BORDIGISTISCHEN IKPDie IKP (Kommunistisches Programm) wurde nicht nur zur größten Organisation des politischen Milieus aufgrund ihr internationalen Präsenz in verschiedenen Ländern (Italien, Frankreich, Schweiz, Spanien mit Veröffentlichungen auf französisch, englisch, spanisch, arabisch, deutsch) sondern such aufgrund ihrer politischen Positionen, die in dieser Rückflußphase des Klassenkampfes auf ein positives Gehör nicht nur bei denen stießen, die aus den zerfallenden Elementen der extremen Linke kamen, sondern auch selbst bei Elementen des schon bestehenden proletarischen Milieus. Die Unfähigkeit des "Rätismus", den Höhen und Tiefen des Klassenkampfes zu widerstehen, spiegelt konkret das Scheitern wider, wenn man die Notwendigkeit der Partei verwirft und wenn man zutiefst die Organisationsfrage unterschätzt. Wenn die IKP auf der Notwendigkeit der Partei besteht, ist dies vollkommen berechtigt. Ihre gänzlich karikatural "substitutionistische" Auffassung, derzufolge die Partei alles und die Klasse gar niehts ist, welche in den tiefsten Jahren der Konterrevolution nach dem 2. Weltkrieg entstand, d.h. zu einem Zeitraum, als die ausgeblutete Arbeiterklasse noch nie so mystifiziert war, ist die Theoretisierung der Schwäche des Proletariats. Die Partei wird als das Allheilmittel für all die Schwierigkeiten des Klassenkampfes dargestellt. In einer Phase, als der Kampf abnahm, spiegelte das aufblühende Echo der Positionen der IKP zur Parteifrage die Zweifel an der Arbeiterklasse wider. Dieser Zweifel an den revolutionären Fähigkeiten der Arbeiterklasse fand in dem sich im Laufe der Jahre verstärkten opportunistischen Abgleiten der IKP (Kommunistisches Programm) ihren Ausdruck. Während die Arbeiter der entwickelten Länder angeblich die Dividenden des Imperialismus erhalten, die ihnen als Prämie für ihre Passivität ausgezahlt werden, meint die IKP, daß in der Peripherie des Kapitalismus in den sog. "nationalen Befreiungskämpfen" die revolutionären Potentialitäten sich entfalten. Dieses nationalistische Abgleiten ging sogar soweit, daß Kommunistisches Programm den Terror der '"Roten Khmer" in Kambodscha unterstützte sowie die nationalistischen Kämpfe in Angola und die "palästinensische" Revolution sowie die PLO, während die verstärkte Intervention der IKP in Frankreich in den Kämpfen der "Gastarbeiter" das Gewicht der nationalistischen Illusionen noch verstärkte. Die falschen Auffassungen des Bordigismus zur Frage der Partei, zur nationalen Frage aber such zur Gewerkschaftsfrage öffneten Tür und Tor für das Hereinströmen der herrschenden Ideologie, der die IKP verfiel. Der Aufschwung des Bordigismus als politischer Hauptbezugspunkt innerhalb des proletarischen Milieus war der Ausdruck und die Theoretisierung des zurückweichenden Klassenkampfes. Unter diesen Umständen ist es nicht erstaunlich, daß die IKP (Kommunistisches Programm), welche lieber mit den bürgerlichen extremen Linken als mit dem revolutionären kommunistischen Milieu diskutiert, den Preis für diese Haltung zu zahlen hatte, nämlich ein beschleunigter politischer Niedergang, der zur Aufgabe der Prinzipien selber führte, welche bei ihrer Entstehung noch verteidigt wurden. DIE DEBATTEN INNERHALB DES PROLETARISCHEN MILIEUS ZU BEGINN DER 80er JAHREWährend die IKP (Kommunistisches Programm) ihre politischen Positionen bis zur Karikatur vorantrieb, sind die dahinterliegenden falschen Auffassungen, welche auf die innerhalb der III. Internationale debattierten Positionen zurückgehen, in den allgemeinen Auffassungen anderer Gruppen ebenfalls vorhanden (ohne zugleich diese Stufe zu erreichen). Das trifft insbesondere zu für die, die wie die IKP Bordigas ihren Ursprung in unterschiedlichen Maßen in der Internationalistischen Kommunistischen Partei haben, die hauptsächlich in Italien nach dem II. imperialistischen Weltkrieg gegründet wurde: IKP (Battaglia Comunista), die die klarste Kontinuität auf der Ebene revolutionärer Prinzipien darstellt, Il Partito Comuista Italiens, die sich von Kommunistisches Programm 1973 loslöste und die NCI z.B.. Unter diesen Umständen ist es deshalb nicht verwunderlich, daß die Debatten auf den Konferenzen sich alle um die gleichen grundlegenden Fragen drehten: Frage der Partei, die nationale Frage, Gewerkschaftsfrage, weil diese alle von der Weltlage und der Geschichte selber des proletarischen Milieus mitbestimmt werden. Während der Konferenzen stand die NLI (NCI+ IL Leninista) den bordigistischen Positionen am nächsten, und Battaglia Comunista machte gegenüber diesen Auffassungen bei der nationalen und Gewerkschaftsfrage Konzessionen. Hinsichtlich der Parteifrage haben wir gesehen, daß es sich um einen Vorwand für die Sabotage der Dynamik der Konferenzen handelte. Die GWO ihrerseits schlug während der Konferenzen eine Entwicklung ein, die sie, ausgehend von einer der IKS sehr nahestehenden Plattform, zu einer Annäherung an die IKP (Battaglia Comunista) geführt hat. DIE BESCHLEUNIGUNG DER GESCHICHTE ANFANG DER 80er JAHRE UND DIE HERAUSKRISTALLISIERUNG INNERHALB DES POLITISCHEN MILIEUSNach dem Scheitern der Konferenzen stand Anfang der 80er Jahre ein zutiefst gespaltenes proletarisches Milieu einer sich beschleunigenden geschichtlichen Entwicklung gegenüber. Merkmale waren: - die internationale Entwicklung der Welle von Arbeiterkämpfen, die dem Rücktluß ein Ende setzte, welcher der Welle von Kämpfen nach 1968 gefolgt war, und die im Sommer 1980 im Massenstreik von Polen, seiner brutalen Niederschlagung, ihren Höhepunkte erreichte, und dem erneuten Abflachen der Kurve des Klassenkampfes nach 1980; - die Zuspitzung der inter-imperialistischen Spannungen zwischen den beiden Supermächten mit der russischen Intervention in Afghanistan und der intensiven Kriegspropaganda sowie dem gleichzeitigen Rüstungswettlauf; - dem Versinken der Weltwirtschaft in der Krise, der Rezession in den USA 1982, die seit den 30er Jahren die stärkste war und die ganze Weltwirtschaft erfaßte. Während manche die Lehren der Geschichte nicht begreifen können, kann dagegen niemand vor der Geschichte weglaufen. Ein politischer Kristallisierungs, Herausbildungnsprozeß findet unvermeidbar im politischen Milieu statt, die geschichtliche Erfahrung fällt ihr Urteil. Die Ende der 70er Jahre in Gang kommende Kampfeswelle warf konkret die Notwendigkeit der Intervention der Revolutionäre auf. Der Kampf der Stahlarbeiter in Lothringen und im Norden Frankreichs im Jahre 1979, der Streik der Stahlkocher in GB 1980 und schließlich der Massenstreik in Polen 1980 stießen alle auf die Radikalisierung des Gewerkschaftsapparates, auf die Radikalisierung der Basisgewerkschafter. Die Kämpfe endeten in Sackgassen, führten zu Niederlagen, und der Sieg Solidarnoscs verdeutlichte die Schwächung der Arbeiterklasse, welche schließlich die Repression ermöglichte. Das Versiegen der internationalen Kampfeswelle und der brutale Rückfluß stellten das proletarische politische Milieu auf die Probe. Während das Scheitern der Konferenzen somit dem proletarischen Milieu den Boden, den Rahmen für die Auseinandersetzung der politischen Positionen entzogen, und der Klärungsprozeß noch keine Stufe erreicht hatte, wo die revolutionären Energien für die Dynamik der Umgruppierung eingesetzt werden konnten, sondern, wo im Gegenteil auf dem Hintergrund der Beschleunigung der Geschichte die politische Auswahl eher "im Leeren" stattfand, wo es zu einem Aderlaß der militanten Energien kam, die durch das Debakel der Organisationen verloren gingen, welche nicht auf die Bedürfnisse der Arbeiterklasse eingehen können. Das proletarische politische Milieu war in eine Krisenphase eingetreten (10). DIE FRAGE DER INTERVENTION: DIE UNTERSCHÄTZUNG DER ROLLE DER REVOLUTIONÄRE UND DIE UNTERSCHÄTZUNG DES KLASSENKAMPFESMit der Notwendigkeit der Intervention konfrontiert, reagierte das proletarische Milieu auf zersplitterte Weise und mit der größten Unterschätzung der Rolle der Revolutionäre. Die Intervention der IKS in den Arbeiterkämpfen, insbesondere bei den Ereignissen in Denain/Longwy in Frankreich, geriet in den Mittelpunkt der Kritiken (8) des gesamten proletarischen Milieus. Zumindest gab es eine Intervention der IKS, denn abgesehen von dieser zeichnete sich das politische Milieu vor allem durch die Abwesenheit von den Kämpfen aus: die IKP (Kommunistisches Programm) z.B., d.h. die größte Organisation, welche sich in der voraufgehenden Phase durch ihren Aktivismus hervorgetan hatte, konnte den Klassenkampf vor ihren Augen nicht erkennen. Hypnotisiert durch ihre Träume von Kämpfen von der sog. 3. Welt, versank diese Partei immer mehr in ihrer progewerkschaftlichen Orientierung. Die Schwäche der Intervention des politischen Milieus brachte die tiefgreifende Unterschätzung des Klassenkampfes zum Ausdruck, seinen Mangel an Erfahrung und sein mangelndes Begreifen des Klassenkampfes selber. Hauptsächlich bei der Gewerkschaftsfrage wurde dies deutlich, weil es hier nicht nur politische Konzessionen im Vergleich zu denen gab, die schon in verschiedenen Maße von den Gruppen gemacht worden waren, welche nach 1945 aus der IKP hervorgegangen waren, sondern weil es auch eine Tendenz gab, die Bedeutung und die positive Kraft zu verwerfen, die diese Kämpfe ausstrahlten, obgleich sie im Rahmen der Gewerkschaften und auf "ökonomischer" Ebene steckenblieben. So trafen paradoxerweise die rätistischen Tendenzen und diejenigen, die aus der IKP seit 1945 hervorgegangen waren, zusammen, um die Bedeutung der Arbeiterkämpfe wegen der noch vorhandenen gewerkschaftlichen Kontrolle zu verwerfen. Kommunistisches Programm, Battaglia Comunista, wie viele andere Gruppen, so wie beispielsweise die FOR, leugnen weiterhin die Entwicklung der Klassenkämpfe seit 1968 und behaupten, die Konterrevolution übt weiterhin ihre Herrschaft aus. Die CWO trat dabei besonders hervor, als sie während der Kämpfe in Polen zum Aufstand aufrief (Revolution Now), aber diese schwerwiegende punktuelle Überschätzung spiegelte nur das gleiche mangelnde Begreifen wider, das leider noch im Milieu außerhalb der IKS vorherrscht. DIE EXPLOSION DER IKP (KOMMUNISTISCHES PROGRAMM)Die Niederlage in Polen, das internationale Zurückweichen des Klassenkampfes, die mit dem Einbruch der Rezession (1982) eintrat, richteten in diesem Milieu großen Schaden an, das seine historischen Aufgaben nicht verstanden hatte. Am meisten erfaßt von der Krise des politischen Milieus wurden zunächst die Gruppen, die sich geweigert hatten, an der Dynamik der Konferenzen mitzuwirken. In der Anonymität und Gleichgültigkeit verschwanden der SPARTAKUSBOND aus Holland und die PIC in Frankreich (sowie deren mißlungene Fortsetzung - die Gruppe Kommunistischer Willen mit einem so schlecht gewählten Namen). Der Wind der Beschleunigung der Geschichte fegte sie wie einen Strohhalm hinweg. Die Explosion der IKP (Kommunistisches Programm) 1982 sollte jedoch die Landschaft des politischen Milieus verändern. Die monolithische bordigistische Partei, die "größte" Organisation des Milieus, zahlte den Preis für viele Jahre Sklerose und politischen Zerfall. Sie war in der sektiererischsten Isolation versunken, die wiederum diesen Prozeß beschleunigte. Unter dem Druck der nationalistischen Elemente um EI Oumani brach sie auseinander; sie hinterließ einen brutalen Aderlaß ihrer militanten Kräfte, die verwirrt und demoralisiert vom Erdboden verschwanden. Die IKP ging aus dieser Krise entkräftet hervor, ihr Zentrum brach zusammen, die internationalen Kontakte zerfielen, die an der Peripherie verbliebenen Sektionen waren isoliert voneinander. Die IKP war nur noch ein blasser Abklatsch der Organisation, die sie zuvor innerhalb des Milieus gewesen war. Diese Auflösung der IKP (Kommunistisches Programm) brachte den endgültigen Zusammenbruch des Bordigismus als vorherrschenden politischen Pol innerhalb des Mileus zum Vorschein. DIE AUSWIRKUNGEN DER KRISE AUF DIE ANDEREN GRUPPEN DES PROLETARISCHEN MILIEUSWährend jedoch das Auseinanderbrechen der IKP (Kommunistisches Programm) der deutlichste Beweis der Krise des politischen Milieus war, war diese Krise viel weiterreichend und sie erfaßte auch die Gruppen, die in unterschiedlichen Maßen an der Dynamik der Konferenzen mitgewirkt hatten. Die schwächsten Gruppen, die aus "unmittelbaren Bedingungen" hevorgegangen waren, über keine Tradition und eigene politische Identität verfügten, verschwanden mit dem Ende der Konferenzen: Arbetarmakt in Schweden, L'Eveil Internationliste in Frankreich, die Marxist Workers' Group in den USA usw. Andere, solidere, weil stärker in einer politischen Traditionen verwurzelt, die jedoch während der Konferenzen ihre Schwächen nicht nur wegen ihrer politischen Positionen offenbart hatten, sondern auch wegen ihres sektiererischen unverantwortlichen Verhaltens wie der FOR und die GCI, traten bei dieser Konfrontation mit der Beschleunigung der Geschichte in einen größeren politischen Zerfallsprozeß ein: - das NLI in Italien schlug den gleichen Weg wie Kommunistisches Programm ein, indem es seine Prinzipien bei der nationalen und gewerkschaftlichen Frage aufgab und einen immer stärkeren Flirt mit der extremen bürgerlichen Linke praktizierte; - die bordigistisch orientierte GCI wiederum näherte sich mit ihren konfusen Positionen zur Frage der Klassengewalt der anarchistischen Bewegung, obgleich dies auf den ersten Blick paradox erscheinen mag; - in seiner verrückten Leugnung der Wirklichkeit der Wirtschaftskrise vertrat der FOR immer mehr surrealistische Positionen, bei denen der Radikalismus in Worten jede Kohärenz ersetzte. Die IKS selber blieb von den Auswirkungen der Krise des proletarischen Milieus nicht verschont. Die engagierten Interventionen der IKS riefen reiche und bedeutende Debatten in unseren Reihen suf, aber gleichzeitig ermöglichte der Mangel an organisatorischer Erfahrung, der noch schwer auf der gegenwärtigen Generation von Revolutionären lastete, es einem verdächtigen Abenteurerelement namens Chenier, die Spannungen zu kristallisieren. Er betrieb geheime Manöver innerhalb der Organisation und stachelte zu einem Diebstahl von Organistionsmaterial innerhalb der Organisation an. Die wenigen Elemente, die Chenier bei seinem Abenteuer, folgten, veröffentlichten L'Ouvrier Internationaliste, eine nur einmal erschienene Zeitung. Gleichzeitig trat die COMMUNIST BULLETIN GROUP, die in der gleichen zweifelhaften Dynamik mit Elementen entstand, welche aus der Sektion der IKS in GB hervorgegangen waren, außerhalb des proletarischen Milieus, indem sie das gangsterhafte Verhalten Cheniers unterstützte. DIE OPPORTUNISTISCHE GRÜNDUNG DES IBRPDie Gründung des Internationalen Büros für die Revolutinäre Partei (11) im jahre 1983, die die CWO aus GB und die IKP (Battaglia Comunista) aus Italien umfaßte, schien auf diesem Hintergrund der Krise des proletarischen Milieus eine positive Reaktion zu sein. Während diese Umgruppierung eine Klärung und Straffung innerhalb der politischen Landschaft auf organisatorischer Ebene herbeiführte, trifft dies auf der politischen inhaltlichen Ebene nicht zu. Diese Umgruppierung war Teil des Scheiterns der Konferenzen, und diese beiden für das Scheitern verantwortlichen Gruppen waren die Gründer dieser neuen politischen Formierung. Diese steht in direkter Kontinuität des Opportunismus und des Sektierertums, den diese beide Organisationen während der III. Konferenzen und später zum Ausdruck brachten.Um einen politischen Beitrag zu leisten, ist es unabdingbar, daß die Umgruppierungsdynamik mit politischer Klarheit stattfindet. Aber diese Dynamik war sicherlich nicht das Leitmotiv bei der "Umgruppierung", die zum IBRP führte. Die Debatten, welche in der CWO geführt wurden und sie dazu führten, sich von ihrer früheren Plattform zu entfernen, werden für den Rest des Milieus rätselhaft bleiben. Diese Plattform unterschied sich übrigens anfänglich nicht so sehr von der der IKS, was die CWO jedoch 1974 nicht daran hinderte jegliche Umgruppierung mit World Revolution, späterer Sektion der IKS in GB zu verwerfen, denn ihr zufolge gab es nach 1921, d.h. nach Kronstadt, kein proletarisches Leben mehr innerhalb der Bolschewistischen Partei und der KPs, m.a.W. ein sektiererischer Vorwand, der einige Jahre später, schnell vergessen war. Erst 2 Jahre nach der sog. IV. Konferenz wurden die Diskussionsberichte veröffentlicht die jedoch keine wirkliche Klarheit über die politische Entwicklung der beiden Gruppen zuläßt. Die Plattform für den Beitritt zum IBRP beinhaltet die gleichen Konfusionen und typischen Zweideutigkeiten, die während der Konferenzen von BC zur Gewerkschaftsfrage, nationalen Frage, der Möglichkeit des revolutionären Parlamentarismus und natürlich zur Parteifrage und zum historischen Kurs zutage offenbart worden waren. Aber vor allem spiegelte die Gründung des IBRP eine falsche Auffassung der Umgruppierung der Revolutionäre wider. Das IBRP ist ein Kartell bestehender Organisationen und nicht so sehr eine neue Organisation die aus einer Umgruppierung hervorgegangen ist, bei der die Kräfte sich um die Klarheit einer gemeinsamen Plattform zusammenschließen. Beim IBRP behält jede zugehörige Organisation ihre Spezifizität. Neben der Plattform des IBRP behält jede Organisation ihre eigene Plattform bei, ohne dabei die bedeutenden Unterschiede zu erklären, die weiterhin bestehen können. Das zeigt die falsche Homogenität des IBRP auf und den Opportunismus bei seiner Gründung. Die Bildung des IBRP war somit nicht der Hinweis auf das Ende der Krise des Milieus, die im Gegenteil weiterhin ihren Schaden anrichtete. Ebensowenig verhieß sie eine neue Dynamik der Klärung in den Reihen der revolutionären Kräfte, sondern sie war nur der Ausdruck einer Neuzusammenfassung der Kräfte des politischen Milieus, die in der opportunistischen Verwirrung und in der sektiererischen Isolierung stattfand. 000 1983 hatte sich mit der Krise das Bild des proletarischen Milieus verändert. Die bordigistische IKP war mehr oder weniger verschwunden, und die IKS war die größte Organisation, der vorherrschende politische Pol innerhalb des kommunistischen Milieus geworden, und in dem Maße wie die Geschichte ihr Urteil gefällt hat, ist die IKS zu einem Pol der Klarheit in den Debatten geworden, die im Milieu stattfinden. Die IKS ist eine auf internationaler Ebene zentralisierte Organisation, die in 10 Ländern vertreten ist und in 7 Sprachen ihre Publikationen herausgibt. Während die IKS zum Hauptpol der Umgruppierung geworden war, heißt das natürlich noch lange nicht, daß sie alleine auf der Welt existierte. Trotz der Konfusionen bei ihrer Gründung, des politischen Zerfalls der anderen Gruppen, die noch im Milieu vorhanden waren, ist das IBRP der andere Bezugspol und der Pol relativer politischer Klarheit in den Debatten. Die Gruppen, welche am besten der Krise des proletarischen Milieus widerstanden haben, waren diejenigen, die am intensivsten an der Dynamik der internationalen Konferenzen mitgewirkt hatten. Diese Tatsache ist ein Beweis für die positive Rolle dieser Konferenzen und im Rückblick betrachtet kann man jetzt deutlich den großen politischen Fehler sehen, der bei dessen Auflösung begangen wurde, und für den die IKP (Battaglia Comunista) und die CWO die Verantwortung tragen. Mitte 1983, d.h. nach der kurzen aber tiefgehenden Phase des Rückflusses des Klassenkampfes nach der Niederlage in Polen, konnte man die ersten Zeichen des Wiedererstarkens des Klassenkampfes erkennen. Wir haben gesehen, wie Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre die Frage der Intervention der Revolutionäre ein Test für das proletarische Milieu war, und diese Frage stellte ihnen nun erneut die Geschichte. Im 3. Teil des Artikels werden wir untersuchen, ob die Organisationen des politischen Milieus nach 1983 die Verantwortung erfüllt haben, die die Geschichte ihnen auferlegt. JJ. (aus International Review 54, 3/1988)
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