Der Kommunismus ist nicht nur eine schöne Idee, sondern eine Notwendigkeit: Die Debabtte um die "proletarische Kultur"

Die Debatte über
die „proletarische Kultur“

Die vorangegangenen Artikel dieser Reihe untersuchten, wie die
kommunistische Bewegung in den 20er, 30er und 40er Jahren, den dunkelsten
Jahren der Konterrevolution, darum gekämpft haben zu begreifen, was aus der
ersten proletarischen Diktatur, die sich in den Grenzen eines Landes etabliert
hatte, geworden war – die Sowjetmacht in Russland. Künftige Abhandlungen werden
einen Blick auf die Lehren werfen, die die Revolutionäre aus dem Hinscheiden
dieser Diktatur gezogen und auf ein künftiges proletarisches Regime angewendet
haben. Doch bevor wir diese Richtung weiter verfolgen, müssen wir zu jenen
Tagen zurückkehren, als die Russische Revolution noch am Leben war, um einen
Schlüsselaspekt der kommunistischen Umwandlung zu studieren, der während dieser
entscheidenden Periode aufgekommen war, wenn auch nicht gelöst wurde. Wir
meinen hier die Frage der „Kultur“.

Wir tun dies nicht ohne ein gewisses Zögern, weil dieses Thema so
weitläufig ist und der Begriff Kultur so oft missbraucht wird. Dies trifft vor
allem auf dieses Zeitalter der Zersplitterung zu, das wir als den Zerfall des
Kapitalismus bezeichnen. In früheren Phasen des Kapitalismus wurde die
„Kultur“, das ist wahr,  allgemein mit
der „Hochkultur“ identifiziert, mit den künstlerischen Produkten der
herrschenden Klasse; eine Sichtweise, die all ihre „marginalisierten“ Ausdrücke
ignoriert oder über sie hinweggeht (so sei zum Beispiel auf die klassische
bürgerliche Verachtung gegenüber den kulturellen Ausdrücken von eroberten
primitiven Gesellschaften hingewiesen). Heute wird uns dagegen erzählt, dass
wir in einer „multikulturellen“ Welt leben, wo sämtliche kulturellen Ausdrücke
gleichermaßen gültig sind und wo praktisch jeder Teilaspekt des
gesellschaftlichen Lebens selbst zur „Kultur“ wird (die „Kultur der Gewalt“,
die „Kultur der Raffgier“, die „Kultur der Abhängigkeiten“ usw. usw.) Solche
Vereinfachungen machen es unmöglich, zu einem allgemeinen, einheitlichen
Begriff der Kultur als Produkt sämtlicher Epochen der menschlichen Geschichte
bzw. der menschlichen Geschichte als Ganzes zu gelangen. Ein besonders
schädlicher Missbrauch dieser Haltung zur Kultur wird im aktuellen
imperialistischen Konflikt in Afghanistan ersichtlich: Wir werden aufgefordert,
dies als einen Konflikt zwischen Kulturen, zwischen Zivilisationen – noch
genauer: zwischen der „westlichen Zivilisation“ und der „muslimischen
Gesellschaft“ – anzusehen. Dies ist zweifellos eine Frage, die sich dazu
eignet, den wahren Kern zu verschleiern: dass es nur eine Zivilisation auf dem
Planeten gibt, die dekadente Zivilisation des Weltkapitals.

Im Gegensatz dazu definierte Trotzki im Vertrauen auf die monistische
Herangehensweise des Marxismus die Kultur folgendermaßen: „Erinnern wir uns
daran, dass„Kultur“ ursprünglich ein gepflügtes, bestelltes Feld im Unterschied
zum Urwald und noch ungenutzten Boden bedeutete. Kultur stand im Gegensatz zur
Natur, das heisst, man unterschied zwischen dem, was der Mensch durch seine
Anstrengungen erwarb, und dem, was die Natur ihm schenkte. Diese Antithese ist auch
heute noch von grunglegender Bedeutung.

Kultur ist alles, was vom Menschen im Laufe seiner gesamten Geschichte
geschaffen, gebaut, gelernt und erobert wurde; ihr stehen die Gaben der Natur,
einschliesslich der Naturgeschichte des Menschen selbst als einer Tierart,
gegenüber. Die Wissenschaft, die den Menschen als ein Erzeugnis der tierischen
Entwicklung erforscht, wird (biologisch) Anthropologie genannt. Doch von dem
Augenblick an, in dem der Mensch sich vom Tierreich trennte – und das geschah,
als er zum ersten Mal primitive Werkzueuge aus Stein und Holz ergriff und seine
Glieder mit ihnen bewehrte -, begann die Schöpfung und Anhäufung von Kultur,
das heisst aller Arten von Kenntnissen und Fertigkeiten im Kampf mit der Natur
und zum Zweck ihrer Unterwerfung.“ (Trotzki, Kultur und Sozialismus, 1926).
Dies ist in der Tat eine sehr weitgefasste Definition – eine Verteidigung der
materialistischen Ansicht, dass die Entstehung des Menschen und damit die
Entwicklung von der Natur zur Kultur ein Produkt sind, das so grundlegend und
universal ist wie die Arbeit.

Es bleibt jedoch das Problem, dass nach dieser Definition Politik und
Wirtschaft in ihrem weitesten Sinn selbst Ausdrücke der menschlichen Kultur
sind und wir Gefahr laufen, den Blick dafür, worüber wir reden, zu verlieren.
Jedoch hebt Trotzki in einem anderen Essay, „Der Mensch lebt nicht nur von der
Politik“, hervor, dass, um das reale Verhältnis zwischen Politik und Kultur zu
verstehen, es notwendig sei, neben der weitestmöglichen Definition eine „enger
gefasste“ Definition der politischen Sphäre zu schaffen, „die einen bestimten
Teil der sozialen Aktivitäten charakterisiert, direckt verbunden mit dem Kampf
um die Macht, und entgegengesetzt der ökonomischen und kulturellen Arbeit.“Wir
können ohne weiteres dasselbe über den Begriff der Kultur sagen, den swir in
diesem Zusammenhang zum großen Teil auf Bereiche wie die Kunst, die Erziehung
und die „Alltagsprobleme“ (der Titel einer Sammlung von Abhandlungen, die die
beiden o.g. Artikel enthält) anwenden werden. Von dieser Warte aus betrachtet,
erscheinen die kulturellen Aspekte der Revolution zweitrangig oder zumindest
abhängig von den politischen und ökonomischen Sphären. Und dies ist in der Tat
der Fall: Wie Trotzki in dem Text, den wir in dieser Ausgabe wiederveröffentlichen,
zeigt, ist es närrisch, eine wirkliche kulturelle Renaissance zu erwarten,
solange die Bourgeoisie noch nicht besiegt worden ist und die materiellen
Grundlagen einer sozialistischen Gesellschaft noch nicht gebildet worden sind.
Genauso stellt Letztere, auch wenn wir das Problem der Kultur weiterhin auf das
Reich der „Kunst“ einengen, die tiefsten Fragen über die Natur der
Gesellschaft, die die Revolution zu bilden beabsichtigt. Es ist zum Beispiel
kein Zufall, dass Trotzkis ausgefeiltester Beitrag zur marxistischen Theorie
der Kunst, „Literatur und Revolution“, mit einer ausführlichen Vision über die
Natur des Menschen in einer fortgeschrittenen kommunistischen Gesellschaft
schließt. Denn wenn Kunst der Ausdruck der menschlichen Kreativität par
excellence ist, dann verschafft sie uns einen unersetzlichen Schlüssel zum
Verständnis darüber, wie die menschliche Gattung sein wird, wenn sie einmal die
Ketten der Klassenausbeutung endgültig gebrochen hat.

Um uns selbst in
diesem riesigen Bereich zu orientieren, beabsichtigen wir, uns eng an Trotzkis
Schriften über diese Angelegenheit zu halten, die zwar nicht so bekannt sind,
aber mit Sicherheit den klarsten Rahmen zu schaffen, um die Vorgehensweise bei
diesem Problem herzuleiten.

[i]


Und ehe wir mit eigenen Worten formulieren, was Trotzki selbst bereits gesagt
hatte, wollen wir lange Auszüge aus zwei Kapiteln von Literatur und Revolution
wiederveröffentlichen. Das zweite dieser Kapitel konzentriert sich auf sein
anregendes Porträt einer zukünftigen Gesellschaft. In dieser Internationalen
Revue veröffentlichen wir einen Auszug aus dem ersten dieser Kapitel mit dem
Titel „Was ist proletarische Kultur und ist sie möglich“, das eine besonders
wichtige Komponente in Trotzkis Beitrag zur Debatte über die Kultur innerhalb
der bolschewistischen Partei und der revolutionären Bewegung in Russland ist.
Um diesen Beitrag richtig einzuschätzen, ist es notwendig, seinen historischen
Hintergrund zu beschreiben.

Die Debatte über
die „proletarischKultur“ im revolutionären Rusland

Die Tatsache, dass
die Kulturdebatte keinesfalls zweitrangig war, wird durch die Tatsache
veranschaulicht, dass sie Lenin dazu veranlasste, die folgende Resolution zu
entwerfen, die auf dem Proletkult-Kongress 1920 von der kommunistischen
Fraktion vorgestellt wurde:

1. In der Sowjetrepublik der Arbeiter und Bauern muss das gesamte
Bildungswesen, sowohl auf dem Gebiet der politischen Bildung im allgemeinen als
auch auf dem Gebiet der Kunst im besonderen, vom Geist des Klassenkampfes
durchdrungen sein, den das Proletariat zur Verwirklichung der Ziele seiner
Diktatur führt, d. h. für den Sturz der Bourgeoisie, für die Aufhebung der
Klassen, für die Abschaffung jeglicher Ausbeutung des Menschen durch den
menschen.

2. Deshalb muss das Proletariat sowohl durch seine Vorhut, die
Kommunistische Partei, als auch durch die ganze Masse der verschiedenen
proletarischen Organisationen überhaupt als aktivste und ausschlaggebende Kraft
an der gesamten Volksbildung mitwirken.

3. Die ganze Erfahrung der neueren Geschichte und insbesondere der über
ein halbes Jahrhundert währende revolutionäre Kampf des Proletariats aller
Länder seit dem Erscheinen des „Kommunistischen Manifests“ haben unwiderleglich
bewiesen, dass nur die Weltanschauung des Marxismus die Interessen, die
Auffassungen und die Kultur des revolutionären Proletariats richtig zum
Ausdruck bringt

4. Der Marxismus hat seine weltgeschichtliche Bedeutung als Ideologie
des revolutionären Proletariats dadurch erlangt, dass er die wertvollsten
Errungenschaften des bürgerlichen Zeitalters keineswegs ablehnt, sondern sich
umgekehrt alles, was in der mehr als zweitausendjährigen Entwicklung des menschlichen
Denkens und der menschlichen Kultur wertvoll war, angeeignet und es
verarbeitet. Nur die weitere Arbeit auf dieser Grundlage und in dieser
Richtung, inspiriert durch die praktische Erfahrung der Diktatur des
Proletariats, dieses seines letzten Kampfes gegen jegliche Ausbeutung, kann als
Aufbau einer wirklichen Kultur anerkannt werden.

5. Der gesamtrussische Kongress des Proletkult, der diesen
prinzipiellen Standpunkt unwandelbar vetritt, weist alle Versuche, eine eigene,
besondere Kultur auszuklügeln, sich in eigenen, abgesonderten Organisationen
abzukapseln, die Arbeitsgebiete des Volkskommisariats für Bildungswesen und des
Proletkults voneinander abzugrenzen oder eine „Autonomie„ des Proletkults
innerhalb der Institutionen des Volkskommissariats für Bildungswesen
herzustellen usw., als theoretisch falsch und praktisch schädlich aufs
entschiedenste zurück. Der Kongress macht es im Gegenteil allen Organisationen
des Proletkults zur unabdingbaren Pflicht, sich alsHilfsorgane des
Volkskommissariats für Bildungswesen zu betrachten und ihre Aufgaben, die einen
Teil der Aufgaben der Diktatur des Proletariats bilden, unter der allgemeinen
Leitung der Sowjetmacht (Insbesondere des Volkskommissariats für Bildungswesen)
und der Kommunistischen Partei Russlands zu lösen.“ (Lenin, Resolutionsentwurf,
Bd. 31, S. 307)   

Die Bewegung der proletarischen Kultur, kurz: Proletkult, war 1917 mit
der Absicht gebildet worden, eine politische Orientierung für die kulturelle
Dimension der Revolution zu schaffen. Sie wird häufig mit Alexander Bogdanow in
Verbindung gebracht, der ein Mitglied der bolschewistischen Fraktion in in
ihren ersten Jahren gewesen war, aber mit Lenin über eine Reihe von Themen
aneinander geraten war, und zwar nicht nur über die Bildung der Ultimatistischen

[ii]


Gruppe nach 1905, sondern auch, was viel bekannter ist, über Bogdanows
Verarbeitung der Ideen Machs und Avenarius im Reich der Philosophie und, etwas
allgemeiner, über seine Bemühungen, den Marxismus mit vielfältigen
theoretischen Systemen wie sein Begriff der „Strukturlehre“ zu
vervollständigen. Wir können hier nicht auf jedes Detail im Denken Bogdanows
eingehen; nach dem bisschen, was wir darüber wissen (nur bestimmte Arbeiten
sind aus dem Russischen übersetzt worden), war er trotz seiner Mängel in der
Lage, einige wichtige Einsichten zu entwickeln – insbesondere über die Frage
des Staatskapitalismus in der Epoche des kapitalistischen Niedergangs. Genau
aus diesem Grund verlangen seine Ideen eine viel ausführlichere Kritik, und
zwar von einem deutlich proletarischen Standpunkt aus.

[iii]


Proletkult war jedoch keineswegs auf Bogdanow begrenzt; Bucharin und
Lunascharski, um nur die beiden führenden Bolschewiki zu nennen, waren
ebenfalls mit der Organisation verbunden und teilten nicht immer Lenins
Standpunkt über sie. Bucharin z.B., dem es oblag, die Resolution auf dem
Proletkult- Kongress zu präsentieren, beanstandete bestimmte Elemente in Lenins
Resolutionsentwurf, die daraufhin in einer etwas modifizierten Form präsentiert
wurde.

Proletkult blühte während der heroischen Phase der Revolution auf, als
die Entfesselung der revolutionären Energien einer riesigen Welle von
Ausdrücken und des Experimentierens an der Künstlerfront Auftrieb gab, wobei
viele von ihnen sich ausdrücklich mit der Revolution identifizierten. Darüber
hinaus beschränkte sich das Phänomen nicht auf Russland, wie die Entwicklung
von Bewegungen wie den Dadaismus und den Expressionismus in Deutschland oder
etwas später den Surrealismus in Frankreich und anderswo bezeugte. In den
Jahren zwischen 1917 und 1920 schnellte die Mitgliederzahl des Proletkults auf
ungefähr eine halbe Million hoch, mit über 30 Zeitschriften und ungefähr 300
Gruppen. Für Proletkult war der Kampf an der kulturellen Front genauso wichtig
wie der Kampf an der politischen und ökonomischen Front. Er sah sich selbst als
führende Kraft im Kulturkampf, während die Partei den politischen Kampf und die
Gewerkschaften den wirtschaftlichen Kampf anführten. Er schuf zahlreiche
Studios, damit Arbeiter zusammenkommen und sich an Experimenten in Malerei,
Musik, im Drama, in der Poesie und in anderen Kunstbereichen beteiligen konnten
und gleichzeitig zu neuen Formen des Gemeinschaftslebens, der Erziehung und so
weiter ermutigt wurden. Es sollte betont werden, dass die Explosion des
gesellschaftlichen und kulturellen Experimentierens in Russland während dieser
Periode sich viel weiter erstreckte als der Proletkult selbst und unter anderem
Namen auftrat. Doch die Bedeutung der Diskussionen im Proletkult damals und
heute liegt darin, dass er versuchte, diese Phänomene innerhalb einer
marxistischen Interpretation festzulegen. Die sich dahinter verbergende
Leitidee war, wie der Name andeutet, dass das Proletariat, wenn es sich vom
Joch der bürgerlichen Ideologie befreien sollte, seine eigene Kultur entwickeln
musste, die auf einem radikalen Bruch mit der hierachischen Kultur der alten
herrschenden Klasse basierte. Proletarische Kultur würde egalitär und kollektiv
sein, während bürgerliche Kultur elitär und individualistisch ist; so wurden
z.B. Experimente mit Orchestern ohne Dirigenten und mit kollektiv geschaffenen
Gedichten und Gemälden unternommen. Zusammen mit der futuristischen Bewegung,
mit der Proletkult eine enge, aber manchmal auch kritische Beziehung
unterhielt, gab es eine starke Neigung, alles zu erhöhen, das modern, urban und
Maschinen gestützt war, im Gegensatz zu den ländlichen Vorlieben für das
Mittelalter, die bis dahin die russische Kultur dominiert hatten.

Die Kulturdebatte wurde zu einer brennenden Frage in der Partei,
nachdem der Bürgerkrieg siegreich beendet worden war. Es war dieser Punkt, an
dem Lenin begann, die Bedeutung des Kulturkampfes zu betonen: „...und zugleich
müssen wir zugeben, dass sich unsere Auffassung vom Sozialismus grundlegend
geändert hat. Diese grundlegende Änderung besteht darin, dass wir früher das
Schwergewicht auf den politischen Kampf, die Revolution, die Eroberung der
Macht usw. legten und auch legen mussten. Heute dagegen ändert sich das
Schwergewicht soweit, dass es auf die friedliche organisatorische ‚Kultur‘arbeit
verlegt wird. Ich würde sagen, dass sich das Schwergewicht für uns auf blosse
Kulturarbeit verschiebt, gäbe es nicht die internationalen Beziehungen, hätten
wir nicht die Pflicht, für unsere Position in internationalem Masstab zu
kämpfen. Wenn man aber davon absieht und sich auf die inneren ökonomischen
Verhältnisse beschränkt, so reduziert sich bei uns jetzt das Schwergewicht der
Arbeit tatsächlich auf blosse Kulturarbeit.“ (LW, Bd. 33, Seite 460)

Doch für Lenin hatte dieser Kulturkampf eine andere Bedeutung als für
Proletkult, da er mit dem Wechsel von der Periode des Bürgerkriegs zur
Wiederaufbauperiode der NEP verbunden war. Für Lenin bestand das Problem, dem
sich die Sowjetmacht gegenübersah, nicht in der Schaffung einer neuen
proletarischen Kultur: Diese erschien ihm in Anbetracht der internationalen
Isolation des russischen Staates und der fürchterlichen kulturellen
Rückständigkeit der russischen Gesellschaft (Unwissenheit, Vorherrschaft von
Religionen und „asiatischer“ Gebräuche, etc.) völlig utopisch. Für Lenin
mussten die russischen Massen erst das Laufen lernen, bevor sie rennen konnten,
was bedeutete, dass sie noch nicht den Schritt zur Verinnerlichung der
wichtigsten Errungenschaften der bürgerlichen Kultur gemacht, geschweige denn
eine proletarische geschaffen hatten. Diese Vorgehensweise entsprach der
Forderung, dass das Sowjetregime zu lernen habe, wie man Handel treibt: Mit
anderen Worten, es sollte von den Kapitalisten lernen, um in einer
kapitalistischen Umgebung zu überleben. Gleichzeitig war Lenin in wachsendem
Maße darüber besorgt, dass das Wachstum der Bürokratie ein direktes Resultat
der kulturellen Rückständigkeit Russlands war: Der Kampf für kulturellen
Fortschritt war also auch ein Bestandteil des Kampfes gegen die wachsende Bürokratie.
Aus diesem Grund konnte nur ein gebildetes und kulturelles Proletariat das
staatliche Management in die eigenen Hände nehmen. Gleichzeitig wurde die neue
Bürokratenschicht größtenteils als ein Auswuchs des bäuerlichen Konservatismus
in Russland und des Mangels an moderner Kultur betrachtet.

Die auf dem Proletkult-Kongress vorgebrachte Resolution schien,
obgleich sie vor der Annahme der NEP (Neue ökonomische Politik) verfasst worden
war, diesen Sorgen Rechnung zu tragen. Ihr stärkster Punkt war, dass sie darauf
beharrte, dass der Marxismus die kulturellen Errungenschaften der Vergangenheit
keinesfalls ablehnte, sondern tatsächlich all das Gute aus ihnen
verinnerlichte. Dies war eine klare Zurückweisung des „Ikonologismus“ von
Proletkult, seiner Tendenz, alle vorherigen kulturellen Entwicklungen zu
leugnen. Auch wenn Bogdanow selbst sich dieser Frage differenzierter annäherte,
so gibt es doch keinen Zweifel, dass die immediatistische und ouvrieristische
Haltung in Proletkult weit verbreitet war. Auf seiner ersten Konferenz wurde
z.B. die Ansicht ausgedrückt, dass „alle Kultur der Vergangenheit als
bürgerlich bezeichnet werden kann, dass dabei – ausser den Naturwissenschaften
und technischen Kenntnissen (...) nichts lohnendes zu retten sei, und dass das
Proletariat seine Arbeit mit der Zerstörung der alten Kultur beginnen und
unmittelbar nach der Revolution mit dem Aufbau einer neuen fortfahren soll“
(aus: „Revolutionary Dreams: Utopian Vision and Experimental Life in the
Russian Revolution“ von Richard Stites 1989 – eine sehr sorgfältige
Untersuchung der zahlreichen kulturellen Experimente in den frühen Jahren der
Revolution). In Tambow planten 1919 „die lokalen Anhänger des Proletkult alle
Bücher in den Bibliotheken zu verbrennen und glaubten, dass mit dem beginnenden
neuen Jahr die Regale nur noch mit proletarischen Werken aufgefüllt würden.“
(ebenda).

Entgegen dieser vergangenheitsbezogenen Sichtweise beharrte Trotzki in
„Literatur und Revolution“ darauf, „...dass wir Marxisten immer mit der
Tradition gelebt haben und dass wir gerade deshalb Revolutionäre geworden
sind“. Die Überhöhung des Proletariats, wie es zu einem beliebigen Zeitpunkt
ist, war nie die Haltung der Marxisten gewesen, die das Proletariat in seiner
historischen Dimension betrachten, welche die entfernteste Vergangenheit, die
Gegenwart und die Zukunft, wenn das Proletariat sich in der menschlichen
Gemeinschaft auflösen wird, umschließt. Mittels sprachlicher Ironie wurde aus
Proletkult oft „ein Kult des Proletariats“, der nur äußerlich radikal ist und
leicht eingeholt werden kann vom Opportunismus, welcher auf einer beschränkten
und unmittelbaren Vision der Klasse aufblüht. Derselbe Ouvrierismus fand seinen
Ausdruck in der Neigung Proletkults zu behaupten, dass die proletarische Kultur
nur das Produkt der Industriearbeiter sein könne. Doch wie Trotzki in Literatur
und Revolution feststellte, waren die besten Künstler nicht notwendigerweise
Arbeiter; die gesellschaftliche Dialektik, welche die radikalsten Kunstwerke
herstellt, ist weitaus komplexer als die reduktionistische Ansicht, dass sie
von den individuellen Mitgliedern der revolutionären Klasse kommen müsse.
Dasselbe, wollen wir hinzufügen, trifft auf das Verhältnis zwischen der
sozialen und politischen Revolution des Proletariats einerseits und neuen
künstlerischen Durchbrüchen zu: Es gibt eine grundlegende Verbindung zwischen
beiden, aber sie ist weder mechanisch noch national. Zum Beispiel: Während
Proletkult versuchte, eine neue, „proletarische“ Musik in Russland zu kreieren,
fand mit dem Durchbruch des Jazz eine der durchschlagendsten Entwicklungen in
zeitgenössischer Musik im kapitalistischen Amerika statt.

Lenins Resolution drückte auch seinen unversöhnlichen Gegensatz zur
Neigung von Proletkult aus, sich selbst auf autonome Weise, fast wie eine
eigene Partei, mit Kongressen, einem Zentralkomitee und so weiter, zu
organisieren. Und in der Tat schien diese Organisationsweise auf einer realen
Verwechslung zwischen politischer und kultureller Sphäre zu beruhen, eine
Tendenz, die beiden zu verschmelzen, und, im Falle Bogdanows, gar eine
Versuchung, die kulturelle Sphäre als die wichtigere anzusehen.

Wir sollten dabei allerdings immer kritisch im Auge behalten, dass es
sich hier um jene Periode handelte, in der Lenin sich feindlich gegen jede Form
des Dissidententums in der Partei wandte. Wie wir in früheren Artikeln dieser
Reihe bemerkt hatten, wurden 1921 die „Fraktionen“ verbannt, und linke Gruppen
und Strömungen innerhalb der Partei gerieten ins volle Feuer, das 1923 in der
physischen Repression gegen linkskommunistische Gruppen kulminierte. Und einer
der Gründe für Lenins unüberbrückbaren Gegensatz zu Proletkult bestand darin,
dass Letztere dazu neigte, zu einer Anlaufstelle für gewisse Dissidenten in und
rund um der Partei zu werden. Die Betonung des Egalitarismus und der spontanen
Kreativität der Industriearbeiter durch Proletkult kreuzte sich mit den
Ansichten der Arbeiteropposition, und 1921 ließ eine Gruppe, die sich die
Kollektivisten nannte, einen Text auf dem Proletkult-Kongress herumgehen, in
dem neben der Sympathie für die Arbeiteropposition wie auch für Proletkult auch
die Ansichten Bogdanows über die Philosophie und seine Analyse des
Staatskapitalismus vertreten wurde, die eigentlich die NEP kritisierte. Ein
Jahe später stellte die Gruppe Arbeiterwahrheit ähnliche Ansichten vor;
Bogdanow wurde wegen Verwicklung in letztgenannter Gruppe kurzzeitig
inhaftiert, obwohl er abstritt, sie in irgendeiner Weise unterstützt zu haben.
(Nach dieser Episode zog sich Bogdanow aus der aktiven Politik zurück und
konzentrierte sich auf die wissenschaftliche Arbeit.) So ist Lenins Beharren
darauf, dass Proletkult sich selbst mehr oder minder in der staatlichen
„Kulturinstitution“, dem Volkskommissariat für Erziehung, aufzulösen habe, in
diesem Zusammenhang zu betrachten.

Unserer Ansicht nach ist die direkte Unterordnung der künstlerischen
Bewegungen unter den Übergangsstaat nicht die richtige Antwort auf die
Verwechslung zwischen der künstlerischen und der politischen Sphäre;
tatsächlich neigt sie dazu, beides zu vermischen. Laut Senowia Sochor in
Revolution und Kultur war Trotzki gegen Lenins Bemühungen, Proletkult im Staat
verschwinden zu lassen, auch wenn er mit vielen Kritiken Lenins an Proletkult
übereinstimmte; in „Literatur und Revolution“ stellt er eine deutlichere
Grundlage zur Bestimmung der kommunistischen Politik gegenüber der Kunst vor:
„Die marxistische Methode bietet die Möglichkeit, die Entwicklungsbedingungen
für die neue Kunst zu beurteilen, all ihre Quellen zu beobachten und die
fortschrittlichsten unter ihnen durch kritische Durchleuchtung der Wege zu
unterstützen – mehr aber nicht. Die Kunst muss ihre Wege auf eigenen Füssen
zurücklegen. Die Methoden des Marxismus sind nicht die Methoden der Kunst. Die
Partei lenkt das Proletariat, nicht den historischen Prozess. Es gibt Gebiete,
auf denen sie kontrolliert und fördert. Und es gibt Gebiete auf denen sie nur
fördert. Es gibt schliesslich Gebiete, auf denen sie sich nur orientiert. Auf
dem Gebiet der Kunst ist die Partei nicht berufen zu kommandieren. Sie kann
kann und soll schützen, fördern und lediglich indirekt lenken. Sie kann und
soll den verschiedenen Künstlergruppen, die sich aufrichtig um eine Annäherung
an die Revolution bemühen, den bedingten Kredit ihres Vertrauens gewähren, um
ihre künstlerische Gestaltung zu fördern. Und schon auf keinen Fall kann und
wird die Partei sich auf den Standpunkt einer literarischen Clique stellen, die
andere literarische Cliquen bekämpft, teilweise einfach nur, weil sie
Konkurrenten sind.“ (Kapitel 7 „Die Parteipolitik in der Kunst“) 1938 äußerte
sich Trotzki in Erwiderung auf die nazistischen und stalinistischen Absichten,
die Kunst auf ein bloßes Anhängsel der Staatspropaganda zu reduzieren, noch
deutlicher: „Wenn zur besseren Entwicklung der materiellen Produktion die
Revolution ein sozialistisches Regime mit einer zentralisierten Kontrolle
aufbauen muss, so muss zur Entwicklung der intelektuellen Kreativität ein
Regime der individuellen Freiheit im anarchistischen Sinne etabliert werden.
Keine Autorität, kein Diktat, nicht die geringsten Order von oben.“ (ebenda)

Trotzki ging auch bei dem allgemeinen Problem der proletarischen Kultur
tiefer als Lenin: Während Lenins Resolution Raum für diese Auffassung ließ,
lehnte sie Trotzki rundweg ab; und er tat dies auf der Basis gründlicher
Überlegungen über die Natur des Proletariats als die erste revolutionäre Klasse
in der Geschichte als eigentumslose und ausgebeutete Klasse. Dieses
Verständnis, ein Schlüssel, um praktisch jeden Aspekt des proletarischen
Klassenkampfes zu begreifen, wird in jenem Auszug aus „Literatur und
Revolution“ äußerst deutlich aufgeführt, den wir im Anschluss an diesem Artikel
veröffentlichen. Es gibt auch eine sehr kurze Zusammenfassung dieser Thesen
über proletarische Kultur in der kurzen Einleitung zu diesem Buch: „Es ist
grundfalsch, der bürgerlichen Kultur und der bürgerlichen Kunst die proletarische
Kultur und die proletarische Kunst gegenüberzustellen. Diese letztgenannte wird
es überhaupt nicht geben, da das proletarische Regime provisorisch,
vorübergehend ist. Der historische Sinn und die moralische Grösse der
proletarischen Revolution bestehen darin, dass sie den Grundstein für eine
klassenlose, ersmals wahrhafte menschliche Kultur legt.“

„Literatur und Revolution“ wurde in der Periode von 1923–24 verfasst –
mit anderen Worten, in genau jener Periode, in welcher der Kampf der Linken gegen
die emporkommende stalinistische Bürokratie ernst zu werden begann. Trotzki
schrieb dieses Buch in seinem Sommerurlaub. In gewisser Weise vermittelt es ein
Bild von den Spannungen und Anstrengungen in der täglichen „politischen“
Auseinandersetzung innerhalb der Partei. Doch in einer anderen Beziehung war es
auch Teil des Kampfes gegen den Stalinismus. Nachdem der ursprüngliche
Proletkult im Anschluss an der Parteikontroverse 1920–21 einem rapiden
Niedergang anheimfiel, erlebten Teile von ihm Mitte der 20er Jahre eine
Wiedergeburt als falscher Radikalismus, der eines der Gesichter des Stalinismus
ist. So verschaffte 1925 einer seiner Ableger, die Gruppe Proletarische
Schriftsteller eine „kulturelle“ Ausrede für die Kampagne der Bürokratie gegen
den Trotzkismus: „Trotski leugnet die Möglichkeit einer proletarischen
Klassenkultur und Kunst mit dem Argument, dass wir auf eine klassenlose
Gesellschaft zuschreiten. Doch mit demselben Argument verwerfen die Menschewiki
die Notwendigkeit der Klassendiktatur, eines Klassenstaates und so fort. Die
Standpunkte Trotzkis und Voronskis sind Trotzkismus angewandt auf Fragen der
Ideologie und der Kunst“. Hier dient die Phraseologie der „Linken“ über eine
Kunst ausserhalb von Klassen zur Kaschierung von opportunistischen Beschneidungen
der kulturellen Aufgaben des Proletariates“. An anderer Stelle behauptete sie,
dass „...der bemerkenswerte Erfolg der proletarischen Literatur nur durch den
politischen und wirtschaftlichen Fortschritt detr arbeitenden Massen in der
Sowjetunion möglich war.“
(“First Phase of the Cultural Revolution in Soviet Russia“, Wiliam G.
Rosenberg, 1990).
Doch dieses
„politische und kulturelle Wachstum“ wurde nun unter dem Banner des
„Sozialismus in einem Land“ ausgeführt. Stalins monströse  ideologische Revision, die die Diktatur des
Proletariats mit dem Sozialismus verschmolz, um beide zu untergraben, erlaubte
so gewissen Strängen von Proletkult zu behaupten, dass auf den Fundamenten
einer sozialistischen Wirtschaft die proletarische Kultur tatsächlich errichtet
worden sei.

Auch Bucharin lehnte Trotzkis Kritik der proletarischen Kultur ab, und
zwar aus dem Grund, weil er nicht verstand, dass die Übergangsperiode zur
kommunistischen Gesellschaft ein äußerst lang hingezogener Prozess sein kann.
Infolge des Phänomens der ungleichen Entwicklung würde die Periode der
proletarischen Diktatur lang genug dauern, so dass eine gesonderte
proletarische Kultur entstehen kann. Dies war auch die theoretische Grundlage
für die Abschaffung der Perspektive der Weltrevolution zugunsten des Aufbaus
des „Sozialismus“ im isolierten Russland

[iv]

.

Das blutige und grausame Register der stalinistischen Staaten auf der
politischen und wirtschaftlichen Ebene ist Beweis genug, dass das, was in
diesen Ländern aufgebaut wurde, nicht das Geringste mit Sozialismus zu tun hat.
Doch die völlige kulturelle Leere dieser Regimes, ihre Unterdrückung aller
wirklichen künstlerischen Kreativität zugunsten der ekelerregendsten Art des
totalitären Kitsches liefert eine weitere Bestätigung, dass sie niemals ein
Ausdruck des Fortschritts zu einer wahrhaft menschlichen Kultur war, sondern
ein besonders brutales Produkt dieses senilen und morbiden kapitalistischen
Systems. Die Art und Weise, wie der stalinistische Apparat in Russland ab den
30er Jahren das ganze „avantgardistische“ Experimentieren in Kunst und
Erziehung ablegte, ist zusammen mit der so genannten „Kulturrevolution“ in den
60er Jahren in China der wohl schlagendste Beweis dafür. Die traurige
Geschichte der stalinistisch-maoistischen Leviathane bieten keine sonst wie
gearteten Lehren über die kulturellen Themen, mit denen die Arbeiterklasse in
der zukünftigen Revolution konfrontiert ist.                                                                                                  CDW


[i]

Eines der Resultate der Konterrevolution ist,
dass die linkskommunistische Tradition, die den Marxismus während dieser
Periode bewahrte und weiterentwickelte, wenig Zeit und Gelegenheit hatte, den
allgemeinen Bereich von Kunst und Kultur zu untersuchen; und jene Beiträge, die
geleistet worden waren (z.B. Rühle, Bordiga und andere), harren ihre Ausgrabung
und Synthese.

[ii]

Die „Ultimatisten“ waren zusammen mit den
„Otsovisten“ eine Tendenz innerhalb des Bolschewismus, die nicht mit den
parlamentarischen Taktiken der Partei nach dem Aufstand von 1905 einverstanden
waren. Der Streit mit Lenin über Bogdanows philosophische Motive erhitzte sich,
als er mit den mehr direkten politischen Divergenzen kombiniert wurde, und
endete mit dem Ausschluss Bogdanows aus der bolschewistischen Gruppe 1909.
Bogdanows Gruppe verblieb innerhalb der breiteren russischen
solzialdemokratischen Partei und veröffentliche die Zeitschrift Vpered
(Vorwärts) für die nächsten paar Jahre. Auch hier muss eine kritische
Geschichte dieser frühen „linken“ Trends im Bolschewismus erst noch geschrieben
werden.

[iii]

siehe dazu: Revolution and Culture, The
Bogdanov-Lenin Controversy von Senovia Sochor, Cornell University, 1988; um
sich ein Bild über die Hauptunterschiede zwischen Lenin und Bogdanow zu machen.
Der Ausgangspunkt des Autors ist jedoch eher akademisch als revolutionär. In
der Frage des Staatskapitalismus verhielt sich Bogdanow kritisch gegenüber
Lenins Neigung, ihn als eine Art Vorzimmer zum Sozialismus zu betrachten, und
schien ihn als einen Ausdruck des kapitalistischen Abstiegs anzuerkennen (Kap.
4 in o.g. Schrift).

[iv]

s. Isaac Deutscher, Der unbewaffnete
Prophet.   Deutschers Kapitel über
Trotzkis Schriften über die Kultur ist genauso brillant wie der Rest der
Biographie, und wir haben ausgiebig davon für diesen Artikel Gebrauch gemacht.
Es enthüllt jedoch auch das tragische Schicksal des Trotzkismus. Deutscher
stimmt zu 99% der Ansicht Trotzkis über „proletarische Kultur“ zu, macht jedoch
eine höchst bedeutende Konzession gegenüber Bucharins Idee, dass ein isoliertes
„Übergangsregime“ jahrzehntelang oder länger existieren könne. Laut Deutscher
und dem Nachkriegs-Trotzkismus waren die stalinistischen Regimes, die außerhalb
der UdSSR etabliert wurden, genauso wie die UdSSR selbst allesamt „Arbeiterstaaten“,
gefangen in einer etwas zwielichtigen Welt zwischen einer proletarischen
Revolution zur nächsten – und „Trotzki unterschätzte zweifellos die Dauer der
Diktatur des Proletariates und den damit unvermeidlich verbundenen
bürokratischen Charakter.“ In Wahrheit war dies nichts anderes als eine
kritische Verteidigung des stalinistischen Staatskapitalismus.

Theoretische Fragen: