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Die Arbeiterklasse vor einer schwierigeren LageSubmitted by InternationaleRevue on Sam, 24/02/2007 - 15:05.
Der Stalinismus war die Speerspitze der schlimmsten Konterrevolution, die die Arbeiterklasse während ihrer bisherigen Geschichte hinnehmen mußte. Diese Konterrevolution machte insbesondere das größte Abschlachten aller Zeiten, den 2. Weltkrieg, möglich und das Versinken der Gesellschaft in einer bis dahin nie in diesem Ausmaß gekannten Barbarei. Nach dem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der sog. ‚sozialistischen’ Länder, der faktischen Auflösung des von der UdSSR beherrschten imperialistischen Blocks liegt jetzt der Stalinismus als politisch-ökonomische Organisationsform des Kapitals und als Ideologie im Sterben. Einer der größten Feinde der Arbeiterklasse verschwindet. Aber die Auflösung dieses Feindes macht das Leben der Arbeiterklasse und deren Aufgabe nicht leichter. Im Gegenteil: selbst während er im Sterben liegt, erweist der Stalinismus dem Kapitalismus noch einen letzten Dienst. Dies wollen wir anhand dieses Artikels aufzeigen. In der ganzen Menschengeschichte stellt der Stalinismus sicherlich die tragischste und verachtenswerteste Erscheinung dar, die es je gegeben hat. Dies ist so, nicht nur weil er die direkte Verantwortung für das Massaker an Dutzenden von Millionen von Menschen trägt, oder weil er jahrzehntelang einen erbarmungslosen Terror gegenüber nahezu einem Drittel der Menschheit ausgeübt hat, sondern und vor allem, weil er sich als der schlimmste Feind der kommunistischen Revolution erwiesen hat, das heißt der Voraussetzung der Befreiung des Menschengeschlechts von den Ketten der Ausbeutung und der Unterdrückung im Namen gerade dieser kommunistischen Revolution. Somit trägt er die Hauptschuld für die Zerstörung des Bewußtseins in der Weltarbeiterklasse während der schlimmsten Zeit der Konterrevolution in der Geschichte der Arbeiterklasse. DIE ROLLE DES STALINISMUS IN DER KONTERREVOLUTIONSeitdem sie ihre politische Herrschaft über die Gesellschaft errichtet hat, hat die Bourgeoisie in dem Proletariat immer ihren schlimmsten Feind gesehen. Z.B. während der bürgerlichen Revolution selber Ende des 18. Jahrhunderts, deren 200-Jahrfeier mit viel Pomp betrieben wurde, hat die Kapitalistenklasse sofort das subversive Wesen der Ideen eines Babeufs erkannt. Deshalb hat sie ihn auf das Schafott geschickt, obgleich seine Bewegung damals noch keine wirkliche Bedrohung für den kapitalistischen Staat (1) darstellen konnte. Die ganze Geschichte der bürgerlichen Herrschaft ist durch eine Reihe von Massakern an Arbeitern gekennzeichnet, die alle mit dem Ziel ausgeführt wurden, diese Herrschaft zu schützen: Massaker der Lyoner Seidenarbeiter 1831, der schlesischen Weber 1844, der Pariser Arbeiter im Juni 1848, der Kommunarden 1871, der Aufständischen von 1905 im russischen Reich. Um diese Blutbäder durchzuführen, hat die Bourgeoisie immer in ihren klassischen politischen Reihen die Handlanger finden können, die sie für solche Aufgaben benötigte. Aber als die proletarische Revolution auf der Tagesordnung der Geschichte stand, hat sie sich nicht darauf beschränkt, nur auf Leute aus diesen Reihen zurückgreifen, um ihre Macht zu schützen. Sie hat sich an die verräterischen Parteien gewandt, an Organisationen, die die Arbeiterklasse zuvor selbst in die Welt gesetzt hatte. Damit übernahmen diese ehemaligen Arbeiterparteien die Aufgabe der Unterstützung der traditionellen bürgerlichen Parteien, oder sie traten gar an die Spitze der bürgerlichen Macht, um diese zu verteidigen. Die besondere Rolle dieser Neu-Rekrutierten der Bürgerlichen, ihre nunmehr unabdingbare und unersetzbare Funktion, bestand in ihrer Fähigkeit, aufgrund ihres Ursprungs und ihres Namens eine ideologische Kontrolle über die Arbeiterklasse auszuüben, um ihre Bewußtseinsentwicklung zu behindern und sie auf das Terrain der Feindesklasse zu führen. So bestand die große Ehre der Sozialdemokratie als bürgerliche Partei, ihr herausragender Schritt in ihrer Laufbahn nicht so sehr darin, direkt für das Massaker an den Arbeitern vom Januar 1919 in Berlin verantwortlich zu sein (bei dem der Verteidigungsminister, der Sozialdemokrat Noske seine Rolle selbst als die eines „Bluthunds" bezeichnete), sondern schon als Anwerber für den Ersten Weltkrieg gewirkt zu haben und schließlich als Hauptmystifizierungskraft der Arbeiterklasse, um sie in dieser revolutionären Welle von Kämpfen, die dem imperialistischen Weltkrieg folgten und ihm ein Ende setzten, zu spalten und ihre Kräfte zu zerstreuen. Tatsächlich hat nur der Verrat des opportunistischen Flügels, der die meisten Parteien der II. Internationale beherrschte, sein Wechsel ins Lager der Bourgeoisie, die Mobilisierung der europäischen Arbeiterklasse im Namen der „Verteidigung der Zivilisation", der „nationalen Verteidigung", dieses Abschlachtens möglich gemacht. Ebenso hat die Politik dieser Parteien, die weiterhin behaupteten, „sozialistisch" zu sein und deshalb noch über einen großen Einfluß innerhalb des Proletariats verfügten, eine wesentliche Rolle bei der Aufrechthaltung der demokratischen und reformistischen Illusionen in den Reihen des Proletariats gespielt. Diese Illusionen haben schließlich zu seiner Entwaffnung geführt und es ihm unmöglich gemacht, dem Beispiel der Arbeiter in Rußland mit dem erfolgreichen Oktoberaufstand von 1917 zu folgen. Während dieser Zeit hatten sich die Elemente und Fraktionen, welche sich gegen diesen Verrat gewehrt hatten, und die entschlossen die Fahne des Internationalismus und der proletarischen Revolution hochhielten, innerhalb der kommunistischen Parteien zusammengeschlossen, die jeweils eine Sektion der 3. Internationale bildeten. Aber diese gleichen Parteien sollten in der nachfolgenden Zeit eine ähnliche Rolle spielen wie die sozialistischen Parteien. Vom Opportunismus zerfressen, dem das Scheitern der Weltrevolution überall die Türen geöffnet hatte, wurden diese Parteien, nachdem sie anfänglich eine treue Gefolgschaft gegenüber der Führung einer „Internationale" praktiziert hatten, welche zunächst die Revolution vorangetrieben hatte, immer mehr zu einem einfachen Instrument der Diplomatie des russischen Staats, der seine Integration in die bürgerliche Welt anstrebte. Dabei schlugen die kommunistischen Parteien den gleichen Weg wie ihre Vorgänger ein. Ähnlich wie die sozialistischen Parteien haben auch sie sich vollständig in den politischen Apparat des nationalen Kapitals ihres jeweiligen Landes eingegliedert. Aber gleichzeitig beteiligten sie sich bei der Niederschlagung des letzten Aufbäumens der revolutionären Welle nach dem Krieg in China 1927-28, und vor allem waren sie mit ausschlaggebend bei der Umwandlung der Niederlage der Weltrevolution in eine schreckliche Konterrevolution. Nach dieser Niederlage waren die Konterrevolution, die Demoralisierung und die Verwirrung des Proletariats unvermeidbar. Aber die Form, in der diese Konterrevolution in der UdSSR selber auftrat - es kam nicht zum Umsturz der Macht, die im Oktober 1917 entstanden war, sondern zu einem Niedergang, Entartung dieser Macht und der Partei, die diese Macht in den Händen hielt - ließ diese ein Ausmaß und eine unvergleichbar größere Bedeutung annehmen, als wenn die Revolution unter den Schlägen der Weißen Armeen zerbrochen worden wäre. Die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU), die zuvor die unumstrittene Avantgarde des Weltproletariats bei der Revolution von 1917 als auch bei der Gründung der Kommunistischen Internationale von 1919 gewesen war, hat sich nach ihrer Eingliederung in den post-revolutionären Staat und den damit entstehenden Verwirrungen zu einem Hauptagent der Konterrevolution in der UdSSR entwickelt. Sie wurde zu einem wahren Henker der Arbeiterklasse (2). Aber aufgrund der Ruhmestaten der Vergangenheit hinterließ sie noch viele Illusionen bei der Mehrheit der anderen kommunistischen Parteien und ihrer Militanten, sowie auch bei den großen Massen des Weltproletariats. Aufgrund dieses Prestiges, aus dem die kommunistischen Parteien der anderen Länder zum Teil einen Nutzen schlagen, wurden von diesen Militanten und Massen all diese Verrate toleriert, die der Stalinismus zu jener Zeit ausüben sollte. Insbesondere die Aufgabe des proletarischen Internationalismus unter dem Deckmantel des „Aufbaus des Sozialismus in einem einzigen Land", der Gleichstellung des „Sozialismus" mit dem Kapitalismus, der sich in der UdSSR in seinen barbarischsten Formen gebildet hatte, die Unterwerfung der Kämpfe des Weltproletariats unter die Bedürfnisse der Verteidigung des „Sozialistischen Vaterlands" und schließlich die Verteidigung der Demokratie gegen den Faschismus, haben all diese Lügen und Mystifizierungen zum großen Teil das Vertrauen der Arbeitermassen ausgenützt, weil diese Lügen von den Parteien verbreitet wurden, die sich weiterhin als die wirklichen Erben der Oktoberrevolution darstellten, obgleich sie deren Mörder waren. Diese Lüge, die Gleichstellung zwischen Stalinismus und Kommunismus, ist wahrscheinlich die größte Lüge der Geschichte. Auf jeden Fall ist sie die ekelhafteste, widerwärtigste, die alle Teile der Weltbourgeoisie mitgetragen haben (3). Sie hat es ermöglicht, daß die Konterrevolution das bekannte Ausmaß annahm, wodurch mehrere Generationen von Arbeitern gelähmt und in dem zweiten imperialistischen Krieg abgeschlachtet wurden. Dadurch wurden auch die kommunistischen Fraktionen ausgemerzt, die gegen den Niedergang der Kommunistischen Internationale und ihrer Parteien angekämpft hatten, oder diese Fraktionen wurden zu kleinen, vollständig isolierten Kernen reduziert. Insbesondere während der 30er Jahre übernahmen die stalinistischen Parteien einen Großteil der Arbeit bei der Kanalisierung und Ableitung der Wut und Kampfbereitschaft der Arbeiter auf ein bürgerliches Terrain, nachdem diese brutal von der Weltwirtschaftskrise getroffen wurden. Aufgrund des Ausmaßes und der Schärfe der Krise von 1929 war sie das unleugbare Zeichen des historischen Scheiterns der kapitalistischen Produktionsweise und hätte als solche unter anderen Bedingungen der Hebel für eine neue revolutionäre Welle darstellen können. Aber die Mehrheit der Arbeiter, die sich zu einer solchen Perspektive hingewendet hätten, sind Gefangene der Fallen des Stalinismus geblieben, der vorgab, die Tradition der Weltrevolution weiterzuführen. Im Namen der Verteidigung des „Sozialistischen Vaterlandes" und im Namen des Antifaschismus haben die stalinistischen Parteien systematisch jeden Inhalt des proletarischen Klassenkampfes während dieser Zeit getötet und die Kämpfe zu einer Unterstützung für die bürgerliche Demokratie werden lassen, wenn sie nicht gar direkt den Vorbereitungen für den imperialistischen Weltkrieg dienten. Dies war z.B. bei der „Volksfront" in Frankreich und Spanien der Fall, als eine große Kampfbereitschaft der Arbeiter durch den Antifaschismus vernichtet und in Sackgassen gelenkt wurde, der vorgab, im Namen der Arbeiter zu handeln. Die Stalinisten leisteten dabei wertvolle Schützenhilfe. Hierbei haben die stalinistischen Parteien bewiesen, daß sie auch außerhalb der Sowjetunion, wo sie seit Jahren schon die Rolle des Henkers spielten, ihre sozialdemokratischen Meister bei der Aufgabe der Niederschlagung der Arbeiter übertroffen hatten (siehe insbesondere ihre Rolle bei der Niederschlagung des Aufstands des Proletariats von Barcelona im Mai 1937, siehe dazu den Artikel „Blei, Maschinengewehre, Gefängnis..." in der International Review Nr. 7) Im Namen der Opfer, für die er weltweit direkt verantwortlich ist, gehört der Stalinismus direkt neben dem Faschismus, diesem anderen Flügel der Konterrevolution, auf die Anklagebank. Aber seine arbeiterfeindliche Rolle ist deshalb noch größer, weil er diese Verbrechen im Namen der kommunistischen Revolution und des Proletariats beging, wodurch in den Reihen des Proletariats dessen Bewußtsein in einem bislang nie dagewesenen Maße zurückging. Der Einfluß der kommunistischen Parteien am Ende und nach dem Ersten Weltkrieg nahm zu einer Zeit zu, als sich die revolutionäre Welle voll entfaltete, ihr Einfluß stand direkt mit der Kampfbereitschaft und vor allem dem Bewußtsein der gesamten Arbeiterklasse im Zusammenhang. Aber die Entwicklung ihres Einflusses von Anfang der 30er Jahre an schlug um, als das Bewußtsein in der Arbeiterklasse sich zurückentwickelte. Zur Zeit ihrer Gründung waren sie in gewisser Hinsicht ein Gradmesser der Macht der Revolution. Aber nachdem sie vom Stalinismus an die Bourgeoisie verkauft worden waren, spiegelte die Stärke der Parteien, die sich weiterhin kommunistisch nannten, nur die Tiefe der Konterrevolution wider. Deshalb war der Stalinismus nie so stark wie direkt nach dem 2. Weltkrieg. Diese Phase war der Höhepunkt der Konterrevolution. Insbesondere mit Hilfe der stalinistischen Parteien, deren Mitwirken unerläßlich war, um ein neues imperialistischen Abschlachten zu ermöglichen, und die die besten Rekruteure der Befreiungsbewegungen waren, führte dieses Gemetzel im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg nicht zu einer neuen revolutionären Bewegung des Proletariats. Die Besetzung eines Großteils Europas durch die Rote Armee (4) einerseits sowie die Beteiligung der stalinistischen Parteien an den Regierungen der Befreiung andererseits haben die Regungen der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse auf ihrer Ebene noch mehr durch den Terror oder die Verschleierungen zum Schweigen gebracht. Dies wiederum ließ die Arbeiter in eine noch größere Verwirrung verfallen als am Vorabend des 2. Weltkriegs. Dabei hat der Sieg der Alliierten, zu dem der Stalinismus im großen Maße beigetragen hat, nicht die Kampfbedingungen für die Arbeiterklasse erleichtert (im Gegensatz zu den Behauptungen der Trotzkisten, als sie ihr Mitwirken an der Resistance rechtfertigten), sondern nur noch das Gewicht der bürgerlichen Ideologie verstärkt. Dieser Sieg, der als der Triumph der Demokratie und der Zivilisation über die faschistische Barbarei dargestellt wurde, ermöglichte es der Bourgeoisie, die Fassade der demokratischen Illusionen und den Glauben an einen menschlichen und zivilisierten Kapitalismus zu verstärken. So wurde die Konterrevolution um Jahrzehnte verlängert. Es ist übrigens kein Zufall, daß das Ende dieser Konterrevolution, das historische Wiedererstarken der Kämpfe der Arbeiterklasse von 1968 an mit einer bedeutsamen Abschwächung des Gewichtes des Stalinismus und dem der Illusionen über den Charakter der UDSSR und die antifaschistischen Mystifikationen in den Reihen der Arbeiter zusammenfällt. Dies wurde gerade deutlich in den beiden westlichen Ländern, in denen es die stärksten kommunistischen Parteien gab, und in denen sich die wichtigsten Kämpfe dieses Wiederaufschwungs abspielten: 1968 in Frankreich und 1969 in Italien. WIE DIE BOURGEOISIE AUS DEM ZUSAMMENBRUCH DES STALINIMSUS NUTZEN SCHLÄGTDiese Abschwächung des ideologischen Gewichts des Stalinismus innerhalb der Arbeiterklasse steht zu einem Großteil mit der Tatsache im Zusammenhang, daß die Arbeiter gesehen haben, was wirklich hinter den Ländern steckt, die sich sozialistisch nennen. In den vom Stalinismus beherrschten Ländern selber haben die Arbeiter schnell feststellen können, daß der Stalinismus zu den schlimmsten Feinden der Arbeiterklasse gehört. Von 1953 in Ostdeutschland, 1956 in Polen und in Ungarn haben die Arbeiteraufstände und die blutigen Niederschlagungen den Beweis erbracht, daß die Arbeiter in diesen Ländern keine Illusionen über den Stalinismus hatten. Diese Ereignisse (sowie ebenfalls die bewaffnete Intervention der Warschauer Pakt-Staaten in der CSSR 1968) haben bei vielen Arbeitern im Westen die Augen geöffnet (5), aber das war noch nicht so stark wie die Arbeiterkämpfe von 1970, 76 und 1980 in Polen, weil diese viel mehr auf dem Boden der Arbeiterklasse stattfanden, und weil sie sich zu einem Zeitpunkt des internationalen Erstarkens der Arbeiterkämpfe entwickelten. So wurde den Arbeitern in der westlichen Welt das arbeiterfeindliche Wesen der stalinistischen Regime viel deutlicher. Deshalb haben die stalinistischen Parteien sich während dieser Kämpfe etwas von der Repression distanziert, mit der gegen die Arbeiter vorgegangen wurde. Ein anderes Element, das zum Verschleiß der stalinistischen Mystifikationskraft beigetragen hat, ist die Offenlegung des Scheiterns der ‚sozialistischen Wirtschaft’. In dem Maße wie dieses Scheitern offenbar wurde und damit die stalinistischen Mystifizierungen sich abschwächten, nutzte die westliche Bourgeoisie dies aus, um ihre Kampagnen zur ‚Überlegenheit des Kapitalismus über den Sozialismus’ zu entfachen. Auch wurden die demokratischen und gewerkschaftlichen Illusionen der Arbeiter in Polen von der Bourgeoisie voll ausgenutzt, um vor allem nach 1980 mit der Gründung von Solidarnosc das Ansehen der Gewerkschaften unter den Arbeitern des Westens aufzupolieren. Insbesondere das Aufblühen dieser Illusionen, die noch durch die Repression vom Dez. 1981 und die Illegalisierung Solidarnoscs verstärkt wurde, liefert die Grundlage für das Begreifen der Verwirrung und des Rückflusses des Klassenkampfes Anfang der 80er Jahre. Das Wiedererstarken des Klassenkampfes vom Herbst 1983 an, das eine neue Welle von massiven Kämpfen in den meisten entwickelten Industrieländern hervorbrachte und insbesondere in Westeuropa, die Gleichzeitigkeit selber dieser Kämpfe auf internationaler Ebene bewiesen, daß die Arbeiterklasse dabei war, sich von dem Gewicht der Illusionen und der Mystifizifierungen zu lösen, die sie in der vorhergehenden Phase gelähmt hatten. Insbesondere das Verdrängen der Gewerkschaften und gar ihre Verwerfung, die vor allem während des Eisenbahnerstreiks in Frankreich Ende 1986 und während der Streiks im Erziehungswesen in Italien 1987 deutlich geworden waren, die Errichtung von Kontroll- und Auffangstrukturen durch die Linken in diesen und einigen anderen Ländern, welche alle als nicht zu den Gewerkschaften zugehörig auftraten und sich den Namen Koordinierung gaben, spiegelten auch die Schwächung dieser gewerkschaftlichen Mystifizierung wider. Damit einher ging eine Schwächung der parlamentarischen Mystifizierung, die durch eine immer größere Zahl von Stimmenthaltungen, Nicht-Wahlbeteiligung insbesondere in den Arbeitervierteln offensichtlich wurde. Aber heute hat es die Bourgeoisie aufgrund des Zusammenbruchs der stalinistischen Regime und den damit ausgelösten Medienkampagnen geschafft, diese Tendenz wieder umzukehren, die Mitte der 80er Jahre so deutlich in Erscheinung getreten war. Während die Ereignisse in Polen zwischen 1980-81, d.h. natürlich nicht die Arbeiterkämpfe sondern die gewerkschaftlichen und demokratischen Fallen, in die die Arbeiter reingelaufen waren (sowie die Repression, zu der diese Fallen führten), es den Herrschenden ermöglicht hatten, innerhalb der Arbeiterklasse der fortgeschritteneren Länder eine beträchtliche Desorientierung hervorzurufen, kann der jetzige vollständige und historische Zusammenbruch des Stalinismus nur zu einer noch größeren Verwirrung in der Arbeiterklasse führen. Die heutigen Ereignisse spielen sich auf einer ganz anderen Ebene ab als die von Polen 1980. Hier steht nicht ein einziges Land im Vordergrund. Alle Länder eines imperialistischen Blocks, angefangen von dem wichtigsten unter ihnen, der UdSSR, sind heute betroffen. Die stalinistische Propaganda konnte die Schwierigkeiten des Regimes in Polen als das Ergebnis der Fehler Giereks darstellen. Heute denkt niemand, auch nicht die neuen Führer Polens, daran, die Verantwortung der Schwierigkeiten ihres Regimes auf die Politik der Führer der letzten Jahre zurückzuführen. Vielmehr nennen viele Führer, insbesondere die aus Ungarn, die ganze Struktur der Wirtschaft und die politische Praxis als irrsinnig, die von Anfang an so typisch war für die stalinistischen Regime. Solch ein Eingeständnis des Scheiterns durch die jetzigen Führer ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Medienkampagnen der westlichen Bourgeoisie. Der zweite Grund, weshalb die Bourgeoisie ihre Chance voll ausnützt und den Zusammenbruch des Stalinismus und des von ihm beherrschten Blocks ausschlachtet, liegt in der Tatsache, daß dieser Zusammenbruch nicht das Ergebnis des Klassenkampfes, sondern eines vollständigen Scheiterns der Wirtschaft dieser Länder ist. Bei den bedeutenden Ereignissen dieser Zeit in den osteuropäischen Ländern ist das Proletariat als Klasse, als Träger einer dem Kapitalismus entgegen gesetzten Politik, vollständig abwesend. Und das ist schmerzhaft zu spüren. Die Arbeiterstreiks, die letzten Sommer in den Bergwerken der UdSSR stattgefunden haben, sind eher eine Ausnahme und zeigen wiederum durch das Gewicht der Mystifikationen, die sie zum Vorschein gebracht haben, die politische Schwäche das Proletariats dieses Landes auf. Sie waren hauptsächlich eine Folge des Zusammenbruchs des Stalinismus und kein aktiver Faktor bei diesem Zusammenbruch. Übrigens drehten sich die meisten Streiks, die in der letzten Zeit in der UdSSR stattgefunden haben, nicht um die Verteidigung der Interessen von Arbeitern, sondern sie fanden statt auf einem nationalistischen Terrain (baltischen Republiken, Armenien, Aserbaidschan usw.) und damit auf einem bürgerlichen Terrain. Auch kann man in den meisten Massendemonstrationen, die zur Zeit die Länder Osteuropas erschüttern, insbesondere die DDR, CSSR und Bulgarien, und die einige Regierungen dazu gezwungen haben, alte Leute schnell über Bord zu schmeißen, keinen Funken von Forderungen sehen, die den Interessen und dem Wesen der Arbeiterklasse entsprechen würden. Diese Demos sind vollständig von typisch und ausschließlich bürgerlichen, demokratischen Forderungen geprägt: „freie Wahlen, Freiheit, Rücktritt der KPs von der Regierung usw. Während der Einfluß der demokratischen Kampagnen, die während der Ereignisse in Polen 1980-81 stattfanden, dadurch etwas begrenzt worden war, daß sie ihren Ursprung im Klassenkampf hatten, kann das Fehlen von bedeutsamen Klassenkämpfen in den osteuropäischen Ländern jetzt nur noch die zerstörerischen Auswirkungen der gegenwärtigen Kampagnen der Bourgeoisie verstärken. Auf einer allgemeineren Ebene, nämlich dem Zusammenbruch eines ganzen imperialistischen Blocks, dessen Auswirkungen gewaltig sind, kann die Tatsache, daß dieses bedeutsame geschichtliche Ereignis unabhängig von der Arbeiterklasse stattgefunden hat, nur das Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit innerhalb der Arbeiterklasse verstärken. Das soll aber nicht vergessen machen, daß diese Ereignisse letzten Endes, wie die hier veröffentlichten Thesen zeigen, nur stattgefunden haben, weil die Bourgeoisie weltweit unfähig war, die Arbeiterklasse bislang für einen dritten imperialistischen Weltkrieg zu mobilisieren. Es war der Klassenkampf gewesen, der 1917 in Rußland den Zarismus und dann die Bourgeoisie gestürzt und danach den ersten Weltkrieg zu Ende gebracht hatte, und das Kaiserreich in Deutschland zusammenbrechen ließ. Dies war zum großen Teil der Ausgangspunkt der ersten revolutionären Welle, die weltweit zu spüren war. Weil aber der Klassenkampf nur ein zweitrangiger Faktor bei dem Zusammenbruch der Länder der westlichen Achse und bei der Beendigung des 2. Weltkriegs war, hat dies eine lähmende und verwirrende Wirkung in den Reihen des Proletariats nach Kriegsende gehabt. Heute ist es ebenso von Bedeutung, daß der Ostblock unter den Hammerschlägen der Wirtschaftskrise zusammengebrochen ist, und nicht unter den Schlägen des Klassenkampfes. Wenn er unter dem Klassenkampf zusammengebrochen wäre, wäre dadurch das Selbstvertrauen der Arbeiterklasse gestiegen, und nicht - wie es heute der Fall ist - gesunken. Weil der Zusammenbruch des Ostblocks nach einem Zeitraum des kalten Krieges mit dem westlichen Block stattfindet, bei dem der Westen als der kampflose Sieger dieses Krieges erscheint, wird dies darüberhinaus in den westlichen Ländern und auch unter den Arbeitern ein Gefühl der Euphorie und des Vertrauens gegenüber ihren Regierungen hervorbringen, das (in einem gewissen Maße jedenfalls) ähnlich dem Gefühl der Arbeiter in den Siegerländern nach den beiden Weltkriegen ist, die mit eine Ursache des Scheiterns der revolutionären Welle von 1917-23 waren. Solch eine für das Bewußtsein der Arbeiterklasse katastrophale Euphorie wird natürlich viel begrenzter sein aufgrund der Tatsache, daß die Welt jetzt nicht einen neuen Weltkrieg hinter sich hat. Jedoch werden die furchtbaren Auswirkungen der gegenwärtigen Lage noch durch die Euphorie bestimmter Bevölkerungsteile der osteuropäischen Länder verstärkt, und die auch im Westen ihren Einfluß zeigen werden. So verglichen die Presse und einige Politiker das Gefühl nach der Öffnung der Berliner Mauer, das das klassische Symbol des Terrors ist, mit dem der Stalinismus regierte, mit dem Gefühl nach der Befreiung nach 1945. Es ist kein Zufall: die Gefühle der Bevölkerung der DDR nach der Öffnung der Mauer waren vergleichbar mit dem Gefühl der Bevölkerung, die jahrelang die Besatzung und den Terror durch die Nazis ertragen hatten müssen. Aber wie uns die Geschichte bewiesen hat, gehören diese Gefühle und Emotionen zu den schlimmsten Hindernissen für die Bewußtseinsentwicklung der Arbeiterklasse. Die von den Menschen in Osteuropa empfundene Freude über den Zusammenbruch des Stalinismus und vor allem die damit verbundene Verstärkung der demokratischen Illusionen wird auch in der Arbeiterklasse des Westens zu spüren sein. Insbesondere trifft dies für die Arbeiter in Deutschland zu, deren Gewicht innerhalb der Weltarbeiterklasse im Hinblick auf die proletarische Revolution besonders groß ist. Auch muß die Arbeiterklasse in Deutschland dem Gewicht der nationalistischen Mystifizierungen im Hinblick auf die Perspektive einer Wiedervereinigung Deutschlands entgegentreten, die - obgleich noch nicht unmittelbar auf der Tagesordnung - diese nur verstärken wird. Diese nationalistischen Mystifizierungen sind jetzt schon sehr stark unter den Arbeitern der meisten osteuropäischen Länder. Sie sind nicht nur unter den Arbeitern der verschiedenen Republiken der UdSSR vorhanden. Sie lasten auch schwer auf den Arbeitern der Volksdemokratien, insbesondere aufgrund der brutalen imperialistischen Herrschaftsweise des Großen Bruders SU. Die blutigen Interventionen der russischen Panzer in der DDR 1953, in Ungarn 1956 und in der CSSR 1968 sowie die jahrzehntelange systematische Plünderung der Wirtschaft dieser Satellitenländer haben nur Öl aufs Feuer dieser Mystifizierungen gegossen. Neben den demokratischen und gewerkschaftlichen Illusionen haben sie zum Großteil 1980-81 zur Verwirrung der Arbeiter in Polen beigetragen, was wiederum die Niederschlagung des Dezembers 1981 möglich gemacht hat. Mit dem Auseinanderbrechen des Ostblocks werden diese noch mehr Auftrieb erhalten und die Bewußtwerdung der Arbeiterklasse weiterhin erschweren. Diese nationalistischen Mystifizierungen werden ebenfalls den Arbeitern des Westens zu schaffen machen. Dies wird (abgesehen von Deutschland) nicht notwendigerweise direkt durch eine Verstärkung des Nationalismus in ihren Reihen zu spüren sein, sondern durch die Entstellung, Verdrehung und das geringe Ansehen, das in ihrem Bewußtsein die Idee selber des proletarischen Internationalismus haben wird. Dieser Begriff wurde durch den Stalinismus total entstellt und im gleichen Atemzug durch alle bürgerlichen Kräfte, die es allemal mit der imperialistischen Herrschaft der UdSSR über ihren Block gleichgesetzt und dargestellt haben. So wurde 1968 die Intervention der Panzer der Staaten des Warschauer Paktes in der CSSR im Namen des proletarischen Internationalismus durchgeführt. Der Zusammenbruch und die Verwerfung des stalinistischen Internationalismus durch die Bevölkerung der osteuropäischen Länder wird ein negatives Gewicht auf das Bewußtsein der Arbeiter des Westens haben. Dabei wird die westliche Bourgeoisie keine Gelegenheit verpassen, um dem wirklichen proletarischen Internationalismus ihre internationale Solidarität entgegensetzen, die sie als eine Hilfe für die Wirtschaften der in Not geratenen osteuropäischen Länder versteht (wenn es nicht direkt um Aufrufe für Almosen geht) oder den Forderungen nach Demokratie, wenn wir es mit einer brutalen Repression zu tun bekommen (man erinnere sich an die Kampagnen zu Polen 1981 oder der jüngsten Kampagne zu China). Hier handelt es sich um den Kern der gegenwärtig von der Bourgeoisie entfalteten Kampagnen, deren eigentliches und grundsätzliches Ziel darin besteht zu behaupten, daß mit dem Zusammenbruch des Stalinismus auch die Perspektive selber der kommunistischen Weltrevolution gescheitert sei. Der Internationalismus ist nur einer der Aspekte dieser Perspektive. Die Medien legen immer wieder die alte Platte auf: „Der Kommunismus ist tot, er ist gescheitert". Dies faßt all das zusammen, was die Herrschenden aller Länder den Arbeitern bis zum geht nicht mehr eintrichtern wollen. Und die Lüge, die schon alle bürgerlichen Kräfte in der Vergangenheit in den schlimmsten Zeiten der Konterrevolution einstimmig haben verbreiten wollen, wird heute auch wiederum einhellig von den gleichen Stimmen verbreitet. Mit Hilfe dieser Gleichstellung zwischen Stalinismus und Kommunismus konnte die Bourgeoisie in den 30er Jahren die Arbeiterklasse für den Stalinismus mobilisieren, um ihre Niederlage zu besiegeln. Wo heute die Stalinisten in den Augen der Arbeiter vollkommen ihr Gesicht verloren haben, dient diese gleiche Lüge dazu, um sie von der Perspektive des Kommunismus abzuhalten. In den Ländern Osteuropas leidet die Arbeiterklasse schon seit langem unter solch einer Verwirrung: wenn das Gerede von der Diktatur des Proletariats gleichgestellt wird mit Polizeiterror, wenn Macht der Arbeiterklasse zynische Machtausübung durch die Bürokraten bedeutet, und wenn Sozialismus brutale Ausbeutung, Misere, Mangel und Verschwendung darstellt, wenn man in der Schule Zitate von Marx oder Lenin auswendig lernen muß, wird man von all dem natürlich angeekelt. So verwirft man die Grundlagen selber der historischen Perspektive des Proletariats, man weigert sich prinzipiell, die Grundsatztexte der Arbeiterbewegung zu lesen, verwirft die Begriffe wie Arbeiterbewegung und Arbeiterklasse selber, weil sie als etwas Obszönes aufgefaßt werden. Auf solch einem Hintergrund ist die Idee einer Revolution der Arbeiterklasse selber vollkommen unglaubwürdig. „Warum soll man noch mal wie im Oktober 1917 anfangen, wenn das schließlich doch nur zur stalinistischen Barbarei führt?" Diese Aussagen versucht zur Zeit die herrschende Klasse in den westlichen Ländern durch den Zusammenbruch und den Todeskampf des Stalinismus zu vermitteln. So soll eine ähnliche Verwirrung unter den Arbeitern des Westens hervorgerufen werden. Und der Bankrott des Stalinismus ist so offensichtlich und spektakulär, daß ihr dies zum Teil gelingt. So werden all diese Ereignisse in den osteuropäischen Ländern, die auch ihren Widerhall auf der ganzen Welt finden, noch eine zeitlang auf negative Art die Bewußtseinsentwicklung der Arbeiterklasse behindern. Kurzfristig wird die Öffnung des Eisernen Vorhangs, der die Weltarbeiterklasse in zwei Teile spaltete, es den Arbeitern im Westen noch nicht ermöglichen, ihre Erfahrung in den Kämpfen mit den Fallen und Mystifizierungen, welche die stärkste Bourgeoisie auf der Welt ihnen stellte, an ihre Klassenbrüder in Osteuropa weiterzugeben. Im Gegenteil: die besonders unter den Arbeitern in Osteuropa stark verbreiteten Illusionen über die Demokratie, ihr Glaube an die Überlegenheit des Kapitalismus über den Sozialismus werden auch im Westen zu spüren sein, wodurch die Erfahrungen der Arbeiter in diesem Teil der Welt kurzfristig und vorübergehend darunter leiden werden. Somit schafft es die Bourgeoisie heute noch, den Todeskampf dieses Stalinismus, diesem typischen Instrument der Konterrevolution, gegen die Arbeiterklasse einzusetzen. DIE PERSPEKTIVEN DES KLASSENKAMPFESDer Zusammenbruch der stalinistischen Regime, der im wesentlichen zurückzuführen ist auf das vollständige Scheitern ihrer Wirtschaft, kann auf dem Hintergrund der weltweiten Vertiefung der kapitalistischen Wirtschaftskrise diese nur noch verschärfen. Für die Arbeiterklasse dieser Länder bedeutet das noch mehr Angriffe und Misere, gar Hungersnöte, so wie sie das vorher lange nicht mehr erlebt hat. Dies wird notwendigerweise Wutausbrüche der Arbeiterklasse hervorrufen. Aber die politischen und ideologischen Bedingungen sind in den osteuropäischen Ländern derart ungünstig, daß die Kampfbereitschaft eine ganze Zeitlang noch nicht zu einer wirklichen Entwicklung des Bewußtseins führen wird. Das Chaos und die Erschütterungen, die den wirtschaftlichen und politischen Bereich erschüttern, die Barbarei und das Verfaulen der gesamten kapitalistischen Gesellschaft, die hier auf konzentrierteste und karikaturalste Weise zum Ausdruck kommen, werden dort nicht solange zur Erkenntnis der Notwendigkeit der Überwindung dieses Systems führen, wie solch eine Erkenntnis nicht unter den entscheidenden Bataillonen des Proletariats der großen Arbeiterkonzentrationen des Westens, insbesondere in Westeuropa, herangereift ist(6). Wie wir gesehen haben, zielen auch die Kampagnen der Bourgeoisie gerade auf diesen Teil der Weltarbeiterklasse und bewirken einen Rückfluß ihres Bewußtseins. Das heißt nicht, daß sie gegenüber den wirtschaftlichen Angriffen des Kapitalismus, dessen Weltkrise nicht zu überwinden ist, hilflos geworden wären. Nein, das heißt vor allem, daß mehr noch als in den vergangenen Jahren diese Kämpfe eine Zeitlang eingesperrt bleiben werden von den Kontrollorganen der Arbeiterklasse, insbesondere von den Gewerkschaften, wie man es übrigens schon in den letzten Kämpfen sehen konnte. Insbesondere werden die Gewerkschaften Kapital schlagen aus der allgemeinen Verstärkung der Illusionen über die Demokratie. Auch werden ihre Manöver leichter durchführbar sein, weil sie die reformistische Ideologie leichter durchsetzen können, nachdem die Illusionen stärker geworden sind, daß der Kapitalismus jeder anderen Gesellschaft überlegen sei. Aber die Arbeiterklasse von heute ist nicht die der 30er Jahre. Ihr steckt keine Niederlage in den Knochen wie die, welche sie nach der revolutionären Welle von 1917-23 hatte einstecken müssen. Die weltweite Krise des Kapitalismus ist unüberwindbar. Sie wird sich nur zuspitzen. Nach dem Zusammenbruch der ä3.Weltä Ende der 70er Jahre, nach dem gegenwärtigen Zusammenbruch der sog. sozialistischen Wirtschaften steht als nächster auf der Liste der Zusammenbruch der höchst entwickelten Länder, die bislang die schlimmsten Auswirkungen der Krise teilweise auf die Peripherie hatten abwälzen können. Die unvermeidbare Offenlegung des vollständigen Scheiterns nicht nur eines Teils des Kapitalismus, sondern der gesamten Produktionsweise wird die Grundlagen selber der Kampagnen der westlichen Bourgeoisie über die Überlegenheit des Kapitalismus selber zerbröckeln lassen. Langfristig wird die Entfaltung der Kampfbereitschaft der Arbeiter zu einer neuen Entwicklung ihres Bewußtseins hinführen, die jetzt durch den Zusammenbruch des Stalinismus behindert und unterbrochen wird. Es ist die Aufgabe der revolutionären Organisationen, zu dieser Entwicklung entscheidend beizutragen, nicht indem wir versuchen, die Arbeiter zu trösten, sondern indem wir offenlegen, daß ungeachtet der Schwierigkeiten des Kampfes es keinen anderen Weg gibt für die Arbeiterklasse als diesen, der zur kommunistischen Revolution hinführt. F.M. 25.11.89
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