Polemik mit Programma Comunista zum imperialistischen Krieg

Die Verwerfung der Auffassung der De­kadenz führt zur Schwächung der Arbeiter­klasse gegenüber dem Krieg

In den Nummern 90, 91 und 92 der Zeit­schrift 'Programme Communiste', die von der 'Internationalen Kommunistischen Par­tei' (IKP) veröffentlicht wird, welche auch die Zeitungen 'Il Comunista' auf italienisch und 'Le Prolétaire' auf französisch heraus­gibt (1), gibt es eine lange Untersuchung über 'der im­perialistische Krieg im bürger­lichen Zyklus in der marxistischen Ana­lyse'. In dieser Untersu­chung werden die Auffas­sungen der IKP über diese für die Arbeiter­bewegung so wichtige Frage ent­faltet. Die grundlegenden politischen Posi­tionen der IKP zu dieser Frage sind eine klare Vertei­digung der proletarischen Prinzi­pien ge­genüber all den Lügen, die von den ver­schiedenen Vertretern der herrschenden Klasse verbreitet werden. Jedoch bleiben be­stimmte theoretische Entwicklungen, auf die sich diese Prinzi­pien stützen und die Voraus­sagen, die aus ihnen abgeleitet sind, hinter den Erforder­nissen der Grundsatzpo­sitionen zurück, womit sie diese eher schwächen als stär­ken. In diesem Artikel wollen wir die feh­lerhaften theoretischen Auffassungen kritisie­ren, damit die klarsten und fundier­testen Grundlagen für die Ver­teidigung des proleta­rischen Internationa­lismus ge­schaffen werden.

Im Gegensatz zu anderen Organisationen, die sich auch auf die kommunistische Linke beru­fen (insbesondere die verschie­denen IKP's, die zur bordigistischen Strö­mung ge­hören) hat die IKS immer eine klare Unter­scheidung zwi­schen den Grup­pierungen gemacht, die sich innerhalb des proletari­schen Lagers befinden und denje­nigen, die dem bürgerlichen Lager ange­hören, wie z.B. die verschiedenen trotz­kistischen Or­ganisationen. Es ist nicht möglich irgend­eine politische Debatte mit den Trotzki­sten zu führen. Die Verant­wortung der Revo­lutionäre besteht darin, diese Strömungen als ein Instrument der herrschenden Klasse zu entblößen, welches dazu dient, mittels 'radikaler' Worte das Proletariat von seinem Klassenterrain ab­zubringen, um es an die In­teressen des Kapitals zu binden. Dagegen ist die politi­sche Debatte zwischen den Organisa­tionen des proletarischen Lagers nicht nur eine Möglichkeit, sondern auch eine Ver­pflichtung. Dabei geht es nicht um einen einfachen Ideen­austausch, wie er in Uni­versitätsseminaren stattfindet, sondern um die Verteidigung klarer  politischer Po­sitionen. In dieser Hinsicht kann er auch die Gestalt einer lebhaften Polemik anneh­men, weil die Fragen von herausragen­der Be­deutung für die Bewegung der Klasse sind, weil jeder Kommunist weiß, daß ein kleiner theoretischer Fehler dramatische Kon­sequenzen für das Proletariat haben kann. Aber selbst in den Polemiken ist notwendig, das Richtige an den Positionen einer Organi­sation anzuerkennen.

EINE FESTE VERTEIDIGUNG DER KLASSENPOSITIONEN?

Die IKP beruft sich auf die Tradition der ita­lienischen kommunistischen Linken, d.h. eine der internationalen Strömungen, die während der Entartung der 3.Internationale in den 20er Jahren Klas­senpositionen weiter aufrechter­halten ha­ben. In dem Artikel von 'Programme Communiste' kann man fest­stellen, daß bei ei­ner ganzen Reihe von we­sentlichen Fra­gen diese Organisation die Positionen der italieni­schen Linken nicht aus den Augen verloren hat. Insbesondere gibt es in dem Artikel klare Darstellungen der Kommuni­sten gegenüber dem imperiali­stischen Krieg. Die Haltung der IKP kann nicht verglichen werden mit der Haltung der Pa­zifisten oder Anarchisten ge­genüber dem Krieg: "Der Marxismus verwirft die Leh­ren und abstrakten Aussagen, die die ab­lehnende Haltung gegenüber dem Krieg zu einem geschichtslosen Prinzip machen, und die die Kriege auf metaphysische Weise als das Absolut-Böse  darstellen. Unsere Einstel­lung stützt sich auf eine hi­storische und dia­lektische Analyse der kriegerischen Krisen in Verbindung mit der Entwicklung und dem Ab­sterben von Gesellschaftsfor­men. Wir unter­scheiden somit

a) die Kriege des bürgerlichen Fortschritts oder der Entwicklung in der Zeit von 1792-1871,

b) imperialistische Kriege, die durch das ge­genseitige Zusammenprallen der Natio­nen im hochentwickelten Kapitalismus entstan­den sind,

c) revolutionäre proletarische Kriege "Die allgemeine Orientierung besteht darin, die Kriege zu unterstützen, welche die allge­meine Entwicklung voranbringen und die Kriege ab­zulehnen, die die allgemeine Ent­wicklung ver­zögern. Deshalb sind wir für die Sabotage der imperialistischen Kriege, nicht weil sie schrecklicher oder abscheuli­cher wären als die vorhergehenden Kriege, sondern weil sie ein Hindernis für die Zu­kunft der Menschheit darstellen, weil die imperialistische Bour­geoisie und der Welt­kapitalismus keine fort­schrittliche Rolle mehr spielen, sondern im Gegenteil zu ei­nem Hindernis für die allge­meine gesell­schaftliche Entwicklung geworden sind. (PC Nr.90 S.22)" Die IKS stimmt mit diesen Aussagen überein, das deckt sich mit dem, was wir in unseren Publikationen dazu ge­sagt haben.

Auch ist die Entblößung des Pazifismus durch die IKP besonders klar und zutref­fend. "Der Kapitalismus ist kein Opfer des Krieges, der von diesem oder jenem Teufel hervorgerufen wird, die Kriege sind keine Überreste von barbarischen Zeiten, die noch nicht ganz aus­gemerzt sind...Der bür­gerliche Pazifismus muß notwendiger­weise in die Kriegstreiberei münden. Der idylli­sche Traum eines friedli­chen Kapita­lismus ist keineswegs unschuldig. Es han­delt sich um einen blutbefleckten Traum. Wenn man zugibt, daß Kapitalismus und Krieg ständig zusammengehören, muß man, wenn das Kriegsgeschrei ertönt, einge­stehen, daß et­was der Zivilisation ge­genüber Fremdes die friedliche humanitäre Entwick­lung des Ka­pitalismus bedroht, daß der Kapi­talismus sich also verteidigen müßte, d.h. auch mit Waffen, falls andre Mittel nicht aus­reichen, indem er die Men­schen, die guten Willens sind, und die Friedliebenden zusam­menbringt. Der Pa­zifismus vollzieht seine letzte Wendung und wird zum Kriegstreiber, zu einem aktiven Faktor und zu einem Haupt­element bei der direkten Mobilisie­rung für den Krieg. Hier handelt es sich um einen Zwangs­prozeß, der aus der internen Dynamik des Pa­zifismus selbst hervorgeht. Dieser neigt näm­lich seinem Wesen gemäß dazu, Kriegstreiber zu werden" (PC Nr.90 S.22). Aus dieser Analyse leitet die IKP eine richtige Orientie­rung gegenüber den an­geblichen Antikriegs­bewegungen ab, die gegenwärtig immer wie­der aufblühen. Wir sind natürlich mit der IKP einverstanden, was den Antimilitarismus der Arbeiter­klasse betrifft (wie z.B. der während des 1.Weltkrieges, der ja zur Revolution in Rußland und Deutschland geführt hat). Aber dieser Antimilitarismus der Arbeiter­klasse kann sich nicht entfalten, wenn er von den Mobilisierungen ausgeht, die von den bürger­lichen Kräften organisiert wer­den: "Gegenüber den gegenwärtigen Friedensbe­wegungen besteht unser positi­ver Vorschlag nicht in einer Intervention in Form von Propa­ganda oder einem Bekeh­rungseifer gegenüber den Mitgliedern der Arbeiterklasse, die vom Pazifismus gefan­gen genommen, von kleinbür­gerlichen Mo­bilisierungen vereinnahmt wur­den, um sie aus dessen Klauen herauszurei­ßen. Wir sa­gen insbesondere gegenüber die­sen verein­nahmten Leuten, daß der Antimilita­rismus sich nicht mittels der heutigen Frie­densmärsche verbreitet, sondern nur durch den unnachgiebigen Kampf zur Verteidi­gung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Pro­letarier mittels eines Bruches mit den Interes­sen des Unternehmens und der Volkswirt­schaft. Da die Verteidigung der Arbeitsdiszi­plin und der Volkswirtschaft die Disziplin in den Schützengräben und die Verteidigung des Vaterlandes vorbereiten, bedeutet das, daß die Verwerfung der Inter­essen der Unternehmen und der Volkswirt­schaft heute eine Grundlage für die Vorbe­reitung des Antimilitarismus und des Defä­tismus darstellen." (PC Nr.92 S. 61) Wie wir später aufzeigen werden, ist der De­fätismus heute kein Slogan mehr, der in der gegenwärtigen Situation oder der Zukunft an­gebracht wäre. Jedoch un­terstreichen wir die Richtigkeit der Heran­gehensweise der IKP.

Schließlich ist der Artikel von PC auch sehr klar bezüglich der Rolle der bürgerli­chen De­mokratie bei der Vorbereitung und Durchfüh­rung des imperialistischen Krieges: "In unse­ren zivilisierten Staaten herrscht der Kapita­lismus dank der Demo­kratie. Wenn der Kapi­talismus Kanonen und seine Generäle einsetzt, dann indem er sich auf die Mechanismen der Demokratie, auf deren hypnotische Riten stützt." (PC Nr.91 S.38) "Die Existenz eines demokra­tischen Regimes ermöglicht es dem Staat eine grö­ßere militärische Effizienz zu er­reichen, da dadurch  sowohl die Vorbe­reitung des Krieges gefördert als auch die Wider­standskraft während des Krieges ma­ximal ausgenutzt wird. Der Faschismus kann nur an das Nationalgefühl appellie­ren, das bis zu ei­ner rassistischen Hysterie getrieben wird, um die nationale Einheit zu befesti­gen. Die Demo­kratie dagegen kann sich auf eine Kraft stüt­zen, die noch stär­ker ist, um die gesamte Ge­sellschaft für den imperiali­stischen Krieg zu­sammenzuschweißen. Die Tatsache, daß der Krieg direkt aus dem Willen des Volkes her­vorgeht, welcher durch die Wahlen zum Aus­druck kommt und auf diese Weise dank der Mystifikation der  Wahlbefragungen der Krieg als Verteidi­gung der Interessen der Volksmas­sen, der arbeitenden Klassen insbesondere, er­scheint." (PC Nr.91 S.419) Wir haben diese langen Zitate aus Programme Communiste (wir hätten übri­gens auch andere bringen kön­nen, insbe­sondere zur historischen Verdeutli­chung der vorgetragenen Thesen) gebracht, weil sie genau unsere Positionen zu diesen Fra­gen widerspiegeln. Anstatt also mit unse­ren eigenen Worten unsere Prinzipien zum imperialistischen Krieg zu wiederholen, ist es nützlich die tiefgreifende Einheit und die ge­meinsame Auffassung in dieser Frage inner­halb der kommunistischen Lin­ken zu verdeut­lichen. Es handelt sich um unsere gemeinsa­men Auffassungen.

Aber genauso wie wir die Prinzipieneinheit unterstreichen müssen, ist es auch die Auf­gabe der Revolutionäre, die Inkonsequen­zen und die theoretischen Inkohärenzen der bordigisti­schen Strömung aufzuzeigen, die die Fähig­keit, als wirksamer Kompaß ge­genüber der Arbeiterklasse aufzutreten, stark untergraben. Und die erste dieser In­konsequenzen besteht in der Weigerung, die Dekadenz, den Nieder­gang der kapitalisti­schen Produktionsweise zur Kenntnis zu nehmen und anzuerkennen.

DIE NICHT-VORHANDENE DEKA­DENZ AUS BORDIGISTISCHER SICHT

Die Anerkennung, daß seit diesem Jahrhun­dert und insbesondere seit dem 1.Weltkrieg die kapitalistische Gesellschaft in ihre Nieder­gangsphase eingetreten ist, ist ein Eckpfeiler der Perspektive der kommunisti­schen Bewe­gung. Im 1. impe­rialistischen Weltkrieg stützten sich Revo­lutionäre wie Lenin bei der Verteidigung der Notwendig­keit, daß die Ar­beiterklasse die­sen Krieg verwerfen mußte, den imperialisti­schen Krieg in einen Bürger­krieg umwandeln sollte, auf die Analyse der Dekadenz. (Siehe insbesondere "Der Imperia­lismus, das höchste Stadium des Kapitalis­mus") Auch stand der Eintritt des Kapitalis­mus in seine Nieder­gangsphase im Mittelpunkt der politischen Po­sitionen der Komintern bei ih­rer Gründung im März 1919. Gerade weil der Kapitalismus zu ei­nem dekadenten Sy­stem geworden war, war es nicht mehr möglich in­nerhalb des Systems zu kämpfen, um Refor­men zu er­reichen, wie es die Par­teien der 2.Internationale befür­worteten, sondern die einzige historische Auf­gabe der Arbeiter­klasse bestand darin, für die Welt­revolution zu kämp­fen. Besonders auf die­sem theoretischen Fun­dament hat schließ­lich die internationale kommunistische Linke und insbesondere die Italienische Linke ihre politischen Positionen erarbei­ten können. Je­doch war es die Origina­lität Bor­digas und der Strömung, die er ins Le­ben gerufen hat, die Tatsache zu leugnen, daß der Kapitalismus in seine Niedergangs­stufe eingetreten war. Und dennoch ist die bordi­gistische Strömung und insbesondere die PCI dazu gezwun­gen, anzu­erkennen, daß sich etwas am An­fang dieses Jahrhunderts geändert hatte hinsichtlich des Wesens der Wirtschafts­krisen als auch hin­sichtlich des Wesens des Krieges.

Hinsichtlich des Wesens des Krieges spre­chen die Zitate, die wir oben gebracht ha­ben, für sich selber. Es gibt in der Tat einen grundle­genden Unterschied zwischen den Kriegen der kapitalistischen Staaten im letzten Jahrhundert und den Kriegen in die­sem Jahrhundert. Z.B. trennten 6 Jahr­zehnte die Napoleonischen Kriege gegen Preußen vom Deutsch-Französi­schen Krieg 1870/71, während nur 4 Jahr­zehnte zwi­schen 1870 und dem 1.Weltkrieg mit sei­nem Beginn 1914 lagen. Jedoch unterschei­det sich der 1.Weltkrieg, der Krieg zwi­schen Frankreich und Deutsch­land sehr von all den Kriegen vorher. So konnte Marx die deut­schen Arbeiter dazu aufrufen, sich am Krieg von 1870 zu be­teiligen (siehe das 1.Manifest des General­rates der AIT), wo­bei er sich gleichzeitig auf dem Klassenbo­den der Arbei­terklasse befand, während die deutschen Sozi­aldemokraten, die die deut­schen Arbeiter 1914 zur nationalen Vertei­digung aufrie­fen, sich voll auf dem Boden der Bürgerli­chen be­fanden. Genau das ha­ben die Re­volutionäre wie Lenin oder Luxemburg fest in der Zeit gegen die Na­tionalchauvinisten verteidigt, die vorgaben, sich auf die Positionen von Marx im Jahre 1870 zu stützen. Die Position Mar­xens von 1870 war 1913 nicht mehr gültig, denn der Krieg hatte sein Wesen geändert und diese Änderung selbst leitete sich aus einer grundlegenden Änderung des Lebens der ge­samten kapitalistischen Produktionsweise ab.

Programme Communiste sagt übrigens nichts anderes als das, wenn es behauptet, daß die imperialistischen Kriege "als Hürde für die hi­storische Zukunft der Menschheit wirken, weil die imperialisti­sche Bour­geoisie und der Welt­kapitalismus keine fort­schrittliche Rolle mehr spielen, sondern im Gegenteil zu einem Hin­dernis für die allge­meine Entwicklung der Ge­sellschaft gewor­den sind". Ein Zitat von Bor­diga aufgrei­fend meint die IKP: "Die imperia­listischen Welt­kriege beweisen, daß die Zer­fallskrise des Kapitalismus auf Grund der Öff­nung der Periode unver­meidbar ist, wo seine Aus­dehnung nicht zu einer Erhöhung, zu ei­ner Stärkung der Produktivkräfte führt, sondern die Akku­mulation von einer noch größeren Zerstö­rung abhängig macht. (PC Nr.90 S.25) Aber weil die IKP in den alten bordi­gistischen Dogmen verfangen ist, ist sie un­fähig, die logische Konsequenz vom Standpunkt des historischen Materialismus aus zu ziehen. Die Tatsache, daß der Welt­kapitalismus zu einem Hindernis für die all­gemeine Entwicklung der Gesellschaft ge­worden ist, bedeutet ganz ein­fach, daß diese Produktionsform in ihre Nie­dergangsphase eingetreten ist. Als Lenin oder Luxemburg 1914 diese Feststellung trafen, hatten sie diese Idee nicht einfach erfunden, sondern sie wandten nur gewis­senhaft die marxisti­sche Theorie auf das Verständnis der histo­rischen Tatsachen der damaligen Epoche an. Die IKP, wie alle anderen IKP's, wel­che der bordigistischen Strömung angehö­ren, be­ruft sich auf den Marxismus. Das ist eine gute Sache. Heute können nur die Or­ganisationen, die ihre programmatischen Positionen auf die Lehre des Marxismus stützen, behaupten, die revolutionäre Per­spektive des Proleta­riats zu vertreten. Aber leider beweist die IKP, daß sie diese Me­thode falsch verstan­den hat. Insbe­sondere verwendet die IKP gerne den Begriff dia­lektisch, aber sie zeigt uns genau wie der Unwissende, der durch die Verwendung von vielen gebil­deten Worten Eindruck schinden will, in Wirklichkeit nur, daß er nicht weiß, wovon er spricht.

Z.B. kann man von der IKP hinsichtlich des Wesens der Krisen folgendes lesen: "Die Zehnjahreskrisen des jungen Kapita­lismus hatten nur geringe Auswirkungen. Sie wa­ren mehr geprägt durch die Krisen des internatio­nalen Handels als durch die Kri­sen im Indu­striebereich. Sie erfaßten nicht die industriel­len Produktionsstruktu­ren. Es handelte sich um die Krisen der Arbeitslo­sigkeit, d.h. Fir­menschließungen, Zusam­menbruch von Indu­strien. Die mo­dernen Krisen dagegen sind Krisen, in denen das ganze System auseinan­derbricht, und wo später das System nach­her unter großen Schwierigkeiten seine unter­schiedlichen Strukturen wieder auf­bauen muß" (PC Nr.90 S.28). Dann folgt eine Reihe von Statistiken, die das große Ausmaß der Kri­sen im 20.Jahrhundert. belegen, und deren Ausmaß weit über das der Krisen im letzten Jahr­hundert hinaus­reicht. Weil die IKP nicht sieht, daß der Unterschied des Aus­maßes zwischen die­sen beiden Arten von Krisen nicht nur einen grundlegenden Un­terschied zwischen den Kri­sen selbst ans Tageslicht bringt, sondern die unterschied­liche Le­bensform des Systems selbst wider­spiegelt, verwirft die IKP ein Grundlagen­element des dialek­tischen Marxis­mus. Die Umwandlung der Quantität in Qua­lität. Für die IKP ist der Unterschied zwischen den beiden Krisen­formen ausschließlich ein quantitativer, und er betrifft nicht die grundle­genden Mecha­nismen der Krisen selber. Dies zeigt die IKP, wenn sie schreibt: "Im letzten Jahr­hundert gab es sechs Weltwirtschaftskri­sen 1836, 1848, 1856, 1883, 1886 und 1894. Die Zyklus­dauer dieser Krisen betrug Marx zufolge zehn Jahre. Diesem jugendlichen Rhythmus folgte in der Zeit von Anfang die­ses Jahr­hunderts bis zum Ausbruch des 2.Weltkriegs eine schnellere Reihenfolge von Krisen. 1901, 1908, 1914, 1920, 1929. Dem stark gewachsenen Kapitalis­mus ging eine Steige­rung der organischen Zusam­mensetzung des Kapitals ein­her...,was zu einer wachsen­den Akkumu­lationsrate führte. Aus dem Grunde fiel die Durchschnittsdauer dieses Zy­klus auf sie­ben Jahre" (PC Nr.90 S.27). Die­ses Re­chenbeispiel der Dauer des Zyklus be­weist, daß die IKP die wirtschaft­lichen Er­schütterungen des letzten Jahrhun­derts auf die gleiche Ebene stellt wie die dieses Jahrhun­derts, ohne jedoch zu begrei­fen, daß das We­sen der Zyklen selbst sich grundlegend geän­dert hat. Blind geworden durch die Gefolg­schaft gegenüber den heili­gen Worten Bordi­gas, sieht die IKP nicht den Aussagen Trotzkis zufolge, daß die Krisen des vorigen Jahrhun­derts ein nor­males Herzschlagen des Kapita­lismus wa­ren, während die Krisen des 20.Jahrhundert. das Rö­cheln des mit dem Tode ringenden Ka­pitalismus sind.

Die gleiche Blindheit legt die IKP an den Tag, wenn sie die Verbindung zwischen Krise und Krieg aufzuzeigen versucht. Sehr systematisch und sehr breit aus­schweifend, weil in Erman­gelung einer wirklichen theo­retischen Strenge (wir kommen später dar­auf zurück), versucht die IKP aufzuzeigen, daß in der gegenwär­tigen Phase die kapita­listische Krise notwendiger­weise zum Welt­krieg führt. Dies ist eine sehr lobenswerte Sorge, denn damit bemüht sich die IKP all die illusori­schen Reden der Pazifi­sten zu entblößen. Der IKP kommt es jedoch nicht in den Sinn zu fragen, ob die Tatsache, daß die Krisen des 19.Jahrhundertrh. nicht zu ei­nem Weltkrieg führten und auch nicht zu jeweils lokalen Kriegen, nicht auf einen grundlegen­den Unterschied gegenüber den Krisen im 20.Jahrhundert. zurückzuführen sind. Hier liefert uns die IKP einen sehr armseligen Marxismus. Hier geht es nicht nur um ein mangelndes Verständnis des Begriffes Dia­lektik, sondern es handelt sich um eine Weigerung oder zu­mindest um eine Unfä­higkeit tief zu untersu­chen und über eine Fixierung über eine offen­sichtliche Ähn­lichkeit hinauszugehen, die zwi­schen den Wirtschaftszyklen früher und heute be­steht, um die bestimmenden Hauptphäno­mene der kapitalistischen Pro­duktionsweise zu be­stimmen.

So erweist sich die IKP als unfähig, bei ei­ner so wesentlichen Frage wie dem imperialisti­schen Krieg zufriedenstellend die marxistische Theorie anzuwenden, um den grundlegenden Unterschied zwischen der aufsteigenden und der niedergehenden Phase des Kapitalismus aufzuzeigen. Und die traurige Verdeutlichung dieser Unfähig­keit zeigt sich dadurch, daß die IKP den Kriegen der jetzigen Periode eine ähnliche wirtschaftliche Rationalität zuzuord­nen ver­sucht, wie sie die Kriege im letzten Jahr­hundert haben konnten.

RATIONALITÄT UND IRRATIONALI­TÄT DES KRIEGES

In unserer Internationalen Revue haben wir zahlreiche Artikel zur Irrationalität des Kriegs in der Niedergangsphase des Kapi­talismus veröffentlicht.(5) Unsere Position ist keinesfalls eine Entdeckung unserer Organisa­tion. Sie stützt sich auf die grund­legenden Er­rungenschaften des Marxismus seit Anfang die­ses Jahrhunderts, besonders auf die Errungen­schaften, die Lenin und Rosa Luxemburg ent­wickelt haben. Diese Errungenschaften wur­den sehr klar 1945 von der Gauche Communi­ste de France in Auseinandersetzung mit der revisionisti­schen Theorie entfaltet, welche Vercesi am Vorabend des 2.Weltkriegs ent­wickelt hatte, und die  seine Organisation, die Ita­lienische Fraktion der kommunistischen Linken, zu einer vollständigen Lähmung zum Zeitpunkt des Ausbruchs des imperia­listischen Kon­fliktes geführt hatte.

"Zur Zeit des aufsteigenden Kapitalismus drückten ... die Kriege den aufsteigenden Weg der Gärung, Erweiterung und Ausdeh­nung des kapitalistischen Wirt­schaftssystems aus... Die Aufwendungen für jeden Krieg wurden durch die Eröff­nung neuer Ausdeh­nungsfelder gerechtfer­tigt, womit eine grö­ßere kapitalistische Produktion gewährlei­stet war. .. Der Krieg war unerläßlich für den Kapitalismus, um seine weitere Ent­wicklung zu einem Zeit­punkt zu gestatten, wo dies nur durch Ge­walt möglich war. Ebenso führt der Zu­sammenbruch der ka­pitalistischen Welt, der die Unmöglichkeit weiterer Entwick­lung verdeutlicht, zum im­perialistischen Krieg. Dieser wird dann der Ausdruck die­ses Zusammenbruchs. Der Krieg ermög­licht dann keine weitere Aus­dehnung der Produktion, sondern führt nur zur Zerstö­rung der Produktivkräfte und zum Aufhäu­fen einer Ruine nach der anderen" (aus: "Bericht zur Internatio­nalen Lage", Juli 1945, GCG, in International Review; Nr. 59).

Die Unterscheidung zwischen den Kriegen dieses Jahrhunderts und denen des vorigen Jahrhunderts wird auch von der IKP, wie wir oben gesehen haben, vorgenommen. Jedoch zieht die IKP daraus nicht die Kon­sequenzen, sondern, nachdem sie einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat, geht sie zwei Schritte zurück, indem sie eine wirtschaftliche Rationalität der Kriege dieses Jahrhun­derts sucht. Die IKP versucht diese Rationali­tät, "die grund­sätzliche Ver­deutlichung der öko­nomischen Faktoren, die die Staaten in den Krieg treiben," (PC Nr.92, S.54) in den Zita­ten von Marx zu finden, der schrieb, daß eine periodische Zerstörung von Kapital zu einer notwendigen Bedingung geworden ist... Aus dieser Sicht betrachtet sind all diese furchtbaren Greuel, die wir mit soviel Angst und Sorge erwarten, wahrscheinlich das einzige natürliche und notwendige Korrektiv eines exzessiven und übertriebenen Überflusses, die Kraft, mittels der das gegenwärtige Gesellschaftssystem sich von Zeit zu Zeit von einer ständig wachsenden überschüssigen Warenmasse befreit, die seine Existenz bedroht und somit die Rückkehr zu einer festen und gesunden Zustand ermöglicht.

Die Zerstörung des Kapitals, die Marx hier erwähnt, wird durch die zyklischen Krisen der damaligen Zeit hervorgerufen (nicht durch den Krieg). Gerade weil damals die Krisen der Herzschlag des kapitalistischen Systems waren (obgleich sie damals schon die historischen Grenzen aufzeigten). An vielen Stellen seiner Arbeiten zeigte Marx, daß die Art und Weise, wie der Kapitalis­mus seine Krisen überwindet, nicht nur in einer Entwertung des zeitweise überschüs­sigen Kapitals besteht, sondern auch und vor allem in der Eroberung neuer Märkte und insbesondere in Gebieten außerhalb der kapitalistischen Produktionsverhält­nisse.(6) Und da der Weltmarkt nicht als grenzenlos angesehen werden kann, weil die außerkapita­listischen Märkte nur ab­nehmen können, bis sie vollständig ver­schwinden, weil das Kapital den ganzen Erdball seinen Gesetzen unter­wirft, wird der Kapitalismus in immer stärke­re und katastrophalere Er­schütterungen ge­trieben. Diese Idee wurde viel systematischer von Rosa Luxemburg in ihrem Werk "Die Ak­kumulation des Kapi­tals" entwickelt, aber sie hat sie keines­wegs, wie einige Unwis­sende behaupten, erfunden. Diese Idee er­scheint üb­rigens auch zwischen den Zeilen in bestimm­ten Abschnitten des Textes der IKP. Aber wenn sie Rosa Luxemburg er­wähnt, tut sie das nicht, um sich auf ihre außergewöhnlichen theore­tischen Ausfüh­rungen zu stützen, die mit der größten Klarheit die Krisenmechanis­men des Ka­pitalismus erklä­ren, insbesondere warum die Gesetze des Systems es historisch schei­tern lassen, son­dern die IKP erwähnt Rosa Luxemburg nur, um sich auf die um­strittene Idee zu stützen, die in der 'Akkumulation des Kapitals' vor­handen ist. Es dreht sich hier um die These, derzu­folge der Militarismus ein Akkumula­tionsfeld sein könnte, der teilweise die öko­nomischen Wi­dersprüche des  Kapita­lismus erleichtert. (PC Nr.91, S.31-33) Gerade in diese Idee hatte sich Vercesi Ende der 30er Jahre verlaufen, woraus er die Schlußfolge­rung zog, daß die gewaltige Entwicklung der Rüstungsproduk­tion von 1933 an eine Wieder­ankurbelung der ka­pitalistischen Produktion ermöglichen würde, und damit die Perspektive eines Welt­kriegs immer weiter aufheben könnte. Wenn jedoch die IKP eine systemati­sche Erklärung des Kri­senmechanismus liefern will, um die vor­handene Beziehung zwi­schen der Krise und dem imperialistischen Krieg aufzuzeigen, entfaltet sie eine ein­seitige Auf­fassung, die sich hauptsächlich auf das Gesetz des tenden­ziellen Falls der Profitrate stützt: "Seitdem die bürgerliche Produktionsweise zur vorherr­schenden geworden ist, ist der Krieg auf de­terministische Art und Weise eng ver­bunden mit dem Gesetz, das Marx über die durch­schnittliche Profitrate erar­beitet hatte, welches die Tendenz des Kapi­talismus hin zur Endka­tastrophe ist." (PC Nr.90 S.23) Dem folgt eine Zusammenfas­sung, die PC aus Bor­diga, Dia­log mit Sta­lin, übernommen hat. Den Thesen Mar­xens zufolge bringt die ständige An­hebung des Wertes der Waren (aufgrund des stän­digen Fortschritts der Produktions­techniken) nämlich des Anteils, der den Ma­schinen und den Rohstoffen gegenüber dem Anteil der Lohnarbeit zugeordnet werden kann, eine historischen Tendenz des Falls der Profitrate mit sich, solange nur die Ar­beit des Arbeiters dazu in der Lage ist, Profit zu produzieren (mehr Wert zu produzieren als sie den Unternehmer kostet).

Wir müssen darauf hinweisen, daß die IKP  (und Bordiga, den PC aus­führlich in ihrer Analyse zitiert) die Frage der Märkte nicht außer acht läßt. Und die Tatsa­che, daß der imperialistische Krieg die Folge der Konkur­renz zwischen kapitalistischen Staa­ten ist.

"Die geometrische Progression der Produk­tion verlangt vom nationalen Kapi­tal zu ex­portieren, auf den äußeren Märk­ten ent­sprechende Absatzmöglichkeiten für seine Pro­duktion zu erobern. Und da jeder natio­nale Akkumulationspol den gleichen Regeln unter­worfen ist, ist der Krieg zwi­schen kapitalisti­schen Staaten unvermeid­lich. Von den Wirt­schafts- und Handels­kriegen, den Finanzkon­flikten, den Kämp­fen um Roh­stoffe und den politischen und diplomati­schen Zusammenstö­ßen, die dar­aus hervor­gehen, kommen wir schließlich zum offenen Krieg. Der latente Konflikt zwischen Staaten bricht zunächst in Gestalt militärischer Konflikte auf, die auf be­stimmte geographi­sche Zonen beschränkt sind, von örtlichen Kriegen, in denen die Groß­mächte nicht di­rekt aufeinanderpral­len, son­dern durch Stellvertreter; aber er mündet schließlich in einen generalisierten Krieg, d.h. den di­rekten Zusammenprall der großen staat­lichen Einheiten des Impe­rialismus, wobei sie alle gegeneinander getrieben werden aufgrund ihrer inneren Widersprüche. Und alle kleine­ren Staaten werden in diesen Konflikt mit hin­eingezogen, dessen Schlachtplatz sich not­wendigerweise auf den ganzen Planeten aus­dehnt. Akkumulation, Krisen, örtliche Kriege, Weltkrieg." (PC Nr.90 S.26)

Mit dieser Ana­lyse kann man einverstan­den sein, denn sie untermauert nur das, was die Marxisten seit dem 1.Weltkrieg behauptet ha­ben. Die Sache bekommt je­doch da einen Ha­ken, wo die Su­che nach äußeren Märk­ten von der IKP nur als eine Folge des ten­denziellen Falls der Pro­fitrate angesehen wird, während der Kapita­lismus als Ganzes ständig Märkte außerhalb sei­ner eigenen Produktionssphäre benötigt, wie es von Rosa Luxemburg unter Beweis ge­stellt wurde. Er benötigt diese näm­lich, um den Teil des Mehrwertes zu realisie­ren, der dazu dient, in einem späteren Zy­klus vom Ka­pital mit dem Ziel der Akku­mulation wieder investiert zu werden. Von dieser ein­seitigen Betrachtungsweise aus­gehend, ordnet PC dem imperialistischen Weltkrieg eine ge­naue öko­nomische Funk­tion zu. Es meint, es gäbe eine wirkliche Rationalität in der Funkti­onsweise des Ka­pitalismus:

unklar.....

"Die Krise hat ihren Ur­sprung in der Unmög­lichkeit der Fortsetzung der Akku­mulation. Dies äußert sich, wenn das Wachstum der Produktionsmasse es nicht mehr schafft, den Fall der Profitrate aus­zugleichen. Die Masse der gesamten Mehrar­beit reicht nicht mehr, dem vorge­schossenen Kapital Profit zu garan­tieren, und um die Be­dingungen für die Renta­bilität der Investitio­nen zu schaffen. Durch die Zerstörung des konstanten Kapitals (tote Ar­beit) in großem Maßstab spielt der Krieg eine wirt­schaftlich wesentliche Rolle: Dank der schrecklichen Zerstörungen des Produktions­apparates ermöglicht der Krieg eine gewaltige zukünftige Ausdeh­nung zur  Ersetzung der zerstörten Anal­gen, also eine paral­lele Ausdehnung des Profits, des ge­samten Mehr­wertes, d.h. der Mehrar­beit....Die Bedingun­gen für den Wiederauf­schwung des Akkumu­lationsprozesses sind somit herge­stellt. Der Wirtschaftskreislauf fängt von neuem an...Das weltweite kapita­listische System tritt veraltet in den Krieg ein, aber ver­jüngt sich in dem Blut­bad, durch das es eine neue Jugend erhält, ins­gesamt geht es daraus mit der Vitalität ei­nes kräftigen Neu­geborenen hervor." (PC Nr.90 S.24)

Die These von PC ist nicht neu. Sie wurde von Grossmann aufgebracht und syste­matisch in den 20er Jahren entwickelt, nach ihm wurde sie von Mattick, einem Theore­tiker der rätekommunistischen Be­wegung, wieder auf­gegriffen. Sie kann ganz einfach in den fol­genden Begriffen zusammengefaßt werden: Durch die Zer­störung des kon­stanten Kapitals läßt der Krieg die organi­sche Zusammenset­zung des Kapitals sinken und ermöglicht somit eine Erhöhung der Profitrate. Jedoch wurde nie bewiesen, daß während des Wiederauf­schwungs nach den Weltkriegen die organi­sche Zusammenset­zung des Ka­pitals niedriger war als vor dem jeweiligen Welt­krieg. Das Gegenteil ist meistens der Fall. Wenn wir z.B. den 2.Weltkrieg neh­men, ist es klar, daß in den vom Krieg zerstörten Ländern die durch­schnittliche Produktivität der Arbeit und damit das Verhältnis zwischen konstantem und vari­ablen Kapital sehr schnell, Anfang der 50er Jahre, das Niveau von 1939 er­reicht hatte. Tatsächlich waren die nach dem Krieg erbau­ten Produktionsanlagen sehr viel moder­ner als die durch den Krieg zer­störten Anla­gen. PC stellt dies übrigens selbst fest, denn es erklärt dies gerade als eine der Ursachen für den Nachkriegs­boom:

"Die Kriegswirt­schaft übermittelt dem Kapita­lismus u.a. sowohl den technischen und wissenschaftli­chen Fortschritt, der von der Rüstungsindu­strie erzielt wurde, als auch die Industrieanla­gen, welche für die Rüstungspro­duktion auf­gebaut wurden. Diese wurden in der Tat nicht alle durch die Bombardierungen zerstört -, und auch nicht wie im Falle Deutschlands durch die De­montage der Alli­ierten...Die großflä­chige Zerstörung von Aus­rüstungen, Anla­gen, Gebäuden, Transport­mitteln usw., der Zu­fluß von Produktions­mitteln auf ei­ner hohen Stufe der technologi­schen Zusam­mensetzung, die aus der Rü­stungsindustrie stammt,... all das legte die Grundlagen für das Wirtschaftswunder." (PC Nr.92 S.38)

Was die USA angeht, war die organische Zu­sammensetzung ihres Kapitals, da es keine Zerstörungen auf dem Boden der USA gege­ben hat, 1945 höher als die von 1939. Jedoch war die Wohlstandsphase, die mit der Wiederaufbauphase einherging, län­ger. Tatsächlich dau­erte sie bis Mitte der 60er Jahre, als der Zeit­punkt des Wieder­aufbaus der Produktionsan­lagen aus der Vorkriegs­zeit wieder erreicht war, wodurch das frü­here Niveau der organi­schen Zusam­mensetzung wieder­hergestellt war.(7)

Da wir schon sehr viele Texte als Kritik an den Auffassungen von Grossmann, Mattick verfaßt haben, auf die sich die IKP in der Tra­dition Bordigas stützt, wollen wir hier nicht weiter darauf eingehen. Jedoch ist es wichtig, die theoretischen Fehler überhaupt aufzuzei­gen, zu denen die Auffassungen Bor­digas, die die IKP jetzt wieder auf­greift, füh­ren.

DIE FEHLER DER AUFFASSUNG DER IKP

Die Hauptsorge der IKP ist vollkommen rich­tig: Die Unvermeidbarkeit des Krieges aufzu­zeigen, insbesondere will sie die Auf­fassung vom Superimperialismus, die insbe­sondere von Kautsky während des 1.Weltkrieges ent­wickelt wurde, verwer­fen. Dieser Auffassung  zufolge könnten sich nämlich die Großmächte einigen, um eine gemeinsame und friedliche Weltherr­schaft zu errichten. Diese Auffassung war natür­lich eine der Lügen der Pazifisten, die dar­auf abzielte, den Arbeitern einzutrich­tern, daß es möglich wäre, den Krieg zu Ende zu bringen, ohne den Kapitalismus zu zerstö­ren. Um dieser Auffassung entgegenzutre­ten, liefert die IKP das fol­gende Argument:

"Ein Superimperialismus ist unmöglich. Wenn aus außergewöhnlichen Gründen der Imperialis­mus es schaffen sollte, Konflikte zwi­schen den Staaten abzuschaffen, wür­den seine inneren Widersprüche ihn dazu zwin­gen, er­neut in na­tionale, miteinander kon­kurrierende Akkumu­lationspole auseinan­derzubrechen und damit in staat­liche Blöcke, die miteinander in Kon­flikt stehen. Die Notwendigkeit, gewaltige Mas­sen toter Arbeit zu zerstören, kann nicht al­lein durch Naturkatastrophen erfüllt werden. (PC Nr.90 S.26).

Kurzum die grundlegende Funktion der impe­rialistischen Blöcke oder der Tendenz hin zu ihrer Bildung besteht darin, Bedin­gungen zu schaffen für massive Zerstörun­gen. Wenn man diese Auffassung vertritt, versteht man jedoch nicht, warum die ka­pitalistischen Staaten sich gerade nicht unter­einander verständigen könnten, um  -wenn not­wendig-  solche Zer­störungen her­beizuführen, die eine Erhöhung der Pro­fitrate und der Pro­duktion wieder er­möglichen würden. Sie ver­fügen über ausrei­chende Mittel, um solche Zerstörun­gen her­beizuführen, wobei sie durchaus die Kontrolle über die Zerstörungen aufrechter­halten kön­nen und ihre jeweili­gen Interes­sen dabei am besten verteidi­gen. Was PC hier nicht berück­sichtigen will, ist, daß die Spaltung in impe­rialistische Blöcke das logi­sche Ergebnis der Konkurrenz zwischen den verschie­denen na­tionalen Teilen des Kapita­lismus ist. Es han­delt sich um eine Konkur­renz, die der We­senskern dieses Sy­stems sel­ber ist und die sich zuspitzt, wenn die Krise in ihrer ganzen Ge­walt zuschlägt. Deshalb rührt die Bildung von imperialisti­schen Blöcken keineswegs aus ei­ner Ten­denz, auch wenn sie noch unabge­schlossen ist, hin zur Vereinigung kapitalisti­scher Staa­ten, sondern sie ist das Er­gebnis der Not­wendigkeit der Bildung von Militärbünd­nissen, weil kein Staat allein in einen Krieg gegen alle anderen eintreten kann. Das Wich­tigste bei der Bildung von Blöcken ist nicht die Konvergenz von Inter­essen, die zwischen ver­schiedenen verbün­deten Staaten bestehen kön­nen, d.h.  eine Kon­vergenz, die infra­gegestellt werden kann, wie sie die Bündnis­wechsel während des 20.Jahrhunderts mehr­fach bewie­sen ha­ben. Wichtig ist vielmehr der grundle­gende Wi­derspruch zwischen den Blöcken, der der höchste Ausdruck der unüberwindba­ren Rivalitäten zwischen allen Nationalstaaten ist. Deshalb ist die Auffassung, es könnte einen Superimperialismus geben, logisch wi­dersinnig.

Weil die IKP schwache bzw. leicht widerleg­bare Argumente benutzt, fußt die Verwerfung der Auffassung vom Superim­perialismus bei der IKP auf schwachen Bei­nen. Dadurch wird der Kampf gegen die Lügen der herrschenden Klasse abge­schwächt. Dies wird offensichtlich anhand des nächsten Teils des Zitates. "Die Men­schenmassen und der Wille der Menschen müssen die Sachen ändern, die gegeneinan­der gerichtet sind, die einge­setzt werden, um ihre und andere Intelli­genzen zu ver­nichten." Hier können wir sehen, wie schwach die Argu­mentation der IKP ist. Of­fen gesagt: in Anbe­tracht all der Mittel, über die heute die kapitali­stischen Staaten verfügen, insbeson­dere die Atom­waffen, warum wäre da der Menschen­wille und vor allem die Menschen­massen un­abdingbar, um einen ausreichenden Grad der Zerstö­rung herbeizuführen, unter der Voraus­setzung, daß dies, wie die IKP meint, die wirt­schaftliche Funktion des impe­rialistischen Krieges wäre.

Schließlich bezahlt die bordigistische Strö­mung mit schwerwiegenden theoretischen und politischen Fehlern die Schwäche der Ana­lyse, auf die sich ihre Position zum imperiali­stischen Krieg und zu den Blöc­ken stützt. In­dem sie auf der einen Seite den Begriff des Su­perimperialismus zur Tür hinausjagen will, läßt sie mit dem Be­griff eines russisch-ame­rikanischen Kondomini­ums den Begriff des Superimpe­rialismus wieder zum Fenster her­ein. "Der 2.Weltkrieg hat ein Gleichge­wicht hervor­gebracht, das durch die Formel "russisch-amerikanisches Kondominium" rich­tig be­schrieben wird...Wenn bislang der Frie­den in den imperialistischen Metropolen re­giert hat, dann vor allem auf Grund der Vor­herrschaft der USA und der UdSSR." (PC Nr.91 S.47) "Tatsächlich spiegelte der kalte Krieg deutlich die Sicherheit der bei­den Sieger­mächte des Konfliktes des Welt­krieges und die Stabilität der in Jalta fest­gelegten Gleichge­wichte wider; dies ent­sprach den Bedürfnis­sen der ideologischen Mobilisie­rung und der Kontrolle der so­zialen Span­nungen, die inner­halb der Blöcke existier­ten. Der neue kalte Krieg, der an die Stelle der Entspannung in der zweiten Hälfte der 70er Jahre trat, spie­gelte das Erfordernis der Kontrolle der Wider­sprüche nicht (noch nicht) zwischen den Klas­sen wider, sondern der Wider­sprüche zwi­schen den Staaten, die immer mehr Schwie­rigkeiten hatten, die al­ten Bündnissysteme zu ertragen. Die russi­sche und amerikanische Reaktion auf den wach­senden Druck bestand darin, die poli­tische Aggressivität ihrer Ver­bündeten in die Richtung des feindlichen La­gers zu len­ken" (PC, Nr.92, S. 47)..

Kurzum der erste kalte Krieg hatte ihnen zu­folge eigentlich nur einen ideologischen Hin­tergrund: die Widersprüche zwischen den Klassen im Griff zu halten. Hier wird wirklich die Welt auf den Kopf gestellt: Wenn es nach dem 1.Weltkrieg in der Tat eine Ab­schwächung der imperialistischen Spannungen gab und gleichzeitig eine Ab­schwächung der Kriegs­wirtschaft, dann ge­schah dies deshalb, weil die Bourgeoisie sich hauptsächlich damit befassen mußte, der revolutionären Welle von Kämpfen, die 1917 angefangen hatte, entge­genzutreten. Sie mußte eine gemeinsame Front gegen die Gefahr aufbauen, die vom tödlichen Feind aller Teile der Bour­geoisie, nämlich dem Proletariat,  ausging. Während dagegen der 2.Weltkrieg sofort in die Entfaltung und Eskalation imperiali­stischer Widersprüche zwischen den bei­den Hauptsiegermächten mündete, wobei die Kriegswirtschaft auf ei­nem sehr ho­hen Niveau aufrechterhalten wurde. Hier liegt die Erklärung darin, daß die Gefahr, die von der Ar­beiterklasse aus­ging, welche von der Konter­revolution ge­schwächt wor­den war, vollstän­dig während des Krieges und unmittelbar nach dem Krieg aus der Welt geschafft wor­den war. Die Bour­geoisie hatte aus ihrer eige­nen hi­storischen Erfahrung ge­lernt. Folgt man der Auffas­sung von PC, war der Koreakrieg, der In­dochinakrieg und später auch der Viet­namkrieg, und lassen wir all die Kriege im Nahen/Mittleren Osten außer acht, wo sich Israel, das fest von den USA unter­stützt wurde, und die arabischen Staaten, die massiv Waffenlieferungen von der UdSSR be­kamen, aufeinanderprallten, und spre­chen wir nicht von den Dutzenden von Kriegen bis hin zum Krieg in Afghanistan 1980, die bis Ende der 80er Jahre dauer­ten, dann hatten all diese Kriege nichts mit ei­nem grundlegenden Wider­spruch zwi­schen den beiden großen imperiali­stischen Mon­stern zu tun, sondern waren nur ir­gendein Bluff, oder sie entsprachen nur einfachen ideologi­schen Kampagnen gegen die Arbeiter­klasse oder vielleicht sogar der Not­wendigkeit, daß jede der Supermächte in ih­rem Herrschaftsbereich ihre Vorherr­schaft aufrechterhalten wollte.

Darüber hinaus wird dieser Idee von PC selbst widersprochen, denn der Entspan­nung zwi­schen den beiden Blöcken am Ende der 50er bis Mitte der 70er Jahre schreibt PC die glei­che Funktion zu wie dem kalten Krieg. "Tatsächlich war die Entspannung nur die Antwort der beiden Supermächte auf die Bruchli­nien, die im­mer offensichtlicher in ih­ren Ein­flußbereichen auftraten. Die Entspan­nung be­deutete, daß Moskau und Washington starken Druck auf ihre Verbündeten aus­übten, um ihre zentri­fugalen Bestrebungen einzu­dämmen." (PC Nr.92 S.43)

Es stimmt, daß die Kommunisten nie das für bare Münze nehmen dürfen, was die Bourgeoisie und ihre Historiker sagen. Aber zu behaupten,  daß bei den meisten Kriegen (mehr als 100), die von 1945 bis Ende der 80er Jahre die Welt erschüttert haben, nicht die Großmächte ihre Finger im Spiel hatten, bedeutet die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Gleich­zeitig heißt das, das in Frage zu stellen, was die IKP selbst richtigerweise sagt: "Der latente Konflikt zwischen Staaten bricht zunächst auf in Gestalt von be­grenzten militärischen Konflikten, die zunächst auf bestimmte geo­graphische Ge­biete lokal begrenzt bleiben, in denen die Großmächte nicht direkt zu­sammenprallen, sondern deren Stellvertreter". Die IKP kann immer den Widerspruch zwischen dem, was sie erzählt, und der Wirklichkeit oder die Unterschiede zwischen ihren ver­schiedenen Argumenten durch die "Dialektik" erklären. Damit beweist sie aber vor allem, daß theoretische Strenge nicht gerade ihre Stärke ist, und daß sie manchmal einfach irgendetwas erzählt, was nicht gerade bedeutet, daß sie den Lügen der herrschenden Klasse wirksam entgegentre­ten kann und das Bewußtsein des Proletari­ats verstärkt.

Genau hierum geht es, und all das erreicht die Stufe einer Karikatur, wenn die IKP sich auf einen Artikel von Bordiga aus dem Jahre 1950 stützt, um die Lügen des Pazi­fismus zu bekämpfen. In diesem Arti­kel stellt die IKP die Entwicklung der Stahlpro­duktion als das Hauptindiz und gar als einen Faktor dar, der die Entwicklung des Kapi­talismus selber widerspiegelt. "Der Krieg im Zeitraum des Kapitalismus, d.h. die schrecklichste Art von Kriegen, ist eine Krise, die unausweichlich durch die Not­wendigkeit hervorgerufen wird, den herge­stellten Stahl zu verbrauchen und für das Monopolrecht auf die zusätzliche Stahlpro­duktion zu kämpfen" ("Seine Ma­jestät der Stahl", Battaglia Comunista Nr. 18, 1950).

Immer noch von dem Willen getrieben, dem Krieg eine 'rationale' Begründung zu ge­ben, gibt die IKP zu verstehen, daß der im­perialistische Krieg nicht nur etwas Gutes für den Kapitalismus sei, sondern auch für die gesamte Menschheit  und da­mit auch für die Arbeiterklasse. "Die Ver­längerung des bürgerlichen Friedens über die durch den ökonomischen Zyklus bestimmten Grenzen hinaus, könnte, selbst wenn dies mög­lich wäre, nur zu noch schlimmeren Situa­tionen führen als der Krieg uns schon bie­tet". Dem folgt ein Zitat aus einem Artikel Bordigas, der einen Preis wert ist!

"Hören wir auf anzunehmen, daß es an­statt der beiden Weltkriege den bürgerli­chen in­dustriellen Frieden gegeben hätte. In unge­fähr 35 Jahren ist die Stahlproduk­tion ca. 20 mal gestiegen. Diese Stahlpro­duktion wäre 20mal höher gewesen als die 70 Mio.t von 1915, sie würden also heute (d.h. 1950) 1.400 Mio. t betragen. Aber all dieser Stahl kann nicht gegessen, ver­braucht, nicht zerstört werden, sondern dient nur den Massakern der Völker. Die 2 Mrd. Men­schen wiegen ca. 140 Mio. Ton­nen. Sie würden innerhalb eines einzigen Jahres 10 mal mehr Stahl produzieren als ihr ei­genes Ge­wicht. Die Götter be­straften Midas, indem sie ihn in eine Masse Gold verwandelten - das Ka­pital würde die Menschen zu einer Masse Stahl, Erde, Wasser und Luft verwandeln, in der sie in einem Metallgefängnis lebten. Der bürgerliche Frieden bietet also noch bestia­lischere Perspektiven als der Krieg"

Hier befindet sich Bordiga schlechthin im Delirium, was diesem Revolutionär leider oft genug passierte. Aber anstatt sich ge­genüber diesen Ausführungen zu distanzie­ren, geht die IKP im Gegenteil noch weiter: "Vor allem wenn man davon ausgeht, daß der Boden, der in Stahlsärge umgewandelt worden wäre, ein Ort des Verfaulens wäre, wo überflüssige Waren und Menschen friedlich verfaulten. Seht ihr Pazifisten, was das Er­gebnis eurer "Rückkehr zur Vernunft" der Regierungen, ihre Hinwendung zur "Friedenskultur" bringen würde. Aber ge­nau deshalb handelt es sich nicht um Wahn­sinn, sondern um Vernunft - natürlich um die Vernunft der bürgerlichen Gesell­schaft, die alle Regierungen in den Krieg treibt - hin zum heilsamen und hygieni­schen Krieg" (PC, Nr. 92, S. 54).

Als Bordiga diese Zeilen schrieb, auf die sich die IKP beruft, verwarf er eine der grundlegenden Analysen des Marxismus. Der Kapitalismus produziert Waren. Und wer Waren sagt, spricht von der Möglich­keit ein Bedürfnis zu befriedigen, so per­vertiert dies auch sein mag, wie das Be­dürfnis nach Mordinstrumenten und Zerstö­rungsmitteln seitens der kapitalisti­schen Staaten. Wenn er Stahl in großen Mengen produziert, dann um zum großen Teil die Nachfrage des Staates nach Rü­stungsgütern zu befrie­digen. Aber diese Produktion kann nicht über die Nach­frage des Staates hinausge­hen: wenn die Stahlindustrie ihren Stahl nicht mehr an das Militär verkaufen kann, weil dies schon ausreichend Massen Stahl aufgekauft hat, werden die Stahlprodu­zenten ihre Produk­tion nicht lange fortset­zen können, bevor sie in Konkurs gehen, denn die Produktion fin­det keine Käufer mehr. Sie sind nicht wahn­sinnig. Bordiga jedoch ist schon ein wenig wahnsinnig, wenn er sich vorstellt, daß die Stahlpro­duktion endlos lange fortgesetzt werden könnte, ohne auf eine andere Grenze als die der Zerstörung durch den imperiali­stischen Krieg zu stoßen.

Es ist ein Glück für die IKP, daß das Lä­cherliche nicht tötet (und Bordiga ist ja auch nicht daran gestorben). Wahrschein­lich würden die Ausführungen der IKP und der dahinterstehenden sie inspirierenden Kraft auf ein großes Lachen in den Reihen der Arbeiter stoßen. Aber es ist deshalb umso bedauernswerter, daß die IKP solche Auf­fassungen vertritt. Indem sie sich auf stu­pide und lächerliche Argumente gegen den Pazifismus einläßt, stärkt sie nicht die Seite des Proletariats, sondern seines Geg­ners.

Die Sache hat jedoch auch eine gute Seite. Bei der Rechtfertigung der "Rationalität des Krieges" zerstört die IKP gleichzeitig die ganze Idee. Die IKP tritt nämlich für eine Per­spektive ein, bei der das Proleta­riat Gefahr läuft, gegenüber dem Krieg desorientiert, hilflos dazustehen, weil dadurch die Gefahr, wel­cher der Kapitalismus für die Menschheit bedeutet, unterschätzt wird. Dies wird deutlich in der folgenden Be­hauptung der IKP: "Daraus geht auch her­vor (aus dem Krieg als einem Ausdruck ei­ner "ökonomischen Vernunft"), daß der inter-imperialistische Kampf und der Zusammen­stoß zwischen rivalisierenden Mächten nie zur Zerstörung des Planeten führen kann, weil es sich nicht um exzes­sive imperialisti­sche Gier handelt, sondern um die Notwen­digkeit die Überproduktion zu überwinden. Wenn der Überschuß zer­stört ist, steht die Kriegsmaschinerie still, unabhängig von dem Zerstörungspotential der eingesetzten Waffen, denn gleichzeitig verschwinden auch die Kriegsursachen" (PC, Nr. 92, S. 55).

Wir werden in einem weiteren Artikel auf die dramatische Unterschätzung der impe­rialistischen Kriegsgefahr eingehen, zu der die IKP kommt, und insbesondere auf die politische Entwaffnung, die die politischen Aussagen dieser Organisation für die Ar­beiterklasse bedeuten.

FM,     aus International Review, Nr. 77, 2. Quartal 1994, Erstveröffentlichung auf deutsch in Internationale Revue Nr. 15, 1994