"Selbstverwaltung"

Leserbrief: Die Wirtschaftsordnung unter der Herrschaft der Arbeiterräte

Submitted by Weltrevolution on Son, 23/09/2007 - 14:59.

Leserbrief:

Ich interessiere mich für die rätekommunistische Wirtschaftsordnung. Wie sieht diese Wirtschaft genau aus? Ich habe schon gelesen, dass die Arbeiter die Betriebe enteignen und sie anschließend Durch Arbeiterräte selbst verwalten. Wer ist aber dann der Kapitaleigner? Der Staat oder alle Arbeiter zusammen (Verein)? Bei letzterem stellt sich noch die Frage: Was passiert, wenn ein Arbeiter ausscheidet und ein neuer in den Betrieb eintritt? In der Wirtschaft wird es schon allein zwecks der Dynamik immer nicht kapitalistische Selbstständige geben, die ihren Betrieb auch vergrößern wollen. Wie werden diese in die rätekommunistische Wirtschaftsordnung integriert, ohne dass neue Kapitalverhältnisse entstehen? Für diese Fragen finde ich einfach keine Antwort. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Ich freue mich auf Ihre baldige Antwort und danke Ihnen im Voraus.

 

 Antwort der IKS:

Leserbrief: Die Wirtschaftsordnung unter der Herrschaft der Arbeiterräte

Submitted by IKSonline on Fre, 07/09/2007 - 19:06.

Leserbrief:

Ich interessiere mich für die rätekommunistische Wirtschaftsordnung. Wie sieht diese Wirtschaft genau aus? Ich habe schon gelesen, dass die Arbeiter die Betriebe enteignen und sie anschließend Durch Arbeiterräte selbst verwalten. Wer ist aber dann der Kapitaleigner? Der Staat oder alle Arbeiter zusammen (Verein)? Bei letzterem stellt sich noch die Frage: Was passiert, wenn ein Arbeiter ausscheidet und ein neuer in den Betrieb eintritt? In der Wirtschaft wird es schon allein zwecks der Dynamik immer nicht kapitalistische Selbstständige geben, die ihren Betrieb auch vergrößern wollen. Wie werden diese in die rätekommunistische Wirtschaftsordnung integriert, ohne dass neue Kapitalverhältnisse entstehen? Für diese Fragen finde ich einfach keine Antwort. Ich hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Ich freue mich auf Ihre baldige Antwort und danke Ihnen im Voraus.

 Antwort der IKS:

Lieber Genosse,

vielen Dank für Deine E-Mail, die wir vor einigen Wochen bekommen haben. Entschuldige bitte unsere späte Antwort. Wir haben uns natürlich sehr gefreut, dass Du uns solch wichtigen und nicht einfachen Fragen stellst, auf die man auch keine Antworten aus dem Ärmel schütteln kann. Hier also nur der Beginn einer Antwort und hoffentlich der Beginn eines Austausches zwischen uns zu diesem und vielleicht anderen Themen. Bei unserer Antwort wollen wir vorneweg eine Unterscheidung hervorheben, auf die wir hier nicht ausführlicher eingehen wollen, die aber hilfreich ist, um Missverständnisse zu vermeiden. Wir unterscheiden drei Phasen auf dem Weg zum Kommunismus: Erstens der Bürgerkrieg: in dieser Phase kämpfen die Arbeiterklasse und die mit ihr verbündeten Klassen und Schichten gegen die Kapitalistenklasse; das Proletariat ist noch nicht im Besitz der Macht. Zweitens: nach erfolgreicher Machtergreifung und dem Sturz der Kapitalistenklasse beginnt die Übergangsperiode, die auch wiederum in verschiedene Phasen untergliedert wird. Während dieser können erste Maßnahmen durch die an die Macht gekommene Arbeiterklasse ergriffen werden. Wie der Name sagt, befindet sich alles im Fluss. Drittens der Aufbau des eigentlichen Kommunismus.

Chavez-Regierung in Venezuela: „Sozialismus im 21. Jahrhundert“ (Einleitung zur Diskussionsveranstaltung)

Submitted by IKSonline on Don, 24/05/2007 - 13:41.

Venezuela ist kein Land von internationaler Bedeutung und Macht wie die USA, Deutschland, Japan, Russland oder China.

Venezuela ist auch nicht einer der heutigen akuten kriegerischen Brandherde der Welt, wie der Irak oder Äthiopien.

Unsere heutige Diskussion will sich aber dennoch etwas genauer mit den Umständen in diesem Land befassen. Weshalb dies?


Die gegenwärtige Regierung in Venezuela unter Hugo Chavez verkörpert für viele Menschen, auch hier in Europa, ein internationales Sinnbild für eine neue Perspektive: das Projekt des „Sozialismus im 21. Jahrhundert“, die so genannte „Bolivarische Revolution“.

Kurz gesagt: Die Regierung in Venezuela sagt, sie führe ihr Land handfest und mit Taten „auf den Weg des Sozialismus“. Ein langsamer gesellschaftlicher Prozess sei ins Rollen gebracht worden, der die Kluft zwischen Arm und Reich stetig kleiner mache. Die Regierung um Hugo Chavez ist, verglichen mit anderen, die in der Vergangenheit von Sozialismus gesprochen haben, bescheiden: Sie behauptet nicht, wie die untergegangenen stalinistischen Bürokraten-Regimes des Ostblocks, dass der Sozialismus bereits verwirklicht sei, sondern dass „der Weg zum Sozialismus“ erst begonnen werde. Vermutlich sind wir uns einig: Der ehemalige Ostblock unter russischer Führung, der vor 18 Jahren in sich zusammenbrach, war nicht der „wirkliche Sozialismus“. Es ist kein Geheimnis, dass es dort eine gehobene Klasse der Staatsbürokratie gab, die ein besseres Leben führte als die einfachen Leute, die schufteten. Der Ostblock steckte ja auch alle Ressourcen in die militärische Rüstung und führte permanent irgendwo Kriege. Als der Ostblock 1989 kollabierte, schien für viele das Kapitel „Sozialismus“ abgeschlossen zu sein. Die Geschichte habe gezeigt, dass der edle Gedanke einer gerechten Gesellschaft leider nicht in die Wirklichkeit umzusetzen sei. Auch wenn viele Menschen den Ostblock richtigerweise nicht als einen „wirklichen Sozialismus“ betrachteten, so zerbrach für sie 1989 doch eine Hoffnung. Andere Regime, die sich „sozialistisch“ nennen, haben diese Zeit überlebt: Nordkorea oder Kuba. Doch diese Länder können uns ja auch kaum als Leitbilder des Sozialismus zu überzeugen. Sie sind Staaten einer immer größeren Armut, wo eine Clique von greisen Bürokraten wie Könige die Macht ausübt. Wer dort über die Gesellschaft bestimmt, dazu hat die einfache Bevölkerung nichts zu sagen.

Spanien 1936: Der Mythos der anarchistischen Kollektive

Submitted by InternationaleRevue on Fre, 09/02/2007 - 17:39.
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Die spanischen Kollektive aus dem Jahr 1936 wurden von den Anarchisten als das perfekte Modell der Revolution dargestellt. Ihrer Auffassung gemäß ermöglichten die Kollektive die Arbeiterselbstverwaltung der Industrie, bedeuteten die Abschaffung der Bürokratie, steigerten die Arbeitsleistung und als "Wunder aller Wunder" waren sie "das Werk der Arbeiter selbst" - "stets von den Libertären geführt und geleitet" (so die Beschreibung durch Gaston Leval, unnachgiebiger Verteidiger des Anarchismus' und der CNT).

Aber die Anarchisten sind nicht die einzigen, die uns das "Paradies" der Kollektive anpreisen. Heribert Barrera1936 katalonischer Republikaner, heute Parlamentsabgeordneter im Cortes - lobt sie als "ein Beispiel der sozialen Markt= wirtschaft, die die Freiheit und die menschliche Initiative respektierten" (!!!),während uns die Trotzkisten der POUM erzählen, daß "das Werk der Kollektive der spanischen Revolution im Vergleich zu der russischen Revolution einen viel tiefgreifenderen Charakter verliehen hatte". G. Munis und die Genossen des FOR (Fomente Obrero Revolucionario) machen sich Illusionen über den "revolutionären" und "tiefgreifenden" Charakter der Kollektive.

Zwischenbilanz im Kampf bei Swissmetal in Reconvilier: Welche Lehren für die Arbeiterklasse insgesamt?

Submitted by IKSonline on Mit, 19/07/2006 - 10:33.
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Vom 25. Januar bis Ende Februar 2006 standen die Maschinen bei Swissmetal in Reconvilier zum zweiten Mal innert 15 Monaten still. Die über 300 Arbeiter streikten erneut, nachdem sie bereits im November 2004 in den Ausstand getreten waren. Im Buntmetallwerk von Reconvilier (genannt La Boillat) beschlossen die Arbeiter spontan in Solidarität mit 27 Entlassenen den Streik und besetzten die Fabrik (vgl. Weltrevolution Nr. 128 und 135). Der erste Streik war seinerzeit beendet worden, weil die Konzernleitung zugesagt hatte, den Standort Reconvilier und die Arbeitsplätze zu erhalten.  Ein Monat nach Beginn des zweiten Streiks stellte die inzwischen aktiv gewordene Gewerkschaft UNIA die kämpfenden Arbeiter vor die Alternative, den Vorschlag des von der Regierung eingesetzte Vermittlers Rolf Bloch anzunehmen oder keine Streikgelder mehr zu erhalten...