Antworten auf die Zweifel an der Arbeiterklasse (IV)

Antworten auf die Zweifel an der Arbeiterklasse (IV)

Das Proletariat: Eine vom Aussterben bedrohte Spezies?

Zu vertrauen in die gesellschaftliche Kraft der Arbeiterklasse, davon auszugehen, dass sie die einzige revolutionäre Klasse der Gesellschaft darstellt, ist einfach, wenn Millionen von entschlossenen Arbeitern auf der Strasse sind, die die Menschheit vom kapitalistischen Joch befreien wollen. In Zeiten wie während der weltrevolutionären Welle von 1917-23 bestanden darüber keinerlei Zweifel. Aber das Proletariat, welches sowohl die ausgebeutete als auch die revolutionäre Klasse ist, kann im Kapitalismus nicht in ständiger Bewegung sein. Deshalb geht sein Kampf durch Höhen und Tiefen. Die Perioden der gesellschaftlichen Konfrontationen sind, quantitativ gesehen, sehr kurz, verglichen mit den langen Phasen der Ruhe, wo die kapitalistische Herrschaft als ewig erscheint und sogar die bewusstesten Arbeiter von Zweifeln überfallen werden.

Doch ist der unregelmäßige Rhythmus des Arbeiterkampfes nicht der einzige Faktor für Zweifel auch unter den bewusstesten Elementen. Die Bourgeoisie versucht auf systematische Weise das Vertrauen seines Totengräbers zu untergraben. Die Aktivitäten der Gewerkschaften, die die Kämpfe sabotieren; die parlamentarische Mystifizierung, die versucht, die Arbeiter in eine unterschiedslose Masse von „Staatsbürgern" aufzulösen, die alle vier Jahre atomisiert zu wählen haben; die „wissenschaftlichen" Predigten der Soziologen, die aufzeigen wollen, dass die „objektiven" Veränderungen des Kapitalismus die Arbeiterklasse „objektiv" zum Verschwinden gebracht hätten - dies sind einige von den Mitteln, die der Staat einsetzt, um die Arbeiterklasse zu demoralisieren. Hinzu kommen die Auswirkungen der Ereignisse von 1989 mit dem Fall der sogenannten „sozialistischen" Regimes, der es der gesamten Weltbourgeoisie erlaubten, eine gewaltige antikommunistische Kampagne zu lancieren und das „Ende des Klassenkampfes" zu verkünden.

Die Zweifel an den Fähigkeiten der Arbeiterklasse zu bekämpfen ist eine grundlegende Aufgabe. Dieses Ziel hat die vorliegende Artikelreihe, die möglichst nachvollziehbar auf ganz konkrete Fragen antworten will, die unsere Leser und die Teilnehmer an unseren Veranstaltungen aufwerfen. An einer Diskussionsveranstaltung, die wir im Sommer 1999 gegen den imperialistischen Krieg in Jugoslawien durchführten, hatten einige Teilnehmer folgende Zweifel: Die Zunahme der Arbeitslosigkeit, das Verschwinden der traditionell sehr kämpferischen Schichten der Arbeiterklasse wie der Bergarbeiter, die Ausbreitung von Tätigkeiten, die in völliger individueller Isolation ausgeführt werden müssen (wie die Heimarbeit am Computer, Drecksarbeit oder die Verwandlung der Lohnarbeiter in „Selbstständige" etc.) - hat all das die kollektiven Fähigkeiten der Arbeiterklasse nicht auf eine Weise verringert, so dass ihr letztlich die gesamte materielle Kraft für die Revolution entrissen wird?

Die zahlenmäßige Schwächung der Arbeiterklasse

Es ist völlig richtig, dass mit der Verschärfung der Krise die Zahl der angestellten Arbeiter tendenziell abnimmt, und zwar sowohl in den industrialisierten wie auch in den peripheren Ländern. Der Kapitalismus basiert auf der Ausbeutung der Lohnarbeit; der sicherste und beständigste Ursprung der Ausdehnung seiner Gewinne ist der ständige Zuwachs von Lohnarbeitern, aus denen der Mehrwert herausgepresst wird. Einer der schlagenden Beweise des historischen Bankrotts des Kapitalismus ist die während dem 20. Jahrhundert stattgefundene Verringerung der Anzahl von Lohnarbeitern im Verhältnis zur aktiven Bevölkerung überhaupt. Diese Tendenz hat seit Beginn der 80er Jahre mit dem massiven Prozess der industriellen Demontage rasant zugenommen.

Doch bedeutet dies, dass wir an einen Punkt gelangen werden, wo „keine Arbeiter mehr übrig bleiben"? Dies ist die illusorische Spekulation, die gewisse Verteidiger der bürgerlichen Ordnung betreiben, wenn sie von einer Welt reden, in der die Technologie, die Roboter, die Klone und andere „große Erfindungen" es erlauben, die Arbeiterklasse praktisch zum Verschwinden zu bringen. Angesichts dieser Dummheiten wollen wir daran erinnern, dass der Kapitalismus, so sehr es seinen Ideologen auch widerstrebt, dies einzugestehen, ohne die Ausbeutung der Arbeiterklasse gar nicht existieren kann. „Die Arbeiterklasse zieht ihre Kraft aus ihrer zentralen Position im Produktionsprozess. Das Kapital besteht nicht einzig aus Maschinen und Rohstoffen, sondern es ist vor allem eine gesellschaftliche Beziehung (...) Es kann keinen Kapitalismus ohne Mehrwert und geben und keinen Mehrwert ohne Arbeit des Proletariats" (International Review Nr. 34 „Die Zweifel an der Arbeiterklasse", S. 26, frz./engl./span. Ausgabe).

Diese Ideologen verheimlichen dreist, dass die Hauptursachen der Verminderung der Zahl der Arbeiter die Arbeitslosigkeit und die Krise sind, die jene nach sich zieht. In Wirklichkeit sind die „neuen Technologien" einzig eine hoffnungslose Anpassung an die ausweglose Krise. Es besteht ein qualitativer Unterschied zwischen der Anwendung der neuen Technologien in der aufsteigenden Periode des Kapitalismus und seiner Anwendung in der Gegenwart. Die Arbeitslosigkeit, die während der aufsteigenden Periode entstand, hatte einen vorübergehenden Charakter, die entlassenen Arbeiter wurden zu einer „Reservearmee", die schlussendlich von anderen Wirtschaftszweigen absorbiert wurde. Im Gegensatz dazu ist die Einführung neuer Technologien heute eine Antwort auf das Problem der Überproduktion, welche weit davon entfernt ist, sich abzuschwächen, sich vielmehr weiter verschärft und immer mehr Arbeiter aufs Pflaster wirft.

Wenn man von der zahlenmäßigen Verminderung der Arbeiterklasse spricht, wird meist fälschlicherweise unterstellt, dass die Arbeitslosen kein Teil der Klasse mehr seien. Die ideologische Propaganda der Bourgeoisie und die Gewerkschaften wollen uns und den Arbeitslosen selbst weismachen, dass sie eine besondere Kategorie seien, eine Masse von Ausgeschlossenen und Marginalisierten, ein Haufen von Gescheiterten und Unnützen, für die man paternalistische „Umschulungs-" und „Wiedereingliederungsprogramme" anwenden müsse.

Aber diese Sicht ist eine Mystifizierung, die vom kapitalistischen Staat bewusst fabriziert worden ist. Die Arbeitslosigkeit ist eine Lebensbedingung, mit der die gesamten Arbeiterklasse konfrontiert ist. Alle Arbeitslosen sind Arbeiter, und alle Arbeiter sind potentielle Arbeitslose, in der Gegenwart oder in der Zukunft. Die Arbeitslosigkeit entsteht aus der spezifischen Lage der Arbeiter: Sie sind getrennt von den Produktionsmitteln und den Lebensmitteln, sehen sich gezwungen, den Leidensweg der Lohnarbeit zu beschreiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Eine Arbeit zu bekommen ist abhängig von einigen unerbittlichen und globalen Faktoren, die jenseits der beruflichen Fähigkeiten des Proletariers liegen, jenseits von seiner Bereitschaft, seinen Anstrengungen: von der Verschlimmerung der historischen Krise des Kapitalismus. Während die Arbeitslosigkeit „im 19. Jahrhundert ein vorübergehendes Problem darstellte und der Kapitalismus noch die Fähigkeit besaß, die Arbeitslosen wieder im Produktionsprozess zu absorbieren, sind im 20. Jahrhundert die ‚Lösungen’, die er erfindet, nur vorübergehend und die Unfähigkeit, die Arbeitslosen zu absorbieren, andauernd" (Manifest über die Arbeitslosigkeit).

Aus diesen Gründen müssen die Arbeitslosen in ihren Kämpfen die Einheit und die Solidarität mit ihren arbeitenden Brüdern suchen. Sie müssen in Massen zu den Fabrikentoren, in die Wohnblocks und die Arbeitsämter strömen. Gleichzeitig müssen die erwerbstätigen Arbeiter in ihren Kämpfen in die Quartiere strömen, um dort die Vereinigung des Kampfes mit den arbeitslosen Genossen zu suchen. Die einen oder anderen werden den Ruf der Streiks von Vitoria (Spanien) von 1976 ausstoßen: Wir sind Arbeiter, vereinigen wir uns!

All das macht die materielle Grundlage der Arbeiter aus (sowohl der angestellten als auch der arbeitslosen) und hat sich in unzähligen Kämpfen während er 20er, der 30er und der 80er Jahre konkret bestätigt. Was die einen von den anderen trennt, liegt nicht in der Technologie oder den „Veränderungen der gesellschaftlichen Beziehungen und der Lebensbedingungen" begründet, wie die Soziologen mit akademischen Scheuklappen betonen, sondern in der Politik des kapitalistischen Staates, der mit seinen Gewerkschaften und ideologischen Kampagnen alles Mögliche unternimmt, um die Arbeiter voneinander zu trennen und gegeneinander aufzuhetzen.

Auch wenn die Arbeiterklasse in der Gesamtbevölkerung nur eine Minderheit ausmacht, besitzt sie ein entscheidendes politisches und gesellschaftliches Gewicht. Die Revolution von 1917 in Russland wurde von einem Proletariat vollzogen, das gerade einmal drei Prozent der Bevölkerung ausmachte. Lenin betonte, dass „die Macht des Proletariats in einem kapitalistischen Land ungemein größer ist als sein zahlenmäßiger Anteil innerhalb der Bevölkerung. Das liegt darin begründet, dass das Proletariat in der kapitalistischen Wirtschaft eine Schlüsselstellung einnimmt und auch auf der politischen und ökonomischen Ebene die wirklichen Interessen der großen Mehrheit der werktätigen Bevölkerung ausdrückt."

Das illustrierte die weltrevolutionäre Welle von 1917-23, als sich das Proletariat an die Spitze des Kampfes gegen den Krieg und das grausame Elend der Nachkriegszeit stellte und damit einen enormen Enthusiasmus bei den Ausgebeuteten aller Länder auslöste. Wenn heute die Bourgeoisie versucht, den Korporatismus in den Arbeiterkämpfen1 zu begünstigen, wenn sie Ränke schmiedet, um Streiks unbeliebt zu machen, so geschieht dies genau deshalb, weil sie weiß, dass die Arbeiterklasse ein Potential in ihren Händen hält, das es ihr erlaubt, die Frustration und die Unzufriedenheit der Mehrheit der Weltbevölkerung in eine gigantische revolutionäre Flut umzuwandeln.

Faktoren, die zur Vereinzelung und Zersplitterung innerhalb der Arbeiterklasse führen

Haben die neuen Formen der Arbeitsbedingungen, die verschiedenen Arbeitsverträge, die Flexibilität, das Erscheinen neuer an die „neuen Technologien" angepasster Berufsrichtungen nicht zu einer Vereinzelung und Zerstreuung geführt, bis hin zur Unfähigkeit, sich als vereinigte und kollektive Kraft zusammenzuschließen? Die Soziologen stellen in der Arbeiterklasse viele Spaltungen fest. Für sie existiert die Arbeiterklasse soziologisch nicht mehr. Für sie gibt es eine privilegierte Minderheit mit garantierten Arbeitsstellen auf der einen, eine wachsende Masse von Marginalisierten auf der anderen Seite. Zudem gehen sie von dem Verschwinden des „klassischen Arbeiters" aus, der kämpferisch ist und in der Traditionen des Klassenkampfes steht (Bergleute, Metall- und Werftarbeiter), und vom Auftauchen zahlreicher Schichten, die sich nicht als Arbeiter fühlen, weil sie über eine gute berufliche Ausbildung verfügen, sich spezialisiert haben und ein gewisses Sozialprestige genießen etc.. All dies führte jene Soziologen dazu, den Tod des Konzepts der Arbeiterklasse zu proklamieren.

Leider gibt es revolutionäre Gruppen, die zur Kommunistischen Linken gehören und sich dennoch von solchen haltlosen Analysen anstecken lassen, deren „Überzeugungskraft" hauptsächlich in der ständigen Wiederholung durch die bürgerlichen Medien liegt2. Auf der einen Seite sprechen einige bordigistische Gruppen von der Spaltung der Arbeiterklasse zwischen der ersten und der dritten Welt. Die Arbeiter der ersten Welt würden mit ihrer Bourgeoisie in Bezug auf die nationale Unterdrückung und die Lohnausbeutung gegen ihre Brüder der dritten Welt kollaborieren. Die Bordigisten weisen ferner auf eine Trennungslinie innerhalb der beiden proletarischen Sektoren zwischen Festangestellten, Armen und Marginalisierten hin.Auf der anderen Seite gehen die Genossen von Battaglia Communista, die zwar in ihren Verirrungen weniger weit gehen, davon aus, dass die „technologische Revolution" die Zusammensetzung der Arbeiterklasse derart verändert habe, dass die materielle und subjektive proletarische Substanz verschwinde.

Wir bestreiten die Wichtigkeit, die diese Spaltungen haben können, nicht. Wir möchten aber zwei Momente anfügen, die die bürgerliche Ideologie sorgfältig verdeckt.

Es scheint so, als ob die „Globalisierung und die Revolution der Kommunikationstechnologie" die Schwelle zu einer neuen Ära wären. Das Gegenteil ist der Fall. Diese „Globalisierung" und der „Austausch via Internet" gründen immer noch auf dem, was die grundlegende Substanz des Kapitalismus ausmacht: auf der Trennung der Produzenten von ihren Lebensmitteln, auf der Lohnarbeit, der Abschöpfung des Mehrwerts, dem Widerspruch wischen der gesellschaftlichen und weltweiten Produktion und der privaten und nationalen Form ihrer Aneignung.

Diese „neuen Formen der Arbeit" sind weit davon entfernt, eine neue, „jugendliche" Etappe in der Entwicklung des Kapitalismus zu sein. Sie sind vielmehr verzweifelte Versuche der Unternehmen, sich im Zuge der Zuspitzung der ökonomischen und finanziellen Schwierigkeiten über Wasser zu halten. Deshalb bedeutet die Verschärfung der Krise auf der Ebene des proletarischen Alltags immer eine Zuspitzung der Ausbeutung und der Unsicherheit, unabhängig von den konkreten Formen, die die Arbeitsbedingungen gerade annehmen. Die Schlussfolgerung von Marx in seiner Polemik mit Proudhon bleibt gültig und ist überhaupt nicht „veraltet": „Die ökonomischen Verhältnisse haben zuerst die Masse der Bevölkerung in Arbeiter verwandelt. Die Herrschaft des Kapitals hat für diese Masse eine gemeinsame Situation, gemeinsame Interessen geschaffen. So ist diese Masse bereits eine Klasse gegenüber dem Kapital" (Das Elend der Philosophie, MEW Bd. 4 S. 180 f.).

Abgesehen davon: Sind denn diese „neuen Formen der Arbeitsbedingungen" überhaupt neu? Im Laufe der kapitalistischen Geschichte ist eine feste Lebensstelle eher die Ausnahme als die Regel gewesen. Sie kam teilweise während des Aufbaus großer Industrien in der Blütezeit des Kapitalismus zwischen 1877-1913 vor und auf der anderen Seite während der Phase nach dem Zweiten Weltkrieg, als der „Sozialstaat" eine garantierte Arbeitsstelle anbot als Ausgleich zur anwachsenden Ausbeutung und den niedrigen Löhnen. Trotzdem blieb der Stellenwechsel, die Emigration, die Unsicherheit bei unzähligen Generationen der Arbeiterklasse bestehen. Heute zerfällt diese Illusion der Sicherheit der Nachkriegsphase 1945-1980 und offenbart sich die nackte Realität der Bedingungen der Arbeiter. Der Kapitalismus beraubt sie der für das Überleben notwendigen Mittel. Doch bedeutet das nicht eine Rückkehr ins 19. Jahrhundert. Während die Arbeiter damals von Stadt zu Stadt, von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle wanderten, um ihre Situation zu verbessern, hatten sie in jener Phase der Entwicklung der Produktivkräfte und der Ausweitung der kapitalistischen Gesellschaftsverhältnisse noch reale Möglichkeiten der Verbesserung und der Reformen bezüglich der Arbeitsbedingungen. Heute dagegen passiert das Gegenteil. Wir leben in der Epoche der permanenten Überproduktion, in einem nicht aufzuhaltenden Verfall aller das Leben betreffender Aspekte, von der Unfallgefahr bis zur ständig zunehmenden Furcht, im Alter keine existenzsichernde Rente zu haben.

Die garantierte, lebenslängliche Arbeitsstelle, von der die Arbeiter des öffentlichen Dienstes angeblich profitieren, ist die Fahne, die die Bourgeoisie bis zum Erbrechen schwenkt, um die Arbeiter im Privatsektor zu provozieren und sowohl die einen wie die anderen daran zu hindern zu verstehen, dass die wirtschaftliche Lage letztlich nicht so verschieden, sondern im wesentlichen die gleiche ist: bedrohte Altersrenten, sinkende Löhne, immer härtere Arbeitsbedingungen.

Es stimmt, dass einige Sektoren der Arbeiterklasse die Illusion haben, dass ihre Ausbildung und Spezialisierung eine individuelle Waffe im Arbeitskampf darstellt, und deshalb nicht auf die kollektive Kraft der Arbeiterklasse vertrauen. Es ist auch wahr, dass die Chefs eine Ideologie der individuellen Beziehung jedes Arbeiters mit seinem Arbeitgeber auf Kosten des gemeinsamen Arbeiterkampfes propagieren. Was bleibt, ist aber die nackte Realität der Unsicherheit des Arbeitsplatzes, die zunehmende Ausbeutung und das Kürzen der Sozialleistungen, die Verschlechterung der Renten, die Arbeitslosigkeit, die Inflation, die die Löhne senkt. Das ist die allgemeine Wahrheit für alle Arbeiter, Arbeitslosen, Hilfsarbeiter, kleine Selbständige etc.

Was die Vereinigung all dieser Kategorien verhindert, sind nicht „technologische" Faktoren oder „objektive Veränderungen" der „gesellschaftlichen Strukturen". Die Bourgeoisie setzt alles daran, diese Verfälschungen am Leben zu erhalten und sie zu verbreiten. Denn die Arbeiter, die an sie glauben, gehen davon aus, dass ihre Schwierigkeiten im Kampf und in ihrer Einheit etwas „Objektives", Festgelegtes sei, gegen das man nichts machen könne, so dass nur die Verzweiflung und die blinde Rebellion bleibe.

Doch die zentralen Ursachen der Schwierigkeiten, sich zu organisieren, Bewusstsein zu erlangen und zu kämpfen, liegen in der politischen Tätigkeit des bürgerlichen Staatsapparates: der Gewerkschaften, der linken Parteien, der „extremen Linken" und deren ideologischen Kampagnen. Es gilt, gegen die Isolierung und für die Organisierung in Vollversammlungen und in von den Arbeitern gewählten und vor ihnen verantwortlichen Streikkomitees zu kämpfen. Das ist der Weg, um die Einheit, die Kraft und das Klassenbewusstsein zu gewinnen.

Adalen, 9.9.99

1 Korporatismus ist die meist von den Gewerkschaften verfolgte Politik, den Kampf der Arbeiter auf eine bestimmte Berufsbranche (eine Korporation) zu beschränken.

2 Die „demokratische" Bourgeoisie lässt sich diesbezüglich durch Hitlers Propagandaminister Goebbels beraten, der gesagt hat, dass sich eine Lüge, wenn sie tausendmal wiederholt wird, schließlich in Wahrheit verwandelt.