Im Folgenden veröffentlichen wir den Bericht über den Klassenkampf, der auf dem 26. Kongress der IKS vorgestellt wurde. Dieses Dokument, das im Dezember 2024 verfasst wurde, berücksichtigt nicht die Ereignisse des Jahres 2025 (Trumps Rückkehr ins Weiße Haus, massive Arbeitskämpfe und Mobilisierungen in Belgien usw.), aber die Gültigkeit der dargelegten Perspektiven bleibt bestehen. Dieser Bericht entwickelt wichtige Elemente der Analyse dessen, was die IKS als „Bruch“ in der Dynamik des Klassenkampfs bezeichnet, und der Auswirkungen des kapitalistischen Zerfalls auf die Arbeiterklasse.
Die auf dem 25. Internationalen Kongress verabschiedete Resolution zur internationalen Lage analysiert die Dynamik des Klassenkampfs wie folgt: „Die Wiederbelebung der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse in einer Reihe von Ländern ist ein bedeutendes historisches Ereignis, das nicht allein auf lokale Umstände zurückzuführen ist und nicht durch rein nationale Bedingungen erklärt werden kann. Angetrieben von einer neuen Generation von Arbeiterinnen und Arbeitern zeugen das Ausmaß und die Gleichzeitigkeit dieser Bewegungen von einer echten Veränderung der Stimmung in der Klasse und brechen mit der Passivität und Orientierungslosigkeit, die seit Ende der 1980er Jahre bis heute vorherrschte.“ Der „Sommer der Unzufriedenheit“ in Großbritannien 2022, die Bewegung gegen die Rentenreform in Frankreich im Winter 2023 und die Streiks in den USA, insbesondere in der Automobilindustrie, Ende des Sommers 2023 bleiben die spektakulärsten Ausdrücke der historischen und internationalen Dimension der Entwicklung der Klassenkämpfe. Die fast siebenwöchigen Streiks der Boeing-Beschäftigten und der beispiellose Streik von 45.000 Hafenarbeitern in den USA mitten im Präsidentschaftswahlkampf sind die jüngsten Episoden in der realen Zäsur der Dynamik des Klassenkampfs im Vergleich zur Situation in den vergangenen Jahrzehnten. Darüber hinaus bereitet sich die Arbeiterklasse der großen Wirtschaftsmächte, während wir die ersten Zeilen dieses Berichts schreiben, auf beispiellose Angriffe infolge der sich beschleunigenden Wirtschaftskrise vor, die in den kommenden Monaten heftige Reaktionen der Klasse hervorrufen werden. Aber diese Bewegung erneuter Kampfbereitschaft und der Entwicklung einer unterirdischen Reifung des Klassenbewusstseins findet in einem Kontext zunehmenden Zerfalls statt, in dem die gleichzeitigen Auswirkungen der Wirtschaftskrise, des Kriegschaos und der ökologischen Katastrophe eine höllische Spirale der Zerstörung entfachen. Trumps Rückkehr ins Weiße Haus, die einen realen Machtanstieg der populistischen Strömung in der amerikanischen Gesellschaft bedeutet, wird ein zusätzliches schweres Hindernis darstellen, mit dem die Klassenkämpfe nicht nur in den USA, sondern auch auf internationaler Ebene konfrontiert sein wird. Ziel dieses Berichts ist es, eine Grundlage für Überlegungen zu schaffen, die es der IKS ermöglichen, ihr Verständnis der aktuellen Dynamik des Klassenkampfs und ihrer historischen Auswirkungen zu vertiefen. Aber auch, die Hindernisse, denen das Proletariat gegenübersteht, genauer zu bewerten, insbesondere die Auswirkungen und ideologischen Erscheinungsformen des kapitalistischen Zerfalls.
Die Analyse des Bruchs in der Dynamik des Klassenkampfs seit dem Sommer 2022 wurde im Proletarischen Politischen Milieu mit Skepsis und sogar Sarkasmus aufgenommen, insbesondere von den historischen Organisationen der Kommunistischen Linken wie der Internationalistischen Kommunistischen Tendenz (ICT) und den „bordigistischen“ Gruppen. Auch auf den öffentlichen Versammlungen der IKS wurden Zweifel und Meinungsverschiedenheiten geäußert, darunter auch von Weggefährten, die mit der Methode und dem Analyserahmen der IKS vertraut sind. Diese Situation wurde von parasitären Kreisen[1] wie Controverses ausgenutzt, die unsere früheren analytischen Fehler schnell aufgriffen, um unsere aktuelle Analyse zu verspotten („Ihr habt den Klassenkampf in der Vergangenheit überschätzt, was ist jetzt anders?“)
Diese Reaktionen auf unsere Analyse waren in Wirklichkeit Ausdruck einer rein empiristischen und immediatistischen Herangehensweise. Wenn die IKS hingegen sehr schnell eine tiefgreifende Veränderung in der Reihe der Streiks der britischen Arbeiterklasse erkennen konnte, dann deshalb, weil wir auf unsere Erfahrungen zurückgreifen konnten, insbesondere auf die Methode, die es Marc Chirik ermöglicht hatte, die Bewegung vom Mai 1968 nicht als lediglich momentane Reaktion der Arbeiterklasse in Frankreich zu begreifen, sondern als Ausdruck einer historischen und internationalen Bewegung, während die historischen Gruppen der Kommunistischen Linken ihre Bedeutung völlig verfehlten.
Infolgedessen ist die IKS heute wie Ende der 1960er Jahre die einzige Organisation, welche die historisch bedeutsame internationale Dynamik der Entwicklung der Arbeiterkämpfe seit 2022 versteht. Dies ist das Ergebnis eines Verständnisses:
- des Analyserahmens für den Niedergang des Kapitalismus und das Entstehen der Konterrevolution seit Ende der 1960er Jahre, im Gegensatz zur „bordigistischen“ Strömung oder der von der ICT vertretenen Analyse des Weges in einen dritten generalisierten Krieges (also eines dritten Weltkrieges), die eine politisch besiegte Arbeiterklasse impliziert;
- dass die Verschärfung der Wirtschaftskrise auf weltweiter Ebene den fruchtbarsten Boden für die Entwicklung der Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse auf internationaler Ebene bildet;
- dass die Entwicklung und das Ausmaß dieser Kampfbereitschaft seit dem Sommer 2022 in Großbritannien, die seit den 1980er Jahren beispiellos ist und sich im ältesten Proletariat der Geschichte vollzieht, zwangsläufig von historischer und internationaler Bedeutung sind;
- dass dieser Bewusstseinswandel innerhalb der Klasse das Ergebnis der Entwicklung einer seit Beginn der 2000er Jahre stattfindenden unterirdischen Bewusstseinsreifung innerhalb der Klasse ist;
- dass der Bruch nicht auf das Ausmaß und die Vervielfachung der Kämpfe in der ganzen Welt beschränkt ist, sondern mit der Entwicklung einer Reflexion auf internationaler Ebene in den verschiedenen Schichten der Arbeiterklasse und insbesondere mit einer tiefgreifenden Reflexion innerhalb politisierter Minderheiten einhergeht;
- dass diese Dynamik langfristig ist und daher das Potenzial für die Wiederherstellung der Klassenidentität und der Politisierung der Kämpfe birgt (unverzichtbare Meilensteine, wenn die Arbeiterklasse in der Lage sein soll, dem bürgerlichen Staat direkt entgegenzutreten), nachdem das Bewusstsein innerhalb der Klasse jahrzehntelang im Niedergang begriffen war.
Hierin liegt die Stärke der von der Kommunistischen Linken übernommenen marxistischen Methode. Die Fähigkeit, die großen Veränderungen in der Dynamik der kapitalistischen Gesellschaft zu erkennen, lange bevor sie zu offensichtlich werden, um noch geleugnet werden zu können.
Es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, die Konsequenzen und Implikationen unserer Analyse vollständig zu begreifen und gegen oberflächliche Ansätze zu kämpfen, die sich daraus ergeben können. Zu den wichtigsten gehören:
- die Tendenz, den Bruch auf das Ausmaß der Kampfbereitschaft und die Entwicklung der Kämpfe zu reduzieren und dabei den Prozess der unterirdischen Reifung des Klassenbewusstseins zu vernachlässigen;
- die Unterstellung, dass die Entwicklung der Kämpfe die Arbeiterklasse in die Lage versetzen kann, den Auswirkungen des kapitalistischen Zerfalls entgegenzuwirken, oder dass der Populismus die Fähigkeit des bürgerlichen Staates schwächt, mit der Reaktion der Arbeiterklasse umzugehen;
- eine Tendenz, den Strudel-Effekt und den Bruch im Klassenkampf als zwei parallele Dimensionen zu betrachten, die voneinander abgekoppelt sind.
Grundsätzlich drücken diese Schwankungen eine Schwierigkeit aus, die Dynamik des Klassenkampfs im historischen Kontext des kapitalistischen Zerfalls zu analysieren. Die wesentlichen Gründe dafür sind:
- eine allgemeine Tendenz, die negativen Auswirkungen der Phase des kapitalistischen Zerfalls auf den Klassenkampf zu unterschätzen;
- eine Schwierigkeit, die mittlerweile unzureichende Natur des Konzepts des historischen Kurses zu verinnerlichen. Dies trägt insbesondere dazu bei, das Prisma zu verzerren, durch das der Klassenkampf betrachtet wird:“1989 markiert einen grundlegenden Wandel in der allgemeinen Dynamik der kapitalistischen Gesellschaft in der Phase der Dekadenz.
Vor diesem Datum war das Kräfteverhältnis zwischen den Klassen der bestimmende Faktor dieser Dynamik. Von diesem Kräfteverhältnis hing der Ausgang der Verschärfung der Widersprüche im Kapitalismus ab: entweder die Entfesselung des Weltkriegs oder die Entwicklung des Klassenkampfes, mit der Perspektive der Überwindung des Kapitalismus.
Nach 1989 war diese allgemeine Dynamik der kapitalistischen Dekadenz nicht mehr direkt durch das Kräfteverhältnis zwischen den Klassen bestimmt. Wie auch immer dieses Kräfteverhältnis aussehen mag, der Weltkrieg steht nicht mehr auf der Tagesordnung, aber der Kapitalismus wird weiterhin im Zerfall versinken, da der gesellschaftliche Zerfall dazu neigt, der Kontrolle der sich gegenüberstehenden Klassen zu entgleiten.“[2]
Folglich passt die Analyse zweier gegensätzlicher und widersprüchlicher Pole, die sich gleichzeitig entwickeln, in den oben dargelegten Rahmen. Diese beiden scheinbar parallelen Dimensionen der Situation sind jedoch miteinander verflochten. In einer Welt, die von Egoismus, sozialer Atomisierung, irrationalem Denken, Nihilismus, einem Kampf aller gegen alle, Krieg und Umweltchaos sowie der zunehmend inkohärenten und destruktiven Politik der nationalen Bourgeoisien geprägt ist, ist die Arbeiterklasse gezwungen, ihren Kampf zu entwickeln und ihr Denken und Bewusstsein reifen zu lassen. Folglich ist, wie wir oft wiederholt haben, die Periode des kapitalistischen Zerfalls keine Notwendigkeit für den Weg zur Revolution und noch weniger ein Vorteil für die Arbeiterklasse[3]. Die erheblichen Gefahren, die der kapitalistische Zerfall für die Arbeiterklasse und die gesamte Menschheit mit sich bringt, dürfen jedoch nicht dazu führen, dass die Arbeiterklasse und ihre revolutionären Minderheiten eine fatalistische Haltung einnehmen und den Kampf aufgeben. Die historische Perspektive der proletarischen Revolution ist nach wie vor offen!
Die Auswirkungen der Krise werden unter den kumulativen Effekten von Inflation, Haushaltskürzungen[4], Entlassungsplänen[5] (die insbesondere durch die Einführung künstlicher Intelligenz in das Produktionssystem verschärft werden) und drastischen Lohnkürzungen die tiefsten und brutalsten der gesamten Dekadenzphase des Kapitalismus sein. Diese Situation bedeutet, dass die Bourgeoisie immer weniger Spielraum haben wird, um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise wie in den vergangenen Jahrzehnten zu bewältigen, und dass die geplante Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung nur zu einem weiteren Absturz in den weltweiten wirtschaftlichen Morast führen kann. Angesichts der zunehmenden Verarmung und der erheblichen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, unter denen die Arbeiterklasse infolge der verschärften Ausbeutung der Arbeitskraft leiden wird, werden die Bedingungen für einen Widerstand der Arbeiterklasse reifen. In dieser allgemeinen Situation müssen wir jedoch vor allem berücksichtigen, dass all diese Angriffe gleichzeitig die drei wichtigsten kapitalistischen Länder (USA, China, Deutschland) betreffen. Europa droht ein beispielloser Abbau der Autoindustrie, sicherlich in gleichem Ausmaß wie den der Kohle- und Stahlindustrie in den 1970er und 1980er Jahren. Wir müssen uns daher auf das Entstehen groß angelegter Arbeitskämpfe in den kommenden Jahren vorbereiten, insbesondere in den Hauptgebieten des Kapitalismus, und jetzt damit beginnen, die tiefgreifenden Auswirkungen dieser neuen Situation zu untersuchen.
Um nur einige Beispiele zu nennen: Das deutsche Proletariat, das bisher in der Nachhut der Klassenkämpfe stand, wird eine viel zentralere Rolle im Klassenkampf gegen das Kapital spielen müssen. In China wird die Explosion der Arbeitslosigkeit, insbesondere unter der jungen Generation (25 % der Bevölkerung), den Mythos eines modernen und prosperierenden China zunehmend untergraben und zu Reaktionen eines unerfahrenen Proletariats führen, das noch weitgehend von der maoistischen Doktrin, der ideologischen Waffe des Staatskapitalismus chinesischer Version, beeinflusst ist.
Ebenso hat das Ausmaß der Krise das Proletariat in Russland nicht verschont, das die Folgen der Kriegswirtschaft in vollem Umfang zu spüren bekommt. Dies lässt Reaktionen dieses Teils unserer Klasse erwarten, ohne jedoch die tiefen Schwächen zu übersehen, die durch die Konterrevolution nach der Niederschlagung der Russischen Revolution von 1917 verursacht und durch den Zerfall des Kapitalismus noch verschärft wurden.
Wir müssen auch den Klassenkampf im indopazifischen Raum genauer beobachten. Das Jahr 2024 war geprägt von Streiks in vielen Sektoren (Automobil, Bau, Bildung, ...) in mehreren Ländern der Region (Indien, China, Südkorea, Japan, Taiwan, Indonesien) gegen sinkende Löhne, Fabrikschließungen und sich verschlechternde Arbeitsbedingungen.
Wenn jedoch wirtschaftliche Angriffe tatsächlich den günstigsten Nährboden für die Entwicklung des Klassenkampfs bilden – nicht nur im unmittelbaren defensiven Sinne (ein entscheidendes Element für die Wiederherstellung der Klassenidentität), sondern auch für die Entstehung eines bewussten Verständnisses, dass die Produktionsweise als Ganzes völlig bankrott ist und einer neuen Gesellschaft weichen muss – müssen wir genauer einschätzen, welche Arten von Angriffen kurz- und langfristig am förderlichsten für die Entwicklung von Solidarität und Einheit innerhalb der Klasse sind.
Die Vielzahl der Angriffe, zum Beispiel Unternehmensschließungen und die damit einhergehenden Stellenstreichungen, führen derzeit in mehreren zentralen Ländern zu zahlreichen Arbeitskämpfen, die jedoch weitgehend isoliert bleiben und in eine Art Sackgasse führen. Für die Arbeiterklasse ist es sehr schwierig, gegen Fabrikschließungen zu kämpfen, wenn Streiks allein nicht ausreichen, um Druck auf das Kapital auszuüben, das bereits die Schließung von Unternehmen plant. Ein Beispiel dafür ist die Schwierigkeit der Beschäftigten in Port Talbot in Wales, einen Kampf gegen die Schließung dieses wichtigen Stahlwerks aufzubauen. Generell wird sich die IKS genauer mit den Auswirkungen der Massenarbeitslosigkeit auf die Entwicklung des proletarischen Bewusstseins befassen müssen. Was diese direkte Folge der Wirtschaftskrise angeht: „Auch wenn die Arbeitslosigkeit im allgemeinen dazu beitragen kann, die Unfähigkeit des Kapitalismus zu enthüllen, den Proletariern eine Zukunft anzubieten, so bildet sie heute auch einen mächtigen Faktor der "Verlumpung" einiger Teile der Klasse, insbesondere unter den jungen Arbeitern, wodurch die gegenwärtigen und zukünftigen politischen Fähigkeiten der Klasse geschwächt werden.“[6]. Folglich wird die Frage der Massenentlassungen und der Massenarbeitslosigkeit erst dann wirklich zu einem Element, das es der Klasse ermöglicht, eine einheitliche Antwort auf den bürgerlichen Staat zu finden und eine tiefere Reflexion über den Bankrott des Kapitalismus zu entwickeln, wenn sie einen weiteren Schritt in der Entwicklung ihres Bewusstseins gemacht hat und sich als Klasse mit einer Rolle in der Zukunft der Gesellschaft begreifen kann.
Angriffe auf die Löhne hingegen können ein günstigeres Kräfteverhältnis schaffen. Tatsächlich ging es bei den Kämpfen, die 2022 zum Bruch führten, im Wesentlichen um Löhne. Dies scheint auch die jüngste Episode der Kämpfe in den USA in den letzten Monaten gezeigt zu haben. Da die Lohnarbeit die Grundlage der Beziehung zwischen Kapital und Arbeit bildet, ist die Frage der Verteidigung der Löhne das „gemeinsame Interesse“ aller Beschäftigten gegen ihre Ausbeuter. Dieser Kampf „vereinigt sie in einem gemeinsamen Gedanken des Widerstandes - Koalition. So hat die Koalition stets einen doppelten Zweck, den, die Konkurrenz der Arbeiter unter sich aufzuheben, um dem Kapitalisten eine allgemeine Konkurrenz machen zu können. Wenn der erste Zweck des Widerstandes nur die Aufrechterhaltung der Löhne war, so formieren sich die anfangs isolierten Koalitionen in dem Maß, wie die Kapitalisten ihrerseits sich behufs der Repression vereinigen zu Gruppen, und gegenüber dem stets vereinigten Kapital wird die Aufrechterhaltung der Assoziationen notwendiger für sie als die des Lohnes. (…) Diese Masse ist somit bereits eine Klasse gegen das Kapital, aber noch nicht für sich selbst. In dem Kampf, von dem wir nur einige Phasen betrachtet haben, wird diese Masse vereint und konstituiert sich als Klasse für sich.“[7]
In der Zeit der massiven Klassenkämpfe zwischen 1968 und 1975, als die zentralen Länder des Kapitalismus eine lange Phase der Prosperität hinter sich hatten, gab es noch starke Illusionen über die Möglichkeit einer Wiederherstellung der „glorreichen Jahre“, insbesondere durch die Wahl linker Regierungen. Obwohl diese Bewegungen zu einer deutlichen Politisierung von Minderheiten führten[8], insbesondere durch die Wiederbelebung der Tradition der Kommunistischen Linken, war das Potenzial der Kämpfe selbst, eine allgemeinere Politisierung der Klasse hervorzurufen, begrenzt. Und selbst in den Kämpfen der 1980er Jahre war noch lange nicht bewusst, dass das kapitalistische System an seine Grenzen stößt, und die Kämpfe der Arbeiterklasse, selbst wenn sie massiv waren und als Hindernis gegen den Drang zum Weltkrieg fungieren konnten, schafften es nicht, eine politische Perspektive für die Überwindung des Kapitalismus zu verbreiten.
Das grundlegende Ergebnis der Pattsituation zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie in den 1980er Jahren war die Entwicklung einer neuen Phase des kapitalistischen Zerfalls, die ein weiteres Hindernis für die Fähigkeit der Arbeiterklasse darstellte, sich als revolutionäre Kraft wiederherzustellen. Aber die Beschleunigung des kapitalistischen Zerfalls hat auch deutlich gemacht, dass der lange Niedergang des Kapitalismus nun eine Phase erreicht hat, in der die Wahl zwischen Sozialismus und Barbarei immer offensichtlicher wird. Auch wenn das Gefühl, dass wir auf die Barbarei zusteuern, viel weiter verbreitet ist als die Überzeugung, dass der Sozialismus eine realistische Alternative darstellt, bildet die zunehmende Erkenntnis, dass der Kapitalismus der Menschheit nichts anderes zu bieten hat als eine Spirale der Zerstörung, dennoch die Grundlage für eine zukünftige Politisierung des Klassenkampfs.
Neben der Wirtschaftskrise, die nach wie vor die wesentliche Grundlage für die Entwicklung sowohl der offenen Kämpfe der Klasse als auch des Bewusstseins für den Bankrott des Systems ist, sind die beiden Elemente, die die Realität der Sackgasse des Kapitalismus am deutlichsten unterstreichen, die Ausbreitung und Verschärfung imperialistischer Kriege und das unaufhaltsame Voranschreiten der ökologischen Katastrophe, die sich zuletzt in den massiven Überschwemmungen in Valencia symbolisch manifestierte und die zeigt, dass diese Katastrophe nicht mehr auf die „peripheren“ Regionen des Systems beschränkt bleiben wird. Als Faktoren für die Entstehung eines politischen Bewusstseins in der Klasse sind diese beiden Elemente jedoch nicht gleichwertig.
Wir haben seit langem die Vorstellung abgelehnt, an der die meisten Gruppen des Proletarischen Politischen Milieus noch festhalten, dass Krieg, insbesondere ein Weltkrieg, ein günstiger Boden für den Ausbruch revolutionärer Kämpfe sei. In Artikeln, die in den 1980er Jahren in der INTERNATIONALEN REVUE erschienen sind[9], haben wir gezeigt, dass diese Vorstellung zwar auf den realen Erfahrungen vergangener Revolutionen (1871, 1905, 1917) beruhte und dass jeder Klassenkampf in Zeiten der Kriegsmobilisierung zwangsläufig sehr schnell politische Fragen aufwirft, dass aber die Nachteile, mit denen revolutionäre Bewegungen konfrontiert sind, die als direkte Reaktion auf einen Krieg entstehen, die „Vorteile“ bei weitem überwiegen. So:
- Die Erfahrung des Ersten Weltkriegs lehrte die herrschende Klasse eine sehr wichtige Lektion, die sie vor und in der Endphase des Zweiten Weltkriegs sehr systematisch anwandte: Bevor man einen Weltkrieg beginnen kann, muss man dem Proletariat zunächst eine tiefgreifende physische und ideologische Niederlage zufügen, und wenn Elend und Schrecken des Krieges Anzeichen proletarischer Reaktionen hervorrufen, müssen diese sofort niedergeschlagen werden (vgl. die objektive Zusammenarbeit der alliierten und nationalsozialistischen Kräfte bei der Niederschlagung der Arbeiteraufstände in Italien 1943, die Terrorbombardements auf Deutschland usw.).
- Das alte Schema des revolutionären Defätismus, wonach die Niederlage der eigenen Regierung für die Entwicklung der Revolution günstig ist und das eine inhärente Ambivalenz hinsichtlich der Notwendigkeit enthält, in einer Kriegssituation alle Regierungen zu bekämpfen, wurde durch die Tatsache widerlegt, dass die Spaltung zwischen siegreichen und besiegten Nationen tiefe Spaltungen im Weltproletariat hervorruft, wie dies nach dem Krieg von 1914-18 am deutlichsten zu sehen war.
- Die Militärtechnologie des Kapitalismus ist so weit „fortgeschritten“, dass eine Verbrüderung über die Schützengräben hinweg immer weniger möglich ist, und sie hat auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass jeder künftige Weltkrieg rasch zu einer nuklearen Eskalation und „gegenseitig garantierter Zerstörung“ führen würde.
Die aktuellen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben bestätigt, dass die Haupthindernisse für den kapitalistischen Kriegsdrang weniger von Aufständen in den direkt am Krieg beteiligten Ländern ausgehen werden, sondern vielmehr von den zentralen Fraktionen des Proletariats, die nur indirekt durch die steigenden Anforderungen der Kriegswirtschaft vom imperialistischen Krieg betroffen sind.
All dies bedeutet jedoch nicht, dass Krieg kein Faktor mehr für die Entwicklung des Klassenbewusstseins und den Politisierungsprozess ist. Im Gegenteil, wir haben gesehen:
- dass die Allgegenwart des Krieges, insbesondere seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine, nach wie vor ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Minderheiten ist, die das gesamte kapitalistische System in Frage stellen;
- dass die Fähigkeit der Arbeiterklasse, ihre eigenen Klasseninteressen trotz der Aufforderung zu Opfern im Namen der „Verteidigung der Freiheit“ zu verteidigen, ein Schlüsselelement für den Bruch von 2022 war. Darüber hinaus wurde die Erkenntnis, dass die Arbeiterklasse für die Aufblähung der Kriegswirtschaft bezahlen sollen, von einigen der kämpferischeren Arbeiterinnen und Arbeitern, die sich nach 2022 an den Kämpfen beteiligten, insbesondere in Frankreich, ausdrücklich formuliert.[10]
Es stimmt, dass es in beiden Beispielen mehr um die Politisierung von Minderheiten als um die Politisierung von Kämpfen geht. Das ist nicht überraschend angesichts der ideologischen Fallstricke, denen diejenigen ausgesetzt sind, die beginnen, Verbindungen zwischen Kapitalismus und Krieg herzustellen. Auf der einen Seite haben wir das Beispiel, wie die Populisten in Europa und vor allem in den USA jede noch so zaghafte Antikriegsstimmung in der Klasse für sich vereinnahmt und im Falle des Ukraine-Kriegs sogar in eine kaum verhüllte pro-russische Orientierung umgewandelt haben. Auf der anderen Seite haben wir eine Vielzahl von Linksextremen, die ihre Version des „Internationalismus“ propagieren, die zwar den Anschein erweckt, beide Kriegsparteien in der Ukraine zu verurteilen, aber letztendlich immer auf eine Apologie der einen oder anderen Seite hinausläuft. Und dieselben Linksextremen, die in ihrer Unterstützung für die „Achse des Widerstands“ gegen Israel in der Regel viel parteiischer sind, tragen maßgeblich zur Verschärfung der religiösen und ethnischen Spaltungen bei, die durch den Nahostkrieg geschürt werden. Es ist kaum verwunderlich, dass eine echte internationalistische Antwort auf die aktuellen Kriege auf eine suchende Minderheit beschränkt ist – und selbst innerhalb dieser Minderheit, selbst innerhalb der Gruppen der Kommunistischen Linken, sind Verwirrungen und Widersprüche nur allzu offensichtlich.
Im letzten Abschnitt von Der Zerfall, die letzte Phase der Dekadenz des Kapitalismus haben wir die Gründe dargelegt, warum die Wirtschaftskrise der wichtigste Faktor für die Fähigkeit der Arbeiterklasse bleibt, ihre Klassenidentität wiederzuentdecken und sich zu einer Klasse zu formieren, die sich offen gegen die kapitalistische Gesellschaft stellt, im Gegensatz zu den Hauptphänomenen des kapitalistischen Zerfalls.
„Dies ist so, weil:
- die ökonomischen Attacken (Lohnsenkungen, Entlassungen, Verschärfung der Arbeitshetze usw.) im Gegensatz zu den Auswirkungen des Zerfalls (z.B. die Umweltverschmutzung, die Drogensucht, die Unsicherheit usw.), die relativ unterschiedslos alle Gesellschaftsschichten erfassen und einen günstigen Nährboden für klassenübergreifende Kampagnen und Mystifikationen bilden (wie Ökologie, Anti-AKW-Bewegungen, antirassistische Mobilisierungen usw.), direkt aus der Krise herrühren, die ganz spezifisch das Proletariat (das heißt, die Mehrwert produzierende und auf diesem Terrain das Kapital konfrontierende Klasse) betrifft;
- die Wirtschaftskrise im Gegensatz zum gesellschaftlichen Zerfall, der hauptsächlich den Überbau betrifft, ein Phänomen ist, das direkt die Infrastruktur der Gesellschaft selbst ergreift, auf denen dieser Überbau ruht; daher stellt die Krise die ultimativen Ursachen der gesamten Barbarei bloß, unter der die Gesellschaft leidet, und ermöglicht somit der Arbeiterklasse, sich der Notwendigkeit einer radikalen Umwälzung dieses Systems bewußt zu werden, ohne zu versuchen, einige Teilaspekte zu verbessern.“[11]
Diese Formulierungen bleiben im Wesentlichen gültig, auch wenn es nicht ganz richtig ist, dass die Zerstörung der Natur lediglich ein Aspekt des Überbaus ist, da sie ein direktes Produkt der kapitalistischen Akkumulation ist und die Lebensbedingungen der menschlichen Gesellschaft und die Fortsetzung der Produktion zu untergraben droht. Wenn die sich verschärfende ökologische Krise ein potenzieller Faktor sein kann, der kleine Minderheiten[12] dazu veranlasst, den Kapitalismus grundlegend in Frage zu stellen, bleibt sie für einen großen Teil der Klasse ein Faktor der Angst und Verzweiflung. Die ökologische Katastrophe trifft alle Schichten der Gesellschaft in etwa gleichermaßen, auch wenn ihre verheerendsten Auswirkungen in der Regel von der Arbeiterklasse und den anderen Ausgebeuteten zu tragen sind, und stellt somit „einen günstigen Nährboden für klassenübergreifende Kampagnen und Mystifikationen“ dar, was die Fähigkeit der von der ökologischen Katastrophe Betroffenen einschränkt, zu verstehen, dass die einzige Lösung im Klassenkampf liegt. Darüber hinaus beinhalten die von den kapitalistischen Staaten vorgeschlagenen „Sofortlösungen“ für die Verschlechterung der natürlichen Umwelt oft direkte Angriffe auf den Lebensstandard eines Teils der Arbeiterklasse, insbesondere massive Entlassungen, um die auf fossilen Brennstoffen basierende Produktion durch „sauberere“ Technologien zu ersetzen. In diesem Sinne sind Forderungen nach Umweltschutz in den Reihen der Arbeiterklasse eher ein Faktor der Spaltung als der Vereinigung, im Gegensatz zur Wirtschaftskrise, die dazu neigt, das gesamte Proletariat „nach unten zu nivellieren“.
Die Schlussfolgerung von Der Zerfall, die letzte Phase der Dekadenz des Kapitalismus geht nicht auf die Auswirkungen des Krieges auf die Entwicklung des Klassenbewusstseins ein, aber wir können Folgendes sagen:
- Die Frage des imperialistischen Krieges – wie auch die langwierige und unlösbare Wirtschaftskrise, die ihm zugrunde liegt – ist kein spezifisches Produkt des kapitalistischen Zerfalls, sondern ein zentrales Element der gesamten Epoche der Dekadenz des Kapitalismus.
- Es besteht ein viel engerer Zusammenhang zwischen Wirtschaftskrise und Krieg. Insbesondere die Entwicklung einer Kriegswirtschaft bringt einen sehr offensichtlichen und weit verbreiteten Angriff auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse durch Inflation, Verschärfung des Arbeitstempos usw. mit sich. Der Widerstand gegen diesen Angriff auf einem Klassenterrain, selbst wenn er nur von einer winzigen Minderheit auf einer klaren internationalistischen Position gegründet ist, muss zwangsläufig tiefgreifende politische Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Krieg und nach den gemeinsamen internationalen Interessen des Proletariats aufwerfen. Das ist der Hauptgrund, warum sich die Politisierung von Minderheiten im proletarischen Sinne viel mehr auf eine Reaktion auf die Frage des Krieges stützt als auf die spezifischeren Phänomene des kapitalistischen Zerfalls, einschließlich der Beschleunigung der ökologischen Krise. Und später werden die wachsende Bedrohung und die völlige Irrationalität des Krieges ein realer Faktor für die künftige Politisierung der Kämpfe sein. Wir müssen jedoch betonen, dass erst in einer weiteren Phase der Entwicklung der Klassenidentität und des Klassenkampfs diese Schritte in Richtung Politisierung – sei es um die Frage des Krieges oder um die charakteristischeren Ausdrucksformen des kapitalistischen Zerfalls wie die ökologische Krise – von der Ebene kleiner Minderheiten zu viel breiteren und offeneren Bewegungen der Arbeiterklasse übergehen können.
So zersplittert und geschwächt sie durch den fortschreitenden Verfall ihrer eigenen Produktionsweise auch sein mag, die Bourgeoisie wird niemals die Fähigkeit verlieren, auf die Entwicklung des Klassenkampfs zu reagieren. Als Antwort auf das Wiederaufleben der Kämpfe seit 2022 und insbesondere auf die Entwicklung der unterirdischen Reifung des Klassenbewusstseins haben wir daher gesehen, wie die herrschende Klasse ihre „klassischen“ Instrumente zur Kontrolle des Proletariats reichlich eingesetzt hat:
- Die Gewerkschaften, die ihre Sprache in Erwartung oder als Reaktion auf den Ausbruch von Arbeitskämpfen radikalisiert haben. Dies war beispielsweise in den Kämpfen in Großbritannien sehr deutlich zu sehen, wo die Führung der am stärksten in die Kämpfe involvierten Gewerkschaften von linksextremen Elementen wie Mick Lynch von der Eisenbahnergewerkschaft RMT übernommen wurde.
- Die linksextremen Gruppen, insbesondere die Trotzkisten, von denen einige (Revolutionary Communist Party, Révolution Permanente usw.) wieder begonnen haben, von Kommunismus zu sprechen, und wie bereits erwähnt, insbesondere als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine angeblich internationalistische Positionen vertreten. Viele dieser Gruppen haben erfolgreich unter jungen Menschen rekrutiert, ein leises Echo dessen, was nach den Kämpfen vom Mai/Juni 1968 in Frankreich geschah.
Wie oben erwähnt, haben wir in Diskussionen in letzter Zeit gehört, dass die aktuellen Kämpfe der Klasse es ermöglichen könnten, die Auswirkungen des kapitalistischen Zerfalls zurückzudrängen, oder dass der kapitalistische Zerfall die Bourgeoisie in ihrer Fähigkeit schwächt, gegen die Arbeiterklasse zurückzuschlagen. Solche Ideen stellen die Einsicht in Frage, dass der kapitalistische Zerfall den Kampf der Arbeiterklasse nicht begünstigt. Angst, Rückzug, Verzweiflung aufgrund der Verallgemeinerung kriegerischer Barbarei; Nihilismus, Atomisierung, Irrationalität des Denkens, hervorgerufen durch die Abwesenheit einer Zukunft und die Zerstörung sozialer Beziehungen, sind allesamt Hindernisse für die Entwicklung der Klassensolidarität und eines kollektiven, vereinten Kampfes sowie für die Reifung des Denkens.
Aber wir sehen auch, wie die Bourgeoisie die Produkte ihrer eigenen Zersetzung gegen die Entwicklung der Kämpfe der Arbeiterklasse einsetzt:
- Dies insbesondere durch die Kampagnen gegen den Populismus und die extreme Rechte, das „chemisch reinste“ Produkt des kapitalistischen Zerfalls, werden die alte Ideologie des Antifaschismus und die damit verbundene Verteidigung der Demokratie wiederbelebt. Diese Kampagnen, die sich nach dem Sieg Trumps bei den US-Wahlen zweifellos noch verschärfen, haben für die Bourgeoisie den doppelten Vorteil, dass sie die Arbeiterinnen und Arbeiter davon überzeugen, die Verteidigung der demokratischen Illusion über den Kampf für ihre eigenen angeblich „egoistischen“ Klasseninteressen zu stellen, und dass sie der Gefahr der Klasseneinheit entgegenwirken, indem sie verschiedene Sektoren der Arbeiterklasse hinter die konkurrierenden kapitalistischen Lager ziehen.
- Diese Strategie der Spaltung zeigt sich auch in den verschiedenen Formen der „Kulturkriege“, die den Konflikt zwischen den „Woke“ und den „Anti-Woke“ in zahlreichen Fragen (Geschlechter, Migration, Umwelt usw. sowie in den zunehmend gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den politischen Parteien) ausnutzen.
- Die Entwicklung von Anti-Einwanderungskampagnen durch rechte und rechtsextreme Parteien zielt darauf ab, eine Pogromstimmung zu schüren, Migranten und Ausländer zu Sündenböcken zu machen und ihnen die Schuld für den Niedergang des Lebensstandards zu geben. Dieser ideologischen Vergiftung kann nur durch die Fähigkeit der Arbeiterklasse entgegengewirkt werden, ihre Einheit und Solidarität gegen die materiellen Angriffe, denen alle Proletarier und Proletarier ausgesetzt sind, zu schmieden.
- Die Situation wird auch von Aufständen der Zwischenschichten geprägt sein, die die Bourgeoisie nutzen wird, um die Kämpfe und Überlegungen der Arbeiterklasse zu verzerren.
Angesichts dieses gewaltigen ideologischen Angriffs kann die einzige mögliche Antwort aus der Sicht der Arbeiterklasse nur lauten:
- Die Wiedergewinnung der Lehren aus vergangenen Kämpfen, die die sabotierende Rolle der Gewerkschaften und der Linken aufdecken und den Boden für die selbstorganisierten und vereinigenden Kämpfe einer höheren Phase des Bruchs bereiten können.
- Die Entwicklung des Selbstbewusstseins des Proletariats als Klasse, die dem Kapital entgegensteht, sowohl in den offenen Kämpfen als auch außerhalb davon, ist unverzichtbar sowohl für die Fähigkeit der Klasse, ihre unmittelbaren Forderungen zu verteidigen, als auch für die Entwicklung eines Verständnisses ihrer historischen Aufgabe als Totengräber des Kapitals.
Es versteht sich von selbst, dass die revolutionäre Organisation eine unersetzliche Rolle bei der Bewusstseinsentwicklung in dieser Richtung spielt. Die Fähigkeit der IKS, ihre Rolle zu übernehmen, hängt genau davon ab, ob sie die immensen Herausforderungen, denen die Arbeiterklasse in den kommenden Jahrzehnten gegenübersteht, richtig einschätzen kann.
IKS, Mai 2025
[1] Wir beziehen uns auf kleine Gruppen oder Einzelpersonen, die von Ressentiments beseelt sind und deren „militantes“ Leben darin besteht, revolutionäre Organisationen zu diskreditieren oder zu zerstören. Revolutionäre Organisationen mussten sich schon immer gegen diese reale Gefahr verteidigen, und auch die Kommunistische Linke ist davon nicht verschont geblieben. Siehe: Die marxistischen Grundlagen des Begriffs des politischen Parasitismus und der Kampf gegen diese Geißel [1], IKSonline September 2023.
[2] Bericht über den historischen Kurs [2], INTERNATIONALE REVUE Nr. 56
[3] „In dieser Periode muß es sein Ziel sein, den schädlichen Auswirkungen des Zerfalls in seinen eigenen Reihen zu trotzen, indem es nur auf seine eigenen Kräfte zählt, auf seine Fähigkeit baut, sich kollektiv und solidarisch für die Verteidigung seiner Interessen als ausgebeutete Klasse einzusetzen (selbst wenn die Propaganda der Revolutionäre ständig die Gefahren des Zerfalls unterstreichen muß). Nur in der vorrevolutionären Periode, d.h. wenn das Proletariat zur Offensive übergegangen ist, wenn es sich direkt und offen im Kampf für seine eigene historische Perspektive engagiert, kann es bestimmte Effekte des Zerfalls, insbesondere den Zerfall der bürgerlichen Ideologie und der Kräfte der kapitalistischen Macht, als Hebel benutzen und gegen das Kapital wenden.“ Der Zerfall: Die letzte Phase der Dekadenz des Kapitalismus [3], INTERNATIONALE REVUE Nr. 13
[4] Die französische Regierung plant Einsparungen in Höhe von mehreren Dutzend Milliarden Dollar, während Elon Musk versprochen hat, fast 2.000 Milliarden Dollar aus dem US-Bundeshaushalt zu streichen.
[5] In den wichtigsten Ländern im Herzen des Kapitalismus (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, USA usw.) sind in den kommenden Monaten und Jahren Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende von Arbeitsplätzen bedroht.
[6] Der Zerfall: Die letzte Phase der Dekadenz des Kapitalismus [3], INTERNATIONALE REVUE Nr. 13
[7] Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Kapitel II, Abschnitt V. „Streiks und Arbeiterkoalitionen“
[8] Zur Unterscheidung zwischen der Politisierung von Minderheiten und der Politisierung von Kämpfen siehe den Bericht über den Klassenkampf zum 24. IKS-Kongress [4] in INTERNATIONALE REVUE Nr. 57
Der Artikel Nach dem Bruch im Klassenkampf: Die Notwendigkeit der Politisierung [5] in der INTERNATIONALEN REVUE Nr. 60 liefert eine Grundlage, um diese Frage vertiefter zu untersuchen und ihre tiefgreifende Bedeutung in der Phase des Zerfalls zu verstehen.
[9] Why the alternative is war or revolution? [6] INTERNATIONAL REVIEW Nr. 30 (engl.)
und: The proletariat and war [7], INTERNATIONAL REVIEW Nr. 65 (engl.)
[10] Im Iran kam es kürzlich zu einer Reihe von Streiks und Protesten von Beschäftigten im Gesundheits-, Bildungs- und Transportwesen sowie von Ölarbeitern und Rentnern aus der Stahlindustrie, die mit stark steigenden Preisen konfrontiert sind. Ihre Erkenntnis, dass der Inflationsschub ein Produkt der Kriegswirtschaft ist, kam in den Slogans zum Ausdruck, die in den Städten Ahvaz und Shush skandiert wurden: „Schluss mit der Kriegstreiberei, unsere Tische sind leer.“
[11] Der Zerfall: Die letzte Phase der Dekadenz des Kapitalismus [3], INTERNATIONALE REVUE Nr. 13
[12] Die Entwicklung solcher Minderheiten oder vielmehr die objektive Notwendigkeit für die Boirgeoisie, sie daran zu hindern, zu einer kohärenten Kritik des Kapitals zu gelangen, erklärt das Aufkommen eines radikalen Flügels der ökologischen Protestbewegung, insbesondere der Befürworter des „Degrowth“.
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[1] https://de.internationalism.org/content/3137/die-marxistischen-grundlagen-des-begriffs-des-politischen-parasitismus-und-der-kampf
[2] https://de.internationalism.org/content/2930/bericht-ueber-den-historischen-kurs
[3] https://de.internationalism.org/content/748/der-zerfall-die-letzte-phase-der-dekadenz-des-kapitalismus
[4] https://de.internationalism.org/content/3016/bericht-ueber-den-internationalen-klassenkampf-fuer-den-24-kongress-der-iks
[5] https://de.internationalism.org/content/3230/nach-dem-bruch-im-klassenkampf-die-notwendigkeit-der-politisierung
[6] https://en.internationalism.org/ir/030_war_or_revolution.html
[7] https://en.internationalism.org/ir/065_prole_and_war.html